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Cybermobbing in sozialen Medien

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Cybermobbing in sozialen Medien



Cybermobbing in sozialen Medien / Mobbing und Cybermobbing

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Einleitung

Cybermobbing in sozialen Medien bedeutet, dass Menschen mit Hilfe digitaler Kommunikationsmittel wiederholt oder schwerwiegend beleidigt, bloßgestellt, bedroht, ausgegrenzt oder unter Druck gesetzt werden. Es kann in sozialen Medien, Messengern, Chats, Gaming-Chats, Foren, Kommentarspalten, Videoportalen oder Klassengruppen stattfinden. Dieser aiMOOC hilft Dir, Mobbing und Cybermobbing zu verstehen, typische Formen zu erkennen, die Rolle von Zuschauenden einzuschätzen und sinnvolle Handlungsmöglichkeiten für Betroffene, Freundinnen und Freunde, Klassen, Schulen und Familien zu entwickeln.

Mobbing und Cybermobbing sind keine normalen Konflikte. Ein Streit kann einmalig, wechselseitig und auf Augenhöhe entstehen. Mobbing ist dagegen durch Wiederholung, Machtungleichgewicht, systematische Abwertung und eine belastende soziale Dynamik gekennzeichnet. Beim Cybermobbing kommt hinzu, dass digitale Inhalte schnell weitergeleitet werden, länger sichtbar bleiben, rund um die Uhr abrufbar sein können und ein großes Publikum erreichen. Deshalb braucht es Medienkompetenz, Empathie, Zivilcourage, klare Regeln und verlässliche Hilfe.

Wichtig: Wenn Du selbst betroffen bist, bist Du nicht schuld. Sich Hilfe zu holen ist kein Petzen, sondern ein Schritt zum Schutz Deiner Würde, Deiner Sicherheit und Deiner Rechte. Sprich mit einer vertrauenswürdigen erwachsenen Person, sichere Beweise und wende Dich bei akuter Gefahr an Hilfe vor Ort, an die Schule, die Polizei oder eine Beratungsstelle. In Deutschland ist das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer unter 116 111 erreichbar.


Lernziele

  1. Mobbing und Cybermobbing unterscheiden: Du kannst erklären, warum Mobbing mehr ist als ein einzelner Streit.
  2. Soziale Medien reflektieren: Du erkennst, wie Plattformlogik, Reichweite, Likes, Gruppen und Anonymität Cybermobbing verstärken können.
  3. Formen benennen: Du kannst Beleidigung, Bloßstellung, Ausgrenzung, Gerüchte, Identitätsmissbrauch, unerlaubtes Veröffentlichen von Bildern und Cyberstalking unterscheiden.
  4. Rollen analysieren: Du erkennst, welche Verantwortung Betroffene, ausübende Personen, Mitläuferinnen und Mitläufer, Zuschauende, Unterstützende, Lehrkräfte und Eltern haben.
  5. Handeln üben: Du entwickelst Strategien zum Beweise sichern, Melden, Blockieren, Hilfe holen und zur digitalen Zivilcourage.
  6. Recht und Ethik verbinden: Du verstehst, dass Cybermobbing Persönlichkeitsrechte verletzen und straf- oder zivilrechtliche Folgen haben kann.
  7. Prävention gestalten: Du kannst Regeln für eine respektvolle digitale Klassengemeinschaft formulieren.


Grundbegriffe


Mobbing

Mobbing bezeichnet eine Form psychischer oder sozialer Gewalt, bei der eine Person wiederholt, gezielt und über längere Zeit abgewertet, ausgegrenzt, bedroht oder schikaniert wird. Mobbing kann in der Schule, am Arbeitsplatz, in Vereinen, in Familien, in Wohnumgebungen oder in digitalen Räumen auftreten. Typisch ist ein Machtungleichgewicht: Eine Person oder Gruppe hat mehr soziale Macht, mehr Aufmerksamkeit, mehr körperliche Stärke, mehr digitale Reichweite oder mehr Unterstützung durch andere.

Mobbing kann verbal, sozial, körperlich, materiell oder digital sein. Verbales Mobbing zeigt sich etwa durch Beschimpfungen, Spott oder Gerüchte. Soziales Mobbing zeigt sich durch Ausschluss, Ignorieren oder das bewusste Zerstören von Freundschaften. Körperliches Mobbing umfasst Schubsen, Schlagen oder Bedrohen. Materielles Mobbing betrifft das Wegnehmen oder Beschädigen von Gegenständen. Digitales Mobbing wird als Cybermobbing bezeichnet.


Cybermobbing

Cybermobbing ist Mobbing mit digitalen Mitteln. Es nutzt elektronische Kommunikation, um andere Menschen zu verletzen, zu beschämen, einzuschüchtern oder sozial zu isolieren. Dazu gehören zum Beispiel beleidigende Kommentare, Hassnachrichten, peinliche Fotos, manipulierte Bilder, gefälschte Profile, Drohungen, Ausgrenzung aus Gruppen oder das Verbreiten privater Informationen ohne Zustimmung.

Cybermobbing kann besonders belastend sein, weil es nicht an den Schulhof oder einen bestimmten Ort gebunden ist. Nachrichten können abends, nachts, am Wochenende oder in den Ferien kommen. Inhalte lassen sich kopieren, weiterleiten und erneut hochladen. Betroffene erleben dadurch oft das Gefühl, keinen sicheren Raum mehr zu haben.


Soziale Medien

Soziale Medien sind digitale Plattformen, auf denen Menschen Inhalte erstellen, teilen, kommentieren und miteinander kommunizieren. Dazu gehören Foto- und Videoplattformen, Kurzvideo-Apps, Messenger-Gruppen, Livestreams, Kommentarbereiche, Foren und Gaming-Communities. Soziale Medien können Freundschaft, Kreativität, Information und Teilhabe fördern. Gleichzeitig können sie Konflikte beschleunigen, weil Beiträge schnell sichtbar werden, Reaktionen öffentlich sind und Gruppen eine starke Dynamik entwickeln können.


Cybermobbing ist nicht dasselbe wie Kritik

Kritik ist erlaubt, wenn sie sachlich bleibt, respektvoll formuliert ist und sich auf ein Verhalten, eine Meinung oder eine Leistung bezieht. Cybermobbing liegt näher, wenn die Würde einer Person angegriffen wird, wenn Beleidigungen wiederholt werden, wenn andere zur Ausgrenzung aufgefordert werden, wenn private Inhalte gegen jemanden verwendet werden oder wenn eine Person gezielt eingeschüchtert wird. Entscheidend ist nicht nur, was eine Person angeblich gemeint hat, sondern auch, welche Wirkung das Verhalten auf Betroffene und die Gruppe hat.


Formen von Cybermobbing


Beleidigung und Beschimpfung

Bei digitaler Beleidigung werden Personen mit abwertenden Namen, Spott, verletzenden Kommentaren oder herabwürdigenden Nachrichten angegriffen. In sozialen Medien kann dies öffentlich geschehen, etwa unter einem Foto, in einer Story, in einem Livestream oder in einer Klassengruppe. Auch scheinbar kurze Kommentare können schwer verletzend sein, wenn sie von vielen gesehen, gelikt oder wiederholt werden.


Gerüchte und Verleumdung

Beim Verbreiten von Gerüchten werden falsche oder nicht überprüfte Behauptungen über eine Person geteilt. Besonders problematisch ist es, wenn Gerüchte gezielt eingesetzt werden, um jemanden sozial zu isolieren oder den Ruf zu schädigen. Eine Verleumdung kann rechtliche Folgen haben, wenn bewusst unwahre Tatsachen behauptet und verbreitet werden.


Bloßstellung durch Bilder und Videos

Fotos, Videos, Screenshots oder Tonaufnahmen dürfen nicht einfach gegen den Willen einer Person veröffentlicht werden. Das betrifft peinliche Situationen, intime Inhalte, heimlich aufgenommene Clips, bearbeitete Bilder oder aus dem Zusammenhang gerissene Chats. Das Recht am eigenen Bild, Persönlichkeitsrechte und Datenschutz spielen hier eine wichtige Rolle.


Ausgrenzung aus Gruppen

Digitale Ausgrenzung kann bedeuten, jemanden aus Klassengruppen auszuschließen, absichtlich nicht einzuladen, Gruppen zu gründen, in denen über eine Person gelästert wird, oder eine Person kollektiv zu ignorieren. Ausgrenzung wirkt oft leise, kann aber sehr stark verletzen, weil Zugehörigkeit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein Grundbedürfnis ist.


Identitätsmissbrauch

Bei Identitätsmissbrauch erstellt jemand ein falsches Profil, übernimmt ein Konto oder schreibt im Namen einer anderen Person. Dadurch können Freundschaften beschädigt, Gerüchte verbreitet oder peinliche Inhalte veröffentlicht werden. Sichere Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und ein bewusster Umgang mit Zugangsdaten sind deshalb wichtige Schutzmaßnahmen.


Bedrohung und Cyberstalking

Cyberstalking bedeutet, dass eine Person wiederholt digital verfolgt, kontrolliert, bedroht oder belästigt wird. Drohungen, ständiges Anschreiben, Überwachung, das Erstellen neuer Accounts nach einer Blockierung oder das Veröffentlichen von Aufenthaltsorten können Angst erzeugen. Bei Bedrohung oder Stalking sollte Hilfe geholt und gegebenenfalls die Polizei eingeschaltet werden.


Missbrauch von Künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz kann hilfreich sein, etwa beim Lernen, Übersetzen oder Strukturieren. Sie kann aber auch missbraucht werden, um gefälschte Bilder, Stimmen, Chatverläufe oder Videos zu erzeugen. Solche Deepfakes können Personen schwer schädigen. Deshalb ist es wichtig, Inhalte kritisch zu prüfen, Quellen zu hinterfragen, nichts vorschnell weiterzuleiten und Betroffene zu unterstützen.


Warum Cybermobbing besonders belastend ist


Reichweite und Dauerhaftigkeit

Ein verletzender Kommentar kann in Sekunden viele Menschen erreichen. Ein Screenshot kann weitergeleitet werden, auch wenn der ursprüngliche Beitrag gelöscht wurde. Suchmaschinen, geteilte Dateien, private Gruppen und gespeicherte Bilder können dafür sorgen, dass ein Angriff lange nachwirkt. Diese Dauerhaftigkeit macht Cybermobbing oft belastender als einen einzelnen Konflikt im direkten Gespräch.


Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit

Digitale Geräte begleiten viele Menschen durch den Alltag. Dadurch kann Cybermobbing in die Freizeit, ins Kinderzimmer, in die Nacht und in eigentlich sichere Räume eindringen. Betroffene können das Gefühl bekommen, nie wirklich Abstand zu gewinnen. Deshalb ist es wichtig, Benachrichtigungen zu kontrollieren, Accounts zu schützen, Meldefunktionen zu nutzen und Unterstützung zu suchen.


Anonymität und Online-Enthemmung

Im Netz sehen Täterinnen und Täter die unmittelbare Reaktion der betroffenen Person oft nicht. Manche fühlen sich durch Anonymität oder Gruppendruck enthemmt. Der Online-Enthemmungseffekt beschreibt, dass Menschen online manchmal Dinge schreiben oder teilen, die sie im direkten Gespräch nicht sagen würden. Das entschuldigt Cybermobbing nicht, erklärt aber, warum digitale Regeln, Empathie und Moderation wichtig sind.


Publikum und Gruppendruck

Likes, Kommentare, Reposts und stille Zustimmung können Cybermobbing verstärken. Wer einen verletzenden Beitrag likt oder weiterleitet, wird Teil der Dynamik. Auch Schweigen kann von Betroffenen als Zustimmung erlebt werden. Digitale Zivilcourage bedeutet, nicht mitzumachen, Betroffene zu unterstützen, Inhalte zu melden und Hilfe zu organisieren.


Rollen im Mobbingprozess


Betroffene Person

Die betroffene Person trägt keine Schuld am Mobbing. Niemand verdient es, beschimpft, erniedrigt oder bedroht zu werden. Trotzdem fragen sich Betroffene häufig, ob sie selbst etwas falsch gemacht haben. Diese Selbstzweifel können Teil der Belastung sein. Wichtig sind Schutz, Unterstützung, Dokumentation und die klare Botschaft: Du bist nicht allein.


Ausübende Person

Ausübende Personen sind diejenigen, die beleidigen, bloßstellen, drohen, Inhalte erstellen, Gerüchte verbreiten oder andere zur Beteiligung auffordern. Manche handeln aus Machtgefühl, Wut, Neid, Langeweile, Gruppendruck oder dem Wunsch nach Anerkennung. Verantwortung bleibt trotzdem bestehen. Wer andere online verletzt, muss aufhören, Verantwortung übernehmen und entstandenen Schaden so weit wie möglich wiedergutmachen.


Mitläuferinnen und Mitläufer

Mitläuferinnen und Mitläufer verstärken Mobbing, indem sie lachen, liken, teilen, kommentieren, Gerüchte weitererzählen oder in Gruppen mitmachen. Oft wollen sie dazugehören oder vermeiden, selbst zum Ziel zu werden. Gerade deshalb brauchen Klassen und Gruppen klare Regeln: Wer mitmacht, trägt Verantwortung.


Zuschauende

Zuschauende sehen Cybermobbing, greifen aber zunächst nicht ein. Sie können eine wichtige Wende auslösen. Schon kleine Handlungen helfen: nicht liken, nicht weiterleiten, einen Beitrag melden, der betroffenen Person privat schreiben, eine erwachsene Vertrauensperson informieren oder gemeinsam mit anderen Unterstützung organisieren.


Unterstützende Personen

Unterstützende Personen zeigen Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Sie hören zu, bewerten nicht vorschnell, helfen beim Sichern von Beweisen, begleiten zu Lehrkräften, Eltern, Schulsozialarbeit oder Beratungsstellen und widersprechen respektvoll der Abwertung. Unterstützung bedeutet nicht, einen Online-Streit weiter anzuheizen, sondern Sicherheit herzustellen.


Ursachen und Dynamiken


Gruppendruck und Zugehörigkeit

Viele Mobbingprozesse entstehen nicht nur aus dem Verhalten einer einzelnen Person, sondern aus einer Gruppendynamik. Wer dazugehören möchte, lacht vielleicht mit, obwohl er oder sie das Verhalten falsch findet. So wird eine verletzende Norm geschaffen. Prävention bedeutet daher, Gruppenregeln sichtbar zu machen, Mut zum Widerspruch zu fördern und respektvolles Verhalten sozial attraktiv zu machen.


Macht und Status

In sozialen Medien kann Status durch Follower, Likes, Schnelligkeit, Humor, Schönheit, Marken, Insiderwissen oder Gruppenzugehörigkeit entstehen. Cybermobbing nutzt solche Statusunterschiede aus. Eine Person wird zum Ziel, damit andere sich überlegen fühlen. Eine gute Klassengemeinschaft erkennt diesen Mechanismus und setzt Grenzen gegen Demütigung.


Konflikte, Rache und Eskalation

Nicht jedes Cybermobbing beginnt mit einem geplanten Angriff. Manchmal eskaliert ein Streit: Ein Screenshot wird geteilt, eine private Nachricht wird öffentlich gemacht, Freundschaften zerbrechen, Gruppen bilden sich. Trotzdem gilt: Wer verletzt ist, darf andere nicht verletzen. Konflikte brauchen Klärung, Schutz und gegebenenfalls Vermittlung durch Erwachsene.


Vorurteile und Diskriminierung

Cybermobbing kann mit Diskriminierung verbunden sein, etwa wegen Aussehen, Herkunft, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Sprache, sozialem Status oder Interessen. Dann geht es nicht nur um eine einzelne Beleidigung, sondern um die Abwertung von Identität. Schulen und Gruppen müssen solche Muster klar benennen und Schutzräume schaffen.


Folgen von Cybermobbing


Psychische Folgen

Cybermobbing kann Angst, Scham, Wut, Hilflosigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Rückzug, depressive Symptome oder ein geringes Selbstwertgefühl auslösen. Manche Betroffene trauen sich nicht mehr in die Schule oder vermeiden soziale Kontakte. Wenn die Belastung sehr groß wird, ist professionelle Hilfe wichtig. Bei akuter Gefahr zählt sofortige Unterstützung.


Soziale Folgen

Betroffene können Freundschaften verlieren, Gruppen meiden oder den Eindruck bekommen, niemand stehe auf ihrer Seite. Auch die Klasse oder Gruppe leidet: Vertrauen sinkt, Kommunikation wird vorsichtig, Gerüchte nehmen zu und das Lernklima verschlechtert sich. Cybermobbing ist deshalb nie nur ein individuelles Problem, sondern betrifft die Gemeinschaft.


Rechtliche Folgen

In Deutschland ist Cybermobbing nicht als ein einziger eigener Straftatbestand zusammengefasst. Einzelne Handlungen können jedoch strafbar oder zivilrechtlich relevant sein. Dazu gehören zum Beispiel Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung, Bedrohung, Nötigung, Nachstellung, Identitätsmissbrauch, das Verletzen des Rechts am eigenen Bild oder Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht. Auch Plattformregeln können verletzt werden, sodass Inhalte gelöscht oder Konten gesperrt werden.


Was tun, wenn Du betroffen bist?


Sofortmaßnahmen

  1. Ruhe bewahren: Antworte nicht impulsiv mit Gegenbeleidigungen, weil dies die Lage verschärfen und die Beweislage verkomplizieren kann.
  2. Beweise sichern: Mache Screenshots, speichere Links, Benutzernamen, Uhrzeiten, Nachrichten und Profilinformationen.
  3. Blockieren: Unterbrich den direkten Kontakt, wenn die Plattform dies ermöglicht.
  4. Melden: Nutze Meldefunktionen der Plattform und fordere die Löschung verletzender Inhalte.
  5. Hilfe holen: Sprich mit einer Vertrauensperson, Eltern, Lehrkräften, Schulsozialarbeit, Beratung oder der Polizei.
  6. Sicherheit prüfen: Wenn Drohungen, Erpressung, Stalking oder intime Inhalte betroffen sind, hole sofort erwachsene und professionelle Hilfe.


Beweise sichern ohne weiterzuverbreiten

Beweise zu sichern bedeutet nicht, verletzende Inhalte in Gruppen weiterzuleiten. Sichere sie gezielt für Hilfe, Schule, Plattformmeldung oder rechtliche Schritte. Achte darauf, keine intimen oder illegalen Inhalte unnötig zu speichern oder zu verbreiten. Bei Unsicherheit sollten Erwachsene, Beratungsstellen oder die Polizei einbezogen werden.


Hilfe suchen

Hilfe kann von Freundinnen und Freunden, Eltern, Lehrkräften, Vertrauenslehrkräften, Schulsozialarbeit, Beratungsstellen, Jugendhilfe, Ärztinnen und Ärzten oder der Polizei kommen. Das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer ist in Deutschland unter 116 111 erreichbar. Bei akuter Gefahr solltest Du sofort eine erwachsene Person vor Ort ansprechen oder den Notruf wählen.


Was tun, wenn Du Cybermobbing beobachtest?


Nicht verstärken

Leite verletzende Inhalte nicht weiter. Like keine Beleidigungen. Schreibe keine spöttischen Kommentare. Mache nicht aus Neugier mit. Jede Interaktion kann die Reichweite erhöhen und die Verletzung vergrößern.


Unterstützen statt zuschauen

Schreibe der betroffenen Person eine private Nachricht wie: Ich habe gesehen, was passiert ist. Das ist nicht okay. Ich unterstütze Dich. Frage, was die Person braucht. Biete an, gemeinsam eine Vertrauensperson zu informieren. Unterstützung wirkt besonders stark, wenn mehrere Personen deutlich machen, dass Mobbing nicht akzeptiert wird.


Melden und Hilfe organisieren

Melde Inhalte über die Plattform, sichere Hinweise und informiere Erwachsene, wenn die Situation nicht sofort endet. In der Schule können Klassenteams, Schulsozialarbeit, Vertrauenslehrkräfte oder Schulleitung helfen. Wichtig ist, dass die betroffene Person geschützt wird und nicht erneut bloßgestellt wird.


Prävention in Schule und Gruppe


Klassenregeln für digitale Räume

Eine Klasse sollte nicht nur Regeln für den Klassenraum haben, sondern auch für digitale Gruppen. Gute Regeln sind verständlich, gemeinsam entwickelt und verbindlich. Beispiele sind: keine Screenshots aus privaten Chats ohne Zustimmung, keine Beleidigungen, keine Abstimmungen über Personen, keine Ausgrenzung, keine Weiterleitung peinlicher Inhalte, Melden statt Mitmachen und Hilfe holen bei Grenzüberschreitungen.


Medienkompetenz

Medienkompetenz bedeutet, digitale Medien sachkundig, kritisch, kreativ und verantwortungsvoll zu nutzen. Dazu gehören Datenschutz, sichere Passwörter, Privatsphäre-Einstellungen, Quellenkritik, respektvolle Kommunikation, Erkennen manipulierter Inhalte und Wissen über Hilfsangebote.


Empathie und Perspektivwechsel

Empathie bedeutet, sich in andere hineinzuversetzen. Online ist das schwieriger, weil Mimik, Stimme und unmittelbare Reaktionen fehlen. Deshalb hilft die Frage: Würde ich das der Person direkt ins Gesicht sagen? Würde ich wollen, dass jemand so über mich schreibt? Welche Folgen kann mein Teilen haben?


Restorative Ansätze und Verantwortung

Nach Cybermobbing reicht es selten, nur einen Beitrag zu löschen. Es braucht Schutz, Klärung, Verantwortung und Wiedergutmachung. Restorative Ansätze fragen: Wer wurde verletzt? Was braucht die betroffene Person? Wer übernimmt Verantwortung? Wie kann die Gruppe Vertrauen wieder aufbauen? Solche Gespräche müssen gut vorbereitet sein und dürfen Betroffene nicht zusätzlich belasten.


Digitale Ethik


Würde und Respekt

Die Menschenwürde gilt auch online. Niemand verliert seine Rechte, nur weil Kommunikation über ein Smartphone, einen Account oder eine Plattform läuft. Digitale Ethik fragt, wie Menschen in einer vernetzten Welt fair, verantwortungsvoll und solidarisch handeln können.


Privatheit und Zustimmung

Privatsphäre schützt persönliche Informationen, Bilder, Gefühle, Aufenthaltsorte und Beziehungen. Zustimmung bedeutet, dass eine Person freiwillig, informiert und eindeutig erlaubt, dass etwas geteilt wird. Eine frühere Zustimmung kann zurückgenommen werden. Besonders bei Bildern, Videos und Screenshots gilt: Erst fragen, dann teilen.


Verantwortung vor dem Teilen

Vor dem Teilen kannst Du drei Fragen nutzen: Ist es wahr? Ist es fair? Ist es nötig? Wenn eine dieser Fragen mit Nein beantwortet wird, solltest Du nicht teilen. Digitale Verantwortung bedeutet auch, Fehler zu korrigieren: Beitrag löschen, Entschuldigung aussprechen, Falschinformationen richtigstellen und Betroffene unterstützen.


Zusammenfassung

Cybermobbing ist eine Form von Mobbing, die digitale Medien nutzt. Es kann durch Beleidigungen, Gerüchte, Bloßstellungen, Ausgrenzung, Identitätsmissbrauch, Drohungen oder das unerlaubte Veröffentlichen von Bildern entstehen. Besonders problematisch sind Reichweite, Dauerhaftigkeit, Anonymität, Gruppendruck und die ständige Erreichbarkeit. Betroffene brauchen Schutz, Unterstützung und konkrete Schritte: Beweise sichern, blockieren, melden, Hilfe holen und bei Gefahr professionelle Stellen einschalten. Zuschauende sind entscheidend, weil sie Mobbing verstärken oder stoppen können. Eine respektvolle digitale Gemeinschaft entsteht durch Medienkompetenz, Empathie, Zivilcourage, klare Regeln und Verantwortung.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist ein zentrales Merkmal von Mobbing? (Wiederholte gezielte Abwertung bei einem Machtungleichgewicht) (!Ein einmaliger sachlicher Streit) (!Eine respektvolle Diskussion) (!Eine zufällige Meinungsverschiedenheit)




Wo kann Cybermobbing stattfinden? (In sozialen Medien, Messengern, Chats und Gaming-Communities) (!Nur auf dem Schulhof) (!Nur in gedruckten Zeitungen) (!Nur in persönlichen Gesprächen ohne digitale Geräte)




Warum kann Cybermobbing besonders belastend sein? (Weil Inhalte schnell verbreitet werden und lange sichtbar bleiben können) (!Weil digitale Nachrichten immer automatisch gelöscht werden) (!Weil nur Erwachsene betroffen sein können) (!Weil alle Plattformen Beleidigungen sofort verhindern)




Was solltest Du tun, wenn Du von Cybermobbing betroffen bist? (Beweise sichern, Hilfe holen, melden und blockieren) (!Sofort mit Beleidigungen zurückschreiben) (!Den Inhalt an möglichst viele Gruppen weiterleiten) (!Alle Beweise löschen und mit niemandem sprechen)




Welche Rolle haben Zuschauende bei Cybermobbing? (Sie können Mobbing verstärken oder durch Unterstützung stoppen helfen) (!Sie haben nie Einfluss auf die Situation) (!Sie sind immer automatisch schuldlos, auch wenn sie Inhalte teilen) (!Sie sollten verletzende Inhalte aus Spaß weiterleiten)




Was bedeutet digitale Zivilcourage? (Online nicht wegzuschauen und Betroffene verantwortungsvoll zu unterstützen) (!Online jeden Streit öffentlich zu eskalieren) (!Sich grundsätzlich aus jeder Situation herauszuhalten) (!Beleidigende Beiträge heimlich zu speichern und weiterzuschicken)




Was ist beim Teilen von Fotos anderer Personen wichtig? (Die Zustimmung der abgebildeten Person) (!Die Anzahl der Likes) (!Ob das Bild lustig genug ist) (!Ob jemand anderes es schon geteilt hat)




Welche Aussage zu Cybermobbing und Recht ist richtig? (Einzelne Handlungen können strafbar oder zivilrechtlich relevant sein) (!Cybermobbing hat online nie rechtliche Folgen) (!Beleidigungen sind im Internet grundsätzlich erlaubt) (!Das Recht am eigenen Bild gilt nur für Prominente)




Was ist ein Beispiel für Identitätsmissbrauch? (Jemand erstellt ein falsches Profil im Namen einer anderen Person) (!Jemand ändert freiwillig sein eigenes Profilbild) (!Jemand löscht alte Nachrichten aus dem eigenen Chat) (!Jemand liest die eigenen Datenschutzeinstellungen)




Was hilft einer Klasse bei der Prävention von Cybermobbing? (Gemeinsame digitale Regeln, Medienkompetenz und respektvolle Kommunikation) (!Keine Gespräche über Online-Konflikte) (!Möglichst viele geheime Klassengruppen) (!Das Weiterleiten peinlicher Inhalte zur Abschreckung)





Memory

Cybermobbing Mobbing über digitale Medien
Screenshot Beweis sichern
Blockieren Kontakt unterbrechen
Zivilcourage Nicht wegschauen
Netiquette Regeln für respektvolle Online-Kommunikation
Privatsphäre Schutz persönlicher Informationen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Beweise sichern Screenshot
Kontakt unterbrechen Blockieren
Plattform informieren Melden
Schutz organisieren Vertrauensperson
Nicht mitmachen Zivilcourage
Vor dem Teilen fragen Zustimmung






Kreuzworträtsel

Empathie Wie nennt man die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen?
Screenshot Wie nennt man ein digitales Bildschirmfoto zur Beweissicherung?
Blockieren Wie heißt die Funktion, mit der man Kontakt über eine Plattform unterbrechen kann?
Netiquette Wie nennt man Regeln für respektvolle Online-Kommunikation?
Ausgrenzung Wie nennt man das gezielte Ausschließen einer Person aus einer Gruppe?
Zivilcourage Wie nennt man mutiges Eingreifen, wenn jemand unfair behandelt wird?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Cybermobbing ist Mobbing mit

. Ein wichtiges Merkmal von Mobbing ist ein

. In sozialen Medien können verletzende Inhalte durch

schnell verbreitet werden. Betroffene sollten Beweise durch

sichern. Wer Cybermobbing beobachtet, sollte nicht mitmachen, sondern

organisieren. Vor dem Veröffentlichen von Bildern anderer Menschen braucht man deren

. Eine Klasse kann Cybermobbing vorbeugen, indem sie gemeinsame digitale

vereinbart. Digitale Zivilcourage bedeutet, online nicht

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsklärung: Erstelle eine Tabelle mit den Unterschieden zwischen Streit, Konflikt, Mobbing und Cybermobbing. Ergänze zu jedem Begriff ein eigenes Beispiel.
  2. Gefühlsbarometer: Beschreibe in einem kurzen Text, wie sich eine betroffene Person fühlen könnte, wenn ein peinlicher Screenshot in einer Klassengruppe geteilt wird.
  3. Netiquette: Formuliere fünf einfache Regeln für eine respektvolle Klassengruppe in einem Messenger.
  4. Hilfekarte: Gestalte eine kleine Karte mit drei Schritten, die Betroffene bei Cybermobbing sofort tun können.


Standard

  1. Fallanalyse: Analysiere einen fiktiven Fall von Cybermobbing. Benenne Beteiligte, Formen des Cybermobbings, mögliche Folgen und sinnvolle nächste Schritte.
  2. Perspektivwechsel: Schreibe denselben Online-Konflikt aus Sicht der betroffenen Person, einer zuschauenden Person und einer unterstützenden Person.
  3. Plakataktion: Entwickle ein Plakat oder digitales Sharepic mit der Botschaft Nicht liken, nicht teilen, helfen.
  4. Interview: Befrage eine Lehrkraft, Schulsozialarbeit oder eine Beratungsstelle dazu, wie Schulen bei Cybermobbing helfen können. Fasse die Antworten anonymisiert zusammen.


Schwer

  1. Präventionskonzept: Entwickle ein Konzept für eine Schule, das Regeln, Meldewege, Unterrichtsideen, Elternarbeit und Unterstützung für Betroffene enthält.
  2. Rechtsrecherche: Recherchiere, welche Rechte bei Beleidigung, Drohung, Nachstellung oder Veröffentlichung von Bildern berührt sein können. Erkläre die Ergebnisse in verständlicher Sprache.
  3. Medienanalyse: Untersuche, wie Likes, Kommentare, Algorithmen und Gruppendruck die Verbreitung verletzender Inhalte verstärken können.
  4. Peer-Projekt: Plane einen Workshop von Jugendlichen für Jugendliche zum Thema Cybermobbing. Lege Ziele, Ablauf, Materialien und eine Feedbackmethode fest.



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Lernkontrolle

  1. Transferaufgabe: Erkläre, warum Cybermobbing nicht nur ein Problem zwischen zwei Personen ist, sondern die ganze Gruppe betrifft. Verwende mindestens drei Begriffe aus dem aiMOOC.
  2. Handlungsplan: Entwickle einen konkreten Handlungsplan für eine Person, die in einer Klassengruppe beleidigt und mit Screenshots bloßgestellt wird.
  3. Rollenanalyse: Beschreibe, wie sich die Situation verändert, wenn Zuschauende nicht liken, nicht teilen, Beweise sichern und Hilfe holen.
  4. Ethikaufgabe: Beurteile die Aussage: Was online passiert, ist nicht so schlimm wie im echten Leben. Begründe Deine Position mit Beispielen.
  5. Prävention: Entwirf drei verbindliche Regeln für digitale Klassengruppen und erkläre, warum jede Regel Cybermobbing vorbeugen kann.


Lernnachweis

  1. Portfolio: Sammle Deine Ergebnisse aus Quiz, offenen Aufgaben und Lernkontrolle in einem Lernportfolio.
  2. Reflexion: Schreibe eine persönliche Reflexion darüber, welche Handlung Du Dir vornimmst, wenn Du Cybermobbing beobachtest.
  3. Produkt: Erstelle ein eigenes Präventionsprodukt, zum Beispiel ein Plakat, einen Leitfaden, eine Präsentation, ein kurzes Erklärvideo oder eine Podcastfolge.
  4. Feedback: Hole Rückmeldung von mindestens zwei Personen ein und überarbeite Dein Produkt.
  5. Selbsteinschätzung: Bewerte, wie sicher Du die Begriffe Mobbing, Cybermobbing, Zivilcourage, Beweissicherung, Datenschutz und Persönlichkeitsrecht erklären kannst.




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