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D5 M - Behauptung, Begründung und Beispiel - Hinweise

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D5 M - Behauptung, Begründung und Beispiel - Hinweise



D5 M - Behauptung, Begründung und Beispiel - Hinweise


Einleitung

Stell Dir vor, Eure Klasse darf entscheiden: Soll es in jeder Woche eine längere Bewegungspause geben? Du hast eine klare Meinung. Aber reicht ein Satz wie „Ja, das wäre gut“? Meist nicht. Wer andere überzeugen will, braucht mehr: eine Behauptung, eine nachvollziehbare Begründung und ein passendes Beispiel. Diese drei Bausteine bilden zusammen ein vollständiges Argument.

Freies Medium: UNIS-UN Debate, Urheber: 1485533654f, Lizenz: CC BY-SA 4.0.

In diesem aiMOOC lernst Du, wie Du aus einer Meinung ein verständliches Argument machst. Du übst an Streitfragen aus Schule und Alltag, formulierst adressatengerecht, prüfst Beispiele und überarbeitest schwache Argumente. Dabei arbeitest Du Schritt für Schritt selbstständiger. Am Ende kannst Du begründen, warum ein Argument überzeugt und wie Du es verbessern kannst.


Vorwissen aktivieren

Denk zuerst selbst: Welche der folgenden Aussagen überzeugt Dich stärker?

  1. „Wir sollten mehr Pflanzen im Klassenzimmer haben.“
  2. „Wir sollten mehr Pflanzen im Klassenzimmer haben, weil ein grüner Raum angenehmer wirken kann. Zum Beispiel könnten wir gemeinsam zwei pflegeleichte Pflanzen betreuen und beobachten, wie sich der Raum verändert.“

Schreibe kurz auf: Was macht die zweite Aussage stärker? Tausche Dich danach mit einer Partnerin oder einem Partner aus.

Mögliches Feedback: Die zweite Aussage nennt nicht nur eine Meinung. Sie erklärt einen Grund und macht ihn an einem konkreten Beispiel anschaulich.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du

  1. Behauptungen erkennen und klar formulieren.
  2. Begründungen mit passenden Verknüpfungswörtern anschließen.
  3. Beispiele auswählen, die wirklich zur Begründung passen.
  4. vollständige Argumente aus Behauptung, Begründung und Beispiel bilden.
  5. Argumente für unterschiedliche Adressaten sprachlich anpassen.
  6. schwache Argumente prüfen und nachvollziehbar verbessern.
  7. Rückmeldungen geben und für eine Überarbeitung nutzen.
  8. eine KI-Ausgabe kritisch prüfen, mit einer Regel oder Quelle vergleichen und die eigene Verbesserung transparent machen.


Der Kern: B – B – B

Ein vollständiges Argument besteht auf diesem Niveau aus drei Bausteinen:

Baustein Leitfrage Funktion Beispiel
Behauptung Was meine oder fordere ich? Sie nennt die Position. Die Klasse sollte einmal pro Woche eine längere Bewegungspause bekommen.
Begründung Warum ist das sinnvoll? Sie erklärt den Grund. Denn Bewegung kann helfen, danach wieder konzentrierter zu arbeiten.
Beispiel Woran kann man den Grund konkret erkennen? Es macht den Grund anschaulich. Zum Beispiel könnte die Klasse nach zwei Schulstunden zehn Minuten gemeinsam auf dem Hof aktiv sein und danach die nächste Arbeitsphase beginnen.

Merksatz: Eine Behauptung sagt was. Eine Begründung erklärt warum. Ein Beispiel zeigt woran man die Begründung konkret erkennen kann.


Mindmap: So wächst ein Argument

STREITFRAGE
Was denke ich? Warum denke ich das? Woran kann man das erkennen?
Behauptung Begründung Beispiel
→ vollständiges Argument

Nutze diese Mindmap besonders dann, wenn Du bei einer Aufgabe nicht weißt, wie Du anfangen sollst.


Schreibkarte: Drei Satzstarter

Baustein Satzstarter Dein Satz
Behauptung Ich finde, dass … / Ich bin dafür, dass … / Meiner Meinung nach … ______________________________
Begründung weil … / denn … / Der Grund dafür ist, dass … ______________________________
Beispiel Zum Beispiel … / Das zeigt sich etwa daran, dass … / Ein Beispiel dafür ist … ______________________________

Wichtig: Satzstarter helfen Dir beim Aufbau. Sie ersetzen aber nicht Dein eigenes Denken.


Behauptungen klar formulieren

Eine Behauptung ist eine Aussage, die man begründen kann. Sie ist noch kein vollständiges Argument.

Unklar: „Handys sind blöd.“

Klarer: „Private Handys sollten während des Unterrichts lautlos im Schulranzen bleiben.“

Die zweite Formulierung ist besser prüfbar: Man weiß, was gefordert wird und wann die Regel gelten soll.


Mini-Training: Behauptung schärfen

Überarbeite die folgenden Aussagen so, dass sie genauer werden:

  1. „Hausaufgaben sind schlecht.“
  2. „Der Pausenhof ist langweilig.“
  3. „Gruppenarbeit ist gut.“

Feedback-Beispiele: „Hausaufgaben sollten am Wochenende nur in begrenztem Umfang aufgegeben werden.“ – „Auf dem Pausenhof sollte es mehr unterschiedliche Bewegungsangebote geben.“ – „Bei geeigneten Aufgaben sollte die Klasse häufiger in kleinen Gruppen arbeiten.“


Begründungen: Das Warum erklären

Eine Begründung erklärt, warum Deine Behauptung sinnvoll, richtig oder wichtig sein könnte. Gute Begründungen sind nachvollziehbar und passen genau zur Behauptung.

Behauptung: „In der Klasse sollte es eine feste Lesezeit geben.“

Schwache Begründung: „Weil Lesen gut ist.“

Stärkere Begründung: „Weil regelmäßige Lesezeit allen die Gelegenheit gibt, in Ruhe zu lesen und Leseflüssigkeit zu trainieren.“

Verknüpfungswörter helfen Dir, den Zusammenhang sichtbar zu machen: weil, denn, deshalb, darum, aus diesem Grund.


Warum-Kette

Prüfe eine Begründung mit der Frage Warum?

Behauptung: „Wir sollten im Klassenraum Abfall trennen.“

Warum? → „Weil Wertstoffe dann getrennt gesammelt werden können.“

Warum ist das sinnvoll? → „Weil Materialien wie Papier anschließend gezielter recycelt werden können.“

So wird aus einer schnellen Idee eine nachvollziehbare Begründung.


Beispiele: konkret statt nur wiederholt

Ein Beispiel soll die Begründung konkret machen. Es darf die Begründung nicht nur mit anderen Worten wiederholen.

Begründung: „Eine gemeinsame Materialkiste kann Unterrichtszeit sparen.“

Unpassendes Beispiel: „Zum Beispiel spart eine Materialkiste Zeit.“

Passendes Beispiel: „Zum Beispiel können fehlende Lineale oder Scheren aus der Kiste genommen werden, ohne dass mehrere Kinder erst in anderen Klassen nachfragen müssen.“

Das passende Beispiel zeigt eine konkrete Situation.

Freies Medium: School Supplies, Urheber: TheUltimateGrass, Freigabe: CC0 1.0.


Beispiel-Prüfer

Frage bei jedem Beispiel:

  1. Passt es wirklich zur Begründung?
  2. Ist es konkret genug?
  3. Kann man sich die Situation vorstellen?
  4. Ist es glaubwürdig und fair formuliert?
  5. Vermeidet es personenbezogene Daten und unnötige Behauptungen über echte Personen?


Modelltext: Ein vollständiges Argument

Streitfrage: Soll es in jeder Klasse eine kleine Bücherkiste geben?

Behauptung: Ich finde, dass jede Klasse eine kleine Bücherkiste haben sollte.

Begründung: Denn so können Schülerinnen und Schüler kurze freie Zeiten unkompliziert zum Lesen nutzen.

Beispiel: Zum Beispiel könnte jemand nach einer erledigten Aufgabe ein Buch ausleihen, statt nur auf das Ende der Arbeitsphase zu warten.

Warum funktioniert das? Die Behauptung ist klar, die Begründung erklärt einen Nutzen, und das Beispiel zeigt eine passende Alltagssituation. Die drei Sätze hängen inhaltlich zusammen.


Vorher – Nachher

Vorher Diagnose Nachher
„Wir brauchen mehr Spiele in der Pause, weil das besser ist.“ Die Behauptung ist noch ungenau. Die Begründung erklärt kaum, warum. „Auf dem Pausenhof sollte es eine ausleihbare Spielekiste geben, weil dadurch mehr Kinder schnell eine Beschäftigung finden können. Zum Beispiel könnten Bälle, Springseile oder Kreide in der großen Pause ausgeliehen und danach wieder zurückgebracht werden.“
„Tablets sind praktisch. Zum Beispiel sind sie praktisch.“ Das Beispiel wiederholt nur die Aussage. „Tablets können bei ausgewählten Aufgaben hilfreich sein, weil Informationen, Bilder und Texte an einem Gerät gebündelt werden können. Zum Beispiel kann eine Lerngruppe einen kurzen Sachtext lesen und direkt dazu Notizen anlegen.“
„Jeder muss Gruppenarbeit mögen, weil Gruppenarbeit gut ist.“ Die Formulierung ist zu absolut und die Begründung ist leer. „Bei passenden Aufgaben sollte es regelmäßig Gruppenarbeit geben, weil mehrere Ideen miteinander verglichen werden können. Zum Beispiel kann eine Gruppe verschiedene Lösungsvorschläge sammeln und anschließend gemeinsam den besten begründen.“


Storyboard: Vom Gedanken zum Argument

Bild 1: Streitfrage Bild 2: Behauptung Bild 3: Begründung Bild 4: Beispiel
„Soll unsere Klasse einen monatlichen Projektnachmittag haben?“ „Ich bin für einen Projektnachmittag.“ „Denn bei längeren Arbeitsphasen kann man eine Idee genauer planen und umsetzen.“ „Zum Beispiel könnte eine Gruppe ein kleines Modell bauen, dokumentieren und am Ende vorstellen.“

Deine Aufgabe: Zeichne ein eigenes Vier-Felder-Storyboard zu einer Streitfrage. Nutze Sprechblasen oder kurze Notizen. Danach formulierst Du aus den vier Feldern ein zusammenhängendes Argument.


Adressatengerecht formulieren

Ein Argument kann denselben Inhalt haben und trotzdem unterschiedlich klingen. Entscheidend ist, zu wem Du sprichst.

Adressat Passende Formulierung
Freundin oder Freund „Ich fände eine Spielekiste echt sinnvoll, weil wir dann in der Pause schneller etwas zum Spielen hätten.“
Klassenrat „Ich schlage vor, eine ausleihbare Spielekiste einzurichten, weil dadurch mehr Kinder ein passendes Pausenangebot finden könnten.“
Schulleitung „Wir möchten anregen, eine ausleihbare Spielekiste zu erproben, weil dadurch das Bewegungsangebot in den Pausen erweitert werden könnte.“

Merke: Höflich, genau und sachlich wirkt meist überzeugender als laut, beleidigend oder übertrieben.


Altersgerechte Streitfragen zum Üben

  1. Pausen: Soll es mehr Bewegungsspiele zum Ausleihen geben?
  2. Hausaufgaben: Soll es am Wochenende weniger Hausaufgaben geben?
  3. Lesen: Soll jede Klasse eine feste Lesezeit haben?
  4. Klassenrat: Soll der Klassenrat jede Woche stattfinden?
  5. Schulweg: Soll es mehr Aktionen für einen sicheren Schulweg geben?
  6. Digitale Medien: Wann sind Tablets im Unterricht sinnvoll?
  7. Schulhof: Soll ein Bereich des Schulhofs begrünt werden?
  8. Gruppenarbeit: Bei welchen Aufgaben sollte häufiger gemeinsam gearbeitet werden?


Hilfestufen: So arbeitest Du zunehmend selbstständig

Stufe Wenn Du Hilfe brauchst … Dein nächster Schritt
Hilfe 1 Nutze die drei Leitfragen: Was? Warum? Woran erkennbar? Schreibe zu jeder Leitfrage nur Stichwörter.
Hilfe 2 Nutze die Schreibkarte mit Satzstartern. Formuliere drei vollständige Sätze.
Hilfe 3 Prüfe mit der B–B–B-Checkliste. Verbessere nur den schwächsten Baustein.
Selbstständig Lege die Hilfen weg. Formuliere, prüfe und überarbeite Dein Argument selbst.


Kriterienraster für ein starkes Argument

Kriterium Noch nicht Teilweise Sicher
Meine Behauptung ist klar und beantwortet die Streitfrage.
Meine Begründung erklärt wirklich warum.
Mein Beispiel passt zur Begründung und ist konkret.
Die drei Bausteine hängen logisch zusammen.
Meine Sprache passt zum Adressaten.
Ich habe übertriebene oder verletzende Formulierungen vermieden.
Ich kann erklären, was ich bei der Überarbeitung verändert habe.


Interaktives Überarbeitungswerkzeug: Argument-Werkstatt

Arbeite in vier Durchgängen. Nach jedem Durchgang veränderst Du nur einen Schwerpunkt.

  1. Runde 1 – Behauptung: Markiere die Behauptung. Ist klar, worum es geht?
  2. Runde 2 – Begründung: Unterstreiche die Begründung. Beantwortet sie wirklich die Frage „Warum?“
  3. Runde 3 – Beispiel: Rahme das Beispiel ein. Zeigt es eine konkrete Situation?
  4. Runde 4 – Adressat: Lies alles laut. Passt die Sprache für Klassenrat, Lehrkraft oder Mitschülerinnen und Mitschüler?

Überarbeitungsspur: Notiere anschließend einen Satz: „Ich habe ______ geändert, weil ______.“


Audiofeedback: hören, prüfen, verbessern

Audiofeedback kann kurz und hilfreich sein, wenn es konkret bleibt. Nenne keine personenbezogenen Daten und verwende nur Texte, die in der Lerngruppe geteilt werden dürfen.

30-Sekunden-Feedbackkarte:

Schritt Satzstarter
1. Stärke nennen „Dein Argument ist an dieser Stelle klar: …“
2. Frage stellen „Ich frage mich noch: Warum …?“
3. Verbesserung anregen „Ein konkreteres Beispiel könnte sein …“

Aufgabe: Nimm zu einem anonymisierten Übungsargument maximal 30 Sekunden Audiofeedback auf. Die schreibende Person hört es an, entscheidet selbst über die Änderung und notiert: „Diese Rückmeldung nutze ich, weil … / nutze ich nicht, weil …“


Medienimpuls: Argumentieren beobachten

Freies Medium: Classroom discussion, Urheber: Oregon Department of Transportation, Lizenz: CC BY 2.0.

Achte bei Diskussionen darauf, ob Sprecherinnen und Sprecher nur Behauptungen nennen oder auch Gründe und Beispiele geben. Gute Argumentation bedeutet nicht, möglichst viel zu reden, sondern Zusammenhänge verständlich zu machen und auf andere einzugehen.

Video: „Deutsch Basics: Aufbau eines Arguments“, Planet Schule / kolleg24; laut Videobeschreibung CC BY-SA.

Beobachtungsauftrag zum Video: Notiere drei Stichwörter dazu, wie eine Behauptung gestützt werden kann. Für Klasse 5 brauchst Du vor allem die Grundstruktur Behauptung – Begründung – Beispiel. Weitere im Video genannte Bausteine kannst Du als Vertiefung betrachten.

Video: „Deutsch Basics: Überzeugend argumentieren, so klappt die Erörterung“, Planet Schule / kolleg24; laut Videobeschreibung CC BY-SA.

Vertiefungsauftrag: Suche im Video nach dem Unterschied zwischen einem schwachen und einem stärkeren Argument. Übertrage nur die Idee auf eine eigene, altersgerechte Streitfrage.


Medienhinweis

Die eingebundenen Bilder stammen aus Wikimedia Commons und sind über ihre Dateibeschreibungsseiten mit freien Lizenzen beziehungsweise gemeinfreien Freigaben dokumentiert. Bei einer Weiterverwendung prüfst Du die jeweilige Lizenzseite und nennst erforderliche Urheber- und Lizenzangaben. Die eingebundenen Planet-Schule-Videos werden über YouTube eingebettet; für eigene Bearbeitungen gelten die dort angegebenen Lizenzbedingungen.


Übungsweg 1: Bausteine erkennen

Ordne jedem Satz den passenden Baustein zu.

Ordne die richtigen Begriffe zu. Satz
Behauptung Unsere Klasse sollte eine feste Lesezeit einführen.
Begründung Regelmäßiges Lesen kann die Leseflüssigkeit trainieren.
Beispiel Zum Beispiel könnten alle am Mittwoch zehn Minuten in einem selbst gewählten Buch lesen.
Behauptung Auf dem Pausenhof sollte eine Spielekiste stehen.
Begründung So finden Kinder schneller eine passende Beschäftigung.



Selbstcheck: Behauptung = Position, Begründung = Warum, Beispiel = konkrete Situation.


Übungsweg 2: Fehlerdetektiv

Prüfe dieses Argument:

„Im Klassenraum sollte es mehr Pflanzen geben, weil Pflanzen schön sind. Zum Beispiel sind Pflanzen schön.“

Auftrag: Finde zwei Schwachstellen und verbessere das Argument.

Feedback: Die Begründung bleibt sehr allgemein. Das Beispiel wiederholt nur die Begründung. Eine mögliche Verbesserung wäre: „Im Klassenraum könnten einige pflegeleichte Pflanzen stehen, weil ein gestalteter Raum angenehmer wirken kann. Zum Beispiel könnte eine kleine Pflanzengruppe auf der Fensterbank gemeinsam gepflegt werden.“


Übungsweg 3: Satzpuzzle

Bringe die drei Teile in eine sinnvolle Reihenfolge:

  1. „Zum Beispiel könnte jede Gruppe am Ende einen ausgewählten Vorschlag vorstellen.“
  2. „Bei passenden Aufgaben sollte es häufiger kurze Gruppenphasen geben.“
  3. „Denn dabei können unterschiedliche Ideen gesammelt und verglichen werden.“

Lösung: Zuerst 2 = Behauptung, dann 3 = Begründung, dann 1 = Beispiel.


Übungsweg 4: Transfer

Streitfrage: Soll der Klassenrat jede Woche stattfinden?

Formuliere zunächst selbst ein vollständiges Argument. Tausche es danach mit einer anderen Person. Nutzt das Kriterienraster und gebt Euch jeweils eine Stärke und einen konkreten Verbesserungshinweis.


KI-Kompetenz: Erst denken, dann prüfen

KI kann Formulierungsideen liefern. Sie darf Deine eigene Denkleistung nicht ersetzen. Du arbeitest nach dem Grundmuster:

selbst denken → KI gezielt nutzen → Ausgabe prüfen → mit Regel oder Quelle vergleichen → verbessern → KI-Hilfe transparent machen


KI-Prüfaufgabe für Klasse 5

Streitfrage: Soll es in jeder Klasse eine kleine Bücherkiste geben?

Schritt 1 – selbst denken: Schreibe ohne KI eine Behauptung, eine Begründung und ein Beispiel.

Schritt 2 – KI gezielt nutzen: Eine KI erhält den Auftrag: „Formuliere ein Argument für eine Bücherkiste in der Klasse.“

Beispiel einer KI-Ausgabe: „Jede Klasse sollte eine Bücherkiste haben, weil Bücher wichtig sind. Zum Beispiel sind Bücher wichtig für Kinder.“

Schritt 3 – Ausgabe prüfen: Markiere Behauptung, Begründung und Beispiel. Prüfe mit der Regel aus diesem aiMOOC: Die Begründung erklärt warum; das Beispiel macht die Begründung konkret.

Schritt 4 – mit Regel vergleichen: Die KI-Ausgabe hat zwar drei Sätze, aber die Begründung bleibt allgemein und das Beispiel wiederholt fast nur dieselbe Aussage.

Schritt 5 – verbessern: Formuliere die beiden schwachen Teile selbst neu.

Mögliche Verbesserung: „Jede Klasse sollte eine kleine Bücherkiste haben, weil freie Minuten dadurch unkompliziert zum Lesen genutzt werden können. Zum Beispiel kann jemand nach einer erledigten Aufgabe ein Buch auswählen und leise weiterlesen.“

Schritt 6 – KI-Hilfe transparent machen: Ergänze unter Deiner Endfassung: „KI-Hilfe: Ich habe eine KI-Ausgabe geprüft. Die Verbesserung von Begründung und Beispiel habe ich selbst formuliert.“

Sicher arbeiten: Gib keine Namen, Adressen, Kontaktdaten, Passwörter oder andere personenbezogenen Daten in eine KI ein. Kopiere keine langen urheberrechtlich geschützten Texte hinein. Nutze kurze selbst formulierte Übungstexte oder freigegebene Materialien.


Spiralprinzip KI-Kompetenz Klasse 5 bis 10

Du beginnst in Klasse 5 mit einer einfachen Prüfroutine. In späteren Klassen wird dieselbe Grundidee anspruchsvoller.

Klassenstufe Schwerpunkt Leitfrage
5 Struktur prüfen Sind Behauptung, Begründung und Beispiel sinnvoll verbunden?
6 Sprache und Adressat prüfen Passt die Formulierung zur Aufgabe und zur Zielgruppe?
7 Belege und Quellen unterscheiden Was ist Beispiel, was ist überprüfbarer Beleg?
8 Quellen vergleichen Welche Aussage ist durch eine verlässliche Quelle gestützt?
9 Perspektiven und Gegenargumente prüfen Welche Positionen fehlen oder werden verzerrt?
10 Qualität und Transparenz beurteilen Welche KI-Hilfe war sinnvoll, wie wurde geprüft und was wurde selbst geleistet?

Grundmuster in allen Stufen: selbst denken → KI gezielt nutzen → Ausgabe prüfen → mit Text, Regel oder Quelle vergleichen → verbessern → KI-Hilfe transparent machen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist die Aufgabe einer Behauptung? (Sie nennt eine Position oder Forderung.) (!Sie erzählt immer eine lange Geschichte.) (!Sie wiederholt nur das Beispiel.) (!Sie nennt ausschließlich eine Quelle.)




Welche Frage hilft Dir besonders beim Formulieren einer Begründung? (Warum ist meine Behauptung sinnvoll?) (!Welche Farbe hat mein Heft?) (!Wie lang ist der Satz?) (!Welches Wort klingt am schwierigsten?)




Welches Beispiel passt zur Begründung „Eine Spielekiste kann die Pause abwechslungsreicher machen“? (Zum Beispiel könnten Bälle, Springseile und Kreide ausgeliehen werden.) (!Zum Beispiel ist eine Spielekiste abwechslungsreich.) (!Zum Beispiel beginnt der Unterricht um acht Uhr.) (!Zum Beispiel haben viele Kinder einen Rucksack.)




Welche Reihenfolge ergibt ein vollständiges Grundargument? (Behauptung – Begründung – Beispiel) (!Beispiel – Überschrift – Behauptung) (!Begründung – Frage – Titel) (!Beispiel – Beispiel – Beispiel)




Welche Formulierung ist für einen Klassenrat am sachlichsten? (Ich schlage vor, dass wir eine feste Lesezeit erproben, weil sie ruhige Lesephasen ermöglicht.) (!Das müssen wir machen, sonst ist alles schlecht.) (!Wer dagegen ist, versteht es nicht.) (!Das ist einfach mega und fertig.)




Woran erkennst Du ein schwaches Beispiel? (Es wiederholt nur die Begründung und macht nichts konkreter.) (!Es beschreibt eine passende konkrete Situation.) (!Es macht den Zusammenhang anschaulich.) (!Es passt genau zur Begründung.)




Was solltest Du bei einer KI-Ausgabe zuerst tun? (Die Ausgabe mit Deiner Regel oder Quelle prüfen.) (!Alles ungeprüft übernehmen.) (!Deinen eigenen Entwurf sofort löschen.) (!Personenbezogene Daten ergänzen.)




Welche Aussage beschreibt eine gute Überarbeitung? (Ich ändere gezielt eine Schwachstelle und kann den Grund dafür nennen.) (!Ich ersetze jedes Wort durch ein längeres Wort.) (!Ich ändere nur die Schriftgröße.) (!Ich lösche die Begründung.)




Was leistet ein passendes Beispiel? (Es macht die Begründung an einer konkreten Situation verständlicher.) (!Es ersetzt immer die Behauptung.) (!Es muss eine echte Person nennen.) (!Es darf nichts mit der Begründung zu tun haben.)




Welche Arbeitsweise entspricht der KI-Prüfroutine? (Selbst denken, KI gezielt nutzen, prüfen, vergleichen, verbessern und Hilfe transparent machen.) (!KI fragen und die erste Antwort sofort abgeben.) (!Nur KI nutzen und keine eigene Idee entwickeln.) (!Eine KI-Ausgabe ohne Regel oder Quelle bewerten.)





Memory

Behauptung Position
Begründung Warum
Beispiel konkrete Situation
Adressat Zielperson
Überarbeitung Verbesserung
Transparenz KI-Hilfe nennen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Behauptung nennt die eigene Position
Begründung erklärt den Grund
Beispiel veranschaulicht den Grund
Adressatenbezug passt die Sprache an die Zielgruppe an
Überarbeitung verbessert eine erkannte Schwachstelle





Kreuzworträtsel

Argument Wie heißt eine begründete Aussage mit passenden Stützungen?
Behauptung Wie heißt der Baustein, der die Position nennt?
Beispiel Wie heißt der Baustein, der etwas konkret veranschaulicht?
Adressat Wie nennt man die Person oder Gruppe, an die sich ein Text richtet?
Begruendung Welcher Baustein beantwortet die Frage Warum?
Pruefung Wie heißt das genaue Kontrollieren einer Aussage?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein vollständiges Grundargument beginnt mit einer

. Die Frage nach dem Warum führt zur

. Eine konkrete Situation kann als

dienen. Die drei Bausteine müssen inhaltlich

. Vor einer Überarbeitung solltest Du zuerst eine

erkennen. Beim Schreiben für den Klassenrat achtest Du auf eine sachliche und

Sprache. Wenn Du eine KI nutzt, denkst Du zuerst

. Danach prüfst Du die KI-Ausgabe mit einer Regel oder

. Eine hilfreiche KI-Ausgabe darf trotzdem

werden. Am Ende machst Du verwendete

transparent.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bausteinkarte: Gestalte eine kleine Karte mit den drei Fragen „Was? – Warum? – Woran erkennbar?“ und ergänze zu jeder Frage einen eigenen Beispielsatz.
  2. Streitfragen-Sammlung: Sammle vier faire Streitfragen aus dem Schulalltag, zu denen unterschiedliche Meinungen möglich sind.
  3. Vier-Bilder-Storyboard: Zeichne zu einer Streitfrage vier Felder: Frage, Behauptung, Begründung, Beispiel. Formuliere danach Dein Argument.
  4. 30-Sekunden-Audiofeedback: Gib zu einem anonymisierten Übungsargument kurzes Audiofeedback nach der Drei-Schritt-Karte und begründe, welchen Verbesserungshinweis Du auswählst.


Standard

  1. Modellargument: Schreibe zu „Soll es eine feste Lesezeit geben?“ ein vollständiges Argument und markiere die drei Bausteine.
  2. Adressatenwechsel: Formuliere dasselbe Argument einmal für eine Freundin oder einen Freund und einmal für die Schulleitung. Erkläre zwei sprachliche Unterschiede.
  3. Vorher-Nachher-Fassung: Schreibe absichtlich ein schwaches Argument und verbessere es anschließend. Markiere jede Änderung und nenne den Grund.
  4. Schreibkonferenz: Tausche ein Argument mit einer anderen Person, prüfe es mit dem Kriterienraster und übernimm nur Rückmeldungen, die Du nachvollziehbar findest.


Schwer

  1. Zwei Perspektiven: Formuliere zu einer Streitfrage je ein vollständiges Pro- und Contra-Argument. Prüfe, ob beide Seiten fair dargestellt sind.
  2. Beispiel-Test: Erfinde zu derselben Begründung drei Beispiele und ordne sie von wenig passend bis besonders passend. Begründe Deine Reihenfolge.
  3. KI-Prüfprotokoll: Vergleiche Deinen eigenen Entwurf mit einer kurzen KI-Ausgabe. Prüfe beides mit dem Kriterienraster, verbessere die KI-Ausgabe selbst und dokumentiere die verwendete KI-Hilfe.
  4. Klassenrat-Antrag: Entwickle zu einem realistischen Anliegen einen kurzen Antrag für den Klassenrat mit zwei vollständigen Argumenten, möglicher Gegenposition und einem fairen Lösungsvorschlag.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Zusammenhang prüfen: Erkläre, warum ein Beispiel trotz korrekter Grammatik unpassend sein kann. Erfinde selbst ein passendes und ein unpassendes Beispiel zu derselben Begründung.
  2. Argument verbessern: Überarbeite „Wir sollten mehr Projekte machen, weil Projekte gut sind. Zum Beispiel sind Projekte gut.“ so, dass der Zusammenhang nachvollziehbar wird. Begründe jede Änderung.
  3. Adressatenbezug: Formuliere eine Bitte an den Klassenrat und an die Schulleitung unterschiedlich. Erkläre, welche Wörter oder Satzformen Du bewusst verändert hast.
  4. Neue Streitfrage: Wähle eine neue Streitfrage, die im aiMOOC nicht als Modell vollständig ausgearbeitet wurde. Formuliere zwei Argumente und prüfe sie mit dem Kriterienraster.
  5. KI-Ausgabe prüfen: Eine KI liefert ein scheinbar vollständiges Argument. Zeige anhand der B–B–B-Regel, wo ein Zusammenhang fehlt, verbessere ihn und dokumentiere Deine eigene Leistung sowie die KI-Hilfe.
  6. Feedback-Entscheidung: Du erhältst zwei unterschiedliche Verbesserungsvorschläge. Entscheide, welchen Du übernimmst, und begründe Deine Entscheidung am Text.




Kompetenzcheck

Kreuze für Dich an: Ja, teilweise oder noch nicht.

Ich kann … Ja Teilweise Noch nicht
eine klare Behauptung zu einer Streitfrage formulieren.
eine Begründung schreiben, die wirklich das Warum erklärt.
ein konkretes und passendes Beispiel finden.
Behauptung, Begründung und Beispiel logisch verbinden.
meine Formulierung an einen Adressaten anpassen.
eine Rückmeldung für die Überarbeitung nutzen oder begründet ablehnen.
eine KI-Ausgabe mit einer Regel oder Quelle prüfen und selbst verbessern.
KI-Hilfe transparent angeben.


Kurze Selbstreflexion

Vervollständige drei Sätze:

  1. „Am sichersten bin ich bei …“
  2. „Noch üben möchte ich …“
  3. „Beim nächsten Argument achte ich besonders auf …“


Individuelle Empfehlung

Wenn Du bei Behauptung oder Begründung „noch nicht“ angekreuzt hast: Wiederhole die Mindmap und arbeite mit Hilfe 1 und Hilfe 2. Formuliere danach drei sehr kurze B–B–B-Argumente.

Wenn Dein Beispiel oft nur die Begründung wiederholt: Bearbeite erneut den Beispiel-Prüfer und den Fehlerdetektiv. Schreibe zu einer Begründung drei unterschiedliche konkrete Situationen.

Wenn der Aufbau schon sicher ist: Vertiefe den Adressatenwechsel, formuliere Pro- und Contra-Argumente und arbeite mit der Vorher-Nachher-Fassung.

Wenn Du KI schon gezielt nutzen kannst: Konzentriere Dich auf das Prüfen: Vergleiche KI-Ausgaben mit Regeln oder verlässlichen Quellen, begründe jede Verbesserung und dokumentiere die KI-Hilfe transparent.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du zeigen kannst:

  1. Du formulierst zu einer altersgerechten Streitfrage mindestens ein vollständiges Argument aus Behauptung, Begründung und Beispiel.
  2. Du erklärst den Zusammenhang zwischen den drei Bausteinen.
  3. Du überarbeitest eine schwache Fassung nachvollziehbar und markierst wesentliche Änderungen.
  4. Du passt mindestens eine Formulierung an einen vorgegebenen Adressaten an.
  5. Du nutzt ein Kriterienraster zur Selbstkontrolle.
  6. Du kannst Rückmeldung prüfen und begründet entscheiden, welche Änderung sinnvoll ist.
  7. Du prüfst bei einer KI-Aufgabe die Ausgabe mit einer Regel, einem Text oder einer geeigneten Quelle, verbesserst sie selbst und machst die KI-Hilfe transparent.
  8. Du verwendest keine personenbezogenen Daten und keine unnötig langen urheberrechtlich geschützten Textpassagen.




OERs zum Thema

Zusätzlich helfen Dir die frei zugänglichen Mediendateien auf Wikimedia Commons beim Beobachten von Gesprächs-, Schreib- und Lernsituationen. Für jede Weiterverwendung gilt: Lizenzhinweise auf der jeweiligen Dateiseite beachten.



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