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Verhalten bei Arbeitsunfällen - Schmied

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Verhalten bei Arbeitsunfällen - Schmied




Verhalten bei Arbeitsunfällen - Schmied

In einer Schmiede treffen hohe Temperaturen, glühende Werkstücke, Funkenflug, schwere Hämmer, Pressen, Schleifmaschinen, scharfkantige Metallteile und teilweise elektrische oder pneumatische Anlagen aufeinander. Deshalb müssen Auszubildende nicht nur sicher arbeiten, sondern auch wissen, wie sie sich bei einem Arbeitsunfall richtig verhalten.

Dieser aiMOOC richtet sich an Auszubildende in Schmiede-, Metallbau- und Metallgestaltungsbetrieben. Du lernst, eine Unfallstelle richtig einzuschätzen, Gefahren zu stoppen, einen Notruf abzusetzen, Erste Hilfe zu leisten und die innerbetriebliche Rettungskette auszulösen. Außerdem erfährst Du, wann eine Durchgangsärztin oder ein Durchgangsarzt aufgesucht werden muss und wie ein Unfall dokumentiert wird.

Wichtig: Dieser Lernkurs ersetzt keinen betrieblichen Erste-Hilfe-Kurs und keine praktische Unterweisung. Im Notfall gelten die betriebliche Alarmordnung, die Anweisungen der Rettungsleitstelle und die Maßnahmen, die Du in Deiner Erste-Hilfe-Ausbildung gelernt hast.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses Lernkurses kannst Du:

  1. Selbstschutz: Gefahren an einer Unfallstelle erkennen und eine Rettung ohne unnötige Eigengefährdung vorbereiten.
  2. Rettungskette: Not-Halt, innerbetriebliche Meldung, Notruf, Erste Hilfe und Einweisung des Rettungsdienstes sinnvoll miteinander verbinden.
  3. Erste Hilfe: Bei Blutungen, Verbrennungen, Augenverletzungen, Stromunfällen, Bewusstlosigkeit und Quetschungen angemessen reagieren.
  4. Durchgangsarztverfahren: Erklären, wann eine unfallverletzte Person einer Durchgangsärztin oder einem Durchgangsarzt vorgestellt werden soll.
  5. Unfalldokumentation: Zwischen Erste-Hilfe-Dokumentation, innerbetrieblicher Meldung und gesetzlicher Unfallanzeige unterscheiden.
  6. Unfallprävention: Aus einem Unfall oder Beinaheunfall geeignete technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen ableiten.


Arbeitsunfälle in der Schmiede

Ein Arbeitsunfall ist ein zeitlich begrenztes Ereignis, das von außen auf den Körper einwirkt und im Zusammenhang mit einer versicherten Tätigkeit zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führt. Auch Auszubildende stehen während ihrer betrieblichen Tätigkeit grundsätzlich unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Ein Beinaheunfall führt nicht zu einer Verletzung, zeigt aber eine gefährliche Situation. Beinaheunfälle sollten deshalb innerbetrieblich gemeldet und ausgewertet werden. So können Schutzmaßnahmen verbessert werden, bevor ein schwerer Unfall entsteht.


Typische Unfallgefahren beim Schmieden

Gefährdung Beispiel aus der Schmiede Mögliche Folgen
Thermische Gefährdung Glühendes Werkstück, Esse, Schmiedefeuer, heiße Schlacke oder Funken Verbrennung, Brandverletzung, Rauchgasbelastung
Mechanische Gefährdung Hammer, Lufthammer, Presse, Schere, Schleifmaschine oder herabfallendes Werkstück Quetschung, Schnittverletzung, Knochenbruch, Amputation
Gefahr durch Werkstücke Unzureichend gehaltenes Material, abrutschende Zange oder abgesprengter Zunder Augenverletzung, Prellung, Stich- oder Schnittverletzung
Elektrische Gefährdung Beschädigte Leitung, fehlerhafte Maschine oder Arbeiten an elektrischen Einrichtungen Stromschlag, Verbrennung, Herz-Kreislauf-Stillstand
Gefahrstoffe und Gase Rauch, Kohlenmonoxid, Reinigungsmittel, Säuren oder Gase Vergiftung, Atemwegsreizung, Verätzung, Bewusstlosigkeit
Lärm und körperliche Belastung Dauerhämmern, schwere Lasten, Hitze und ungünstige Körperhaltung Hörschaden, Überlastung, Kreislaufprobleme

Ein erhitztes Werkstück kann nach dem Abkühlen äußerlich ähnlich aussehen wie kaltes Metall. Behandle deshalb nicht eindeutig gekennzeichnete Werkstücke so, als könnten sie noch heiß sein.


Die Rettungskette

Bei einem Unfall zählt eine klare Reihenfolge. Unüberlegtes Handeln kann dazu führen, dass weitere Personen verletzt werden.

  1. Unfall erkennen und Ruhe bewahren: Verschaffe Dir einen Überblick über Unfallort, Verletzte und fortbestehende Gefahren.
  2. Selbstschutz beachten: Betritt keinen Gefahrenbereich, solange Maschinenbewegungen, Strom, Feuer, Rauch, Druck oder herabfallende Teile Dich gefährden.
  3. Gefahr stoppen: Betätige bei Bedarf und gefahrlos erreichbarer Stelle den Not-Halt oder die vorgesehene Abschalteinrichtung. Sichere Anlagen gegen unbeabsichtigtes Wiederanlaufen, soweit Du dazu unterwiesen und befugt bist.
  4. Hilfe organisieren: Rufe laut um Hilfe, informiere Ersthelfende und Vorgesetzte und löse den betrieblichen Alarm aus.
  5. Notruf 112 absetzen: Beschreibe Ort, Unfallhergang, Zahl der Betroffenen, erkennbare Verletzungen und besondere Gefahren.
  6. Erste Hilfe leisten: Prüfe Bewusstsein und Atmung, stille starke Blutungen und führe notwendige lebensrettende Maßnahmen durch.
  7. Rettungsdienst einweisen: Sorge dafür, dass eine Person Tor, Zufahrt oder Werkhalle öffnet und den Rettungsdienst zur Unfallstelle führt.


Not-Halt, Not-Aus und Freischalten

Not-Halt bezeichnet das schnelle Stillsetzen einer gefahrbringenden Bewegung. Ein Not-Aus unterbricht oder reduziert eine gefährliche Energieversorgung, insbesondere elektrische Energie, soweit die Anlage dafür vorgesehen ist. Beide Funktionen ersetzen keine fachgerechte Sicherung gegen Wiedereinschalten.

Bei Schmiedehämmern, Pressen, Walzen oder Schleifmaschinen darf eine eingeklemmte Person nicht durch unkontrolliertes Rückwärtsfahren oder erneutes Starten der Maschine befreit werden. Die Anlage muss gegen weitere Bewegungen gesichert werden. Technische Rettungsmaßnahmen dürfen nur durch unterwiesene oder zuständige Personen beziehungsweise durch den Rettungsdienst durchgeführt werden.


Der Notruf 112

Nenne zuerst den genauen Notfallort. In großen Betrieben sind Werkhalle, Hallennummer, Zufahrt, Tor und Maschinenbereich besonders wichtig. Beschreibe anschließend, was geschehen ist, wie viele Personen betroffen sind und welche Gefahren noch bestehen. Weise ausdrücklich auf Feuer, Rauch, Gas, elektrischen Strom, eingeklemmte Personen oder heiße Werkstücke hin.

Beende das Gespräch nicht selbstständig. Beantworte die Fragen der Leitstelle und warte auf weitere Anweisungen. Eine Person sollte den Rettungsdienst am Betriebseingang erwarten.


Erste Hilfe bei typischen Schmiedeverletzungen


Starke Blutungen und Schnittverletzungen

Bei starken Blutungen besteht Lebensgefahr. Trage nach Möglichkeit Einmalhandschuhe, lasse die verletzte Person sitzen oder liegen und übe mit einer sterilen Wundauflage direkten Druck auf die Blutungsstelle aus. Veranlasse den Notruf 112. Ein Druckverband kann angelegt werden, wenn Du darin unterwiesen bist. Dringt Blut durch den Verband, wird weiteres Verbandmaterial darübergelegt; die erste Wundauflage bleibt auf der Wunde.

Fremdkörper, die tief in einer Wunde stecken, werden nicht herausgezogen. Sie werden möglichst bewegungsarm belassen und vom Rettungsdienst versorgt.


Verbrennungen durch glühendes Metall oder Feuer

Unterbrich zuerst die Wärmeeinwirkung, ohne Dich selbst zu gefährden. Brennende Kleidung wird gelöscht. Festgeklebte Kleidung oder eingebrannte Fremdkörper dürfen nicht gewaltsam entfernt werden. Decke die verletzte Stelle möglichst keimfrei und locker ab. Verwende keine Salben, Öle, Mehl oder andere Hausmittel.

Bei großflächigen oder tiefen Verbrennungen, Verbrennungen im Gesicht, an Händen, Gelenken oder Atemwegen sowie bei Kreislaufproblemen wird der Notruf 112 veranlasst. Eine Auskühlung der verletzten Person muss verhindert werden. Über Art und Dauer einer möglichen Kühlung entscheiden die aktuelle Erste-Hilfe-Unterweisung und die konkrete Verletzungssituation.


Augenverletzungen durch Zunder, Splitter oder Funken

Reiben am Auge kann die Verletzung verschlimmern. Ein festsitzender Fremdkörper wird nicht entfernt. Beruhige die betroffene Person und veranlasse eine rasche augenärztliche Untersuchung. Bei schweren Verletzungen oder Sehverschlechterung wird der Rettungsdienst verständigt.

Bei einer Verätzung muss das Auge sofort und ausdauernd mit geeigneter Augenspülflüssigkeit oder sauberem Wasser gespült werden. Dabei soll die Spülflüssigkeit vom unverletzten zum verletzten Bereich ablaufen und nicht in das andere Auge gelangen.


Stromunfall

Berühre eine verunfallte Person erst, wenn die Stromquelle sicher abgeschaltet ist. Bei Hochspannung muss ein großer Sicherheitsabstand eingehalten werden; die Rettung darf erst nach Freigabe durch zuständige Fachkräfte erfolgen. Nach einem Stromunfall wird wegen möglicher Herzrhythmusstörungen grundsätzlich eine medizinische Abklärung veranlasst.

Fehlt eine normale Atmung, beginnt sofort die Wiederbelebung. Eine weitere Person setzt den Notruf ab und holt den AED.


Bewusstlosigkeit und fehlende normale Atmung

Sprich die Person laut an und berühre sie vorsichtig an der Schulter. Reagiert sie nicht, öffne die Atemwege und prüfe die Atmung.

Normale Atmung vorhanden: Bringe die Person in die stabile Seitenlage, rufe 112, kontrolliere die Atmung regelmäßig und schütze sie vor Auskühlung.

Keine normale Atmung vorhanden: Lasse 112 rufen, beginne unverzüglich mit kräftigen und schnellen Herzdruckmassagen in der Mitte des Brustkorbs und setze einen verfügbaren AED nach dessen Sprachanweisungen ein. Setze die Maßnahmen bis zur Ablösung durch den Rettungsdienst fort.


Quetschungen und Amputationsverletzungen

Bei einer Quetschung durch Hammer, Presse oder Werkstück muss die Anlage zuerst gegen weitere Bewegung gesichert werden. Eine eingeklemmte Person darf nicht durch unkontrollierte Maschinenbewegungen befreit werden. Rufe den Rettungsdienst und betreue die verletzte Person.

Bei einer Amputationsverletzung steht die Blutstillung im Vordergrund. Das abgetrennte Körperteil wird nicht gereinigt. Es wird möglichst steril eingepackt, in einen wasserdichten Beutel gelegt und indirekt gekühlt. Es darf keinen direkten Kontakt zu Eis oder Wasser haben. Übergib das Amputat dem Rettungsdienst.


Rauchgas, Kohlenmonoxid und Hitzeerschöpfung

Betritt verrauchte oder mit Gas belastete Bereiche nicht ohne geeignete Schutzausrüstung. Bringe eine betroffene Person nur dann an die frische Luft, wenn dies ohne Eigengefährdung möglich ist. Rufe 112 und weise auf die mögliche Einwirkung von Rauch oder Kohlenmonoxid hin.

Anzeichen einer Hitzeerschöpfung können Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit und starkes Schwitzen sein. Beende die Arbeit, bringe die Person in einen kühleren Bereich und organisiere Hilfe. Bei Bewusstseinsstörungen oder Kreislaufproblemen ist der Notruf erforderlich.


Verhalten bei Brand in der Schmiede

Beim Brand gilt: Menschenrettung geht vor Sachwerten. Alarmiere andere Personen, löse den betrieblichen Brandalarm aus und verständige die Feuerwehr über 112. Schließe nach Möglichkeit Türen, ohne Fluchtwege zu blockieren.

Ein eigener Löschversuch ist nur sinnvoll, wenn Du unterwiesen bist, der Brand klein und überschaubar ist, ein passendes Löschmittel bereitsteht und Dein Fluchtweg frei bleibt. Brennende Metalle dürfen nicht mit ungeeigneten Löschmitteln bekämpft werden. Beachte deshalb den betrieblichen Brandschutzplan und die Zuordnung der vorhandenen Feuerlöscher.


Nach der Erstversorgung


Medizinische Versorgung und Durchgangsarztverfahren

Eine Durchgangsärztin oder ein Durchgangsarzt, kurz D-Arzt, ist besonders für die Behandlung und Steuerung von Arbeitsunfällen qualifiziert. Eine Vorstellung ist insbesondere vorgesehen, wenn die Verletzung über den Unfalltag hinaus zur Arbeitsunfähigkeit führt, die Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche dauert, Heil- oder Hilfsmittel erforderlich sind oder Unfallfolgen erneut auftreten.

Bei schweren Verletzungen entscheidet der Rettungsdienst über das geeignete Krankenhaus. Teile medizinischem Personal immer mit, dass sich die Verletzung bei der Arbeit ereignet hat.


Dokumentation der Ersten Hilfe

Jede Erste-Hilfe-Leistung im Betrieb muss dokumentiert werden. Dazu gehören unter anderem Name der verletzten Person, Datum, Uhrzeit, Ort, Unfallhergang, Art der Verletzung, durchgeführte Maßnahmen, beteiligte Ersthelfende und mögliche Zeuginnen oder Zeugen. Die Angaben werden vertraulich behandelt und in der Regel fünf Jahre aufbewahrt.

Die Dokumentation ist wichtig, weil sich manche Unfallfolgen erst später zeigen. Sie dient außerdem als Nachweis gegenüber dem zuständigen Unfallversicherungsträger.


Innerbetriebliche Meldung und Unfallanzeige

Informiere nach einem Unfall unverzüglich Deine Ausbilderin oder Deinen Ausbilder beziehungsweise die zuständige Führungskraft. Auch kleinere Verletzungen und Beinaheunfälle sollen nach den betrieblichen Regeln gemeldet werden.

Eine formelle Unfallanzeige an den zuständigen Unfallversicherungsträger ist erforderlich, wenn eine versicherte Person durch den Unfall getötet wird oder mehr als drei Tage arbeitsunfähig ist. Die Unfallanzeige wird vom Unternehmen erstellt. Die innerbetriebliche Meldung und die Erste-Hilfe-Dokumentation erfolgen unabhängig davon.


Unfallstelle und Ursachenanalyse

Nach einem schweren Unfall kann es notwendig sein, die Unfallstelle für Ermittlungen zu erhalten. Veränderungen dürfen nur vorgenommen werden, wenn sie zur Rettung, Gefahrenabwehr oder Verhinderung weiterer Schäden erforderlich sind.

Die anschließende Unfallanalyse soll nicht vorschnell nach persönlicher Schuld suchen. Untersucht werden technische, organisatorische und personenbezogene Ursachen. Typische Fragen sind:

  1. War die Maschine technisch sicher und geprüft?
  2. Waren Schutzvorrichtungen wirksam und wurden sie benutzt?
  3. War der Arbeitsauftrag verständlich und die Person ausreichend unterwiesen?
  4. Waren Werkzeug, Zange, Werkstückauflage und persönliche Schutzausrüstung geeignet?
  5. Wurden Zeitdruck, Hitze, Lärm, Ermüdung oder Kommunikationsprobleme berücksichtigt?
  6. Welche Maßnahme verhindert eine Wiederholung am zuverlässigsten?


Rollen und Verantwortlichkeiten

Rolle Zentrale Aufgabe nach einem Unfall
Auszubildende Arbeit stoppen, Gefahren melden, Selbstschutz beachten, Hilfe rufen und nur Maßnahmen durchführen, für die eine Unterweisung besteht
Ersthelfende Lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen, verletzte Person betreuen und Übergabe an den Rettungsdienst vorbereiten
Ausbilderin oder Ausbilder Betriebliche Rettungskette auslösen, Bereich sichern, Angehörige Zuständige informieren und Nachsorge organisieren
Unternehmerin oder Unternehmer Wirksame Erste Hilfe, sachkundigen Transport, Dokumentation, Unfallanzeige und Präventionsmaßnahmen sicherstellen
Fachkraft für Arbeitssicherheit Bei Ursachenanalyse und Verbesserung der Schutzmaßnahmen beraten
Betriebsärztlicher Dienst Medizinisch beraten, Nachsorge unterstützen und bei arbeitsmedizinischen Fragen mitwirken


Psychische Folgen eines schweren Arbeitsunfalls

Schwere Arbeitsunfälle können nicht nur verletzte Personen, sondern auch Augenzeuginnen und Augenzeugen belasten. Mögliche Reaktionen sind Zittern, Schlafprobleme, Schuldgefühle, Konzentrationsstörungen, starke Unruhe oder Teilnahmslosigkeit.

Betroffene sollen nicht allein gelassen oder zum sofortigen ausführlichen Erzählen gedrängt werden. Eine ruhige Betreuung, praktische Unterstützung und der Zugang zu professioneller psychologischer Hilfe können wichtig sein. Der Betrieb sollte dafür festgelegte Ansprechpersonen und Meldewege vorhalten.


Fallbeispiel

Ein Auszubildender hält ein erhitztes Werkstück mit einer ungeeigneten Zange. Das Werkstück rutscht ab, trifft die Hand eines Kollegen und fällt vor einen kraftbetriebenen Hammer. Der Kollege hat eine stark blutende Schnittverletzung und eine Verbrennung. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass eine weitere Person in den Bewegungsbereich des Hammers tritt.

Die richtige Reihenfolge lautet: Arbeit stoppen, andere warnen, Gefahrenbereich sichern, Not-Halt betätigen, Hilfe rufen, 112 veranlassen, starke Blutung durch direkten Druck versorgen, Verbrennung keimfrei abdecken, verletzte Person betreuen und den Rettungsdienst einweisen. Danach folgen Dokumentation, medizinische Versorgung und eine Ursachenanalyse. Dabei werden nicht nur die Zange und das Verhalten des Auszubildenden betrachtet, sondern auch Unterweisung, Werkzeugauswahl, Arbeitsorganisation und Maschinenbereich.


Fachbegriffe

Fachbegriff Bedeutung
Arbeitsunfall Unfall infolge einer versicherten betrieblichen Tätigkeit
Beinaheunfall Gefährliches Ereignis ohne eingetretene Verletzung
Rettungskette Abfolge von Absichern, Melden, Erste Hilfe, Rettungsdienst und medizinischer Versorgung
Selbstschutz Schutz der helfenden Person vor zusätzlichen Gefahren
Not-Halt Schnelles Stillsetzen einer gefahrbringenden Bewegung
Durchgangsarzt Besonders qualifizierte ärztliche Stelle zur Steuerung der Behandlung nach Arbeitsunfällen
Erste-Hilfe-Dokumentation Vertrauliche Aufzeichnung über Unfall und geleistete Erste Hilfe
Unfallanzeige Gesetzlich vorgeschriebene Meldung bestimmter Arbeitsunfälle an den Unfallversicherungsträger
Amputat Durch einen Unfall abgetrennter Körperteil
AED Automatisierter externer Defibrillator zur Unterstützung der Wiederbelebung


Fachliche Grundlagen und weiterführende Informationen

  1. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Arbeitsunfall
  2. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Unfallanzeige
  3. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: Fragen zur betrieblichen Ersten Hilfe
  4. DGUV Information 204-007: Handbuch zur Ersten Hilfe
  5. Deutsches Rotes Kreuz: Erste Hilfe
  6. Sozialgesetzbuch VII: Pflicht zur Anzeige eines Versicherungsfalls


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was hat bei einem Arbeitsunfall in der Schmiede zuerst Vorrang? (Selbstschutz und Kontrolle fortbestehender Gefahren) (!Sofortige Suche nach der Unfallanzeige) (!Weiterarbeit bis zum Eintreffen der Führungskraft) (!Aufräumen des gesamten Arbeitsplatzes)




Was ist bei einer gefahrbringenden Maschinenbewegung zu tun? (Not-Halt betätigen und Anlage gegen weitere Bewegung sichern) (!Werkstück mit der Hand aus der Maschine ziehen) (!Maschine kurz rückwärts laufen lassen) (!Schutzvorrichtung entfernen)




Welche Rufnummer gilt für Feuerwehr und Rettungsdienst? (112) (!1100) (!118) (!19222 in jedem Fall)




Was ist bei Bewusstlosigkeit und vorhandener normaler Atmung richtig? (Stabile Seitenlage und regelmäßige Atemkontrolle) (!Sofort Wasser zu trinken geben) (!Person allein lassen und Material holen) (!Person im Stehen abstützen)




Was ist bei fehlender normaler Atmung erforderlich? (Herzdruckmassage beginnen und AED einsetzen lassen) (!Person ausschließlich in die stabile Seitenlage bringen) (!Auf eine Führungskraft warten) (!Nur die Hände kühlen)




Wie wird eine starke Blutung zunächst versorgt? (Direkter Druck mit möglichst sterilem Verbandmaterial) (!Tiefer Fremdkörper wird sofort herausgezogen) (!Wunde wird mit Öl eingerieben) (!Verletzte Person muss weitergehen)




Was gilt bei einem Stromunfall? (Stromquelle sicher abschalten, bevor die Person berührt wird) (!Person sofort mit bloßen Händen wegziehen) (!Elektrische Anlage erneut einschalten) (!Hochspannungsbereich ohne Freigabe betreten)




Wann ist eine Vorstellung beim Durchgangsarzt besonders vorgesehen? (Wenn die Unfallverletzung über den Unfalltag hinaus arbeitsunfähig macht) (!Nur bei einer Erkältung) (!Nur nach einem privaten Freizeitunfall) (!Wenn keinerlei Verletzung vorliegt)




Welche Erste-Hilfe-Leistung muss dokumentiert werden? (Jede betriebliche Erste-Hilfe-Leistung) (!Nur eine Wiederbelebung) (!Nur ein Unfall mit Feuerwehr) (!Nur ein Unfall der Betriebsleitung)




Wann muss das Unternehmen grundsätzlich eine Unfallanzeige erstatten? (Bei Tod oder mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit) (!Bei jeder kurzen Arbeitspause) (!Nur bei beschädigtem Werkzeug) (!Nur bei einem Beinaheunfall ohne Verletzung)





Memory

Selbstschutz Eigene Gefährdung vermeiden
Not-Halt Gefahrbringende Bewegung schnell stillsetzen
Durchgangsarzt Heilverfahren nach Arbeitsunfall steuern
Meldeblock Erste-Hilfe-Leistung vertraulich dokumentieren
AED Wiederbelebung durch Defibrillation unterstützen
Amputat Abgetrennten Körperteil indirekt kühlen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Selbstschutz Gefahren für helfende Personen zuerst beurteilen
Notruf Rettungsleitstelle über Ort und Unfall informieren
Erste Hilfe Lebensrettende Maßnahmen bis zum Rettungsdienst durchführen
Durchgangsarzt Medizinische Behandlung nach einem Arbeitsunfall steuern
Unfallanzeige Meldepflichtigen Versicherungsfall formal anzeigen




...


Kreuzworträtsel

Rettungskette Wie heißt die geordnete Abfolge der Hilfe nach einem Unfall?
Selbstschutz Was verhindert, dass eine helfende Person selbst verletzt wird?
Ersthelfer Wie heißt eine betrieblich ausgebildete Person für Erste Hilfe?
Durchgangsarzt Wer steuert häufig die Behandlung nach einem Arbeitsunfall?
Verbandbuch Wie heißt eine traditionelle Form der Erste-Hilfe-Dokumentation?
Notruf Wie heißt die Alarmierung der Rettungsleitstelle?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Bei einem Arbeitsunfall hat der

der helfenden Person Vorrang.
Eine gefahrbringende Maschinenbewegung wird mit dem

gestoppt.
Feuerwehr und Rettungsdienst werden über die Nummer

alarmiert.
Bei Bewusstlosigkeit muss zuerst die

geprüft werden.
Eine starke Blutung wird durch direkten

auf die Wunde versorgt.
Bei fehlender normaler Atmung beginnt sofort die

.
Nach einer geeigneten Arbeitsunfallverletzung wird eine

oder ein Durchgangsarzt aufgesucht.
Jede betriebliche Erste-Hilfe-Leistung wird

.
Eine Unfallanzeige ist bei mehr als drei Tagen

erforderlich.
Nach dem Unfall werden technische, organisatorische und

Ursachen untersucht.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Notrufübung: Formuliere einen vollständigen Notruf für einen Unfall an einem Schmiedehammer mit einer verletzten Person und einer blockierten Zufahrt.
  2. Gefahrenkarte: Zeichne einen einfachen Grundriss einer Schmiede und markiere Not-Halt, Verbandkasten, Feuerlöscher, Fluchtweg und Sammelstelle.
  3. Fachwortkarten: Gestalte Lernkarten zu Selbstschutz, Rettungskette, D-Arzt, AED, Unfallanzeige und Beinaheunfall.
  4. Bildanalyse: Suche ein frei lizenziertes Bild einer Schmiede und kennzeichne darauf mindestens fünf mögliche Unfallgefahren.


Standard

  1. Rollenspiel Arbeitsunfall: Spielt in einer Gruppe einen Unfall mit starker Blutung durch und verteilt die Rollen verletzte Person, Ersthelfende, Notruf, Einweisung und Führungskraft.
  2. Betriebsbegehung: Prüfe mit Erlaubnis des Betriebs, ob Rettungswege, Erste-Hilfe-Material und Notrufinformationen gut sichtbar und erreichbar sind.
  3. Unfalldokumentation: Erstelle anhand eines erfundenen Falles eine sachliche und datenschutzgerechte Erste-Hilfe-Dokumentation.
  4. Schutzmaßnahmenvergleich: Vergleiche technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen gegen das Abrutschen heißer Werkstücke.


Schwer

  1. Unfallanalyse: Untersuche das Fallbeispiel dieses aiMOOCs mit einer Ereigniskette und leite mindestens sechs konkrete Verbesserungsmaßnahmen ab.
  2. Unterweisungsvideo: Produziere ein kurzes Video zum Verhalten bei einem Arbeitsunfall in der Schmiede und achte auf fachlich korrekte Reihenfolge und Selbstschutz.
  3. Experteninterview: Befrage eine Ersthelferin, einen Ausbilder, eine Fachkraft für Arbeitssicherheit oder den betriebsärztlichen Dienst zur betrieblichen Rettungskette.
  4. Notfallübung: Plane eine angekündigte betriebliche Übung mit Beobachtungsbogen, Rollen, Sicherheitsregeln, Auswertung und Verbesserungsplan.




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Lernkontrolle

  1. Unfallszenario Schmiedehammer: Eine Person ist unter einem kraftbetriebenen Hammer eingeklemmt. Entwickle eine begründete Handlungsreihenfolge und erkläre, welche Maßnahmen Auszubildende nicht eigenmächtig durchführen dürfen.
  2. Vergleich von Verletzungen: Vergleiche das Vorgehen bei einer kleinen Schnittverletzung, einer starken Blutung und einem festsitzenden Fremdkörper im Auge. Begründe die Unterschiede.
  3. Rettungskette planen: Entwirf für einen Betrieb mit mehreren Hallen eine Rettungskette, die auch Toröffnung, Einweisung und innerbetriebliche Kommunikation berücksichtigt.
  4. Fehleranalyse: Eine helfende Person läuft sofort zur verletzten Person, obwohl die Maschine noch eingeschaltet ist. Analysiere die Risiken und formuliere ein sichereres Vorgehen.
  5. Dokumentation und Meldepflicht: Erkläre anhand zweier eigener Beispiele den Unterschied zwischen Erste-Hilfe-Dokumentation, innerbetrieblicher Meldung und Unfallanzeige.
  6. Transfer Prävention: Leite aus einem Unfall mit abrutschendem heißem Werkstück Maßnahmen nach dem technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzprinzip ab.
  7. Psychische Nachsorge: Entwickle einen betrieblichen Ablauf, der verletzte Personen und Augenzeugen nach einem schweren Unfall angemessen unterstützt.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Du beschreibst die Rettungskette in der fachlich richtigen Reihenfolge.
  2. Du erkennst typische Gefahren einer Schmiede und beachtest den Selbstschutz.
  3. Du kannst einen präzisen Notruf für einen betrieblichen Unfall formulieren.
  4. Du erklärst angemessene Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Blutung, Verbrennung, Augenverletzung, Stromunfall und Bewusstlosigkeit.
  5. Du unterscheidest Not-Halt, medizinische Versorgung, Durchgangsarztverfahren, Erste-Hilfe-Dokumentation und Unfallanzeige.
  6. Du analysierst Unfallursachen ohne vorschnelle Schuldzuweisung.
  7. Du entwickelst technische, organisatorische und personenbezogene Präventionsmaßnahmen.
  8. Du weist Deine Handlungskompetenz in einer Fallanalyse, einem Rollenspiel oder einer praktischen Notfallübung nach.




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  17. Arbeitsheft
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