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Buch - Die Aufgeregten - Goethe, Johann Wolfgang

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Originalwerk · Lesefassung

Die Aufgeregten

Goethe, Johann Wolfgang · 1749–1832

Die Aufgeregten von Goethe, Johann Wolfgang. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–137 Abschnitte
Porträt von Goethe, Johann Wolfgang von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Goethe, Johann Wolfgang von · Joseph Karl Stieler · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.
  • Unvollendetes Original/Fragment; nicht als vollständig abgeschlossene Erzählung angekündigt.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erster Auftritt
Vorlage S. 168
2
Ein gemeines Wohnzimmer, an der Wand zwei Bilder, eines bürgerlichen Mannes und seiner Frau, in der Tracht, wie sie vor funfzig oder sechzig Jahren zu sein pflegte. Nacht.
Vorlage S. 168
3
Luise, an einem Tische, worauf ein Licht steht, strickend. Karoline, in einem Großvatersessel gegenüber, schlafend.
Vorlage S. 168
4
LUISE
Vorlage S. 168
5
einen eben vollendeten gestrickten Strumpf in die Höhe haltend.
Vorlage S. 168
6
Wieder ein Strumpf! Nun wollt' ich, der Onkel käme nach Hause, denn ich habe nicht Lust, einen andern anzufangen. Sie steht auf und geht ans Fenster. Er bleibt heut' ungewöhnlich lange weg, sonst kommt er doch gegen eilf Uhr, und es ist jetzt schon Mitternacht. Sie tritt wieder an den Tisch. Was die französische Revolution Gutes oder Böses stiftet, kann ich nicht beurteilen; so viel weiß ich, dass sie mir diesen Winter einige Paar Strümpfe mehr einbringt. Die Stunden, die ich jetzt wachen und warten muss, bis Herr Breme nach Hause kommt, hätt' ich verschlafen, wie ich sie jetzt verstricke, und er verplaudert sie, wie er sie sonst verschlief.
Vorlage S. 168
7
KAROLINE
Vorlage S. 168
8
im Schlafe redend.
Vorlage S. 168
9
Nein, nein! Mein Vater!
Vorlage S. 168
10
LUISE
Vorlage S. 168
11
sich dem Sessel nähernd.
Vorlage S. 168
12
Was gibt's, liebe Muhme? – Sie antwortet nicht! – Was nur dem guten Mädchen sein mag! Sie ist still und unruhig; des Nachts schläft sie nicht, und jetzt, da sie vor Müdigkeit eingeschlafen ist, spricht sie im Traume. Sollte meine Vermutung gegründet sein? sollte der Baron in diesen wenigen Tagen einen solchen Eindruck auf sie gemacht haben, so schnell und stark? Hervortretend. Wunderst du dich, Luise, und hast du nicht selbst erfahren, wie die Liebe wirkt, wie schnell und wie stark!
Vorlage S. 168
13
Zweiter Auftritt
Vorlage S. 168
14
Die Vorigen. Georg.
Vorlage S. 168
15
GEORG
Vorlage S. 168
16
heftig und ängstlich.
Vorlage S. 168
17
Liebes Mamsellchen, geben Sie mir geschwinde, geschwinde –
Vorlage S. 168
18
LUISE.
Vorlage S. 168
19
Was denn, Georg?
Vorlage S. 168
20
GEORG.
Vorlage S. 168
21
Geben Sie mir die Flasche.
Vorlage S. 168
22
LUISE.
Vorlage S. 168
23
Was für eine Flasche?
Vorlage S. 168
24
GEORG.
Vorlage S. 168
25
Ihr Herr Onkel sagte, Sie sollen mir die Flasche geschwinde geben; sie steht in der Kammer, oben auf dem Brette rechter Hand.
Vorlage S. 168
26
LUISE.
Vorlage S. 168
27
Da stehen viele Flaschen; was soll denn drinne sein?
Vorlage S. 168
28
GEORG.
Vorlage S. 168
29
Spiritus.
Vorlage S. 168
30
LUISE.
Vorlage S. 168
31
Es gibt allerlei Spiritus; hat er sich nicht deutlicher erklärt? wozu soll's denn?
Vorlage S. 168
32
GEORG.
Vorlage S. 168
33
Er sagt' es wohl, ich war aber so erschrocken. Ach, der junge Herr –
Vorlage S. 168
34
KAROLINE
Vorlage S. 168
35
die aus dem Schlaf auffährt.
Vorlage S. 168
36
Was gibt's? – Der Baron?
Vorlage S. 168
37
LUISE.
Vorlage S. 168
38
Der junge Graf?
Vorlage S. 168
39
GEORG.
Vorlage S. 168
40
Leider, der junge Graf!
Vorlage S. 168
41
KAROLINE.
Vorlage S. 168
42
Was ist ihm begegnet?
Vorlage S. 168
43
GEORG.
Vorlage S. 168
44
Geben Sie mir den Spiritus.
Vorlage S. 168
45
LUISE.
Vorlage S. 168
46
Sage nur, was dem jungen Grafen begegnet ist, so weiß ich wohl, was der Onkel für eine Flasche braucht.
Vorlage S. 168
47
GEORG.
Vorlage S. 168
48
Ach, das gute Kind? was wird die Frau Gräfin sagen, wenn sie morgen kommt! wie wird sie uns ausschelten!
Vorlage S. 168
49
KAROLINE.
Vorlage S. 168
50
So red' Er doch!
Vorlage S. 168
51
GEORG.
Vorlage S. 168
52
Er ist gefallen, mit dem Kopfe vor eine Tischecke, das Gesicht ist ganz in Blut; wer weiß, ob nicht gar das Auge gelitten hat.
Vorlage S. 168
53
LUISE
Vorlage S. 169
54
indem sie einen Wachsstock anzündet und in die Kammer geht.
Vorlage S. 169
55
Nun weiß ich, was sie brauchen.
Vorlage S. 169
56
KAROLINE.
Vorlage S. 169
57
So spät! wie ging das zu?
Vorlage S. 169
58
GEORG.
Vorlage S. 169
59
Liebes Mamsellchen, ich dachte lange, es würde nichts Gutes werden. Da sitzt Ihr Vater und der Hofmeister alle Abend beim alten Pfarrer und lesen die Zeitungen und Monatsschriften, und so disputieren sie und können nicht fertig werden, und das arme Kind muss dabei sitzen; da drückt sich's denn in eine Ecke, wenn's spät wird, und schläft ein, und wenn sie aufbrechen, da taumelt das Kind schlaftrunken mit, und heute – nun sehen Sie – da schlägt's eben zwölfe – heute bleiben sie über alle Gebühr aus, und ich sitze zu Hause und habe Licht brennen, und dabei stehen die andern Lichter für den Hofmeister und den jungen Herrn, und Ihr Vater und der Magister bleiben vor der Schloßbrücke stehen und können noch nicht fertig werden –
Vorlage S. 169
60
LUISE
Vorlage S. 169
61
kommt mit einem Glase zurück.
Vorlage S. 169
62
GEORG
Vorlage S. 169
63
fährt fort.
Vorlage S. 169
64
Und das Kind kommt in den Saal getappt und ruft mich, und ich fahre auf und will die Lichter anzünden, wie ich immer tue, und wie ich schlaftrunken bin, lösche ich das Licht aus. Indessen tappt das Kind die Treppe hinauf, und auf dem Vorsaal stehen die Stühle und Tische, die wir morgen früh in die Zimmer verteilen wollen; das Kind weiß es nicht, geht gerade zu, stößt sich, fällt, wir hören es schreien, ich mache Lärm, ich mache Licht, und wie wir hinauf kommen, liegt's da und weiß kaum von sich selbst. Das ganze Gesicht ist blutig. Wenn es ein Auge verloren hat, wenn es gefährlich wird, geh' ich morgen früh auf und davon, eh' die Frau Gräfin ankommt; mag's verantworten, wer will!
Vorlage S. 169
65
LUISE
Vorlage S. 169
66
die indessen einige Bündelchen Leinwand aus der Schublade genommen, gibt ihm die Flasche.
Vorlage S. 169
67
Hier! geschwind! trage das hinüber und nimm die Läppchen dazu, ich komme gleich selbst. Der Himmel verhüte, dass es so übel sei! Geschwind, Georg, geschwind! Georg ab. Halte warmes Wasser bereit, wenn der Onkel nach Hause kommt und Kaffee verlangt. Ich will geschwind hinüber. Es wäre entsetzlich, wenn wir unsere gute Gräfin so empfangen müssten. Wie empfahl sie nicht dem Magister, wie empfahl sie nicht mir das Kind bei ihrer Abreise! Leider hab' ich sehen müssen, dass es die Zeit über sehr versäumt worden ist. Dass man doch gewöhnlich seine nächste Pflicht versäumt! Ab.
Vorlage S. 169
68
Dritter Auftritt
Vorlage S. 170
69
Karoline. Hernach der Baron.
Vorlage S. 170
70
KAROLINE
Vorlage S. 170
71
nachdem sie einigemal nachdenkend auf und ab gegangen.
Vorlage S. 170
72
Er verlässt mich keinen Augenblick, auch im Traume selbst war er mir gegenwärtig. O wenn ich glauben könnte, dass sein Herz, seine Absichten so redlich sind, als seine Blicke, sein Betragen reizend und einnehmend ist! Ach, und die Art, mit der er alles zu sagen weiß, wie edel er sich ausdrückt! Man sage, was man will, welche Vorzüge gibt einem Menschen von edler Geburt eine standesmäßige Erziehung! Ach, dass ich doch seinesgleichen wäre!
Vorlage S. 170
73
DER BARON
Vorlage S. 170
74
an der Türe.
Vorlage S. 170
75
Sind Sie allein, beste Karoline?
Vorlage S. 170
76
KAROLINE.
Vorlage S. 170
77
Herr Baron, wo kommen Sie her? entfernen Sie sich! wenn mein Vater käme! Es ist nicht schön, mich so zu überfallen.
Vorlage S. 170
78
BARON.
Vorlage S. 170
79
Die Liebe, die mich hieher führt, wird auch mein Fürsprecher bei Ihnen sein, angebetete Karoline. Er will sie umarmen.
Vorlage S. 170
80
KAROLINE.
Vorlage S. 170
81
Zurück, Herr Baron! Sie sind sehr verwegen. Wo kommen Sie her?
Vorlage S. 170
82
BARON.
Vorlage S. 170
83
Ein Geschrei weckt mich, ich springe herunter und finde, dass mein Neffe sich eine Brausche gefallen hat. Ich finde Ihren Vater um das Kind beschäftigt, nun kommt auch Ihre Muhme; ich sehe, dass es keine Gefahr hat, es fällt mir ein: Karoline ist allein – und was kann mir bei jeder Gelegenheit anders einfallen als Karoline? Die Augenblicke sind kostbar, schönes, angenehmes Kind! Gestehen Sie mir, sagen Sie mir, dass Sie mich lieben. Will sie umarmen.
Vorlage S. 170
84
KAROLINE.
Vorlage S. 170
85
Noch einmal, Herr Baron! lassen Sie mich, und verlassen Sie dieses Haus!
Vorlage S. 170
86
BARON.
Vorlage S. 171
87
Sie haben versprochen, mich so bald als möglich zu sehen, und wollen mich nun entfernen?
Vorlage S. 171
88
KAROLINE.
Vorlage S. 171
89
Ich habe versprochen, morgen früh mit Sonnenaufgang in dem Garten zu sein, mit Ihnen spazieren zu gehen, mich Ihrer Gesellschaft zu freuen. Hieher hab' ich Sie nicht eingeladen.
Vorlage S. 171
90
BARON.
Vorlage S. 171
91
Aber die Gelegenheit –
Vorlage S. 171
92
KAROLINE.
Vorlage S. 171
93
Hab' ich nicht gemacht.
Vorlage S. 171
94
BARON.
Vorlage S. 171
95
Aber ich benutze sie; können Sie mir es verdenken?
Vorlage S. 171
96
KAROLINE.
Vorlage S. 171
97
Ich weiß nicht, was ich von Ihnen denken soll.
Vorlage S. 171
98
BARON.
Vorlage S. 171
99
Auch Sie – lassen Sie es mich frei gestehen –, auch Sie erkenne ich nicht.
Vorlage S. 171
100
KAROLINE.
Vorlage S. 171
101
Und warum bin ich mir denn so unähnlich?
Vorlage S. 171
102
BARON.
Vorlage S. 171
103
Können Sie noch fragen?
Vorlage S. 171
Porträt von Goethe, Johann Wolfgang von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Goethe, Johann Wolfgang von · Joseph Karl Stieler · Public domain Bildquelle ↗
104
KAROLINE.
Vorlage S. 171
105
Ich muss wohl, ich begreife Sie nicht!
Vorlage S. 171
106
BARON.
Vorlage S. 171
107
Ich soll reden?
Vorlage S. 171
108
KAROLINE.
Vorlage S. 171
109
Wenn ich Sie verstehen soll.
Vorlage S. 171
110
BARON.
Vorlage S. 171
111
Nun gut. Haben Sie nicht seit den drei Tagen, die ich Sie kenne, jede Gelegenheit gesucht, mich zu sehen und zu sprechen?
Vorlage S. 171
112
KAROLINE.
Vorlage S. 171
113
Ich leugne es nicht.
Vorlage S. 171
114
BARON.
Vorlage S. 171
115
Haben Sie mir nicht, so oft ich Sie ansah, mit Blicken geantwortet? und mit was für Blicken!
Vorlage S. 171
116
KAROLINE
Vorlage S. 171
117
verlegen.
Vorlage S. 171
118
Ich kann meine eignen Blicke nicht sehen.
Vorlage S. 171
119
BARON.
Vorlage S. 171
120
Aber fühlen, was sie bedeuten – Haben Sie mir, wenn ich Ihnen im Tanze die Hand drückte, die Hand nicht wieder gedrückt?
Vorlage S. 171
121
KAROLINE.
Vorlage S. 171
122
Ich erinnere mich's nicht.
Vorlage S. 171
123
BARON.
Vorlage S. 171
124
Sie haben ein kurzes Gedächtnis, Karoline. Als wir unter der Linde drehten und ich Sie zärtlich an mich schloss, damals stieß mich Karoline nicht zurück.
Vorlage S. 171
125
KAROLINE.
Vorlage S. 171
126
Herr Baron, Sie haben sich falsch ausgelegt, was ein gutherziges unerfahrnes Mädchen –
Vorlage S. 171
127
BARON.
Vorlage S. 171
128
Liebst du mich?
Vorlage S. 171
129
KAROLINE.
Vorlage S. 171
130
Noch einmal, verlassen Sie mich! Morgen frühe –
Vorlage S. 171
131
BARON.
Vorlage S. 171
132
Werde ich ausschlafen.
Vorlage S. 171
133
KAROLINE.
Vorlage S. 171
134
Ich werde Ihnen sagen –
Vorlage S. 171
135
BARON.
Vorlage S. 172
136
Ich werde nichts hören.
Vorlage S. 172
137
KAROLINE.
Vorlage S. 172
138
So verlassen Sie mich.
Vorlage S. 172
139
BARON
Vorlage S. 172
140
sich entfernend.
Vorlage S. 172
141
O, es ist mir leid, dass ich gekommen bin.
Vorlage S. 172
142
KAROLINE
Vorlage S. 172
143
allein, nach einer Bewegung, als wenn sie ihn aufhalten wollte.
Vorlage S. 172
144
Er geht, ich muss ihn fortschicken, ich darf ihn nicht halten. Ich liebe ihn, und muss ihn verscheuchen. Ich war unvorsichtig, und bin unglücklich. Weg sind meine Hoffnungen auf den schönen Morgen, weg die goldnen Träume, die ich zu nähren wagte. O, wie wenig Zeit braucht es, unser ganzes Schicksal umzukehren!
Vorlage S. 172
145
Vierter Auftritt
Vorlage S. 172
146
Karoline. Breme.
Vorlage S. 172
147
KAROLINE.
Vorlage S. 172
148
Lieber Vater, wie geht's? was macht der junge Graf?
Vorlage S. 172
149
BREME.
Vorlage S. 172
150
Es ist eine starke Kontusion; doch ich hoffe die Läsion soll nicht gefährlich sein. Ich werde eine vortreffliche Kur machen, und der Herr Graf wird sich künftig, so oft er sich im Spiegel besieht, bei der Schmarre mit Achtung seines geschickten Chirurgi, seines Breme von Bremenfeld, erinnern.
Vorlage S. 172
151
KAROLINE.
Vorlage S. 172
152
Die arme Gräfin! wenn sie nur nicht schon morgen käme.
Vorlage S. 172
153
BREME.
Vorlage S. 172
154
Desto besser! und wenn sie den übeln Zustand des Patienten mit Augen sieht, wird sie, wenn die Kur vollbracht ist, desto mehr Ehrfurcht für meine Kunst empfinden. Standespersonen müssen auch wissen, dass sie und ihre Kinder Menschen sind; man kann sie nicht genug empfinden machen, wie verehrungswürdig ein Mann ist, der ihnen in ihren Nöten beisteht, denen sie wie alle Kinder Adams unterworfen sind, besonders ein Chirurgus. Ich sage dir, mein Kind, ein Chirurgus ist der verehrungswürdigste Mann auf dem ganzen Erdboden. Der Theolog befreit dich von der Sünde, die er selbst erfunden hat; der Jurist gewinnt dir deinen Prozess und bringt deinen Gegner, der gleiches Recht hat, an den Bettelstab; der Medikus kuriert dir eine Krankheit weg, die andere herbei, und du kannst nie recht wissen, ob er dir genutzt oder geschadet hat: der Chirurgus aber befreit dich von einem reellen Übel, das du dir selbst zugezogen hast oder das dir zufällig und unverschuldet über den Hals kommt; er nutzt dir, schadet keinem Menschen, und du kannst dich unwidersprechlich überzeugen, dass seine Kur gelungen ist.
Vorlage S. 172
155
KAROLINE.
Vorlage S. 173
156
Freilich auch, wenn sie nicht gelungen ist.
Vorlage S. 173
157
BREME.
Vorlage S. 173
158
Das lehrt dich den Pfuscher vom Meister unterscheiden. Freue dich, meine Tochter, dass du einen solchen Meister zum Vater hast: für ein wohldenkendes Kind ist nichts ergetzlicher, als sich seiner Eltern und Großeltern zu freuen.
Vorlage S. 173
159
KAROLINE
Vorlage S. 173
160
mit traurigem Ton, wie bisher.
Vorlage S. 173
161
Das tu ich, mein Vater.
Vorlage S. 173
162
BREME
Vorlage S. 173
163
sie nachahmend.
Vorlage S. 173
164
Das tust du, mein Töchterchen, mit einem betrübten Gesichtchen und weinerlichen Tone. – Das soll doch wohl keine Freude vorstellen?
Vorlage S. 173
165
KAROLINE.
Vorlage S. 173
166
Ach, mein Vater!
Vorlage S. 173
167
BREME.
Vorlage S. 173
168
Was hast du, mein Kind?
Vorlage S. 173
169
KAROLINE.
Vorlage S. 173
170
Ich muss es Ihnen gleich sagen.
Vorlage S. 173
171
BREME.
Vorlage S. 173
172
Was hast du?
Vorlage S. 173
173
KAROLINE.
Vorlage S. 173
174
Sie wissen, der Baron hat diese Tage her sehr freundlich, sehr zärtlich mit mir getan; ich sagt' es Ihnen gleich und fragte Sie um Rat.
Vorlage S. 173
175
BREME.
Vorlage S. 173
176
Du bist ein vortreffliches Mädchen! wert, als eine Prinzessin, eine Königin aufzutreten.
Vorlage S. 173
177
KAROLINE.
Vorlage S. 173
178
Sie rieten mir, auf meiner Hut zu sein, auf mich wohl achtzuhaben, aber auch auf ihn; mir nichts zu vergeben, aber auch ein Glück, wenn es mich aufsuchen sollte, nicht von mir zu stoßen. Ich habe mich gegen ihn betragen, dass ich mir keine Vorwürfe zu machen habe; aber er –
Vorlage S. 173
179
BREME.
Vorlage S. 173
180
Rede, mein Kind, rede!
Vorlage S. 173
181
KAROLINE.
Vorlage S. 173
182
O, es ist abscheulich. Wie frech, wie verwegen! –
Vorlage S. 173
183
BREME.
Vorlage S. 173
184
Wie? Nach einer Pause. Sage mir nichts, meine Tochter, du kennst mich, ich bin eines hitzigen Temperaments, ein alter Soldat; ich würde mich nicht fassen können, ich würde einen tollen Streich machen.
Vorlage S. 173
185
KAROLINE.
Vorlage S. 173
186
Sie können es hören, mein Vater, ohne zu zürnen; ich darf es sagen, ohne rot zu werden. Er hat meine Freundlichkeit übel ausgelegt, er hat sich in Ihrer Abwesenheit, nachdem Luise auf das Schloß geeilt war, hier ins Haus geschlichen. Er war verwegen, aber ich wies ihn zurechte. Ich trieb ihn fort, und ich darf wohl sagen: seit diesem Augenblick haben sich meine Gesinnungen gegen ihn geändert. Er schien mir liebenswürdig, als er gut war, als ich glauben konnte, dass er es gut mit mir meinte; jetzt kommt er mir vor, schlimmer als jeder andere. Ich werde Ihnen alles, wie bisher, erzählen, alles gestehen und mich Ihrem Rat ganz allein überlassen.
Vorlage S. 173
187
BREME.
Vorlage S. 174
188
Welch ein Mädchen! welch ein vortreffliches Mädchen! O ich beneidenswerter Vater! Wartet nur, Herr Baron, wartet nur! Die Hunde werden von der Kette loskommen und den Füchsen den Weg zum Taubenschlag verrennen. Ich will nicht Breme heißen, nicht den Namen Bremenfeld verdienen, wenn in kurzem nicht alles anders werden soll.
Vorlage S. 174
189
KAROLINE.
Vorlage S. 174
190
Erzürnt Euch nicht, mein Vater.
Vorlage S. 174
191
BREME.
Vorlage S. 174
192
Du gibst mir ein neues Leben, meine Tochter; ja, fahre fort, deinen Stand durch deine Tugend zu zieren, gleiche in allem deiner vortrefflichen Urgroßmutter, der seligen Bürgemeisterin von Bremenfeld. Diese würdige Frau war durch Sittsamkeit die Ehre ihres Geschlechts und durch Verstand die Stütze ihres Gemahls. Betrachte dieses Bild jeden Tag, jede Stunde, ahme sie nach und werde verehrungswürdig wie sie! Karoline sieht das Bild an und lacht. Was lachst du, meine Tochter?
Vorlage S. 174
193
KAROLINE.
Vorlage S. 174
194
Ich will meiner Urgroßmutter gern in allem Guten folgen, wenn ich mich nur nicht anziehen soll wie sie. Ha, ha, ha! Sehn Sie nur, so oft ich das Bild ansehe, muss ich lachen, ob ich es gleich alle Tage vor Augen habe, ha, ha, ha! Sehn Sie nur das Häubchen, das wie Fledermausflügel vom Kopfe lossteht.
Vorlage S. 174
195
BREME.
Vorlage S. 174
196
Nun, nun! zu ihrer Zeit lachte niemand darüber, und wer weiß, wer über euch künftig lacht, wenn er euch gemalt sieht; denn ihr seid sehr selten angezogen und aufgeputzt, dass ich sagen möchte, ob du gleich meine hübsche Tochter bist: sie gefällt mir! Gleiche dieser vortrefflichen Frau an Tugenden und kleide dich mit besserm Geschmack, so hab' ich nichts dagegen, vorausgesetzt, dass, wie sie sagen, der gute Geschmack nicht teurer ist als der schlechte. Übrigens dächt' ich, du gingst zu Bette; denn es ist spät.
Vorlage S. 174
197
KAROLINE.
Vorlage S. 175
198
Wollen Sie nicht noch Kaffee trinken? das Wasser siedet, er ist gleich gemacht.
Vorlage S. 175
199
BREME.
Vorlage S. 175
200
Setze nur alles zurechte, schütte den gemahlenen Kaffee in die Kanne, das heiße Wasser will ich selbst darüber gießen.
Vorlage S. 175
201
KAROLINE.
Vorlage S. 175
202
Gute Nacht, mein Vater! Geht ab.
Vorlage S. 175
203
BREME.
Vorlage S. 175
204
Schlaf wohl, mein Kind.
Vorlage S. 175
205
Fünfter Auftritt
Vorlage S. 175
206
BREME
Vorlage S. 175
Max Liebermann – Garten des Waisenhauses in Amsterdam. Vergleichsbild zu Garten, Alltag und Gemeinschaft; keine Buchillustration.
Kontextbild zum Werk. Garten eines Amsterdamer Waisenhauses · Max Liebermann · Public domain Bildquelle ↗
207
allein.
Vorlage S. 175
208
Dass auch das Unglück just diese Nacht geschehen musste! Ich hatte alles klüglich eingerichtet, meine Einteilung der Zeit als ein echter Praktikus gemacht. Bis gegen Mitternacht hatten wir zusammen geschwatzt, da war alles ruhig; nachher wollte ich meine Tasse Kaffee trinken, meine bestellten Freunde sollten kommen zu der geheimnisvollen Überlegung. Nun hat's der Henker! Alles ist in Unruhe. Sie wachen im Schloß, dem Kinde Umschläge aufzulegen. Wer weiß, wo sich der Baron herumdrückt, um meiner Tochter aufzupassen. Beim Amtmann seh' ich Licht, bei dem verwünschten Kerl, den ich am meisten scheue. Wenn wir entdeckt werden, so kann der größte, schönste, erhabenste Gedanke, der auf mein ganzes Vaterland Einfluss haben soll, in der Geburt erstickt werden. Er geht ans Fenster. Ich höre jemand kommen; die Würfel sind geworfen, wir müssen nun die Steine setzen; ein alter Soldat darf sich vor nichts fürchten. Bin ich denn nicht bei dem großen unüberwindlichen Fritz in die Schule gegangen?
Vorlage S. 175
209
Sechster Auftritt
Vorlage S. 175
210
Breme. Martin.
Vorlage S. 175
211
BREME.
Vorlage S. 175
212
Seid Ihr's, Gevatter Martin?
Vorlage S. 175
213
MARTIN.
Vorlage S. 175
214
Ja, lieber Gevatter Breme, das bin ich. Ich habe mich ganz stille aufgemacht, wie die Glocke zwölfe schlug, und bin hergekommen; aber ich habe noch Lärm gehört und hin und wider gehen, und da bin ich im Garten einigemal auf und ab geschlichen, bis alles ruhig war. Sagt mir nur, was Ihr wollt, Gevatter Breme, dass wir so spät bei Euch zusammenkommen, in der Nacht; konnten wir's denn nicht bei Tag abmachen?
Vorlage S. 175
215
BREME.
Vorlage S. 176
216
Ihr sollt alles erfahren, nur müsst Ihr Geduld haben, bis die andern alle beisammen sind.
Vorlage S. 176
217
MARTIN.
Vorlage S. 176
218
Wer soll denn noch alles kommen?
Vorlage S. 176
219
BREME.
Vorlage S. 176
220
Alle unsere guten Freunde, alle vernünftigen Leute. Außer Euch, der Ihr Schulze von dem Ort hier seid, kommt noch Peter, der Schulze von Rosenhahn, und Albert, der Schulze von Wiesengruben; ich hoffe, auch Jakob wird kommen, der das hübsche Freigut besitzt. Dann sind recht ordentliche und vernünftige Leute beisammen, die schon was ausmachen können.
Vorlage S. 176
221
MARTIN.
Vorlage S. 176
222
Gevatter Breme, Ihr seid ein wunderlicher Mann; es ist Euch alles eins, Nacht und Tag, Tag und Nacht, Sommer und Winter.
Vorlage S. 176
223
BREME.
Vorlage S. 176
224
Ja, wenn das auch nicht so wäre, könnte nichts Rechts werden. Wachen oder Schlafen, das ist mir auch ganz gleich. Es war nach der Schlacht bei Leuthen, wo unsere Lazarette sich in schlechtem Zustande befanden und sich wahrhaftig noch im schlechteren Zustande befunden hätten, wäre Breme nicht damals ein junger rüstiger Bursche gewesen. Da lagen viele Blessierte, viele Kranke, und alle Feldscherer waren alt und verdrossen, aber Breme ein junger tüchtiger Kerl, Tag und Nacht parat. Ich sag' Euch, Gevatter, dass ich acht Nächte nacheinander weg gewacht und am Tage nicht geschlafen habe. Das merkte sich aber auch der alte Fritz, der alles wusste, was er wissen wollte. Höre Er, Breme, sagte er einmal, als er in eigner Person das Lazarett visitierte, höre Er, Breme, man sagt, dass Er an der Schlaflosigkeit krank liege. – Ich merkte, wo das hinaus wollte, denn die andern stunden alle dabei; ich fasste mich und sagte: Ihro Majestät, das ist eine Krankheit, wie ich sie allen Ihren Dienern wünsche, und da sie keine Mattigkeit zurückläßt und ich den Tag auch noch brauchbar bin, so hoffe ich, dass Seine Majestät deswegen keine Ungnade auf mich werfen werden.
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225
MARTIN.
Vorlage S. 177
226
Ei, ei! wie nahm denn das der König auf?
Vorlage S. 177
227
BREME.
Vorlage S. 177
228
Er sah ganz ernsthaft aus, aber ich sah ihm wohl an, dass es ihm wohlgefiel. Breme, sagte er, womit vertreibt Er sich denn die Zeit? Da fasst' ich mir wieder ein Herz und sagte: Ich denke an das, was Ihro Majestät getan haben und noch tun werden, und da könnt' ich Methusalems Jahre erreichen und immer fort wachen und könnt's doch nicht ausdenken. Da tat er, als hört' er's nicht, und ging vorbei. Nun war's wohl acht Jahre darnach, da fasst' er mich bei der Revue wieder ins Auge. Wacht Er noch immer, Breme? rief er. Ihro Majestät, versetzt' ich, lassen einem ja im Frieden so wenig Ruh als im Kriege. Sie tun immer so große Sachen, dass sich ein gescheiter Kerl daran zu Schanden denkt.
Vorlage S. 177
229
MARTIN.
Vorlage S. 177
230
So habt Ihr mit dem König gesprochen, Gevatter? Durfte man so mit ihm reden?
Vorlage S. 177
231
BREME.
Vorlage S. 177
232
Freilich durfte man so und noch ganz anders, denn er wusste alles besser. Es war ihm einer wie der andere, und der Bauer lag ihm am mehrsten am Herzen. Ich weiß wohl, sagte er zu seinen Ministern, wenn sie ihm das und jenes einreden wollten, die Reichen haben viel Advokaten, aber die Dürftigen haben nur einen, und das bin ich.
Vorlage S. 177
233
MARTIN.
Vorlage S. 177
234
Wenn ich ihn doch nur auch gesehen hätte!
Vorlage S. 177
235
BREME.
Vorlage S. 177
236
Stille, ich höre was! es werden unsere Freunde sein. Sieh da! Peter und Albert.
Vorlage S. 177
237
Siebenter Auftritt
Vorlage S. 177
238
Peter. Albert. Die Vorigen.
Vorlage S. 177
239
BREME.
Vorlage S. 177
240
Willkommen! – Ist Jakob nicht bei euch?
Vorlage S. 177
241
PETER.
Vorlage S. 177
242
Wir haben uns bei den drei Linden bestellt; aber er blieb uns zu lang' aus, nun sind wir allein da.
Vorlage S. 177
243
ALBERT.
Vorlage S. 177
244
Was habt Ihr uns Neues zu sagen, Meister Breme? Ist was von Wetzlar gekommen, geht der Prozess vorwärts?
Vorlage S. 177
245
BREME.
Vorlage S. 177
246
Eben weil nichts gekommen ist, und weil, wenn was gekommen wäre, es auch nicht viel heißen würde, so wollt' ich euch eben einmal meine Gedanken sagen: denn ihr wisst wohl, ich nehme mich der Sachen aller, aber nicht öffentlich an, bis jetzt nicht öffentlich; denn ich darf's mit der gnädigen Herrschaft nicht ganz verderben.
Vorlage S. 177
247
PETER.
Vorlage S. 178
248
Ja, wir verdürben's auch nicht gern mit ihr, wenn sie's nur halbweg leidlich machte.
Vorlage S. 178
249
BREME.
Vorlage S. 178
250
Ich wollte euch sagen – wenn nur Jakob da wäre, dass wir alle zusammen wären, und dass ich nichts wiederholen müsste und wir einig würden.
Vorlage S. 178
251
ALBERT.
Vorlage S. 178
252
Jakob? Es ist fast besser, dass er nicht dabei ist. Ich traue ihm nicht recht; er hat das Freigütchen, und wenn er auch wegen der Zinsen mit uns gleiches Interesse hat, so geht ihn doch die Straße nichts an, und er hat sich im ganzen Prozess gar zu lässig bewiesen.
Vorlage S. 178
253
BREME.
Vorlage S. 178
254
Nun so lasst's gut sein. Setzt euch und hört mich an. Sie setzen sich.
Vorlage S. 178
255
MARTIN.
Vorlage S. 178
256
Ich bin recht neugierig, zu hören.
Vorlage S. 178
257
BREME.
Vorlage S. 178
258
Ihr wisst, dass die Gemeinden schon vierzig Jahre lang mit der Herrschaft einen Prozess führen, der auf langen Umwegen endlich nach Wetzlar gelangt ist und von dort den Weg nicht zurück finden kann. Der Gutsherr verlangt Fronen und andere Dienste, die ihr verweigert, und mit Recht verweigert: denn es ist ein Rezeß geschlossen worden mit dem Großvater unsers jungen Grafen – Gott erhalt' ihn! –, der sich diese Nacht eine erschreckliche Brausche gefallen hat.
Vorlage S. 178
259
MARTIN.
Vorlage S. 178
260
Eine Brausche?
Vorlage S. 178
261
PETER.
Vorlage S. 178
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Gerade diese Nacht!
Vorlage S. 178
263
ALBERT.
Vorlage S. 178
264
Wie ist das zugegangen?
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265
MARTIN.
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Das arme liebe Kind!
Vorlage S. 178
267
BREME.
Vorlage S. 178
268
Das will ich euch nachher erzählen. Nun hört mich weiter an. Nach diesem geschlossenen Rezeß überließen die Gemeinden an die Herrschaft ein paar Fleckchen Holz, einige Wiesen, einige Triften und sonst noch Kleinigkeiten, die euch von keiner Bedeutung waren und der Herrschaft viel nutzten; denn man sieht, der alte Graf war ein kluger Herr, aber auch ein guter Herr. Leben und leben lassen, war sein Spruch. Er erließ den Gemeinden dagegen einige zu entbehrende Fronen und –
Vorlage S. 178
269
ALBERT.
Vorlage S. 178
270
Und das sind die, die wir noch immer leisten müssen.
Vorlage S. 178
271
BREME.
Vorlage S. 179
272
Und machte ihnen einige Konvenienzen –
Vorlage S. 179
273
MARTIN.
Vorlage S. 179
274
Die wir noch nicht genießen.
Vorlage S. 179
275
BREME.
Vorlage S. 179
276
Richtig, weil der Graf starb, die Herrschaft sich in Besitz dessen setzte, was ihr zugestanden war, der Krieg einfiel und die Untertanen noch mehr tun mussten, als sie vorher getan hatten.
Vorlage S. 179
277
PETER.
Vorlage S. 179
278
Es ist akkurat so; so hab' ich's mehr als einmal aus des Advokaten Munde gehört.
Vorlage S. 179
279
BREME.
Vorlage S. 179
280
Und ich weiß es besser als der Advokat, denn ich sehe weiter. Der Sohn des Grafen, der verstorbene gnädige Herr, wurde eben um die Zeit volljährig. Das war, bei Gott! ein wilder böser Teufel, der wollte nichts herausgeben und mißhandelte euch ganz erbärmlich. Er war im Besitz, der Rezeß war fort und nirgends zu finden.
Vorlage S. 179
281
ALBERT.
Vorlage S. 179
282
Wäre nicht noch die Abschrift da, die unser verstorbener Pfarrer gemacht hat, wir wüssten kaum etwas davon.
Vorlage S. 179
283
BREME.
Vorlage S. 179
284
Diese Abschrift ist euer Glück und euer Unglück. Diese Abschrift gilt alles vor jedem billigen Menschen, vor Gericht gilt sie nichts. Hättet ihr diese Abschrift nicht, so wäret ihr ungewiss in dieser Sache. Hätte man diese Abschrift der Herrschaft nicht vorgelegt, so wüsste man nicht, wie ungerecht sie denkt.
Vorlage S. 179
285
MARTIN.
Vorlage S. 179
286
Da müsst Ihr auch wieder billig sein. Die Gräfin leugnet nicht, dass vieles für uns spricht; nur weigert sie sich, den Vergleich einzugehen, weil sie, in Vormundschaft ihres Sohnes, sich nicht getraut, so etwas abzuschließen.
Vorlage S. 179
287
ALBERT.
Vorlage S. 179
288
In Vormundschaft ihres Sohnes! Hat sie nicht den neuen Schloßflügel bauen lassen, den er vielleicht sein Lebtage nicht bewohnt, denn er ist nicht gern in dieser Gegend.
Vorlage S. 179
289
PETER.
Vorlage S. 179
290
Und besonders, da er nun eine Brausche gefallen hat.
Vorlage S. 179
291
ALBERT.
Vorlage S. 179
292
Hat sie nicht den großen Garten und die Wasserfälle anlegen lassen, worüber ein paar Mühlen haben müssen weggekauft werden? Das getraut sie sich alles in Vormundschaft zu tun, aber das Rechte, das Billige, das getraut sie sich nicht.
Vorlage S. 179
293
BREME.
Vorlage S. 179
294
Albert, du bist ein wackrer Mann; so hör' ich gern reden, und ich gestehe wohl, wenn ich von unserer gnädigen Gräfin manches Gute genieße und deshalb mich für ihren untertänigen Diener bekenne, so möcht' ich doch auch darin meinem König nachahmen und euer Sachwalter sein.
Vorlage S. 179
295
PETER.
Vorlage S. 180
296
Das wäre recht schön. Macht nur, dass unser Prozess bald aus wird.
Vorlage S. 180
297
BREME.
Vorlage S. 180
298
Das kann ich nicht, das müsst ihr.
Vorlage S. 180
299
PETER.
Vorlage S. 180
300
Wie wäre denn das anzugreifen?
Vorlage S. 180
301
BREME.
Vorlage S. 180
302
Ihr guten Leute wisst nicht, dass alles in der Welt vorwärts geht, dass heute möglich ist, was vor zehn Jahren nicht möglich war. Ihr wisst nicht, was jetzt alles unternommen, was alles ausgeführt wird.
Vorlage S. 180
303
MARTIN.
Vorlage S. 180
304
O ja, wir wissen, dass in Frankreich jetzt wunderliches Zeug geschieht.
Vorlage S. 180
305
PETER.
Vorlage S. 180
306
Wunderliches und abscheuliches!
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307
ALBERT.
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308
Wunderliches und gutes.
Vorlage S. 180
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
309
BREME.
Vorlage S. 180
310
So recht, Albert, man muss das Beste wählen! Da sag' ich nun: Was man in Güte nicht haben kann, soll man mit Gewalt nehmen.
Vorlage S. 180
311
MARTIN.
Vorlage S. 180
312
Sollte das gerade das Beste sein?
Vorlage S. 180
313
ALBERT.
Vorlage S. 180
314
Ohne Zweifel.
Vorlage S. 180
315
PETER.
Vorlage S. 180
316
Ich dächte nicht.
Vorlage S. 180
317
BREME.
Vorlage S. 180
318
Ich muss euch sagen, Kinder: jetzt oder niemals!
Vorlage S. 180
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ALBERT.
Vorlage S. 180
320
Da dürft Ihr uns in Wiesengruben nicht viel vorschwatzen; dazu sind wir fix und fertig. Unsere Leute wollten längst rebellern; ich habe nur immer abgewehrt weil mir Herr Breme immer sagte, es sei noch nicht Zeit, und das ist ein gescheiter Mann, auf den ich Vertrauen habe.
Vorlage S. 180
321
BREME.
Vorlage S. 180
322
Gratias, Gevatter, und ich sage euch: jetzt ist es Zeit.
Vorlage S. 180
323
ALBERT.
Vorlage S. 180
324
Ich glaub's auch.
Vorlage S. 180
325
PETER.
Vorlage S. 180
326
Nehmt mir's nicht übel, das kann ich nicht einsehen; denn wenn's gut aderlassen ist, gut purgieren, gut schröpfen, das steht im Kalender, und darnach weiß ich mich zu richten; aber wenn's just gut rebellern sei, das, glaub' ich, ist viel schwerer zu sagen.
Vorlage S. 180
327
BREME.
Vorlage S. 180
328
Das muss unsereiner verstehen.
Vorlage S. 180
329
ALBERT.
Vorlage S. 181
330
Freilich versteht Ihr's.
Vorlage S. 181
331
PETER.
Vorlage S. 181
332
Aber sagt mir nur, woher's eigentlich kommt, dass Ihr's besser versteht als andere gescheite Leute?
Vorlage S. 181
333
BREME
Vorlage S. 181
334
gravitätisch.
Vorlage S. 181
335
Erstlich, mein Freund, weil schon vom Großvater an meine Familie die größten politischen Einsichten erwiesen. Hier dieses Bildnis zeigt euch meinen Großvater Hermann Breme von Bremenfeld, der, wegen großer und vorzüglicher Verdienste zum Burgemeister seiner Vaterstadt erhoben, ihr die größten und wichtigsten Dienste geleistet hat. Dort schwebt sein Andenken noch in Ehren und Segen, wenngleich boshafte, pasquillantische Schauspieldichter seine großen Talente und gewisse Eigenheiten, die er an sich haben mochte, nicht sehr glimpflich behandelten. Seine tiefe Einsicht in die ganze politische und militärische Lage von Europa wird ihm selbst von seinen Feinden nicht abgesprochen.
Vorlage S. 181
336
PETER.
Vorlage S. 181
337
Es war ein hübscher Mann, er sieht recht wohlgenährt aus.
Vorlage S. 181
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BREME.
Vorlage S. 181
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Freilich genoss er ruhigere Tage als sein Enkel.
Vorlage S. 181
340
MARTIN.
Vorlage S. 181
341
Habt Ihr nicht auch das Bildnis Eures Vaters?
Vorlage S. 181
342
BREME.
Vorlage S. 181
343
Leider, nein! Doch muss ich euch sagen: die Natur, indem sie meinen Vater Jost Breme von Bremenfeld hervorbrachte, hielt ihre Kräfte zusammen, um euren Freund mit solchen Gaben auszurüsten, durch die er euch nützlich zu werden wünscht. Doch behüte der Himmel, dass ich mich über meine Vorfahren erheben sollte; es wird uns jetzt viel leichter gemacht, und wir können mit geringern natürlichen Vorzügen eine große Rolle spielen.
Vorlage S. 181
344
MARTIN.
Vorlage S. 181
345
Nicht zu bescheiden, Gevatter!
Vorlage S. 181
346
BREME.
Vorlage S. 181
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Es ist lautre Wahrheit. Sind nicht jetzt der Zeitungen, der Monatsschriften, der fliegenden Blätter so viel, aus denen wir uns unterrichten, an denen wir unsern Verstand üben können! Hätte mein seliger Großvater nur den tausendsten Teil dieser Hilfsmittel gehabt, er wäre ein ganz anderer Mann geworden. Doch Kinder, was rede ich von mir! Die Zeit vergeht, und ich fürchte, der Tag bricht an. Der Hahn macht uns aufmerksam, dass wir uns kurz fassen sollen. Habt ihr Mut?
Vorlage S. 181
348
ALBERT.
Vorlage S. 181
349
An mir und den Meinigen soll's nicht fehlen.
Vorlage S. 181
350
PETER.
Vorlage S. 182
351
Unter den Meinigen findet sich wohl einer, der sich an die Spitze stellt; ich verbitte mir den Auftrag.
Vorlage S. 182
352
MARTIN.
Vorlage S. 182
353
Seit den paar letzten Predigten, die der Magister hielt, weil der alte Pfarrer so krank liegt, ist das ganze große Dorf hier in Bewegung.
Vorlage S. 182
354
BREME.
Vorlage S. 182
355
Gut! so kann was werden. Ich habe ausgerechnet, dass wir über sechshundert Mann stellen können. Wollt ihr, so ist in der nächsten Nacht alles getan.
Vorlage S. 182
356
MARTIN.
Vorlage S. 182
357
In der nächsten Nacht?
Vorlage S. 182
358
BREME.
Vorlage S. 182
359
Es soll nicht wieder Mitternacht werden, und ihr sollt wieder haben alles, was euch gebührt, und mehr dazu.
Vorlage S. 182
360
PETER.
Vorlage S. 182
361
So geschwind? wie wäre das möglich?
Vorlage S. 182
362
ALBERT.
Vorlage S. 182
363
Geschwind oder gar nicht.
Vorlage S. 182
364
BREME.
Vorlage S. 182
365
Die Gräfin kommt heute an, sie darf sich kaum besinnen. Rückt nur bei einbrechender Nacht vor das Schloß und fordert eure Rechte, fordert eine neue Ausfertigung des alten Reverses, macht euch noch einige kleine Bedingungen, die ich euch schon angeben will, lasst sie unterschreiben, lasst sie schwören, und so ist alles getan.
Vorlage S. 182
366
PETER.
Vorlage S. 182
367
Vor einer solchen Gewalttätigkeit zittern mir Arm und Beine.
Vorlage S. 182
368
ALBERT.
Vorlage S. 182
369
Narr! Wer Gewalt braucht, darf nicht zittern.
Vorlage S. 182
370
MARTIN.
Vorlage S. 182
371
Wie leicht können sie uns aber ein Regiment Dragoner über den Hals ziehen. So arg dürfen wir's doch nicht machen. Das Militär, der Fürst, die Regierung würden uns schön zusammenarbeiten.
Vorlage S. 182
372
BREME.
Vorlage S. 182
373
Gerade umgekehrt. Das ist's eben, worauf ich fuße. Der Fürst ist unterrichtet, wie sehr das Volk bedrückt sei. Er hat sich über die Unbilligkeit des Adels, über die Langweiligkeit der Prozesse, über die Schikane der Gerichtshalter und Advokaten oft genug deutlich und stark erklärt, so dass man voraussetzen kann: er wird nicht zürnen, wenn man sich Recht verschafft, da er es selbst zu tun gehindert ist.
Vorlage S. 182
374
PETER.
Vorlage S. 182
375
Sollte das gewiss sein?
Vorlage S. 182
376
ALBERT.
Vorlage S. 182
377
Es wird im ganzen Lande davon gesprochen.
Vorlage S. 182
378
PETER.
Vorlage S. 182
379
Da wäre noch allenfalls was zu wagen.
Vorlage S. 182
380
BREME.
Vorlage S. 182
381
Wie ihr zu Werke gehen müsst, wie vor allen Dingen der abscheuliche Gerichtshalter beiseite muss, und auf wen noch mehr genau zu sehen ist, das sollt ihr alles noch vor Abend erfahren. Bereitet eure Sachen vor, regt eure Leute an und seid mir um sechse beim Herrenbrunnen. Dass Jakob nicht kommt, macht ihn verdächtig; ja es ist besser, dass er nicht gekommen ist. Gebt auf ihn acht, dass er uns wenigstens nicht schade; an dem Vorteil, den wir uns erwerben, wird er schon teilnehmen wollen. Es wird Tag; lebt wohl und bedenkt nur, dass, was geschehen soll, schon geschehen ist. Die Gräfin kommt eben erst von Paris zurück, wo sie das alles gesehn und gehört hat, was wir mit so vieler Verwunderung lesen; vielleicht bringt sie schon selbst mildere Gesinnungen mit, wenn sie gelernt hat, was Menschen, die zu sehr gedrückt werden, endlich für ihre Rechte tun können und müssen.
Vorlage S. 182
382
MARTIN.
Vorlage S. 183
383
Lebt wohl, Gevatter, lebt wohl! Punkt sechse bin ich am Herrenbrunnen.
Vorlage S. 183
384
ALBERT.
Vorlage S. 183
385
Ihr seid ein tüchtiger Mann! Lebt wohl.
Vorlage S. 183
386
PETER.
Vorlage S. 183
387
Ich will Euch recht loben, wenn's gut abläuft.
Vorlage S. 183
388
MARTIN.
Vorlage S. 183
389
Wir wissen nicht, wie wir's Euch danken sollen.
Vorlage S. 183
390
BREME
Vorlage S. 183
391
mit Würde.
Vorlage S. 183
392
Ihr habt Gelegenheit genug, mich zu verbinden. Das kleine Kapital zum Exempel von zweihundert Talern, das ich der Kirche schuldig bin, erlaßt ihr mir ja wohl.
Vorlage S. 183
393
MARTIN.
Vorlage S. 183
394
Das soll uns nicht reuen.
Vorlage S. 183
395
ALBERT.
Vorlage S. 183
396
Unsere Gemeine ist wohlhabend und wird auch gern was für Euch tun.
Vorlage S. 183
397
BREME.
Vorlage S. 183
398
Das wird sich finden. Das schöne Fleck, das Gemeindegut war und das der Gerichtshalter zum Garten einzäunen und umarbeiten lassen, das nehmt ihr wieder in Besitz und überlasst mir's.
Vorlage S. 183
399
ALBERT.
Vorlage S. 183
400
Das wollen wir nicht ansehen, das ist schon verschmerzt.
Vorlage S. 183
401
PETER.
Vorlage S. 183
402
Wir wollen auch nicht zurückbleiben.
Vorlage S. 183
403
BREME.
Vorlage S. 183
404
Ihr habt selbst einen hübschen Sohn und ein schönes Gut; dem könnt' ich meine Tochter geben. Ich bin nicht stolz, glaubt mir, ich bin nicht stolz. Ich will Euch gern meinen Schwäger heißen.
Vorlage S. 183
405
PETER.
Vorlage S. 183
406
Das Mamsellchen ist hübsch genug; nur ist sie schon zu vornehm erzogen.
Vorlage S. 183
407
BREME.
Vorlage S. 184
408
Nicht vornehm, aber gescheit. Sie wird sich in jeden Stand zu finden wissen. Doch darüber lässt sich noch vieles reden. Lebt jetzt wohl, meine Freunde, lebt wohl!
Vorlage S. 184
409
ALLE.
Vorlage S. 184
410
So lebt denn wohl!
Vorlage S. 184

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

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1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Er ist gefallen, mit dem Kopfe vor eine Tischecke, das Gesicht ist …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Die Liebe, die mich hieher führt, wird auch mein […] bei Ihnen sein, angebetete Karoline.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Die Gräfin leugnet nicht, dass vieles für uns spricht; nur weigert sie sich, den Vergleich einzugehen, weil sie, in Vormundschaft ihres Sohnes, sich nicht getraut, so etwas abzuschließen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Ich trieb ihn fort, und ich darf wohl sagen: seit diesem Augenblick haben sich meine Gesinnungen gegen ihn geändert.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Ich höre jemand kommen; die Würfel sind geworfen, wir müssen nun die Steine setzen; ein alter Soldat darf sich vor nichts fürchten.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Dass man doch gewöhnlich seine nächste Pflicht versäumt!« B: »Beim Amtmann seh' ich Licht, bei dem verwünschten Kerl, den ich am meisten scheue.« C: »Erstlich, mein Freund, weil schon vom Großvater an meine Familie die größten politischen Einsichten erwiesen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Diese Abschrift ist euer …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ihr wisst nicht, was jetzt alles […], was alles ausgeführt wird.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Erstlich, mein Freund, weil schon vom Großvater an meine Familie die größten politischen Einsichten erwiesen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Die Gräfin kommt eben erst von Paris zurück, wo sie das alles …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Ein gemeines Wohnzimmer, an der Wand zwei Bilder, eines bürgerlichen Mannes und seiner Frau, in der Tracht, wie sie vor funfzig oder sechzig Jahren zu sein pflegte. Nacht.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Rückt nur bei einbrechender Nacht vor das Schloß und fordert eure Rechte, fordert eine neue Ausfertigung des alten Reverses, macht euch noch einige kleine Bedingungen, die ich euch schon angeben will, lasst sie unterschreiben, lasst sie […]«

Impulse zur Selbstprüfung

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  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
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  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Es ist lautre Wahrheit. Sind nicht jetzt der Zeitungen, der Monatsschriften, der fliegenden Blätter so viel, aus denen wir uns unterrichten, an denen wir unsern Verstand üben können! Hätte mein seliger Großvater nur den tausendsten Teil […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Vor einer solchen Gewalttätigkeit zittern mir Arm und Beine.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] schönes, angenehmes Kind! Gestehen Sie mir, sagen Sie mir, dass Sie mich lieben. Will sie umarmen.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Die arme Gräfin! wenn sie nur nicht schon morgen käme.« und »Diese Abschrift ist euer Glück und euer Unglück. Diese Abschrift gilt alles vor jedem billigen Menschen, vor Gericht gilt sie […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Nicht vornehm, aber gescheit. Sie wird sich in jeden Stand zu finden wissen. Doch darüber lässt sich noch vieles reden. Lebt jetzt wohl, meine Freunde, lebt wohl!« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
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8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Ein gemeines Wohnzimmer, an der Wand zwei Bilder, eines bürgerlichen Mannes und seiner Frau, in der Tracht, […]« / »Nicht vornehm, aber gescheit. Sie wird sich in jeden Stand zu finden wissen. Doch darüber läßt sich noch […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Nun wollt' ich, der Onkel käme nach Hause, denn ich habe nicht Lust, einen andern anzufangen.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Wachen oder Schlafen, das ist mir auch ganz gleich.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Lebt jetzt wohl, meine Freunde, lebt wohl!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Die Aufgeregten von Goethe, Johann Wolfgang ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Die Aufgeregten

Goethes Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Textkritisch durchgesehen und mit Anmerkungen versehen von Erich Trunz, Hamburg: Christian Wegener, 1948 ff. [Seitenkonkordanz zu einer Mischauflage aus den Jahren 1959 und 1960.] Goethe, Johann Wolfgang 168- Hamburg

Das Werk Die Aufgeregten von Goethe, Johann Wolfgang ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.