Was bleibt, wenn die Falten kommen

Was bleibt, wenn die Falten kommen
Einleitung
Was bleibt, wenn die Falten kommen? Diese Frage klingt zunächst wie eine Frage nach dem Aussehen. Tatsächlich führt sie mitten hinein in grundlegende Themen des menschlichen Lebens: Altern, Identität, Selbstbild, Schönheitsideal, Selbstwert, Körperbild, Gerontologie, Medienkompetenz und Altersdiskriminierung. Falten sind sichtbare Zeichen von Veränderungen der Haut. Sie können zugleich gesellschaftlich gedeutet werden: als Makel, als Zeichen von Erfahrung, als Anlass zur Sorge, als Ausdruck gelebter Zeit oder einfach als normaler Bestandteil des Älterwerdens.
Dieser aiMOOC lädt Dich dazu ein, biologische Fakten von kulturellen Bewertungen zu unterscheiden. Du untersuchst, was beim Altern mit der Haut geschieht, wie Selbstbild und Identität entstehen, welche Rolle Werbung und soziale Medien für Schönheitsvorstellungen spielen und wie Ageismus unser Denken über Lebensalter beeinflussen kann. Dabei geht es nicht darum, Dir vorzuschreiben, wie Du Falten oder das Älterwerden bewerten sollst. Du sollst vielmehr lernen, Aussagen zu prüfen, Perspektiven zu vergleichen und eine begründete eigene Haltung zu entwickeln.

Die Leitfrage hat deshalb keine einzige richtige philosophische Antwort. Wissenschaftlich lässt sich jedoch zeigen, dass menschliche Identität weit mehr umfasst als das äußere Erscheinungsbild. Zu einem Selbstkonzept gehören beispielsweise Vorstellungen über eigene Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Gefühle, Werte, Beziehungen und Verhaltensweisen. Das körperliche Aussehen ist ein Teil davon, aber nicht der einzige.
Altern als Teil des Lebens
Was bedeutet Altern?
Altern ist ein fortschreitender biologischer Prozess. Bei Menschen verändert er Zellen, Gewebe und Organsysteme über die Lebensspanne hinweg. Zugleich ist menschliches Altern niemals nur Biologie. Wie jemand das eigene Alter erlebt, hängt auch mit Lebensgeschichte, Gesundheit, sozialem Umfeld, Kultur, Rollen, Möglichkeiten und gesellschaftlichen Erwartungen zusammen.
Die Gerontologie untersucht das Altern deshalb interdisziplinär. Sie verbindet unter anderem Biologie, Medizin, Psychologie, Soziologie, Pädagogik und Sozialwissenschaften. Ein gerontologischer Blick fragt nicht nur nach möglichen Einschränkungen, sondern auch nach Ressourcen: Was können Menschen lernen? Welche Beziehungen tragen? Wie verändern sich Ziele? Welche Fähigkeiten bleiben stabil oder entwickeln sich weiter? Welche gesellschaftlichen Bedingungen ermöglichen Teilhabe?
Es ist wichtig, zwischen chronologischem Alter und anderen Vorstellungen von Alter zu unterscheiden. Das chronologische Alter beschreibt die seit der Geburt vergangene Zeit. Begriffe wie biologisches, psychologisches oder soziales Alter versuchen dagegen, unterschiedliche Aspekte des Älterwerdens zu beschreiben. Zwei gleichaltrige Menschen können sich in Gesundheit, Lebenssituation, Interessen und Leistungsfähigkeit deutlich unterscheiden.
Alter ist vielfältig
Es gibt nicht „die ältere Person“ und nicht „das Altern“. Menschen unterscheiden sich in jeder Lebensphase. Auch im hohen Alter sind Unterschiede in körperlicher Leistungsfähigkeit, Wissen, Interessen, Lebensstil und sozialer Einbindung groß. Pauschale Aussagen wie „Alte Menschen sind langsam“ oder „Junge Menschen sind oberflächlich“ sind daher problematische Verallgemeinerungen.

Ein differenzierter Blick auf Alter erkennt zugleich Chancen und Belastungen. Älterwerden kann mit körperlichen Veränderungen, Verlusten und Erkrankungen verbunden sein. Es kann aber auch mit wachsender Erfahrung, neuen Rollen, größerer Gelassenheit, neuen Beziehungen, verändertem Wissen oder neuen Prioritäten einhergehen. Welche Aspekte im Vordergrund stehen, ist individuell verschieden.
Wenn die Haut sich verändert
Wie entstehen Falten?
Hautalterung ist ein komplexer biologischer Prozess. Die Haut verändert sich im Lauf des Lebens in ihrer Struktur, Elastizität, Regenerationsfähigkeit und Feuchtigkeitsversorgung. Dabei wirken unterschiedliche Prozesse zusammen. In der Fachliteratur wird häufig zwischen intrinsischer und extrinsischer Hautalterung unterschieden.
Die intrinsische Hautalterung bezeichnet altersabhängige Veränderungen, die wesentlich durch innere biologische Prozesse geprägt werden. Unter anderem verändern sich Zellaktivität und Bindegewebe. Strukturproteine wie Kollagen und Elastin spielen für Festigkeit und Dehnbarkeit der Haut eine wichtige Rolle. Mit zunehmendem Alter verändern sich Menge, Organisation und Funktion solcher Strukturen.
Die extrinsische Hautalterung wird durch äußere Einflüsse mitbestimmt. Besonders gut untersucht ist der Einfluss von UV-Strahlung. Langjährige UV-Belastung kann Hautstrukturen schädigen und zur sogenannten Lichtalterung beitragen. Deshalb ist Sonnenschutz nicht nur eine Frage des Aussehens, sondern auch des Schutzes vor UV-bedingten Hautschäden.
Falten entstehen nicht an einem einzigen Geburtstag und nicht bei allen Menschen gleich. Genetische Voraussetzungen, Mimik, Umweltbedingungen und Lebensgewohnheiten können dazu beitragen, dass sichtbare Hautveränderungen unterschiedlich früh und unterschiedlich stark auftreten.
Das Quarks-Video eignet sich, um Werbeversprechen über Anti-Aging-Produkte mit biologischem Wissen zu vergleichen. Achte beim Anschauen darauf, welche Aussagen erklärt, welche belegt und welche relativiert werden.
Falten sind biologisch – ihre Bewertung ist kulturell
Eine Falte ist zunächst eine sichtbare Hautstruktur. Ob sie als schön, störend, interessant, würdevoll oder behandlungsbedürftig wahrgenommen wird, ist keine rein biologische Tatsache. Solche Bewertungen entstehen in kulturellen Zusammenhängen.
In verschiedenen Zeiten und Gesellschaften wurden Alter und Jugend unterschiedlich dargestellt. Kunstwerke zeigen, dass alte Gesichter keineswegs erst in der modernen Fotografie sichtbar wurden. Malerinnen und Maler nutzten Falten, Licht, Haltung und Ausdruck, um Individualität, Erfahrung, Verletzlichkeit oder Charakter zu zeigen.

Du kannst deshalb zwei Ebenen auseinanderhalten:
- Biologie: Was verändert sich nachweisbar im Körper?
- Kultur: Welche Bedeutung geben Menschen diesen Veränderungen?
- Individuum: Wie erlebt eine Person ihr eigenes Aussehen?
- Gesellschaft: Welche Erwartungen werden an bestimmte Altersgruppen gestellt?
Wer diese Ebenen vermischt, kann aus einer körperlichen Veränderung vorschnell ein Werturteil machen. Aus „Die Haut bekommt Falten“ wird dann beispielsweise „Ein faltiges Gesicht ist weniger schön“. Der erste Satz beschreibt einen Vorgang. Der zweite Satz enthält eine Bewertung.
Schönheit und Schönheitsideale
Was ist ein Schönheitsideal?
Ein Schönheitsideal beschreibt Vorstellungen darüber, welches Aussehen in einer bestimmten Gesellschaft, Gruppe oder Zeit als besonders attraktiv gilt. Solche Ideale sind wandelbar. Sie werden durch Familie, Freundeskreis, Mode, Kunst, Werbung, Film, Fernsehen und soziale Medien mitgeprägt.
Schönheitsideale können Orientierung geben und Teil von Selbstausdruck sein. Problematisch werden sie, wenn ein enges Ideal als allgemeingültiger Maßstab erscheint oder wenn Menschen aufgrund ihres Aussehens abgewertet werden. Besonders kritisch ist die Verknüpfung von Jugendlichkeit mit persönlichem Wert: Ein Mensch wird nicht automatisch kompetenter, liebenswerter oder bedeutender, nur weil seine Haut glatter ist.
Beim Anschauen kannst Du untersuchen, wie der Begriff „Anti-Aging“ verwendet wird. Wird Altern als normaler Lebensprozess dargestellt oder als Problem, das möglichst unsichtbar gemacht werden soll? Welche wirtschaftlichen Interessen können eine Rolle spielen? Welche Erfahrungen älterer Menschen kommen selbst zu Wort?
Der Blick auf Frauen, Männer und Geschlechterrollen
Schönheitsnormen betreffen Menschen verschiedener Geschlechter, wirken aber nicht immer gleich. In vielen medialen Kontexten wird weibliches Aussehen besonders stark mit Jugendlichkeit verknüpft. Gleichzeitig existieren auch für Männer Erwartungen, etwa bezüglich Haaren, Körperform, Leistungsfähigkeit oder „jugendlicher“ Fitness. Für nichtbinäre und trans Personen können zusätzliche Normen und Zuschreibungen relevant sein.
Eine differenzierte Analyse vermeidet zwei Fehler: Sie behauptet weder, alle Menschen erlebten denselben Druck, noch unterstellt sie, jede Person müsse sich durch Schönheitsideale belastet fühlen. Stattdessen fragt sie nach Mustern, Unterschieden und konkreten Erfahrungen.
Schönheit als Markt
Kosmetik, Mode, Wellness, Fitness und ästhetische Medizin sind große Märkte. Unternehmen können wirtschaftlich davon profitieren, wenn Menschen Produkte oder Dienstleistungen kaufen möchten, um einem bestimmten Aussehen näherzukommen. Das bedeutet nicht, dass jede Pflege oder ästhetische Behandlung problematisch ist. Menschen dürfen selbst entscheiden, wie sie mit ihrem Körper umgehen.
Medienkompetenz beginnt dort, wo Du zwischen persönlicher Entscheidung und erzeugtem Bedürfnis unterscheiden lernst. Frage bei Werbeaussagen:
- Welche Veränderung wird als Problem dargestellt?
- Wird Angst vor dem Älterwerden erzeugt?
- Welche Wirkung wird versprochen?
- Gibt es belastbare Belege?
- Ist der Effekt vorübergehend oder dauerhaft?
- Werden Risiken, Grenzen und Alternativen genannt?
- Wer verdient an der dargestellten Lösung?
Selbstbild, Selbstwert und Identität
Das Selbstbild
Das Selbstbild ist die Vorstellung, die ein Mensch von sich selbst hat. Es umfasst mehr als das Spiegelbild. Menschen beschreiben sich beispielsweise als geduldig, neugierig, sportlich, kreativ, schüchtern, zuverlässig, humorvoll, ehrgeizig oder fürsorglich. Solche Beschreibungen können sich verändern.
Das Selbstbild entsteht nicht im luftleeren Raum. Eigene Erfahrungen, Rückmeldungen anderer, soziale Vergleiche und kulturelle Erwartungen können hineinwirken. Deshalb kann dieselbe körperliche Veränderung von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich erlebt werden.
Selbstkonzept und Idealbild
Das Selbstkonzept umfasst Wissen und Bewertungen über die eigene Person. Dazu gehört auch die Beziehung zwischen dem wahrgenommenen Selbst und Vorstellungen davon, wie man gern sein möchte. Ein Idealbild kann motivieren. Wird es jedoch unrealistisch oder ausschließlich über äußere Merkmale definiert, kann die Distanz zwischen tatsächlichem und gewünschtem Selbst belastend werden.
Eine wichtige Lernfrage lautet daher: Welche Teile meines Selbstbildes hängen von Dingen ab, die sich verändern, und welche Teile beruhen auf Werten, Beziehungen, Fähigkeiten und Entscheidungen?
Das bedeutet nicht, dass Aussehen unwichtig sein muss. Körper und Erscheinung können ein bedeutsamer Teil von Identität und Selbstausdruck sein. Entscheidend ist, sie nicht automatisch mit dem gesamten persönlichen Wert gleichzusetzen.
Was bleibt?
Die Leitfrage „Was bleibt, wenn die Falten kommen?“ lässt sich als Forschungsfrage über Identität lesen. Mögliche Bereiche, die Menschen über viele Jahre als bedeutsam erleben können, sind Erinnerungen, Beziehungen, erworbenes Wissen, Überzeugungen, Werte, Fähigkeiten, Humor, Interessen, Verantwortung, Kreativität, Sprache, Zugehörigkeiten und persönliche Geschichten.
Nicht alles davon bleibt unverändert. Auch Identität entwickelt sich. Beziehungen können sich wandeln, Fähigkeiten können wachsen oder abnehmen, Werte können neu gewichtet werden. Gerade darin liegt ein wichtiger Gedanke: Kontinuität muss nicht bedeuten, immer gleich zu bleiben. Eine Person kann sich verändern und sich dennoch als dieselbe Person mit einer fortlaufenden Lebensgeschichte erleben.
Identität über die Lebensspanne
Entwicklung endet nicht mit der Jugend
Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit Veränderungen über die gesamte Lebensspanne. Lernen, Anpassung und Persönlichkeitsentwicklung sind nicht auf Kindheit und Jugend beschränkt. Erwachsene können neue Kompetenzen erwerben, neue Rollen übernehmen und ihre Lebensziele verändern.
Das widerspricht einem verbreiteten Stereotyp, nach dem Entwicklung vor allem „nach oben“ verlaufe, bis ein vermeintlicher Höhepunkt erreicht sei, und danach nur noch Verlust folge. Tatsächlich können in verschiedenen Bereichen gleichzeitig Gewinne, Stabilität und Verluste auftreten.
Ein Mensch kann beispielsweise körperlich weniger belastbar werden und zugleich über mehr berufliche Erfahrung verfügen. Eine Person kann langsamer auf neue technische Oberflächen reagieren und gleichzeitig komplexe soziale Situationen besser einschätzen. Solche Beispiele zeigen, warum eindimensionale Altersbilder zu kurz greifen.
Erinnerung, Erfahrung und Lebensgeschichte
Autobiographisches Gedächtnis verbindet Erlebnisse mit der eigenen Lebensgeschichte. Menschen erzählen sich selbst und anderen, wer sie waren, was sie erlebt haben und was ihnen wichtig geworden ist. Diese Erzählungen können Identität stützen, werden aber ebenfalls neu gedeutet.
Ein Fotoalbum, ein Lied, ein Geruch oder ein Ort kann Erinnerungen aktivieren. Deshalb sind biografische Interviews eine wertvolle Methode, um Altern nicht nur von außen zu beschreiben, sondern aus der Perspektive der Betroffenen zu verstehen.

Das Bild kann als Ausgangspunkt für Fragen dienen: Was wird zwischen Generationen weitergegeben? Welche Erfahrungen unterscheiden sich? Was lernen jüngere von älteren Menschen – und umgekehrt?
Ageismus: Wenn Alter zum Vorurteil wird
Was ist Ageismus?
Ageismus bezeichnet Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung aufgrund des Alters. Er kann ältere und jüngere Menschen betreffen. Besonders häufig werden in gesellschaftlichen Debatten Benachteiligungen älterer Menschen thematisiert.
Ageismus kann auf mehreren Ebenen auftreten. Ein Stereotyp ist eine verallgemeinernde Vorstellung über eine Altersgruppe. Ein Vorurteil enthält eine wertende Haltung. Diskriminierung zeigt sich im Verhalten oder in Strukturen, wenn Menschen aufgrund ihres Alters benachteiligt werden.
Beispiel: „Ältere Menschen verstehen Technik grundsätzlich nicht“ ist ein Stereotyp. Wenn jemand deswegen eine ältere Person nicht ernst nimmt, kommt eine wertende Haltung hinzu. Wird ihr allein aufgrund ihres Alters eine Schulung oder Stelle verweigert, kann daraus diskriminierendes Handeln werden.
Das Video dokumentiert die Vorstellung des globalen WHO-Berichts zu Ageismus. Für den Unterricht eignet es sich besonders, um den Begriff international einzuordnen und zu diskutieren, wie Altersbilder Gesundheit, Teilhabe und Menschenrechte beeinflussen können.
Selbstgerichteter Ageismus
Altersbilder können nicht nur andere betreffen. Menschen können gesellschaftliche Stereotype über das Alter auf sich selbst beziehen. Wer jahrelang hört, dass man „ab einem bestimmten Alter“ nichts Neues mehr lernen könne, könnte irgendwann eigene Möglichkeiten unterschätzen.
Deshalb ist es sinnvoll, Aussagen über Alter kritisch zu prüfen. Frage: Geht es um eine statistische Tendenz, eine biologische Veränderung, eine persönliche Erfahrung oder eine pauschale Zuschreibung? Diese vier Dinge sind nicht dasselbe.
Sprache prägt Altersbilder
Begriffe wie „jung geblieben“, „noch fit“, „trotz ihres Alters“ oder „für sein Alter erstaunlich“ können je nach Kontext harmlos gemeint sein. Sie können aber auch zeigen, dass geringe Erwartungen an ältere Menschen vorausgesetzt werden.
Sprachkritik bedeutet nicht, jedes Wort zu verbieten. Sie bedeutet, aufmerksam zu untersuchen, welche Vorstellungen in Formulierungen mitschwingen. Eine gute Übung ist, Schlagzeilen über ältere Menschen umzuschreiben, ohne Leistung, Schwäche oder Aussehen automatisch an das Alter zu binden.
Medien, Filter und das Bild vom Alter
Was sehen wir – und was sehen wir nicht?
Medien zeigen keine vollständige Wirklichkeit. Sie wählen aus. Ein Magazin, ein Werbeclip oder ein Social-Media-Feed entscheidet, welche Gesichter sichtbar werden, wie sie beleuchtet, geschminkt, gefiltert oder retuschiert werden und welche Geschichten dazugehören.
Wenn überwiegend glatte, junge Gesichter als schön, erfolgreich und begehrenswert gezeigt werden, kann der Eindruck entstehen, Jugendlichkeit sei die Norm. Werden ältere Menschen dagegen fast nur im Zusammenhang mit Krankheit, Pflege oder Rückzug gezeigt, entsteht ein ebenso einseitiges Bild.
Medienanalyse fragt deshalb nicht nur: „Ist dieses Bild echt?“ Wichtiger sind Fragen wie: „Wer wird gezeigt?“, „Wer fehlt?“, „Welche Eigenschaften werden mit welchem Alter verbunden?“ und „Welche Wirkung soll die Darstellung erzielen?“
Filter, Retusche und Vergleich
Digitale Bildbearbeitung kann Haut glätten, Gesichtsformen verändern, Licht optimieren und Proportionen anpassen. Viele Veränderungen sind für Betrachterinnen und Betrachter kaum erkennbar. Dadurch können Vergleichsmaßstäbe entstehen, die mit normalen Gesichtern im Alltag wenig zu tun haben.
Ein kritischer Umgang bedeutet nicht, bearbeitete Bilder grundsätzlich abzulehnen. Bildbearbeitung kann Kunst, Gestaltung oder Selbstausdruck sein. Entscheidend ist, zwischen ästhetischer Inszenierung und dokumentarischem Anspruch zu unterscheiden.
Kunst als Gegenperspektive
Kunst zeigt, dass Gesichter mit Spuren des Alters seit Jahrhunderten Gegenstand intensiver Darstellung sind. Alte Menschen erscheinen dort nicht nur als Symbol des Verfalls, sondern auch als Individuen mit Ausdruck, Würde, Humor, Macht, Verletzlichkeit oder Erfahrung.

Vergleiche in diesem Werk die Darstellung der beiden Figuren. Welche Unterschiede bemerkst Du in Haltung, Linienführung und Ausdruck? Welche Deutungen entstehen erst in Deinem eigenen Blick?

Auch Selbstbildnisse älterer Künstler können eine spannende Perspektive eröffnen. Sie zeigen, dass Alter nicht nur von außen betrachtet wird. Menschen gestalten ihr eigenes Bild und entscheiden mit, wie sie gesehen werden möchten.
Zwischen Akzeptanz und Veränderungswunsch
Menschen gehen unterschiedlich mit körperlichen Veränderungen um. Manche lassen graue Haare wachsen oder betrachten Falten als selbstverständlichen Teil ihres Gesichts. Andere nutzen Kosmetik, färben Haare oder wünschen sich ästhetische Behandlungen. Diese Entscheidungen können aus sehr verschiedenen Motiven entstehen.
Eine faire Diskussion vermeidet moralische Abwertungen in beide Richtungen. Es wäre ebenso problematisch, Menschen wegen ästhetischer Eingriffe als „oberflächlich“ abzuwerten, wie Menschen mit sichtbaren Alterszeichen als „ungepflegt“ zu beschreiben.
Interessanter ist die Frage nach Entscheidungsfreiheit: Welche Wünsche kommen aus der Person selbst? Welche Erwartungen wirken von außen? Wie gut ist eine Person über Nutzen, Grenzen, Kosten und mögliche Risiken informiert? Wie stark beeinflussen Werbung, soziale Vergleiche oder berufliche Anforderungen die Entscheidung?
Beziehungen und Generationen
Altern findet in sozialen Beziehungen statt. Familien, Freundschaften, Partnerschaften, Nachbarschaften, Vereine, Schulen und Arbeitsplätze verbinden Menschen unterschiedlichen Alters. Solche Begegnungen können Altersstereotype bestätigen – oder sie aufbrechen.
Generationendialog bedeutet, Erfahrungen und Perspektiven zwischen Altersgruppen auszutauschen, ohne eine Generation als grundsätzlich überlegen darzustellen. Jüngere Menschen können Wissen und Kompetenzen einbringen, ältere Menschen ebenso. Gute Zusammenarbeit entsteht nicht durch romantische Vorstellungen, sondern durch konkrete Begegnung, gegenseitiges Zuhören und gemeinsame Aufgaben.
Ein Interview zwischen Jugendlichen und älteren Menschen kann beispielsweise Fragen behandeln wie: Welche Schönheitsideale gab es früher? Wann hast Du Dich besonders frei gefühlt? Was hat sich in Deinem Selbstbild verändert? Welche Vorurteile über Deine Generation ärgern Dich? Was würdest Du einer jüngeren oder älteren Person gern besser erklären?
Eine mögliche Antwort auf die Leitfrage
„Was bleibt, wenn die Falten kommen?“ kann nicht allgemeingültig beantwortet werden. Der aiMOOC legt deshalb keine fertige Lebensphilosophie fest. Er bietet Dir stattdessen eine begründete Perspektive: Falten sind sichtbare Veränderungen der Haut, aber sie entscheiden nicht allein darüber, wer ein Mensch ist.
Identität entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel von Körper, Erinnerungen, Beziehungen, Werten, Rollen, Fähigkeiten, Entscheidungen und Selbstdeutungen. Manche Anteile bleiben über lange Zeit relativ stabil, andere verändern sich. Der Mensch bleibt also nicht deshalb „derselbe“, weil sein Körper unverändert wäre, sondern kann Kontinuität gerade durch Veränderung hindurch erleben.
Die Frage kann dadurch neu formuliert werden: Was soll in meinem Leben wichtig bleiben, auch wenn sich mein Aussehen verändert? Diese Frage betrifft nicht nur ältere Menschen. Sie kann in jeder Lebensphase helfen, über Werte, Selbstbild und Zukunft nachzudenken.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt intrinsische Hautalterung am besten? (Altersabhängige Veränderungen durch innere biologische Prozesse) (!Ausschließlich Schäden durch Sonnenbrand) (!Nur Veränderungen durch Kosmetik) (!Eine reine gesellschaftliche Zuschreibung)
Welcher äußere Einfluss ist besonders gut als Faktor der Hautalterung untersucht? (UV-Strahlung) (!Musikgeschmack) (!Handschrift) (!Schulabschluss)
Was umfasst ein Selbstkonzept? (Vorstellungen und Bewertungen über die eigene Person) (!Nur das Aussehen im Spiegel) (!Nur die Meinung fremder Menschen) (!Ausschließlich die berufliche Rolle)
Was bedeutet Ageismus? (Stereotype Vorurteile und Diskriminierung aufgrund des Alters) (!Die medizinische Behandlung von Hautkrankheiten) (!Die Einteilung von Kunstwerken nach Jahrhunderten) (!Die Berechnung der Lebenserwartung)
Welche Aussage unterscheidet Beschreibung und Bewertung korrekt? (Falten sind Hautveränderungen ist eine Beschreibung) (!Falten sind hässlich ist eine biologische Tatsache) (!Junge Gesichter sind wertvoller ist eine Messung) (!Alte Menschen sind weiser ist ein Naturgesetz)
Welche Wissenschaft untersucht Alter und Altern interdisziplinär? (Gerontologie) (!Geometrie) (!Meteorologie) (!Phonetik)
Was ist ein Schönheitsideal? (Eine kulturell geprägte Vorstellung von attraktivem Aussehen) (!Eine unveränderliche biologische Regel) (!Eine medizinische Diagnose) (!Ein gesetzlich vorgeschriebener Körperstandard)
Welche Frage gehört zu einer kritischen Medienanalyse? (Wer wird dargestellt und wer fehlt) (!Welche Altersgruppe ist grundsätzlich die beste) (!Welche Falte muss entfernt werden) (!Welches Gesicht ist objektiv am schönsten)
Was kennzeichnet einen Generationendialog? (Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen) (!Die Trennung aller Altersgruppen) (!Die Bewertung von Menschen nur nach Geburtsjahr) (!Die Vermeidung unterschiedlicher Perspektiven)
Welche Aussage passt zu einem differenzierten Verständnis von Altern? (Im Alter können Gewinne Stabilität und Verluste gleichzeitig auftreten) (!Altern bedeutet in allen Bereichen nur Verlust) (!Alle gleichaltrigen Menschen entwickeln sich gleich) (!Persönlichkeitsentwicklung endet nach der Jugend)
Memory
| Gerontologie | Wissenschaft vom Altern |
| Intrinsische Hautalterung | Innere biologische Veränderungen |
| Extrinsische Hautalterung | Einflüsse aus Umwelt und Lebensbedingungen |
| Selbstkonzept | Vorstellungen über die eigene Person |
| Ageismus | Altersbezogene Stereotype und Diskriminierung |
| Kollagen | Strukturprotein des Bindegewebes |
| Schönheitsideal | Kulturell geprägte Attraktivitätsvorstellung |
| Generationendialog | Austausch zwischen Altersgruppen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Hautalterung | Biologische Veränderung |
| Selbstbild | Psychologische Selbstwahrnehmung |
| Schönheitsideal | Kulturelle Norm |
| Ageismus | Soziale Diskriminierung |
| Generationendialog | Zwischenmenschlicher Austausch |
...
Kreuzworträtsel
| Gerontologie | Wie heißt die Wissenschaft, die Alter und Altern interdisziplinär untersucht? |
| Kollagen | Welches Strukturprotein ist für das Bindegewebe der Haut wichtig? |
| Selbstbild | Wie heißt die Vorstellung, die ein Mensch von sich selbst hat? |
| Ageismus | Wie heißt die Benachteiligung und Stereotypisierung aufgrund des Alters? |
| Identität | Welcher Begriff beschreibt das Erleben der eigenen Person und ihrer Kontinuität? |
| Generationen | Wie nennt man Altersgruppen, die durch unterschiedliche historische Erfahrungen geprägt sein können? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Beobachtung von Altersbildern: Sammle an einem Tag fünf Beispiele dafür, wie Alter in Werbung, Nachrichten, Serien oder sozialen Medien dargestellt wird. Beschreibe ohne Bewertung, was Du siehst.
- Wortfeld Alter: Erstelle eine Mindmap mit Begriffen, die Dir zu Jugend, Erwachsensein und Alter begegnen. Markiere, welche Begriffe beschreibend und welche wertend sind.
- Porträtanalyse: Wähle eines der Bilder aus diesem aiMOOC und beschreibe Gesichtsausdruck, Licht, Haltung und Bildausschnitt. Formuliere anschließend zwei unterschiedliche Deutungen.
- Mein Zukunftsbrief: Schreibe einen kurzen Brief an Dein zukünftiges Ich. Beschreibe drei Eigenschaften oder Werte, die Dir wichtiger sind als ein bestimmtes Aussehen.
Standard
- Medienvergleich: Vergleiche zwei Darstellungen älterer Menschen aus unterschiedlichen Medien. Untersuche Rollen, Sprache, Kleidung, Aktivität und Bildgestaltung.
- Werbecheck Anti-Aging: Analysiere eine Werbung für ein Anti-Aging-Produkt. Trenne überprüfbare Sachbehauptungen, emotionale Botschaften und Verkaufsstrategien.
- Generationeninterview: Führe mit einer älteren oder jüngeren Person ein Interview über Schönheitsideale, Selbstbild und Veränderungen im Lebenslauf. Hole vorher die Zustimmung zur Verwendung der Antworten ein.
- Fotoessay Zeitspuren: Gestalte einen Fotoessay über sichtbare Spuren von Zeit, ohne Menschen herabwürdigend darzustellen. Nutze zum Beispiel Hände, Gegenstände, Gebäude, Bäume oder Alltagsobjekte.
Schwer
- Ageismus-Feldstudie: Entwickle einen kleinen Beobachtungsbogen für altersbezogene Stereotype. Untersuche eine Woche lang Medienbeispiele und werte die Muster aus.
- Debatte Ästhetische Eingriffe: Entwickle eine strukturierte Debatte zur Frage, ob der Wunsch nach einem jüngeren Aussehen eher Ausdruck persönlicher Freiheit oder gesellschaftlichen Drucks ist. Berücksichtige mehrere Perspektiven.
- Biografieprojekt: Erstelle ein multimediales Porträt einer Person, in dem nicht das Alter, sondern Veränderungen von Interessen, Fähigkeiten, Beziehungen und Werten über die Zeit im Mittelpunkt stehen.
- Unterrichtskampagne gegen Ageismus: Plane eine Kampagne für Schule, Hochschule oder Ausbildungsbetrieb. Formuliere Zielgruppe, Kernbotschaft, Medienformat, Belege und Kriterien zur Erfolgskontrolle.


Lernkontrolle
- Transfer Haut und Kultur: Erkläre an einem eigenen Beispiel, warum eine biologische Veränderung nicht automatisch eine kulturelle Bewertung vorgibt.
- Fallanalyse Selbstbild: Eine Person sagt: „Wenn ich Falten bekomme, bin ich nicht mehr ich selbst.“ Analysiere die Aussage mithilfe der Begriffe Selbstbild, Selbstkonzept und Identität.
- Medienkritik: Entwirf Kriterien, mit denen sich prüfen lässt, ob eine Darstellung des Alterns differenziert oder stereotyp ist. Wende die Kriterien auf ein selbst gewähltes Beispiel an.
- Ageismus erkennen: Entwickle ein Alltagsszenario, in dem aus einem Altersstereotyp eine konkrete Benachteiligung entsteht. Zeige anschließend eine faire Alternative.
- Generationendialog planen: Plane ein Projekt, bei dem zwei Altersgruppen gemeinsam eine Aufgabe lösen. Begründe, wie die Gestaltung Vorurteile reduzieren könnte.
- Werbeaussage prüfen: Formuliere eine fiktive Anti-Aging-Werbung und zerlege sie anschließend in überprüfbare Behauptungen, Werturteile und emotionale Strategien.
- Eigene Position: Beantworte die Leitfrage „Was bleibt, wenn die Falten kommen?“ in einem argumentativen Text. Nutze mindestens drei unterschiedliche Perspektiven aus Biologie, Psychologie, Soziologie oder Ethik.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern sie auf neue Situationen anwenden kannst.
- Biologische Grundlagen: Du kannst erklären, dass Hautalterung durch innere Prozesse und äußere Einflüsse geprägt wird.
- Begriffe unterscheiden: Du kannst Selbstbild, Selbstkonzept, Identität, Schönheitsideal und Ageismus voneinander abgrenzen.
- Beschreibung und Wertung: Du kannst biologische Aussagen von kulturellen und persönlichen Bewertungen unterscheiden.
- Medienanalyse: Du kannst Darstellungen von Jugend und Alter auf Auswahl, Inszenierung, Stereotype und wirtschaftliche Interessen untersuchen.
- Ageismus erkennen: Du kannst altersbezogene Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung in Beispielen identifizieren.
- Perspektiven vergleichen: Du kannst biologische, psychologische, soziale und ethische Sichtweisen miteinander verbinden.
- Transfer: Du kannst die Leitfrage auf eigene oder gesellschaftliche Situationen übertragen, ohne einzelne Lebensentwürfe abzuwerten.
- Begründete Position: Du kannst eine eigene Haltung formulieren, Gegenargumente berücksichtigen und Deine Position nachvollziehbar begründen.
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