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Buch - Die Freier - Eichendorff, Joseph von

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Originalwerk · Lesefassung

Die Freier

Eichendorff, Joseph von · 1788–1857

Die Freier von Eichendorff, Joseph von. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Porträt von Eichendorff, Joseph von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Eichendorff, Joseph von · E. Eichens · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 840
2
Studierstube, Akten liegen auf den Stühlen. Hofrat Fleder sitzt auf einem Reitsessel vor dem Pult und schreibt.
Vorlage S. 840
3
FLEDER.
Vorlage S. 840
4
Vorwärts! vorwärts! Morgenstunde ist die stille Saatzeit der Gedanken. Er schreibt. »Das Amt hat dem Mäusefraß mit Energie und gebührendem Ernste entgegenzutreten.« – Ja, es ist des Mannes edelster Beruf, so unmittelbar in das Leben, in die Welt zu greifen. Vaterland – deutsches Vaterland – ein erhabener Gedanke! Er schreibt. »Mäusefallen aber sind nicht etatsmäßig, und können nicht passieren, wonach sich zu achten.« – So, diese wichtige Angelegenheit wäre auch reguliert. Frisch weiter! was kommt nun? Er steht auf, und wühlt in den Akten. Das ist fertig – hier ebenfalls – das auch. Weiß Gott! ich habe alles schon abgemacht! Ach, das ist ärgerlich, die kostbare Morgenzeit! Was fange ich nun an? – Nur nicht lange besonnen, die Zeit entflieht, man muss jede Minute benützen, sich menschlich auszubilden. Harmonie der Kräfte ist das erste Gesetz.
Vorlage S. 840
5
Er hat den Schreibesel mitten in die Stube gestellt und macht gymnastische Übungen. Währenddes tritt ein Bote herein und bleibt verwundert stehen.
Vorlage S. 840
6
BOTE.
Vorlage S. 840
7
Ih, Herr Hofrat! was machen Sie denn da?
Vorlage S. 840
8
FLEDER
Vorlage S. 840
9
erschrocken.
Vorlage S. 840
10
Ich? wahrhaftig – ei, so früh schon vom Büro? –
Vorlage S. 840
11
BOTE.
Vorlage S. 840
12
Ich habe in meinen jungen Jahren immer so viel vom Turnieren gelesen –
Vorlage S. 840
13
FLEDER.
Vorlage S. 840
14
Turnen, turnen heißt das, guter Mann.
Vorlage S. 840
15
BOTE.
Vorlage S. 840
16
Wahrhaftig, wenn Sie nichts dawider hätten, ich möcht das Ding einmal selbst probieren.
Vorlage S. 840
17
FLEDER.
Vorlage S. 840
18
Ich bitte Sie, tun Sie Ihrer edlen Aufwallung keinen Zwang an! Versuchen Sie, das Volk ist ja eben um dieser Gesittungsanstalten willen da.
Vorlage S. 840
19
BOTE.
Vorlage S. 840
20
Nun, in Gottes Namen. Er springt. Hopp!
Vorlage S. 840
21
FLEDER.
Vorlage S. 840
22
Ah – nicht doch diesen barbarischen Laut dazu! Das will mit Würde, mit geziemendem Ernst getrieben sein. Sehn Sie, so – der Schwerpunkt ruht auf den beiden Ballen, der Körper bildet einen stumpfen Winkel – Er springt.
Vorlage S. 840
23
BOTE.
Vorlage S. 841
24
Nun treff ich's auch.
Vorlage S. 841
25
Er macht einen Sprung und fällt jenseits nieder.
Vorlage S. 841
26
FLEDER
Vorlage S. 841
27
ihn aufhebend.
Vorlage S. 841
28
Sie haben doch keinen Schaden genommen?
Vorlage S. 841
29
BOTE
Vorlage S. 841
30
aufstehend.
Vorlage S. 841
31
Bloß eine sanfte Empfindung hinten. – Es geschieht mir schon recht, das soll so ein alter Esel den Jungen überlassen. – Aber über dem Turnieren da wäre ich bald returniert, ohne – Er sucht in seinen Taschen. Ich soll – der Präsident – o er ist verloren!
Vorlage S. 841
32
FLEDER.
Vorlage S. 841
33
Was, um Gottes willen! verloren? Und das sagen Sie mir erst jetzt? was ist geschehen? wie verließen Sie ihn, wie sah er aus?
Vorlage S. 841
34
BOTE.
Vorlage S. 841
35
Blau, mit einem eingekniffenen Eselsohr.
Vorlage S. 841
36
FLEDER.
Vorlage S. 841
37
Blau! Liegt er?
Vorlage S. 841
38
BOTE.
Vorlage S. 841
39
Nein, Gott sei Dank, er sitzt –
Vorlage S. 841
40
FLEDER.
Vorlage S. 841
41
Fest?
Vorlage S. 841
42
BOTE.
Vorlage S. 841
43
Ja, im Futter.
Vorlage S. 841
44
FLEDER.
Vorlage S. 841
45
Wer?
Vorlage S. 841
46
BOTE.
Vorlage S. 841
47
Was? Er zieht einen Brief in blauem Umschlage hervor und übergibt ihn dem Fleder. Da ist er.
Vorlage S. 841
48
FLEDER.
Vorlage S. 841
49
Aber ich begreife nicht –
Vorlage S. 841
50
BOTE.
Vorlage S. 841
51
Na, na, ich hab nicht länger Zeit. Guten Morgen! Ab.
Vorlage S. 841
52
FLEDER.
Vorlage S. 841
53
Hat mich der einfältige Mensch doch erschreckt! er ist immer so dumm zu verstehen. – Das Schreiben ist vom Präsidenten selbst, seine gewöhnliche vergnügte Hand. Er erbricht den Brief. Ach – eine konfidentielle Mitteilung! Lass sehen, was gibt es da? Er liest.
Vorlage S. 841
54
»Bester Hofrat Fleder! Sie kennen meinen alten Lieblingswunsch, dass mein Neffe, der junge Graf Leonard, der soeben von Reisen zurückgekehrt ist, endlich das ewige, zwecklose Umherschweifen lasse, sich vermähle und seine Kenntnisse und Talente der Welt zum besten gebe.«
Vorlage S. 841
55
Gott, ja wohl, des Würdigen beut die ernste Zeit so viel! – »Ich habe daher meinem Neffen zugeredet, um die Hand der unabhängigen, liebenswürdigen und reichen Gräfin Adele zu werben. Sie lebt, wie Sie wissen, jetzt auf ihrem einsamen Waldschloß, weil ihr die Residenz zu langweilig ist. Er hat sich vor der Langweiligkeit der Welt in die Residenz geflüchtet, um unsere Kurzweil gründlich zu studieren. Sie verachtet die Männer, er die Weiber. Sie ist launisch, phantastisch; er verfolgt wütend die Phantasten und ist doch selbst der größte – in summa: die beiden passen zusammen, wie zwei scharfgezahnte Räder, wenn's auch anfangs tüchtig knarrt. Das wäre nun alles gut. Aber kaum erzähle ich ihm von allen diesen Kuriositäten der Gräfin, so springt er zerstreut vom Stuhle auf – ich füge noch hinzu, dass sie oft reisende Künstler auf ihrem Schlosse sieht – da greift er nach seinem Hut – dass sie sie aber immer am folgenden Morgen wieder fortjagt, weil sie ihr zu ordentlich sind – da ist der Narr schon zur Türe hinaus. – Nun hör ich soeben, dass er gar schon hingereist ist, aber, wie ich von sicherer Hand weiß, wieder ganz auf seine Weise: er will nämlich – denken Sie nur! – unerkannt, als reisender Schauspieler das Schloß der Gräfin besuchen!«
Vorlage S. 841
56
O irregeleiteter Jüngling! o armer, würdiger Oheim! – »Ich fürchte da wieder große Konfusion und wünschte sehr, dass ein Dritter auf dem Schlosse ein wenig zum Rechten sähe, um im Falle sehr wahrscheinlicher dummer Streiche, alles möglichst ins Geleise zu bringen oder doch jedenfalls mich von dem Ausgange schnell in Kenntnis zu setzen; aber das müsste jemand sein, der allen unbekannt ist, denn merken die lustigen Vögel etwas davon, so sitze ich mit meinem Kuppelpelz wie der Schuhu auf der Stange, sie stoßen alle nach mir. – Ich weiß, lieber Fleder, wie Sie immer recht erpicht sind auf Menschheitsveredlung und nach nützlichen Taten dürsten; hier gibt es einmal einen rechten Humpen für solchen Durst. – Die Gräfin Adele kennt Sie nicht persönlich, Leonard ebensowenig, Sie aber haben ihn schon einmal bei mir aus dem Kabinett gesehen und werden ihn leicht wiedererkennen. Daneben blasen Sie auch charmant die Flöte –«
Vorlage S. 842
57
In der Tat, wenn der seelenvolle Blick manches gebildeten weiblichen Wesens bei den schwierigen Passagen nicht log –
Vorlage S. 842
58
»Wie wäre es, wenn Sie selbst sich nach dem Schlosse aufmachten, allenfalls unter erdichtetem Namen, als reisender Musikus, gleichsam so hingeblasen. – Aber was geschehen soll, geschehe schnell, recht schnell! Denn mein Neffe, wie gesagt, ist schon fort, darum wählte ich, der Kürze wegen, die schriftliche Mitteilung in der frühesten Morgenzeit. –
Vorlage S. 842
59
Postskript: Sie haben die junge Gräfin noch niemals gesehen. Um des Himmels willen nehmen Sie sich in acht, dass die Verwirrung nicht noch größer wird!«
Vorlage S. 843
60
In acht? – Diese Nachschrift ist ein Dintenklecks auf die reine Seele des Präsidenten! Hält er mich für einen Jungfernknecht, wie den gemeinen Haufen? – Indem er den Brief schnell einsteckt. Nun, des Mannes Antwort ist die Tat! ich reise als Flötenspieler zur Gräfin, noch in dieser Stunde. Heilige Pflicht, zwei verwilderte Herzen für die allgemeine Sache der Menschheit zu erwärmen durch ernster Rede Kraft – die jüngste Regierungsratsstelle wird nächstens erledigt – die gebührende Achtung vor der Familie meines würdigen Chefs – sie wirft jährlich tausend Taler ab – ja, ein edler Vorwurf, so recht unmittelbar in das Leben hineinzunützen – und freie Wohnung nebstbei – fort, hinaus, zu Pferde! Eilig ab.
Vorlage S. 843
61
Zweite Szene
Vorlage S. 843
62
Das Innere einer Dorfschenke. Flitt und Schlender sitzen schlafend auf Stühlen.
Vorlage S. 843
63
FLITT
Vorlage S. 843
64
erwacht und sieht an sich herunter, nach einer Pause.
Vorlage S. 843
65
Eine länglichte Ansicht, viel Einsicht, manche Durchsicht. – Ich glaube, ich werde von dem Über-Stühl- und -Bänke-Hängen immer länger und länger, wie ein Perspektiv, wo will das am Ende hinaus? – Lass sehn, ob meine Stimme über Nacht nicht erdurstet ist.
Vorlage S. 843
66
Er singt schläfrig.
Vorlage S. 843
67
Wenn die Nacht vor Alterschwächen
Vorlage S. 843
68
Drückt ihr letztes Auge zu:
Vorlage S. 843
69
Geht der Hirt den Tag anbrechen,
Vorlage S. 843
70
Und bläst tu, tu, tu, tu, tu –
Vorlage S. 843
71
SCHLENDER
Vorlage S. 843
72
auffahrend.
Vorlage S. 843
73
Was ist's?
Vorlage S. 843
74
FLITT.
Vorlage S. 843
75
Ich weck nur das liebe Vieh auf.
Vorlage S. 843
76
SCHLENDER
Vorlage S. 843
77
sich umsehend.
Vorlage S. 843
78
Wahrhaftig, schon wieder Tag, und beißt auch gleich so in die Augen! Dass der Sonne auch nicht die Zeit lang wird so vom frühen Morgen bis in den späten Abend in ein solches Wirtshaus hineinzuscheinen.
Vorlage S. 843
79
FLITT.
Vorlage S. 843
80
Aurora musis amica. Sie weiß, dass dieses sperlingstichige, gewesene Schindeldach zwei Künstler beherbergt, sie begrüßt das Handwerk. Aber wie geht's dir, alte Muse?
Vorlage S. 843
81
SCHLENDER.
Vorlage S. 844
82
Es geht vielmehr noch gar nicht, es hängt noch alles so miserabel an mir, mir tun alle Haare weh.
Vorlage S. 844
83
FLITT.
Vorlage S. 844
84
Geduld, guter Schlender, Geduld. Dein Wandel wird dich, wie eine herzhafte Magd, bald so kahl scheuern, dass ich keinen Groschen für die leere Glatze geben möchte.
Vorlage S. 844
85
SCHLENDER.
Vorlage S. 844
86
Groschen? – Sag, lieber Flitt, hast du noch was in der Tasche?
Vorlage S. 844
87
FLITT.
Vorlage S. 844
88
Bloß ein großes Loch – da, ich komme mit der ganzen Hand durch, und wenn sie zwanzig Finger hätte. Aber du? untersuch doch einmal –
Vorlage S. 844
89
SCHLENDER
Vorlage S. 844
90
nach seiner Rocktasche greifend, erschrocken.
Vorlage S. 844
91
Bei Gott, ich habe gar keine Tasche mehr! –
Vorlage S. 844
92
FLITT
Vorlage S. 844
93
lachend.
Vorlage S. 844
94
Du warst außer dir, Schlender, nun weißt du's nicht einmal. Ja, eine lustige Nacht! Aber aus dem guten Humor wurde ein böser Rumor, da rissen dir die einen im Getümmel die Rockschöße vom Leibe, und die andern flickten ihn wieder mit blauen Flecken.
Vorlage S. 844
95
SCHLENDER.
Vorlage S. 844
96
Mir? aber weshalb denn?
Vorlage S. 844
97
FLITT.
Vorlage S. 844
98
Beim Spiele, Freundchen. Der Wein eröffnet das Herz, du warst zu aufrichtig mit deinen falschen Würfeln, und darüber entstand die lebhafteste Teilnahme in der ganzen Gesellschaft.
Vorlage S. 844
99
SCHLENDER
Vorlage S. 844
100
sich in seinem halben Frack von allen Seiten besehend.
Vorlage S. 844
101
Das ist gottserbärmlich, wie ich ausschau. – Nein, das muss anders werden, bei dem Leben kommt nichts heraus –
Vorlage S. 844
102
FLITT.
Vorlage S. 844
103
Als der Ellbogen aus dem Ärmel.
Vorlage S. 844
104
SCHLENDER.
Vorlage S. 844
105
Ich hab mir's ernstlich überlegt –
Vorlage S. 844
106
FLITT.
Vorlage S. 844
107
Leg dich noch einmal über, Schlender, und schlaf besser aus, du bekommst schon wieder deinen Katzenjammer.
Vorlage S. 844
108
SCHLENDER.
Vorlage S. 844
109
Nein, guter Flitt, diesmal ist's mein unerschütterlicher Vorsatz, ich mache einen neuen Absatz in meinem Leben!
Vorlage S. 844
110
FLITT.
Vorlage S. 844
111
Was! noch einen neuen Absatz an solchen alten, ausgetretenen Schuh?
Vorlage S. 844
112
SCHLENDER.
Vorlage S. 844
113
Wir sind auf Umwegen zur Tugend begriffen – ich bin noch jung, talentvoll, schön gebaut – ich will mich ganz umwenden.
Vorlage S. 844
114
FLITT.
Vorlage S. 844
115
Lohnt nicht, lohnt nicht, bist schon von beiden Seiten verteufelt abgetragen. – Frisch, lass uns lieber etwas auf deinen neuen Absatz trinken. – Heda, Wirt, dicker Ölgötze, schrote dich heraus, altes Weinfaß!
Vorlage S. 844
116
KNOLL
Vorlage S. 845
117
tritt ein.
Vorlage S. 845
118
Bon schnur, Bestiös! was macht ihr da schon wieder für Lärm, bei so frühem, nachtschwärmenden Tage?
Vorlage S. 845
119
FLITT.
Vorlage S. 845
120
Bon schnur? – Häng dich daran, alter Galimathias! Vorher aber gib uns noch von deinem schlechten französischen Weine auf unser gutes deutsches Wort.
Vorlage S. 845
121
KNOLL.
Vorlage S. 845
122
Parasol d'honneur! ein Wort ist ein Wind, und ein Wind ist nichts, und auf nichts geb ich nichts mehr.
Vorlage S. 845
123
FLITT.
Vorlage S. 845
124
Oho, mein Wort und dein Wein sind einander gerade wert. Also du willst wirklich nicht länger mehr auf mein ehrlich Gesicht? –
Vorlage S. 845
125
KNOLL.
Vorlage S. 845
126
Kupfer, eitel Kupfer!
Vorlage S. 845
127
FLITT.
Vorlage S. 845
128
Aber kostbares Kupfer, ich hätte eine Nase von Gold dafür haben können.
Vorlage S. 845
129
KNOLL.
Vorlage S. 845
130
Ihr hättet sie doch wieder im Weinkruge sitzenlassen.
Vorlage S. 845
131
FLITT.
Vorlage S. 845
132
Hör, Knoll, ich habe einen durstigen Einfall. Hör, einmal, wenn du durch deinen Speck noch Vernunft hören kannst.
Vorlage S. 845
133
KNOLL.
Vorlage S. 845
134
Nun, kretipleti, Bestiös?
Vorlage S. 845
135
FLITT.
Vorlage S. 845
136
Mein Kamerad da ist ein Virtuos auf der Geige, wie du weißt, und ich bin ein reisender Schauspieler; meiner Treu, wir wollen unsere Talente hier nicht länger verschimmeln lassen!
Vorlage S. 845
137
KNOLL.
Vorlage S. 845
138
Hat keine Not wegen des Verschimmelns, sie haben euch erst heute nacht wieder tüchtig gescheuert.
Vorlage S. 845
139
FLITT.
Vorlage S. 845
140
Ich bitt dich, schluck jetzt deinen Witz hinunter, und wenn du daran erwürgen solltest! – Also ich sage: ich und mein Kamerad da, wir haben beide einen devoranten guten Geschmack; was gibt's nun hier in der Runde für Herrschaften, die auf ihre Ausbildung was daraufgehen lassen? Wer wohnt zum Beispiel in dem großen Schlosse, das man dort vom Berge sieht?
Vorlage S. 845
141
KNOLL.
Vorlage S. 845
142
Die Gräfin Adele – wollt sagen: Krudele, denn sie stößt alle Liebhaber vor den Kopf, schlägt viel Geld tot, schlägt die Laute, schlägt Triller –
Vorlage S. 845
143
FLITT.
Vorlage S. 845
144
Genug des Gemetzels, Barbar! Da wollen wir hin und frisch mit dreinschlagen, ich denk, es soll einen guten Silberklang geben. Schlender! – Der Kerl ist wahrhaftig vor Schwermut wieder eingeschlafen. – Halt, da blitzt's mir eben durch den ganzen Kopf! – Still, still, stör ihn nicht. – Sag mir einmal, Knoll, wie haben dir heute nacht seine Würfel gefallen?
Vorlage S. 845
145
KNOLL.
Vorlage S. 846
146
Sie sind gut gefallen, sie hatten alleweil so viele Augen, dass sie den feinsten Silberstich aus der tiefsten Tasche herauslasen.
Vorlage S. 846
147
FLITT.
Vorlage S. 846
148
Möchtest du die Dinger wohl haben, mein Lieber? –
Vorlage S. 846
149
KNOLL.
Vorlage S. 846
150
Quinten, pure Quinten! Was ist eigentlich Eure Intentation dabei?
Vorlage S. 846
151
FLITT.
Vorlage S. 846
152
Ich bin einmal so ein ehrlicher Bursche, dass ich's niemals in der Welt zu etwas Rechtschaffenem bringen kann, ich möchte gern uns allen dreien helfen, bevor dich der Teufel ganz in deinem Talg erstickt hat. – Sieh, erstens: mein Kollege da hat beschlossen, sich ganz umzuwenden; wir wollen ihm helfen auf dem Wege der Besserung – erst die Taschen! Er wendet vorsichtig Schlenders Tasche um. Er hat von seinen Nachtsünden Zahnschmerzen in den Haaren, wir wollen ihm die schadhaften Knochen ausziehen. – Er bringt Würfel aus Schlenders Tasche hervor. Da sind sie! – Nunmehr zweitens –
Vorlage S. 846
153
KNOLL.
Vorlage S. 846
154
– Eure Intentation! Eure Intentation!
Vorlage S. 846
155
FLITT.
Vorlage S. 846
156
Also zweitens: haben wir dir unsre guten feinen Kleider zum Pfande gegeben, da wir mehr Durst als Geld hatten. Wieviel haben wir davon noch zugute, wenn du die doppelten Kreidestriche abrechnest?
Vorlage S. 846
157
KNOLL.
Vorlage S. 846
158
Jeder einen halben Ärmel etwa.
Vorlage S. 846
159
FLITT.
Vorlage S. 846
160
Eine lumpige Sicherheit! Sei kein Narr, gib mir die Kleider heraus und du sollst die Würfel haben. – Nun? –
Vorlage S. 846
161
KNOLL.
Vorlage S. 846
162
Knifftheologie, lauter Knifftheologie! Pfiffe tragen Püffe! – Nein, behaltet ihr eure Knochen da auf neue Kleider, und ich behalte eure neuen Kleider für meine eigene Knochen.
Vorlage S. 846
163
FLITT.
Vorlage S. 846
164
Bist du gescheut! Unsere Kleider für dich? – Einen Frack über den Bauch, den andern über den Rücken, in jede Pumphose einen Arm, da bleibt dir nichts für die Beine; willst du herumgehen, wie ein Bergschotte? – Aber mir auch recht, wie du willst – eigentlich – wie ich mir's recht überlege. – Wie waren doch heut nacht die beiden Hauptwürfe Schlenders? – Lass einmal sehen, Er wirft. Nummer eins!
Vorlage S. 846
165
KNOLL
Vorlage S. 846
166
gespannt zusehend, für sich: Sei kein Narr – Knoll, ich bitt dich, sei kein Narr.
Vorlage S. 846
167
–
Vorlage S. 846
168
FLITT
Vorlage S. 846
169
wirft wieder.
Vorlage S. 846
170
Numero zwei: dix-huit.
Vorlage S. 846
171
KNOLL.
Vorlage S. 846
172
Nimm's mit – nimm's mit. Er geht zögernd in den Hintergrund und schließt einen Schrank auf.
Vorlage S. 846
173
FLITT
Vorlage S. 847
174
für sich.
Vorlage S. 847
175
Wahrhaftig, der Walfisch beißt an, Gott gesegne seinen breiten Rücken! Jetzt geschwind gewechselt, die falschen Köder in die Tasche und meine aufrichtige ordinäre Würfel auf den Tisch Er steckt die falschen Würfel ein und legt andere hin. So – und dann rasch fort von hier, sonst bekomme ich noch Agio aufgezählt in dem Wechsel-Negoz.
Vorlage S. 847
176
KNOLL.
Vorlage S. 847
177
Da ist der Plunder! Er wirft einen Pack auf den Tisch, während er mit der andern Hand hastig die Würfel ergreift und einsteckt. Nun weiß ich was ich habe und nies euch was auf eure Pfiffe, ha ha ha.
Vorlage S. 847
178
FLITT
Vorlage S. 847
179
das Pack unter den Arm nehmend.
Vorlage S. 847
180
Prosit! Ha ha ha!
Vorlage S. 847
181
SCHLENDER
Vorlage S. 847
182
erwachend.
Vorlage S. 847
183
Was ist denn das für ein Spektakel, dass man sein eignes Nachdenken nicht hören kann –
Vorlage S. 847
184
FLITT.
Vorlage S. 847
185
Munter, Schlender! Frischauf, zur Gräfin Fortuna! – Ha ha ha – Du schaust ja so bedenklich und verschoben wie ein Parapluie im Sturmwind.
Vorlage S. 847
186
SCHLENDER.
Vorlage S. 847
187
Parapluie? – regnet's schon wieder ein?
Vorlage S. 847
188
KNOLL.
Vorlage S. 847
189
Muss doch, denn Ihr hängt ja nach allen Seiten über, wie eine nasse Pelzmütze. – Ha ha ha – die Ratten haben Euch über Nacht beknappert, Ihr seid so ohne Umschweife. –
Vorlage S. 847
190
SCHLENDER
Vorlage S. 847
191
springt wütend auf.
Vorlage S. 847
192
So darf mir niemand kommen, und wenn er noch so dick wäre! Was! hab ich nicht Anno dreizehn den ganzen deutschen Patriotismus mitgemacht und bin als freiwilliger Janitschar vor dem Feinde ausgezogen und habe neben der Leipziger Schlacht die Becken geschlagen und bin –
Vorlage S. 847
193
KNOLL.
Vorlage S. 847
194
Kaldauen, Katabomben und Sonaten –
Vorlage S. 847
195
SCHLENDER.
Vorlage S. 847
196
O ich fürcht mich nicht, ich fürcht mich gar nicht! ich geb nicht so viel auf so ein Ochsenmaul voll Worte, es hat schon manch dickerer Kerl, als du bist, mich durchgeprügelt –
Vorlage S. 847
197
FLITT
Vorlage S. 847
198
ihn nach der Türe drängend.
Vorlage S. 847
199
Ich bitt dich, Schlender, sei doch vergnügt, wenn du zur Türe herausgeschmissen wirst. Willst du hier sitzen und alle Striche bezahlen, die wir da an die Wand getrunken haben?
Vorlage S. 847
200
SCHLENDER.
Vorlage S. 847
201
Betrunken? Was! – wer ist betrunken?
Vorlage S. 847
202
FLITT
Vorlage S. 847
203
schiebt ihn zur Türe hinaus.
Vorlage S. 847
204
Ach, frag nicht so viel! Fort!
Vorlage S. 847
205
KNOLL.
Vorlage S. 847
206
Bon Pakage! Behüt euch Gott, dass ihr in euren Unternehmungen nicht wieder zurückkommt!
Vorlage S. 847
207
FLITT.
Vorlage S. 847
208
Möchte uns unser Weg recht bald wieder weit an dir vorbeiführen!
Vorlage S. 847
209
Alle ab.
Vorlage S. 847
210
Dritte Szene
Vorlage S. 848
211
Wald. Man hört in weiter Ferne Waldhörner. Graf Leonard in etwas phantastischer Reisekleidung triff auf.
Vorlage S. 848
212
LEONARD.
Vorlage S. 848
213
Hallo, poet'sche Wirtschaft da! Von allen Gipfeln
Vorlage S. 848
214
Rings Hörnerklänge, und wie Meereswogen
Vorlage S. 848
215
Hoch über mir frisch Rauschen in den Wipfeln,
Vorlage S. 848
216
Als käm durchs Holz geflogen
Vorlage S. 848
217
Die Zaubergräfin auf phantast'schem Besen
Vorlage S. 848
218
Hier zum Walpurgistanze des Parnasses. –
Vorlage S. 848
219
Wer kein Genie ist, lass es!
Vorlage S. 848
220
Mir aber schwillt mein Busen so verwogen!
Vorlage S. 848
221
Wo kühn hin über das gemeine Wesen
Vorlage S. 848
222
Ein Weib das Seil der Poesie gezogen,
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223
Um drauf mit keckem Schwung und Neigen
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Sich vor dem Volk zu zeigen:
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Da will mich der Bajazzo in mir zwingen,
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Mich mit aufs Seil zu schwingen
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In Entrechats und unerhörten Sprüngen.
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Hopp! nochmals hopp! das Volk ist außer sich,
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Je höher die Gräfin, je höher ich –
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»Sie brechen den Hals mein Lieber!«
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Hilft nichts! Dreimal noch in der Luft kopfüber
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Stürz ich zuletzt mich ins Hurra der Menge,
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Verschlüpfend wieder ins gemeine Wesen,
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Und keiner im Gedränge
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Weiß, dass der Narr Graf Leonard gewesen. –
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Das ist das Flügelpferd mit Silberschellen,
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Das heitere Gesellen
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Emporhebt über Heidekraut und Klüfte,
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Porträt von Eichendorff, Joseph von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Eichendorff, Joseph von · E. Eichens · Public domain Bildquelle ↗
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Dass durch den Strom der Lüfte,
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Die um den Reisehut melodisch pfeifen,
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Des Ernsts Gewalt und Torenlärm der Schlüfte
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Als Frühlingsjauchzen nur die Brust mag streifen;
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Und so im Flug belauschen
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Des trunknen Liedergottes rüst'ge Söhne,
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Wenn alle Höhn und Täler blühn und rauschen,
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Im Morgenbad des Lebens ew'ge Schöne,
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Die in dem Glanz erschrocken,
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Sie glühend anblickt aus den dunklen Locken. –
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So rauscht nur, Wälder, frisch! ich wandre,
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250
Die Schöne sei mein Lieb und keine andre!
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Er will weitergehen, bleibst aber plötzlich, in die Ferne sehend, stehen.
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Was gibt's denn dort? – Ich glaub, das Flügelpferd
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Hat eben zwei Genies da abgesetzt!
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Ein Roß, im Winde Mähn und Zügel flatternd,
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Fliegt lustig waldwärts übern grünen Grund,
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Zwei Herren hinterdrein – nun fällt der eine,
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Der andre über ihn – das Pferd ist fort,
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Sie stehn und wundern sich –
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Er ruft.
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Heda! Hup hup!
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261
SCHLENDER
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von der entgegengesetzten Seite hinter der Szene.
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Hup hup!
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264
LEONARD
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265
sich schnell umwendend.
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266
Was Tausend, noch ein dritter! Die ich rief, hören mich nicht, und den ich höre, rief ich nicht. Hoho guter Freund, sind Sie bloß ein Echo?
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SCHLENDER
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hinter der Szene.
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269
Lass die Narrenspossen und hilf mir lieber hier aus der Verwickelung! Hagebutten, Pfingstrosen, Stachelbeeren, alles niederträchtige Gewächs stichelt auf meine neue Kleidung.
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270
LEONARD.
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271
Wie soll ich Ihnen helfen? ich sehe nichts von Ihnen als Ihre Stimme.
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272
SCHLENDER
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273
in eleganten Kleidern, eine Geige unter dem Arme, tritt auf.
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Was! sind Sie nicht Flitt? –
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275
LEONARD.
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276
Oh – ein Troubadour! bei Gott, ein Troubadour.
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SCHLENDER
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seine Geige in die Rocktasche steckend.
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Erlauben Sie, mein Herr, haben Sie nicht ein gesatteltes Pferd gesehen?
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LEONARD.
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281
Ja wohl, und zwei abgesattelte Herren hinterdrein. – Aber sagen Sie mir doch nur –
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SCHLENDER.
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283
Die Landstürzer, die Schnappsackspringer die! – Man hat seine Not mit vielen Domestiken, je mehr Gefolge, je weniger folgt es, je größer die Suite, je mehr Suiten werden gerissen.
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284
LEONARD.
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Wie, und alle diese Suitiers ritten auf einem Pferde?
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SCHLENDER.
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Oh, das hätte noch zwanzig mehr ertragen! Was denken Sie? Es war recht mein Augapfelschimmel!
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LEONARD.
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289
Nein, wahrhaftig, es war ein Brauner.
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290
SCHLENDER.
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291
Ja, oder mein Augenbrauner. Tausend Dukaten, auf Ehre! dafür hätt ich ihn gegeben. Ich ritt einmal mit einem arabischen Lord, die bekanntlich die besten Pferde sind, um die Wette drauf – das hab ich nun verloren!
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LEONARD.
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Meiner Treu, ich meine, das Pferd hat Sie verloren.
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SCHLENDER.
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295
Ja, ich muss nun zu Fuß gehn, leider! Aber es tut nichts, besser schlecht gegangen, als gut gehangen, wer reitet, kann fallen, und wer zu Fuß geht, kann auch fallen, das ist mir alles egal.
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296
LEONARD
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297
der unterdessen um ihn herumgegangen, und ihn mit Vergnügen betrachtet hat.
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Bei Gott, wie eine Trödelbude! Der Frack zu lang, die Weste zu kurz – oh, ein köstlicher Fund!
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SCHLENDER.
Vorlage S. 850
300
Fund? – Wieso, Fund? Für sich. Das ist eine gute Geschichte! ich glaube, der Kerl ist gar einer von den Glücksrittern, die allezeit finden, was andern ehrlichen Leuten verlorengeht.
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301
LEONARD.
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302
Wahrhaftig, ich lass Sie nicht wieder los.
Vorlage S. 850
303
SCHLENDER.
Vorlage S. 850
304
Mich, mein Herr? Was wollen Sie von mir, mein Herr? Weil ich ein vornehmes Äußeres habe? Ja, gehorsamster Diener!
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305
LEONARD.
Vorlage S. 850
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Ganz ergebenster! – Aber wie kamen Sie denn eigentlich in diesen Wald?
Vorlage S. 850
307
SCHLENDER.
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308
Ja, wüßt ich lieber, wie ich wieder herauskäme! – Aber das will ich Ihnen wohl sagen. Sehn Sie – treten Sie mir nur nicht so nahe, ich bin sehr empfindsam an den Hühneraugen – also: wir waren eben auf der Wanderschaft, und mein Kamerad Flitt lehrt mich unterwegs Galliarde springen und Pirouetten, kurz das ganze Solo mit den Füßen. – Aber bleiben Sie dort stehen, so – indem kommt ein fremder Herr zu Pferde des Weges daher. Ich denk an nichts und exerzier mich so für mich fort in den Sprüngen, da kömmt's mit einemmal dem Pferde auch in die Beine, ich sage Ihnen, wie ein Bock auf der grünen Wiese. Ich, nicht zu faul, streng mich an mit Sätzen, das Pferd aber immer noch höher, mein Kamerad schreit, der Herr schimpft, das war ein Spektakel, vier Pferdebeine, zwei Stiefel, ein Paar Arme, alles wie Windmühlenflügel in der Luft durcheinander. Endlich kommt der Hut auf die Erde geflogen, und gleich darauf der ganze Herr, leider! Er aber geschwind wieder auf und lauft hinter dem Pferde drein, mein Kamerad hinter ihm, ich hinter meinem Kameraden –
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309
LEONARD.
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310
Halt, halt wieder! –
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311
SCHLENDER.
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312
Was Halt! da war kein Halten mehr! Die beiden hatten gut rennen mit ihren vier Beinen, ich aber hatt nur zwei, da mag der Teufel nachkommen mit meiner Violine. So bin ich in diese Einsamkeit und Konfusion geraten und weiß nun nicht den Weg auf das Schloß der Gräfin Adele.
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313
LEONARD.
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314
Wie, Sie wollen auf das Schloß der Gräfin?
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315
SCHLENDER.
Vorlage S. 851
316
Ja, das will ich! Haben Sie was an sie zu bestellen? Ich und mein Kamerad, der ein berühmter Schauspieler –
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317
LEONARD.
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318
O auserlesene Wirtschaft! O kommen Sie geschwind, ich geh auch zur Gräfin!
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SCHLENDER
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zögernd.
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Verzeihen Sie, mein Herr, wer sind Sie eigentlich?
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LEONARD.
Vorlage S. 851
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Ja so! – eigentlich – Sagten Sie nicht vorhin, dass Ihr Kamerad ein Schauspieler? – Für sich. Zwei Komödianten, das könnte auffallen, ich muss die Farbe wechseln. Laut. Wer sind denn Sie?
Vorlage S. 851
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SCHLENDER.
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325
Ich bin eigentlich ein Sänger, aber ich habe meine Gurgel viel strapaziert und unterwegs die Stimme verloren, da akkompagniere ich jetzt meinen gewesenen Gesang auf der Violine.
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LEONARD.
Vorlage S. 851
327
Gut, so bin ich eigentlich bloß ein Violinspieler, der aber bloß singen kann, und Sie sollen mich begleiten. Mein Name ist – Florestin.
Vorlage S. 851
328
SCHLENDER.
Vorlage S. 851
329
Also ein Sänger? – Nun wahrhaftig, dacht ich doch Wunder! Wieder keck vortretend. Oh, mein Herr Florestin, ich will nichts voraussagen, aber Sie werden mich schon kennenlernen –
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330
LEONARD.
Vorlage S. 851
331
Ist gar nicht nötig, ich sah es Ihnen gleich an, Sie haben einen schönen Strich.
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332
SCHLENDER.
Vorlage S. 851
333
Ich sag Ihnen, in dem Hotel, wo ich heute über Nacht war, haben sie sich ordentlich um mich gerissen, das war ein Furore und ein Klatschen von allen Fäusten!
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334
LEONARD.
Vorlage S. 851
335
Das ist alles noch nichts, das soll noch besser kommen!
Vorlage S. 851
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SCHLENDER.
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337
Nein, ich dank Ihnen sehr. –
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LEONARD.
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339
Nachher, nachher! Jetzt nur fort zur Gräfin! Bei Gott, Sie sind gerade das rechte Akkompagnement zu meiner Reisenote. Frisch dort hinaus! Sie können sich unterwegs noch in Ihren Solosprüngen üben. Schlender in Pirouetten voraus. So, sassa!
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340
Beide ab.
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Vierte Szene
Vorlage S. 852
342
Garten der Gräfin Adele. Rechts das Schloß, über dessen Türe ein mit hohen Blumen besetzter Balkon. Auf der andern Seite ein Bassin mit einem Springbrunnen, im Hintergrund ein zierlicher Gartenzaun.
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343
FLORA
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344
in reicher Kleidung, steht, ihre Haarflechten zurechtsteckend, am Springbrunnen und singt.
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Offen stehen Fenster, Türen,
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Und ich bin im Schloß allein;
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Draußen sich die Bäume rühren
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348
Und der Abend rauscht herein.
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Überm Fluss, weit durch die Haine
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350
Ziehet draußen muntre Lieb,
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Ruft mir zu: Was stehst alleine? –
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Ja, wer da zu Hause blieb'! –
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Sie setzt sich auf den Rand des Bassins und besieht sich im Wasser.
Vorlage S. 852
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Ich sehe doch hübsch aus in den prächtigen Kleidern. Wenn ich eine Prinzessin wäre, legte ich mich alle Abend zwischen die Blumen auf dem Balkon und sähe den Wolken zu, wenn die Wasserkünste unten im Garten rauschten, und sooft die Nachtigallen schwiegen, säng ich da oben, und wo der erste Stern herunterfiele, da käm mein Bräutigam her. –
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VICTOR
Vorlage S. 852
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von der andern Seite aus dem Gebüsch hervortretend.
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Da sitzt das Singvögelchen und putzt sich die Federn. –
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358
FLORA
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ohne ihn zu bemerken, lacht für sich.
Vorlage S. 852
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Ich fürchte mich ordentlich vor mir selbst im Wasser dort. – Wie eine Sirene – das sieht mich so starr an, als wollt mir's in der Stille etwas erzählen.
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361
VICTOR
Vorlage S. 852
362
ist hinter ihr herangeschlichen und hält ihr mit den Händen beide Augen zu, Flora schreit laut auf.
Vorlage S. 852
363
FLORA.
Vorlage S. 852
364
Ach, du bist's ja doch wieder, Victor! Pfui, deine Finger riechen nach Tabakrauch, lass mich los, du bist unausstehlich, du verdirbst mir das schöne Kleid!
Vorlage S. 852
365
VICTOR.
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366
Und soll ich denn lassen deine Augen licht, so reich erst dein Schnäblein – aber pick mich nicht!
Vorlage S. 852
367
FLORA.
Vorlage S. 852
368
Ach, dummes Zeug, ich kann ja deinen Mund nicht sehn. – Da, nun hast du was Schönes angerichtet, meine schöne goldene Brustnadel ist ins Wasser gefallen!
Vorlage S. 852
369
VICTOR
Vorlage S. 852
370
sie loslassend.
Vorlage S. 852
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Was? wo? –
Vorlage S. 852
372
FLORA
Vorlage S. 852
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entspringend.
Vorlage S. 852
374
Zisch aus, zisch aus! –
Vorlage S. 852
375
VICTOR
Vorlage S. 853
376
sie erstaunt betrachtend.
Vorlage S. 853
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Ei der Tausend! wie siehst du heut aus? lass dich doch besehn, Florchen, lass dich besehn. Der Anzug ist passend für eine Jungfer, in lauter Spitzen gewickelt wie ein Igel. Wen willst du eigentlich stacheln?
Vorlage S. 853
378
FLORA.
Vorlage S. 853
379
Jeden Narren, der mir zu nah kommt. Willst du mein Hofnarr sein, Victor?
Vorlage S. 853
380
VICTOR.
Vorlage S. 853
381
Unbedenklich! der lebt von der Narrheit seines Hofes, da stünd ich hier in der besten Nahrung. – Wahrhaftig, Flora, wir beide sind doch reizende Personen, wir können eins das andere nicht ansehn, ohne sogleich miteinander zu fechten.
Vorlage S. 853
382
FLORA.
Vorlage S. 853
383
Ja, wirklich, von den vielen Gefechten ist dein Witz schon ganz unscheinlich geworden. Ich bitt dich, schone dich, du wirst ihn brauchen in diesen Tagen.
Vorlage S. 853
384
VICTOR.
Vorlage S. 853
385
Ja, ohne dich zu schonen. Aber warum gerade in diesen Tagen?
Vorlage S. 853
386
FLORA.
Vorlage S. 853
387
Ach du kommst eben aus dem Walde, du weißt wohl noch gar nicht – Noch heute treffen hier zwei fremde Herren ein, um die Gräfin zu freien, Graf Leonard, ein Neffe des Präsidenten, als reisender Schauspieler, und der Hofrat Fleder als Flötenspieler.
Vorlage S. 853
388
VICTOR.
Vorlage S. 853
389
Was? – Nein, wenn ihr hier anfangen wollt zu heiraten, so nehm ich meinen Abschied! Aber woher wisst ihr denn alles so genau? Haben sie einen Komödienzettel vorausgeschickt?
Vorlage S. 853
390
FLORA.
Vorlage S. 853
391
Der Präsident vertraute es unter dem Siegel der Verschwiegenheit der Gräfin Jolanthe, und die versiegelte es noch einmal und schickte es an unsre Gräfin.
Vorlage S. 853
392
VICTOR.
Vorlage S. 853
393
Und was sagt denn die Gräfin zu der versiegelten Geschichte?
Vorlage S. 853
394
FLORA.
Vorlage S. 853
395
Erst zerriss sie den Brief und wollte augenblicklich zu Pferde und in die Türkei reiten, wo es weder Grafen noch Präsidenten gäbe. Dann lachte sie aber auf einmal sehr und sagte, wir alle sollten uns stellen, als kennten wir die Fremden nicht, und wüssten nichts von der ganzen Maskerade; ich aber sollte mir ihre besten Kleider anziehen und mich, solange die Gäste hier sind, für die Gräfin ausgeben, sie selbst will unterdes die Jungfer spielen.
Vorlage S. 853
396
VICTOR.
Vorlage S. 853
397
O vortrefflich! – Aber ich möcht nicht Jungfer spielen in einem Lustspiele, sie bekommt im letzten Akt eine Haube weg, sie weiß nicht wie.
Vorlage S. 853
398
FLORA.
Vorlage S. 854
399
Pfui, so ein Haubenstock! – Das ist's ja eben, warum wir uns maskieren. Lass nur, ich will als Gräfin so viel dummes Zeug machen, dass sie lieber einer den andern heiraten möchten, als länger hierbleiben.
Vorlage S. 854
400
VICTOR.
Vorlage S. 854
401
Höre, Flora, das ist nicht anders, als hättest du mir eine Prise Nieswurz gereicht, so licht und vergnügt wird mir's auf einmal im Haupte! Nein, da frag ich nichts darnach, da mag draus werden was da will, ich spiel auch mit! Frisch, jeder auf seine eigene Hand, so weit sein Witz reicht, wir wollen sehn, wo das zuletzt zusammenklappt!
Vorlage S. 854
402
FLORA.
Vorlage S. 854
403
Auf deinem Rücken, hoffe ich.
Vorlage S. 854
404
FRIEDMANN
Vorlage S. 854
405
der unterdes mit einem Blumenkörbchen eingetreten ist, bleibt unentschlossen stehen.
Vorlage S. 854
406
Der Victor! – ich möchte ihm lieber ausweichen, er ist ein Phantast und Händelmacher.
Vorlage S. 854
407
VICTOR
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408
ihn erblickend, stürzt auf ihn los und umarmt ihn.
Vorlage S. 854
409
Gärtner! Maskerade, Konfusion, Komödie! Ihr wisst doch schon? es geht bald los, mir spielt schon die ganze Ouvertüre im Kopfe mit erstaunlichen Fugen und Sätzen!
Vorlage S. 854
410
FRIEDMANN
Vorlage S. 854
411
sich entrüstet losmachend.
Vorlage S. 854
412
Was ist denn das? lassen Sie mich ungeschoren mit Ihren Fugen! Ich habe keine Zeit, wie gewisse andere Leute, an solche Narrenspossen zu denken!
Vorlage S. 854
413
VICTOR.
Vorlage S. 854
414
Aber Mensch! wollt Ihr denn wirklich vor lauter Vernunft zerplatzen? Ficht's Euch denn nicht auch einmal an, Euch auf den Kopf zu stellen und »Vivat Friedmann!« mit den Beinen in die Luft zu schreiben, oder auf der großen Gartenschere über die Blumenbeete zu reiten, oder –
Vorlage S. 854
415
FRIEDMANN.
Vorlage S. 854
416
Ach, Gott behüte, da müsst ich ja toll im Kopfe sein! Er erblickt Flora. Sieh da, Mamsell Florchen – ei, ei, das steht Ihnen allerliebst –
Vorlage S. 854
417
FLORA.
Vorlage S. 854
418
Ja? – In dem Blumenkorbe wühlend. Aber was haben Sie da für schöne Blumen, Herr Friedmann, das möchte mich putzen!
Vorlage S. 854
419
FRIEDMANN.
Vorlage S. 854
420
Gern, gern, mein Herzchen. – Hi, hi, hi, das flimmert einem recht vor den Augen da im Korbe, man weiß nicht, was Händchen sind, oder Blumen, eins so hübsch, wie das andere.
Vorlage S. 854
421
FLORA.
Vorlage S. 854
422
Da, stecken Sie mir sie vor, hier an die Seite, aber nehmen Sie sich in acht, ich habe Nadeln.
Vorlage S. 854
423
FRIEDMANN
Vorlage S. 854
424
indem er Blumen ordnet und sie ihr vorsteckt.
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425
Ja, ja, je frischer das Röslein, je herzhafter sticht's. –
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FLORA.
Vorlage S. 855
427
Sie sprechen ja ordentlich durch die Blume.
Vorlage S. 855
428
FRIEDMANN.
Vorlage S. 855
429
Selber Blume, Florchen, selber Blume.
Vorlage S. 855
430
VICTOR.
Vorlage S. 855
431
Ihr habt ein recht angenehmes Lächeln unter der Nase, Gärtner, ich hätte nicht geglaubt, dass Ihr noch so lächerlich sein könnt, Ihr alter Tausendsassa.
Vorlage S. 855
432
FRIEDMANN.
Vorlage S. 855
433
Ich bitte Sie, Herr Victor, wenn Sie nur nicht immer solche gemeine Redensarten –
Vorlage S. 855
434
FLORA.
Vorlage S. 855
435
Was macht denn die liebe Frau?
Vorlage S. 855
436
FRIEDMANN.
Vorlage S. 855
437
Danke, danke – so, nun ist's fest.
Vorlage S. 855
438
VICTOR.
Vorlage S. 855
439
Sitzt Ihr noch alle Abend mit Eurer Familie in der Jelängerjelieber-Laube und denkt über das Vergnügen nach, Papa zu sein?
Vorlage S. 855
440
FLORA
Vorlage S. 855
441
wieder bei dem Bassin, sich die Blumen anders steckend.
Vorlage S. 855
442
Und die lieben Kinderchens bringen Ihnen die Pantoffeln heraus und Ihre lange Pfeife.
Vorlage S. 855
443
FRIEDMANN.
Vorlage S. 855
444
Ja, Florchen, so nach erfüllter Berufspflicht, mein Pfeifchen im Munde und ein zufriedenes Herz in der Brust! –
Vorlage S. 855
445
VICTOR.
Vorlage S. 855
446
Da seht, das kommt bei Eurem langweiligen Metier heraus! Blumen und Kohl, das wächst so still und wohlgezogen in den Tag hinein –
Vorlage S. 855
447
FLORA.
Vorlage S. 855
448
Und Sie murmeln, als ein zufriedener Bach, zwischen lauter Veilchen und Vergißmeinnichts dahin.
Vorlage S. 855
449
FRIEDMANN.
Vorlage S. 855
450
In der Tat, die rohen lärmenden Vergnügungen der Jagd sind niemals nach meinem Geschmack gewesen. – Aber ich habe mehr zu tun, als hier zu plaudern. Für sich. Die Narren sollen mich nicht aus meinen moralischen Grundsätzen herausdisputieren! Ab.
Vorlage S. 855
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Man hört Hörnerklänge.
Vorlage S. 855
452
VICTOR.
Vorlage S. 855
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Horch! da kommt die Gräfin von der Jagd zurück.
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FLORA
Vorlage S. 855
455
springt zu dem Gartenzaun und sieht hinaus.
Vorlage S. 855
456
Sieh nur, wie hoch und herrlich sie zu Pferde sitzt und zwischen den Abendlichtern da die Kastanienallee heraufkommt! – Sie steigt am Gartenpförtchen ab – wahrhaftig, sie kommt grad hier herauf.
Vorlage S. 855
457
VICTOR.
Vorlage S. 855
458
Es ist eine rechte Freude, einer solchen Gräfin Diana zu dienen!
Vorlage S. 855
459
GRÄFIN ADELE
Vorlage S. 855
460
in einem grünen Jagdkleide, eine Reitgerte in der Hand, tritt auf.
Vorlage S. 855
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Nun, Fastnachtsbräutchen, sieh dich vor – sie kommen! –
Vorlage S. 855
462
FLORA.
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Wo, wo?
Vorlage S. 855
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ADELE.
Vorlage S. 855
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Wie ich den hohen Waldweg ritt, erblickte ich zwei Fremde fern im Grunde. Sie sind's gewiss, ich sprengte schnell voraus.
Vorlage S. 855
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Sie wirft ihr Jagdkleid ab und, nebst Gerte, dem Victor zu, in einfachem Hauskleide erscheinend.
Vorlage S. 856
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Da trag das fort, ich hoff auf kurze Frist.
Vorlage S. 856
468
Victor ab; zu Flora.
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469
Ich bitt dich, deine lustigsten Gedanken
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Nimm all zusammen nun! Des muntern Grafen
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Geheimnisvoll verschlungne Redeblumen
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Gesegne mit so vollem Maienschein
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Von Freundlichkeit, als, ohne zu erröten,
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Ein Mädchen darf. Und wenn er dann, mich meinend,
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Dich schlau umstellt; mich will, dich freit – was lachst du?
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Johannes Vermeer – Briefleserin in Blau, um 1663. Vergleichsbild zum Motiv des Lesens und Briefeschreibens, keine konkrete Buchszene.
Kontextbild zum Werk. Briefleserin in Blau · Johannes Vermeer · Public domain Bildquelle ↗
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FLORA.
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Und wenn er nun den Komödiantenmantel
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Auf einmal aufschlägt und ein schöner Ritter –?
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ADELE.
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Ja, ja. Ich seh ihn vor mir stehn: mehr Milch
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Als Blut, von glattem Haar und blonder Seele,
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Ein guter Neffe so und schlechter Vogel,
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Der mitten in der Jugend frischer Zugzeit
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Vom Onkel sich aus seinem Reisehimmel
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Herunterschießen lässt und zahm sich stellen
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Auf den gemeinen Freiersfuß. – Doch hör nun,
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Wirst du den Hofrat auch erkennen, Flora?
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FLORA.
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Gewiss, obgleich er mich nicht kennt. Wie oft
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Sah ich ihn, wenn sie alle promenierten,
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In selbstgefälliger Glückseligkeit,
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Wie einen Weißfisch schnalzen auf dem bunten Strom,
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Bald ernst, bald stolz, und immer sehr zufrieden
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Mit seinem neuen Frack – dort, dort! da sind sie! –
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Der dort am Halstuch rückt, das ist der Hofrat!
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Jetzt sehn sie uns – ei, wie sie zierlich grüßen!
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Macht Verbeugungen.
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ADELE.
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499
Der Victor weist sie grad hierher zum Garten. Frisch denn, die lustige Rakete steigt!
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500
FLORA.
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501
Nun weiß der Himmel, wem sie im Zerplatzen
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502
Den Bart versengen wird. – Still, still, sie kommen. –
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503
Flitt in eleganter, etwas theatralischer Kleidung, und Fleder treten auf.
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504
FLITT
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505
zu Adele, die ihnen bis in den Hintergrund entgegengegangen.
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506
Sieh da, süßer, bescheidener Mond! Wir sind Adler, wir fliegen nach der Sonne – wo ist sie?
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507
ADELE
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508
auf Flora zeigend.
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509
Sie steht eben im ersten April, sie sticht heut ein wenig.
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510
FLITT.
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511
Unser Teint kann schon etwas vertragen, mein Kind, um so besser schlagen die Gedanken aus, um so besser schießt der Witz – ja, ich hoffe hier wieder ganz in Blüte zu kommen.
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512
Sich Flora nähernd.
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513
Gnädigste Gräfin, wo eine Muse wohnt, ist der Parnaß, und dem Parnaß fliegt unaufhaltsam der Pegasus zu, und auf dem Pegasus reisen die Künstler – so folgten wir nur dem höhern Zuge, um unsere schuldige Ehrfurcht – Erlauben Sie, dass ich mir die Ehre gebe – Er will Fleder der Flora vorstellen.
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514
FLEDER
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mit Anstand vortretend.
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Arthur, ein Flötenspieler, Mit einem verächtlichen Blick auf Flitt. welcher das Vergnügen hatte, erst heute durch einen Zufall die Bekanntschaft dieses Herrn zu machen. –
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517
FLITT.
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518
Bitte sehr! das Vergnügen war bei diesem Falle ganz auf meiner Seite. –
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519
ADELE
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520
leise zu Flora.
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Wie kunstreich sie einander vor uns verleugnen!
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FLORA
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ebenso.
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Ach der Graf ist eben auch gar nicht schön! Laut zu Flitt. Und Sie selbst, mein Herr? –
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FLITT.
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526
Flitt, ein untertänigster reisender Bühnenkünstler.
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527
FLORA.
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528
Flitt? – Also einer, der etwas anderes vorzustellen pflegt, als er ist? Nun, wir treiben diese Kunst hier auch zuweilen. –
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529
FLITT.
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530
Oh, Sie versetzen mich in Entzücken! Vortrefflich, so könnten wir hier vielleicht ein Liebhabertheater einrichten?
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531
FLORA.
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532
Wahrhaftig, an närrischen Liebhabern wenigstens wird es nicht fehlen. In der Tat ein herrlicher Gedanke! ist's mir doch, als wären wir alle schon mitten im ersten Akt. O meine Herren, Sie sind eine rechte Bereicherung unserer ländlichen Langeweile. – Kommen Sie, das muss mit mehr Muße verhandelt werden, lassen Sie uns hineingehen, einige Erfrischungen –
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533
FLITT.
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Erfrischungen? – Erlauben Sie – Er reicht Flora den Arm.
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535
FLORA.
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Ich denke, die ungewohnte Fußreise hat Sie ein wenig heruntergebracht, Sie bedürfen der Restauration.
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FLITT
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538
Flora fortführend.
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539
Kleinigkeit, Kleinigkeit, meine Gnädigste, wir haben's wohl schlimmer gehabt. Seit ich das Flügelpferd reite, habe ich, außer dem Flügelschlag, noch manche andere Schläge – des Schicksals erfahren. Ab.
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ADELE
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zu Fleder.
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Nun, Herr Arthur – ein schöner Name!
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Sie werden doch mitspielen in der Komödie?
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544
FLEDER.
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545
So weit es sich mit der Würde eines gebildeten Mannes verträgt. Das Komische, liebe Jungfer, war niemals mein Fach. –
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ADELE.
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547
Ei der Tausend! Sehn Sie wohl! Vortrefflich gleich zum Anfange, ganz vortrefflich!
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548
FLEDER.
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549
Wie? was denn? –
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550
ADELE.
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551
Ja, ja verstellen Sie sich nur nicht, Sie Loser! – O kommen Sie nur, Sie werden uns schon zu lachen geben.
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552
Beide ab.
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553
MARIE
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tritt auf.
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555
Also das sind die Bräutigams, um die sie so viel Aufhebens und Heimlichkeiten machen? – Hm, wenn ich nicht einmal einen schöneren Bräutigam bekäme, das lohnte auch Jungfer zu sein! Ob sie jetzt im Gartensaale sein mögen? – Hier sieht mich niemand. – Sie steigt vorsichtig auf die Blumentöpfe und sieht in das Fenster des Schlosses.
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VICTOR
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eintretend.
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558
Sieh da, Marie, des Gärtners Mühmchen, ich glaube, das Kätzchen ist eben auf der Lauer. Er nähert sich ihr leise und hebt sie dann plötzlich in die Höhe. Wart, ich will dir's bequemer machen, Kleine.
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559
MARIE
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560
sich erzürnt von ihm losmachend.
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O geben Sie sich keine Mühe, Herr Victor! – Kleine! Zur Klugheit hilft nicht lang sein, sonst wären gewisse Personen verständiger.
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562
VICTOR.
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563
Gut, so lass einmal hören, ob du so klug als kurz bist. Weißt du, wie man die Rotkehlchen fängt?
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564
MARIE.
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565
Wie die Gimpel, mit roten Beeren.
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566
VICTOR.
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Ganz recht – und da sind denn die kleinen Dinger vorwitzig –
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MARIE.
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569
Ja, und die Gimpel sind gar nicht witzig, weder vor-, noch nachher.
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570
VICTOR.
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571
Ich bitte dich, Mariechen, da du noch, sozusagen, die Eierschalen auf dem Kopfe trägst, so benütze die Gelegenheit, wenn der Mund des reiferen Alters von guten Lehren überfließt und würdige Männer Erfahrungssätze machen und einen Rat schlagen wollen.
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MARIE.
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573
Gehn Sie, gehn Sie, Herr Victor, mit Ihren altmodischen Jagdspäßen; die sind mir schon ganz langweilig. Und was ich Ihnen schon längst sagen wollte: ich komme nun auch gerade schon in die Jahre, dass Sie mich Sie nennen könnten.
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574
VICTOR.
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575
Gut. Also: sei Sie nicht so vorwitzig, und guck Sie nicht in die Fenster nach fremden jungen Herrn.
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MARIE.
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Wenn Sie mich immer kränken wollen, Herr Victor, so ist es sehr schlecht von Ihnen, das kann ich Ihnen sagen, Herr Victor. Wahrhaftig, und da können Sie lange warten, eh Sie dasjenige von mir erlangen, weshalb Sie mich neulich so baten.
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578
VICTOR.
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Ich? –
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580
MARIE.
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O ja, an dem schönen Sonntagsmorgen, wie ich allein am Springbrunnen stand und mir das Gesicht wusch, da sagten Sie: ich sei ein hübsches Mühmchen, Sie wollten mein lieber Vetter sein, und ich sollte Ihnen ein Küßchen darauf geben.
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582
VICTOR.
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583
Still, still! da kommt jemand auf den Balkon.
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584
MARIE.
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585
Das haben wir von Ihren guten Lehren! nun kann ich noch in schlechten Ruf kommen mit Ihnen.
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586
VICTOR.
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587
Hör Sie, Mühmchen, wenn du mir hier noch lange mit dem roten Mündchen so vorparlierst, so entschließ ich mich kurz und gebe Ihnen noch einen Kuß auf Borg zu deinem zukünftigen Küßchen.
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588
MARIE.
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Wenn Sie hübsch artig sein wollen. –
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590
Beide ab.
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Gräfin Adele und Flora treten oben auf den Balkon heraus. Man hört von Zeit zu Zeit Hörnerklang in
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592
der Ferne.
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593
ADELE.
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Nur einen Augenblick muss ich eratmen
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Hier in der Kühle! fast gereut mich schon
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Der fade Schwank. – Lass sie drin schwatzen,
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Wir ruhn indes hier in der lauen Luft. –
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Der Harfe gleicht in solcher stillen Zeit
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Der Seele Grund, da haucht ein leises Tönen
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Durch alle Saiten in der Einsamkeit,
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Und niemand weiß, woher, wohin es geht. –
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FLORA.
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Die Jäger kehren heim schon von den Bergen,
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Wie lustig geht der Widerhall durchs Tal!
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ADELE.
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Aus der Verwirrung dieser Töne taucht
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Ein langversunknes Bild mir wieder auf. –
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Denkst du des Abends noch in Heidelberg?
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So standen auf dem Söller wir der Burg,
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Bis alles still, und nur die Wälder rauschten
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Noch über uns, und unter uns der Neckar.
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Da kam ein Schifflein auf dem Strom gezogen
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Mit Waldhornsklang und Fackelschein, derseltsam
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Sich spiegelt' rings am Fels und in der Flut –
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FLORA.
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Und auf des Schiffes Spitze, über alle
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Hochragend, stand ein fröhlicher Gesell.
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ADELE.
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Und als das Schiff vorüberrauscht' am Schlosse,
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Da wandt er plötzlich sich und grüßt die Burg,
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Sein Windlicht schwingend, dass gleich einem Feuer
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Die herrliche Gestalt im Dunkel aufstieg. –
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So ist das wunderbare Bild uns schnell
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Erschienen und verschwunden, wie bei Nacht
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Ein schöner, wilder Grund im Wetterleuchten.
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626
FLORA.
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Wir stiegen voll Gedanken drauf hinab,
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Wo alles wieder dunkel war und still –
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Und bei dem ersten Strahl sahn wir schon weit
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Vom Reisewagen wieder Strom und Burg
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Im Morgenrote hinter uns versinken. –
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ADELE
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nach einer Pause.
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Oft ist's, als hättst du recht; es mag mehr Glück
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Und Lust da unten sein, als ich hier oben
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Mir träumen ließ, wer sich nur dran gewöhnte –
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Was kümmert's mich, ich bleibe auf der Höh! –
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Horch, wer naht dort, so spät? –
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FLORA.
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Es scheint ein Fremder.
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GRAF LEONARD
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erscheint auf dem Gartenzaun, sich nach allen Seiten umsehend.
Vorlage S. 860
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Hier also ist das Feenreich? – Nicht übel!
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Die Büsche flüstern heimlich miteinander
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Und Wasserkünste singen Zauberlieder –
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Auf lust'ger Höhe zwischen schlanken Wipfeln,
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Das ist ein guter Sitz für einen Sänger!
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Doch wo blieb mein Kumpan? He, Schlender, hier!
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ADELE
Vorlage S. 860
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zu Flora.
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Blick einmal recht ihn an – fällt dir nichts ein? –
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FLORA.
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Ich wüsste nicht –
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ADELE.
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Und doch – nein! lass uns gehen,
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Verlockend weht die Abendluft herauf
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Und dieses Dämmerlicht verwirrt das Auge. –
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FLORA.
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O bleiben wir – bei Gott, da kommt noch einer!
Vorlage S. 860
660
SCHLENDER
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gleichfalls auf den Zaun heraufsteigend.
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Ich wollt, wir fänden erst die Tür. –
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LEONARD.
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Geduld,
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Sie werden sie uns bald genug wohl zeigen.
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Er schwingt sich in den Garten, Schlender folgt zögernd.
Vorlage S. 860
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ADELE
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zu Flora.
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Wie – sagt er nicht vorhin, er sei ein Sänger?
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FLORA.
Vorlage S. 861
671
Ja, so verstand ich. – Nun fürwahr, die haben
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Den rechten Schwung, zum mindsten über Zäune,
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Die sind vom Metier, das sieht man gleich.
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LEONARD.
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675
Horch, flüstert' dort nicht was? Gewänder schimmern –
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Bei Gott, die Damen stehn auf dem Balkon –
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Galantes Glück! 's ist just die rechte Stunde
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Zu Serenaten – Zu Schlender. Frisch! heraus die Geige!
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Wir nahn in Tönen. – So, hieher – nur näher.
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680
Sie stellen sich in einiger Entfernung, dem Balkon gegenüber.
Vorlage S. 861
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LEONARD
Vorlage S. 861
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singt, während Schlender akkompagniert.
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O ihr Güt'gen und Charmanten!
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Auf der späten Wanderung
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Nehmt der lust'gen Musikanten
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Ganz ergebne Huldigung!
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FLORA.
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Das ist unleidlich –
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Laut vom Balkon herab.
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Unverschämt Gesindel!
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691
Hier ist kein Wirtshaus, um den Durst zu löschen!
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692
LEONARD
Vorlage S. 861
693
singt, wie oben.
Vorlage S. 861
694
Jeder schlürft und denkt die Seine,
Vorlage S. 861
695
Und wer nichts Besondres weiß:
Vorlage S. 861
696
Nun – der trinkt ins Allgemeine
Vorlage S. 861
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Frisch zu aller Schönen Preis –
Vorlage S. 861
698
Da bricht der schlaue Mond hervor – lass sehen,
Vorlage S. 861
699
Was er bescheint.
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700
Er tritt näher an den Balkon heran.
Vorlage S. 861
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ADELE
Vorlage S. 861
702
plötzlich an Floras Brust sinkend.
Vorlage S. 861
703
Das ist Er! – Fort, nur fort! –
Vorlage S. 861
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Die Damen verschwinden oben.
Vorlage S. 861
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LEONARD
Vorlage S. 861
706
singt.
Vorlage S. 861
707
Ob sie schmähn, ob sie sich zieren:
Vorlage S. 861
708
Musikanten spielen drein,
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709
Brechen so im Musizieren
Vorlage S. 861
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Kühn in Tür und Herzen ein!
Vorlage S. 861
711
Sie gehen singend und spielend in das Schloß.
Vorlage S. 861

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

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1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »ebensowenig, Sie aber haben ihn schon einmal bei mir …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Nein, guter Flitt, diesmal ist's mein […] Vorsatz, ich mache einen neuen Absatz in meinem Leben!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »Weil ich ein vornehmes Äußeres habe?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Was gibt's denn dort? – Ich glaub, das Flügelpferd Hat eben zwei Genies da abgesetzt!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Das ist alles noch nichts, das soll noch besser kommen!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Wenn die Nacht vor Alterschwächen Drückt ihr letztes Auge zu: Geht der Hirt den Tag anbrechen, Und bläst tu, tu, tu, tu, tu –« B: »Verzeihen Sie, mein Herr, wer sind Sie eigentlich?« C: »O geben Sie sich keine Mühe, Herr Victor! – Kleine!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Des muntern Grafen Geheimnisvoll verschlungne Redeblumen Gesegne mit so vollem …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗ Textstelle 7 ↗ Textstelle 8 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »O meine Herren, Sie sind eine rechte […] unserer ländlichen Langeweile. – Kommen Sie, das muss mit mehr Muße verhandelt werden, lassen Sie uns hineingehen, einige Erfrischungen –«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Oft ist's, als hättst du …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Studierstube, Akten liegen auf den Stühlen. Hofrat Fleder sitzt auf einem Reitsessel vor dem Pult und schreibt.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Garten der Gräfin Adele. Rechts das Schloß, über dessen Türe ein mit hohen Blumen besetzter Balkon. Auf der andern Seite ein Bassin mit einem Springbrunnen, im Hintergrund ein zierlicher Gartenzaun.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Ich bin einmal so ein ehrlicher Bursche, dass ich's niemals in der Welt zu etwas Rechtschaffenem bringen kann, ich möchte gern uns allen dreien helfen, bevor dich der Teufel ganz in deinem Talg erstickt hat. – Sieh, erstens: mein Kollege da […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »O ich fürcht mich nicht, ich fürcht mich gar nicht! ich geb nicht so viel auf so ein Ochsenmaul voll Worte, es hat schon manch dickerer Kerl, als du bist, mich durchgeprügelt –«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Ja, Florchen, so nach erfüllter Berufspflicht, mein Pfeifchen im Munde und ein zufriedenes Herz in der Brust! –«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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6. Vergleiche diese beiden Stellen: »So rauscht nur, Wälder, frisch! ich wandre, Die Schöne sei mein Lieb und keine andre!« und »Und die lieben Kinderchens bringen Ihnen die Pantoffeln heraus und Ihre lange Pfeife.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
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7. Am Abschnittsende steht: »Sie gehen singend und spielend in das Schloß.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
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8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Studierstube, Akten liegen auf den Stühlen. Hofrat Fleder sitzt auf einem Reitsessel vor dem Pult und […]« / »Sie gehen singend und spielend in das Schloß.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Morgenstunde ist die stille Saatzeit der Gedanken.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Ei der Tausend! wie siehst du heut aus? lass dich doch besehn, Florchen, lass dich besehn.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Ob sie schmähn, ob sie sich zieren: Musikanten spielen drein, Brechen so im Musizieren Kühn in Tür und Herzen ein!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Die Freier von Eichendorff, Joseph von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Die Freier

Joseph von Eichendorff: Werke. Nach den Ausgaben letzter Hand unter Hinzuziehung der Erstdrucke herausgegeben von Ansgar Hillach, Bd. 1–3, München: Winkler, 1970 ff. Eichendorff, Joseph von 840- München

Das Werk Die Freier von Eichendorff, Joseph von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.