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Tourismus als Wirtschaftsfaktor - Baden-Württemberg

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Tourismus als Wirtschaftsfaktor - Baden-Württemberg




Tourismus als Wirtschaftsfaktor – Baden-Württemberg


Einleitung

Tourismus ist für Baden-Württemberg weit mehr als Urlaub und Freizeit. Wenn Gäste im Schwarzwald, am Bodensee, auf der Schwäbischen Alb, in Stuttgart, Heidelberg, Freiburg oder in Heilbädern übernachten, entstehen Umsätze in vielen miteinander verbundenen Wirtschaftsbereichen. Hotels und Ferienwohnungen profitieren ebenso wie Gastronomie, Einzelhandel, Verkehrsbetriebe, Kultureinrichtungen, Freizeitangebote, Landwirtschaft und Handwerk. Deshalb wird Tourismus als Querschnittsbranche bezeichnet.

Für Ausbildung und Studium ist besonders wichtig, nicht nur Gästezahlen zu betrachten. Entscheidend ist die Frage, wie touristische Ausgaben in einer Region Wertschöpfung, Einkommen und Beschäftigung erzeugen und unter welchen Bedingungen diese Wirkungen langfristig tragfähig sind. Nachhaltiger Tourismus versucht deshalb, wirtschaftliche Chancen mit ökologischer Verantwortung und sozialer Verträglichkeit zu verbinden.

Der Feldberg steht beispielhaft für den Naturtourismus im Schwarzwald. Natur ist dabei zugleich touristische Attraktion, Wirtschaftsgrundlage und schützenswerte Ressource.

Das Video bietet einen Einstieg in die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in Baden-Württemberg. Beobachte beim Ansehen, welche Branchen neben Hotels und Gastronomie genannt oder sichtbar werden.


Baden-Württemberg als Tourismusraum

Baden-Württemberg besitzt unterschiedliche touristische Räume mit jeweils eigenen Angeboten und Zielgruppen. Der Schwarzwald ist stark mit Natur-, Wander-, Rad-, Gesundheits- und Erholungstourismus verbunden. Der Bodensee verbindet Landschaft, Wassersport, Kultur und grenzüberschreitenden Tourismus. Städte wie Stuttgart, Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe und Ulm ziehen Kultur-, Geschäfts-, Messe- und Städtereisende an. Heilbäder und Kurorte spielen im Gesundheitstourismus eine wichtige Rolle.

Diese Vielfalt reduziert ein Stück weit die Abhängigkeit von nur einer Reiseform. Gleichzeitig entstehen regional sehr unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen. Eine ländliche Ferienregion benötigt andere Verkehrsangebote, Betriebe und Fachkräfte als eine Großstadt mit Messe-, Kultur- und Geschäftsreiseverkehr.

Der Bodensee zeigt, dass Tourismus häufig über Verwaltungs- und Staatsgrenzen hinaus gedacht werden muss. Mobilität, Naturschutz, Freizeitnutzung und Vermarktung sind hier eng miteinander verbunden.

Stuttgart steht dagegen beispielhaft für Stadt-, Kultur-, Veranstaltungs- und Geschäftsreisetourismus. Solche Unterschiede beeinflussen Aufenthaltsdauer, Ausgabeverhalten und saisonale Nachfrage.


Aktuelle Größenordnung des Tourismus

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg wurden im Jahr 2025 rund 24,1 Millionen Gästeankünfte in Beherbergungsbetrieben registriert. Damit wurde bei den Ankünften ein neuer Höchststand erreicht. Die Zahl der Übernachtungen lag mit rund 58,7 Millionen leicht unter dem Rekordjahr 2024. Für 2024 waren rund 58,9 Millionen Übernachtungen erfasst worden.

Solche Zahlen zeigen die touristische Nachfrage, sind aber noch kein vollständiges Maß für die wirtschaftliche Bedeutung. Eine einzelne Übernachtung kann je nach Unterkunft, Gastronomie, Freizeitprogramm und Verkehr sehr unterschiedliche Ausgaben auslösen. Außerdem erzeugen auch Tagesgäste wirtschaftliche Effekte, obwohl sie keine Übernachtung verursachen.

Datenhinweis: Die amtliche Beherbergungsstatistik und wirtschaftswissenschaftliche Studien messen unterschiedliche Sachverhalte. Deshalb dürfen Gästeankünfte, Übernachtungen, Umsatz, Einkommensbeitrag und Beschäftigtenäquivalente nicht miteinander verwechselt werden.


Tourismus als Querschnittsbranche

Touristische Nachfrage wirkt auf eine ganze Kette von Unternehmen. Ein Gast kann beispielsweise im Hotel übernachten, morgens in einer Bäckerei einkaufen, mit Bus und Bahn zu einem Wandergebiet fahren, eine Bergbahn nutzen, in einem Restaurant essen und anschließend regionale Produkte kaufen. Dadurch verteilt sich die touristische Nachfrage auf verschiedene Branchen.

Man kann drei Wirkungsebenen unterscheiden:

  1. Direkte Effekte: Ausgaben fließen unmittelbar an touristische oder tourismusnahe Betriebe, etwa Hotels, Gastronomie, Museen, Bergbahnen oder Einzelhandel.
  2. Indirekte Effekte: Diese Betriebe kaufen selbst Waren und Dienstleistungen ein, etwa Lebensmittel, Wäsche, Energie, Reparaturen, Software oder Handwerksleistungen.
  3. Induzierte Effekte: Beschäftigte und Selbstständige geben einen Teil ihrer touristisch mitfinanzierten Einkommen wieder in der Region aus.

Dadurch kann ein Euro touristischer Nachfrage weitere wirtschaftliche Aktivitäten anstoßen. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, hängt davon ab, wie viele Vorleistungen und Konsumausgaben in der Region bleiben.

Achte im Video besonders darauf, welche wirtschaftlichen Bereiche vom Tourismus im Schwarzwald profitieren. Überlege anschließend, welche davon direkte und welche indirekte Effekte darstellen.


Regionale Wertschöpfung


Was bedeutet Wertschöpfung?

Wertschöpfung bezeichnet vereinfacht den Wert, der innerhalb eines wirtschaftlichen Prozesses zusätzlich geschaffen wird. Für eine Region ist nicht allein entscheidend, wie viel Gäste insgesamt ausgeben. Wichtig ist vielmehr, welcher Teil dieser Ausgaben als Löhne, Gehälter, Gewinne und weitere Einkommen in der Region wirksam wird.

Für Baden-Württemberg wurde für das Jahr 2023 ein touristischer Bruttoumsatz von rund 25,9 Milliarden Euro ermittelt. Der touristische Einkommensbeitrag lag bei rund 12,2 Milliarden Euro. Diese Werte verdeutlichen, dass Umsatz und Wertschöpfungswirkung nicht identisch sind.

Ein Beispiel: Ein Hotel erzielt Einnahmen aus Übernachtungen. Davon bezahlt es unter anderem Lebensmittel, Energie, Reinigungsmittel, Versicherungen, digitale Buchungssysteme und möglicherweise Kredite. Ein Teil dieser Ausgaben fließt an Unternehmen außerhalb der Region. Der Teil, der als Einkommen und Gewinn vor Ort verbleibt oder regionale Lieferketten stärkt, trägt besonders zur regionalen Wertschöpfung bei.


Regionale Wirtschaftskreisläufe

Je stärker touristische Betriebe regionale Produkte und Dienstleistungen einkaufen, desto größer kann die lokale Wirkung der Gästeausgaben sein. Ein Restaurant, das Lebensmittel von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung bezieht, kann regionale Wertschöpfung anders verteilen als ein Betrieb, der fast alle Waren über überregionale Lieferketten beschafft.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Ein Gast gibt 200 Euro während eines Aufenthalts aus. Davon gehen 110 Euro an Unterkunft und Gastronomie, 30 Euro an den Einzelhandel, 25 Euro an Mobilität, 20 Euro an Freizeitangebote und 15 Euro an sonstige Dienstleistungen. Diese 200 Euro sind zunächst touristische Nachfrage. Erst in einem zweiten Schritt wird untersucht, welche Vorleistungen abgezogen werden und wie viel Einkommen tatsächlich in der Region entsteht.

Für eine Regionalanalyse solltest Du deshalb fragen: Woher kommen die Waren? Wo wohnen die Beschäftigten? Wo werden Gewinne versteuert oder reinvestiert? Welche Unternehmen erhalten Folgeaufträge?


Leakage: Wenn Wertschöpfung abfließt

In der Tourismusökonomie wird von Leakage gesprochen, wenn ein Teil der touristischen Einnahmen die betrachtete Region wieder verlässt. Das kann beispielsweise durch den Einkauf importierter Produkte, externe Hotelketten, überregionale Dienstleister oder außerhalb gelegene Unternehmenszentralen geschehen.

Leakage ist nicht grundsätzlich vermeidbar. Moderne Volkswirtschaften sind arbeitsteilig. Für die Regionalentwicklung ist jedoch relevant, ob eine Destination bewusst regionale Lieferketten, lokale Produzenten, Handwerksbetriebe und kleinere Unternehmen einbindet.


Beschäftigung und Arbeitsmarkt

Tourismus schafft Arbeit in sehr unterschiedlichen Bereichen. Dazu gehören Hotellerie und Gastronomie, Reiseorganisation, Destinationsmanagement, Veranstaltungstechnik, Verkehr, Kultur, Freizeitwirtschaft, Marketing, Digitalisierung, Gesundheitsangebote und öffentliche Verwaltung.

Für 2023 entsprach der touristische Einkommensbeitrag in Baden-Württemberg rechnerisch einem Äquivalent von knapp 374.000 Beschäftigten. Diese Zahl ist kein einfaches Abzählen von Personen mit einem touristischen Beruf. Sie ist eine rechnerische Größe, mit der die durch touristische Nachfrage ausgelöste Einkommenswirkung in Beschäftigung übersetzt wird.

Touristische Arbeitsmärkte stehen zugleich vor Herausforderungen. Saisonale Nachfrage, Wochenend- und Abenddienste, Fachkräftemangel, steigende Personalkosten und Anforderungen an digitale Kompetenzen beeinflussen die Betriebe. Für eine nachhaltige Tourismusentwicklung gehören deshalb gute Arbeitsbedingungen, Qualifizierung und langfristige Fachkräftesicherung zur wirtschaftlichen Strategie.


Ausbildung und Studium im Tourismus

Für Auszubildende und Studierende ergeben sich zahlreiche berufliche Felder. In der beruflichen Bildung sind unter anderem Tätigkeiten in Hotellerie, Gastronomie, Veranstaltungsorganisation und kaufmännischen Bereichen relevant. Hochschulen bieten Studiengänge beispielsweise in Tourismusmanagement, Betriebswirtschaftslehre, Geographie, Regionalentwicklung, Nachhaltigkeitsmanagement, Eventmanagement oder Mobilitätsmanagement an.

Im Berufsalltag werden wirtschaftliche Kenntnisse zunehmend mit Kompetenzen in Digitalisierung, Datenanalyse, Nachhaltigkeit, Kommunikation und Projektmanagement verbunden. Wer eine touristische Destination entwickelt, muss beispielsweise Nachfrage analysieren, Investitionen bewerten, Gäste lenken, mit Kommunen und Unternehmen kooperieren und ökologische Belastungsgrenzen berücksichtigen.


Kommunen und öffentliche Finanzen

Tourismus wirkt auch auf Gemeinden und Städte. Besucher nutzen Wege, Plätze, Parks, öffentlichen Nahverkehr, kulturelle Einrichtungen und touristische Infrastruktur. Gleichzeitig können touristische Aktivitäten kommunale Einnahmen erzeugen.

Für Baden-Württemberg wurden für 2023 rund 2,4 Milliarden Euro an touristisch bedingtem Aufkommen aus Mehrwertsteuer und Einkommensteuer berechnet. Hinzu können kommunal relevante Einnahmen wie Gewerbesteuer, Grundsteuer, Kurtaxe oder Tourismusabgaben kommen.

Für Kommunen entsteht daraus ein Abwägungsproblem: Touristische Infrastruktur verursacht Kosten, kann aber zugleich Standortqualität, Freizeitwert und Wirtschaftskraft erhöhen. Ein gut ausgebauter Radweg wird beispielsweise nicht nur von Gästen, sondern auch von Einwohnerinnen und Einwohnern genutzt.


Natur-, Rad- und Wandertourismus

Natur ist in Baden-Württemberg eine wichtige Grundlage touristischer Angebote. Wandern und Radfahren verbinden Freizeitwirtschaft mit Gastronomie, Beherbergung, Verkehr und regionalem Handel. Für das Jahr 2023 wurde der Bruttoumsatz von Wander- und Radtourismus in Baden-Württemberg zusammen auf rund 4,5 Milliarden Euro beziffert.

Gerade in sensiblen Naturräumen zeigt sich ein grundlegender Zielkonflikt: Eine attraktive Landschaft zieht Gäste an, doch zu intensive Nutzung kann genau diese Attraktivität beeinträchtigen. Tourismusmanagement muss deshalb wirtschaftliche Nutzung und Schutz der natürlichen Grundlage miteinander verbinden.

Das Beispiel „Fahrtziel Natur“ zeigt, wie touristische Angebote mit öffentlicher Mobilität verbunden werden können. Prüfe, welche ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorteile eine gute Anreise ohne eigenes Auto haben kann.


Nachhaltigkeit als wirtschaftliche Strategie

Nachhaltiger Tourismus bedeutet nicht, auf wirtschaftlichen Erfolg zu verzichten. Ziel ist vielmehr, Tourismus so zu gestalten, dass er langfristig ökonomisch tragfähig, ökologisch verantwortbar und sozial akzeptiert ist.


Ökonomische Nachhaltigkeit

Ein touristischer Betrieb muss dauerhaft wirtschaftlich arbeiten können. Dazu gehören ausreichende Einnahmen, Investitionsfähigkeit, qualifizierte Beschäftigte und die Fähigkeit, auf Veränderungen der Nachfrage zu reagieren. Eine Destination sollte außerdem vermeiden, zu stark von einer einzigen Saison, Zielgruppe oder Attraktion abhängig zu sein.

Regionale Lieferketten können die Widerstandsfähigkeit stärken. Wenn Gastronomie, Landwirtschaft, Handwerk und Freizeitwirtschaft kooperieren, entstehen zusätzliche Absatzmöglichkeiten und regionale Netzwerke.


Ökologische Nachhaltigkeit

Tourismus verbraucht Ressourcen und erzeugt Verkehr, Energiebedarf, Flächennutzung und Abfälle. Besonders relevant ist häufig die An- und Abreise. Nachhaltige Strategien setzen deshalb unter anderem auf öffentlichen Verkehr, Radverkehr, Energieeffizienz, Schutz sensibler Räume und eine Lenkung hoher Besucherzahlen.

Der Klimawandel verändert zugleich touristische Angebote. Wintersportgebiete müssen mit unsichereren Schneeverhältnissen umgehen, während heiße Sommer die Nachfrage nach kühleren Natur- und Höhenlagen verändern können. Anpassung an Klimafolgen wird damit auch zu einer betriebswirtschaftlichen Aufgabe.


Soziale Nachhaltigkeit

Tourismus braucht Akzeptanz in der Bevölkerung. Wenn Wohnraum knapper wird, Verkehr stark zunimmt oder öffentliche Räume dauerhaft überfüllt sind, können Konflikte entstehen. Umgekehrt kann Tourismus Kulturangebote, Gastronomie, Nahverkehr und Infrastruktur unterstützen, die auch Einheimischen zugutekommen.

Soziale Nachhaltigkeit umfasst außerdem faire Arbeitsbedingungen, Barrierefreiheit, Teilhabe und einen respektvollen Umgang mit regionaler Kultur.

Das Beispiel der Naturpark-Wirte im Schwarzwald eignet sich, um die Verbindung von Gastronomie, regionalen Produkten, Klimaschutz und touristischer Profilbildung zu untersuchen.


Zielkonflikte im nachhaltigen Tourismus

Nachhaltigkeit führt nicht automatisch zu Lösungen ohne Nachteile. In der Praxis müssen Interessen gegeneinander abgewogen werden.

Ein neuer Aussichtspunkt kann zusätzliche Gäste und Umsätze bringen, gleichzeitig aber Verkehr und Flächendruck erhöhen. Eine Begrenzung von Parkplätzen kann Naturräume entlasten, aber Betriebe fürchten möglicherweise Umsatzverluste. Höhere Umweltstandards können zunächst Investitionskosten verursachen, langfristig jedoch Energie sparen und das touristische Profil verbessern.

Für professionelles Tourismusmanagement ist deshalb die Fähigkeit wichtig, Zielkonflikte transparent zu analysieren. Gute Entscheidungen verbinden Daten, Beteiligung von Betroffenen und langfristige Entwicklungsziele.


Digitalisierung und Besucherlenkung

Digitale Technologien verändern touristische Wertschöpfung. Buchungsplattformen, digitale Gästekarten, Apps, Datenplattformen, Online-Marketing und Echtzeitinformationen beeinflussen, wie Reisen geplant und Angebote genutzt werden.

Digitalisierung kann zur Nachhaltigkeit beitragen. Wenn Gäste frühzeitig Informationen über ausgelastete Parkplätze, alternative Wanderwege oder öffentliche Verkehrsverbindungen erhalten, lassen sich Besucherströme besser verteilen. Gleichzeitig können digitale Plattformen Wertschöpfung aus der Region abziehen, wenn hohe Vermittlungsgebühren an externe Anbieter fließen.

Für eine wirtschaftliche Bewertung reicht daher die Frage „Ist das Angebot digital?“ nicht aus. Entscheidend ist auch: Wer kontrolliert die Daten, wer erhält die Erlöse und welchen Nutzen haben Betriebe, Gäste und Bevölkerung?


Fallbeispiel: Eine nachhaltige Tourismusregion entwickeln

Stell Dir eine Gemeinde im Schwarzwald vor. Sie verfügt über Wanderwege, mehrere familiengeführte Hotels, Gastronomie, einen Bahnhof und regionale Landwirtschaft. Die Gästezahlen steigen, gleichzeitig nehmen Autoverkehr und Belastungen an beliebten Aussichtspunkten zu.

Die Gemeinde plant ein Maßnahmenpaket: bessere Busverbindungen vom Bahnhof, ein digitales Besucherlenkungssystem, Kooperationen zwischen Gastronomie und regionalen Erzeugern sowie Investitionen in energieeffiziente Unterkünfte.

Aus wirtschaftlicher Sicht können diese Maßnahmen mehrere Effekte haben. Regionale Lebensmittel erhöhen potenziell den Anteil lokaler Wertschöpfung. Öffentliche Mobilität kann Verkehrsprobleme mindern und die Erreichbarkeit für Gäste ohne Auto verbessern. Energieeffizienz kann langfristig Betriebskosten senken. Besucherlenkung kann stark belastete Orte schützen und Gäste auf weitere Angebote verteilen.

Gleichzeitig entstehen Investitionskosten. Deshalb müsste eine professionelle Analyse Kosten, erwartete Nachfrage, Finanzierung, ökologische Wirkung, Akzeptanz und langfristige Erträge gemeinsam betrachten.

Das Kompetenzzentrum Tourismus im Schwarzwald zeigt, wie wichtig Kooperation zwischen unterschiedlichen touristischen Akteuren für regionale Entwicklung sein kann.


Kennzahlen richtig interpretieren

Für wirtschaftliche Analysen sind mehrere Kennzahlen wichtig:

  1. Ankünfte: Zahl der registrierten Anreisen in Beherbergungsbetrieben.
  2. Übernachtungen: Zahl der Nächte, die Gäste in erfassten Betrieben verbringen.
  3. Aufenthaltsdauer: Verhältnis von Übernachtungen zu Ankünften.
  4. Umsatz: Einnahmen aus verkauften Waren und Dienstleistungen.
  5. Wertschöpfung: Wirtschaftlicher Mehrwert nach Berücksichtigung von Vorleistungen.
  6. Beschäftigung: Arbeitsplätze beziehungsweise rechnerische Beschäftigungsäquivalente, die mit touristischer Nachfrage verbunden sind.

Eine steigende Zahl von Ankünften bedeutet nicht automatisch höhere regionale Wertschöpfung. Wenn Gäste kürzer bleiben oder weniger ausgeben, kann die wirtschaftliche Wirkung geringer ausfallen. Umgekehrt können weniger Gäste mit längerer Aufenthaltsdauer und höherem regionalem Ausgabenanteil eine starke Wertschöpfung erzeugen.


Quellen und Datenhinweise

Die im Lerntext verwendeten aktuellen Kennzahlen beruhen insbesondere auf Veröffentlichungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg und des Ministeriums für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg. Bei Vergleichen ist darauf zu achten, dass statistische Erhebungen unterschiedliche Berichtsgrenzen und Methoden verwenden.

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Tourismus
  2. Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus: Wirtschaftsfaktor Tourismus
  3. Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus: Grundprinzipien für einen zukunftsfähigen Tourismus


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum wird Tourismus als Querschnittsbranche bezeichnet? (Weil touristische Nachfrage viele verschiedene Wirtschaftsbereiche beeinflusst) (!Weil Tourismus ausschließlich zur Gastronomie gehört) (!Weil nur öffentliche Unternehmen touristische Leistungen anbieten) (!Weil Tourismus keine regionalen Lieferketten benötigt)




Was beschreibt regionale Wertschöpfung am besten? (Den in einer Region zusätzlich geschaffenen wirtschaftlichen Wert) (!Die Gesamtzahl aller touristischen Werbeprospekte) (!Die Länge aller Wanderwege einer Destination) (!Nur die Anzahl der Hotelzimmer)




Welche Aussage zu Umsatz und Wertschöpfung ist richtig? (Umsatz und Wertschöpfung sind unterschiedliche wirtschaftliche Größen) (!Jeder Euro Umsatz ist automatisch ein Euro regionaler Wertschöpfung) (!Wertschöpfung misst ausschließlich Gästeankünfte) (!Umsatz berücksichtigt nur kommunale Steuern)




Was ist ein direkter touristischer Effekt? (Ein Gast bezahlt eine Hotelübernachtung) (!Ein Hotel bestellt später neue Möbel bei einem Zulieferer) (!Eine Hotelangestellte kauft von ihrem Einkommen Lebensmittel) (!Eine Kommune wertet eine Statistik aus)




Was bedeutet Leakage im Zusammenhang mit regionaler Wertschöpfung? (Ein Teil touristischer Einnahmen fließt aus der betrachteten Region ab) (!Alle Gäste verlängern ihren Aufenthalt) (!Touristische Betriebe stellen zusätzliche Beschäftigte ein) (!Eine Gemeinde baut einen neuen Radweg)




Welche Maßnahme kann regionale Wertschöpfung besonders unterstützen? (Touristische Betriebe beziehen mehr Waren und Dienstleistungen aus der Region) (!Alle regionalen Lieferanten werden durch entfernte Anbieter ersetzt) (!Gäste werden vollständig vom örtlichen Einzelhandel ferngehalten) (!Betriebe verzichten grundsätzlich auf Kooperationen)




Welche drei Dimensionen gehören zu nachhaltigem Tourismus? (Ökonomie Ökologie und Soziales) (!Werbung Wetter und Architektur) (!Preis Saison und Entfernung) (!Hotelgröße Straßenbreite und Einwohnerzahl)




Warum kann öffentlicher Verkehr für nachhaltigen Tourismus wichtig sein? (Er kann Erreichbarkeit verbessern und Autoverkehr verringern) (!Er verhindert grundsätzlich jede touristische Nachfrage) (!Er ersetzt alle Beherbergungsbetriebe) (!Er macht regionale Planung überflüssig)




Warum reicht die Zahl der Übernachtungen allein nicht zur Messung der wirtschaftlichen Bedeutung? (Weil Ausgabenhöhe Tagesreisen und regionale Verflechtungen zusätzlich relevant sind) (!Weil Übernachtungen niemals statistisch erfasst werden) (!Weil nur Einwohnerinnen und Einwohner Umsätze erzeugen) (!Weil touristische Ausgaben immer gleich hoch sind)




Welche Aufgabe gehört zu professionellem nachhaltigem Tourismusmanagement? (Wirtschaftliche ökologische und soziale Ziele gemeinsam abwägen) (!Ausschließlich möglichst viele Gäste anziehen) (!Alle touristischen Investitionen verhindern) (!Nur die Zahl der Parkplätze maximieren)





Memory

Wertschöpfung Regional geschaffener wirtschaftlicher Mehrwert
Direkter Effekt Unmittelbare Ausgabe eines Gastes
Indirekter Effekt Nachfrage eines touristischen Betriebs bei Zulieferern
Leakage Abfluss von Einnahmen aus der Region
Besucherlenkung Räumliche und zeitliche Steuerung von Gästeströmen
Aufenthaltsdauer Verhältnis von Übernachtungen zu Ankünften





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Direkte Wirkung Hotelrechnung eines Gastes
Indirekte Wirkung Restaurant bestellt Lebensmittel beim Lieferbetrieb
Induzierte Wirkung Beschäftigte geben Einkommen im regionalen Handel aus
Ökologische Nachhaltigkeit Schutz sensibler Naturräume
Soziale Nachhaltigkeit Akzeptanz und faire Arbeitsbedingungen






Kreuzworträtsel

Wertschöpfung Wie heißt der in einer Region zusätzlich geschaffene wirtschaftliche Wert?
Tourismus Welche Querschnittsbranche steht im Mittelpunkt dieses aiMOOCs?
Leakage Wie nennt man den Abfluss touristischer Einnahmen aus einer Region?
Schwarzwald Welche große baden-württembergische Ferienregion ist für Natur- und Wandertourismus bekannt?
Mobilität Welcher Bereich umfasst die An- und Abreise sowie die Fortbewegung am Urlaubsort?
Nachhaltigkeit Welches Leitprinzip verbindet langfristig ökonomische, ökologische und soziale Ziele?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Tourismus gilt als

, weil touristische Nachfrage zahlreiche Wirtschaftsbereiche miteinander verbindet. Der innerhalb einer Region zusätzlich geschaffene wirtschaftliche Wert wird als

bezeichnet. Wenn ein Teil der Einnahmen aus der betrachteten Region abfließt, spricht man von

. Im Jahr 2023 wurde für Baden-Württemberg ein touristischer Bruttoumsatz von rund

ermittelt. Der touristische Einkommensbeitrag betrug im selben Jahr rund

. Nachhaltiger Tourismus verbindet wirtschaftliche Tragfähigkeit mit ökologischen und

Zielen. Eine bessere Nutzung regionaler Lieferketten kann dazu beitragen, dass mehr Einkommen in der

verbleibt. Digitale Systeme können bei der räumlichen und zeitlichen

helfen. Für die ökologische Wirkung des Tourismus spielt außerdem die touristische

eine wichtige Rolle. Eine steigende Zahl von Übernachtungen bedeutet nicht automatisch eine steigende regionale

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Touristische Wertschöpfungskette: Zeichne für einen Wochenendgast im Schwarzwald eine Wertschöpfungskette mit mindestens sechs Stationen und markiere, welche Betriebe direkt Geld vom Gast erhalten.
  2. Tourismusregion Baden-Württemberg: Wähle eine Tourismusregion Baden-Württembergs und erstelle ein digitales Kurzporträt mit Zielgruppen, Attraktionen und wichtigen touristischen Branchen.
  3. Nachhaltige Mobilität: Vergleiche für eine Reise innerhalb Baden-Württembergs Auto und öffentlichen Verkehr hinsichtlich Kosten, Zeit, Komfort und Umweltwirkung.
  4. Regionale Produkte: Fotografiere oder dokumentiere fünf regionale Produkte oder Dienstleistungen, die in einer touristischen Wertschöpfungskette eingesetzt werden könnten.


Standard

  1. Wertschöpfungsanalyse: Entwickle für einen fiktiven Gast mit einem Tagesbudget von 180 Euro eine Ausgabenstruktur und untersuche, welcher Anteil voraussichtlich in der Region verbleibt.
  2. Betriebsinterview: Befrage einen touristischen Betrieb zu regionalem Einkauf, Fachkräftesicherung, Saisonabhängigkeit und Nachhaltigkeit. Werte die Antworten kritisch aus.
  3. Besucherlenkung: Entwirf ein Konzept für einen stark besuchten Aussichtspunkt. Verbinde Mobilität, digitale Information, Naturschutz und wirtschaftliche Interessen.
  4. Tourismuskennzahlen: Recherchiere aktuelle Daten zu Ankünften und Übernachtungen für zwei baden-württembergische Reisegebiete und erkläre, warum diese Zahlen allein keine vollständige Aussage über Wertschöpfung erlauben.


Schwer

  1. Kosten-Nutzen-Analyse: Erstelle eine vereinfachte Kosten-Nutzen-Analyse für einen geplanten touristischen Radweg. Berücksichtige Investitionen, regionale Umsätze, Nutzung durch Einheimische und ökologische Folgen.
  2. Destinationsstrategie: Entwickle eine dreijährige Nachhaltigkeitsstrategie für eine fiktive Destination in Baden-Württemberg. Lege messbare Ziele für Wirtschaft, Umwelt und Soziales fest.
  3. Regionalökonomische Effekte: Untersuche anhand eines selbst gewählten touristischen Angebots direkte, indirekte und induzierte Effekte und stelle mögliche Leakage-Effekte gegenüber.
  4. Tourismuskonflikt: Simuliere eine Gemeinderatssitzung zu einem neuen touristischen Großprojekt. Verteile Rollen an Hotellerie, Naturschutz, Verkehrsplanung, Bevölkerung, Kommune und Investor und entwickle anschließend einen begründeten Kompromiss.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wertschöpfung und Nachfrage: Eine Region verzeichnet mehr Gästeankünfte, aber sinkende Übernachtungen. Entwickle mindestens drei mögliche wirtschaftliche Folgen und begründe, welche zusätzlichen Daten Du für eine Bewertung benötigst.
  2. Regionaler Wirtschaftskreislauf: Zwei Hotels erzielen denselben Umsatz. Hotel A kauft Lebensmittel und Dienstleistungen überwiegend regional ein, Hotel B überwiegend überregional. Analysiere, warum die regionale Wirkung unterschiedlich sein kann.
  3. Nachhaltigkeitskonflikt: Ein Naturpark möchte den Autoverkehr reduzieren, örtliche Betriebe fürchten Umsatzverluste. Entwickle ein Maßnahmenpaket, das ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander verbindet.
  4. Digitalisierung im Tourismus: Beurteile eine digitale Buchungsplattform aus Sicht eines kleinen regionalen Betriebs. Berücksichtige Reichweite, Kosten, Datenabhängigkeit und mögliche Leakage-Effekte.
  5. Touristische Investition: Eine Kommune plant ein neues Besucherzentrum. Entwickle Kriterien, anhand derer geprüft werden kann, ob die Investition langfristig wirtschaftlich, ökologisch und sozial sinnvoll ist.
  6. Transfer auf den eigenen Raum: Übertrage das Konzept regionaler Wertschöpfung auf Deinen Wohn- oder Ausbildungsort und benenne konkrete Akteure, die durch zusätzlichen Tourismus profitieren oder belastet werden könnten.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du touristische Kennzahlen nicht nur wiedergibst, sondern fachlich einordnest. Wichtig sind insbesondere die Unterscheidung von Umsatz und Wertschöpfung, das Verständnis direkter, indirekter und induzierter Effekte, die Analyse regionaler Wirtschaftskreisläufe sowie die Erklärung von Leakage.

Du solltest außerdem beurteilen können, wie Tourismus Beschäftigung, kommunale Entwicklung und andere Branchen beeinflusst. Bei Fallbeispielen wird erwartet, dass Du wirtschaftliche Chancen mit ökologischen und sozialen Folgen verbindest und Zielkonflikte begründet abwägst.

Ein überzeugender Lernnachweis verwendet passende Fachbegriffe, arbeitet mit nachvollziehbaren Daten, unterscheidet unterschiedliche Kennzahlen und entwickelt auf dieser Grundlage begründete Handlungsvorschläge für eine nachhaltige Tourismusentwicklung.




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