Das duale Ausbildungssystem - Handwerk


Das duale Ausbildungssystem - Handwerk
Das duale Ausbildungssystem - Handwerk

Einleitung
Im Handwerk lernst Du Deinen Beruf an mehreren Orten. Im Ausbildungsbetrieb bearbeitest Du reale Aufträge. In der Berufsschule verbindest Du Praxis mit Fachtheorie und Allgemeinbildung. Häufig ergänzt eine überbetriebliche Lehrlingsunterweisung die Ausbildung.
Dual bedeutet vor allem: Betrieb und Berufsschule tragen gemeinsam die Ausbildung. Das Bildungszentrum des Handwerks wird oft als dritter Lernort bezeichnet.
Deine Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Lernorte unterscheiden, wichtige Ausbildungsunterlagen erklären, Rechte und Pflichten einordnen, den Weg zur Gesellenprüfung beschreiben und bei Problemen passende Ansprechpersonen finden.
Die Lernorte
Ausbildungsbetrieb
Im Betrieb lernst Du Arbeitsabläufe, Werkzeuge, Maschinen, Materialien, Kundenkontakt, Qualitätssicherung und Arbeitsschutz. Deine Aufgaben sollen schrittweise anspruchsvoller werden. Grundlage ist der betriebliche Ausbildungsplan.

Historischer Einblick in eine Lehrwerkstatt: Werkzeuge und Technik verändern sich, das Lernen durch praktische Arbeit bleibt zentral.
Berufsschule
Die Berufsschule vermittelt Fachtheorie in Lernfeldern. Dazu kommen beispielsweise Wirtschafts- und Sozialkunde, Kommunikation und allgemeinbildende Inhalte. Der Unterricht findet an einzelnen Wochentagen oder als Blockunterricht statt. Für den Unterricht muss Dich der Betrieb freistellen.

Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung
Viele Handwerksbetriebe sind klein oder spezialisiert. In einem Bildungszentrum übst Du deshalb Techniken, die Dein Betrieb nicht vollständig vermitteln kann. Die Lehrgänge ergänzen die betriebliche Ausbildung und schaffen vergleichbare Ausbildungsstandards.

Lernortkooperation
Eine gute Ausbildung entsteht, wenn Betrieb, Berufsschule und Bildungszentrum Informationen austauschen. Ein Thema aus dem Betrieb kann im Unterricht berechnet, geplant und später praktisch umgesetzt werden.
| Lernort | Schwerpunkt | Beispiel |
|---|---|---|
| Ausbildungsbetrieb | Berufspraxis | Kundenauftrag ausführen |
| Berufsschule | Fachtheorie und Allgemeinbildung | Materialbedarf berechnen |
| Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung | Ergänzende Fachpraxis | Grundtechnik systematisch trainieren |
So ist die Ausbildung geregelt
Ausbildungsordnung und Rahmenlehrplan
Die Ausbildungsordnung legt für einen anerkannten Ausbildungsberuf verbindliche Mindestinhalte, Dauer, Berufsbild und Prüfungsanforderungen fest. Der Ausbildungsrahmenplan beschreibt die betriebliche Ausbildung. Der Rahmenlehrplan ordnet den Unterricht der Berufsschule.
Ausbildungsvertrag
Der schriftliche Ausbildungsvertrag regelt unter anderem Beginn, Dauer, Probezeit, Ausbildungszeit, Vergütung, Urlaub und Kündigungsbedingungen. Im Handwerk wird das Ausbildungsverhältnis bei der zuständigen Handwerkskammer in die Lehrlingsrolle eingetragen.
Ausbildungsnachweis
Im Ausbildungsnachweis hältst Du regelmäßig fest, was Du im Betrieb, in der Berufsschule und in überbetrieblichen Lehrgängen gelernt hast. Der Betrieb kontrolliert den Nachweis. Ein ordnungsgemäß geführter Ausbildungsnachweis ist für die Prüfungszulassung wichtig.
Rechte, Pflichten und Sicherheit
Deine Rechte
Du hast Anspruch auf eine planmäßige Ausbildung, Ausbildungsvergütung, Urlaub, Freistellung für Berufsschule und Prüfungen sowie auf notwendige Ausbildungsmittel. Der Betrieb muss Deine Gesundheit schützen und darf Dir nur Aufgaben übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen und Deinen Kräften angemessen sind.
Deine Pflichten
Du musst Dich bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben. Dazu gehören Berufsschulbesuch, Teilnahme an angeordneten Lehrgängen, sorgfältiger Umgang mit Werkzeugen, Beachtung von Sicherheitsregeln, Ausführen zulässiger Weisungen und regelmäßiges Führen des Ausbildungsnachweises.

Sicherheit vor Schnelligkeit
Im Handwerk schützt Du Dich und andere durch passende Persönliche Schutzausrüstung, geprüfte Arbeitsmittel, Ordnung am Arbeitsplatz und das Einhalten von Betriebsanweisungen. Unsichere Situationen meldest Du sofort.
Prüfungen und Perspektiven
Je nach Ausbildungsberuf gibt es eine Zwischenprüfung oder eine gestreckte Gesellenprüfung mit mehreren Teilen. Am Ende weist Du praktisch, schriftlich und teilweise mündlich nach, dass Du berufliche Aufgaben selbstständig planen, ausführen, kontrollieren und bewerten kannst.
Nach erfolgreichem Abschluss arbeitest Du als Gesellin oder Geselle. Später sind Spezialisierungen, die Meisterprüfung, eine Fortbildung zum Betriebswirt nach der Handwerksordnung oder unter bestimmten Voraussetzungen ein Studium möglich.

Wenn es Probleme gibt
Sprich Schwierigkeiten früh an. Erste Ansprechpersonen sind Ausbilderin oder Ausbilder, Ausbildungsleitung und Klassenleitung. Zusätzlich beraten Handwerkskammer, Innung, Betriebsrat oder Jugend- und Auszubildendenvertretung. Bei Gefahr stoppst Du die Arbeit und meldest die Situation sofort.
Kurzüberblick
| Dokument oder Stelle | Aufgabe |
|---|---|
| Ausbildungsvertrag | Regelt das Ausbildungsverhältnis |
| Ausbildungsordnung | Bestimmt verbindliche Mindestinhalte |
| Betrieblicher Ausbildungsplan | Überträgt die Inhalte auf den Betrieb |
| Rahmenlehrplan | Strukturiert den Berufsschulunterricht |
| Berichtsheft | Dokumentiert den Lernfortschritt |
| Handwerkskammer | Berät, überwacht und begleitet das Prüfungswesen |
Quellen und Vertiefung
- BIBB: Betriebliche Ausbildung
- BIBB: Berufsschule als Teil der dualen Ausbildung
- BIBB: Überbetriebliche Berufsbildungsstätten
- Handwerksordnung
- Berufsbildungsgesetz
- Handwerkskammer: Informationen für Auszubildende
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche beiden Lernorte bilden den Kern der dualen Ausbildung? (Betrieb und Berufsschule) (!Hochschule und Betrieb) (!Berufsschule und Universität) (!Innung und Arbeitsagentur)
Wo bearbeitest Du typischerweise reale Kundenaufträge? (Im Ausbildungsbetrieb) (!Im Kultusministerium) (!In der Prüfungsverwaltung) (!Im Rathaus)
Welche Aufgabe hat die Berufsschule? (Sie vermittelt Fachtheorie und Allgemeinbildung) (!Sie zahlt die Ausbildungsvergütung) (!Sie schließt den Ausbildungsvertrag) (!Sie führt den Handwerksbetrieb)
Warum gibt es im Handwerk überbetriebliche Lehrgänge? (Sie ergänzen Inhalte, die ein Betrieb nicht vollständig vermitteln kann) (!Sie ersetzen jede Arbeit im Betrieb) (!Sie machen die Berufsschule überflüssig) (!Sie dienen nur der Urlaubsplanung)
Was enthält die Ausbildungsordnung? (Verbindliche Mindestinhalte und Prüfungsanforderungen) (!Nur die Hausordnung der Berufsschule) (!Nur die Öffnungszeiten der Handwerkskammer) (!Nur freiwillige Freizeitangebote)
Wozu dient der Ausbildungsnachweis? (Er dokumentiert den Verlauf der Ausbildung) (!Er ersetzt den Ausbildungsvertrag) (!Er legt die Schulferien fest) (!Er ist eine Werkzeugbestellung)
Welche Stelle führt im Handwerk die Lehrlingsrolle? (Die Handwerkskammer) (!Die Krankenkasse) (!Das Einwohnermeldeamt) (!Die Universität)
Was muss der Betrieb für den Berufsschulunterricht tun? (Dich freistellen) (!Dir Urlaub abziehen) (!Die Ausbildung kündigen) (!Den Unterricht ersetzen)
Welcher Abschluss ist für viele Handwerksberufe typisch? (Die Gesellenprüfung) (!Die Abiturprüfung) (!Die Promotion) (!Die Führerscheinprüfung)
Was gehört zu sicherem Arbeiten? (Gefahren erkennen und Schutzmaßnahmen einhalten) (!Schutzeinrichtungen entfernen) (!Unfälle verschweigen) (!Werkzeuge ohne Einweisung benutzen)
Memory
| Ausbildungsbetrieb | Berufspraxis |
| Berufsschule | Fachtheorie |
| Überbetriebliche Unterweisung | Ergänzende Fachpraxis |
| Ausbildungsordnung | Verbindliche Mindestinhalte |
| Berichtsheft | Lerndokumentation |
| Handwerkskammer | Beratung und Überwachung |
| Gesellenprüfung | Berufsabschluss |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Ausbildungsbetrieb | Praktischer Kundenauftrag |
| Berufsschule | Unterricht im Lernfeld |
| Überbetriebliche Unterweisung | Ergänzender Werkstattkurs |
| Handwerkskammer | Eintragung der Ausbildung |
| Berichtsheft | Dokumentation der Lerninhalte |
| Gesellenprüfung | Nachweis beruflicher Handlungsfähigkeit |
Kreuzworträtsel
| Lehrvertrag | Welches Dokument regelt das Ausbildungsverhältnis? |
| Berufsschule | Wo lernst Du Fachtheorie und Allgemeinbildung? |
| Berichtsheft | Womit dokumentierst Du regelmäßig Deine Lerninhalte? |
| Lehrlingsrolle | In welches Verzeichnis trägt die Handwerkskammer den Vertrag ein? |
| Gesellenprüfung | Welche Prüfung schließt viele Handwerksausbildungen ab? |
| Handwerkskammer | Welche Stelle berät Auszubildende und Betriebe im Handwerk? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lernorte-Skizze: Zeichne Betrieb, Berufsschule und Bildungszentrum. Ergänze zu jedem Lernort zwei typische Tätigkeiten.
- Vertragscheck: Markiere in einer anonymisierten Vertragsvorlage fünf Punkte, die für Deinen Ausbildungsalltag wichtig sind.
- Wochenbericht: Formuliere einen sachlichen Ausbildungsnachweis für eine Beispielwoche.
- Sicherheitsblick: Fotografiere oder skizziere einen Arbeitsplatz und kennzeichne drei Schutzmaßnahmen.
Standard
- Azubi-Interview: Befrage eine Person aus einem anderen Gewerk zu Betrieb, Schule und überbetrieblicher Unterweisung.
- Arbeitsprozess: Dokumentiere einen Auftrag von der Planung bis zur Qualitätskontrolle.
- Fallberatung: Entwickle für einen Konflikt zwischen Azubi und Betrieb einen fairen Lösungsweg.
- Videoanalyse: Vergleiche zwei eingebundene Videos hinsichtlich Lernorten, Tätigkeiten und Zukunftsperspektiven.
Schwer
- Ordnungsvergleich: Vergleiche die Ausbildungsordnungen zweier Handwerksberufe in drei ausgewählten Punkten.
- Kooperationsplan: Plane ein gemeinsames Projekt von Betrieb, Berufsschule und Bildungszentrum.
- Ausbildungscheck: Entwickle einen kurzen Kriterienbogen für eine gute betriebliche Ausbildung.
- Karriereprojekt: Entwirf einen realistischen Entwicklungsweg vom Ausbildungsbeginn bis zu einer späteren Fortbildung.


Lernkontrolle
- Lernortentscheidung: Ein kleiner Betrieb kann eine neue digitale Maschine nicht bereitstellen. Begründe, wie die Ausbildung trotzdem vollständig organisiert werden kann.
- Planungsprüfung: Prüfe einen fiktiven Ausbildungsplan darauf, ob Praxis, Theorie, Sicherheit und Dokumentation sinnvoll verbunden sind.
- Konfliktfall: Ein Azubi soll während der Berufsschulzeit im Betrieb arbeiten. Ordne die Situation ein und entwickle ein angemessenes Vorgehen.
- Gefährdungsfall: Eine Schutzvorrichtung ist defekt, der Auftrag ist aber dringend. Begründe Deine Entscheidung und beschreibe die nächsten Schritte.
- Kooperationsproblem: Betrieb und Schule behandeln ähnliche Inhalte zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Entwickle zwei Verbesserungen.
- Zukunftsplanung: Vergleiche die Wege Spezialisierung, Meisterprüfung und Studium anhand eines selbst gewählten Berufsziels.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du die Lernorte unterscheiden, Ausbildungsunterlagen zuordnen, Rechte und Pflichten auf Fälle anwenden, Sicherheitsentscheidungen begründen, den Prüfungsweg erklären und bei Konflikten passende Unterstützung auswählen kannst.
- Eine übersichtliche Darstellung der Lernorte
- Ein korrekt formulierter Ausbildungsnachweis
- Eine begründete Falllösung zu Rechten oder Pflichten
- Eine Analyse eines betrieblichen Arbeitsprozesses
- Eine Reflexion über Arbeitsschutz und Qualität
- Eine realistische berufliche Entwicklungsperspektive
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