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Der Überfall auf Polen - Geschichte

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Der Überfall auf Polen - Geschichte




Der Überfall auf Polen - Geschichte

Der deutsche Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 und löste den Zweiten Weltkrieg in Europa aus. Der Angriff war kein ungeplanter Grenzkonflikt, sondern ein vorbereiteter, völkerrechtswidriger Angriffskrieg des nationalsozialistischen Deutschlands. Am 17. September 1939 griff auch die Sowjetunion Polen von Osten an. Beide Diktaturen hatten zuvor im geheimen Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts ihre Interessensphären in Ostmitteleuropa abgesteckt.

Dieser aiMOOC des Studienfachs Geschichte untersucht politische Voraussetzungen, Propaganda, militärischen Verlauf, Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, die deutsch-sowjetische Teilung Polens und die langfristige historische Bedeutung. Du lernst außerdem, Karten, Fotografien, Reden, Befehle und filmische Darstellungen als historische Quellen kritisch zu prüfen.


Einleitung

Der Überfall auf Polen markiert eine entscheidende Zäsur der europäischen Geschichte. Mit ihm begann nicht nur ein Krieg zwischen zwei Staaten. Der Angriff eröffnete einen Krieg, in dem militärische Eroberung, rassistische Herrschaft, Vertreibung, Zwangsarbeit und Massenmord eng miteinander verbunden waren. Polen wurde zum ersten Schauplatz dieser radikalisierten Gewaltpolitik.

Für das historische Verständnis ist es wichtig, mehrere Ebenen auseinanderzuhalten. Der Begriff Überfall auf Polen bezeichnet vor allem den deutschen Angriff vom 1. September 1939. Der umfassendere Begriff Septemberfeldzug oder Polenfeldzug schließt den gesamten militärischen Verlauf bis Anfang Oktober 1939 sowie den sowjetischen Angriff vom 17. September ein. Die anschließende deutsche und sowjetische Besatzung ist eine weitere historische Phase.

Du sollst das Geschehen nicht nur als Abfolge militärischer Operationen betrachten. Ebenso wichtig sind die Perspektiven polnischer Soldaten, jüdischer und nichtjüdischer Zivilpersonen, Flüchtender, ausländischer Diplomaten, Journalistinnen und Journalisten sowie der Menschen, die später im Untergrund oder im Exil weiterkämpften.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. Ursachen analysieren: Du erklärst, wie nationalsozialistische Expansionspolitik, internationale Krisen und der deutsch-sowjetische Pakt den Angriff vorbereiteten.
  2. Propaganda untersuchen: Du erkennst die Funktion des fingierten Überfalls auf den Sender Gleiwitz und anderer inszenierter Rechtfertigungen.
  3. Karten auswerten: Du beschreibst die deutschen Angriffsrichtungen, den sowjetischen Vormarsch und die spätere Teilung Polens.
  4. Militärische Entwicklungen einordnen: Du erklärst die Bedeutung von Luftüberlegenheit, motorisierten Verbänden, Kommunikation und operativer Einkesselung.
  5. Mythen überprüfen: Du widerlegst verbreitete Fehldarstellungen über die polnische Kavallerie, die polnische Luftwaffe und den Begriff „Blitzkrieg“.
  6. Gewaltverbrechen beurteilen: Du zeigst, dass Verbrechen gegen Zivilpersonen und Kriegsgefangene bereits während des Feldzugs begannen.
  7. Multiperspektivisch arbeiten: Du vergleichst deutsche, polnische, sowjetische und westalliierte Sichtweisen.
  8. Erinnerungskulturelle Fragen diskutieren: Du untersuchst, wie der September 1939 in Polen, Deutschland und anderen Staaten erinnert wird.


Europa vor dem Krieg


Polen nach dem Ersten Weltkrieg

Nach den Teilungen des 18. Jahrhunderts existierte über ein Jahrhundert lang kein unabhängiger polnischer Staat. Erst nach dem Ersten Weltkrieg entstand 1918 die Zweite Polnische Republik. Ihre Grenzen bildeten sich in Kriegen, Aufständen, Volksabstimmungen und internationalen Verträgen heraus.

Der Versailler Vertrag schuf unter anderem den sogenannten Polnischen Korridor, durch den Polen Zugang zur Ostsee erhielt. Dadurch war das deutsche Hauptgebiet territorial von Ostpreußen getrennt. Die überwiegend deutschsprachige Stadt Danzig wurde als Freie Stadt unter den Schutz des Völkerbunds gestellt. Polen erhielt dort besondere wirtschaftliche und verkehrspolitische Rechte.

Diese Grenzordnung wurde in der deutschen Öffentlichkeit häufig abgelehnt. Die Nationalsozialisten nutzten solche Ressentiments, doch territoriale Streitfragen erklären den Krieg nicht ausreichend. Hitlers Ziel war nicht nur eine Veränderung einzelner Grenzen. Seine Politik zielte auf die Zerschlagung des polnischen Staates, die Eroberung von „Lebensraum“ und eine rassistisch begründete Neuordnung Europas.


Die nationalsozialistische Expansionspolitik

Seit 1933 betrieb das NS-Regime Aufrüstung, Vertragsbruch und territoriale Expansion. Wichtige Stationen waren die Wiedereinführung der Wehrpflicht, die Remilitarisierung des Rheinlands, der Anschluss Österreichs, die Annexion des Sudetenlands und die Besetzung der böhmischen Länder im März 1939.

Mit der Zerschlagung der Tschechoslowakei wurde deutlich, dass Hitlers Politik nicht auf die Vereinigung deutschsprachiger Gebiete begrenzt war. Großbritannien und Frankreich gaben Polen daraufhin politische Garantien. Im August 1939 wurde ein britisch-polnisches Beistandsabkommen abgeschlossen.

Deutschland forderte unter anderem die Eingliederung Danzigs in das Deutsche Reich sowie exterritoriale Verkehrsverbindungen durch polnisches Gebiet. Die polnische Regierung lehnte Forderungen ab, die ihre Souveränität und Sicherheit gefährdet hätten. Hitler stellte die Ablehnung propagandistisch als Beweis polnischer Unnachgiebigkeit dar, obwohl die militärische Zerschlagung Polens bereits vorbereitet wurde.


Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt

Am 23. August 1939 unterzeichneten der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop und der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow in Moskau den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. Öffentlich verpflichteten sich beide Staaten, einander nicht anzugreifen.

Entscheidend war das geheime Zusatzprotokoll. Darin ordneten Deutschland und die Sowjetunion Gebiete in Polen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Rumänien ihren jeweiligen Interessensphären zu. Für Hitler verringerte der Pakt das Risiko eines unmittelbaren Zweifrontenkriegs. Für Stalin eröffnete er die Möglichkeit, sowjetischen Einfluss und sowjetisches Territorium nach Westen auszudehnen und zugleich Zeit für weitere militärische Vorbereitungen zu gewinnen.

Der Pakt machte aus den ideologischen Gegnern keine dauerhaften Verbündeten. Er war ein taktisches Abkommen zweier Diktaturen mit unterschiedlichen langfristigen Zielen. Dennoch hatte er konkrete Folgen: Er erleichterte den deutschen Angriff und bereitete die Teilung Polens vor.


Propaganda und fingierte Grenzzwischenfälle

Das NS-Regime bereitete den Angriff nicht nur militärisch, sondern auch propagandistisch vor. Zeitungen und Rundfunk verbreiteten Berichte über angebliche polnische Gewalttaten, Grenzverletzungen und eine vermeintliche Verfolgung der deutschen Minderheit. Tatsächliche Konflikte wurden übertrieben, aus dem Zusammenhang gelöst oder erfunden.

Am Abend des 31. August 1939 inszenierten Angehörige der SS und des Sicherheitsdienstes einen angeblich polnischen Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz. Die Aktion war Teil mehrerer fingierter Zwischenfälle. Sie sollte Deutschland als Opfer erscheinen lassen und den bereits beschlossenen Angriff als Verteidigungsmaßnahme tarnen.

In seiner Reichstagsrede am 1. September behauptete Hitler, Deutschland schieße lediglich zurück. Diese Darstellung war eine propagandistische Umkehrung von Täter und Opfer. Der Angriff hatte zu diesem Zeitpunkt längst begonnen.


Der Angriff am 1. September 1939


Westerplatte, Danzig und die ersten Kampfhandlungen

In den frühen Morgenstunden des 1. September eröffnete das deutsche Schiff Schleswig-Holstein das Feuer auf das polnische Munitionslager auf der Westerplatte bei Danzig. Deutsche Truppen griffen zugleich an zahlreichen Stellen die polnische Grenze an. Luftwaffe, Heer und Kriegsmarine wirkten zusammen.

Die polnische Besatzung der Westerplatte sollte ursprünglich nur begrenzten Widerstand leisten, hielt jedoch sieben Tage lang stand. Auch die Verteidiger des Polnischen Postamts in Danzig leisteten Widerstand. Nach ihrer Kapitulation wurden überlebende Verteidiger später von deutschen Gerichten rechtswidrig verurteilt; zahlreiche von ihnen wurden erschossen.

Der Beschuss der Westerplatte gilt als eines der bekanntesten Symbole des Kriegsbeginns. Er war jedoch nicht die einzige frühe Kampfhandlung. Angriffe auf Brücken, Bahnanlagen, Grenzposten und Städte begannen nahezu gleichzeitig.


Der Luftangriff auf Wieluń

Die polnische Stadt Wieluń wurde am Morgen des 1. September von der deutschen Luftwaffe bombardiert. Große Teile des Stadtzentrums wurden zerstört, Zivilpersonen getötet und ein Krankenhaus getroffen. Die genaue zeitliche Einordnung einzelner Angriffswellen wird in der Forschung diskutiert. Unstrittig ist, dass Wieluń zu den frühesten und folgenreichsten Luftangriffen des Krieges gehörte.

Wieluń zeigt, dass die Gewalt gegen zivile Räume nicht erst nach dem militärischen Sieg begann. Bombardierungen, Artilleriebeschuss, Erschießungen und die Zerstörung von Infrastruktur trafen die Bevölkerung von den ersten Kriegstagen an.


Angriffsrichtungen und Kräfteverhältnis

Die Wehrmacht griff Polen aus mehreren Richtungen an: aus dem Deutschen Reich im Westen, aus Ostpreußen im Norden sowie aus Schlesien und dem verbündeten Slowakischen Staat im Süden. Ziel war es, polnische Verbände zu durchbrechen, einzukesseln und den Rückzug in den Osten zu verhindern.

Deutschland verfügte über deutliche Vorteile bei Kampfflugzeugen, Panzern, motorisierten Verbänden, Funkverbindungen und der Koordination verschiedener Waffengattungen. Die polnische Armee besaß kampferfahrene und motivierte Soldaten, war jedoch materiell unterlegen und nur teilweise mobilisiert. Viele Verbände mussten große Grenzräume verteidigen.

Die polnische Führung stand vor einem strategischen Dilemma. Eine weit im Landesinneren angelegte Verteidigung hätte militärische Vorteile bieten können, aber wichtige Industriegebiete und große Bevölkerungsteile frühzeitig preisgegeben. Die grenznahe Aufstellung erleichterte deutschen Kräften wiederum schnelle Umfassungen.


War der Polenfeldzug ein „Blitzkrieg“?

Der Begriff Blitzkrieg ist populär, aber erklärungsbedürftig. Die Wehrmacht besaß 1939 keine einheitliche, offiziell so bezeichnete Blitzkrieg-Doktrin. Ihr Erfolg beruhte dennoch auf schnellen Vorstößen, operativer Überraschung, Schwerpunktbildung, Luftunterstützung, Funkkommunikation und dem Zusammenwirken von Panzer-, Infanterie- und Luftwaffenverbänden.

Nicht die gesamte deutsche Armee war motorisiert. Ein großer Teil bewegte sich zu Fuß oder mit Pferden. Der Feldzug war daher kein vollständig mechanisierter Krieg. Moderne Verbände wurden gezielt an entscheidenden Stellen konzentriert.

Auch die Vorstellung, polnische Kavallerie habe mit Säbeln deutsche Panzer angegriffen, ist ein Mythos. Polnische Kavallerieeinheiten kämpften überwiegend als bewegliche Infanterie, verfügten über Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen und setzten Pferde vor allem für schnelle Verlegung ein. Der Mythos entstand aus propagandistischen und missverständlichen Darstellungen einzelner Gefechte.

Die polnische Luftwaffe wurde ebenfalls nicht vollständig am Boden zerstört. Viele Flugzeuge waren vor dem Angriff auf Ausweichplätze verlegt worden. Polnische Piloten leisteten Widerstand, konnten die deutsche Luftüberlegenheit jedoch nicht brechen.


Der Verlauf des Septemberfeldzugs


Chronologie wichtiger Ereignisse

Datum Ereignis Historische Bedeutung
1. September 1939 Deutscher Angriff auf Polen; Beschuss der Westerplatte; Luftangriffe auf zahlreiche Ziele Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa
3. September 1939 Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg Aus dem deutsch-polnischen Krieg wird ein europäischer Krieg
7. September 1939 Kapitulation der Verteidiger der Westerplatte Symbol polnischen Widerstands
8. September 1939 Erste deutsche Verbände erreichen den Raum Warschau Schneller Vormarsch, aber kein sofortiger Fall der Hauptstadt
9. bis 22. September 1939 Schlacht an der Bzura Größter polnischer Gegenangriff des Feldzugs
17. September 1939 Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen Angriff Polens von einer zweiten Seite
27. September 1939 Bildung der Untergrundorganisation Dienst für den Sieg Polens Beginn des organisierten polnischen Untergrundkampfs
28. September 1939 Kapitulation Warschaus; deutsch-sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag Militärische Niederlage der Hauptstadt und vertragliche Neuaufteilung Polens
29. September 1939 Kapitulation der Festung Modlin Ende eines wichtigen polnischen Verteidigungszentrums
2. Oktober 1939 Kapitulation der Halbinsel Hel Ende des organisierten Widerstands an der Ostseeküste
6. Oktober 1939 Ende der Schlacht bei Kock Letzte größere Kapitulation regulärer polnischer Verbände im Feldzug


Westerplatte, Mokra und die Bzura

Die Verteidigung der Westerplatte hatte vor allem symbolische Bedeutung. Militärisch bedeutender waren unter anderem die Schlacht bei Mokra und die Schlacht an der Bzura.

Bei Mokra gelang es polnischen Verbänden am 1. September, einen deutschen Panzerangriff zeitweise zurückzuschlagen. Das Gefecht widerlegt die Vorstellung einer technisch völlig hilflosen polnischen Armee.

An der Bzura griffen die polnischen Armeen Poznań und Pomorze ab dem 9. September deutsche Verbände an. Der Gegenangriff zwang die Wehrmacht zu Umgruppierungen und verzögerte ihren Vormarsch. Schließlich wurden große Teile der polnischen Streitkräfte eingekesselt. Dennoch band die Schlacht deutsche Kräfte und ermöglichte anderen Einheiten und Zivilpersonen den Rückzug Richtung Warschau.


Die Belagerung Warschaus

Warschau war politisches Zentrum, Verkehrsknotenpunkt und Symbol der polnischen Staatlichkeit. Deutsche Truppen erreichten den Stadtrand bereits in der ersten Kriegswoche, scheiterten jedoch zunächst an der Verteidigung.

Die Stadt wurde eingeschlossen, bombardiert und mit Artillerie beschossen. Neben militärischen Zielen wurden Wohngebiete, Versorgungseinrichtungen und kulturelle Gebäude zerstört. Wassermangel, Brände und der Zusammenbruch der Versorgung verschärften die Lage der Zivilbevölkerung.

Am 28. September kapitulierte Warschau. Die Kapitulation war eine militärische Entscheidung unter extremen Bedingungen, bedeutete aber nicht das Ende des polnischen Staates oder des polnischen Widerstands.


Der sowjetische Angriff vom 17. September

Am 17. September überschritt die Rote Armee die polnische Ostgrenze. Die sowjetische Regierung behauptete, der polnische Staat habe aufgehört zu existieren und die Sowjetunion müsse die ukrainische und belarussische Bevölkerung schützen. Tatsächlich bestand die polnische Regierung weiterhin, und der Angriff entsprach den zuvor mit Deutschland vereinbarten Interessensphären.

Polnische Kräfte im Osten waren zahlenmäßig schwach, weil der größte Teil der Armee gegen Deutschland kämpfte. Die polnische Führung ordnete an, größere Kämpfe mit sowjetischen Truppen möglichst zu vermeiden und den Rückzug nach Rumänien und Ungarn fortzusetzen. Dennoch kam es zu Gefechten, etwa bei Grodno.

In der Nacht vom 17. auf den 18. September überschritten der polnische Staatspräsident, die Regierung und die militärische Führung die Grenze nach Rumänien. Dort wurden sie interniert. Eine neue polnische Exilregierung entstand wenig später in Frankreich und setzte den Kampf auf alliierter Seite fort.


Das Zusammentreffen deutscher und sowjetischer Truppen

Deutsche und sowjetische Einheiten trafen in den besetzten Gebieten aufeinander. In Brest fanden Übergabezeremonien und ein gemeinsamer Vorbeimarsch von Truppen statt. Solche Bilder dokumentieren die zeitweilige praktische Zusammenarbeit beider Mächte bei der Aufteilung Polens.

Am 28. September schlossen Deutschland und die Sowjetunion den Grenz- und Freundschaftsvertrag. Die Besatzungsgrenze wurde verändert; Litauen wurde nun der sowjetischen Interessensphäre zugerechnet. Beide Regime verpflichteten sich außerdem, polnischen Widerstand in ihren Besatzungsgebieten nicht zu dulden.


Großbritannien und Frankreich

Großbritannien und Frankreich erklärten Deutschland am 3. September den Krieg. Damit erfüllten sie ihre Beistandszusagen formal. Eine militärische Entlastung Polens blieb jedoch weitgehend aus.

Frankreich begann eine begrenzte Offensive im Saargebiet, stellte sie aber bald wieder ein. Großbritannien war 1939 noch nicht in der Lage, eine große Landoperation auf dem europäischen Kontinent durchzuführen. Die Westalliierten setzten auf Blockade, Aufrüstung und einen längeren Krieg.

Für Polen bedeutete dies, dass die Wehrmacht den größten Teil ihrer Kräfte im Osten einsetzen konnte. In der polnischen Erinnerung wurde die geringe militärische Unterstützung häufig als Versagen oder Verrat der Verbündeten wahrgenommen. Historisch muss zwischen politischen Zusagen, tatsächlichen militärischen Möglichkeiten und strategischen Fehlentscheidungen unterschieden werden.


Gewalt gegen Zivilbevölkerung und Kriegsgefangene


Krieg von Beginn an gegen die Gesellschaft

Der Feldzug war von Anfang an von Gewalt gegen Zivilpersonen geprägt. Luftangriffe, Beschuss, Brände, Fluchtbewegungen und der Zusammenbruch von Versorgungssystemen trafen Millionen Menschen. Jüdische und nichtjüdische Polinnen und Polen flohen vor den vorrückenden Armeen.

Deutsche Einheiten erschossen Zivilpersonen und Kriegsgefangene. An Verbrechen waren nicht nur SS- und Polizeieinheiten beteiligt, sondern auch Angehörige der Wehrmacht und lokale deutsche Selbstschutzverbände. Antipolnische und antisemitische Feindbilder senkten die Hemmschwelle zur Gewalt.

Hinter der Front folgten Einsatzgruppen. Sie verhafteten und ermordeten Angehörige der polnischen Führungsschichten, darunter Lehrkräfte, Geistliche, Beamte, Intellektuelle und politische Aktivisten. Diese Maßnahmen dienten der Zerschlagung gesellschaftlicher Eliten und bereiteten die Besatzungsherrschaft vor.


Die Lage der jüdischen Bevölkerung

1939 lebten in Polen mehr als drei Millionen Jüdinnen und Juden. Bereits während des Feldzugs kam es zu Misshandlungen, Demütigungen, Plünderungen, Zwangsarbeit und Morden. Synagogen und jüdische Einrichtungen wurden zerstört.

Die spätere systematische Ermordung der europäischen Juden war im September 1939 noch nicht in allen Einzelheiten organisiert. Dennoch schuf der Überfall zentrale Voraussetzungen für den Holocaust: Millionen jüdische Menschen gerieten unter deutsche Herrschaft, und Polen wurde zum Hauptschauplatz der späteren Ghettos, Massenerschießungen und Vernichtungslager.


Sowjetische Repressionen

Auch in den sowjetisch besetzten Gebieten begann eine Politik der Verhaftung, Enteignung, Deportation und politischen Verfolgung. Betroffen waren unter anderem Offiziere, Polizisten, Beamte, Grundbesitzer, politische Gegner und Angehörige gesellschaftlicher Eliten.

Zahlreiche polnische Soldaten gerieten in sowjetische Gefangenschaft. Im Frühjahr 1940 ermordete der sowjetische Geheimdienst Tausende polnische Offiziere und weitere Gefangene im Massaker von Katyn und an anderen Tatorten. Katyn war eine Folge der sowjetischen Besetzung, gehört aber zeitlich nicht mehr zum Septemberfeldzug selbst.


Teilung und Besatzung Polens

Nach dem Ende der größeren Kampfhandlungen teilten Deutschland und die Sowjetunion das polnische Staatsgebiet. Westliche und nördliche Regionen wurden unmittelbar in das Deutsche Reich eingegliedert. Zentralpolen wurde als Generalgouvernement einer deutschen Kolonial- und Ausbeutungsherrschaft unterstellt. Die Sowjetunion annektierte die östlichen Gebiete und gliederte sie in die Ukrainische und Belarussische Sowjetrepublik ein.

In den deutschen Annexionsgebieten begann eine gewaltsame Germanisierung. Polnische und jüdische Bewohnerinnen und Bewohner wurden enteignet, vertrieben, deportiert oder zur Zwangsarbeit verpflichtet. Im Generalgouvernement herrschten Entrechtung, wirtschaftliche Ausplünderung und Terror.

Die sowjetische Herrschaft zielte auf Sowjetisierung. Institutionen wurden aufgelöst, Eigentum verstaatlicht, Gegner verhaftet und Bevölkerungsgruppen deportiert. Bewohnerinnen und Bewohner erhielten gegen ihren Willen die sowjetische Staatsbürgerschaft.


Polen kämpft weiter

Die militärische Niederlage bedeutete keine politische Gesamtkapitulation. Polen schloss keinen Kapitulationsvertrag als Staat. Die Polnische Exilregierung führte die staatliche Kontinuität zunächst in Frankreich, später in London fort.

Zehntausende polnische Soldaten gelangten über Rumänien, Ungarn und andere Länder in den Westen. Polnische Verbände kämpften später in Norwegen, Frankreich, Großbritannien, Nordafrika, Italien und an der Westfront. Polnische Piloten spielten eine bedeutende Rolle in der Luftschlacht um England.

Im besetzten Polen entstand der Polnische Untergrundstaat mit Verwaltung, Bildung, Justiz und Streitkräften. Die Polnische Heimatarmee wurde zu einer der größten Widerstandsorganisationen im besetzten Europa.


Historische Bedeutung

Der Überfall auf Polen ist aus mehreren Gründen von grundlegender Bedeutung:

  1. Beginn des Zweiten Weltkriegs: Der Angriff setzte die Bündnismechanismen in Gang und machte aus einer regionalen Aggression einen europäischen Krieg.
  2. Völkerrechtsbruch: Deutschland griff ohne legitime Selbstverteidigung und ohne vorherige Kriegserklärung an.
  3. Deutsch-sowjetische Kooperation: Der Pakt und die Teilung zeigen, dass Deutschland und die Sowjetunion 1939 zeitweise zusammenwirkten, obwohl sie langfristig Gegner blieben.
  4. Radikalisierung der Gewalt: Verbrechen gegen Zivilpersonen, Kriegsgefangene und gesellschaftliche Eliten begannen bereits während der Eroberung.
  5. Besatzung und Holocaust: Der Feldzug eröffnete die deutsche Herrschaft über große Teile der polnischen und jüdischen Bevölkerung.
  6. Polnische Staatlichkeit: Trotz Besetzung bestanden Regierung, Armee und Widerstandsstrukturen im Exil und Untergrund fort.
  7. Erinnerungskultur: Westerplatte, Wieluń, Warschau, der 17. September und Katyn besitzen in Polen bis heute hohe symbolische Bedeutung.


Mythen und Forschungskontroversen

Verbreitete Behauptung Historische Einordnung
Polen habe den Krieg durch einen Angriff auf den Sender Gleiwitz ausgelöst. Der Überfall auf den Sender wurde von der SS inszeniert und diente als propagandistischer Vorwand.
Polnische Kavalleristen hätten mit Säbeln Panzer angegriffen. Kavallerie wurde vor allem als bewegliche Infanterie eingesetzt. Der angebliche massenhafte Säbelangriff gegen Panzer ist ein Propagandamythos.
Die polnische Luftwaffe sei am ersten Tag vollständig am Boden vernichtet worden. Viele Flugzeuge waren auf Ausweichplätze verteilt und kämpften weiter, blieben aber der Luftwaffe zahlenmäßig und technisch unterlegen.
Die deutsche Armee sei vollständig motorisiert gewesen. Nur ein Teil der Wehrmacht war motorisiert. Pferde und Fußmärsche blieben für Transport und Versorgung zentral.
Polen habe am 28. September vollständig kapituliert. Warschau kapitulierte, doch der polnische Staat schloss keinen Gesamtkapitulationsvertrag und kämpfte im Exil und Untergrund weiter.
Die Sowjetunion habe nur ein politisches Vakuum besetzt. Der polnische Staat bestand fort. Der sowjetische Einmarsch entsprach den geheim vereinbarten Interessensphären des Pakts mit Deutschland.
Der Feldzug sei ausschließlich eine saubere militärische Operation gewesen. Bereits während des Feldzugs kam es zu zahlreichen Verbrechen gegen Zivilpersonen und Kriegsgefangene.


Historische Quellen kritisch untersuchen


Quellenarten

Für die Erforschung des Überfalls stehen sehr unterschiedliche Quellen zur Verfügung:

  1. Befehle und Lagekarten: Sie zeigen Planungen, Operationsziele und den Wissensstand militärischer Führungen.
  2. Politische Reden: Sie dokumentieren öffentliche Rechtfertigungen, müssen aber als strategische Kommunikation und Propaganda analysiert werden.
  3. Fotografien: Sie können Zerstörung, Truppenbewegungen und Begegnungen zeigen, sind jedoch oft ausgewählt, beschriftet oder inszeniert.
  4. Wochenschauen: Sie verbinden Bild, Kommentar und Musik zu einer propagandistischen Deutung.
  5. Tagebücher und Briefe: Sie geben Einblick in individuelle Wahrnehmungen, bleiben aber subjektiv und räumlich begrenzt.
  6. Zeitzeugenberichte: Sie vermitteln Erfahrungen und Erinnerungen, die durch spätere Ereignisse und Deutungen beeinflusst sein können.
  7. Diplomatische Akten: Sie machen internationale Entscheidungen und Fehleinschätzungen sichtbar.
  8. Sachquellen und Gedenkorte: Ruinen, Befestigungen, Gräber und Objekte verbinden Raum, Materialität und Erinnerung.


Leitfragen der Quellenkritik

Bei jeder Quelle solltest Du fragen:

  1. Urheberschaft: Wer hat die Quelle erstellt?
  2. Entstehungszeit: Wann und unter welchen Umständen entstand sie?
  3. Adressat: Für wen war sie bestimmt?
  4. Intention: Was sollte sie bewirken?
  5. Perspektive: Welche Sichtweise wird sichtbar und welche fehlt?
  6. Überlieferung: Ist die Quelle vollständig, bearbeitet, übersetzt oder nachträglich beschriftet?
  7. Vergleich: Welche anderen Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen ihr?


Beispiel einer Bildanalyse

Das Foto eines Zusammentreffens deutscher und sowjetischer Soldaten kann als Beleg für Kontakte zwischen beiden Armeen dienen. Es beweist jedoch nicht automatisch eine vollständige politische oder ideologische Übereinstimmung. Du musst Aufnahmeort, Zeitpunkt, Fotograf, Bildausschnitt, ursprüngliche Bildunterschrift und späteren Verwendungskontext prüfen.

Ebenso können Fotografien zerstörter Städte den Umfang der Gewalt sichtbar machen. Sie erklären aber nicht von selbst, wer die Zerstörung verursachte, welches Ziel angegriffen wurde oder ob das Bild repräsentativ ist. Erst die Verbindung mit weiteren Quellen ermöglicht eine belastbare Aussage.


Medien zur Vertiefung

Die folgenden Videos eignen sich für eine quellenkritische Vertiefung. Prüfe bei jeder Darstellung, wer sie produziert hat, welche Quellen verwendet werden und welche Aspekte besonders hervorgehoben oder ausgelassen werden.


Zusammenfassung

Der deutsche Überfall auf Polen war ein langfristig vorbereiteter Angriffskrieg. Territorialfragen um Danzig und den Korridor wurden vom NS-Regime als Vorwand genutzt, während Hitlers Ziele auf die Zerschlagung Polens und eine rassistische Neuordnung Osteuropas gerichtet waren.

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt beseitigte für Deutschland vorübergehend das Risiko eines sowjetischen Eingreifens zugunsten Polens. Das geheime Zusatzprotokoll bereitete die Aufteilung Ostmitteleuropas vor.

Am 1. September 1939 griff Deutschland Polen von mehreren Seiten an. Militärische Überlegenheit, Luftmacht, schnelle Schwerpunktbildung und operative Einkesselungen führten zu einem raschen deutschen Vormarsch. Die polnische Armee leistete jedoch an vielen Orten erheblichen Widerstand.

Am 17. September griff die Sowjetunion von Osten an. Polen wurde zwischen beiden Mächten geteilt. Gewalt gegen Zivilpersonen, Kriegsgefangene und gesellschaftliche Eliten setzte bereits während des Feldzugs ein.

Trotz militärischer Niederlage bestand Polen politisch weiter. Regierung, Streitkräfte und Widerstandsorganisationen setzten den Kampf im Exil und Untergrund fort.


Quellen und weiterführende Materialien

  1. Bundesarchiv: Deutscher Überfall auf Polen – digitalisierte Dokumente und Einführung.
  2. Deutsches Historisches Museum: Überfall auf Polen 1939 – Überblick und Quellen.
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: 1939 – Überfall auf Polen – historischer Hintergrund.
  4. United States Holocaust Memorial Museum: Der Überfall auf Polen – Feldzug, Besatzung und Verfolgung.
  5. United States Holocaust Memorial Museum: Deutsch-sowjetischer Pakt – öffentliches Abkommen und geheimes Zusatzprotokoll.
  6. German History in Documents and Images – politische Reden, Befehle und weitere Quellen.
  7. Wikimedia Commons: Polish Defensive War of 1939 – frei lizenzierte Karten und Fotografien.
  8. Wikipedia: Überfall auf Polen – enzyklopädischer Einstieg mit Literaturhinweisen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches Ereignis gilt als Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa? (Der deutsche Überfall auf Polen am 1. September 1939) (!Der Angriff auf Pearl Harbor) (!Die Landung in der Normandie) (!Die Kapitulation Frankreichs)




Welche Funktion hatte der fingierte Überfall auf den Sender Gleiwitz? (Er sollte den deutschen Angriff propagandistisch als Verteidigung erscheinen lassen) (!Er sollte einen polnischen Sieg melden) (!Er sollte die Sowjetunion vor Deutschland warnen) (!Er sollte Großbritannien zum Kriegseintritt gegen Polen bewegen)




Was regelte das geheime Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts? (Die Aufteilung von Interessensphären in Ostmitteleuropa) (!Den sofortigen gemeinsamen Angriff auf Großbritannien) (!Die Aufnahme Polens in den Völkerbund) (!Die Entwaffnung der deutschen Wehrmacht)




Wann marschierte die Rote Armee in Ostpolen ein? (Am 17. September 1939) (!Am 1. September 1938) (!Am 3. September 1940) (!Am 22. Juni 1941)




Welche Aussage über die polnische Kavallerie ist historisch zutreffend? (Sie kämpfte überwiegend als bewegliche Infanterie) (!Sie griff regelmäßig Panzer mit Säbeln an) (!Sie bestand ausschließlich aus unbewaffneten Reitern) (!Sie wurde schon vor Kriegsbeginn aufgelöst)




Welche Stadt kapitulierte am 28. September 1939 nach Belagerung und Bombardierung? (Warschau) (!London) (!Paris) (!Moskau)




Welche Schlacht war der größte polnische Gegenangriff des Feldzugs? (Die Schlacht an der Bzura) (!Die Schlacht um Stalingrad) (!Die Schlacht von El Alamein) (!Die Schlacht im Hürtgenwald)




Welche Staaten erklärten Deutschland am 3. September 1939 den Krieg? (Großbritannien und Frankreich) (!Spanien und Portugal) (!Schweden und Norwegen) (!Japan und Italien)




Welche Aussage zur polnischen Staatlichkeit nach dem Feldzug ist richtig? (Eine polnische Exilregierung führte die staatliche Kontinuität fort) (!Polen schloss einen dauerhaften Friedensvertrag mit Deutschland) (!Der polnische Staat trat freiwillig der Sowjetunion bei) (!Alle polnischen Streitkräfte wurden dauerhaft aufgelöst)




Warum ist der Begriff Blitzkrieg für den Feldzug erklärungsbedürftig? (Er bezeichnete 1939 keine einheitliche offizielle deutsche Militärdoktrin) (!Er wurde ausschließlich für Seekriege verwendet) (!Er beschreibt nur sowjetische Operationen) (!Er bedeutet die vollständige Motorisierung aller Truppen)





Memory

Westerplatte Siebentägiger polnischer Widerstand bei Danzig
Gleiwitz Fingierter Überfall als propagandistischer Vorwand
Bzura Größter polnischer Gegenangriff
Molotow-Ribbentrop-Pakt Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt
Wieluń Früh bombardierte polnische Stadt
Warschau Belagerte polnische Hauptstadt
Kock Letzte größere Schlacht des Feldzugs
Exilregierung Fortsetzung polnischer Staatlichkeit im Ausland





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Angriffskrieg Völkerrechtswidriger deutscher Überfall
Propaganda Inszenierte Rechtfertigung des Angriffs
Westerplatte Symbol des frühen polnischen Widerstands
Bzura Polnischer Gegenangriff gegen deutsche Verbände
Sowjetinvasion Angriff auf Ostpolen ab dem 17. September
Besatzung Gewaltsame Herrschaft über erobertes Gebiet
Exilregierung Politische Kontinuität Polens außerhalb des Landes
Untergrundstaat Geheime polnische Verwaltung und Widerstandsstruktur






Kreuzworträtsel

Westerplatte Welche Halbinsel wurde sieben Tage lang von polnischen Soldaten verteidigt?
Gleiwitz Welcher Sender wurde für einen fingierten Angriff missbraucht?
Wielun Welche polnische Stadt wurde am ersten Kriegstag schwer bombardiert?
Warschau Welche Hauptstadt kapitulierte nach Belagerung am 28. September?
Bzura An welchem Fluss fand der größte polnische Gegenangriff statt?
Besatzung Wie heißt die gewaltsame Herrschaft über ein erobertes Gebiet?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der deutsche Angriff auf Polen begann am

und löste den Zweiten Weltkrieg in Europa aus.
Das deutsche Kriegsschiff Schleswig-Holstein beschoss die polnischen Stellungen auf der

.
Der fingierte Grenzzwischenfall am Sender

diente der propagandistischen Rechtfertigung des Angriffs.
Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt wurde im August

geschlossen.
In einem geheimen Zusatzprotokoll vereinbarten Deutschland und die Sowjetunion die Abgrenzung ihrer

.
Am 17. September griff die

Polen von Osten an.
Der größte polnische Gegenangriff fand an der

statt.
Die polnische Hauptstadt

kapitulierte nach schwerer Belagerung.
Der Begriff

muss quellenkritisch verwendet werden, weil er 1939 keine einheitliche offizielle Doktrin bezeichnete.
Polnische Kavallerie kämpfte überwiegend als bewegliche

.
Nach der militärischen Niederlage setzte eine polnische

die staatliche Kontinuität fort.
Im besetzten Land entwickelte sich ein organisierter polnischer

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste gestalten: Erstelle eine bebilderte Zeitleiste mit mindestens acht Ereignissen zwischen dem 23. August und dem 6. Oktober 1939.
  2. Angriffsrichtungen markieren: Zeichne auf einer Karte die deutschen Angriffsrichtungen, den sowjetischen Einmarsch und die spätere Demarkationslinie ein.
  3. Begriffslexikon anlegen: Erkläre in eigenen Worten die Begriffe Angriffskrieg, Propaganda, Westerplatte, Bzura, Exilregierung und Besatzung.
  4. Historisches Foto beschreiben: Wähle ein Bild aus dem aiMOOC und trenne sorgfältig zwischen sichtbarer Beobachtung und historischer Deutung.


Standard

  1. Reden vergleichen: Vergleiche Hitlers öffentliche Rechtfertigung des Angriffs mit einem militärischen Befehl. Untersuche Adressaten, Sprache und Zielsetzung.
  2. Mythencheck produzieren: Gestalte ein kurzes Video oder Poster, das den Mythos vom Säbelangriff polnischer Kavallerie gegen Panzer widerlegt.
  3. Erinnerungen untersuchen: Suche ein veröffentlichtes Zeitzeugeninterview zum September 1939 und analysiere Perspektive, Erinnerungslücken und spätere Deutungen.
  4. Podcast aufnehmen: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast über die Frage, warum Polen trotz erheblicher Gegenwehr so schnell militärisch besiegt wurde.


Schwer

  1. Forschungsessay schreiben: Beurteile die Aussage, der Polenfeldzug sei ein „Blitzkrieg“ gewesen. Nutze militärgeschichtliche Fachliteratur und erläutere Begriffsprobleme.
  2. Perspektiven rekonstruieren: Erstelle eine Quellenmappe mit deutschen, polnischen, sowjetischen und britischen Dokumenten und formuliere zu jeder Quelle eine quellenkritische Einordnung.
  3. Gedenkorte vergleichen: Vergleiche die Erinnerung an Westerplatte, Wieluń und den 17. September. Untersuche Denkmäler, Gedenkreden oder Museumsausstellungen.
  4. Digitale Ausstellung kuratieren: Entwickle eine virtuelle Ausstellung mit mindestens zehn Exponaten zum Thema „Krieg gegen Staat und Gesellschaft“. Begründe Auswahl und Reihenfolge.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ursachenanalyse: Erkläre den Unterschied zwischen langfristigen Kriegszielen, kurzfristigen diplomatischen Konflikten und dem propagandistischen Anlass von Gleiwitz.
  2. Strategische Entscheidung: Beurteile, welche Vor- und Nachteile eine polnische Verteidigung nahe der Grenze gegenüber einer Verteidigung an großen Flusslinien hatte.
  3. Bündnisse bewerten: Prüfe, ob die britische und französische Kriegserklärung Polen politisch half, obwohl keine wirksame militärische Entlastung erfolgte.
  4. Bildquelle analysieren: Untersuche ein Foto des deutsch-sowjetischen Zusammentreffens. Formuliere, was das Bild belegt und was es nicht belegen kann.
  5. Staatlichkeit erklären: Zeige, warum zwischen militärischer Niederlage, Besetzung, Kapitulation einer Stadt und dem Ende eines Staates unterschieden werden muss.
  6. Gewalt einordnen: Erkläre, inwiefern Verbrechen während des Feldzugs bereits Merkmale der späteren deutschen Besatzungs- und Vernichtungspolitik erkennen ließen.
  7. Begriffe übertragen: Vergleiche den Überfall auf Polen mit einem anderen Angriffskrieg. Entwickle Kriterien, ohne unterschiedliche Ereignisse vorschnell gleichzusetzen.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:

  1. die politische Vorgeschichte und den deutsch-sowjetischen Pakt sachlich erklären kannst,
  2. den Angriff als völkerrechtswidrigen und propagandistisch vorbereiteten Krieg einordnest,
  3. zentrale Stationen des Feldzugs chronologisch und räumlich zuordnen kannst,
  4. den deutschen und den sowjetischen Angriff unterscheidest und zugleich in ihrem Zusammenhang erklärst,
  5. militärische Faktoren analysierst, ohne polnischen Widerstand oder zivile Erfahrungen auszublenden,
  6. verbreitete Mythen mit Quellen und Forschungsergebnissen überprüfst,
  7. den Beginn von Kriegsverbrechen und Besatzungsgewalt erläutern kannst,
  8. historische Fotografien, Karten, Reden und Befehle quellenkritisch untersuchst,
  9. die Fortsetzung polnischer Staatlichkeit im Exil und Untergrund erklärst,
  10. unterschiedliche nationale Erinnerungsperspektiven respektvoll und kritisch vergleichst.

Als Lernprodukt eignen sich ein quellenbasierter Essay, eine mündliche Prüfung, eine digitale Ausstellung, ein Podcast mit Quellenverzeichnis oder eine kommentierte Kartenanalyse.




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Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
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