Take That - Babe

Take That - Babe
Take That – Babe
Einleitung
Babe ist eine 1993 veröffentlichte Popballade der britischen Gruppe Take That. Das Stück stammt aus dem zweiten Studioalbum Everything Changes und wurde von Gary Barlow geschrieben. Eine besonders auffällige Besonderheit ist die Rollenverteilung: Nicht Barlow oder Robbie Williams, sondern Mark Owen übernimmt den Leadgesang. Die offizielle Bandseite bezeichnet Babe als vierte Single des Albums; die Official Charts dokumentieren für die britische Single Platz 1 und zehn Wochen in den Top 100.[1][2]
Dieser aiMOOC untersucht die konkrete Aufnahme möglichst quellenkritisch: Entstehung, historischer Kontext, Komposition, Tonalität, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion, Songform, Textthemen, Bildsprache, Musikvideo, Rezeption und die Stellung des Liedes im Werk von Take That. Geschützte Liedtexte und die Originalpartitur werden nicht vollständig wiedergegeben. Kurze Notenbeispiele der MediaWiki-Extension Score sind ausschließlich selbst erstellte Analysemodelle und keine Transkription der geschützten Melodie.

Take That bei der Circus Tour 2009. Das Foto liegt auf Wikimedia Commons unter CC BY 2.0; die Lizenzangaben stehen auf der Dateiseite.
Hörbeispiel: offizielles Musikvideo
Das folgende Video stammt vom offiziellen YouTube-Kanal von Take That. Es wird nur eingebettet und nicht neu hochgeladen. Die 2024 veröffentlichte HD-Fassung zeigt das historische Musikvideo in restaurierter Bildqualität.
Achte beim Hören zunächst auf drei Dinge: die dunkle Grundfarbe der Harmonik, Mark Owens vergleichsweise verletzlich wirkenden Leadgesang und die langsame Steigerung von einer atmosphärischen Einleitung zu einem dichter orchestrierten Schluss.
Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext
Babe entstand in einer Phase, in der Take That vom erfolgreichen britischen Boyband-Projekt zu einem der größten Pop-Acts des Landes wurden. Das Album Everything Changes erschien im Oktober 1993 und erreichte Platz 1 der britischen Albumcharts. Pray und Relight My Fire hatten bereits die Spitze der britischen Singlecharts erreicht; Babe folgte im Dezember 1993 und wurde der dritte britische Nummer-eins-Hit der Gruppe in Folge.[2][3]
Der Zeitpunkt unmittelbar vor Weihnachten war kommerziell bedeutsam. Babe verdrängte Mr Blobby zunächst von Platz 1, wurde aber in der folgenden Chartwoche wieder von diesem Titel überholt. Deshalb war Babe trotz seiner Nummer-eins-Platzierung nicht die britische Weihnachts-Nummer-eins von 1993.[1][3]
Quellenkritischer Hinweis: Beim exakten Veröffentlichungsdatum widersprechen sich etablierte Quellen. Die offizielle Take-That-Seite nennt den 13. Dezember 1993, während zeitgenössisch referenzierte Diskografien und der deutschsprachige Wikipedia-Artikel den 6. Dezember 1993 nennen. Die Official Charts setzen den ersten Chart-Eintrag auf die Woche vom 18. Dezember 1993.[1][2] Für diesen aiMOOC ist deshalb die Formulierung Dezember 1993 die sicherste Angabe, sofern nicht ausdrücklich über die unterschiedlichen Datierungen gesprochen wird.
Entstehung für Mark Owen
Eine besonders aufschlussreiche Quelle ist Gary Barlows Autobiografie My Take, aus der der Irish Independent im Zusammenhang mit Babe zitiert. Danach hatte Manager Nigel Martin-Smith Barlow ausdrücklich angeregt, Mark Owen ein eigenes Lied auf dem Album zu geben. Barlow begann die Arbeit an Babe während einer Reise nach Japan. Derselbe Bericht hält fest, dass Babe die erste Take-That-Single mit Owen als Leadsänger war.[4]

Mark Owen, der Leadsänger von Babe. Das frei lizenzierte Porträt stammt von Wikimedia Commons.
Mindestens drei belegte Besonderheiten dieser Aufnahme
| Besonderheit | Beleg | Bedeutung für die Analyse |
|---|---|---|
| Mark Owen singt die Leadstimme | MusicBrainz führt Mark Owen als Leadgesang und Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange und Robbie Williams als weitere Stimmen. Official Charts bezeichnet Babe als erste Take-That-Single mit Owen als Frontstimme.[5][3] | Dadurch erhält die Aufnahme eine andere Klangidentität als viele frühe Singles mit Barlow oder Williams im Vordergrund. |
| Jason Orange begann im Zusammenhang mit Babe Gitarre zu spielen | Der Irish Independent referiert Barlows Autobiografie: Babe sei für Orange wichtig gewesen, weil er bei diesem Stück zur Gitarre fand. Barlow habe Teile des Songs außerdem so angelegt, dass sie zu den bereits beherrschten Akkorden und zu Owens damaligem Stimmumfang passten.[4] | Kompositorische Form und vokale Lage wurden demnach teilweise durch konkrete Fähigkeiten einzelner Bandmitglieder geprägt. |
| Albumfassung und Return Mix sind nicht identisch | Die Albumfassung wird mit etwa 4:51 bis 4:52 geführt und nennt Steve Jervier, Paul Jervier und Jonathan Wales als Produzenten sowie Mark Beswick für zusätzliche Vocal-Produktion. Die britischen Single-Tracklisten führen dagegen einen etwa 4:55 langen Return Remix; spätere Editionen nennen dafür zusätzlich Chris Porter und Dave Clayton.[5][6] | Bei Aussagen über Produktion oder Laufzeit muss deshalb geklärt werden, welche Fassung gemeint ist. |
| Telefon-/Anruf-Klangdramaturgie | Zeitgenössische und spätere Kritiken erwähnen ausdrücklich die Telefonidee beziehungsweise das Telefonmotiv der Aufnahme; sie verbindet Klanggestaltung und Erzählung.[7] | Der Song beginnt nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch: Kommunikation wird als akustisches Motiv in die Produktion integriert. |
| Das Musikvideo erzählt erstmals bei Take That eine ausgeprägte dramatische Handlung | Das Video unter der Regie von Gregg Masuak folgt einer Rückkehr- und Wiederbegegnungsgeschichte und gewann 1994 den International Viewer's Choice Award von MTV Europe.[8] | Tonaufnahme und Video verstärken gemeinsam die erzählerische Wirkung des Songs. |
Stil und Genre
Babe lässt sich als Popballade mit deutlichen Elementen des damaligen Contemporary R&B und des orchestrierten Mainstream-Pop einordnen. Der deutschsprachige Wikipedia-Artikel nennt Pop und Contemporary R&B; die Official-Charts-Retrospektive hebt melancholische Stimmung, Streicher und Vokalharmonien hervor.[9][3]
Der Klang gehört klar in den frühen 1990er-Jahre-Kontext: programmierte oder stark kontrollierte Rhythmik, Synthesizerflächen, Streicherklänge, Hallräume und dicht geschichtete Backing Vocals verbinden die Intimität einer Ballade mit der Größe einer Boyband-Produktion. Eine spätere Guardian-Rückschau fasst den Titel als eine in knapp fünf Minuten erzählte Mini-Seifenoper mit Streichern, dunklen Synthesizern und Owens zitternd wirkendem Gesang zusammen.[10]
Melodie und Harmonik
Tonalität und Tempo
Eine verbreitete analytische Einordnung setzt den Song in e-Moll. Hooktheory analysiert den Refrain in E minor und nennt etwa 72 BPM sowie einen 4/4-Takt. Andere Tempodatenbanken erfassen ungefähr 146 BPM, was demselben Puls in doppelter Zählweise entsprechen kann. Für das Hörempfinden ist die langsamere Halftime-Zählung von ungefähr 72 bis 73 Schlägen pro Minute plausibel.[11]
Mehrere Akkordtranskriptionen stimmen darin überein, dass die Strophen- und Refrainbereiche stark von Em – D – Am – B geprägt werden. In e-Moll ist dabei besonders der Dur-Akkord B beziehungsweise B7 wichtig: Durch den Ton Dis entsteht ein Leitton zum Grundton E. Dadurch bekommt die Harmonik einen deutlichen Zug zurück zur Molltonika.[12]
Score-Beispiel 1: selbst erstelltes Harmonikmodell
Hinweis: Das folgende Beispiel ist keine Originalpartitur und enthält nicht die geschützte Gesangsmelodie. Es ist ein selbst erstelltes, blockhaftes Analysemodell der häufig transkribierten Akkordfunktionen.

In Funktionsbegriffen kann man dieses Modell als i – VII – iv – V7 hören. Besonders die Dominante V7 hebt sich durch den Leitton Dis von der natürlichen e-Moll-Tonleiter ab und verstärkt die Erwartung einer Rückkehr nach Em.
Melodische Gestaltung
Hooktheory gibt für den analysierten Refrain einen Melodiebereich von ungefähr G4 bis Fis5 an und beschreibt die Melodie dort als vollständig diatonisch innerhalb der analysierten Tonart. Entscheidend ist weniger virtuose Weite als die Verbindung von wiederholbaren kurzen Motiven, schrittweiser Bewegung und emotionaler Steigerung.[11]
Höranalytisch wirkt die Leadmelodie häufig sprachähnlich: In den erzählenden Strophen bleibt sie vergleichsweise eng an der Textdeklamation, während der Refrain durch Wiederholung und längere Zieltöne stärker als Hook hervortritt. Die Melodie muss dabei gegen die dunkle Mollharmonik nicht kämpfen, sondern verstärkt deren melancholischen Charakter.
Score-Beispiel 2: selbst erfundene Moll-Kadenz
Dieses Beispiel zeigt nur das Prinzip Spannung – Dominante – Auflösung in e-Moll. Die Tonfolge stammt nicht aus Babe.

Höre darauf, wie der Ton Dis im zweiten Takt nach E strebt. Genau dieses Leittonprinzip erklärt, warum ein B-Dur- oder B7-Akkord in e-Moll besonders spannungsvoll wirkt.
Rhythmus und Metrum
Die Aufnahme steht im 4/4-Takt und besitzt den Charakter einer langsamen Popballade. Der Puls ist stabil, aber die Wahrnehmung kann zwischen etwa 72 BPM im Halftime-Gefühl und der doppelten Zählung um 144 bis 146 BPM wechseln. Die Rhythmusgruppe drängt nicht in den Vordergrund. Stattdessen stützt sie die Erzählung und wird im Verlauf dichter.
Typisch ist ein kontrollierter Backbeat: Die starken Zählzeiten strukturieren den langsamen Fluss, während Achtelbewegungen in Begleitung und Gesang die Musik vorwärts tragen. Im späteren Verlauf gewinnen Schlagzeug, Streicher und Stimmen an Dichte. Dadurch entsteht ein Crescendo, ohne dass das Grundtempo wesentlich verändert werden muss.
Score-Beispiel 3: frei erfundenes Balladen-Rhythmusmodell
Auch dieses Beispiel ist kein Ausschnitt aus der Aufnahme. Es zeigt lediglich, wie ein ruhiger 4/4-Puls durch Achtel und Viertel belebt werden kann.

Gesang
Mark Owen steht im Zentrum. MusicBrainz nennt ihn ausdrücklich als Leadsänger; Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange und Robbie Williams sind als weitere Sänger aufgeführt.[5] Das ist für die damalige Single-Diskografie bemerkenswert: Official Charts bezeichnet Babe als erste Take-That-Single mit Owen als Leadstimme.[3]
Owens Vortrag ist weniger kraftvoll-dominant als viele Barlow-Leads, dafür wirkt er bewusst verletzlich und unsicher. Diese Klangfarbe passt zur erzählten Situation: Der Sprecher kehrt nach längerer Abwesenheit zurück, weiß nicht, wie die Begegnung ausgehen wird, und stößt schließlich auf eine unerwartete familiäre Realität. Die mehrstimmigen Backing Vocals verbreitern im Refrain den Klang und verwandeln eine individuelle Erzählstimme in den typischen Ensemble-Sound der Band.

Gary Barlow und Mark Owen 2017. Das Bild steht auf Wikimedia Commons unter CC BY 2.0.
Instrumentierung und Arrangement
Für die konkrete 1993er Aufnahme sind nicht alle Instrumente in frei zugänglichen Session-Credits vollständig einzeln ausgewiesen. Deshalb muss zwischen belegten Credits und Höranalyse unterschieden werden.
Belegt sind unter anderem Mark Owen als Leadgesang, die weiteren vier Mitglieder als Stimmen, Pete Craigie als Engineer, Mark Beswick für zusätzliche Vocal-Produktion sowie Steve Jervier, Paul Jervier und Jonathan Wales als Produzenten der Albumfassung.[5]
Höranalytisch prägen folgende Schichten die Aufnahme: dunkle Synthesizerflächen, Streicher beziehungsweise streicherähnliche Arrangements, Bassfundament, eine zurückhaltende Pop-Rhythmusgruppe, mehrstimmige Backing Vocals und das Telefon-/Anruf-Sounddesign. Official Charts nennt ausdrücklich Streicher und Harmonien; der Guardian hebt zusätzlich die dunklen Synthesizer hervor.[3][10]
Der Aufbau folgt einer klaren Steigerungsdramaturgie: Die Einleitung wirkt relativ offen und atmosphärisch. Mit jeder neuen Erzählstufe treten mehr Klangschichten hinzu. Der Refrain erhält durch die Gruppenstimmen größere Breite. Der Bridge-Bereich führt zum erzählerischen Wendepunkt, danach wirkt der Schluss dichter, emotionaler und stärker auf Wiederholung ausgerichtet.
Produktion
Die Produktionsangaben sind ein gutes Beispiel dafür, warum man bei Popmusik zwischen Werk, Aufnahme, Mix und Veröffentlichungsfassung unterscheiden muss.
Für die Albumfassung von Everything Changes dokumentiert MusicBrainz bei Babe Pete Craigie als Engineer, Mark Beswick als zusätzlichen Vocal-Produzenten sowie Paul Jervier, Steve Jervier und Jonathan Wales als Produzenten.[5] Die verbreitete Singlefassung wird dagegen als Return Remix von ungefähr 4:55 geführt. In den Credits späterer Editionen erscheinen Chris Porter und Dave Clayton als zusätzliche Produzenten dieser Fassung.[6]
Das erklärt, warum Quellen gelegentlich fünf Produzentennamen zusammen nennen, während andere nur Jervier/Jervier/Wales angeben: Sie sprechen nicht immer über exakt denselben Mix.
Produzent Gary Barlow?
Gary Barlow schrieb das Lied, ist aber bei der dokumentierten Albumaufnahme nicht als Hauptproduzent des Titels genannt. Diese Unterscheidung ist für Musikanalyse wichtig: Songwriting betrifft Komposition und Text, Produktion betrifft die klangliche Realisierung der Aufnahme.

Gary Barlow, Komponist und Texter von Babe. Wikimedia Commons, CC BY 2.0.
Songform
Die genaue Taktzahl hängt von der betrachteten Fassung ab. Höranalytisch lässt sich die Aufnahme jedoch sinnvoll so gliedern:
| Abschnitt | Funktion | Hörwirkung |
|---|---|---|
| Intro | Etabliert Mollfarbe, Klangraum und Telefon-/Kommunikationsmotiv | Erwartung, Distanz, Unsicherheit |
| Strophe 1 | Beginn der Rückkehrgeschichte und Suche nach der früheren Partnerin | Erzählerisch, relativ zurückgenommen |
| Pre-Chorus | Telefonkontakt und Vorbereitung des Hooks | Zunehmende Spannung |
| Refrain | Wiederkehr der zentralen Anrede und Rückkehridee | Größere Breite durch Backing Vocals |
| Strophe 2 und Pre-Chorus | Annäherung an den Wohnort und persönliche Begegnung | Verdichtung der Erwartung |
| Refrain | Wiederholung des Hooks | Vertrautheit bei zugleich wachsender Spannung |
| Bridge / Middle Eight | Erzählerischer Wendepunkt mit der Entdeckung des Kindes | Stärkster Bedeutungswechsel des Songs |
| Erweiterter Schlussrefrain / Outro | Bitte um Wiederannäherung, Wiederholung und klangliche Steigerung | Emotionaler Höhepunkt und offenes Nachklingen |
Die Form ist also nicht nur musikalisch, sondern dramaturgisch organisiert: Jede Wiederholung des Refrains erhält durch den Fortgang der Geschichte eine leicht veränderte Bedeutung.
Textthemen und sinngemäße Übersetzung
Der Songtext erzählt keine abstrakte Liebeserklärung, sondern eine kleine Handlung. Ein Mann kehrt nach längerer Abwesenheit zu einer früher geliebten Person zurück. Zunächst findet er sie nicht mehr an ihrer alten Adresse. Er erhält eine Telefonnummer, nimmt Kontakt auf und fährt zu ihr. Bei der persönlichen Begegnung entdeckt er einen kleinen Jungen und erkennt körperliche Ähnlichkeiten zu sich selbst. Daraus ergibt sich die Deutung, dass er der Vater des Kindes ist. Anschließend bittet er um Wiederaufnahme der Beziehung beziehungsweise um Rückkehr in eine gemeinsame Nähe.
Ein kurzes, urheberrechtlich zulässiges Zitat lautet: „Babe, I'm here again“. Sinngemäß heißt das: Der Sprecher betont, dass er wieder da ist und Kontakt aufnehmen möchte. Der vollständige Liedtext wird hier bewusst nicht wiedergegeben.
Zentrale Themen sind Trennung, Rückkehr, Kommunikation, Erinnerung, Verantwortung, Elternschaft, Vergebung und die Unsicherheit darüber, ob Vergangenheit und Gegenwart wieder miteinander verbunden werden können.
Bildsprache und erzählerische Symbole
Telefon: Es steht für Distanz, Wiederaufnahme von Kontakt und die Unsicherheit vor dem ersten Gespräch.
Tür und Straße: Sie markieren Übergänge. Der Erzähler bewegt sich räumlich auf die frühere Beziehung zu und überschreitet zugleich eine Grenze zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Kind: Das Kind bildet den Wendepunkt der Geschichte. Es macht aus einer nostalgischen Rückkehr eine Frage nach Verantwortung und verlorener Zeit.
Augen und Lächeln: Ähnlichkeit wird zum Zeichen biologischer und emotionaler Verbindung, ohne dass eine lange Erklärung nötig ist.
Winter und Schnee im Musikvideo: Sie verstärken die Atmosphäre von Kälte, Entfernung, Erinnerung und möglicher erneuter Nähe.
Musikvideo
Regie führte Gregg Masuak. Das Video erweitert die Songhandlung visuell und macht aus der Rückkehrgeschichte eine kleine dramatische Erzählung. Die Bildwelt arbeitet mit Mänteln, herbstlich-winterlicher Umgebung, Telefon, Reise, Haustür und Kind. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Song und Video: Die im Video angedeutete Rückkehr aus einem Krieg ist eine filmische Konkretisierung, nicht eine Information, die im Liedtext selbst eindeutig ausgesprochen wird.[6]
Das Video gewann bei den MTV Video Music Awards 1994 den International Viewer's Choice Award für MTV Europe. UPI dokumentierte Take That mit Babe als Gewinner in dieser Kategorie.[8]
Rezeption
Die zeitgenössische Rezeption war nicht einheitlich. In britischen Musikmagazinen gab es sowohl Kritik an der stark melodramatischen Balladenästhetik und am Telefonmotiv als auch deutliche Anerkennung für die emotionale Wirkung und besonders für Mark Owens Gesang. Eine spätere Official-Charts-Rückschau beschreibt die Kombination aus melancholischem Text, Streicherklang und Harmoniegesang als bewusst auf die Weihnachtscharts zugeschnitten.[3][7]
Kommerziell war das Lied sehr erfolgreich. Official Charts dokumentiert Platz 1 in Großbritannien, eine Woche an der Spitze und insgesamt zehn Wochen in den Top 100.[2] Die offizielle Take-That-Seite nennt außerdem Platinstatus im Vereinigten Königreich und mehr als 600.000 Einheiten nach der damals verwendeten Zertifizierungslogik.[1]
Bedeutung im Werk von Take That
Babe ist aus mehreren Gründen ein Schlüsselstück der frühen Bandgeschichte. Erstens ist es die erste Take-That-Single mit Mark Owen als Leadsänger. Zweitens gehört es zur Serie der großen Nummer-eins-Erfolge des Albums Everything Changes. Drittens zeigt die Aufnahme eine stärker erzählerische und dunklere Balladenseite der Gruppe. Viertens verband sich der Titel durch Musikvideo, Weihnachtschart-Rennen und MTV-Auszeichnung besonders eng mit der Popkultur der Jahre 1993/94.
Official Charts weist außerdem darauf hin, dass Owen erst viele Jahre später wieder bei einer Take-That-Single so deutlich als Leadstimme hervortrat. Dadurch besitzt Babe innerhalb der frühen Singles eine besondere Stellung.[3]
Vergleich: Studiofassung und Livefassung
Live at Earl's Court 1995
Der offizielle Take-That-Kanal stellt einen Konzertmitschnitt aus Earl's Court 1995 bereit.
Beim Vergleich mit der Studioaufnahme kannst Du auf folgende Unterschiede achten: Die Livefassung besitzt hörbaren Raum und Publikumsbezug, die Dynamik entsteht stärker aus realem Bühnenspiel und Gesangsphrasierung, während die Studioversion ihre Wirkung stärker aus kontrollierter Schichtung, Sounddesign und Mix aufbaut. Owens Phrasierung kann live freier wirken, und die Begleitung bekommt eine unmittelbarere Bandwirkung. Die Grundidentität des Stücks bleibt dagegen durch Mollcharakter, Hook, Form und Leadstimme klar erhalten.
Albumfassung und Return Remix
Für die Singleveröffentlichung wurde vielfach der etwa 4:55 lange Return Remix verwendet, während die Albumfassung ungefähr 4:51 bis 4:52 dauert.[5][6] Ein sinnvoller Hörvergleich sollte deshalb nicht nur fragen: „Studio oder live?“, sondern auch: „Welche Studiofassung höre ich eigentlich?“
Eine präzise Analyse vergleicht Anfang, Übergänge, Lautstärkeverhältnisse von Stimme und Begleitung, Länge des Outros, Hall, Stereobreite und eventuell zusätzliche Produktionsdetails.
Rechtssichere Mediennutzung im Unterricht
Die in diesem aiMOOC verwendeten Fotos stammen aus Wikimedia Commons und sind mit freien Lizenzen gekennzeichnet. Vor einer Weiterverwendung solltest Du die jeweilige Dateiseite öffnen und Autor, Lizenz und gegebenenfalls erforderliche Namensnennung übernehmen.
Die YouTube-Videos stammen vom offiziellen Take-That-Kanal und werden nur über die vorgesehene Einbettungsfunktion angezeigt. Sie sind damit keine frei lizenzierte OER-Datei, können aber im Rahmen der Plattform-Einbettung betrachtet werden. Für eigene OER-Materialien solltest Du keine Screenshots, Audioausschnitte oder Videodateien daraus übernehmen, wenn Dir dafür keine gesonderte Erlaubnis vorliegt.
Die Score-Beispiele dieses aiMOOCs sind eigenständig formulierte didaktische Miniaturen. Sie geben keine vollständige geschützte Partitur und keine längere Originalmelodie wieder.

Freies Commons-Foto von Gary Barlow, CC BY 2.0.
Quellen und Nachprüfbarkeit
- Take That – offizielle Timeline zu Babe: Angaben zu Single, Songwriter, Leadgesang und Chartkontext.
- Official Charts – Babe: dokumentierter britischer Chartverlauf.
- Official Charts – Flashback 1993: Einordnung von Mark Owens Leadrolle, Chartkontext, Streicher und Harmonien.
- MusicBrainz – Everything Changes: Tracklänge, Produktions- und Gesangscredits der Albumfassung.
- Irish Independent: Angaben aus Gary Barlows Autobiografie zu Entstehung, Mark Owen und Jason Orange.
- Hooktheory: analytische Angaben zu e-Moll, Tempo, Takt und Melodiebereich.
- UPI, 9. September 1994: Dokumentation des MTV-Europe-Viewer's-Choice-Gewinns für Babe.
- The Guardian: spätere Einordnung von Streichern, dunklen Synthesizern und Owens Gesang.
- MediaWiki – Extension:Score: technische Dokumentation der verwendeten Score-Syntax.
- Wikimedia Commons – Take That: frei lizenzierte Fotos und Lizenzinformationen.
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Take That: Babe – offizielle Bandseite
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Official Charts: Take That – Babe
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Official Charts: Flashback 1993 – Take That, Babe
- ↑ 4,0 4,1 Irish Independent: Retro Top Ten Singles 1994 – Take That
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 MusicBrainz: Everything Changes – Track- und Produktionscredits
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 Wikipedia: Babe – Track listings und Personnel
- ↑ 7,0 7,1 Wikipedia: Babe – Überblick über zeitgenössische Rezensionen
- ↑ 8,0 8,1 UPI: MTV video music award winners, 9. September 1994
- ↑ Wikipedia: Babe – Take-That-Lied
- ↑ 10,0 10,1 The Guardian: Take That's 20 greatest songs
- ↑ 11,0 11,1 Hooktheory: Babe – Chords, Melody and Music Theory
- ↑ GuitarTuna: Babe – Akkordtranskription
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer schrieb Babe? (Gary Barlow) (!Mark Owen) (!Howard Donald) (!Gregg Masuak)
Wer singt in der Aufnahme die Leadstimme? (Mark Owen) (!Gary Barlow) (!Robbie Williams) (!Jason Orange)
Welchem Grundgenre lässt sich Babe am ehesten zuordnen? (Popballade) (!Heavy Metal) (!Drum and Bass) (!Punkrock)
Welche Tonart wird in verbreiteten Analysen für Babe angegeben? (e-Moll) (!C-Dur) (!fis-Moll) (!B-Dur)
Welches Metrum prägt die Aufnahme? (Vierertakt) (!Dreiertakt) (!Fünfertakt) (!Siebentakt)
Welche klangliche Schicht wird in seriösen Rückschauen ausdrücklich hervorgehoben? (Streicher) (!Dudelsack) (!Banjoensemble) (!Kirchenorgel)
Welche Funktion hat der B-Dur- beziehungsweise B7-Akkord in e-Moll? (Dominante) (!Tonika) (!Subdominantparallele) (!Neapolitaner)
Welche Besonderheit kennzeichnet die Singlegeschichte von Babe? (Erste Take-That-Single mit Mark Owen als Lead) (!Erste Take-That-Single mit Lulu) (!Erste Solosingle von Gary Barlow) (!Erste Take-That-Single nach der Reunion)
Welche Auszeichnung erhielt das Musikvideo 1994? (MTV Europe International Viewers Choice) (!Grammy für Song des Jahres) (!Oscar für besten Filmsong) (!Mercury Prize für bestes Video)
Warum muss man bei Produktionsangaben zwischen Albumfassung und Return Remix unterscheiden? (Weil unterschiedliche Fassungen zusätzliche Produktionscredits haben) (!Weil die Melodie von verschiedenen Komponisten stammt) (!Weil Mark Owen nur live singt) (!Weil das Lied in der Albumfassung instrumental ist)
Memory
| Mark Owen | Leadgesang |
| Gary Barlow | Songwriting |
| Gregg Masuak | Musikvideo-Regie |
| e-Moll | Grundtonart |
| Return Remix | Singlefassung |
| MTV Europe | Videoauszeichnung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Strophe | Erzählt die Rückkehrgeschichte weiter |
| Refrain | Wiederholt den zentralen Hook |
| Bridge | Enthält den erzählerischen Wendepunkt |
| Dominante | Erzeugt harmonische Rückkehrspannung |
| Outro | Verdichtet und verlängert den Schluss |
Kreuzworträtsel
| Barlow | Wer schrieb Babe mit Nachnamen? |
| Owen | Wer singt die Leadstimme mit Nachnamen? |
| Ballade | Welche langsame Popform beschreibt den Stil? |
| Telefon | Welches Kommunikationsmittel prägt Erzählung und Sounddesign? |
| Dominante | Welche harmonische Funktion besitzt B beziehungsweise B7 in e-Moll? |
| Refrain | Welcher Formteil trägt den wiederkehrenden Hook? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre das offizielle Musikvideo und notiere fünf Zeitpunkte, an denen sich Klangdichte, Instrumentierung oder Gesang deutlich verändern.
- Songform: Erstelle eine farbige Formgrafik mit Intro, Strophe, Pre-Chorus, Refrain, Bridge und Outro. Begründe jede Abschnittsgrenze.
- Bildsprache: Wähle drei Motive aus dem Musikvideo und erläutere, wie sie die Themen Rückkehr, Distanz oder Verantwortung sichtbar machen.
- OER-Recherche: Suche auf Wikimedia Commons zwei weitere frei lizenzierte Take-That-Fotos und dokumentiere jeweils Autor, Lizenz und Dateiseite.
Standard
- Harmonische Analyse: Spiele das selbst erstellte Em-D-Am-B7-Modell auf Keyboard oder Gitarre und erkläre, warum B7 stärker nach Em zurückführt als Bm.
- Studio-Live-Vergleich: Vergleiche die offizielle Studioversion mit der Earl's-Court-Livefassung. Untersuche Stimme, Raumklang, Dynamik, Begleitung und Schlussgestaltung.
- Erzählperspektive: Schreibe die Handlung des Songs aus Sicht der früheren Partnerin als kurzen inneren Monolog, ohne Originaltextzeilen zu übernehmen.
- Musikvideo-Storyboard: Entwirf ein alternatives, vollständig eigenes Storyboard mit sechs Einstellungen, das dieselben Themen ohne die Motive Telefon, Schnee oder Haustür vermittelt.
Schwer
- Quellenkritik: Untersuche die widersprüchlichen Angaben zum Veröffentlichungsdatum und formuliere eine begründete Quellenbewertung mit mindestens drei unabhängigen Nachweisen.
- Mixanalyse: Vergleiche, sofern beide Fassungen zugänglich sind, Albumfassung und Return Remix. Erstelle eine Tabelle zu Laufzeit, Intro, Vocalbalance, Hall, Stereobild, Übergängen und Outro.
- Kompositionsprojekt: Komponiere eine eigene acht- bis sechzehntaktige Mollballade mit selbst erfundener Melodie, Dominantspannung und mehrstimmigem Refrain. Nutze keine Melodie aus Babe.
- Popgeschichte: Ordne Babe in das britische Boyband- und Weihnachtssingle-Umfeld der frühen 1990er Jahre ein. Vergleiche Marketing, Videoästhetik und musikalische Dramaturgie mit zwei anderen Titeln derselben Zeit.


Lernkontrolle
- Fassungsvergleich: Erkläre, warum die Aussage „Babe wurde von fünf Personen produziert“ ohne Angabe der Fassung zu ungenau sein kann. Beziehe Albumfassung und Return Remix ein.
- Harmonik und Wirkung: Zeige an einem selbst gewählten Mollbeispiel, wie eine Durdominante Spannung erzeugt. Übertrage das Prinzip anschließend auf die harmonische Wirkung von Babe.
- Musik und Narration: Analysiere, wie Form, Arrangement und Textgeschichte zusammenarbeiten, damit der Wendepunkt in der Bridge besonders stark wirkt.
- Stimme und Rollenbild: Begründe, wie Mark Owens Klangfarbe die Wirkung der Erzählfigur verändert. Vergleiche gedanklich, wie dieselbe Handlung mit einer deutlich kräftigeren oder distanzierteren Stimme wirken könnte.
- Medienanalyse: Trenne mindestens drei Informationen, die aus dem Liedtext stammen, von drei Informationen, die erst das Musikvideo hinzufügt.
- Quellenkompetenz: Entwickle eine Regel, nach der Du bei widersprüchlichen Musikdaten zwischen offizieller Künstlerseite, Chartarchiv, Datenbank, Pressequelle und Fanquelle priorisieren würdest.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du nicht nur Fakten kennst, sondern musikalische und mediale Zusammenhänge erklären kannst.
- Du kannst Entstehung, Veröffentlichungskontext und Chartgeschichte von Babe quellenkritisch darstellen.
- Du kannst Mark Owens Leadrolle und die Bedeutung Gary Barlows als Songwriter unterscheiden.
- Du kannst e-Moll, 4/4-Takt, langsames Balladengefühl und Dominantspannung fachsprachlich erläutern.
- Du kannst Songform, Arrangement und dramaturgische Steigerung an Hörbeispielen erkennen.
- Du kannst zwischen Albumfassung, Return Remix und Livefassung unterscheiden.
- Du kannst Textthemen sinngemäß zusammenfassen, ohne geschützte Lyrics vollständig zu reproduzieren.
- Du kannst Songtext und Musikvideo als zwei unterschiedliche Bedeutungsebenen analysieren.
- Du kannst freie Commons-Medien von lediglich eingebetteten, nicht frei lizenzierten YouTube-Inhalten unterscheiden.
- Du kannst eigene kurze Score-Beispiele erstellen, ohne die geschützte Originalmelodie zu kopieren.
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