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Das Kalifat - Geschichte

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Das Kalifat - Geschichte




Das Kalifat - Geschichte

Studienfach Geschichte
Thematischer Schwerpunkt Islamische Geschichte, Politische Geschichte, Religionsgeschichte, Globalgeschichte
Niveau Studium und gymnasiale Oberstufe
Leitfrage Wie wandelte sich das Kalifat von einer Nachfolgeregelung nach dem Tod Muhammads zu unterschiedlichen Herrschaftsformen, Symbolen und politischen Deutungen?


Einleitung

Das Kalifat bezeichnet in der Geschichte keine einzige, unveränderte Institution. Der Begriff leitet sich vom arabischen Wort ḫilāfa für Nachfolge oder Stellvertretung ab. Ein Kalif galt grundsätzlich nicht als neuer Prophet, sondern als politischer Nachfolger in der Leitung der muslimischen Gemeinschaft, der Umma. Welche religiösen, rechtlichen und politischen Befugnisse mit diesem Amt verbunden waren, wurde jedoch seit dem 7. Jahrhundert unterschiedlich beantwortet.

Nach dem Tod Muhammads im Jahr 632 musste die junge muslimische Gemeinschaft ihre Führung neu ordnen. Daraus entstanden Konflikte um Auswahl, Abstammung, Legitimität und Herrschaft. Diese Konflikte prägten die spätere Unterscheidung zwischen Sunniten, Schiiten und weiteren Gruppen. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Kalifat zugleich zu einer Form imperialer Herrschaft, zu einem dynastischen Anspruch, zu einem religiösen Symbol und zeitweise zu einer überwiegend zeremoniellen Würde.

Der Kurs behandelt das Kalifat deshalb nicht als lineare Geschichte eines einzigen Reiches. Du untersuchst vielmehr mehrere historische Konstellationen: das frühe Kalifat der sogenannten rechtgeleiteten Kalifen, das Umayyaden-Kalifat, das Abbasiden-Kalifat, konkurrierende Kalifate in al-Andalus und Nordafrika, die abbasidische Linie in Kairo sowie den osmanischen Kalifatsanspruch bis zu seiner Abschaffung im Jahr 1924.

Die Karte zeigt die territoriale Ausdehnung unter Muhammad, den frühen Kalifen und den Umayyaden. Karten sind Deutungen: Grenzen, Farben und Bezeichnungen müssen quellenkritisch gelesen werden.

Universitäre Vorlesung zu den frühen islamischen Eroberungen und den inneren Konflikten des 7. Jahrhunderts.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du zentrale Phasen der Kalifatsgeschichte zeitlich und räumlich einordnen. Du kannst unterschiedliche Legitimationsmodelle vergleichen, politische und religiöse Funktionen des Kalifenamtes unterscheiden und historische Karten, Münzen, Bauwerke, Chroniken sowie moderne Darstellungen kritisch auswerten. Außerdem kannst Du erklären, weshalb zeitweise mehrere Kalifen gleichzeitig Herrschaft beanspruchten und warum der Begriff bis in die Gegenwart politisch aufgeladen ist.


Begriff, Herrschaft und Quellen


Der Begriff Kalif

Das arabische Wort ḫalīfa bedeutet Nachfolger oder Stellvertreter. In der frühen muslimischen Überlieferung begegnet besonders die Formel Nachfolger des Gesandten Gottes. Daraus lässt sich keine zeitlose Amtsbeschreibung ableiten. Die Stellung eines Kalifen hing von Machtverhältnissen, dynastischen Traditionen, religiösen Erwartungen, militärischer Unterstützung und der Anerkennung durch einflussreiche Gruppen ab.

Ein Kalif konnte als oberster politischer Herrscher auftreten, Richter ernennen, Steuern erheben, Heere führen, Münzen prägen lassen und seinen Namen im Freitagsgebet nennen lassen. Religiöses Wissen und die Auslegung des Rechts lagen jedoch nicht ausschließlich beim Herrscher. Seit dem 8. und 9. Jahrhundert gewannen Religionsgelehrte, Richter und Rechtsschulen eigene Autorität. Die Geschichte des Kalifats ist daher nicht mit der Geschichte einer zentralisierten „Kirche“ gleichzusetzen.


Modelle der Legitimität

Historische Kalifen begründeten ihre Herrschaft auf unterschiedliche Weise. Wichtige Argumente waren die Beratung der Gemeinschaft, die Zustimmung durch einen Treueid, die Zugehörigkeit zum Stamm der Quraisch, die Verwandtschaft mit Muhammad, dynastische Erbfolge, militärischer Erfolg, Schutz der heiligen Stätten, Durchsetzung von Recht und Ordnung sowie die Kontrolle bedeutender Städte und Handelswege.

Für sunnitische Traditionen gelten Abu Bakr, Umar ibn al-Chattab, Uthman ibn Affan und Ali ibn Abi Talib rückblickend als die vier rechtgeleiteten Kalifen. Schiitische Traditionen betonen dagegen Alis besondere Stellung als Verwandter und Schwiegersohn Muhammads und sehen die legitime Führung in der Linie der Imame. Diese Unterschiede sind nicht bloß theologische Lehrsätze, sondern Ergebnis historischer Auseinandersetzungen um Nachfolge und Autorität.


Quellenkritik

Viele ausführliche islamische Geschichtswerke über das 7. Jahrhundert entstanden erst Generationen nach den beschriebenen Ereignissen. Dazu gehören Chroniken, Biografien, Überlieferungssammlungen und Genealogien. Historikerinnen und Historiker vergleichen sie mit frühen Papyri, Inschriften, Münzen, Bauwerken, Verwaltungsdokumenten sowie armenischen, syrischen, griechischen und lateinischen Texten.

Du solltest deshalb zwischen einem Ereignis, seiner späteren Überlieferung und seiner religiösen Erinnerung unterscheiden. Eine Chronik kann wertvolle Informationen enthalten und zugleich politische oder konfessionelle Interessen widerspiegeln. Auch moderne Karten vereinfachen Herrschaft: Sie zeigen meist klar abgegrenzte Flächen, obwohl Kontrolle in Grenzregionen, Wüstengebieten und tributpflichtigen Territorien oft abgestuft war.


Das frühe Kalifat von 632 bis 661


Nachfolge nach Muhammads Tod

Nach Muhammads Tod im Jahr 632 wurde Abu Bakr in Medina als Führer anerkannt. Die genaue Bewertung dieses Vorgangs unterscheidet sich in den Überlieferungstraditionen. Während sunnitische Darstellungen die Beratung und Zustimmung wichtiger Gefährten hervorheben, sehen schiitische Deutungen Ali als den von Muhammad vorgesehenen Nachfolger.

Abu Bakrs kurze Herrschaft war von den sogenannten Ridda-Kriegen geprägt. Dabei ging es um Abfall, politische Loslösung, Steuerverweigerung und die Kontrolle arabischer Stammesverbände. Unter Umar dehnte sich die Herrschaft rasch über Arabien hinaus aus. Muslimische Heere besiegten Truppen des Byzantinischen Reiches und des Sassanidenreiches und eroberten Gebiete in Syrien, Ägypten, Mesopotamien und Iran.

Räumliche Darstellung des frühen Kalifats in der Mitte des 7. Jahrhunderts. Prüfe, welche Gebiete als Kernräume und welche als Provinzen dargestellt werden.


Verwaltung eines wachsenden Reiches

Die Eroberungen führten nicht unmittelbar zu einer vollständigen religiösen oder kulturellen Vereinheitlichung. In vielen Regionen blieben lokale Verwaltungspraktiken, Sprachen und Eliten zunächst bestehen. Garnisonsstädte wie Kufa, Basra und Fustat wurden zu militärischen und politischen Zentren. Ein Registersystem, der Diwan, regelte unter anderem Zuwendungen an Kämpfer und Angehörige der frühen muslimischen Gemeinschaft.

Steuern wurden je nach Region und Bevölkerungsgruppe unterschiedlich erhoben. Die Begriffe Dschizya und Charadsch bezeichneten in später systematisierten Rechtsvorstellungen Kopf- beziehungsweise Grundsteuern, doch die Praxis wandelte sich. Konversionen zum Islam verliefen über lange Zeiträume und hatten religiöse, soziale, wirtschaftliche und politische Motive. Die Eroberungen dürfen daher weder als reine Religionskriege noch als konfliktfreie Machtwechsel vereinfacht werden.


Uthman, Ali und die erste Fitna

Unter Uthman wurde nach islamischer Überlieferung eine verbindliche Fassung des Korantextes verbreitet. Zugleich wuchs die Kritik an seiner Personalpolitik und an der Bevorzugung umayyadischer Verwandter. Uthman wurde 656 in Medina getötet. Ali übernahm das Kalifat, musste sich jedoch gegen mehrere Gegner behaupten.

Die Auseinandersetzungen um die Kamelschlacht, die Schlacht von Siffin und das Schiedsverfahren zwischen Ali und dem syrischen Statthalter Muawiya werden als erste Fitna bezeichnet. Aus dem Konflikt gingen auch die Charidschiten als eigenständige Bewegung hervor. Nach Alis Ermordung im Jahr 661 setzte sich Muawiya durch und begründete die Herrschaft der Umayyaden.


Das Umayyaden-Kalifat von 661 bis 750


Dynastische Herrschaft in Damaskus

Muawiya machte Damaskus zum Zentrum des Kalifats. Die Nachfolge seines Sohnes Yazid verstärkte den dynastischen Charakter der Herrschaft. Widerstand blieb bestehen. Besonders folgenreich war die Tötung Husains, eines Enkels Muhammads, in der Schlacht von Kerbela im Jahr 680. Kerbela wurde zu einem zentralen Erinnerungsort schiitischer Geschichte.

Die Umayyaden beherrschten ein Reich, das sich zeitweise von der Iberischen Halbinsel bis nach Zentralasien und an den Indus erstreckte. Seine Bevölkerung war sprachlich, religiös und sozial vielfältig. Lokale Eliten, arabische Stammesverbände, Konvertiten, Christen, Juden, Zoroastrier und andere Gruppen waren in unterschiedlicher Weise in Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft eingebunden.

Das Umayyadenreich um die Mitte des 8. Jahrhunderts. Die Größe des Herrschaftsraums erforderte regionale Statthalter, Verkehrswege, Steuerverwaltung und militärische Stützpunkte.


Reformen Abd al-Maliks

Unter Abd al-Malik und seinen Nachfolgern wurden Verwaltung und Repräsentation stärker vereinheitlicht. Arabisch gewann als Verwaltungssprache an Bedeutung. Eigene Gold- und Silbermünzen mit arabischen Inschriften ersetzten schrittweise ältere byzantinische und sassanidische Vorbilder. Münzen waren damit nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch Medien politischer und religiöser Botschaften.

Der zwischen 691 und 692 vollendete Felsendom in Jerusalem gehört zu den frühesten monumentalen Bauwerken islamischer Herrschaft. Seine Architektur greift spätantike Formen auf und verbindet sie mit arabischen Inschriften und einer eigenständigen religiösen Aussage.

Der Felsendom in Jerusalem veranschaulicht, wie Architektur Herrschaft, religiöse Bedeutung und Konkurrenz um einen heiligen Ort sichtbar machen konnte.

Der Hof der Umayyaden-Moschee in Damaskus. Das Bauwerk entstand im frühen 8. Jahrhundert auf einem Ort mit älteren römischen und christlichen Traditionen.

Der Historiker Hugh Kennedy erläutert Forschungsfragen zur Geschichte des Umayyaden-Kalifats.


Spannungen und Ende der Dynastie

Die umayyadische Herrschaft war durch Konflikte zwischen Stammesverbänden, Aufstände, regionale Interessen und Kritik an der Vorrangstellung arabischer Eliten belastet. Nichtarabische Muslime, häufig als Mawālī bezeichnet, konnten trotz ihrer Konversion benachteiligt werden. Zugleich darf die Gesellschaft nicht auf eine einfache Gegenüberstellung von Arabern und Nichtarabern reduziert werden, weil Status, Herkunft, Patronage und regionale Verhältnisse zusammenwirkten.

Die abbasidische Bewegung gewann besonders in Chorasan Unterstützung. Sie verband unterschiedliche Gegner der Umayyaden und nutzte die Erwartung einer gerechteren Herrschaft aus dem Haus des Propheten. Im Jahr 750 besiegten die Abbasiden die Umayyaden. Ein Angehöriger der Dynastie entkam nach al-Andalus und begründete dort eine neue umayyadische Herrschaft.


Das Abbasiden-Kalifat von 750 bis 1258


Revolution und neue Hauptstadt

Die Abbasiden leiteten ihren Anspruch von Al-Abbas ibn Abd al-Muttalib, einem Onkel Muhammads, ab. Ihr Sieg verschob das politische Zentrum des Kalifats nach Osten. Kalif Al-Mansur gründete 762 Bagdad als neue Hauptstadt. Die planmäßig angelegte Rundstadt wurde zum Symbol einer neuen imperialen Ordnung, während sich die tatsächliche Metropole bald weit über den ursprünglichen Ring hinaus ausdehnte.

Rekonstruktion der Rundstadt Bagdad. Solche Pläne verbinden schriftliche Überlieferung, archäologische Annahmen und spätere Kartografie.

Das Abbasidenreich um 850 mit Provinzen und Städten. Die Karte zeigt einen Herrschaftsraum, dessen tatsächliche Kontrolle regional sehr unterschiedlich war.


Hof, Bürokratie und Militär

Die Abbasiden übernahmen und entwickelten Verwaltungsformen aus sassanidischen, spätantiken und frühislamischen Traditionen weiter. Der Wesir konnte zum Leiter der zivilen Verwaltung aufsteigen. Schreiber, Steuerbeamte, Richter, Gelehrte, Händler und Militärführer bildeten miteinander konkurrierende Eliten.

Im 9. Jahrhundert gewannen türkischstämmige Militärsklaven und Berufssoldaten am Hof an Bedeutung. Um Konflikte in Bagdad zu begrenzen, verlegte Kalif Al-Mutasim die Residenz 836 nach Samarra. Dort entstand eine ausgedehnte Palast- und Garnisonsstadt. Die Macht der Militärführer nahm zu, und mehrere Kalifen gerieten in starke Abhängigkeit von ihren Truppen.

Das spiralförmige Minarett der Großen Moschee von Samarra verweist auf die monumentale Repräsentation der abbasidischen Residenzstadt.


Wissen, Übersetzung und kultureller Austausch

Bagdad wurde zu einem bedeutenden Zentrum von Handel, Literatur, Wissenschaft und Gelehrsamkeit. Texte aus dem Griechischen, Syrischen, Mittelpersischen und Sanskrit wurden ins Arabische übertragen. Gelehrte verschiedener religiöser und sprachlicher Herkunft arbeiteten an Medizin, Mathematik, Astronomie, Philosophie, Geografie und Optik.

Der Begriff Haus der Weisheit wird häufig als Sammelbezeichnung für die abbasidische Übersetzungsbewegung verwendet. Die genaue institutionelle Form und Reichweite des Bayt al-Hikma ist in der Forschung jedoch umstritten. Sicher ist, dass Übersetzungen durch Hofpatronage, Bibliotheken, private Gelehrtennetzwerke, christliche Übersetzerfamilien und einen wachsenden Buchmarkt gefördert wurden.

Eine Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert zeigt eine Bibliotheksszene. Sie ist keine unmittelbare Abbildung des Hauses der Weisheit, kann aber als Quelle zur späteren Gelehrtenkultur analysiert werden.

Ein Blatt aus einer arabischen Übersetzung der Materia Medica des Dioskurides. Es zeigt die Weitergabe und Bearbeitung antiken Wissens in arabischer Sprache.

Der oft verwendete Ausdruck Blütezeit des Islam kann kulturelle Leistungen sichtbar machen, birgt aber die Gefahr einer romantisierenden Gesamterzählung. Wissenschaftliche Produktion fand nicht nur am Hof statt, war nicht auf muslimische Gelehrte beschränkt und verlief nicht ohne Konflikte, Konkurrenz oder soziale Ungleichheit.


Politische Fragmentierung

Seit dem 9. Jahrhundert wurden zahlreiche Provinzen faktisch autonom. Dynastien wie die Aghlabiden, Tahiriden, Samaniden und Tuluniden erkannten den Kalifen teilweise noch symbolisch an, verfügten aber über eigene Heere und Steuerverwaltungen. Im Jahr 945 nahmen die schiitischen Buyiden Bagdad ein; 1055 folgten die sunnitischen Seldschuken. Die Kalifen blieben wichtige Symbole der Legitimität, obwohl die tatsächliche Militärmacht häufig bei Sultanen und Emiren lag.

Die Trennung zwischen symbolischer und praktischer Macht zeigt, dass politische Autorität im Mittelalter nicht ausschließlich an eine moderne Vorstellung souveräner Staatlichkeit gebunden war. Ein Herrscher konnte Münzen prägen und Steuern erheben, zugleich aber den Namen eines Kalifen im Freitagsgebet nennen lassen.


Die Eroberung Bagdads 1258

Im Jahr 1258 eroberte das mongolische Heer unter Hülegü Bagdad. Kalif Al-Mustasim wurde getötet, und die abbasidische Linie in Bagdad endete. Die Zerstörungen waren schwer, doch die häufig erzählte Vorstellung eines vollständigen und plötzlichen Endes aller Wissenschaft und Kultur im islamischen Raum ist zu einfach. Gelehrsamkeit, Handel und politische Zentren bestanden in Kairo, Damaskus, Anatolien, Iran, Zentralasien und anderen Regionen fort.

Eine universitäre Vorlesung von Richard Bulliet zur Veränderung des Verhältnisses von Religion und Staat zwischen mittelalterlichem Kalifat und späteren Herrschaftsformen.


Konkurrierende Kalifate und regionale Zentren


Das Kalifat von Córdoba

Der Umayyade Abd ar-Rahman I. gründete 756 in al-Andalus ein unabhängiges Emirat. Im Jahr 929 nahm Abd ar-Rahman III. den Kalifentitel an. Damit konkurrierte Córdoba symbolisch mit den Abbasiden in Bagdad und den Fatimiden in Nordafrika. Das Kalifat von Córdoba bestand bis 1031 und zerfiel anschließend in mehrere Taifa-Königreiche.

Das Kalifat von Córdoba um das Jahr 1000. Seine Geschichte macht sichtbar, dass mehrere Kalifate gleichzeitig existieren konnten.

Die Säulenhalle der Moschee-Kathedrale von Córdoba ist eine wichtige Quelle für Baugeschichte, Herrschaftsrepräsentation und spätere Umnutzung.


Das Fatimiden-Kalifat

Die Fatimiden begründeten 909 in Nordafrika ein ismailitisch-schiitisches Kalifat. Sie leiteten ihre Abstammung von Fatima, der Tochter Muhammads, und Ali ab. Nach der Eroberung Ägyptens gründeten sie 969 Kairo als neue Residenzstadt. Die Al-Azhar-Moschee wurde zu einem bedeutenden Zentrum von Lehre und religiöser Repräsentation.

Der Innenhof der Al-Azhar-Moschee in Kairo. Das Bauwerk wurde in fatimidischer Zeit gegründet und in späteren Jahrhunderten vielfach erweitert.

Die Fatimiden standen nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Konkurrenz zu den sunnitischen Abbasiden. Zeitweise beanspruchten somit drei große Dynastien gleichzeitig den Kalifentitel: Abbasiden, Fatimiden und Umayyaden von Córdoba. Diese Gleichzeitigkeit widerspricht der Vorstellung eines stets einheitlichen Kalifats.


Abbasiden in Kairo

Nach 1258 richteten die Mamluken in Kairo 1261 eine abbasidische Kalifenlinie ein. Diese Kalifen verfügten nur über begrenzte eigenständige Macht, verliehen der Mamlukenherrschaft aber zusätzliche symbolische Legitimität. Die Institution bestand bis zur osmanischen Eroberung Ägyptens 1517.


Das osmanische Kalifat und seine Abschaffung


Osmanische Ansprüche seit dem 16. Jahrhundert

Nach der Eroberung Ägyptens durch Sultan Selim I. im Jahr 1517 verbanden die Osmanen ihre Herrschaft zunehmend mit dem Kalifentitel. Die verbreitete Erzählung, der letzte Abbasidenkalif habe das Amt in einer förmlichen Zeremonie auf Selim übertragen, ist in dieser Form erst in späteren Quellen belegt und wird von Historikerinnen und Historikern kritisch beurteilt.

Für die osmanische Herrschaft waren zunächst Titel wie Sultan und die Kontrolle über die heiligen Städte Mekka und Medina besonders wichtig. Im 18. und 19. Jahrhundert gewann der Kalifentitel in Diplomatie und Politik an Gewicht. Osmanische Herrscher konnten damit einen Anspruch auf religiöse Verbundenheit mit Muslimen außerhalb ihres unmittelbaren Staatsgebietes formulieren. Unter Abdülhamid II. wurde dieser panislamische Aspekt besonders betont.


Krise des Reiches und Trennung von Sultanat und Kalifat

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel das Osmanische Reich. Die türkische Nationalbewegung unter Mustafa Kemal setzte sich im Unabhängigkeitskrieg durch. 1922 schaffte die Große Nationalversammlung das Sultanat ab. Abdülmecid II. blieb zunächst als Kalif ohne sultanische Regierungsgewalt im Amt. 1923 wurde die Republik Türkei gegründet.

Am 3. März 1924 beschloss die Große Nationalversammlung die Abschaffung des Kalifats. Abdülmecid II. und weitere Mitglieder der osmanischen Dynastie wurden ausgewiesen. Die Abschaffung war Teil eines umfassenden politischen und institutionellen Umbaus, der staatliche Souveränität, Bildung, Recht und Religion in der neuen Republik neu ordnete.

Die Aufnahme zeigt Abdülmecid II. mit der Delegation, die ihn 1924 über seine Absetzung informierte. Fotografien sind inszenierte Ausschnitte und müssen nach Urheber, Anlass und Verwendungszusammenhang befragt werden.

Zeitungsbericht zur Abschaffung des Kalifats. Die Quelle eignet sich für einen Vergleich zwischen türkischer Gesetzgebung, europäischer Presse und muslimischen Debatten.

Wissenschaftlicher Vortrag zu den Kontroversen vor und nach der Abschaffung des osmanischen Kalifats.


Reaktionen nach 1924

Die Abschaffung löste Debatten in Ägypten, Britisch-Indien, dem Hedschas und weiteren Regionen aus. Kongresse und einzelne Herrscher versuchten, Fragen muslimischer Führung neu zu verhandeln, doch es entstand kein allgemein anerkanntes neues Kalifat. Nationalstaaten, Kolonialherrschaft, antikoloniale Bewegungen und neue internationale Organisationen veränderten die politischen Rahmenbedingungen grundlegend.

Moderne Bewegungen griffen den Begriff später mit sehr unterschiedlichen Zielen auf. Besonders extremistische Gruppen versuchten, eine idealisierte und gewaltsam vereinfachte Vergangenheit für ihre Propaganda zu nutzen. Eine historische Analyse muss solche Selbstbezeichnungen von den vielfältigen tatsächlichen Institutionen der Kalifatsgeschichte unterscheiden.


Herrschaftspraxis im Vergleich


Zentrum und Peripherie

Kein Kalifat kontrollierte alle Gebiete gleichmäßig. Provinzen konnten direkt verwaltet, tributpflichtig, militärisch abhängig oder weitgehend autonom sein. Statthalter benötigten lokale Bündnisse, Beamte, Steuerpächter, Richter und militärische Gefolgschaften. Entfernungen, Verkehrswege, Ernten, Seuchen, Aufstände und dynastische Konflikte beeinflussten die Reichweite zentraler Befehle.


Religion und Recht

Kalifen beanspruchten Schutz und Führung der muslimischen Gemeinschaft, doch religiöse Autorität war verteilt. Rechtsgelehrte entwickelten Methoden der Rechtswissenschaft, sammelten Überlieferungen und begründeten Rechtsschulen. Herrscher erließen Verwaltungsmaßnahmen, während Richter und Gelehrte auf religiöses Recht Bezug nahmen. Kooperation und Konflikt zwischen Hof und Gelehrten wechselten je nach Zeit und Ort.

Die sogenannte Mihna im 9. Jahrhundert zeigt einen solchen Konflikt. Abbasidische Kalifen versuchten, eine theologische Position zur Erschaffenheit des Korans verbindlich durchzusetzen. Der Widerstand von Gelehrten wie Ahmad ibn Hanbal trug langfristig dazu bei, die eigenständige Autorität religiöser Gelehrsamkeit zu stärken.


Gesellschaftliche Vielfalt und Ungleichheit

Die Kalifate waren multiethnische und multireligiöse Gesellschaften. Muslime, Christen, Juden, Zoroastrier und andere Gruppen lebten unter wechselnden rechtlichen Bedingungen. Schutzverhältnisse konnten Sicherheit und begrenzte Autonomie ermöglichen, zugleich aber rechtliche Ungleichheit, Sondersteuern und soziale Benachteiligung festschreiben. Die konkrete Lage unterschied sich nach Epoche, Region und politischer Situation.

Sklaverei war in Wirtschaft, Haushalt, Militär und Hofgesellschaft präsent. Menschen wurden über Kriege, Handel und Geburt versklavt. Einige Militärsklaven konnten große politische Macht gewinnen, doch dies hebt den Zwangscharakter der Institution nicht auf. Frauen wirkten als Angehörige von Herrscherfamilien, Stifterinnen, Gelehrte, Händlerinnen und Produzentinnen, blieben aber in patriarchalen Rechts- und Sozialordnungen strukturell benachteiligt.


Wirtschaft, Städte und Wissensräume

Handelsnetze verbanden den Mittelmeerraum, den Indischen Ozean, Ostafrika, Zentralasien und Europa. Städte wie Bagdad, Basra, Kairo, Damaskus und Córdoba wurden Knotenpunkte für Waren, Menschen, Bücher und Ideen. Münzfunde, Keramik, Papyri und Schiffswracks erlauben Einblicke in diese Verflechtungen.

Wirtschaftliche Blüte war jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Kriege, hohe Abgaben, Veränderungen von Flussläufen, Bewässerungsprobleme und Seuchen konnten Regionen schwächen. Eine Globalgeschichte des Kalifats verbindet daher Hofgeschichte mit Umwelt-, Wirtschafts-, Sozial- und Wissensgeschichte.


Zeitleiste

Zeitraum Ereignis Historische Bedeutung
632 Tod Muhammads und Anerkennung Abu Bakrs Beginn der politischen Nachfolgefrage
632–661 Frühes Kalifat Expansion, Aufbau von Verwaltung und erste innere Konflikte
661 Durchsetzung Muawiyas Beginn der umayyadischen Dynastie in Damaskus
680 Kerbela Zentraler Erinnerungsort schiitischer Geschichte
750 Abbasidische Revolution Verlagerung des Machtzentrums nach Irak
762 Gründung Bagdads Neue Hauptstadt und imperialer Wissensraum
909 Beginn des Fatimiden-Kalifats Schiitischer Gegenanspruch zu den Abbasiden
929 Kalifat von Córdoba Umayyadischer Kalifatsanspruch in al-Andalus
945 Buyiden in Bagdad Deutliche Trennung von kalifaler Symbolmacht und militärischer Herrschaft
1055 Seldschuken in Bagdad Sultan und Kalif als unterschiedliche Legitimationsfiguren
1258 Mongolische Eroberung Bagdads Ende der abbasidischen Kalifenlinie in Bagdad
1261 Abbasidische Linie in Kairo Symbolisches Kalifat unter mamlukischer Oberherrschaft
1517 Osmanische Eroberung Ägyptens Ausbau osmanischer Kalifatsansprüche
1922 Abschaffung des Sultanats Trennung von dynastischer Regierung und Kalifenamt
1924 Abschaffung des Kalifats Ende des osmanischen Kalifenamtes in der Republik Türkei


Historische Fallanalyse


Vier Quellengattungen

  1. Münze: Untersuche Herrschernamen, Inschriften, Bildmotive, Metall und Fundort. Frage, welche politische Ordnung die Prägung sichtbar machen soll.
  2. Architektur: Analysiere Lage, Bauform, Inschriften, Umbauten und Nutzung eines Bauwerks. Unterscheide Bauzeit, spätere Veränderungen und heutige Erinnerung.
  3. Chronik: Prüfe Entstehungszeit, Autor, Auftraggeber, verwendete Überlieferungen und sprachliche Wertungen. Eine lebendige Erzählung ist nicht automatisch ein Augenzeugenbericht.
  4. Karte: Frage nach Maßstab, Legende, Grenzbegriff und Datenbasis. Karten machen komplexe Herrschaftsräume übersichtlich, erzeugen aber leicht den Eindruck moderner Staatsgrenzen.


Leitfragen für eine Quellenkritik

  1. Autorenschaft: Wer hat die Quelle erstellt, und welche Interessen oder Handlungsspielräume hatte diese Person?
  2. Zeitliche Nähe: Wie groß ist der Abstand zwischen Ereignis und Aufzeichnung?
  3. Adressaten: Für wen war die Quelle bestimmt?
  4. Funktion: Sollte sie informieren, legitimieren, erinnern, verwalten, verehren oder überzeugen?
  5. Vergleich: Welche anderen Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen der Darstellung?
  6. Überlieferung: Ist das Original erhalten, oder arbeitest Du mit einer Abschrift, Übersetzung, Rekonstruktion oder digitalen Bearbeitung?


Zentrale Deutungsfragen


War das Kalifat ein Gottesstaat?

Der moderne Begriff Gottesstaat kann historische Verhältnisse verzerren. Kalifen legitimierten ihre Herrschaft religiös, regierten aber durch Verwaltung, Militär, Steuern, Patronage und dynastische Politik. Religiöse Normen spielten eine große Rolle, doch es gab keine einheitliche Institution, die mit einer modernen zentralisierten Kirche vergleichbar wäre. Sinnvoller ist es, konkrete Beziehungen zwischen Herrschern, Gelehrten, Gerichten und Bevölkerung zu untersuchen.


Gab es ein einheitliches Kalifat?

Nur in bestimmten Phasen bestand ein weitreichendes politisches Zentrum. Schon im 8. Jahrhundert entstanden unabhängige Herrschaften, und im 10. Jahrhundert beanspruchten mehrere Dynastien gleichzeitig den Kalifentitel. Das Kalifat war daher zugleich reale Herrschaft, universaler Anspruch und umstrittenes Symbol.


Bedeutete Expansion sofortige Islamisierung?

Nein. Politische Eroberung, sprachliche Arabisierung und religiöse Konversion verliefen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. In vielen Regionen blieben christliche, jüdische, zoroastrische und andere Gemeinschaften über Jahrhunderte bestehen. Verwaltungssprache, Steuern, Heiratsbeziehungen, soziale Aufstiegschancen und religiöse Überzeugungen beeinflussten langfristige Veränderungen.


Warum blieb der Kalifentitel wichtig?

Der Titel verband politische Macht mit Erinnerung an die frühe muslimische Gemeinschaft. Er konnte Herrschaft legitimieren, Einheit symbolisieren und Rivalen delegitimieren. Gerade wenn Kalifen wenig militärische Macht besaßen, konnte ihre symbolische Anerkennung für andere Herrscher nützlich bleiben.


Begriffe im Überblick

Begriff Bedeutung im historischen Zusammenhang
Kalif Nachfolger beziehungsweise Leiter der muslimischen Gemeinschaft mit je nach Epoche wechselnden politischen und religiösen Funktionen
Umma Gemeinschaft der Muslime, historisch und theologisch unterschiedlich bestimmt
Baiʿa Treueid als Form politischer Anerkennung
Diwan Register oder Verwaltungsbehörde
Wesir Hoher Amtsträger der zivilen Verwaltung
Qadi Richter in islamisch geprägten Rechtsordnungen
Fitna Prüfung, Unruhe oder Bürgerkrieg; in der Geschichtsschreibung Bezeichnung innerislamischer Konflikte
Imamat Führungslehre, besonders wichtig in schiitischen Traditionen
Sultan Herrschertitel, häufig für Inhaber tatsächlicher militärischer und politischer Macht
Mawālī Historisch unterschiedlich gebrauchte Bezeichnung für Klienten, häufig nichtarabische Konvertiten


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt das Kalifat historisch am treffendsten? (Eine wandelbare Institution politischer und religiöser Nachfolge) (!Ein unverändertes Weltreich von 632 bis 1924) (!Eine ausschließlich geistliche Kirche) (!Eine moderne parlamentarische Staatsform)




Welches Ereignis markiert den Beginn der Umayyadenherrschaft? (Die Durchsetzung Muawiyas im Jahr 661) (!Die Gründung Bagdads) (!Die Eroberung Konstantinopels) (!Die Abschaffung des Sultanats)




Welche Stadt wurde 762 zur abbasidischen Hauptstadt gegründet? (Bagdad) (!Kairo) (!Córdoba) (!Jerusalem)




Warum ist Kerbela für die schiitische Erinnerung besonders wichtig? (Dort wurde Husain im Jahr 680 getötet) (!Dort wurde Bagdad gegründet) (!Dort endete das Fatimidenreich) (!Dort wurde das Kalifat 1924 abgeschafft)




Welche Reform ist besonders mit Abd al-Malik verbunden? (Die stärkere Arabisierung von Verwaltung und Münzwesen) (!Die Gründung des Kalifats von Córdoba) (!Die Verlegung der Hauptstadt nach Samarra) (!Die Abschaffung des Kalifenamtes)




Was zeigt die gleichzeitige Existenz von Abbasiden, Fatimiden und Umayyaden von Córdoba? (Der Kalifentitel konnte von mehreren Dynastien zugleich beansprucht werden) (!Alle drei Dynastien regierten gemeinsam) (!Das Kalifat war immer ein Nationalstaat) (!Religiöse Unterschiede spielten keine Rolle)




Was geschah 1258 in Bagdad? (Das mongolische Heer eroberte die Stadt und beendete die dortige Abbasidenlinie) (!Die Umayyaden gründeten ihre Dynastie) (!Die Fatimiden eroberten Ägypten) (!Die Republik Türkei wurde gegründet)




Welche Aussage zur osmanischen Übernahme des Kalifentitels ist quellenkritisch angemessen? (Eine förmliche Übertragung von 1517 ist in späteren Erzählungen stärker belegt als in zeitnahen Quellen) (!Die Übertragung ist durch eine erhaltene amtliche Urkunde zweifelsfrei bewiesen) (!Die Osmanen verwendeten den Kalifentitel niemals) (!Der Titel wurde erst nach 1924 eingeführt)




Was beschloss die türkische Nationalversammlung am 3. März 1924? (Die Abschaffung des Kalifats) (!Die Gründung des Abbasidenreiches) (!Die Einnahme von Damaskus) (!Die Wiedereinsetzung des Sultans)




Welche Methode gehört zur historischen Quellenkritik? (Entstehungszeit, Autorenschaft und Zweck einer Quelle prüfen) (!Nur die anschaulichste Darstellung auswählen) (!Spätere Legenden wie Augenzeugenberichte behandeln) (!Karten grundsätzlich als neutrale Abbilder lesen)





Memory

Medina Frühes Zentrum des Kalifats
Damaskus Hauptstadt der Umayyaden
Bagdad Hauptstadt der Abbasiden
Córdoba Westliches Umayyaden-Kalifat
Kairo Zentrum der Fatimiden
Samarra Abbasidische Residenzstadt
Kerbela Schiitischer Erinnerungsort
Ankara Ort des Parlamentsbeschlusses von 1924





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historischer Zusammenhang
Rechtgeleitete Kalifen Frühe Nachfolgeordnung nach Muhammads Tod
Umayyaden Dynastisches Kalifat mit Zentrum in Damaskus
Abbasiden Kalifat mit Bagdad als wichtigstem Zentrum
Fatimiden Ismailitisch-schiitischer Gegenanspruch mit Zentrum in Kairo
Osmanen Dynastie des letzten allgemein bekannten Kalifenamtes der Neuzeit






Kreuzworträtsel

Medina In welcher Stadt wurde Abu Bakr nach Muhammads Tod als Führer anerkannt?
Damaskus Welche Stadt war das Zentrum des Umayyaden-Kalifats?
Bagdad Welche Stadt gründete al-Mansur als abbasidische Hauptstadt?
Fatimiden Welche Dynastie gründete Kairo und erhob einen schiitischen Kalifatsanspruch?
Samarra Welche Stadt diente im neunten Jahrhundert als abbasidische Residenz?
Abdulmecid Wie hieß der letzte osmanische Kalif mit Vornamen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Nach Muhammads Tod entstand eine politische Debatte um die

in der muslimischen Gemeinschaft.
Die ersten vier Kalifen werden in sunnitischer Tradition als

bezeichnet.
Muawiya begründete eine Dynastie mit dem Zentrum in

.
Unter Abd al-Malik gewann Arabisch als Sprache der

an Bedeutung.
Die Abbasiden gründeten Bagdad im Jahr

als neue Hauptstadt.
Übersetzungen aus mehreren Sprachen förderten den wissenschaftlichen

.
Im zehnten Jahrhundert beanspruchten mehrere Dynastien gleichzeitig den Titel des

.
Das schiitische Gegenkalifat der Fatimiden hatte sein wichtigstes Zentrum in

.
Die mongolische Eroberung Bagdads beendete 1258 die dortige Linie der

.
Unter den Osmanen gewann der Kalifentitel besonders in der neuzeitlichen Diplomatie an

.
Im Jahr 1922 wurde zunächst das osmanische

abgeschafft.
Die türkische Nationalversammlung schaffte das Kalifat im Jahr

ab.
Historische Karten müssen wegen ihrer vereinfachten Grenzen quellenkritisch

werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste zum Kalifat: Erstelle eine illustrierte Zeitleiste mit mindestens acht Wendepunkten und formuliere zu jedem Ereignis einen Satz über seine historische Bedeutung.
  2. Kartenvergleich: Vergleiche zwei Karten zur Ausdehnung eines Kalifats. Untersuche Legende, Farbwahl, Grenzdarstellung und ausgelassene Informationen.
  3. Begriffskarte: Gestalte eine Concept-Map zu Kalif, Sultan, Imam, Wesir, Qadi und Umma. Markiere politische, religiöse und administrative Beziehungen.
  4. Bildquelle analysieren: Wähle ein Bauwerk aus diesem Kurs und beschreibe, wie Architektur Herrschaft sichtbar macht.


Standard

  1. Münzen als Herrschaftsmedien: Recherchiere eine umayyadische oder abbasidische Münze und verfasse eine vollständige Quellenanalyse zu Material, Inschrift, Bildsprache und politischer Aussage.
  2. Debatte um die Nachfolge: Stelle sunnitische und schiitische Deutungen der Nachfolge nach Muhammad in einem sachlichen Vergleich gegenüber. Trenne historische Rekonstruktion und religiöse Glaubenspositionen.
  3. Stadtgeschichte Bagdads: Entwickle einen digitalen Stadtrundgang durch das abbasidische Bagdad mit Stationen zu Hof, Markt, Moschee, Bibliothek, Werkstatt und Verkehrswegen.
  4. Zeitungswerkstatt 1924: Verfasse zwei fiktive, aber quellenbasierte Zeitungsberichte zur Abschaffung des Kalifats aus unterschiedlichen zeitgenössischen Perspektiven.


Schwer

  1. Kalifat und Imperium: Prüfe in einem Essay, inwiefern die Begriffe Imperium, Staat, Dynastie und religiöse Gemeinschaft auf die Abbasidenzeit anwendbar sind.
  2. Vergleichende Herrschaftsgeschichte: Vergleiche das Kalifat mit dem mittelalterlichen Kaisertum in Europa oder China. Untersuche Legitimation, Verwaltung, Religion und Zentrum-Peripherie-Beziehungen, ohne vorschnelle Gleichsetzungen.
  3. Forschungsprojekt Quellenkritik: Rekonstruiere ein Ereignis wie Kerbela, die abbasidische Revolution oder die Eroberung Bagdads aus mindestens drei unterschiedlichen Quellengattungen.
  4. Erinnerungspolitik: Analysiere, wie der Begriff Kalifat in einem Schulbuch, Museum, Spielfilm, Nachrichtentext oder politischen Medium verwendet wird. Prüfe Auslassungen, Wertungen und historische Vereinfachungen.




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Lernkontrolle

  1. Legitimitätsvergleich: Vergleiche die Herrschaftsbegründung eines frühen Kalifen, eines Umayyaden und eines Fatimiden. Erkläre, welche Gruppen jeweils überzeugt werden mussten und welche Konflikte daraus entstanden.
  2. Zentrum und Peripherie: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, warum eine große farbige Fläche auf einer historischen Karte nicht automatisch vollständige staatliche Kontrolle bedeutet.
  3. Symbolische Macht: Beurteile die Aussage: „Ein Kalif ohne eigenes Heer war bedeutungslos.“ Nutze die Abbasiden in Kairo oder die späten Abbasiden in Bagdad als Gegenbeispiel oder Bestätigung.
  4. Wissensgeschichte: Entwickle ein Modell, das Übersetzung, Patronage, Handel, Mehrsprachigkeit und städtische Infrastruktur als Bedingungen wissenschaftlicher Produktion miteinander verbindet.
  5. Epochenbruch 1258: Diskutiere, ob die mongolische Eroberung Bagdads als Ende einer Epoche gelten kann. Berücksichtige Kontinuitäten in anderen Regionen.
  6. Politischer Transfer: Erkläre, weshalb die Abschaffung des Kalifats 1924 nicht nur als religiöses Ereignis, sondern auch als Teil von Staatsbildung, Nationalismus und Dekolonisierung untersucht werden sollte.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du chronologische Orientierung, räumliche Analyse und Quellenkritik miteinander verbinden kannst.

  1. Du ordnest zentrale Dynastien, Städte und Wendepunkte korrekt ein.
  2. Du erklärst mindestens drei unterschiedliche Modelle kalifaler Legitimität.
  3. Du unterscheidest religiösen Anspruch, symbolische Anerkennung und tatsächliche Regierungsmacht.
  4. Du analysierst mindestens eine Textquelle und eine nichtschriftliche Quelle nach nachvollziehbaren Kriterien.
  5. Du vergleichst konkurrierende Kalifate, ohne ihre Unterschiede einzuebnen.
  6. Du reflektierst die Grenzen moderner Begriffe wie Staat, Kirche, Nation und Gottesstaat.
  7. Du formulierst ein begründetes historisches Urteil und belegst es mit geeigneten Quellen.




Quellen und Literatur zur Vertiefung

  1. Kalifat: Überblick zu Begriff, Entwicklung und konkurrierenden Herrschaftsansprüchen.
  2. Rechtgeleitete Kalifen: Einführung in die frühe Nachfolgegeschichte.
  3. Umayyaden: Dynastie, Verwaltung, Expansion und kulturelle Repräsentation.
  4. Abbasiden: Politische Geschichte, Bagdad, Fragmentierung und Gelehrsamkeit.
  5. Fatimiden: Ismailitisch-schiitisches Kalifat in Nordafrika und Ägypten.
  6. Kalifat von Córdoba: Umayyadische Herrschaft in al-Andalus.
  7. Osmanisches Reich: Neuzeitliche Herrschaft und Kalifatsanspruch.
  8. Abschaffung des Kalifats: Reformpolitik und Debatten des Jahres 1924.
  9. Hugh Kennedy: The Prophet and the Age of the Caliphates.
  10. Patricia Crone und Martin Hinds: God's Caliph: Religious Authority in the First Centuries of Islam.
  11. Chase F. Robinson: Islamic Historiography.
  12. Tayeb El-Hibri: The Abbasid Caliphate: A History.
  13. Mona Hassan: Longing for the Lost Caliphate.


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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

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  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

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  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

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  2. Woyzeck - Georg Büchner
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  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
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Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

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  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

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  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

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