Absturzsicherung - Handwerk


Absturzsicherung - Handwerk
Absturzsicherung - Handwerk

Absturzunfälle passieren oft bei alltäglichen Arbeiten: auf Leitern, Gerüsten, Dächern, Decken, Treppen oder an Öffnungen. Dieser aiMOOC richtet sich an Auszubildende im Handwerk. Du lernst, Gefahren früh zu erkennen und Schutzmaßnahmen in der richtigen Reihenfolge auszuwählen.
Merksatz: Erst sicher planen, dann hochsteigen. Bei fehlender Sicherung stoppst Du die Arbeit und informierst die verantwortliche Person.
Lernziele
- Absturzgefahr: Du erkennst typische Absturz- und Durchsturzstellen.
- STOP-Prinzip: Du ordnest Schutzmaßnahmen richtig ein.
- Leiter und Gerüst: Du prüfst Arbeitsmittel vor der Nutzung.
- PSAgA: Du kennst Grenzen, Bestandteile und Rettungsbedarf.
- Gefährdungsbeurteilung: Du leitest sicheres Verhalten aus einer Arbeitssituation ab.
Absturzgefahren erkennen
Eine Absturzgefahr entsteht nicht nur am Dachrand. Gefährlich sind auch ungesicherte Bodenöffnungen, Treppen, Schächte, Baugruben, nicht durchtrittsichere Lichtkuppeln, spröde Dachplatten und ungeeignete Leitern. Bereits geringe Höhen können schwere Verletzungen verursachen.

Bildauftrag: Finde mindestens fünf Gefahren. Begründe, welche Arbeit Du sofort stoppen würdest.
Orientierungswerte für Baustellen
Die konkrete Sicherung ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung und dem geltenden Regelwerk. Als wichtige Orientierung gilt:
- Arbeitsplätze werden grundsätzlich spätestens ab 2 Metern Absturzhöhe gesichert.
- Verkehrswege, freiliegende Treppenläufe, Treppenabsätze und Wandöffnungen werden bereits ab 1 Meter gesichert.
- Über Wasser oder Stoffen, in denen man versinken kann, können Maßnahmen schon ohne Höhenunterschied erforderlich sein.
- Bodenöffnungen und nicht durchtrittsichere Bauteile werden tragfähig abgedeckt, umwehrt oder anderweitig wirksam gesichert.
Wichtig: Diese Werte sind keine Erlaubnis, darunter ungesichert zu arbeiten. Gefährliche Randbedingungen können frühere Maßnahmen verlangen.
Schutzmaßnahmen nach dem STOP-Prinzip
Das STOP-Prinzip legt die Rangfolge fest. Kollektiver Schutz hat Vorrang vor persönlicher Sicherung.
- S – Substitution: Gefährliche Höhenarbeit vermeiden, zum Beispiel Bauteile am Boden vormontieren.
- T – Technisch: Seitenschutz, Gerüst, Abdeckung, Schutznetz oder Hubarbeitsbühne einsetzen.
- O – Organisatorisch: Bereich absperren, Arbeitsablauf planen, Wetter beachten und Aufsicht festlegen.
- P – Persönlich: PSAgA nur verwenden, wenn vorrangige Maßnahmen nicht ausreichen oder nicht möglich sind.


Praxisfrage: Welche technische Lösung schützt das gesamte Team, ohne dass sich jede Person einzeln anschlagen muss?
Sicher mit Leitern arbeiten
Leitern sind häufig nur Zugangsmittel und keine dauerhaften Arbeitsplätze. Prüfe zuerst, ob ein Gerüst, Podest oder eine Hubarbeitsbühne sicherer ist.
- Stelle die Leiter auf tragfähigen, ebenen Untergrund und sichere sie gegen Wegrutschen oder Umkippen.
- Prüfe Holme, Stufen, Füße, Spreizsicherung und Kennzeichnung.
- Arbeite nur mit beiden Füßen auf einer geeigneten Stufe oder Plattform.
- Halte Dich beim Auf- und Abstieg sicher fest und trage Werkzeug so, dass beide Hände frei bleiben.
- Arbeite von tragbaren Leitern nur bis zu einer Standhöhe von 5 Metern und nur, wenn die Gefährdungsbeurteilung dies zulässt.
- Benutze keine beschädigte, provisorisch reparierte oder ungeeignete Leiter.

Gerüste sicher nutzen
Ein freigegebenes Gerüst ist vor jeder Nutzung aufmerksam anzusehen. Änderungen am Gerüst dürfen nur vom Gerüstersteller oder von dazu befugten Fachkräften vorgenommen werden.
- Prüfe Gerüstkennzeichnung, Lastklasse und vorgesehenen Verwendungszweck.
- Achte auf tragfähigen Untergrund, vollständige Beläge, sichere Aufgänge und geschlossene Durchstiege.
- Kontrolliere Seitenschutz, Stirnseitenschutz, Verankerungen und sichtbare Beschädigungen.
- Melde Mängel sofort und sperre das Gerüst gegen Nutzung.
- Lagere Material so, dass Belastungsgrenzen, Verkehrswege und Seitenschutz frei bleiben.

Dächer, Kanten und Öffnungen
Dacharbeiten erfordern Schutz gegen Absturz und Durchsturz. Lichtkuppeln, Lichtbänder und alte Faserzementplatten können nicht durchtrittsicher sein. Sichere zuerst die Fläche, bevor Material transportiert oder montiert wird.
- Bevorzuge Seitenschutz, Dachfanggerüst, Schutznetz oder tragfähige Abdeckung.
- Kennzeichne und sperre Gefahrenbereiche.
- Sichere lose Werkzeuge und Material gegen Herabfallen.
- Berücksichtige Wind, Nässe, Eis, Hitze und eingeschränkte Sicht.
- Nutze festgelegte Zugänge und sichere Verkehrswege.

Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz
PSAgA ist die letzte Stufe der Schutzmaßnahmen. Sie darf nur nach gesonderter Gefährdungsbeurteilung, Auswahl eines geeigneten Systems und praktischer Unterweisung benutzt werden.
- Das System besteht passend zur Aufgabe aus Auffanggurt, Verbindungsmittel, Verbindungselementen, Falldämpfer oder Höhensicherungsgerät und geeignetem Anschlagpunkt.
- Vor jeder Benutzung erfolgt eine Sicht- und Funktionsprüfung.
- Der Anschlagpunkt wird nur nach betrieblicher Festlegung benutzt und möglichst hoch gewählt.
- Freiraum, Pendelsturz, scharfe Kanten und mögliche Anprallstellen müssen berücksichtigt werden.
- Beschädigte oder durch einen Sturz belastete Ausrüstung wird sofort ausgesondert und geprüft.
- Eigenmächtige Kombinationen oder Veränderungen von Bauteilen sind verboten.


Rettung nach einem Sturz
Wer im Auffanggurt hängt, befindet sich in einer medizinischen Notlage. Deshalb gehören Rettungskonzept, Rettungsausrüstung, eingewiesene Personen und praktische Übungen zwingend zur Arbeit mit PSAgA.
- Alarmiere sofort nach betrieblichem Notfallplan und setze den Notruf ab.
- Leite die vorbereitete Rettung unverzüglich ein.
- Verhindere einen weiteren Absturz der rettenden Person.
- Betreue die gerettete Person und wende die üblichen Maßnahmen der Ersten Hilfe an.
- Verwende PSAgA nicht, wenn eine schnelle Rettung nicht gewährleistet ist.
Kurzcheck vor Arbeitsbeginn
- Ist die Arbeit in der Höhe wirklich nötig?
- Liegt eine passende Gefährdungsbeurteilung vor?
- Ist die technische Sicherung vollständig?
- Sind Leiter, Gerüst oder Bühne geprüft und geeignet?
- Bin ich unterwiesen und ist die Aufgabe klar?
- Ist bei PSAgA die Rettung vorbereitet und geübt?
- Stoppe ich bei Mängeln, Wettergefahr oder unklarer Situation?
Regelwerk und sichere Vertiefung
- BAuA: ASR A2.1 Schutz vor Absturz
- BAuA: TRBS 2121 Gefährdung durch Absturz
- BAuA: TRBS 2121 Teil 1 Gerüste
- BAuA: TRBS 2121 Teil 2 Leitern
- BG BAU: Rangfolge der Schutzmaßnahmen
- DGUV Regel 112-198
- DGUV Regel 112-199
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Maßnahme hat beim Schutz vor Absturz Vorrang? (Eine technische Schutzmaßnahme wie Seitenschutz) (!PSAgA ohne weitere Prüfung) (!Ein Warnruf durch einen Kollegen) (!Eine schnellere Arbeitsweise)
Was prüfst Du vor der Benutzung einer Leiter? (Holme Stufen Füße und sicheren Stand) (!Nur die Farbe der Leiter) (!Nur das Alter des Gebäudes) (!Nur die Länge des Werkzeugs)
Was tust Du bei einem fehlenden Seitenschutz am Gerüst? (Arbeit stoppen und Mangel melden) (!Vorsichtig weiterarbeiten) (!Den Bereich mit Werkzeug markieren) (!Nur bei Regen aufhören)
Wann kommt PSAgA zum Einsatz? (Wenn vorrangige Schutzmaßnahmen nicht ausreichen oder nicht möglich sind) (!Immer als erste Maßnahme) (!Nur bei Arbeiten am Boden) (!Ohne Gefährdungsbeurteilung)
Wer legt einen geeigneten Anschlagpunkt fest? (Eine dafür verantwortliche fachkundige Person) (!Jede Person spontan) (!Der jüngste Auszubildende) (!Ein beliebiger Kunde)
Was muss vor dem Einsatz eines Auffangsystems vorbereitet sein? (Ein wirksames Rettungskonzept) (!Eine längere Pause) (!Ein zusätzlicher Werkzeugkoffer) (!Eine private Telefonnummer)
Welche Gefahr besteht an einer nicht durchtrittsicheren Lichtkuppel? (Durchsturz) (!Stromschlag durch die Sonne) (!Gehörschaden) (!Schnittgefahr am Schuh)
Was ist vor Höhenarbeit zuerst zu klären? (Ob die Arbeit vermieden oder sicherer ausgeführt werden kann) (!Ob das Werkzeug neu aussieht) (!Ob die Arbeit besonders schnell geht) (!Ob Musik abgespielt werden kann)
Wie ist langes Hängen im Auffanggurt zu bewerten? (Als medizinische Notlage) (!Als sichere Warteposition) (!Als normale Arbeitspause) (!Als Ersatz für eine Rettungsübung)
Wer darf ein Gerüst eigenmächtig verändern? (Niemand ohne entsprechende Befugnis) (!Jede unterwiesene Person) (!Jede Person mit Helm) (!Jede Person mit Werkzeug)
Memory
| Seitenschutz | schützt mehrere Personen an einer Kante |
| Rückhaltesystem | verhindert das Erreichen der Absturzkante |
| Auffangsystem | fängt einen begonnenen Sturz auf |
| Anschlagpunkt | verbindet die Sicherung mit der tragfähigen Struktur |
| Gefährdungsbeurteilung | bestimmt Risiken und Schutzmaßnahmen |
| Rettungskonzept | plant die schnelle Hilfe nach einem Sturz |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Technische Maßnahme | Seitenschutz am Dach |
| Organisatorische Maßnahme | Arbeitsbereich sperren |
| Persönliche Maßnahme | Auffanggurt verwenden |
| Leiteralternative | Hubarbeitsbühne einsetzen |
| Durchsturzschutz | Lichtkuppel sichern |
...
Kreuzworträtsel
| Seitenschutz | Wie heißt der dreiteilige Schutz an einer Absturzkante? |
| Auffanggurt | Welcher Gurt hält den gesamten Körper in einem Auffangsystem? |
| Anschlagpunkt | Wo wird das Verbindungsmittel sicher befestigt? |
| Unterweisung | Wie heißt die betriebliche Vermittlung sicherer Arbeitsweisen? |
| Rettungsplan | Welches Dokument beschreibt die schnelle Hilfe nach einem Sturz? |
| Gefährdung | Welcher Begriff bezeichnet eine mögliche Quelle eines Schadens? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Gefahrenfoto: Fotografiere mit Erlaubnis eine sichere Übungssituation und markiere drei Schutzmaßnahmen.
- Leitercheck: Erstelle eine kompakte Prüfliste für die Leiter in Deinem Ausbildungsbetrieb.
- STOP-Prinzip: Ordne fünf typische Handwerksarbeiten den passenden Schutzstufen zu.
- Sicherheitszeichen: Gestalte ein verständliches Warnschild für eine Absturzkante.
Standard
- Baustellenbegehung: Untersuche einen freigegebenen Arbeitsbereich mit Deiner Ausbilderin oder Deinem Ausbilder und dokumentiere sichere sowie unsichere Merkmale.
- Gerüstkontrolle: Erstelle ein Lernposter mit Kennzeichnung, Aufgang, Belag, Seitenschutz und Untergrund.
- Leiteralternative: Vergleiche Leiter, Podest, Gerüst und Hubarbeitsbühne für eine konkrete Aufgabe.
- Unterweisungsvideo: Produziere ein zweiminütiges Video zum sicheren Arbeitsbeginn in der Höhe.
Schwer
- Gefährdungsbeurteilung: Entwickle für eine Dachreparatur eine begründete Maßnahmenfolge nach dem STOP-Prinzip.
- Rettungskonzept: Entwirf gemeinsam mit einer fachkundigen Person ein Übungsszenario für die Rettung nach einem Auffangvorgang.
- Unfallanalyse: Analysiere einen anonymisierten Absturzunfall und leite technische sowie organisatorische Verbesserungen ab.
- Ausbildungsprojekt: Plane eine praktische Lernstation mit Leiter, Gerüstmodell, Lichtkuppelmodell und PSAgA-Demonstration.


Lernkontrolle
- Maßnahmenvergleich: Begründe, warum ein Seitenschutz in einer konkreten Situation besser sein kann als PSAgA.
- Fallbeispiel Leiter: Entscheide für eine zweistündige Montage in vier Metern Standhöhe, ob eine Leiter geeignet ist, und entwickle eine sicherere Alternative.
- Fallbeispiel Gerüst: Bewerte ein Gerüst mit fehlender Kennzeichnung, offenem Durchstieg und losem Belag. Lege die richtige Reaktion fest.
- Durchsturzgefahr: Plane den sicheren Austausch einer Lichtkuppel und berücksichtige Zugang, Kollektivschutz und Materialtransport.
- Rettung: Erkläre, warum der Notruf allein kein vollständiges Rettungskonzept ersetzt.
- Transfer Handwerk: Übertrage das STOP-Prinzip auf eine Höhenarbeit aus Deinem Gewerk und begründe jede Entscheidung.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis sind wichtig:
- Du erkennst Absturz- und Durchsturzgefahren in realistischen Arbeitssituationen.
- Du wendest das STOP-Prinzip in der richtigen Reihenfolge an.
- Du prüfst Leiter oder Gerüst anhand einer nachvollziehbaren Checkliste.
- Du begründest, warum kollektive Schutzmaßnahmen Vorrang haben.
- Du erklärst die Voraussetzungen für PSAgA einschließlich Unterweisung und Prüfung.
- Du stellst ein schlüssiges Rettungskonzept als Teil der Arbeitsplanung dar.
- Du dokumentierst eine eigene praktische oder mediale Sicherheitsaufgabe.
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
Schulfach+


aiMOOCs



aiMOOC Projekte


THE MONKEY DANCE





|
LernweltNOAH fragen