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Tarifverträge im Metallhandwerk - Schmied

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Tarifverträge im Metallhandwerk - Schmied




Tarifverträge im Metallhandwerk - Schmied


Einleitung

Tarifverträge bestimmen in vielen Betrieben des Metallhandwerks wichtige Arbeits- und Ausbildungsbedingungen. Für angehende Schmiedinnen und Schmiede ist das besonders relevant, weil der traditionelle Berufsname Schmied in Deutschland heute meist Tätigkeiten des anerkannten Ausbildungsberufs Metallbauer/in – Fachrichtung Metallgestaltung bezeichnet. Diese duale Ausbildung dauert regulär dreieinhalb Jahre. Zu den fachlichen Arbeiten gehören unter anderem Schmieden, Biegen, Treiben, Nieten, Schweißen, Wärmebehandeln, Oberflächenbehandeln, Montieren und Restaurieren.

Ein Tarifvertrag kann zum Beispiel die Höhe der Ausbildungsvergütung, die regelmäßige Arbeitszeit, Zuschläge, Urlaub, Sonderzahlungen oder die Eingruppierung nach der Gesellenprüfung regeln. Es gibt jedoch keinen einzigen bundesweit einheitlichen Schmiede-Tarifvertrag. Entscheidend sind der Betrieb, das Handwerk, das Tarifgebiet, die Tarifbindung, der persönliche Geltungsbereich und die jeweils aktuelle Fassung des einschlägigen Tarifvertrags. Du lernst deshalb in diesem aiMOOC nicht nur Begriffe, sondern vor allem eine sichere Prüfmethode für Deinen eigenen Ausbildungsbetrieb.

Warmumformen eines glühenden Werkstücks am Amboss
Warmumformen eines glühenden Werkstücks am Amboss

Hinweis zum Video: Das Video zeigt eine Ausbildung mit Schmiedearbeiten in der Schweiz. Die handwerklichen Tätigkeiten sind anschaulich, die dortigen Berufsbezeichnungen und Rechtsregeln dürfen jedoch nicht ungeprüft auf Deutschland übertragen werden.


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. Tarifverträge von Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung und Gesetz unterscheiden.
  2. die Begriffe Tarifautonomie, Tarifvertragsparteien, Tarifbindung, Geltungsbereich, Entgelttarifvertrag und Manteltarifvertrag fachlich richtig verwenden.
  3. prüfen, ob ein Tarifvertrag auf ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis im Metallhandwerk anwendbar sein kann.
  4. tarifliche Regelungen zu Ausbildungsvergütung, Arbeitszeit, Urlaub, Zuschlägen und Eingruppierung auffinden und erläutern.
  5. regionale Tariftabellen kritisch lesen und dabei Stichtag, Laufzeit und Tarifgebiet beachten.
  6. typische Konfliktfälle aus der Schmiedewerkstatt rechtlich strukturiert beurteilen.


Beruflicher Bezug: Schmied und Metallgestaltung

Der historische Schmiedeberuf lebt in modernen Arbeitsfeldern weiter. Im Handwerk ist besonders die Fachrichtung Metallgestaltung des Ausbildungsberufs Metallbauer/in einschlägig. Gefertigt werden beispielsweise Gitter, Tore, Geländer, Beschläge, Leuchten, Skulpturen und restaurierte Metallobjekte. Verarbeitet werden unter anderem Baustähle, legierte Stähle und Kupferlegierungen. Das Warmumformen am Amboss ist dabei nur ein Teil eines breiten beruflichen Tätigkeitsfelds.

Hammer auf glühendem Metall: Schmiedearbeit als Teil der Metallgestaltung
Hammer auf glühendem Metall: Schmiedearbeit als Teil der Metallgestaltung

Tarifrechtlich ist nicht allein entscheidend, welche einzelne Tätigkeit Du gerade ausführst. Maßgeblich ist vor allem, welchem fachlichen Tarifbereich der Betrieb zugeordnet ist. Ein Betrieb kann etwa unter einen Tarifvertrag für das Metallbauerhandwerk, das metallverarbeitende Handwerk oder einen verwandten regionalen Tarifbereich fallen. Die umgangssprachliche Aussage „Ich bin Schmied, also gilt Tarif X“ reicht deshalb nicht aus.


Praxisbeispiel

Du absolvierst eine Ausbildung in einer Kunstschmiede. Der Betrieb fertigt handgeschmiedete Geländer, restauriert historische Beschläge und montiert Metallbauteile. Im Ausbildungsvertrag steht ein allgemeiner Hinweis auf anwendbare Tarifverträge. Um Deine Ansprüche zu klären, musst Du mindestens folgende Punkte prüfen: genaue Betriebszuordnung, Sitz oder Arbeitsort, Mitgliedschaft des Arbeitgebers im zuständigen Arbeitgeberverband beziehungsweise eine andere Form der Tarifbindung, Deine Gewerkschaftsmitgliedschaft, mögliche arbeitsvertragliche Bezugnahme, zeitliche Gültigkeit und persönlichen Geltungsbereich.


Grundlagen des Tarifrechts


Was ist ein Tarifvertrag?

Ein Tarifvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen tariffähigen Parteien. Auf Arbeitnehmerseite steht in der Regel eine Gewerkschaft, im Metallhandwerk häufig die IG Metall. Auf Arbeitgeberseite kann ein einzelner Arbeitgeber oder ein Arbeitgeberverband stehen. Tarifverträge regeln Rechte und Pflichten der Tarifvertragsparteien und enthalten Rechtsnormen über Arbeitsbedingungen.

Die verfassungsrechtliche Grundlage bildet die Koalitionsfreiheit. Sie schützt das Recht, Vereinigungen zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zu bilden. Daraus folgt die Tarifautonomie: Gewerkschaften und Arbeitgeber beziehungsweise Arbeitgeberverbände handeln Tarifverträge grundsätzlich eigenständig aus.


Tarifvertragsparteien

Tarifvertragsparteien sind die Organisationen oder Arbeitgeber, die den Tarifvertrag abschließen. Typisch sind:

  1. Gewerkschaft: bündelt Interessen der Beschäftigten und Mitglieder.
  2. Arbeitgeberverband: handelt für seine tarifgebundenen Mitgliedsbetriebe.
  3. Arbeitgeber: kann mit einer Gewerkschaft einen Haustarifvertrag abschließen.

Der Betriebsrat ist keine Tarifvertragspartei. Er kann Betriebsvereinbarungen abschließen und die Einhaltung geltender Gesetze, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen überwachen. Eine Handwerkskammer schließt ebenfalls nicht automatisch den einschlägigen Tarifvertrag ab; sie ist jedoch eine wichtige Stelle für Fragen zur Berufsausbildung.


Arten von Tarifverträgen

Flächentarifvertrag: Er gilt für eine Branche oder ein Handwerk in einem bestimmten räumlichen Tarifgebiet, sofern die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind.

Haus- oder Firmentarifvertrag: Er wird für einen einzelnen Betrieb oder ein Unternehmen abgeschlossen.

Manteltarifvertrag: Er enthält längerfristige Rahmenbedingungen, zum Beispiel regelmäßige Arbeitszeit, Zuschläge, Urlaub, Freistellungen oder Kündigungsfristen.

Entgelt- oder Lohntarifvertrag: Er legt Entgeltgruppen, Stunden- oder Monatsentgelte und häufig die Laufzeit der Entgelttabelle fest.

Tarifvertrag über Ausbildungsvergütungen: Er bestimmt die Vergütung nach Ausbildungsjahren und kann weitere ausbildungsbezogene Regelungen enthalten.

Die Bezeichnungen unterscheiden sich regional. Deshalb ist der vollständige Titel des konkreten Tarifdokuments wichtiger als eine bloße Kurzbezeichnung.

Amboss und Hammer als Symbol des Schmiedehandwerks
Amboss und Hammer als Symbol des Schmiedehandwerks


Vier Geltungsbereiche prüfen

Ein Tarifvertrag enthält regelmäßig mehrere Geltungsbereiche:

  1. Räumlicher Geltungsbereich: zum Beispiel ein Bundesland, ein Landesteil oder eine bestimmte Region.
  2. Fachlicher Geltungsbereich: erfasst die beschriebenen Betriebe, Gewerke oder Tätigkeitsbereiche.
  3. Persönlicher Geltungsbereich: nennt die erfassten Personengruppen, etwa gewerbliche Beschäftigte, Angestellte oder Auszubildende.
  4. Zeitlicher Geltungsbereich: bestimmt Beginn, Laufzeit und Kündbarkeit.

Erst wenn der konkrete Fall in diese Bereiche fällt, kommt eine Anwendung des Tarifvertrags in Betracht. Tariftabellen ohne Titelblatt, Geltungsbereich und Standdatum sind daher nur eingeschränkt aussagekräftig.


Wann gilt ein Tarifvertrag?

Die unmittelbare und zwingende Wirkung eines Tarifvertrags setzt grundsätzlich Tarifgebundenheit und die Erfassung durch den Geltungsbereich voraus. Typischerweise ist der Arbeitgeber Mitglied des tarifschließenden Arbeitgeberverbands und die beschäftigte Person Mitglied der tarifschließenden Gewerkschaft. Ein Haustarifvertrag bindet den tarifschließenden Arbeitgeber unmittelbar.

Darüber hinaus kann ein Arbeits- oder Ausbildungsvertrag die Anwendung eines Tarifvertrags durch eine Bezugnahmeklausel vereinbaren. Außerdem kann ein Tarifvertrag unter gesetzlichen Voraussetzungen für allgemeinverbindlich erklärt werden. Dann werden auch bisher nicht tarifgebundene Arbeitgeber und Beschäftigte innerhalb seines Geltungsbereichs erfasst.

Eine betriebliche Übung oder Gleichbehandlung kann in der Praxis ebenfalls dazu führen, dass tarifähnliche Leistungen gewährt werden. Das ist jedoch nicht dasselbe wie eine normative Tarifbindung. Formulierungen im Vertrag müssen deshalb genau gelesen werden.


Tarifvertrag, Gesetz und Einzelvertrag

Gesetze setzen zwingende Mindeststandards, etwa durch das Berufsbildungsgesetz, das Arbeitszeitgesetz, das Bundesurlaubsgesetz oder für Minderjährige durch das Jugendarbeitsschutzgesetz. Tarifverträge können diese Standards konkretisieren und häufig verbessern.

Das Günstigkeitsprinzip bedeutet vereinfacht: Eine abweichende einzelvertragliche Regelung kann gegenüber einer zwingenden Tarifnorm bestehen, wenn sie für die beschäftigte Person günstiger ist. Ob eine Regelung wirklich günstiger ist, wird nicht beliebig nach einzelnen Vorteilen herausgepickt, sondern anhand sachlich zusammengehöriger Regelungsbereiche verglichen.

Nach Ablauf eines Tarifvertrags können seine Rechtsnormen unter Voraussetzungen nachwirken, bis sie durch eine andere Abmachung ersetzt werden. Für einen konkreten Anspruch müssen deshalb stets Tariftext, Laufzeit, Nachwirkung und mögliche Nachfolgeregelung geprüft werden.


Was Tarifverträge im Metallhandwerk regeln können


Ausbildungsvergütung

Für Auszubildende ist die tarifliche Ausbildungsvergütung besonders wichtig. Sie ist meist nach Ausbildungsjahren gestaffelt. Im Beruf Metallbauer/in – Fachrichtung Metallgestaltung gibt es wegen der dreieinhalbjährigen Ausbildungsdauer regelmäßig vier Vergütungsstufen. Die konkreten Beträge unterscheiden sich nach Tarifgebiet und Stichtag.

Nach dem Berufsbildungsrecht muss die Vergütung angemessen sein und mit fortschreitender Ausbildung mindestens jährlich ansteigen. Selbst wenn der Ausbildungsbetrieb nicht tarifgebunden ist, kann die einschlägige tarifliche Vergütung für die Beurteilung der Angemessenheit bedeutsam sein. Eine tarifliche Vergütung sollte daher nie ohne Prüfung durch einen beliebigen Internetwert ersetzt werden.

Brutto bezeichnet die Vergütung vor gesetzlichen Abzügen. Netto ist der tatsächlich ausgezahlte Betrag nach Abzügen. Tarifverträge nennen üblicherweise Bruttobeträge.


Arbeitszeit, Berufsschule und Mehrarbeit

Ein Manteltarifvertrag kann die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit, Arbeitszeitkonten, Beginn und Ende der Arbeitszeit, Pausen sowie Zuschläge für Mehrarbeit, Nacht-, Sonn- oder Feiertagsarbeit regeln. Für Auszubildende gelten zusätzlich die Vorschriften zur Freistellung und Anrechnung der Berufsschulzeit.

Berufsschulunterricht, vorgeschriebene Prüfungen und bestimmte außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen sind nach den gesetzlichen Regeln auf die Ausbildungszeit anzurechnen. Eine Beschäftigung über die vereinbarte regelmäßige Ausbildungszeit hinaus ist besonders zu vergüten oder durch entsprechende Freizeit auszugleichen. Für unter 18-Jährige gelten strengere Schutzvorschriften des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

In einer Schmiede sind Rüstzeiten, betriebliche Unterweisungen, notwendige Wege innerhalb des Betriebs sowie angeordnete Vor- und Nacharbeiten nicht einfach als „private Zeit“ zu behandeln. Ob und wie sie als Arbeits- oder Ausbildungszeit zählen, muss anhand des konkreten Sachverhalts und der geltenden Regelungen geprüft werden.

Gemeinsame Schmiedearbeit verlangt klare Absprachen zu Arbeitszeit und Sicherheit
Gemeinsame Schmiedearbeit verlangt klare Absprachen zu Arbeitszeit und Sicherheit


Urlaub, Zuschläge und Sonderzahlungen

Tarifverträge können einen höheren Urlaubsanspruch als das gesetzliche Minimum vorsehen. Daneben kommen zusätzliches Urlaubsgeld, Jahressonderzahlungen, vermögenswirksame Leistungen, Auslöse, Fahrtkostenregelungen oder besondere Freistellungstage in Betracht. Solche Ansprüche sind nicht automatisch in jedem Metallhandwerksbetrieb gleich.

Urlaubsentgelt ist die Fortzahlung der Vergütung während des Urlaubs. Urlaubsgeld ist eine zusätzliche Leistung, die einer gesonderten Anspruchsgrundlage bedarf. Diese Fachbegriffe dürfen nicht verwechselt werden.

Zuschläge setzen häufig bestimmte Tatbestände und eine dokumentierte Arbeitszeit voraus. Wer Ansprüche prüfen will, sollte Dienstpläne, Stundennachweise, Lohnabrechnungen und betriebliche Anordnungen geordnet aufbewahren.


Eingruppierung nach der Ausbildung

Nach bestandener Gesellenprüfung endet die Rolle als Auszubildende oder Auszubildender. Bei einer Übernahme wird die Vergütung nicht mehr nach der Ausbildungsstufe, sondern nach der einschlägigen Lohn- oder Entgeltgruppe bestimmt.

Die Eingruppierung richtet sich nach den Tätigkeitsmerkmalen des Tarifvertrags. Entscheidend ist regelmäßig die tatsächlich übertragene und auszuübende Tätigkeit, nicht nur eine frei gewählte Berufsbezeichnung. Berufserfahrung, Gesellenjahre, besondere Verantwortung oder fachliche Führung können je nach Tarifwerk eine Rolle spielen.

Beispiel: Wer selbstständig gestaltete Bauteile anfertigt, Arbeitsabläufe plant, Schweiß- und Schmiedearbeiten ausführt und andere fachlich anleitet, kann andere Tätigkeitsmerkmale erfüllen als eine Hilfskraft. Die genaue Gruppe darf jedoch nur aus dem aktuell geltenden regionalen Tariftext abgeleitet werden.


Arbeitsschutz bleibt eigenständig

Tarifverträge ersetzen keine Gefährdungsbeurteilung und keine fachgerechte Unterweisung. Beim Schmieden bestehen unter anderem Gefährdungen durch Hitze, Funkenflug, Lärm, schwere Werkstücke, Quetschstellen, Rauch, Gase und bewegte Werkzeuge. Persönliche Schutzausrüstung, Absaugung, sichere Werkzeugführung und geeignete Arbeitsorganisation bleiben verpflichtend.

Schmiedehammer: Werkzeugwahl und sichere Handhabung gehören zur beruflichen Handlungskompetenz
Schmiedehammer: Werkzeugwahl und sichere Handhabung gehören zur beruflichen Handlungskompetenz

Arbeits- und Gesundheitsschutz kann tariflich ergänzt werden, beispielsweise durch Regelungen zu Schutzkleidung, Erholungszeiten oder besonderen Belastungen. Die konkrete Schutzmaßnahme richtet sich aber vor allem nach staatlichem Arbeitsschutzrecht, Unfallverhütungsvorschriften, Gefährdungsbeurteilung und betrieblicher Unterweisung.


Regionale Unterschiede und aktuelle Tarifprüfung

Im Metallhandwerk werden Tarifverträge regional abgeschlossen. Schon benachbarte Tarifgebiete können unterschiedliche Entgelte, Wochenarbeitszeiten, Urlaubstage, Sonderzahlungen und Laufzeiten vorsehen. Zudem kann der fachliche Zuschnitt verschieden sein: Ein Tarifwerk kann Metallbauer-, Feinwerkmechaniker- oder weitere Metallhandwerke gemeinsam erfassen, während ein anderes Tarifgebiet anders gegliedert ist.

Aktuelle Tariftabellen sind deshalb immer eine Momentaufnahme. Prüfe mindestens:

  1. vollständiger Name des Tarifvertrags und Tarifparteien,
  2. Tarifgebiet und fachlicher Geltungsbereich,
  3. Personengruppe und Ausbildungsjahr,
  4. gültiger Stichtag und Laufzeit,
  5. Tarifbindung oder Bezugnahmeklausel,
  6. mögliche Änderung durch einen neueren Abschluss.
Betriebsart und Standort beeinflussen, welcher Tarifbereich zu prüfen ist
Betriebsart und Standort beeinflussen, welcher Tarifbereich zu prüfen ist


Prüfschema für Deinen Ausbildungsbetrieb

Schritt 1 – Vertrag lesen: Suche im Ausbildungsvertrag nach Hinweisen auf Tarifverträge, Vergütung, Arbeitszeit, Urlaub, Mehrarbeit und Ausgleich.

Schritt 2 – Betrieb einordnen: Kläre das überwiegende Tätigkeitsfeld des Betriebs und seine Innungs- oder Verbandszugehörigkeit. Die einzelne Bezeichnung „Schmiede“ genügt nicht.

Schritt 3 – Tarifgebiet bestimmen: Prüfe, welches räumliche Tarifgebiet der Tarifvertrag nennt. Sitz, Niederlassung und tatsächlicher Arbeitsort können relevant sein.

Schritt 4 – Tarifbindung klären: Frage sachlich nach, ob der Betrieb tarifgebunden ist, welcher Tarifvertrag angewendet wird und ob eine Bezugnahmeklausel besteht.

Schritt 5 – Originaltext vergleichen: Nutze den aktuellen Tariftext oder eine verlässliche Tariftabelle. Vergleiche nicht nur die Vergütung, sondern auch Arbeitszeit, Urlaub, Zuschläge und Sonderzahlungen.

Schritt 6 – Beratung einholen: Bei Unklarheiten helfen je nach Frage die zuständige Gewerkschaft, der Betriebsrat, die Jugend- und Auszubildendenvertretung, die Handwerkskammer oder eine qualifizierte Rechtsberatung.


Fallanalyse: Eine Stunde länger an der Esse

Ein Auszubildender soll wegen eines eiligen Geländers an drei Abenden jeweils eine Stunde länger schmieden. Der Meister sagt, das gehöre zur Lernbereitschaft und werde nicht erfasst.

Eine fachlich saubere Prüfung lautet:

  1. War die zusätzliche Zeit angeordnet, geduldet oder objektiv erforderlich?
  2. Überschreitet sie die vereinbarte regelmäßige Ausbildungszeit?
  3. Welche gesetzlichen, tariflichen und vertraglichen Arbeitszeitregeln gelten?
  4. Wie wird die Zeit dokumentiert?
  5. Ist Vergütung oder entsprechender Freizeitausgleich vorgesehen?
  6. Ist der Auszubildende minderjährig und deshalb besonders geschützt?
  7. Bleiben Ruhezeiten, Arbeitsschutz und Ausbildungszweck gewahrt?

Das Ergebnis darf nicht allein aus der Werkstattgewohnheit abgeleitet werden. Entscheidend sind die anwendbaren Normen und der dokumentierte Sachverhalt.


Tarifverhandlungen und betriebliche Interessenvertretung

Tarifverhandlungen beginnen häufig mit Forderungen, die von Mitgliedern und Tarifkommissionen beraten werden. Gewerkschaft und Arbeitgeberseite verhandeln über ein Ergebnis. Scheitern Verhandlungen, können nach den rechtlichen und satzungsmäßigen Voraussetzungen Arbeitskampfmaßnahmen folgen. Ein Abschluss wird schriftlich vereinbart und hat eine bestimmte Laufzeit.

Auszubildende können ihre Interessen über Gewerkschaftsjugend, Jugend- und Auszubildendenvertretung und Betriebsrat einbringen. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung setzt einen bestehenden Betriebsrat und die gesetzlichen Voraussetzungen voraus. Sie schließt selbst keinen Tarifvertrag ab, kann aber Anliegen der Auszubildenden sichtbar machen.


Warum Tarifwissen zur Fachkompetenz gehört

Berufliche Handlungskompetenz umfasst nicht nur das Formen von Metall. Du musst auch Arbeitsaufträge planen, Zeiten dokumentieren, Abrechnungen verstehen, Rechte und Pflichten einordnen und bei Unklarheiten professionell kommunizieren. Wer einen Tarifvertrag lesen kann, erkennt beispielsweise:

  1. ob die richtige Ausbildungsstufe verwendet wurde,
  2. ob eine Entgelterhöhung ab dem richtigen Monat berücksichtigt ist,
  3. ob Mehrarbeit korrekt ausgeglichen wurde,
  4. ob Urlaubsgeld und Urlaubsentgelt verwechselt wurden,
  5. ob nach der Gesellenprüfung die passende Eingruppierung geprüft wurde.

Tarifwissen stärkt damit Selbstständigkeit, Zusammenarbeit und wirtschaftliches Verständnis im Betrieb.


Quellen und Aktualität

Tarifstände ändern sich. Dieser Lernkurs vermittelt deshalb vor allem Begriffe und Prüfschritte. Für konkrete Beträge und Ansprüche ist stets die aktuelle Fassung maßgeblich.

  1. Tarifvertragsgesetz
  2. Berufsbildungsgesetz
  3. Tariftabellen für Metall- und Elektrobranchen sowie Handwerke
  4. Informationen zur Allgemeinverbindlicherklärung
  5. BERUFENET: Metallbauer/in – Fachrichtung Metallgestaltung


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt einen Flächentarifvertrag am besten? (Er gilt für eine Branche oder ein Handwerk in einem bestimmten Tarifgebiet, wenn die Anwendungsvoraussetzungen erfüllt sind) (!Er gilt automatisch für jeden Betrieb in Deutschland) (!Er wird ausschließlich vom Betriebsrat abgeschlossen) (!Er enthält nur Regeln zum Arbeitsschutz)




Wer ist auf Arbeitnehmerseite typischerweise Tarifvertragspartei? (Eine Gewerkschaft) (!Eine Handwerkskammer) (!Eine Berufsschulklasse) (!Eine Jugend- und Auszubildendenvertretung)




Welche Angabe gehört zum räumlichen Geltungsbereich? (Das erfasste Tarifgebiet) (!Die Tätigkeit am Amboss) (!Das Ausbildungsjahr) (!Die Laufzeit des Vertrags)




Was regelt ein Manteltarifvertrag typischerweise? (Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit und Urlaub) (!Nur die chemische Zusammensetzung von Stahl) (!Ausschließlich Prüfungsnoten) (!Nur die Verkaufspreise eines Betriebs)




Wie heißt der anerkannte Ausbildungsberuf, der heute häufig mit dem handwerklichen Schmied verbunden ist? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Industriekaufmann Fachrichtung Schmiede) (!Werkstoffprüfer Fachrichtung Holz) (!Elektroniker Fachrichtung Textil)




Welche Aussage zur Ausbildungsvergütung ist richtig? (Sie ist grundsätzlich als Bruttobetrag zu betrachten und steigt mit fortschreitender Ausbildung mindestens jährlich) (!Sie darf während der gesamten Ausbildung unverändert bleiben) (!Sie wird ausschließlich von der Berufsschule festgelegt) (!Sie ist immer in allen Bundesländern gleich)




Was ist eine Bezugnahmeklausel? (Eine Vertragsregelung, die auf einen Tarifvertrag verweist) (!Eine Liste der Schmiedewerkzeuge) (!Eine Vorschrift zur Werkstücktemperatur) (!Ein Beschluss der Berufsschulkonferenz)




Was bedeutet Eingruppierung im tariflichen Sinn? (Die Zuordnung einer Tätigkeit zu einer Lohn- oder Entgeltgruppe) (!Die Einteilung der Klasse in Lerngruppen) (!Die Lagerung von Werkstücken nach Größe) (!Die Auswahl einer Schutzbrille)




Was ist Urlaubsgeld? (Eine zusätzliche Leistung mit eigener Anspruchsgrundlage) (!Die normale Vergütungsfortzahlung während des Urlaubs) (!Ein gesetzlich immer gleich hoher Betrag) (!Eine Zahlung der Berufsschule)




Welche Vorgehensweise ist bei einer Tariftabelle fachlich richtig? (Tarifgebiet, Geltungsbereich, Stichtag und Tarifbindung prüfen) (!Nur den höchsten Tabellenwert auswählen) (!Eine beliebige Tabelle aus einem anderen Bundesland verwenden) (!Den Titel und das Datum ignorieren)





Memory

Tarifautonomie Eigenständiges Aushandeln von Tarifverträgen
Gewerkschaft Interessenvertretung auf Arbeitnehmerseite
Arbeitgeberverband Zusammenschluss tarifgebundener Betriebe
Manteltarifvertrag Rahmenregeln zu Arbeitsbedingungen
Entgelttarifvertrag Tabellen und Gruppen der Vergütung
Bezugnahmeklausel Verweis im Einzelvertrag
Geltungsbereich Abgrenzung der erfassten Fälle
Nachwirkung Fortgeltung nach Tarifablauf bis zur Ablösung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung im Tarifrecht
Räumlicher Geltungsbereich Erfasstes Tarifgebiet
Fachlicher Geltungsbereich Erfasste Betriebe und Gewerke
Persönlicher Geltungsbereich Erfasste Beschäftigtengruppen
Zeitlicher Geltungsbereich Beginn und Laufzeit
Ausbildungsvergütung Bruttobetrag nach Ausbildungsjahr
Eingruppierung Zuordnung zu einer Entgeltgruppe
Freizeitausgleich Ausgleich zusätzlicher Ausbildungszeit






Kreuzworträtsel

Tarifvertrag Welche schriftliche Vereinbarung regelt Arbeitsbedingungen zwischen Tarifparteien?
Gewerkschaft Welche Organisation vertritt Beschäftigte in Tarifverhandlungen?
Arbeitgeberverband Welcher Zusammenschluss verhandelt häufig für Betriebe?
Entgelt Wie lautet der Fachbegriff für tariflich geregelte Bezahlung?
Geltungsbereich Welcher Begriff grenzt räumlich fachlich persönlich und zeitlich ab?
Nachwirkung Wie heißt die mögliche Fortgeltung nach Ablauf eines Tarifvertrags?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der traditionelle Schmiedeberuf wird in Deutschland heute häufig durch den Ausbildungsberuf Metallbauer Fachrichtung

abgebildet.
Ein Tarifvertrag wird auf Arbeitnehmerseite typischerweise von einer

abgeschlossen.
Die eigenständige Regelung von Arbeitsbedingungen durch Tarifparteien heißt

.
Ein regionaler Branchentarifvertrag wird häufig als

bezeichnet.
Der Bereich mit Regeln zu Arbeitszeit und Urlaub steht oft im

.
Die Vergütung während der Ausbildung heißt

.
Der Verweis im Ausbildungsvertrag auf ein Tarifwerk ist eine

.
Die Zuordnung einer Tätigkeit zu einer tariflichen Gruppe heißt

.
Der räumliche fachliche persönliche und zeitliche Rahmen bildet den

.
Zusätzliche Ausbildungszeit ist besonders zu vergüten oder durch entsprechende

auszugleichen.
Die Fortgeltung von Tarifnormen nach Ablauf kann als

bezeichnet werden.
Für aktuelle Beträge müssen Tarifgebiet und

geprüft werden.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Tarifbegriffe-Kartei: Gestalte zwölf Karteikarten mit Fachbegriff, Definition und einem Beispiel aus einer Schmiedewerkstatt.
  2. Ausbildungsvertrag prüfen: Markiere in einem anonymisierten Mustervertrag Regelungen zu Vergütung, Arbeitszeit, Urlaub, Mehrarbeit und Tarifverweis.
  3. Medienanalyse Schmied: Untersuche eines der eingebetteten Schmiedevideos und trenne sichtbare Facharbeit von Aussagen über Arbeitsbedingungen.
  4. Tarifgebiet recherchieren: Ermittle, welche Stelle in Deiner Region Auskunft über Tarifverträge des Metallhandwerks geben kann, und dokumentiere den Rechercheweg.


Standard

  1. Tariftabelle auswerten: Wähle eine aktuelle regionale Tariftabelle und erstelle ein Datenblatt mit Tarifparteien, Geltungsbereich, Laufzeit und Ausbildungsstufen.
  2. Abrechnung kontrollieren: Entwickle eine fiktive Ausbildungsabrechnung und kennzeichne Bruttovergütung, Zuschlag, Abzug und Nettoauszahlung.
  3. Interview im Betrieb: Führe ein vorbereitetes Interview mit Ausbilder/in, Betriebsrat oder Jugend- und Auszubildendenvertretung über Arbeitszeitdokumentation und Tarifpraxis.
  4. Erklärvideo Tarifbindung: Produziere ein höchstens dreiminütiges Video, das Tarifbindung, Bezugnahmeklausel und Allgemeinverbindlichkeit anhand dreier Werkstattfälle unterscheidet.


Schwer

  1. Fallgutachten Mehrarbeit: Beurteile den Fall „Eine Stunde länger an der Esse“ in einem strukturierten Gutachten mit Sachverhalt, Prüfmaßstäben, Argumenten und Ergebnis.
  2. Tarifvergleich Regionen: Vergleiche zwei aktuelle Tarifgebiete des Metallhandwerks, ohne nur Geldbeträge gegenüberzustellen. Berücksichtige Arbeitszeit, Urlaub, Sonderzahlungen und Laufzeit.
  3. Eingruppierungsprojekt: Formuliere drei Tätigkeitsprofile nach der Gesellenprüfung und begründe anhand eines echten Tarifwerks, welche Tätigkeitsmerkmale geprüft werden müssten.
  4. Ausbildungsversammlung planen: Entwickle eine sachliche Präsentation für Auszubildende zu Rechten, Ansprechpartnern und Dokumentation. Baue ein anonymes Rückmeldesystem ein.




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Lernkontrolle

  1. Transferfall Tarifgebiet: Ein Betrieb zieht während Deiner Ausbildung in ein anderes Bundesland um. Erkläre, welche Informationen Du neu prüfen musst und warum ein automatischer Tabellenwechsel nicht angenommen werden darf.
  2. Vergleich von Normen: Ein Arbeitsvertrag nennt 28 Urlaubstage, ein anwendbarer Tarifvertrag 30. Entwickle ein begründetes Prüfschema, ohne Dich auf eine bloße Zahlenauswahl zu beschränken.
  3. Kommunikationsaufgabe: Formuliere ein professionelles Gespräch mit dem Ausbilder, wenn eine tarifliche Erhöhung auf der Abrechnung zu fehlen scheint. Berücksichtige Dokumente, Fragen und Eskalationsstufen.
  4. Werkstattorganisation: Entwickle ein rechtssicheres und praxistaugliches Verfahren zur Erfassung angeordneter Mehrarbeit in einer kleinen Schmiede.
  5. Eingruppierungsanalyse: Begründe, warum Berufsbezeichnung, Gesellenbrief und tatsächlich übertragene Tätigkeit bei einer Eingruppierung unterschiedliche Rollen spielen.
  6. Medienkritik: Bewerte eine Internetseite mit Gehaltsangaben für Schmiede. Leite Qualitätskriterien ab, mit denen Du Tarifgebiet, Aktualität, Brutto-Netto-Bezug und Quellenlage prüfst.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind wichtig:

  1. korrekte Verwendung der zentralen Fachbegriffe des Tarifrechts,
  2. sichere Unterscheidung von Tarifvertrag, Gesetz, Betriebsvereinbarung und Einzelvertrag,
  3. Anwendung des Vier-Geltungsbereiche-Schemas,
  4. begründete Prüfung von Tarifbindung und Bezugnahmeklausel,
  5. sachgerechte Auswertung einer aktuellen Tariftabelle,
  6. Transfer auf Ausbildungsvergütung, Arbeitszeit, Mehrarbeit, Urlaub und Eingruppierung,
  7. nachvollziehbare Quellenangaben mit Standdatum,
  8. klare und respektvolle Kommunikation eines betrieblichen Klärungsbedarfs.

Als Lernprodukt eignet sich ein Portfolio aus Tarifsteckbrief, Fallanalyse, Abrechnungsprüfung und Reflexion. Persönliche Daten und betriebliche Geschäftsgeheimnisse müssen anonymisiert werden.




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  17. Arbeitsheft
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