Widerstand gegen den Nationalsozialismus - Geschichte


Widerstand gegen den Nationalsozialismus - Geschichte
Widerstand gegen den Nationalsozialismus - Geschichte
Einleitung
Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus umfasst vielfältige Handlungen, mit denen Menschen die nationalsozialistische Ideologie, Herrschaftspraxis, Verfolgungspolitik oder Kriegführung ablehnten und ihr aktiv entgegentraten. Dazu gehörten das Verbreiten verbotener Schriften, die Hilfe für Verfolgte, politische Untergrundarbeit, religiös begründeter Protest, Sabotage, Desertion, Umsturzplanung und bewaffneter Kampf. Widerstand war kein einheitlicher Block. Die Beteiligten unterschieden sich in Herkunft, Weltanschauung, Zielen, Handlungsspielräumen und Risikobereitschaft.
Dieser aiMOOC richtet sich an Lernende der gymnasialen Oberstufe, der Ausbildung und des Studienfachs Geschichte. Du untersuchst nicht nur bekannte Personen und Gruppen, sondern auch weniger beachtete Formen des Widerstehens. Zugleich setzt Du Dich mit schwierigen Fragen auseinander: Wo endet bloße Unzufriedenheit und wo beginnt Widerstand? Waren alle Gegnerinnen und Gegner Hitlers demokratisch? Wie beeinflussten Verfolgung, Zustimmung, Krieg und Wissen über Massenverbrechen die Bereitschaft zum Handeln? Und wie veränderte sich die Erinnerung an den Widerstand nach 1945?

Der Innenhof des Berliner Bendlerblocks ist heute ein zentraler Erinnerungsort an den deutschen Widerstand.
Beobachtungsauftrag zum Video: Notiere drei unterschiedliche Formen des Widerstands und ordne jeder Form ein mögliches Motiv sowie ein konkretes Risiko zu.
Lernziele
Nach der Bearbeitung des aiMOOCs kannst Du den historischen Begriff Widerstand differenziert verwenden, zentrale Gruppen und Einzelpersonen einordnen, Quellen kritisch analysieren und erinnerungskulturelle Deutungen vergleichen. Du kannst außerdem erklären, warum Widerstand in einer Diktatur besonders gefährlich war und weshalb Motive, Ziele und Handlungsspielräume stets im jeweiligen historischen Kontext bewertet werden müssen.
| Kompetenzbereich | Du kannst ... |
|---|---|
| Sachkompetenz | Formen, Trägergruppen, Motive und zeitliche Entwicklungen des Widerstands von 1933 bis 1945 erläutern. |
| Methodenkompetenz | Flugblätter, Gestapoakten, Fotos, Denkmäler, Briefe und Zeitzeugenberichte quellenkritisch untersuchen. |
| Urteilskompetenz | Widerstandshandlungen anhand transparenter Kriterien bewerten, ohne spätere demokratische Maßstäbe unreflektiert zurückzuprojizieren. |
| Orientierungskompetenz | die Bedeutung von Zivilcourage, Menschenrechten und politischer Verantwortung für die Gegenwart reflektieren. |
Historischer Kontext
Diktatur, Zustimmung und Verfolgung
Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 beseitigten die Nationalsozialisten in kurzer Zeit wesentliche Elemente der parlamentarischen Demokratie. Der Reichstagsbrandverordnung, dem Ermächtigungsgesetz, der Ausschaltung politischer Parteien und Gewerkschaften sowie der Gleichschaltung gesellschaftlicher Organisationen folgte der Ausbau eines Systems aus Propaganda, Überwachung und Terror. Gestapo, SS, Justiz und Konzentrationslager dienten der Verfolgung tatsächlicher und vermeintlicher Gegnerinnen und Gegner.
Die Stabilität des Regimes beruhte jedoch nicht allein auf Gewalt. Zustimmung, soziale Einbindung, wirtschaftliche Erwartungen, nationalistische Erfolge, rassistische Ausgrenzung und der propagandistisch inszenierte Führerkult wirkten zusammen. Diese Mischung erschwerte Widerstand: Oppositionelle mussten nicht nur staatliche Repression fürchten, sondern auch Denunziation, gesellschaftliche Isolation und Gefahren für Angehörige.
Warum war Widerstand so schwierig?
- Repression: Verhaftung, Folter, Konzentrationslager, Todesstrafe und Sippenhaft bedrohten Handelnde und ihre Familien.
- Überwachung: Postkontrolle, Spitzel, Denunziationen und die Beobachtung politischer Milieus erschwerten geheime Organisation.
- Zerschlagung von Organisationen: Parteien, Gewerkschaften, Verbände und freie Medien wurden verboten oder gleichgeschaltet.
- Zustimmung: Teile der Bevölkerung unterstützten das Regime oder profitierten von Ausgrenzung und Krieg.
- Informationslage: Wissen über Verbrechen war ungleich verteilt; zugleich waren Verfolgung und Gewalt im Alltag vielfach sichtbar.
- Politische Gegensätze: Misstrauen und ideologische Konflikte behinderten die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gegnergruppen.
Begriffe und Deutungsmodelle
Widerstand, Opposition, Protest und Resistenz
Historikerinnen und Historiker verwenden unterschiedliche Begriffe, um abweichendes Verhalten in der NS-Diktatur zu beschreiben. Eine einzige, allgemein verbindliche Definition existiert nicht. Für wissenschaftliches Arbeiten ist deshalb wichtig, das jeweils verwendete Begriffsverständnis offenzulegen.
| Begriff | Arbeitsdefinition | Beispiel |
|---|---|---|
| Nonkonformität | Verhalten, das von nationalsozialistischen Erwartungen abwich, ohne zwingend politische Ziele zu verfolgen. | Jugendliche tragen verbotene Kleidung oder hören unerwünschte Musik. |
| Verweigerung | Ablehnung einer konkreten Forderung des Regimes. | Verweigerung des Hitlergrußes oder des Kriegsdienstes. |
| Protest | Sichtbarer Widerspruch gegen eine bestimmte Maßnahme oder ein konkretes Unrecht. | Öffentliche Predigt gegen Krankenmorde oder Demonstration in der Rosenstraße. |
| Resistenz | Begrenzte gesellschaftliche Selbstbehauptung, die den totalen Herrschaftsanspruch des Regimes einschränken konnte. | Beharren eines Milieus auf eigenen religiösen oder sozialen Normen. |
| Widerstand | Bewusstes, riskantes Handeln gegen wesentliche Ziele, Praktiken oder die Existenz der nationalsozialistischen Herrschaft. | Illegale Flugblätter, Rettung Verfolgter, Sabotage oder Umsturzplanung. |
Das von Martin Broszat geprägte Konzept der Resistenz lenkte den Blick auf gesellschaftliche Bereiche, in denen der NS-Herrschaft Grenzen gesetzt wurden, ohne dass ein vollständiger politischer Umsturz beabsichtigt war. Andere Modelle unterscheiden Stufen von Nonkonformität über Verweigerung und Protest bis zum Widerstand. Solche Modelle helfen bei der Analyse, dürfen aber historische Grauzonen nicht verdecken.
Kriterien für eine begründete Einordnung
Bei der Beurteilung einer Handlung kannst Du folgende Fragen kombinieren:
- Gegen welches Ziel, welche Institution oder welches Verbrechen richtete sich die Handlung?
- War das Verhalten bewusst und politisch oder moralisch begründet?
- Ging die Person ein erkennbares persönliches Risiko ein?
- Sollte nur ein einzelnes Interesse geschützt oder die Herrschaft grundsätzlich verändert werden?
- Welche Informationen und Handlungsmöglichkeiten standen der Person damals zur Verfügung?
- Welche unbeabsichtigten Folgen hatte die Handlung?
Formen und Trägergruppen des Widerstands
Widerstand aus der Arbeiterbewegung
Mitglieder von KPD, SPD, kleineren sozialistischen Gruppen und freien Gewerkschaften gehörten unmittelbar nach 1933 zu den frühesten organisierten Gegnern des Regimes. Sie bauten illegale Netzwerke auf, verbreiteten Zeitungen, sammelten Informationen, unterstützten Inhaftierte und versuchten, Kontakte zwischen Betrieben und Exilorganisationen aufrechtzuerhalten. Zu den Gruppen gehörten unter anderem Neu Beginnen, die Sozialistische Front, die Rote Hilfe und regionale Betriebsgruppen.
Die politische Polizei konnte viele Netzwerke früh zerschlagen. Ideologische Gegensätze zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten erschwerten eine gemeinsame Abwehrfront. Trotzdem blieb der Arbeiterwiderstand über die gesamte NS-Zeit hinweg bedeutsam. Eine ausschließliche Konzentration auf den 20. Juli 1944 würde diese frühen und häufig besonders verlustreichen Formen des Widerstands unsichtbar machen.
Georg Elser: Widerstand eines Einzelnen
Der Schreiner Georg Elser plante ohne große Organisation ein Attentat auf Hitler. Am 8. November 1939 explodierte seine Bombe im Münchner Bürgerbräukeller, nachdem Hitler den Ort bereits verlassen hatte. Elser wollte nach eigener Aussage Krieg und weiteres Blutvergießen verhindern. Er wurde bei einem Fluchtversuch festgenommen, über Jahre in Konzentrationslagern gefangen gehalten und am 9. April 1945 im KZ Dachau ermordet.

Das Georg-Elser-Denkmal in Königsbronn erinnert an einen lange unterschätzten Einzelwiderstand.
Elsers Beispiel wirft grundlegende Fragen auf: Kann ein politisches Attentat moralisch gerechtfertigt sein? Welche Bedeutung hat die frühe Erkenntnis, dass Hitler einen großen Krieg anstrebte? Und warum wurde Elser nach 1945 lange weniger geehrt als Angehörige des militärischen Widerstands?
Die Weiße Rose
Die Weiße Rose war ein studentisch geprägter Freundeskreis in München. Zu ihrem Kern gehörten Hans Scholl, Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Willi Graf, Christoph Probst und der Hochschullehrer Kurt Huber. Zwischen 1942 und 1943 verfasste und verbreitete die Gruppe sechs Flugblätter. Darin verurteilte sie Diktatur, Krieg und Massenmord und rief zu passivem Widerstand auf.
Am 18. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl beim Verteilen von Flugblättern in der Ludwig-Maximilians-Universität München entdeckt und verhaftet. Bereits am 22. Februar verurteilte sie der Volksgerichtshof gemeinsam mit Christoph Probst zum Tod. Weitere Mitglieder und Unterstützende wurden später ebenfalls hingerichtet oder inhaftiert.

Das Bodenmahnmal vor der Münchner Universität gestaltet Flugblätter als dauerhaft sichtbare Spuren des Widerstands.
Quellenfrage: Welche Aussagen des Videos lassen sich durch erhaltene Flugblätter belegen? Unterscheide zwischen Quelle, Rekonstruktion und späterer Deutung.
Jugendliche Opposition und Edelweißpiraten
Nicht alle Jugendlichen ließen sich vollständig in Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel eingliedern. Gruppen wie die Edelweißpiraten oder die Swing-Jugend suchten eigene Freiräume, hörten verbotene Musik, unternahmen Fahrten und widersetzten sich den Normen nationalsozialistischer Jugendorganisationen. Teile der Edelweißpiraten unterstützten Verfolgte, verbreiteten Parolen oder beteiligten sich an weitergehenden Widerstandsaktionen.
Die Gruppen waren weder einheitlich organisiert noch überall politisch gleich ausgerichtet. Deshalb ist zu prüfen, wann jugendliche Nonkonformität in bewussten politischen Widerstand überging. Die NS-Behörden reagierten mit Überwachung, Haft, Misshandlung und in einzelnen Fällen mit Hinrichtungen.

Die Gedenktafel in Köln-Ehrenfeld erinnert an jugendliche Edelweißpiraten und weitere Opfer von Gestapo und SS.
Christlich motivierter und kirchlicher Widerstand
Nationalsozialistische Eingriffe in kirchliche Strukturen führten zu Konflikten mit Teilen der evangelischen und katholischen Kirchen. Die Bekennende Kirche wandte sich gegen die Gleichschaltung der evangelischen Kirche. Einzelne Geistliche und Laien gingen darüber hinaus und stellten sich aus christlicher Überzeugung gegen Verfolgung, Krieg und Diktatur.
Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer beteiligte sich an oppositionellen Netzwerken, unterstützte Kontakte ins Ausland und wurde 1945 im KZ Flossenbürg ermordet. Der katholische Bischof Clemens August Graf von Galen prangerte 1941 in Predigten die nationalsozialistischen Krankenmorde öffentlich an. Bernhard Lichtenberg betete öffentlich für Verfolgte und starb nach seiner Haft. Gleichzeitig blieben große Teile der Kirchen institutionell angepasst oder beschränkten ihren Protest auf die Verteidigung eigener Rechte. Daher muss zwischen kirchlicher Selbstbehauptung und grundsätzlichem Widerstand unterschieden werden.

Dietrich Bonhoeffer verband theologisches Denken mit politischer Verantwortung und praktischer Hilfe.
Die Rote Kapelle
Der Ausdruck Rote Kapelle war eine Sammelbezeichnung der Gestapo für verschiedene Widerstands- und Kontaktnetzwerke. Besonders bekannt sind die Kreise um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack. Beteiligte diskutierten politische Alternativen, halfen Verfolgten, verbreiteten Flugschriften, dokumentierten NS-Verbrechen und übermittelten teilweise Informationen an die Sowjetunion.
Die Gestapo-Deutung als einheitlich gesteuerte kommunistische Spionageorganisation prägte lange das öffentliche Bild. Neuere Forschung hebt die soziale, politische und religiöse Vielfalt der Netzwerke hervor. Viele Beteiligte, darunter Libertas Schulze-Boysen und Mildred Harnack, wurden 1942 und 1943 hingerichtet.

Harro und Libertas Schulze-Boysen gehörten zu einem vielfältigen Berliner Widerstandsnetzwerk.
Der Kreisauer Kreis
Der Kreisauer Kreis war ein loses Netzwerk um Helmuth James Graf von Moltke und Peter Yorck von Wartenburg. Auf dem Gut Kreisau und an anderen Orten diskutierten die Beteiligten politische, soziale und rechtliche Grundordnungen für eine Zeit nach dem Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt standen Rechtsstaatlichkeit, persönliche Verantwortung, europäische Zusammenarbeit und eine Neuordnung der Gesellschaft.
Der Kreisauer Kreis plante zunächst nicht vorrangig ein Attentat, stand aber in Verbindung zu Personen des späteren Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944. Seine Mitglieder vertraten unterschiedliche konfessionelle und politische Positionen. Ihre Entwürfe zeigen, dass Widerstand auch als Arbeit an einer zukünftigen Ordnung verstanden werden kann.

Helmuth James und Freya von Moltke: Freya unterstützte die Kreisauer Gespräche und bewahrte nach 1945 wichtige Dokumente.
Militärischer und konservativer Widerstand
In konservativen, diplomatischen und militärischen Kreisen entstanden bereits vor Kriegsbeginn Umsturzüberlegungen. Motive waren vielfältig: Ablehnung der Diktatur, Sorge vor einem aussichtslosen Krieg, Empörung über Massenverbrechen, religiöse Überzeugungen, patriotische Verantwortung oder der Wunsch nach einer anderen staatlichen Ordnung. Nicht alle Beteiligten waren von Beginn an Gegner des Nationalsozialismus, und nicht alle strebten eine parlamentarische Demokratie heutiger Prägung an.
Am 20. Juli 1944 brachte Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe in Hitlers Hauptquartier, der Wolfsschanze, zur Explosion. Der geplante Umsturz nutzte den unter dem Decknamen Unternehmen Walküre vorbereiteten Notfallplan. Hitler überlebte; der Umsturz scheiterte. Noch in derselben Nacht wurden Stauffenberg, Friedrich Olbricht, Albrecht Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften im Bendlerblock erschossen. In den folgenden Monaten verhaftete das Regime Tausende und ließ zahlreiche Beteiligte und Angehörige des weiteren Widerstandsumfelds hinrichten.

Die Gedenktafel im Bendlerblock erinnert an den gescheiterten Umsturzversuch des 20. Juli 1944.
Die historische Bewertung muss Ambivalenzen aushalten: Der 20. Juli war ein ernsthafter Versuch, die Diktatur zu stürzen und den Krieg zu beenden. Zugleich hatten einige Beteiligte zuvor Funktionen im Staat oder Militär ausgeübt und nationalkonservative, autoritäre oder zeittypisch antidemokratische Vorstellungen vertreten. Historisches Verstehen bedeutet weder unkritische Heldenverehrung noch pauschale Abwertung.
Widerstand im Alltag: Elise und Otto Hampel
Elise Hampel und Otto Hermann Hampel schrieben ab 1940 in Berlin Postkarten mit Aufrufen gegen Hitler und den Krieg und legten sie in Treppenhäusern und an öffentlichen Orten aus. Die meisten Karten wurden bei der Polizei abgegeben. Nach ihrer Verhaftung verurteilte der Volksgerichtshof beide zum Tod; sie wurden 1943 hingerichtet.

Gestapo-Aufnahmen von Elise und Otto Hampel nach ihrer Verhaftung.

Eine erhaltene Postkarte ermöglicht die Analyse von Sprache, Zielgruppe, Risiko und erwarteter Wirkung.
Die Geschichte der Hampels zeigt, dass auch Handlungen mit geringer unmittelbarer Reichweite für die Beteiligten ein extremes Risiko bedeuteten. Sie regt dazu an, Erfolg nicht nur an der Zahl erreichter Menschen zu messen, sondern auch an Selbstbehauptung, Zeugnis und moralischer Grenzziehung.
Frauen im Widerstand
Frauen wirkten in nahezu allen Widerstandsbereichen: als Kurierinnen, Autorinnen, Organisatorinnen, Fluchthelferinnen, Informationsbeschafferinnen, Gastgeberinnen geheimer Treffen und eigenständige politische Akteurinnen. Neben Sophie Scholl, Libertas Schulze-Boysen und Mildred Harnack gehören unter anderem Freya von Moltke, Elisabeth von Thadden, Annedore Leber und Maria Terwiel zu den bekannten Namen.
Lange wurden Frauen in der Erinnerung häufig als Helferinnen männlicher Widerstandskämpfer dargestellt. Eine geschlechtergeschichtliche Perspektive fragt dagegen nach eigenständigen Entscheidungen, Handlungsspielräumen und den Quellenproblemen, die zur Unsichtbarkeit weiblicher Beiträge beitrugen.
Forschungsauftrag: Prüfe anhand zweier Biografien, ob die Begriffe „Mitwissende“, „Unterstützerin“ oder „Widerstandskämpferin“ die jeweilige Handlung angemessen erfassen.
Protest in der Rosenstraße
Ende Februar und Anfang März 1943 protestierten überwiegend nichtjüdische Angehörige in der Berliner Rosenstraße gegen die Festnahme ihrer jüdischen Ehepartner und Verwandten. Ein großer Teil der Inhaftierten wurde freigelassen. Wie stark der öffentliche Protest die Freilassung bewirkte und welche administrativen Entscheidungen zusätzlich eine Rolle spielten, wird in der Forschung differenziert diskutiert.

Das Denkmal „Block der Frauen“ erinnert an den Protest in der Berliner Rosenstraße.
Der Fall eignet sich besonders für historisches Urteilen: Er zeigt die Möglichkeit öffentlichen Protests, darf aber nicht vorschnell als Beweis dafür verwendet werden, dass jeder Protest unter allen Bedingungen erfolgreich gewesen wäre.
Jüdischer Widerstand und Selbstbehauptung
Jüdinnen und Juden waren nicht nur passive Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Sie organisierten Flucht, versteckten Menschen, fälschten Dokumente, bewahrten religiöse und kulturelle Praxis, sammelten Zeugnisse, leisteten bewaffneten Widerstand und beteiligten sich an Aufständen in Ghettos und Lagern. Beispiele sind die Gruppe um Herbert Baum, die Jugendgruppe Chug Chaluzi, der Aufstand im Warschauer Ghetto sowie Aufstände in den Vernichtungslagern Treblinka und Sobibor.
Der Begriff Selbstbehauptung erweitert den Blick auf Handlungen, mit denen Verfolgte unter extrem eingeschränkten Bedingungen Würde, Gemeinschaft, Wissen und Überlebenschancen verteidigten. Eine angemessene Bewertung muss die radikal ungleichen Handlungsmöglichkeiten zwischen Verfolgten, Mitläufern und Angehörigen privilegierter Gruppen berücksichtigen.
Widerstand in den besetzten Ländern und im Exil
Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus war ein europäisches und transnationales Phänomen. In den besetzten Ländern kämpften Netzwerke, Partisanengruppen und Untergrundarmeen gegen deutsche Besatzung, Kollaboration, Deportation und Zwangsarbeit. Dazu gehörten die französische Résistance, der polnische Untergrundstaat, jugoslawische und sowjetische Partisanen sowie zahlreiche lokale Gruppen.
Deutsche Emigrantinnen und Emigranten leisteten im Exil publizistischen, politischen und kulturellen Widerstand. Andere schlossen sich alliierten Armeen oder Widerstandsbewegungen an. Die Bewegung Freies Deutschland und das Nationalkomitee Freies Deutschland versuchten, deutsche Soldaten zum Bruch mit Hitler zu bewegen. Die Perspektive über das Deutsche Reich hinaus verhindert ein national verengtes Geschichtsbild.
Chronologie zentraler Ereignisse
| Zeitraum | Ereignis | Historische Bedeutung |
|---|---|---|
| 1933 | Zerschlagung von Parteien, Gewerkschaften und oppositionellen Medien | Frühe Untergrundnetze entstehen unter massivem Verfolgungsdruck. |
| 1933 bis 1938 | Arbeiterwiderstand, kirchliche Konflikte, Exilpublizistik und erste Umsturzpläne | Unterschiedliche Milieus reagieren auf Gleichschaltung, Terror und Kriegsvorbereitung. |
| 8. November 1939 | Attentat Georg Elsers im Bürgerbräukeller | Früher individueller Versuch, Hitler zu töten und den Krieg zu stoppen. |
| 1941 | Öffentliche Predigten gegen nationalsozialistische Krankenmorde | Begrenzter öffentlicher Protest macht ein staatliches Massenverbrechen sichtbar. |
| 1942 bis 1943 | Flugblattaktionen der Weißen Rose und Verfolgung der Roten Kapelle | Intellektueller, studentischer und netzwerkförmiger Widerstand wird brutal zerschlagen. |
| Februar und März 1943 | Protest in der Rosenstraße | Seltenes Beispiel eines länger sichtbaren öffentlichen Protests in Berlin. |
| 20. Juli 1944 | Attentats- und Umsturzversuch | Größter organisierter Umsturzversuch aus dem Inneren des Staats- und Militärapparats. |
| 1944 bis 1945 | Verschärfte Verfolgung, Desertion, lokale Aktionen und Kriegsendphasenverbrechen | Widerstand und Verweigerung treffen auf zunehmenden Terror des zusammenbrechenden Regimes. |
Quellenarbeit im Geschichtsstudium
Quellengattungen
Die Geschichte des Widerstands ist durch eine vielfältige, aber problematische Überlieferung geprägt. Viele illegale Dokumente wurden aus Sicherheitsgründen vernichtet. Zugleich entstanden umfangreiche Akten der Verfolger, deren Sprache und Kategorien nicht ungeprüft übernommen werden dürfen.
| Quellengattung | Erkenntnischance | Quellenkritisches Problem |
|---|---|---|
| Flugblatt | Ziele, Sprache, Adressaten und moralische Argumente der Widerstandsgruppe | Geplante Wirkung sagt wenig über tatsächliche Verbreitung und Rezeption aus. |
| Gestapoakte | Verfolgungsabläufe, Netzwerke, Verhöre und staatliche Wahrnehmung | Unter Folter erzwungene Aussagen, Täterperspektive und propagandistische Kategorien |
| Privater Brief | Motive, Zweifel, Beziehungen und Zukunftsvorstellungen | Selbstzensur, situative Perspektive und unvollständige Überlieferung |
| Gerichtsprotokoll | Anklagen, Herrschaftssprache und Inszenierung politischer Justiz | Das Verfahren war kein rechtsstaatlicher Wahrheitsraum. |
| Zeitzeugenbericht | Erlebte Erfahrung, Erinnerung und spätere Deutung | Erinnerung verändert sich; spätere Narrative beeinflussen die Darstellung. |
| Denkmal | Erinnerungspolitik, Symbolik und gesellschaftliche Wertung | Es informiert oft stärker über die Entstehungszeit des Denkmals als über das Ereignis selbst. |
Leitfaden zur Quellenkritik
- Quellenart bestimmen: Was für ein Dokument oder Objekt liegt vor?
- Urheber und Entstehungssituation klären: Wer spricht wann, wo und unter welchen Bedingungen?
- Adressat und Absicht untersuchen: Wen sollte die Quelle erreichen und was sollte sie bewirken?
- Inhalt und Sprache analysieren: Welche Begriffe, Argumente, Auslassungen und Wertungen fallen auf?
- Überlieferung prüfen: Wer bewahrte, bearbeitete oder veröffentlichte die Quelle?
- Aussagewert begrenzen: Welche Frage kann die Quelle beantworten und welche nicht?
- Mit weiteren Quellen vergleichen: Wo bestätigen oder widersprechen sich Zeugnisse?
Beispielanalyse: Flugblatt oder Widerstandspostkarte
Untersuche die abgebildete Postkarte von Elise und Otto Hampel. Beschreibe zunächst nur Sichtbares, bevor Du interpretierst. Analysiere anschließend Wortwahl, vermutete Adressaten, politische Forderung und die erwartete Wirkung. Vergleiche diese Quelle mit einem Flugblatt der Weißen Rose. Beurteile abschließend, welche Kommunikationsform unter den Bedingungen der Diktatur größere Reichweite, größere Sicherheit oder stärkere symbolische Wirkung versprach.
Motive, Ziele und Ambivalenzen
Widerstand entstand aus unterschiedlichen und teils widersprüchlichen Motiven. Dazu gehörten sozialistische oder kommunistische Überzeugungen, christlicher Glaube, Liberalismus, konservativer Patriotismus, Menschenrechtsdenken, persönliche Gewissensentscheidungen, Solidarität mit Verfolgten und die Ablehnung eines verlorenen oder verbrecherischen Krieges. Motive konnten sich verändern: Menschen, die das Regime zunächst unterstützten oder in seinen Institutionen dienten, konnten später zu Gegnern werden.
Nicht jede Widerstandsperson vertrat Demokratie, Gleichheit oder eine vorbehaltlose Ablehnung von Antisemitismus. Historische Urteile müssen daher mindestens zwei Ebenen unterscheiden: die konkrete Bedeutung einer Handlung gegen die Diktatur und die politischen Vorstellungen der handelnden Person. Eine ambivalente Biografie kann eine mutige Tat enthalten; eine mutige Tat hebt frühere Mitverantwortung nicht automatisch auf.
Erfolg und Scheitern neu denken
Viele Widerstandsaktionen erreichten ihr unmittelbares Ziel nicht. Hitler wurde nicht gestürzt, Flugblätter mobilisierten keine Massen, zahlreiche Rettungsversuche scheiterten und Untergrundgruppen wurden zerschlagen. Dennoch lässt sich historische Bedeutung nicht allein am direkten politischen Erfolg messen.
Widerstand konnte Menschen retten, Informationen weitergeben, Verbrechen dokumentieren, moralische Grenzen sichtbar machen, Alternativen entwerfen und nach 1945 bezeugen, dass die Diktatur nicht ohne jede Gegenstimme blieb. Gleichzeitig darf die Erinnerung an eine mutige Minderheit nicht dazu dienen, die breite Beteiligung, Anpassung und Gleichgültigkeit der Mehrheitsgesellschaft zu verdecken.
Erinnerungskultur nach 1945
Westdeutschland, DDR und vereintes Deutschland
In der frühen Bundesrepublik Deutschland war der 20. Juli 1944 zunächst umstritten. Beteiligte galten manchen weiterhin als Verräter; später wurde der militärisch-konservative Widerstand zu einem zentralen Bezugspunkt staatlicher Erinnerung. Die DDR stellte vor allem den kommunistischen Arbeiterwiderstand heraus und deutete ihn im Sinne ihres antifaschistischen Staatsverständnisses.
Seit den 1960er- und 1970er-Jahren erweiterte die Forschung das Bild. Studentischer, jüdischer, christlicher, sozialdemokratischer, kommunistischer, jugendlicher und alltäglicher Widerstand sowie die Rolle von Frauen wurden stärker untersucht. Auch Georg Elser, Deserteure, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie transnationale Netzwerke erhielten größere Aufmerksamkeit.
Denkmäler als historische Quellen
Denkmäler wählen aus, verdichten und bewerten. Das Bodenmahnmal für die Weiße Rose betont das Flugblatt als Medium. Das Elser-Denkmal in Königsbronn rückt eine einzelne Person in den öffentlichen Raum. Der Bendlerblock verbindet Tatort, Hinrichtungsort, Museum und staatliches Gedenken. Das Rosenstraße-Denkmal hebt kollektiven Protest und die Rolle von Frauen hervor.
Bei einer Denkmalsanalyse solltest Du fragen: Wer initiierte das Denkmal? Wann entstand es? Welche Personengruppe wird sichtbar? Welche fehlt? Welche Symbole werden verwendet? Welche Handlungen erwartet der Ort von Besucherinnen und Besuchern?
Zusammenfassung
Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus war vielfältig, fragmentiert und lebensgefährlich. Er reichte von politischer Untergrundarbeit, religiösem Protest und studentischen Flugblättern über Rettungshilfe und Selbstbehauptung bis zu Attentats- und Umsturzversuchen. Die Handelnden kamen aus unterschiedlichen sozialen und politischen Milieus; ihre Motive und Zukunftsvorstellungen waren nicht einheitlich.
Eine fachlich angemessene Beschäftigung verbindet Empathie mit Quellenkritik. Sie würdigt Mut und Verantwortung, untersucht aber ebenso Ambivalenzen, begrenzte Reichweite, vorherige Anpassung und spätere Erinnerungspolitik. Gerade weil nur eine Minderheit aktiven Widerstand leistete, stellt das Thema Fragen nach individuellen Entscheidungen, strukturellen Zwängen und den Möglichkeiten von Zivilcourage.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt Widerstand gegen den Nationalsozialismus am treffendsten? (Bewusstes riskantes Handeln gegen zentrale Ziele oder Praktiken der NS-Herrschaft) (!Jede private Unzufriedenheit mit dem Alltag) (!Ausschließlich militärische Attentate auf Hitler) (!Nur Handlungen kommunistischer Untergrundgruppen)
Welche Gruppe verbreitete 1942 und 1943 in München Flugblätter? (Die Weiße Rose) (!Der Kreisauer Kreis) (!Die Edelweißpiraten) (!Das Nationalkomitee Freies Deutschland)
Was kennzeichnet Georg Elsers Widerstand besonders? (Er plante weitgehend allein ein frühes Attentat auf Hitler) (!Er leitete den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944) (!Er schrieb die Flugblätter der Weißen Rose) (!Er organisierte den Protest in der Rosenstraße)
Welches Ziel verfolgte der Kreisauer Kreis vor allem? (Entwürfe für eine politische und gesellschaftliche Ordnung nach dem Nationalsozialismus) (!Die Gleichschaltung der evangelischen Kirche) (!Die Gründung einer nationalsozialistischen Jugendorganisation) (!Die Unterstützung des deutschen Angriffskrieges)
Warum muss die Bezeichnung Rote Kapelle quellenkritisch verwendet werden? (Sie war eine Sammelbezeichnung der Gestapo für unterschiedliche Netzwerke) (!Sie war der offizielle Eigenname einer einzigen Partei) (!Sie bezeichnete nur eine militärische Musikkapelle) (!Sie wurde erst nach 1990 von Historikern erfunden)
Was war Unternehmen Walküre im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944? (Ein Notfallplan, der für den geplanten Umsturz genutzt werden sollte) (!Ein Flugblattprogramm der Weißen Rose) (!Eine Rettungsaktion der Bekennenden Kirche) (!Ein Jugendverband der Edelweißpiraten)
Welche Aussage zu den Edelweißpiraten ist historisch angemessen? (Sie waren vielfältige Jugendgruppen zwischen Nonkonformität und weitergehendem Widerstand) (!Sie bildeten eine einheitliche Partei mit zentraler Führung) (!Sie gehörten vollständig zur Hitlerjugend) (!Sie handelten ausschließlich im Ausland)
Welche besondere Schwierigkeit haben Gestapoakten als Quellen? (Sie spiegeln die Perspektive der Verfolger und können erzwungene Aussagen enthalten) (!Sie enthalten grundsätzlich keine Namen) (!Sie wurden ausschließlich nach 1945 geschrieben) (!Sie sind immer wortgetreue Berichte der Verfolgten)
Welche Aussage über Widerstandspersonen ist richtig? (Ihre Motive und politischen Zukunftsvorstellungen waren unterschiedlich) (!Alle vertraten von Anfang an eine moderne parlamentarische Demokratie) (!Alle gehörten derselben sozialen Schicht an) (!Alle lehnten das Regime bereits vor 1933 vollständig ab)
Warum ist die Erinnerung an Widerstand nach 1945 selbst ein Thema der Geschichtswissenschaft? (Weil Gesellschaften unterschiedliche Gruppen hervorhoben und das Bild des Widerstands veränderten) (!Weil nach 1945 keine neuen Quellen mehr gefunden wurden) (!Weil Denkmäler historische Ereignisse vollkommen neutral abbilden) (!Weil in Bundesrepublik und DDR identische Deutungen vorherrschten)
Memory
| Weiße Rose | Flugblätter |
| Georg Elser | Bürgerbräukeller |
| Kreisauer Kreis | Nachkriegsordnung |
| Rote Kapelle | Widerstandsnetzwerke |
| Edelweißpiraten | Jugendopposition |
| Bendlerblock | Umsturzversuch |
| Elise und Otto Hampel | Postkarten |
| Rosenstraße | Öffentlicher Protest |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Nonkonformität | Abweichender Lebensstil ohne zwingend politisches Ziel |
| Verweigerung | Ablehnung einer konkreten Forderung des Regimes |
| Protest | Sichtbarer Widerspruch gegen eine bestimmte Maßnahme |
| Resistenz | Begrenzte gesellschaftliche Selbstbehauptung gegen den Herrschaftsanspruch |
| Widerstand | Bewusstes riskantes Handeln gegen zentrale Ziele der Diktatur |
Ordne anschließend fünf historische Beispiele eigenständig einem Begriff zu und begründe Grenzfälle.
Kreuzworträtsel
| Resistenz | Wie heißt der Begriff für begrenzte gesellschaftliche Selbstbehauptung gegen den totalen Herrschaftsanspruch? |
| Flugblatt | Welches vervielfältigte Medium nutzte die Weiße Rose? |
| Umsturz | Welches politische Ziel verfolgten die Beteiligten des 20. Juli? |
| Zivilcourage | Wie heißt mutiges öffentliches Eintreten für andere trotz persönlicher Risiken? |
| Exil | Wie heißt der Aufenthaltsort außerhalb des eigenen Landes nach politischer Flucht? |
| Sabotage | Wie heißt die gezielte Störung von Arbeitsabläufen oder technischen Anlagen? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Biografie: Erstelle ein einseitiges Porträt zu Sophie Scholl, Georg Elser, Libertas Schulze-Boysen oder Dietrich Bonhoeffer. Trenne Lebensdaten, Motive, Handlungen, Risiken und Nachwirkung.
- Zeitleiste: Gestalte eine visuelle Zeitleiste mit mindestens acht Ereignissen aus unterschiedlichen Widerstandsbereichen zwischen 1933 und 1945.
- Denkmalanalyse: Wähle eines der im Kurs gezeigten Denkmäler und beschreibe Material, Standort, Symbolik und beabsichtigte Wirkung.
- Begriffskarte: Erstelle eine Concept-Map zu Nonkonformität, Verweigerung, Protest, Resistenz und Widerstand und ergänze zu jedem Begriff ein Beispiel.
Standard
- Quellenvergleich: Vergleiche eine Postkarte der Hampels mit einem Flugblatt der Weißen Rose hinsichtlich Sprache, Adressaten, Reichweite, Risiko und politischem Ziel.
- Podcast: Produziere eine fünfminütige Podcastfolge zur Frage „Warum leisteten nur wenige Menschen aktiven Widerstand?“. Verwende mindestens drei historische Faktoren.
- Lokale Geschichte: Recherchiere einen Erinnerungsort oder eine Widerstandsbiografie aus Deiner Region. Dokumentiere Quellenlage, Forschungslücken und heutige Vermittlung.
- Debatte: Organisiere eine strukturierte Diskussion zur Aussage „Ein gescheitertes Attentat kann historisch erfolgreich sein“. Formuliere Argumente, Gegenargumente und ein begründetes Urteil.
Schwer
- Forschungsessay: Untersuche auf vier bis sechs Seiten, wie sich die westdeutsche oder ostdeutsche Erinnerung an eine Widerstandsgruppe zwischen 1945 und 1990 veränderte.
- Digitale Ausstellung: Kuratiere eine digitale Ausstellung mit mindestens sechs Quellen aus drei Quellengattungen. Verfasse Objekttexte und lege Deine Auswahlkriterien offen.
- Historiografievergleich: Vergleiche einen engen Widerstandsbegriff mit dem Resistenzkonzept. Prüfe beide Modelle an drei Grenzfällen und entwickle eine eigene Arbeitsdefinition.
- Oral History: Plane ein Interview über lokale Erinnerungskultur. Erstelle einen ethisch reflektierten Leitfaden, führe das Gespräch durch und analysiere Erinnerung, Auslassungen und spätere Deutungsmuster.


Lernkontrolle
- Fallanalyse Georg Elser: Beurteile Elsers Attentatsplan unter Berücksichtigung von Ziel, Mitteln, zeitgenössischem Wissen, erwarteten Folgen und persönlichem Risiko. Formuliere Kriterien, bevor Du urteilst.
- Vergleich von Handlungsspielräumen: Vergleiche die Möglichkeiten einer nicht verfolgten Beamtin, eines jüdischen Jugendlichen im Untergrund und eines Wehrmachtsoffiziers. Erkläre, warum identische moralische Erwartungen historisch problematisch wären.
- Quellenkritik: Eine Gestapoakte bezeichnet eine Gruppe als staatsfeindliche kommunistische Spionageorganisation. Entwickle einen Prüfplan, mit dem Du diese Darstellung durch andere Quellen kontrollierst.
- Erinnerungspolitik: Entwirf ein neues Denkmal, das mehrere Widerstandsformen sichtbar macht. Begründe Auswahl, Standort, Gestaltung und den Umgang mit Ambivalenzen.
- Kontroverse Rosenstraße: Formuliere zwei konkurrierende Erklärungen für die Freilassung der Inhaftierten und zeige, welche Quellen jede Erklärung stützen oder widerlegen könnten.
- Transfer Zivilcourage: Leite aus historischen Beispielen keine einfachen Handlungsrezepte, sondern drei reflektierte Prinzipien für verantwortliches Handeln in heutigen Konfliktsituationen ab.
- Synthese: Prüfe die These „Der deutsche Widerstand scheiterte politisch, war aber moralisch und erinnerungskulturell bedeutsam“. Entwickle ein differenziertes Urteil mit mindestens vier Beispielen.
Lernnachweis
Für einen qualifizierten Lernnachweis sollst Du zeigen, dass Du nicht nur Namen und Daten kennst, sondern historische Zusammenhänge analysieren kannst.
- Du definierst Widerstand transparent und grenzt ihn begründet von Nonkonformität, Verweigerung, Protest und Resistenz ab.
- Du ordnest mindestens vier Widerstandsformen in ihren zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext ein.
- Du analysierst mindestens zwei unterschiedliche Quellengattungen nach quellenkritischen Kriterien.
- Du vergleichst Motive, Ziele, Risiken und Handlungsspielräume verschiedener Personen oder Gruppen.
- Du berücksichtigst Ambivalenzen, darunter frühere Anpassung, antidemokratische Vorstellungen oder begrenzte Zielsetzungen.
- Du entwickelst ein eigenständiges Sach- oder Werturteil und belegst es mit historischen Beispielen.
- Du reflektierst, wie Erinnerungspolitik nach 1945 das öffentliche Bild des Widerstands geprägt hat.
- Du weist verwendete Literatur, Quellen und Bildnachweise nachvollziehbar aus.
OERs zum Thema
Freie und wissenschaftsnahe Vertiefung
- Bundeszentrale für politische Bildung: Einführung in den Widerstand gegen den Nationalsozialismus
- Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Thematische Vertiefung
- LeMO des Deutschen Historischen Museums: Widerstand im NS-Regime
- Wikimedia Commons: Freie Medien zum deutschen Widerstand
Verknüpfte Lernbereiche
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