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Buch - Frühlings Erwachen - Wedekind, Frank

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Originalwerk · Lesefassung

Frühlings Erwachen

Wedekind, Frank · 1890–1891

Jugendliche suchen Antworten auf Fragen zu Körper, Sexualität und Erwachsenwerden. Schweigen und gesellschaftlicher Druck führen zu tragischen Folgen. Für eine begleitete Lektüre in höheren Klassen.

DramaKlasse 11–134 Abschnitte
Porträt von Wedekind, Frank; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Wedekind, Frank · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Sexualität, sexualisierte Gewalt, Suizid und Schwangerschaftsabbruch.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 2 von 4

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 97
2
Wohnzimmer.
Vorlage S. 97
3
WENDLA.
Vorlage S. 97
4
Warum hast du mir das Kleid so lang gemacht, Mutter?
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5
FRAU BERGMANN.
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6
Du wirst vierzehn Jahr heute!
Vorlage S. 97
7
WENDLA.
Vorlage S. 97
8
Hätt ich gewusst, dass du mir das Kleid so lang machen werdest, ich wäre lieber nicht vierzehn geworden.
Vorlage S. 97
9
FRAU BERGMANN.
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10
Das Kleid ist nicht zu lang, Wendla. Was willst du denn! Kann ich dafür, dass mein Kind mit jedem Frühjahr wieder zwei Zoll größer ist. Du darfst doch als ausgewachsenes Mädchen nicht in Prinzeßkleidchen einhergehen.
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11
WENDLA.
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12
Jedenfalls steht mir mein Prinzeßkleidchen besser als diese Nachtschlumpe. – Lass mich's noch einmal tragen, Mutter! Nur noch den Sommer lang. Ob ich nun vierzehn zähle oder fünfzehn, dies Bußgewand wird mir immer noch recht sein. – Heben wir's auf bis zu meinem nächsten Geburtstag; jetzt würd ich doch nur die Litze heruntertreten.
Vorlage S. 97
13
FRAU BERGMANN.
Vorlage S. 97
14
Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich würde dich ja gerne so behalten, Kind, wie du gerade bist. Andere Mädchen sind stakig und plump in deinem Alter. Du bist das Gegenteil. – Wer weiß, wie du sein wirst, wenn sich die andern entwickelt haben.
Vorlage S. 97
15
WENDLA.
Vorlage S. 97
16
Wer weiß – vielleicht werde ich nicht mehr sein.
Vorlage S. 97
17
FRAU BERGMANN.
Vorlage S. 97
18
Kind, Kind, wie kommst du auf die Gedanken!
Vorlage S. 97
19
WENDLA.
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20
Nicht, liebe Mutter; nicht traurig sein!
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21
FRAU BERGMANN
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22
sie küssend.
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23
Mein einziges Herzblatt!
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24
WENDLA.
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25
Sie kommen mir so des Abends, wenn ich nicht einschlafe. Mir ist gar nicht traurig dabei, und ich weiß, dass ich dann um so besser schlafe. – Ist es sündhaft, Mutter, über derlei zu sinnen?
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26
FRAU BERGMANN.
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27
Geh denn und häng das Bußgewand in den Schrank! Zieh in Gottes Namen dein Prinzeßkleidchen wieder an! – Ich werde dir gelegentlich eine Handbreit Volants unten ansetzen.
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28
WENDLA
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29
das Kleid in den Schrank hängend.
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30
Nein, da möcht ich schon lieber gleich vollends zwanzig sein ...!
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31
FRAU BERGMANN.
Vorlage S. 97
32
Wenn du nur nicht zu kalt hast! – Das Kleidchen war dir ja seinerzeit reichlich lang; aber ...
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33
WENDLA.
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34
Jetzt, wo der Sommer kommt? – O Mutter, in den Kniekehlen bekommt man auch als Kind keine Diphtheritis! Wer wird so kleinmütig sein. In meinen Jahren friert man noch nicht – am wenigsten an die Beine. Wär's etwa besser, wenn ich zu heiß hätte, Mutter? – Dank es dem lieben Gott, wenn sich dein Herzblatt nicht eines Morgens die Ärmel wegstutzt und dir so zwischen Licht abends ohne Schuhe und Strümpfe entgegentritt! – Wenn ich mein Bußgewand trage, kleide ich mich darunter wie eine Elfenkönigin ... Nicht schelten, Mütterchen! Es sieht's dann ja niemand mehr.
Vorlage S. 97
35
Zweite Szene
Vorlage S. 97
36
Sonntagabend.
Vorlage S. 97
37
MELCHIOR.
Vorlage S. 97
38
Das ist mir zu langweilig. Ich mache nicht mehr mit.
Vorlage S. 97
39
OTTO.
Vorlage S. 97
40
Dann können wir andern nur auch aufhören! – Hast du die Arbeiten, Melchior?
Vorlage S. 97
41
MELCHIOR.
Vorlage S. 97
42
Spielt ihr nur weiter!
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43
MORITZ.
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44
Wohin gehst du?
Vorlage S. 97
45
MELCHIOR.
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46
Spazieren.
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47
GEORG.
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48
Es wird ja dunkel!
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49
ROBERT.
Vorlage S. 97
50
Hast du die Arbeiten schon?
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51
MELCHIOR.
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52
Warum soll ich denn nicht im Dunkeln spazierengehn?
Vorlage S. 97
53
ERNST.
Vorlage S. 97
54
Zentralamerika! – Ludwig der Fünfzehnte! – Sechzig Verse Homer! – Sieben Gleichungen!
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55
MELCHIOR.
Vorlage S. 97
56
Verdammte Arbeiten!
Vorlage S. 97
57
GEORG.
Vorlage S. 97
58
Wenn nur wenigstens der lateinische Aufsatz nicht auf morgen wäre!
Vorlage S. 97
59
MORITZ.
Vorlage S. 97
60
An nichts kann man denken, ohne dass einem Arbeiten dazwischenkommen!
Vorlage S. 97
61
OTTO.
Vorlage S. 98
62
Ich gehe nach Hause.
Vorlage S. 98
63
GEORG.
Vorlage S. 98
64
Ich auch, Arbeiten machen.
Vorlage S. 98
65
ERNST.
Vorlage S. 98
66
Ich auch, ich auch.
Vorlage S. 98
67
ROBERT.
Vorlage S. 98
68
Gute Nacht, Melchior.
Vorlage S. 98
69
MELCHIOR.
Vorlage S. 98
70
Schlaft wohl!
Vorlage S. 98
71
Alle entfernen sich bis auf Moritz und Melchior.
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72
MELCHIOR.
Vorlage S. 98
73
Möchte doch wissen, wozu wir eigentlich auf der Welt sind!
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74
MORITZ.
Vorlage S. 98
75
Lieber wollt ich ein Droschkengaul sein um der Schule willen! – Wozu gehen wir in die Schule? – Wir gehen in die Schule, damit man uns examinieren kann! – Und wozu examiniert man uns? – Damit wir durchfallen. – Sieben müssen ja durchfallen, schon weil das Klassenzimmer oben nur sechzig fasst. – Mir ist so eigentümlich seit Weihnachten ... hol mich der Teufel, wäre Papa nicht, heut noch schnürt ich mein Bündel und ginge nach Altona!
Vorlage S. 98
76
MELCHIOR.
Vorlage S. 98
77
Reden wir von etwas anderem. –
Vorlage S. 98
78
Sie gehen spazieren.
Vorlage S. 98
79
MORITZ.
Vorlage S. 98
80
Siehst du die schwarze Katze dort mit dem emporgereckten Schweif?
Vorlage S. 98
81
MELCHIOR.
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82
Glaubst du an Vorbedeutungen?
Vorlage S. 98
83
MORITZ.
Vorlage S. 98
84
Ich weiß nicht recht. – – Sie kam von drüben her. Es hat nichts zu sagen.
Vorlage S. 98
85
MELCHIOR.
Vorlage S. 98
86
Ich glaube, das ist eine Charybdis, in die jeder stürzt, der sich aus der Skylla religiösen Irrwahns emporgerungen. – – Lass uns hier unter der Buche Platz nehmen. Der Tauwind fegt über die Berge. Jetzt möchte ich droben im Wald eine junge Dryade sein, die sich die ganze lange Nacht in den höchsten Wipfeln wiegen und schaukeln lässt ...
Vorlage S. 98
87
MORITZ.
Vorlage S. 98
88
Knöpf dir die Weste auf, Melchior!
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89
MELCHIOR.
Vorlage S. 98
90
Ha – wie das einem die Kleider bläht!
Vorlage S. 98
91
MORITZ.
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92
Es wird weiß Gott so stockfinster, dass man die Hand nicht vor den Augen sieht. Wo bist du eigentlich? – – Glaubst du nicht auch, Melchior, dass das Schamgefühl im Menschen nur ein Produkt seiner Erziehung ist?
Vorlage S. 98
93
MELCHIOR.
Vorlage S. 98
94
Darüber habe ich erst vorgestern noch nachgedacht. Es scheint mir immerhin tief eingewurzelt in der menschlichen Natur. Denke dir, du sollst dich vollständig entkleiden vor deinem besten Freund. Du wirst es nicht tun, wenn er es nicht zugleich auch tut. – Es ist eben auch mehr oder weniger Modesache.
Vorlage S. 98
95
MORITZ.
Vorlage S. 99
96
Ich habe mir schon gedacht, wenn ich Kinder habe, Knaben und Mädchen, so lasse ich sie von früh auf im nämlichen Gemach, wenn möglich auf ein und demselben Lager, zusammen schlafen, lasse ich sie morgens und abends beim An- und Auskleiden einander behilflich sein und in der heißen Jahreszeit, die Knaben sowohl wie die Mädchen, tagsüber nichts als eine kurze, mit einem Lederriemen gegürtete Tunika aus weißem Wollstoff tragen. – Mir ist, sie müssten, wenn sie so heran wachsen, später ruhiger sein, als wir es in der Regel sind.
Vorlage S. 99
97
MELCHIOR.
Vorlage S. 99
98
Das glaube ich entschieden, Moritz! – Die Frage ist nur, wenn die Mädchen Kinder bekommen, was dann?
Vorlage S. 99
99
MORITZ.
Vorlage S. 99
100
Wieso Kinder bekommen?
Vorlage S. 99
101
MELCHIOR.
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102
Ich glaube in dieser Hinsicht nämlich an einen gewissen Instinkt. Ich glaube, wenn man einen Kater zum Beispiel mit einer Katze von Jugend auf zusammensperrt und beide von jedem Verkehr mit der Außenwelt fernhält, d.h. sie ganz nur ihren eigenen Trieben überlässt – dass die Katze früher oder später doch einmal trächtig wird, obgleich sie sowohl wie der Kater niemand hatten, dessen Beispiel ihnen hätte die Augen öffnen können.
Vorlage S. 99
103
MORITZ.
Vorlage S. 99
104
Bei Tieren muss sich das ja schließlich von selbst ergeben.
Vorlage S. 99
105
MELCHIOR.
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106
Bei Menschen glaube ich erst recht! Ich bitte dich, Moritz, wenn deine Knaben mit den Mädchen auf ein und demselben Lager schlafen und es kommen ihnen nun unversehens die ersten männlichen Regungen – ich möchte mit jedermann eine Wette eingehen ...
Vorlage S. 99
107
MORITZ.
Vorlage S. 99
108
Darin magst du ja recht haben. – Aber immerhin ...
Vorlage S. 99
109
MELCHIOR.
Vorlage S. 99
110
Und bei deinen Mädchen wäre es im entsprechenden Alter vollkommen das nämliche! Nicht, dass das Mädchen gerade ... man kann das ja freilich so genau nicht beurteilen ... jedenfalls wäre vorauszusetzen ... und die Neugierde würde das Ihrige zu tun auch nicht verabsäumen!
Vorlage S. 99
111
MORITZ.
Vorlage S. 100
112
Eine Frage beiläufig –
Vorlage S. 100
113
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
114
Nun?
Vorlage S. 100
115
MORITZ.
Vorlage S. 100
116
Aber du antwortest?
Vorlage S. 100
117
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
118
Natürlich!
Vorlage S. 100
119
MORITZ.
Vorlage S. 100
120
Wahr?!
Vorlage S. 100
121
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
122
Meine Hand darauf. – – Nun, Moritz?
Vorlage S. 100
123
MORITZ.
Vorlage S. 100
124
Hast du den Aufsatz schon??
Vorlage S. 100
125
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
126
So sprich doch frisch von der Leber weg! – Hier hört und sieht uns ja niemand.
Vorlage S. 100
127
MORITZ.
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128
Selbstverständlich müssten meine Kinder nämlich tagsüber arbeiten, in Hof und Garten, oder sich durch Spiele zerstreuen, die mit körperlicher Anstrengung verbunden sind. Sie müssten reiten, turnen, klettern und vor allen Dingen nachts nicht so weich schlafen wie wir. Wir sind schrecklich verweichlicht. – Ich glaube, man träumt gar nicht, wenn man hart schläft.
Vorlage S. 100
129
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
130
Ich schlafe von jetzt bis nach der Weinlese überhaupt nur in meiner Hängematte. Ich habe mein Bett hinter den Ofen gestellt. Es ist zum Zusammenklappen. – Vergangenen Winter träumte mir einmal, ich hätte unsern Lolo so lange gepeitscht, bis er kein Glied mehr rührte. Das war das Grauenhafteste, was ich je geträumt habe. – Was siehst du mich so sonderbar an?
Vorlage S. 100
131
MORITZ.
Vorlage S. 100
132
Hast du sie schon empfunden?
Vorlage S. 100
133
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
134
Was?
Vorlage S. 100
135
MORITZ.
Vorlage S. 100
136
Wie sagtest du?
Vorlage S. 100
137
MELCHIOR.
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138
Männliche Regungen?
Vorlage S. 100
139
MORITZ.
Vorlage S. 100
140
M – hm.
Vorlage S. 100
141
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
142
– Allerdings!
Vorlage S. 100
143
MORITZ.
Vorlage S. 100
144
Ich auch. – – – – – – – –
Vorlage S. 100
145
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
146
Ich kenne das nämlich schon lange! – schon bald ein Jahr.
Vorlage S. 100
147
MORITZ.
Vorlage S. 100
148
Ich war wie vom Blitz gerührt.
Vorlage S. 100
149
MELCHIOR.
Vorlage S. 100
150
Du hattest geträumt?
Vorlage S. 100
Porträt von Wedekind, Frank; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Wedekind, Frank · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
151
MORITZ.
Vorlage S. 100
152
Aber nur ganz kurz ... ... ... von Beinen im himmelblauen Trikot, die über das Katheder steigen – um aufrichtig zu sein, ich dachte, sie wollten hinüber. – Ich habe sie nur flüchtig gesehen.
Vorlage S. 100
153
MELCHIOR.
Vorlage S. 101
154
Georg Zirschnitz träumte von seiner Mutter.
Vorlage S. 101
155
MORITZ.
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156
Hat er dir das erzählt?
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157
MELCHIOR.
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158
Draußen am Galgensteg!
Vorlage S. 101
159
MORITZ.
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160
Wenn du wüsstest, was ich ausgestanden seit jener Nacht!
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161
MELCHIOR.
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162
Gewissensbisse?
Vorlage S. 101
163
MORITZ.
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164
Gewissensbisse?? – – – Todesangst!
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165
MELCHIOR.
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166
Herrgott ...
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167
MORITZ.
Vorlage S. 101
168
Ich hielt mich für unheilbar. Ich glaubte, ich litte an einem inneren Schaden. – Schließlich wurde ich nur dadurch wieder ruhiger, dass ich meine Lebenserinnerungen aufzuzeichnen begann. Ja ja, lieber Melchior, die letzten drei Wochen waren ein Gethsemane für mich.
Vorlage S. 101
169
MELCHIOR.
Vorlage S. 101
170
Ich war seinerzeit mehr oder weniger darauf gefasst gewesen. Ich schämte mich ein wenig. – Das war aber auch alles.
Vorlage S. 101
171
MORITZ.
Vorlage S. 101
172
Und dabei bist du noch fast um ein ganzes Jahr jünger als ich!
Vorlage S. 101
173
MELCHIOR.
Vorlage S. 101
174
Darüber, Moritz, würd ich mir keine Gedanken machen. All meinen Erfahrungen nach besteht für das erste Auftauchen dieser Phantome keine bestimmte Altersstufe. Kennst du den großen Lämmermeier mit dem strohgelben Haar und der Adlernase? Drei Jahre ist der älter als ich. Hänschen Rilow sagt, der träume noch bis heute von nichts als Sandtorten und Aprikosengelee.
Vorlage S. 101
175
MORITZ.
Vorlage S. 101
176
Ich bitte dich, wie kann Hänschen Rilow darüber urteilen!
Vorlage S. 101
177
MELCHIOR.
Vorlage S. 101
178
Er hat ihn gefragt.
Vorlage S. 101
179
MORITZ.
Vorlage S. 101
180
Er hat ihn gefragt? – Ich hätte mich nicht getraut, jemanden zu fragen.
Vorlage S. 101
181
MELCHIOR.
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182
Du hast mich doch auch gefragt.
Vorlage S. 101
183
MORITZ.
Vorlage S. 101
184
Weiß Gott ja! – Möglicherweise hatte Hänschen auch schon sein Testament gemacht. – Wahrlich ein sonderbares Spiel, das man mit uns treibt. Und dafür sollen wir uns dankbar erweisen! Ich erinnere mich nicht, je eine Sehnsucht nach dieser Art Aufregungen verspürt zu haben. Warum hat man mich nicht ruhig schlafen lassen, bis alles wieder still gewesen wäre. Meine lieben Eltern hätten hundert bessere Kinder haben können. So bin ich nun hergekommen, ich weiß nicht wie, und soll mich dafür verantworten, dass ich nicht weggeblieben bin. – Hast du nicht auch schon darüber nachgedacht, Melchior, auf welche Art und Weise wir eigentlich in diesen Strudel hineingeraten?
Vorlage S. 101
185
MELCHIOR.
Vorlage S. 102
186
Du weißt das also noch nicht, Moritz?
Vorlage S. 102
187
MORITZ.
Vorlage S. 102
188
Wie sollt ich es wissen? – Ich sehe, wie die Hühner Eier legen, und höre, dass mich Mama unter dem Herzen getragen haben will. Aber genügt denn das? – Ich erinnere mich auch, als fünfjähriges Kind schon befangen worden zu sein, wenn einer die dekolletierte Cœurdame aufschlug. Dieses Gefühl hat sich verloren. Indessen kann ich heute kaum mehr mit irgendeinem Mädchen sprechen, ohne etwas Verabscheuungswürdiges dabei zu denken, und – ich schwöre dir, Melchior – ich weiß nicht was.
Vorlage S. 102
189
MELCHIOR.
Vorlage S. 102
190
Ich sage dir alles. – Ich habe es teils aus Büchern, teils aus Illustrationen, teils aus Beobachtungen in der Natur. Du wirst überrascht sein; ich wurde seinerzeit Atheist. Ich habe es auch Georg Zirschnitz gesagt! Georg Zirschnitz wollte es Hänschen Rilow sagen, aber Hänschen Rilow hatte als Kind schon alles von seiner Gouvernante erfahren.
Vorlage S. 102
191
MORITZ.
Vorlage S. 102
192
Ich habe den Kleinen Meyer von A bis Z durchgenommen. Worte – nichts als Worte und Worte! Nicht eine einzige schlichte Erklärung. O dieses Schamgefühl! – Was soll mir ein Konversationslexikon, das auf die nächstliegende Lebensfrage nicht antwortet.
Vorlage S. 102
193
MELCHIOR.
Vorlage S. 102
194
Hast du schon einmal zwei Hunde über die Straße laufen sehen?
Vorlage S. 102
195
MORITZ.
Vorlage S. 102
196
Nein! – – Sag mir heute lieber noch nichts, Melchior. Ich habe noch Mittelamerika und Ludwig den Fünfzehnten vor mir. Dazu die sechzig Verse Homer, die sieben Gleichungen, der lateinische Aufsatz – ich würde morgen wieder überall abblitzen. Um mit Erfolg büffeln zu können, muss ich stumpfsinnig wie ein Ochse sein.
Vorlage S. 102
197
MELCHIOR.
Vorlage S. 102
198
Komm doch mit auf mein Zimmer. In dreiviertel Stunden habe ich den Homer, die Gleichungen und zwei Aufsätze. Ich korrigiere dir einige harmlose Schnitzer hinein, so ist die Sache im Blei. Mama braut uns wieder eine Limonade, und wir plaudern gemütlich über die Fortpflanzung.
Vorlage S. 102
199
MORITZ.
Vorlage S. 103
200
Ich kann nicht. – Ich kann nicht gemütlich über die Fortpflanzung plaudern! Wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann gib mir deine Unterweisungen schriftlich. Schreib mir auf, was du weißt. Schreib es möglichst kurz und klar und steck es mir morgen während der Turnstunde zwischen die Bücher. Ich werde es nach Hause tragen, ohne zu wissen, dass ich es habe. Ich werde es unverhofft einmal wiederfinden. Ich werde nicht umhin können, es müden Auges zu durchfliegen ... falls es unumgänglich notwendig ist, magst du ja auch einzelne Randzeichnungen anbringen.
Vorlage S. 103
201
MELCHIOR.
Vorlage S. 103
202
Du bist wie ein Mädchen. – Übrigens wie du willst! Es ist mir das eine ganz interessante Arbeit. – – Eine Frage, Moritz.
Vorlage S. 103
203
MORITZ.
Vorlage S. 103
204
Hm?
Vorlage S. 103
205
MELCHIOR.
Vorlage S. 103
206
– Hast du schon einmal ein Mädchen gesehen?
Vorlage S. 103
207
MORITZ.
Vorlage S. 103
208
Ja!
Vorlage S. 103
209
MELCHIOR.
Vorlage S. 103
210
Aber ganz?!
Vorlage S. 103
211
MORITZ.
Vorlage S. 103
212
Vollständig!
Vorlage S. 103
213
MELCHIOR.
Vorlage S. 103
214
Ich nämlich auch! – Dann werden keine Illustrationen nötig sein.
Vorlage S. 103
215
MORITZ.
Vorlage S. 103
216
Während des Schützenfestes, in Leilichs anatomischem Museum! Wenn es aufgekommen wäre, hätte man mich aus der Schule gejagt. – Schön wie der lichte Tag, und – o so naturgetreu!
Vorlage S. 103
217
MELCHIOR.
Vorlage S. 103
218
Ich war letzten Sommer mit Mama in Frankfurt – – Du willst schon gehen, Moritz?
Vorlage S. 103
219
MORITZ.
Vorlage S. 103
220
Arbeiten machen. – Gute Nacht.
Vorlage S. 103
221
MELCHIOR.
Vorlage S. 103
222
Auf Wiedersehen.
Vorlage S. 103
223
Dritte Szene
Vorlage S. 104
224
Thea, Wendla und Martha kommen Arm in Arm die Straße herauf.
Vorlage S. 104
225
MARTHA.
Vorlage S. 104
226
Wie einem das Wasser ins Schuhwerk dringt!
Vorlage S. 104
227
WENDLA.
Vorlage S. 104
228
Wie einem der Wind um die Wangen saust!
Vorlage S. 104
229
THEA.
Vorlage S. 104
230
Wie einem das Herz hämmert!
Vorlage S. 104
231
WENDLA.
Vorlage S. 104
232
Gehn wir zur Brücke hinaus! Ilse sagte, der Fluss führe Sträucher und Bäume. Die Jungens haben ein Floß auf dem Wasser. Melchi Gabor soll gestern abend beinah ertrunken sein.
Vorlage S. 104
233
THEA.
Vorlage S. 104
234
O der kann schwimmen!
Vorlage S. 104
235
MARTHA.
Vorlage S. 104
236
Das will ich meinen, Kind!
Vorlage S. 104
237
WENDLA.
Vorlage S. 104
238
Wenn der nicht hätte schwimmen können, wäre er wohl sicher ertrunken!
Vorlage S. 104
239
THEA.
Vorlage S. 104
240
Dein Zopf geht auf, Martha; dein Zopf geht auf!
Vorlage S. 104
241
MARTHA.
Vorlage S. 104
242
Puh – lass ihn aufgehn! Er ärgert mich so Tag und Nacht. Kurze Haare tragen wie du darf ich nicht, das Haar offen tragen wie Wendla darf ich nicht, Ponyhaare tragen darf ich nicht, und zu Hause muss ich mir gar die Frisur machen – alles der Tanten wegen!
Vorlage S. 104
243
WENDLA.
Vorlage S. 104
244
Ich bringe morgen eine Schere mit in die Religionsstunde. Während du »Wohl dem, der nicht wandelt« rezitierst, werd ich ihn abschneiden.
Vorlage S. 104
245
MARTHA.
Vorlage S. 104
246
Um Gottes willen, Wendla! Papa schlägt mich krumm, und Mama sperrt mich drei Nächte ins Kohlenloch.
Vorlage S. 104
247
WENDLA.
Vorlage S. 104
248
Womit schlägt er dich, Martha?
Vorlage S. 104
249
MARTHA.
Vorlage S. 104
250
Manchmal ist es mir, es müsste ihnen doch etwas abgehen, wenn sie keinen so schlecht gearteten Balg hätten wie ich.
Vorlage S. 104
251
THEA.
Vorlage S. 104
252
Aber Mädchen!
Vorlage S. 104
253
MARTHA.
Vorlage S. 104
254
Hast du dir nicht auch ein himmelblaues Band durch die Hemdpasse ziehen dürfen?
Vorlage S. 104
255
THEA.
Vorlage S. 104
256
Rosa Atlas! Mama behauptet, Rosa stehe mir bei meinen pechschwarzen Augen.
Vorlage S. 104
257
MARTHA.
Vorlage S. 104
258
Mir stand Blau reizend! – Mama riss mich am Zopf zum Bett heraus. So – fiel ich mit den Händen vorauf auf die Diele. – Mama betet nämlich Abend für Abend mit uns ...
Vorlage S. 104
259
WENDLA.
Vorlage S. 105
260
Ich an deiner Stelle wäre ihnen längst in die Welt hinausgelaufen.
Vorlage S. 105
261
MARTHA.
Vorlage S. 105
262
... Da habe man's, worauf ich ausgehe! – Da habe man's ja! – Aber sie wolle schon sehen – o sie wolle noch sehen! – Meiner Mutter wenigstens solle ich einmal keine Vorwürfe machen können ...
Vorlage S. 105
263
THEA.
Vorlage S. 105
264
Hu – Hu –
Vorlage S. 105
265
MARTHA.
Vorlage S. 105
266
Kannst du dir denken, Thea, was Mama damit meinte?
Vorlage S. 105
267
THEA.
Vorlage S. 105
268
Ich nicht. – Du, Wendla?
Vorlage S. 105
269
WENDLA.
Vorlage S. 105
270
Ich hätte sie einfach gefragt.
Vorlage S. 105
271
MARTHA.
Vorlage S. 105
272
Ich lag auf der Erde und schrie und heulte. Da kommt Papa. Ritsch – das Hemd herunter. Ich zur Türe hinaus. Da habe man's! Ich wolle nun wohl so auf die Straße hinunter ...
Vorlage S. 105
273
WENDLA.
Vorlage S. 105
274
Das ist doch gar nicht wahr, Martha.
Vorlage S. 105
275
MARTHA.
Vorlage S. 105
276
Ich fror. Ich schloss auf. Ich habe die ganze Nacht im Sack schlafen müssen.
Vorlage S. 105
277
THEA.
Vorlage S. 105
278
Ich könnte meiner Lebtag in keinem Sack schlafen!
Vorlage S. 105
279
WENDLA.
Vorlage S. 105
280
Ich möchte ganz gern mal für dich in deinem Sack schlafen.
Vorlage S. 105
281
MARTHA.
Vorlage S. 105
282
Wenn man nur nicht geschlagen wird.
Vorlage S. 105
283
THEA.
Vorlage S. 105
284
Aber man erstickt doch darin!
Vorlage S. 105
285
MARTHA.
Vorlage S. 105
286
Der Kopf bleibt frei. Unter dem Kinn wird zugebunden.
Vorlage S. 105
287
THEA.
Vorlage S. 105
288
Und dann schlagen sie dich?
Vorlage S. 105
289
MARTHA.
Vorlage S. 105
290
Nein. Nur wenn etwas Besonderes vorliegt.
Vorlage S. 105
291
WENDLA.
Vorlage S. 105
292
Womit schlägt man dich, Martha?
Vorlage S. 105
293
MARTHA.
Vorlage S. 105
294
Ach was – mit allerhand. – Hält es deine Mutter auch für unanständig, im Bett ein Stück Brot zu essen?
Vorlage S. 105
295
WENDLA.
Vorlage S. 105
296
Nein, nein.
Vorlage S. 105
297
MARTHA.
Vorlage S. 105
298
Ich glaube immer, sie haben doch ihre Freude – wenn sie auch nichts davon sagen. – Wenn ich einmal Kinder habe, ich lasse sie aufwachsen wie das Unkraut in unserem Blumengarten. Um das kümmert sich niemand, und es steht so hoch, so dicht – während die Rosen in den Beeten an ihren Stöcken mit jedem Sommer kümmerlicher blühn.
Vorlage S. 105
299
THEA.
Vorlage S. 105
300
Wenn ich Kinder habe, kleid ich sie ganz in Rosa. Rosahüte, Rosakleidchen, Rosaschuhe. Nur die Strümpfe – die Strümpfe schwarz wie die Nacht! Wenn ich dann spazierengehe, lass ich sie vor mir hermarschieren. – Und du, Wendla?
Vorlage S. 105
Iwan Schischkin und Konstantin Sawizki – Waldlandschaft mit Bären, 1889. Motivvergleich; keine Darstellung der Figuren dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Morgen im Kiefernwald · Ivan Shishkin / Konstantin Savitsky · Public domain Bildquelle ↗
301
WENDLA.
Vorlage S. 106
302
Wisst ihr denn, ob ihr welche bekommt?
Vorlage S. 106
303
THEA.
Vorlage S. 106
304
Warum sollten wir keine bekommen?
Vorlage S. 106
305
MARTHA.
Vorlage S. 106
306
Tante Euphemia hat allerdings auch keine.
Vorlage S. 106
307
THEA.
Vorlage S. 106
308
Gänschen! – weil sie nicht verheiratet ist.
Vorlage S. 106
309
WENDLA.
Vorlage S. 106
310
Tante Bauer war dreimal verheiratet und hat nicht ein einziges.
Vorlage S. 106
311
MARTHA.
Vorlage S. 106
312
Wenn du welche bekommst, Wendla, was möchtest du lieber, Knaben oder Mädchen?
Vorlage S. 106
313
WENDLA.
Vorlage S. 106
314
Jungens! Jungens!
Vorlage S. 106
315
THEA.
Vorlage S. 106
316
Ich auch Jungens!
Vorlage S. 106
317
MARTHA.
Vorlage S. 106
318
Ich auch. Lieber zwanzig Jungens als drei Mädchen.
Vorlage S. 106
319
THEA.
Vorlage S. 106
320
Mädchen sind langweilig!
Vorlage S. 106
321
MARTHA.
Vorlage S. 106
322
Wenn ich nicht schon ein Mädchen geworden wäre, ich würde es heute gewiss nicht mehr.
Vorlage S. 106
323
WENDLA.
Vorlage S. 106
324
Das ist, glaube ich, Geschmacksache, Martha! Ich freue mich jeden Tag, dass ich Mädchen bin. Glaub mir, ich wollte mit keinem Königssohn tauschen. – Darum möchte ich aber doch nur Buben!
Vorlage S. 106
325
MARTHA.
Vorlage S. 106
326
Das ist doch Unsinn, lauter Unsinn, Wendla!
Vorlage S. 106
327
WENDLA.
Vorlage S. 106
328
Aber ich bitte dich, Kind, es muss doch tausendmal erhebender sein, von einem Manne geliebt zu werden als von einem Mädchen!
Vorlage S. 106
329
THEA.
Vorlage S. 106
330
Du wirst doch nicht behaupten wollen, Forstreferendar Pfälle liebe Melitta mehr als sie ihn!
Vorlage S. 106
331
WENDLA.
Vorlage S. 106
332
Das will ich wohl, Thea! – Pfälle ist stolz. Pfälle ist stolz darauf, dass er Forstreferendar ist – denn Pfälle hat nichts. – Melitta ist selig, weil sie zehntausendmal mehr bekommt, als sie ist.
Vorlage S. 106
333
MARTHA.
Vorlage S. 106
334
Bist du nicht stolz auf dich, Wendla?
Vorlage S. 106
335
WENDLA.
Vorlage S. 106
336
Das wäre doch einfältig.
Vorlage S. 106
337
MARTHA.
Vorlage S. 106
338
Wie wollt ich stolz sein an deiner Stelle.
Vorlage S. 106
339
THEA.
Vorlage S. 106
340
Sieh doch nur, wie sie die Füße setzt – wie sie geradeaus schaut – wie sie sich hält, Martha! – Wenn das nicht Stolz ist!
Vorlage S. 106
341
WENDLA.
Vorlage S. 106
342
Wozu nur?! Ich bin so glücklich, Mädchen zu sein; wenn ich kein Mädchen wär, brächt ich mich um, um das nächste Mal ...
Vorlage S. 106
343
Melchior geht vorüber und grüßt.
Vorlage S. 106
344
THEA.
Vorlage S. 107
345
Er hat einen wundervollen Kopf.
Vorlage S. 107
346
MARTHA.
Vorlage S. 107
347
So denke ich mir den jungen Alexander, als er zu Aristoteles in die Schule ging.
Vorlage S. 107
348
THEA.
Vorlage S. 107
349
Du lieber Gott, die griechische Geschichte! Ich weiß nur noch, wie Sokrates in der Tonne lag, als ihm Alexander den Eselsschatten verkaufte.
Vorlage S. 107
350
WENDLA.
Vorlage S. 107
351
Er soll der Drittbeste in seiner Klasse sein.
Vorlage S. 107
352
THEA.
Vorlage S. 107
353
Professor Knochenbruch sagt, wenn er wollte, könnte er Primus sein.
Vorlage S. 107
354
MARTHA.
Vorlage S. 107
355
Er hat eine schöne Stirne, aber sein Freund hat einen seelenvolleren Blick.
Vorlage S. 107
356
THEA.
Vorlage S. 107
357
Moritz Stiefel? – Ist das eine Schlafmütze!
Vorlage S. 107
358
MARTHA.
Vorlage S. 107
359
Ich habe mich immer ganz gut mit ihm unterhalten.
Vorlage S. 107
360
THEA.
Vorlage S. 107
361
Er blamiert einen, wo man ihn trifft. Auf dem Kinderball bei Rilows bot er mir Pralinés an. Denke dir, Wendla, die waren weich und warm. Ist das nicht ...? – Er sagte, er habe sie zu lang in der Hosentasche gehabt.
Vorlage S. 107
362
WENDLA.
Vorlage S. 107
363
Denke dir, Melchi Gabor sagte mir damals, er glaube an nichts – nicht an Gott, nicht an ein Jenseits – an gar nichts mehr in dieser Welt.
Vorlage S. 107
364
Vierte Szene
Vorlage S. 107
365
Parkanlagen vor dem Gymnasium. – Melchior, Otto, Georg, Robert, Hänschen Rilow, Lämmermeier.
Vorlage S. 107
366
MELCHIOR.
Vorlage S. 107
367
Kann mir einer von euch sagen, wo Moritz Stiefel steckt?
Vorlage S. 107
368
GEORG.
Vorlage S. 107
369
Dem kann's schlecht gehn! O dem kann's schlecht gehn!
Vorlage S. 107
370
OTTO.
Vorlage S. 107
371
Der treibt's so lange, bis er noch mal ganz gehörig reinfliegt!
Vorlage S. 107
372
LÄMMERMEIER.
Vorlage S. 107
373
Weiß der Kuckuck, ich möchte in diesem Moment nicht in seiner Haut stecken!
Vorlage S. 107
374
ROBERT.
Vorlage S. 107
375
Eine Frechheit! – Eine Unverschämtheit!
Vorlage S. 107
376
MELCHIOR.
Vorlage S. 107
377
Wa – wa – was wisst ihr denn!
Vorlage S. 107
378
GEORG.
Vorlage S. 107
379
Was wir wissen? – Na, ich sage dir ...!
Vorlage S. 107
380
LÄMMERMEIER.
Vorlage S. 107
381
Ich möchte nichts gesagt haben!
Vorlage S. 107
382
OTTO.
Vorlage S. 108
383
Ich auch nicht – weiß Gott nicht!
Vorlage S. 108
384
MELCHIOR.
Vorlage S. 108
385
Wenn ihr jetzt nicht sofort ...
Vorlage S. 108
386
ROBERT.
Vorlage S. 108
387
Kurz und gut, Moritz Stiefel ist ins Konferenzzimmer gedrungen.
Vorlage S. 108
388
MELCHIOR.
Vorlage S. 108
389
Ins Konferenzzimmer ...?
Vorlage S. 108
390
OTTO.
Vorlage S. 108
391
Ins Konferenzzimmer! – Gleich nach Schluss der Lateinstunde.
Vorlage S. 108
392
GEORG.
Vorlage S. 108
393
Er war der letzte; er blieb absichtlich zurück.
Vorlage S. 108
394
LÄMMERMEIER.
Vorlage S. 108
395
Als ich um die Korridorecke bog, sah ich ihn die Tür öffnen.
Vorlage S. 108
396
MELCHIOR.
Vorlage S. 108
397
Hol dich der ...!
Vorlage S. 108
398
LÄMMERMEIER.
Vorlage S. 108
399
Wenn nur ihn nicht der Teufel holt!
Vorlage S. 108
400
GEORG.
Vorlage S. 108
401
Vermutlich hatte das Rektorat den Schlüssel nicht abgezogen.
Vorlage S. 108
402
ROBERT.
Vorlage S. 108
403
Oder Moritz Stiefel führt einen Dietrich.
Vorlage S. 108
404
OTTO.
Vorlage S. 108
405
Ihm wäre das zuzutrauen.
Vorlage S. 108
406
LÄMMERMEIER.
Vorlage S. 108
407
Wenn's gut geht, bekommt er einen Sonntagnachmittag.
Vorlage S. 108
408
ROBERT.
Vorlage S. 108
409
Nebst einer Bemerkung ins Zeugnis!
Vorlage S. 108
410
OTTO.
Vorlage S. 108
411
Wenn er bei dieser Zensur nicht ohnehin an die Luft fliegt.
Vorlage S. 108
412
HÄNSCHEN RILOW.
Vorlage S. 108
413
Da ist er!
Vorlage S. 108
414
MELCHIOR.
Vorlage S. 108
415
Blass wie ein Handtuch.
Vorlage S. 108
416
Moritz kommt in äußerster Aufregung.
Vorlage S. 108
417
LÄMMERMEIER.
Vorlage S. 108
418
Moritz, Moritz, was du getan hast!
Vorlage S. 108
419
MORITZ.
Vorlage S. 108
420
– – Nichts – – nichts – –
Vorlage S. 108
421
ROBERT.
Vorlage S. 108
422
Du fieberst!
Vorlage S. 108
423
MORITZ.
Vorlage S. 108
424
– vor Glück – vor Seligkeit – vor Herzensjubel –
Vorlage S. 108
425
OTTO.
Vorlage S. 108
426
Du bist erwischt worden?!
Vorlage S. 108
427
MORITZ.
Vorlage S. 108
428
Ich bin promoviert! – Melchior, ich bin promoviert: – O jetzt kann die Welt untergehn! – Ich bin promoviert! – Wer hätte geglaubt, dass ich promoviert werde! – Ich faß es noch nicht! – Zwanzigmal hab ich's gelesen! – Ich kann's nicht glauben – du großer Gott, es blieb! Es blieb! Ich bin promoviert! – Lächelnd. Ich weiß nicht – so sonderbar ist mir – der Boden dreht sich ... Melchior, Melchior, wüsstest du, was ich durchgemacht!
Vorlage S. 108
429
HÄNSCHEN RILOW.
Vorlage S. 108
430
Ich gratuliere, Moritz. – Sei nur froh, dass du so weggekommen!
Vorlage S. 108
431
MORITZ.
Vorlage S. 109
432
Du weißt nicht, Hänschen, du ahnst nicht, was auf dem Spiel stand. Seit drei Wochen schleiche ich an der Tür vorbei wie am Höllenschlund. Da sehe ich heute, sie ist angelehnt. Ich glaube, wenn man mir eine Million geboten hätte – nichts, o nichts hätte mich zu halten vermocht! – Ich stehe mitten im Zimmer – ich schlage das Protokoll auf – blättere – finde – – und während all der Zeit ... Mir schaudert –
Vorlage S. 109
433
MELCHIOR.
Vorlage S. 109
434
... während all der Zeit?
Vorlage S. 109
435
MORITZ.
Vorlage S. 109
436
Während all der Zeit steht die Tür hinter mir sperrangelweit offen. – Wie ich heraus ... wie ich die Treppe heruntergekommen, weiß ich nicht.
Vorlage S. 109
437
HÄNSCHEN RILOW.
Vorlage S. 109
438
– Wird Ernst Röbel auch promoviert?
Vorlage S. 109
439
MORITZ.
Vorlage S. 109
440
O gewiss, Hänschen, gewiss! – Ernst Röbel wird gleichfalls promoviert.
Vorlage S. 109
441
ROBERT.
Vorlage S. 109
442
Dann musst du schon nicht richtig gelesen haben. Die Eselsbank abgerechnet zählen wir mit dir und Röbel zusammen einundsechzig, während oben das Klassenzimmer mehr als sechzig nicht fassen kann.
Vorlage S. 109
443
MORITZ.
Vorlage S. 109
444
Ich habe vollkommen richtig gelesen. Ernst Röbel wird so gut versetzt wie ich – beide allerdings vorläufig nur provisorisch. Während des ersten Quartals soll es sich dann herausstellen, wer dem andern Platz zu machen hat. – Armer Röbel! – Weiß der Himmel, mir ist um mich nicht mehr bange. Dazu habe ich diesmal zu tief hinuntergeblickt.
Vorlage S. 109
445
OTTO.
Vorlage S. 109
446
Ich wette fünf Mark, dass du Platz machst.
Vorlage S. 109
447
MORITZ.
Vorlage S. 109
448
Du hast ja nichts. Ich will dich nicht ausrauben. – Herrgott, werd ich büffeln von heute an! – Jetzt kann ich's ja sagen – mögt ihr daran glauben oder nicht – jetzt ist ja alles gleichgültig – ich – ich weiß, wie wahr es ist: Wenn ich nicht promoviert worden wäre, hätte ich mich erschossen.
Vorlage S. 109
449
ROBERT.
Vorlage S. 109
450
Prahlhans!
Vorlage S. 109
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
451
GEORG.
Vorlage S. 109
452
Der Hasenfuß!
Vorlage S. 109
453
OTTO.
Vorlage S. 109
454
Dich hätte ich schießen sehen mögen!
Vorlage S. 109
455
LÄMMERMEIER.
Vorlage S. 109
456
Eine Maulschelle drauf!
Vorlage S. 109
457
MELCHIOR
Vorlage S. 109
458
gibt ihm eine.
Vorlage S. 109
459
– – Komm, Moritz. Gehn wir zum Försterhaus!
Vorlage S. 109
460
GEORG.
Vorlage S. 109
461
Glaubst du vielleicht an den Schnack?
Vorlage S. 109
462
MELCHIOR.
Vorlage S. 110
463
Schert dich das? – – Lass sie schwatzen, Moritz! Fort nur fort, zur Stadt hinaus!
Vorlage S. 110
464
Die Professoren Hungergurt und Knochenbruch gehen vorüber.
Vorlage S. 110
465
KNOCHENBRUCH.
Vorlage S. 110
466
Mir unbegreiflich, verehrter Herr Kollega, wie sich der beste meiner Schüler gerade zum allerschlechtesten so hingezogen fühlen kann.
Vorlage S. 110
467
HUNGERGURT.
Vorlage S. 110
468
Mir auch, verehrter Herr Kollega.
Vorlage S. 110
469
Fünfte Szene
Vorlage S. 110
470
Sonniger Nachmittag. – Melchior und Wendla begegnen einander im Wald.
Vorlage S. 110
471
MELCHIOR.
Vorlage S. 110
472
Bist du's wirklich, Wendla? – Was tust denn du so allein hier oben? – Seit drei Stunden durchstreife ich den Wald die Kreuz und Quer, ohne dass mir eine Seele begegnet, und nun plötzlich trittst du mir aus dem dichtesten Dickicht entgegen!
Vorlage S. 110
473
WENDLA.
Vorlage S. 110
474
Ja, ich bin's.
Vorlage S. 110
475
MELCHIOR.
Vorlage S. 110
476
Wenn ich dich nicht als Wendla Bergmann kennte, ich hielte dich für eine Dryade, die aus den Zweigen gefallen.
Vorlage S. 110
477
WENDLA.
Vorlage S. 110
478
Nein, nein, ich bin Wendla Bergmann. – Wo kommst denn du her?
Vorlage S. 110
479
MELCHIOR.
Vorlage S. 110
480
Ich gehe meinen Gedanken nach.
Vorlage S. 110
481
WENDLA.
Vorlage S. 110
482
Ich suche Waldmeister. Mama will Maitrank bereiten. Anfangs wollte sie selbst mitgehn, aber im letzten Augenblick kam Tante Bauer noch, und die steigt nicht gern. – So bin ich denn allein heraufgekommen.
Vorlage S. 110
483
MELCHIOR.
Vorlage S. 110
484
Hast du deinen Waldmeister schon?
Vorlage S. 110
485
WENDLA.
Vorlage S. 110
486
Den ganzen Korb voll. Drüben unter den Buchen steht er dicht wie Mattenklee. – Jetzt sehe ich mich nämlich nach einem Ausweg um. Ich scheine mich verirrt zu haben. Kannst du mir vielleicht sagen, wieviel Uhr es ist?
Vorlage S. 110
487
MELCHIOR.
Vorlage S. 111
488
Eben halb vier vorbei. – Wann erwartet man dich?
Vorlage S. 111
489
WENDLA.
Vorlage S. 111
490
Ich glaubte, es wäre später. Ich lag eine ganze Weile am Goldbach im Moose und habe geträumt. Die Zeit verging mir so rasch; ich fürchtete, es wolle schon Abend werden.
Vorlage S. 111
491
MELCHIOR.
Vorlage S. 111
492
Wenn man dich noch nicht erwartet, dann lass uns hier noch ein wenig lagern. Unter der Eiche dort ist mein Lieblingsplätzchen. Wenn man den Kopf an den Stamm zurücklehnt und durch die Äste in den Himmel starrt, wird man hypnotisiert. Der Boden ist noch warm von der Morgensonne. – Schon seit Wochen wollte ich dich etwas fragen, Wendla.
Vorlage S. 111
493
WENDLA.
Vorlage S. 111
494
Aber vor fünf muss ich zu Hause sein.
Vorlage S. 111
495
MELCHIOR.
Vorlage S. 111
496
Wir gehen dann zusammen. Ich nehme den Korb und wir schlagen den Weg durch die Runse ein, so sind wir in zehn Minuten schon auf der Brücke! – Wenn man so daliegt, die Stirn in die Hand gestützt, kommen einem die sonderbarsten Gedanken ...
Vorlage S. 111
497
Beide lagern sich unter der Eiche.
Vorlage S. 111
498
WENDLA.
Vorlage S. 111
499
Was wolltest du mich fragen, Melchior?
Vorlage S. 111
500
MELCHIOR.
Vorlage S. 111
501
Ich habe gehört, Wendla, du gehest häufig zu armen Leuten. Du brächtest ihnen Essen, auch Kleider und Geld. Tust du das aus eigenem Antriebe oder schickt deine Mutter dich?
Vorlage S. 111
502
WENDLA.
Vorlage S. 111
503
Meistens schickt mich die Mutter. Es sind arme Taglöhnerfamilien, die eine Unmenge Kinder haben. Oft findet der Mann keine Arbeit, dann frieren und hungern sie. Bei uns liegt aus früherer Zeit noch so mancherlei in Schränken und Kommoden, das nicht mehr gebraucht wird. Aber wie kommst du darauf?
Vorlage S. 111
504
MELCHIOR.
Vorlage S. 111
505
Gehst du gern oder ungern, wenn deine Mutter dich so wohin schickt?
Vorlage S. 111
506
WENDLA.
Vorlage S. 111
507
O für mein Leben gern! Wie kannst du fragen!
Vorlage S. 111
508
MELCHIOR.
Vorlage S. 111
509
Aber die Kinder sind schmutzig, die Frauen sind krank, die Wohnungen strotzen von Unrat, die Männer hassen dich, weil du nicht arbeitest ...
Vorlage S. 111
510
WENDLA.
Vorlage S. 111
511
Das ist nicht wahr, Melchior. Und wenn es wahr wäre, ich würde erst recht gehen!
Vorlage S. 111
512
MELCHIOR.
Vorlage S. 111
513
Wieso erst recht, Wendla?
Vorlage S. 111
514
WENDLA.
Vorlage S. 112
515
Ich würde erst recht hingehen. – Es würde mir noch viel mehr Freude bereiten, ihnen helfen zu können.
Vorlage S. 112
516
MELCHIOR.
Vorlage S. 112
517
Du gehst also um deiner Freude willen zu den armen Leuten?
Vorlage S. 112
518
WENDLA.
Vorlage S. 112
519
Ich gehe zu ihnen, weil sie arm sind.
Vorlage S. 112
520
MELCHIOR.
Vorlage S. 112
521
Aber wenn es dir keine Freude wäre, würdest du nicht gehen?
Vorlage S. 112
522
WENDLA.
Vorlage S. 112
523
Kann ich denn dafür, dass es mir Freude macht?
Vorlage S. 112
524
MELCHIOR.
Vorlage S. 112
525
Und doch sollst du dafür in den Himmel kommen! – So ist es also richtig, was mir nun seit einem Monat keine Ruhe mehr lässt! – Kann der Geizige dafür, dass es ihm keine Freude macht, zu schmutzigen kranken Kindern zu gehen?
Vorlage S. 112
526
WENDLA.
Vorlage S. 112
527
O dir würde es sicher die größte Freude sein!
Vorlage S. 112
528
MELCHIOR.
Vorlage S. 112
529
Und doch soll er dafür des ewigen Todes sterben! – Ich werde eine Abhandlung schreiben und sie Herrn Pastor Kahlbauch einschicken. Er ist die Veranlassung. Was faselt er uns von Opferfreudigkeit! – Wenn er mir nicht antworten kann, gehe ich nicht mehr in die Kinderlehre und lasse mich nicht konfirmieren.
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530
WENDLA.
Vorlage S. 112
531
Warum willst du deinen lieben Eltern den Kummer bereiten! Lass dich doch konfirmieren; den Kopf kostet's doch nicht. Wenn unsere schrecklichen weißen Kleider und eure Schlepphosen nicht wären, würde man sich vielleicht noch dafür begeistern können.
Vorlage S. 112
532
MELCHIOR.
Vorlage S. 112
533
Es gibt keine Aufopferung! Es gibt keine Selbstlosigkeit! – Ich sehe die Guten sich ihres Herzens freun, sehe die Schlechten beben und stöhnen – ich sehe dich, Wendla Bergmann, deine Locken schütteln und lachen, und mir wird so ernst dabei wir einem Geächteten. – – Was hast du vorhin geträumt, Wendla, als du am Goldbach im Grase lagst?
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WENDLA.
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535
– – Dummheiten – Narreteien –
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MELCHIOR.
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Mit offenen Augen?!
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538
WENDLA.
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539
Mir träumte, ich wäre ein armes, armes Bettelkind, ich würde früh fünf schon auf die Straße geschickt, ich müsste betteln den ganzen langen Tag in Sturm und Wetter, unter hartherzigen, rohen Menschen. Und käm ich abends nach Hause, zitternd vor Hunger und Kälte, und hätte so viel Geld nicht, wie mein Vater verlangt, dann würd ich geschlagen – geschlagen –
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MELCHIOR.
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Das kenne ich, Wendla. Das hast du den albernen Kindergeschichten zu danken. Glaub mir, so brutale Menschen existieren nicht mehr.
Vorlage S. 113
542
WENDLA.
Vorlage S. 113
543
O doch, Melchior, du irrst. – Martha Bessel wird Abend für Abend geschlagen, dass man andern Tags Striemen sieht. O was die leiden muss! Siedendheiß wird es einem, wenn sie erzählt. Ich bedaure sie so furchtbar, ich muss oft mitten in der Nacht in die Kissen weinen. Seit Monaten denke ich darüber nach, wie man ihr helfen kann. – Ich wollte mit Freuden einmal acht Tage an ihrer Stelle sein.
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544
MELCHIOR.
Vorlage S. 113
545
Man sollte den Vater kurzweg verklagen. Dann würde ihm das Kind weggenommen.
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WENDLA.
Vorlage S. 113
547
Ich, Melchior, bin in meinem Leben nie geschlagen worden – nicht ein einziges Mal. Ich kann mir kaum denken, wie das tut, geschlagen zu werden. Ich habe mich schon selber geschlagen, um zu erfahren, wie einem dabei ums Herz wird. – Es muss ein grauenvolles Gefühl sein.
Vorlage S. 113
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MELCHIOR.
Vorlage S. 113
549
Ich glaube nicht, dass je ein Kind dadurch besser wird.
Vorlage S. 113
550
WENDLA.
Vorlage S. 113
551
Wodurch besser wird?
Vorlage S. 113
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MELCHIOR.
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553
Dass man es schlägt.
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WENDLA.
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555
– Mit dieser Gerte zum Beispiel! – Hu, ist die zäh und dünn.
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MELCHIOR.
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Die zieht Blut!
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WENDLA.
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Würdest du mich nicht einmal damit schlagen?
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MELCHIOR.
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Wen?
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WENDLA.
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Mich.
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MELCHIOR.
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565
Was fallt dir ein, Wendla!
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WENDLA.
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567
Was ist denn dabei?
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MELCHIOR.
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O sei ruhig! – Ich schlage dich nicht.
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WENDLA.
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Wenn ich dir's doch erlaube!
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MELCHIOR.
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Nie, Mädchen!
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WENDLA.
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Aber wenn ich dich darum bitte, Melchior!
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MELCHIOR.
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Bist du nicht bei Verstand?
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WENDLA.
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Ich bin in meinem Leben nie geschlagen worden!
Vorlage S. 113
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MELCHIOR.
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581
Wenn du um so etwas bitten kannst ...!
Vorlage S. 113
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WENDLA.
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583
– Bitte – bitte –
Vorlage S. 113
584
MELCHIOR.
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Ich will dich bitten lehren! –
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586
Er schlägt sie.
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587
WENDLA.
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Ach Gott – ich spüre nicht das geringste!
Vorlage S. 114
589
MELCHIOR.
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Das glaub ich dir – – durch all deine Röcke durch ...
Vorlage S. 114
591
WENDLA.
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592
So schlag mich doch an die Beine!
Vorlage S. 114
593
MELCHIOR.
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594
Wendla! –
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595
Er schlägt sie stärker.
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WENDLA.
Vorlage S. 114
597
Du streichelst mich ja! – Du streichelst mich!
Vorlage S. 114
598
MELCHIOR.
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599
Wart, Hexe, ich will dir den Satan austreiben! Er wirft den Stock beiseite und schlägt derart mit den Fäusten drein, dass sie in ein fürchterliches Geschrei ausbricht. Er kehrt sich nicht daran, sondern drischt wie wütend auf sie los, während ihm die dicken Tränen über die Wangen rinnen. Plötzlich springt er empor, fasst sich mit beiden Händen an die Schläfen und stürzt, aus tiefster Seele jammervoll aufschluchzend, in den Wald hinein.
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Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Nein, da möcht ich schon …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »mit einem […] gegürtete Tunika aus weißem Wollstoff tragen. – Mir ist, sie müssten, wenn sie so heran wachsen, später ruhiger sein, als wir es in der Regel sind«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »uns? – Damit wir durchfallen. – Sieben müssen ja durchfallen, schon weil das Klassenzimmer oben nur sechzig fasst. – Mir ist so eigentümlich seit Weihnachten ... hol mich der Teufel, wäre Papa nicht, heut noch schnürt ich mein Bündel und ginge nach Altona«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Ich an deiner Stelle wäre ihnen längst in die Welt hinausgelaufen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »In meinen Jahren friert man noch nicht – am wenigsten an die Beine.« B: »Während des ersten Quartals soll es sich dann herausstellen, wer dem andern Platz zu machen hat. – Armer Röbel! – Weiß der Himmel, mir ist um mich nicht mehr bange.« C: »Mama braut uns wieder eine Limonade, und wir plaudern gemütlich über die Fortpflanzung.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Auf dem Kinderball bei Rilows …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Die Eselsbank abgerechnet zählen wir mit dir und Röbel zusammen […], während oben das Klassenzimmer mehr als sechzig nicht fassen kann.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »falls« in diesem Textausschnitt? »Ich werde nicht umhin können, es müden Auges zu durchfliegen ... falls es unumgänglich notwendig ist, magst du ja auch einzelne Randzeichnungen anbringen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Warum willst du deinen …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Warum hast du mir das Kleid so lang gemacht, Mutter?« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Ich bitte dich, wie kann Hänschen Rilow darüber urteilen!«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] unter hartherzigen, rohen Menschen. Und käm ich abends nach Hause, zitternd vor Hunger und Kälte, und hätte so viel Geld nicht, wie mein Vater verlangt, dann würd ich geschlagen – geschlagen –«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Du wirst doch nicht behaupten wollen, Forstreferendar Pfälle liebe Melitta mehr als sie ihn!«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Geld oder Besitz geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Ich habe gehört, Wendla, du gehest häufig zu armen Leuten. Du brächtest ihnen Essen, auch Kleider und Geld. Tust du das aus eigenem Antriebe oder schickt deine Mutter dich?«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Ich kann nicht. – Ich kann nicht gemütlich über die Fortpflanzung plaudern! Wenn du mir einen Gefallen tun willst, dann gib mir […]« und »Er war der letzte; er blieb absichtlich zurück.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Wart, Hexe, ich will dir den Satan austreiben! Er wirft den Stock beiseite und schlägt derart mit den Fäusten drein, dass sie in ein fürchterliches Geschrei ausbricht. Er kehrt sich nicht daran, sondern drischt […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Warum hast du mir das Kleid so lang gemacht, Mutter?« / »Wart, Hexe, ich will dir den Satan austreiben! Er wirft den Stock beiseite und schlägt derart mit den Fäusten […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Warum hast du mir das Kleid so lang gemacht, Mutter?«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Wenn man nur nicht geschlagen wird.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Plötzlich springt er empor, fasst sich mit beiden Händen an die Schläfen und stürzt, aus tiefster Seele jammervoll aufschluchzend, in den Wald hinein.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Frühlings Erwachen von Wedekind, Frank ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Frühlings Erwachen

Frank Wedekind: Werke in drei Bänden. Herausgegeben und eingeleitet von Manfred Hahn, Berlin und Weimar: Aufbau, 1969. Wedekind, Frank 97- Berlin und Weimar

Das Werk Frühlings Erwachen von Wedekind, Frank ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.