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Das Leben im mittelalterlichen Dorf - Geschichte

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Das Leben im mittelalterlichen Dorf - Geschichte



Das Leben im mittelalterlichen Dorf - Geschichte

Studienfach: Geschichte


Einleitung

Wie lebten Menschen in einem europäischen Dorf des Mittelalters? Ihr Alltag wurde nicht allein von Burgen, Rittern und Kriegen bestimmt. Für den größten Teil der Bevölkerung waren Ackerbau, Viehhaltung, Familie, Nachbarschaft, Abgaben, religiöse Feste und die Sorge um die nächste Ernte wesentlich. Das Dorf war zugleich Wohnort, Wirtschaftsraum, Rechtsgemeinschaft und Teil größerer Herrschaftsverbände.

Dieser aiMOOC richtet den Blick vor allem auf das Hochmittelalter und Spätmittelalter in Mittel- und Westeuropa, ungefähr vom 11. bis zum 15. Jahrhundert. Dabei gilt: Das mittelalterliche Dorf gab es nicht als einheitliches Modell. Siedlungsformen, Rechtsverhältnisse, Anbaumethoden, Hausformen und Lebensbedingungen unterschieden sich je nach Region, Zeit, Klima, Boden, Herrschaft und sozialer Stellung. Aussagen über ein Dorf in Norddeutschland lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf ein Alpendorf, ein Weinbaudorf am Rhein oder eine Siedlung in Südfrankreich übertragen.

Bildanalyse: Die Februar-Miniatur aus den Très Riches Heures du duc de Berry zeigt einen spätmittelalterlichen Hof im Winter. Du erkennst Wohnraum, Feuerstelle, Tiere, Bienenkörbe, Holzarbeit und einen entfernten Dorfkern. Die Darstellung ist jedoch keine Fotografie, sondern eine von Eliten in Auftrag gegebene Buchmalerei. Sie muss deshalb quellenkritisch gelesen werden.

Das Video von Planet Schule führt experimentell in die Lebens- und Arbeitsbedingungen bäuerlicher Menschen ein. Vergleiche die Rekonstruktion stets mit schriftlichen, bildlichen und archäologischen Quellen.


Lernziele

Nach diesem Kurs kannst Du die Lebenswelt eines mittelalterlichen Dorfes in ihren wirtschaftlichen, sozialen, rechtlichen und religiösen Zusammenhängen erklären. Du kannst Begriffe wie Grundherrschaft, Frondienst, Zehnt, Allmende, Dreifelderwirtschaft und Dorfgericht sachgerecht verwenden. Außerdem kannst Du mittelalterliche Bildquellen untersuchen, Verallgemeinerungen erkennen und zwischen historischer Quelle, Rekonstruktion und moderner Vorstellung unterscheiden.


Raum, Zeit und Quellen


Was bedeutet Mittelalter?

Die Bezeichnung Mittelalter umfasst in der europäischen Geschichte ungefähr die Zeit zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit. Üblich ist eine Gliederung in Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter. Diese Einteilung ist ein nachträgliches Ordnungsschema. Menschen des 12. oder 14. Jahrhunderts bezeichneten ihre eigene Gegenwart nicht als Mittelalter.

Für die Dorfgeschichte sind besonders die Zeit des Landesausbaus und des Bevölkerungswachstums im Hochmittelalter sowie die Krisen und Veränderungen des Spätmittelalters wichtig. Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert wurden in vielen Regionen Wälder gerodet, Moore entwässert und neue Siedlungen gegründet. Im 14. Jahrhundert veränderten Missernten, Kriege, Seuchen und Bevölkerungsverluste zahlreiche ländliche Räume. Manche Dörfer wurden aufgegeben und zu Wüstungen, andere entwickelten sich weiter.


Wie erfahren wir etwas über Dörfer?

Die Geschichte dörflicher Bevölkerung ist schwerer zu erforschen als die Geschichte von Königen oder Bischöfen, weil viele Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner selbst keine Texte hinterließen. Historikerinnen und Historiker verbinden deshalb unterschiedliche Quellengattungen.

  1. Urbare und Abgabenverzeichnisse: Sie nennen Besitz, Höfe, Dienste und Abgaben, spiegeln aber vor allem die Sicht der Herrschaft.
  2. Urkunden, Gerichtsprotokolle und Dorfordnungen: Sie informieren über Rechte, Konflikte, Erbschaften, Grenzfragen und gemeinschaftliche Regeln.
  3. Archäologie: Hausgrundrisse, Pfostenlöcher, Brunnen, Öfen, Werkzeuge, Keramik, Tierknochen und Pflanzenreste geben Einblick in Ernährung, Handwerk und Umwelt.
  4. Archäobotanik und Archäozoologie: Verkohlte Getreidekörner, Pollen, Samen und Tierknochen helfen, Anbau und Ernährung zu rekonstruieren.
  5. Bildquellen: Kalenderbilder, Buchmalereien und Wandbilder zeigen Tätigkeiten und Dinge, können aber idealisieren, symbolisieren oder soziale Wirklichkeit verzerren.
  6. Ortsnamen, Flurnamen und historische Karten: Sie bewahren Hinweise auf Siedlungsformen, Nutzung und Landschaft.

Quellenfrage: Was zeigt die Miniatur über Pflugtechnik und Zugtiere? Was verschweigt sie über Mühe, Kosten, Besitzverhältnisse und Ertrag?


Quellenkritik statt Zeitreise-Fantasie

Eine mittelalterliche Miniatur entstand für einen bestimmten Auftraggeber und in einem bestimmten religiösen oder höfischen Zusammenhang. Ein rekonstruiertes Haus in einem Freilichtmuseum beruht auf archäologischen Befunden, enthält aber notwendige moderne Entscheidungen. Ein heutiges Erklärvideo verdichtet Forschung und wählt Beispiele aus. Gute Geschichtswissenschaft fragt deshalb immer nach Urheber, Entstehungszeit, Zweck, Adressaten, Überlieferung und Aussagegrenzen.

Rekonstruktionskritik: Das rekonstruierte Tor der Königspfalz Tilleda veranschaulicht Bauweise und Raumordnung. Es ist eine moderne Annäherung an vergangene Zustände und keine unveränderte Hinterlassenschaft des Mittelalters.


Das Dorf als Siedlung und Lebensraum


Siedlungsformen

Dörfer konnten sehr unterschiedlich aussehen. In einem Haufendorf lagen Höfe unregelmäßig beieinander. Ein Straßendorf orientierte sich an einem Weg, ein Angerdorf an einer gemeinschaftlich genutzten Freifläche. Daneben bestanden Einzelhöfe, Weiler und locker gestreute Siedlungen. Manche planmäßig gegründeten Dörfer des Hochmittelalters erhielten lange Hofstellen und regelmäßig zugeschnittene Fluren. Andere waren über Jahrhunderte gewachsen.

Ein Dorf umfasste nicht nur Wohnhäuser. Dazu konnten Ställe, Scheunen, Speicher, Backöfen, Brunnen, Gärten, Wege, Zäune, Dorfteiche, Mühlen, Schmieden, eine Kirche, ein Friedhof sowie gemeinsam genutzte Weiden und Wälder gehören. Nicht jede Einrichtung war in jedem Dorf vorhanden. Eine Mühle konnte mehreren Orten dienen, eine Kirche in einem Nachbardorf liegen und der Markt in einer nahen Stadt stattfinden.

Die rekonstruierten Häuser von Haithabu gehören in einen frühmittelalterlichen Handelsplatz und nicht in ein typisches hochmittelalterliches Bauerndorf. Gerade dieser Unterschied eignet sich für einen Vergleich von Bauformen, Funktionen und Siedlungstypen.


Haus und Hof

Viele Gebäude bestanden aus Holz, Flechtwerk und Lehm; Dächer waren häufig mit Stroh, Schilf oder Holz gedeckt. Je nach Region und Zeit kamen Stein, Fachwerk und Ziegel hinzu. Archäologische Befunde zeigen sowohl Wohnstallhäuser, in denen Menschen und Tiere unter einem Dach lebten, als auch getrennte Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Der Wohnraum war meist knapp. Eine offene Feuerstelle oder ein Ofen lieferte Wärme und diente zum Kochen. Rauch, Ruß und Brandgefahr waren alltägliche Probleme. Fensteröffnungen waren klein; Glas blieb lange kostbar. Licht spendeten Feuer, Kienspäne, Talglichter oder Öllampen. Möbel bestanden häufig aus Truhen, Bänken, Tischen, Bettstellen und einfachen Regalen. Textilien, Felle und Stroh verbesserten Wärme und Schlafkomfort.

Ein Hof war eine Wirtschaftseinheit. Zum Haushalt konnten Eltern, Kinder, ältere Verwandte, Knechte, Mägde, Lehrlinge und zeitweise weitere Personen gehören. Die moderne Vorstellung einer kleinen Kernfamilie erfasst diese Haushaltsformen nur teilweise.


Dorf und Umwelt

Das Dorf war eng mit seiner Umgebung verbunden. Ackerland, Wiesen, Weiden, Wald, Wasserläufe und Ödland erfüllten unterschiedliche Aufgaben. Holz war Bau- und Brennstoff, Laub konnte als Einstreu dienen, Schweine wurden zur Mast in Wälder getrieben, Bäche trieben Mühlen an und Wiesen lieferten Heu für den Winter.

Die Nutzung musste abgestimmt werden. Wenn Vieh zu früh auf abgeerntete Felder getrieben wurde oder jemand mehr Holz schlug als erlaubt, konnte die gesamte Gemeinschaft geschädigt werden. Aus ökologischer Abhängigkeit entstanden deshalb Regeln, Kontrollen und Konflikte.


Gesellschaft, Herrschaft und Recht


Die dörfliche Gesellschaft war vielfältig

Das bekannte Modell der mittelalterlichen Ständegesellschaft unterschied Geistliche, Herrschende und Arbeitende. Es war vor allem ein religiös-politisches Deutungsmodell und keine vollständige Beschreibung der sozialen Wirklichkeit. In einem Dorf konnten wohlhabende Vollbauern, kleinere Hofbesitzer, Häusler, landarme Familien, besitzlose Arbeitskräfte, Knechte, Mägde, Handwerker, Müller, Hirten, Geistliche und Bettelnde leben.

Reichtum zeigte sich nicht nur in Geld. Entscheidend waren Land, Vieh, Geräte, Zugtiere, Arbeitskräfte, Speicherreserven, Nutzungsrechte und soziale Beziehungen. Ein Haushalt mit großem Hof und Ochsengespann hatte andere Handlungsmöglichkeiten als eine Familie mit kleinem Garten und unsicherer Lohnarbeit.


Grundherrschaft und Abhängigkeit

Die Grundherrschaft verband Landbesitz, Herrschaftsrechte und Abgaben. Ein weltlicher oder geistlicher Grundherr überließ bäuerlichen Haushalten Land zur Nutzung. Dafür konnten Naturalabgaben, Geldzahlungen und Arbeitsdienste verlangt werden. Zu den Naturalabgaben gehörten beispielsweise Getreide, Eier, Käse, Hühner oder Wein. Arbeitsleistungen auf herrschaftlichem Land werden als Frondienste bezeichnet.

Die Verhältnisse waren nicht überall gleich. Es gab freie Bauern, persönlich abhängige Menschen und zahlreiche Zwischenformen. Rechte und Pflichten konnten von Hof zu Hof verschieden sein. Auch der Ausdruck Leibeigenschaft darf nicht pauschal für alle bäuerlichen Menschen und alle Jahrhunderte verwendet werden. Historisch genauer ist es, konkrete Rechte, Abgaben, Heiratsbeschränkungen, Freizügigkeit und Gerichtszuständigkeiten zu untersuchen.

Der Zehnt war grundsätzlich eine Abgabe von einem Anteil landwirtschaftlicher Erträge an kirchliche Einrichtungen oder deren Inhaber. Er war nicht identisch mit allen grundherrlichen Abgaben. In der Praxis konnten Zehntrechte verkauft, verliehen oder von weltlichen Herren genutzt werden.


Dorfherrschaft, Gericht und Selbstorganisation

Herrschaft bedeutete nicht, dass Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner keinerlei Handlungsspielraum hatten. Viele Gemeinschaften regelten Weidezeiten, Wege, Zäune, Wassernutzung, Flurzwang, Feuergefahr und gemeinschaftliche Arbeiten. Dorfversammlungen, gewählte oder eingesetzte Amtsträger und Dorfgerichte konnten kleinere Streitfälle behandeln.

Gleichzeitig blieb diese Selbstorganisation in Herrschaft eingebunden. Ein Grundherr, Vogt, Schultheiß oder Landesherr konnte Gerichtsrechte besitzen, Abgaben kontrollieren und Amtsträger bestätigen. Dorfgeschichte ist deshalb ein Zusammenspiel von Zwang, Gewohnheitsrecht, Verhandlung, Kooperation und Widerstand.


Allmende und gemeinsame Rechte

Die Allmende bezeichnet gemeinschaftlich genutzte Flächen oder Ressourcen. Dazu konnten Weiden, Wälder, Heide, Wasser oder Wege gehören. Die Nutzung war meist nicht grenzenlos frei. Wer wie viele Tiere auftreiben, Holz sammeln oder Torf stechen durfte, wurde durch lokale Rechte und Gewohnheiten bestimmt.

Gemeinsame Nutzung förderte Zusammenarbeit, erzeugte aber auch Konflikte. Wohlhabende Haushalte mit vielen Tieren profitierten häufig stärker als arme Haushalte. Eine Regel konnte daher zugleich die Dorfgemeinschaft schützen und soziale Ungleichheit festigen.

Das Video bietet einen Überblick zum Leben im Mittelalter. Prüfe nach dem Ansehen, welche Aussagen speziell für Dörfer gelten und welche eher allgemeine Aussagen über die Epoche sind.


Arbeit und Landwirtschaft


Der Jahreslauf bestimmte die Arbeit

Landwirtschaftliche Arbeit folgte Jahreszeiten, Wetter und Wachstumszyklen. Im Frühjahr wurden Felder vorbereitet und Sommerfrüchte ausgesät. Im Sommer standen Heuernte, Unkrautbekämpfung und Pflegearbeiten an. Die Getreideernte erforderte viele Arbeitskräfte und musste bei geeignetem Wetter schnell eingebracht werden. Im Herbst folgten Aussaat von Wintergetreide, Weinlese, Obsternte, Holzarbeit und Schlachtung. Im Winter wurden Geräte repariert, Textilien hergestellt, Tiere versorgt und Vorräte überwacht.

Diese Abfolge war kein starrer Kalender. Höhenlage, Klima, Kulturpflanzen und regionale Wirtschaftsformen veränderten den Rhythmus. Weinbaugebiete hatten andere Arbeitsspitzen als Viehzuchtregionen oder Küstenlandschaften.

Die März-Miniatur zeigt Pflügen, Aussaat und Weinbergsarbeit. Im Hintergrund erscheint eine Burg als Zeichen herrschaftlicher Präsenz.

Die Juni-Miniatur stellt Heuernte mit Sensen, Rechen und Gabeln dar. Sie macht sichtbar, dass Frauen und Männer an landwirtschaftlichen Arbeiten beteiligt waren.

Die Juli-Miniatur verbindet Getreideernte und Schafschur. Solche Kalenderbilder ordnen Arbeit in einen religiös-astronomischen Jahreslauf ein.


Dreifelderwirtschaft und Flurzwang

In vielen, aber keineswegs allen Regionen verbreitete sich die Dreifelderwirtschaft. Ein Teil der Ackerfläche trug Wintergetreide, ein zweiter Sommergetreide oder andere Feldfrüchte, ein dritter lag als Brache und konnte beweidet werden. Im nächsten Jahr wechselte die Nutzung. Dadurch verteilten sich Arbeit und Risiko, und der Boden wurde nicht ständig mit derselben Kultur belastet.

In der Dreizelgenwirtschaft wurden große Flurteile eines Dorfes gemeinsam in gleicher Fruchtfolge bewirtschaftet. Weil die einzelnen Haushalte schmale, verstreute Parzellen besaßen, mussten Aussaat, Ernte, Wege und Weidegang abgestimmt werden. Dieser Flurzwang war nicht nur Zwang von oben, sondern auch eine praktische Folge gemeinsamer Feldorganisation.

Erstelle beim Ansehen eine Skizze des dreijährigen Fruchtwechsels und notiere, warum gemeinschaftliche Absprachen nötig waren.


Werkzeuge, Zugtiere und Energie

Pflug, Haken, Egge, Sichel, Sense, Spaten, Axt, Dreschflegel und Handmühle gehörten zu wichtigen Geräten. Ihre Form und Verbreitung variierten. Schwere Böden konnten mit einem räumenden Beetpflug besser bearbeitet werden als mit einfachen Hakenpflügen. Ochsen waren kräftige Zugtiere, Pferde konnten schneller arbeiten, erforderten aber Futter, Ausrüstung und wirtschaftliche Mittel.

Technische Veränderung bestand nicht in einer einzigen Erfindung. Verbesserte Geschirre, Eisenbeschläge, Pflugformen, Wassermühlen, Fruchtfolgen und lokale Erfahrung wirkten zusammen. Der Ertrag blieb dennoch vom Wetter, von Pflanzenkrankheiten, Schädlingen, Kriegen und verfügbaren Arbeitskräften abhängig.

Der Holzschnitt zeigt das Pflügen mit einem Ochsengespann. Untersuche, welche technischen Details er hervorhebt und welche sozialen Zusammenhänge unsichtbar bleiben.


Ernte, Vorrat und Risiko

Eine gute Ernte musste den laufenden Verbrauch, Saatgut für das nächste Jahr, Abgaben, Tierfutter und Reserven decken. Ein Teil des Getreides durfte deshalb nicht sofort gegessen werden. Speicherverluste durch Feuchtigkeit, Schimmel, Mäuse oder Feuer konnten lebensbedrohlich sein.

Dorfbewohner begegneten Risiken durch Vorratshaltung, gemischten Anbau, Viehhaltung, gemeinschaftliche Hilfe, Kredit, Verkauf von Besitz oder zeitweilige Arbeit außerhalb des Dorfes. Diese Strategien konnten Krisen mildern, aber nicht jede Hungersnot verhindern.

Die September-Miniatur zeigt Weinlese, Transport und Verarbeitung. Sie verdeutlicht Arbeitsteilung und die Verbindung von Dorf, Herrschaftssitz und regionaler Spezialproduktion.

Die Oktober-Miniatur zeigt Aussaat, Bodenbearbeitung und Vögel, die Saatkörner fressen. Selbst ein idealisiertes Kalenderbild verweist damit auf landwirtschaftliche Verluste.


Ernährung, Kleidung und materielle Kultur


Was kam auf den Tisch?

Getreide bildete in vielen Regionen die Grundlage der Ernährung. Es wurde zu Brot, Brei, Grütze oder Getränken verarbeitet. Hinzu kamen Hülsenfrüchte, Kohl, Rüben, Zwiebeln, Kräuter, Obst, Milchprodukte und Eier. Fleischverzehr hing von Wohlstand, Tierbestand, Jahreszeit und religiösen Regeln ab. Fisch spielte an kirchlichen Fasttagen eine wichtige Rolle, war aber je nach Region unterschiedlich verfügbar.

Kartoffeln, Tomaten und Mais gehörten nicht zur europäischen Dorfküche des Mittelalters, da sie erst nach den Atlantikfahrten aus Amerika nach Europa gelangten. Gewürze aus dem Fernhandel waren kostbar, doch lokale Kräuter, Salz, Rauch, Trocknung, Gärung und Einlegen ermöglichten Geschmack und Konservierung.

Bier, Dünnbier, Wein, Most, Milch und Wasser wurden regional in unterschiedlichen Mengen getrunken. Die pauschale Behauptung, mittelalterliche Menschen hätten grundsätzlich kein Wasser getrunken, ist irreführend. Brunnen, Quellen und Bäche waren zentrale Wasserlieferanten; ihre Qualität konnte allerdings problematisch sein.

Die Miniatur eines Bäckers zeigt einen Ofen und die Verarbeitung von Brot. Frage Dich, ob sie einen dörflichen Haushalt, ein spezialisiertes Handwerk oder eine symbolische Szene abbildet.


Kleidung und Textilarbeit

Kleidung bestand vor allem aus Wolle und Leinen; Leder, Pelz und pflanzliche Materialien ergänzten sie. Herstellung und Pflege waren arbeitsintensiv: Fasern mussten gewonnen, gereinigt, gesponnen, gewebt, zugeschnitten, genäht, geflickt und gefärbt werden. Kleidung zeigte soziale Unterschiede, wurde aber lange genutzt und weitergegeben.

Textilarbeit war ein bedeutender Teil der Hauswirtschaft und konnte zusätzliches Einkommen bringen. Die einfache Zuordnung von Tätigkeiten ausschließlich zu Männern oder Frauen greift zu kurz. Zwar bestanden geschlechtsspezifische Erwartungen, doch Arbeitsaufteilung hing auch von Jahreszeit, Haushaltsgröße, Vermögen, Alter und Notlage ab.


Dinge als historische Quellen

Keramikscherben, Messer, Spinnwirtel, Hufeisen, Schlösser, Nägel, Mahlsteine und Tierknochen erzählen von Alltag, Handel und Technik. Ein unscheinbarer Fund kann mehr über Ernährung oder Arbeit verraten als eine prächtige Chronik. Archäologische Fundverteilung hilft außerdem, Bereiche für Wohnen, Kochen, Handwerk, Abfall und Tierhaltung zu unterscheiden.


Familie, Kindheit und Geschlechterrollen


Haushalt und Lebensgemeinschaft

Der Haushalt war Arbeits-, Versorgungs- und Erziehungsgemeinschaft. Heirat, Erbschaft und Hofübergabe entschieden darüber, ob ein Betrieb fortbestehen konnte. Verwitwung, Krankheit oder Tod veränderten Arbeitskraft und Besitz. Wiederverheiratung konnte wirtschaftlich wichtig sein.

Nicht alle Menschen heirateten oder führten einen eigenen Hof. Knechte, Mägde und Tagelöhner lebten oft in abhängigen Arbeitsverhältnissen. Ältere Menschen konnten durch Übergabeverträge oder familiäre Absprachen versorgt werden, waren aber bei Konflikten gefährdet.


Arbeit von Frauen und Männern

Frauen arbeiteten in Haushalt, Garten, Stall, Feld, Verarbeitung, Textilproduktion und Verkauf. Männer übernahmen häufig Pflugarbeit, Holzarbeit, Bau, Transport und bestimmte Ämter. Diese Muster waren weder überall gleich noch vollständig trennscharf. Bei Ernte, Tierpflege, Notsituationen und handwerklicher Produktion überschnitten sich Aufgaben.

Rechtliche Handlungsmöglichkeiten von Frauen unterschieden sich stark nach Region, Familienstand und Besitz. Witwen konnten Höfe führen, Verträge schließen oder vor Gericht auftreten. Zugleich begrenzten patriarchale Normen und männliche Vormundschaft vielerorts ihre Rechte.


Kindheit und Lernen

Kinder waren Teil des Haushalts und lernten durch Beobachtung, Nachahmung und Mitarbeit. Mit zunehmendem Alter übernahmen sie Aufgaben wie Hüten, Sammeln, Wassertragen, Spinnen oder Hilfe bei der Ernte. Kindheit war deshalb nicht arbeitsfrei. Dennoch gab es Spiel, Fürsorge, religiöse Erziehung und emotionale Bindungen.

Schulbesuch war auf dem Land nicht flächendeckend. Wissen wurde vor allem praktisch und mündlich vermittelt. Geistliche, Klöster, städtische Schulen und später lokale Schulstiftungen eröffneten einigen Kindern zusätzliche Bildungswege.


Religion, Zeit und Weltdeutung


Die Dorfkirche als Mittelpunkt

Die Dorfkirche war Gottesdienstraum, Ort von Taufe, Ehe und Begräbnis sowie sichtbares Zeichen kirchlicher Ordnung. Der Friedhof lag häufig in ihrer Nähe. Glocken strukturierten Zeit, warnten vor Gefahr und riefen zur Versammlung. Nicht jedes Dorf besaß eine eigene Pfarrkirche; manche Orte gehörten zu einer weiter entfernten Pfarrei.

Der kirchliche Kalender prägte Arbeit und Fest. Sonntage, Heiligenfeste, Fastenzeiten, Prozessionen und Wallfahrten unterbrachen den Alltag. Religiöse Vorstellungen halfen, Krankheit, Wetter, Tod und Ernte zu deuten. Gleichzeitig bestanden lokale Bräuche, magische Praktiken und ältere Traditionen fort, die von kirchlichen Autoritäten teils geduldet, umgedeutet oder bekämpft wurden.


Glaube und soziale Ordnung

Predigten und religiöse Bilder vermittelten Pflichten, Sünden, Hoffnung auf Erlösung und Vorstellungen gerechter Ordnung. Stiftungen, Almosen und Totenfürsorge verbanden Glauben mit sozialem Ansehen. Klöster und kirchliche Grundherrschaften waren zugleich religiöse Institutionen, Großgrundbesitzer und wirtschaftliche Akteure.

Religion war daher weder nur Privatsache noch bloße Herrschaftstechnik. Sie strukturierte Gemeinschaft, erklärte Welt und Moral, schuf Hilfe und Trost, legitimierte aber auch Abgaben und gesellschaftliche Unterschiede.


Gesundheit, Hygiene und Gefahren


Krankheit und Versorgung

Infektionen, Mangelernährung, Geburtskomplikationen, Arbeitsunfälle und Verletzungen bedrohten das Leben. Medizinische Versorgung bestand aus Hausmitteln, Kräuterwissen, Hebammenhilfe, religiösen Praktiken sowie Behandlung durch heilkundige Personen. Akademisch ausgebildete Ärzte waren für die meisten Dorfbewohner kaum erreichbar.

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt war wegen hoher Säuglings- und Kindersterblichkeit niedrig. Daraus folgt nicht, dass fast niemand alt wurde. Wer Kindheit und Jugend überlebte, konnte ein deutlich höheres Alter erreichen.


Hygiene ohne moderne Infrastruktur

Es gab keine moderne Kanalisation und keine Keimtheorie. Abfälle, Tierhaltung, Rauch und verunreinigtes Wasser konnten Krankheiten fördern. Zugleich wuschen Menschen Körper, Kleidung und Geräte, nutzten Brunnenregeln, Latrinen oder Abfallgruben und kannten die Bedeutung von sauberem Wasser aus Erfahrung. Das Klischee, mittelalterliche Menschen hätten sich grundsätzlich nie gewaschen, ist falsch.

Feuer war eine besondere Gefahr. Dichte Holzbebauung, offene Flammen und Strohdächer konnten Brände begünstigen. Dorfordnungen regelten deshalb mancherorts Feuerstellen, Backöfen, Löschgeräte und Nachbarschaftshilfe.


Hunger, Gewalt und Unsicherheit

Missernten konnten Preise erhöhen und Vorräte aufzehren. Kriegszüge, Fehden und Durchmärsche belasteten Dörfer durch Plünderung, Einquartierung und Zerstörung. Herrschaftliche Forderungen konnten in Krisen untragbar werden. Dennoch war dörfliches Leben nicht dauerhaft chaotisch. Gewohnheitsrecht, soziale Netzwerke, kirchliche Fürsorge, Märkte und gemeinschaftliche Arbeit schufen Stabilität.


Dorf, Markt, Stadt und Fernbeziehungen


Das Dorf war nicht isoliert

Bäuerliche Haushalte verkauften Überschüsse, kauften Salz, Metallwaren oder Stoffe und nutzten Märkte. Müller, Schmiede, Töpfer, Zimmerleute, Händler, Geistliche und fahrende Personen verbanden das Dorf mit weiteren Räumen. Straßen, Flüsse, Burgen, Klöster und Städte beeinflussten Absatz, Abgaben und Schutz.

Geldwirtschaft und Naturalwirtschaft bestanden nebeneinander. Abgaben konnten von Naturalien zu Geldzahlungen wechseln. Saisonarbeit, Dienst in einem städtischen Haushalt oder Verkauf auf dem Markt eröffneten zusätzliche Einkommen.

Vergleiche nach dem Video Stadt und Dorf: Welche Funktionen übernahm die Stadt für das Umland, und welche Lebensmittel und Rohstoffe lieferte das Land?


Handwerk im Dorf

Viele Haushalte stellten Geräte, Kleidung und Nahrungsmittel teilweise selbst her. Daneben gab es spezialisierte Tätigkeiten. Schmiede bearbeiteten Eisen, Müller betrieben Mühlen, Töpfer stellten Gefäße her und Bauhandwerker errichteten Häuser. Manche Handwerke arbeiteten dauerhaft im Dorf, andere wurden von wandernden Spezialisten ausgeübt.

Spezialisierung hing von Bevölkerungsgröße, Nachfrage, Rohstoffen und Marktnähe ab. Ein Dorf mit Mühle oder Schmiede konnte für Nachbarorte wichtig werden.


Wandel und Krisen im Spätmittelalter


Pest und Bevölkerungsverlust

Die Pestwellen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts töteten in Europa einen großen Teil der Bevölkerung, regional jedoch in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Arbeitskräftemangel, verlassene Höfe und sinkende Nachfrage veränderten ländliche Gesellschaften. Überlebende konnten mancherorts bessere Bedingungen aushandeln; andernorts versuchten Herrschaften, Pflichten zu verschärfen.

Die Folgen waren nicht einheitlich. Bodenqualität, Besitzverhältnisse, politische Macht und Marktanbindung entschieden mit darüber, ob ein Dorf schrumpfte, aufgegeben wurde oder neue Chancen erhielt.


Wüstungen und Landschaftswandel

Eine Wüstung ist eine aufgegebene Siedlung oder Nutzungsfläche. Ursachen konnten Seuchen, Kriege, schlechte Böden, Überschwemmungen, Herrschaftsentscheidungen oder die Verlagerung von Verkehrswegen sein. Archäologische Prospektion, Luftbilder, Flurnamen und Ausgrabungen helfen, solche Orte zu untersuchen.


Protest und Verhandlung

Bäuerliche Menschen akzeptierten Forderungen nicht immer widerspruchslos. Sie klagten vor Gerichten, beriefen sich auf altes Recht, verweigerten Dienste, flohen oder beteiligten sich an Aufständen. Gleichzeitig waren offene Konflikte riskant. Häufiger wurden Pflichten ausgehandelt, abgelöst oder in neue Formen überführt.


Mythos und historische Wirklichkeit

Verbreitete Vorstellung Historisch differenzierte Einordnung
Alle Bauern waren Leibeigene. Rechtsstellungen reichten von frei bis stark abhängig und unterschieden sich nach Region, Zeit und Hof.
Jedes Dorf nutzte überall die Dreifelderwirtschaft. Das System war weit verbreitet, aber nicht universal; Böden, Klima und Wirtschaftsformen führten zu anderen Lösungen.
Mittelalterliche Menschen tranken nie Wasser. Wasser war zentral, konnte aber verunreinigt sein; daneben gab es regional Bier, Wein, Milch und Most.
Frauen arbeiteten nur im Haus. Frauen waren auch in Feldarbeit, Tierhaltung, Textilproduktion, Verarbeitung und Handel tätig.
Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Märkte, Abgaben, Verkehr, Kirche, Herrschaft und Handwerk verbanden sie mit Städten und weiteren Regionen.
Bildquellen zeigen den Alltag genau wie ein Foto. Bilder folgen Auftrag, Symbolik, Stil und sozialer Perspektive und müssen kritisch ausgewertet werden.


Fallanalyse: Ein fiktives Dorf um 1300

Stell Dir ein Dorf in einer fruchtbaren Flusslandschaft um 1300 vor. Es besitzt etwa zwei Dutzend Hofstellen, eine kleine Kirche, einen gemeinschaftlichen Brunnen, Gärten, drei große Ackerfluren, Wiesen am Fluss und Waldrechte. Mehrere Grundherren besitzen Rechte an einzelnen Höfen. Der Zehnt geht an eine kirchliche Institution. Ein Müller betreibt eine Wassermühle, ein Schmied arbeitet neben der Landwirtschaft.

Dieses Modell ist bewusst vereinfacht. Es hilft, Zusammenhänge zu erkennen: Die Bauern müssen Aussaat und Ernte abstimmen, weil ihre Parzellen in gemeinsamen Fluren liegen. Vieh darf erst nach der Ernte auf Stoppelfelder. Wege und Zäune werden gemeinsam gepflegt. Der Müller ist wichtig, weil Getreide verarbeitet werden muss. Die Kirche strukturiert Feste und Lebensstationen. Abgaben verringern den frei verfügbaren Ertrag. Ein Hagelschlag betrifft nicht nur einzelne Haushalte, sondern verändert Preise, Kredit und Hilfsbeziehungen im ganzen Dorf.

Historische Denkaufgabe: Welche Bestandteile dieses Modells sind wahrscheinlich, welche nur möglich und welche müssten durch lokale Quellen geprüft werden?

Nutze das Video als Einstieg und überprüfe jede zentrale Aussage mit dem Wissen aus diesem Kurs.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum müssen mittelalterliche Bildquellen quellenkritisch untersucht werden? (Sie entstanden in bestimmten Auftrags- und Bedeutungszusammenhängen) (!Sie wurden grundsätzlich erst im 19. Jahrhundert gemalt) (!Sie zeigen ausschließlich erfundene Tiere) (!Sie enthalten niemals landwirtschaftliche Tätigkeiten)




Was bezeichnet Grundherrschaft? (Eine Verbindung von Landnutzung Herrschaftsrechten und Abgaben) (!Eine freie Handelsgemeinschaft ohne Landbesitz) (!Eine ausschließlich kirchliche Feier) (!Eine städtische Handwerkerzunft)




Welche Abfolge gehört zur Dreifelderwirtschaft? (Winterfrucht Sommerfrucht und Brache) (!Weinbau Fischfang und Bergbau) (!Waldweide Jagd und Stadtmarkt) (!Pflugdienst Kirchgang und Gericht)




Was war eine Allmende? (Eine gemeinschaftlich geregelte Nutzfläche) (!Ein privates Schlafzimmer des Grundherrn) (!Eine Waffe der Dorfwache) (!Ein kirchliches Messbuch)




Was war der Zehnt grundsätzlich? (Eine Abgabe eines Anteils landwirtschaftlicher Erträge) (!Ein Gerät zum Dreschen von Getreide) (!Ein Amt im Dorfgericht) (!Ein mittelalterliches Längenmaß)




Warum war der bäuerliche Haushalt eine Wirtschaftseinheit? (Wohnen Arbeiten Versorgung und Weitergabe des Hofes waren verbunden) (!Jeder Haushalt stellte ausschließlich Münzen her) (!Alle Bewohner arbeiteten nur für eine Stadt) (!Kinder waren grundsätzlich von Arbeit ausgeschlossen)




Welche Funktion konnte eine Dorfkirche erfüllen? (Sie war Ort für Gottesdienst Lebensstationen und Zeitordnung) (!Sie ersetzte in jedem Dorf alle Wohnhäuser) (!Sie war ausschließlich ein Getreidespeicher) (!Sie diente nur reisenden Kaufleuten)




Welche Aussage beschreibt mittelalterliche Dörfer am besten? (Sie waren durch Märkte Herrschaft Kirche und Verkehr vernetzt) (!Sie hatten keinerlei Kontakt zu Städten) (!Sie verwendeten niemals Geld) (!Sie bestanden immer aus genau sieben Höfen)




Welche mögliche Folge großer Bevölkerungsverluste im 14. Jahrhundert ist historisch plausibel? (Verlassene Höfe und veränderte Arbeitsverhältnisse) (!Die sofortige Einführung der Dampfmaschine) (!Das Ende aller kirchlichen Einrichtungen) (!Die allgemeine Nutzung von Kartoffeln)




Wie entsteht eine belastbare Geschichte des mittelalterlichen Dorfes? (Durch den Vergleich schriftlicher bildlicher und archäologischer Quellen) (!Durch die wörtliche Übernahme eines einzigen Films) (!Durch die ausschließliche Betrachtung von Ritterromanen) (!Durch den Verzicht auf regionale Unterschiede)





Memory

Grundherrschaft Landnutzung gegen Dienste und Abgaben
Allmende Gemeinschaftlich geregelte Ressource
Frondienst Arbeitsleistung für eine Herrschaft
Zehnt Kirchlich begründete Ertragsabgabe
Brache Zeitweise unbestelltes Ackerland
Wüstung Aufgegebene Siedlung
Urbar Verzeichnis von Besitz und Leistungen
Flurzwang Abgestimmte Nutzung gemeinsamer Feldfluren





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung im mittelalterlichen Dorf
Dorfgericht Regelung kleinerer Streitfälle und lokaler Ordnung
Mühle Verarbeitung von Getreide mit Wasser oder Windkraft
Speicher Schutz von Saatgut und Vorräten
Dorfkirche Gottesdienst Lebensstationen und Festkalender
Allmende Gemeinsam geregelte Nutzung von Weide Wald oder Wasser
Frondienst Verpflichtende Arbeit für den Grundherrn






Kreuzworträtsel

Allmende Wie heißt eine gemeinschaftlich genutzte Fläche?
Frondienst Wie heißt eine Arbeitsleistung für den Grundherrn?
Dorfgericht Welche Institution regelte örtliche Streitfälle?
Brache Wie heißt zeitweise unbestelltes Ackerland?
Zehnt Wie heißt eine kirchlich begründete Ertragsabgabe?
Grundherrschaft Welcher Begriff verbindet Land Herrschaft und Abgaben?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die mittelalterliche Dorfgeschichte wird aus schriftlichen bildlichen und

Quellen rekonstruiert. Ein Verzeichnis grundherrlicher Besitzungen und Leistungen heißt

. Gemeinschaftlich genutzte Flächen werden als

bezeichnet. In vielen Regionen verband die

Landnutzung mit Abgaben und Diensten. Bei der Dreifelderwirtschaft blieb jeweils ein Teil der Fläche als

unbestellt. Verpflichtende Arbeit für eine Herrschaft hieß

. Die dörfliche Ernährung beruhte häufig vor allem auf

. Religiöse Feste strukturierten den bäuerlichen

. Eine aufgegebene mittelalterliche Siedlung wird

genannt. Bilder aus Handschriften müssen immer mit

untersucht werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Dorfplan: Zeichne einen möglichen Plan eines mittelalterlichen Dorfes mit Höfen, Kirche, Brunnen, Wegen, Acker, Wiese, Wald und Mühle. Kennzeichne, welche Elemente sicher, wahrscheinlich oder nur möglich sind.
  2. Jahreskreis: Gestalte einen bebilderten Jahreskreis mit zwölf Monaten und typischen Tätigkeiten. Weise auf regionale Unterschiede hin.
  3. Bildquelle: Wähle eine Miniatur aus dem Kurs und beschreibe systematisch Personen, Geräte, Tiere, Gebäude, Tätigkeiten und Bildaufbau.
  4. Begriffskarte: Erstelle eine Concept-Map, die Grundherrschaft, Frondienst, Zehnt, Allmende, Flurzwang und Dorfgericht miteinander verbindet.


Standard

  1. Tagebuch als Quellenexperiment: Schreibe einen fiktiven Tagesbericht einer Magd, eines Hirtenkindes oder eines Kleinbauern. Markiere anschließend, welche Aussagen historisch belegt und welche erzählerisch ergänzt sind.
  2. Ernährungsprojekt: Entwickle einen saisonalen Speiseplan für einen dörflichen Haushalt. Verwende nur Lebensmittel, die in der gewählten Region und Zeit verfügbar waren, und begründe Deine Auswahl.
  3. Museumsvergleich: Vergleiche zwei Rekonstruktionen mittelalterlicher Gebäude aus Museen oder Abbildungen. Untersuche Material, Funktion, Quellenbasis und moderne Ergänzungen.
  4. Dorfgericht Rollenspiel: Inszeniere einen Konflikt um Weiderechte, einen beschädigten Zaun oder Wasserzugang. Verteile Rollen und formuliere ein Urteil mit Begründung.


Schwer

  1. Mikrogeschichte: Recherchiere ein historisches Dorf Deiner Region anhand von Ortschronik, Urkunden, Karten, Flurnamen oder archäologischen Berichten und erstelle eine quellenkritische Fallstudie.
  2. Datenanalyse: Entwirf ein fiktives Urbar mit zehn Höfen, unterschiedlichen Flächen, Abgaben und Diensten. Analysiere anschließend soziale Ungleichheit und Abhängigkeit.
  3. Mythencheck: Produziere ein Erklärvideo zu drei verbreiteten Mythen über das Dorfleben. Belege jede Korrektur mit mindestens zwei voneinander unabhängigen Quellengattungen.
  4. Landschaftsarchäologie: Plane eine nicht invasive Untersuchung einer vermuteten Wüstung mit Kartenanalyse, Geländebegehung, Luftbild, Geophysik und Funddokumentation. Begründe die Reihenfolge.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Systemzusammenhang Landwirtschaft: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie Boden, Wetter, Zugtiere, Arbeitskräfte, Fruchtfolge, Abgaben und Vorratshaltung zusammenwirkten. Zeige mindestens zwei mögliche Kettenreaktionen einer Missernte.
  2. Herrschaft und Handlungsspielraum: Beurteile die Aussage: „Bäuerliche Menschen waren nur Opfer der Grundherrschaft.“ Formuliere eine differenzierte Argumentation mit Zwang, Verhandlung, Gewohnheitsrecht, Selbstorganisation und Widerstand.
  3. Quellenvergleich: Vergleiche eine Buchmalerei, einen archäologischen Hausbefund und ein Abgabenverzeichnis. Erkläre, welche Frage jede Quelle beantworten kann und wo ihre Grenzen liegen.
  4. Transfer Dorf und Stadt: Analysiere, wie sich der Ausfall einer dörflichen Getreideernte auf Mühle, Markt, Stadtbevölkerung, Grundherrschaft und Kreditbeziehungen auswirken könnte.
  5. Ungleichheit in der Allmende: Prüfe, ob eine gemeinschaftliche Weide automatisch allen Haushalten gleich nutzte. Berücksichtige Viehbesitz, Nutzungsrechte und politische Macht.
  6. Historisches Urteil: Bewerte, ob der Begriff „dunkles Mittelalter“ für das dörfliche Leben geeignet ist. Entwickle Kriterien und unterscheide Belastungen, Stabilität, Innovation und regionale Vielfalt.
  7. Gegenwartsbezug: Vergleiche mittelalterliche Regeln zur Nutzung gemeinsamer Ressourcen mit einem heutigen Beispiel wie Bewässerung, Fischbestand, Gemeindewald oder digitalem Gemeingut. Benenne Gemeinsamkeiten und Grenzen des Vergleichs.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis ist wichtig, dass Du historische Begriffe korrekt verwendest, regionale und zeitliche Unterschiede berücksichtigst und pauschale Aussagen vermeidest. Du sollst wirtschaftliche, soziale, rechtliche, religiöse und ökologische Faktoren miteinander verbinden. Quellen müssen nach Entstehung, Perspektive, Zweck und Aussagegrenze untersucht werden. Rekonstruktionen und Erzählungen müssen als solche gekennzeichnet sein.

Ein vollständiger Lernnachweis enthält eine begründete Leitfrage, nachvollziehbare Quellenangaben, mindestens zwei verschiedene Quellengattungen, eine eigenständige Analyse, eine reflektierte Schlussfolgerung und eine kurze Darstellung offener Fragen. Bei Gruppenarbeiten müssen die Beiträge der Beteiligten erkennbar sein.




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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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