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Buch - Kabale und Liebe - Schiller, Friedrich

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Originalwerk · Lesefassung

Kabale und Liebe

Schiller, Friedrich · 1782–1783

Luise und Ferdinand lieben sich über Standesgrenzen hinweg. Eine politische und familiäre Intrige bedroht ihre Beziehung. Ein Trauerspiel über Macht und Selbstbestimmung.

DramaKlasse 9–10 · 11–137 Abschnitte
Historische Buchausgabe als Quellenvergleich. Die verwendete Textfassung ist separat angegeben.
Historische Ausgabe · Kabale und Liebe · Friedrich Schiller · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Machtmissbrauch, Gewalt und Tod.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 756
2
Zimmer beim Musikus.
Vorlage S. 756
3
Miller steht eben vom Sessel auf und stellt sein Violoncell auf die Seite.
Vorlage S. 756
4
An einem Tisch sitzt Frau Millerin noch im Nachtgewand und trinkt ihren Kaffee.
Vorlage S. 756
5
MILLER
Vorlage S. 756
6
schnell auf und ab gehend.
Vorlage S. 756
7
Einmal für allemal. Der Handel wird ernsthaft. Meine Tochter kommt mit dem Baron ins Geschrei. Mein Haus wird verrufen. Der Präsident bekommt Wind, und – kurz und gut, ich biete dem Junker aus.
Vorlage S. 756
8
FRAU.
Vorlage S. 756
9
Du hast ihn nicht in dein Haus geschwatzt – hast ihm deine Tochter nicht nachgeworfen.
Vorlage S. 756
10
MILLER.
Vorlage S. 756
11
Hab ihn nicht in mein Haus geschwatzt – hab ihms Mädel nicht nachgeworfen; wer nimmt Notiz davon? – Ich war Herr im Haus. Ich hätt meine Tochter mehr koram nehmen sollen. Ich hätt dem Major besser auftrumpfen sollen – oder hätt gleich alles Seiner Exzellenz dem Herrn Papa stecken sollen. Der junge Baron bringts mit einem Wischer hinaus, das muss ich wissen, und alles Wetter kommt über den Geiger.
Vorlage S. 756
12
FRAU
Vorlage S. 756
13
schlürft eine Tasse aus.
Vorlage S. 756
14
Possen! Geschwätz! Was kann über dich kommen? Wer kann dir was anhaben? Du gehst deiner Profession nach und raffst Scholaren zusammen, wo sie zu kriegen sind.
Vorlage S. 756
15
MILLER.
Vorlage S. 756
16
Aber, sag mir doch, was wird bei dem ganzen Kommerz auch herauskommen? – Nehmen kann er das Mädel nicht – Vom Nehmen ist gar die Rede nicht, und zu einer dass Gott erbarm? – Guten Morgen! – Gelt, wenn so ein Musje von sich da und dort, und dort und hier schon herumbeholfen hat, wenn er, der Henker weiß was als? gelöst hat, schmeckts meinem guten Schlucker freilich, einmal auf süß Wasser zu graben. Gib du acht! gib du acht! und wenn du aus jedem Astloch ein Auge strecktest und vor jedem Blutstropfen Schildwache ständest, er wird sie, dir auf der Nase, beschwatzen, dem Mädel eins hinsetzen und führt sich ab, und das Mädel ist verschimpfiert auf ihr Leben lang, bleibt sitzen, oder hats Handwerk verschmeckt, treibts fort. Die Faust vor die Stirn. Jesus Christus!
Vorlage S. 756
17
FRAU.
Vorlage S. 757
18
Gott behüt uns in Gnaden!
Vorlage S. 757
19
MILLER.
Vorlage S. 757
20
Es hat sich zu behüten. Worauf kann so ein Windfuß wohl sonst sein Absehen richten? – Das Mädel ist schön – schlank – führt seinen netten Fuß. Unterm Dach mags aussehen, wies will. Darüber guckt man bei euch Weibsleuten weg, wenns nur der liebe Gott parterre nicht hat fehlen lassen – Stöbert mein Springinsfeld erst noch dieses Kapitel aus – heh da! geht ihm ein Licht auf, wie meinem Rodney, wenn er die Witterung eines Franzosen kriegt, und nun müssen alle Segel dran, und drauflos, und – ich verdenks ihm gar nicht. Mensch ist Mensch. Das muss ich wissen.
Vorlage S. 757
21
FRAU.
Vorlage S. 757
22
Solltest nur die wunderhübsche Billetter auch lesen, die der gnädige Herr an deine Tochter als schreiben tut. Guter Gott! Da sieht mans ja sonnenklar, wie es ihm pur um ihre schöne Seele zu tun ist.
Vorlage S. 757
23
MILLER.
Vorlage S. 757
24
Das ist die rechte Höhe! Auf den Sack schlagt man; den Esel meint man. Wer einen Gruß an das liebe Fleisch zu bestellen hat, darf nur das gute Herz Boten gehen lassen. Wie hab ichs gemacht? Hat mans nur erst so weit im reinen, dass die Gemüter topp machen, wutsch! nehmen die Körper ein Exempel; das Gesind machts der Herrschaft nach und der silberne Mond ist am End nur der Kuppler gewesen.
Vorlage S. 757
25
FRAU.
Vorlage S. 757
26
Sieh doch nur erst die prächtigen Bücher an, die der Herr Major ins Haus geschafft haben. Deine Tochter betet auch immer draus.
Vorlage S. 757
27
MILLER
Vorlage S. 757
28
pfeift.
Vorlage S. 757
29
Hui da! Betet! Du hast den Witz davon. Die rohe Kraftbrühen der Natur sind Ihro Gnaden zartem Makronenmagen noch zu hart. – Er muss sie erst in der höllischen Pestilenzküche der Bellatristen künstlich aufkochen lassen. Ins Feuer mit dem Quark. Da saugt mir das Mädel – weiß Gott was als für? – überhimmlische Alfanzereien ein, das läuft dann wie spanische Mucken ins Blut und wirft mir die Handvoll Christentum noch gar auseinander, die der Vater mit knapper Not so so noch zusammenhielt. Ins Feuer sag ich. Das Mädel setzt sich alles Teufelsgezeug in den Kopf; über all dem Herumschwänzen in der Schlaraffenwelt findets zuletzt seine Heimat nicht mehr, vergisst, schämt sich, dass sein Vater Miller der Geiger ist, und verschlägt mir am End einen wackern ehrbaren Schwiegersohn, der sich so warm in meine Kundschaft hinein, gesetzt hätte – – Nein! Gott verdamm mich. Er springt auf, hitzig. Gleich muss die Pastete auf den Herd, und dem Major – ja ja dem Major will ich weisen, wo Meister Zimmermann das Loch gemacht hat. Er will fort.
Vorlage S. 757
30
FRAU.
Vorlage S. 758
31
Sei artig, Miller. Wie manchen schönen Groschen haben uns nur die Präsenter – –
Vorlage S. 758
32
MILLER
Vorlage S. 758
33
kommt zurück und bleibt vor ihr stehen.
Vorlage S. 758
34
Das Blutgeld meiner Tochter? – Schier dich zum Satan, infame Kupplerin! – Eh will ich mit meiner Geig auf den Bettel herumziehen, und das Konzert um was Warmes geben – eh will ich mein Violonzello zerschlagen, und Mist im Sonanzboden führen, eh ich mirs schmecken lass von dem Geld, das mein einziges Kind mit Seel und Seligkeit abverdient. – Stell den vermaledeiten Kaffee ein, und das Tobakschnupfen, so brauchst du deiner Tochter Gesicht nicht zu Markt zu treiben. Ich hab mich satt gefressen, und immer ein gutes Hemd auf dem Leib gehabt, eh so ein vertrackter Tausendsasa in meine Stube geschmeckt hat.
Vorlage S. 758
35
FRAU.
Vorlage S. 758
36
Nur nicht gleich mit der Tür ins Haus. Wie du doch den Augenblick in Feuer und Flammen stehst! Ich sprech ja nur, man müss den Herrn Major nicht disguschtüren, weil Sie des Präsidenten Sohn sind.
Vorlage S. 758
37
MILLER.
Vorlage S. 758
38
Da liegt der Has im Pfeffer. Darum, just eben darum, muss die Sach noch heut auseinander. Der Präsident muss es mir Dank wissen, wenn er ein rechtschaffener Vater ist. Du wirst mir meinen roten plüschenen Rock ausbürsten, und ich werde mich bei Seiner Exzellenz anmelden lassen. Ich werde sprechen zu Seiner Exzellenz: Dero Herr Sohn haben ein Aug auf meine Tochter; meine Tochter ist zu schlecht zu Dero Herrn Sohnes Frau, aber zu Dero Herrn Sohnes Hure ist meine Tochter zu kostbar, und damit basta! – Ich heiße Miller.
Vorlage S. 758
39
Zweite Szene
Vorlage S. 759
40
Sekretär Wurm. Die Vorigen.
Vorlage S. 759
41
FRAU.
Vorlage S. 759
42
Ah guten Morgen, Herr Sekertare. Hat man auch einmal wieder das Vergnügen von Ihnen?
Vorlage S. 759
43
WURM.
Vorlage S. 759
44
Meinerseits, meinerseits, Frau Base. Wo eine Kavaliersgnade einspricht, kommt mein bürgerliches Vergnügen in gar keine Rechnung.
Vorlage S. 759
45
FRAU.
Vorlage S. 759
46
Was Sie nicht sagen, Herr Sekertare! Des Herrn Majors von Walter hohe Gnaden machen uns wohl je und je das Bläsier, doch verachten wir darum niemand.
Vorlage S. 759
47
MILLER
Vorlage S. 759
48
verdrüßlich.
Vorlage S. 759
49
Dem Herrn einen Sessel, Frau. Wollens ablegen, Herr Landsmann?
Vorlage S. 759
50
WURM
Vorlage S. 759
51
legt Hut und Stock weg, setzt sich.
Vorlage S. 759
52
Nun! Nun! und wie befindet sich denn meine Zukünftige – oder Gewesene? – Ich will doch nicht hoffen – kriegt man sie nicht zu sehen – Mamsell Luisen?
Vorlage S. 759
53
FRAU.
Vorlage S. 759
54
Danken der Nachfrage, Herr Sekertare. Aber meine Tochter ist doch gar nicht hochmütig.
Vorlage S. 759
55
MILLER
Vorlage S. 759
56
ärgerlich, stößt sie mit dem Ellnbogen.
Vorlage S. 759
57
Weib!
Vorlage S. 759
58
FRAU.
Vorlage S. 759
59
Bedauerns nur, dass sie die Ehre nicht haben kann vom Herrn Sekertare. Sie ist eben in die Mess, meine Tochter.
Vorlage S. 759
60
WURM.
Vorlage S. 759
61
Das freut mich, freut mich. Ich werd einmal eine fromme christliche Frau an ihr haben.
Vorlage S. 759
62
FRAU
Vorlage S. 759
63
lächelt dumm-vornehm.
Vorlage S. 759
64
Ja – aber, Herr Sekertare –
Vorlage S. 759
65
MILLER
Vorlage S. 759
66
in sichtbarer Verlegenheit kneipt sie in die Ohren.
Vorlage S. 759
67
Weib!
Vorlage S. 759
68
FRAU.
Vorlage S. 759
69
Wenn Ihnen unser Haus sonst irgendwo dienen kann – Mit allem Vergnügen, Herr Sekertare –
Vorlage S. 759
70
WURM
Vorlage S. 759
71
macht falsche Augen.
Vorlage S. 759
72
Sonst irgendwo! Schönen Dank! Schönen Dank – Hem! hem! hem!
Vorlage S. 759
73
FRAU.
Vorlage S. 759
74
Aber – wie der Herr Sekertare selber die Einsicht werden haben –
Vorlage S. 759
75
MILLER
Vorlage S. 759
76
voll Zorn seine Frau vor den Hintern stoßend.
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77
Weib!
Vorlage S. 759
78
FRAU.
Vorlage S. 759
79
Gut ist gut, und besser ist besser, und einem einzigen Kind mag man doch auch nicht vor seinem Glück sein. Bäurisch-stolz. Sie werden mich je doch wohl merken, Herr Sekertare?
Vorlage S. 759
80
WURM
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81
rückt unruhig im Sessel, kratzt hinter den Ohren und zupft an Manschetten und Jabot.
Vorlage S. 759
82
Merken? Nicht doch – O ja – wie meinen sie denn?
Vorlage S. 760
83
FRAU.
Vorlage S. 760
84
Nu – nu – ich dächte nur – ich meine Hustet. weil eben halt der liebe Gott meine Tochter barrdu zur gnädigen Madam will haben –
Vorlage S. 760
85
WURM
Vorlage S. 760
86
fährt vom Stuhl.
Vorlage S. 760
87
Was sagen Sie da? Was?
Vorlage S. 760
88
MILLER.
Vorlage S. 760
89
Bleiben sitzen! Bleiben sitzen, Herr Sekretarius! Das Weib ist eine alberne Gans. Wo soll eine gnädige Madam herkommen? Was für ein Esel streckt sein Langohr aus diesem Geschwätze?
Vorlage S. 760
90
FRAU.
Vorlage S. 760
91
Schmäl du, solang du willst. Was ich weiß, weiß ich – und was der Herr Major gesagt hat, das hat er gesagt.
Vorlage S. 760
92
MILLER
Vorlage S. 760
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aufgebracht, springt nach der Geige.
Vorlage S. 760
94
Willst du dein Maul halten? Willst das Violonzello am Hirnkasten wissen? – Was kannst du wissen? Was kann er gesagt haben? – Kehren sich an das Geklatsch nicht, Herr Vetter – Marsch du in deine Küche – Werden mich doch nicht für des Dummkopfs leiblichen Schwager halten, dass ich obenaus woll mit dem Mädel? Werden doch das nicht von mir denken, Herr Sekretarius?
Vorlage S. 760
95
WURM.
Vorlage S. 760
96
Auch hab ich es nicht um Sie verdient, Herr Musikmeister. Sie haben mich jederzeit den Mann von Wort sehen lassen, und meine Ansprüche auf Ihre Tochter waren so gut als unterschrieben. Ich habe ein Amt, das seinen guten Haushälter nähren kann, der Präsident ist mir gewogen, an Empfehlungen kanns nicht fehlen, wenn ich mich höher poussieren will. Sie sehen, dass meine Absichten auf Mamsell Luisen ernsthaft sind, wenn sie vielleicht von einem adeligen Windbeutel herumgeholt – –
Vorlage S. 760
97
FRAU.
Vorlage S. 760
98
Herr Sekertare Wurm! Mehr Respekt, wenn man bitten darf –
Vorlage S. 760
99
MILLER.
Vorlage S. 760
100
Halt du dein Maul, sag ich – Lassen Sie es gut sein, Herr Vetter. Es bleibt beim alten. Was ich Ihnen verwichenen Herbst zum Bescheid gab, bring ich heut wieder. Ich zwinge meine Tochter nicht. Stehen Sie ihr an – wohl und gut, so mag sie zusehen, wie sie glücklich mit Ihnen wird. Schüttelt sie den Kopf – noch besser – – in Gottes Namen wollt ich sagen – – so stecken Sie den Korb ein, und trinken eine Bouteille mit dem Vater – Das Mädel muss mit Ihnen leben – ich nicht – warum soll ich ihr einen Mann, den sie nicht schmecken kann, aus purem klarem Eigensinn an den Hals werfen? – Dass mich der böse Feind in meinen eisgrauen Tagen noch wie sein Wildbret herumhetze – dass ichs in jedem Glas Wein zu saufen – in jeder Suppe zu fressen kriege: Du bist der Spitzbube, der sein Kind ruiniert hat!
Vorlage S. 760
101
FRAU.
Vorlage S. 761
102
Und kurz und gut – ich geb meinen Konsens absolut nicht; meine Tochter ist zu was Hohem gemünzt, und ich lauf in die Gerichte, wenn mein Mann sich beschwatzen lässt.
Vorlage S. 761
103
MILLER.
Vorlage S. 761
Porträt von Schiller, Friedrich; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Schiller, Friedrich · Ludovike Simanowiz · Public domain Bildquelle ↗
104
Willst du Arm und Bein entzwei haben, Wettermaul?
Vorlage S. 761
105
WURM
Vorlage S. 761
106
zu Millern.
Vorlage S. 761
107
Ein väterlicher Rat vermag bei der Tochter viel, und hoffentlich werden Sie mich kennen, Herr Miller?
Vorlage S. 761
108
MILLER.
Vorlage S. 761
109
Dass dich alle Hagel! 's Mädel muss Sie kennen. Was ich alter Knasterbart an Ihnen abgucke, ist just kein Fressen fürs junge naschhafte Mädel. Ich will Ihnen aufs Haar hin sagen, ob Sie ein Mann fürs Orchester sind – aber eine Weiberseel ist auch für einen Kapellmeister zu spitzig. – Und dann von der Brust weg, Herr Vetter – ich bin halt ein plumper gerader teutscher Kerl – für meinen Rat würden Sie sich zuletzt wenig bedanken. Ich rate meiner Tochter zu keinem – aber Sie mißrat ich meiner Tochter, Herr Sekretarius. Lassen mich ausreden. Einem Liebhaber, der den Vater zu Hilfe ruft, trau ich – erlauben Sie, – keine hohle Haselnuß zu. Ist er was, so wird er sich schämen, seine Talente durch diesen altmodischen Kanal vor seine Liebste zu bringen – Hat er's Courage nicht, so ist er ein Hasenfuß, und für den sind keine Luisen gewachsen – – Da! hinter dem Rücken des Vaters muss er sein Gewerb an die Tochter bestellen. Machen muss er, dass das Mädel lieber Vater und Mutter zum Teufel wünscht, als ihn fahren lässt – oder selber kommt, dem Vater zu Füßen sich wirft und sich um Gottes willen den schwarzen gelben Tod oder den Herzeinzigen ausbittet. – Das nenn ich einen Kerl! Das heißt lieben! – und wers bei dem Weibsvolk nicht so weit bringt, der soll – – auf seinem Gänsekiel reiten.
Vorlage S. 761
110
WURM
Vorlage S. 761
111
greift nach Hut und Stock, und zum Zimmer hinaus.
Vorlage S. 761
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Obligation, Herr Miller.
Vorlage S. 761
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MILLER
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geht ihm langsam nach.
Vorlage S. 761
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Für was? Für was? Haben Sie ja doch nichts genossen, Herr Sekretarius. Zurückkommend. nichts hört er und hin zieht er – – Ist mirs doch wie Gift und Operment, wenn ich den Federnfuchser zu Gesichte krieg. Ein konfiszierter widriger Kerl, als hätt ihn irgendein Schleichhändler in die Welt meines Herrgotts hineingeschachert – Die kleinen tückischen Mausaugen – die Haare brandrot – das Kinn herausgequollen, gerade als wenn die Natur für purem Gift über das verhunzte Stück Arbeit meinen Schlingel da angefaßt, und in irgendeine Ecke geworfen hätte – Nein! Eh ich meine Tochter an so einen Schuft wegwerfe, lieber soll sie mir – Gott verzeih mirs –
Vorlage S. 761
116
FRAU
Vorlage S. 762
117
spuckt aus, giftig.
Vorlage S. 762
118
Der Hund! – Aber man wird dirs Maul sauber halten.
Vorlage S. 762
119
MILLER.
Vorlage S. 762
120
Du aber auch mit deinem pestilenzialischen Junker – Hast mich vorhin auch so in Harnisch gebracht – Bist doch nie dummer, als wenn du um Gottes willen gescheit sein solltest. Was hat das Geträtsch von einer gnädigen Madam und deiner Tochter da vorstellen sollen? Das ist mir der Alte. Dem muss man so was an die Nase heften, wenns morgen am Marktbrunnen ausgeschellt sein soll. Das ist just so ein Musje, wie sie in der Leute Häusern herumriechen, über Keller und Koch räsonnieren, und springt einem ein nasenweises Wort übers Maul – Bumbs! habens Fürst und Matress und Präsident, und du hast das siedende Donnerwetter am Halse.
Vorlage S. 762
121
Dritte Szene
Vorlage S. 762
122
Luise Millerin kommt, ein Buch in der Hand. Vorige.
Vorlage S. 762
123
LUISE
Vorlage S. 762
124
legt das Buch nieder, geht zu Millern und druckt ihm die Hand.
Vorlage S. 762
125
Guten Morgen, lieber Vater.
Vorlage S. 762
126
MILLER
Vorlage S. 762
127
warm.
Vorlage S. 762
128
Brav, meine Luise – Freut mich, dass du so fleißig an deinen Schöpfer denkst. Bleib immer so, und sein Arm wird dich halten.
Vorlage S. 762
129
LUISE.
Vorlage S. 762
130
O ich bin eine schwere Sünderin, Vater – War er da, Mutter?
Vorlage S. 762
131
FRAU.
Vorlage S. 762
132
Wer, mein Kind?
Vorlage S. 762
133
LUISE.
Vorlage S. 762
134
Ah! ich vergaß, dass es noch außer ihm Menschen gibt – Mein Kopf ist so wüste – Er war nicht da? Walter?
Vorlage S. 762
135
MILLER
Vorlage S. 762
136
traurig und ernsthaft.
Vorlage S. 762
137
Ich dachte, meine Luise hätte den Namen in der Kirche gelassen?
Vorlage S. 762
138
LUISE
Vorlage S. 763
139
nachdem sie ihn eine Zeitlang starr angesehen.
Vorlage S. 763
140
Ich versteh Ihn, Vater – fühle das Messer, das Er in mein Gewissen stößt; aber es kommt zu spät. – Ich hab keine Andacht mehr, Vater – der Himmel und Ferdinand reißen an meiner blutenden Seele, und ich fürchte – ich fürchte – Nach einer Pause. Doch nein, guter Vater. Wenn wir ihn über dem Gemälde vernachlässigen, findet sich ja der Künstler am feinsten gelobt. – Wenn meine Freude über sein Meisterstück mich ihn selbst übersehen macht, Vater, muss das Gott nicht ergötzen?
Vorlage S. 763
141
MILLER
Vorlage S. 763
142
wirft sich unmutig in den Stuhl.
Vorlage S. 763
143
Da haben wirs! Das ist die Frucht von dem gottlosen Lesen.
Vorlage S. 763
144
LUISE
Vorlage S. 763
145
tritt unruhig an ein Fenster.
Vorlage S. 763
146
Wo er wohl jetzt ist? – Die vornehmen Fräulein, die ihn sehen – ihn hören – – ich bin ein schlechtes vergessenes Mädchen. Erschrickt an dem Wort und stürzt ihrem Vater zu. Doch nein! nein! verzeih Er mir. Ich beweine mein Schicksal nicht. Ich will ja nur wenig – – an ihn denken – das kostet ja nichts. Dies bisschen Leben – dürft ich es hinhauchen in ein leises schmeichelndes Lüftchen, sein Gesicht abzukühlen! – Dies Blümchen Jugend – wär es ein Veilchen, und er träte drauf, und es dürfte bescheiden unter ihm sterben! – Damit genügte mir, Vater. Wenn die Mücke in ihren Strahlen sich sonnt – kann sie das strafen, die stolze majestätische Sonne?
Vorlage S. 763
147
MILLER
Vorlage S. 763
148
beugt sich gerührt an die Lehne des Stuhls und bedeckt das Gesicht.
Vorlage S. 763
149
Höre, Luise – das bissel Bodensatz meiner Jahre, ich gäb es hin, hättest du den Major nie gesehen.
Vorlage S. 763
150
LUISE
Vorlage S. 763
151
erschrocken.
Vorlage S. 763
152
Was sagt Er da? Was? – Nein! er meint es anders, der gute Vater. Er wird nicht wissen, dass Ferdinand mein ist, mir geschaffen, mir zur Freude vom Vater der Liebenden. Sie steht nachdenkend. Als ich ihn das erstemal sah – Rascher. und mir das Blut in die Wangen stieg, froher jagten alle Pulse, jede Wallung sprach, jeder Atem lispelte: Er ists, – und mein Herz den Immermangelnden erkannte, bekräftigte, Er ists, und wie das widerklang durch die ganze mitfreuende Welt. Damals – o damals ging in meiner Seele der erste Morgen auf. Tausend junge Gefühle schossen aus meinem Herzen, wie die Blumen aus dem Erdreich, wenns Frühling wird. Ich sah keine Welt mehr, und doch besinn ich mich, dass sie niemals so schön war. Ich wusste von keinem Gott mehr, und doch hatt ich ihn nie so geliebt.
Vorlage S. 763
153
MILLER
Vorlage S. 764
154
eilt auf sie zu, drückt sie wider seine Brust.
Vorlage S. 764
155
Luise – teures – herrliches Kind – Nimm meinen alten mürben Kopf – nimm alles – alles! – den Major – Gott ist mein Zeuge – ich kann dir ihn nimmer geben. Er geht ab.
Vorlage S. 764
156
LUISE.
Vorlage S. 764
157
Auch will ich ihn ja jetzt nicht, mein Vater. Dieser karge Tautropfe Zeit – schon ein Traum von Ferdinand trinkt ihn wollüstig auf. Ich entsag ihm für dieses Leben. Dann, Mutter – dann, wenn die Schranken des Unterschieds einstürzen – wenn von uns abspringen all die verhaßte Hülsen des Standes – Menschen nur Menschen sind – Ich bringe nichts mit mir als meine Unschuld, aber der Vater hat ja so oft gesagt, dass der Schmuck und die prächtigen Titel wohlfeil werden, wenn Gott kommt, und die Herzen im Preise steigen. Ich werde dann reich sein. Dort rechnet man Tränen für Triumphe, und schöne Gedanken für Ahnen an. Ich werde dann vornehm sein, Mutter – Was hätte er dann noch für seinem Mädchen voraus?
Vorlage S. 764
158
FRAU
Vorlage S. 764
159
fährt in die Höhe.
Vorlage S. 764
160
Luise! Der Major! Er springt über die Planke. Wo verberg ich mich doch?
Vorlage S. 764
161
LUISE
Vorlage S. 764
162
fängt an zu zittern.
Vorlage S. 764
163
Bleib Sie doch, Mutter!
Vorlage S. 764
164
FRAU.
Vorlage S. 764
165
Mein Gott! Wie seh ich aus. Ich muss mich ja schämen. Ich darf mich nicht vor Seiner Gnaden so sehen lassen. Ab.
Vorlage S. 764
166
Vierte Szene
Vorlage S. 764
167
Ferdinand von Walter. Luise.
Vorlage S. 764
168
Er fliegt auf sie zu – sie sinkt entfärbt und matt auf einen Sessel – er bleibt vor ihr stehn – sie sehen sich eine Zeitlang stillschweigend an. Pause.
Vorlage S. 764
169
FERDINAND.
Vorlage S. 764
170
Du bist blass, Luise?
Vorlage S. 764
171
LUISE
Vorlage S. 764
172
steht auf und fällt ihm um den Hals.
Vorlage S. 764
173
Es ist nichts. Nichts. Du bist ja da. Es ist vorüber.
Vorlage S. 764
174
FERDINAND
Vorlage S. 764
175
ihre Hand nehmend und zum Munde führend.
Vorlage S. 764
176
Und liebt mich meine Luise noch? Mein Herz ist das gestrige, ists auch das deine noch? Ich fliege nur her, will sehn, ob du heiter bist, und gehn und es auch sein – du bists nicht.
Vorlage S. 764
177
LUISE.
Vorlage S. 765
178
Doch, doch, mein Geliebter.
Vorlage S. 765
179
FERDINAND.
Vorlage S. 765
180
Rede mir Wahrheit. Du bists nicht. Ich schaue durch deine Seele wie durch das klare Wasser dieses Brillanten. Er zeigt auf seinen Ring. Hier wirft sich kein Bläschen auf, das ich nicht merkte – kein Gedanke tritt in dies Angesicht, der mir entwischte. Was hast du? Geschwind! Weiß ich nur diesen Spiegel helle, so läuft keine Wolke über die Welt. Was bekümmert dich?
Vorlage S. 765
181
LUISE
Vorlage S. 765
182
sieht ihn eine Weile stumm und bedeutend an, dann mit Wehmut.
Vorlage S. 765
183
Ferdinand! Ferdinand! Dass du doch wüsstest, wie schön in dieser Sprache das bürgerliche Mädchen sich ausnimmt –
Vorlage S. 765
184
FERDINAND.
Vorlage S. 765
185
Was ist das? Befremdet. Mädchen! Höre! Wie kommst du auf das? – Du bist meine Luise! Wer sagt dir, dass du noch etwas sein solltest? Siehst du Falsche, auf welchem Kaltsinn ich dir begegnen muss. Wärest du ganz nur Liebe für mich, wann hättest du Zeit gehabt, eine Vergleichung zu machen? Wenn ich bei dir bin, zerschmilzt meine Vernunft in einen Blick – in einen Traum von dir, wenn ich weg bin, und du hast noch eine Klugheit neben deiner Liebe? – Schäme dich! Jeder Augenblick, den du an diesen Kummer verlorst, war deinem Jüngling gestohlen.
Vorlage S. 765
186
LUISE
Vorlage S. 765
187
faßt seine Hand, indem sie den Kopf schüttelt.
Vorlage S. 765
188
Du willst mich einschläfern, Ferdinand – willst meine Augen von diesem Abgrund hinweglocken, in den ich ganz gewiss stürzen muss. Ich seh in die Zukunft – die Stimme des Ruhms – deine Entwürfe – dein Vater – mein Nichts. Erschrickt und lässt plötzlich seine Hand fahren. Ferdinand! ein Dolch über dir und mir! – Man trennt uns!
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189
FERDINAND.
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190
Trennt uns! Er springt auf. Woher bringst du diese Ahndung, Luise? Trennt uns? – Wer kann den Bund zwoer Herzen lösen, oder die Töne eines Akkords auseinanderreißen? – Ich bin ein Edelmann – Lass doch sehen, ob mein Adelbrief älter ist als der Riss zum unendlichen Weltall? oder mein Wappen gültiger als die Handschrift des Himmels in Luisens Augen: Dieses Weib ist für diesen Mann? – Ich bin des Präsidenten Sohn. Eben darum. Wer, als die Liebe, kann mir die Flüche versüßen, die mir der Landeswucher meines Vaters vermachen wird?
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191
LUISE.
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192
O, wie sehr fürcht ich ihn – diesen Vater!
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193
FERDINAND.
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194
Ich fürchte nichts – nichts – als die Grenzen deiner Liebe. Lass auch Hindernisse wie Gebürge zwischen uns treten, ich will sie für Treppen nehmen und drüber hin in Luisens Arme fliegen. Die Stürme des widrigen Schicksals sollen meine Empfindung emporblasen, Gefahren werden meine Luise nur reizender machen. – Also nichts mehr von Furcht, meine Liebe. Ich selbst – ich will über dir wachen wie der Zauberdrach über unterirdischem Golde – Mir vertraue dich. Du brauchst keinen Engel mehr – Ich will mich zwischen dich und das Schicksal werfen – empfangen für dich jede Wunde – auffassen für dich jeden Tropfen aus dem Becher der Freude – dir ihn bringen in der Schale der Liebe. Sie zärtlich umfassend. An diesem Arm soll meine Luise durchs Leben hüpfen, schöner als er dich von sich ließ, soll der Himmel dich wieder haben und mit Verwunderung eingestehn, dass nur die Liebe die letzte Hand an die Seelen legte –
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195
LUISE
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196
drückt ihn von sich, in großer Bewegung.
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Nichts mehr! Ich bitte dich, schweig! – Wüsstest du – Lass mich – du weißt nicht, dass deine Hoffnungen mein Herz wie Furien anfallen. Will fort.
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198
FERDINAND
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199
hält sie auf.
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200
Luise? Wie! Was! Welche Anwandlung?
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201
LUISE.
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202
Ich hatte diese Träume vergessen und war glücklich – Jetzt! Jetzt! Von heut an – der Friede meines Lebens ist aus – Wilde Wünsche – ich weiß es – werden in meinem Busen rasen. – Geh – Gott vergebe dirs – Du hast den Feuerbrand in mein junges friedsames Herz geworfen, und er wird nimmer, nimmer gelöscht werden. Sie stürzt hinaus. Er folgt ihr sprachlos nach.
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203
Fünfte Szene
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204
Saal beim Präsidenten.
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205
Der Präsident, ein Ordenskreuz um den Hals, einen Stern an der Seite, und Sekretär Wurm treten auf.
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Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
206
PRÄSIDENT.
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207
Ein ernsthaftes Attachement! Mein Sohn? – Nein, Wurm, das macht Er mich nimmermehr glauben.
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208
WURM.
Vorlage S. 767
209
Ihro Exzellenz haben die Gnade, mir den Beweis zu befehlen.
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210
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 767
211
Dass er der Bürgerkanaille den Hof macht – Flatterien sagt – auch meinetwegen Empfindungen vorplaudert – Das sind lauter Sachen, die ich möglich finde – verzeihlich finde – aber – und noch gar die Tochter eines Musikus, sagt Er?
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212
WURM.
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213
Musikmeister Millers Tochter.
Vorlage S. 767
214
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 767
215
Hübsch? – Zwar das versteht sich.
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216
WURM
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217
lebhaft.
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218
Das schönste Exemplar einer Blondine, die, nicht zuviel gesagt, neben den ersten Schönheiten des Hofes noch Figur machen würde.
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219
PRÄSIDENT
Vorlage S. 767
220
lacht.
Vorlage S. 767
221
Er sagt mir, Wurm – Er habe ein Aug auf das Ding – das find ich. Aber sieht Er, mein lieber Wurm – dass mein Sohn Gefühl für das Frauenzimmer hat, macht mir Hoffnung, dass ihn die Damen nicht hassen werden. Er kann bei Hof etwas durchsetzen. Das Mädchen ist schön, sagt Er, das gefällt mir an meinem Sohn, dass er Ge schmack hat. Spiegelt er er Närrin solide Absichten vor? Noch besser – so seh ich, dass er Witz genug hat, in seinen Beutel zu lügen. Er kann Präsident werden. Setzt er es noch dazu durch? Herrlich! das zeigt mir an, dass er Glück hat. – Schließt sich die Farce mit einem gesunden Enkel – Unvergleichlich! so trink ich auf die guten Aspekten meines Stammbaums ein Bouteille Malaga mehr, und bezahle die Skortationsstrafe für seine Dirne.
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222
WURM.
Vorlage S. 767
223
Alles, was ich wünsche, Ihr' Exzellenz, ist, dass Sie nicht nötig haben möchten, diese Bouteille zu Ihrer Zerstreuung zu trinken.
Vorlage S. 767
224
PRÄSIDENT
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225
ernsthaft.
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226
Wurm, besinn Er sich, dass ich, wenn ich einmal glaube, hartnäckig glaube, rase, wenn ich zürne – Ich will einen Spaß daraus machen, dass Er mich aufhetzen wollte. Dass Er sich seinen Nebenbuhler gern vom Hals geschafft hätte, glaub ich Ihm herzlich gern. Da Er meinen Sohn bei dem Mädchen auszustechen Mühe haben möchte, soll Ihm der Vater zur Fliegenklatsche dienen, das find ich wieder begreiflich – und dass Er einen so herrlichen Ansatz zum Schelmen hat, entzückt mich sogar – Nur, mein lieber Wurm, muss Er mich nicht mitprellen wollen. – Nur, versteht Er mich, muss Er den Pfiff nicht bis zum Einbruch in meine Grundsätze treiben.
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227
WURM.
Vorlage S. 768
228
Ihro Exzellenz verzeihen. Wenn auch wirklich – wie Sie argwohnen – die Eifersucht hier im Spiel sein sollte, so wäre sie es wenigstens nur mit den Augen und nicht mit der Zunge.
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229
PRÄSIDENT.
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230
Und ich dächte, sie bliebe ganz weg. Dummer Teufel, was verschlägt es denn Ihm, ob Er die Karolin frisch aus der Münze oder vom Bankier bekommt. Tröst Er sich mit dem hiesigen Adel; – Wissentlich oder nicht – bei uns wird selten eine Mariage geschlossen, wo nicht wenigstens ein halb Dutzend der Gäste – oder der Aufwärter – das Paradies des Bräutigams geometrisch ermessen kann.
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231
WURM
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232
verbeugt sich.
Vorlage S. 768
233
Ich mache hier gern den Bürgersmann, gnädiger Herr.
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234
PRÄSIDENT.
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235
Überdies kann Er mit nächstem die Freude haben, seinem Nebenbuhler den Spott auf die schönste Art heimzugeben. Eben jetzt liegt der Anschlag im Kabinett, dass, auf die Ankunft der neuen Herzogin, Lady Milford zum Schein den Abschied erhalten und, den Betrug vollkommen zu machen, eine Verbindung eingehen soll. Er weiß, Wurm, wie sehr sich mein Ansehen auf den Einfluß der Lady stützt – wie überhaupt meine mächtigsten Springfedern in die Wallungen des Fürsten hineinspielen. Der Herzog sucht eine Partie für die Milford. Ein anderer kann sich melden – den Kauf schließen, mit der Dame das Vertrauen des Fürsten anreißen, sich ihm unentbehrlich machen – Damit nun der Fürst im Netz meiner Familie bleibe, soll mein Ferdinand die Milford heuraten – – Ist Ihm das helle?
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236
WURM.
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237
Dass mich die Augen beißen – – Wenigstens bewies der Präsident hier, dass der Vater nur ein Anfänger gegen ihn ist. Wenn der Major Ihnen ebenso den gehorsamen Sohn zeigt, als Sie ihm den zärtlichen Vater, so dörfte Ihre Anfoderung mit Protest zurückkommen.
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238
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 768
239
Zum Glück war mir noch nie für die Ausführung eines Entwurfes bang, wo ich mich mit einem: Es soll so sein, einstellen konnte. – Aber seh Er nun, Wurm, das hat uns wieder auf den vorigen Punkt geleitet. Ich kündige meinem Sohn noch diesen Vormittag seine Vermählung an. Das Gesicht, das er mir zeigen wird, soll Seinen Argwohn entweder rechtfertigen oder ganz widerlegen.
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240
WURM.
Vorlage S. 769
241
Gnädiger Herr, ich bitte sehr um Vergebung. Das finstre Gesicht, das er Ihnen ganz zuverlässig zeigt, lässt sich ebensogut auf die Rechnung der Braut schreiben, die Sie ihm zuführen, als derjenigen, die Sie ihm nehmen. Ich ersuche Sie um eine schärfere Probe. Wählen Sie ihm die untadeligste Partie im Land, und sagt er ja, so lassen Sie den Sekretär Wurm drei Jahre Kugeln schleifen.
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242
PRÄSIDENT
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243
beißt die Lippen.
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244
Teufel!
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245
WURM.
Vorlage S. 769
246
Es ist nicht anders. Die Mutter – die Dummheit selbst – hat mir in der Einfalt zuviel geplaudert.
Vorlage S. 769
247
PRÄSIDENT
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248
geht auf und nieder, preßt seinen Zorn zurück.
Vorlage S. 769
249
Gut! Diesen Morgen noch.
Vorlage S. 769
250
WURM.
Vorlage S. 769
251
Nur vergessen Euer Exzellenz nicht, dass der Major – der Sohn meines Herrn ist.
Vorlage S. 769
252
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 769
253
Er soll geschont werden, Wurm.
Vorlage S. 769
254
WURM.
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255
Und dass der Dienst, Ihnen von einer unwillkommenen Schwiegertochter zu helfen –
Vorlage S. 769
256
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 769
257
Den Gegendienst wert ist, Ihm zu einer Frau zu helfen? – Auch das, Wurm.
Vorlage S. 769
258
WURM
Vorlage S. 769
259
bückt sich vergnügt.
Vorlage S. 769
260
Ewig der Ihrige, gnädiger Herr. Er will gehen.
Vorlage S. 769
261
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 769
262
Was ich Ihm vorhin vertraut habe, Wurm Drohend. Wenn Er plaudert –
Vorlage S. 769
263
WURM
Vorlage S. 769
264
lacht.
Vorlage S. 769
265
So zeigen Ihr' Exzellenz meine falschen Handschriften auf Er geht ab.
Vorlage S. 769
266
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 769
267
Zwar du bist mir gewiss. Ich halte dich an deiner eigenen Schurkerei, wie den Schröter am Faden!
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268
EIN KAMMERDIENER
Vorlage S. 769
269
tritt herein.
Vorlage S. 769
270
Hofmarschall von Kalb –
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271
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 769
272
Kommt, wie gerufen. – Er soll mir angenehm sein.
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273
Kammerdiener geht.
Vorlage S. 769
274
Sechste Szene
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275
Hofmarschall von Kalb, in einem reichen, aber geschmacklosen Hofkleid, mit Kammerherrnschlüsseln, zwei Uhren und einem Degen, Chapeau-bas und frisiert à la Hérisson. Er fliegt mit großem Gekreisch auf den Präsidenten zu und breitet einen Bisamgeruch über das ganze Parterre.
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276
Präsident.
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277
HOFMARSCHALL
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278
ihn umarmend.
Vorlage S. 770
279
Ah guten Morgen, mein Bester! Wie geruht? Wie geschlafen? – Sie verzeihen doch, dass ich so spät das Vergnügen habe – dringende Geschäfte – der Küchenzettel – Visitenbilletts – das Arrangement der Partien auf die heutige Schlittenfahrt – Ah – und denn musst ich ja auch bei dem Lever zugegen sein, und Seiner Durchleucht das Wetter verkündigen.
Vorlage S. 770
280
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 770
281
Ja, Marschall. Da haben Sie freilich nicht abkommen können.
Vorlage S. 770
282
HOFMARSCHALL.
Vorlage S. 770
283
Obendrein hat mich ein Schelm von Schneider noch sitzen lassen.
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284
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 770
285
Und doch fix und fertig?
Vorlage S. 770
286
HOFMARSCHALL.
Vorlage S. 770
287
Das ist noch nicht alles. – Ein Malheur jagt heut das andere. Hören Sie nur.
Vorlage S. 770
288
PRÄSIDENT
Vorlage S. 770
289
zerstreut.
Vorlage S. 770
290
Ist das möglich?
Vorlage S. 770
291
HOFMARSCHALL.
Vorlage S. 770
292
Hören Sie nur. Ich steige kaum aus dem Wagen, so werden die Hengste scheu, stampfen und schlagen aus, dass mir – ich bitte Sie! – der Gassenkot über und über an die Beinkleider sprützt. Was anzufangen? Setzen Sie sich um Gottes willen in meine Lage, Baron. Da stand ich. Spät war es. Eine Tagreise ist es – und in dem Aufzug vor Seine Durchleucht! Gott der Gerechte! – Was fällt mir bei? Ich fingiere eine Ohnmacht. Man bringt mich über Hals und Kopf in die Kutsche. Ich in voller Karriere nach Haus – wechsle die Kleider – fahre zurück – Was sagen Sie? – und bin noch der erste in der Antichambre – Was denken Sie?
Vorlage S. 770
293
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 770
294
Ein herrliches Impromptu des menschlichen Witzes – Doch das beiseite, Kalb – Sie sprachen also schon mit dem Herzog?
Vorlage S. 770
295
HOFMARSCHALL
Vorlage S. 770
296
wichtig.
Vorlage S. 770
297
Zwanzig Minuten und eine halbe.
Vorlage S. 770
298
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 770
299
Das gesteh ich! – und wissen mir also ohne Zweifel eine wichtige Neuigkeit?
Vorlage S. 770
300
HOFMARSCHALL
Vorlage S. 771
301
ernsthaft nach einigem Stillschweigen.
Vorlage S. 771
302
Seine Durchleucht haben heute einen Merde d'Oye-Biber an.
Vorlage S. 771
303
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 771
304
Man denke – Nein, Marschall, so hab ich doch eine bessere Zeitung für Sie – dass Lady Milford Majorin von Walter wird, ist Ihnen gewiss etwas Neues?
Vorlage S. 771
305
HOFMARSCHALL.
Vorlage S. 771
306
Denken Sie! – Und das ist schon richtig gemacht?
Vorlage S. 771
307
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 771
Georg Friedrich Kersting – Mann am Sekretär. Vergleichsbild zum Lesen, Schreiben und Nachdenken; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Am Schreibtisch · Georg Friedrich Kersting · Public domain Bildquelle ↗
308
Unterschrieben, Marschall – und Sie verbinden mich, wenn Sie ohne Aufschub dahin gehen, die Lady auf seinen Besuch präparieren, und den Entschluss meines Ferdinands in der ganzen Residenz bekanntmachen.
Vorlage S. 771
309
HOFMARSCHALL
Vorlage S. 771
310
entzückt.
Vorlage S. 771
311
O mit tausend Freuden, mein Bester – Was kann mir erwünschter kommen? – Ich fliege sogleich – Umarmt ihn. Leben Sie wohl – In dreiviertel Stunden weiß es die ganze Stadt. Hüpft hinaus.
Vorlage S. 771
312
PRÄSIDENT
Vorlage S. 771
313
lacht dem Marschall nach.
Vorlage S. 771
314
Man sage noch, dass diese Geschöpfe in der Welt zu nichts taugen – – Nun muss ja mein Ferdinand wollen, oder die ganze Stadt hat gelogen. Klingelt. – Wurm kommt. Mein Sohn soll hereinkommen. Wurm geht ab. Der Präsident auf und nieder, gedankenvoll.
Vorlage S. 771
315
Siebente Szene
Vorlage S. 771
316
Ferdinand. Der Präsident. Wurm, welcher gleich abgeht.
Vorlage S. 771
317
FERDINAND.
Vorlage S. 771
318
Sie haben befohlen, gnädiger Herr Vater –
Vorlage S. 771
319
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 771
320
Leider muss ich das, wenn ich meines Sohns einmal froh werden will – Lass Er uns allein, Wurm. – Ferdinand, ich beobachte dich schon eine Zeit lang und finde die offene rasche Jugend nicht mehr, die mich sonst so entzückt hat. Ein seltsamer Gram brütet auf deinem Gesicht – Du fliehst mich – Du fliehst deine Zirkel – Pfui! – Deinen Jahren verzeiht man zehn Ausschweifungen vor einer einzigen Grille. Überlaß diese mir, lieber Sohn. Mich lass an deinem Glück arbeiten, und denke auf nichts, als in meine Entwürfe zu spielen. – Komm! Umarme mich, Ferdinand.
Vorlage S. 771
321
FERDINAND.
Vorlage S. 771
322
Sie sind heute sehr gnädig, mein Vater.
Vorlage S. 771
323
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 771
324
Heute, du Schalk – und dieses Heute noch mit der herben Grimasse? Ernsthaft. Ferdinand! – Wem zulieb hab ich die gefährliche Bahn zum Herzen des Fürsten betreten? Wem zulieb bin ich auf ewig mit meinem Gewissen und dem Himmel zerfallen? – Höre, Ferdinand – (Ich spreche mit meinem Sohn) – Wem hab ich durch die Hinwegräumung meines Vorgängers Platz gemacht – eine Geschichte, die desto blutiger in mein Inwendiges schneidet, je sorgfältiger ich das Messer der Welt verberge. Höre. Sage mir, Ferdinand: Wem tat ich dies alles?
Vorlage S. 771
325
FERDINAND
Vorlage S. 772
326
tritt mit Schrecken zurück.
Vorlage S. 772
327
Doch mir nicht, mein Vater? Doch auf mich soll der blutige Widerschein dieses Frevels nicht fallen? Beim allmächtigen Gott! Es ist besser, gar nicht geboren sein, als dieser Missetat zur Ausrede dienen.
Vorlage S. 772
328
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 772
329
Was war das? Was? Doch! ich will es dem Romanenkopfe zugut halten – Ferdinand – ich will mich nicht erhitzen, vorlauter Knabe – Lohnst du mir also für meine schlaflosen Nächte? Also für meine rastlose Sorge? Also für den ewigen Skorpion meines Gewissens? – Auf mich fällt die Last der Verantwortung – auf mich der Fluch, der Donner des Richters – Du empfängst dein Glück von der zweiten Hand – das Verbrechen klebt nicht am Erbe.
Vorlage S. 772
330
FERDINAND
Vorlage S. 772
331
streckt die rechte Hand gen Himmel.
Vorlage S. 772
332
Feierlich entsag ich hier einem Erbe, das mich nur an einen abscheulichen Vater erinnert.
Vorlage S. 772
333
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 772
334
Höre, junger Mensch, bringe mich nicht auf. – Wenn es nach deinem Kopfe ginge, du kröchest dein Leben lang im Staube.
Vorlage S. 772
335
FERDINAND.
Vorlage S. 772
336
O, immer noch besser, Vater, als ich kröch um den Thron herum.
Vorlage S. 772
337
PRÄSIDENT
Vorlage S. 772
338
verbeißt seinen Zorn.
Vorlage S. 772
339
Hum! – Zwingen muss man dich, dein Glück zu erkennen. Wo zehn andre mit aller Anstrengung nicht hinaufklimmen, wirst du spielend, im Schlafe gehoben. Du bist im zwölften Jahre Fähndrich. Im zwanzigsten Major. Ich hab es durchgesetzt beim Fürsten. Du wirst die Uniform ausziehen, und in das Ministerium eintreten. Der Fürst sprach vom Geheimenrat – Gesandtschaften – außerordentlichen Gnaden. Eine herrliche Aussicht dehnt sich vor dir. – Die ebene Straße zunächst nach dem Throne – zum Throne selbst, wenn anders die Gewalt soviel wert ist als ihre Zeichen – das begeistert dich nicht?
Vorlage S. 772
340
FERDINAND.
Vorlage S. 773
341
Weil meine Begriffe von Größe und Glück nicht ganz die Ihrigen sind – Ihre Glückseligkeit macht sich nur selten anders als durch Verderben bekannt. Neid, Furcht, Verwünschung sind die traurigen Spiegel, worin sich die Hoheit eines Herrschers belächelt. – Tränen, Flüche, Verzweiflung die entsetzliche Mahlzeit, woran diese gepriesenen Glücklichen schwelgen, von der sie betrunken aufstehen, und so in die Ewigkeit vor den Thron Gottes taumeln – Mein Ideal von Glück zieht sich genügsamer in mich selbst zurück. In meinem Herzen liegen alle meine Wünsche begraben. –
Vorlage S. 773
342
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 773
343
Meisterhaft! Unverbesserlich! Herrlich! Nach dreißig Jahren die erste Vorlesung wieder! – Schade nur, dass mein fünfzigjähriger Kopf zu zäh für das Lernen ist! – Doch – dies seltne Talent nicht einrosten zu lassen, will ich dir jemand an die Seite geben, bei dem du dich in dieser buntscheckigen Tollheit nach Wunsch exerzieren kannst. – Du wirst dich entschließen – noch heute entschließen – eine Frau zu nehmen.
Vorlage S. 773
344
FERDINAND
Vorlage S. 773
345
tritt bestürzt zurück.
Vorlage S. 773
346
Mein Vater?
Vorlage S. 773
347
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 773
348
Ohne Komplimente – Ich habe der Lady Milford in deinem Namen eine Karte geschickt. Du wirst dich ohne Aufschub bequemen, dahin zu gehen und ihr zu sagen, dass du ihr Bräutigam bist.
Vorlage S. 773
349
FERDINAND.
Vorlage S. 773
350
Der Milford, mein Vater?
Vorlage S. 773
351
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 773
352
Wenn sie dir bekannt ist –
Vorlage S. 773
353
FERDINAND
Vorlage S. 773
354
außer Fassung.
Vorlage S. 773
355
Welcher Schandsäule im Herzogtum ist sie das nicht! – Aber ich bin wohl lächerlich, lieber Vater, dass ich Ihre Laune für Ernst aufnehme? Würden Sie Vater zu dem Schurken Sohne sein wollen, der eine privilegierte Buhlerin heuratete?
Vorlage S. 773
356
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 773
357
Noch mehr. Ich würde selbst um sie werben, wenn sie einen Fünfziger möchte – Würdest du zu dem Schurken Vater nicht Sohn sein wollen?
Vorlage S. 773
358
FERDINAND.
Vorlage S. 773
359
Nein! So wahr Gott lebt!
Vorlage S. 773
360
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 773
361
Eine Frechheit, bei meiner Ehre! die ich ihrer Seltenheit wegen vergebe –
Vorlage S. 773
362
FERDINAND.
Vorlage S. 774
363
Ich bitte Sie, Vater! lassen Sie mich nicht länger in einer Vermutung, wo es mir unerträglich wird, mich Ihren Sohn zu nennen.
Vorlage S. 774
364
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 774
365
Junge, bist du toll? Welcher Mensch von Vernunft würde nicht nach der Distinktion geizen, mit seinem Landesherrn an einem dritten Orte zu wechseln?
Vorlage S. 774
366
FERDINAND.
Vorlage S. 774
367
Sie werden mir zum Rätsel, mein Vater. Distinktion nennen Sie es – Di stinktion, da mit dem Fürsten zu teilen, wo er auch unter den Menschen hinunterkriecht?
Vorlage S. 774
368
PRÄSIDENT
Vorlage S. 774
369
schlägt ein Gelächter auf.
Vorlage S. 774
370
FERDINAND.
Vorlage S. 774
371
Sie können lachen – und ich will über das hinweggehen, Vater. Mit welchem Gesicht soll ich vor den schlechtesten Handwerker treten, der mit seiner Frau wenigstens doch einen ganzen Körper zum Mitgift bekommt? Mit welchem Gesicht vor die Welt? Vor den Fürsten? Mit welchem vor die Buhlerin selbst, die den Brandflecken ihrer Ehre in meiner Schande auswaschen würde?
Vorlage S. 774
372
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 774
373
Wo in aller Welt bringst du das Maul her, Junge?
Vorlage S. 774
374
FERDINAND.
Vorlage S. 774
375
Ich beschwöre Sie bei Himmel und Erde! Vater, Sie können durch diese Hinwerfung Ihres einzigen Sohnes so glücklich nicht werden, als Sie ihn unglücklich machen. Ich gebe Ihnen mein Leben, wenn das Sie steigen machen kann. Mein Leben hab ich von Ihnen, ich werde keinen Augenblick anstehen, es ganz Ihrer Größe zu opfern. – Meine Ehre, Vater – wenn Sie mir diese nehmen, so war es ein leichtfertiges Schelmenstück, mir das Leben zu geben, und ich muss den Vater wie den Kuppler verfluchen.
Vorlage S. 774
376
PRÄSIDENT
Vorlage S. 774
377
freundlich, indem er ihn auf die Achsel klopft.
Vorlage S. 774
378
Brav, lieber Sohn. Jetzt seh ich, dass du ein ganzer Kerl bist, und der besten Frau im Herzogtum würdig. – Sie soll dir werden – Noch diesen Mittag wirst du dich mit der Gräfin von Ostheim verloben.
Vorlage S. 774
379
FERDINAND
Vorlage S. 774
380
aufs neue betreten.
Vorlage S. 774
381
Ist diese Stunde bestimmt, mich ganz zu zerschmettern?
Vorlage S. 774
382
PRÄSIDENT
Vorlage S. 774
383
einen laurenden Blick auf ihn werfend.
Vorlage S. 774
384
Wo doch hoffentlich deine Ehre nichts einwenden wird?
Vorlage S. 774
385
FERDINAND.
Vorlage S. 774
386
Nein, mein Vater. Friederike von Ostheim könnte jeden andern zum Glücklichsten machen. Vor sich, in höchster Verwirrung. Was seine Bosheit an meinem Herzen noch ganz ließ, zerreißt seine Gute.
Vorlage S. 774
387
PRÄSIDENT
Vorlage S. 775
388
noch immer kein Aug von ihm wendend.
Vorlage S. 775
389
Ich warte auf deine Dankbarkeit, Ferdinand –
Vorlage S. 775
390
FERDINAND
Vorlage S. 775
391
stürzt auf ihn zu und küßt ihm feurig die Hand.
Vorlage S. 775
392
Vater! Ihre Gnade entflammt meine ganze Empfindung – Vater! meinen heißesten Dank für Ihre herzliche Meinung – Ihre Wahl ist untadelhaft – aber – ich kann – ich darf – Bedauern Sie mich – Ich kann die Gräfin nicht lieben.
Vorlage S. 775
393
PRÄSIDENT
Vorlage S. 775
394
tritt einen Schritt zurück.
Vorlage S. 775
395
Holla! Jetzt hab ich den jungen Herrn. Also in diese Falle ging er, der listige Heuchler – Also es war nicht die Ehre, die dir die Lady verbot? – Es war nicht die Person, sondern die Heurat, die du verabscheutest?
Vorlage S. 775
396
FERDINAND
Vorlage S. 775
397
steht zuerst wie versteinert, dann fährt er auf und will fortrennen.
Vorlage S. 775
398
PRÄSIDENT.
Vorlage S. 775
399
Wohin? Halt! Ist das der Respekt, den du mir schuldig bist? Der Major kehrt zurück. Du bist bei der Lady gemeldet. Der Fürst hat mein Wort. Stadt und Hof wissen es richtig. – Wenn du mich zum Lügner machst, Junge – vor dem Fürsten – der Lady – der Stadt – dem Hof mich zum Lügner machst – Höre, Junge – oder wenn ich hinter gewisse Historien komme! – Halt! Holla! Was bläst so auf einmal das Feuer in deinen Wangen aus?
Vorlage S. 775
400
FERDINAND
Vorlage S. 775
401
schneeblaß und zitternd.
Vorlage S. 775
402
Wie? Was? Es ist gewiss nichts, mein Vater!
Vorlage S. 775
403
PRÄSIDENT
Vorlage S. 775
404
einen fürchterlichen Blick auf ihn heftend.
Vorlage S. 775
405
Und wenn es was ist – und wenn ich die Spur finden sollte, woher diese Widersetzlichkeit stammt? – – Ha, Junge! der bloße Verdacht schon bringt mich zum Rasen. Geh den Augenblick. Die Wachparade fängt an. Du wirst bei der Lady sein, sobald die Parole gegeben ist – Wenn ich auftrete, zittert ein Herzogtum. Lass doch sehen, ob mich ein Starrkopf von Sohn meistert. Er geht und kommt noch einmal wieder. Junge, ich sage dir, du wirst dort sein, oder fliehe meinen Zorn. Er geht ab.
Vorlage S. 775
406
FERDINAND
Vorlage S. 775
407
erwacht aus einer dumpfen Betäubung.
Vorlage S. 775
408
Ist er weg? War das eines Vaters Stimme? – Ja, ich will zu ihr – will hin – will ihr Dinge sagen, will ihr einen Spiegel vorhalten – Nichtswürdige! und wenn du auch noch dann meine Hand verlangst – Im Angesicht des versammelten Adels, des Militärs und des Volks – Umgürte dich mit dem ganzen Stolz deines Englands – Ich verwerfe dich – ein teutscher Jüngling! Er eilt hinaus.
Vorlage S. 775

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sieh doch nur erst die prächtigen Bücher an, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »Weil meine Begriffe von Größe und Glück nicht ganz die Ihrigen sind – Ihre Glückseligkeit macht sich nur selten anders als durch Verderben bekannt.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Wer sagt dir, dass du noch etwas sein solltest?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Denken Sie! – Und das ist schon richtig gemacht?« B: »Luise – teures – herrliches Kind – Nimm meinen alten mürben Kopf – nimm alles – alles! – den Major – Gott ist mein Zeuge – ich kann dir ihn nimmer geben.« C: »Wie manchen schönen Groschen haben uns nur die Präsenter – –«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Zum Glück war mir noch nie für die Ausführung eines Entwurfes bang, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Das gesteh ich! – und wissen mir also ohne Zweifel eine […] Neuigkeit?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Höre, junger Mensch, bringe mich nicht auf. – Wenn es nach deinem Kopfe ginge, du kröchest dein Leben lang im Staube.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Mit welchem Gesicht soll ich vor den schlechtesten Handwerker treten, der …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Miller steht eben vom Sessel auf und stellt sein Violoncell auf die Seite.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] fällt die Last der Verantwortung – auf mich der Fluch, der Donner des Richters – Du empfängst dein Glück von der zweiten Hand – das Verbrechen klebt nicht am Erbe.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] vor? Noch besser – so seh ich, dass er Witz genug hat, in seinen Beutel zu lügen. Er kann Präsident werden. Setzt er es noch dazu durch? Herrlich! das zeigt mir an, dass er Glück hat. – Schließt sich die Farce mit einem gesunden Enkel – […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Zum Glück war mir noch nie für die Ausführung eines Entwurfes bang, wo ich mich mit einem: Es soll so sein, einstellen konnte. – Aber seh Er nun, Wurm, das hat uns wieder auf den vorigen Punkt geleitet. Ich kündige meinem Sohn noch diesen […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] du Falsche, auf welchem Kaltsinn ich dir begegnen muss. Wärest du ganz nur Liebe für mich, wann hättest du Zeit gehabt, eine Vergleichung zu machen? Wenn ich bei dir bin, zerschmilzt meine Vernunft in einen Blick – in einen Traum von dir, […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »O ich bin eine schwere Sünderin, Vater – War er da, Mutter?« und »So zeigen Ihr' Exzellenz meine falschen Handschriften auf Er geht ab.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Ist er weg? War das eines Vaters Stimme? – Ja, ich will zu ihr – will hin – will ihr Dinge sagen, will ihr einen Spiegel vorhalten – Nichtswürdige! und wenn du auch noch dann meine Hand verlangst – Im […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Miller steht eben vom Sessel auf und stellt sein Violoncell auf die Seite.« / »Ist er weg? War das eines Vaters Stimme? – Ja, ich will zu ihr – will hin – will ihr Dinge sagen, will ihr […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Meine Tochter kommt mit dem Baron ins Geschrei.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »O, wie sehr fürcht ich ihn – diesen Vater!«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »War das eines Vaters Stimme? – Ja, ich will zu ihr – will hin – will ihr Dinge sagen, will ihr einen Spiegel vorhalten – Nichtswürdige! und wenn du auch noch dann meine Hand verlangst – Im Angesicht des versammelten Adels, des Militärs und des Volks – Umgürte dich mit dem ganzen Stolz deines Englands – Ich verwerfe dich – ein teutscher Jüngling!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Kabale und Liebe von Schiller, Friedrich ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Kabale und Liebe

Friedrich Schiller: Sämtliche Werke, Auf Grund der Originaldrucke herausgegeben von Gerhard Fricke und Herbert G. Göpfert in Verbindung mit Herbert Stubenrauch, Band 1–5, 3. Auflage, München: Hanser, 1962. Schiller, Friedrich 756- 1962 München

Das Werk Kabale und Liebe von Schiller, Friedrich ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.