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Buch - Leonce und Lena - Büchner, Georg

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Originalwerk · Lesefassung

Leonce und Lena

Büchner, Georg · 1836

Leonce und Lena von Büchner, Georg. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Porträt von Büchner, Georg; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Büchner, Georg · Philipp August Joseph Hoffmann (1807 bis 1883) · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 114
2
Ein Garten Leonce halb ruhend auf einer Bank. Der Hofmeister.
Vorlage S. 114
3
LEONCE.
Vorlage S. 114
4
Mein Herr, was wollen Sie von mir? Mich auf meinen Beruf vorbereiten? Ich habe alle Hände voll zu tun, ich weiß mir vor Arbeit nicht zu helfen. – Sehen Sie, erst habe ich auf den Stein hier dreihundertfünfundsechzigmal hintereinander zu spucken. Haben Sie das noch nicht probiert? Tun Sie es, es gewährt eine ganz eigne Unterhaltung. Dann – sehen Sie diese Handvoll Sand? Er nimmt Sand auf, wirft ihn in die Höhe und fängt ihn mit dem Rücken der Hand wieder auf. – Jetzt werf ich sie in die Höhe. Wollen wir wetten? Wieviel Körnchen hab ich jetzt auf dem Handrücken? Grad oder ungrad? – Wie? Sie wollen nicht wetten? Sind Sie ein Heide? Glauben Sie an Gott? Ich wette gewöhnlich mit mir selbst und kann es tagelang so treiben. Wenn Sie einen Menschen aufzutreiben wissen, der Lust hätte, manchmal mit mir zu wetten, so werden Sie mich sehr verbinden. Dann – habe ich nachzudenken, wie es wohl angehn mag, dass ich mir auf den Kopf sehe. O, wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eins von meinen Idealen. Mir wäre geholfen. Und dann – und dann noch unendlich viel der Art. – Bin ich ein Müßiggänger? Habe ich jetzt keine Beschäftigung? – Ja, es ist traurig ...
Vorlage S. 114
5
HOFMEISTER.
Vorlage S. 114
6
Sehr traurig, Euer Hoheit.
Vorlage S. 114
7
LEONCE.
Vorlage S. 115
8
Dass die Wolken schon seit drei Wochen von Westen nach Osten ziehen. Es macht mich ganz melancholisch.
Vorlage S. 115
9
HOFMEISTER.
Vorlage S. 115
10
Eine sehr gegründete Melancholie.
Vorlage S. 115
11
LEONCE.
Vorlage S. 115
12
Mensch, warum widersprechen Sie mir nicht? Sie haben dringende Geschäfte, nicht wahr? Es ist mir leid, dass ich Sie so lange aufgehalten habe. Der Hofmeister entfernt sich mit einer tiefen Verbeugung. Mein Herr, ich gratuliere Ihnen zu der schönen Parenthese, die Ihre Beine machen, wenn Sie sich verbeugen.
Vorlage S. 115
13
LEONCE
Vorlage S. 115
14
allein, streckt sich auf der Bank aus.
Vorlage S. 115
15
Die Bienen sitzen so träg an den Blumen, und der Sonnenschein liegt so faul auf dem Boden. Es krassiert ein entsetzlicher Müßiggang. – Müßiggang ist aller Laster Anfang. – Was die Leute nicht alles aus Langeweile treiben! Sie studieren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheiraten und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich aus Langeweile, und – und das ist der Humor davon – alles mit den wichtigsten Gesichtern, ohne zu merken, warum, und meinen Gott weiß was dazu. Alle diese Helden, diese Genies, diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese Sünder, diese Familienväter sind im Grunde nichts als raffinierte Müßiggänger. – Warum muss ich es gerade wissen? Warum kann ich mir nicht wichtig werden und der armen Puppe einen Frack anziehen und einen Regenschirm in die Hand geben, dass sie sehr rechtlich und sehr nützlich und sehr moralisch würde? – Der Mann, der eben von mir ging, ich beneidete ihn, ich hätte ihn aus Neid prügeln mögen. O, wer einmal jemand anders sein könnte! Nur 'ne Minute lang. – Valerio, etwas betrunken, tritt auf. Wie der Mensch läuft! Wenn ich nur etwas unter der Sonne wüsste, was mich noch könnte laufen machen.
Vorlage S. 115
16
VALERIO
Vorlage S. 115
17
stellt sich dicht vor den Prinzen, legt den Finger an die Nase und sieht ihn starr an.
Vorlage S. 115
18
Ja!
Vorlage S. 115
19
LEONCE
Vorlage S. 115
20
ebenso.
Vorlage S. 115
21
Richtig!
Vorlage S. 115
22
VALERIO.
Vorlage S. 115
23
Haben Sie mich begriffen?
Vorlage S. 115
24
LEONCE.
Vorlage S. 115
25
Vollkommen.
Vorlage S. 115
26
VALERIO.
Vorlage S. 116
27
Nun, so wollen wir von etwas anderm reden. Er legt sich ins Gras. Ich werde mich indessen in das Gras legen und meine Nase oben zwischen den Halmen herausblühen lassen und romantische Empfindungen beziehen, wenn die Bienen und Schmetterlinge sich darauf wiegen wie auf einer Rose.
Vorlage S. 116
28
LEONCE.
Vorlage S. 116
29
Aber Bester, schnaufen Sie nicht so stark, oder die Bienen und Schmetterlinge müssen verhungern über den ungeheuren Prisen, die Sie aus den Blumen ziehen.
Vorlage S. 116
30
VALERIO.
Vorlage S. 116
31
Ach Herr, was ich ein Gefühl für die Natur habe! Das Gras steht so schön, dass man ein Ochs sein möchte, um es fressen zu können, und dann wieder ein Mensch, um den Ochsen zu essen, der solches Gras gefressen.
Vorlage S. 116
32
LEONCE.
Vorlage S. 116
33
Unglücklicher, Sie scheinen auch an Idealen zu laborieren.
Vorlage S. 116
34
VALERIO.
Vorlage S. 116
35
Es ist ein Jammer! Man kann keinen Kirchturm herunterspringen, ohne den Hals zu brechen. Man kann keine vier Pfund Kirschen mit den Steinen essen, ohne Leibweh zu kriegen. Seht, Herr, ich könnte mich in eine Ecke setzen und singen vom Abend bis zum Morgen: »Hei, da sitzt e Fleig an der Wand! Fleig an der Wand! Fleig an der Wand!« und so fort bis zum Ende meines Lebens.
Vorlage S. 116
36
LEONCE.
Vorlage S. 116
37
Halt's Maul mit deinem Lied, man könnte darüber ein Narr werden.
Vorlage S. 116
38
VALERIO.
Vorlage S. 116
39
So wäre man doch etwas. Ein Narr! Ein Narr! Wer will mir seine Narrheit gegen meine Vernunft verhandeln? – Ha, ich bin ein Alexander der Große! Wie mir die Sonne eine goldne Krone in die Haare scheint, wie meine Uniform blitzt! Herr Generalissimus Heupferd, lassen Sie die Truppen anrücken! Herr Finanzminister Kreuzspinne, ich brauche Geld! Liebe Hofdame Libelle, was macht meine teure Gemahlin Bohnenstange? Ach bester Herr Leibmedicus Kantharide, ich bin um einen Erbprinzen verlegen. Und zu diesen köstlichen Phantasieen bekommt man gute Suppe, gutes Fleisch, gutes Brot, ein gutes Bett und das Haar umsonst geschoren – im Narrenhaus nämlich –, während ich mit meiner gesunden Vernunft mich höchstens noch zur Beförderung der Reife auf einen Kirschbaum verdingen könnte, um – nun? – um?
Vorlage S. 116
40
LEONCE.
Vorlage S. 117
41
Um die Kirschen durch die Löcher in deinen Hosen schamrot zu machen! Aber, Edelster, dein Handwerk, deine Profession, dein Gewerbe, dein Stand, deine Kunst?
Vorlage S. 117
42
VALERIO
Vorlage S. 117
43
mit Würde.
Vorlage S. 117
44
Herr, ich habe die große Beschäftigung, müßig zu gehen; ich habe eine ungemeine Fertigkeit in Nichtstun; ich besitze eine ungeheure Ausdauer in der Faulheit. Keine Schwiele schändet meine Hände, der Boden hat noch keinen Tropfen von meiner Stirne getrunken, ich bin noch Jungfrau in der Arbeit; und wenn es mir nicht der Mühe zuviel wäre, würde ich mir die Mühe nehmen, Ihnen diese Verdienste weitläufiger auseinanderzusetzen.
Vorlage S. 117
45
LEONCE
Vorlage S. 117
46
mit komischem Enthusiasmus.
Vorlage S. 117
47
Komm an meine Brust! Bist du einer von den Göttlichen, welche mühelos mit reiner Stirne durch den Schweiß und Staub über die Heerstraße des Lebens wandeln, und mit glänzenden Sohlen und blühenden Leibern gleich seligen Göttern in den Olympus treten? Komm! Komm!
Vorlage S. 117
48
VALERIO
Vorlage S. 117
49
singt im Abgehen.
Vorlage S. 117
50
Hei, da sitzt e Fleig an der Wand! Fleig an der Wand! Fleig an der Wand! Beide Arm in Arm ab.
Vorlage S. 117
51
Zweite Szene
Vorlage S. 117
52
Ein Zimmer.
Vorlage S. 117
53
König Peter wird von zwei Kammerdienern angekleidet.
Vorlage S. 117
54
PETER
Vorlage S. 117
55
während er angekleidet wird.
Vorlage S. 117
56
Der Mensch muss denken, und ich muss für meine Untertanen denken; denn sie denken nicht, sie denken nicht. – Die Substanz ist das An-sich, das bin ich. Er läuft fast nackt im Zimmer herum. Begriffen? An-sich ist an sich, versteht ihr? Jetzt kommen meine Attribute, Modifikationen, Affektionen und Akzidenzien: wo ist mein Hemd, meine Hose? – Halt, pfui! der freie Wille steht da vorn ganz offen. Wo ist die Moral: wo sind die Manschetten? Die Kategorieen sind in der schändlichsten Verwirrung: es sind zwei Knöpfe zuviel zugeknöpft, die Dose steckt in der rechten Tasche; mein ganzes System ist ruiniert. – Ha, was bedeutet der Knopf im Schnupftuch? Kerl, was bedeutet der Knopf, an was wollte ich mich erinnern?
Vorlage S. 117
57
ERSTER KAMMERDIENER.
Vorlage S. 118
58
Als Eure Majestät diesen Knopf in Ihr Schnupftuch zu knüpfen geruhten, so wollten Sie –
Vorlage S. 118
59
KÖNIG.
Vorlage S. 118
60
Nun?
Vorlage S. 118
61
ERSTER KAMMERDIENER.
Vorlage S. 118
62
Sich an etwas erinnern.
Vorlage S. 118
63
PETER.
Vorlage S. 118
64
Eine verwickelte Antwort! – Ei! Nun, und was meint Er?
Vorlage S. 118
65
ZWEITER KAMMERDIENER.
Vorlage S. 118
66
Eure Majestät wollten sich an etwas erinnern, als Sie diesen Knopf in Ihr Schnupftuch zu knüpfen geruhten.
Vorlage S. 118
67
PETER
Vorlage S. 118
68
läuft auf und ab.
Vorlage S. 118
69
Was? Was? Die Menschen machen mich konfus, ich bin in der größten Verwirrung. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen.
Vorlage S. 118
70
Ein Diener tritt auf.
Vorlage S. 118
71
DIENER.
Vorlage S. 118
72
Eure Majestät, der Staatsrat ist versammelt.
Vorlage S. 118
73
PETER
Vorlage S. 118
74
freudig.
Vorlage S. 118
75
Ja, das ist's, das ist's: Ich wollte mich an mein Volk erinnern. – Kommen Sie, meine Herren! Gehen Sie symmetrisch. Ist es nicht sehr heiß? Nehmen Sie doch auch Ihre Schnupftücher und wischen Sie sich das Gesicht! Ich bin immer so in Verlegenheit, wenn ich öffentlich sprechen soll. Alle ab.
Vorlage S. 118
76
König Peter. Der Staatsrat.
Vorlage S. 118
77
PETER.
Vorlage S. 118
78
Meine Lieben und Getreuen, ich wollte euch hiermit kund und zu wissen tun, kund und zu wissen tun – denn, entweder verheiratet sich mein Sohn, oder nicht – Legt den Finger an die Nase. entweder, oder – ihr versteht mich doch? Ein Drittes gibt es nicht. Der Mensch muss denken. Steht eine Zeit lang sinnend. Wenn ich so laut rede, so weiß ich nicht, wer es eigentlich ist, ich oder ein anderer; das ängstigt mich. Nach langem Besinnen. Ich bin ich. – Was halten Sie davon, Präsident?
Vorlage S. 118
79
PRÄSIDENT
Vorlage S. 118
80
gravitätisch langsam.
Vorlage S. 118
81
Eure Majestät, vielleicht ist es so, vielleicht ist es aber auch nicht so.
Vorlage S. 118
82
DER GANZE STAATSRAT IM CHOR.
Vorlage S. 118
83
Ja, vielleicht ist es so, vielleicht ist es aber auch nicht so.
Vorlage S. 118
84
PETER
Vorlage S. 119
85
mit Rührung.
Vorlage S. 119
86
O meine Weisen! – Also von was war eigentlich die Rede? Von was wollte ich sprechen? Präsident, was haben Sie ein so kurzes Gedächtnis bei einer so feierlichen Gelegenheit? Die Sitzung ist aufgehoben.
Vorlage S. 119
87
Er entfernt sich feierlich, der ganze Staatsrat folgt ihm.
Vorlage S. 119
88
Dritte Szene
Vorlage S. 119
89
Ein reichgeschmückter Saal. Kerzen brennen.
Vorlage S. 119
90
Leonce mit einigen Dienern.
Vorlage S. 119
91
LEONCE.
Vorlage S. 119
92
Sind alle Läden geschlossen? Zündet die Kerzen an! Weg mit dem Tag! Ich will Nacht, tiefe ambrosische Nacht. Stellt die Lampen unter Kristallglocken zwischen die Oleander, dass sie wie Mädchenaugen unter den Wimpern der Blätter hervorträumen. Rückt die Rosen näher, dass der Wein wie Tautropfen auf die Kelche sprudle. Musik! Wo sind die Violinen? Wo ist die Rosetta? – Fort! Alle hinaus!
Vorlage S. 119
93
Die Diener gehen ab.
Vorlage S. 119
94
Leonce streckt sich auf ein Ruhebett.
Vorlage S. 119
95
Rosetta, zierlich gekleidet, tritt ein.
Vorlage S. 119
96
Man hört Musik aus der Ferne.
Vorlage S. 119
97
ROSETTA
Vorlage S. 119
98
nähert sich schleichend.
Vorlage S. 119
99
Leonce!
Vorlage S. 119
100
LEONCE.
Vorlage S. 119
101
Rosetta!
Vorlage S. 119
102
ROSETTA.
Vorlage S. 119
103
Leonce!
Vorlage S. 119
104
LEONCE.
Vorlage S. 119
105
Rosetta!
Vorlage S. 119
106
ROSETTA.
Vorlage S. 119
107
Deine Lippen sind träg. Vom Küssen?
Vorlage S. 119
108
LEONCE.
Vorlage S. 119
109
Vom Gähnen!
Vorlage S. 119
Porträt von Büchner, Georg; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Büchner, Georg · Philipp August Joseph Hoffmann (1807 bis 1883) · Public domain Bildquelle ↗
110
ROSETTA.
Vorlage S. 119
111
Oh!
Vorlage S. 119
112
LEONCE.
Vorlage S. 119
113
Ach Rosetta, ich habe die entsetzliche Arbeit ...
Vorlage S. 119
114
ROSETTA.
Vorlage S. 119
115
Nun?
Vorlage S. 119
116
LEONCE.
Vorlage S. 119
117
Nichts zu tun ...
Vorlage S. 119
118
ROSETTA.
Vorlage S. 119
119
Als zu lieben?
Vorlage S. 119
120
LEONCE.
Vorlage S. 119
121
Freilich Arbeit!
Vorlage S. 119
122
ROSETTA
Vorlage S. 119
123
beleidigt.
Vorlage S. 119
124
Leonce!
Vorlage S. 119
125
LEONCE.
Vorlage S. 119
126
Oder Beschäftigung.
Vorlage S. 119
127
ROSETTA.
Vorlage S. 119
128
Oder Müßiggang.
Vorlage S. 119
129
LEONCE.
Vorlage S. 120
130
Du hast recht wie immer. Du bist ein kluges Mädchen, und ich halte viel auf deinen Scharfsinn.
Vorlage S. 120
131
ROSETTA.
Vorlage S. 120
132
So liebst du mich aus Langeweile?
Vorlage S. 120
133
LEONCE.
Vorlage S. 120
134
Nein, ich habe Langeweile, weil ich dich liebe. Aber ich liebe meine Langeweile wie dich. Ihr seid eins. O dolce far niente! Ich träume über deinen Augen wie an wunderheimlichen tiefen Quellen, das Kosen deiner Lippen schläfert mich ein wie Wellenrauschen. Er umfasst sie. Komm, liebe Langeweile, deine Küsse sind ein wollüstiges Gähnen, und deine Schritte sind ein zierlicher Hiatus.
Vorlage S. 120
135
ROSETTA.
Vorlage S. 120
136
Du liebst mich, Leonce?
Vorlage S. 120
137
LEONCE.
Vorlage S. 120
138
Ei warum nicht?
Vorlage S. 120
139
ROSETTA.
Vorlage S. 120
140
Und immer?
Vorlage S. 120
141
LEONCE.
Vorlage S. 120
142
Das ist ein langes Wort: immer! Wenn ich dich nun noch fünftausend Jahre und sieben Monate liebe, ist's genug? Es ist zwar viel weniger als immer, ist aber doch eine erkleckliche Zeit, und wir können uns Zeit nehmen, uns zu lieben.
Vorlage S. 120
143
ROSETTA.
Vorlage S. 120
144
Oder die Zeit kann uns das Lieben nehmen.
Vorlage S. 120
145
LEONCE.
Vorlage S. 120
146
Oder das Lieben uns die Zeit. Tanze, Rosetta, tanze, dass die Zeit mit dem Takt deiner niedlichen Füße geht!
Vorlage S. 120
147
ROSETTA.
Vorlage S. 120
148
Meine Füße gingen lieber aus der Zeit.
Vorlage S. 120
149
Sie tanzt und singt.
Vorlage S. 120
150
O meine müden Füße, ihr müsst tanzen
Vorlage S. 120
151
In bunten Schuhen,
Vorlage S. 120
152
Und möchtet lieber tief, tief
Vorlage S. 120
153
Im Boden ruhen.
Vorlage S. 120
154
O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen
Vorlage S. 120
155
Im wilden Kosen,
Vorlage S. 120
156
Und möchtet lieber blühen –
Vorlage S. 120
157
Zwei weiße Rosen.
Vorlage S. 120
158
O meine armen Augen, ihr müsst blitzen
Vorlage S. 120
159
Im Strahl der Kerzen,
Vorlage S. 120
160
Und schlieft im Dunkel lieber aus
Vorlage S. 120
161
Von euren Schmerzen.
Vorlage S. 120
162
LEONCE
Vorlage S. 121
163
indes träumend vor sich hin.
Vorlage S. 121
164
O, eine sterbende Liebe ist schöner als eine werdende. Ich bin ein Römer; bei dem köstlichen Mahle spielen zum Dessert die goldnen Fische in ihren Todesfarben. Wie ihr das Rot von den Wangen stirbt, wie still das Auge ausglüht, wie leis das Wogen ihrer Glieder steigt und fällt! Adio, adio, meine Liebe, ich will deine Leiche lieben. Rosetta nähert sich ihm wieder. Tränen, Rosetta? Ein feiner Epikuräismus, weinen zu können. Stelle dich in die Sonne, damit die köstlichen Tropfen kristallisieren, es muss prächtige Diamanten geben. Du kannst dir ein Halsband daraus machen lassen.
Vorlage S. 121
165
ROSETTA.
Vorlage S. 121
166
Wohl Diamanten, sie schneiden mir in die Augen. Ach, Leonce!
Vorlage S. 121
167
Will ihn umfassen.
Vorlage S. 121
168
LEONCE.
Vorlage S. 121
169
Gib acht! Mein Kopf! Ich habe unsere Liebe darin beigesetzt. Sieh zu den Fenstern meiner Augen hinein! Siehst du, wie schön tot das arme Ding ist? Siehst du die zwei weißen Rosen auf seinen Wangen und die zwei roten auf seiner Brust? Stoß mich nicht, dass ihm kein Ärmchen abbricht, es wäre schade. Ich muss meinen Kopf gerade auf den Schultern tragen, wie die Totenfrau einen Kindersarg.
Vorlage S. 121
170
ROSETTA
Vorlage S. 121
171
scherzend.
Vorlage S. 121
172
Narr!
Vorlage S. 121
173
LEONCE.
Vorlage S. 121
174
Rosetta! Rosetta macht ihm eine Fratze. Gott sei Dank! Hält sich die Augen zu.
Vorlage S. 121
175
ROSETTA
Vorlage S. 121
176
erschrocken.
Vorlage S. 121
177
Leonce, sieh mich an!
Vorlage S. 121
178
LEONCE.
Vorlage S. 121
179
Um keinen Preis!
Vorlage S. 121
180
ROSETTA.
Vorlage S. 121
181
Nur einen Blick!
Vorlage S. 121
182
LEONCE.
Vorlage S. 121
183
Keinen! Was meinst du: um ein klein wenig, und meine liebe Liebe käme wieder auf die Welt. Ich bin froh, dass ich sie begraben habe. Ich behalte den Eindruck.
Vorlage S. 121
184
ROSETTA
Vorlage S. 121
185
entfernt sich traurig und langsam, sie singt im Abgehn.
Vorlage S. 121
186
Ich bin eine arme Waise,
Vorlage S. 121
187
Ich fürchte mich ganz allein.
Vorlage S. 121
188
Ach, lieber Gram –
Vorlage S. 121
189
Willst du nicht kommen mit mir heim?
Vorlage S. 121
190
LEONCE
Vorlage S. 121
191
allein.
Vorlage S. 121
192
Ein sonderbares Ding um die Liebe. Man liegt ein Jahr lang schlafwachend zu Bette, und an einem schönen Morgen wacht man auf, trinkt ein Glas Wasser, zieht seine Kleider an und fährt sich mit der Hand über die Stirn und besinnt sich – und besinnt sich. – Mein Gott, wie viel Weiber hat man nötig, um die Skala der Liebe auf und ab zu singen? Kaum, dass eine einen Ton ausfüllt. Warum ist der Dunst über unsrer Erde ein Prisma, das den weißen Glutstrahl der Liebe in einen Regenbogen bricht? – Er trinkt. In welcher Bouteille steckt denn der Wein, an dem ich mich heute betrinken soll? Bringe ich es nicht einmal mehr so weit? Ich sitze wie unter einer Luftpumpe. Die Luft so scharf und dünn, dass mich friert, als sollte ich in Nankinghosen Schlittschuh laufen. – Meine Herren, meine Herren, wisst ihr auch, was Caligula und Nero waren? Ich weiß es. – Komm, Leonce, halte mir einen Monolog, ich will zuhören. Mein Leben gähnt mich an wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus. Mein Kopf ist ein leerer Tanzsaal, einige verwelkte Rosen und zerknitterte Bänder auf dem Boden, geborstene Violinen in der Ecke, die letzten Tänzer haben die Masken abgenommen und sehen mit todmüden Augen einander an. Ich stülpe mich jeden Tag vierundzwanzigmal herum wie einen Handschuh. O, ich kenne mich, ich weiß, was ich in einer Viertelstunde, was ich in acht Tagen, was ich in einem Jahr denken und träumen werde. Gott, was habe ich denn verbrochen, dass du mich wie einen Schulbuben meine Lektion so oft hersagen lässt? – Bravo, Leonce! Bravo! Er klatscht. Es tut mir ganz wohl, wenn ich mir so rufe. He, Leonce! Leonce!
Vorlage S. 121
193
VALERIO
Vorlage S. 122
194
unter einem Tisch hervor.
Vorlage S. 122
195
Eure Hoheit scheint mir wirklich auf dem besten Weg, ein wahrhaftiger Narr zu werden.
Vorlage S. 122
196
LEONCE.
Vorlage S. 122
197
Ja, beim Licht besehen, kommt es mir eigentlich ebenso vor.
Vorlage S. 122
198
VALERIO.
Vorlage S. 122
199
Warten Sie, wir wollen uns darüber sogleich ausführlicher unterhalten! Ich habe nur noch ein Stück Braten zu verzehren, das ich aus der Küche, und etwas Wein, den ich von Ihrem Tische gestohlen. Ich bin gleich fertig.
Vorlage S. 122
200
LEONCE.
Vorlage S. 123
201
Das schmatzt! Der Kerl verursacht mir ganz idyllische Empfindungen; ich könnte wieder mit dem Einfachsten anfangen, ich könnte Käs essen, Bier trinken, Tabak rauchen. Mach fort, grunze nicht so mit deinem Rüssel, und klappre mit deinen Hauern nicht so!
Vorlage S. 123
202
VALERIO.
Vorlage S. 123
203
Wertester Adonis, sind Sie in Angst um Ihre Schenkel? Sein Sie unbesorgt, ich bin weder ein Besenbinder noch ein Schulmeister; ich brauche keine Gerten zu Ruten.
Vorlage S. 123
204
LEONCE.
Vorlage S. 123
205
Du bleibst nichts schuldig.
Vorlage S. 123
206
VALERIO.
Vorlage S. 123
207
Ich wollte, es ginge meinem Herrn ebenso.
Vorlage S. 123
208
LEONCE.
Vorlage S. 123
209
Meinst du, damit du zu deinen Prügeln kämst? Bist du so besorgt um deine Erziehung?
Vorlage S. 123
210
VALERIO.
Vorlage S. 123
211
O Himmel, man kömmt leichter zu seiner Erzeugung als zu seiner Erziehung. Es ist traurig, in welche Umstände einen anderer Umstände versetzen können! Was für Wochen hab ich erlebt, seit meine Mutter in die Wochen kam! Wie viel Gutes hab ich empfangen, das ich meiner Empfängnis zu danken hätte?
Vorlage S. 123
212
LEONCE.
Vorlage S. 123
213
Was deine Empfänglichkeit betrifft, so könnte sie es nicht besser treffen, um getroffen zu werden. Drück dich besser aus, oder willst du den unangenehmsten Eindruck von meinem Nachdruck haben.
Vorlage S. 123
214
VALERIO.
Vorlage S. 123
215
Als meine Mutter um das Vorgebirg der guten Hoffnung schiffte ...
Vorlage S. 123
216
LEONCE.
Vorlage S. 123
217
Und dein Vater am Kap Horn Schiffbruch litt ...
Vorlage S. 123
218
VALERIO.
Vorlage S. 123
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
219
Richtig, denn er war Nachtwächter. Doch setzte er das Horn nicht so oft an die Lippen als die Väter edler Söhne an die Stirn.
Vorlage S. 123
220
LEONCE.
Vorlage S. 123
221
Mensch, du besitzest eine himmlische Unverschämtheit. Ich fühle ein gewisses Bedürfnis, mich in nähere Berührung mit ihr zu setzen. Ich habe eine große Passion, dich zu prügeln.
Vorlage S. 123
222
VALERIO.
Vorlage S. 124
223
Das ist eine schlagende Antwort und ein triftiger Beweis.
Vorlage S. 124
224
LEONCE
Vorlage S. 124
225
geht auf ihn los.
Vorlage S. 124
226
Oder du bist eine geschlagene Antwort. Denn du bekommst Prügel für deine Antwort.
Vorlage S. 124
227
VALERIO
Vorlage S. 124
228
läuft weg, Leonce stolpert und fällt.
Vorlage S. 124
229
Und Sie sind ein Beweis, der noch geführt werden muss; denn er fällt über seine eigenen Beine, die im Grund genommen selbst noch zu beweisen sind. Es sind höchst unwahrscheinliche Waden und sehr problematische Schenkel.
Vorlage S. 124
230
Der Staatsrat tritt auf.
Vorlage S. 124
231
Leonce bleibt auf dem Boden sitzen. Valerio.
Vorlage S. 124
232
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 124
233
Eure Hoheit verzeihen ...
Vorlage S. 124
234
LEONCE.
Vorlage S. 124
235
Wie mir selbst! Wie mir selbst! Ich verzeihe mir die Gutmütigkeit, Sie anzuhören. Meine Herren, wollen Sie nicht Platz nehmen? – Was die Leute für Gesichter machen, wenn sie das Wort ›Platz‹ hören! Setzen Sie sich nur auf den Boden und genieren Sie sich nicht! Es ist doch der letzte Platz, den Sie einst erhalten, aber er trägt niemanden etwas ein – außer dem Totengräber.
Vorlage S. 124
236
PRÄSIDENT
Vorlage S. 124
237
verlegen mit dem Finger schnipsend.
Vorlage S. 124
238
Geruhen Eure Hoheit ...
Vorlage S. 124
239
LEONCE.
Vorlage S. 124
240
Aber schnipsen Sie nicht so mit den Fingern, wenn Sie mich nicht zum Mörder machen wollen!
Vorlage S. 124
241
PRÄSIDENT
Vorlage S. 124
242
immer stärker schnipsend.
Vorlage S. 124
243
Wollen gnädigst, in Betracht ...
Vorlage S. 124
244
LEONCE.
Vorlage S. 124
245
Mein Gott, stecken Sie doch die Hände in die Hosen, oder setzen Sie sich darauf. Er ist ganz aus der Fassung. Sammeln Sie sich!
Vorlage S. 124
246
VALERIO.
Vorlage S. 124
247
Man darf Kinder nicht während des P...... unterbrechen, sie bekommen sonst eine Verhaltung.
Vorlage S. 124
248
LEONCE.
Vorlage S. 124
249
Mann, fassen Sie sich! Bedenken Sie Ihre Familie und den Staat! Sie riskieren einen Schlagfluß, wenn Ihnen Ihre Rede zurücktritt.
Vorlage S. 124
250
PRÄSIDENT
Vorlage S. 124
251
zieht ein Papier aus der Tasche.
Vorlage S. 124
252
Erlauben Eure Hoheit ...
Vorlage S. 124
253
LEONCE.
Vorlage S. 124
254
Was? Sie können schon lesen? Nun denn ...
Vorlage S. 124
255
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 124
256
Dass man der zu erwartenden Ankunft von Eurer Hoheit verlobter Braut, der durchlauchtigsten Prinzessin Lena von Pipi, auf morgen sich zu gewärtigen habe, davon lässt Ihro königliche Majestät Eure Hoheit benachrichtigen.
Vorlage S. 124
257
LEONCE.
Vorlage S. 125
258
Wenn meine Braut mich erwartet, so werde ich ihr den Willen tun und sie auf mich warten lassen. Ich habe sie gestern nacht im Traum gesehen, sie hatte ein paar Augen, so groß, dass die Tanzschuhe meiner Rosetta zu Augenbrauen darüber gepasst hätten, und auf den Wangen waren keine Grübchen, sondern ein paar Abzugsgräben für das Lachen. Ich glaube an Träume. Träumen Sie auch zuweilen, Herr Präsident? Haben Sie auch Ahnungen?
Vorlage S. 125
259
VALERIO.
Vorlage S. 125
260
Versteht sich. Immer die Nacht vor dem Tag, an dem ein Braten verbrennt, ein Kapaun krepiert oder Ihre königliche Majestät Leibweh bekommt.
Vorlage S. 125
261
LEONCE.
Vorlage S. 125
262
Apropos, hatten Sie nicht noch etwas auf der Zunge? Geben Sie nur alles von sich.
Vorlage S. 125
263
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 125
264
An dem Tage der Vermählung ist ein höchster Wille gesonnen, seine allerhöchsten Willensäußerungen in die Hände Eurer Hoheit niederzulegen.
Vorlage S. 125
265
LEONCE.
Vorlage S. 125
266
Sagen Sie einem höchsten Willen, dass ich alles tun werde, das ausgenommen, was ich werde bleiben lassen, was aber jedenfalls nicht so viel sein wird, als wenn es noch einmal so viel wäre. – Meine Herren, Sie entschuldigen, dass ich Sie nicht begleite, ich habe gerade die Passion zu sitzen, aber meine Gnade ist so groß, dass ich sie mit den Beinen kaum ausmessen kann. Er spreizt die Beine auseinander. Herr Präsident, nehmen Sie doch das Maß, damit Sie mich später daran erinnern. Valerio, gib den Herren das Geleite!
Vorlage S. 125
267
VALERIO.
Vorlage S. 125
268
Das Geläute? Soll ich dem Herrn Präsidenten eine Schelle anhängen? Soll ich sie führen, als ob sie auf allen vieren gingen?
Vorlage S. 125
269
LEONCE.
Vorlage S. 125
270
Mensch, du bist nichts als ein schlechtes Wortspiel. Du hast weder Vater noch Mutter, sondern die fünf Vokale haben dich miteinander erzeugt.
Vorlage S. 125
271
VALERIO.
Vorlage S. 125
272
Und Sie, Prinz, sind ein Buch ohne Buchstaben, mit nichts als Gedankenstrichen. – Kommen Sie jetzt, meine Herren! Es ist eine traurige Sache um das Wort ›kommen‹. Will man ein Einkommen, so muss man stehlen; an ein Aufkommen ist nicht zu denken, als wenn man sich hängen lässt; ein Unterkommen findet man erst, wenn man begraben wird, und ein Auskommen hat man jeden Augenblick mit seinem Witz, wenn man nichts mehr zu sagen weiß, wie ich zum Beispiel eben, und Sie, ehe Sie noch etwas gesagt haben. Ihr Abkommen haben Sie gefunden, und Ihr Fortkommen werden Sie jetzt zu suchen ersucht.
Vorlage S. 125
273
Staatsrat und Valerio ab.
Vorlage S. 126
274
LEONCE
Vorlage S. 126
275
allein.
Vorlage S. 126
276
Wie gemein ich mich zum Ritter an den armen Teufeln gemacht habe! Es steckt nun aber doch einmal ein gewisser Genuss in einer gewissen Gemeinheit. – Hm! Heiraten! Das heißt einen Ziehbrunnen leer trinken. O Shandy, alter Shandy, wer mir deine Uhr schenkte! – Valerio kommt zurück. Ach, Valerio, hast du es gehört?
Vorlage S. 126
277
VALERIO.
Vorlage S. 126
278
Nun, Sie sollen König werden. Das ist eine lustige Sache. Man kann den ganzen Tag spazieren fahren und den Leuten die Hüte verderben durchs viele Abziehen; man kann aus ordentlichen Menschen ordentliche Soldaten ausschneiden, so dass alles ganz natürlich wird; man kann schwarze Fräcke und weiße Halsbinden zu Staatsdienern machen; und wenn man stirbt, so laufen alle blanken Knöpfe blau an, und die Glockenstricke reißen wie Zwirnsfäden vom vielen Läuten. Ist das nicht unterhaltend?
Vorlage S. 126
279
LEONCE.
Vorlage S. 126
280
Valerio! Valerio! Wir müssen was anderes treiben. Rate!
Vorlage S. 126
281
VALERIO.
Vorlage S. 126
282
Ach, die Wissenschaft, die Wissenschaft! Wir wollen Gelehrte werden! A priori? oder a posteriori?
Vorlage S. 126
283
LEONCE.
Vorlage S. 126
284
A priori, das muss man bei meinem Herrn Vater lernen; und a posteriori fängt alles an, wie ein altes Märchen: es war einmal.
Vorlage S. 126
285
VALERIO.
Vorlage S. 126
286
So wollen wir Helden werden! Er marschiert trompetend und trommelnd auf und ab. Trom – trom – pläre – plem!
Vorlage S. 126
287
LEONCE.
Vorlage S. 126
288
Aber der Heroismus fuselt abscheulich und bekommt das Lazarettfieber und kann ohne Leutnants und Rekruten nicht bestehen. Pack dich mit deiner Alexanders- und Napoleonsromantik!
Vorlage S. 126
289
VALERIO.
Vorlage S. 127
290
So wollen wir Genies werden!
Vorlage S. 127
291
LEONCE.
Vorlage S. 127
292
Die Nachtigall der Poesie schlägt den ganzen Tag über unserm Haupt, aber das Feinste geht zum Teufel, bis wir ihr die Federn ausreißen und in die Tinte oder die Farbe tauchen.
Vorlage S. 127
293
VALERIO.
Vorlage S. 127
294
So wollen wir nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft werden!
Vorlage S. 127
295
LEONCE.
Vorlage S. 127
296
Lieber möchte ich meine Demission als Mensch geben.
Vorlage S. 127
297
VALERIO.
Vorlage S. 127
298
So wollen wir zum Teufel gehen!
Vorlage S. 127
299
LEONCE.
Vorlage S. 127
300
Ach, der Teufel ist nur des Kontrastes wegen da, damit wir begreifen sollen, dass am Himmel doch eigentlich etwas sei. Aufspringend. Ah, Valerio, Valerio, jetzt hab ich's! Fühlst du nicht das Wehen aus Süden? Fühlst du nicht, wie der tiefblaue, glühende Äther auf und ab wogt, wie das Licht blitzt von dem goldnen, sonnigen Boden, von der heiligen Salzflut und von den Marmorsäulen und –leibern? Der große Pan schläft, und die ehernen Gestalten träumen im Schatten über den tiefrauschenden Wellen von dem alten Zaubrer Virgil, von Tarantella und Tamburin und tiefen, tollen Nächten voll Masken, Fackeln und Gitarren. Ein Lazzaroni! Valerio, ein Lazzaroni! Wir gehen nach Italien.
Vorlage S. 127
301
Vierte Szene
Vorlage S. 127
302
Ein Garten.
Vorlage S. 127
303
Prinzessin Lena im Brautschmuck. Die Gouvernante.
Vorlage S. 127
304
LENA.
Vorlage S. 127
305
Ja, jetzt! Da ist es. Ich dachte die Zeit an nichts. Es ging so hin, und auf einmal richtet sich der Tag vor mir auf. Ich habe den Kranz im Haar – und die Glocken, die Glocken! Sie lehnt sich zurück und schließt die Augen. Sieh, ich wollte, der Rasen wüchse so über mich, und die Bienen summten über mir hin; sieh, jetzt bin ich eingekleidet und habe Rosmarin im Haar. Gibt es nicht ein altes Lied:
Vorlage S. 127
306
Auf dem Kirchhof will ich liegen,
Vorlage S. 127
307
Wie ein Kindlein in der Wiegen.
Vorlage S. 127
308
GOUVERNANTE.
Vorlage S. 128
309
Armes Kind, wie Sie bleich sind unter Ihren blitzenden Steinen!
Vorlage S. 128
310
LENA.
Vorlage S. 128
311
O Gott, ich könnte lieben, warum nicht? Man geht ja so einsam und tastet nach einer Hand, die einen hielte, bis die Leichenfrau die Hände auseinander nähme und sie jedem über der Brust faltete. Aber warum schlägt man einen Nagel durch zwei Hände, die sich nicht suchten? Was hat meine arme Hand getan? Sie zieht einen Ring vom Finger. Dieser Ring sticht mich wie eine Natter.
Vorlage S. 128
312
GOUVERNANTE.
Vorlage S. 128
313
Aber – er soll ja ein wahrer Don Carlos sein!
Vorlage S. 128
314
LENA.
Vorlage S. 128
315
Aber – ein Mann ...
Vorlage S. 128
316
GOUVERNANTE.
Vorlage S. 128
317
Nun?
Vorlage S. 128
318
LENA.
Vorlage S. 128
319
Den man nicht liebt. Sie erhebt sich. Pfui! Siehst du, ich schäme mich. – Morgen ist aller Duft und Glanz von mir gestreift. Bin ich denn wie die arme, hülflose Quelle, die jedes Bild, das sich über sie bückt, in ihrem stillen Grund abspiegeln muss? Die Blumen öffnen und schließen, wie sie wollen, ihre Kelche der Morgensonne und dem Abendwind. Ist denn die Tochter eines Königs weniger als eine Blume?
Vorlage S. 128
320
GOUVERNANTE
Vorlage S. 128
321
weinend.
Vorlage S. 128
322
Lieber Engel, du bist doch ein wahres Opferlamm!
Vorlage S. 128
323
LENA.
Vorlage S. 128
324
Jawohl, und der Priester hebt schon das Messer. – Mein Gott, mein Gott, ist es denn wahr, dass wir uns selbst erlösen müssen mit unserm Schmerz? Ist es denn wahr, die Welt sei ein gekreuzigter Heiland, die Sonne seine Dornenkrone, und die Sterne die Nägel und Speere in seinen Füßen und Lenden?
Vorlage S. 128
325
GOUVERNANTE.
Vorlage S. 128
326
Mein Kind, mein Kind! Ich kann dich nicht so sehen. Es kann nicht so gehen, es tötet dich. – Vielleicht, wer weiß! Ich habe so etwas im Kopf. Wir wollen sehen. Komm! Sie führt die Prinzessin weg.
Vorlage S. 128

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Alle diese Helden, diese Genies, diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese Sünder, diese …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Seht, Herr, ich könnte mich in eine Ecke […] und singen vom Abend bis zum Morgen: »Hei, da sitzt e Fleig an der Wand!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Bist du einer von den Göttlichen, welche mühelos mit reiner Stirne durch den Schweiß und Staub über die Heerstraße des Lebens wandeln, und mit glänzenden Sohlen und blühenden Leibern gleich seligen Göttern in den Olympus treten?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Stoß mich nicht, dass ihm kein Ärmchen abbricht, es wäre schade.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Immer die Nacht vor dem Tag, an dem ein Braten verbrennt, ein Kapaun krepiert oder Ihre königliche Majestät Leibweh bekommt.« B: »Adio, adio, meine Liebe, ich will deine Leiche lieben.« C: »Es krassiert ein entsetzlicher Müßiggang. – Müßiggang ist aller Laster Anfang. – Was die Leute nicht alles aus Langeweile treiben!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Das ist eine schlagende …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Sie riskieren einen […], wenn Ihnen Ihre Rede zurücktritt.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Wie gemein ich mich zum Ritter an den armen […] gemacht habe!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich habe den Kranz im …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Ein Garten Leonce halb ruhend auf einer Bank. Der Hofmeister.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Ich bin eine arme Waise, Ich fürchte mich ganz allein. Ach, lieber Gram – Willst du nicht kommen mit mir heim?«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »O, eine sterbende Liebe ist schöner als eine werdende. Ich bin ein Römer; bei dem köstlichen Mahle spielen zum Dessert die goldnen Fische in ihren Todesfarben. Wie ihr das Rot von den Wangen stirbt, wie still das Auge ausglüht, wie leis […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Geld oder Besitz geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Sie die Truppen anrücken! Herr Finanzminister Kreuzspinne, ich brauche Geld! Liebe Hofdame Libelle, was macht meine teure Gemahlin Bohnenstange? Ach bester Herr Leibmedicus Kantharide, ich bin um einen Erbprinzen verlegen. Und zu diesen […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Macht oder Abhängigkeit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Versteht sich. Immer die Nacht vor dem Tag, an dem ein Braten verbrennt, ein Kapaun krepiert oder Ihre königliche Majestät Leibweh bekommt.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Du hast recht wie immer. Du bist ein kluges Mädchen, und ich halte viel auf deinen Scharfsinn.« und »Man darf Kinder nicht während des P...... unterbrechen, sie bekommen sonst eine Verhaltung.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Mein Kind, mein Kind! Ich kann dich nicht so sehen. Es kann nicht so gehen, es tötet dich. – Vielleicht, wer weiß! Ich habe so etwas im Kopf. Wir wollen sehen. Komm! Sie führt die Prinzessin weg.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Ein Garten Leonce halb ruhend auf einer Bank. Der Hofmeister.« / »Mein Kind, mein Kind! Ich kann dich nicht so sehen. Es kann nicht so gehen, es tötet dich. – Vielleicht, wer […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Ich habe alle Hände voll zu tun, ich weiß mir vor Arbeit nicht zu helfen. – Sehen Sie, erst habe ich auf den Stein hier dreihundertfünfundsechzigmal hintereinander zu spucken.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Man liegt ein Jahr lang schlafwachend zu Bette, und an einem schönen Morgen wacht man auf, trinkt ein Glas Wasser, zieht seine Kleider an und fährt sich mit der Hand über die Stirn und besinnt sich – und besinnt sich. – Mein Gott, wie viel Weiber hat man nötig, um die Skala der Liebe auf und ab zu singen?«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Es kann nicht so gehen, es tötet dich. – Vielleicht, wer weiß!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Leonce und Lena von Büchner, Georg ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Leonce und Lena

Georg Büchner: Werke und Briefe. Neue, durchgesehene Ausgabe. Herausgegeben von Fritz Bergemann, 13. Auflage, Frankfurt a.M.: Insel, 1979. Büchner, Georg 114- 1979 Frankfurt a.M.

Das Werk Leonce und Lena von Büchner, Georg ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.