Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk (Rainhard Fendrich)

Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk (Rainhard Fendrich)
Einleitung
Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk ist ein Liebeslied des österreichischen Sängers, Songwriters und Liedermachers Rainhard Fendrich. Es erschien 1983 im Umfeld des Albums Auf und davon und gehört zu den langlebigen Titeln des Austropop. Text und Musik stammen von Fendrich; als Produzenten werden Rainhard Fendrich und Christian Kolonovits genannt. Die Aufnahme entstand 1983 im Sound Mill Studio in Wien-Liesing. Als Single erreichte das Lied in Österreich Platz 3 und war 16 Wochen in der Hitparade vertreten.
Der Song verbindet eine unmittelbar verständliche Liebeserklärung mit österreichischem Dialekt, einer ungewöhnlich starken Zentralmetapher und einer melodischen Gestaltung, die Nähe und emotionale Steigerung miteinander verbindet. Gerade diese Verbindung macht das Stück für den Musik-, Deutsch- und Kulturunterricht interessant: Du kannst an ihm Dialekt, Metapher, Liebeslyrik, Popmusik, Gesang, Songwriting und die Geschichte des Austropop untersuchen.

Das Foto zeigt Rainhard Fendrich bei einem Liveauftritt 2015. Die Datei steht auf Wikimedia Commons unter CC BY-SA 3.0 DE.
Urheberrechtlicher Hinweis für diesen aiMOOC: Der vollständige Liedtext und die vollständige Originalmelodie werden hier nicht wiedergegeben. Einzelne Dialektwörter und der Songtitel dienen der sprachlichen Analyse. Die Notenbeispiele mit der MediaWiki-Erweiterung Score sind eigens für diesen Kurs erfundene Miniaturen und bilden weder die Originalmelodie noch eine vollständige oder rekonstruierbare Partitur des Songs ab.
Basisdaten und Entstehung
Der Song wurde 1983 veröffentlicht. Fendrich war zu diesem Zeitpunkt bereits als österreichischer Liedermacher etabliert. Das Album Auf und davon war sein viertes Studioalbum. Der Titel steht innerhalb dieser Phase für jene Seite seines Schaffens, die nicht satirisch oder gesellschaftskritisch, sondern ausdrücklich persönlich und lyrisch arbeitet.
Für die Aufnahme werden Rainhard Fendrich als Autor, Komponist, Sänger und Mitproduzent sowie Christian Kolonovits als Produzent beziehungsweise Arrangeur genannt. Quellen zu späteren Veröffentlichungen führen die Aufnahme auf das Sound Mill Studio in Wien-Liesing zurück. Die kommerzielle Resonanz war deutlich: Die Single erreichte in Österreich Platz 3.
Dass das Stück nicht auf seine ursprüngliche Veröffentlichung beschränkt blieb, zeigt seine lange Aufführungsgeschichte. Es wurde in verschiedenen Livekontexten neu interpretiert, darunter bei der Eröffnung der Wiener Festwochen 1992, in einer akustischen Ö3-Fassung 2016 und in einer symphonischen Fassung mit der Philharmonie Salzburg unter Christian Kolonovits. Außerdem wurde das Lied in das Jukebox-Musical I Am From Austria aufgenommen.
Das eingebettete Hörbeispiel stammt vom offiziellen Artist Channel von Rainhard Fendrich und verweist auf die Aufnahme von 1983. Höre zunächst ohne Notizen und beschreibe anschließend spontan drei Eindrücke zu Stimme, Tempo und Atmosphäre.
Der Song im Austropop
Austropop ist kein eng abgegrenzter musikalischer Stil. Der Begriff bezeichnet vor allem Popmusik aus Österreich und wird historisch besonders mit deutschsprachigen und dialektalen Liedern verbunden. In den 1970er Jahren wurde österreichischer Dialekt in der Popmusik zunehmend zu einem selbstbewussten Ausdrucksmittel. Künstler wie Marianne Mendt, Wolfgang Ambros, Georg Danzer und später Rainhard Fendrich machten regionale Sprachformen zu einem Teil populärer Musikkultur.
Fendrichs Lied steht in dieser Tradition, ohne sie bloß zu wiederholen. Der Dialekt ist hier nicht nur ein Herkunftssignal. Er prägt den Klang der Silben, die Kürze vieler Formulierungen und die Nähe zur gesprochenen Alltagssprache. Dadurch wirkt die Liebeserklärung weniger feierlich-distanziert als viele hochsprachliche Liebeslieder. Das Persönliche erscheint als etwas Gesprochenes, nicht als literarische Pose.
Ein Ö1-Beitrag aus der Reihe Lexikon der österreichischen Popmusik hebt hervor, dass Fendrich neben satirischen und gesellschaftskritischen Songs auch besonders langlebige Liebeslieder geschaffen hat. Gerade diese Spannweite erklärt seine besondere Stellung im Austropop: Er verbindet populäre Refrains mit sprachlichem Witz, Alltagssprache, erzählerischer Direktheit und unterschiedlichen thematischen Registern.
Sprache und österreichischer Dialekt
Der Text verwendet Formen des österreichischen, vor allem ostösterreichisch beziehungsweise bairisch geprägten Dialekts. Österreichische Dialekte gehören überwiegend zum bairischen Sprachraum; im Westen Österreichs finden sich außerdem alemannische Dialekte.
Für die Analyse ist wichtig, Dialekt nicht als „falsches Hochdeutsch“ zu betrachten. Ein Dialekt besitzt eigene lautliche, grammatische und lexikalische Regeln. Im Song erfüllt er mehrere Funktionen:
- Authentizität: Der Text klingt wie eine persönliche Äußerung aus einem konkreten Sprachraum.
- Nähe: Dialekt kann eine informelle und intime Sprechsituation erzeugen.
- Rhythmus: Verkürzte Formen verändern Silbenzahl, Betonung und Phrasierung.
- Identität: Die Sprache verankert das Lied hörbar in Österreich.
- Klangfarbe: Vokale und Konsonanten des Dialekts wirken direkt auf die Gesangslinie.
Einige einzelne Formen helfen Dir bei der Orientierung: weu entspricht hochsprachlich etwa „weil“, wia bedeutet „wie“, daham bedeutet „zu Hause“, nimma „nicht mehr“ und san „sind“. Entscheidend ist jedoch nicht eine Wort-für-Wort-Übertragung, sondern die Wirkung der gesamten Sprechhaltung.
Eine sinnvolle hochsprachliche Inhaltsparaphrase lautet: Das lyrische Ich nennt verschiedene Eigenschaften und Erfahrungen, durch die eine andere Person für es besonders wertvoll wird. Liebe erscheint als Verbindung aus Vertrauen, gemeinsamer Zukunft, emotionaler Offenheit, Freiheit und dem Gefühl des Zuhauseseins. Diese Paraphrase gibt den Sinn wieder, ohne den geschützten Liedtext nachzubilden.
Sprachliche Besonderheiten
Die wiederkehrende Begründungsstruktur ist ein zentrales Stilmittel. Viele Aussagen werden als Gründe dafür formuliert, warum das lyrische Ich die angesprochene Person liebt, braucht oder sich zu ihr hingezogen fühlt. Dadurch entsteht eine Art Kette von Beweisen der Zuneigung.
Sprachlich auffällig sind außerdem:
- Anapher: Wiederkehrende Satzanfänge schaffen Zusammenhalt und musikalische Erwartung.
- Direkte Anrede: Das Gegenüber wird konsequent als „Du“ gedacht; dadurch entsteht Intimität.
- Alltagssprache: Die Liebeserklärung arbeitet nicht mit hochartifizieller Sprache, sondern mit nahbaren Formulierungen.
- Kontrast: Verletzlichkeit und Stärke stehen nebeneinander.
- Metapher: Das „Herz wie ein Bergwerk“ verdichtet die Aussage des gesamten Liedes in einem einzigen Bild.
Die Bergwerk-Metapher

Das Bild zeigt Halitkristalle in einem Salzbergwerk bei Hallstatt. Die Datei wurde auf Wikimedia Commons als gemeinfrei veröffentlicht.
Ein Bergwerk ist ein Raum unter der Oberfläche. Man sieht von außen nicht, was in seiner Tiefe verborgen ist. Gleichzeitig verbindet man Bergwerke mit wertvollen Rohstoffen, mit Arbeit, Dunkelheit, Stollen, Tiefe und dem Erschließen verborgener Schätze.
Genau deshalb ist die Bergwerk-Metapher so ergiebig. Sie kann mehrere Bedeutungsdimensionen gleichzeitig eröffnen:
- Tiefe: Ein Herz ist nicht oberflächlich, sondern besitzt verborgene emotionale Räume.
- Reichtum: Im Inneren befindet sich etwas Wertvolles, das nicht sofort sichtbar ist.
- Entdeckung: Nähe entsteht durch das allmähliche Erschließen einer Persönlichkeit.
- Dauer: Ein Bergwerk wirkt alt, groß und beständig; dadurch kann die Metapher emotionale Stabilität andeuten.
- Ambivalenz: Bergwerke sind nicht nur Schatzkammern, sondern auch dunkle und riskante Orte. Diese Nebenbedeutung kann die Vorstellung verstärken, dass echte Nähe Mut und Vertrauen verlangt.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Textbeobachtung und Deutung. Gesichert ist, dass der Song das Herz mit einem Bergwerk vergleicht. Die genannten Bedeutungen sind plausible Interpretationen der Metapher. Ohne ausdrückliche Aussage des Autors darf man sie nicht automatisch als nachgewiesene Absicht Fendrichs ausgeben.

Der schematische Blick auf ein Bergwerk macht sichtbar, wie sehr die Metapher mit räumlicher Tiefe funktioniert: Oberfläche, Zugang und verborgene innere Bereiche lassen sich als Denkmodell auf Persönlichkeit und Gefühle übertragen. Die Commons-Datei ist als Public Domain gekennzeichnet.
Metapher als Denkmodell
Du kannst die Metapher in drei Schritten analysieren:
- Bildspender: das Bergwerk mit Stollen, Tiefe, Rohstoffen und Dunkelheit.
- Bildempfänger: das Herz beziehungsweise die innere Gefühlswelt eines Menschen.
- Übertragung: Eigenschaften des Bergwerks werden gedanklich auf die Person übertragen.
Eine gute Interpretation benennt nicht nur die Metapher, sondern erklärt, welche Merkmale übertragen werden und welche Wirkung dadurch entsteht.
Liebesliedtradition
Der Song steht in einer langen Tradition des Liebesliedes. Schon mittelalterliche Liebeslyrik, Kunstlied, Chanson, Schlager, Soul und Popmusik arbeiten mit direkter Anrede, Lob des Gegenübers, Sehnsucht, Nähe und Zukunftsvorstellungen.
Fendrichs Song übernimmt mehrere klassische Funktionen eines Liebesliedes: Das lyrische Ich richtet seine Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Person, begründet seine Zuneigung und stellt die Beziehung als emotionalen Mittelpunkt dar. Gleichzeitig verändert der Dialekt den Ton. Statt feierlicher Erhöhung entsteht eine alltagsnahe Liebeserklärung.
Interessant ist außerdem das Verhältnis von Liebe und Besitz. Der Song entwirft Liebe nicht allein als Verschmelzung, sondern verbindet Nähe mit dem Gedanken, dass die andere Person eigenständig bleiben soll. Damit lässt sich das Stück auch mit modernen Vorstellungen partnerschaftlicher Beziehung vergleichen.
Für den Unterricht bietet sich ein Vergleich mit anderen Liebesliedern an. Dabei solltest Du nicht fragen, welches Lied „besser“ ist, sondern welche sprachlichen und musikalischen Strategien jeweils verwendet werden: Wird Liebe idealisiert? Wird sie erzählt? Wird sie als Konflikt, Sehnsucht, Freundschaft, Freiheit oder Sicherheit dargestellt?
Form und Dramaturgie
Die Form des Songs ist übersichtlich und unterstützt die Verständlichkeit des Textes. Strophenartige Abschnitte sammeln konkrete Gründe für die Zuneigung. Ein wiederkehrender Refrain bündelt diese Gründe in einer emotionalen Kernaussage. Zum Ende hin wird der zentrale Gedanke wiederholt und dadurch verstärkt.
Die Dramaturgie entsteht weniger durch komplizierte Formwechsel als durch Wiederholung und Steigerung. Der Hörer kennt nach kurzer Zeit das sprachliche Muster und kann die Rückkehr des Refrains erwarten. Gerade diese Vorhersehbarkeit ist in Popmusik kein Mangel, sondern kann emotionale Beteiligung ermöglichen.
Eine mögliche Hörgliederung lautet:
- Strophenbereich: konkrete Eigenschaften und Beziehungserfahrungen.
- Refrain: Verdichtung in der zentralen Metapher.
- zweiter Strophenbereich: Zukunft, Nähe und Freiheit werden weitergeführt.
- instrumentaler beziehungsweise überleitender Bereich: musikalische Entlastung vor der Schlusssteigerung.
- Schlussrefrain: Wiederholung der Kernaussage als emotionaler Abschluss.
Melodie, Harmonik und Rhythmus
Das Lied wirkt als ruhige Popballade. Der gleichmäßige Puls lässt dem Text Raum. Die Gesangslinie bleibt über weite Strecken gut nachvollziehbar und unterstützt die Verständlichkeit der Worte. In den erzählenden Abschnitten ist die Phrasierung vergleichsweise sprechnah; im Refrain wird die Linie gesanglicher und stärker auf emotionale Zuspitzung ausgerichtet.
Die Harmonik bewegt sich überwiegend in einer vertrauten tonalen Pop- und Balladensprache. Für die Wirkung ist weniger harmonische Überraschung als die klare Stützung von Text und Melodie entscheidend. Wiederkehrende harmonische Funktionen geben Orientierung, während Übergänge in den Refrain Spannung aufbauen und wieder lösen.
Das Tempo liegt in einem ruhigen Balladenbereich. Eine spätere symphonische Livefassung wird beispielsweise mit rund 71 bis 72 Schlägen pro Minute geführt. Solche Tempoangaben können je nach Version leicht variieren. Für die Analyse ist deshalb sinnvoller, von einem ruhigen, getragenen Grundtempo zu sprechen als eine einzige Zahl als unveränderliche Eigenschaft des Werkes zu behandeln.
Selbst erstelltes Score-Beispiel 1: Sprechnahe Bewegung
Das folgende Beispiel ist didaktisch erfunden und nicht aus Fendrichs Melodie übernommen. Es zeigt, wie eine kurze, schrittweise Tonbewegung eine sprechnahe Strophe unterstützen kann.

Achte darauf, dass der Tonumfang klein bleibt und viele Schritte benachbart sind. Eine solche Kontur kann Textverständlichkeit fördern, weil große Sprünge vermieden werden.
Selbst erstelltes Score-Beispiel 2: Refrainartige Öffnung
Auch dieses Beispiel ist frei erfunden. Es demonstriert, wie eine Melodie im Refrain durch einen größeren Sprung und eine höhere Lage „weiter“ wirken kann.

Vergleiche beide Beispiele: Das zweite wirkt durch den größeren Ambitus und die höhere Zielnote offener. Genau solche Parameter kannst Du beim Original hören, ohne die Originalmelodie aufzuschreiben.
Selbst erstelltes Score-Beispiel 3: Kadenz und Ruhepunkt
Das dritte Beispiel zeigt eine erfundene Schlussbewegung, die auf einen stabilen Ruheton zielt.

Beim Hören des Songs kannst Du untersuchen, wie oft Melodie und Begleitung an Satzenden Ruhe erzeugen und an welchen Stellen sie die Spannung bewusst offenhalten.
Gesang und Interpretation
Fendrichs Gesang verbindet deutliche Textartikulation mit einer bewusst persönlichen, teilweise sprechnahen Phrasierung. Der Dialekt bleibt gut hörbar und wird nicht zugunsten eines neutralen Popdeutschs geglättet. Dadurch wird die Stimme selbst zum Träger regionaler Identität.
Für eine Gesangsanalyse kannst Du auf fünf Ebenen achten:
- Artikulation: Welche Konsonanten und Vokale werden besonders deutlich geformt?
- Phrasierung: Wo endet ein musikalischer Gedanke, und wo wird über die Taktgrenze hinweg gesungen?
- Dynamik: Welche Aussagen werden leiser, welche intensiver?
- Timbre: Wie verändert sich die Klangfarbe zwischen erzählenden und emotionalen Passagen?
- Prosodie: Wie passen Sprachbetonung und musikalische Betonung zusammen?
Diese Livefassung aus dem Ö3-Weihnachtswunder 2016 eignet sich besonders für die Untersuchung von Stimme und Phrasierung. Die reduzierte Begleitung macht viele Details deutlicher hörbar.
Vergleich verschiedener Fassungen
Ein Song ist nicht identisch mit einer einzelnen Aufnahme. Arrangement, Besetzung, Raum, Tempo, Dynamik und Gesang können seine Wirkung verändern. Bei Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk lässt sich das besonders gut beobachten.
Die offizielle Veröffentlichung des Live-Mitschnitts vom Wiener Rathausplatz 1992 dokumentiert eine großformatige Konzertfassung. Sie entstand im Umfeld der Festwocheneröffnung und wurde von Christian Kolonovits produziert.
Die symphonische Schönbrunn-Fassung verbindet Fendrich mit der Philharmonie Salzburg und einer groß besetzten Orchesterfarbe. Das Arrangement stammt von Christian Kolonovits.
Vergleiche die Fassungen systematisch:
- Besetzung: Welche Instrumentengruppen treten hervor?
- Raumwirkung: Klingt die Musik intim, konzertant oder monumental?
- Stimme: Wie verändert Fendrich Lautstärke, Timing und Ausdruck?
- Steigerung: Wann wird die musikalische Dichte größer?
- Metapher: Wirkt die Bergwerk-Idee in einer kleinen oder einer symphonischen Besetzung unterschiedlich?
Hörprotokoll
Lege beim Hören eine Tabelle mit Zeitmarken an. Notiere nicht den Liedtext, sondern ausschließlich musikalische Beobachtungen.
| Zeit | Formteil | Stimme | Instrumente | Dynamik | Wirkung |
|---|---|---|---|---|---|
| 0:00–0:30 | Beginn | ||||
| 0:30–1:00 | |||||
| 1:00–1:30 | |||||
| 1:30–2:00 | |||||
| ab 2:00 |
Das Hörprotokoll zwingt Dich dazu, Beobachtung und Interpretation zu trennen. „Die Stimme wird lauter“ ist eine Beobachtung. „Dadurch wirkt die Aussage entschlossener“ ist eine Interpretation.
Das Bergwerk als reales Gegenbild

Die Aufnahme zeigt eine historische Bergmannsrutsche im Salzbergwerk Hallstatt. Die Datei ist auf Wikimedia Commons als gemeinfrei gekennzeichnet.
Die reale Welt des Bergbaus hilft dabei, die Metapher präziser zu verstehen. Ein Bergwerk ist kein einzelner leerer Hohlraum, sondern ein System aus Zugängen, Ebenen, Schächten und Stollen. Etwas Wertvolles liegt verborgen und muss erschlossen werden. Gleichzeitig bleibt der Ort gefährlich, dunkel und nur teilweise sichtbar.
Du kannst daraus eine Interpretationsfrage entwickeln: Welche dieser Eigenschaften lassen sich sinnvoll auf ein „Herz“ übertragen, und welche wären eine Überdehnung der Metapher? Gute Literatur- und Songanalyse erkennt auch die Grenzen eines Bildes.

Die historische Aufnahme einer Führung im Salzbergwerk Hallstatt steht unter CC BY-SA 4.0. Sie zeigt zugleich, dass Bergwerke konkrete Arbeits- und Erfahrungsräume sind und nicht nur romantische Symbole.
Stellung des Songs im Austropop
Der Song ist ein Beispiel dafür, wie Dialektpop lokale sprachliche Identität mit allgemein verständlichen Themen verbinden kann. Liebe, Vertrauen und Nähe sind nicht auf Österreich beschränkt; die Form ihrer sprachlichen Darstellung ist jedoch deutlich österreichisch geprägt.
Seine lange Präsenz lässt sich an mehreren Punkten erkennen: Das Stück wurde seit den 1980er Jahren in unterschiedlichen Livebesetzungen aufgeführt, es wurde in das Musical I Am From Austria integriert, und bei einer großen Ö3-Publikumswahl zu Songs aus 50 Jahren Sendergeschichte erreichte es 2017 Platz 15. Solche Daten zeigen nicht, ob ein Song ästhetisch „besser“ ist als ein anderer. Sie dokumentieren aber seine hohe Wiedererkennbarkeit und kulturelle Dauerpräsenz.
Die symphonische Wiederaufnahme Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung zeigt außerdem, wie ein Popsong durch Arrangement neue Kontexte erhalten kann. Aus einer Ballade des Austropop wird in der Orchesterfassung ein großformatiges Konzertstück, ohne dass die zentrale Textidee verändert werden muss.
Inhaltserschließung
Der Song lässt sich inhaltlich als Sammlung von Beziehungserfahrungen lesen. Das lyrische Ich beschreibt nicht ein abstraktes Ideal, sondern konkrete Qualitäten einer Partnerschaft: emotionale Offenheit, Verlässlichkeit, Freiheit, gemeinsames Altern, spielerische Lebendigkeit und das Gefühl, bei der anderen Person zuhause zu sein.
Auffällig ist, dass Liebe über Gründe entfaltet wird. Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis: Einerseits wirkt Liebe spontan und emotional, andererseits versucht das lyrische Ich, sie sprachlich zu erklären. Die Bergwerk-Metapher löst dieses Spannungsverhältnis nicht logisch, sondern poetisch. Sie ersetzt eine Definition durch ein Bild.
Für die Inhaltserschließung kannst Du vier Leitfragen nutzen:
- Welche Eigenschaften des Gegenübers werden wertgeschätzt?
- Welche Vorstellung von Partnerschaft entsteht?
- Welche Rolle spielen Verletzlichkeit und Vertrauen?
- Warum ist eine Metapher möglicherweise wirkungsvoller als eine direkte Definition von Liebe?
Medienkompetenz und Urheberrecht
Bei populärer Musik ist die Unterscheidung zwischen Analyse und Vervielfältigung besonders wichtig. Ein vollständiger geschützter Songtext oder eine vollständige Notation sollte nicht ohne entsprechende Rechte in ein offenes Lernangebot übernommen werden.
Dieser aiMOOC nutzt deshalb drei rechtssichere beziehungsweise rechtlich zurückhaltende Wege:
- Freie Bilder: Wikimedia-Commons-Dateien werden nur verwendet, wenn ihre Dateiseiten eine freie Lizenz oder Public Domain ausweisen.
- Offizielle Einbettungen: Die Hörbeispiele verweisen auf offizielle Artist- beziehungsweise Rundfunkkanäle bei YouTube. Die Videos bleiben auf der Plattform des Rechteinhabers beziehungsweise Uploaders.
- Eigene Analysebeispiele: Die Score-Notationen wurden für diesen Kurs neu erfunden und dienen nur dazu, musikalische Prinzipien wie Ambitus, Bewegung und Kadenz zu erklären.
Verwechsle „frei zugänglich“ nicht mit „frei lizenziert“. Ein YouTube-Video kann kostenlos angesehen werden und trotzdem urheberrechtlich geschützt sein. Eine Commons-Datei mit CC-Lizenz kann dagegen unter den jeweiligen Lizenzbedingungen weiterverwendet werden.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr wurde Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk veröffentlicht? (1983) (!1971) (!1992) (!2004)
Wer schrieb Text und Musik des Songs? (Rainhard Fendrich) (!Wolfgang Ambros) (!Georg Danzer) (!Christian Kolonovits)
Welche zentrale Bildsprache prägt den Refrain? (Das Herz wird mit einem Bergwerk verglichen) (!Die Liebe wird mit einem Bahnhof verglichen) (!Die Stimme wird mit einem Fluss verglichen) (!Das Leben wird mit einer Uhr verglichen)
Welche Funktion erfüllt der österreichische Dialekt besonders deutlich? (Er verstärkt regionale Identität und sprachliche Nähe) (!Er macht den Song zu einem Instrumentalstück) (!Er ersetzt die Melodie vollständig) (!Er verhindert jede Form von Rhythmus)
Was ist bei der Interpretation der Bergwerk-Metapher methodisch wichtig? (Textbeobachtung und Deutung zu unterscheiden) (!Jede Deutung als Autorenabsicht auszugeben) (!Nur die wörtliche Bedeutung gelten zu lassen) (!Die musikalische Ebene vollständig zu ignorieren)
Welche Aussage beschreibt die Form des Songs am treffendsten? (Strophenartige Abschnitte führen zu einem wiederkehrenden Refrain) (!Der Song besteht nur aus einem gesprochenen Monolog) (!Der Song besitzt keine wiederkehrenden Abschnitte) (!Der Song ist eine durchkomponierte Opernszene)
Was ist ein sinnvolles Merkmal für die Analyse des Gesangs? (Phrasierung und Artikulation) (!Die Farbe des Plattencovers) (!Die Länge des Wikipedia-Artikels) (!Die Anzahl der Konzertplakate)
Warum werden im aiMOOC nur selbst erfundene Score-Beispiele notiert? (Um musikalische Prinzipien zu zeigen ohne die geschützte Originalmelodie zu reproduzieren) (!Weil Notenschrift keine Rhythmen darstellen kann) (!Weil Popmusik grundsätzlich nicht notierbar ist) (!Weil Score nur Bilder anzeigen kann)
Welche Version eignet sich besonders zum Vergleich von Popballade und großem Orchesterklang? (Die symphonische Schönbrunn-Fassung) (!Eine stumme Fotografie) (!Ein Bergwerksplan ohne Ton) (!Ein Lexikoneintrag ohne Hörbeispiel)
Welche Aussage beschreibt die Stellung des Songs im Austropop angemessen? (Er verbindet österreichischen Dialekt mit einem allgemein verständlichen Liebesthema) (!Er ist ein rein instrumentales Jazzstück) (!Er gehört zur italienischen Oper des 19. Jahrhunderts) (!Er wurde ausschließlich als Werbejingle komponiert)
Memory
| Bergwerk-Metapher | verborgene emotionale Tiefe |
| Austropop | österreichische Popmusik mit vielfältigen Stilformen |
| Dialekt | regionale Sprachvarietät |
| Refrain | wiederkehrender musikalischer Hauptabschnitt |
| Prosodie | Verhältnis von Sprachbetonung und musikalischer Betonung |
| Phrasierung | Gestaltung musikalischer Sinneinheiten |
| Public Domain | Werk ohne urheberrechtliche Nutzungsbeschränkung des Urhebers |
| Christian Kolonovits | Produzent und langjähriger musikalischer Partner |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Dialekt | sprachliche Nähe und österreichische Verankerung |
| Bergwerk | zentrale Metapher für Tiefe und verborgenen Wert |
| Refrain | Verdichtung der Kernaussage |
| Phrasierung | Gestaltung zusammengehöriger Gesangsabschnitte |
| Arrangement | klangliche Ausgestaltung durch Instrumente und Stimmen |
Kreuzworträtsel
| Bergwerk | Welches Bild wird im Song zum Vergleich mit dem Herzen verwendet? |
| Dialekt | Welche regionale Sprachform prägt den Liedtext? |
| Fendrich | Wie lautet der Nachname des Sängers und Songwriters? |
| Refrain | Wie heißt ein wiederkehrender Hauptabschnitt eines Popsongs? |
| Metapher | Wie nennt man einen bildhaften Bedeutungsübertrag? |
| Austropop | Wie heißt die österreichische Popmusiktradition des Songs? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Dialekt-Wörterbuch: Erstelle ein kleines Glossar mit zehn österreichischen Dialektwörtern aus frei gewählten Quellen. Verwende aus dem geschützten Songtext selbst nur einzelne, für die Analyse notwendige Wörter und gib für jedes Wort eine hochsprachliche Bedeutung an.
- Metapher-Collage: Gestalte eine Bildcollage zum Begriff „Bergwerk“ ausschließlich mit selbst erstellten oder frei lizenzierten Bildern. Schreibe zu jedem Bild eine mögliche übertragene Bedeutung.
- Hörprotokoll: Höre zwei der eingebetteten Fassungen und notiere Unterschiede bei Stimme, Begleitung, Tempoeindruck und Dynamik.
- Liebeslied-Merkmale: Sammle Merkmale, die Du allgemein mit Liebesliedern verbindest, und prüfe, welche davon bei diesem Song vorkommen.
Standard
- Dialekt und Standardsprache: Verfasse einen kurzen Sachtext darüber, wie Dialekt die Wirkung eines Popsongs verändern kann. Nutze Beispiele aus mehreren österreichischen Songs, ohne längere Liedtexte zu kopieren.
- Metaphernanalyse: Entwickle ein Schaubild mit Bildspender, Bildempfänger und übertragenen Merkmalen der Bergwerk-Metapher. Ergänze auch mindestens zwei Grenzen dieser Deutung.
- Arrangement-Vergleich: Vergleiche die akustische Ö3-Fassung mit der symphonischen Schönbrunn-Fassung. Formuliere mindestens fünf präzise Hörbeobachtungen und fünf daraus abgeleitete Interpretationen.
- Eigene Liebesstrophe: Schreibe eine vollständig eigene kurze Liebesstrophe in Standardsprache oder Dialekt. Nutze eine selbst erfundene Zentralmetapher, aber keine Formulierungen aus Fendrichs Lied.
Schwer
- Austropop-Podcast: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast über die Rolle des Dialekts im Austropop. Beziehe mindestens drei Künstlerinnen oder Künstler und überprüfbare Quellen ein.
- Musikalische Mikroanalyse: Analysiere eine selbst gewählte 30-Sekunden-Passage einer legal zugänglichen Aufnahme anhand von Form, Dynamik, Instrumentation, Phrasierung und Prosodie. Notiere keine vollständige Originalmelodie.
- Rezeptionsgeschichte: Recherchiere, in welchen unterschiedlichen Konzert-, Musical- und Medienkontexten der Song seit 1983 auftauchte. Erstelle daraus eine kommentierte Zeitleiste und unterscheide Primär- und Sekundärquellen.
- Eigenes Arrangement: Komponiere für eine selbst geschriebene vierzeilige Textminiatur zwei unterschiedliche Begleitungen: eine intime Akustikfassung und eine größere Ensemblefassung. Dokumentiere, wie das Arrangement die Wirkung verändert.


Lernkontrolle
- Metapher und Beziehungsvorstellung: Erkläre, wie die Bergwerk-Metapher eine bestimmte Vorstellung von Persönlichkeit und Nähe erzeugt. Nenne mindestens zwei mögliche Bedeutungen und begründe sie.
- Dialekt und Musik: Zeige an selbst gewählten Beispielen, wie verkürzte oder veränderte Dialektformen Rhythmus und Phrasierung beeinflussen können, ohne den Originalsong zu transkribieren.
- Versionen vergleichen: Wähle zwei eingebettete Fassungen und begründe, wie Instrumentierung und Raumwirkung die Wahrnehmung derselben Komposition verändern.
- Liebeslied im Wandel: Vergleiche den Song mit einem Liebeslied aus einer anderen Epoche oder einem anderen Genre. Konzentriere Dich auf Beziehungsideal, Sprache und musikalische Gestaltung.
- Quelle oder Interpretation: Ordne fünf selbst formulierte Aussagen entweder als überprüfbare Tatsache, Hörbeobachtung oder Interpretation ein und begründe die Zuordnung.
- Urheberrechtlicher Transfer: Entwirf Regeln für eine Schulpräsentation über einen urheberrechtlich geschützten Popsong. Erkläre, welche Medien Du einbetten, zitieren, selbst erstellen oder nur verlinken würdest.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:
- den Song zeitlich und kulturell im Austropop einordnen kannst.
- die Funktion des österreichischen Dialekts für Klang, Identität und Nähe erklären kannst.
- die Bergwerk-Metapher methodisch sauber analysieren kannst.
- Beobachtung, Interpretation und belegbare historische Information voneinander unterscheiden kannst.
- Form, Phrasierung, Dynamik, Instrumentation und Gesang in einem Hörbeispiel beschreiben kannst.
- unterschiedliche Fassungen desselben Songs vergleichend untersuchen kannst.
- Grundzüge der Liebesliedtradition auf den Song beziehen kannst.
- bei der Arbeit mit Songtext, Noten, Bildern und Videos urheberrechtlich verantwortungsvoll vorgehst.
- eigene musikalische oder sprachliche Beispiele entwickeln kannst, ohne geschützte Vorlagen nachzubilden.
Quellen und Mediennachweise
- Rainhard Fendrich – offizielle Songseite: Quelle für Titel, Autorschaft und Liedkontext. Der vollständige Text wird in diesem aiMOOC bewusst nicht wiedergegeben.
- Wikipedia – Auf und davon: Überblick zu Album, Erscheinungsjahr, Besetzung und Produktion.
- Wikipedia – Austropop: Hintergrund zur Dialektwelle und Entwicklung österreichischer Popmusik.
- Wikipedia – Dialekte in Österreich: sprachwissenschaftlicher Überblick zu bairischen und alemannischen Dialekträumen.
- Ö1 – Lexikon der österreichischen Popmusik: Rainhard Fendrich: kulturhistorische Einordnung des Künstlers und seines Werks.
- MusicBrainz: Angaben zu Aufnahme, Studio, Produktion und Mitwirkenden.
- hitparade.ch: österreichische Chartplatzierung und Veröffentlichungsdaten.
- Ö3 – Songs deines Lebens: dokumentiert die Platzierung des Songs in einer Ö3-Publikumswertung 2017.
- Wikimedia Commons – Rainhard Fendrich 2015: CC BY-SA 3.0 DE, Foto Stefan Brending.
- Wikimedia Commons – Halit im Salzbergwerk Hallstatt: Public Domain.
- Wikimedia Commons – Schema des Salzbergwerks Hallstatt: Public Domain.
- Wikimedia Commons – Bergmannsrutsche Hallstatt: Public Domain.
- Wikimedia Commons – Salzbergwerk Hallstatt 1977: CC BY-SA 4.0.
- Offizieller Artist Channel – Aufnahme von 1983.
- Offizieller Artist Channel – Live am Wiener Rathausplatz 1992.
- Hitradio Ö3 – Live beim Ö3-Weihnachtswunder 2016.
- Offizieller Artist Channel – Symphonisch in Schönbrunn.
Alle Webquellen wurden für die Erstellung dieses aiMOOC am 16. September 2026 überprüft. Bei späteren Bearbeitungen sollten Verfügbarkeit, Lizenzhinweise und Metadaten erneut kontrolliert werden.
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