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Buch - Ariadne auf Naxos - Hofmannsthal, Hugo von

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Originalwerk · Lesefassung

Ariadne auf Naxos

Hofmannsthal, Hugo von · 1874–1929

Ariadne auf Naxos von Hofmannsthal, Hugo von. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

LibrettoKlasse 11–134 Abschnitte
Porträt von Hofmannsthal, Hugo von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Hofmannsthal, Hugo von · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 4

Vorspiel

1
Vorspiel
2
Ein tiefer, kaum möblierter und dürftig erleuchteter Raum im Hause eines großen Herrn. Links und rechts je zwei Türen. In der Mitte ein runder Tisch. Im Hintergrund sieht man Zurichtungen zu einem Haustheater. Tapezierer und Arbeiter haben einen Prospekt aufgerichtet, dessen Rückseite sichtbar ist. Zwischen diesem Teil der Bühne und dem vorderen Raum läuft ein offener Gang querüber.
3
Haushofmeister tritt auf.
4
MUSIKLEHRER
5
ihm entgegen.
6
Mein Herr Haushofmeister! Sie suche ich im ganzen Hause –
7
HAUSHOFMEISTER.
8
Womit kann ich dienen? Muss allerdings bemerken, dass ich pressiert bin. Die Vorbereitungen zur heutigen großen Assemblée im Hause des reichsten Mannes von Wien – wie ich meinen gnädigen Herrn wohl betiteln darf –
9
MUSIKLEHRER.
10
Ein Wort nur! Ich höre soeben, was ich allerdings nicht begreifen kann –
11
HAUSHOFMEISTER.
12
Und das wäre?
13
MUSIKLEHRER.
14
– und was mich in erklärliche Aufregung versetzt –
15
HAUSHOFMEISTER.
16
In Kürze, wenn ich bitten darf!
17
MUSIKLEHRER.
18
– dass bei der heutigen festlichen Veranstaltung hier im Palais – nach der Opera seria meines Schülers – kaum traue ich meinen Ohren – noch eine weitere, und zwar gleichfalls sozusagen musikalische Darbietung in Aussicht genommen ist – eine Art von Singspiel oder niedrige Posse in der italienischen Buffo-Manier! Das kann nicht geschehen!
19
HAUSHOFMEISTER.
20
Kann nicht! Wieso?
21
MUSIKLEHRER.
22
Darf nicht!
23
HAUSHOFMEISTER.
24
Wie beliebt?
25
MUSIKLEHRER.
26
Das wird der Komponist nie und nimmer gestatten!
27
HAUSHOFMEISTER.
28
Wer wird? Ich höre: gestatten. Ich wüsste nicht, wer außer meinem gnädigen Herrn, in dessen Palais Sie sich befinden und Ihre Kunstfertigkeiten heute zu produzieren die Ehre haben, etwas zu gestatten – geschweige denn anzuordnen hätte!
29
MUSIKLEHRER.
30
Es ist wider die Verabredung. Die Opera seria »Ariadne« wurde eigens für diese festliche Veranstaltung komponiert.
31
HAUSHOFMEISTER.
32
Und das ausbedungene Honorar wird nebst einer munifizenten Gratifikation durch meine Hand in die Ihrige gelangen.
33
MUSIKLEHRER.
34
Ich zweifle nicht an der Zahlungsfähigkeit eines steinreichen Mannes.
35
HAUSHOFMEISTER.
36
Für den Sie samt Ihrem Eleven Ihre Notenarbeit zu liefern die Auszeichnung hatten. – Was dann steht noch zu Diensten?
37
MUSIKLEHRER.
38
Diese Notenarbeit ist ein ernstes, bedeutendes Werk. Es kann uns nicht gleichgültig sein, in welchem Rahmen dieses dargestellt wird!
39
HAUSHOFMEISTER.
40
Jedennoch bleibt es meinem gnädigen Herrn summo et unico loco überlassen, welche Arten von Spektakel er seinen hochansehnlichen Gästen nach Vorsetzung einer feierlichen Kollation zu bieten gesonnen ist.
41
MUSIKLEHRER.
42
Zu diesen die Verdauung fördernden Genüssen rechnen Sie demnach die heroische Oper »Ariadne«?
43
HAUSHOFMEISTER.
44
Zuvörderst diese, danach das für punkt neun Uhr anbefohlene Feuerwerk und zwischen beiden die eingeschobene Opera buffa. Womit ich die Ehre habe, mich zu empfehlen.
45
Geht ab.
46
MUSIKLEHRER.
47
Wie soll ich das meinem Schüler beibringen? Ab nach der anderen Seite.
48
Ein junger Lakai führt einen Offizier herein, dem er voranleuchtet.
49
DER LAKAI.
50
Hier finden Euer Gnaden die Mamsell Zerbinetta. Sie ist bei der Toilette. Ich werde anklopfen.
51
Horcht und klopft an die Tür rechts vorne.
52
DER OFFIZIER.
53
Lass Er das sein und geh Er zum Teufel.
54
Stößt den Lakai heftig weg und tritt ein.
55
DER LAKAI
56
taumelt, rettet den Leuchter auf einen Wandtisch rechts zwischen den beiden Türen und klaubt sich zusammen.
57
Das ist die Sprache der Leidenschaft, verbunden mit einem unrichtigen Objekt.
58
KOMPONIST
59
kommt eilig von rückwärts.
60
Lieber Freund! Verschaffen Sie mir die Geigen. Richten Sie ihnen aus, dass sie sich hier versammeln sollen zu einer letzten kurzen Verständigungsprobe.
61
DER LAKAI.
62
Die Geigen werden schwerlich kommen, erstens weils keine Füß nicht haben, und zweitens, weils in der Hand sind!
63
KOMPONIST
64
naiv, belehrend, ohne sich verspottet zu glauben.
65
Wenn ich sage: die Geigen, so meine ich die Spieler.
66
DER LAKAI
67
gemein, von oben herab.
68
Ach so! Die sind aber jetzt dort, wo ich auch hin sollt! und wo ich gleich sein werd – anstatt mich da mit Ihnen aufzuhalten.
69
KOMPONIST
70
ganz naiv, zart.
71
Wo ist das?
72
DER LAKAI
73
gemein, plump.
74
Bei der Tafel!
75
KOMPONIST
76
aufgeregt.
77
Jetzt? Eine Viertelstunde vor Anfang meiner Oper beim Essen?
78
DER LAKAI.
79
Wenn ich sag: bei der Tafel, so mein ich natürlich bei der herrschaftlichen Tafel, nicht beim Musikantentisch.
80
KOMPONIST.
81
Was soll das heißen?
82
DER LAKAI.
83
Aufspielen tun sie. Capito? Sind also für Sie derzeit nicht zu sprechen.
84
KOMPONIST
85
aufgeregt, unruhig.
86
So werde ich mit der Demoiselle die Arie der »Ariadne« repetieren – Will an die vordere Tür rechts.
87
DER LAKAI
88
hält ihn ab.
89
Hier ist nicht die Demoiselle darin, die Sie suchen, diejenige Demoiselle aber, die hier drin ist, ist derzeitig für Sie ebenfalls nicht zu sprechen.
90
KOMPONIST
91
naiv stolz.
92
Weiß Er, wer ich bin? Wer in meiner Oper singt, ist für mich jederzeit zu sprechen!
93
DER LAKAI
94
lacht spöttisch.
95
Hehehe! Winkt ihm herablassend, geht ab.
96
KOMPONIST
97
klopft an die Tür rechts, bekommt keine Antwort; dann, plötzlich zornrot, dem Lakai nach.
98
Eselsgesicht! sehr unverschämter frecher Esel!
99
Der Eselskerl lässt mich allein hier vor der Tür –
100
Hier vor der Tür mich stehn und geht.
101
Oh, ich möcht vieles ändern noch
102
In zwölfter Stund – und heut wird meine Oper –
103
O der Esel! Die Freud! Du allmächtiger Gott!
104
O mein zitterndes Herz! Du allmächtiger Gott!
105
Sinnt der Melodie nach, sucht in seinen Rocktaschen nach einem Stück Notenpapier, findet eines, zerknitterts, schlägt sich an den Kopf.
106
Dem Bacchus eintrichtern, dass er ein Gott ist! Ein seliger Knabe! Kein selbstgefälliger Hanswurst mit einem Pantherfell!
107
Mir scheint, das ist seine Tür.
108
Läuft an die zweite Tür links, klopft; hält indessen mit voller Stimme die gefundene Melodie fest.
109
O du Knabe! Du Kind! Du allmächtiger Gott!
110
Die Tür geht auf, Perückenmacher taumelt heraus, empfängt soeben eine Ohrfeige vom Tenor, der als Bacchus, aber mit kahlem Kopf, die Lockenperücke in der Hand, nach ihm zornig heraustritt.
111
DER TENOR.
112
Das! Für einen Bacchus! Das mit aufzusetzen mutet Er zu. Da hat Er, Lump, für Seinen Bacchuskopf!
113
Gibt ihm einen Fußtritt.
114
KOMPONIST
115
ist zurückgesprungen.
116
Mein Wertester! Sie allerdringendst muss ich sprechen!
117
PERÜCKENMACHER
118
zum Tenor.
119
Dero mißhelliges Betragen kann ich belächelnd nur einer angenommenen Gemütsaufwallung zurechnen!
120
KOMPONIST
121
der zurückgetreten war, nun wieder näherkommend.
122
Mein Wertester!
123
Tenor schlägt die Tür zu.
124
PERÜCKENMACHER
125
schreiend gegen die geschlossene Tür.
126
Habe meinerseits keine Ursache, wegen meiner Leistungen vor Ihnen zu erröten!
127
KOMPONIST
128
sich ihm nähernd, naiv-bescheiden.
129
Hat der Herr leicht ein Stückerl Schreibpapier?
130
Hätt mir gern was aufnotiert!
131
Ich vergeß nämlich gar so leicht.
132
PERÜCKENMACHER.
133
Kann nicht dienen!
134
Läuft ab.
135
ZERBINETTA
136
noch sehr im Negligé, mit dem Offizier aus dem Zimmer rechts.
137
Erst nach der Oper kommen wir daran. Es wird keine kleine Mühe kosten, die Herrschaften wieder lachen zu machen, wenn sie sich erst eine Stunde gelangweilt haben. Kokett. Oder meinen Sie, es wird mir gelingen?
138
Der Offizier küßt ihr stumm die Hand. Sie gehen nach rückwärts, sprechen weiter.
139
Die Primadonna mit dem Musiklehrer treten aus der
140
vorderen Tür links. Sie trägt über dem Ariadne-Kostüm den Frisiermantel. Bleibt in der Tür stehen. Der Musiklehrer will sich verabschieden.
141
PRIMADONNA.
142
Schnell, lieber Freund! Einen Lakai zu mir!
143
Ich muss unbedingt sofort den Grafen sprechen.
144
Schließt ihre Tür.
145
Komponist hat sie gesehen, will hin.
146
MUSIKLEHRER
147
hält ihn auf.
148
Du kannst jetzt nicht eintreten – sie ist beim Frisieren.
149
Tanzmeister kommt von rückwärts, tritt rückwärts zu Zerbinetta und dem Offizier.
150
KOMPONIST
151
gewahrt erst jetzt Zerbinetta; zum Musiklehrer.
152
Wer ist dieses Mädchen?
153
Musiklehrer, verlegen, nimmt ihn beiseite.
154
TANZMEISTER
155
zu Zerbinetta.
Porträt von Hofmannsthal, Hugo von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Hofmannsthal, Hugo von · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
156
Sie werden leichtes Spiel haben, Mademoiselle. Die Oper ist langweilig über die Begriffe, und was die Einfälle anlangt, so steckt in meinem linken Schuhabsatz mehr Melodie als in dieser ganzen »Ariadne auf Naxos«.
157
MUSIKLEHRER
158
mit dem Komponisten ganz vorne.
159
Sei sie wer immer!
160
KOMPONIST
161
dringender.
162
Wer ist dieses entzückende Mädchen?
163
MUSIKLEHRER.
164
Um so besser, wenn sie dir gefällt. Es ist die Zerbinetta. Sie singt und tanzt mit vier Partnern das lustige Nachspiel, das man nach deiner Oper gibt.
165
KOMPONIST
166
zurückprallend.
167
Nach meiner Oper? Ein lustiges Nachspiel? Tänze und Triller, freche Gebärden und zweideutige Worte nach »Ariadne«! Sag mirs!
168
MUSIKLEHRER
169
zaghaft.
170
Ich bitte dich um alles. –
171
KOMPONIST
172
tritt von ihm weg; edel.
173
Das Geheimnis des Lebens tritt an sie heran, nimmt sie bei der Hand – Heftig. und sie bestellen sich eine Affenkomödie, um das Nachgefühl der Ewigkeit aus ihrem unsagbar leichtfertigen Schädel fortzuspülen! Lacht kramphaft. O ich Esel!
174
MUSIKLEHRER.
175
Beruhige dich!
176
KOMPONIST
177
wütend.
178
Ich will mich nicht beruhigen! Ein heiteres Nachspiel! Ein Übergang zu ihrer Gemeinheit! Dieses maßlos ordinäre Volk will sich Brücken bauen aus meiner Welt hinüber in die seinige! O Mäzene! Das erlebt zu haben, vergiftet mir die Seele für immer. Es ist undenkbar, dass mir je wieder eine Melodie einfällt! In dieser Welt kann keine Melodie die Schwingen regen! Pause, dann mit verändertem Ton, ganz gemütlich. Und gerade früher ist mir eine recht schöne eingefallen! Ich habe mich über einen frechen Lakaien erzürnt, da ist sie mir aufgeblitzt – dann hat der Tenor dem Perückenmacher eine Ohrfeige gegeben – da hab ich sie gehabt! – Ein Liebesgefühl, ein süß bescheidenes, ein Vertrauen, wie diese Welt es nicht wert ist – da: –
179
Den Text improvisierend.
180
Du, Venus' Sohn – gibst süßen Lohn
181
Für unser Sehnen und Schmachten!
182
Lalalala – mein junges Herz
183
Und all mein Sinnen und Trachten:
184
O du Knabe, du Kind, du allmächtiger Gott!
185
Eilig gemütlich.
186
Hast ein Stückerl Notenpapier?
187
Musiklehrer gibt ihm welches.
188
Komponist notiert.
189
Zerbinetta im Gespräch, lacht auf.
190
Harlekin, Scaramuccio, Brighella, Truffaldin sind im Gänsemarsch aus Zerbinettas Zimmer herausgekommen.
191
ZERBINETTA
192
vorstellend.
193
Meine Partner! Meine erprobten Freunde! Jetzt mir meinen Spiegel, mein Rot! Meinen Crayon!
194
Die vier laufen ins Zimmer, kommen bald wieder, bringen ein Strohstühlchen, Spiegel, Dosen, Puderquasten.
195
KOMPONIST
196
mit einem Blick auf Zerbinetta, besinnt sich plötzlich; fast tragisch.
197
Und du hast es gewusst! Du hast es gewusst!
198
MUSIKLEHRER.
199
Mein Freund, ich bin halt dreißig Jahrln älter als wie du und hab halt gelernt, mich in die Welt zu schicken!
200
KOMPONIST.
201
Wer so an mir handelt, der ist mein Freund gewesen, gewesen, gewesen, gewesen!
202
Zerreißt wütend das Notierte.
203
Primadonna öffnet die Türe.
204
Komponist wirft die Fetzen Papier auf den Boden, beißt wütend seine Nägel, läuft auf und nieder, dann nach hinten.
205
PRIMADONNA
206
winkt dem Musiklehrer.
207
Haben Sie nach dem Grafen geschickt? Tritt ein wenig vor, bemerkt Zerbinetta und die übrigen. Pfui! Was gibts denn da für Erscheinungen!
208
Zerbinetta hat auf dem Strohstühlchen rechts im Vordergrund Platz genommen, schminkt sich zu Ende, von ihren Partnern bedient; Harlekin hält das Licht, Brighella den Spiegel.
209
PRIMADONNA
210
zum Musiklehrer, nicht gerade leise.
211
Uns mit dieser Sorte von Leuten in einen Topf! Weiß man hier nicht, wer ich bin? Wie konnte der Graf –
212
ZERBINETTA
213
mit einem frechen Blick auf die Sängerin und absichtlich laut.
214
Wenn das Zeug so langweilig wird, dann hätte man doch uns zuerst auftreten lassen sollen, bevor sie übellaunig werden. Haben sie sich eine Stunde lang gelangweilt, so ist es doppelt schwer, sie lachen zu machen.
215
TANZMEISTER
216
zu Zerbinetta.
217
Im Gegenteil. Man kommt vom Tisch, man ist beschwert und wenig aufgelegt, man macht unbemerkt ein Schläfchen, klatscht dann aus Höflichkeit und um sich wach zu machen. Indessen ist man ganz munter geworden: »Was kommt jetzt?« sagt man sich. »Die ungetreue Zerbinetta und ihre vier Liebhaber«, ein heiteres Nachspiel mit Tänzen, leichte, gefällige Melodien, ja! eine Handlung, klar wie der Tag, da weiß man, woran man ist, das ist unser Fall, sagt man sich, da wacht man auf, da ist man bei der Sache! – Und wenn sie in ihren Karossen sitzen, wissen sie überhaupt nichts mehr, als dass sie die unvergleichliche Zerbinetta haben tanzen sehen.
218
MUSIKLEHRER
219
zur Primadonna.
220
Erzürnen Sie sich nicht um nichts und wieder nichts. Ariadne ist das Ereignis des Abends, um Ariadne zu hören, versammeln sich Kenner und vornehme Personen im Hause eines großen Mäzens, Ariadne ist das Losungswort, Sie sind Ariadne, morgen wird überhaupt niemand mehr wissen, dass es außer Ariadne noch etwas gegeben hat.
221
DER JUNGE LAKAI
222
läuft rückwärts vorüber.
223
Die Herrschaften stehen vom Tisch auf! Man sollte sich hier beeilen.
224
MUSIKLEHRER.
225
Meine Damen und Herren, an Ihre Plätze.
226
Alles kommt in Bewegung, die Arbeiter rückwärts sind fertig. Der Tenor, als Bacchus, sowie Nymphe, Najade, Dryade, Echo, sind aus der zweiten Tür links hervorgetreten.
227
DER HAUSHOFMEISTER
228
kommt eifrig von links rückwärts, tritt auf den Musiklehrer zu; mit Wichtigkeit.
229
Ihnen allen habe ich eine plötzliche Anordnung meines gnädigen Herrn auszurichten.
230
MUSIKLEHRER.
231
Ist schon geschehen, wir sind bereit, in drei Minuten mit der Oper »Ariadne« anzufangen.
232
HAUSHOFMEISTER
233
mit Grandezza.
234
Der gnädige Herr haben sich nunmehr wiederum anders besonnen.
235
MUSIKLEHRER.
236
Es soll also nicht mit der Oper begonnen werden?
237
PRIMADONNA.
238
Was ist das!
239
HAUSHOFMEISTER
240
mit Grandezza.
241
Um Vergebung. Wo ist der Herr Tanzmeister? Ich habe einen Auftrag meines gnädigen Herrn an Sie beide.
242
TANZMEISTER
243
tritt herzu.
244
Was wünscht man von mir?
245
HAUSHOFMEISTER.
246
Mein gnädiger Herr belieben das von ihm selbst genehmigte Programm umzustoßen.
247
MUSIKLEHRER.
248
Jetzt im letzten Moment! Ah, das ist doch ein starkes Stück!
249
HAUSHOFMEISTER.
250
– umzustoßen und folgendermaßen abzuändern.
251
TANZMEISTER.
252
Das Nachspiel wird Vorspiel, wir geben zuerst »Die ungetreue Zerbinetta«, dann »Ariadne«. Sehr vernünftig.
253
HAUSHOFMEISTER.
254
Um Vergebung. Die Tanzmaskerade wird weder als Nachspiel noch als Vorspiel aufgeführt, sondern mit dem Trauerstück »Ariadne« gleichzeitig.
255
TENOR.
256
Ha, ist dieser reiche Herr besessen?
257
MUSIKLEHRER.
258
Will man sich über uns lustig machen?
259
PRIMADONNA.
260
Sind die Leute wahnsinnig? Ich muss augenblicklich den Grafen sprechen!
261
Komponist nähert sich erschrocken. Zerbinetta horcht von rechts.
262
HAUSHOFMEISTER
263
mit hochmütiger Ironie.
264
Es ist genau so, wie ich es sage. Wie Sie es machen werden, das ist natürlich Ihre Sache.
265
MUSIKLEHRER
266
dumpf.
267
Unsere Sache!
268
HAUSHOFMEISTER.
269
Mein gnädiger Herr ist der für Sie schmeichelhaften Meinung, dass Sie beide Ihr Handwerk genug verstehen, um eine solche kleine Abänderung auf eins, zwei durchzuführen; und es ist nun einmal der Wille meines gnädigen Herrn, die beiden Stücke, das lustige und das traurige, mit allen Personen und der richtigen Musik, so wie er sie bestellt und bezahlt hat, gleichzeitig auf seiner Bühne serviert zu bekommen.
270
MUSIKLEHRER.
271
Warum gleichzeitig?
272
ZERBINETTA
273
leichtfertig.
274
Da muss ich mich ja beeilen! Läuft in ihr Zimmer.
275
HAUSHOFMEISTER.
276
Und zwar so, dass die ganze Vorstellung deswegen auch nicht einen Moment länger dauert. Denn für Punkt neun Uhr ist ein Feuerwerk im Garten anbefohlen.
277
MUSIKLEHRER.
278
Ja, wie um aller Götter willen stellt sich denn Seine Gnaden das vor?
279
KOMPONIST
280
vor sich, ganz für sich, leise.
281
Eine innere Stimme hat mir von der Wiege an etwas Derartiges vorausgesagt.
282
HAUSHOFMEISTER.
283
Es ist wohl nicht die Sache meines gnädigen Herrn, wenn er ein Spektakel bezahlt, sich auch noch damit abzugeben, wie es ausgeführt werden soll. Seine Gnaden ist gewohnt, anzuordnen und seine Anordnungen befolgt zu sehen. Nach einer Pause nochmals umkehrend, herablassend. Zudem ist mein gnädiger Herr schon seit drei Tagen ungehalten darüber, dass in einem so wohlausgestatteten Hause wie das seinige ein so jämmerlicher Schauplatz wie eine wüste Insel ihm vorgestellt werden soll, und ist eben, um dem abzuhelfen, auf den Gedanken gekommen, diese wüste Insel durch das Personal aus dem anderen Stück einigermaßen anständig staffieren zu lassen.
284
TANZMEISTER.
285
Das finde ich sehr richtig. Es gibt nichts Geschmackloseres als eine wüste Insel.
286
KOMPONIST.
287
Ariadne auf Naxos, Herr. Sie ist das Sinnbild der menschlichen Einsamkeit.
288
TANZMEISTER.
289
Ebendarum braucht sie Gesellschaft.
290
KOMPONIST.
291
Nichts um sich als das Meer, die Steine, die Bäume, das fühllose Echo. Sieht sie ein menschliches Gesicht, wird meine Musik sinnlos.
292
TANZMEISTER.
293
Aber der Zuhörer unterhält sich. So wie es jetzt ist, ist es, um stehend einzuschlafen.
294
Pirouette.
295
HAUSHOFMEISTER.
296
Um Vergebung, aber ich bitte, sich höchlich zu beeilen, die Herrschaften werden sogleich eintreten.
297
Ab.
298
MUSIKLEHRER.
299
Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht. Wenn man zwei Stunden Zeit hätte, über die Lösung nachzudenken.
300
KOMPONIST.
301
Darüber willst du nachdenken? Wo menschliche Gemeinheit, stier wie die Meduse, einem entgegengrinst. Fort, was haben wir hier verloren?
302
MUSIKLEHRER.
303
Was wir hier verloren haben? Die fünfzig Dukaten unter anderm, von denen du das nächste halbe Jahr zu leben gedachtest!
304
KOMPONIST
305
vor sich.
306
Ich habe nichts mit dieser Welt gemein! Wozu leben in ihr?!
307
TANZMEISTER
308
nimmt den Musiklehrer beiseite.
309
Ich weiß wirklich nicht, warum Sie beide einem so vernünftigen Vorschlag solch übertriebene Schwierigkeiten entgegensetzen!
Albert Anker – Die Dorfschule von 1848, gemalt 1896. Historisches Vergleichsbild für Schule und Bildung, keine Illustration der Buchfiguren.
Kontextbild zum Werk. Die Dorfschule von 1848 · Albert Anker · Public domain Bildquelle ↗
310
MUSIKLEHRER.
311
Meinen Sie denn im Ernst, es ließe sich machen?
312
TANZMEISTER.
313
Nichts leichter als das. Es sind Längen in der Oper – Leiser. gefährliche Längen. Man lässt sie weg. Diese Leute wissen zu improvisieren, finden sich in jede Situation.
314
MUSIKLEHRER.
315
Still, wenn er uns hört, begeht er Selbstmord.
316
TANZMEISTER.
317
Fragen Sie ihn, ob er seine Oper lieber heute ein wenig verstümmelt hören will, oder ob er sie niemals hören will. Schaffen Sie ihm Tinte, Feder, einen Rotstift, was immer! Zum Komponisten. Es handelt sich darum, Ihr Werk zu retten!
318
KOMPONIST
319
drückt die ihm von allen Seiten gereichten Noten leidenschaftlich an die Brust.
320
Lieber ins Feuer!
321
Man bringt Tinte, Feder, ein Licht dazu; schiebt den Tisch nach vorne.
322
TANZMEISTER.
323
Hundert große Meister, die wir auf den Knien bewundern, haben sich ihre erste Aufführung mit noch ganz anderen Opfern erkauft.
324
KOMPONIST
325
rührend, hilflos.
326
Meinen Sie? Hat er recht, du? Darf ich denn? Muss ich denn?
327
TANZMEISTER
328
drückt ihn sanft an den Tisch, wo man die Noten ausbreitet und das Licht daneben stellt; zum Musiklehrer.
329
Sehen Sie zu, dass er genug streicht. Ich rufe indessen Zerbinetta her, wir erklären ihr in zwei Worten die Handlung! Sie ist eine Meisterin im Improvisieren; da sie immer nur sich selber spielt, findet sie sich in jeder Situation zurecht, die anderen sind auf sie eingespielt, es geht alles wie am Schnürchen. Er holt sich Zerbinetta aus dem Zimmer, spricht zu ihr. Komponist fängt an, beim Schein der Kerze zu streichen.
330
PRIMADONNA
331
zum Musiklehrer, leise.
332
Sehen Sie zu, dass er dem Bacchus einiges wegnimmt; man erträgt es nicht, diesen Mann so viel singen zu hören.
333
TENOR
334
tritt verstohlen zum Komponisten, beugt sich zu ihm.
335
Der Ariadne müssen Sie streichen. Niemand hält es aus, wenn diese Frau unaufhörlich auf der Bühne steht.
336
MUSIKLEHRER
337
flüsternd, nimmt den Tenor beiseite.
338
Er nimmt ihr zwei Arien weg, Ihnen keine Note. Verraten Sie mich nicht. Tritt ebenso zur Primadonna hinüber, nimmt sie beiseite. Sie behalten alles. Er nimmt dem Bacchus die halbe Rolle, lassen Sie sich nichts merken.
339
TANZMEISTER
340
zu Zerbinetta, lustig geistreich.
341
Diese Ariadne ist eine Königstochter. Sie ist mit einem gewissen Theseus entflohen, dem sie vorher das Leben gerettet hat.
342
ZERBINETTA
343
zwischen Tür und Angel.
344
So etwas geht selten gut aus.
345
TANZMEISTER.
346
Theseus wird ihrer überdrüssig und lässt sie bei Nacht auf einer wüsten Insel zurück!
347
MUSIKLEHRER
348
links leise gleichzeitig zum Komponisten.
349
Noch das, es muss sein!
350
ZERBINETTA
351
verständnisvoll.
352
Kleiner Schuft!
353
TANZMEISTER.
354
Sie verzehrt sich in Sehnsucht und wünscht den Tod herbei.
355
ZERBINETTA.
356
Den Tod! Das sagt man so. Natürlich meint sie einen anderen Verehrer.
357
TANZMEISTER.
358
Natürlich, so kommts ja auch!
359
KOMPONIST
360
hat aufgehorcht, kommt näher.
361
Nein, Herr, so kommt es nicht! Denn, Herr! sie ist eine von den Frauen, die nur einem im Leben gehören und danach keinem mehr.
362
ZERBINETTA.
363
Ha!
364
KOMPONIST
365
verwirrt, starrt sie an.
366
– keinem mehr als dem Tod.
367
ZERBINETTA
368
tritt heraus.
369
Der Tod kommt aber nicht. Wetten wir. Sondern ganz das Gegenteil. Vielleicht auch ein blasser, dunkeläugiger Bursche, wie du einer bist.
370
MUSIKLEHRER.
371
Sie vermuten ganz recht. Es ist der jugendliche Gott Bacchus, der zu ihr kommt!
372
ZERBINETTA
373
fröhlich, spöttisch.
374
Als ob man das nicht wüsste! Nun hat sie ja fürs nächste, was sie braucht.
375
KOMPONIST
376
sehr feierlich.
377
Sie hält ihn für den Todesgott. In ihren Augen, in ihrer Seele ist er es, und darum, einzig nur darum –
378
ZERBINETTA
379
aus der Tür.
380
Das will sie dir weismachen.
381
KOMPONIST.
382
Einzig nur darum geht sie mit ihm – auf sein Schiff! Sie meint zu sterben! Nein, sie stirbt wirklich.
383
ZERBINETTA
384
indem sie was überwirft.
385
Tata. Du wirst mich meinesgleichen kennen lehren!
386
KOMPONIST.
387
Sie ist nicht Ihresgleichen! Schreiend. Ich weiß es, dass sie stirbt. Leise. Ariadne ist die eine unter Millionen, sie ist die Frau, die nicht vergisst.
388
ZERBINETTA
389
tritt heraus.
390
Kindskopf. Sie kehrt ihm den Rücken; zu ihren vier Partnern, die herangetreten sind. Merkt auf, wir spielen mit in dem Stück »Ariadne auf Naxos«. Das Stück geht so: eine Prinzessin ist von ihrem Bräutigam sitzengelassen, und ihr nächster Verehrer ist vorerst noch nicht angekommen. Die Bühne stellt eine wüste Insel dar. Wir sind eine muntere Gesellschaft, die sich zufällig auf dieser Insel befindet. Die Kulissen sind Felsen, und wir plazieren uns dazwischen. Ihr richtet euch nach mir, und sobald sich eine Gelegenheit bietet, treten wir auf und mischen uns in die Handlung!
391
KOMPONIST
392
während sie spricht, vor sich.
393
Sie gibt sich dem Tod hin – ist nicht mehr da – weggewischt – stürzt sich hinein ins Geheimnis der Verwandlung – wird neu geboren – entsteht wieder in seinen Armen! – Daran wird er zum Gott. Worüber in der Welt könnte eins zum Gott werden als über diesem Erlebnis? Springt auf.
394
ZERBINETTA
395
tritt zu ihm, sieht ihm in die Augen.
396
Courage! Jetzt kommt Vernunft in die Verstiegenheit!
397
KOMPONIST.
398
Lebendig wars! Stand da – so!
399
Malts mit den Händen in die Luft.
400
ZERBINETTA.
401
Und wenn ich hineinkomme, wirds schlechter?
402
KOMPONIST
403
vor sich.
404
Ich überlebe diese Stunde nicht!
405
ZERBINETTA.
406
Du wirst noch ganz andere überleben.
407
KOMPONIST
408
verloren.
409
Was wollen Sie damit – in diesem Augenblick – sagen?
410
ZERBINETTA
411
mit äußerster Koketterie, scheinbar ganz schlicht.
412
Ein Augenblick ist wenig – ein Blick ist viel. Viele meinen, dass sie mich kennen, aber ihr Auge ist stumpf. Auf dem Theater spiele ich die Kokette, wer sagt, dass mein Herz dabei im Spiele ist? Ich scheine munter und bin doch traurig, gelte für gesellig und bin doch so einsam.
413
KOMPONIST
414
naiv entzückt.
415
Süßes, unbegreifliches Mädchen!
416
ZERBINETTA.
417
Törichtes Mädchen, musst du sagen, das sich manchmal zu sehnen verstünde nach dem einen, dem sie treu sein könnte, treu bis ans Ende. –
418
KOMPONIST.
419
Wer es sein dürfte, den du ersehnest! Du bist wie ich – das Irdische unvorhanden deiner Seele.
420
ZERBINETTA
421
schnell, zart.
422
Du sprichst, was ich fühle. – Ich muss fort. Vergisst du gleich wieder diesen einen Augenblick?
423
KOMPONIST.
424
Vergisst sich in Äonen ein einziger Augenblick?
425
Zerbinetta macht sich los, läuft schnell in ihr Zimmer nach rechts. Während dieses Dialoges: Der Musiklehrer, als Regisseur der Oper, hat die übrigen Figuren, den Tenor, dann die drei Nymphen nach rückwärts, wo die Bühne angenommen ist, dirigiert, und kommt jetzt eilfertig nach vorne, die Primadonna abzuholen, die noch einmal in ihr Garderobezimmer verschwunden war.
426
MUSIKLEHRER.
427
An Ihre Plätze, meine Damen und Herren! Ariadne! Zerbinetta! Scaramuccio, Harlekin! Auf die Szene, wenn ich bitten darf!
428
PRIMADONNA
429
mit einem Blick auf Zerbinetta, die eben aus ihrem Zimmer tritt, dem Komponisten einen Kuß zuwirft, dann nach rückwärts läuft.
430
Ich soll mit dieser Person auf einer Szene stehen! Woran denken Sie!
431
MUSIKLEHRER.
432
Seien Sie barmherzig! Bin ich nicht Ihr alter Lehrer?
433
PRIMADONNA.
434
Jagen Sie mir die Kreatur von der Bühne – oder ich weiß nicht, was ich tue!
435
MUSIKLEHRER.
436
Wo hätten Sie eine schönere Gelegenheit als auf der Bühne, ihr zu zeigen, welch unermesslicher Abstand zwischen Ihnen befestigt ist!
437
PRIMADONNA.
438
Abstand! Ha! Eine Welt, hoffe ich.
439
MUSIKLEHRER.
440
Legen Sie diese Welt in jede Gebärde und – man wird Ihnen anbetend zu Füßen sinken.
441
Küßt ihr die Hand, führt sie ein paar Schritte nach rückwärts, kommt dann sogleich wieder, den Komponisten zu holen.
442
KOMPONIST
443
umarmt den Musiklehrer stürmisch.
444
Seien wir wieder gut! Ich sehe jetzt alles mit anderen Augen! Die Tiefen des Daseins sind unermesslich! – Mein lieber Freund, es gibt manches auf der Welt, das lässt sich nicht sagen. Die Dichter unterlegen ja recht gute Worte, recht gute – Jubel in der Stimme. jedoch, jedoch, jedoch, jedoch, jedoch! – Mut ist in mir, Freund. – Die Welt ist lieblich und nicht fürchterlich dem Mutigen – und was ist denn Musik? Mit fast trunkener Feierlichkeit. Musik ist heilige Kunst, zu versammeln alle Arten von Mut wie Cherubim um einen strahlenden Thron! Das ist Musik, und darum ist sie die heilige unter den Künsten!
445
Zerbinetta erscheint rückwärts, mit einem frechen Pfiff ihre Partner auf die Bühne zu rufen.
446
Harlekin kommt eilfertig aus dem Zimmer rechts, läuft, seinen Gurt schnallend, auf die Bühne.
447
KOMPONIST.
448
Was ist das? Wohin?
449
Scaramuccio, wie Harlekin, gleichfalls seine Toilette im Laufen beendend.
450
KOMPONIST.
451
Diese Kreaturen! –
452
Truffaldin, Brighella, den gleichen Weg wie die vorigen.
453
KOMPONIST.
454
– in mein Heiligtum hinein ihre Bocksprünge! Ah!
455
MUSIKLEHRER.
456
Du hast es erlaubt!
457
KOMPONIST
458
rasend.
459
Ich durfte es nicht erlauben! Du durftest mir nicht erlauben, es zu erlauben! Wer hieß dich mich zerren, mich! in diese Welt hinein? Lass mich erfrieren, verhungern, versteinen in der meinigen!
460
Läuft vorne ab, verzweifelt.
461
Musiklehrer sieht ihm nach, schüttelt den Kopf.
462
Vorhang fällt schnell.

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Es kann uns nicht gleichgültig sein, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »bevor« in diesem Textausschnitt? »Wenn das Zeug so langweilig wird, dann hätte man doch uns zuerst auftreten lassen sollen, bevor sie übellaunig werden.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Der gnädige Herr haben sich nunmehr wiederum anders besonnen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Vielleicht auch ein blasser, dunkeläugiger Bursche, wie du einer bist.« B: »Man kommt vom Tisch, man ist beschwert und wenig aufgelegt, man macht unbemerkt ein Schläfchen, klatscht dann aus Höflichkeit und um sich wach zu machen.« C: »Zu diesen die Verdauung fördernden Genüssen rechnen Sie demnach die heroische Oper »Ariadne«?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Es handelt sich darum, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Theseus wird ihrer […] und lässt sie bei Nacht auf einer wüsten Insel zurück!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Die Kulissen sind Felsen, und wir plazieren uns dazwischen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich soll mit dieser …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Ein tiefer, kaum möblierter und dürftig erleuchteter Raum im Hause eines großen Herrn. Links und rechts je zwei Türen. In der Mitte ein runder Tisch. Im Hintergrund sieht man Zurichtungen zu einem Haustheater. […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] jedoch! – Mut ist in mir, Freund. – Die Welt ist lieblich und nicht fürchterlich dem Mutigen – und was ist denn Musik? Mit fast trunkener Feierlichkeit. Musik ist heilige Kunst, zu versammeln alle Arten von Mut wie Cherubim um einen […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Sie verzehrt sich in Sehnsucht und wünscht den Tod herbei.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Macht oder Abhängigkeit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Diese Ariadne ist eine Königstochter. Sie ist mit einem gewissen Theseus entflohen, dem sie vorher das Leben gerettet hat.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Beziehungen zwischen Figuren geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Kindskopf. Sie kehrt ihm den Rücken; zu ihren vier Partnern, die herangetreten sind. Merkt auf, wir spielen mit in dem Stück »Ariadne auf Naxos«. Das Stück geht so: eine Prinzessin ist von ihrem Bräutigam sitzengelassen, und ihr nächster […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »gewahrt erst jetzt Zerbinetta; zum Musiklehrer.« und »Meinen Sie denn im Ernst, es ließe sich machen?«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Musiklehrer sieht ihm nach, schüttelt den Kopf.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Ein tiefer, kaum möblierter und dürftig erleuchteter Raum im Hause eines großen Herrn. Links und rechts je […]« / »Musiklehrer sieht ihm nach, schüttelt den Kopf.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Muss allerdings bemerken, dass ich pressiert bin.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Will man sich über uns lustig machen?«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Lass mich erfrieren, verhungern, versteinen in der meinigen!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Ariadne auf Naxos von Hofmannsthal, Hugo von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Ariadne auf Naxos

Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Band 1: Gedichte, Dramen, Band 2–5: Dramen, Herausgegeben von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch, Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1979. Hofmannsthal, Hugo von 10- Frankfurt a.M.

Das Werk Ariadne auf Naxos von Hofmannsthal, Hugo von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.