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Buch - Der Freigeist - Lessing, Gotthold Ephraim

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Originalwerk · Lesefassung

Der Freigeist

Lessing, Gotthold Ephraim · 1749

Der Freigeist von Lessing, Gotthold Ephraim. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–137 Abschnitte
Porträt von Lessing, Gotthold Ephraim; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Lessing, Gotthold Ephraim · Anton Graff · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erster Auftritt
Vorlage S. 474
2
Adrast. Theophan.
Vorlage S. 474
3
THEOPHAN.
Vorlage S. 474
4
Werden Sie es übel nehmen, Adrast, wenn ich mich endlich über den stolzen Kaltsinn beklage, den Sie nicht aufhören gegen mich zu äußern? Schon seit Monaten sind wir in Einem Hause, und warten auf einerlei Glück. Zwei liebenswürdige Schwestern sollen es uns machen. Bedenken Sie doch, Adrast! können wir noch dringender eingeladen werden, uns zu lieben, und eine Freundschaft unter uns zu stiften, wie sie unter Brüdern sein sollte? Wie oft bin ich nicht darauf bestanden? – –
Vorlage S. 474
5
ADRAST.
Vorlage S. 474
6
Eben so oft haben Sie gesehen, dass ich mich nicht einlassen will. Freundschaft? Freundschaft unter uns? – – Wissen Sie, muss ich fragen, was Freundschaft ist?
Vorlage S. 474
7
THEOPHAN.
Vorlage S. 474
8
Ob ich es weiß?
Vorlage S. 474
9
ADRAST.
Vorlage S. 474
10
Alle Fragen bestürzen, deren wir nicht gewärtig sind. Gut, Sie wissen es. Aber meine Art zu denken, und die Ihrige, diese kennen Sie doch auch?
Vorlage S. 474
11
THEOPHAN.
Vorlage S. 474
12
Ich verstehe Sie. Also sollen wir wohl Feinde sein?
Vorlage S. 474
13
ADRAST.
Vorlage S. 474
14
Sie haben mich schön verstanden! Feinde? Ist denn kein Mittel? Muss denn der Mensch eines von beiden, hassen, oder lieben? Gleichgültig wollen wir einander bleiben. Und ich weiß, eigentlich wünschen Sie dieses selbst. Lernen Sie wenigstens nur die Aufrichtigkeit von mir.
Vorlage S. 474
15
THEOPHAN.
Vorlage S. 474
16
Ich bin bereit. Werden Sie mich aber diese Tugend in aller ihrer Lauterkeit lehren?
Vorlage S. 474
17
ADRAST.
Vorlage S. 474
18
Erst fragen Sie sich selbst, ob sie Ihnen in aller ihrer Lauterkeit gefallen würde?
Vorlage S. 474
19
THEOPHAN.
Vorlage S. 474
20
Gewiss. Und Ihnen zu zeigen, ob Ihr künftiger Schüler einige Fähigkeit dazu hat, wollen Sie mich wohl einen Versuch machen lassen?
Vorlage S. 474
21
ADRAST.
Vorlage S. 475
22
Recht gern.
Vorlage S. 475
23
THEOPHAN.
Vorlage S. 475
24
Wo nur mein Versuch nicht ein Meisterstück wird. Hören Sie also, Adrast – – Aber erlauben Sie mir, dass ich mit einer Schmeichelei gegen mich selbst anfange. Ich habe von je her einigen Wert auf meine Freundschaft gelegt; ich bin vorsichtig, ich bin karg damit gewesen. Sie sind der erste, dem ich sie angeboten habe; und Sie sind der einzige, dem ich sie aufdringen will. – – Umsonst sagt mir Ihr verächtlicher Blick, dass es mir nicht gelingen solle. Gewiss, es soll mir gelingen. Ihr eigen Herz ist mir Bürge; Ihr eigen Herz, Adrast, welches unendlich besser ist, als es Ihr Witz, der sich in gewisse groß scheinende Meinungen verliebt hat, vielleicht wünschet.
Vorlage S. 475
25
ADRAST.
Vorlage S. 475
26
Ich hasse die Lobsprüche, Theophan, und besonders die, welche meinem Herzen auf Unkosten meines Verstandes gegeben werden. Ich weiß eigentlich nicht, was das für Schwachheiten sein müssen, (Schwachheiten aber müssen es sein,) derentwegen Ihnen mein Herz so wohlgefällt; das aber weiß ich, dass ich nicht eher ruhen werde, als bis ich sie, durch Hülfe meines Verstandes, daraus verdrungen habe.
Vorlage S. 475
27
THEOPHAN.
Vorlage S. 475
28
Ich habe die Probe meiner Aufrichtigkeit kaum angefangen, und Ihre Empfindlichkeit ist schon rege. Ich werde nicht weit kommen.
Vorlage S. 475
29
ADRAST.
Vorlage S. 475
30
So weit als Sie wollen. Fahren Sie nur fort.
Vorlage S. 475
31
THEOPHAN.
Vorlage S. 475
32
Wirklich? – – Ihr Herz also ist das beste, das man finden kann. Es ist zu gut, Ihrem Geiste zu dienen, den das Neue, das Besondere geblendet hat, den ein Anschein von Gründlichkeit zu glänzenden Irrtümern dahinreißt, und der, aus Begierde bemerkt zu werden, Sie mit aller Gewalt zu etwas machen will, was nur Feinde der Tugend, was nur Bösewichter sein sollten. Nennen Sie es, wie Sie wollen: Freidenker, starker Geist, Deist; ja, wenn Sie ehrwürdige Benennungen missbrauchen wollen, nennen Sie es Philosoph: es ist ein Ungeheuer, es ist die Schande der Menschheit. Und Sie, Adrast, den die Natur zu einer Zierde derselben bestimmte, der nur seinen eignen Empfindungen folgen dürfte, um es zu sein; Sie, mit einer solchen Anlage zu allem was edel und groß ist, Sie entehren sich vorsätzlich. Sie stürzen sich mit Bedacht aus Ihrer Höhe herab, bei dem Pöbel der Geister einen Ruhm zu erlangen, für den ich lieber aller Welt Schande wählen wollte.
Vorlage S. 475
33
ADRAST.
Vorlage S. 476
34
Sie vergessen sich, Theophan, und wenn ich Sie nicht unterbreche, so glauben Sie endlich gar, dass Sie sich an dem Platze befinden, auf welchem Ihres gleichen ganze Stunden ungestört schwatzen dürfen.
Vorlage S. 476
35
THEOPHAN.
Vorlage S. 476
36
Nein, Adrast, Sie unterbrechen keinen überlästigen Prediger; besinnen Sie sich nur: Sie unterbrechen bloß einen Freund, – – wider Ihren Willen nenne ich mich so, – – der eine Probe seiner Freimütigkeit ablegen sollte.
Vorlage S. 476
37
ADRAST.
Vorlage S. 476
38
Und eine Probe seiner Schmeichelei abgeleget hat; – aber einer verdeckten Schmeichelei, einer Schmeichelei, die eine gewisse Bitterkeit annimmt, um destoweniger Schmeichelei zu scheinen. – – Sie werden machen, dass ich Sie endlich auch verachte. – – Wenn Sie die Freimütigkeit kennten, so würden Sie mir alles unter die Augen gesagt haben, was Sie in Ihrem Herzen von mir denken. Ihr Mund würde mir keine gute Seite geliehen haben, die mir Ihre innere Überzeugung nicht zugestehet. Sie würden mich gerade weg einen Ruchlosen gescholten haben, der sich der Religion nur deswegen zu entziehen suche, damit er seinen Lüsten desto sicherer nachhängen könne. Um sich pathetischer auszudrücken, würden Sie mich einen Höllenbrand, einen eingefleischten Teufel genannt haben. Sie würden keine Verwünschungen gespart, kurz, Sie würden sich so erwiesen haben, wie sich ein Theolog gegen die Verächter seines Aberglaubens, und also auch seines Ansehens, erweisen muss.
Vorlage S. 476
39
THEOPHAN.
Vorlage S. 476
40
Ich erstaune. Was für Begriffe!
Vorlage S. 476
41
ADRAST.
Vorlage S. 476
42
Begriffe, die ich von tausend Beispielen abgesondert habe. – – Doch wir kommen zu weit. Ich weiß, was ich weiß, und habe längst gelernt, die Larve von dem Gesichte zu unterscheiden. Es ist eine Karnevalserfahrung: Je schöner die erste, desto hässlicher das andere.
Vorlage S. 476
43
THEOPHAN.
Vorlage S. 477
44
Sie wollen damit sagen – –
Vorlage S. 477
45
ADRAST.
Vorlage S. 477
46
Ich will nichts damit sagen, als dass ich noch zu wenig Grund habe, die Allgemeinheit meines Urteils von den Gliedern Ihres Standes, um Ihret Willen einzuschränken. Ich habe mich nach den Ausnahmen zu lange vergebens umgesehen, als dass ich hoffen könnte, die erste an Ihnen zu finden. Ich müsste Sie länger, ich müsste Sie unter verschiedenen Umständen gekannt haben, wenn – –
Vorlage S. 477
47
THEOPHAN.
Vorlage S. 477
48
Wenn Sie meinem Gesichte die Gerechtigkeit widerfahren lassen sollten, es für keine Larve zu halten. Wohl! Aber wie können Sie kürzer dazu gelangen, als wenn Sie mich Ihres nähern Umganges würdigen? Machen Sie mich zu Ihrem Freunde, stellen Sie mich auf die Probe – –
Vorlage S. 477
49
ADRAST.
Vorlage S. 477
50
Sachte! die Probe käme zu spät, wenn ich Sie bereits zu meinem Freunde angenommen hätte. Ich habe geglaubt, sie müsse vorhergehen.
Vorlage S. 477
51
THEOPHAN.
Vorlage S. 477
52
Es gibt Grade in der Freundschaft, Adrast; und ich verlange den vertrautesten noch nicht.
Vorlage S. 477
53
ADRAST.
Vorlage S. 477
54
Kurz, auch zu dem niedrigsten können Sie nicht fähig sein.
Vorlage S. 477
55
THEOPHAN.
Vorlage S. 477
56
Ich kann nicht dazu fähig sein? Wo liegt die Unmöglichkeit?
Vorlage S. 477
57
ADRAST.
Vorlage S. 477
58
Kennen Sie, Theophan, wohl ein Buch, welches das Buch aller Bücher sein soll; welches alle unsere Pflichten enthalten, welches uns zu allen Tugenden die sichersten Vorschriften erteilen soll, und welches der Freundschaft gleichwohl mit keinem Worte gedenkt? Kennen Sie dieses Buch?
Vorlage S. 477
59
THEOPHAN.
Vorlage S. 477
60
Ich sehe Sie kommen, Adrast. Welchem Collin haben Sie diesen armseligen Einwurf abgeborgt?
Vorlage S. 477
61
ADRAST.
Vorlage S. 477
62
Abgeborgt, oder selbst erfunden: es ist gleich viel. Es muss ein kleiner Geist sein, der sich Wahrheiten zu borgen schämt.
Vorlage S. 477
63
THEOPHAN.
Vorlage S. 477
64
Wahrheiten! – – Sind Ihre übrigen Wahrheiten von gleicher Güte? Können Sie mich einen Augenblick anhören?
Vorlage S. 477
65
ADRAST.
Vorlage S. 477
66
Wieder predigen?
Vorlage S. 477
67
THEOPHAN.
Vorlage S. 478
68
Zwingen Sie mich nicht darzu? Oder wollen Sie, dass man Ihre seichten Spöttereien unbeantwortet lassen soll, damit es scheine, als könne man nicht darauf antworten?
Vorlage S. 478
69
ADRAST.
Vorlage S. 478
70
Und was können Sie denn darauf antworten?
Vorlage S. 478
71
THEOPHAN.
Vorlage S. 478
72
Dieses. Sagen Sie mir, ist die Liebe unter der Freundschaft, oder die Freundschaft unter der Liebe begriffen? Notwendig das letztere. Derjenige also, der die Liebe in ihrem allerweitesten Umfange gebietet, gebietet der nicht auch die Freundschaft? Ich sollte es glauben; und es ist so wenig wahr, dass unser Gesetzgeber die Freundschaft seines Gebotes nicht würdig geschätzt habe, dass er vielmehr seine Lehre zu einer Freundschaft gegen die ganze Welt gemacht hat.
Vorlage S. 478
73
ADRAST.
Vorlage S. 478
74
Sie bürden ihm Ungereimtheiten auf. Freundschaft gegen die ganze Welt? Was ist das? Mein Freund muss kein Freund der ganzen Welt sein.
Vorlage S. 478
75
THEOPHAN.
Vorlage S. 478
76
Und also ist Ihnen wohl nichts Freundschaft, als jene Übereinstimmung der Temperamente, jene angeborne Harmonie der Gemüter, jener heimliche Zug gegen einander, jene unsichtbare Kette, die zwei einerlei denkende, einerlei wollende Seelen verknüpfet?
Vorlage S. 478
77
ADRAST.
Vorlage S. 478
78
Ja, nur dieses ist mir Freundschaft.
Vorlage S. 478
79
THEOPHAN.
Vorlage S. 478
80
Nur dieses? Sie widersprechen sich also selbst.
Vorlage S. 478
81
ADRAST.
Vorlage S. 478
82
O! dass Ihr Leute doch überall Widersprüche findet, außer nur da nicht, wo sie wirklich sind!
Vorlage S. 478
83
THEOPHAN.
Vorlage S. 478
84
Überlegen Sie es. Wenn diese, ohne Zweifel nicht willkürliche, Übereinstimmung der Seelen, diese in uns liegende Harmonie mit einem andern einzelnen Wesen allein die wahre Freundschaft ausmacht: wie können Sie verlangen, dass sie der Gegenstand eines Gesetzes sein soll? Wo sie ist, darf sie nicht geboten werden; und wo sie nicht ist, da wird sie umsonst geboten. Und wie können Sie es unserm Lehrer zur Last legen, dass er die Freundschaft in diesem Verstande übergangen hat? Er hat uns eine edlere Freundschaft befohlen, welche jenes blinden Hanges, den auch die unvernünftigen Tiere nicht missen, entbehren kann: eine Freundschaft, die sich nach erkannten Vollkommenheiten mitteilet; welche sich nicht von der Natur lenken lässt, sondern welche die Natur selbst lenket.
Vorlage S. 478
85
ADRAST.
Vorlage S. 479
86
O Geschwätze!
Vorlage S. 479
Porträt von Lessing, Gotthold Ephraim; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Lessing, Gotthold Ephraim · Anton Graff · Public domain Bildquelle ↗
87
THEOPHAN.
Vorlage S. 479
88
Ich muss Ihnen dieses sagen, Adrast, ob Sie es gleich eben so wohl wissen könnten, als ich; und auch wissen sollten. Was würden Sie selbst von mir denken, wenn ich den Verdacht nicht mit aller Gewalt von mir abzulenken suchte, als mache mich die Religion zu einem Verächter der Freundschaft, die Religion, die Sie nur allzugern aus einem wichtigen Grunde verachten möchten? – – Sehen Sie mich nicht so geringschätzig an; wenden Sie sich nicht auf eine so beleidigende Art von mir – –
Vorlage S. 479
89
ADRAST
Vorlage S. 479
90
bei Seite.
Vorlage S. 479
91
Das Pfaffengeschmeiß! – –
Vorlage S. 479
92
THEOPHAN.
Vorlage S. 479
93
Ich sehe. Sie gebrauchen Zeit, den ersten Widerwillen zu unterdrücken, den eine widerlegte Lieblingsmeinung natürlicher Weise erregt. – Ich will Sie verlassen. Ich erfuhr itzt ohnedem, dass einer von meinen Anverwandten mit der Post angelangt sei. Ich gehe ihm entgegen, und werde die Ehre haben Ihnen denselben vorzustellen.
Vorlage S. 479
94
Zweiter Auftritt
Vorlage S. 479
95
ADRAST.
Vorlage S. 479
96
– – Dass ich ihn nimmermehr wiedersehen dürfte! Welcher von euch Schwarzröcken wäre auch kein Heuchler? – – Priestern habe ich mein Unglück zu danken. Sie haben mich gedrückt, verfolgt, so nahe sie auch das Blut mit mir verbunden hatte. Hassen will ich dich, Theophan, und alle deines Ordens! Muss ich denn auch hier in die Verwandtschaft der Geistlichkeit geraten? – – Er, dieser Schleicher, dieser blöde Verleugner seines Verstandes, soll mein Schwager werden? – – Und mein Schwager durch Julianen? – Durch Julianen? – Welch grausames Geschick verfolgt mich doch überall! Ein alter Freund meines verstorbenen Vaters trägt mir eine von seinen Töchtern an. Ich eile herbei, und muss zu spät kommen, und muss die, welche auf den ersten Anblick mein ganzes Herz hatte, die, mit der ich allein glücklich leben konnte, schon versprochen finden. Ach Juliane! So wärest du mir nicht bestimmt? du, die ich liebe? Und so soll ich mich mit einer Schwester begnügen, die ich nicht liebe? – –
Vorlage S. 479
97
Dritter Auftritt
Vorlage S. 480
98
Lisidor. Adrast.
Vorlage S. 480
99
LISIDOR.
Vorlage S. 480
100
Da haben wirs! Schon wieder allein, Adrast? Sagen Sie mir, müssen die Philosophen so zu Winkel kriechen? Ich wollte doch lieber sonst was sein – – Und, wenn ich recht gehört habe, so sprachen Sie ja wohl gar mit sich selber? Nu, nu! es ist schon wahr: ihr Herren Grillenfänger könnt freilich mit niemand Klügerm reden, als mit euch selber. Aber gleichwohl ist unser einer auch kein Katzenkopf. Ich schwatze eins mit, es mag sein, von was es will.
Vorlage S. 480
101
ADRAST.
Vorlage S. 480
102
Verzeihen Sie – –
Vorlage S. 480
103
LISIDOR.
Vorlage S. 480
104
Je, mit Seinem Verzeihen! Er hat mir ja noch nichts zuwider getan – – Ich habe gern, wenn die Leute lustig sind. Und ich will kein ehrlicher Mann sein, wenn ich mir nicht eine rechte Freude darauf eingebildet habe, den Wildfang, wie sie Ihn sonst zu Hause nannten, zu meinem Schwiegersohne zu haben. Freilich ist Er seit dem groß gewachsen; Er ist auf Reisen gewesen; Er hat Land und Leute gesehen. Aber, dass Er so gar sehr verändert würde wiedergekommen sein, das hätte ich mir nicht träumen lassen. Da geht Er nun, und spintisiert von dem, was ist – – und was nicht ist, – – von dem, was sein könnte, und wenn es sein könnte, warum es wieder nicht sein könnte; – – von der Notwendigkeit, der halben und ganzen, der notwendigen Notwendigkeit, und der nicht notwendigen Notwendigkeit; – – von den A – A – – wie heißen die kleinen Dingerchen, die so in den Sonnenstrahlen herum fliegen? – – von den A – A – – Sage doch, Adrast – –
Vorlage S. 480
105
ADRAST.
Vorlage S. 481
106
Von den Atomis, wollen Sie sagen.
Vorlage S. 481
107
LISIDOR.
Vorlage S. 481
108
Ja, ja, von den Atomis, von den Atomis. So heißen sie, weil man ihrer ein ganz Tausend mit Einem Atem hinunter schlucken kann.
Vorlage S. 481
109
ADRAST.
Vorlage S. 481
110
Ha! ha! ha!
Vorlage S. 481
111
LISIDOR.
Vorlage S. 481
112
Er lacht, Adrast? Ja, mein gutes Bürschchen, du musst nicht glauben, dass ich von den Sachen ganz und gar nichts verstehe. Ich habe euch, Ihn und den Theophan, ja oft genug darüber zanken hören. Ich behalte mir das Beste. Wenn ihr euch in den Haaren liegt, so fische ich im trüben. Da fällt manche Brocke ab, die keiner von euch brauchen kann, und die ist für mich. Ihr dürft deswegen nicht neidisch auf mich sein; denn ich bereichere mich nicht von einem allein. Das nehme ich von dir, mein lieber Adrast; und das vom Theophan; und aus allen dem mache ich mir hernach ein Ganzes – –
Vorlage S. 481
113
ADRAST.
Vorlage S. 481
114
Das vortrefflich ungeheuer sein muss.
Vorlage S. 481
115
LISIDOR.
Vorlage S. 481
116
Wie so?
Vorlage S. 481
117
ADRAST.
Vorlage S. 481
118
Sie verbinden Tag und Nacht, wenn Sie meine mit Theophans Gedanken verbinden.
Vorlage S. 481
119
LISIDOR.
Vorlage S. 481
120
Je nu! so wird eine angenehme Dämmerung daraus. – – Und überhaupt ist es nicht einmal wahr, dass ihr so sehr von einander unterschieden wäret. Einbildungen! Einbildungen! Wie vielmal habe ich nicht allen beiden zugleich Recht gegeben? Ich bin es nur allzuwohl überzeugt, dass alle ehrliche Leute einerlei glauben.
Vorlage S. 481
121
ADRAST.
Vorlage S. 481
122
Sollten! sollten! das ist wahr.
Vorlage S. 481
123
LISIDOR.
Vorlage S. 481
124
Nun da sehe man! was ist nun das wieder für ein Unterscheid? Glauben, oder glauben sollen: es kömmt auf eines heraus. Wer kann alle Worte so abzirkeln? – – Und ich wette was, wenn ihr nur erst werdet Schwäger sein, kein Ei wird dem andern ähnlicher sein können. – –
Vorlage S. 481
125
ADRAST.
Vorlage S. 481
126
Als ich dem Theophan, und er mir?
Vorlage S. 481
127
LISIDOR.
Vorlage S. 481
128
Gewiss. Noch wisst ihr nicht, was das heißt, mit einander verwandt sein. Der Verwandtschaft wegen wird der einen Daumen breit, und der einen Daumen breit nachgeben. Und einen Daumen breit, und wieder einen Daumen breit, das macht zwei Daumen breit; und zwei Daumen breit – – ich bin ein Schelm, wenn ihr die auseinander seid. – Nichts aber könnte mich in der Welt wohl so vergnügen, als dass meine Töchter so vortrefflich für euch passen. Die Juliane ist eine geborne Priesterfrau; und Henriette – – in ganz Deutschland muss kein Mädchen zu finden sein, das sich für Ihn, Adrast, besser schickte. Hübsch, munter, fix; sie singt, sie tanzt, sie spielt; kurz, sie ist meine leibhafte Tochter. Juliane dargegen ist die liebe, heilige Einfalt.
Vorlage S. 481
129
ADRAST.
Vorlage S. 482
130
Juliane? Sagen Sie das nicht. Ihre Vollkommenheiten fallen vielleicht nur weniger in die Augen. Ihre Schönheit blendet nicht; aber sie geht ans Herz. Man lässt sich gern von ihren stillen Reizen fesseln, und man biegt sich mit Bedacht in ihr Joch, das uns andere in einer fröhlichen Unbesonnenheit überwerfen müssen. Sie redet wenig; aber auch ihr geringstes Wort hat Vernunft.
Vorlage S. 482
131
LISIDOR.
Vorlage S. 482
132
Und Henriette?
Vorlage S. 482
133
ADRAST.
Vorlage S. 482
134
Es ist wahr: Henriette weiß sich frei und witzig auszudrücken. Würde es aber Juliane nicht auch können, wenn sie nur wollte, und wenn sie nicht Wahrheit und Empfindung jenem prahlenden Schimmer vorzöge? Alle Tugenden scheinen sich in ihrer Seele verbunden zu haben – –
Vorlage S. 482
135
LISIDOR.
Vorlage S. 482
136
Und Henriette?
Vorlage S. 482
137
ADRAST.
Vorlage S. 482
138
Es sei ferne, dass ich Henrietten irgend eine Tugend absprechen sollte. Aber es gibt ein gewisses Äußeres, welches sie schwerlich vermuten ließe, wenn man nicht andre Gründe für sie hätte. Julianens gesetzte Anmut, ihre ungezwungene Bescheidenheit, ihre ruhige Freude, ihre – –
Vorlage S. 482
139
LISIDOR.
Vorlage S. 482
140
Und Henriettens?
Vorlage S. 482
141
ADRAST.
Vorlage S. 482
142
Henriettens wilde Annehmlichkeiten, ihre wohl lassende Dreustigkeit, ihre fröhlichen Entzückungen stechen mit den gründlichen Eigenschaften ihrer Schwester vortrefflich ab. Aber Juliane gewinnt dabei – –
Vorlage S. 482
143
LISIDOR.
Vorlage S. 482
144
Und Henriette?
Vorlage S. 482
145
ADRAST.
Vorlage S. 482
146
Verlieret dabei nichts. Nur dass Juliane – –
Vorlage S. 482
147
LISIDOR.
Vorlage S. 482
148
Ho! ho! Herr Adrast, ich will doch nicht hoffen, dass Sie auch an der Narrheit krank liegen, welche die Leute nur das für gut und schön erkennen lässt, was sie nicht bekommen können. Wer Henker hat Sie denn gedungen, Julianen zu loben?
Vorlage S. 482
149
ADRAST.
Vorlage S. 483
150
Fallen Sie auf nichts Widriges. Ich habe bloß zeigen wollen, dass mich die Liebe für meine Henriette gegen die Vorzüge ihrer Schwester nicht blind mache.
Vorlage S. 483
151
LISIDOR.
Vorlage S. 483
152
Nu, nu! wenn das ist, so mag es hingehen. Sie ist auch gewiss ein gutes Kind, die Juliane. Sie ist der Augapfel ihrer Großmutter. Und das gute, alte Weib hat tausendmal gesagt, die Freude über ihr Julchen erhielte sie noch am Leben.
Vorlage S. 483
153
ADRAST.
Vorlage S. 483
154
Ach!
Vorlage S. 483
155
LISIDOR.
Vorlage S. 483
156
Das war ja gar geseufzt. Was Geier ficht Ihn an? Pfui! Ein junger gesunder Mann, der alle Viertelstunden eine Frau nehmen will, wird seufzen? Spare Er Sein Seufzen, bis Er die Frau hat.
Vorlage S. 483
157
Vierter Auftritt
Vorlage S. 483
158
Johann. Adrast. Lisidor.
Vorlage S. 483
159
JOHANN.
Vorlage S. 483
160
Pst! Pst!
Vorlage S. 483
161
LISIDOR.
Vorlage S. 483
162
Nu? Nu?
Vorlage S. 483
163
JOHANN.
Vorlage S. 483
164
Pst! Pst?
Vorlage S. 483
165
ADRAST.
Vorlage S. 483
166
Was gibts?
Vorlage S. 483
167
JOHANN.
Vorlage S. 483
168
Pst! Pst!
Vorlage S. 483
169
LISIDOR.
Vorlage S. 483
170
Pst! Pst! Mosjeu Johann. Kann der Schurke nicht näher kommen?
Vorlage S. 483
171
JOHANN.
Vorlage S. 483
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
172
Pst, Herr Adrast! Ein Wort im Vertrauen.
Vorlage S. 483
173
ADRAST.
Vorlage S. 483
174
So komm her!
Vorlage S. 483
175
JOHANN.
Vorlage S. 483
176
Im Vertrauen, Herr Adrast.
Vorlage S. 483
177
LISIDOR
Vorlage S. 483
178
welcher auf ihn zu geht.
Vorlage S. 483
179
Nun? was willst du?
Vorlage S. 483
180
JOHANN
Vorlage S. 483
181
geht auf die andere Seite.
Vorlage S. 483
182
Pst! Herr Adrast, nur ein Wörtchen, ganz im Vertrauen!
Vorlage S. 483
183
ADRAST.
Vorlage S. 483
184
So pack dich her, und rede.
Vorlage S. 483
185
LISIDOR.
Vorlage S. 483
186
Rede! rede! Was kann der Schwiegersohn haben, das der Schwiegervater nicht hören dürfte?
Vorlage S. 483
187
JOHANN.
Vorlage S. 484
188
Herr Adrast! Zieht ihn an dem Ärmel bei Seite.
Vorlage S. 484
189
LISIDOR.
Vorlage S. 484
190
Du Spitzbube, willst mich mit aller Gewalt vom Platze haben. Rede nur, rede! ich gehe schon.
Vorlage S. 484
191
JOHANN.
Vorlage S. 484
192
O! Sie sind gar zu höflich. Wenn Sie einen kleinen Augenblick dort in die Ecke treten wollen: so können Sie immer da bleiben.
Vorlage S. 484
193
ADRAST.
Vorlage S. 484
194
Bleiben Sie doch! ich bitte.
Vorlage S. 484
195
LISIDOR.
Vorlage S. 484
196
Nu! wenn ihr meint – – Indem er auf sie zu kömmt.
Vorlage S. 484
197
ADRAST.
Vorlage S. 484
198
Nun sage, was willst du?
Vorlage S. 484
199
JOHANN
Vorlage S. 484
200
welcher sieht, daß ihm Lisidor wieder nahe steht.
Vorlage S. 484
201
Nichts.
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202
ADRAST.
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203
Nichts?
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204
JOHANN.
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205
Nichts, gar nichts.
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206
LISIDOR.
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207
Das Wörtchen im Vertrauen, hast du es schon wieder vergessen?
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208
JOHANN.
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209
Potz Stern! sind Sie da? Ich denke, Sie stehen dort im Winkel.
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210
LISIDOR.
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211
Narre, der Winkel ist näher gerückt.
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212
JOHANN.
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213
Daran hat er sehr unrecht getan.
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214
ADRAST.
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215
Halte mich nicht länger auf, und rede.
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216
JOHANN.
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217
Herr Lisidor, mein Herr wird böse.
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218
ADRAST.
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219
Ich habe vor ihm nichts Geheimes: rede!
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220
JOHANN.
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221
So habe ich auch nichts für Sie.
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222
LISIDOR.
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223
Galgendieb, ich muss dir nur deinen Willen tun. – – Ich gehe auf meine Stube, Adrast: wenn Sie zu mir kommen wollen –
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224
ADRAST.
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225
Ich werde Ihnen gleich folgen.
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226
Fünfter Auftritt
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227
Johann. Adrast.
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228
JOHANN.
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229
Ist er fort?
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230
ADRAST.
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231
Was hast du mir denn zu sagen? Ich wette, es ist eine Kleinigkeit; und der Alte wird sich einbilden, dass es Halssachen sind.
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232
JOHANN.
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233
Eine Kleinigkeit? – – Mit einem Worte, Herr Adrast, wir sind verloren. Und Sie konnten verlangen, dass ich es in Gegenwart des Lisidors sagen sollte?
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234
ADRAST.
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235
Verloren? Und wie denn? Erkläre dich.
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236
JOHANN.
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237
Was ist da zu erklären? Kurz, wir sind verloren. – – Aber so unvorsichtig hätte ich mir Sie doch nimmermehr eingebildet, dass Sie es sogar Ihren künftigen Schwiegervater wollten hören lassen – –
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238
ADRAST.
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239
So lass mich es nur hören – –
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240
JOHANN.
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241
Wahrhaftig, er hätte die Lust auf einmal verlieren können, es jemals zu werden. – – So ein Streich!
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242
ADRAST.
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243
Nun? was denn für ein Streich? Wie lange wirst du mich noch martern?
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244
JOHANN.
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245
Ein ganz verdammter Streich. – – Ja, ja! wenn der Bediente nicht oft behutsamer wäre, als der Herr: es würden artige Dinge herauskommen.
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246
ADRAST.
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247
Nichtswürdiger Schlingel – –
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248
JOHANN.
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249
Ho, ho! ist das mein Dank? Wenn ich es doch nur gesagt hätte, wie der Alte da war. Wir hätten wollen sehen! wir hätten wollen sehen –
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250
ADRAST.
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251
Dass dich dieser und jener – –
Vorlage S. 485
252
JOHANN.
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253
Ha, ha! nach dem Diesen und Jenen wird nicht mehr gefragt. Ich weiß doch wohl, dass Sie den Teufel meinen, und dass keiner ist. Ich müsste wenig von Ihnen gelernt haben, wenn ich nicht der ganzen Hölle ein Schnippchen schlagen wollte.
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254
ADRAST.
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255
Ich glaube, du spielst den Freigeist? Ein ehrlicher Mann möchte einen Ekel davor bekommen, wenn er sieht, dass es ein jeder Lumpenhund sein will. – – Aber ich verbiete dir nunmehr, mir ein Wort zu sagen. Ich weiß doch, dass es nichts ist.
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256
JOHANN.
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Albert Anker – Die Dorfschule von 1848, gemalt 1896. Historisches Vergleichsbild für Schule und Bildung, keine Illustration der Buchfiguren.
Kontextbild zum Werk. Die Dorfschule von 1848 · Albert Anker · Public domain Bildquelle ↗
257
Ich sollte es Ihnen nicht sagen? Ich sollte Sie so in Ihr Unglück rennen lassen? Das wollen wir sehen.
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258
ADRAST.
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259
Gehe mir aus den Augen!
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260
JOHANN.
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261
Nur Geduld! – – Sie erinnern sich doch wohl so ohngefähr, wie Sie Ihre Sachen zu Hause gelassen haben?
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262
ADRAST.
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263
Ich mag nichts wissen.
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264
JOHANN.
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265
Ich sage Ihnen ja auch noch nichts. – – Sie erinnern sich doch wohl auch der Wechsel, die Sie an den Herrn Araspe vor Jahr und Tag ausstellten?
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266
ADRAST.
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267
Schweig, ich mag nichts davon hören.
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268
JOHANN.
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269
Ohne Zweifel, weil Sie sie vergessen wollen? Wenn sie nur dadurch bezahlt würden. – – Aber wissen Sie denn auch, dass sie verfallen sind?
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270
ADRAST.
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271
Ich weiß, dass du dich nicht darum zu bekümmern hast.
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272
JOHANN.
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273
Auch das verbeiße ich. – Sie denken freilich: weit davon, ist gut für den Schuss; und Herr Araspe hat eben nicht nötig, so sehr dahinter her zu sein. Aber, was meinen Sie, wenn ich den Herrn Araspe – –
Vorlage S. 486
274
ADRAST.
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275
Nun was?
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276
JOHANN.
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277
Jetzt den Augenblick vom Postwagen hätte steigen sehen?
Vorlage S. 486
278
ADRAST.
Vorlage S. 486
279
Was sagst du? Ich erstaune – –
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280
JOHANN.
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281
Das tat ich auch, als ich ihn sah.
Vorlage S. 486
282
ADRAST.
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283
Du, Araspen gesehen? Araspen hier?
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284
JOHANN.
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285
Mein Herr, ich habe mich auf den Fuß gesetzt, dass ich Ihre und meine Schuldner gleich auf den ersten Blick erkenne; ja ich rieche sie schon, wenn sie auch noch hundert Schritt von mir sind.
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286
ADRAST
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287
nachdem er nachgedacht.
Vorlage S. 486
288
Ich bin verloren!
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289
JOHANN.
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290
Das war ja mein erstes Wort.
Vorlage S. 486
291
ADRAST.
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292
Was ist anzufangen?
Vorlage S. 486
293
JOHANN.
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294
Das beste wird sein: wir packen auf, und ziehen weiter.
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295
ADRAST.
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296
Das ist unmöglich.
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297
JOHANN.
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298
Nun so machen Sie sich gefasst zu bezahlen.
Vorlage S. 486
299
ADRAST.
Vorlage S. 486
300
Das kann ich nicht; die Summe ist zu groß.
Vorlage S. 486
301
JOHANN.
Vorlage S. 486
302
O! ich sagte auch nur so. – – Sie sinnen?
Vorlage S. 486
303
ADRAST.
Vorlage S. 486
304
Doch wer weiß auch, ob er ausdrücklich meinetwegen hergekommen ist. Er kann andre Geschäfte haben.
Vorlage S. 486
305
JOHANN.
Vorlage S. 486
306
Je nu! so wird er das Geschäfte mit Ihnen so beiher treiben. Wir sind doch immer geklatscht.
Vorlage S. 486
307
ADRAST.
Vorlage S. 486
308
Du hast Recht. – – Ich möchte rasend werden, wenn ich an alle die Streiche gedenke, die mir ein ungerechtes Schicksal zu spielen nicht aufhört. – Doch wider wen murre ich? Wider ein taubes Ohngefähr? Wider einen blinden Zufall, der uns ohne Absicht und ohne Vorsatz schwer fällt? Ha! nichtswürdiges Leben! –
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309
JOHANN.
Vorlage S. 487
310
O! lassen Sie mir das Leben ungeschimpft. So einer Kleinigkeit wegen sich mit ihm zu überwerfen, das wäre was Gescheutes!
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311
ADRAST.
Vorlage S. 487
312
So rate mir doch, wenn du es für eine Kleinigkeit ansiehst.
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313
JOHANN.
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314
Fällt Ihnen im Ernste kein Mittel ein? – – Bald werde ich Sie gar nicht mehr für den großen Geist halten, für den ich Sie doch immer gehalten habe. Fortgehen wollen Sie nicht; bezahlen können Sie nicht: was ist denn noch übrig?
Vorlage S. 487
315
ADRAST.
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316
Mich ausklagen zu lassen.
Vorlage S. 487
317
JOHANN.
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318
O pfui! Worauf ich gleich zuerst fallen würde, wenn ich auch bezahlen könnte – –
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319
ADRAST.
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320
Und was ist denn das?
Vorlage S. 487
321
JOHANN.
Vorlage S. 487
322
Schwören Sie den Bettel ab.
Vorlage S. 487
323
ADRAST
Vorlage S. 487
324
mit einer bittern Verachtung.
Vorlage S. 487
325
Schurke!
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326
JOHANN.
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327
Wie? Was bin ich? So einen brüderlichen Rat – –
Vorlage S. 487
328
ADRAST.
Vorlage S. 487
329
Ja wohl ein brüderlicher Rat, den du nur deinen Brüdern, Leuten deines gleichen, geben solltest.
Vorlage S. 487
330
JOHANN.
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331
Sind Sie Adrast? Ich habe Sie wohl niemals über das Schwören spotten hören?
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332
ADRAST.
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333
Über das Schwören, als Schwören, nicht aber als eine bloße Beteurung seines Wortes. Diese muss einem ehrlichen Manne heilig sein, und wenn auch weder Gott noch Strafe ist. Ich würde mich ewig schämen, meine Unterschrift geleugnet zu haben, und ohne Verachtung meiner selbst, nie mehr meinen Namen schreiben können.
Vorlage S. 487
334
JOHANN.
Vorlage S. 487
335
Aberglauben über Aberglauben. Zu einer Türe haben Sie ihn herausgejagt, und zu der andern lassen Sie ihn wieder herein.
Vorlage S. 487
336
ADRAST.
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337
Schweig! ich mag dein lästerliches Geschwätze nicht anhören. Ich will Araspen aufsuchen. Ich will ihm Vorstellungen tun; ich will ihm von meiner Heirat sagen; ich will ihm Zinsen über Zinsen versprechen. – – Ich treffe ihn doch wohl noch in dem Posthause?
Vorlage S. 487
338
JOHANN.
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339
Vielleicht. – – Da geht er, der barmherzige Schlucker. Das Maul ist groß genug an ihm; aber wenn es dazu kömmt, dass er das, was er glaubt, mit Taten beweisen soll, da zittert das alte Weib! Wohl dem, der nach seiner Überzeugung auch leben kann! So hat er doch noch etwas davon. Ich sollte an seiner Stelle sein. – – Doch ich muss nur sehen, wo er bleibt.
Vorlage S. 488
340
Ende des ersten Aufzugs.
Vorlage S. 488

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Hören Sie also, Adrast – – Aber erlauben Sie mir, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ihr Mund würde mir keine gute Seite geliehen haben, die mir Ihre innere […] nicht zugestehet.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »So heißen sie, weil man ihrer ein ganz Tausend mit Einem Atem hinunter schlucken kann.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Er hat mir ja noch nichts zuwider getan – – Ich habe gern, wenn die Leute lustig sind.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Eine Kleinigkeit? – – Mit einem Worte, Herr Adrast, wir sind verloren.« B: »Ich wollte doch lieber sonst was sein – – Und, wenn ich recht gehört habe, so sprachen Sie ja wohl gar mit sich selber?« C: »Und Ihnen zu zeigen, ob Ihr künftiger Schüler einige Fähigkeit dazu hat, wollen Sie mich wohl einen Versuch machen lassen?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Julianens gesetzte Anmut, ihre ungezwungene …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Ohne Zweifel, weil Sie sie vergessen wollen?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Fortgehen wollen Sie nicht; bezahlen können …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Werden Sie es übel nehmen, Adrast, wenn ich mich endlich über den stolzen Kaltsinn beklage, den Sie nicht aufhören gegen mich zu äußern? Schon seit Monaten sind wir in Einem Hause, und warten auf einerlei […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Mein Herr, ich habe mich auf den Fuß gesetzt, dass ich Ihre und meine Schuldner gleich auf den ersten Blick erkenne; ja ich rieche sie schon, wenn sie auch noch hundert Schritt von mir sind.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] aber Juliane nicht auch können, wenn sie nur wollte, und wenn sie nicht Wahrheit und Empfindung jenem prahlenden Schimmer vorzöge? Alle Tugenden scheinen sich in ihrer Seele verbunden zu haben – –«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] es dazu kömmt, dass er das, was er glaubt, mit Taten beweisen soll, da zittert das alte Weib! Wohl dem, der nach seiner Überzeugung auch leben kann! So hat er doch noch etwas davon. Ich sollte an seiner Stelle sein. – – Doch ich muss nur […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Dieses. Sagen Sie mir, ist die Liebe unter der Freundschaft, oder die Freundschaft unter der Liebe begriffen? Notwendig das letztere. Derjenige also, der die Liebe in ihrem allerweitesten Umfange gebietet, gebietet der nicht auch die […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »O! dass Ihr Leute doch überall Widersprüche findet, außer nur da nicht, wo sie wirklich sind!« und »Was hast du mir denn zu sagen? Ich wette, es ist eine Kleinigkeit; und der Alte wird sich einbilden, dass es Halssachen sind.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Vielleicht. – – Da geht er, der barmherzige Schlucker. Das Maul ist groß genug an ihm; aber wenn es dazu kömmt, dass er das, was er glaubt, mit Taten beweisen soll, da zittert das alte Weib! Wohl dem, der nach […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Werden Sie es übel nehmen, Adrast, wenn ich mich endlich über den stolzen Kaltsinn beklage, den Sie nicht […]« / »Vielleicht. – – Da geht er, der barmherzige Schlucker. Das Maul ist groß genug an ihm; aber wenn es dazu […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Werden Sie es übel nehmen, Adrast, wenn ich mich endlich über den stolzen Kaltsinn beklage, den Sie nicht aufhören gegen mich zu äußern?«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Wenn ihr euch in den Haaren liegt, so fische ich im trüben.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Ich sollte an seiner Stelle sein. – – Doch ich muss nur sehen, wo er bleibt.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Freigeist von Lessing, Gotthold Ephraim ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der Freigeist

Gotthold Ephraim Lessing: Werke. Herausgegeben von Herbert G. Göpfert in Zusammenarbeit mit Karl Eibl, Helmut Göbel, Karl S. Guthke, Gerd Hillen, Albert von Schirmding und Jörg Schönert, Band 1–8, München: Hanser, 1970 ff. Lessing, Gotthold Ephraim 474- München

Das Werk Der Freigeist von Lessing, Gotthold Ephraim ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.