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Werkstücke ein- und doppelseitig absetzen - Schmied

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Werkstücke ein- und doppelseitig absetzen - Schmied



Werkstücke ein- und doppelseitig absetzen - Schmied


Einleitung

Das Absetzen gehört zu den grundlegenden Arbeitstechniken des Freiformschmiedens. Dabei verringerst Du den Querschnitt eines erwärmten Werkstücks an einer festgelegten Stelle und erzeugst einen klar erkennbaren Übergang, den Absatz oder die Schulter. Der Werkstoff wird nicht abgetragen, sondern durch Hammerschläge plastisch umgeformt. Er fließt aus der gedrückten Zone vor allem in Längsrichtung und, abhängig von Werkzeug und Schlagführung, auch seitlich.

Beim einseitigen Absetzen entsteht die Schulter nur auf einer Werkstückseite. Die gegenüberliegende Fläche bleibt möglichst gerade und dient als Bezugsfläche. Beim doppelseitigen Absetzen werden zwei gegenüberliegende Schultern hergestellt. Bei gleichen Absetztiefen liegt der verringerte Querschnitt annähernd mittig zur ursprünglichen Werkstückachse.

Diese Arbeitstechnik wird beispielsweise beim Ausschmieden von Zapfen, Erlbereichen, Griffansätzen, Werkzeugschäften, Zierelementen und abgestuften Bauteilen benötigt. Im Ausbildungsbetrieb darfst Du sie nur nach Unterweisung, mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung und unter Beachtung der betrieblichen Arbeitsanweisung ausführen.


Lernziele

Nach diesem Lernkurs kannst Du das Absetzen fachlich einordnen, eine Arbeitsfolge planen und das Ergebnis beurteilen. Du lernst insbesondere,

  1. Absetzen als örtliche Querschnittsverminderung zu erklären,
  2. einseitiges und doppelseitiges Absetzen voneinander zu unterscheiden,
  3. geeignete Schmiedewerkzeuge auszuwählen,
  4. die Absetzlinie sicher an der Ambosskante zu positionieren,
  5. Werkstofffluss, Breitung und Längenzunahme zu berücksichtigen,
  6. typische Schmiedefehler zu erkennen und zu vermeiden,
  7. Maße, Winkligkeit, Geradheit und Oberflächenqualität zu prüfen,
  8. die wesentlichen Regeln der Arbeitssicherheit anzuwenden.


Fachliche Grundlagen


Was bedeutet Absetzen?

Absetzen ist das Dünnerschmieden eines Werkstücks an einer begrenzten Stelle. Dabei wird ein Teilquerschnitt durch Druck umgeformt, sodass ein Absatz entsteht. Die Schulter markiert den Übergang zwischen dem ursprünglichen und dem verminderten Querschnitt.

Ein sauberer Absatz besitzt eine eindeutig festgelegte Lage, eine gleichmäßige Tiefe und einen der Zeichnung entsprechenden Übergang. Eine technisch scharfe Schulter ist dennoch keine messerscharfe Kerbe. Werkzeugradius, Werkstoff und spätere Beanspruchung bestimmen, welcher Übergangsradius zulässig oder erforderlich ist.

Das Video zeigt das Absetzen im Zusammenhang mit weiteren Schmiedegrundtechniken. Beobachte besonders die Lage des Werkstücks an der Ambosskante, die Schlagrichtung und das anschließende Ausschmieden des abgesetzten Bereichs.


Absetzen, Recken und Stauchen im Vergleich

Verfahren Hauptwirkung Typisches Ergebnis
Absetzen Örtliche Verringerung des Querschnitts an einer festgelegten Stelle Absatz oder Schulter
Recken Verlängern des Werkstücks bei gleichzeitiger Verringerung des Querschnitts Längerer und dünnerer Werkstückabschnitt
Stauchen Verkürzen des Werkstücks bei gleichzeitiger Vergrößerung des Querschnitts Verdickter Werkstückabschnitt
Breiten Verringerung der Dicke bei vorwiegender Ausdehnung in die Breite Breiter und flacher geschmiedeter Bereich
Schlichten Nachformen mit leichten, überdeckenden Schlägen Gleichmäßige Flächen und bessere Maßhaltigkeit

Beim Absetzen treten häufig zugleich Anteile des Reckens und Breitens auf. Die Bezeichnung richtet sich nach dem Hauptziel des Arbeitsgangs: Ein örtlich begrenzter Absatz soll entstehen.


Werkstofffluss und Volumenerhaltung

Beim Schmieden bleibt das Werkstoffvolumen näherungsweise erhalten. Wird der Querschnitt verkleinert, muss der Werkstoff in andere Richtungen ausweichen. Für einen gleichmäßig umgeformten Abschnitt gilt näherungsweise:

Ausgangsquerschnitt × Ausgangslänge ≈ Endquerschnitt × Endlänge

In der Praxis entstehen geringe Verluste durch Zunder und Abbrand. Beim Planen des Rohlings musst Du deshalb sowohl die Längenzunahme im abgesetzten Bereich als auch einen angemessenen Bearbeitungszuschlag berücksichtigen.

Eine unerwünschte seitliche Ausdehnung wird als Breitung oder Drang bezeichnet. Sie wird durch richtiges Wenden, kontrollierte Schlagfolgen und anschließendes Richten beziehungsweise Schlichten begrenzt.


Werkzeuge und Arbeitsplatz


Amboss und Ambosskante

Für kleine Werkstücke wird häufig an der Ambosskante abgesetzt. Die Kante bildet die Lage der Schulter ab und unterstützt den nicht umzuformenden Werkstückteil. Sie muss unbeschädigt und für die geforderte Schulterform geeignet sein. Eine stark ausgebrochene oder zu scharfe Kante kann ungleichmäßige Absätze, Kerben und Werkstoffschäden verursachen.

Die Ambossbahn muss sauber und frei von losen Zunderstücken sein. Der Amboss muss fest stehen, darf nicht kippen und soll eine ergonomische Arbeitshöhe besitzen.


Hämmer, Setzwerkzeuge und Zangen

Je nach Werkstückgröße, Querschnitt und geforderter Form kommen folgende Werkzeuge infrage:

  1. Schmiedehammer: für das Ansetzen, Ausschmieden, Richten und Schlichten,
  2. Setzhammer: für einen örtlich begrenzten, rechtwinkligen oder leicht gerundeten Absatz,
  3. Schlichtgesenk: für gleichmäßige Flächen und bessere Maßhaltigkeit,
  4. Obergesenk und Untergesenk: für definierte Übergänge oder größere Umformgrade,
  5. Schmiedezange: zum sicheren Halten und kontrollierten Drehen des heißen Werkstücks,
  6. Schmiedezirkel oder Lehre: zur Prüfung von Breite, Dicke und Absatzlage,
  7. Anschlagwinkel: zur Kontrolle rechtwinkliger Schultern am abgekühlten Werkstück.

Die Zangenbacken müssen zum Werkstückquerschnitt passen. Eine ungeeignete Zange führt zu unsicherer Werkstückführung, verdrehten Schultern und erhöhter Unfallgefahr. Hammerstiel, Hammerauge, Hammerbahn und Schlagköpfe von Setzwerkzeugen sind vor Arbeitsbeginn zu prüfen. Aufgestauchte oder rissige Schlagköpfe dürfen nicht weiterverwendet werden.


Schmiedetemperatur und Werkstoff

Die erforderliche Schmiedetemperatur hängt vom Werkstoff ab. Farbeindrücke können durch Umgebungslicht, Zunder und Oberflächenzustand täuschen. Entscheidend sind deshalb die Werkstoffangaben, die betriebliche Arbeitsanweisung und die Unterweisung durch die ausbildende Fachkraft.

Der umzuformende Bereich muss gleichmäßig durchgewärmt sein. Ein nur außen heißes, innen aber zu kaltes Werkstück lässt sich schlecht umformen und kann Risse oder Falten bilden. Sinkt die Temperatur unter den zulässigen Schmiedebereich, wird erneut erwärmt. Mit stärkerer Schlagkraft darf fehlende Temperatur nicht ausgeglichen werden.


Arbeitssicherheit

Beim Schmieden bestehen Gefährdungen durch Hitze, Funken, Zunder, Lärm, wegfliegende Teile, Quetschstellen und unkontrollierte Hammerbewegungen. Vor Arbeitsbeginn prüfst Du den Arbeitsplatz und hältst die betriebliche Gefährdungsbeurteilung ein.

  1. Trage die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung, insbesondere Schutzbrille, Gehörschutz und Sicherheitsschuhe.
  2. Verwende eng anliegende, für Heißarbeiten geeignete Arbeitskleidung. Lose Kleidungsstücke, Schmuck und offene lange Haare sind unzulässig.
  3. Halte den Schlag- und Schwenkbereich frei. Unbeteiligte Personen müssen ausreichenden Abstand einhalten.
  4. Lege heiße Werkstücke nur auf gekennzeichneten, nicht brennbaren Ablageflächen ab.
  5. Führe das Werkstück mit einer passenden Zange. Deine Hände bleiben außerhalb der Schlag- und Quetschbereiche.
  6. Richte Schläge nur auf das Werkstück oder das dafür vorgesehene Werkzeug. Die Hammerbahn darf nicht auf die Ambosskante treffen.
  7. Beim Arbeiten mit Zuschläger führt eine Person den Arbeitsablauf und gibt eindeutige Kommandos.
  8. Schmiedehämmer und Pressen dürfen nur nach Einweisung und mit Arbeitsauftrag bedient werden.

Das gemeinsame Arbeiten von Schmied und Zuschläger verlangt klare Signale, Blickkontakt und eine vorher festgelegte Schlagfolge. Unklare Kommandos führen zum sofortigen Arbeitsstopp.


Einseitiges Absetzen


Formwirkung

Beim einseitigen Absetzen wird der Querschnitt nur von einer Seite her vermindert. Die gegenüberliegende Werkstückfläche bleibt möglichst unverändert und bildet die Bezugsfläche. Der abgesetzte Teil liegt dadurch nicht mehr mittig zur ursprünglichen Querschnittsachse, sondern ist zu einer Seite versetzt.

Typische Anwendungen sind einseitige Schultern an Beschlägen, dekorative Stufen, Übergänge an Flachstäben oder Vorformen für spätere Biege- und Fügevorgänge.


Arbeitsfolge beim einseitigen Absetzen

  1. Zeichnung auswerten: Bestimme Absatzlage, Absetztiefe, verbleibenden Querschnitt, Übergangsradius und Bearbeitungszugaben.
  2. Absetzlinie kennzeichnen: Übertrage die Schulterlage nach betrieblicher Vorgabe auf das kalte Werkstück oder nutze eine Lehre.
  3. Werkstück erwärmen: Erwärme den gesamten Umformbereich gleichmäßig auf die werkstoffgerechte Schmiedetemperatur.
  4. Werkstück aufnehmen: Wähle eine passende Zange und prüfe, ob das Werkstück sicher gehalten und gedreht werden kann.
  5. An Ambosskante anlegen: Lege die Absetzlinie genau über die Ambosskante. Die spätere Bezugsfläche liegt vollständig auf der Ambossbahn.
  6. Schulter ansetzen: Führe kontrollierte Schläge auf den überstehenden Werkstückteil. Der wirksame Teil der Hammerbahn liegt über dem Werkstück und trifft nicht auf den Amboss.
  7. Abgesetzten Bereich ausschmieden: Arbeite vom Absatz weg. So wird der verdrängte Werkstoff in den vorgesehenen Bereich gelenkt.
  8. Breitung korrigieren: Richte seitlich ausgewichenen Werkstoff durch geeignete Wendungen und leichte Korrekturschläge zurück.
  9. Schlichten: Glätte die Flächen mit leichten, überdeckenden Schlägen und erhalte die gerade Bezugsfläche.
  10. Prüfen: Kontrolliere Absatzlage, Höhe, Breite, Geradheit, Oberfläche und Übergangsradius.

Die Absetzlinie darf während des Schmiedens nicht über die Ambosskante wandern. Schon kleine Lageänderungen führen zu einer schrägen oder welligen Schulter.


Besonderheiten der Schlagführung

Zu harte Einzelschläge können eine tiefe Kerbe erzeugen, bevor der angrenzende Werkstoff ausreichend ausgeschmiedet ist. Besser ist eine abgestufte Arbeitsweise: Schulter ansetzen, Material vom Absatz weg verteilen, Maß prüfen und anschließend schlichten.

Die Hammerbahn soll im Auftreffmoment kontrolliert und möglichst vollflächig auf dem zu bearbeitenden Bereich liegen. Schläge in Richtung der Schulter können Werkstoff aufstauen und eine Falte bilden. Deshalb wird der Werkstoff grundsätzlich vom Absatz weg ausgeschmiedet.


Doppelseitiges Absetzen


Formwirkung

Beim doppelseitigen Absetzen entstehen zwei gegenüberliegende Schultern. Sind beide Absetztiefen gleich, bleibt der reduzierte Querschnitt annähernd zur ursprünglichen Werkstückmitte ausgerichtet. Das Verfahren wird häufig für Zapfen, Erlbereiche, Werkzeugansätze und symmetrische Stufen verwendet.

Doppelseitig bedeutet zunächst die Bearbeitung zweier gegenüberliegender Flächen. Soll ein Vierkantstab auf allen vier Seiten abgesetzt werden, wird nach der ersten doppelseitigen Bearbeitung zusätzlich um 90 Grad gedreht und an den beiden verbleibenden Seiten weitergearbeitet.

Das Video zeigt das Herstellen gegenüberliegender Schultern an der Ambosskante. Vergleiche die gezeigte Arbeitsweise mit den betrieblichen Vorgaben und beachte, dass Werkzeugform, Werkstoff und Abmessungen die genaue Schlagfolge bestimmen.


Arbeitsfolge beim doppelseitigen Absetzen

  1. Maße festlegen: Bestimme die Lage beider Schultern und den gewünschten Restquerschnitt.
  2. Erste Seite absetzen: Stelle zunächst eine kontrollierte Schulter wie beim einseitigen Absetzen her, ohne sofort auf Endmaß zu schmieden.
  3. Werkstück um 180 Grad drehen: Drehe es um seine Längsachse, sodass die gegenüberliegende Fläche oben liegt.
  4. Absetzlinie deckungsgleich ausrichten: Beide Schultern müssen in Längsrichtung an derselben Stelle beginnen.
  5. Zweite Schulter ansetzen: Schmiede die zweite Seite schrittweise und vergleiche fortlaufend beide Absetztiefen.
  6. Restquerschnitt mittig halten: Korrigiere abwechselnd auf beiden Seiten, statt eine Seite vollständig und die andere nur gering zu bearbeiten.
  7. Seitliche Breitung berichtigen: Drehe das Werkstück bei Bedarf um 90 Grad und richte die Seitenflächen, ohne die Schulterlage zu verändern.
  8. Auf Maß schlichten: Verwende leichte, überdeckende Schläge oder ein geeignetes Schlichtgesenk.
  9. Symmetrie prüfen: Kontrolliere Mittigkeit, Parallelität, Schulterwinkel, Länge und Querschnitt.


Zentrierung und Maßhaltigkeit

Für einen mittig liegenden Zapfen müssen beide Seiten annähernd gleich stark abgesetzt werden. Als einfache Kontrolle vergleichst Du die verbleibenden Randabstände links und rechts. Genauer ist eine Werkstattlehre, die Absatzlage, Breite und Dicke gleichzeitig prüft.

Ein häufiger Fehler besteht darin, die zweite Schulter gegenüber der ersten in Längsrichtung zu versetzen. Dadurch entsteht ein schiefer Übergang. Richte deshalb die Absetzlinie nach jedem Wenden neu an derselben Ambosskante oder an einem festen Anschlag aus.


Qualität sichern


Prüfmerkmale

Ein fachgerecht abgesetztes Werkstück erfüllt die Vorgaben der Zeichnung und weist keine unzulässigen Werkstofffehler auf. Prüfe insbesondere:

  1. Absatzlage: Der Übergang befindet sich an der vorgesehenen Stelle.
  2. Absetztiefe: Der verbleibende Querschnitt entspricht dem Sollmaß.
  3. Parallelität: Gegenüberliegende Flächen verlaufen gleichmäßig.
  4. Rechtwinkligkeit: Schultern stehen entsprechend der Zeichnung zur Werkstückachse.
  5. Mittigkeit: Beim doppelseitigen Absetzen liegt der Restquerschnitt mittig, sofern keine andere Lage gefordert ist.
  6. Geradheit: Das Werkstück ist nicht gebogen oder verdreht.
  7. Oberfläche: Es bestehen keine Risse, Falten, tiefen Hammerschläge oder eingeschmiedeten Zunderstellen.
  8. Übergang: Der Radius ist gleichmäßig und entspricht der späteren Beanspruchung.


Typische Fehler und Abhilfen

Fehlerbild Wahrscheinliche Ursache Fachgerechte Abhilfe
Schulter verläuft schräg Absetzlinie lag nicht gleichmäßig an der Ambosskante Werkstück neu ausrichten und mit leichten Korrekturschlägen nacharbeiten
Doppelseitiger Absatz ist außermittig Seiten wurden unterschiedlich stark abgesetzt Maße vergleichen und die stärkere Seite nicht weiter vertiefen
Absatz ist rund und undeutlich Werkstück wanderte über die Ambosskante oder wurde zu weit vom Übergang entfernt bearbeitet Schulter erneut sauber ansetzen und anschließend vom Absatz weg ausschmieden
Tiefe Kerbe am Übergang Zu harter Schlag, ungeeignete Werkzeugkante oder zu niedrige Werkstücktemperatur Arbeitsgang stoppen, Werkstück prüfen, werkstoffgerecht erwärmen und mit geeignetem Werkzeug weiterarbeiten
Falte am Absatz Werkstoff wurde zur Schulter hin gestaucht oder ungleichmäßig verdrängt Fehler durch die ausbildende Fachkraft beurteilen lassen; Falten dürfen nicht einfach zugeschmiedet werden
Werkstück ist verdreht Zange saß unsicher oder die Wendungen waren unkontrolliert Zange anpassen, Werkstück richten und Drehstellung nach jedem Arbeitsgang prüfen
Starke Breitung Zu viele Schläge in derselben Richtung oder fehlendes Richten der Seiten Seitenflächen regelmäßig kontrollieren und mit abgestimmten Korrekturschlägen zurückschmieden
Risse Ungeeigneter Werkstoffzustand, zu geringe Temperatur, Überhitzung oder zu großer Umformgrad Arbeit sofort beenden und Werkstück durch die Fachkraft bewerten lassen


Ausbildungsübung


Arbeitsauftrag

Du stellst unter Aufsicht einer ausbildenden Fachkraft an einem geeigneten Übungswerkstück zwei unterschiedliche Absätze her:

  1. einen einseitigen Absatz mit gerader Bezugsfläche,
  2. einen doppelseitigen Absatz mit mittig liegendem Restquerschnitt.

Vor Beginn fertigst Du eine bemaßte Skizze und einen Arbeitsplan an. Werkstoff, Ausgangsquerschnitt, Sollmaße, Schmiedetemperatur, Werkzeuge und Prüfmittel werden durch den Ausbildungsbetrieb festgelegt.

Dein Arbeitsplan muss mindestens das Erwärmen, Aufnehmen, Positionieren, Ansetzen der Schulter, Ausschmieden, Wenden, Schlichten und Prüfen enthalten. Nach jeder Hitze dokumentierst Du kurz, welche Formänderung erreicht wurde und welche Korrektur als Nächstes erforderlich ist.


Beurteilungsbogen

Kriterium Beobachtung Bewertung
Arbeitssicherheit und Arbeitsplatzordnung PSA, Werkzeugprüfung, sichere Ablage, freier Schlagbereich erfüllt / teilweise erfüllt / nicht erfüllt
Arbeitsplanung richtige Reihenfolge, geeignete Werkzeuge, sinnvolle Prüfzeitpunkte erfüllt / teilweise erfüllt / nicht erfüllt
Einseitiger Absatz klare Schulter, gerade Bezugsfläche, richtige Lage und Tiefe erfüllt / teilweise erfüllt / nicht erfüllt
Doppelseitiger Absatz deckungsgleiche Schultern, mittiger Restquerschnitt, Symmetrie erfüllt / teilweise erfüllt / nicht erfüllt
Maßhaltigkeit Länge, Breite, Dicke und Übergang nach Zeichnung erfüllt / teilweise erfüllt / nicht erfüllt
Oberflächenqualität keine unzulässigen Risse, Falten, Kerben oder Zundereinschlüsse erfüllt / teilweise erfüllt / nicht erfüllt
Fachsprache korrekte Verwendung von Absatz, Schulter, Absetzlinie, Breitung und Schlichten erfüllt / teilweise erfüllt / nicht erfüllt


Fachliche Quellen und Vertiefung

  1. Freiformschmieden: Einordnung der Verfahren des manuellen und industriellen Freiformschmiedens
  2. Schmieden: Überblick über Schmiedeverfahren, Werkstoffe und Formgebung
  3. DGUV Information 209-076: Hinweise zu Arbeitssicherheit, Schmiedearbeiten und Schmiedehämmern
  4. Wikimedia Commons – Blacksmithing: Freie Bilder und Videos zum Schmiedehandwerk


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist das Hauptziel des Absetzens? (Einen Werkstückquerschnitt örtlich begrenzt zu vermindern) (!Das Werkstück vollständig zu trennen) (!Den Werkstückquerschnitt überall zu vergrößern) (!Eine Bohrung in das Werkstück einzubringen)




Welche Form entsteht beim einseitigen Absetzen? (Eine Schulter auf einer Werkstückseite) (!Zwei gleich tiefe Schultern auf gegenüberliegenden Seiten) (!Eine umlaufende Nut durch Zerspanen) (!Eine Verdickung am Werkstückende)




Wie wird das Werkstück für die zweite Seite eines doppelseitigen Absatzes gedreht? (Um 180 Grad um die Längsachse) (!Um 45 Grad um die Querachse) (!Gar nicht) (!Mehrfach frei in der Luft)




Wodurch unterscheidet sich Absetzen hauptsächlich vom Recken? (Absetzen erzeugt eine örtlich festgelegte Schulter) (!Absetzen vergrößert immer den Querschnitt) (!Recken trennt das Werkstück) (!Recken wird nur kalt ausgeführt)




Welche Aufgabe hat die Ambosskante beim Absetzen? (Sie legt die Lage der Schulter fest) (!Sie kühlt das Werkstück vollständig ab) (!Sie ersetzt die Schmiedezange) (!Sie misst automatisch den Querschnitt)




In welche Richtung soll der Werkstoff nach dem Ansetzen der Schulter bevorzugt ausgeschmiedet werden? (Vom Absatz weg) (!Zur Schulter hin) (!Nur senkrecht nach oben) (!Ohne festgelegte Richtung)




Was bedeutet Breitung beim Schmieden? (Seitliches Ausweichen des Werkstoffs) (!Vollständiges Aufschmelzen des Werkstoffs) (!Abtrennen eines Werkstückendes) (!Abkühlen in Wasser)




Welches Merkmal ist für einen doppelseitigen mittigen Absatz besonders wichtig? (Gleiche Absetztiefe auf beiden Seiten) (!Möglichst unterschiedliche Schulterlagen) (!Eine vollständig runde Bezugsfläche) (!Ein unbearbeiteter Zunderbelag)




Was ist bei zu niedriger Schmiedetemperatur zu tun? (Das Werkstück werkstoffgerecht erneut erwärmen) (!Mit wesentlich härteren Schlägen weiterarbeiten) (!Das Werkstück ohne Prüfung fertigschmieden) (!Die Ambosskante mit Wasser kühlen)




Welche persönliche Schutzausrüstung ist beim Schmieden besonders wichtig? (Schutzbrille und Gehörschutz) (!Offene Sandalen und kurze Kleidung) (!Lose Handschuhe an jeder Maschine) (!Eine Sonnenbrille ohne Seitenschutz)





Memory

Absetzen Örtliche Querschnittsverminderung
Ambosskante Lage der Schulter
Setzhammer Werkzeug zum Ansetzen eines Absatzes
Schmiedezange Sicheres Halten des heißen Werkstücks
Absetzlinie Markierte Position des Übergangs
Schlichten Nachformen mit leichten Schlägen
Breitung Seitlicher Werkstofffluss
Zunder Oxidschicht auf der heißen Oberfläche





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Einseitiger Absatz Schulter auf nur einer Werkstückseite
Doppelseitiger Absatz Zwei gegenüberliegende Schultern
Recken Verlängern bei kleiner werdendem Querschnitt
Stauchen Verkürzen bei größer werdendem Querschnitt
Schlichten Fertigformen mit leichten überdeckenden Schlägen






Kreuzworträtsel

Absetzen Wie heißt das örtlich begrenzte Dünnerschmieden?
Amboss Auf welchem Werkzeug wird beim Handschmieden gearbeitet?
Setzhammer Welches Werkzeug erzeugt einen klar begrenzten Absatz?
Zunder Wie heißt die Oxidschicht auf heißem Stahl?
Schulter Wie heißt der Übergang zwischen zwei Querschnitten?
Schlichten Wie heißt das Fertigformen mit leichten Schlägen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Das örtlich begrenzte Dünnerschmieden heißt

. Dabei wird der

an einer festgelegten Stelle vermindert. Die Lage der Schulter wird häufig durch die

bestimmt. Beim

Absetzen bleibt eine Bezugsfläche möglichst gerade. Für den zweiten Arbeitsschritt des doppelseitigen Absetzens wird das Werkstück um

gedreht. Ein geeignetes Werkzeug für einen klar begrenzten Absatz ist der

. Seitlich ausweichender Werkstoff wird als

bezeichnet. Das Fertigformen mit leichten überdeckenden Schlägen heißt

. Gegen wegfliegenden Zunder schützt besonders die

. Ist das Werkstück zu kalt, muss es wieder auf die werkstoffgerechte

gebracht werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Fachbegriffe zum Absetzen: Erstelle eine bebilderte Übersicht mit den Begriffen Absatz, Schulter, Absetzlinie, Bezugsfläche, Breitung und Schlichten.
  2. Werkstückskizze: Zeichne je ein Beispiel für einseitiges und doppelseitiges Absetzen und markiere die Werkstückachse.
  3. Medienanalyse Schmieden: Sieh Dir eines der eingebetteten Videos an und beschreibe fünf beobachtbare Arbeitsschritte in korrekter Reihenfolge.
  4. Sicherheitsplakat Schmiede: Gestalte ein Plakat mit den wichtigsten Schutzmaßnahmen für den Arbeitsplatz am Amboss.


Standard

  1. Arbeitsplan Absetzen: Erstelle für ein vorgegebenes Übungswerkstück einen Arbeitsplan mit Werkzeugen, Arbeitsfolge und Prüfzeitpunkten.
  2. Übungswerkstück schmieden: Fertige unter Aufsicht ein Werkstück mit einem einseitigen und einem doppelseitigen Absatz an und dokumentiere jede Hitze.
  3. Messprotokoll Schmiedestück: Miss Absatzlage, Restquerschnitt, Geradheit und Symmetrie und vergleiche die Werte mit der Zeichnung.
  4. Fehleranalyse Absetzen: Untersuche drei fehlerhafte Musterstücke oder Fotografien und ordne jedem Fehler eine wahrscheinliche Ursache zu.


Schwer

  1. Werkzeugvergleich Absetzen: Vergleiche das Absetzen an der Ambosskante mit dem Absetzen durch Setzhammer und Gesenk hinsichtlich Genauigkeit, Arbeitsaufwand und Oberflächenqualität.
  2. Werkstofffluss berechnen: Schätze mithilfe der näherungsweisen Volumenerhaltung, wie sich die Länge eines abgesetzten Abschnitts verändert, und überprüfe das Ergebnis am Übungsstück.
  3. Prüflehre entwickeln: Entwirf und fertige eine einfache Lehre, mit der Absatzlage, Restquerschnitt und Mittigkeit geprüft werden können.
  4. Ausbildungsfilm Schmieden: Produziere mit Genehmigung des Betriebs einen kurzen Lehrfilm, der Arbeitsplanung, sichere Ausführung, Qualitätsprüfung und typische Fehler zeigt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Verfahrensauswahl Absetzen: Ein Bauteil benötigt eine gerade Bezugsfläche und eine nur nach oben versetzte Stufe. Begründe, warum ein einseitiger Absatz geeigneter ist als ein symmetrischer doppelseitiger Absatz.
  2. Arbeitsfolge übertragen: Plane die Herstellung eines mittigen Zapfens an einem Vierkantstab. Erkläre, wann Du um 180 Grad und wann Du um 90 Grad drehen musst.
  3. Fehlerursache beurteilen: Ein doppelseitig abgesetztes Werkstück besitzt zwei versetzte Schulterlinien. Analysiere die Ursache und beschreibe eine veränderte Arbeitsweise.
  4. Werkstofffluss erklären: Begründe, weshalb der abgesetzte Bereich länger werden kann und warum dieser Effekt bereits bei der Rohlingplanung berücksichtigt werden muss.
  5. Qualitätsentscheidung treffen: Beurteile, ob eine sehr scharfe Kerbe am Absatz trotz richtiger Maße zulässig ist. Beziehe Werkstofffluss, Kerbwirkung und spätere Belastung ein.
  6. Gefährdungsbeurteilung Schmieden: Entwickle für das Arbeiten mit Schmied, Zuschläger und Setzhammer eine kurze Gefährdungsbeurteilung mit technischen, organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen.




Lernnachweis

Für einen vollständigen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Bestandteile wichtig:

  1. eine bemaßte Skizze des einseitigen und doppelseitigen Absatzes,
  2. ein fachlich richtiger Arbeitsplan,
  3. die dokumentierte Werkzeugauswahl,
  4. ein unter Aufsicht hergestelltes Übungswerkstück,
  5. ein Mess- und Prüfprotokoll,
  6. eine begründete Bewertung der Oberflächen- und Formqualität,
  7. eine Fehleranalyse mit geeigneten Verbesserungsmaßnahmen,
  8. eine kurze mündliche oder schriftliche Erklärung des Werkstoffflusses,
  9. ein Nachweis über die beachteten Arbeitsschutzmaßnahmen.




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