T9 M - Werkstoffwahl technisch begründen

T9 M - Werkstoffwahl technisch begründen
Einleitung
T9 M - Werkstoffwahl technisch begründen zeigt Dir, wie technische Werkstoffe passend zu einem Bauteil ausgewählt werden. Du vergleichst nicht nur „Stahl oder Aluminium?“, sondern begründest Deine Entscheidung mit klaren Kriterien.
Im Mittelpunkt stehen fünf Leitfragen:
- Funktion: Was muss das Bauteil leisten?
- Gewicht: Wie wichtig ist eine geringe Masse?
- Fertigung: Wie gut lässt sich der Werkstoff herstellen und bearbeiten?
- Wirtschaftlichkeit: Welche Kosten entstehen für Werkstoff, Fertigung und Nutzung?
- Umweltwirkung: Welche Folgen haben Rohstoffgewinnung, Herstellung, Nutzung, Reparatur und Recycling?
Der Bildungsplan Technik für die Sekundarstufe I in Baden-Württemberg fordert unter anderem, Werkstoffe fach- und bedarfsgerecht auszuwählen und dabei ökologische und ökonomische Kriterien zu berücksichtigen. Außerdem sollen technische Systeme nach Kriterien eingeschätzt und technische Lösungen reflektiert, geprüft und optimiert werden. Bildungsplan Baden-Württemberg: Technik – Werkstoffe und Produkte
Ziel dieses aiMOOCs: Du kannst am Ende eine Werkstoffentscheidung prüfen, Zielkonflikte benennen und eine begründete Alternative vorschlagen.

Bild: Fahrradrahmen aus Stahl. Untersuche Form, Rohrquerschnitte und Verbindungsstellen.
Medienauftrag – beobachten: Suche drei Stellen, an denen hohe Belastungen zu erwarten sind. Begründe Deine Vermutung mit der Bauteilform.
Sicherheit
Wichtig: Praktische Untersuchungen erfolgen nur nach schulischer Unterweisung, unter Aufsicht und mit erforderlicher Schutzausrüstung.
Keine eigenständige Nutzung gefährlicher Maschinen. Keine Arbeiten an Netzspannung. Elektrische Versuche nur mit freigegebenen Komponenten und sicherer Kleinspannung.
Werkstoffproben werden nur mit Verfahren untersucht, die von der Lehrkraft freigegeben wurden.
Fachbegriffe direkt erklärt
| Fachbegriff | Kurze Erklärung | Leitfrage |
|---|---|---|
| Anforderungsprofil | Geordnete Liste dessen, was ein Bauteil können und aushalten muss. | Was wird vom Bauteil verlangt? |
| Eigenschaft | Merkmal eines Werkstoffs, zum Beispiel Dichte, Härte oder Korrosionsbeständigkeit. | Was kann der Werkstoff? |
| Belastungsart | Art, wie Kräfte auf ein Bauteil wirken. | Wirkt Zug, Druck, Biegung, Scherung oder Torsion? |
| Wirtschaftlichkeit | Verhältnis von Nutzen und Aufwand über Herstellung und Nutzung. | Ist die Lösung für den Zweck wirtschaftlich? |
| Fertigbarkeit | Eignung eines Werkstoffs für ein geplantes Herstellungsverfahren. | Lässt sich das Bauteil sinnvoll herstellen? |
Merksatz: Eine gute Werkstoffwahl verbindet Anforderungen mit passenden Werkstoffeigenschaften.
Vom Bauteil zur Werkstoffentscheidung
Eine technische Entscheidung beginnt nicht mit einem Lieblingswerkstoff. Sie beginnt mit dem Bauteil.
| Schritt | Frage | Beispiel Fahrradrahmen |
|---|---|---|
| 1. Funktion klären | Was soll das Bauteil tun? | Fahrer und Kräfte sicher tragen |
| 2. Belastungen bestimmen | Welche Kräfte wirken? | Biegung, Zug, Druck, Torsion, Stöße |
| 3. Kriterien festlegen | Was ist wichtig? | Festigkeit, Gewicht, Preis, Fertigung, Umwelt |
| 4. Werkstoffe vergleichen | Welche Eigenschaften passen? | Stahl, Aluminiumlegierung, CFK |
| 5. Zielkonflikte prüfen | Welche Vorteile haben Nachteile? | geringes Gewicht kann höhere Kosten bedeuten |
| 6. Entscheidung begründen | Welcher Werkstoff passt zum Anforderungsprofil? | abhängig vom Einsatzzweck |
Belastungsarten erkennen

Skizze: Zug, Druck, Scherung, Biegung und Torsion sind typische mechanische Belastungsarten.
Medienauftrag – markieren: Übertrage die fünf Belastungsarten in Dein Heft. Markiere jeweils die Richtung der Kräfte mit Pfeilen.
| Belastungsart | Vereinfachte Skizze | Beispiel |
|---|---|---|
| Zug | ← Bauteil → | Seil, Speiche |
| Druck | → Bauteil ← | Stütze, Tischbein |
| Biegung | ↓ auf Balken mit Auflagern | Regalbrett |
| Scherung | Kräfte wirken parallel gegeneinander | Bolzen in einer Verbindung |
| Torsion | Bauteil wird verdreht | Antriebswelle, Schraubendreher |
Fehler finden: „Ein Fahrradrahmen wird nur auf Druck belastet.“ – Die Aussage ist falsch. Durch Fahrergewicht, Fahrbahnstöße, Bremsen und Antrieb treten an verschiedenen Stellen unterschiedliche und wechselnde Belastungen auf.
Eigenschaften passend auswählen
Nicht jede Eigenschaft ist für jedes Bauteil gleich wichtig.
| Eigenschaft | Bedeutung für die Werkstoffwahl | Typische Frage |
|---|---|---|
| Dichte | beeinflusst die Masse bei gleichem Volumen | Soll das Bauteil leicht sein? |
| Festigkeit | Widerstand gegen Versagen bei Belastung | Hält es die Last sicher aus? |
| Steifigkeit | Widerstand gegen elastische Verformung | Darf es sich stark durchbiegen? |
| Härte | Widerstand gegen Eindringen oder Verschleiß | Wird die Oberfläche stark beansprucht? |
| Zähigkeit | Fähigkeit, Energie aufzunehmen, bevor ein Bruch entsteht | Gibt es Stöße? |
| Korrosionsbeständigkeit | Widerstand gegen schädigende Umwelteinflüsse | Wird das Bauteil nass? |
| Wärmeleitfähigkeit | Fähigkeit, Wärme zu leiten | Soll Wärme abgeleitet werden? |
| Fertigbarkeit | Eignung zum Trennen, Fügen, Umformen oder Urformen | Welche Fertigung ist möglich? |
Wichtig: Werkstoffkennwerte hängen von genauer Werkstoffsorte, Zustand, Temperatur und Herstellungsweise ab. Ein Tabellenwert allein entscheidet nicht.
Werkstoffgruppen im Vergleich
| Werkstoffgruppe | Typische Beispiele | Dichte grob | Typische Stärken | Typische Grenzen |
|---|---|---|---|---|
| Stahl | Baustahl, Edelstahl | etwa 7,8 g/cm³ | fest, gut verfügbar, oft gut füge- und bearbeitbar | relativ hohe Dichte; Korrosionsschutz kann nötig sein |
| Aluminiumlegierungen | Konstruktionsaluminium | etwa 2,7 g/cm³ | geringe Dichte, gute Korrosionsbeständigkeit vieler Legierungen | geringere Steifigkeit als Stahl; Fertigung braucht passende Verfahren |
| Thermoplaste | PP, PE, PA | oft etwa 0,9–1,4 g/cm³ | leicht, gut formbar, große Stückzahlen gut herstellbar | Temperatur und Dauerbelastung beachten |
| Holz | Buche, Fichte | je nach Art grob etwa 0,4–0,8 g/cm³ | nachwachsender Rohstoff, gut bearbeitbar, gutes Verhältnis von Masse und Tragfähigkeit | Eigenschaften richtungsabhängig; Feuchtigkeit beachten |
| Faserverbund | CFK, GFK | häufig etwa 1,5–2,0 g/cm³ | sehr hohe spezifische Festigkeit möglich | aufwendige Herstellung; Reparatur und Recycling oft anspruchsvoller |
Achtung beim Vergleichen: „leichter Werkstoff“ bedeutet nicht automatisch „leichteres Bauteil“. Wandstärke, Form und Sicherheitsanforderungen verändern das Ergebnis.
Fallbeispiel Fahrradrahmen
Für denselben Zweck können unterschiedliche Werkstoffe technisch sinnvoll sein.

Stahlrahmen: Beobachte die schlanken Rohre und die Fügestellen.

Aluminiumrahmen: Vergleiche Rohrformen und Querschnitte mit dem Stahlrahmen.
Carbonrahmen: Die Faserrichtung und der Lagenaufbau können gezielt an Belastungen angepasst werden.
Medienauftrag – vergleichen: Notiere zu jedem Rahmen zwei sichtbare Unterschiede. Trenne dabei Beobachtung und Vermutung.
Anforderungsprofil Fahrradrahmen
| Kriterium | Anforderung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Sicherheit | Belastungen zuverlässig aufnehmen | sehr hoch |
| Gewicht | möglichst gering | hoch |
| Steifigkeit | kontrollierte Verformung | hoch |
| Fertigbarkeit | wirtschaftliche Serienfertigung | hoch |
| Preis | für Zielgruppe passend | mittel bis hoch |
| Reparatur | Schäden möglichst erkennbar und reparierbar | je nach Nutzung |
| Umweltwirkung | Material- und Energieeinsatz sowie Lebensdauer berücksichtigen | hoch |
Kriterienmatrix: drei Werkstoffe für dasselbe Bauteil
Bewertung: ++ sehr günstig, + günstig, 0 mittel/abhängig, − ungünstig. Die Matrix ist eine vereinfachte Lernmatrix. Reale Produkte benötigen genaue Werkstoffdaten, Geometrien und Herstellungsdaten.
| Kriterium | Stahl | Aluminiumlegierung | CFK |
|---|---|---|---|
| geringe Dichte | − | + | ++ |
| hohe Steifigkeit bei gleicher Geometrie | ++ | 0 | abhängig von Faserrichtung |
| einfache Reparatur in geeigneter Fachwerkstatt | + | 0 | − |
| Fertigungskosten bei üblichen Serien | + | + | − |
| Korrosionsverhalten ohne zusätzliche Maßnahmen | 0 | + | ++ |
| Recycling etablierter Werkstoffströme | ++ | ++ | − |
| Gestaltungsfreiheit durch gerichteten Materialaufbau | 0 | 0 | ++ |
Selbstkontrolle: Gibt es einen eindeutigen Sieger? Nein. Die passende Entscheidung hängt vom Anforderungsprofil und von der Gewichtung der Kriterien ab.
Zielkonflikte
Ein Zielkonflikt entsteht, wenn die Verbesserung eines Ziels ein anderes Ziel verschlechtert.
| Ziel A | Ziel B | Typischer Konflikt |
|---|---|---|
| geringes Gewicht | niedriger Preis | Leichtbaulösungen können teurer sein |
| hohe Festigkeit | einfache Bearbeitung | sehr feste Werkstoffe können anspruchsvoller zu bearbeiten sein |
| geringe Herstellungskosten | gute Reparierbarkeit | stark integrierte Bauteile können billig in Serie, aber schwer reparierbar sein |
| geringe Umweltwirkung in der Nutzung | geringe Umweltwirkung in der Herstellung | Leichtbau kann Energie in der Nutzung sparen, aber die Herstellung kann aufwendiger sein |
| lange Lebensdauer | geringer Materialeinsatz | sehr knappe Dimensionierung kann Reserven reduzieren |
Prüfungssatz: „Werkstoff A ist besser“ reicht nicht. Besser ist: „Werkstoff A passt für dieses Anforderungsprofil besser, weil …; nachteilig ist …“
Fallbeispiel Hammerstiel

Bauteilfoto: Hammerkopf und Holzstiel erfüllen unterschiedliche Aufgaben und bestehen deshalb aus unterschiedlichen Werkstoffen.
Beobachten: Wo liegen die Hände? Wo treten Stöße auf? Wo muss das Bauteil besonders hart sein?
| Werkstoff für den Stiel | Vorteile | Nachteile | Typische Fertigung |
|---|---|---|---|
| Holz | leicht, schwingungsdämpfend, gut formbar | Feuchtigkeit und Faserrichtung beachten | Sägen, Fräsen, Schleifen |
| Stahlrohr | hohe Festigkeit, robust | höhere Dichte, geringe Dämpfung ohne Griff | Rohrumformen, Fügen |
| glasfaserverstärkter Kunststoff | leicht, korrosionsbeständig, Form gut integrierbar | Recycling und Reparatur schwieriger | Formverfahren für Verbund/Kunststoff |
Transfer: Warum besteht der Hammerkopf nicht aus demselben Werkstoff wie der Stiel? Formuliere die Antwort mit Funktion, Belastung und Eigenschaft.
Fallbeispiel Kunststoffstuhl

Ein Kunststoffstuhl nutzt Rippen, Rundungen und Querschnitte, um mit wenig Material ausreichend steif zu werden.
Medienauftrag – Fehler finden: Suche drei Stellen, an denen ein zu dünner Querschnitt wahrscheinlich problematisch wäre.

Vereinfachte Darstellung des Spritzgießens. Das Verfahren eignet sich besonders für große Stückzahlen komplexer Kunststoffteile.
Fertigbarkeit bedeutet hier: Form, Wanddicke, Entformung und Werkzeug müssen zusammenpassen. Ein Werkstoff kann gute Eigenschaften haben und trotzdem für das geplante Verfahren ungeeignet sein.
Fertigung und Stückzahl
| Situation | Technische Folge |
|---|---|
| Einzelstück | einfache Werkzeuge und flexible Bearbeitung können wirtschaftlich sein |
| Kleinserie | Rüstaufwand und Fertigungszeit werden wichtiger |
| Großserie | teure Werkzeuge können sich durch viele gleiche Teile verteilen |
| komplexe Form | Werkstoff und Fertigungsverfahren müssen die Geometrie ermöglichen |
| spätere Reparatur | lösbare Verbindungen und zugängliche Bauteile können Vorteile haben |
Merksatz: Wirtschaftlichkeit ist mehr als Materialpreis.
Umweltwirkung mitdenken

Aluminiumdosen in einer Recyclinganlage. Recycling ist ein Teil des Lebenswegs eines Werkstoffs.

Metallschrott: Werkstoffwahl beeinflusst auch Trennung, Wiederverwendung und Recycling.
Medienauftrag – vergleichen: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Bauteil gut recycelt werden kann? Denke an Materialtrennung, Verbindungen und Kennzeichnung.
Bei der Umweltwirkung zählt der gesamte Lebensweg:
- Rohstoffgewinnung: Welche Rohstoffe und Flächen werden benötigt?
- Herstellung: Wie hoch sind Energie- und Materialaufwand?
- Transport: Welche Masse und Wege entstehen?
- Nutzung: Beeinflusst das Bauteil Energieverbrauch, Wartung oder Lebensdauer?
- Reparatur: Kann das Produkt weiter genutzt werden?
- Recycling: Lassen sich Werkstoffe trennen und wiederverwenden?
Wichtig: Eine pauschale Aussage wie „Aluminium ist umweltfreundlich“ oder „Kunststoff ist immer schlecht“ ist fachlich zu grob. Entscheidend sind Werkstoffsorte, Herstellungsweg, Lebensdauer, Einsatz und Verwertung.
Ein einfacher Entscheidungsweg
Nutze die Reihenfolge A–B–V–E:
| Schritt | Bedeutung | Prüffrage |
|---|---|---|
| A | Anforderungen | Was muss das Bauteil können? |
| B | Belastungen | Welche Kräfte und Umwelteinflüsse wirken? |
| V | Vergleich | Welche Werkstoffe erfüllen die Kriterien? |
| E | Entscheidung | Welche Lösung ist für diesen Einsatz begründet? |
Kurzform für eine Prüfungsantwort:
„Für das Bauteil sind … besonders wichtig. Werkstoff A erfüllt … gut, hat aber den Nachteil …. Werkstoff B bietet dagegen …. Deshalb würde ich für den genannten Einsatzzweck … wählen.“
Prüfungsnahes Beispiel: Entscheidung bewerten
Vorgabe: Für einen leichten Fahrrad-Gepäckträger wurde massiver Baustahl gewählt. Begründung: „Stahl ist fest und günstig.“
Aufgabe: Bewerte die Entscheidung. Nenne mindestens drei Kriterien und begründe eine Alternative.
| Prüfschritt | Leitfrage | Möglicher Gedanke |
|---|---|---|
| Anforderung | Was muss der Gepäckträger leisten? | Last tragen, leicht sein, wetterbeständig sein |
| Belastung | Welche Belastungen treten auf? | Biegung, Schwingung, Stöße |
| Kritik | Was wurde in der Vorgabe übersehen? | Gewicht, Korrosion, Geometrie, Herstellung |
| Alternative | Welcher Werkstoff ist denkbar? | zum Beispiel Aluminiumlegierung |
| Abwägung | Welche Nachteile hat die Alternative? | Fertigung, Dimensionierung und Kosten beachten |
Lösungshinweis anzeigen
Die Entscheidung ist nur teilweise begründet. Festigkeit und Preis sind relevante Kriterien, aber das Anforderungsprofil umfasst mehr. Massiver Stahl kann für einen leichten Gepäckträger unnötig schwer sein. Eine geeignete Aluminiumlegierung kann wegen der geringeren Dichte eine Alternative sein. Dafür müssen Querschnitt, Fügeverfahren, Dauerbelastung und Kosten passend ausgelegt werden. Eine gute Antwort nennt also Vorteil, Nachteil und Einsatzbezug.
Prüfungsnahes Beispiel: Zielkonflikt erklären
Vorgabe: Eine Firma ersetzt einen Stahlrahmen durch CFK, um Gewicht zu sparen.
Aufgabe: Erkläre zwei mögliche Zielkonflikte.
Musterlösung anzeigen
Gewicht gegen Kosten: CFK kann sehr leichte Konstruktionen ermöglichen, aber Material und Herstellung können teurer sein. Gewicht gegen Kreislauffähigkeit: CFK kann im Betrieb Vorteile durch geringe Masse bieten, während Reparatur, Trennung und Recycling anspruchsvoller sein können.
Medienanalyse: Werkstoffwahl sehen statt nur lesen
Videoauftrag: Vergleiche die Aussagen zu Aluminium und Carbon. Erstelle eine Tabelle mit den Spalten Eigenschaft, Vorteil, Nachteil und Einsatzbezug. Prüfe anschließend, ob jede Aussage wirklich allgemein gilt oder von Bauweise und Produkt abhängt.
Videoauftrag: Beobachte den Zugversuch. Notiere, welche Messgrößen erfasst werden und welche Werkstoffeigenschaften daraus abgeleitet werden können. Der Versuch selbst wird im Unterricht nur an dafür vorgesehenen Prüfständen und unter fachlicher Aufsicht durchgeführt.
Mini-Simulation: Kriterien gewichten
Stell Dir vor, Du vergibst je Kriterium eine Gewichtung von 1 bis 3.
| Kriterium | Gewichtung Citybike | Gewichtung Rennrad | Warum verschieden? |
|---|---|---|---|
| Gewicht | 2 | 3 | Rennrad stärker auf geringe Masse ausgelegt |
| Preis | 3 | 2 | Zielgruppe und Produktklasse unterscheiden sich |
| Reparierbarkeit | 3 | 2 | Alltagsnutzung kann schnelle Reparatur wichtiger machen |
| Fertigbarkeit | 3 | 3 | beide müssen zuverlässig herstellbar sein |
| Umweltwirkung | 3 | 3 | Lebensweg soll berücksichtigt werden |
Simulieren: Ändere zwei Gewichtungen. Prüfe, ob sich Deine bevorzugte Werkstofflösung ändert. So erkennst Du: Eine Matrix liefert keine „Wahrheit“, sondern macht eine begründete Entscheidung nachvollziehbar.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist ein Anforderungsprofil? (Eine geordnete Liste der Anforderungen an ein Bauteil) (!Ein Verzeichnis aller Maschinen einer Werkstatt) (!Eine Liste nur mit Werkstoffpreisen) (!Eine Zeichnung ohne technische Kriterien)
Welche Aussage beschreibt eine Werkstoffeigenschaft? (Die Dichte ist ein Merkmal eines Werkstoffs) (!Die Stückzahl ist eine Werkstoffeigenschaft) (!Die Lieferzeit ist eine Belastungsart) (!Die Bauteilform ist immer eine Stoffeigenschaft)
Welche Belastungsart liegt beim Verdrehen einer Welle vor? (Torsion) (!Druck) (!Zug) (!Biegung)
Was bedeutet Fertigbarkeit? (Eignung eines Werkstoffs für das geplante Herstellungsverfahren) (!Nur die Festigkeit eines Werkstoffs) (!Nur die Farbe einer Oberfläche) (!Die Anzahl der Werkzeuge im Raum)
Welche Aussage zur Wirtschaftlichkeit ist richtig? (Sie berücksichtigt mehr als nur den Materialpreis) (!Sie hängt nur vom billigsten Rohstoff ab) (!Sie spielt bei technischen Entscheidungen keine Rolle) (!Sie beschreibt ausschließlich die Dichte)
Warum gibt es bei der Werkstoffwahl Zielkonflikte? (Weil die Verbesserung eines Ziels ein anderes Ziel verschlechtern kann) (!Weil nur ein Werkstoff technisch nutzbar ist) (!Weil alle Kriterien gleich wichtig sind) (!Weil Werkstoffe keine messbaren Eigenschaften besitzen)
Warum kann Aluminium für Leichtbau interessant sein? (Es besitzt eine deutlich geringere Dichte als Stahl) (!Es ist immer fester als jeder Stahl) (!Es ist immer billiger als Kunststoff) (!Es kann nicht korrodieren)
Was ist bei einer Kriterienmatrix wichtig? (Die Kriterien müssen zum Anforderungsprofil passen) (!Es genügt nur das Kriterium Preis) (!Die erste Tabellenzeile bestimmt automatisch den Sieger) (!Alle Kriterien müssen immer gleich gewichtet werden)
Welche Aussage zur Umweltwirkung ist fachlich angemessen? (Der gesamte Lebensweg eines Produkts sollte betrachtet werden) (!Nur das Recycling entscheidet) (!Nur das Gewicht entscheidet) (!Eine Werkstoffgruppe ist immer umweltfreundlich)
Was gehört zu einer guten Prüfungsbegründung? (Vorteile, Nachteile und Bezug zum Einsatzzweck) (!Nur der Name des Werkstoffs) (!Nur eine persönliche Vorliebe) (!Nur der niedrigste Preis)
Memory
| Anforderungsprofil | Anforderungen an ein Bauteil |
| Dichte | Masse pro Volumen |
| Torsion | Verdrehbeanspruchung |
| Fertigbarkeit | Eignung für ein Herstellungsverfahren |
| Wirtschaftlichkeit | Nutzen und Aufwand abwägen |
| Zielkonflikt | Verbesserung eines Ziels verschlechtert ein anderes |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Zug | Seil unter Last |
| Druck | Stütze unter Last |
| Biegung | belastetes Regalbrett |
| Torsion | verdrehte Antriebswelle |
| Scherung | quer belasteter Verbindungsbolzen |
| Fertigbarkeit | Werkstoff passt zum Herstellungsverfahren |
Kreuzworträtsel
| Dichte | Welche Eigenschaft beschreibt Masse pro Volumen? |
| Torsion | Wie heißt die Belastung durch Verdrehen? |
| Biegung | Wie heißt die typische Belastung eines Regalbretts? |
| Stahl | Welcher metallische Werkstoff hat typischerweise eine höhere Dichte als Aluminium? |
| Recycling | Wie heißt die Rückführung von Materialien in einen Verwertungskreislauf? |
| Fertigung | Wie heißt der Prozess der Herstellung eines Bauteils? |
LearningApps
Lückentext
Selbstkontrolle: Fehler finden
Aussage 1: „Der billigste Werkstoff ist immer die wirtschaftlichste Lösung.“
Feedback
Falsch. Wirtschaftlichkeit umfasst auch Herstellung, Lebensdauer, Wartung, Ausschuss und gegebenenfalls Recycling.
Aussage 2: „Ein Werkstoff mit kleiner Dichte ergibt automatisch das leichteste Bauteil.“
Feedback
Falsch. Auch Geometrie, Wandstärke, Steifigkeit, Festigkeit und Sicherheitsanforderungen bestimmen die Bauteilmasse.
Aussage 3: „Eine Werkstoffentscheidung kann mehrere technisch sinnvolle Lösungen haben.“
Feedback
Richtig. Unterschiedliche Anforderungsprofile und Gewichtungen können zu unterschiedlichen begründeten Lösungen führen.
Offene Aufgaben
Leicht
- Bauteilfoto analysieren: Wähle ein ungefährliches Alltagsbauteil. Fotografiere oder skizziere es. Markiere Funktion, mögliche Belastungsarten und sichtbare Fertigungsmerkmale.
- Anforderungsprofil erstellen: Erstelle für einen Handyhalter fünf kurze Anforderungen. Ordne sie nach „sehr wichtig“, „wichtig“ und „weniger wichtig“.
- Werkstoffvergleich: Vergleiche Holz, Stahl und Kunststoff für einen einfachen Griff. Nenne je einen Vorteil und Nachteil.
- Fehler finden: Suche in einer Produktbeschreibung eine Aussage wie „extrem leicht“ oder „besonders stabil“. Formuliere zwei technische Rückfragen, die für eine echte Bewertung nötig wären.
Standard
- Belastungsskizze: Zeichne einen Fahrrad-Gepäckträger und trage Zug-, Druck- oder Biegebelastungen mit Pfeilen ein. Begründe drei Einträge.
- Kriterienmatrix: Vergleiche Stahl, Aluminium und Kunststoff für einen Werkzeugkasten-Griff. Nutze Funktion, Gewicht, Fertigung, Preis und Umweltwirkung.
- Messen und vergleichen: Untersuche nur nach Freigabe durch die Lehrkraft sichere Werkstoffproben gleicher Größe. Bestimme Masse und Maße und vergleiche daraus die Dichte qualitativ oder rechnerisch. Keine gefährlichen Maschinen verwenden.
- Fertigungsverfahren zuordnen: Untersuche drei Bauteile im Klassenraum. Vermute ein geeignetes Fertigungsverfahren und begründe anhand sichtbarer Merkmale.
Schwer
- Technische Entscheidung bewerten: Eine Firma verwendet für einen tragbaren Geräteständer massiven Stahl. Prüfe die Entscheidung mit mindestens fünf Kriterien und begründe eine Alternative.
- Zielkonflikt untersuchen: Entwickle zwei unterschiedliche Anforderungsprofile für dasselbe Bauteil, zum Beispiel Citybike und Rennrad. Zeige, warum sich die Werkstoffwahl ändern kann.
- Lebensweg vergleichen: Vergleiche zwei Werkstofflösungen für dasselbe Bauteil vom Rohstoff bis zum Recycling. Kennzeichne Daten, Annahmen und offene Fragen getrennt.
- Mini-Präsentation: Erstelle eine dreiminütige technische Entscheidungsvorlage. Zeige Bauteil, Belastungsskizze, Kriterienmatrix, Zielkonflikte und eine begründete Alternative.


Lernkontrolle
- Transferaufgabe Fahrradständer: Ein Fahrradständer im Außenbereich soll langlebig, preisgünstig und wartungsarm sein. Vergleiche verzinkten Stahl, Aluminium und Kunststoff. Begründe eine Auswahl und nenne einen Zielkonflikt.
- Kritik an einer Werkstoffentscheidung: „Für eine leichte Schultasche sind Metallplatten ideal, weil Metall stabil ist.“ Bewerte diese Aussage fachlich und entwickle eine bessere Lösung.
- Anforderungsprofil ändern: Ein Bauteil wird statt im Innenraum dauerhaft im Freien eingesetzt. Erkläre, welche Kriterien dadurch wichtiger werden und wie sich die Werkstoffwahl ändern kann.
- Fertigung und Stückzahl: Ein Kunststoffgehäuse soll zuerst zehnmal, später 100.000-mal hergestellt werden. Erkläre, warum für beide Stückzahlen unterschiedliche Fertigungsverfahren wirtschaftlich sein können.
- Zielkonflikt Leichtbau: Ein Unternehmen reduziert das Gewicht eines Bauteils um 30 Prozent, die Herstellung wird aber aufwendiger. Erkläre, welche zusätzlichen Daten Du für eine Umwelt- und Wirtschaftlichkeitsbewertung brauchst.
- Prüfungsaufgabe Alternative: Vorgegeben ist ein Fahrradrahmen aus Aluminium. Bewerte die Entscheidung für ein robustes, preisbewusstes Alltagsrad und begründe eine mögliche Alternative aus Stahl oder CFK, ohne einen Werkstoff pauschal als „besten“ zu bezeichnen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- ein Anforderungsprofil aus einer technischen Aufgabe ableiten kannst,
- mindestens drei Belastungsarten sicher erkennst,
- Werkstoffe anhand passender Eigenschaften vergleichst,
- Funktion, Gewicht, Herstellung, Preis und Umweltwirkung gemeinsam berücksichtigst,
- Fertigbarkeit und Stückzahl in die Entscheidung einbeziehst,
- eine Kriterienmatrix sinnvoll aufbaust und erklärst,
- Zielkonflikte erkennst und benennst,
- eine vorgegebene Werkstoffentscheidung fachlich bewertest,
- eine Alternative mit mindestens drei Kriterien begründest,
- Beobachtungen, Annahmen und gesicherte Daten voneinander trennst.
OERs zum Thema
Weitere freie Medien und Quellen
Wikimedia Commons: Stahl-Fahrradrahmen
Wikimedia Commons: Aluminium-Fahrradrahmen
Wikimedia Commons: Carbon-Fahrradrahmen
Wikimedia Commons: mechanische Belastungsarten
Wikimedia Commons: Hammer mit Holzstiel
Wikimedia Commons: Kunststoffstuhl
Wikimedia Commons: Spritzgießen
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Wikimedia Commons: Metallschrott-Recycling
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