Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.
1 Erster Auftritt
Vorlage S. 550 2 Hanna Kennedy, Amme der Königin von Schottland, in heftigem Streit mit Paulet, der im Begriff ist, einen Schrank zu öffnen. Drugeon Drury, sein Gehilfe, mit Brecheisen.
Vorlage S. 550 4 Was macht Ihr, Sir? Welch neue Dreistigkeit!
Vorlage S. 550 5 Zurück von diesem Schrank!
Vorlage S. 550 7 Wo kam der Schmuck her?
Vorlage S. 550 8 Vom obern Stock ward er herabgeworfen,
Vorlage S. 550 9 Der Gärtner hat bestochen werden sollen
Vorlage S. 550 10 Mit diesem Schmuck – Fluch über Weiberlist!
Vorlage S. 550 11 Trotz meiner Aufsicht, meinem scharfen Suchen,
Vorlage S. 550 12 Noch Kostbarkeiten, noch geheime Schätze!
Vorlage S. 550 13 Sich über den Schrank machend.
Vorlage S. 550 14 Wo das gesteckt hat, liegt noch mehr!
Vorlage S. 550 16 Zurück, Verwegner!
Vorlage S. 550 17 Hier liegen die Geheimnisse der Lady.
Vorlage S. 550 19 Die eben such ich.
Vorlage S. 550 20 Schriften hervorziehend.
Vorlage S. 550 22 Unbedeutende
Vorlage S. 550 23 Papiere, bloße Übungen der Feder,
Vorlage S. 550 24 Des Kerkers traurge Weile zu verkürzen.
Vorlage S. 550 26 In müßger Weile schafft der böse Geist.
Vorlage S. 550 28 Es sind französische Schriften.
Vorlage S. 550 30 Desto schlimmer!
Vorlage S. 550 31 Die Sprache redet Englands Feind.
Vorlage S. 550 34 Von Briefen an die Königin von England.
Vorlage S. 550 36 Die überliefr ich – Sieh! Was schimmert hier?
Vorlage S. 550 37 Er hat einen geheimen Ressort geöffnet, und zieht aus einem verborgnen Fach Geschmeide hervor.
Vorlage S. 550 38 Ein königliches Stirnband, reich an Steinen,
Vorlage S. 550 39 Durchzogen mit den Lilien von Frankreich!
Vorlage S. 550 40 Er gibt es seinem Begleiter.
Vorlage S. 551 41 Verwahrts, Drury. Legts zu dem übrigen!
Vorlage S. 551 42 Drury geht ab.
Vorlage S. 551 44 O schimpfliche Gewalt, die wir erleiden!
Vorlage S. 551 46 Solang sie noch besitzt, kann sie noch schaden,
Vorlage S. 551 47 Denn alles wird Gewehr in ihrer Hand.
Vorlage S. 551 49 Seid gütig, Sir. Nehmt nicht den letzten Schmuck
Vorlage S. 551 50 Aus unserm Leben weg! Die Jammervolle
Vorlage S. 551 51 Erfreut der Anblick alter Herrlichkeit,
Vorlage S. 551 52 Denn alles andre habt Ihr uns entrissen.
Vorlage S. 551 54 Es liegt in guter Hand. Gewissenhaft
Vorlage S. 551 55 Wird es zu seiner Zeit zurückgegeben!
Vorlage S. 551 57 Wer sieht es diesen kahlen Wänden an,
Vorlage S. 551 58 Dass eine Königin hier wohnt? Wo ist
Vorlage S. 551 59 Die Himmeldecke über ihrem Sitz?
Vorlage S. 551 60 Muss sie den zärtlich weichgewöhnten Fuß
Vorlage S. 551 61 Nicht auf gemeinen rauhen Boden setzen?
Vorlage S. 551 62 Mit grobem Zinn, die schlechtste Edelfrau
Vorlage S. 551 63 Würd es verschmähn, bedient man ihre Tafel.
Vorlage S. 551 65 So speiste sie zu Sterlyn ihren Gatten,
Vorlage S. 551 66 Da sie aus Gold mit ihrem Buhlen trank.
Vorlage S. 551 68 Sogar des Spiegels kleine Notdurft mangelt.
Vorlage S. 551 70 Solang sie noch ihr eitles Bild beschaut,
Vorlage S. 551 71 Hört sie nicht auf, zu hoffen und zu wagen.
Vorlage S. 551 73 An Büchern fehlts, den Geist zu unterhalten.
Vorlage S. 551 75 Die Bibel ließ man ihr, das Herz zu bessern.
Vorlage S. 551 77 Selbst ihre Laute ward ihr weggenommen.
Vorlage S. 551 79 Weil sie verbuhlte Lieder drauf gespielt.
Vorlage S. 551 81 Ist das ein Schicksal für die Weicherzogne,
Vorlage S. 551 82 Die in der Wiege Königin schon war,
Vorlage S. 551 83 Am üppgen Hof der Mediceerin
Vorlage S. 551 84 In jeder Freuden Fülle aufgewachsen.
Vorlage S. 551 85 Es sei genug, dass man die Macht ihr nahm,
Vorlage S. 551 86 Muss man die armen Flitter ihr mißgönnen?
Vorlage S. 551 87 In großes Unglück lehrt ein edles Herz
Vorlage S. 551 88 Sich endlich finden, aber wehe tuts,
Vorlage S. 551 89 Des Lebens kleine Zierden zu entbehren.
Vorlage S. 552 91 Sie wenden nur das Herz dem Eitlen zu,
Vorlage S. 552 92 Das in sich gehen und bereuen soll.
Vorlage S. 552 93 Ein üppig lastervolles Leben büßt sich
Vorlage S. 552 94 In Mangel und Erniedrigung allein.
Vorlage S. 552 96 Wenn ihre zarte Jugend sich verging,
Vorlage S. 552 97 Mag sies mit Gott abtun und ihrem Herzen,
Vorlage S. 552 98 In England ist kein Richter über sie.
Vorlage S. 552 100 Sie wird gerichtet, wo sie frevelte.
Vorlage S. 552 101 KENNEDY.
Vorlage S. 552 102 Zum Freveln fesseln sie zu enge Bande.
Vorlage S. 552 104 Doch wusste sie aus diesen engen Banden
Vorlage S. 552 105 Den Arm zu strecken in die Welt, die Fackel
Vorlage S. 552 106 Des Bürgerkrieges in das Reich zu schleudern,
Vorlage S. 552 107 Und gegen unsre Königin, die Gott
Vorlage S. 552 108 Erhalte! Meuchelrotten zu bewaffnen.
Vorlage S. 552 109 Erregte sie aus diesen Mauern nicht
Vorlage S. 552 110 Den Böswicht Parry und den Babington
Vorlage S. 552 111 Zu der verfluchten Tat des Königsmords?
Vorlage S. 552 112 Hielt dieses Eisengitter sie zurück,
Vorlage S. 552 113 Das edle Herz des Norfolk zu umstricken?
Vorlage S. 552 114 Für sie geopfert fiel das beste Haupt
Vorlage S. 552 115 Auf dieser Insel unterm Henkerbeil –
Vorlage S. 552 116 Und schreckte dieses jammervolle Beispiel
Vorlage S. 552 117 Die Rasenden zurück, die sich wetteifernd
Vorlage S. 552 118 Um ihrentwillen in den Abgrund stürzen?
Vorlage S. 552 119 Die Blutgerüste füllen sich für sie
Vorlage S. 552 120 Mit immer neuen Todesopfern an,
Vorlage S. 552 121 Und das wird nimmer enden, bis sie selbst,
Vorlage S. 552 122 Die Schuldigste, darauf geopfert ist.
Vorlage S. 552 123 – O Fluch dem Tag, da dieses Landes Küste
Vorlage S. 552 124 Gastfreundlich diese Helena empfing.
Vorlage S. 552 125 KENNEDY.
Vorlage S. 552 126 Gastfreundlich hätte England sie empfangen?
Vorlage S. 552 127 Die Unglückselige, die seit dem Tag,
Vorlage S. 552 128 Da sie den Fuß gesetzt in dieses Land,
Vorlage S. 552 129 Als eine Hilfeflehende, Vertriebne
Vorlage S. 552 130 Bei der Verwandten Schutz zu suchen kam,
Vorlage S. 552 131 Sich wider Völkerrecht und Königswürde
Vorlage S. 553 132 Gefangen sieht, in enger Kerkerhaft
Vorlage S. 553 133 Der Jugend schöne Jahre muss vertrauern. –
Vorlage S. 553 134 Die jetzt, nachdem sie alles hat erfahren,
Vorlage S. 553 135 Was das Gefängnis Bittres hat, gemeinen
Vorlage S. 553 136 Verbrechern gleich, vor des Gerichtes Schranken
Vorlage S. 553 137 Gefodert wird und schimpflich angeklagt
Vorlage S. 553 138 Auf Leib und Leben – eine Königin!
Vorlage S. 553 140 Sie kam ins Land als eine Mörderin,
Vorlage S. 553 141 Verjagt von ihrem Volk, des Throns entsetzt,
Vorlage S. 553 142 Den sie mit schwerer Greueltat geschändet.
Vorlage S. 553 143 Verschworen kam sie gegen Englands Glück,
Vorlage S. 553 144 Der spanischen Maria blutge Zeiten
Vorlage S. 553 145 Zurückzubringen, Engelland katholisch
Vorlage S. 553 146 Zu machen, an den Franzmann zu verraten.
Vorlage S. 553 147 Warum verschmähte sies, den Edinburger
Vorlage S. 553 148 Vertrag zu unterschreiben, ihren Anspruch
Vorlage S. 553 149 An England aufzugeben, und den Weg
Vorlage S. 553 150 Aus diesem Kerker schnell sich aufzutun
Vorlage S. 553 151 Mit einem Federstrich? Sie wollte lieber
Vorlage S. 553 152 Gefangen bleiben, sich mißhandelt sehn,
Vorlage S. 553 153 Als dieses Titels leerem Prunk entsagen.
Vorlage S. 553 154 Weswegen tat sie das? Weil sie den Ränken
Vorlage S. 553 155 Vertraut, den bösen Künsten der Verschwörung,
Vorlage S. 553 156 Und unheilspinnend diese ganze Insel
Vorlage S. 553 157 Aus ihrem Kerker zu erobern hofft.
Vorlage S. 553 158 KENNEDY.
Vorlage S. 553 159 Ihr spottet, Sir – Zur Härte fügt Ihr noch
Vorlage S. 553 160 Den bittern Hohn! Sie hegte solche Träume,
Vorlage S. 553 161 Die hier lebendig eingemauert lebt,
Vorlage S. 553 162 Zu der kein Schall des Trostes, keine Stimme
Vorlage S. 553 163 Der Freundschaft aus der lieben Heimat dringt,
Vorlage S. 553 164 Die längst kein Menschenangesicht mehr schaute,
Vorlage S. 553 165 Als ihrer Kerkermeister finstre Stirn,
Vorlage S. 553 166 Die erst seit kurzem einen neuen Wächter
Vorlage S. 553 167 Erhielt in Eurem rauhen Anverwandten,
Vorlage S. 553 168 Von neuen Stäben sich umgittert sieht –
Vorlage S. 553 170 Kein Eisengitter schützt vor ihrer List.
Vorlage S. 554 171 Weiß ich, ob diese Stäbe nicht durchfeilt,
Vorlage S. 554 172 Nicht dieses Zimmers Boden, diese Wände,
Vorlage S. 554 173 Von außen fest, nicht hohl von innen sind,
Vorlage S. 554 174 Und den Verrat einlassen, wenn ich schlafe?
Vorlage S. 554 175 Fluchvolles Amt, das mir geworden ist,
Vorlage S. 554 176 Die unheilbrütend Listige zu hüten.
Vorlage S. 554 177 Vom Schlummer jagt die Furcht mich auf, ich gehe
Vorlage S. 554 178 Nachts um, wie ein gequälter Geist, erprobe
Vorlage S. 554 179 Des Schlosses Riegel und der Wächter Treu,
Vorlage S. 554 180 Und sehe zitternd jeden Morgen kommen,
Vorlage S. 554 181 Der meine Furcht wahrmachen kann. Doch wohl mir!
Vorlage S. 554 182 Wohl! Es ist Hoffnung, dass es bald nun endet.
Vorlage S. 554 183 Denn lieber möcht ich der Verdammten Schar
Vorlage S. 554 184 Wachstehend an der Höllenpforte hüten,
Vorlage S. 554 185 Als diese ränkevolle Königin!
Vorlage S. 554 186 KENNEDY.
Vorlage S. 554 187 Da kommt sie selbst!
Vorlage S. 554 189 Den Christus in der Hand,
Vorlage S. 554 190 Die Hoffart und die Weltlust in dem Herzen.
Vorlage S. 554 191 Zweiter Auftritt
Vorlage S. 554 192 Maria im Schleier, ein Kruzifix in der Hand. Die Vorigen.
Vorlage S. 554 194 ihr entgegeneilend.
Vorlage S. 554 195 O Königin! Man tritt uns ganz mit Füßen,
Vorlage S. 554 196 Der Tyrannei, der Härte wird kein Ziel,
Vorlage S. 554 197 Und jeder neue Tag häuft neue Leiden
Vorlage S. 554 198 Und Schmach auf dein gekröntes Haupt.
Vorlage S. 554 200 Faß dich!
Vorlage S. 554 201 Sag an, was neu geschehen ist?
Vorlage S. 554 202 KENNEDY.
Vorlage S. 554 203 Sieh her!
Vorlage S. 554 204 Dein Pult ist aufgebrochen, deine Schriften,
Vorlage S. 554 205 Dein einzger Schatz, den wir mit Müh gerettet,
Vorlage S. 554 206 Der letzte Rest von deinem Brautgeschmeide
Vorlage S. 554 207 Aus Frankreich ist in seiner Hand. Du hast nun
Vorlage S. 554 208 Nichts Königliches mehr, bist ganz beraubt.
Vorlage S. 555 210 Beruhige dich, Hanna. Diese Flitter machen
Vorlage S. 555 211 Die Königin nicht aus. Man kann uns niedrig
Vorlage S. 555 212 Behandeln, nicht erniedrigen. Ich habe
Vorlage S. 555 213 In England mich an viel gewöhnen lernen,
Vorlage S. 555 214 Ich kann auch das verschmerzen. Sir, Ihr habt Euch
Vorlage S. 555 215 Gewaltsam zugeeignet, was ich Euch
Vorlage S. 555 216 Noch heut zu übergeben willens war.
Vorlage S. 555 217 Bei diesen Schriften findet sich ein Brief,
Vorlage S. 555 218 Bestimmt für meine königliche Schwester
Vorlage S. 555 219 Von England – Gebt mir Euer Wort, dass Ihr
Vorlage S. 555 220 Ihn redlich an sie selbst wollt übergeben,
Vorlage S. 555 221 Und nicht in Burleighs ungetreue Hand.
Vorlage S. 555 223 Ich werde mich bedenken, was zu tun ist.
Vorlage S. 555 225 Ihr sollt den Inhalt wissen, Sir. Ich bitte
Vorlage S. 555 226 In diesem Brief um eine große Gunst –
Vorlage S. 555 227 – Um eine Unterredung mit ihr selbst,
Vorlage S. 555 228 Die ich mit Augen nie gesehn – Man hat mich
Vorlage S. 555 229 Vor ein Gericht von Männern vorgefodert,
Vorlage S. 555 230 Die ich als meinesgleichen nicht erkennen,
Vorlage S. 555 231 Zu denen ich kein Herz mir fassen kann
Vorlage S. 555 232 Elisabeth ist meines Stammes, meines
Vorlage S. 555 233 Geschlechts und Ranges – Ihr allein, der Schwester,
Vorlage S. 555 234 Der Königin, der Frau kann ich mich öffnen.
Vorlage S. 555 236 Sehr oft, Mylady, habt Ihr Euer Schicksal
Vorlage S. 555 237 Und Eure Ehre Männern anvertraut,
Vorlage S. 555 238 Die Eurer Achtung minder würdig waren.
Vorlage S. 555 240 Ich bitte noch um eine zweite Gunst,
Vorlage S. 555 241 Unmenschlichkeit allein kann mir sie weigern.
Vorlage S. 555 242 Schon lange Zeit entbehr ich im Gefängnis
Vorlage S. 555 243 Der Kirche Trost, der Sakramente Wohltat,
Vorlage S. 555 244 Und die mir Kron und Freiheit hat geraubt,
Vorlage S. 555 245 Die meinem Leben selber droht, wird mir
Vorlage S. 555 246 Die Himmelstüre nicht verschließen wollen.
Vorlage S. 555 248 Auf Euren Wunsch wird der Dechant des Orts –
Vorlage S. 555 250 unterbricht ihn lebhaft.
Vorlage S. 556 251 Ich will nichts vom Dechanten. Einen Priester
Vorlage S. 556 252 Von meiner eignen Kirche fodre ich.
Vorlage S. 556 253 – Auch Schreiber und Notarien verlang ich,
Vorlage S. 556 254 Um meinen letzten Willen aufzusetzen.
Vorlage S. 556 255 Der Gram, das lange Kerkerelend nagt
Vorlage S. 556 256 An meinem Leben. Meine Tage sind
Vorlage S. 556 257 Gezählt, befürcht ich, und ich achte mich
Vorlage S. 556 258 Gleich einer Sterbenden.
Vorlage S. 556 260 Da tut Ihr wohl,
Vorlage S. 556 261 Das sind Betrachtungen, die Euch geziemen.
Vorlage S. 556 263 Und weiß ich, ob nicht eine schnelle Hand
Vorlage S. 556 264 Des Kummers langsames Geschäft beschleunigt?
Vorlage S. 556 265 Ich will mein Testament aufsetzen, will
Vorlage S. 556 266 Verfügung treffen über das, was mein ist.
Vorlage S. 556 268 Die Freiheit habt Ihr. Englands Königin
Vorlage S. 556 269 Will sich mit Eurem Raube nicht bereichern.
Vorlage S. 556 271 Man hat von meinen treuen Kammerfrauen,
Vorlage S. 556 272 Von meinen Dienern mich getrennt – Wo sind sie?
Vorlage S. 556 273 Was ist ihr Schicksal? Ihrer Dienste kann ich
Vorlage S. 556 274 Entraten, doch beruhigt will ich sein,
Vorlage S. 556 275 Dass die Getreun nicht leiden und entbehren.
Vorlage S. 556 277 Für Eure Diener ist gesorgt.
Vorlage S. 556 278 Er will gehen.
Vorlage S. 556 280 Ihr geht, Sir? Ihr verlasst mich abermals,
Vorlage S. 556 281 Und ohne mein geängstigt fürchtend Herz
Vorlage S. 556 282 Der Qual der Ungewissheit zu entladen.
Vorlage S. 556 283 Ich bin, dank Eurer Späher Wachsamkeit,
Vorlage S. 556 284 Von aller Welt geschieden, keine Kunde
Vorlage S. 556 285 Gelangt zu mir durch diese Kerkermauern,
Vorlage S. 556 286 Mein Schicksal liegt in meiner Feinde Hand.
Vorlage S. 556 287 Ein peinlich langer Monat ist vorüber,
Vorlage S. 556 288 Seitdem die vierzig Kommissarien
Vorlage S. 556 289 In diesem Schloß mich überfallen, Schranken
Vorlage S. 556 290 Errichtet, schnell, mit unanständiger Eile,
Vorlage S. 556 291 Mich unbereitet, ohne Anwalts Hülfe,
Vorlage S. 556 292 Vor ein noch nie erhört Gericht gestellt,
Vorlage S. 556 293 Auf schlaugefaßte schwere Klagepunkte
Vorlage S. 556 294 Mich, die Betäubte, Überraschte, flugs
Vorlage S. 557 295 Aus dem Gedächtnis Rede stehen lassen –
Vorlage S. 557 296 Wie Geister kamen sie und schwanden wieder.
Vorlage S. 557 297 Seit diesem Tage schweigt mir jeder Mund,
Vorlage S. 557 298 Ich such umsonst in Eurem Blick zu lesen,
Vorlage S. 557 299 Ob meine Unschuld, meiner Freunde Eifer,
Vorlage S. 557 300 Ob meiner Feinde böser Rat gesiegt.
Vorlage S. 557 301 Brecht endlich Euer Schweigen – lasst mich wissen,
Vorlage S. 557 302 Was ich zu fürchten, was zu hoffen habe.
Vorlage S. 557 304 nach einer Pause.
Vorlage S. 557 305 Schließt Eure Rechnung mit dem Himmel ab.
Vorlage S. 557 307 Ich hoff auf seine Gnade, Sir – und hoffe
Vorlage S. 557 308 Auf strenges Recht von meinen irdschen Richtern.
Vorlage S. 557 310 Recht soll Euch werden. Zweifelt nicht daran.
Vorlage S. 557 312 Ist mein Prozess entschieden, Sir?
Vorlage S. 557 314 Ich weiß nicht.
Vorlage S. 557 316 Bin ich verurteilt?
Vorlage S. 557 318 Ich weiß nichts, Mylady.
Vorlage S. 557 320 Man liebt hier rasch zu Werk zu gehn. Soll mich
Vorlage S. 557 321 Der Mörder überfallen wie die Richter?
Vorlage S. 557 323 Denkt immerhin, es sei so, und er wird Euch
Vorlage S. 557 324 In beßrer Fassung dann als diese finden.
Vorlage S. 557 326 Nichts soll mich in Erstaunen setzen, Sir,
Vorlage S. 557 327 Was ein Gerichtshof in Westminsterhall,
Vorlage S. 557 328 Den Burleighs Haß und Hattons Eifer lenkt,
Vorlage S. 557 329 Zu urteln sich erdreiste – Weiß ich doch,
Vorlage S. 557 330 Was Englands Königin wagen darf zu tun.
Vorlage S. 557 332 Englands Beherrscher brauchen nichts zu scheuen,
Vorlage S. 557 333 Als ihr Gewissen und ihr Parlament.
Vorlage S. 557 334 Was die Gerechtigkeit gesprochen, furchtlos,
Vorlage S. 557 335 Vor aller Welt wird es die Macht vollziehn.
Vorlage S. 557 336 Dritter Auftritt
Vorlage S. 558 337 Die Vorigen. Mortimer, Paulets Neffe, tritt herein und ohne der Königin einige Aufmerksamkeit zu bezeugen, zu Paulet.
Vorlage S. 558 338 MORTIMER.
Vorlage S. 558 339 Man sucht Euch, Oheim.
Vorlage S. 558 340 Er entfernt sich auf ebendie Weise. Die Königin bemerkt es mit Unwillen und wendet sich zu Paulet, der ihm folgen will.
Vorlage S. 558 342 Sir, noch eine Bitte.
Vorlage S. 558 343 Wenn Ihr mir was zu sagen habt – von Euch
Vorlage S. 558 344 Ertrag ich viel, ich ehre Euer Alter.
Vorlage S. 558 345 Den Übermut des Jünglings trag ich nicht,
Vorlage S. 558 346 Spart mir den Anblick seiner rohen Sitten.
Vorlage S. 558 348 Was ihn Euch widrig macht, macht mir ihn wert.
Vorlage S. 558 349 Wohl ist es keiner von den weichen Toren,
Vorlage S. 558 Kontextbild zum Werk. Porträt · Schiller, Friedrich · Ludovike Simanowiz · Public domain Bildquelle ↗ 350 Die eine falsche Weiberträne schmelzt –
Vorlage S. 558 351 Er ist gereist, kommt aus Paris und Reims,
Vorlage S. 558 352 Und bringt sein treu altenglisch Herz zurück,
Vorlage S. 558 353 Lady, an dem ist Eure Kunst verloren!
Vorlage S. 558 354 Geht ab.
Vorlage S. 558 355 Vierter Auftritt
Vorlage S. 558 356 Maria. Kennedy.
Vorlage S. 558 357 KENNEDY.
Vorlage S. 558 358 Darf Euch der Rohe das ins Antlitz sagen!
Vorlage S. 558 359 O es ist hart!
Vorlage S. 558 361 in Nachdenken verloren.
Vorlage S. 558 362 Wir haben in den Tagen unsers Glanzes
Vorlage S. 558 363 Dem Schmeichler ein zu willig Ohr geliehn,
Vorlage S. 558 364 Gerecht ists, gute Kennedy, dass wir
Vorlage S. 558 365 Des Vorwurfs ernste Stimme nun vernehmen.
Vorlage S. 558 366 KENNEDY.
Vorlage S. 558 367 Wie? so gebeugt, so mutlos, teure Lady?
Vorlage S. 558 368 Wart Ihr doch sonst so froh, Ihr pflegtet mich zu trösten,
Vorlage S. 558 369 Und eher musst ich Euren Flattersinn
Vorlage S. 558 370 Als Eure Schwermut schelten.
Vorlage S. 558 372 Ich erkenn ihn.
Vorlage S. 558 373 Es ist der blutge Schatten König Darnleys,
Vorlage S. 558 374 Der zürnend aus dem Gruftgewölbe steigt,
Vorlage S. 558 375 Und er wird nimmer Friede mit mir machen,
Vorlage S. 559 376 Bis meines Unglücks Maß erfüllet ist.
Vorlage S. 559 377 KENNEDY.
Vorlage S. 559 378 Was für Gedanken –
Vorlage S. 559 380 Du vergissest, Hanna –
Vorlage S. 559 381 Ich aber habe ein getreu Gedächtnis –
Vorlage S. 559 382 Der Jahrstag dieser unglückseligen Tat
Vorlage S. 559 383 Ist heute abermals zurückgekehrt,
Vorlage S. 559 384 Er ists, den ich mit Buß und Fasten feire.
Vorlage S. 559 385 KENNEDY.
Vorlage S. 559 386 Schickt endlich diesen bösen Geist zur Ruh.
Vorlage S. 559 387 Ihr habt die Tat mit jahrelanger Reu,
Vorlage S. 559 388 Mit schweren Leidensproben abgebüßt.
Vorlage S. 559 389 Die Kirche, die den Löseschlüssel hat
Vorlage S. 559 390 Für jede Schuld, der Himmel hat vergeben.
Vorlage S. 559 392 Frischblutend steigt die längst vergebne Schuld
Vorlage S. 559 393 Aus ihrem leichtbedeckten Grab empor!
Vorlage S. 559 394 Des Gatten rachefoderndes Gespenst
Vorlage S. 559 395 Schickt keines Messedieners Glocke, kein
Vorlage S. 559 396 Hochwürdiges in Priestershand zur Gruft.
Vorlage S. 559 397 KENNEDY.
Vorlage S. 559 398 Nicht Ihr habt ihn gemordet! Andre tatens!
Vorlage S. 559 400 Ich wusste drum. Ich ließ die Tat geschehn,
Vorlage S. 559 401 Und lockt ihn schmeichelnd in das Todesnetz.
Vorlage S. 559 402 KENNEDY.
Vorlage S. 559 403 Die Jugend mildert Eure Schuld. Ihr wart
Vorlage S. 559 404 So zarten Alters noch.
Vorlage S. 559 406 So zart, und lud
Vorlage S. 559 407 Die schwere Schuld auf mein so junges Leben.
Vorlage S. 559 408 KENNEDY.
Vorlage S. 559 409 Ihr wart durch blutige Beleidigung
Vorlage S. 559 410 Gereizt und durch des Mannes Übermut,
Vorlage S. 559 411 Den Eure Liebe aus der Dunkelheit
Vorlage S. 559 412 Wie eine Götterhand hervorgezogen,
Vorlage S. 559 413 Den Ihr durch Euer Brautgemach zum Throne
Vorlage S. 559 414 Geführt, mit Eurer blühenden Person
Vorlage S. 559 415 Beglückt und Eurer angestammten Krone.
Vorlage S. 559 416 Konnt er vergessen, dass sein prangend Los
Vorlage S. 559 417 Der Liebe großmutsvolle Schöpfung war?
Vorlage S. 559 418 Und doch vergaß ers, der Unwürdige!
Vorlage S. 559 419 Beleidigte mit niedrigem Verdacht,
Vorlage S. 559 420 Mit rohen Sitten Eure Zärtlichkeit,
Vorlage S. 560 421 Und widerwärtig wurd er Euren Augen.
Vorlage S. 560 422 Der Zauber schwand, der Euren Blick getäuscht,
Vorlage S. 560 423 Ihr floht erzürnt des Schändlichen Umarmung
Vorlage S. 560 424 Und gabt ihn der Verachtung preis – Und er –
Vorlage S. 560 425 Versucht' ers, Eure Gunst zurückzurufen?
Vorlage S. 560 426 Bat er um Gnade? Warf er sich bereuend
Vorlage S. 560 427 Zu Euren Füßen, Besserung versprechend?
Vorlage S. 560 428 Trotz bot Euch der Abscheuliche – Der Euer
Vorlage S. 560 429 Geschöpf war, Euren König wollt er spielen,
Vorlage S. 560 430 Vor Euren Augen ließ er Euch den Liebling,
Vorlage S. 560 431 Den schönen Sänger Rizzio durchbohren –
Vorlage S. 560 432 Ihr rächtet blutig nur die blutge Tat.
Vorlage S. 560 434 Und blutig wird sie auch an mir sich rächen,
Vorlage S. 560 435 Du sprichst mein Urteil aus, da du mich tröstest.
Vorlage S. 560 436 KENNEDY.
Vorlage S. 560 437 Da Ihr die Tat geschehn ließt, wart Ihr nicht
Vorlage S. 560 438 Ihr selbst, gehörtet Euch nicht selbst. Ergriffen
Vorlage S. 560 439 Hatt Euch der Wahnsinn blinder Liebesglut,
Vorlage S. 560 440 Euch unterjocht dem furchtbaren Verführer,
Vorlage S. 560 441 Dem unglückselgen Bothwell – Über Euch
Vorlage S. 560 442 Mit übermütgem Männerwillen herrschte
Vorlage S. 560 443 Der Schreckliche, der Euch durch Zaubertränke,
Vorlage S. 560 444 Durch Höllenkünste das Gemüt verwirrend
Vorlage S. 560 445 Erhitzte –
Vorlage S. 560 447 Seine Künste waren keine andre,
Vorlage S. 560 448 Als seine Männerkraft und meine Schwachheit.
Vorlage S. 560 449 KENNEDY.
Vorlage S. 560 450 Nein, sag ich. Alle Geister der Verdammnis
Vorlage S. 560 451 Musst er zu Hülfe rufen, der dies Band
Vorlage S. 560 452 Um Eure hellen Sinne wob. Ihr hattet
Vorlage S. 560 453 Kein Ohr mehr für der Freundin Warnungsstimme,
Vorlage S. 560 454 Kein Aug für das, was wohlanständig war.
Vorlage S. 560 455 Verlassen hatte Euch die zarte Scheu
Vorlage S. 560 456 Der Menschen, Eure Wangen, sonst der Sitz
Vorlage S. 560 457 Schamhaft errötender Bescheidenheit,
Vorlage S. 560 458 Sie glühten nur vom Feuer des Verlangens.
Vorlage S. 560 459 Ihr warft den Schleier des Geheimnisses
Vorlage S. 560 460 Von Euch, des Mannes keckes Laster hatte
Vorlage S. 561 461 Auch Eure Blödigkeit besiegt, Ihr stelltet
Vorlage S. 561 462 Mit dreister Stirne Eure Schmach zur Schau.
Vorlage S. 561 463 Ihr ließt das königliche Schwert von Schottland
Vorlage S. 561 464 Durch ihn, den Mörder, dem des Volkes Flüche
Vorlage S. 561 465 Nachschallten, durch die Gassen Edinburgs,
Vorlage S. 561 466 Vor Euch hertragen im Triumph, umringtet
Vorlage S. 561 467 Mit Waffen Euer Parlament, und hier,
Vorlage S. 561 468 Im eignen Tempel der Gerechtigkeit,
Vorlage S. 561 469 Zwangt Ihr mit frechem Possenspiel die Richter,
Vorlage S. 561 470 Den Schuldigen des Mordes loszusprechen –
Vorlage S. 561 471 Ihr gingt noch weiter – Gott!
Vorlage S. 561 473 Vollende nur!
Vorlage S. 561 474 Und reicht ihm meine Hand vor dem Altare!
Vorlage S. 561 475 KENNEDY.
Vorlage S. 561 476 O lasst ein ewig Schweigen diese Tat
Vorlage S. 561 477 Bedecken! Sie ist schauderhaft, empörend,
Vorlage S. 561 478 Ist einer ganz Verlornen wert – Doch Ihr seid keine
Vorlage S. 561 479 Verlorne – ich kenn Euch ja, ich bins,
Vorlage S. 561 480 Die Eure Kindheit auferzogen. Weich
Vorlage S. 561 481 Ist Euer Herz gebildet, offen ists
Vorlage S. 561 482 Der Scham – der Leichtsinn nur ist Euer Laster.
Vorlage S. 561 483 Ich wiederhol es, es gibt böse Geister,
Vorlage S. 561 484 Die in des Menschen unverwahrter Brust
Vorlage S. 561 485 Sich augenblicklich ihren Wohnplatz nehmen,
Vorlage S. 561 486 Die schnell in uns das Schreckliche begehn
Vorlage S. 561 487 Und zu der Höll entfliehend das Entsetzen
Vorlage S. 561 488 In dem befleckten Busen hinterlassen.
Vorlage S. 561 489 Seit dieser Tat, die Euer Leben schwärzt,
Vorlage S. 561 490 Habt Ihr nichts Lasterhaftes mehr begangen,
Vorlage S. 561 491 Ich bin ein Zeuge Eurer Besserung.
Vorlage S. 561 492 Drum fasset Mut! Macht Friede mit Euch selbst!
Vorlage S. 561 493 Was Ihr auch zu bereuen habt, in England
Vorlage S. 561 494 Seid Ihr nicht schuldig, nicht Elisabeth,
Vorlage S. 561 495 Nicht Englands Parlament ist Euer Richter.
Vorlage S. 561 496 Macht ists, die Euch hier unterdrückt, vor diesen
Vorlage S. 561 497 Anmaßlichen Gerichtshof dürft Ihr Euch
Vorlage S. 561 498 Hinstellen mit dem ganzen Mut der Unschuld.
Vorlage S. 562 500 Wer kommt?
Vorlage S. 562 501 Mortimer zeigt sich an der Türe.
Vorlage S. 562 502 KENNEDY.
Vorlage S. 562 503 Es ist der Neffe. Geht hinein.
Vorlage S. 562 504 Fünfter Auftritt
Vorlage S. 562 505 Die Vorigen. Mortimer scheu hereintretend.
Vorlage S. 562 506 MORTIMER
Vorlage S. 562 507 zur Amme.
Vorlage S. 562 508 Entfernt Euch, haltet Wache vor der Tür,
Vorlage S. 562 509 Ich habe mit der Königin zu reden.
Vorlage S. 562 511 mit Ansehn.
Vorlage S. 562 512 Hanna, du bleibst.
Vorlage S. 562 513 MORTIMER.
Vorlage S. 562 514 Habt keine Furcht, Mylady. Lernt mich kennen.
Vorlage S. 562 515 Er überreicht ihr eine Karte.
Vorlage S. 562 517 sieht sie an und fährt bestürzt zurück.
Vorlage S. 562 518 Ha! Was ist das?
Vorlage S. 562 519 MORTIMER
Vorlage S. 562 520 zur Amme.
Vorlage S. 562 521 Geht, Dame Kennedy.
Vorlage S. 562 522 Sorgt, dass mein Oheim uns nicht überfalle!
Vorlage S. 562 524 zur Amme, welche zaudert und die Königin fragend ansieht.
Vorlage S. 562 525 Geh! Geh! Tu was er sagt.
Vorlage S. 562 526 Die Amme entfernt sich mit Zeichen der Verwunderung.
Vorlage S. 562 527 Sechster Auftritt
Vorlage S. 562 528 Mortimer. Maria.
Vorlage S. 562 530 Von meinem Oheim!
Vorlage S. 562 531 Dem Kardinal von Lothringen aus Frankreich!
Vorlage S. 562 533 »Traut dem Sir Mortimer, der Euch dies bringt,
Vorlage S. 562 534 Denn keinen treuern Freund habt Ihr in England.«
Vorlage S. 562 535 Mortimern mit Erstaunen ansehend.
Vorlage S. 562 536 Ists möglich? Ists kein Blendwerk, das mich täuscht?
Vorlage S. 562 537 So nahe find ich einen Freund und wähnte mich
Vorlage S. 562 538 Verlassen schon von aller Welt – find ihn
Vorlage S. 562 539 In Euch, dem Neffen meines Kerkermeisters,
Vorlage S. 562 540 In dem ich meinen schlimmsten Feind –
Vorlage S. 562 541 MORTIMER
Vorlage S. 562 542 sich ihr zu Füßen werfend.
Vorlage S. 562 543 Verzeihung
Vorlage S. 562 544 Für diese verhaßte Larve, Königin,
Vorlage S. 562 545 Die mir zu tragen Kampf genug gekostet,
Vorlage S. 563 546 Doch der ichs danke, dass ich mich Euch nahen,
Vorlage S. 563 547 Euch Hülfe und Errettung bringen kann.
Vorlage S. 563 549 Steht auf – Ihr überrascht mich, Sir – Ich kann
Vorlage S. 563 550 So schnell nicht aus der Tiefe meines Elends
Vorlage S. 563 551 Zur Hoffnung übergehen – Redet, Sir –
Vorlage S. 563 552 Macht mir dies Glück begreiflich, dass ichs glaube.
Vorlage S. 563 553 MORTIMER
Vorlage S. 563 554 steht auf.
Vorlage S. 563 555 Die Zeit verrinnt. Bald wird mein Oheim hier sein,
Vorlage S. 563 556 Und ein verhaßter Mensch begleitet ihn.
Vorlage S. 563 557 Eh Euch ihr Schreckensauftrag überrascht,
Vorlage S. 563 558 Hört an, wie Euch der Himmel Rettung schickt.
Vorlage S. 563 560 Er schickt sie durch ein Wunder seiner Allmacht!
Vorlage S. 563 561 MORTIMER.
Vorlage S. 563 562 Erlaubt, dass ich von mir beginne.
Vorlage S. 563 564 Redet, Sir!
Vorlage S. 563 565 MORTIMER.
Vorlage S. 563 566 Ich zählte zwanzig Jahre, Königin,
Vorlage S. 563 567 In strengen Pflichten war ich aufgewachsen,
Vorlage S. 563 568 In finsterm Haß des Papsttums aufgesäugt,
Vorlage S. 563 569 Als mich die unbezwingliche Begierde
Vorlage S. 563 570 Hinaustrieb auf das feste Land. Ich ließ
Vorlage S. 563 571 Der Puritaner dumpfe Predigtstuben,
Vorlage S. 563 572 Die Heimat hinter mir, in schnellem Lauf
Vorlage S. 563 573 Durchzog ich Frankreich, das gepriesene
Vorlage S. 563 574 Italien mit heißem Wunsche suchend.
Vorlage S. 563 575 Es war die Zeit des großen Kirchenfests,
Vorlage S. 563 576 Von Pilgerscharen wimmelten die Wege,
Vorlage S. 563 577 Bekränzt war jedes Gottesbild, es war,
Vorlage S. 563 578 Als ob die Menschheit auf der Wandrung wäre,
Vorlage S. 563 579 Wallfahrend nach dem Himmelreich – Mich selbst
Vorlage S. 563 580 Ergriff der Strom der glaubenvollen Menge,
Vorlage S. 563 581 Und riss mich in das Weichbild Roms –
Vorlage S. 563 582 Wie ward mir, Königin!
Vorlage S. 563 583 Als mir der Säulen Pracht und Siegesbogen
Vorlage S. 563 584 Entgegenstieg, des Kolosseums Herrlichkeit
Vorlage S. 563 585 Den Staunenden umfing, ein hoher Bildnergeist
Vorlage S. 564 586 In seine heitre Wunderwelt mich schloss!
Vorlage S. 564 587 Ich hatte nie der Künste Macht gefühlt,
Vorlage S. 564 588 Es haßt die Kirche, die mich auferzog,
Vorlage S. 564 589 Der Sinne Reiz, kein Abbild duldet sie,
Vorlage S. 564 590 Allein das körperlose Wort verehrend.
Vorlage S. 564 591 Wie wurde mir, als ich ins Innre nun
Vorlage S. 564 592 Der Kirchen trat, und die Musik der Himmel
Vorlage S. 564 593 Herunterstieg, und der Gestalten Fülle
Vorlage S. 564 594 Verschwenderisch aus Wand und Decke quoll,
Vorlage S. 564 595 Das Herrlichste und Höchste, gegenwärtig,
Vorlage S. 564 596 Vor den entzückten Sinnen sich bewegte,
Vorlage S. 564 597 Als ich sie selbst nun sah, die Göttlichen,
Vorlage S. 564 598 Den Gruß des Engels, die Geburt des Herrn,
Vorlage S. 564 599 Die heilge Mutter, die herabgestiegne
Vorlage S. 564 600 Dreifaltigkeit, die leuchtende Verklärung –
Vorlage S. 564 601 Als ich den Papst drauf sah in seiner Pracht
Vorlage S. 564 602 Das Hochamt halten und die Völker segnen.
Vorlage S. 564 603 O was ist Goldes, was Juwelen Schein,
Vorlage S. 564 604 Womit der Erde Könige sich schmücken!
Vorlage S. 564 605 Nur Er ist mit dem Göttlichen umgeben.
Vorlage S. 564 606 Ein wahrhaft Reich der Himmel ist sein Haus,
Vorlage S. 564 607 Denn nicht von dieser Welt sind diese Formen.
Vorlage S. 564 609 O schonet mein! Nicht weiter. Höret auf,
Vorlage S. 564 610 Den frischen Lebensteppich vor mir aus
Vorlage S. 564 611 Zubreiten – Ich bin elend und gefangen.
Vorlage S. 564 612 MORTIMER.
Vorlage S. 564 613 Auch ich wars, Königin! und mein Gefängnis
Vorlage S. 564 614 Sprang auf und frei auf einmal fühlte sich
Vorlage S. 564 615 Der Geist, des Lebens schönen Tag begrüßend.
Vorlage S. 564 616 Haß schwur ich nun dem engen dumpfen Buch,
Vorlage S. 564 617 Mit frischem Kranz die Schläfe mir zu schmücken,
Vorlage S. 564 618 Mich fröhlich an die Fröhlichen zu schließen.
Vorlage S. 564 619 Viel edle Schotten drängten sich an mich
Vorlage S. 564 620 Und der Franzosen muntre Landsmannschaften.
Vorlage S. 564 621 Sie brachten mich zu Eurem edeln Oheim,
Vorlage S. 564 622 Dem Kardinal von Guise – Welch ein Mann!
Vorlage S. 564 623 Wie sicher, klar und männlich groß! – Wie ganz
Vorlage S. 565 624 Geboren, um die Geister zu regieren!
Vorlage S. 565 625 Das Muster eines königlichen Priesters,
Vorlage S. 565 626 Ein Fürst der Kirche, wie ich keinen sah!
Vorlage S. 565 628 Ihr habt sein teures Angesicht gesehn,
Vorlage S. 565 629 Des vielgeliebten, des erhabnen Mannes,
Vorlage S. 565 630 Der meiner zarten Jugend Führer war.
Vorlage S. 565 631 O redet mir von ihm. Denkt er noch mein?
Vorlage S. 565 632 Liebt ihn das Glück, blüht ihm das Leben noch,
Vorlage S. 565 633 Steht er noch herrlich da, ein Fels der Kirche?
Vorlage S. 565 634 MORTIMER.
Vorlage S. 565 635 Der Treffliche ließ selber sich herab,
Vorlage S. 565 636 Die hohen Glaubenslehren mir zu deuten,
Vorlage S. 565 637 Und meines Herzens Zweifel zu zerstreun.
Vorlage S. 565 638 Er zeigte mir, dass grübelnde Vernunft
Vorlage S. 565 639 Den Menschen ewig in der Irre leitet,
Vorlage S. 565 640 Dass seine Augen sehen müssen, was
Vorlage S. 565 641 Das Herz soll glauben, dass ein sichtbar Haupt
Vorlage S. 565 642 Der Kirche nottut, dass der Geist der Wahrheit
Vorlage S. 565 643 Geruht hat auf den Sitzungen der Väter.
Vorlage S. 565 644 Die Wahnbegriffe meiner kindschen Seele,
Vorlage S. 565 645 Wie schwanden sie vor seinem siegenden
Vorlage S. 565 646 Verstand und vor der Suada seines Mundes!
Vorlage S. 565 647 Ich kehrte in der Kirche Schoß zurück,
Vorlage S. 565 648 Schwur meinen Irrtum ab in seine Hände.
Vorlage S. 565 650 So seid Ihr einer jener Tausende,
Vorlage S. 565 651 Die er mit seiner Rede Himmelskraft
Vorlage S. 565 652 Wie der erhabne Prediger des Berges
Vorlage S. 565 653 Ergriffen und zum ewgen Heil geführt!
Vorlage S. 565 654 MORTIMER.
Vorlage S. 565 655 Als ihn des Amtes Pflichten bald darauf
Vorlage S. 565 656 Nach Frankreich riefen, sandt er mich nach Reims,
Vorlage S. 565 657 Wo die Gesellschaft Jesu, fromm geschäftig,
Vorlage S. 565 658 Für Englands Kirche Priester auferzieht.
Vorlage S. 565 659 Den edeln Schotten Morgan fand ich hier,
Vorlage S. 565 660 Auch Euren treuen Leßley, den gelehrten
Vorlage S. 565 661 Bischof von Roße, die auf Frankreichs Boden
Vorlage S. 565 662 Freudlose Tage der Verbannung leben –
Vorlage S. 565 663 Eng schloss ich mich an diese Würdigen,
Vorlage S. 566 664 Und stärkte mich im Glauben – Eines Tags,
Vorlage S. 566 665 Als ich mich umsah in des Bischofs Wohnung,
Vorlage S. 566 666 Fiel mir ein weiblich Bildnis in die Augen,
Vorlage S. 566 667 Von rührend wundersamem Reiz, gewaltig
Vorlage S. 566 668 Ergriff es mich in meiner tiefsten Seele,
Vorlage S. 566 669 Und des Gefühls nicht mächtig stand ich da.
Vorlage S. 566 670 Da sagte mir der Bischof: Wohl mit Recht
Vorlage S. 566 671 Mögt Ihr gerührt bei diesem Bilde weilen.
Vorlage S. 566 672 Die schönste aller Frauen, welche leben,
Vorlage S. 566 673 Ist auch die jammernswürdigste von allen,
Vorlage S. 566 674 Um unsers Glaubens willen duldet sie,
Vorlage S. 566 675 Und Euer Vaterland ists, wo sie leidet.
Vorlage S. 566 677 Der Redliche! Nein, ich verlor nicht alles,
Vorlage S. 566 678 Da solcher Freund im Unglück mir geblieben.
Vorlage S. 566 679 MORTIMER.
Vorlage S. 566 680 Drauf fing er an, mit herzerschütternder
Vorlage S. 566 681 Beredsamkeit mir Euer Märtyrtum
Vorlage S. 566 682 Und Eurer Feinde Blutgier abzuschildern.
Vorlage S. 566 683 Auch Euern Stammbaum wies er mir, er zeigte
Vorlage S. 566 684 Mir Eure Abkunft von dem hohen Hause
Vorlage S. 566 685 Der Tudor, überzeugte mich, dass Euch
Vorlage S. 566 686 Allein gebührt in Engelland zu herrschen,
Vorlage S. 566 687 Nicht dieser Afterkönigin, gezeugt
Vorlage S. 566 688 In ehebrecherischem Bett, die Heinrich,
Vorlage S. 566 689 Ihr Vater, selbst verwarf als Bastardtochter.
Vorlage S. 566 690 Nicht seinem einzgen Zeugnis wollt ich traun,
Vorlage S. 566 691 Ich holte Rat bei allen Rechtsgelehrten,
Vorlage S. 566 692 Viel alte Wappenbücher schlug ich nach,
Vorlage S. 566 693 Und alle Kundige, die ich befragte,
Vorlage S. 566 694 Bestätigten mir Eures Anspruchs Kraft.
Vorlage S. 566 695 Ich weiß nunmehr, dass Euer gutes Recht
Vorlage S. 566 696 An England Euer ganzes Unrecht ist,
Vorlage S. 566 697 Dass Euch dies Reich als Eigentum gehört,
Vorlage S. 566 Kontextbild zum Werk. Briefleserin in Blau · Johannes Vermeer · Public domain Bildquelle ↗ 698 Worin Ihr schuldlos als Gefangne schmachtet.
Vorlage S. 566 700 O dieses unglücksvolle Recht! Es ist
Vorlage S. 566 701 Die einzge Quelle aller meiner Leiden.
Vorlage S. 566 702 MORTIMER.
Vorlage S. 567 703 Um diese Zeit kam mir die Kunde zu,
Vorlage S. 567 704 Dass Ihr aus Talbots Schloß hinweggeführt,
Vorlage S. 567 705 Und meinem Oheim übergeben worden –
Vorlage S. 567 706 Des Himmels wundervolle Rettungshand
Vorlage S. 567 707 Glaubt ich in dieser Fügung zu erkennen,
Vorlage S. 567 708 Ein lauter Ruf des Schicksals war sie mir,
Vorlage S. 567 709 Das meinen Arm gewählt, Euch zu befreien.
Vorlage S. 567 710 Die Freunde stimmen freudig bei, es gibt
Vorlage S. 567 711 Der Kardinal mir seinen Rat und Segen,
Vorlage S. 567 712 Und lehrt mich der Verstellung schwere Kunst.
Vorlage S. 567 713 Schnell ward der Plan entworfen, und ich trete
Vorlage S. 567 714 Den Rückzug an ins Vaterland, wo ich,
Vorlage S. 567 715 Ihr wißts, vor zehen Tagen bin gelandet.
Vorlage S. 567 716 Er hält inne.
Vorlage S. 567 717 Ich sah Euch, Königin – Euch selbst!
Vorlage S. 567 718 Nicht Euer Bild! – O welchen Schatz bewahrt
Vorlage S. 567 719 Dies Schloß! Kein Kerker! Eine Götterhalle,
Vorlage S. 567 720 Glanzvoller als der königliche Hof
Vorlage S. 567 721 Von England – O des Glücklichen, dem es
Vorlage S. 567 722 Vergönnt ist, eine Luft mit Euch zu atmen!
Vorlage S. 567 723 Wohl hat sie recht, die Euch so tief verbirgt!
Vorlage S. 567 724 Aufstehen würde Englands ganze Jugend,
Vorlage S. 567 725 Kein Schwert in seiner Scheide müßig bleiben,
Vorlage S. 567 726 Und die Empörung mit gigantischem Haupt
Vorlage S. 567 727 Durch diese Friedensinsel schreiten, sähe
Vorlage S. 567 728 Der Brite seine Königin!
Vorlage S. 567 730 Wohl ihr!
Vorlage S. 567 731 Säh jeder Brite sie mit Euren Augen!
Vorlage S. 567 732 MORTIMER.
Vorlage S. 567 733 Wär er, wie ich, ein Zeuge Eurer Leiden,
Vorlage S. 567 734 Der Sanftmut Zeuge und der edlen Fassung,
Vorlage S. 567 735 Womit Ihr das Unwürdige erduldet.
Vorlage S. 567 736 Denn geht Ihr nicht aus allen Leidensproben
Vorlage S. 567 737 Als eine Königin hervor? Raubt Euch
Vorlage S. 567 738 Des Kerkers Schmach von Eurem Schönheitsglanze?
Vorlage S. 567 739 Euch mangelt alles, was das Leben schmückt,
Vorlage S. 567 740 Und doch umfließt Euch ewig Licht und Leben.
Vorlage S. 568 741 Nie setz ich meinen Fuß auf diese Schwelle,
Vorlage S. 568 742 Dass nicht mein Herz zerrissen wird von Qualen,
Vorlage S. 568 743 Nicht von der Lust entzückt, Euch anzuschauen! –
Vorlage S. 568 744 Doch furchtbar naht sich die Entscheidung, wachsend
Vorlage S. 568 745 Mit jeder Stunde dringet die Gefahr,
Vorlage S. 568 746 Ich darf nicht länger säumen – Euch nicht länger
Vorlage S. 568 747 Das Schreckliche verbergen –
Vorlage S. 568 749 Ist mein Urteil
Vorlage S. 568 750 Gefällt? Entdeckt mirs frei. Ich kann es hören.
Vorlage S. 568 751 MORTIMER.
Vorlage S. 568 752 Es ist gefällt. Die zweiundvierzig Richter haben
Vorlage S. 568 753 Ihr Schuldig ausgesprochen über Euch. Das Haus
Vorlage S. 568 754 Der Lords und der Gemeinen, die Stadt London
Vorlage S. 568 755 Bestehen heftig dringend auf des Urteils
Vorlage S. 568 756 Vollstreckung, nur die Königin säumt noch,
Vorlage S. 568 757 – Aus arger List, dass man sie nötige,
Vorlage S. 568 758 Nicht aus Gefühl der Menschlichkeit und Schonung.
Vorlage S. 568 760 mit Fassung.
Vorlage S. 568 761 Sir Mortimer, Ihr überrascht mich nicht,
Vorlage S. 568 762 Erschreckt mich nicht. Auf solche Botschaft war ich
Vorlage S. 568 763 Schon längst gefasst. Ich kenne meine Richter.
Vorlage S. 568 764 Nach den Mißhandlungen, die ich erlitten,
Vorlage S. 568 765 Begreif ich wohl, dass man die Freiheit mir
Vorlage S. 568 766 Nicht schenken kann – Ich weiß, wo man hinauswill.
Vorlage S. 568 767 In ewgem Kerker will man mich bewahren,
Vorlage S. 568 768 Und meine Rache, meinen Rechtsanspruch
Vorlage S. 568 769 Mit mir verscharren in Gefängnisnacht.
Vorlage S. 568 770 MORTIMER.
Vorlage S. 568 771 Nein, Königin – o nein! nein! Dabei steht man
Vorlage S. 568 772 Nicht still. Die Tyrannei begnügt sich nicht,
Vorlage S. 568 773 Ihr Werk nur halb zu tun. Solang Ihr lebt,
Vorlage S. 568 774 Lebt auch die Furcht der Königin von England.
Vorlage S. 568 775 Euch kann kein Kerker tief genug begraben,
Vorlage S. 568 776 Nur Euer Tod versichert ihren Thron.
Vorlage S. 568 778 Sie könnt es wagen, mein gekröntes Haupt
Vorlage S. 568 779 Schmachvoll auf einen Henkerblock zu legen?
Vorlage S. 568 780 MORTIMER.
Vorlage S. 568 781 Sie wird es wagen. Zweifelt nicht daran.
Vorlage S. 568 783 Sie könnte so die eigne Majestät
Vorlage S. 569 784 Und aller Könige im Staube wälzen?
Vorlage S. 569 785 Und fürchtet sie die Rache Frankreichs nicht?
Vorlage S. 569 786 MORTIMER.
Vorlage S. 569 787 Sie schließt mit Frankreich einen ewgen Frieden,
Vorlage S. 569 788 Dem Duc von Anjou schenkt sie Thron und Hand.
Vorlage S. 569 790 Wird sich der König Spaniens nicht waffnen?
Vorlage S. 569 791 MORTIMER.
Vorlage S. 569 792 Nicht eine Welt in Waffen fürchtet sie,
Vorlage S. 569 793 Solang sie Frieden hat mit ihrem Volke.
Vorlage S. 569 795 Den Briten wollte sie dies Schauspiel geben?
Vorlage S. 569 796 MORTIMER.
Vorlage S. 569 797 Dies Land, Mylady, hat in letzten Zeiten
Vorlage S. 569 798 Der königlichen Frauen mehr vom Thron
Vorlage S. 569 799 Herab aufs Blutgerüste steigen sehn.
Vorlage S. 569 800 Die eigne Mutter der Elisabeth
Vorlage S. 569 801 Ging diesen Weg, und Katharina Howard,
Vorlage S. 569 802 Auch Lady Gray war ein gekröntes Haupt.
Vorlage S. 569 804 nach einer Pause.
Vorlage S. 569 805 Nein, Mortimer! Euch blendet eitle Furcht.
Vorlage S. 569 806 Es ist die Sorge Eures treuen Herzens,
Vorlage S. 569 807 Die Euch vergebne Schrecknisse erschafft.
Vorlage S. 569 808 Nicht das Schafott ists, das ich fürchte, Sir.
Vorlage S. 569 809 Es gibt noch andre Mittel, stillere,
Vorlage S. 569 810 Wodurch sich die Beherrscherin von England
Vorlage S. 569 811 Vor meinem Anspruch Ruhe schaffen kann.
Vorlage S. 569 812 Eh sich ein Henker für mich findet, wird
Vorlage S. 569 813 Noch eher sich ein Mörder dingen lassen.
Vorlage S. 569 814 – Das ists, wovor ich zittre, Sir! und nie
Vorlage S. 569 815 Setz ich des Bechers Rand an meine Lippen,
Vorlage S. 569 816 Dass nicht ein Schauder mich ergreift, er könnte
Vorlage S. 569 817 Kredenzt sein von der Liebe meiner Schwester.
Vorlage S. 569 818 MORTIMER.
Vorlage S. 569 819 Nicht offenbar noch heimlich solls dem Mord
Vorlage S. 569 820 Gelingen, Euer Leben anzutasten.
Vorlage S. 569 821 Seid ohne Furcht! Bereitet ist schon alles,
Vorlage S. 569 822 Zwölf edle Jünglinge des Landes sind
Vorlage S. 569 823 In meinem Bündnis, haben heute früh
Vorlage S. 569 824 Das Sakrament darauf empfangen, Euch
Vorlage S. 569 825 Mit starkem Arm aus diesem Schloß zu führen.
Vorlage S. 569 826 Graf Aubespine, der Abgesandte Frankreichs,
Vorlage S. 569 827 Weiß um den Bund, er bietet selbst die Hände,
Vorlage S. 569 828 Und sein Palast ists, wo wir uns versammeln.
Vorlage S. 570 830 Ihr macht mich zittern, Sir – doch nicht für Freude.
Vorlage S. 570 831 Mir fliegt ein böses Ahnden durch das Herz.
Vorlage S. 570 832 Was unternehmt ihr? Wisst ihrs? Schrecken euch
Vorlage S. 570 833 Nicht Babingtons, nicht Tichburns blutge Häupter,
Vorlage S. 570 834 Auf Londons Brücke warnend aufgereckt,
Vorlage S. 570 835 Nicht das Verderben der Unzähligen,
Vorlage S. 570 836 Die ihren Tod in gleichem Wagstück fanden,
Vorlage S. 570 837 Und meine Ketten schwerer nur gemacht?
Vorlage S. 570 838 Unglücklicher, verführter Jüngling – flieht!
Vorlage S. 570 839 Flieht, wenns noch Zeit ist – wenn der Späher Burleigh
Vorlage S. 570 840 Nicht jetzt schon Kundschaft hat von euch, nicht schon
Vorlage S. 570 841 In eure Mitte den Verräter mischte.
Vorlage S. 570 842 Flieht aus dem Reiche schnell! Marien Stuart
Vorlage S. 570 843 Hat noch kein Glücklicher beschützt.
Vorlage S. 570 844 MORTIMER.
Vorlage S. 570 845 Mich schrecken
Vorlage S. 570 846 Nicht Babingtons, nicht Tichburns blutge Häupter,
Vorlage S. 570 847 Auf Londons Brücke warnend aufgesteckt,
Vorlage S. 570 848 Nicht das Verderben der unzählgen andern,
Vorlage S. 570 849 Die ihren Tod in gleichem Wagstück fanden,
Vorlage S. 570 850 Sie fanden auch darin den ewgen Ruhm,
Vorlage S. 570 851 Und Glück schon ists, für Eure Rettung sterben.
Vorlage S. 570 853 Umsonst! Mich rettet nicht Gewalt, nicht List.
Vorlage S. 570 854 Der Feind ist wachsam und die Macht ist sein.
Vorlage S. 570 855 Nicht Paulet nur und seiner Wächter Schar,
Vorlage S. 570 856 Ganz England hütet meines Kerkers Tore.
Vorlage S. 570 857 Der freie Wille der Elisabeth allein
Vorlage S. 570 858 Kann sie mir auftun.
Vorlage S. 570 859 MORTIMER.
Vorlage S. 570 860 O das hoffet nie!
Vorlage S. 570 862 Ein einzger Mann lebt, der sie öffnen kann.
Vorlage S. 570 863 MORTIMER.
Vorlage S. 570 864 O nennt mir diesen Mann –
Vorlage S. 570 866 Graf Leicester.
Vorlage S. 570 867 MORTIMER
Vorlage S. 570 868 tritt erstaunt zurück.
Vorlage S. 570 869 Leicester!
Vorlage S. 570 870 Graf Leicester! – Euer blutigster Verfolger,
Vorlage S. 570 871 Der Günstling der Elisabeth – von diesem –
Vorlage S. 570 873 Bin ich zu retten, ists allein durch ihn.
Vorlage S. 571 874 – Geht zu ihm. Öffnet Euch ihm frei.
Vorlage S. 571 875 Und zur Gewähr, dass ichs bin, die Euch sendet,
Vorlage S. 571 876 Bringt ihm dies Schreiben. Es enthält mein Bildnis.
Vorlage S. 571 877 Sie zieht ein Papier aus dem Busen, Mortimer tritt zurück und zögert, es anzunehmen.
Vorlage S. 571 878 Nehmt hin. Ich trag es lange schon bei mir,
Vorlage S. 571 879 Weil Eures Oheims strenge Wachsamkeit
Vorlage S. 571 880 Mir jeden Weg zu ihm gehemmt – Euch sandte
Vorlage S. 571 881 Mein guter Engel –
Vorlage S. 571 882 MORTIMER.
Vorlage S. 571 883 Königin – dies Rätsel –
Vorlage S. 571 884 Erklärt es mir –
Vorlage S. 571 886 Graf Leicester wirds Euch lösen.
Vorlage S. 571 887 Vertraut ihm, er wird Euch vertraun – Wer kommt?
Vorlage S. 571 889 eilfertig eintretend.
Vorlage S. 571 890 Sir Paulet naht mit einem Herrn vom Hofe.
Vorlage S. 571 891 MORTIMER.
Vorlage S. 571 892 Es ist Lord Burleigh. Fasst Euch, Königin!
Vorlage S. 571 893 Hört es mit Gleichmut an, was er Euch bringt.
Vorlage S. 571 894 Er entfernt sich durch eine Seitentür, Kennedy folgt ihm.
Vorlage S. 571 895 Siebenter Auftritt
Vorlage S. 571 896 Maria. Lord Burleigh, Großschatzmeister von England, und Ritter Paulet.
Vorlage S. 571 898 Ihr wünschtet heut Gewissheit Eures Schicksals,
Vorlage S. 571 899 Gewissheit bringt Euch Seine Herrlichkeit,
Vorlage S. 571 900 Mylord von Burleigh. Tragt sie mit Ergebung.
Vorlage S. 571 902 Mit Würde, hoff ich, die der Unschuld ziemt.
Vorlage S. 571 903 BURLEIGH.
Vorlage S. 571 904 Ich komme als Gesandter des Gerichts.
Vorlage S. 571 906 Lord Burleigh leiht dienstfertig dem Gerichte,
Vorlage S. 571 907 Dem er den Geist geliehn, nun auch den Mund.
Vorlage S. 571 909 Ihr sprecht, als wüsstet Ihr bereits das Urteil.
Vorlage S. 571 911 Da es Lord Burleigh bringt, so weiß ich es.
Vorlage S. 571 912 – Zur Sache, Sir.
Vorlage S. 571 913 BURLEIGH.
Vorlage S. 571 914 Ihr habt Euch dem Gericht
Vorlage S. 571 915 Der Zweiundvierzig unterworfen, Lady
Vorlage S. 571 917 Verzeiht, Mylord, dass ich Euch gleich zu Anfang
Vorlage S. 572 918 Ins Wort muss fallen – Unterworfen hätt ich mich
Vorlage S. 572 919 Dem Richterspruch der Zweiundvierzig, sagt Ihr?
Vorlage S. 572 920 Ich habe keineswegs mich unterworfen.
Vorlage S. 572 921 Nie konnt ich das – ich konnte meinem Rang,
Vorlage S. 572 922 Der Würde meines Volks und meines Sohnes
Vorlage S. 572 923 Und aller Fürsten nicht so viel vergeben.
Vorlage S. 572 924 Verordnet ist im englischen Gesetz,
Vorlage S. 572 925 Dass jeder Angeklagte durch Geschworne
Vorlage S. 572 926 Von seinesgleichen soll gerichtet werden.
Vorlage S. 572 927 Wer in der Committee ist meinesgleichen?
Vorlage S. 572 928 Nur Könige sind meine Peers.
Vorlage S. 572 929 BURLEIGH.
Vorlage S. 572 930 Ihr hörtet
Vorlage S. 572 931 Die Klagartikel an, ließt Euch darüber
Vorlage S. 572 932 Vernehmen vor Gerichte –
Vorlage S. 572 934 Ja, ich habe mich
Vorlage S. 572 935 Durch Hattons arge List verleiten lassen,
Vorlage S. 572 936 Bloß meiner Ehre wegen, und im Glauben
Vorlage S. 572 937 An meiner Gründe siegende Gewalt,
Vorlage S. 572 938 Ein Ohr zu leihen jenen Klagepunkten
Vorlage S. 572 939 Und ihren Ungrund darzutun – Das tat ich
Vorlage S. 572 940 Aus Achtung für die würdigen Personen
Vorlage S. 572 941 Der Lords, nicht für ihr Amt, das ich verwerfe.
Vorlage S. 572 942 BURLEIGH.
Vorlage S. 572 943 Ob Ihr sie anerkennt, ob nicht, Mylady,
Vorlage S. 572 944 Das ist nur eine leere Förmlichkeit,
Vorlage S. 572 945 Die des Gerichtes Lauf nicht hemmen kann.
Vorlage S. 572 946 Ihr atmet Englands Luft, genießt den Schutz,
Vorlage S. 572 947 Die Wohltat des Gesetzes, und so seid Ihr
Vorlage S. 572 948 Auch seiner Herrschaft untertan!
Vorlage S. 572 950 Ich atme
Vorlage S. 572 951 Die Luft in einem englischen Gefängnis.
Vorlage S. 572 952 Heißt das in England leben, der Gesetze
Vorlage S. 572 953 Wohltat genießen? Kenn ich sie doch kaum.
Vorlage S. 572 954 Nie hab ich eingewilligt, sie zu halten.
Vorlage S. 572 955 Ich bin nicht dieses Reiches Bürgerin,
Vorlage S. 572 956 Bin eine freie Königin des Auslands.
Vorlage S. 572 957 BURLEIGH.
Vorlage S. 573 958 Und denkt Ihr, dass der königliche Name
Vorlage S. 573 959 Zum Freibrief dienen könne, blutge Zwietracht
Vorlage S. 573 960 In fremdem Lande straflos auszusäen?
Vorlage S. 573 961 Wie stünd es um die Sicherheit der Staaten,
Vorlage S. 573 962 Wenn das gerechte Schwert der Themis nicht
Vorlage S. 573 963 Die schuldge Stirn des königlichen Gastes
Vorlage S. 573 964 Erreichen könnte, wie des Bettlers Haupt?
Vorlage S. 573 966 Ich will mich nicht der Rechenschaft entziehn,
Vorlage S. 573 967 Die Richter sind es nur, die ich verwerfe.
Vorlage S. 573 968 BURLEIGH.
Vorlage S. 573 969 Die Richter? Wie, Mylady? Sind es etwa
Vorlage S. 573 970 Vom Pöbel aufgegriffene Verworfne,
Vorlage S. 573 971 Schamlose Zungendrescher, denen Recht
Vorlage S. 573 972 Und Wahrheit feil ist, die sich zum Organ
Vorlage S. 573 973 Der Unterdrückung willig dingen lassen?
Vorlage S. 573 974 Sinds nicht die ersten Männer dieses Landes,
Vorlage S. 573 975 Selbständig gnug, um wahrhaft sein zu dürfen,
Vorlage S. 573 976 Um über Fürstenfurcht und niedrige
Vorlage S. 573 977 Bestechung weit erhaben sich zu sehn?
Vorlage S. 573 978 Sinds nicht dieselben, die ein edles Volk
Vorlage S. 573 979 Frei und gerecht regieren, deren Namen
Vorlage S. 573 980 Man nur zu nennen braucht, um jeden Zweifel,
Vorlage S. 573 981 Um jeden Argwohn schleunig stummzumachen?
Vorlage S. 573 982 An ihrer Spitze steht der Völkerhirte,
Vorlage S. 573 983 Der fromme Primas von Canterbury,
Vorlage S. 573 984 Der weise Talbot, der des Siegels wahret,
Vorlage S. 573 985 Und Howard, der des Reiches Flotten führt.
Vorlage S. 573 986 Sagt! Konnte die Beherrscherin von England
Vorlage S. 573 987 Mehr tun, als aus der ganzen Monarchie
Vorlage S. 573 988 Die Edelsten auslesen und zu Richtern
Vorlage S. 573 989 In diesem königlichen Streit bestellen?
Vorlage S. 573 990 Und wärs zu denken, dass Parteienhaß
Vorlage S. 573 991 Den Einzelnen bestäche – Können vierzig
Vorlage S. 573 992 Erlesne Männer sich in einem Spruche
Vorlage S. 573 993 Der Leidenschaft vereinigen?
Vorlage S. 573 995 nach einigem Stillschweigen.
Vorlage S. 573 996 Ich höre staunend die Gewalt des Mundes,
Vorlage S. 573 997 Der mir von je so unheilbringend war –
Vorlage S. 573 998 Wie werd ich mich, ein ungelehrtes Weib,
Vorlage S. 574 999 Mit so kunstfertgem Redner messen können! –
Vorlage S. 574 1000 Wohl! wären diese Lords, wie Ihr sie schildert,
Vorlage S. 574 1001 Verstummen müsst ich, hoffnungslos verloren
Vorlage S. 574 1002 Wär meine Sache, sprächen sie mich schuldig.
Vorlage S. 574 1003 Doch diese Namen, die Ihr preisend nennt,
Vorlage S. 574 1004 Die mich durch ihr Gewicht zermalmen sollen,
Vorlage S. 574 1005 Mylord, ganz andere Rollen seh ich sie
Vorlage S. 574 1006 In den Geschichten dieses Landes spielen.
Vorlage S. 574 1007 Ich sehe diesen hohen Adel Englands,
Vorlage S. 574 1008 Des Reiches majestätischen Senat,
Vorlage S. 574 1009 Gleich Sklaven des Serails den Sultanslaunen
Vorlage S. 574 1010 Heinrichs des Achten, meines Großohms, schmeicheln –
Vorlage S. 574 1011 Ich sehe dieses edle Oberhaus,
Vorlage S. 574 1012 Gleich feil mit den erkäuflichen Gemeinen,
Vorlage S. 574 1013 Gesetze prägen und verrufen, Ehen
Vorlage S. 574 1014 Auflösen, binden, wie der Mächtige
Vorlage S. 574 1015 Gebietet, Englands Fürstentöchter heute
Vorlage S. 574 1016 Enterben, mit dem Bastardnamen schänden,
Vorlage S. 574 1017 Und morgen sie zu Königinnen krönen.
Vorlage S. 574 1018 Ich sehe diese würdgen Peers mit schnell
Vorlage S. 574 1019 Vertauschter Überzeugung unter vier
Vorlage S. 574 1020 Regierungen den Glauben viermal ändern –
Vorlage S. 574 1021 BURLEIGH.
Vorlage S. 574 1022 Ihr nennt Euch fremd in Englands Reichsgesetzen,
Vorlage S. 574 1023 In Englands Unglück seid Ihr sehr bewandert.
Vorlage S. 574 1025 Und das sind meine Richter! – Lord Schatzmeister!
Vorlage S. 574 1026 Ich will gerecht sein gegen Euch! Seid Ihrs
Vorlage S. 574 1027 Auch gegen mich – Man sagt, Ihr meint es gut
Vorlage S. 574 1028 Mit diesem Staat, mit Eurer Königin,
Vorlage S. 574 1029 Seid unbestechlich, wachsam, unermüdet –
Vorlage S. 574 1030 Ich will es glauben. Nicht der eigne Nutzen
Vorlage S. 574 1031 Regiert Euch, Euch regiert allein der Vorteil
Vorlage S. 574 1032 Des Souveräns, des Landes. Eben darum
Vorlage S. 574 1033 Misstraut Euch, edler Lord, dass nicht der Nutzen
Vorlage S. 574 1034 Des Staats Euch als Gerechtigkeit erscheine.
Vorlage S. 574 1035 Nicht zweifl ich dran, es sitzen neben Euch
Vorlage S. 574 1036 Noch edle Männer unter meinen Richtern.
Vorlage S. 575 1037 Doch sie sind Protestanten, Eiferer
Vorlage S. 575 1038 Für Englands Wohl, und sprechen über mich,
Vorlage S. 575 1039 Die Königin von Schottland, die Papistin!
Vorlage S. 575 1040 Es kann der Brite gegen den Schotten nicht
Vorlage S. 575 1041 Gerecht sein, ist ein uralt Wort – Drum ist
Vorlage S. 575 1042 Herkömmlich seit der Väter grauen Zeit,
Vorlage S. 575 1043 Dass vor Gericht kein Brite gegen den Schotten,
Vorlage S. 575 1044 Kein Schotte gegen jenen zeugen darf.
Vorlage S. 575 1045 Die Not gab dieses seltsame Gesetz,
Vorlage S. 575 Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗ 1046 Ein tiefer Sinn wohnt in den alten Bräuchen,
Vorlage S. 575 1047 Man muss sie ehren, Mylord – die Natur
Vorlage S. 575 1048 Warf diese beiden feurgen Völkerschaften
Vorlage S. 575 1049 Auf dieses Brett im Ozean, ungleich
Vorlage S. 575 1050 Verteilte sies, und hieß sie darum kämpfen.
Vorlage S. 575 1051 Der Tweede schmales Bette trennt allein
Vorlage S. 575 1052 Die heftgen Geister, oft vermischte sich
Vorlage S. 575 1053 Das Blut der Kämpfenden in ihren Wellen.
Vorlage S. 575 1054 Die Hand am Schwerte, schauen sie sich drohend
Vorlage S. 575 1055 Von beiden Ufern an, seit tausend Jahren.
Vorlage S. 575 1056 Kein Feind bedränget Engelland, dem nicht
Vorlage S. 575 1057 Der Schotte sich zum Helfer zugesellte,
Vorlage S. 575 1058 Kein Bürgerkrieg entzündet Schottlands Städte,
Vorlage S. 575 1059 Zu dem der Brite nicht den Zunder trug.
Vorlage S. 575 1060 Und nicht erlöschen wird der Haß, bis endlich
Vorlage S. 575 1061 Ein Parlament sie brüderlich vereint,
Vorlage S. 575 1062 Ein Szepter waltet durch die ganze Insel.
Vorlage S. 575 1063 BURLEIGH.
Vorlage S. 575 1064 Und eine Stuart sollte dieses Glück
Vorlage S. 575 1065 Dem Reich gewähren?
Vorlage S. 575 1067 Warum soll ichs leugnen?
Vorlage S. 575 1068 Ja ich gestehs, dass ich die Hoffnung nährte,
Vorlage S. 575 1069 Zwei edle Nationen unterm Schatten
Vorlage S. 575 1070 Des Ölbaums frei und fröhlich zu vereinen.
Vorlage S. 575 1071 Nicht ihres Völkerhasses Opfer glaubt ich
Vorlage S. 575 1072 Zu werden; ihre lange Eifersucht,
Vorlage S. 575 1073 Der alten Zwietracht unglückselge Glut
Vorlage S. 575 1074 Hofft ich auf ewge Tage zu ersticken,
Vorlage S. 576 1075 Und wie mein Ahnherr Richmond die zwei Rosen
Vorlage S. 576 1076 Zusammenband nach blutgem Streit, die Kronen
Vorlage S. 576 1077 Schottland und England friedlich zu vermählen.
Vorlage S. 576 1078 BURLEIGH.
Vorlage S. 576 1079 Auf schlimmem Weg verfolgtet Ihr dies Ziel,
Vorlage S. 576 1080 Da Ihr das Reich entzünden, durch die Flammen
Vorlage S. 576 1081 Des Bürgerkriegs zum Throne steigen wolltet.
Vorlage S. 576 1083 Das wollt ich nicht – beim großen Gott des Himmels!
Vorlage S. 576 1084 Wann hätt ich das gewollt? Wo sind die Proben?
Vorlage S. 576 1085 BURLEIGH.
Vorlage S. 576 1086 Nicht Streitens wegen kam ich her. Die Sache
Vorlage S. 576 1087 Ist keinem Wortgefecht mehr unterworfen.
Vorlage S. 576 1088 Es ist erkannt durch vierzig Stimmen gegen zwei,
Vorlage S. 576 1089 Dass Ihr die Akte vom vergangnen Jahr
Vorlage S. 576 1090 Gebrochen, dem Gesetz verfallen seid.
Vorlage S. 576 1091 Es ist verordnet im vergangnen Jahr:
Vorlage S. 576 1092 »Wenn sich Tumult im Königreich erhübe,
Vorlage S. 576 1093 Im Namen und zum Nutzen irgendeiner
Vorlage S. 576 1094 Person, die Rechte vorgibt an die Krone,
Vorlage S. 576 1095 Dass man gerichtlich gegen sie verfahre,
Vorlage S. 576 1096 Bis in den Tod die schuldige verfolge« –
Vorlage S. 576 1097 Und da bewiesen ist –
Vorlage S. 576 1099 Mylord von Burleigh!
Vorlage S. 576 1100 Ich zweifle nicht, dass ein Gesetz, ausdrücklich
Vorlage S. 576 1101 Auf mich gemacht, verfasst, mich zu verderben,
Vorlage S. 576 1102 Sich gegen mich wird brauchen lassen – Wehe
Vorlage S. 576 1103 Dem armen Opfer, wenn derselbe Mund,
Vorlage S. 576 1104 Der das Gesetz gab, auch das Urteil spricht!
Vorlage S. 576 1105 Könnt Ihr es leugnen, Lord, dass jene Akte
Vorlage S. 576 1106 Zu meinem Untergang ersonnen ist?
Vorlage S. 576 1107 BURLEIGH.
Vorlage S. 576 1108 Zu Eurer Warnung sollte sie gereichen,
Vorlage S. 576 1109 Zum Fallstrick habt Ihr selber sie gemacht.
Vorlage S. 576 1110 Den Abgrund saht Ihr, der vor Euch sich auftat,
Vorlage S. 576 1111 Und treugewarnet stürztet Ihr hinein.
Vorlage S. 576 1112 Ihr wart mit Babington, dem Hochverräter,
Vorlage S. 576 1113 Und seinen Mordgesellen einverstanden,
Vorlage S. 576 1114 Ihr hattet Wissenschaft von allem, lenktet
Vorlage S. 576 1115 Aus Eurem Kerker planvoll die Verschwörung.
Vorlage S. 577 1117 Wann hätt ich das getan? Man zeige mir
Vorlage S. 577 1118 Die Dokumente auf.
Vorlage S. 577 1119 BURLEIGH.
Vorlage S. 577 1120 Die hat man Euch
Vorlage S. 577 1121 Schon neulich vor Gerichte vorgewiesen.
Vorlage S. 577 1123 Die Kopien, von fremder Hand geschrieben!
Vorlage S. 577 1124 Man bringe die Beweise mir herbei,
Vorlage S. 577 1125 Dass ich sie selbst diktiert, dass ich sie so
Vorlage S. 577 1126 Diktiert, gerade so, wie man gelesen.
Vorlage S. 577 1127 BURLEIGH.
Vorlage S. 577 1128 Dass es dieselben sind, die er empfangen,
Vorlage S. 577 1129 Hat Babington vor seinem Tod bekannt.
Vorlage S. 577 1131 Und warum stellte man ihn mir nicht lebend
Vorlage S. 577 1132 Vor Augen? Warum eilte man so sehr,
Vorlage S. 577 1133 Ihn aus der Welt zu fördern, eh man ihn
Vorlage S. 577 1134 Mir, Stirne gegen Stirne, vorgeführt?
Vorlage S. 577 1135 BURLEIGH.
Vorlage S. 577 1136 Auch Eure Schreiber, Kurl und Nau, erhärten
Vorlage S. 577 1137 Mit einem Eid, dass es die Briefe seien,
Vorlage S. 577 1138 Die sie aus Eurem Munde niederschrieben.
Vorlage S. 577 1140 Und auf das Zeugnis meiner Hausbedienten
Vorlage S. 577 1141 Verdammt man mich? Auf Treu und Glauben derer,
Vorlage S. 577 1142 Die mich verraten, ihre Königin,
Vorlage S. 577 1143 Die in demselben Augenblick die Treu
Vorlage S. 577 1144 Mir brachen, da sie gegen mich gezeugt?
Vorlage S. 577 1145 BURLEIGH.
Vorlage S. 577 1146 Ihr selbst erklärtet sonst den Schotten Kurl
Vorlage S. 577 1147 Für einen Mann von Tugend und Gewissen.
Vorlage S. 577 1149 So kannt ich ihn – doch eines Mannes Tugend
Vorlage S. 577 1150 Erprobt allein die Stunde der Gefahr.
Vorlage S. 577 1151 Die Folter konnt ihn ängstigen, dass er
Vorlage S. 577 1152 Aussagte und gestand, was er nicht wusste!
Vorlage S. 577 1153 Durch falsches Zeugnis glaubt' er sich zu retten,
Vorlage S. 577 1154 Und mir, der Königin, nicht viel zu schaden.
Vorlage S. 577 1155 BURLEIGH.
Vorlage S. 577 1156 Mit einem freien Eid hat ers beschworen.
Vorlage S. 577 1158 Vor meinem Angesichte nicht! – Wie, Sir?
Vorlage S. 577 1159 Das sind zwei Zeugen, die noch beide leben!
Vorlage S. 577 1160 Man stelle sie mir gegenüber, lasse sie
Vorlage S. 577 1161 Ihr Zeugnis mir ins Antlitz wiederholen!
Vorlage S. 578 1162 Warum mir eine Gunst, ein Recht verweigern,
Vorlage S. 578 1163 Das man dem Mörder nicht versagt? Ich weiß
Vorlage S. 578 1164 Aus Talbots Munde, meines vorgen Hüters,
Vorlage S. 578 1165 Dass unter dieser nämlichen Regierung
Vorlage S. 578 1166 Ein Reichsschluß durchgegangen, der befiehlt,
Vorlage S. 578 1167 Den Kläger dem Beklagten vorzustellen.
Vorlage S. 578 1168 Wie? Oder hab ich falsch gehört? – Sir Paulet!
Vorlage S. 578 1169 Ich hab Euch stets als Biedermann erfunden,
Vorlage S. 578 1170 Beweist es jetzo. Sagt mir auf Gewissen,
Vorlage S. 578 1171 Ists nicht so? Gibts kein solch Gesetz in England?
Vorlage S. 578 1172 PAULET.
Vorlage S. 578 1173 So ists, Mylady. Das ist bei uns Rechtens.
Vorlage S. 578 1174 Was wahr ist, muss ich sagen.
Vorlage S. 578 1176 Nun, Mylord!
Vorlage S. 578 1177 Wenn man mich denn so streng nach englischem Recht
Vorlage S. 578 1178 Behandelt, wo dies Recht mich unterdrückt,
Vorlage S. 578 1179 Warum dasselbe Landesrecht umgehen,
Vorlage S. 578 1180 Wenn es mir Wohltat werden kann? – Antwortet!
Vorlage S. 578 1181 Warum ward Babington mir nicht vor Augen
Vorlage S. 578 1182 Gestellt, wie das Gesetz befiehlt? Warum
Vorlage S. 578 1183 Nicht meine Schreiber, die noch beide leben?
Vorlage S. 578 1184 BURLEIGH.
Vorlage S. 578 1185 Ereifert Euch nicht, Lady. Euer Einverständnis
Vorlage S. 578 1186 Mit Babington ists nicht allein
Vorlage S. 578 1188 Es ists
Vorlage S. 578 1189 Allein, was mich dem Schwerte des Gesetzes
Vorlage S. 578 1190 Bloßstellt, wovon ich mich zu reingen habe.
Vorlage S. 578 1191 Mylord! Bleibt bei der Sache. Beugt nicht aus.
Vorlage S. 578 1192 BURLEIGH.
Vorlage S. 578 1193 Es ist bewiesen, dass Ihr mit Mendoza,
Vorlage S. 578 1194 Dem spanischen Botschafter, unterhandelt –
Vorlage S. 578 1196 lebhaft.
Vorlage S. 578 1197 Bleibt bei der Sache, Lord!
Vorlage S. 578 1198 BURLEIGH.
Vorlage S. 578 1199 Dass Ihr Anschläge
Vorlage S. 578 1200 Geschmiedet, die Religion des Landes
Vorlage S. 578 1201 Zu stürzen, alle Könige Europens
Vorlage S. 578 1202 Zum Krieg mit England aufgeregt –
Vorlage S. 578 1204 Und wenn ichs
Vorlage S. 578 1205 Getan? Ich hab es nicht getan – Jedoch
Vorlage S. 578 1206 Gesetzt, ich tats! – Mylord, man hält mich hier
Vorlage S. 578 1207 Gefangen wider alle Völkerrechte.
Vorlage S. 579 1208 Nicht mit dem Schwerte kam ich in dies Land,
Vorlage S. 579 1209 Ich kam herein, als eine Bittende,
Vorlage S. 579 1210 Das heilge Gastrecht fodernd, in den Arm
Vorlage S. 579 1211 Der blutsverwandten Königin mich werfend –
Vorlage S. 579 1212 Und so ergriff mich die Gewalt, bereitete
Vorlage S. 579 1213 Mir Ketten, wo ich Schutz gehofft – Sagt an!
Vorlage S. 579 1214 Ist mein Gewissen gegen diesen Staat
Vorlage S. 579 1215 Gebunden? Hab ich Pflichten gegen England?
Vorlage S. 579 1216 Ein heilig Zwangsrecht üb ich aus, da ich
Vorlage S. 579 1217 Aus diesen Banden strebe, Macht mit Macht
Vorlage S. 579 1218 Abwende, alle Staaten dieses Weltteils
Vorlage S. 579 1219 Zu meinem Schutz aufrühre und bewege.
Vorlage S. 579 1220 Was irgend nur in einem guten Krieg
Vorlage S. 579 1221 Recht ist und ritterlich, das darf ich üben.
Vorlage S. 579 1222 Den Mord allein, die heimlich blutge Tat,
Vorlage S. 579 1223 Verbietet mir mein Stolz und mein Gewissen,
Vorlage S. 579 1224 Mord würde mich beflecken und entehren.
Vorlage S. 579 1225 Entehren sag ich – keinesweges mich
Vorlage S. 579 1226 Verdammen, einem Rechtsspruch unterwerfen.
Vorlage S. 579 1227 Denn nicht vom Rechte, von Gewalt allein
Vorlage S. 579 1228 Ist zwischen mir und Engelland die Rede.
Vorlage S. 579 1229 BURLEIGH
Vorlage S. 579 1230 bedeutend.
Vorlage S. 579 1231 Nicht auf der Stärke schrecklich Recht beruft Euch,
Vorlage S. 579 1232 Mylady! Es ist der Gefangenen nicht günstig.
Vorlage S. 579 1234 Ich bin die Schwache, sie die Mächtige – Wohl!
Vorlage S. 579 1235 Sie brauche die Gewalt, sie töte mich,
Vorlage S. 579 1236 Sie bringe ihrer Sicherheit das Opfer.
Vorlage S. 579 1237 Doch sie gestehe dann, dass sie die Macht
Vorlage S. 579 1238 Allein, nicht die Gerechtigkeit geübt.
Vorlage S. 579 1239 Nicht vom Gesetze borge sie das Schwert,
Vorlage S. 579 1240 Sich der verhaßten Feindin zu entladen,
Vorlage S. 579 1241 Und kleide nicht in heiliges Gewand
Vorlage S. 579 1242 Der rohen Stärke blutiges Erkühnen.
Vorlage S. 579 1243 Solch Gaukelspiel betrüge nicht die Welt!
Vorlage S. 579 1244 Ermorden lassen kann sie mich, nicht richten!
Vorlage S. 579 1245 Sie geb es auf, mit des Verbrechens Früchten
Vorlage S. 580 1246 Den heilgen Schein der Tugend zu vereinen,
Vorlage S. 580 1247 Und was sie ist, das wage sie zu scheinen!
Vorlage S. 580 1248 Sie geht ab.
Vorlage S. 580 1249 Achter Auftritt
Vorlage S. 580 1250 Burleigh. Paulet.
Vorlage S. 580 1251 BURLEIGH.
Vorlage S. 580 1252 Sie trotzt uns – wird uns trotzen, Ritter Paulet,
Vorlage S. 580 1253 Bis an die Stufen des Schafotts – Dies stolze Herz
Vorlage S. 580 1254 Ist nicht zu brechen – Überraschte sie
Vorlage S. 580 1255 Der Urtelspruch? Saht Ihr sie eine Träne
Vorlage S. 580 1256 Vergießen? Ihre Farbe nur verändern?
Vorlage S. 580 1257 Nicht unser Mitleid ruft sie an. Wohl kennt sie
Vorlage S. 580 1258 Den Zweifelmut der Königin von England,
Vorlage S. 580 1259 Und unsre Furcht ists, was sie mutig macht.
Vorlage S. 580 1260 PAULET.
Vorlage S. 580 1261 Lord Großschatzmeister! Dieser eitle Trotz wird schnell
Vorlage S. 580 1262 Verschwinden, wenn man ihm den Vorwand raubt.
Vorlage S. 580 1263 Es sind Unziemlichkeiten vorgegangen
Vorlage S. 580 1264 In diesem Rechtstreit, wenn ichs sagen darf.
Vorlage S. 580 1265 Man hätte diesen Babington und Tichburn
Vorlage S. 580 1266 Ihr in Person vorführen, ihre Schreiber
Vorlage S. 580 1267 Ihr gegenüberstellen sollen.
Vorlage S. 580 1268 BURLEIGH
Vorlage S. 580 1269 schnell.
Vorlage S. 580 1271 Nein, Ritter Paulet! Das war nicht zu wagen.
Vorlage S. 580 1272 Zu groß ist ihre Macht auf die Gemüter
Vorlage S. 580 1273 Und ihrer Tränen weibliche Gewalt.
Vorlage S. 580 1274 Ihr Schreiber Kurl, ständ er ihr gegenüber,
Vorlage S. 580 1275 Käm es dazu, das Wort nun auszusprechen,
Vorlage S. 580 1276 An dem ihr Leben hängt – er würde zaghaft
Vorlage S. 580 1277 Zurückziehn, sein Geständnis widerrufen –
Vorlage S. 580 1278 PAULET.
Vorlage S. 580 1279 So werden Englands Feinde alle Welt
Vorlage S. 580 1280 Erfüllen mit gehässigen Gerüchten,
Vorlage S. 580 1281 Und des Prozesses festliches Gepräng
Vorlage S. 580 1282 Wird als ein kühner Frevel nur erscheinen.
Vorlage S. 580 1283 BURLEIGH.
Vorlage S. 581 1284 Dies ist der Kummer unsrer Königin –
Vorlage S. 581 1285 Dass diese Stifterin des Unheils doch
Vorlage S. 581 1286 Gestorben wäre, ehe sie den Fuß
Vorlage S. 581 1287 Auf Englands Boden setzte!
Vorlage S. 581 1288 PAULET.
Vorlage S. 581 1289 Dazu sag ich Amen.
Vorlage S. 581 1290 BURLEIGH.
Vorlage S. 581 1291 Dass Krankheit sie im Kerker aufgerieben!
Vorlage S. 581 1292 PAULET.
Vorlage S. 581 1293 Viel Unglück hätt es diesem Land erspart.
Vorlage S. 581 1294 BURLEIGH.
Vorlage S. 581 1295 Doch hätt auch gleich ein Zufall der Natur
Vorlage S. 581 1296 Sie hingerafft – Wir hießen doch die Mörder.
Vorlage S. 581 1297 PAULET.
Vorlage S. 581 1298 Wohl wahr. Man kann den Menschen nicht verwehren,
Vorlage S. 581 1299 Zu denken, was sie wollen.
Vorlage S. 581 1300 BURLEIGH.
Vorlage S. 581 1301 Zu beweisen wärs
Vorlage S. 581 1302 Doch nicht, und würde weniger Geräusch erregen –
Vorlage S. 581 1303 PAULET.
Vorlage S. 581 1304 Mag es Geräusch erregen! Nicht der laute,
Vorlage S. 581 1305 Nur der gerechte Tadel kann verletzen.
Vorlage S. 581 1306 BURLEIGH.
Vorlage S. 581 1307 O! auch die heilige Gerechtigkeit
Vorlage S. 581 1308 Entflieht dem Tadel nicht. Die Meinung hält es
Vorlage S. 581 1309 Mit dem Unglücklichen, es wird der Neid
Vorlage S. 581 1310 Stets den obsiegend Glücklichen verfolgen.
Vorlage S. 581 1311 Das Richterschwert, womit der Mann sich ziert,
Vorlage S. 581 1312 Verhaßt ists in der Frauen Hand. Die Welt
Vorlage S. 581 1313 Glaubt nicht an die Gerechtigkeit des Weibes,
Vorlage S. 581 1314 Sobald ein Weib das Opfer wird. Umsonst,
Vorlage S. 581 1315 Dass wir, die Richter, nach Gewissen sprachen!
Vorlage S. 581 1316 Sie hat der Gnade königliches Recht.
Vorlage S. 581 1317 Sie muss es brauchen, unerträglich ists,
Vorlage S. 581 1318 Wenn sie den strengen Lauf lässt dem Gesetze!
Vorlage S. 581 1319 PAULET.
Vorlage S. 581 1320 Und also –
Vorlage S. 581 1321 BURLEIGH
Vorlage S. 581 1322 rasch einfallend.
Vorlage S. 581 1323 Also soll sie leben? Nein!
Vorlage S. 581 1324 Sie darf nicht leben! Nimmermehr! Dies, eben
Vorlage S. 581 1325 Dies ists, was unsre Königin beängstigt –
Vorlage S. 581 1326 Warum der Schlaf ihr Lager flieht – Ich lese
Vorlage S. 581 1327 In ihren Augen ihrer Seele Kampf,
Vorlage S. 581 1328 Ihr Mund wagt ihre Wünsche nicht zu sprechen,
Vorlage S. 581 1329 Doch vielbedeutend fragt ihr stummer Blick:
Vorlage S. 581 1330 Ist unter allen meinen Dienern keiner,
Vorlage S. 581 1331 Der die verhaßte Wahl mir spart, in ewger Furcht
Vorlage S. 582 1332 Auf meinem Thron zu zittern, oder grausam
Vorlage S. 582 1333 Die Königin, die eigne Blutsverwandte
Vorlage S. 582 1334 Dem Beil zu unterwerfen?
Vorlage S. 582 1335 PAULET.
Vorlage S. 582 1336 Das ist nun die Notwendigkeit, steht nicht zu ändern.
Vorlage S. 582 1337 BURLEIGH.
Vorlage S. 582 1338 Wohl stünds zu ändern, meint die Königin,
Vorlage S. 582 1339 Wenn sie nur aufmerksamre Diener hätte.
Vorlage S. 582 1340 PAULET.
Vorlage S. 582 1341 Aufmerksame!
Vorlage S. 582 1342 BURLEIGH.
Vorlage S. 582 1343 Die einen stummen Auftrag
Vorlage S. 582 1344 Zu deuten wissen.
Vorlage S. 582 1345 PAULET.
Vorlage S. 582 1346 Einen stummen Auftrag!
Vorlage S. 582 1347 BURLEIGH.
Vorlage S. 582 1348 Die, wenn man ihnen eine giftge Schlange
Vorlage S. 582 1349 Zu hüten gab, den anvertrauten Feind
Vorlage S. 582 1350 Nicht wie ein heilig teures Kleinod hüten.
Vorlage S. 582 1352 bedeutungsvoll.
Vorlage S. 582 1353 Ein hohes Kleinod ist der gute Name,
Vorlage S. 582 1354 Der unbescholtne Ruf der Königin,
Vorlage S. 582 1355 Den kann man nicht zu wohl bewachen, Sir!
Vorlage S. 582 1356 BURLEIGH.
Vorlage S. 582 1357 Als man die Lady von dem Shrewsbury
Vorlage S. 582 1358 Wegnahm und Ritter Paulets Hut vertraute,
Vorlage S. 582 1359 Da war die Meinung –
Vorlage S. 582 1360 PAULET.
Vorlage S. 582 1361 Ich will hoffen, Sir,
Vorlage S. 582 1362 Die Meinung war, dass man den schwersten Auftrag
Vorlage S. 582 1363 Den reinsten Händen übergeben wollte.
Vorlage S. 582 1364 Bei Gott! Ich hätte dieses Schergenamt
Vorlage S. 582 1365 Nicht übernommen, dächt ich nicht, dass es
Vorlage S. 582 1366 Den besten Mann in England foderte.
Vorlage S. 582 1367 Lasst mich nicht denken, dass ichs etwas anderm
Vorlage S. 582 1368 Als meinem reinen Rufe schuldig bin.
Vorlage S. 582 1369 BURLEIGH.
Vorlage S. 582 1370 Man breitet aus, sie schwinde, lässt sie kränker
Vorlage S. 582 1371 Und kränker werden, endlich still verscheiden,
Vorlage S. 582 1372 So stirbt sie in der Menschen Angedenken –
Vorlage S. 582 1373 Und Euer Ruf bleibt rein.
Vorlage S. 582 1374 PAULET.
Vorlage S. 582 1375 Nicht mein Gewissen.
Vorlage S. 582 1376 BURLEIGH.
Vorlage S. 582 1377 Wenn Ihr die eigne Hand nicht leihen wollt,
Vorlage S. 582 1378 So werdet ihr der fremden doch nicht wehren –
Vorlage S. 582 1380 unterbricht ihn.
Vorlage S. 583 1381 Kein Mörder soll sich ihrer Schwelle nahn,
Vorlage S. 583 1382 Solang die Götter meines Dachs sie schützen.
Vorlage S. 583 1383 Ihr Leben ist mir heilig, heilger nicht
Vorlage S. 583 1384 Ist mir das Haupt der Königin von England.
Vorlage S. 583 1385 Ihr seid die Richter! Richtet! Brecht den Stab!
Vorlage S. 583 1386 Und wenn es Zeit ist, lasst den Zimmerer
Vorlage S. 583 1387 Mit Axt und Säge kommen, das Gerüst
Vorlage S. 583 1388 Aufschlagen – für den Sheriff und den Henker
Vorlage S. 583 1389 Soll meines Schlosses Pforte offen sein.
Vorlage S. 583 1390 Jetzt ist sie zur Bewahrung mir vertraut,
Vorlage S. 583 1391 Und seid gewiss, ich werde sie bewahren,
Vorlage S. 583 1392 Dass sie nichts Böses tun soll, noch erfahren!
Vorlage S. 583 1393 Gehen ab.
Vorlage S. 583