T9 E - Technischen Entwicklungsprozess selbstständig steuern

T9 E - Technischen Entwicklungsprozess selbstständig steuern
T9 E - Technischen Entwicklungsprozess selbstständig steuern
Einleitung
Zielgruppe: Technik, Klasse 9, Baden-Württemberg, E-Niveau. Kernidee: Du steuerst einen technischen Entwicklungsprozess selbstständig: Anforderungen klären, Varianten entwickeln, Werkstoff begründen, Fertigung planen, prüfen, optimieren und dokumentieren. Leitprojekt: Eine offene Halterungsaufgabe wird vom Problem bis zur verbesserten Lösung bearbeitet. Prüfungsziel: Eine unbekannte technische Aufgabe analysieren und in kurzer Zeit einen vollständigen, kompakten Lösungsplan erstellen.
| Du kannst am Ende ... | Nachweis |
|---|---|
| Anforderungen priorisieren | priorisierte Anforderungsliste |
| technische Spezifikationen formulieren | messbare Sollwerte und Prüfkriterien |
| mehrere Lösungsvarianten entwickeln | Skizzen und Variantenvergleich |
| einen Werkstoff auswählen | begründete Werkstoffentscheidung |
| die Fertigung planen | Arbeitsplan mit Qualitätsprüfungen |
| testen und optimieren | Testprotokoll und Änderungsnachweis |
| den Prozess dokumentieren | kompakte Konstruktionsmappe |
Bildungsplanbezug Baden-Württemberg
Der aktuelle Bildungsplan Technik für die Klassen 7/8/9 fordert unter anderem technische Zeichnungen, CAD, Planungsunterlagen, Werkstoffauswahl, anforderungsbezogene Konstruktion, Bewertung und Optimierung. Auf E-Niveau werden diese Kompetenzen selbstständig und begründet angewendet.
Bildungsplan Technik Baden-Württemberg, überarbeitete Fassung 2026
Sicherheitsrahmen
| Regel | Bedeutung |
|---|---|
| Unterweisung zuerst | Praktische Arbeit nur nach schulischer Unterweisung. |
| Aufsicht | Werkstattarbeit nur unter Aufsicht der Lehrkraft. |
| Schutzausrüstung | Erforderliche persönliche Schutzausrüstung wird nach Schulregel getragen. |
| Maschinen | Keine eigenständige Nutzung gefährlicher Maschinen. Nur freigegebene Maschinen nach Einweisung und Freigabe durch die Lehrkraft. |
| Elektrik | Keine Netzspannung. Elektrische Versuche ausschließlich mit freigegebenen Komponenten und sicherer Kleinspannung. |
| CAD/CAM | CAD darf selbstständig geplant werden. Maschinenbetrieb bei 3D-Druck, Laser, CNC oder anderen Fertigungssystemen erfolgt nur nach schulischer Freigabe und Aufsicht. |
Fachbegriffe kompakt
| Fachbegriff | Direkt erklärt | Kontrollfrage |
|---|---|---|
| Lastenanforderung | Was der Auftraggeber oder Nutzer vom Produkt erwartet. | Was soll das Produkt leisten? |
| Technische Spezifikation | Eine Anforderung wird in einen prüfbaren technischen Sollwert übersetzt. | Woran kann ich messen, ob die Anforderung erfüllt ist? |
| Lösungsvariante | Eine von mehreren technisch unterschiedlichen Ideen. | Welche Alternative löst das Problem anders? |
| Arbeitsplanung | Reihenfolge, Mittel, Zeit, Zuständigkeiten und Prüfungen vor der Fertigung festlegen. | Was muss wann womit geprüft werden? |
| Qualitätssicherung | Geplante Maßnahmen, damit Anforderungen während und nach der Fertigung eingehalten werden. | Wo prüfe ich Qualität? |
| Test | Festgelegtes Verfahren zum Vergleich von Istwert und Sollwert. | Ist das Ergebnis bestanden oder nicht? |
| Optimierung | Gezielte Verbesserung aufgrund von Messwerten, Beobachtungen oder Fehlern. | Welche Änderung verbessert welches Kriterium? |
| Dokumentation | Nachvollziehbarer Nachweis von Entscheidungen, Zeichnungen, Daten, Tests und Änderungen. | Kann eine andere Person meinen Weg verstehen? |
Medienlabor: erst untersuchen, dann handeln
Die Medien sind Arbeitsmaterial. Beobachte, markiere, vergleiche, messe, simuliere und finde Fehler.
Medium 1: Technische Zeichnung lesen

Bildlegende: Orthografische Projektion: Ein Körper wird in geordnete zweidimensionale Ansichten übertragen.
Medienauftrag:
- Ansichten markieren: Kennzeichne Vorder-, Seiten- und Draufsicht auf einer Kopie.
- Vergleichen: Notiere zwei Informationen, die in einer 3D-Ansicht schnell erkennbar sind, und zwei Informationen, die eine bemaßte 2D-Zeichnung genauer liefert.
- Fehler finden: Prüfe bei einer eigenen Zeichnung, ob Maße doppelt, unklar oder fehlend sind.
Medium 2: CAD-Modell und Zeichnung vergleichen

Bildlegende: CAD verbindet Geometrie, Maße und technische Darstellung.
Kurzsichtfenster: Nutze besonders den Abschnitt etwa 12:57 bis 17:30 zu Skizzen, Maßen und parametrischem Ändern.
Medienauftrag:
- Beobachten: Finde mindestens drei CAD-Elemente, die eine Konstruktion eindeutig machen.
- Simulieren: Ändere in einem eigenen Schul-CAD-Modell genau eine Hauptabmessung und beobachte, welche abhängigen Elemente mitwandern.
- Vergleichen: Stelle die Version vor und nach der Änderung gegenüber. Welche Anforderung wird dadurch besser oder schlechter erfüllt?
Medium 3: Entwicklungsprozess als Schleife
Kurzvideoauftrag: Stoppe nach jedem Prozessschritt. Schreibe nicht nur die Reihenfolge auf, sondern markiere die Stellen, an denen ein Rücksprung sinnvoll ist.
NASA-Auftrag: Notiere ein Beispiel dafür, dass eine technische Lösung nach einem Test verändert werden muss. Übertrage diese Idee auf Dein eigenes Projekt.
Medium 4: Messen für Qualitätssicherung

Bildlegende: Ein Messschieber kann Außen-, Innen- und Tiefenmaße erfassen.

Medienauftrag:
- Messen: Miss nur freigegebene Übungsbauteile und trage Sollmaß, Istmaß und Abweichung in eine Tabelle ein.
- Fehler finden: Suche drei mögliche Messfehler, zum Beispiel schräges Ansetzen, falsche Nullstellung oder falsches Ablesen.
- Selbstkontrolle: Wiederhole eine Messung dreimal. Große Streuung bedeutet: Messmethode prüfen.
Medium 5: Testen mit Modellen

Bildlegende: Modelle werden getestet, bevor eine endgültige Lösung festgelegt wird.
Medienauftrag:
- Beobachten: Was bleibt beim Test konstant, was wird verändert, was wird gemessen?
- Übertragen: Formuliere dieselben drei Punkte für Deinen Halterungstest.
- Fehler finden: Erkläre, warum ein Test ohne vorher festgelegtes Erfolgskriterium wenig aussagekräftig ist.
Medium 6: Technische Darstellung genauer prüfen

Bildlegende: Technische Darstellungen reduzieren reale Objekte auf die Informationen, die für Herstellung und Kontrolle nötig sind.
Kurzsichtfenster: Nutze für die Wiederholung nur einen kurzen Ausschnitt, in dem die Zuordnung von Ansichten erklärt wird. Danach sofort selbst zeichnen.
Leitprojekt: Offene technische Aufgabe
Problem: Entwickle eine standsichere, materialeffiziente Halterung für ein schulisches Endgerät oder ein gleich großes Übungsmodell. Die Halterung soll auf einem Schultisch funktionieren, kompakt sein und mit schulisch freigegebenen Werkstoffen herstellbar sein.
Wichtig: Es gibt nicht nur eine richtige Konstruktion. Technische Entscheidungen müssen zu den Anforderungen, Prüfungen und verfügbaren schulischen Fertigungsmöglichkeiten passen.
Projektauftrag in einer Karte
| Bereich | Auftrag |
|---|---|
| Nutzerproblem | Ein Gerät soll ohne Festhalten gut ablesbar stehen. |
| Randbedingungen | kompakt, standsicher, ressourcenschonend, schulisch herstellbar |
| Werkstoff | Holz, Kunststoff oder Metall begründet auswählen; früher Prototyp darf aus Karton sein |
| Nachweise | Zeichnung oder CAD-Modell, Materialentscheidung, Arbeitsplan, Kostenübersicht, Testprotokoll, Änderungsnachweis |
| Qualitätsziel | Anforderungen müssen mit vorher festgelegten Prüfkriterien kontrollierbar sein. |
Projektplan mit Entscheidungstoren
| Phase | Ergebnis | Entscheidungstor | Rücksprung, wenn ... |
|---|---|---|---|
| Problem klären | Nutzerproblem in einem Satz | Tor A: Aufgabe verstanden? | Ziel oder Randbedingung unklar |
| Anforderungen | priorisierte Lastenanforderungen | Tor B: prüfbar? | Muss-Anforderungen nicht messbar |
| Varianten | mindestens drei Skizzen | Tor C: Auswahl begründet? | nur eine Idee vorhanden oder Muss-Kriterium verletzt |
| Konstruktion | technische Zeichnung oder CAD-Modell | Tor D: fertigungstauglich? | Maße, Werkstoff oder Verbindung fehlen |
| Arbeitsplanung | Arbeitsplan, Material- und Kostenliste | Tor E: schulisch freigegeben? | Sicherheit, Werkzeug oder Prüfpunkt ungeklärt |
| Prototyp/Test | Messwerte und Beobachtungen | Tor F: Kriterien erfüllt? | mindestens ein Muss-Kriterium verfehlt |
| Optimierung | gezielte Änderung | Tor G: Verbesserung nachgewiesen? | Änderung nicht getestet |
| Dokumentation | kompakte Konstruktionsmappe | Tor H: nachvollziehbar? | Entscheidung oder Änderung nicht belegt |
Meilensteinübersicht
| Meilenstein | Fertiges Arbeitsergebnis | Selbstcheck |
|---|---|---|
| M1 Problem | Problemformulierung | Nutzer, Zweck und Randbedingungen erkennbar |
| M2 Anforderungen | priorisierte Anforderungsliste | Muss, Soll und Kann unterschieden |
| M3 Varianten | drei Lösungsvarianten | technisch verschieden, nicht nur optisch |
| M4 Entscheidung | begründete Auswahl | Kriterien und Gewichtung sichtbar |
| M5 Konstruktion | Zeichnung oder CAD | Maße, Werkstoff und Version vorhanden |
| M6 Arbeitsplanung | Arbeits- und Prüfplan | Reihenfolge, Mittel, Qualität und Sicherheit bedacht |
| M7 Test | Testprotokoll | Sollwert, Istwert, Ergebnis vorhanden |
| M8 Optimierung | Änderung mit Begründung | Vorher-Nachher-Vergleich möglich |
| M9 Dokumentation | vollständige Kurzmappe | fremde Person kann den Weg nachvollziehen |
Schritt 1: Lastenanforderungen priorisieren
Die folgenden Wünsche sind absichtlich noch nicht vollständig technisch formuliert.
| Wunsch | Deine Priorität | Begründung | |||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gerät steht ohne Festhalten | Muss / Soll / Kann | Gerät rutscht im normalen Gebrauch nicht heraus | Muss / Soll / Kann | Halterung ist leicht transportierbar | Muss / Soll / Kann | Materialeinsatz ist gering | Muss / Soll / Kann | Oberfläche beschädigt das Gerät nicht | Muss / Soll / Kann | Halterung sieht ansprechend aus | Muss / Soll / Kann | Lösung ist mit schulisch verfügbaren Verfahren herstellbar | Muss / Soll / Kann | Teile lassen sich möglichst trennen oder wiederverwenden | Muss / Soll / Kann | Kosten bleiben niedrig | Muss / Soll / Kann | Konstruktion ist dokumentierbar und prüfbar | Muss / Soll / Kann |
Entscheidungsstelle: Wenn zwei Muss-Anforderungen sich widersprechen, musst Du den Zielkonflikt sichtbar machen und begründet priorisieren.
Von der Lastenanforderung zur technischen Spezifikation
| Lastenanforderung | Technische Spezifikation | Prüfmethode |
|---|---|---|
| Gerät soll standsicher stehen. | Beispiel: Kein Umkippen mit freigegebenem Übungsmodell während 30 Sekunden auf einer 5-Grad-Neigung. | Neigungstest |
| Halterung soll kompakt sein. | von Dir festgelegte maximale Länge, Breite und Höhe | Messen |
| Materialeinsatz soll gering sein. | von Dir festgelegte maximale Masse oder Materialfläche | Wiegen oder Flächenberechnung |
| Kosten sollen niedrig sein. | von Dir festgelegtes Kostenlimit | Kostenrechnung |
Sofort-Feedback: Eine gute technische Spezifikation enthält mindestens Größe oder Zustand + Grenzwert + Testbedingung. Wörter wie „stabil“, „gut“ oder „leicht“ allein sind noch nicht prüfbar.
Schritt 2: Lösungsvarianten entwickeln
Erstelle mindestens drei Varianten. Verändere nicht nur die Form, sondern das technische Prinzip.
| Variantenimpuls | Leitfrage |
|---|---|
| Steckprinzip | Können Teile ohne dauerhafte Verbindung formschlüssig zusammenarbeiten? |
| Faltprinzip | Kann eine bewegliche oder klappbare Geometrie Transport und Nutzung verbinden? |
| Dreiecksabstützung | Wie kann Geometrie die Stabilität erhöhen? |
| Materialmix | Ist eine Kombination aus steifem Träger und weicher Auflage sinnvoll? |
Hilfekarte Ideenstau: Verändere nacheinander Winkel, Auflagebreite, Position des Schwerpunkts, Verbindung, Werkstoff und Zahl der Bauteile. Skizziere schnell; bewerte erst danach.
Variantenvergleich
| Kriterium | Gewicht 1 bis 5 | Variante A | Variante B | Variante C | |||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Standsicherheit | Materialeinsatz | Fertigbarkeit in der Schule | Kosten | Reparierbarkeit | Bedienung |
Auswertung: Multipliziere Gewicht und Bewertung. Addiere anschließend. Eine hohe Punktzahl ist nur dann sinnvoll, wenn kein Muss-Kriterium verletzt wird.
Entscheidungsstelle: Verletzt die bestbewertete Variante ein Muss-Kriterium, wird sie nicht automatisch gewählt. Überarbeite sie oder entscheide Dich für eine andere Variante.
Schritt 3: Werkstoff bestimmen
Nutze Datenblätter, Materialproben und schulische Erfahrungen. Eigenschaften hängen von der genauen Werkstoffsorte ab.
| Kriterium | Holz | Kunststoff | Metall | Für mein Projekt wichtig? | ||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Steifigkeit | recherchieren / prüfen | recherchieren / prüfen | recherchieren / prüfen | Masse | recherchieren / prüfen | recherchieren / prüfen | recherchieren / prüfen | Bearbeitbarkeit in der Schule | mit Lehrkraft klären | mit Lehrkraft klären | mit Lehrkraft klären | Oberflächenverhalten | prüfen | prüfen | prüfen | Verfügbarkeit | prüfen | prüfen | prüfen | Kosten | prüfen | prüfen | prüfen | Wiederverwendung / Recycling | prüfen | prüfen | prüfen |
Entscheidungssatz: „Ich wähle ________, weil die Eigenschaften ________ und ________ für die priorisierten Anforderungen wichtiger sind als ________.“
Sofort-Feedback: „Weil es gut ist“ reicht nicht. Nenne mindestens zwei Eigenschaften und verbinde sie direkt mit Anforderungen.
Schritt 4: Technische Zeichnung und CAD
Zeichnungssatz
| Bestandteil | Muss vorhanden sein | Selbstkontrolle |
|---|---|---|
| Ansichten | ausreichend zur eindeutigen Formbeschreibung | keine wichtige Form bleibt unsichtbar |
| Maße | funktions- und fertigungsrelevante Maße | nicht doppelt, nicht widersprüchlich |
| Einheit | einheitlich und klar | Einheit festgelegt |
| Werkstoff | eindeutige Werkstoffangabe | genaue Sorte, wenn für Fertigung nötig |
| Verbindung | sichtbar oder beschrieben | lösbar / unlösbar erkennbar |
| Version | Versionsnummer oder Datum | Änderung zuordenbar |
CAD-Check
| Prüffrage | Ja / Nein |
|---|---|
| Sind wichtige Skizzen vollständig bemaßt? | |
| Sind Maße an Anforderungen gekoppelt? | |
| Kann eine Hauptabmessung geändert werden, ohne das Modell zu zerstören? | |
| Sind Bauteile und Verbindungen nachvollziehbar? | |
| Ist die Datei eindeutig benannt und versioniert? |
Simulationsauftrag: Variiere im CAD drei mögliche Aufstellwinkel. Prüfe jeweils Sichtwinkel, Bauraum und Schwerpunktlage qualitativ. Wähle nicht nach Optik allein.
Schritt 5: Arbeitsplanung und Qualitätssicherung
| Arbeitsschritt | Zweck | Verfahren / Werkzeug | Sicherheitsfreigabe | Qualitätsprüfung | Zeit |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Lehrkraft | ||||
| 2 | Lehrkraft | ||||
| 3 | Lehrkraft | ||||
| 4 | Lehrkraft | ||||
| 5 | Lehrkraft |
Qualitätssicherung bedeutet: Nicht erst am Ende prüfen. Lege Zwischenprüfungen an Stellen fest, an denen ein Fehler später teuer oder schwer korrigierbar wäre.
Entscheidung Tor E: Keine Fertigung, solange Zeichnung, Werkstoff, Sicherheitsfreigabe oder Prüfpunkte ungeklärt sind.
Material- und Kostentabelle
| Position | Werkstoff / Bauteil | Abmessung | Menge | Planpreis | Istpreis | Rest / Verschnitt | Begründung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | |||||||
| 2 | |||||||
| 3 | |||||||
| 4 | |||||||
| Summe |
Schritt 6: Test planen und durchführen
Ein Test ist nur aussagekräftig, wenn Sollwert, Aufbau und Entscheidung vorher feststehen.
Testprotokoll
| Test-ID | Anforderung | Prüfaufbau | Kriterium | Istwert / Beobachtung | Bestanden? | Folge |
|---|---|---|---|---|---|---|
| T1 | Standsicherheit | Übungsmodell in Halterung, 30 Sekunden | kein Umkippen | |||
| T2 | Rutschsicherheit | 5-Grad-Neigungsbrett, 30 Sekunden | Verschiebung höchstens 5 mm | |||
| T3 | Maßhaltigkeit | ausgewähltes Funktionsmaß messen | innerhalb selbst festgelegter Toleranz | |||
| T4 | Oberfläche | Sicht- und Tastprüfung nach Schulregel | keine scharfen Kanten oder Splitter | |||
| T5 | Materialeinsatz | Masse oder Materialfläche bestimmen | eigener Grenzwert |
Hilfekarte Testfehler: Wenn ein Test nicht bestanden wird, ändere möglichst nur einen wesentlichen Parameter. So kannst Du Ursache und Wirkung besser erkennen.
Schritt 7: Optimieren und Änderungen dokumentieren
Beispielpfad, nicht Vorgabe: Prototyp V1 erfüllt die Standprüfung, rutscht im Neigungstest aber 9 mm und verfehlt damit das Kriterium von 5 mm. Die Lösung wird gezielt geändert. Eine größere Auflage oder eine geeignete, schulisch freigegebene rutschhemmende Kontaktfläche kann die Rutschsicherheit verbessern. Danach wird derselbe Test mit denselben Bedingungen wiederholt.
| Version | Beobachtung | Ursache-Hypothese | Änderung | Erwartung | Retest |
|---|---|---|---|---|---|
| V1 | Rutschweg 9 mm | Kontaktfläche bietet zu wenig Halt | Auflagegeometrie oder Kontaktfläche verändern | geringerer Rutschweg | noch offen |
| V2 | Beispiel: Rutschweg 3 mm | Änderung wirkt unter gleicher Testbedingung | beibehalten, nächste Anforderung prüfen | Muss-Kriterium erfüllt | bestanden |
Fachlich wichtig: Eine Optimierung ist erst nachgewiesen, wenn der relevante Test nach der Änderung erneut durchgeführt wurde.
Änderungsprotokoll
| Änderungs-ID | Datum / Version | Anlass | Änderung | Betroffene Zeichnung / CAD-Datei | Testergebnis danach |
|---|---|---|---|---|---|
| Ä1 | |||||
| Ä2 | |||||
| Ä3 |
Schritt 8: Dokumentation kompakt halten
Eine prüfungsnahe Dokumentation zeigt Entscheidungen und Nachweise, keine Textwand.
| Dokument | Maximaler Inhalt |
|---|---|
| Problemkarte | 1 Problem, 3 Randbedingungen |
| Anforderungsliste | priorisierte Anforderungen und Prüfkriterien |
| Variantenblatt | 3 Skizzen und kurzer Vergleich |
| Entscheidung | Kriterienmatrix und 3-Satz-Begründung |
| Konstruktion | 1 technische Zeichnung oder CAD-Auszug |
| Arbeitsplanung | kompakter Arbeits- und Prüfplan |
| Material / Kosten | 1 Tabelle |
| Test | 1 Testprotokoll |
| Optimierung | Vorher-Nachher und Änderungs-ID |
| Reflexion | 3 präzise Aussagen |
Reflexionskarten
| Karte | Frage | Beleg |
|---|---|---|
| R1 Anforderung | Welche Muss-Anforderung hat Deine Konstruktion am stärksten bestimmt? | Zeige die Stelle in Zeichnung oder CAD. |
| R2 Variante | Welche verworfene Idee war trotzdem technisch interessant? | Nenne das Ausschlusskriterium. |
| R3 Werkstoff | Welche Eigenschaft war für Deine Werkstoffwahl entscheidend? | Verweise auf Test, Datenblatt oder Vergleich. |
| R4 Fertigung | Wo lag das größte Planungsrisiko? | Zeige den Prüfpunkt im Arbeitsplan. |
| R5 Test | Welcher Test lieferte die wichtigste Information? | Nenne Soll- und Istwert. |
| R6 Optimierung | Welche Änderung hatte die größte Wirkung? | Zeige Vorher-Nachher-Daten. |
| R7 Dokumentation | Welche Entscheidung könnte eine fremde Person nicht nachvollziehen? | Ergänze den fehlenden Nachweis. |
| R8 Transfer | Was würdest Du bei einer neuen Aufgabe zuerst anders planen? | Begründe mit einer Erfahrung aus dem Projekt. |
Selbstkontrolle mit Sofort-Feedback
| Aussage | Wenn Nein ... |
|---|---|
| Jede Muss-Anforderung ist prüfbar. | Zur technischen Spezifikation zurück. |
| Es gibt mindestens drei technisch verschiedene Varianten. | Ideenimpulse nutzen und neue Variante skizzieren. |
| Die Werkstoffwahl ist an Eigenschaften gebunden. | Materialvergleich ergänzen. |
| Zeichnung oder CAD enthält alle Funktionsmaße. | Zeichnung prüfen. |
| Arbeitsplan enthält Zwischenprüfungen. | Qualitätssicherung ergänzen. |
| Testkriterien wurden vor dem Test festgelegt. | Testplan neu formulieren. |
| Eine Änderung ist mit Retest belegt. | Test unter gleichen Bedingungen wiederholen. |
| Jede wichtige Entscheidung ist dokumentiert. | Änderungs- oder Entscheidungsnachweis ergänzen. |
Prüfungsnaher Transfer: unbekannte Aufgabe
Zeitvorgabe zur Übung: 20 Minuten. Du planst nur. Du fertigst nichts.
Unbekannter Auftrag: Für eine Schulbibliothek soll ein kleiner, stapelbarer Buchstützer entwickelt werden. Er soll ein 1,2-kg-Buch sicher halten, auf einer Grundfläche von höchstens 160 mm × 120 mm stehen, aus einem schulisch verfügbaren Werkstoff bestehen und mit einem Materialbudget von höchstens 4 Euro planbar sein. Mindestens eine Verbindung soll lösbar sein.
Dein kompakter Lösungsplan
| Baustein | Erwarteter Inhalt |
|---|---|
| 1 Problem | Zweck und Nutzer in einem Satz |
| 2 Anforderungen | Muss, Soll, Kann |
| 3 Spezifikationen | mindestens drei messbare Kriterien |
| 4 Varianten | mindestens zwei technisch verschiedene Lösungsprinzipien |
| 5 Entscheidung | Kriterien und Begründung |
| 6 Werkstoff | Eigenschaft mit Bezug zur Aufgabe |
| 7 Arbeits- und Prüfplan | sinnvolle Reihenfolge plus Zwischenprüfung |
| 8 Test und Optimierung | Prüfkriterium, möglicher Fehler, gezielte Änderung |
Sofort-Feedback: Ein vollständiger Plan muss nicht lang sein. Entscheidend ist die Kette Anforderung → technische Entscheidung → Prüfkriterium → Nachweis.
Hilfekarte Prüfung: Wenn Du festhängst, schreibe zuerst drei Muss-Anforderungen. Leite daraus drei Prüfkriterien ab. Erst danach entwickelst Du Varianten.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was macht aus einer allgemeinen Anforderung eine technische Spezifikation? (Ein messbarer oder eindeutig prüfbarer Sollwert) (!Eine möglichst lange Beschreibung) (!Eine Zeichnung ohne Maße) (!Eine spontane Materialwahl)
Was ist bei einer offenen Konstruktionsaufgabe vor der Auswahl einer Lösung sinnvoll? (Mehrere technisch unterschiedliche Lösungsvarianten entwickeln) (!Sofort die erste Idee fertigen) (!Nur die schönste Form auswählen) (!Erst nach der Fertigung Anforderungen sammeln)
Wozu dient eine Priorisierung von Anforderungen? (Sie macht sichtbar, welche Anforderungen unverzichtbar oder nachrangig sind) (!Sie ersetzt alle Tests) (!Sie legt automatisch den Werkstoff fest) (!Sie macht eine Zeichnung überflüssig)
Welche Begründung für eine Werkstoffwahl ist fachlich am stärksten? (Eigenschaften des Werkstoffs werden direkt mit Anforderungen verknüpft) (!Der Werkstoff sieht modern aus) (!Der Werkstoff liegt zufällig vorne im Regal) (!Der Werkstoff wurde ohne Vergleich gewählt)
Was gehört zu einer guten Arbeitsplanung? (Reihenfolge, Mittel, Zeit und Prüfstellen) (!Nur der Endtermin) (!Nur eine Materialliste) (!Nur die Farbe des Produkts)
Was kennzeichnet Qualitätssicherung im Entwicklungsprozess? (Qualität wird auch während der Fertigung an geplanten Punkten geprüft) (!Qualität wird nur am Ende geschätzt) (!Qualität bedeutet ausschließlich niedrige Kosten) (!Qualität wird ohne Kriterien beurteilt)
Wann ist ein Test besonders aussagekräftig? (Wenn Sollwert, Prüfbedingung und Entscheidungskriterium vorher feststehen) (!Wenn das Ergebnis erst nachträglich passend erklärt wird) (!Wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig unkontrolliert verändert werden) (!Wenn keine Messwerte notiert werden)
Wann ist eine Optimierung nachgewiesen? (Wenn eine gezielte Änderung durch einen erneuten Test überprüft wurde) (!Wenn nur eine neue Idee genannt wurde) (!Wenn die alte Zeichnung gelöscht wurde) (!Wenn keine Vergleichsdaten vorhanden sind)
Welche Information gehört in eine technische Dokumentation? (Entscheidungen, Zeichnungen, Prüfwerte und Änderungen) (!Nur ein Foto des Endprodukts) (!Nur der Produktname) (!Nur eine persönliche Meinung)
Was ist bei einer nicht bestandenen Muss-Anforderung der fachlich passende nächste Schritt? (Ursache untersuchen, gezielt ändern und erneut testen) (!Das Kriterium nachträglich entfernen) (!Die Messung ignorieren) (!Ohne Dokumentation weiterarbeiten)
Memory
| Lastenanforderung | Erwartung aus Nutzer- oder Auftraggebersicht |
| Technische Spezifikation | Prüffbarer technischer Sollwert |
| Lösungsvariante | Alternative technische Idee |
| Arbeitsplanung | Vorbereitete Reihenfolge von Arbeit und Prüfung |
| Qualitätssicherung | Geplante Sicherung der geforderten Qualität |
| Test | Vergleich von Soll und Ist unter festgelegten Bedingungen |
| Optimierung | Gezielte Verbesserung nach Auswertung |
| Dokumentation | Nachvollziehbarer Entwicklungsnachweis |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Entwicklungsaufgabe |
|---|---|
| Priorisieren | Muss-, Soll- und Kann-Anforderungen festlegen |
| Spezifizieren | Anforderungen messbar oder eindeutig prüfbar machen |
| Variieren | Mehrere technische Lösungsprinzipien entwickeln |
| Planen | Reihenfolge, Mittel und Prüfstellen festlegen |
| Testen | Soll- und Istwerte vergleichen |
| Optimieren | Lösung gezielt verbessern und erneut prüfen |
Kreuzworträtsel
| Spezifikation | Wie heißt die prüfbare technische Festlegung einer Anforderung? |
| Prototyp | Wie heißt ein frühes Modell zum Erproben einer Lösung? |
| Variante | Wie heißt eine alternative technische Lösung? |
| Werkstoff | Wie nennt man Material wie Holz, Kunststoff oder Metall im technischen Zusammenhang? |
| Optimierung | Wie heißt die gezielte Verbesserung nach einem Test? |
| Dokumentation | Wie heißt der nachvollziehbare Nachweis des Entwicklungswegs? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Anforderungskarte: Formuliere zu einem Alltagsgegenstand fünf Lastenanforderungen und ordne sie in Muss, Soll und Kann.
- Prüfkriterium: Wandle drei unklare Wörter wie „stabil“, „leicht“ oder „günstig“ in prüfbare technische Spezifikationen um.
- Medienanalyse CAD: Betrachte das CAD-Bild im MOOC und markiere fünf Informationen, die für Fertigung oder Kontrolle nützlich sein können.
- Fehlerdetektiv Zeichnung: Erstelle absichtlich eine kleine fehlerhafte Skizze mit drei typischen Fehlern und tausche sie mit einer Partnerperson zum Finden und Verbessern.
Standard
- Variantenwerkstatt: Entwickle drei technisch unterschiedliche Halterungsideen und vergleiche sie mit einer gewichteten Kriterienmatrix.
- Werkstoffentscheidung: Vergleiche Holz, Kunststoff und Metall für eine konkrete Teilfunktion und begründe eine Auswahl mit mindestens zwei Eigenschaften.
- Arbeitsplan: Erstelle einen Arbeitsplan mit mindestens zwei Zwischenprüfungen und einem klaren Freigabepunkt vor der Fertigung.
- Testlabor: Plane einen wiederholbaren Test für eine selbst gewählte Muss-Anforderung und formuliere Sollwert, Prüfbedingung und Auswertung.
Schwer
- Optimierungsschleife: Nutze ein Testprotokoll, leite aus einem Fehler eine Ursache-Hypothese ab, ändere genau einen Hauptparameter und plane den Retest.
- CAD-Änderungsnachweis: Erstelle zwei Versionen eines CAD-Modells, verändere eine funktionsrelevante Abmessung und dokumentiere Wirkung, Vorteil und möglichen Nachteil.
- Prüfungsplan: Bearbeite die unbekannte Buchstützer-Aufgabe in 20 Minuten und erstelle einen vollständigen Lösungsplan auf einer Seite.
- Technikreview: Führe mit einer anderen Gruppe ein kurzes Design-Review durch. Prüft gegenseitig Anforderungen, Fertigbarkeit, Prüfkriterien und Nachvollziehbarkeit der Dokumentation.


Lernkontrolle
- Zielkonflikt analysieren: Eine Lösung ist besonders leicht, kippt aber schneller. Erkläre, welche Anforderungen im Konflikt stehen und wie Du eine begründete Entscheidung vorbereitest.
- Fehlerkette untersuchen: Ein Funktionsmaß ist außerhalb der Toleranz. Zeige, an welchen Stellen in Zeichnung, Arbeitsplanung und Qualitätssicherung der Fehler früher hätte erkannt werden können.
- Werkstoffwechsel beurteilen: Ein Bauteil soll statt aus Holz aus Kunststoff hergestellt werden. Nenne mindestens drei Prüfungen, die vor der Freigabe erneut betrachtet werden müssen.
- Test verbessern: Ein Team schreibt nur „Halter ist stabil“. Formuliere daraus einen wiederholbaren Test mit Bedingung, Sollwert und Auswertung.
- Optimierung begründen: Zwei Änderungen verbessern die Standsicherheit, erhöhen aber Masse und Kosten. Entwickle eine Entscheidungsmatrix und begründe, welche Daten noch fehlen.
- Transferplan: Erhalte von der Lehrkraft eine neue technische Kurzaufgabe und erstelle in 15 bis 20 Minuten einen kompakten Plan von Anforderungen bis Dokumentation.
Lernnachweis
Für einen guten Lernnachweis zu diesem Thema sind wichtig:
- Anforderungsanalyse: priorisierte und prüfbare Anforderungen
- Lösungsentwicklung: mehrere technisch unterschiedliche Varianten
- Technische Entscheidung: begründete Auswahl anhand nachvollziehbarer Kriterien
- Werkstoffwahl: Bezug zwischen Eigenschaften und Anforderungen
- Technische Kommunikation: verständliche Zeichnung oder CAD-Darstellung
- Arbeitsplanung: sichere, schulisch freigegebene Fertigungs- und Prüfschritte
- Qualitätssicherung: geplante Zwischen- und Endprüfungen
- Testkompetenz: Sollwert, Istwert, Prüfbedingung und Auswertung
- Optimierung: dokumentierte Änderung mit Retest
- Dokumentation: kompakte, versionsklare Konstruktionsmappe
- Transfer: unbekannte Aufgabe selbstständig strukturieren und in einen vollständigen Lösungsplan überführen
OERs zum Thema
Weitere offene Quellen
- Wikimedia Commons: Technische Zeichnungen
- Wikimedia Commons: CAD
- NASA STEM: Engineering Design Process
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