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Buch - Der Misogyn - Lessing, Gotthold Ephraim

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Originalwerk · Lesefassung

Der Misogyn

Lessing, Gotthold Ephraim · 1748

Der Misogyn von Lessing, Gotthold Ephraim. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Porträt von Lessing, Gotthold Ephraim; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Lessing, Gotthold Ephraim · Anton Graff · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erster Auftritt
Vorlage S. 424
2
Wumshäter. Lisette.
Vorlage S. 424
3
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 424
4
Wo finde ich nun den Schurken? Johann! – Johann! – Die verdammten Weiber! – Die Weiber haben mich zum Prozess gebracht, und der wird mich noch vor der Zeit ins Grab bringen. Wer weiß, weswegen Herr Solbist zu mir kommen will! Ich kann es kaum erwarten. Wo wir nur nicht wieder eine schlechte Sentenz bekommen haben! – Johann! – – Hätte ich mich doch lieber dreimal gehangen, als dreimal verheiratet! – Johann! hörst du nicht?
Vorlage S. 424
5
LISETTE
Vorlage S. 424
6
kommend.
Vorlage S. 424
7
Was befehlen Sie?
Vorlage S. 424
8
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 424
9
Was willst du? ruft ich dich?
Vorlage S. 424
10
LISETTE.
Vorlage S. 424
11
Johann ist ausgegangen; was soll er? kann ich es nicht verrichten?
Vorlage S. 424
12
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 424
13
Ich mag von dir nicht bedient sein. Wie vielmal habe ich dir es nicht schon gesagt, dass du mir den Verdruss, dich zu sehen, ersparen sollst? Bleib, wohin du gehörst; in der Küche, und bei der Tochter – – Johann!
Vorlage S. 424
14
LISETTE.
Vorlage S. 424
15
Sie hören es ja; er ist nicht da.
Vorlage S. 424
16
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 424
17
Wer heißt ihn denn ausgehen, gleich da ich ihn brauche? – – Johann!
Vorlage S. 424
18
LISETTE.
Vorlage S. 424
19
Johann! Johann! Johann!
Vorlage S. 424
20
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 424
21
Nun? was schreist du?
Vorlage S. 424
22
LISETTE.
Vorlage S. 424
23
Ihr Rufen allein, wird er nicht drei Gassen weit hören.
Vorlage S. 424
24
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 424
25
Pfui, über das Weibsstück!
Vorlage S. 424
26
LISETTE.
Vorlage S. 424
27
Das steht mir an! Vor Kröten speit man aus, und nicht vor Menschen.
Vorlage S. 424
28
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 424
29
Nun ja! – – Sobald du und deines gleichen sich unter die Menschen rechnen, so bald bekomme ich Lust, mich mit dein Himmel zu zanken, dass er mich zu einem gemacht hat.
Vorlage S. 424
30
LISETTE.
Vorlage S. 425
31
So zanken Sie! Vielleicht bereuet er es so schon, dass er nicht einen Klotz aus Ihnen gemacht hat.
Vorlage S. 425
32
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
33
Geh mir aus den Augen!
Vorlage S. 425
34
LISETTE.
Vorlage S. 425
35
Wie Sie befehlen.
Vorlage S. 425
36
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
37
Wirds bald? oder soll ich gehn?
Vorlage S. 425
38
LISETTE.
Vorlage S. 425
39
Ich werde die Ehre haben, Ihnen zu folgen.
Vorlage S. 425
40
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
41
Ich möchte rasend werden.
Vorlage S. 425
42
LISETTE
Vorlage S. 425
43
bei Seite.
Vorlage S. 425
44
Unsinnig ist er schon.
Vorlage S. 425
45
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
46
Ist Herr Solbist, mein Advokat, noch nicht da gewesen?
Vorlage S. 425
47
LISETTE.
Vorlage S. 425
48
Johann wird es Ihnen wohl sagen.
Vorlage S. 425
49
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
50
Ist mein Sohn ausgegangen?
Vorlage S. 425
51
LISETTE.
Vorlage S. 425
52
Fragen Sie nur Ihren Johann.
Vorlage S. 425
53
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
54
Ist das eine Antwort auf meine Frage? Ob Herr Solbist noch nicht hier gewesen ist? will ich wissen.
Vorlage S. 425
55
LISETTE.
Vorlage S. 425
56
Sie mögen ja von mir nicht bedient sein.
Vorlage S. 425
57
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
58
Antworte, sag ich.
Vorlage S. 425
59
LISETTE.
Vorlage S. 425
60
Ich gehöre in die Küche.
Vorlage S. 425
61
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
62
Bleib, und antworte erst!
Vorlage S. 425
63
LISETTE.
Vorlage S. 425
64
Ich habe nur mit Ihrer Tochter zu tun.
Vorlage S. 425
65
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
66
Du sollst antworten! Ist Herr Solbist – –
Vorlage S. 425
67
LISETTE.
Vorlage S. 425
68
Ich will Ihnen den Verdruss ersparen, mich zu sehen. Geht ab.
Vorlage S. 425
69
Zweiter Auftritt
Vorlage S. 425
70
Wumshäter. Valer.
Vorlage S. 425
71
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 425
72
Welch Geschöpf! – – Ich will auch heute noch alles Weibsvolk aus meinem Hause schaffen; selbst meine Tochter. Sie mag sehen, wo sie bleibt – – Gut, gut, mein Sohn, dass du kömmst; ich habe eben nach dir gefragt.
Vorlage S. 425
73
VALER.
Vorlage S. 425
74
Wie glücklich wär ich, wenn ich glauben dürfte, dass Sie meinen Bitten hätten wollen zuvor kommen. Darf ich mir schmeicheln, die so oft gesuchte Einwilligung endlich von Ihnen zu erhalten?
Vorlage S. 425
75
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 426
76
O! du fängst wieder von der verdrüßlichen Sache an. Kränke doch deinen alten Vater nicht so, der dich bis jetzt für den einzigen Trost seines Alters gehalten hat. Es ist ja noch Zeit.
Vorlage S. 426
77
VALER.
Vorlage S. 426
78
Nein, es ist nicht länger Zeit, liebster Vater. Ich habe heute Briefe bekommen, welche mich nötigen, auf das eheste wieder zurück zu reisen.
Vorlage S. 426
79
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 426
80
Je nun, so reise in Gottes Namen; nur folge mir darin; heirate nicht. Ich habe dich zu lieb, als dass ich zu deinem Unglück Ja sagen sollte.
Vorlage S. 426
81
VALER.
Vorlage S. 426
82
Zu meinem Unglücke? Wie verschieden müssen wir über Glück und Unglück denken! Ich werde es für mein größtes Unglück halten, wenn ich eine Person länger entbehren muss, die mir das Schätzbarste in der Welt ist. Und Sie – –
Vorlage S. 426
83
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 426
84
Und ich werde es für dein äußerstes Unglück halten, wenn ich dich deiner blinden Neigung folgen sehe. Ein Weibsbild für das Schätzbarste auf der Welt zu halten? Ein Weibsbild! Doch der Mangel der Erfahrung entschuldigt dich. Höre; hältst du mich für einen treuen Vater?
Vorlage S. 426
85
VALER.
Vorlage S. 426
86
Es sollte mir leid sein, wenn Ihnen hiervon nicht mein Gehorsam – –
Vorlage S. 426
87
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 426
88
Du hast Recht, dich auf deinen Gehorsam zu berufen. Allein hat es dich auch jemals gereuet, wenn du mir gehorsam gewesen bist?
Vorlage S. 426
89
VALER.
Vorlage S. 426
90
Bis jetzt noch nie; aber – –
Vorlage S. 426
91
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 426
92
Aber du fürchtest, es werde dich gereuen, wenn du mir auch hierin folgen wolltest; nicht wahr? Doch wenn es an dem ist, dass ich dein treuer Vater bin; wenn es an dem ist, dass ich mit meiner väterlichen Zuneigung, Einsicht und Erfahrung verbinde: so ist deine Furcht sehr unbillig. Man glaubt einem Unglücklichen, den Sturm und Wellen an das Ufer geworfen, wenn er uns die Schrecken des Schiffbruchs erzählt; und wer klug ist, lernt aus seiner Erzählung, wie wenig dem ungetreuen Wasser zu trauen. Alles, was so ein Unglücklicher auf der See erfahren hat, habe ich in meinem dreimaligen Ehestand erfahren; und gleich wohl willst du nicht durch meinen Schaden klug werden? Ich war in deinen Jahren eben so feurig, eben so unbedachtsam. Ich sah ein Mädchen mit roten Backen, ich sah es; und beschloss meine Frau daraus zu machen. Sie war arm – –
Vorlage S. 426
93
VALER.
Vorlage S. 427
94
O Herr Vater, verschonen Sie mich mit der nochmaligen Erzählung Ihrer Geschichte. Ich habe sie schon so oft gehört –
Vorlage S. 427
95
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 427
96
Und du hast dich noch nicht daraus gebessert? – Sie war arm, und ich besaß auch nicht viel. Nun stelle dir einmal vor, was ein angehender Handelsmann, wie ich dazumal war, für Kummer, Sorge und Plage hat, wenn er mit leeren Händen anfängt.
Vorlage S. 427
97
VALER.
Vorlage S. 427
98
Meine Braut aber ist ja nichts weniger, als arm.
Vorlage S. 427
99
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 427
100
Höre nur zu! Zu meinen Anverwandten durfte ich bei meinen mühseligen Umständen keine Zuflucht nehmen. Warum? sie hatten mir vorgeschlagen, eine alte reiche Witwe zu heiraten, wodurch mir in meiner Handlung auf einmal wäre geholfen gewesen. Ich stieß sie also vor den Kopf, da ich mich in ein schönes Gesicht vergaffte, und lieber glücklich lieben, als glücklich leben wollte.
Vorlage S. 427
101
VALER.
Vorlage S. 427
102
Aber bei meiner Heirat kann dieses –
Vorlage S. 427
Porträt von Lessing, Gotthold Ephraim; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Lessing, Gotthold Ephraim · Anton Graff · Public domain Bildquelle ↗
103
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 427
104
Geduld! Was dabei das Schlimmste war, so liebte ich sie so blind, dass ich allen möglichen Aufwand ihrentwegen machte. Ihr übermäßiger Staat brachte mich in unzählige Schulden –
Vorlage S. 427
105
VALER.
Vorlage S. 427
106
Versparen Sie nur jetzt, Herr Vater, diese überflüssige Erzählung, und sagen Sie mir kurz, ob ich hoffen darf – –
Vorlage S. 427
107
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 427
108
Ich erzähle es ja bloß zu deinem Besten. – – Glaubst du, dass ich mich aus den vielen Schulden hätte herausreißen können, wenn der Himmel nicht so gütig gewesen wäre, mir, nach Jahres Frist, die Ursache meines Verderbens zu nehmen? Sie starb, und sie haue kaum die Augen zugetan, als mir die meinigen aufgingen. Wo ich hinsah, war ich schuldig. Und bedenke, in was für eine Raserei ich geriet, da ich nach ihrem Tode ihre verfluchte Untreue erfuhr. Meine Schulden fingen an, mich zweimal heftiger zu drücken, als ich sah, dass ich sie einer Nichtswürdigen zu Liebe, einer verdammten Heuchlerin zu gefallen, gemacht hatte. Und bist du sicher, mein Sohn, dass es dir nicht auch so gehen werde?
Vorlage S. 427
109
VALER.
Vorlage S. 428
110
Dieserwegen kann ich so sicher sein, als überzeugt ich von der Liebe meiner Hilaria bin. Ihre Seele ist viel zu edel; ihr Herz viel zu aufrichtig – –
Vorlage S. 428
111
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 428
112
Nun, nun, ich mag keine Lobrede auf eine Sirene hören, die ihre hässlichen Schuppen so klug unter dem Wasser zu halten weiß. Wenn du nicht mein Sohn wärst, so würde ich über deine Einfalt herzlich lachen. In der Tat, du hast einen sehr glücklichen Ansatz zu einem guten Manne! Eine edle Seele, ein aufrichtiges Herz, in einem weiblichen Körper! Und wie du gar sagst: in einem schönen weiblichen Körper! Doch das kömmt endlich auf eins heraus: schön oder hässlich. Die Schöne findet ihre Liebhaber, und die Räuber deiner Ehre überall; und die Hässliche suchet sie überall. Was kannst du mir hierauf antworten?
Vorlage S. 428
113
VALER.
Vorlage S. 428
114
Zweierlei. Entweder es ist so gewiss nicht, dass alle Frauenzimmer von gleicher Untreue sind; und in diesem Falle bin ich versichert, dass meine Hilaria mit unter der Ausnahme ist: oder es ist gewiss, dass eine getreue Frau nur ein Wesen der Einbildung ist, das niemals war, und niemals sein wird; und in diesem Falle muss ich so gut, als jedermann – –
Vorlage S. 428
115
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 428
116
O pfui, pfui! schäme dich, schäme dich! – Doch du scherzest.
Vorlage S. 428
117
VALER.
Vorlage S. 428
118
In der Tat nicht! Ist eine Frau ein unstreitiges Übel, so ist sie auch ein notwendiges Übel.
Vorlage S. 428
119
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 428
120
Ja, das unsere Torheit notwendig macht. Aber wie gern wollte ich töricht gewesen sein, wenn du es nur dadurch weniger sein könntest! Vielleicht wäre es auch möglich, wenn du meine Zufälle recht überlegen wolltest. Höre nur! Als meine erste Frau also tot war, versucht ich es mit einer reichen und schon etwas betagten – –
Vorlage S. 428
121
Dritter Auftritt
Vorlage S. 429
122
Lelio. Die Vorigen.
Vorlage S. 429
123
VALER.
Vorlage S. 429
124
Kommen Sie, Lelio, kommen Sie; helfen Sie mir meinen Vater erbitten, dass er meinem Glücke nicht länger hinderlich ist.
Vorlage S. 429
125
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 429
126
Kommen Sie, Herr Lelio, kommen Sie! Mein Sohn hat wieder seinen Anfall von Heiraten bekommen. Helfen Sie mir ihn doch zu rechte bringen.
Vorlage S. 429
127
LELIO.
Vorlage S. 429
128
O! so schämen Sie sich einmal, Valer, und machen der Vernunft Platz. Sie haben es ja oft genug von Ihrem Herrn Vater gehört, dass das Heiraten eine lächerliche und unsinnige Handlung ist. Ich dächte. Sie sollten einmal überzeugt sein. Einem Manne, der es mit drei Weibern versucht hat, kann man es doch wohl endlich glauben, dass die Weiber insgesamt – insgesamt Weiber sind.
Vorlage S. 429
129
VALER.
Vorlage S. 429
130
Sind Sie so auf meiner Seite? Ihre Schwester wird Ihnen sehr verbunden sein.
Vorlage S. 429
131
LELIO.
Vorlage S. 429
132
Ich bin mehr auf Ihrer Seite, als Sie glauben: und meine Schwester würde selbst nicht anders reden, wenn sie zugegen wäre.
Vorlage S. 429
133
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 429
134
Ja, das sollte ich auch meinen. Denn wenn es wahr ist, dass die Frauenzimmer noch so etwas, der Vernunft Ähnliches, besitzen, so müssen sie notwendig von ihrer eignen Abscheulichkeit überzeugt sein. Sie ist so sonnenklar; und nur du kannst sie nicht sehen, weil dir die Liebe die Augen zuhält.
Vorlage S. 429
135
LELIO.
Vorlage S. 429
136
O, mein Herr, Sie reden, wie die Vernunft selbst. Sie haben mich in der kurzen Zeit, die ich bei Ihnen bin, ganz bekehrt. Das Frauenzimmer war mir auch sonst nicht allzugleichgültig. Aber jetzt – – ja, ich sollte Ihr Sohn sein, mein Herr Wumshäter; ich wollte das Geschlecht der Weiberfeinde vortrefflich fortpflanzen! Meine Söhne sollten alle so werden, wie ich!
Vorlage S. 429
137
VALER.
Vorlage S. 429
138
Das lass ich gelten. Solche Weiberfeinde würden doch wenigstens die Welt nicht aussterben lassen.
Vorlage S. 429
139
LELIO.
Vorlage S. 429
140
Das wäre auch albern genug. So müssten ja auch die Weiberfeinde mit aussterben? Nein, nein, Valer, auf die Erhaltung so vorzüglicher Menschen muss man, so viel als möglich bedacht sein. Nicht wahr?
Vorlage S. 429
141
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 430
142
Das ist schon einigermaßen wahr. Doch aber sähe ich lieber, wenn mein Sohn andere darauf bedacht sein ließe. Ich weiß gewiss, man wird seinen Beitrag nicht vermissen. Warum soll er sich, einer Ungewissen Nachkommenschaft wegen, ein unglückliches Leben machen? Und dazu ist es eine sehr schlechte Freude, Kinder zu haben, wenn man so viel Angst mit ihnen haben muss, als ich. Du siehst, mein Sohn, wie ich mir deine Umstände zu Herzen nehme. Vergilt mir doch durch deinen Gehorsam den Verdruss, den mir deine Mutter gemacht hat.
Vorlage S. 430
143
LELIO.
Vorlage S. 430
144
Das muss wohl eine sehr böse Frau gewesen sein?
Vorlage S. 430
145
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 430
146
Wie sie alle sind, mein lieber Lelio. Habe ich Ihnen meinen Lebenslauf noch nicht erzahlt? Er ist erbärmlich anzuhören.
Vorlage S. 430
147
VALER.
Vorlage S. 430
148
O, verschonen Sie ihn damit. Er hat ihn schon mehr als zehnmal müssen hören.
Vorlage S. 430
149
LELIO.
Vorlage S. 430
150
Ich, Valer? Sie irren sich. Erzählen Sie ihn nur, Herr Wumshäter; ich bitte. Ich weiß gewiss, ich werde vieles zu meiner Lehre daraus nehmen können.
Vorlage S. 430
151
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 430
152
Das gefällt mir. O, mein Sohn, wenn du auch so gesinnt wärst! Nun so hören Sie – – Ich habe drei Weiber gehabt.
Vorlage S. 430
153
LELIO.
Vorlage S. 430
154
Drei Weiber?
Vorlage S. 430
155
VALER.
Vorlage S. 430
156
Wissen Sie das noch nicht?
Vorlage S. 430
157
LELIO
Vorlage S. 430
158
zu Valeren.
Vorlage S. 430
159
O, so schweigen Sie! – Drei Weiber! Sie müssen also einen rechten Schatz der mannigfaltigsten Erfahrung besitzen. Nur wundre ich mich, wie Sie Ihre Weiberfeindschaft gleichwohl dreimal so glücklich haben besiegen können.
Vorlage S. 430
160
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 430
161
Von selbst wird man auf einmal nicht klug. Hätte ich aber einen Vater gehabt, wie mein Sohn an mir hat; einen Vater, der mich mit seinem Beispiele von dem Rande des Verderbens hätte abhalten können – Gewiss, mein Sohn, du verdienest so einen Vater nicht!
Vorlage S. 430
162
LELIO.
Vorlage S. 430
163
O, sagen Sie mir doch vor allen Dingen, welche von Ihren drei bösen Weibern, – war Valerens Mutter? war es wohl noch die Beste?
Vorlage S. 430
164
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 431
165
Die Beste?
Vorlage S. 431
166
LELIO.
Vorlage S. 431
167
Von den Schlimmen, meine ich.
Vorlage S. 431
168
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 431
169
Die Beste von den Schlimmen? – die Schlimmste, lieber Lelio, die Allerschlimmste!
Vorlage S. 431
170
LELIO.
Vorlage S. 431
171
Ei! so hatte sie wohl gar nichts von Ihrem Sohne? O, die ausgeartete Mutter!
Vorlage S. 431
172
VALER.
Vorlage S. 431
173
Warum wollen Sie mich quälen, Lelio? Ich liebe meinen Vater, allein ich habe auch meine Mutter geliebt. Mein Herz wird zerrissen, wenn er sie noch im Grabe nicht ruhen lässt.
Vorlage S. 431
174
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 431
175
Mein Sohn, wenn du es so nimmst, gut, gut! – Ich will es Ihnen hernach erzählen, Herr Lelio, wenn wir allein sind. Man kann sichs unmöglich einbilden, wie eigensinnig, wie zänkisch –
Vorlage S. 431
176
VALER.
Vorlage S. 431
177
Sie wollen es ihm erzählen, wenn Sie allein sind? Ich muss also gehen.
Vorlage S. 431
178
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 431
179
Nun, nun, bleib nur da. Ich will gern nichts mehr sagen. Hätte ich es doch nicht geglaubt, dass man so gar eingenommen für eine Mutter sein könne. Mutter hin, Mutter her; sie bleibt darum doch eine Frauensperson, deren Fehler man verabscheuen muss, wenn man sich ihrer nicht mit schuldig machen will. Doch gut – – Wieder auf deine Heirat zu kommen, du versprichst mir es also, nicht zu heiraten?
Vorlage S. 431
180
VALER.
Vorlage S. 431
181
Wie kann ich dieses versprechen? Gesetzt, ich könnte die Neigung unterdrücken, die mich jetzt beherrscht, so würden mich doch meine häuslichen Umstände nötigen, mir eine Gehülfin zu suchen.
Vorlage S. 431
182
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 431
183
O! wenn es nur eine Gehülfin in deinen häuslichen Geschäften sein soll, so weiß ich guten Rat. Höre, nimm deine Schwester mit dir. Sie ist geschickt genug, deinem Hause vorzustehen, und ich werde auf diese Art eine Last los, die mir längst unerträglich geworden ist.
Vorlage S. 431
184
VALER.
Vorlage S. 431
185
Soll ich meiner Schwester an ihrem Glücke hinderlich sein?
Vorlage S. 431
186
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 431
187
Du bist wunderlich! An was für einem Glücke kannst du ihr hinderlich sein? Man wird sich um sie nicht reißen; und du magst sie mitnehmen oder nicht, sie wird doch keine Heirat finden, die mir, oder ihr anständig wäre. Denn dass ich einen ehrlichen rechtschaffnen Mann mit ihr betriegen sollte, das geschieht nimmermehr. Ich mag keinen Menschen unglücklich machen, geschweige einen, den ich hochschätzte. Einen nichtswürdigen und schlechten Mann aber, dem ich sie noch am liebsten gönnen würde, zu nehmen, dazu ist sie selbst zu stolz.
Vorlage S. 431
188
LELIO.
Vorlage S. 432
189
Aber, mein Herr Wumshäter, bedenken Sie denn nicht, dass es für mich höchst gefährlich sein würde, wenn Valer seine Schwester mit sich nehmen sollte? Die Weiberfeindschaft hat in meinem Herzen noch nicht allzutiefe Wurzeln geschlagen. Laura ist munter und schön, und was das Vornehmste ist, sie ist die Tochter eines Weiberfeinds, den ich mir in allem zur Nachahmung vorgestellt habe. Wie leicht könnte es nicht kommen, dass ich sie, – ich will nicht sagen, heiratete; denn das möchte noch der geringste Schaden sein; sondern dass ich sie gar – – der Himmel wende das Unglück ab! – – dass ich sie gar liebte. Alsdenn gute Nacht, Weiberfeindschaft! Und vielleicht käme ich, nach vielem Unglücke, in Ihrem Alter kaum, wieder zu mir selbst.
Vorlage S. 432
190
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 432
191
Behüte der Himmel, dass das daraus entstehen sollte! – – Doch trauen Sie sich mehr zu, Herr Lelio; Sie sind zu vernünftig. Wie gesagt, mein Sohn, du kannst dich darauf verlassen: deine Schwester soll mit dir; sie muss mit dir. Ich will gleich gehen, und es ihr sagen. Er geht ab.
Vorlage S. 432
192
Vierter Auftritt
Vorlage S. 432
193
Lelio. Valer.
Vorlage S. 432
194
VALER.
Vorlage S. 432
195
Liebste Hilaria, was soll ich noch anfangen? Sie sehen –
Vorlage S. 432
196
LELIO.
Vorlage S. 432
197
Ich sehe, dass Sie zu ungeduldig sind, Valer –
Vorlage S. 432
198
VALER.
Vorlage S. 432
199
Zu ungeduldig? Sind wir nicht schon acht Tage hier? Warum war ich nicht leichtsinnig genug, mich um die Einwilligung meines Vaters nicht zu bekümmern? Warum musste Hilaria für die Schwachheit seines mürrischen Alters so viel Gefälligkeit haben? Der Einfall, den Sie hatten, sich in der Verkleidung einer Mannsperson, unter dem Namen Ihres Bruders, seine Gewogenheit vorher zu erwerben, war der sinnreichste von der Welt, der uns am geschwindesten zu unserm Zwecke zu führen versprach. Und doch will er zu nichts helfen.
Vorlage S. 432
200
LELIO.
Vorlage S. 433
201
Sagen Sie das nicht; denn ich glaube, unsre Sache ist auf einem sehr gutem Wege. Habe ich, als Lelio, seine Freundschaft, und sein ganzes Vertrauen nicht weg?
Vorlage S. 433
202
VALER.
Vorlage S. 433
203
Und dieses ohne Wunderwerke. Sie stellen sich ihm ja in allem gleich.
Vorlage S. 433
204
LELIO.
Vorlage S. 433
Johannes Vermeer – Briefleserin in Blau, um 1663. Vergleichsbild zum Motiv des Lesens und Briefeschreibens, keine konkrete Buchszene.
Kontextbild zum Werk. Briefleserin in Blau · Johannes Vermeer · Public domain Bildquelle ↗
205
Muss ich es denn nicht tun?
Vorlage S. 433
206
VALER.
Vorlage S. 433
207
Aber nicht so ernstlich. Anstatt, dass Sie ihn von seinem eigensinnigen Wahne abbringen sollten, bestätigen Sie ihn darin. Das kann unmöglich gut gehen! – Noch eins, liebste Hilaria: gegen meine Schwester treiben Sie gleichfalls die Maskerade viel zu weit.
Vorlage S. 433
208
LELIO.
Vorlage S. 433
209
Es wird aber doch immer ein Schattenspiel bleiben! Und so bald sie erfährt, wer ich bin, so ist alles wieder in seinem Gleise.
Vorlage S. 433
210
VALER.
Vorlage S. 433
211
Wenn sie es nicht zu spät erfährt. Ich weiß wohl, da Sie als Mannsperson hier erschienen, durften Sie sich nicht entbrechen, ihr einige Schmeicheleien zu sagen. Aber Sie hätten diese Schmeicheleien so frostig, als möglich, sagen sollen; ohne einen ernsthaft scheinenden Anschlag auf ihr Herz zu machen. Jetzt ist mein Vater ihr anzudeuten gegangen, dass sie mit uns reisen soll. Denken Sie an mich, das wird, mit dem Sprüchworte zu reden, Wasser auf ihre Mühle sein. Für uns zwar kann freilich damit nichts verdorben werden; aber für einen andern desto mehr.
Vorlage S. 433
212
LELIO.
Vorlage S. 433
213
Ich weiß, was Sie sagen wollen. Leander –
Vorlage S. 433
214
VALER.
Vorlage S. 433
215
Leander hat schon lange Zeit in dem besten Vernehmen mit ihr gestanden; und nur der Prozess, in welchen er mit unserm Vater verwickelt ist, hat ihn, durch die Furcht einer schimpflich abschläglichen Antwort, abgehalten, um ihre Hand zu bitten. Endlich aber hat es der dienstfertige Herr Solbist auf sich genommen, ihn wegen dieser Furcht in Sicherheit zu setzen. Er will selbst der Brautwerber sein, und die Wendung, die er seinem Ansuchen geben will, wäre die törichste von der Welt, wenn er nicht mit einem Manne zu tun hätte, dessen Torheit sich nicht anders, als mit Torheit bestreiten lässt.
Vorlage S. 433
216
LELIO.
Vorlage S. 434
217
Eine artige Umschreibung Ihres Vaters!
Vorlage S. 434
218
VALER.
Vorlage S. 434
219
Es geht mir nahe genug, dass ich hierin nicht anders von ihm denken kann! – Haben Sie nur die Gütigkeit, schönste Hilaria, und lenken ein wenig ein. Führen Sie sich gleichgültiger gegen meine Schwester auf, damit Leander Sie nicht als einen Nebenbuhler ansehen darf, der ihm Schaden tut, ohne selbst am Ende den über ihn erlangten Vorteil brauchen zu können. Auch meinen Vater müssen Sie mehr für diejenige Person, die Sie sind, als für die, welche Sie zu sein scheinen, einzunehmen suchen. Sie müssen anfangen, seinen Grillen zu widersprechen, und ihn durch die Macht, die Sie über ihn erlangt haben, wenigstens dahin bringen, dass er Hilarien für die einzige ihres Geschlechts hält, die von seinem Hasse ausgenommen zu werden verdient. Sie müssen –
Vorlage S. 434
220
LELIO.
Vorlage S. 434
221
Sie müssen nicht immer sagen: Sie müssen – – Mein guter Valer, Sie versprechen, ein ziemlich gebietrischer Ehemann zu werden. Gönnen Sie mir doch immer die Lust, die angefangene Rolle, nach meinem Gutdünken, auszuspielen.
Vorlage S. 434
222
VALER.
Vorlage S. 434
223
Wenn ich nur sähe, dass Sie an das Ausspielen dächten. So aber denken Sie nur an das Fortspielen, verwickeln den Knoten immer mehr und mehr, und endlich werden Sie ihn so verwickelt haben, dass er gar nicht wieder aufzuwickeln ist.
Vorlage S. 434
224
LELIO.
Vorlage S. 434
225
Nun wohl; wenn er nicht wieder aufzuwickeln ist, so machen wir es, wie die schlechten Komödienschreiber, und zerreißen ihn.
Vorlage S. 434
226
VALER.
Vorlage S. 434
227
Und werden ausgezischt, wie die schlechten Komödienschreiber.
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228
LELIO.
Vorlage S. 434
229
Immerhin!
Vorlage S. 434
230
VALER.
Vorlage S. 435
231
Wie martern Sie mich mit dieser Gleichgültigkeit, Hilaria!
Vorlage S. 435
232
LELIO.
Vorlage S. 435
233
Das war zu ernsthaft, Valer! Ich bin im Grunde so gleichgültig nicht; und Sie davon zu überzeugen: – gut! – so will ich noch heute einen Schritt in unserm Plane tun, den ich nicht genug vorbereiten zu können, geglaubt habe. Wir wollen die Hilaria erscheinen lassen, und versuchen, was sie für Glück in ihrer wahren Gestalt haben wird.
Vorlage S. 435
234
VALER.
Vorlage S. 435
235
Sie entzücken mich! – Ja, liebste Hilaria, wir können nicht genug eilen, unser Schicksal zu erfahren. Hilft es nichts, so haben wir doch alles getan, was in unsern Kräften steht; und ich werde es endlich über mein Gewissen bringen können, einem wunderlichen Vater die Stirne zu bieten. Ich muss Sie besitzen, es koste, was es wolle. Wie glücklich werde ich sein, wenn ich mich öffentlich dieser Hand werde rühmen können – – Indem er die Hand küsst.
Vorlage S. 435
236
Fünfter Auftritt
Vorlage S. 435
237
Wumshäter. Die Vorigen.
Vorlage S. 435
238
WUMSHÄTER
Vorlage S. 435
239
welcher Valeren die Hand der Hilaria küssen sieht.
Vorlage S. 435
240
Ei! ei! mein Sohn, tust du doch mit dem Bruder deiner Braut, als ob es die Braut selber wäre. Sieh, wie du zusammenfährst!
Vorlage S. 435
241
LELIO.
Vorlage S. 435
242
Er vergisst sich oft, der gute Valer – Aber wissen Sie, woher es kömmt?
Vorlage S. 435
243
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 435
244
Das kann ich nicht wissen – In Parenthesi, mein Sohn, es ist richtig; deine Schwester will mit dir reisen. Sie war mit meinem Vorschlage zufriedener, als ich glaubte. – Aber nun, Herr Lelio, woher kömmt es denn, was Sie sagen wollten?
Vorlage S. 435
245
LELIO
Vorlage S. 435
246
sachte zum Valer.
Vorlage S. 435
247
Geben Sie Acht, Valer; jetzt wird sich unser Anschlag einleiten lassen.
Vorlage S. 435
248
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 435
249
Sagen Sie doch, Lelio, was meinten Sie denn?
Vorlage S. 435
250
LELIO.
Vorlage S. 435
251
Sie ertappten den hitzigen Valer in einer Entzückung, die für eine männliche Freundschaft ein wenig zu zärtlich ist. Sie wunderten sich, und glaubten, er müsste mich für meine Schwester ansehen. – Wie durchdringend ist Ihr Verstand, mein Herr Wumshäter. Getroffen! dafür sieht er mich auch wirklich, in der Trunkenheit seiner Leidenschaft, nicht selten an. Allein dieses Quid pro quo ist ihm zu vergeben; weil es unmöglich ist, dass zwei Tropfen Wasser einander ähnlicher sein sollten, als ich und meine Schwester einander sind. So oft er mich daher scharf ins Gesicht fasset, glaubt er auch sie zu sehen, und kann sich nicht enthalten, mir einige der ehrfurchtsvollen Liebkosungen zu erzeigen, die er ihr zu erzeigen gewohnt ist.
Vorlage S. 435
252
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 436
253
Wie abgeschmackt!
Vorlage S. 436
254
LELIO.
Vorlage S. 436
255
Nicht wenige seines Gelichters, sind noch weit abgeschmackter. Ich kenne einen gewissen Lidio, welcher mit einem verwelkten Blumenstrauße, den seine Gebieterin vor Jahr und Tag an dem Busen getragen, nicht anders umgeht, als ob es seine Gebieterin selbst wäre. Er spricht ganze Tage mit ihm, er küsst ihn, er fällt vor ihm nieder – –
Vorlage S. 436
256
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 436
257
Und ist noch nicht ins Tollhaus gebracht? – Mein Sohn, mein Sohn, werde doch ja durch fremden Schaden klug, und steure der Liebe, so lange ihr noch zu steuren ist. Bedenke doch nur, mit einem Blumenstrauße zu sprechen; vor ihm nieder zu fallen! Können die Wirkungen von dem Bisse eines rasenden Hundes wohl erschrecklicher sein?
Vorlage S. 436
258
LELIO.
Vorlage S. 436
259
Gewiss nicht. Aber wieder auf meine Schwester zu kommen – –
Vorlage S. 436
260
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 436
261
Die Ihnen so ähnlich sein soll? Wie ähnlich wird sie Ihnen nun wohl sein? Man wird ohngefähr erkennen können, dass Sie beide aus einer Familie sind.
Vorlage S. 436
262
LELIO.
Vorlage S. 436
263
Kleinigkeit! Unsere Eltern selbst, konnten uns in der Kindheit nicht unterscheiden, wenn wir aus Mutwillen die Kleider vertauscht hatten.
Vorlage S. 436
264
VALER.
Vorlage S. 436
265
Und nun bedenken Sie einmal, liebster Herr Vater; wenn es wahr ist, was Sie oft selbst gesagt haben, dass schon aus dem Äußerlichen des Herrn Lelio, aus seiner Gesichtsbildung, aus seinen Mienen, aus dem bescheidenen Feuer seiner Augen, aus seinem Gange, der innere Wert seiner Seele, sein Verstand, seine Tugend, und alle die Eigenschaften, die Sie an ihm schätzen, zu schließen wären; bedenken Sie einmal, sage ich, ob man bei seiner liebenswürdigen Schwester aus eben dem Äußerlichen, aus eben der Gesichtsbildung, aus eben den Mienen, aus eben den Augen, aus eben dem Gange, einen andern Schluss zu machen habe? Gewiss nicht.
Vorlage S. 436
266
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 437
267
Gewiss ja! Damit du mich aber nicht zwingen kannst, dir dieses weitläuftig zu beweisen, so darf ich es nur platterdings für unmöglich erklären, dass seine Schwester ihm so ähnlich sehen kann, als ihr sagt.
Vorlage S. 437
268
LELIO.
Vorlage S. 437
269
Beweisen Sie ihm ja lieber jenes, Herr Wumshäter, als dass Sie dieses leugnen sollten, denn Sie möchten sonst, vielleicht noch heute, durch den Augenschein eingetrieben werden.
Vorlage S. 437
270
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 437
271
Wie so durch den Augenschein?
Vorlage S. 437
272
LELIO.
Vorlage S. 437
273
Hat es Ihnen Valer noch nicht gesagt, dass er meine Schwester heut erwartet?
Vorlage S. 437
274
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 437
275
Wie? sie will selbst kommen? Aller Hochachtung unbeschadet, Herr Lelio, die ich gegen Sie hege, muss ich Ihnen doch frei bekennen, dass ich nicht ein Bisschen begierig bin, Ihr weibliches Ebenbild kennen zu lernen.
Vorlage S. 437
276
VALER.
Vorlage S. 437
277
Und eben, weil ich dieses wusste, Herr Vater, habe ich Ihnen noch bis jetzt von ihrer Ankunft nichts sagen wollen. Ich will aber doch hoffen, dass ich das Vergnügen haben darf, sie Ihnen vorzustellen?
Vorlage S. 437
278
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 437
279
Wenn du nur nicht verlangst, dass ich ihr, als meiner künftigen Schwiegertochter begegnen soll.
Vorlage S. 437
280
VALER.
Vorlage S. 437
281
Aber als der Schwester des Lelio werden Sie ihr doch begegnen?
Vorlage S. 437
282
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 437
283
Nach dem ich sie finde. – – Nun, was willst du, Laura? –
Vorlage S. 437
284
Sechster Auftritt
Vorlage S. 438
285
Laura. Die Vorigen.
Vorlage S. 438
286
LAURA.
Vorlage S. 438
287
Ihnen nochmals danken, liebster Herr Vater, dass Sie so gütig sein wollen, mich meinem Bruder mit zu geben.
Vorlage S. 438
288
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 438
289
Lass nur gut sein! –
Vorlage S. 438
290
LAURA.
Vorlage S. 438
291
Ihre väterliche Liebe ist meiner Bitte zuvor gekommen.
Vorlage S. 438
292
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 438
293
Schweig doch! –
Vorlage S. 438
294
LAURA.
Vorlage S. 438
295
Wahrhaftig, ich habe Sie selbst darum ersuchen wollen.
Vorlage S. 438
296
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 438
297
Was gehts mich an?
Vorlage S. 438
298
LAURA.
Vorlage S. 438
299
Nur wusste ich nicht, wie ich meine Bitte am behutsamsten vorbringen sollte. Ich fürchtete, –
Vorlage S. 438
300
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 438
301
Ich fürchte, dass ich mir noch die Schwindsucht über dein Plaudern an den Hals ärgern werde.
Vorlage S. 438
302
LAURA.
Vorlage S. 438
303
Ich fürchtete, sag ich, Sie möchten meine Begierde, bei meinem Bruder zu leben, einer falschen Ursache beimessen. –
Vorlage S. 438
304
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 438
305
Bist du noch nicht fertig?
Vorlage S. 438
306
LAURA.
Vorlage S. 438
Max Liebermann – Garten des Waisenhauses in Amsterdam. Vergleichsbild zu Garten, Alltag und Gemeinschaft; keine Buchillustration.
Kontextbild zum Werk. Garten eines Amsterdamer Waisenhauses · Max Liebermann · Public domain Bildquelle ↗
307
Einem sträflichen Überdrusse vielleicht, länger bei Ihnen zu bleiben –
Vorlage S. 438
308
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 438
309
Ich werde dir das Maul zuhalten müssen.
Vorlage S. 438
310
LAURA.
Vorlage S. 438
311
Aber ich versichere, – –
Vorlage S. 438
312
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 438
313
Nun, wahrhaftig, ein Pferd, das den Koller bekömmt, ist leichter aufzuhalten, als das Plappermaul eines solchen Nickels. – Du sollst wissen, dass ich nicht im geringsten dabei auf dich gesehen habe. Ich gebe dich dem Bruder mit, weil du dem Bruder die Haushaltung führen sollst, und weil ich dich los sein will. Ob es dir aber angenehm, oder unangenehm ist, das kann mir gleich viel gelten.
Vorlage S. 438
314
LAURA.
Vorlage S. 438
315
Ich höre wohl, Herr Vater, dass Sie nur deswegen Ihre Wohltat so klein und zweideutig machen, um mich einer formellen Danksagung zu überheben. Ich schweige also – Aber du, mein lieber Bruder, –
Vorlage S. 438
316
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 439
317
Ja, ja; sie schweigt, das ist: sie fängt mit einem andern an zu plaudern.
Vorlage S. 439
318
LAURA.
Vorlage S. 439
319
Du wirst mich doch hoffentlich nicht ungern mit dir nehmen?
Vorlage S. 439
320
VALER.
Vorlage S. 439
321
Liebe Schwester, – –
Vorlage S. 439
322
LAURA.
Vorlage S. 439
323
Gut, gut; erspare nur deine Versicherungen. Ich weiß schon, dass du mich liebst. Wie vergnügt will ich in deinem Umgange sein, den ich so viele Jahre habe entbehren müssen.
Vorlage S. 439
324
VALER.
Vorlage S. 439
325
Ich kann dir es unmöglich zumuten, eine geliebte Vaterstadt, wo du so viele Freunde und Verehrer hast, meinetwegen mit einem ganz unbekannten Orte zu vertauschen.
Vorlage S. 439
326
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 439
327
Aber ich mute es ihr zu! Ich will doch nicht hoffen, dass ihr mit einander komplimentiert?
Vorlage S. 439
328
LAURA.
Vorlage S. 439
329
Hörst du? – – Und was willst du denn mit deiner ganz unbekannten Stadt? Werde ich dich nicht da haben? Wird nicht Lelio da sein? Werde ich nicht seine vortreffliche Schwester da finden? Zum Lelio. Erlauben Sie mir, mein Herr, –
Vorlage S. 439
330
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 439
331
Das dacht ich wohl, ihr Schnadern geht die Reihe herum.
Vorlage S. 439
332
LAURA.
Vorlage S. 439
333
Erlauben Sie mir, sag ich, Ihre Schwester immer im voraus, als meine Freundin zu betrachten. Sie darf nur die Hälfte von den Vollkommenheiten ihres Bruders besitzen, wenn ich sie eben so sehr lieben soll, als ich diesen hochschätze.
Vorlage S. 439
334
WUMSHÄTER.
Vorlage S. 439
335
Nu? ich glaube gar, du unterstehst dich, ehrlichen Leuten Schmeicheleien zu sagen? – Es tut mir leid, Herr Lelio, dass Sie das unbesonnene Ding schamrot machen soll.
Vorlage S. 439
336
VALER
Vorlage S. 439
337
sachte zum Lelio.
Vorlage S. 439
338
Antworten Sie ihr ja nicht zu verbindlich – –
Vorlage S. 439
339
LELIO.
Vorlage S. 439
340
Liebenswürdige Laura, – –
Vorlage S. 439
341
VALER
Vorlage S. 439
342
sachte zum Lelio.
Vorlage S. 439
343
Nicht zu verbindlich, sage ich.
Vorlage S. 439
344
LELIO.
Vorlage S. 439
345
Schönste Laura, – –
Vorlage S. 439
346
VALER
Vorlage S. 439
347
sachte zum Lelio.
Vorlage S. 439
348
Nehmen Sie sich in Acht! – –
Vorlage S. 439
349
LELIO.
Vorlage S. 439
350
Madmoisell, – –
Vorlage S. 439
351
WUMSHÄTER
Vorlage S. 440
352
zur Laura.
Vorlage S. 440
353
Da, sieh einmal, wie verwirrt du ihn gemacht hast. Aber es ist ein Zeichen seines Verstandes; denn je verständiger ein Mann ist, desto weniger kann er sich aus euerm Gickelgackel und Wischiwaschi nehmen. – Kommen Sie nur, Lelio, wir wollen lieber im Garten ein wenig auf und niedergehen, als bei dem Weibsbilde länger bleiben. Folge uns ja nicht nach! Aber du, Valer, kannst mitkommen. Lelio macht der Laura eine Verbeugung. Ei, was soll das? Sie werden sich doch wohl kein Gewissen machen, ihr ohne Referenz den Rücken zuzukehren? Laura erwidert die Verbeugung. Und dir, Mädel, sag ich, lass die Knickse bleiben, oder – – Das verwünschte Pack! Wenn die Zunge müde ist, so verfolgt es einen noch mit Grimassen.
Vorlage S. 440
354
VALER.
Vorlage S. 440
355
Ich werde gleich nachkommen. Wumshäter und Lelio gehen ab.
Vorlage S. 440
356
Siebenter Auftritt
Vorlage S. 440
357
Valer. Laura.
Vorlage S. 440
358
VALER.
Vorlage S. 440
359
Nun, Schwester, sage mir einmal, was ich von dir denken soll?
Vorlage S. 440
360
LAURA.
Vorlage S. 440
361
Sage mir doch erst, was ich von deinem Lelio denken soll?
Vorlage S. 440
362
VALER.
Vorlage S. 440
363
Du bist wirklich entschlossen, mit mir zu reisen?
Vorlage S. 440
364
LAURA.
Vorlage S. 440
365
Wer es doch glaubte, dass Lelio kein Kompliment zu beantworten wisse! Ich kenn ihn besser. Wie viel schöne Sachen hat er mir nicht vorgesagt, wenn er mich dann und wann allein gefunden. Aber, Bruder, er soll mir sie gewiss nicht mehr allein sagen. Ich will ihn bald dazu bringen, dass er mir sie in deiner, und des Vaters Gegenwart, sagen soll. Dass er sich gegen diesen bisher verstellt, daran hat er sehr wohl getan. Er musste sich seiner Gewogenheit versichern. Aber nun, sollte ich meinen, könnte er die Maske schon nach und nach ein wenig aufheben.
Vorlage S. 440
366
VALER.
Vorlage S. 440
367
Ich erstaune! – –
Vorlage S. 440
368
LAURA.
Vorlage S. 441
369
Ich möchte doch wissen, worüber? Bin ich erstaunt, dass du seiner Schwester gefallen hast?
Vorlage S. 441
370
VALER.
Vorlage S. 441
371
Das heißt, ich soll so billig sein, und auch nicht darüber erstaunen, dass du ihrem Bruder gefallen hast. Aber Leander – –
Vorlage S. 441
372
LAURA.
Vorlage S. 441
373
Sage mir nur nichts von Leandern, ich bitte dich. Der sollte längst wissen, woran er wäre. Habe ich ihm nicht, seit einigen Tagen, alle seine Briefe unerbrochen wieder zurück geschickt?
Vorlage S. 441
374
VALER.
Vorlage S. 441
375
Aber nur seit einigen Tagen.
Vorlage S. 441
376
LAURA.
Vorlage S. 441
377
Spöttischer Bruder! – Könnte es dir denn aber unangenehm sein, wenn du mit der Familie des Lelio auf eine doppelte Art verbunden würdest?
Vorlage S. 441
378
VALER.
Vorlage S. 441
379
Ich wette wie viel, dass du dich nicht deutlicher erklären kannst!
Vorlage S. 441
380
LAURA.
Vorlage S. 441
381
Wette nicht; denn sieh, ob du nicht die Wette verloren hättest. – Ich weiß, woran ich mit dem Lelio bin. Er hat mir seine Liebe gestanden; mit mehr Lebhaftigkeit, mit mehr Zärtlichkeit, als es Leander jemals getan hat. Und weißt du denn nicht, wie wir Mädchen es machen? Wenn ich zu meinem Kaufmanne in das Gewölbe komme, ich versichre dich, ich kaufe niemals den Stoff, den ich zuerst behandelt habe. Und wollte der Kaufmann darüber verdrüßlich werden, so würde ich sagen: warum weisen Sie mir den nicht gleich zuerst, der mir am besten gefällt?
Vorlage S. 441
382
VALER.
Vorlage S. 441
383
Der Kaufmann wird darüber nicht verdrüßlich werden, denn er weiß aus der Erfahrung, dass, wenn ihr euch lange und viel besonnen habt, ihr endlich doch auf das Schlechteste fallt; auf eine Farbe, auf ein Muster, das längst nicht mehr Mode gewesen. Und eher merkt ihr auch euren Selbstbetrug nicht, als bis ihr den Einkauf zu Hause mit Muße besehen habt. Wie sehr wünscht ihr euch alsdenn das, was ihr zuerst behandelt hattet!
Vorlage S. 441
384
LAURA.
Vorlage S. 441
385
Du kannst ein Gleichnis vortrefflich ausführen. Willst du nicht so gut sein, und es nunmehr auch applizieren? Es liegt keine schlechte Anpreisung des Lelio darin. O, er soll es erfahren, wie sehr du ihm das Wort sprichst; er soll es heute noch erfahren. Lebe wohl, Bruder!
Vorlage S. 441
386
VALER.
Vorlage S. 442
387
Ein Wort im Ernst, Schwester.
Vorlage S. 442
388
LAURA.
Vorlage S. 442
389
Im Ernste? Bisher also hast du gescherzt? Ja, das lass ich gelten.
Vorlage S. 442
390
VALER.
Vorlage S. 442
391
Höre, ich sage dir mit trocknen Worten: Lelio kann unmöglich der Deinige werden; glaube mir, er kann es unmöglich werden; unmöglich!
Vorlage S. 442
392
LAURA.
Vorlage S. 442
393
Ha! ha! ha! Wenn ich nun nicht bald gehe, so wirst du mir vielleicht vertrauen, dass er schon verheiratet sei. Ha! ha! ha! Geht ab.
Vorlage S. 442
394
VALER.
Vorlage S. 442
395
Närrisches Mädchen! – Ich habe es wahrhaftig nicht wagen dürfen, ihr von dem Anschlage des Herrn Solbist etwas zu sagen. Sie würde ihm bei dem Vater zuvorkommen; und alsdenn wäre alles aus. Wir müssen ihr wider ihren Willen dienen, wenn sie uns am Ende danken soll. – Da ist sie ja schon wieder.
Vorlage S. 442
396
LAURA
Vorlage S. 442
397
kömmt ganz ernsthaft zurück.
Vorlage S. 442
398
Bruder –
Vorlage S. 442
399
VALER.
Vorlage S. 442
400
Nun, so ernsthaft?
Vorlage S. 442
401
LAURA.
Vorlage S. 442
402
Unmöglich, hast du gesagt? Erkläre mir doch diese Unmöglichkeit.
Vorlage S. 442
403
VALER.
Vorlage S. 442
404
Der Vater erwartet mich in dem Garten. Ich muss dir es also ganz kurz erklären. Unmöglich ist das, – was nicht möglich ist. Auf Wiedersehen, liebe Schwester. Geht ab.
Vorlage S. 442
405
LAURA.
Vorlage S. 442
406
So? Ich bedanke mich! – Geduld! ich muss sehen, wie ich den Lelio zu sprechen bekomme. Geht ab.
Vorlage S. 442
407
Ende des ersten Aufzuges.
Vorlage S. 442

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10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

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Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wie glücklich wär ich, wenn ich glauben dürfte, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Nun stelle dir einmal vor, was ein angehender […], wie ich dazumal war, für Kummer, Sorge und Plage hat, wenn er mit leeren Händen anfängt.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Entweder« in diesem Textausschnitt? »Entweder es ist so gewiss nicht, dass alle Frauenzimmer von gleicher Untreue sind; und in diesem Falle bin ich versichert, dass meine Hilaria mit unter der Ausnahme ist: oder es ist gewiss, dass eine getreue Frau nur ein Wesen der Einbildung ist, das niemals war, und niemals sein wird; und in diesem Falle muss ich so gut, als jedermann – –«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Was bedeutet »nimmermehr« in diesem Ausschnitt? »Denn dass ich einen ehrlichen rechtschaffnen Mann mit ihr betriegen sollte, das geschieht nimmermehr.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Und eben, weil ich dieses wusste, Herr Vater, habe ich Ihnen noch bis jetzt von ihrer Ankunft nichts sagen wollen.« B: »Man kann sichs unmöglich einbilden, wie eigensinnig, wie zänkisch –« C: »Kränke doch deinen alten Vater nicht so, der dich bis jetzt für den einzigen Trost seines Alters gehalten hat.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Das kann ich nicht wissen – In Parenthesi, mein Sohn, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »schließen wären; bedenken Sie einmal, sage ich, ob man bei seiner […] Schwester aus eben dem Äußerlichen, aus eben der Gesichtsbildung, aus eben den Mienen, aus eben den Augen, aus eben dem Gange, einen andern Schluss zu machen habe«

Eine Antwort ist richtig.

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9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Und eben, weil ich dieses wusste, Herr Vater, habe ich Ihnen noch bis jetzt von ihrer Ankunft nichts sagen wollen.«

Eine Antwort ist richtig.

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10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wette nicht; denn sieh, ob du nicht die Wette …«

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Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Wo finde ich nun den Schurken? Johann! – Johann! – Die verdammten Weiber! – Die Weiber haben mich zum Prozess gebracht, und der wird mich noch vor der Zeit ins Grab bringen. Wer weiß, weswegen Herr Solbist zu […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
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2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] es ja bloß zu deinem Besten. – – Glaubst du, dass ich mich aus den vielen Schulden hätte herausreißen können, wenn der Himmel nicht so gütig gewesen wäre, mir, nach Jahres Frist, die Ursache meines Verderbens zu nehmen? Sie starb, und sie […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Nu? ich glaube gar, du unterstehst dich, ehrlichen Leuten Schmeicheleien zu sagen? – Es tut mir leid, Herr Lelio, dass Sie das unbesonnene Ding schamrot machen soll.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Nur wusste ich nicht, wie ich meine Bitte am behutsamsten vorbringen sollte. Ich fürchtete, –«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] möglich, sagen sollen; ohne einen ernsthaft scheinenden Anschlag auf ihr Herz zu machen. Jetzt ist mein Vater ihr anzudeuten gegangen, dass sie mit uns reisen soll. Denken Sie an mich, das wird, mit dem Sprüchworte zu reden, Wasser auf ihre […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Ich, Valer? Sie irren sich. Erzählen Sie ihn nur, Herr Wumshäter; ich bitte. Ich weiß gewiss, ich werde vieles zu meiner Lehre […]« und »Beweisen Sie ihm ja lieber jenes, Herr Wumshäter, als dass Sie dieses leugnen sollten, denn Sie möchten sonst, vielleicht noch […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »So? Ich bedanke mich! – Geduld! ich muss sehen, wie ich den Lelio zu sprechen bekomme. Geht ab.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
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8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Wo finde ich nun den Schurken? Johann! – Johann! – Die verdammten Weiber! – Die Weiber haben mich zum Prozess […]« / »So? Ich bedanke mich! – Geduld! ich muss sehen, wie ich den Lelio zu sprechen bekomme. Geht ab.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Johann! – Johann! – Die verdammten Weiber! – Die Weiber haben mich zum Prozess gebracht, und der wird mich noch vor der Zeit ins Grab bringen.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Ich sehe, dass Sie zu ungeduldig sind, Valer –«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Ich bedanke mich! – Geduld! ich muss sehen, wie ich den Lelio zu sprechen bekomme.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Misogyn von Lessing, Gotthold Ephraim ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der Misogyn

Gotthold Ephraim Lessing: Werke. Herausgegeben von Herbert G. Göpfert in Zusammenarbeit mit Karl Eibl, Helmut Göbel, Karl S. Guthke, Gerd Hillen, Albert von Schirmding und Jörg Schönert, Band 1–8, München: Hanser, 1970 ff. Lessing, Gotthold Ephraim 424- München

Das Werk Der Misogyn von Lessing, Gotthold Ephraim ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.