VORMITTAGSSPUK

VORMITTAGSSPUK
VORMITTAGSSPUK
Einleitung
VORMITTAGSSPUK ist ein kurzer deutscher Experimentalfilm der späten Weimarer Republik, entstanden 1927/1928 und 1928 erstmals aufgeführt. Der Film ist vor allem dem Dadaismus zuzuordnen, berührt mit seiner Traumlogik, der Verselbstständigung alltäglicher Dinge und der Aufhebung gewohnter Ursache-Wirkungs-Beziehungen aber deutlich Fragestellungen, die auch für den Surrealismus zentral sind. Statt eine klassische Handlung mit Anfang, Konflikt und Lösung zu erzählen, organisiert der Film Bilder, Bewegungen, Wiederholungen und Überraschungen zu einer visuellen Folge.
Im Mittelpunkt stehen Dinge, die ihre gewöhnliche Funktion verweigern: Hüte fliegen davon, eine Krawatte scheint ein Eigenleben zu entwickeln, Geschirr entzieht sich dem menschlichen Zugriff, Zielscheiben und andere Gegenstände verhalten sich unerwartet. Menschen versuchen, die Ordnung wiederherzustellen, wirken dabei aber selbst oft mechanisch, regelhaft oder hilflos. Dadurch entsteht ein komischer und zugleich irritierender Eindruck: Nicht der Mensch beherrscht die Dinge, sondern die Dinge bestimmen vorübergehend den Rhythmus.
Beobachtungsauftrag zum Film: Achte beim Sehen besonders darauf, wann Gegenstände scheinbar selbst handeln, wie die fliegenden Hüte inszeniert werden, welche Rolle die Uhr und zeitliche Ordnung spielen und wann Du eine Tricktechnik vermutest. Notiere außerdem mindestens eine Szene, die Du eher dadaistisch, und eine, die Du eher surrealistisch deuten würdest.
Filmdaten und Urheberschaft
| Aspekt | Information |
|---|---|
| Titel | VORMITTAGSSPUK; historische Schreibweise auch Vormittags-Spuk, englischer Titel Ghosts Before Breakfast |
| Entstehung | 1927/1928; Aufführung 1928 |
| Regie | Hans Richter |
| Drehbuch und Konzeption | Hans Richter und Werner Graeff |
| Kamera | Reimar Kuntze |
| Schnitt | Hans Richter |
| Musik der historischen Fassung | Paul Hindemith; die ursprüngliche Musik gilt heute als nicht erhalten |
| Form | Schwarzweißfilm, kurze avantgardistische Filmform mit Realfilm, Animation und Trickaufnahmen |
Für das Verständnis der Urheberschaft ist eine Präzisierung wichtig: Verlässliche heutige Filmkataloge führen Hans Richter als Regisseur und Hans Richter sowie Werner Graeff als Drehbuchautoren. Zugleich war Graeff ein enger Mitarbeiter und Darsteller; eine zeitgenössische Quelle bezeichnete das Werk sogar als Film-Burleske von „Richter-Graeff“. Der aiMOOC behandelt den Film deshalb als enges Gemeinschaftswerk von Richter und Graeff, ohne die überlieferten Credits zu verwischen.

Werner Graeff ist hier auf einer Aufnahme von 1927 in der Aubette zu sehen. Das Bild stammt aus Wikimedia Commons und ist dort als gemeinfrei ausgewiesen.
Historischer und künstlerischer Kontext
Hans Richter war Maler, Grafiker, Kunsttheoretiker und Filmkünstler. Er gehörte zum Umfeld des Dadaismus und arbeitete auch mit konstruktivistischen und De-Stijl-Kreisen zusammen. Werner Graeff war ebenfalls mit der Avantgarde verbunden. Beide bewegten sich in einem Netzwerk, in dem Malerei, Typografie, Architektur, Fotografie, Musik und Film als neue Formen moderner Wahrnehmung erprobt wurden.
Die Aufnahme vom Internationalen Kongress fortschrittlicher Künstler in Düsseldorf 1922 zeigt unter anderem Werner Graeff und Hans Richter. Sie verdeutlicht, dass der Film nicht isoliert entstand, sondern aus einem dichten Netzwerk europäischer Avantgarden.

Dada entstand während des Ersten Weltkriegs und stellte traditionelle Vorstellungen von Kunst, Sinn, Geschmack und Autorität radikal infrage. Zufall, Montage, Nonsens, Provokation und die Zweckentfremdung alltäglicher Dinge wurden zu wichtigen Mitteln. Im Film lässt sich dieses Prinzip besonders wirksam umsetzen, weil Bewegung, Schnitt und Tricktechnik die scheinbar feste Ordnung der sichtbaren Welt verändern können.
Vom abstrakten Film zu den rebellierenden Dingen
Richter hatte zuvor mit abstrakten Formen gearbeitet. In Filmen wie Rhythmus 21 werden Rechtecke, Flächen und Bewegungen rhythmisch organisiert. In VORMITTAGSSPUK rückt dagegen die gegenständliche Welt in den Mittelpunkt. Alltagsobjekte werden nicht bloß gezeigt, sondern durch filmische Mittel ihrer üblichen Funktion entzogen. Ein Hut ist nicht mehr einfach Kopfbedeckung; er wird zu einem beweglichen, schwer kontrollierbaren Akteur. Eine Krawatte ist nicht mehr bloß Teil korrekter Kleidung; sie widersetzt sich ihrer Aufgabe, ordentlich zu sitzen.
Vergleiche beim Anschauen von Rhythmus 21 die Bewegung der geometrischen Formen mit den Bewegungen der Gegenstände in VORMITTAGSSPUK. In beiden Fällen erzeugt Richter Bedeutung nicht nur durch das Gezeigte, sondern durch Zeit, Rhythmus, Wiederholung und Veränderung.
Die sich verselbstständigenden Gegenstände
Wenn Dinge ihre Funktion verweigern
Im Alltag erwarten wir von Gegenständen Verlässlichkeit. Eine Tasse soll stehen, eine Krawatte soll gebunden bleiben, ein Hut soll getragen werden, eine Zielscheibe soll an ihrem Platz bleiben. VORMITTAGSSPUK macht genau diese Erwartungen zum Material des Films. Die Dinge verlassen ihre normale Rolle. Dadurch entsteht eine komische Verkehrung der Machtverhältnisse: Der Mensch, der gewöhnlich über Gegenstände verfügt, muss nun auf deren scheinbaren Eigenwillen reagieren.
Diese Umkehrung ist mehr als ein Zaubertrick. Sie verändert unsere Wahrnehmung. Sobald ein Alltagsgegenstand nicht mehr „funktioniert“, sehen wir ihn neu: als Form, Bewegung, Zeichen und möglichen Mitspieler. Der Film macht damit sichtbar, dass viele Ordnungen des Alltags auf Gewohnheit beruhen. Wir halten sie für natürlich, obwohl sie kulturell erlernt und ständig wiederholt werden.
Die fliegenden Hüte
Die Melonen beziehungsweise Bowlerhüte gehören zu den auffälligsten Motiven des Films. Sie schweben außerhalb der Reichweite ihrer Besitzer, gruppieren und trennen sich und entziehen sich dem Zugriff. Gerade weil ein Hut im bürgerlichen Alltag der 1920er Jahre Teil korrekter äußerer Erscheinung sein konnte, besitzt seine Flucht eine besondere komische Wirkung.
Die Hüte lassen sich auf mehreren Ebenen deuten. Als Gegenstände sind sie bewegte Formen. Als Kleidungsstücke verweisen sie auf soziale Konvention. Als „fliehende“ Dinge stellen sie Besitz und Kontrolle infrage. Als wiederkehrendes Motiv verbinden sie einzelne Episoden zu einem lockeren visuellen Zusammenhang. Eine Deutung sollte deshalb nie nur fragen „Wofür steht der Hut?“, sondern auch „Was tut der Hut im Rhythmus des Films?“.
Menschen als Gegenstücke der Dinge
Auffällig ist, dass die Menschen nicht einfach natürlich und frei handeln. Ihre Bewegungen wirken teilweise wiederholt, synchronisiert, steif oder mechanisch. So entsteht ein Austausch der Rollen: Gegenstände wirken lebendig, Menschen erscheinen manchmal wie Bestandteile einer Maschine oder einer Choreografie. Der Film spielt damit, wo wir die Grenze zwischen belebt und unbelebt ziehen.
Für die Analyse ist das wichtig: Die „Rebellion der Gegenstände“ funktioniert nur, weil sie mit einer ebenso starken Inszenierung menschlicher Ordnung verbunden ist. Die Dinge werden frei, indem die Menschen Kontrolle verlieren.
Dadaismus und Surrealismus
Warum der Film vor allem dadaistisch ist
VORMITTAGSSPUK wird in Filmgeschichten überwiegend dem Dadaismus und der historischen Avantgarde zugerechnet. Dafür sprechen der spielerische Angriff auf Zweckmäßigkeit, die Lust am Unsinn, die Montage heterogener Bilder und die demonstrative Verweigerung einer geschlossenen Erzählung. Der Film interessiert sich nicht dafür, eine realistische Welt abzubilden. Er zeigt vielmehr, wie leicht filmische Mittel eine scheinbar feste Wirklichkeit zerlegen können.
Dadaistische Verfahren sind hier keine bloße Dekoration. Sie richten sich gegen die Erwartung, Kunst müsse vernünftig, schön, erzählerisch geschlossen oder nützlich sein. Der Film macht aus Störung ein Gestaltungsprinzip.
Warum eine surrealistische Lesart trotzdem sinnvoll ist
Der Surrealismus suchte nach Bildwelten, in denen Traum, Unbewusstes, Begehren, Zufall und überraschende Verbindungen die Regeln der Alltagslogik überschreiten. Genau deshalb kann VORMITTAGSSPUK surrealistisch gelesen werden, obwohl seine kunsthistorische Hauptzuordnung dadaistisch bleibt.
Wenn ein Hut fliegt, eine Krawatte scheinbar selbst handelt oder ein Gegenstand plötzlich seine Funktion wechselt, erscheint die Welt traumartig. Das Unmögliche wird nicht erklärt, sondern als Bild angeboten. Gerade diese Selbstverständlichkeit des Unmöglichen erinnert an surrealistische Verfahren. Für eine gute Interpretation solltest Du deshalb zwischen kunsthistorischer Einordnung und analytischer Lesart unterscheiden: Ein Werk kann dadaistisch entstanden sein und zugleich surrealistische Wirkungen entfalten.
Dada oder Surrealismus? Eine produktive Spannung
Statt den Film zwanghaft nur einer Richtung zuzuordnen, ist eine vergleichende Frage ergiebiger: Welche Szene arbeitet mit dadaistischer Störung, und welche Szene erzeugt eine traumartige, surrealistische Logik? So wird die Unterscheidung zu einem Analysewerkzeug.
Dada betont im Film besonders den Bruch mit Funktion, Ordnung und Sinn. Eine surrealistische Lesart richtet den Blick stärker auf Traumlogik, Objektbelebung und die Befreiung des Unwahrscheinlichen. Beide Perspektiven können sich überschneiden, dürfen aber nicht gleichgesetzt werden.
Filmische Tricktechniken
Stop-Motion und Stopptrick
Bei Stop-Motion werden Gegenstände zwischen einzelnen Aufnahmen geringfügig bewegt. Werden die Bilder nacheinander abgespielt, entsteht der Eindruck selbstständiger Bewegung. Der verwandte Stopptrick arbeitet damit, die Kamera anzuhalten, etwas im Bild zu verändern und dann weiterzufilmen. So können Objekte scheinbar auftauchen, verschwinden oder ihre Lage sprunghaft verändern.
Für VORMITTAGSSPUK sind solche Verfahren zentral, weil sie unbelebte Dinge zu Akteuren machen. Der technische Eingriff bleibt dabei unsichtbar oder wird nur als verblüffender Sprung wahrgenommen.
Rückwärtslauf
Beim Rückwärtslauf wird aufgenommenes Material in umgekehrter zeitlicher Richtung abgespielt. Ein Vorgang, der physikalisch eindeutig erscheint, kann dadurch „unmöglich“ wirken: Zerstreutes sammelt sich, Gefallenes steigt, Entleertes füllt sich oder Bewegungen scheinen sich selbst rückgängig zu machen.
Der Rückwärtslauf passt besonders gut zum Thema des Films, weil er nicht nur Gegenstände, sondern auch die Richtung von Ursache und Wirkung auf den Kopf stellt.
Negativbild, Animation und Montage
Ein Negativbild kehrt die gewohnte Helligkeitswirkung um und lässt vertraute Gesichter oder Dinge fremd erscheinen. Gezeichnete oder ausgeschnittene Elemente können mit Realfilm kombiniert werden. Durch Montage werden Aufnahmen so aneinandergesetzt, dass zwischen ihnen neue Beziehungen entstehen. Eine Uhr, ein Hut, eine Zielscheibe und ein menschlicher Körper können dadurch in einen gemeinsamen Rhythmus geraten, obwohl sie räumlich nicht zusammengehören.
Die Montage ist daher selbst eine Tricktechnik des Denkens: Nicht nur innerhalb eines Bildes geschieht etwas Unmögliches; auch die Reihenfolge der Bilder verändert, wie Du Ursache, Zusammenhang und Bedeutung wahrnimmst.
Wie könnten die Hüte geflogen sein?
Bei historischen Trickaufnahmen konnten Gegenstände beispielsweise mit verdeckten Fäden, Halterungen, Bewegungen außerhalb des Bildausschnitts, Einzelbildverfahren oder geschickter Perspektive bewegt werden. Für die konkreten Hutaufnahmen solltest Du zwischen sichtbarem Ergebnis und technischer Rekonstruktion unterscheiden. Der Film zeigt eindeutig den Effekt des Fliegens; die genaue Vorrichtung lässt sich aus der Projektion allein nicht mit letzter Sicherheit bestimmen.
Das macht die Szene zu einer guten Forschungsaufgabe: Formuliere eine technische Hypothese, begründe sie am Bild und prüfe, ob Du denselben Effekt mit einfachen Mitteln nachstellen kannst.
Rhythmus, Uhr und Ordnung
Die Uhr ist mehr als Requisite. Sie markiert Zeit als Ordnungssystem. Während die Gegenstände rebellieren, wird der Ablauf von Zeit sichtbar gemacht. Der Film verbindet damit zwei Gegensätze: spontane, unberechenbare Bewegungen einerseits und messbare, geregelte Zeit andererseits.
Am Ende kehren die Dinge in ihre gewöhnlichen Funktionen zurück. Gerade diese Rückkehr macht die vorherige Störung so deutlich. Die Rebellion ist zeitlich begrenzt; der Alltag wird nicht dauerhaft abgeschafft. Dadurch erhält der Film eine kreisförmige Struktur: Ordnung, Störung und erneute Ordnung.
Die spielerische „Auflösung des bürokratischen Gleichgewichts“
Die Formulierung „Auflösung des bürokratischen Gleichgewichts“ eignet sich als Interpretationsbegriff, nicht als gesicherte Selbstbeschreibung des Films durch Richter oder Graeff. Gemeint ist damit eine Ordnung, in der jeder Mensch und jedes Ding seinen vorgesehenen Platz, seine Funktion und seinen Ablauf hat. „Bürokratisch“ bezeichnet hier metaphorisch die Regelhaftigkeit des Alltags: Hut auf den Kopf, Krawatte an den Kragen, Tasse auf den Tisch, Uhr als Taktgeber, Zielscheibe als festes Ziel.
Der Film löst dieses Gleichgewicht spielerisch auf. Die Dinge verweigern ihre zugewiesene Funktion. Eigentümer verlieren Kontrolle. Bewegungen laufen rückwärts. Ziel und Zweck verschieben sich. Menschen geraten aus dem Takt. Das System funktioniert für einige Minuten nicht mehr nach seinen vertrauten Regeln.
Diese Auflösung ist jedoch keine realistische politische Revolution. Sie ist eine filmische Versuchsanordnung. Gerade durch Humor, Absurdität und Tricktechnik kann der Film zeigen, dass Ordnung gemacht ist und deshalb auch anders gemacht werden könnte. Am Ende stellt sich die alltägliche Ordnung wieder her. Dadurch bleibt offen, ob der Film eine Befreiung feiert, die Rückkehr zur Normalität verspottet oder beides zugleich tut.
Für eine Interpretation in Klasse 7–12 ist deshalb eine doppelte Frage sinnvoll: Was wird befreit, wenn Dinge ihre Funktion verweigern? und Warum endet diese Freiheit wieder? Jüngere Lernende können konkrete Bildbeobachtungen beschreiben; ältere Lernende können die Bilder mit Begriffen wie Konvention, Funktion, Besitz, Disziplin, Zeitordnung und Avantgarde verbinden.
Musik und verlorene Originalfassung
Paul Hindemith komponierte Musik für die historische Aufführung. Die originale Musik ist heute nicht erhalten. Deshalb begegnet Dir der Film heute in unterschiedlichen Vertonungen. Das ist didaktisch besonders interessant, weil Du direkt vergleichen kannst, wie Musik die Wirkung derselben Bilder verändert.
Eine schnelle, perkussive Vertonung kann die Gegenstände komisch und hektisch wirken lassen. Eine ruhige oder unheimliche Musik kann dieselben Bilder stärker in Richtung Traum oder Spuk verschieben. Die Filmwirkung entsteht also nicht nur aus Bildern, sondern aus dem Zusammenspiel von Bildrhythmus, Schnitt und Klang.
Lernziele und Differenzierung
Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du zentrale Motive des Films beschreiben, zwischen dadaistischer Einordnung und surrealistischer Lesart unterscheiden, wichtige filmische Trickverfahren erklären und ihre Wirkung analysieren. Du kannst außerdem eine Interpretation mit konkreten Beobachtungen aus dem Film begründen.
| Niveau | Schwerpunkt |
|---|---|
| Klasse 7–8 | Gegenstände und Hüte genau beobachten, einfache Tricktechniken erkennen, Wirkung mit eigenen Worten beschreiben |
| Klasse 9–10 | Dadaismus und Surrealismus unterscheiden, Montage und Rückwärtslauf analysieren, Symbolik der Alltagsobjekte begründen |
| Klasse 11–12 | ästhetische Form, Avantgarde, Ordnungskritik und den Interpretationsbegriff des „bürokratischen Gleichgewichts“ argumentativ untersuchen |
Quellen und Vertiefung
- filmportal.de: Vormittags-Spuk – Credits, Format, Aufführungs- und Produktionsangaben
- Centre Pompidou: Vormittagsspuk – Werkdaten, Werner Graeffs Manuskriptbezug und kunsthistorische Schlagworte
- Film-Makers’ Cooperative: Ghosts Before Breakfast – Werkbeschreibung, Mitwirkende und Hinweise zur historischen Musik
- Wikimedia Commons: Hans Richter – freie Medien zum Künstler
- Wikimedia Commons: Werner Graeff – freie Medien zu Graeff
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welcher Kunstrichtung wird VORMITTAGSSPUK überwiegend zugeordnet? (Dadaismus) (!Impressionismus) (!Barock) (!Romantik)
Wer wird in verlässlichen Filmkatalogen als Regisseur von VORMITTAGSSPUK geführt? (Hans Richter) (!Paul Hindemith) (!Reimar Kuntze) (!Darius Milhaud)
Wer arbeitete mit Hans Richter am Drehbuch beziehungsweise an der Konzeption? (Werner Graeff) (!Walter Ruttmann) (!Fritz Lang) (!Georg Wilhelm Pabst)
Welches Motiv kehrt im Film besonders auffällig wieder? (Fliegende Hüte) (!Segelnde Schiffe) (!Rennende Pferde) (!Explodierende Häuser)
Was beschreibt Stop-Motion am besten? (Gegenstände werden zwischen Einzelaufnahmen schrittweise verändert) (!Der Film wird nur mit Handkamera gedreht) (!Der Ton wird vollständig entfernt) (!Alle Szenen werden in Zeitlupe aufgenommen)
Welche Wirkung kann ein Rückwärtslauf erzeugen? (Ein Vorgang scheint entgegen seiner normalen Zeitrichtung abzulaufen) (!Das Bild wird automatisch farbig) (!Der Film erhält Untertitel) (!Die Kamera zeigt nur Nahaufnahmen)
Warum lässt sich der Film auch surrealistisch lesen? (Weil alltägliche Dinge in traumartig unmöglichen Situationen erscheinen) (!Weil er eine realistische Gerichtsverhandlung zeigt) (!Weil er ausschließlich Naturaufnahmen verwendet) (!Weil alle Szenen dokumentarisch erklärt werden)
Welche Funktion erfüllt die Uhr besonders deutlich? (Sie macht Zeit und Ordnung als strukturierende Kräfte sichtbar) (!Sie erklärt die Biografie der Darsteller) (!Sie ersetzt die Kamera) (!Sie verwandelt den Film in Farbe)
Wer komponierte Musik für die historische Aufführung des Films? (Paul Hindemith) (!Richard Wagner) (!Arnold Schönberg) (!Kurt Weill)
Was meint die Deutung einer spielerischen Auflösung des bürokratischen Gleichgewichts? (Feste Funktionen und Ordnungen werden vorübergehend außer Kraft gesetzt) (!Der Film erklärt Verwaltungsrecht) (!Die Gegenstände werden korrekt inventarisiert) (!Eine Behörde gewinnt am Ende einen Wettbewerb)
Memory
| VORMITTAGSSPUK | Rebellion der Gegenstände |
| Hans Richter | Regie und Schnitt |
| Werner Graeff | Drehbuch und Mitarbeit |
| Reimar Kuntze | Kamera |
| Paul Hindemith | historische Filmmusik |
| Melone | fliegendes Kleidungsstück |
| Stop-Motion | Einzelbildbewegung |
| Rückwärtslauf | umgekehrte Zeitrichtung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Filmische Wirkung |
|---|---|
| Stop-Motion | Gegenstände scheinen sich selbst zu bewegen |
| Rückwärtsaufnahme | Bewegungen laufen entgegen der gewohnten Zeitrichtung |
| Negativbild | Vertraute Helligkeitswerte erscheinen umgekehrt |
| Montage | Getrennte Bilder erhalten rhythmische und inhaltliche Beziehungen |
| Stopptrick | Dinge können scheinbar plötzlich erscheinen oder verschwinden |
Kreuzworträtsel
| Richter | Wer führte laut den gängigen Filmcredits Regie? |
| Graeff | Welcher Mitautor und Darsteller arbeitete eng mit Richter zusammen? |
| Hindemith | Wer komponierte die historische Filmmusik? |
| Kuntze | Wie lautet der Nachname des Kameramanns Reimar? |
| Melone | Welches Kleidungsstück fliegt als wiederkehrendes Motiv durch den Film? |
| Montage | Wie heißt das filmische Verbinden verschiedener Einstellungen? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Gegenstandsdetektive: Wähle drei Gegenstände aus dem Film und beschreibe jeweils ihre normale Funktion, ihre ungewöhnliche Filmhandlung und die Wirkung auf Dich.
- Hut-Choreografie: Entwickle mit Papierhüten oder ähnlichen ungefährlichen Gegenständen eine kurze Choreografie, in der die Dinge scheinbar ihren Besitzern entkommen. Dokumentiere die Bewegungsfolge.
- Tricktechnik-Fotostory: Erstelle eine Fotostory mit sechs bis zehn Bildern, in der ein Gegenstand scheinbar ohne Berührung seinen Ort wechselt.
- Geräuschspur: Gestalte zu einer kurzen stummen Szene eine eigene Geräusch- oder Musikspur und erkläre, wie sie die Stimmung verändert.
Standard
- Dada-Surrealismus-Vergleich: Wähle zwei Szenen und begründe, warum Du eine eher dadaistisch und die andere eher surrealistisch liest. Belege jede Aussage mit sichtbaren Details.
- Stop-Motion-Experiment: Produziere einen kurzen Stop-Motion-Film, in dem ein Schulgegenstand seine Funktion verweigert. Verwende mindestens zwei unterschiedliche Bewegungsarten.
- Filmtrick-Werkstatt: Rekonstruiere einen Effekt aus VORMITTAGSSPUK mit einfachen Mitteln. Dokumentiere Planung, Versuch, Fehler und Verbesserung.
- Objektinterview: Schreibe oder filme ein fiktives Interview mit einem der rebellierenden Gegenstände. Die Antworten sollen zeigen, gegen welche Regel oder Erwartung sich der Gegenstand richtet.
Schwer
- Bürokratisches Gleichgewicht: Entwickle eine begründete Interpretation der Formulierung „Auflösung des bürokratischen Gleichgewichts“. Beziehe mindestens vier konkrete Filmmotive ein und markiere, wo Deine Deutung über gesicherte Filmdaten hinausgeht.
- Montageanalyse: Untersuche eine kurze Sequenz Einstellung für Einstellung. Beschreibe Bildinhalt, Dauer, Bewegungsrichtung, Schnitt und Wirkung und leite daraus ein rhythmisches Prinzip ab.
- Neuvertonung und Vergleich: Erstelle zwei deutlich verschiedene Vertonungen derselben Szene und führe mit Testzuschauenden eine kleine Wirkungserhebung durch. Werte die Rückmeldungen aus.
- Avantgarde-Kurator: Konzipiere eine kleine digitale Ausstellung mit VORMITTAGSSPUK, einem Werk des Dadaismus und einem Werk des Surrealismus. Begründe Auswahl, Reihenfolge und gemeinsame Leitfrage.


Lernkontrolle
- Funktionswechsel analysieren: Wähle eine Szene, in der ein Gegenstand seine normale Funktion verliert. Erkläre, wie dieser Funktionswechsel durch filmische Mittel sichtbar wird und welche Deutung dadurch möglich wird.
- Dada und Surrealismus abwägen: Formuliere die These „VORMITTAGSSPUK ist dadaistisch, wirkt aber stellenweise surrealistisch.“ Prüfe sie an mindestens drei Szenen und nenne auch ein Gegenargument.
- Tricktechnik übertragen: Entwirf für einen heutigen Kurzfilm eine Szene, in der ein Smartphone, Rucksack oder Stuhl rebelliert. Lege fest, welche Tricktechnik Du verwenden würdest und warum sie zur Aussage passt.
- Ordnung und Störung vergleichen: Untersuche, wie der Film vor der Rebellion, während der Rebellion und bei der Rückkehr zur Ordnung mit Bewegung, Rhythmus und Objektfunktionen umgeht.
- Musik als Interpretation: Begründe, wie zwei unterschiedliche Musikstile dieselbe Hut-Sequenz verschieden deuten könnten. Beziehe Tempo, Klangfarbe und Rhythmus ein.
- Interpretationsgrenzen prüfen: Erkläre, welche Beobachtungen die Deutung des „bürokratischen Gleichgewichts“ stützen und an welcher Stelle die Deutung spekulativ wird. Zeige damit den Unterschied zwischen Befund und Interpretation.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu VORMITTAGSSPUK ist wichtig, dass Du nicht nur Fakten reproduzierst, sondern filmische Beobachtungen in begründete Aussagen überführst.
- Filmanalyse: Du kannst mindestens eine Sequenz präzise beschreiben und zwischen Beobachtung und Interpretation unterscheiden.
- Filmgeschichte: Du kannst den Film in die historische Avantgarde und den Dadaismus einordnen.
- Surrealistische Lesart: Du kannst erklären, warum traumartige Objektbelebung eine surrealistische Deutung erlaubt, ohne Dadaismus und Surrealismus gleichzusetzen.
- Tricktechnik: Du kannst Stop-Motion, Stopptrick, Rückwärtslauf und Montage funktional erklären.
- Motivanalyse: Du kannst die fliegenden Hüte und andere Gegenstände als Form, Handlungsträger und mögliche Symbole untersuchen.
- Ordnungskritik: Du kannst die spielerische Auflösung und Wiederherstellung von Alltagsordnung argumentativ deuten.
- Mediengestaltung: Du kannst mindestens ein filmisches Verfahren praktisch erproben und dessen Wirkung reflektieren.
OERs zum Thema
Einen eigenen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel zu VORMITTAGSSPUK gibt es derzeit nicht; der englischsprachige Wikipedia-Artikel behandelt den Film unter dem Titel Ghosts Before Breakfast.
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