Zum Inhalt springen

Tarifverträge im Metallhandwerk - Schmied 1

Aus MOOCsWiki Staging
Die Druckversion wird nicht mehr unterstützt und kann Darstellungsfehler aufweisen. Bitte aktualisiere deine Browser-Lesezeichen und verwende stattdessen die Standard-Druckfunktion des Browsers.

Tarifverträge im Metallhandwerk - Schmied 1




Tarifverträge im Metallhandwerk - Schmied


Einleitung

Wer in einer Schmiede arbeitet, formt nicht nur glühenden Stahl. Beschäftigte und Auszubildende bewegen sich zugleich in einem rechtlichen Rahmen aus Arbeitsvertrag, Berufsbildungsgesetz, Handwerksordnung und Tarifvertrag. Tarifverträge können unter anderem die Ausbildungsvergütung, das spätere Entgelt, die Arbeitszeit, den Urlaub, Zuschläge und Sonderzahlungen regeln. Für Dich als Auszubildende oder Auszubildenden ist deshalb wichtig, nicht nur eine Zahl aus einer Entgelttabelle abzulesen, sondern zuerst zu prüfen, welcher Tarifvertrag für Deinen Betrieb, Deinen Arbeitsort und Dein Ausbildungsverhältnis gilt.

Der traditionelle Begriff Schmied bezeichnet heute im deutschen Ausbildungssystem meist Tätigkeiten des anerkannten Ausbildungsberufs Metallbauerin beziehungsweise Metallbauer, Fachrichtung Metallgestaltung. Die Ausbildung dauert regulär 42 Monate. Zu den fachlichen Inhalten gehören unter anderem das Handhaben des Schmiedefeuers, das Auswählen schmiedbarer Werkstoffe, das manuelle und maschinelle Schmieden, das Herstellen von Werkzeugen und Hilfswerkzeugen, die Oberflächengestaltung sowie das Restaurieren von Bauteilen. Typische Betriebe sind Beschlag- und Kunstschmieden, Kunstschlossereien und Restaurierungswerkstätten.

Wichtig: Eine Hufbeschlagschmiedin oder ein Hufbeschlagschmied gehört zu einem eigenen, gesetzlich geregelten Tätigkeitsbereich. Dieser Lernkurs konzentriert sich auf Schmiedearbeiten im Metallhandwerk und besonders auf die Fachrichtung Metallgestaltung.


Lernziele

Nach diesem Lernkurs kannst Du:

  1. Tarifverträge von Arbeitsverträgen und Betriebsvereinbarungen unterscheiden.
  2. den räumlichen, fachlichen und persönlichen Geltungsbereich eines Tarifvertrags prüfen.
  3. wichtige Tarifvertragsarten im Metallhandwerk erklären.
  4. die Tarifbindung eines Schmiede- oder Metallbaubetriebs untersuchen.
  5. tarifliche Ausbildungsvergütungen mit gesetzlichen Untergrenzen vergleichen.
  6. eine Entgelttabelle fachgerecht lesen und regionale Unterschiede begründen.
  7. den Ablauf einer Tarifverhandlung einschließlich Friedenspflicht und Warnstreik beschreiben.
  8. Deine eigenen Informations- und Beratungswege im Ausbildungsbetrieb benennen.


Der Schmied im heutigen Metallhandwerk


Berufsbezeichnung und Fachrichtung

Die Berufsbezeichnung Schmied ist im Alltag weiterhin gebräuchlich. Im dualen Ausbildungssystem ist für viele klassische Schmiedetätigkeiten jedoch die Ausbildung zur Metallbauerin oder zum Metallbauer in der Fachrichtung Metallgestaltung maßgeblich. Weitere Fachrichtungen des Ausbildungsberufs sind Konstruktionstechnik und Nutzfahrzeugbau. Für die tarifliche Einordnung ist nicht allein die umgangssprachliche Berufsbezeichnung entscheidend. Geprüft werden vielmehr der Betrieb, sein wirtschaftlicher Schwerpunkt, der persönliche Status und die tatsächlich ausgeübte oder ausgebildete Tätigkeit.

Metallgestalterinnen und Metallgestalter fertigen beispielsweise Gitter, Tore, Geländer, Leuchten, Beschläge, Werkzeuge, Skulpturen oder restaurierte historische Bauteile. Sie arbeiten mit Schmiedefeuer, Amboss, Handhammer, Lufthammer oder Federhammer, Zangen, Schweißtechnik, Trenn- und Schleifverfahren sowie Mess- und Prüfmitteln. Tarifrecht und Arbeitsschutz gelten dabei nicht getrennt von der Fachpraxis: Schichtzeiten, Mehrarbeit, Erschwernisse, Montageeinsätze und persönliche Schutzausrüstung können die konkrete Arbeitssituation beeinflussen.


Ausbildung und Vergütung

Die Ausbildungsvergütung ist eine monatliche Bruttovergütung. Sie soll mit fortschreitender Ausbildung mindestens jährlich ansteigen. Ihre konkrete Höhe kann sich aus einem einschlägigen Tarifvertrag, aus einer Bezugnahmeklausel im Ausbildungsvertrag oder aus einer individuellen Vereinbarung ergeben. Die Auszahlung muss nach den gesetzlichen Vorgaben fristgerecht erfolgen.

Für Auszubildende ist die Vergütung nicht die einzige wichtige Tarifregelung. Je nach Tarifgebiet können auch folgende Punkte geregelt sein:

  1. Arbeitszeit: regelmäßige Wochenarbeitszeit, Verteilung und Arbeitszeitkonten.
  2. Urlaub: Anzahl der Urlaubstage und mögliches zusätzliches Urlaubsgeld.
  3. Zuschläge: Mehrarbeit, Nachtarbeit, Sonn- und Feiertagsarbeit.
  4. Sonderzahlungen: tarifliche Einmalzahlungen oder Jahressonderzahlungen.
  5. Freistellung: bezahlte Freistellung bei bestimmten persönlichen Anlässen.
  6. Übernahme: Regelungen oder Verhandlungszusagen zur Weiterbeschäftigung.

Nicht jeder Tarifvertrag enthält alle diese Leistungen. Du musst deshalb immer den vollständigen, aktuell gültigen Tariftext oder eine verlässliche Tariftabelle für Dein Tarifgebiet prüfen.


Grundlagen des Tarifrechts


Was ist ein Tarifvertrag?

Ein Tarifvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen tariffähigen Parteien. Auf Arbeitnehmerseite handelt in der Regel eine Gewerkschaft, im Metallhandwerk häufig die IG Metall. Auf Arbeitgeberseite kann ein Arbeitgeberverband, eine Tarifvereinigung, ein Landesinnungsverband oder ein einzelner Arbeitgeber stehen. Ein einzelner Betrieb kann mit einer Gewerkschaft einen Haus- oder Firmentarifvertrag abschließen.

Die verfassungsrechtliche Grundlage bildet die Tarifautonomie. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen dürfen Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen grundsätzlich ohne staatliche Festsetzung aushandeln. Das Tarifvertragsgesetz regelt unter anderem Form, Tarifbindung, Wirkung, Nachbindung, Nachwirkung und Allgemeinverbindlichkeit.


Wichtige Tarifvertragsarten

Tarifvertragsart Typischer Inhalt Bedeutung für die Schmiede
Flächen- oder Verbandstarifvertrag Gilt für eine Branche und ein festgelegtes Tarifgebiet. Metallhandwerkstarife werden häufig regional vereinbart. Deshalb können sich Vergütung und Arbeitsbedingungen zwischen Bundesländern oder Regionen unterscheiden.
Haus- oder Firmentarifvertrag Gilt für einen einzelnen Arbeitgeber oder Betrieb. Eine größere Kunstschmiede oder Metallbaufirma kann eigene tarifliche Regelungen haben.
Entgelt- oder Lohntarifvertrag Enthält Entgeltgruppen, Stunden- oder Monatsentgelte, Eckwerte und Laufzeiten. Nach der Gesellenprüfung wird geprüft, welcher Entgeltgruppe die tatsächlich übertragene Tätigkeit entspricht.
Ausbildungsvergütungstarifvertrag Legt Vergütungen für die einzelnen Ausbildungsjahre fest. Bei der 42-monatigen Ausbildung ist auch eine Vergütung für das vierte Ausbildungsjahr relevant.
Manteltarifvertrag Regelt längerfristige Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Urlaub, Zuschläge oder Kündigungsfristen. Er beeinflusst den betrieblichen Alltag auch dann, wenn sich die Entgelttabelle häufiger ändert.
Tarifvertrag über Sonderthemen Regelt zum Beispiel Altersteilzeit, Qualifizierung, Beschäftigungssicherung oder zusätzliche Leistungen. Solche Verträge können neben Entgelt- und Manteltarifverträgen gelten.


Normativer und schuldrechtlicher Teil

Der normative Teil enthält Rechtsnormen, die Arbeitsverhältnisse ordnen. Bei bestehender Tarifbindung wirken diese Regelungen grundsätzlich unmittelbar und zwingend. Dazu können Entgelt, Arbeitszeit, Urlaub oder Zuschläge gehören.

Der schuldrechtliche Teil regelt Rechte und Pflichten zwischen den Tarifvertragsparteien selbst. Dazu zählt insbesondere die Pflicht, den geschlossenen Tarifvertrag durchzuführen. Während seiner Laufzeit besteht für die geregelten Inhalte grundsätzlich eine Friedenspflicht.


Günstigkeitsprinzip

Eine einzelvertragliche Regelung darf von einem zwingend geltenden Tarifvertrag abweichen, wenn sie für die beschäftigte Person günstiger ist. Dabei werden sachlich zusammengehörende Regelungsbereiche verglichen. Ein höheres Monatsentgelt kann daher nicht ohne Weiteres mit deutlich weniger Urlaub verrechnet werden. Die rechtliche Bewertung kann im Einzelfall anspruchsvoll sein und sollte bei Streit durch Betriebsrat, Gewerkschaft, Handwerkskammer oder eine fachkundige Rechtsberatung geklärt werden.


Wann gilt ein Tarifvertrag?


Die fünf Prüfschritte

Ob ein Tarifvertrag für Dich gilt, lässt sich mit einer festen Prüfreihenfolge untersuchen:

  1. Tarifvertrag ermitteln: Welcher Tarifvertrag kommt überhaupt in Betracht?
  2. Räumlichen Geltungsbereich prüfen: Erfasst der Vertrag den Ort oder das Tarifgebiet Deines Betriebs?
  3. Fachlichen Geltungsbereich prüfen: Gehört der Betrieb nach seiner Tätigkeit zum erfassten Metallhandwerk?
  4. Persönlichen Geltungsbereich prüfen: Erfasst der Vertrag Auszubildende, gewerbliche Beschäftigte, Angestellte oder bestimmte Gruppen?
  5. Tarifbindung oder Einbeziehung prüfen: Sind die Parteien tarifgebunden, ist der Tarifvertrag allgemeinverbindlich oder nimmt der Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsvertrag auf ihn Bezug?

Der Name des Betriebs reicht für die fachliche Prüfung nicht immer aus. Eine Firma kann „Schmiede“ heißen, tatsächlich aber überwiegend industriell fertigen, montieren, restaurieren oder einer anderen Handwerksbranche zugeordnet sein. Entscheidend sind der tarifliche Wortlaut und die tatsächlichen betrieblichen Verhältnisse.


Wege der Tarifgeltung

Ein Tarifvertrag kann auf verschiedenen Wegen Bedeutung für Dein Ausbildungsverhältnis erhalten:

  1. Beiderseitige Tarifbindung: Der Arbeitgeber ist an den Tarifvertrag gebunden und die beschäftigte Person ist Mitglied der tarifschließenden Gewerkschaft.
  2. Firmentarifvertrag: Der einzelne Arbeitgeber hat selbst einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft abgeschlossen.
  3. Bezugnahmeklausel: Der Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag erklärt einen bestimmten Tarifvertrag ganz oder teilweise für anwendbar.
  4. Betriebliche Anwendung: Ein Arbeitgeber kann tarifliche Bedingungen freiwillig auch auf nicht organisierte Beschäftigte anwenden.
  5. Allgemeinverbindlicherklärung: Ein bestimmter Tarifvertrag wird innerhalb seines festgelegten Geltungsbereichs auch auf nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Beschäftigte erstreckt.

Eine Betriebsvereinbarung ist kein Tarifvertrag. Sie wird zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat geschlossen. Arbeitsentgelte und sonstige Arbeitsbedingungen, die tariflich geregelt sind oder üblicherweise tariflich geregelt werden, können grundsätzlich nicht beliebig durch Betriebsvereinbarung ersetzt werden.


Nachbindung und Nachwirkung

Tritt ein Arbeitgeber aus einem Arbeitgeberverband aus, endet die Tarifbindung nicht zwingend sofort. Die Nachbindung kann bis zum Ende des laufenden Tarifvertrags fortbestehen. Nach Ablauf eines Tarifvertrags können seine Rechtsnormen im Rahmen der Nachwirkung weitergelten, bis sie durch eine andere Abmachung ersetzt werden. Diese Begriffe sind besonders wichtig, wenn ein Betrieb erklärt, er sei „nicht mehr im Verband“, obwohl ein zuvor geltender Tarifvertrag noch rechtliche Wirkungen entfalten kann.


Ausbildungsvergütung: Tarif und gesetzliche Untergrenze


Mindestausbildungsvergütung 2026

Für Ausbildungsverhältnisse nach Berufsbildungsgesetz oder Handwerksordnung, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2026 beginnen, gelten folgende monatliche gesetzliche Untergrenzen:

Ausbildungsjahr Mindestausbildungsvergütung bei Ausbildungsbeginn 2026
Erstes Ausbildungsjahr 724 Euro brutto
Zweites Ausbildungsjahr 854 Euro brutto
Drittes Ausbildungsjahr 977 Euro brutto
Viertes Ausbildungsjahr 1.014 Euro brutto

Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen sind von dieser Untergrenze rechtlich besonders behandelt. Ein tarifgebundener Betrieb darf sich nach einem einschlägigen Tarifvertrag richten, auch wenn dessen Vergütung unter der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung liegt. Für einen nicht tarifgebundenen Betrieb gelten dagegen sowohl die gesetzliche Untergrenze als auch die Regel, dass die Vergütung den einschlägigen branchen- und regionsbezogenen Tarifwert grundsätzlich nicht um mehr als 20 Prozent unterschreiten darf.


Regionale Beispiele aus dem Metallhandwerk

Die folgende Tabelle zeigt, warum Du keine bundesweit einheitliche „Schmiedevergütung“ annehmen darfst. Die Werte gelten ab dem 1. August 2026 und dienen als Vergleich zweier Tarifgebiete.

Tarifgebiet 1. Ausbildungsjahr 2. Ausbildungsjahr 3. Ausbildungsjahr 4. Ausbildungsjahr
Metallhandwerk Hamburg 1.000 Euro 1.030 Euro 1.100 Euro 1.200 Euro
Metallhandwerk Schleswig-Holstein 920 Euro 950 Euro 1.050 Euro 1.175 Euro

Die Differenz im ersten Ausbildungsjahr beträgt in diesem Vergleich 80 Euro brutto pro Monat beziehungsweise 960 Euro brutto in zwölf Monaten. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Schmiedebetrieb in Hamburg oder Schleswig-Holstein automatisch genau diesen Betrag zahlen muss. Zuerst müssen Geltungsbereich, Tarifbindung, Bezugnahmeklausel und Beginn des Ausbildungsverhältnisses geprüft werden.

Stand der Zahlen: 2. August 2026. Tarifwerte verändern sich durch neue Abschlüsse. Nutze für eine aktuelle Prüfung die Tarifinformationen der Gewerkschaft, des Arbeitgeberverbands, der zuständigen Handwerksorganisation oder des Tarifregisters.


Entgelt nach der Ausbildung


Entgeltgruppe statt bloßer Berufsbezeichnung

Nach der Gesellenprüfung wird das Entgelt häufig anhand einer tariflichen Entgelt- oder Lohngruppe bestimmt. Maßgeblich ist normalerweise nicht nur der Abschluss „Metallbauerin oder Metallbauer“, sondern die dauerhaft übertragene und tatsächlich ausgeübte Tätigkeit. Je nach Tarifvertrag können beispielsweise Fachkenntnisse, Selbstständigkeit, Verantwortung, Belastung, Berufserfahrung oder besondere Anforderungen eine Rolle spielen.

Eine Fachkraft, die selbstständig Entwürfe umsetzt, historische Bauteile restauriert, schwierige Feuerschweißungen ausführt und Arbeitsabläufe koordiniert, kann andere tarifliche Tätigkeitsmerkmale erfüllen als eine Person, die überwiegend vorbereitende oder einfache Arbeiten nach genauer Anweisung erledigt. Die konkrete Eingruppierung muss immer anhand des Wortlauts des geltenden Tarifvertrags geprüft werden.


Ecklohn und Entgelttabelle

Manche Tarifverträge arbeiten mit einem Ecklohn oder einem 100-Prozent-Wert. Andere Gruppen werden dann durch feste Beträge oder Prozentrelationen abgeleitet. Beim Lesen einer Tabelle solltest Du folgende Angaben kontrollieren:

  1. Datum, ab dem die Tabelle gilt.
  2. Tarifgebiet und erfasste Branche.
  3. Bezeichnung der Entgelt- oder Lohngruppe.
  4. Stundenentgelt oder Monatsentgelt.
  5. regelmäßige tarifliche Arbeitszeit.
  6. Zuschläge und Sonderzahlungen.
  7. Laufzeit und frühester Kündigungstermin.
  8. besondere Übergangs- oder Besitzstandsregelungen.


Wie entsteht ein Tarifabschluss?


Von der Forderung zum Vertrag

Tarifverhandlungen folgen keinem vollständig starren Ablauf, weisen aber typische Schritte auf. Gewerkschaftsmitglieder und Tarifkommissionen beraten Forderungen. Die zuständigen Gremien beschließen eine Forderung, beispielsweise eine prozentuale Entgelterhöhung, höhere Ausbildungsvergütungen oder bessere Arbeitszeitregelungen. Danach verhandeln Gewerkschaft und Arbeitgeberseite.

Kommt keine Einigung zustande und ist die Friedenspflicht beendet, können befristete Warnstreiks den Druck erhöhen. Für einen unbefristeten Erzwingungsstreik gelten weitergehende gewerkschaftliche Voraussetzungen, häufig einschließlich einer Urabstimmung. Ein ausgehandeltes Ergebnis wird von den zuständigen Gremien angenommen und anschließend in Tariftexte umgesetzt.


Tarifparteien und betriebliche Interessenvertretung

Die Tarifvertragsparteien handeln den Tarifvertrag aus. Der Betriebsrat verhandelt den Branchentarifvertrag nicht. Er überwacht jedoch im Betrieb unter anderem die Einhaltung geltender Gesetze, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen. Für Auszubildende ist zusätzlich die Jugend- und Auszubildendenvertretung eine wichtige Anlaufstelle, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen für ihre Bildung vorliegen.

Typische Informationswege sind:

  1. Ausbildungsvertrag und darin enthaltene Bezugnahmeklauseln.
  2. Personalabteilung, Ausbilderin oder Ausbilder.
  3. Betriebsrat und Jugend- und Auszubildendenvertretung.
  4. zuständige Geschäftsstelle der Gewerkschaft.
  5. Arbeitgeberverband, Innung oder Landesinnungsverband.
  6. Handwerkskammer und Ausbildungsberatung.
  7. Tarifregister des Bundes oder des jeweiligen Bundeslands.


Praxisfall: Ausbildung in einer Kunstschmiede

Die Auszubildende Mira beginnt am 1. August 2026 ihre Ausbildung zur Metallbauerin in der Fachrichtung Metallgestaltung. Der Betrieb stellt geschmiedete Tore, Geländer und Beschläge her. Im Ausbildungsvertrag steht: „Es gelten die jeweils einschlägigen Tarifverträge für das Metallhandwerk im Tarifgebiet, soweit der Betrieb tarifgebunden ist.“

Mira findet im Internet eine Tabelle für das Metallhandwerk eines benachbarten Bundeslands und verlangt den dort genannten Betrag. Der Betrieb verweist dagegen auf eine ältere betriebliche Liste.

Eine fachgerechte Prüfung sieht so aus:

  1. Mira ermittelt den genauen Betriebssitz und das zuständige Tarifgebiet.
  2. Sie prüft den fachlichen Geltungsbereich des regionalen Metallhandwerkstarifvertrags.
  3. Sie kontrolliert, ob Auszubildende der Fachrichtung Metallgestaltung persönlich erfasst sind.
  4. Sie klärt die Tarifbindung des Arbeitgebers und die Bedeutung der Bezugnahmeklausel.
  5. Sie prüft Beginn, Laufzeit und aktuelle Fassung des Ausbildungstarifvertrags.
  6. Sie vergleicht den Tarifwert mit der gesetzlichen Mindestausbildungsvergütung und der 20-Prozent-Regel für nicht tarifgebundene Betriebe.
  7. Sie dokumentiert Quellen, Abrufdatum und Ansprechpartner.

Das Beispiel zeigt: Eine Entgelttabelle ist erst dann nützlich, wenn ihre rechtliche Zuordnung geklärt ist.


Quellen und Aktualität

Dieser Lernkurs ersetzt keine Rechtsberatung. Tarifverträge ändern sich regional und zeitlich. Für eine verbindliche Prüfung benötigst Du den vollständigen Tariftext und die konkreten Daten Deines Ausbildungsverhältnisses.

  1. BIBB: Metallbauer/in, Fachrichtung Metallgestaltung
  2. Tarifvertragsgesetz
  3. Berufsbildungsgesetz, § 17
  4. BMAS: Tarifregister
  5. IG Metall: Tariftabellen für Metall- und Elektrobranchen sowie Handwerke
  6. Tarifabschluss Metallhandwerk Hamburg
  7. Tarifabschluss Metallhandwerk Schleswig-Holstein
  8. BIBB: Mindestausbildungsvergütung


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welcher anerkannte Ausbildungsberuf umfasst viele klassische Schmiedetätigkeiten im Metallhandwerk? (Metallbauerin oder Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Feinwerkmechanikerin oder Feinwerkmechaniker Fachrichtung Schmiedefeuer) (!Industriekauffrau oder Industriekaufmann Fachrichtung Metall) (!Werkzeugmechanikerin oder Werkzeugmechaniker Fachrichtung Hufbeschlag)




Wer schließt einen regionalen Flächentarifvertrag für das Metallhandwerk typischerweise ab? (Eine Gewerkschaft und ein Arbeitgeberverband) (!Ein Auszubildender und die Berufsschule) (!Die Handwerkskammer und das Finanzamt) (!Der Betriebsrat und die Berufsgenossenschaft)




Was regelt ein Entgelttarifvertrag vor allem? (Entgeltgruppen und Entgelthöhen) (!Die chemische Zusammensetzung von Stahl) (!Die Prüfungsaufgaben der Gesellenprüfung) (!Die Bauart des Schmiedefeuers)




Was muss vor der Übernahme einer Vergütung aus einer Tariftabelle zuerst geprüft werden? (Der räumliche fachliche und persönliche Geltungsbereich) (!Die Farbe des Firmenlogos) (!Die Entfernung zur Berufsschule) (!Das Baujahr des Ambosses)




Wie hoch ist die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung im ersten Jahr bei Ausbildungsbeginn 2026? (724 Euro brutto monatlich) (!620 Euro brutto monatlich) (!854 Euro brutto monatlich) (!1014 Euro brutto monatlich)




Warum können Ausbildungsvergütungen im Metallhandwerk regional unterschiedlich sein? (Weil Metallhandwerkstarife häufig für einzelne Tarifgebiete abgeschlossen werden) (!Weil jeder Amboss eine eigene Entgelttabelle besitzt) (!Weil die Berufsschule den Monatslohn täglich neu festlegt) (!Weil Schmiedestahl in jedem Betrieb ein anderes Gewicht hat)




Was bedeutet die unmittelbare und zwingende Wirkung eines Tarifvertrags bei bestehender Tarifbindung? (Die Tarifnormen gelten ohne einzelne Neuverhandlung im Arbeitsvertrag) (!Der Arbeitgeber darf jede Tarifnorm beliebig abändern) (!Nur der Betriebsrat entscheidet über die Vergütung) (!Der Tarifvertrag gilt ausschließlich während der Berufsschulzeit)




Was besagt das Günstigkeitsprinzip? (Eine günstigere einzelvertragliche Regelung kann Vorrang haben) (!Immer gilt automatisch die niedrigste Vergütung) (!Tarifverträge dürfen nur für Meister gelten) (!Jede Betriebsvereinbarung verdrängt jeden Tarifvertrag)




Woran orientiert sich die tarifliche Eingruppierung nach der Ausbildung hauptsächlich? (An der tatsächlich übertragenen und ausgeübten Tätigkeit) (!Nur am Alter der beschäftigten Person) (!Nur an der Größe des Werkstücks) (!Ausschließlich an der Zahl der Berufsschultage)




Welche Funktion hat ein Warnstreik in einer Tarifrunde? (Er erhöht nach Ende der Friedenspflicht den Verhandlungsdruck) (!Er ersetzt dauerhaft jeden Tarifvertrag) (!Er wird allein von der Handwerkskammer angeordnet) (!Er verändert automatisch die Ausbildungsordnung)





Memory

Flächentarifvertrag Branche und Tarifgebiet
Haustarifvertrag Einzelner Arbeitgeber
Manteltarifvertrag Allgemeine Arbeitsbedingungen
Entgelttarifvertrag Entgeltgruppen und Entgelthöhen
Tarifbindung Rechtliche Bindung an den Tarifvertrag
Friedenspflicht Keine Arbeitskampfmaßnahmen zu geregelten Forderungen während der Laufzeit





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Räumlicher Geltungsbereich Ort und Tarifgebiet des Betriebs
Fachlicher Geltungsbereich Branche und betrieblicher Schwerpunkt
Persönlicher Geltungsbereich Erfasste Beschäftigten- und Ausbildungsgruppen
Tarifbindung Bindung der Tarifvertragsparteien
Bezugnahmeklausel Einbeziehung des Tarifvertrags durch den Einzelvertrag






Kreuzworträtsel

Tarifautonomie Wie heißt das Recht der Tarifparteien, Arbeitsbedingungen selbstständig auszuhandeln?
Gewerkschaft Welche Organisation vertritt Beschäftigte in Tarifverhandlungen?
Manteltarif Welcher Vertragstyp regelt häufig Arbeitszeit und Urlaub?
Entgeltgruppe Welche tarifliche Kategorie ordnet Tätigkeiten einer Vergütungsstufe zu?
Geltungsbereich Welcher Begriff beschreibt die räumliche, fachliche und persönliche Reichweite?
Warnstreik Welche befristete Arbeitskampfmaßnahme kann den Verhandlungsdruck erhöhen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Viele klassische Schmiedetätigkeiten gehören zur Fachrichtung

. Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt

. Auf Arbeitnehmerseite verhandelt meist eine

. Ob ein Tarifvertrag passt, zeigt sein

. Entgelthöhen stehen typischerweise im

. Arbeitszeit und Urlaub werden häufig in einem

geregelt. Bei Ausbildungsbeginn 2026 beträgt die gesetzliche Untergrenze im ersten Jahr

. Nach Ende der Friedenspflicht kann ein

den Verhandlungsdruck erhöhen. Für die Eingruppierung ist vor allem die ausgeübte

wichtig. Aktuelle Tarifabschlüsse lassen sich unter anderem über das

und die Tarifparteien prüfen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Tarifbegriffe-Kartei: Gestalte zehn Karteikarten zu Tarifbindung, Geltungsbereich, Entgeltgruppe, Manteltarifvertrag und weiteren Fachbegriffen.
  2. Vertragsfundstelle: Suche in einem anonymisierten Muster-Ausbildungsvertrag nach einer Tarif- oder Bezugnahmeklausel und erkläre ihre mögliche Bedeutung.
  3. Medienanalyse Schmiede: Wähle eines der eingebetteten Schmiedevideos und notiere, welche Arbeitsbedingungen tariflich beeinflusst werden könnten.
  4. Vergütungsvergleich: Vergleiche die dargestellten Ausbildungsvergütungen aus Hamburg und Schleswig-Holstein und berechne die monatlichen sowie jährlichen Differenzen.


Standard

  1. Regionale Tarifspur: Recherchiere den aktuellen Metallhandwerkstarif Deines Bundeslands und dokumentiere Quelle, Stand, Tarifparteien und Geltungsbereich.
  2. Interview im Betrieb: Befrage eine Ausbilderin, einen Ausbilder, den Betriebsrat, die Jugend- und Auszubildendenvertretung oder eine Gewerkschaftsvertretung zur Tarifpraxis.
  3. Prüfschema als Infografik: Gestalte eine übersichtliche Grafik mit den fünf Schritten zur Prüfung eines Tarifvertrags.
  4. Tarifverhandlung als Rollenspiel: Bildet eine Gewerkschafts- und eine Arbeitgebergruppe und verhandelt Ausbildungsvergütung, Arbeitszeit und Urlaub.


Schwer

  1. Tarifrechtlicher Fall: Analysiere einen Fall, in dem Arbeitgeberverband, Gewerkschaftsmitgliedschaft und Bezugnahmeklausel unterschiedliche Ergebnisse nahelegen.
  2. Jahresentgelt-Modell: Entwickle eine Tabellenrechnung, die Grundentgelt, Mehrarbeitszuschläge, Urlaubsgeld und Sonderzahlung für mehrere Szenarien vergleicht.
  3. Podcast Tarifautonomie: Produziere eine Audioreportage darüber, warum der Staat Tarifentgelte grundsätzlich nicht selbst festsetzt und welche gesetzlichen Grenzen bestehen.
  4. Werkstatt-Tarifcheck: Erstelle für einen fiktiven Kunstschmiedebetrieb eine vollständige Prüfdokumentation mit Betriebsschwerpunkt, Tarifgebiet, persönlichem Geltungsbereich und Beratungswegen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferfall Ausbildungsvergütung: Ein Betrieb zahlt 15 Prozent unter dem regionalen Tarifwert. Prüfe getrennt für einen tarifgebundenen und einen nicht tarifgebundenen Betrieb, welche weiteren Informationen Du benötigst.
  2. Tarifgebiet wechseln: Eine Auszubildende zieht um und setzt ihre Ausbildung in einem Betrieb eines anderen Bundeslands fort. Erkläre, warum die bisherige Vergütung nicht automatisch unverändert bleiben muss.
  3. Eingruppierung begründen: Vergleiche zwei Tätigkeitsbeschreibungen aus einer Schmiede und entwickle Kriterien für eine mögliche unterschiedliche tarifliche Eingruppierung.
  4. Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung: Entscheide für Arbeitszeit, Entgeltgruppe, Pausenregelung und Werkzeugausgabe, welche Regelungsebene typischerweise zu prüfen ist, und begründe Deine Auswahl.
  5. Verhandlungskonflikt: Entwickle einen begründeten Kompromiss zwischen einer Forderung nach höherer Ausbildungsvergütung und dem Arbeitgeberwunsch nach längerer Laufzeit.
  6. Quellenkritik: Bewerte eine veraltete Tariftabelle aus einem Internetforum und entwickle einen Prüfplan, mit dem Du aktuelle und verbindlichere Informationen findest.


Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:

  1. die heutige Ausbildungsbezeichnung für klassische Schmiedetätigkeiten fachlich korrekt verwendest.
  2. Tarifvertragsarten und ihre typischen Regelungsbereiche unterscheiden kannst.
  3. den räumlichen, fachlichen und persönlichen Geltungsbereich systematisch prüfst.
  4. Tarifbindung, Bezugnahmeklausel und Allgemeinverbindlicherklärung voneinander abgrenzt.
  5. eine Ausbildungsvergütung unter Beachtung von Tarifwert und gesetzlicher Untergrenze bewertest.
  6. regionale Entgeltunterschiede mit Quellen und Gültigkeitsdatum dokumentierst.
  7. die Eingruppierung anhand der Tätigkeit statt nur anhand der Berufsbezeichnung erklärst.
  8. den Ablauf einer Tarifverhandlung einschließlich Friedenspflicht und Warnstreik darstellen kannst.
  9. geeignete Beratungsstellen im Betrieb und außerhalb des Betriebs benennst.
  10. einen neuen Praxisfall selbstständig und nachvollziehbar löst.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+




aiMOOCs



aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen