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Buch - Der junge Gelehrte - Lessing, Gotthold Ephraim

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Originalwerk · Lesefassung

Der junge Gelehrte

Lessing, Gotthold Ephraim · 1729–1781

Der junge Gelehrte von Lessing, Gotthold Ephraim. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Porträt von Lessing, Gotthold Ephraim; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Lessing, Gotthold Ephraim · Anton Graff · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erster Auftritt
Vorlage S. 280
2
Damis am Tische unter Büchern. Anton.
Vorlage S. 280
3
DAMIS.
Vorlage S. 280
4
Die Post also ist noch nicht da?
Vorlage S. 280
5
ANTON.
Vorlage S. 280
6
Nein.
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7
DAMIS.
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8
Noch nicht? Hast du auch nach der rechten gefragt? Die Post von Berlin –
Vorlage S. 280
9
ANTON.
Vorlage S. 280
10
Nun ja doch; die Post von Berlin; sie ist noch nicht da! Wenn sie aber nicht bald kömmt, so habe ich mir die Beine abgelaufen. Tun Sie doch, als ob sie Ihnen, wer weiß was, mitbringen würde! Und ich wette, wenns hoch kömmt, so ist es eine neue Scharteke, oder eine Zeitung, oder sonst ein Wisch. – –
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11
DAMIS.
Vorlage S. 280
12
Nein, mein guter Anton; dasmal möchte es etwas mehr sein. Ah! wann du es wüsstest – –
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13
ANTON.
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14
Will ichs denn wissen? Es würde mir weiter doch nichts helfen, als dass ich einmal wieder über Sie lachen könnte. Das ist mir gewiss etwas Seltnes? – – Haben Sie mich sonst noch wohin zu schicken? Ich habe ohnedem auf dem Ratskeller eine kleine Verrichtung; vielleicht ists ein Gang? Nu?
Vorlage S. 280
15
DAMIS
Vorlage S. 280
16
erzürnt.
Vorlage S. 280
17
Nein, Schurke!
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18
ANTON.
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19
Da haben wirs! Er hat alles gelesen, nur kein Komplimentierbuch. – – Aber besinnen Sie sich. Etwa in den Buchladen?
Vorlage S. 280
20
DAMIS.
Vorlage S. 280
21
Nein, Schurke!
Vorlage S. 280
22
ANTON.
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23
Ich muss das Schurke so oft hören, dass ich endlich selbst glauben werde, es sei mein Taufname. – – Aber zum Buchbinder?
Vorlage S. 280
24
DAMIS.
Vorlage S. 280
25
Schweig, oder – –
Vorlage S. 280
26
ANTON.
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27
Oder zum Buchdrucker? Zu diesen dreien, Gott sei Dank! weiß ich mich, wie das Färberpferd um die Rolle.
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28
DAMIS.
Vorlage S. 281
29
Sieht denn der Schlingel nicht, dass ich lese? Will er mich noch länger stören?
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30
ANTON
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31
bei Seite.
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32
St! er ist im Ernste böse geworden. Lenk ein, Anton. – – Aber, sagen Sie mir nur, was lesen Sie denn da für ein Buch? Potz Stern, was das für Zeug ist! Das verstehen Sie? Solche Krakelfüße, solche fürchterliche Zickzacke, die kann ein Mensch lesen? Wann das nicht wenigstens Fausts Höllenzwang ist – – Ach, man weiß es ja wohl, wies den Leuten geht, die alles lernen wollen. Endlich verführt sie der böse Geist, dass sie auch hexen lernen. – –
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33
DAMIS
Vorlage S. 281
34
nimmt sein muntres Wesen wieder an.
Vorlage S. 281
35
Du guter Anton! das ist ein Buch in hebräischer Sprache. – Des Ben Maimon Jad chasaka.
Vorlage S. 281
36
ANTON.
Vorlage S. 281
37
Ja doch; wers nur glauben wollte! Was Hebräisch ist, weiß ich endlich auch. Ist es nicht mit der Grundsprache, mit der Textsprache, mit der heiligen Sprache einerlei? Die warf unser Pfarr, als ich noch in die Schule ging, mehr als einmal von der Kanzel. Aber so ein Buch, wahrhaftig! hatte er nicht; ich habe alle seine Bücher beguckt; ich musste sie ihm einmal von einem Boden auf den andern räumen helfen.
Vorlage S. 281
38
DAMIS.
Vorlage S. 281
39
Ha! ha! ha! das kann wohl sein. Es ist Wunders genug, wenn ein Geistlicher auf dem Lande nur den Namen davon weiß. Zwar, im Vertrauen, mein lieber Anton, die Geistlichen überhaupt sind schlechte Helden in der Gelehrsamkeit.
Vorlage S. 281
40
ANTON.
Vorlage S. 281
41
Nu, nu, bei allen trifft das wohl nicht ein. Der Magister in meinem Dorfe wenigstens gehört unter die Ausnahme. Versichert! der Schulmeister selber hat mir es, mehr als einmal gesagt, dass er ein sehr gelehrter Mann wäre. Und dem Schulmeister muss ich das glauben; denn wie mir der Herr Pfarr oft gesagt hat, so ist er keiner von den schlechten Schulmeistern; er versteht ein Wort Latein, und kann davon urteilen.
Vorlage S. 281
42
DAMIS.
Vorlage S. 281
43
Das ist lustig! Der Schulmeister also lobt den Pfarr, und der Pfarr nicht unerkenntlich zu sein, lobt den Schulmeister. Wenn mein Vater zugegen wäre, so würde er gewiss sagen: Manus manum lavat. Hast du ihm die alberne Gewohnheit nicht angemerkt, dass er bei aller Gelegenheit ein lateinisches Sprüchelchen mit einflickt? Der alte Idiote denkt, weil er so einen gelehrten Sohn hat, müsse er doch auch zeigen, dass er einmal durch die Schule gelaufen sei.
Vorlage S. 281
44
ANTON.
Vorlage S. 282
45
Hab ichs doch gedacht, dass es etwas Albernes sein müsse; denn manchmal mitten in der Rede murmelt er etwas her, wovon ich kein Wort verstehe.
Vorlage S. 282
46
DAMIS.
Vorlage S. 282
47
Doch schließe nur nicht daraus, dass alles albern sei, was du nicht verstehst. Ich würde sonst viel albernes Zeug wissen. – – Aber, o himmlische Gelehrsamkeit, wie viel ist dir ein Sterblicher schuldig, der dich besitzt! Und wie bejammernswürdig ist es, dass dich die wenigsten in deinem Umfange kennen! Der Theolog glaubt dich bei einer Menge heiliger Sprüche, fürchterlicher Erzählungen und und einiger übel angebrachten Figuren zu besitzen. Der Rechtsgelehrte, bei einer unseligen Geschicklichkeit unbrauchbare Gesetze abgestorbner Staaten, zum Nachteile der Billigkeit und Vernunft, zu verdrehen, und die fürchterlichsten Urtel in einer noch fürchterlichern Sprache vorzutragen. Der Arzt endlich glaubt sich wirklich deiner bemächtiget zu haben, wann er durch eine Legion barbarischer Wörter die Gesunden krank, und die Kranken noch kränker machen kann. Aber, o betrogene Toren! die Wahrheit lässt euch nicht lange in diesem sie schimpfenden Irrtume. Es kommen Gelegenheiten, wo ihr selbst erkennet, wie mangelhaft euer Wissen sei; voll tollen Hochmuts beurteilet ihr alsdann alle menschliche Erkenntnis nach der eurigen, und ruft wohl gar in einem Tone, welcher alle Sterbliche zu bejammern scheinet, aus: Unser Wissen ist Stückwerk! Nein, glaube mir, mein lieber Anton: der Mensch ist allerdings einer allgemeinen Erkenntnis fähig. Es leugnen, heißt ein Bekenntnis seiner Faulheit, oder seines mäßigen Genies ablegen. Wenn ich erwäge, wie viel ich schon nach meinen wenigen Jahren verstehe, so werde ich von dieser Wahrheit noch mehr überzeugt. Lateinisch, Griechisch, Hebräisch, Französisch, Italienisch, Englisch – – das sind sechs Sprachen, die ich alle vollkommen besitze: und bin erst zwanzig Jahr alt!
Vorlage S. 282
48
ANTON.
Vorlage S. 283
49
Sachte! Sie haben eine vergessen; die deutsche – –
Vorlage S. 283
50
DAMIS.
Vorlage S. 283
51
Es ist wahr, mein lieber Anton; das sind also sieben Sprachen: und ich bin erst zwanzig Jahr alt!
Vorlage S. 283
52
ANTON.
Vorlage S. 283
53
Pfui doch, Herr! Sie haben mich, oder sich selbst zum besten. Sie werden doch das, dass Sie Deutsch können, nicht zu Ihrer Gelehrsamkeit rechnen? Es war ja mein Ernst nicht. – –
Vorlage S. 283
54
DAMIS.
Vorlage S. 283
55
Und also denkst du wohl selber Deutsch zu können?
Vorlage S. 283
56
ANTON.
Vorlage S. 283
57
Ich? ich? nicht Deutsch! Es wäre ein verdammter Streich, wenn ich Kalmuckisch redete, und wüsste es nicht.
Vorlage S. 283
58
DAMIS.
Vorlage S. 283
59
Unter können und können, ist ein Unterschied. Du kannst Deutsch, das ist: du kannst deine Gedanken mit Tönen ausdrücken, die einem Deutschen verständlich sind; das ist, die eben die Gedanken in ihm erwecken, die du bei dir hast. Du kannst aber nicht Deutsch, das ist: du weißt nicht, was in dieser Sprache gemein oder niedrig, rauh oder annehmlich, undeutlich oder verständlich, alt oder gebräuchlich ist; du weißt ihre Regeln nicht; du hast keine gelehrte Kenntnis von ihr.
Vorlage S. 283
60
ANTON.
Vorlage S. 283
61
Was einem die Gelehrten nicht weis machen wollen! Wenn es nur auf Ihr das ist ankäme, ich glaube, Sie stritten mir wohl gar noch ab, dass ich essen könnte.
Vorlage S. 283
62
DAMIS.
Vorlage S. 283
63
Essen? Je nun wahrhaftig, wenn ich es genau nehmen will, so kannst du es auch nicht.
Vorlage S. 283
64
ANTON.
Vorlage S. 283
65
Ich? ich nicht essen? Und trinken wohl auch nicht?
Vorlage S. 283
66
DAMIS.
Vorlage S. 283
67
Du kannst essen, das ist: du kannst die Speisen zerschneiden, in Mund stecken, kauen, herunter schlucken, und so weiter. Du kannst nicht essen, das ist: du weißt die mechanischen Gesetze nicht, nach welchen es geschiehet; du weißt nicht, welches das Amt einer jeden dabei tätigen Muskel ist, ob der Digastricus oder der Masseter, ob der Pterygoideus internus oder externus, ob der Zygomaticus oder der Platysmamyodes, ob – –
Vorlage S. 283
68
ANTON.
Vorlage S. 283
69
Ach ob, ob! Das einzige Ob, worauf ich sehe, ist das, ob mein Magen etwas davon erhält, und ob mirs bekömmt. – – Aber wieder auf die Sprache zu kommen. Glauben Sie wohl, dass ich eine verstehe, die Sie nicht verstehen?
Vorlage S. 283
70
DAMIS.
Vorlage S. 284
71
Du, eine Sprache, die ich nicht verstünde?
Vorlage S. 284
72
ANTON.
Vorlage S. 284
73
Ja; raten Sie einmal.
Vorlage S. 284
74
DAMIS.
Vorlage S. 284
75
Kannst du etwa Koptisch?
Vorlage S. 284
76
ANTON.
Vorlage S. 284
77
Foptisch? Nein, das kann ich nicht.
Vorlage S. 284
78
DAMIS.
Vorlage S. 284
79
Chinesisch? Malabarisch? Ich wüsste nicht woher.
Vorlage S. 284
80
ANTON.
Vorlage S. 284
81
Wie Sie herumraten. Haben Sie meinen Vetter nicht gesehn? Er besuchte mich vor vierzehn Tagen. Der redte nichts, als diese Sprache.
Vorlage S. 284
82
DAMIS.
Vorlage S. 284
83
Der Rabbi, der vor kurzen zu mir kam, war doch wohl nicht dein Vetter?
Vorlage S. 284
84
ANTON.
Vorlage S. 284
85
Dass ich nicht gar ein Jude wäre! Mein Vetter war ein Wende; ich kann Wendisch; und das können Sie nicht.
Vorlage S. 284
86
DAMIS
Vorlage S. 284
87
nachsinnend.
Vorlage S. 284
88
Er hat Recht. – Mein Bedienter soll eine Sprache verstehen, die ich nicht verstehe? Und noch dazu eine Hauptsprache? Ich erinnere mich, dass ihre Verwandtschaft mit der hebräischen sehr groß sein soll. Wer weiß, wie viel Stammwörter, die in dieser verloren sind, ich in jener entdecken könnte! – – Das Ding fängt mir an, im Kopfe herum zu gehen!
Vorlage S. 284
89
ANTON.
Vorlage S. 284
90
Sehen Sie! – Doch wissen Sie was? Wenn Sie mir meinen Lohn verdoppeln, so sollen Sie bald so viel davon verstehen, als ich selbst. Wir wollen fleißig mit einander wendisch parlieren, und – – Kurz, überlegen Sie es. Ich vergesse über dem verdammten Plaudern meinen Gang auf den Ratskeller ganz und gar. Ich bin gleich wieder zu Ihren Diensten.
Vorlage S. 284
91
DAMIS.
Vorlage S. 284
92
Bleib itzt hier; bleib hier.
Vorlage S. 284
93
ANTON.
Vorlage S. 284
94
Aber Ihr Herr Vater kömmt. Hören Sie? Wir könnten doch nicht weiter reden. Geht ab.
Vorlage S. 284
95
DAMIS.
Vorlage S. 284
96
Wenn mich doch mein Vater ungestört lassen wollte. Glaubt er denn, dass ich so ein Müßiggänger bin, wie er?
Vorlage S. 284
97
Zweiter Auftritt
Vorlage S. 285
98
Damis. Chrysander.
Vorlage S. 285
99
CHRYSANDER.
Vorlage S. 285
100
Immer über den verdammten Büchern! Mein Sohn, zu viel ist zu viel. Das Vergnügen ist so nötig, als die Arbeit.
Vorlage S. 285
101
DAMIS.
Vorlage S. 285
102
O Herr Vater, das Studieren ist mir Vergnügens genug. Wer neben den Wissenschaften noch andere Ergötzungen sucht, muss die wahre Süßigkeit derselben noch nicht geschmeckt haben.
Vorlage S. 285
103
CHRYSANDER.
Vorlage S. 285
104
Das sage nicht! Ich habe in meiner Jugend auch studiert; ich bin bis auf das Mark der Gelehrsamkeit gekommen. Aber dass ich beständig über den Büchern gelegen hätte, das ist nicht wahr. Ich ging spazieren; ich spielte; ich besuchte Gesellschaften; ich machte Bekanntschaft mit Frauenzimmern. Was der Vater in der Jugend getan hat, kann der Sohn auch tun; soll der Sohn auch tun. A bove majori discat arare minor! wie wir Lateiner reden. Besonders das Frauenzimmer lass dir, wie wir Lateiner reden, de meliori empfohlen sein! Das sind Narren, die einen jungen Menschen vor das Frauenzimmer ärger als vor Skorpionen warnen; die es ihm, wie wir Lateiner reden, cautius sanguine viperino zu fliehen befehlen. –
Vorlage S. 285
105
DAMIS.
Vorlage S. 285
106
Cautius sanguine viperino? Ja, das ist noch Latein! Aber wie heißt die ganze Stelle?
Vorlage S. 285
107
Cur timet flavum Tiberim tangere? cur olivum
Vorlage S. 285
108
Sanguine viperino
Vorlage S. 285
109
Cautius vitat? – –
Vorlage S. 285
110
O ich höre schon, Herr Vater, Sie haben auch nicht aus der Quelle geschöpft! Denn sonst würden Sie wissen, dass Horaz in eben der Ode die Liebe als eine sehr nachteilige Leidenschaft beschreibt, und das Frauenzimmer – –
Vorlage S. 285
111
CHRYSANDER.
Vorlage S. 285
112
Horaz! Horaz! Horaz war ein Italiener, und meinet das italienische Frauenzimmer. Ja vor dem italienischen warne ich dich auch! das ist gefährlich! Ich habe einen guten Freund, der in seiner Jugend – – Doch still! man muss kein Ärgernis geben. – Das deutsche Frauenzimmer hingegen, o das deutsche! mit dem ist es ganz anders beschaffen. – – Ich würde der Mann nicht geworden sein, der ich doch bin, wenn mich das Frauenzimmer nicht vollends zugestutzt hätte. Ich dächte, man sähe mirs an. Du hast tote Bücher genug gelesen; guck einmal in ein lebendiges!
Vorlage S. 285
113
DAMIS.
Vorlage S. 286
114
Ich erstaune – –
Vorlage S. 286
115
CHRYSANDER.
Vorlage S. 286
116
O du wirst noch mehr erstaunen, wenn du erst tiefer hinein sehen wirst. Das Frauenzimmer, musst du wissen, ist für einen jungen Men schen eine neue Welt, wo man so viel anzugaffen, so viel zu bewundern findet – –
Vorlage S. 286
117
DAMIS.
Vorlage S. 286
118
Hören Sie mich doch! Ich erstaune, will ich sagen, Sie eine Sprache führen zu hören, in der wahrhaftig diejenigen Vorschriften nicht ausgedrückt waren, die Sie mir mit auf die hohe Schule gaben.
Vorlage S. 286
119
CHRYSANDER.
Vorlage S. 286
120
Quae, qualis, quanta! Jetzt und damals! Tempora mutantur, wie wir Lateiner sagen.
Vorlage S. 286
121
DAMIS.
Vorlage S. 286
122
Tempora mutantur? Ich bitte Sie, legen Sie doch die Vorurteile des Pöbels ab. Die Zeiten ändern sich nicht. Denn lassen Sie uns einmal sehen: was ist die Zeit? – –
Vorlage S. 286
123
CHRYSANDER.
Vorlage S. 286
124
Schweig! die Zeit ist ein Ding, das ich mir mit deinem unnützen Geplaudre nicht will verderben lassen. Meine damaligen Vorschriften waren nach dem damaligen Maße deiner Erfahrung und deines Verstandes eingerichtet. Nun aber traue ich dir von beiden so viel zu, dass du Ergötzlichkeiten nicht zu Beschäftigungen machen wirst. Aus diesem Grunde rate ich dir also – –
Vorlage S. 286
125
DAMIS.
Vorlage S. 286
126
Ihre Reden haben einigen Schein der Wahrheit. Allein ich dringe tiefer. Sie werden es gleich sehen. Der Status Controversiä ist – –
Vorlage S. 286
127
CHRYSANDER.
Vorlage S. 286
128
Ei, der Status Controversiä mag meinetwegen in Barbara oder in Celarent sein. Ich bin nicht hergekommen mit dir zu disputieren, sondern – –
Vorlage S. 286
129
DAMIS.
Vorlage S. 286
130
Die Kunstwörter des Disputierens zu lernen? Wohl! Sie müssen also wissen, dass weder Barbara noch Celarent den Statum – –
Vorlage S. 286
131
CHRYSANDER.
Vorlage S. 286
132
Ich möchte toll werden! Bleib Er mir, Herr Informator, mit den Possen weg, oder – –
Vorlage S. 286
133
DAMIS.
Vorlage S. 287
134
Possen? diese seltsamen Benennungen sind zwar Überbleibsel der scholastischen Philosophie, das ist wahr; aber doch solche Überbleibsel – –
Vorlage S. 287
135
CHRYSANDER.
Vorlage S. 287
136
Über die ich die Geduld verlieren werde, wann du mich nicht bald anhörst. Ich komme in der ernsthaftesten Sache von der Welt zu dir, – – denn was ist ernsthafter als heiraten? – – und du – –
Vorlage S. 287
Porträt von Lessing, Gotthold Ephraim; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Lessing, Gotthold Ephraim · Anton Graff · Public domain Bildquelle ↗
137
DAMIS.
Vorlage S. 287
138
Heiraten? Des Heiratens wegen zu mir? zu mir?
Vorlage S. 287
139
CHRYSANDER.
Vorlage S. 287
140
Ha! ha! macht dich das aufmerksam? Also ausculta et perpende!
Vorlage S. 287
141
DAMIS.
Vorlage S. 287
142
Ausculta et perpende? ausculta et perpende? Ein glücklicher Einfall –
Vorlage S. 287
143
CHRYSANDER.
Vorlage S. 287
144
O, ich habe Einfälle –
Vorlage S. 287
145
DAMIS.
Vorlage S. 287
146
Den ich da bekomme!
Vorlage S. 287
147
CHRYSANDER.
Vorlage S. 287
148
Du?
Vorlage S. 287
149
DAMIS.
Vorlage S. 287
150
Ja, ich. Wissen Sie, wo sich dieses ausculta et perpende herschreibt? Eben mache ich die Entdeckung: aus dem Homer. O was finde ich nicht alles in meinem Homer!
Vorlage S. 287
151
CHRYSANDER.
Vorlage S. 287
152
Du und dein Homer, ihr seid ein Paar Narren!
Vorlage S. 287
153
DAMIS.
Vorlage S. 287
154
Ich und Homer? Homer und ich? wir beide? Hi! hi! hi! Gewiss, Herr Vater? O ich danke, ich danke. Ich und Homer! Homer und ich! – Aber hören Sie nur: so oft Homer – er war wirklich kein Narr, so wenig wie ich – so oft er, sag ich, seine Helden den Soldaten zur Tapferkeit ermuntern, oder in dem Kriegsrate eine Beratschlagung anheben lässt; so oft ist auch der Anfang ihrer Rede: höret, was ich vortragen werde, und überlegt es! Zum Exempel in der Odyssee:
Vorlage S. 287
155
Κεκλψτε δὲ νψν μευ, Ιτηακέσιοι, ηοττι κεν ειπὸ.
Vorlage S. 287
156
Und darauf folgt denn auch oft:
Vorlage S. 287
157
Οσ επηατη᾽ ηοι δ᾽ αρα του μαλα μαν κλψον, ὲδ᾽ επιτηοντο.
Vorlage S. 287
158
Das ist: so sprach er, und sie gehorchten dem, was sie gehöret hatten.
Vorlage S. 287
159
CHRYSANDER.
Vorlage S. 287
160
Gehorchten sie ihm? Nu, das ist vernünftig! Homer mag doch wohl kein Narr sein. Sieh zu, dass ich von dir auch widerrufen kann. Denn wieder zur Sache: ich kenne, mein Sohn –
Vorlage S. 287
161
DAMIS.
Vorlage S. 287
162
Einen kleinen Augenblick Geduld, Herr Vater! Ich will mich nur hinsetzen, und diese Anmerkung aufschreiben.
Vorlage S. 287
163
CHRYSANDER.
Vorlage S. 288
164
Aufschreiben? was ist hier aufzuschreiben? Wem liegt daran, ob das Sprüchelchen aus dem Homer, oder aus dem Gesangbuche ist?
Vorlage S. 288
165
DAMIS.
Vorlage S. 288
166
Der gelehrten Welt liegt daran; meiner und Homers Ehre lieget daran! Denn ein halb Hundert solche Anmerkungen machen einen Philologen. Und sie ist neu, muss ich Ihnen sagen, sie ist ganz neu.
Vorlage S. 288
167
CHRYSANDER.
Vorlage S. 288
168
So schreib sie ein andermal auf.
Vorlage S. 288
169
DAMIS.
Vorlage S. 288
170
Wenn sie mir aber wieder entfiele? Ich würde untröstlich sein. Haben Sie wenigstens die Gütigkeit, mich wieder daran zu erinnern.
Vorlage S. 288
171
CHRYSANDER.
Vorlage S. 288
172
Gut, das will ich tun; höre mir nur jetzt zu. Ich kenne, mein Sohn, ein recht allerliebstes Frauenzimmer; und ich weiß, du kennst es auch. Hättest du wohl Lust – –
Vorlage S. 288
173
DAMIS.
Vorlage S. 288
174
Ich soll ein Frauenzimmer, ein liebenswürdiges Frauenzimmer kennen? O, Herr Vater, wenn das jemand hörte, was würde er von meiner Gelehrsamkeit denken? – – Ich ein liebenswürdiges Frauenzimmer? – –
Vorlage S. 288
175
CHRYSANDER.
Vorlage S. 288
176
Nun wahrhaftig; ich glaube nicht, dass ein Gastwirt so erschrecken kann, wenn man ihm Schuld gibt, er kenne den oder jenen Spitzbuben, als du erschrickst, weil du ein Frauenzimmer kennen sollst. Ist denn das ein Schimpf?
Vorlage S. 288
177
DAMIS.
Vorlage S. 288
178
Wenigstens ist es keine Ehre, besonders für einen Gelehrten. Mit wem man umgeht, dessen Sitten nimmt man nach und nach an. Jedes Frauenzimmer ist eitel, hoffärtig, geschwätzig, zänkisch und Zeitlebens kindisch, es mag so alt werden, als es will. Jedes Frauenzimmer weiß kaum, dass es eine Seele hat, um die es unendlich mehr besorgt sein sollte, als um den Körper. Sich ankleiden, auskleiden, und wieder anders ankleiden; vor dem Spiegel sitzen, seinen eignen Reiz bewundern; auf ausgekünstelte Mienen sinnen; mit neugierigen Augen müßig an dem Fenster liegen: unsinnige Romane lesen, und aufs höchste zum Zeitvertreibe die Nadel zur Hand nehmen: das sind seine Beschäftigungen; das ist sein Leben. Und Sie glauben, dass ein Gelehrter, ohne Nachteil seines guten Namens, solche närrische Geschöpfe weiter, als ihrer äußerlichen Gestalt nach, kennen dürfe?
Vorlage S. 288
179
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
180
Mensch, Mensch! deine Mutter kehret sich im Grabe um. Bedenke doch, dass sie auch ein Frauenzimmer war! Bedenke doch, dass die Dinger von Natur nun einmal nicht anders sind! Ob schon, wie wir Lateiner zu reden pflegen, nulla regula sine exceptione. Und so eine Exzeption, ist sicherlich das Mädchen, das ich jetzt im Kopfe habe, und das du kennst. – –
Vorlage S. 289
181
DAMIS.
Vorlage S. 289
182
Nein, nein! ich schwöre es Ihnen zu: unsere Muhmen ausgenommen, und Julianen –
Vorlage S. 289
183
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
184
Und Julianen? bene! –
Vorlage S. 289
185
DAMIS.
Vorlage S. 289
186
Und ihr Mädchen ausgenommen, kenn ich kein einziges Weibsbild. Ja, der Himmel soll mich strafen, wenn ich mir jemals in den Sinn kommen lasse, mehrere kennen zu lernen!
Vorlage S. 289
187
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
188
Je nun, auch das! wie du willst! Genug, Julianen die kennst du.
Vorlage S. 289
189
DAMIS.
Vorlage S. 289
190
Leider!
Vorlage S. 289
191
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
192
Und eben Juliane ist es, über die ich deine Gedanken vernehmen möchte. – –
Vorlage S. 289
193
DAMIS.
Vorlage S. 289
194
Über Julianen? meine Gedanken über Julianen? O Herr Vater, wenn Sie noch meine Gedanken über Erinnen, oder Corinnen, über Telesillen oder Praxillen verlangten – –
Vorlage S. 289
195
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
196
Schock tausend! was sind das für Illen? Den Augenblick schwur er, er kenne kein Frauenzimmer, und nun nennt er ein halb Dutzend Menscher. –
Vorlage S. 289
197
DAMIS.
Vorlage S. 289
198
Menscher? Herr Vater.
Vorlage S. 289
199
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
200
Ja, Herr Sohn, Menscher! Die Endung gibts gewiss nicht? Netrix, Lotrix, Meretrix. –
Vorlage S. 289
201
DAMIS.
Vorlage S. 289
202
Himmel, Menscher! griechische berühmte Dichterinnen Menscher zu nennen! – –
Vorlage S. 289
203
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
204
Ja, ja, Dichterinnen! das sind mir eben die rechten. Lotrix, Meretrix, Poetrix – –
Vorlage S. 289
205
DAMIS.
Vorlage S. 289
206
Poetrix! O wehe, meine Ohren! Poetria müssten Sie sagen; oder Poetris –
Vorlage S. 289
207
CHRYSANDER.
Vorlage S. 289
208
Is oder ix, Herr Buchstabenkrämer!
Vorlage S. 289
209
Dritter Auftritt
Vorlage S. 290
210
Chrysander. Damis. Lisette.
Vorlage S. 290
211
LISETTE.
Vorlage S. 290
212
Hurtig herunter in die Wohnstube, Herr Chrysander! Man will Sie sprechen.
Vorlage S. 290
213
CHRYSANDER.
Vorlage S. 290
214
Nun, was für ein Narr muss mich jetzo stören? Wer ist es denn?
Vorlage S. 290
215
LISETTE.
Vorlage S. 290
216
Soll ich alle Narren kennen?
Vorlage S. 290
217
CHRYSANDER.
Vorlage S. 290
218
Was sagst du? Du hast ein unglückliches Maul, Lisette. Einen ehrlichen Mann einen Narren zu schimpfen? Denn ein ehrlicher Mann muss es doch sein; was wollte er sonst bei mir?
Vorlage S. 290
219
LISETTE.
Vorlage S. 290
220
Nu, nu; verzeihen Sie immer meinem Maule den Fehler des Ihrigen.
Vorlage S. 290
221
CHRYSANDER.
Vorlage S. 290
222
Den Fehler des meinigen?
Vorlage S. 290
223
LISETTE.
Vorlage S. 290
224
O gehen Sie doch! der ehrliche Mann wartet.
Vorlage S. 290
225
CHRYSANDER.
Vorlage S. 290
226
Lass ihn warten. Habe ich doch den Narren nicht kommen heißen. – – Ich werde gleich wieder da sein, mein Sohn.
Vorlage S. 290
227
LISETTE
Vorlage S. 290
228
bei Seite.
Vorlage S. 290
229
Ich muss doch sehen, ob ich aus dem wunderlichen Einfall meiner Jungfer etwas machen kann.
Vorlage S. 290
230
Vierter Auftritt
Vorlage S. 290
231
Lisette. Damis.
Vorlage S. 290
232
DAMIS.
Vorlage S. 290
233
Nun? geht Lisette nicht mit?
Vorlage S. 290
234
LISETTE.
Vorlage S. 290
235
Ich bin Ihre gehorsamste Dienerin. Wenn Sie befehlen, so werde ich gehorchen. Aber nur eines möchte ich erst wissen. Sagen Sie mir, um des Himmels willen, wie können Sie beständig so allein sein? Was machen Sie denn den ganzen Tag auf Ihrer Studierstube? Werden Ihnen denn nicht alle Augenblicke zu Stunden?
Vorlage S. 290
236
DAMIS.
Vorlage S. 290
237
Ach, was nutzen die Fragen? Fort! fort!
Vorlage S. 290
238
LISETTE.
Vorlage S. 290
239
Über den Büchern können Sie doch unmöglich die ganze Zeit liegen. Die Bücher, die toten Gesellschafter! Nein, ich lobe mir das Lebendige; und das ist auch Mamsell Julianens Geschmack. Zwar dann und wann lesen wir auch; einen irrenden Ritter, eine Banise, und so etwas Gutes; aber länger als eine Stunde halten wir es hintereinander nicht aus. Ganze Tage damit zuzubringen, wie Sie, hilf Himmel! in den ersten dreien wären wir tod. Und vollends nicht ein Wort dabei zu reden, wie Sie; das wäre unsre Hölle. Ein Vorzug des ganzen männlichen Geschlechts kann es nicht sein, weil ich Mannspersonen kenne, die so flüchtig und noch flüchtiger sind, als wir. Es müssen nur sehr wenig große Geister diese besondere Gaben besitzen. –-
Vorlage S. 290
240
DAMIS.
Vorlage S. 291
241
Lisette spricht so albern eben nicht. Es ist Schade, dass ein so guter Mutterwitz nicht durch die Wissenschaften ausgebessert wird.
Vorlage S. 291
242
LISETTE.
Vorlage S. 291
243
Sie machen mich schamrot. Bald dürfte ich mich dafür rächen, und Ihnen die Lobeserhebungen nach einander erzählen, die Ihnen von der gestrigen Gartengesellschaft gemacht wurden. Doch ich will Ihre Bescheidenheit nicht beleidigen. Ich weiß, die Gelehrten halten auf diese Tugend allzuviel.
Vorlage S. 291
244
DAMIS.
Vorlage S. 291
245
Meine Lobeserhebungen? meine?
Vorlage S. 291
246
LISETTE.
Vorlage S. 291
247
Ja, ja, die Ihrigen.
Vorlage S. 291
248
DAMIS.
Vorlage S. 291
249
O besorge Sie nichts, meine liebe Lisette. Ich will sie als die Lobeserhebungen eines andern betrachten, und so kann meine Bescheidenheit zufrieden sein. Erzähle Sie mir sie nur. Bloß wegen Ihrer lebhaften und ungekünstelten Art sich auszudrücken, wünsche ich sie zu hören.
Vorlage S. 291
250
LISETTE.
Vorlage S. 291
251
O meine Art ist wohl keine von den besten. Es hat mir ein Lehrmeister, wie Sie, gefehlt. Doch ich will Ihrem Befehle gehorchen. Sie wissen doch wohl, wer die Herren waren, die gestern bei Ihrem Herrn Vater im Garten schmauseten?
Vorlage S. 291
252
DAMIS.
Vorlage S. 291
253
Nein, wahrhaftig nicht. Weil ich nicht dabei sein wollte, so habe ich mich auch nicht darum bekümmert. Hoffentlich aber werden es Leute gewesen sein, die selbst lobenswürdig sind, dass man sich also auf ihr Lob etwas einbilden kann.
Vorlage S. 291
254
LISETTE.
Vorlage S. 292
255
Das sind sie so ziemlich. Was würde es Ihnen aber verschlagen, wenn sie es auch nicht wären? Sie wollen ja Ihre Lobeserhebungen aus Bescheidenheit als fremde betrachten. Und hängt denn die Wahrheit von dem Munde desjenigen ab, der sie vorträgt? Hören Sie nur –
Vorlage S. 292
256
DAMIS.
Vorlage S. 292
257
Himmel! ich höre meinen Vater wieder kommen. Um Gottes willen, liebe Lisette, dass er nicht merkt, dass Sie sich so lange bei mir aufgehalten hat. Geh Sie hurtig unterdessen in das Kabinett.
Vorlage S. 292
258
Fünfter Auftritt
Vorlage S. 292
259
Damis. Chrysander.
Vorlage S. 292
260
CHRYSANDER.
Vorlage S. 292
261
Der verzweifelte Valer! er hätte mir zu keiner ungelegnern Zeit kommen können. Muss ihn denn der Henker eben heute von Berlin zurück führen? Und muss er sich denn eben gleich bei Mir anmelden lassen? Hui dass – – Nein, Herr Valer, damit kommen Sie zu spät. – – Nun mein Sohn – Damis steht zerstreut, als in tiefen Gedanken. Hörst du, mein Sohn?
Vorlage S. 292
262
DAMIS.
Vorlage S. 292
263
Ich höre; ich höre alles.
Vorlage S. 292
264
CHRYSANDER.
Vorlage S. 292
265
Kurz, du merkst doch, wo ich vorhin hinaus wollte? Einem Klugen sind drei Worte genug. Sapienti sat; sagen wir Lateiner. – Antworte doch –
Vorlage S. 292
266
DAMIS
Vorlage S. 292
267
noch immer als in Gedanken.
Vorlage S. 292
268
Was ist da zu antworten? – –
Vorlage S. 292
269
CHRYSANDER.
Vorlage S. 292
270
Was da zu antworten ist? – Das will ich dir sagen. – Antworte, dass du mich verstanden; dass dir mein Antrag lieb ist; dass dir Juliane gefällt; dass du mir in allem gehorchen willst. – Nun, antwortest du das? –
Vorlage S. 292
271
DAMIS.
Vorlage S. 292
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
272
Ich will gleich sehn – Indem er in der angenommenen Zerstreuung nach einem Buche greift.
Vorlage S. 292
273
CHRYSANDER.
Vorlage S. 292
274
Was kann in dem Buche davon stehen? – Antworte aus dem Herzen, und nicht aus dem Buche. – – Ex libro doctus quilibet esse potest; sagen wir Lateiner. – –
Vorlage S. 292
275
DAMIS
Vorlage S. 292
276
als ob er in dem Buche läse.
Vorlage S. 292
277
Vollkommen recht! Aber nun wie weiter? –
Vorlage S. 292
278
CHRYSANDER.
Vorlage S. 293
279
Das Weitere gibt sich, wies Griechische. Du sagst Ja; Sie sagt Ja; damit wird Verlöbnis; und bald drauf wird Hochzeit; und alsdenn – – Du wirst schon sehen, wies alsdenn weiter geht. – –
Vorlage S. 293
280
DAMIS.
Vorlage S. 293
281
Wenn nun aber diese Voraussetzung – Immer noch als ob er läse.
Vorlage S. 293
282
CHRYSANDER.
Vorlage S. 293
283
Ei, ich setze nichts voraus, was im geringsten zweifelhaft wäre. Juliane ist eine Waise; ich bin ihr Vormund; ich bin dein Vater; was muss mir angelegner sein, als euch beide glücklich zu machen? Ihr Vater war mein Freund, und war ein ehrlicher Mann, obgleich ein Narr. Er hätte einen honetten Banquerot machen können; seine Gläubiger würden aufs Drittel mit sich haben akkordieren lassen; und er war so einfältig und bezahlte bis auf den letzten Heller. Wie ist mir denn? hast du ihn nicht gekannt?
Vorlage S. 293
284
DAMIS.
Vorlage S. 293
285
Von Person nicht. Aber seine Lebensumstände sind mir ganz wohl bewusst. Ich habe sie, ich weiß nicht in welcher Biographie, gelesen.
Vorlage S. 293
286
CHRYSANDER.
Vorlage S. 293
287
Gelesen? gedruckt gelesen?
Vorlage S. 293
288
DAMIS.
Vorlage S. 293
289
Ja, ja; gelesen. Er ward gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts geboren, und ist, etwa vor zwanzig Jahren, als Generalsuperintendent in Pommern gestorben. In orientalischen Sprachen war seine vornehmste Stärke. Allein seine Bücher sind nicht alle gleich gut. Dieses ist noch eines von den besten. Eine besondere Gewohnheit soll der Mann an sich gehabt haben – –
Vorlage S. 293
290
CHRYSANDER.
Vorlage S. 293
291
Von wem sprichst denn du?
Vorlage S. 293
292
DAMIS.
Vorlage S. 293
293
Sie fragen mich ja, ob mir der Verfasser dieses Buchs bekannt wäre?
Vorlage S. 293
294
CHRYSANDER.
Vorlage S. 293
295
Ich glaube du träumest; oder es geht gar noch etwas Ärgers in deinem Gehirne vor. Ich frage dich, ob du Julianens Vater noch gekannt hast?
Vorlage S. 293
296
DAMIS.
Vorlage S. 293
297
Verzeihen Sie mir, wann ich ein wenig zerstreut geantwortet habe! Ich dachte eben nach, – – warum wohl die Rabbinen – – das Schurek M'lo Pum heißen?
Vorlage S. 293
298
CHRYSANDER.
Vorlage S. 293
299
Mit dem verdammten Schurek! Gib doch auf das Acht, was der Vater mit dir spricht! – – Er nimmt ihm das Buch aus der Hand. Du hast ihn also nicht gekannt? Ich besinne mich; es ist auch nicht wohl möglich. Als er starb, war Juliane noch sehr jung. Ich nahm sie gleich nach seinem Tode in mein Haus, und Gott sei Dank! sie hat viel Wohltaten hier genossen. Sie ist schön, sie ist tugendhaft; wem sollte ich sie also lieber gönnen, als dir? Was meinst du? – – Antworte doch! Stehst du nicht da, als wenn du schliefest! – –
Vorlage S. 293
300
DAMIS.
Vorlage S. 294
301
Ja, ja, Herr Vater. Nur eins ist noch dabei zu erwägen. – –
Vorlage S. 294
302
CHRYSANDER.
Vorlage S. 294
303
Du hast recht; freilich ist noch eins dabei zu erwägen: ob du dich nämlich geschickt befindest, bald ein öffentliches Amt anzunehmen, weil doch – –
Vorlage S. 294
304
DAMIS.
Vorlage S. 294
305
Wie? geschickt? geschickt? Sie zweifeln also an meiner Geschicklichkeit? – Wie unglücklich bin ich, dass ich Ihnen nicht sogleich die unwidersprechlichsten Beweise geben kann! Doch es soll noch diesen Abend geschehen. Glauben Sie mir, noch diesen Abend. – – Die verdammte Post! Ich weiß auch nicht, wo sie bleibt.
Vorlage S. 294
306
CHRYSANDER.
Vorlage S. 294
307
Beruhige dich nur, mein Sohn. Die Frage geschahe eben aus keinem Misstrauen, sondern bloß weil ich glaube, es schicke sich nicht, eher zu heiraten, als bis man ein Amt hat; so wie es sich, sollte ich meinen, auch nicht wohl schickt, eher ein Amt anzunehmen, als bis man weiß, woher man die Frau bekommen will.
Vorlage S. 294
308
DAMIS.
Vorlage S. 294
309
Ach, was heiraten? was Frau? Erlauben Sie mir, dass ich Sie allein lasse. Ich muss ihn gleich wieder auf die Post schicken. Anton! Anton! Doch es ist mit dem Schlingel nichts anzufangen; ich muss nur selbst gehen.
Vorlage S. 294
310
Sechster Auftritt
Vorlage S. 294
311
Anton. Chrysander.
Vorlage S. 294
312
ANTON.
Vorlage S. 294
313
Rufte mich nicht Herr Damis? Wo ist er? was soll ich?
Vorlage S. 294
314
CHRYSANDER.
Vorlage S. 294
315
Ich weiß nicht, was ihm im Kopfe steckt. Er ruft dich; er will dich auf die Post schicken; er besinnt sich, dass mit dir Schlingel nichts anzufangen ist, und geht selber. Sage mir nur; willst du Zeitlebens ein Esel bleiben?
Vorlage S. 294
316
ANTON.
Vorlage S. 295
317
Gemach, Herr Chrysander! ich nehme an den Torheiten Ihres Sohnes keinen Teil. Mehr als zwölfmal habe ich ihm heute schon auf die Post laufen müssen. Er verlangt Briefe von Berlin. Ist es meine Schuld, dass sie nicht kommen?
Vorlage S. 295
318
CHRYSANDER.
Vorlage S. 295
319
Der wunderliche Heilige! Du bist aber nun schon so lange um ihn; solltest du nicht sein Gemüt, seine Art zu denken ein wenig kennen?
Vorlage S. 295
320
ANTON.
Vorlage S. 295
321
Ha! ha! das kömmt darauf hinaus, was wir Gelehrten die Kenntnis der Gemüter nennen? Darin bin ich Meister; bei meiner Ehre! Ich darf nur ein Wort mit einem reden; ich darf ihn nur ansehen: husch habe ich den ganzen Menschen weg! Ich weiß sogleich, ob er vernünftig, oder eigensinnig, ob er freigebig, oder ein Knicker – –
Vorlage S. 295
322
CHRYSANDER.
Vorlage S. 295
323
Ich glaube gar, du zeigst auf mich?
Vorlage S. 295
324
ANTON.
Vorlage S. 295
325
O kehren Sie sich an meine Hände nicht! – – Ob er – –
Vorlage S. 295
326
CHRYSANDER.
Vorlage S. 295
327
Du sollst deine Kunst gleich zeigen! Ich habe meinem Sohne eine Heirat vorgeschlagen: nun sage einmal, wenn du ihn kennst, was wird er tun?
Vorlage S. 295
328
ANTON.
Vorlage S. 295
329
Ihr Herr Sohn? Herr Damis? Verzeihen Sie mir, bei dem geht meine Kunst, meine sonst so wohl versuchte Kunst, betteln.
Vorlage S. 295
330
CHRYSANDER.
Vorlage S. 295
331
Nu, Schurke, so geh mit, und prahle nicht!
Vorlage S. 295
332
ANTON.
Vorlage S. 295
333
Die Gemütsart eines jungen Gelehrten kennen wollen, und etwas daraus schließen wollen, ist unmöglich; und was unmöglich ist, Herr Chrysander – – das ist unmöglich.
Vorlage S. 295
334
CHRYSANDER.
Vorlage S. 295
335
Und wie so?
Vorlage S. 295
336
ANTON.
Vorlage S. 295
337
Weil er gar keine hat.
Vorlage S. 295
338
CHRYSANDER.
Vorlage S. 295
339
Gar keine?
Vorlage S. 295
340
ANTON.
Vorlage S. 295
341
Nein, nicht gar keine; sondern alle Augenblicke eine andre. Die Bücher, und die Exempel, die er liest, sind die Winde, nach welchen sich der Wetterhahn seiner Gedanken richtet. Nur bei dem Kapitel von Heiraten stehen zu bleiben, weil das einmal auf dem Tapete ist, so besinne ich mich, dass – – Denn vor allen Dingen müssen Sie wissen, dass Herr Damis nie etwas vor mir verborgen hat. Ich bin von je her sein Vertrauter gewesen, und von je her der, mit dem er sich immer am liebsten abgegeben hat. Ganze Tage, ganze Nächte haben wir manchmal auf der Universität mit einander disputiert. Und ich weiß nicht, er muss doch so etwas an mir finden: etwa eine Eigenschaft, die er an andern nicht findet –
Vorlage S. 295
342
CHRYSANDER.
Vorlage S. 296
343
Ich will dir sagen, was das für eine Eigenschaft ist: deine Dummheit! Es ergötzt ihn, wenn er sieht, dass er gelehrter ist als du. Bist du nun vollends ein Schalk, und widersprichst ihm nicht, und lobst ihn ins Gesicht, und bewunderst ihn – –
Vorlage S. 296
344
ANTON.
Vorlage S. 296
345
Je verflucht! da verraten Sie mir ja meine ganze Politik! Wie schlau ein alter Kaufmann nicht ist!
Vorlage S. 296
346
CHRYSANDER.
Vorlage S. 296
347
Aber vergiss das Hauptwerk nicht! Vom Heiraten – –
Vorlage S. 296
348
ANTON.
Vorlage S. 296
349
Ja darüber hat er schon Teufelsgrillen im Kopfe gehabt. Zum Exempel; ich weiß die Zeit, da er gar nicht heiraten wollte.
Vorlage S. 296
350
CHRYSANDER.
Vorlage S. 296
351
Gar nicht? so muss ich noch heiraten. Ich werde doch meinen Namen nicht untergehen lassen? Der Bösewicht! Aber warum denn nicht?
Vorlage S. 296
352
ANTON.
Vorlage S. 296
353
Darum; weil es einmal Gelehrte gegeben hat, die geglaubt haben, der ehelose Stand sei für einen Gelehrten der schicklichste. Gott weiß, ob diese Herren allzugeistlich oder allzufleischlich sind gesinnt gewesen! Als ein künftiger Hagestolz, hatte er sich auch schon auf verschiedene sinnreiche Entschuldigungen gefasst gemacht. – –
Vorlage S. 296
354
CHRYSANDER.
Vorlage S. 296
355
Auf Entschuldigungen? kann sich so ein ruchloser Mensch, der dieses heilige Sakrament – – Denn im Vorbeigehen zu sagen, ich bin mit unsern Theologen gar nicht zufrieden, dass sie den Ehestand für kein Sakrament wollen gelten lassen – – der, sage ich, dieses heilige Sakrament verachtet, kann sich der noch unterstehen, seine Gottlosigkeit zu entschuldigen? Aber, Kerl, ich glaube, du machst mir etwas weis, denn nur vorhin, schien er ja meinen Vorschlag zu billigen.
Vorlage S. 296
356
ANTON.
Vorlage S. 296
357
Das ist unmöglich richtig zugegangen. Wie stellte er sich dabei an? Lassen Sie sehen: stand er etwa da, als wenn er vor den Kopf geschlagen wäre? sahe er etwa steif auf die Erde? legte er etwa die Hand an die Stirne? griff er etwa nach einem Buche, als wenn er darin lesen wollte? ließ er Sie etwa ungestört fort reden?
Vorlage S. 296
358
CHRYSANDER.
Vorlage S. 297
359
Getroffen! du malst ihn, als ob du ihn gesehen hättest.
Vorlage S. 297
360
ANTON.
Vorlage S. 297
361
O da sieht es windig aus! Wann er es so macht, will er haben, dass man ihn für zerstreut halten soll. Ich kenne seine Mucken. Er hört alsdenn alles, was man ihm sagt; allein die Leute sollen glauben, er habe es vor vielem Nachsinnen nicht gehört. Er antwortet zuweilen auch; wenn man ihm aber seine Antwort wieder vorlegt, so wird er nimmermehr zugestehen, dass sie auf das gegangen sei, was man von ihm hat wissen wollen.
Vorlage S. 297
362
CHRYSANDER.
Vorlage S. 297
363
Nun, wer noch nicht gestehen will, dass zu viel Gelehrsamkeit den Kopf verwirre, der verdient es selber zu erfahren. Gott sei Dank, dass ich in meiner Jugend gleich das rechte Maß zu treffen wusste! Omne nimium vertitur in vitulum: sagen wir Lateiner sehr spaßhaft. – – Aber Gott sei dem Bösewichte gnädig, wann er auf dem Vorsatze verharret! Wann er behauptet, es sei nicht nötig zu heiraten und Kinder zu zeugen, will er mir damit nicht zu verstehn geben, es sei auch nicht nötig gewesen, dass ich ihn gezeugt habe? Der undankbare Sohn!
Vorlage S. 297
364
ANTON.
Vorlage S. 297
365
Es ist wahr, kein größrer Undank kann unter der Sonne sein, als wenn ein Sohn die viele Mühe nicht erkennen will, die sein Vater hat über sich nehmen müssen, um ihn in die Welt zu setzen.
Vorlage S. 297
366
CHRYSANDER.
Vorlage S. 297
367
Nein; gewiss, an mir soll der heilige Ehestand seinen Verteidiger finden!
Vorlage S. 297
368
ANTON.
Vorlage S. 297
369
Der Wille ist gut; aber lauter solche Verteidiger würden die Konsumtionsakzise ziemlich geringe machen.
Vorlage S. 297
370
CHRYSANDER.
Vorlage S. 297
371
Wie so?
Vorlage S. 297
372
ANTON.
Vorlage S. 297
373
Bedenken Sie es selbst! drei Weiber, und von der dritten kaum einen Sohn.
Vorlage S. 297
374
CHRYSANDER.
Vorlage S. 297
375
Kaum? was willst du mit dem kaum sagen, Schlingel?
Vorlage S. 297
376
ANTON.
Vorlage S. 298
377
Hui, dass Sie etwas Schlimmers darunter verstehn, als ich.
Vorlage S. 298
378
CHRYSANDER.
Vorlage S. 298
379
Zwar im Vertrauen, Anton; wenn die Weiber vor zwanzig Jahren so gewesen wären, wie die Weiber jetzo sind, ich würde auf wunderbare Gedanken geraten. Er hat gar zu wenig von mir! Doch die Weiber vor zwanzig Jahren waren so frech noch nicht, wie die jetzigen; so treulos noch nicht, wie sie heut zu Tage sind; so lüstern noch nicht – –
Vorlage S. 298
380
ANTON.
Vorlage S. 298
381
Ist das gewiss? Nun wahrhaftig, so hat man meiner Mutter Unrecht getan, die vor 33 Jahren von ihrem Manne, der mein Vater nicht sein wollte, geschieden wurde! Doch das ist ein Punkt, woran ich nicht gern denke. Die Grillen Ihres Herrn Sohns sind lustiger.
Vorlage S. 298
382
CHRYSANDER.
Vorlage S. 298
383
Ärgerlicher, sprich! Aber sage mir, was waren denn seine Entschuldigungen?
Vorlage S. 298
384
ANTON.
Vorlage S. 298
385
Seine Entschuldigungen waren Einfälle, die auf seinem Miste nicht gewachsen waren. Er sagte zum Exempel, so lange er unter vierzig Jahren sei, und ihn jemand um die Ursache fragen würde, warum er nicht heirate, wolle er antworten: er sei zum Heiraten noch zu jung. Wäre er aber über vierzig Jahr, so wolle er sprechen: nunmehr sei er zum Heiraten zu alt. Ich weiß nicht, wie der Gelehrte hieß, der auch so soll gesagt haben. – – Ein anderer Vorwand war der: er heiratete deswegen nicht, weil er alle Tage Willens wäre, ein Mönch zu werden; und würde deswegen kein Mönch, weil er alle Tage gedächte zu heiraten.
Vorlage S. 298
386
CHRYSANDER.
Vorlage S. 298
387
Was? nun will er auch gar ein Mönch werden? Da sieht man, wohin so ein böses Gemüt, das keine Ehrfurcht für den heiligen Ehestand hat, verfallen kann! Das hätte ich nimmermehr in meinem Sohne gesucht!
Vorlage S. 298
388
ANTON.
Vorlage S. 298
389
Sorgen Sie nicht! bei Ihrem Sohne ist alles nur ein Übergang. Er hatte den Einfall in der Lebensbeschreibung eines Gelehrten gelesen; er hatte Geschmack daran gefunden, und sogleich beschlossen, ihn bei Gelegenheit als den seinen anzubringen. Bald aber ward die Grille von einer andern verjagt, so wie etwan, so wie etwan – – Schade, dass ich kein Gleichnis dazu finden kann! Kurz, sie ward verjagt. Er wollte nunmehr heiraten, und zwar einen rechten Teufel von einer Frau.
Vorlage S. 298
390
CHRYSANDER.
Vorlage S. 299
391
Wenn doch den Einfall mehr Narren haben wollten, damit andre ehrliche Männer mit bösen Weibern verschont blieben.
Vorlage S. 299
392
ANTON.
Vorlage S. 299
393
Ja, meinte er; es würde doch hübsch klingen, wenn es einmal von ihm heißen könnte: unter die Zahl der Gelehrten, welche der Himmel mit bösen Weibern gestraft hat, gehöret auch der berühmte Damis; gleichwohl kann sich die gelehrte Welt nicht über ihn beklagen, dass ihn dieses Hauskreuz nur im geringsten abgehalten hätte, ihr mit unzählbaren gelehrten Schriften zu dienen.
Vorlage S. 299
394
CHRYSANDER.
Vorlage S. 299
395
Mit Schriften! ja, die mir am teuersten zu stehen kommen. Was für Rechnungen habe ich nicht schon an die Buchdrucker bezahlen müssen! Der Bösewicht!
Vorlage S. 299
396
ANTON.
Vorlage S. 299
397
Geduld! er hat auch erst angefangen zu schreiben! Es wird schon besser kommen.
Vorlage S. 299
398
CHRYSANDER.
Vorlage S. 299
399
Besser? vielleicht damit man ihn endlich einmal auch unter die zählen kann, die ihren Vater arm geschrieben haben!
Vorlage S. 299
400
ANTON.
Vorlage S. 299
401
Warum nicht? wenn es ihm Ehre brächte – –
Vorlage S. 299
402
CHRYSANDER.
Vorlage S. 299
403
Die verdammte Ehre!
Vorlage S. 299
404
ANTON.
Vorlage S. 299
405
Um die tut ein junger Gelehrter alles! Wann es auch nach seinem Tode heißen sollte: unter diejenigen Gelehrten die zum Teufel gefahren sind, gehört auch der berühmte Damis! was schadet das? Genug, er heißt gelehrt; er heißt berühmt – –
Vorlage S. 299
406
CHRYSANDER.
Vorlage S. 299
Albert Anker – Die Dorfschule von 1848, gemalt 1896. Historisches Vergleichsbild für Schule und Bildung, keine Illustration der Buchfiguren.
Kontextbild zum Werk. Die Dorfschule von 1848 · Albert Anker · Public domain Bildquelle ↗
407
Kerl, du erschreckst mich! Aber du, der du weit älter bist als er, kannst du ihn nicht dann und wann zurechte weisen? – –
Vorlage S. 299
408
ANTON.
Vorlage S. 299
409
O, Herr Chrysander! Sie wissen wohl, dass ich keinen Gehalt, als Hofmeister bekomme. Und dazu meine Dummheit – –
Vorlage S. 299
410
CHRYSANDER.
Vorlage S. 299
411
Ja, die du annimmst, um ihn desto dümmer zu machen.
Vorlage S. 299
412
ANTON
Vorlage S. 299
413
bei Seite.
Vorlage S. 299
414
St! der kennt mich. – Aber glauben Sie, dass es ihm mit der bösen Frau ein Ernst war? nichtsweniger! Eine Stunde darauf wollte er sich eine gelehrte Frau aussuchen.
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415
CHRYSANDER.
Vorlage S. 300
416
Nun, das wäre doch noch etwas Kluges!
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417
ANTON.
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418
Etwas Kluges? Nach meiner unvorgreiflichen Meinung ist es gleich der dümmste Einfall, den er hat haben können. Eine gelehrte Frau! bedenken Sie doch! eine gelehrte Frau; eine Frau wie Ihr Herr Sohn! Zittern und Entsetzen möchte einem ehrlichen Kerl ankommen. Wahrhaftig! ehe ich mir eine Gelehrte aufhängen ließ –
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419
CHRYSANDER.
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420
Narre, Narre! sie gehen unter andern Leuten, als du bist, reißend weg. Wann ihrer nur viel wären, wer weiß, ob ich mir nicht selbst eine wählte.
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421
ANTON.
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422
Kennen Sie Karlinen?
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423
CHRYSANDER.
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424
Karlinen? Nein.
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425
ANTON.
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426
Meinen ehemaligen Kameraden? meinen guten Freund? kennen Sie den nicht?
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427
CHRYSANDER.
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428
Nein doch, nein.
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429
ANTON.
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430
Er trug ein hechtgraues Kleid, mit roten Aufschlägen, und auf seiner Sonntags Montur rote und blaue Achselbänder. Sie müssen ihn bei mir gesehen haben. Er hatte eine etwas lange Nase. Sie war ein Erbstück; denn er wollte aus der Geschichte wissen, dass schon sein Ururältervater, der ehedem einem gewissen Turnier, als Stallknecht beigewohnt, eine eben so lange gehabt habe. Sein einziger Fehler war, dass er etwas krumme Beine hatte. Besinnen Sie sich nun?
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431
CHRYSANDER.
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432
Soll ich denn alle das Lumpengesindel kennen, das du kennst? Und was willst du denn mit ihm?
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433
ANTON.
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434
Sie kennen ihn also im Ernste nicht? O! da kennen Sie einen sehr großen Geist weniger. Ich will Sie zu seiner Bekanntschaft verhelfen; ich gelte etwas bei ihm.
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435
CHRYSANDER.
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436
Ich glaube, du schwärmst manchmal so gut, als mein Sohn. Wie kömmst du denn auf die Possen?
Vorlage S. 300
437
ANTON.
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438
Eben der Karlin, will ich sagen – – O! es ist ärgerlich, dass Sie ihn nicht kennen. – – Eben der Karlin, sage ich, hat einmal bei einem Herrn gedient, der eine gelehrte Frau hatte. Der verzweifelte Vogel – – er sah gut aus, und wie nun der Appetit sich nach dem Stande nicht richtet – – kurz, er musste sie näher gekannt haben. Wo hätte er sonst so viel Verstand her? Endlich merkte es auch sein Herr, dass er bei der Frau in die Schule ging. Er bekam seinen Abschied, ehe er sichs versah. Die arme Frau!
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439
CHRYSANDER.
Vorlage S. 301
440
Ach schweig! ich mag weder deine noch meines Sohnes Grillen länger mit anhören.
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441
ANTON.
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442
Noch eine hören Sie; und zwar die, welche zuletzt seine Leibgrille ward: er wollte mehr als eine Frau heiraten.
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443
CHRYSANDER.
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444
Aber eine nach der andern.
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445
ANTON.
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446
Nein, wenigstens ein halb Dutzend auf einmal. Der Bibel, der Obrigkeit und dem Gebrauche zum Trutze! Er las damals gleich ein Buch – –
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CHRYSANDER.
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448
Die verdammten Bücher! Kurz, ich will nicht weiter hören. Es soll ihm schon vergehen, mehr als eine zu nehmen, wenn er nur erst die genommen hat, die ich jetzt für ihn im Kopfe habe. Und was meinest du wohl, Anton? quid putas? wie wir Lateiner reden; wird ers tun?
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449
ANTON.
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450
Vielleicht; vielleicht nicht. Wenn ich wüsste was er für ein Buch zuletzt gelesen hätte, und wenn ich dieses Buch selbst lesen könnte, und wenn – –
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451
CHRYSANDER.
Vorlage S. 301
452
Ich sehe schon, ich werde deine Hülfe nötig haben. Du bist zwar ein Gauner, aber ich weiß auch, man kömmt jetzt mit Betriegern weiter, als mit ehrlichen Leuten.
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453
ANTON.
Vorlage S. 301
454
Ei, Herr Chrysander, für was halten Sie mich?
Vorlage S. 301
455
CHRYSANDER.
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456
Ohne Komplimente, Herr Anton! Ich verspreche dir eine Belohnung, die deinen Verdiensten gemäß sein soll, wenn du meinen Sohn quovis modo, wie wir Lateiner reden, durch Wahrheiten oder durch Lügen, durch Ernst oder Schraubereien, vel sic, vel aliter, wie wir Lateiner reden, Julianen zu heiraten bereden kannst.
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457
ANTON.
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458
Wen? Julianen?
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CHRYSANDER.
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460
Julianen; illam ipsam.
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461
ANTON.
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462
Unsere Mamsell Juliane? Ihr Mündel? Ihre Pflegetochter?
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463
CHRYSANDER.
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464
Kennst du eine andre?
Vorlage S. 301
465
ANTON.
Vorlage S. 301
466
Das ist unmöglich, oder das, was ich von ihr gehört habe, muss nicht wahr sein.
Vorlage S. 301
467
CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
468
Gehört? so? hast du etwas von ihr gehört? doch wohl nicht Böses?
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469
ANTON.
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470
Nichts Gutes war es freilich nicht.
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471
CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
472
Ei! ich habe auf das Mädchen so große Stücken gehalten. Sie wird doch nicht etwa mit einem jungen Kerl – – he?
Vorlage S. 302
473
ANTON.
Vorlage S. 302
474
Wann es nichts mehr wäre! so ein klein Fehlerchen entschuldigt die Mode. Aber, es ist noch etwas weit Ärgers für eine gute Jungfer, die gerne nicht länger Jungfer sein möchte.
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475
CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
476
Noch etwas weit Ärgers? ich versteh dich nicht.
Vorlage S. 302
477
ANTON.
Vorlage S. 302
478
Und Sie sind gleichwohl ein Kaufmann?
Vorlage S. 302
479
CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
480
Noch etwas weit Ärgers? Ich habe immer geglaubt, Eingezogenheit und gute Sitten wären das Vornehmste – –
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481
ANTON.
Vorlage S. 302
482
Nicht mehr! nicht mehr! vor zwanzig Jahren wohl, wie Sie vorher selbst weislich erinnerten.
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483
CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
484
Nun so erkläre dich deutlicher. Ich habe nicht Lust deine närrischen Gedanken zu erraten.
Vorlage S. 302
485
ANTON.
Vorlage S. 302
486
Und nichts ist doch leichter. Mit einem Worte: sie soll kein Geld haben. Man hat mir gesagt, in Ansehung ihres Vaters, der Ihr guter Freund gewesen wäre, hätten Sie Julianen, von ihrem neunten Jahre an, zu sich genommen, und aus Barmherzigkeit erzogen.
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CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
488
Da hat man dir nun wohl keine Lügen gesagt; gleichwohl aber soll sie doch kein andrer haben, als mein Sohn, wann nur er – – Denn sieh, Anton, ich muss dir das ganze Rätsel erklären. – Es liegt nur an mir, Julianen in kurzer Zeit reich zu machen.
Vorlage S. 302
489
ANTON.
Vorlage S. 302
490
Ja, durch ihr eigen Geld; und auf diese Art könnten Sie auch mich wohl reich machen. Wollen Sie so gut sein?
Vorlage S. 302
491
CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
492
Nein, nicht durch mein eigen Geld. – Kannst du schweigen?
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493
ANTON.
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494
Versuchen Sie es.
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495
CHRYSANDER.
Vorlage S. 302
496
Höre also; mit Julianens Vermögen steht es so: ihr Vater kam durch einen Prozess, den er endlich doch musste liegen lassen, kurz vor seinem Tode, um alle das Seine. Jetzt nun ist mir ein gewisses Dokument in die Hände gefallen, das er lange vergebens suchte, und das dem ganzen Handel ein ander Ansehen gibt. Es kömmt nur darauf an, dass ich so viel Geld hergebe, den Prozess wieder anzufangen. Das Dokument selbst habe ich bereits an meinen Advokaten nach Dresden geschickt. – –
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497
ANTON.
Vorlage S. 303
498
Gott sei Dank! dass Sie wieder zum Kaufmanne werden! Vorhin hätte ich bald nicht gewusst, was ich aus Ihnen machen sollte. – – Aber Julianens Einwilligung haben Sie doch schon?
Vorlage S. 303
499
CHRYSANDER.
Vorlage S. 303
500
O! das gute Kind will mir, wie es spricht, in allen gehorchen. Unterdessen hat sich doch schon Valer auf sie gespitzt. Er hat mir vor einiger Zeit auch seine Gedanken deshalb eröffnet. Ehe ich das Dokument bekam – –
Vorlage S. 303
501
ANTON.
Vorlage S. 303
502
Ja, da war uns an Julianen so viel nicht gelegen. Sie machten ihm also Hoffnung?
Vorlage S. 303
503
CHRYSANDER.
Vorlage S. 303
504
Freilich! Er ist heute von Berlin wieder zurück gekommen, und hat sich auch schon bei mir melden lassen. Ich besorge, ich besorge – – Doch wenn mein Sohn nur will – – Und diesen, Anton, du verstehest mich – – Ein Narr ist auf viel Seiten zu fassen; und ein Mann, wie du, kann auf viel Seiten fassen. – Du wirst sehen, dass ich erkenntlich bin.
Vorlage S. 303
505
ANTON.
Vorlage S. 303
506
Und Sie, dass ich ganz zu Ihren Diensten bin, zumal wenn mich die Erkenntlichkeit zuerst heraus fordert, und –
Vorlage S. 303
507
Siebenter Auftritt
Vorlage S. 303
508
Anton. Chrysander. Juliane.
Vorlage S. 303
509
JULIANE.
Vorlage S. 303
510
Kommen Sie doch, Herr Chrysander, kommen Sie doch hurtig herunter. Herr Valer ist schon da, Ihnen seine Aufwartung zu machen.
Vorlage S. 303
511
CHRYSANDER.
Vorlage S. 303
512
Tut Sie doch ganz fröhlich, mein Jungferchen!
Vorlage S. 303
513
ANTON
Vorlage S. 303
514
sachte zu Chrysandern.
Vorlage S. 303
515
Hui! dass Valer schon den Vogel gefangen hat.
Vorlage S. 303
516
CHRYSANDER.
Vorlage S. 303
517
Das wäre mir gelegen.
Vorlage S. 303
518
Anton und Chrysander gehen ab.
Vorlage S. 303
519
Achter Auftritt
Vorlage S. 304
520
Juliane. Lisette.
Vorlage S. 304
521
LISETTE
Vorlage S. 304
522
guckt aus dem Kabinett.
Vorlage S. 304
523
Bst! bst! bst!
Vorlage S. 304
524
JULIANE.
Vorlage S. 304
525
Nun, wem gilt das? Lisette? bist dus? Was machst du denn hier?
Vorlage S. 304
526
LISETTE.
Vorlage S. 304
527
Ja, das werden Sie wohl nimmermehr glauben, dass ich und Damis schon so weit mit einander gekommen sind, dass er mich verstecken muss. Schon kann ich ihn um einen Finger wickeln! Noch eine Unterredung, wie vorhin, so habe ich ihn im Sacke.
Vorlage S. 304
528
JULIANE.
Vorlage S. 304
529
Und also hätte ich wohl, in allem Scherze, einen recht guten Einfall gehabt? Wollte doch der Himmel, dass die Verbindung, die sein Vater zwischen uns – –
Vorlage S. 304
530
LISETTE.
Vorlage S. 304
531
Ach, sein Vater! der Schalk, der Geizhals! Jetzt habe ich ihn kennen lernen.
Vorlage S. 304
532
JULIANE.
Vorlage S. 304
533
Was gibst du ihm für Titel? Seine Gütigkeit ist nur gar zu groß. Seine Wohltaten vollkommen zu machen, trägt er mir die Hand seines Sohnes, und mit ihr sein ganzes Vermögen an. Aber wie unglücklich bin ich dabei! – Dankbarkeit und Liebe, Liebe gegen den Valer, und Dankbarkeit – –
Vorlage S. 304
534
LISETTE.
Vorlage S. 304
535
Noch vor einer Minute, war ich in eben dem Irrtume. Aber glauben Sie mir nur, ich weiß es nunmehr aus seinem Munde: nicht aus Freundschaft für Sie, sondern aus Freundschaft für Ihr Vermögen, will er diese Verbindung treffen.
Vorlage S. 304
536
JULIANE.
Vorlage S. 304
537
Für mein Vermögen? du schwärmst. Was habe ich denn, das ich nicht von ihm hätte?
Vorlage S. 304
538
LISETTE.
Vorlage S. 304
539
Kommen Sie, kommen Sie. Hier ist der Ort nicht, viel zu schwatzen. Ich will Ihnen alles erzählen, was ich gehört habe.
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540
Ende des ersten Aufzuges.
Vorlage S. 304

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich würde sonst viel albernes Zeug wissen. – – Aber, o himmlische …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Der Rabbi, der vor […] zu mir kam, war doch wohl nicht dein Vetter?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Die Frage geschahe eben aus keinem Misstrauen, sondern bloß weil ich glaube, es schicke sich nicht, eher zu heiraten, als bis man ein Amt hat; so wie es sich, sollte ich meinen, auch nicht wohl schickt, eher ein Amt anzunehmen, als bis man weiß, woher man die Frau bekommen will.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Was bedeutet »nimmermehr« in diesem Ausschnitt? »Ja, das werden Sie wohl nimmermehr glauben, dass ich und Damis schon so weit mit einander gekommen sind, dass er mich verstecken muss.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Du kannst Deutsch, das ist: du kannst deine Gedanken mit Tönen ausdrücken, die einem Deutschen verständlich sind; das ist, die eben die Gedanken in ihm erwecken, die du bei dir hast.« B: »Was würde es Ihnen aber verschlagen, wenn sie es auch nicht wären?« C: »Ja, die du annimmst, um ihn desto dümmer zu machen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ganze Tage, ganze Nächte haben wir …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Nein; gewiss, an mir soll der heilige Ehestand seinen […] finden!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deshalb« in diesem Textausschnitt? »Er hat mir vor einiger Zeit auch seine Gedanken deshalb eröffnet.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Mit einem Worte: sie …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Noch nicht? Hast du auch nach der rechten gefragt? Die Post von Berlin –« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Er hat Recht. – Mein Bedienter soll eine Sprache verstehen, die ich nicht verstehe? Und noch dazu eine Hauptsprache? Ich erinnere mich, dass ihre Verwandtschaft mit der hebräischen sehr groß sein soll. Wer weiß, wie viel Stammwörter, die in […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Wenn doch den Einfall mehr Narren haben wollten, damit andre ehrliche Männer mit bösen Weibern verschont blieben.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Umfange kennen! Der Theolog glaubt dich bei einer Menge heiliger Sprüche, fürchterlicher Erzählungen und und einiger übel angebrachten Figuren zu besitzen. Der Rechtsgelehrte, bei einer unseligen Geschicklichkeit unbrauchbare Gesetze […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Himmel! ich höre meinen Vater wieder kommen. Um Gottes willen, liebe Lisette, dass er nicht merkt, dass Sie sich so lange bei mir aufgehalten hat. Geh Sie hurtig unterdessen in das Kabinett.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Nun wahrhaftig; ich glaube nicht, dass ein Gastwirt so erschrecken kann, wenn man ihm Schuld gibt, er kenne den oder jenen […]« und »Nun, wer noch nicht gestehen will, dass zu viel Gelehrsamkeit den Kopf verwirre, der verdient es selber zu erfahren. Gott sei […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Kommen Sie, kommen Sie. Hier ist der Ort nicht, viel zu schwatzen. Ich will Ihnen alles erzählen, was ich gehört habe.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Noch nicht? Hast du auch nach der rechten gefragt? Die Post von Berlin –« / »Kommen Sie, kommen Sie. Hier ist der Ort nicht, viel zu schwatzen. Ich will Ihnen alles erzählen, was ich […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Hast du auch nach der rechten gefragt?«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Was da zu antworten ist? – Das will ich dir sagen. – Antworte, dass du mich verstanden; dass dir mein Antrag lieb ist; dass dir Juliane gefällt; dass du mir in allem gehorchen willst. – Nun, antwortest du das? –«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Ich will Ihnen alles erzählen, was ich gehört habe.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der junge Gelehrte von Lessing, Gotthold Ephraim ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der junge Gelehrte

Gotthold Ephraim Lessing: Werke. Herausgegeben von Herbert G. Göpfert in Zusammenarbeit mit Karl Eibl, Helmut Göbel, Karl S. Guthke, Gerd Hillen, Albert von Schirmding und Jörg Schönert, Band 1–8, München: Hanser, 1970 ff. Lessing, Gotthold Ephraim 280- München

Das Werk Der junge Gelehrte von Lessing, Gotthold Ephraim ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.