Stahlbau und tragende Metallkonstruktionen – Schraub- und Schweißanschlüsse vergleichen
Stahlbau und tragende Metallkonstruktionen – Schraub- und Schweißanschlüsse vergleichen
QR-Code
Stahlbau und tragende Metallkonstruktionen – Schraub- und Schweißanschlüsse vergleichen
Einleitung
Im Stahlbau übertragen Anschlüsse Kräfte zwischen Bauteilen. In diesem Lernkurs vergleichst Du Schraubanschlüsse und Schweißanschlüsse aus Sicht von Montage, Prüfung und Instandhaltung. Du lernst vor allem, Beobachtungen fachgerecht zu dokumentieren, Gefährdungen zu erkennen und zu entscheiden, wann Du die Arbeit unterbrechen und zuständige Fachleute hinzuziehen musst.

Wichtig: Dieser Kurs ersetzt weder Tragwerksplanung noch Ausführungsunterlagen, Gefährdungsbeurteilung, Schweißaufsicht, Schweißerprüfung oder fachliche Freigabe. Tragfähigkeit, Befestigung, Brandschutz und Maschinensicherheit werden nicht nach Faustformeln beurteilt. Statische und sicherheitsbezogene Nachweise sowie Freigaben bleiben Aufgabe der dafür zuständigen und qualifizierten Fachleute.
Praktische Schweißarbeiten finden ausschließlich in einem dafür geeigneten Ausbildungsbereich, nach betrieblicher Gefährdungsbeurteilung und unter Fachaufsicht statt. Der Lernkurs vermittelt keine Schweißerqualifikation.
Ausbildungsfall: Wartungsbühne in einer Produktionshalle
Du arbeitest in einem Ausbildungsteam für Metallbau und Instandhaltung. An einer stählernen Wartungsbühne werden zwei Anschlüsse untersucht:
- Anschluss S1: Ein Träger ist über eine verschraubte Stirnplatte mit einer Stütze verbunden. Bei der Kontrolle fallen Beschichtungsschäden und eine Schraubengarnitur mit abweichender Kennzeichnung auf.
- Anschluss S2: Eine Konsole ist angeschweißt. Im Bereich des Nahtübergangs ist eine lineare Oberflächenanzeige sichtbar.
Dein Auftrag lautet nicht: „Ist das noch sicher?“ Dein Auftrag lautet: Beobachtung beschreiben – Unterlagen zuordnen – Gefährdung erkennen – Prüfbedarf melden – Entscheidung an die zuständige Fachperson weitergeben.
Eine abweichende Kennzeichnung oder sichtbare Anzeige ist weder automatisch ein Mangel noch ein Freigabekriterium. Beides muss anhand der projektspezifischen Vorgaben und durch die zuständige Fachperson bewertet werden.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du Schraub- und Schweißanschlüsse nach ihrem Grundprinzip unterscheiden, typische Montageschritte einordnen, sichtbare Auffälligkeiten sachlich dokumentieren, Prüfverfahren voneinander abgrenzen, Instandhaltungsabläufe strukturieren und die Grenzen Deiner eigenen Entscheidungsbefugnis begründen.
Kurze Lerneinheiten
Lerneinheit 1: Anschluss, Lastpfad und Dokumente
Ein Anschluss ist Teil eines Tragwerks. Seine Aufgabe kann nur aus Planung, Lastpfad und Ausführungsunterlagen beurteilt werden. Ein Foto allein beweist keine Tragfähigkeit.
Vor jeder Bewertung fragst Du: Welches Bauteil ist betroffen? Welche Verbindung liegt vor? Welche Zeichnung, Ausführungsspezifikation, Prüfanforderung oder Instandhaltungsanweisung gilt? Wer ist für die Freigabe zuständig?

Beobachtungsauftrag: Suche im Bild Schraube, Mutter, gefügte Bauteile und Kontaktflächen. Beschreibe nur, was sichtbar ist. Formuliere anschließend einen Satz, den Du nicht allein aus dem Bild ableiten darfst, zum Beispiel eine Aussage zur Tragfähigkeit.
Lerneinheit 2: Schraubanschlüsse erkennen
Schraubanschlüsse sind mechanische Verbindungen. Sie können montagefreundlich und grundsätzlich lösbar sein. Für tragende Stahlkonstruktionen ist jedoch entscheidend, welches Schraubsystem und welches projektspezifische Montageverfahren vorgesehen sind.

Für nicht vorgespannte tragende Schraubengarnituren ist die Normenreihe DIN EN 15048 relevant. Hochfeste vorspannbare Garnituren werden in der Normenreihe DIN EN 14399 behandelt. Ausführung und Montage tragender Stahlbauteile werden unter anderem durch DIN EN 1090-2 geregelt.

Kein Tabellenwert auf Verdacht: Ein allgemeiner Drehmomentwert aus einer beliebigen Tabelle darf nicht zur Freigabe einer tragenden Verbindung benutzt werden. Schraubsystem, Garnitur, Oberflächenzustand, Montageverfahren, Ausführungsspezifikation und gegebenenfalls Kalibrierung müssen zum konkreten Projekt passen.
Entscheidungsaufgabe S1
Du findest an S1 eine Garnitur mit einer anderen Kennzeichnung als an den benachbarten Garnituren.
Entscheidung: Nicht nachziehen, nicht austauschen und nicht freigeben. Kennzeichnung und Einbausituation dokumentieren, projektspezifische Unterlagen prüfen lassen und die Abweichung der zuständigen Fachperson melden.
Begründetes Feedback: Eine andere Kennzeichnung kann unterschiedliche Ursachen haben. Ohne Sollvorgabe kennst Du weder die vorgesehene Garnitur noch das geforderte Montageverfahren. Eigenmächtiges Nachziehen kann den Zustand zusätzlich verändern und die spätere Beurteilung erschweren.
Lerneinheit 3: Schweißanschlüsse erkennen
Schweißanschlüsse sind stoffschlüssige Verbindungen. Ihre Qualität hängt nicht nur von der sichtbaren Nahtform ab, sondern unter anderem von Werkstoffen, Vorbereitung, Schweißanweisung, Ausführung, Wärmeführung und Prüfung.



Beobachtungsauftrag: Unterscheide Stoßform, Nahtlage und Schweißnahtsymbol. Verwechsle eine Zeichnungsangabe nicht mit dem Nachweis, dass die ausgeführte Verbindung tatsächlich den Vorgaben entspricht.
Prozessvideo: MIG/MAG nur beobachten
Das folgende Video stammt vom Fachkanal Fronius Welding. Es dient hier ausschließlich der Prozessbeobachtung. Es ist keine Arbeitsanweisung für unbeaufsichtigtes Schweißen.
Beobachtungsauftrag: Notiere drei sichtbare Prozessmerkmale. Welche Merkmale kann ein Video zeigen, welche qualitätsrelevanten Informationen bleiben ohne WPS, Werkstoffangaben, Geräteeinstellungen, Prüfplan und Qualifikationsnachweise offen?
Sicherheitsentscheidung: Praktisches Nachmachen erfolgt nur im vorgesehenen Ausbildungsbereich unter Fachaufsicht und nach den dort festgelegten Schutzmaßnahmen.
Lerneinheit 4: Schrauben oder Schweißen?
| Kriterium | Schraubanschluss | Schweißanschluss |
|---|---|---|
| Grundprinzip | mechanisch gefügt | stoffschlüssig gefügt |
| Montage | Garnituren einsetzen und nach vorgegebenem Verfahren montieren | Fügen nach festgelegter Schweißanweisung und durch entsprechend qualifiziertes Personal |
| Wärmeeintrag | durch das Fügen selbst typischerweise kein Schweißwärmeeintrag | Wärmeeintrag ist Teil des Prozesses |
| Lösbarkeit | grundsätzlich möglich, aber nicht automatisch ohne statische oder betriebliche Folgen | Trennen erfordert einen geplanten Eingriff |
| Typische Prüfbasis | Unterlagen, Kennzeichnungen, Einbauzustand und festgelegte Montage-/Prüfdokumentation | Sichtprüfung und gegebenenfalls weitere festgelegte Prüfverfahren |
| Instandhaltung | Austausch oder Nacharbeit nur nach genehmigtem Vorgehen | Reparaturschweißen nur nach freigegebenem Reparaturkonzept |
Merksatz: „Leichter zu montieren“ oder „sieht gut aus“ bedeutet nicht „tragfähig nachgewiesen“.
Lerneinheit 5: Schweißnähte prüfen – Beobachtung ist keine Freigabe
Die DIN EN ISO 17637 beschreibt die Sichtprüfung von Schmelzschweißverbindungen. Für Bewertungsgruppen von Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen ist DIN EN ISO 5817 relevant. Welche Prüfungen und Akzeptanzkriterien im konkreten Bauwerk gelten, ergibt sich aus den anwendbaren Unterlagen und Anforderungen.


Die Datei zeigt unterschiedliche Übungsproben. Sie eignet sich zum Vergleichen und Benennen von sichtbaren Merkmalen, nicht zur pauschalen Abnahme einer realen Tragkonstruktion.

Prüfregel: Eine Sichtprüfung kann Oberflächenmerkmale erkennen. Sie ersetzt keinen rechnerischen Nachweis und keine zusätzlich geforderte zerstörungsfreie Prüfung.
Entscheidungsaufgabe S2
An S2 erkennst Du eine lineare Anzeige am Nahtübergang.
Entscheidung: Bereich kennzeichnen und dokumentieren, Beanspruchung beziehungsweise Zugang nur nach betrieblicher Vorgabe sichern, Prüfverantwortliche informieren und festgelegtes Prüfverfahren abwarten.
Begründetes Feedback: Aus einer sichtbaren Linie allein darfst Du weder „Riss“ noch „harmlos“ ableiten. Die fachgerechte Bewertung braucht geeignete Prüfung, Anforderungen aus dem Prüfplan und eine zuständige Person.
Lerneinheit 6: Prüfmittel richtig einordnen

Ein Schweißnahtmessgerät kann geometrische Merkmale erfassen. Es beweist nicht selbstständig die Tragfähigkeit eines Anschlusses.

Eine Ultraschallanzeige muss durch qualifiziertes Prüfpersonal nach dem vorgesehenen Verfahren interpretiert werden. Bildmaterial aus einem Prüfverfahren ist kein Ersatz für eine reale Prüfanweisung.
Mini-Entscheidung: Wenn ein Messwert außerhalb Deiner Erwartung liegt, korrigierst Du nicht „auf Verdacht“, sondern dokumentierst Messstelle, Messmittel, Wert und Randbedingungen und meldest die Abweichung.
Lerneinheit 7: Arbeitsschutz beim Schweißen
Beim Lichtbogenschweißen können unter anderem elektrische Gefährdungen, optische Strahlung, Hitze, Brand- und Explosionsgefahren, Gefahrstoffe wie Schweißrauch, Prozessgase, Lärm und mechanische Gefährdungen auftreten.

Ein Helm ist nur ein Teil eines Schutzkonzepts. Vorrang haben Gefährdungsbeurteilung sowie geeignete technische und organisatorische Maßnahmen. Persönliche Schutzausrüstung ergänzt diese Maßnahmen entsprechend der festgelegten Schutzstrategie.
Fachvideo: Schweißrauchminderung
Das folgende DVS-Expertenvideo behandelt Arbeitssicherheit und Schweißrauchminderung.
Beobachtungsauftrag: Ordne genannte Maßnahmen den Kategorien technisch, organisatorisch oder persönlich zu. Welche Maßnahme wirkt möglichst nah an der Entstehungsstelle des Schweißrauchs?
Entscheidungsauftrag: Eine Absaugung ist vorhanden, aber Du kennst Eignung, Erfassung und Wartungszustand nicht. Darfst Du deshalb mit der Arbeit beginnen? Nein, nicht allein aufgrund des Vorhandenseins. Die Schutzmaßnahmen müssen für die konkrete Tätigkeit festgelegt und wirksam sein.
Sicherheitsvideo: Versteckte Gefahren
Beobachtungsauftrag: Welche Gefahr kann trotz unauffälligem Arbeitsplatz bestehen? Welche Information brauchst Du vor Arbeitsbeginn zusätzlich?
Feedback: Unsichtbare oder schlecht wahrnehmbare Gefahrstoffe lassen sich nicht durch Geruch oder Augenschein sicher ausschließen. Maßgeblich sind Gefährdungsbeurteilung, Verfahren, Werkstoffe und festgelegte Schutzmaßnahmen.
Lerneinheit 8: Brand-, Maschinen- und Baustellensicherheit
Lichtbogen, heiße Bauteile, Funken und Schlacke können Zündquellen sein. Öffnungen und verdeckte Bereiche können eine Ausbreitung begünstigen. Deshalb gibt dieser Kurs keine pauschalen Sicherheitsabstände, Brandwachen-Zeiten oder Freigabegrenzen vor.
Vor Arbeiten an oder nahe Maschinen muss der betriebliche sichere Zustand hergestellt sein. Welche Energiequellen zu sichern sind und welches Freigabeverfahren gilt, bestimmt die betriebliche Organisation durch zuständige Personen.
Stop-Regel: Wenn Tragzustand, Maschinenzustand, Brandschutz, Arbeitsfreigabe oder Schutzmaßnahmen unklar sind, beginnst Du nicht mit der praktischen Arbeit.
Lerneinheit 9: Instandhaltung ohne Schnellfreigabe
Ein sicherer Instandhaltungsablauf folgt einer klaren Trennung von Feststellen, Bewerten, Planen, Ausführen, Prüfen und Freigeben.
- Feststellen: Abweichung sachlich erfassen und dokumentieren.
- Bewerten: Zuständige Fachperson beurteilt Bedeutung und erforderliche Nachweise.
- Planen: Reparatur- oder Austauschkonzept wird freigegeben.
- Ausführen: Arbeiten erfolgen durch geeignetes Personal nach freigegebenen Unterlagen.
- Prüfen: Geforderte Kontrollen und Prüfungen werden dokumentiert.
- Freigeben: Nur dazu befugte Fachpersonen geben die Konstruktion wieder frei.
Nicht zulässig als Lernkurs-Entscheidung: „Die Schraube sitzt fest, also passt es“, „die Naht sieht glatt aus, also hält sie“ oder „nach dem Nachschweißen wird es schon wieder gehen“.
Lerneinheit 10: Was die Normen im Kurs leisten – und was nicht
Für Deutschland ist die aktuelle DIN EN 1993-1-8 mit Nationalem Anhang eine zentrale Grundlage für die Bemessung von Stahlbauanschlüssen. DIN EN 1090-2 behandelt technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken. Diese Normen sind kein Ersatz für die projektspezifische Statik, Zeichnung, Ausführungsspezifikation und fachliche Zuständigkeit.
Die DIN EN ISO 9606-1 betrifft die Prüfung von Schweißern für das Schmelzschweißen von Stählen. Das Bearbeiten dieses Lernkurses erfüllt diese Prüfung nicht.
Vergleich am Ausbildungsfall
| Beobachtung | Richtige Lernentscheidung | Warum? |
|---|---|---|
| Beschichtung an S1 beschädigt | dokumentieren und Instandhaltungsbedarf melden | Korrosionsschutz und Anschlusszustand müssen im Zusammenhang bewertet werden |
| Kennzeichnung einer Garnitur weicht ab | Sollvorgabe prüfen lassen | Kennzeichnung allein beweist weder Mangel noch Eignung |
| unbekannter Montagezustand einer Schraube | keine eigenmächtige Nachziehaktion | Montageverfahren ist projektspezifisch |
| lineare Anzeige an S2 | dokumentieren und Prüfung veranlassen | Sichtbefund ist noch keine Werkstoff- oder Tragfähigkeitsbewertung |
| Arbeitsbereich enthält brennbare Stoffe | nicht beginnen, Freigabe- und Brandschutzverfahren klären | Schweißarbeiten können wirksame Zündquellen erzeugen |
| Absaugung ist vorhanden | Wirksamkeit und Vorgaben prüfen | Vorhandensein allein ist kein Wirksamkeitsnachweis |
Gestufte Hilfen zum Ausbildungsfall
Hilfe 1: Beobachtung von Bewertung trennen
Schreibe zuerst nur auf, was Du sehen oder aus Unterlagen ablesen kannst. Verwende Wörter wie „sichtbar“, „Kennzeichnung“, „Position“, „Verfärbung“, „Beschichtungsschaden“ oder „Anzeige“. Vermeide zunächst Urteile wie „sicher“, „unbedenklich“ oder „tragfähig“.
Hilfe 2: Fünf Leitfragen
- Welcher Anschluss und welches Bauteil sind betroffen?
- Welche Soll-Unterlage gilt?
- Welche Abweichung ist tatsächlich dokumentiert?
- Welche Gefahr besteht während weiterer Arbeiten?
- Wer darf Prüfung, Reparatur und Freigabe entscheiden?
Hilfe 3: Dokumentationsschema
Nutze das Schema Ort – Bauteil – Anschlussart – Beobachtung – Foto/Skizze – vorhandene Unterlage – offene Frage – gemeldete Stelle – nächste freigegebene Handlung. Ein Prüfprotokoll trennt Beobachtung und fachliche Bewertung klar voneinander.
Basis-, Anwendungs- und Transferaufgaben mit Feedback
Basis
- Aufgabe 1: Ordne S1 dem Grundprinzip „mechanisch gefügt“ und S2 dem Grundprinzip „stoffschlüssig gefügt“ zu. Feedback: Die Zuordnung beschreibt das Fügeverfahren, sagt aber noch nichts über die Tragfähigkeit des konkreten Anschlusses.
- Aufgabe 2: Nenne zwei Dinge, die eine Sichtprüfung leisten kann, und zwei Dinge, die sie nicht beweist. Feedback: Sichtbar sind beispielsweise Oberflächenmerkmale und Zugänglichkeit. Nicht bewiesen sind allein dadurch innere Fehlerfreiheit oder Tragfähigkeit.
- Aufgabe 3: Nenne vier Gefährdungsarten beim Lichtbogenschweißen. Feedback: Schweißrauch, Strahlung, Hitze/Brand und elektrischer Strom sind zentrale Beispiele; weitere Gefährdungen können hinzukommen.
Anwendung
- Aufgabe 4: Formuliere für die abweichende Schraubenkennzeichnung eine neutrale Prüfnotiz ohne Freigabeurteil. Feedback: Gut ist eine Beschreibung mit Ort, Kennzeichnung und Fotoverweis. Ungünstig wäre die unbegründete Aussage „falsche Schraube“.
- Aufgabe 5: Erstelle für S2 eine Reihenfolge von Feststellen bis Freigeben. Feedback: Entscheidend ist, dass Bewertung und Reparaturentscheidung vor der Ausführung liegen und die abschließende Freigabe bei der zuständigen Stelle bleibt.
- Aufgabe 6: Ein Schweißplatz hat Helm und Handschuhe, aber die Absaugung ist außer Betrieb. Entscheide über den Arbeitsbeginn. Feedback: Ohne bestätigte wirksame Schutzmaßnahmen darfst Du die Tätigkeit nicht allein wegen vorhandener PSA beginnen.
Transfer
- Aufgabe 7: Nach einer Maschinenumstellung soll eine Konsole an eine vorhandene Stütze geschweißt werden. Begründe, warum die Aufgabe nicht mit einer „üblichen Nahtgröße“ aus einer Merkliste freigegeben werden darf. Feedback: Lasten, Anschlussgeometrie, Werkstoff, vorhandenes Tragwerk, Ausführung und Brandschutz müssen projektspezifisch nachgewiesen beziehungsweise festgelegt werden.
- Aufgabe 8: Im Lager liegt eine hochfeste Schraube passender Abmessung, aber die zugehörige Garnitur ist unklar. Darf sie als Ersatz eingebaut werden? Feedback: Nicht ohne eindeutige Eignung und freigegebene Vorgabe. Tragende Schraubengarnituren werden als norm- und projektspezifisches System betrachtet.
- Aufgabe 9: Eine sichtbare Nahtanzeige soll „kurz überschweißt“ werden. Entwickle eine sichere Alternative. Feedback: Befund sichern, fachlich bewerten lassen, Reparaturkonzept beziehungsweise Schweißanweisung freigeben, qualifiziert ausführen, anschließend gefordert prüfen und dokumentiert freigeben.
Mediengestützte Beobachtungsstationen
Station A: Schraubverbindung im Bild

Auftrag: Markiere auf einer eigenen Skizze Fügeteile, Schraubenachsen und mögliche Zugangsbereiche für Montage und Kontrolle. Notiere anschließend zwei Informationen, die Dir das Bild nicht liefert.
Station B: Schweißnahtgeometrie

Auftrag: Übertrage die benannten Bereiche in eine Handskizze. Formuliere dann, warum eine geometrische Messung allein keine Tragwerksfreigabe ist.
Station C: Unregelmäßigkeiten vergleichen

Auftrag: Beschreibe Unterschiede zwischen zwei Proben ohne Ursache zu behaupten. Ergänze anschließend, welche Unterlagen oder Prüfungen für eine fachliche Bewertung nötig wären.
Station D: Schweißprozess beobachten
Auftrag: Beobachte Lichtbogen, Brennerführung und Schmelzbad. Nenne danach drei Gefährdungen, die Du im Video sehen oder fachlich erwarten kannst. Das Video wird nicht als Anleitung zum selbstständigen Schweißen verwendet.
Station E: Schutzmaßnahmen entscheiden
Auftrag: Erstelle eine Dreispalten-Notiz „technisch – organisatorisch – persönlich“. Ordne die im Video genannten Schutzideen ein und begründe, warum PSA allein nicht die erste und einzige Schutzstrategie sein darf.
Quellen- und Medienprüfung
Quellenstand: 6. Oktober 2026. Vor realen Arbeiten ist immer zu prüfen, ob projektspezifisch neuere oder zusätzliche Regeln gelten. Normenangaben in diesem Lernkurs dienen der fachlichen Einordnung und ersetzen keine vollständige Normenanwendung.
Fachquellen
- DIN EN 1993-1-8:2025-04: Eurocode 3 – Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten – Teil 1-8: Anschlüsse.
- DIN EN 1993-1-8/NA:2026-04: Nationaler Anhang für Deutschland.
- DIN EN 1090-2:2024-09: Technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken.
- DIN EN 14399-1:2015-04: Hochfeste vorspannbare Garnituren für Schraubverbindungen im Metallbau.
- DIN EN 15048-1:2016-09: Garnituren für nicht vorgespannte Schraubverbindungen im Metallbau.
- DIN EN ISO 17637:2017-04: Sichtprüfung von Schmelzschweißverbindungen.
- DIN EN ISO 5817:2023-07: Bewertungsgruppen von Unregelmäßigkeiten an Schmelzschweißverbindungen.
- DIN EN ISO 9606-1:2017-12: Prüfung von Schweißern – Schmelzschweißen – Teil 1: Stähle.
- DGUV Information 209-010: Lichtbogenschweißen – Gefährdungen und Schutzmaßnahmen.
- TRGS 528: Schweißtechnische Arbeiten.
- DVS Forschung: Expertenvideo zur Arbeitssicherheit und Schweißrauchminderung.
Medienrechte der verwendeten Bilder
Die folgenden Bilder stammen von Wikimedia Commons. Die jeweilige Dateiseite ist für Urheberangabe, Lizenztext und gegebenenfalls Weitergabebedingungen maßgeblich.
| Datei | Einsatz im Kurs | Lizenz laut Commons-Dateiseite |
|---|---|---|
| StahlkonstruktionVerschraubung.jpg | Schraubanschluss im Stahlbau | CC BY-SA 3.0 |
| HVSchraubverbindung 2bolts.jpg | HV-Schraubverbindung | CC BY-SA 3.0 |
| Bolted joint in the part body.svg | Schnittdarstellung einer Schraubverbindung | CC0 |
| 2008-06-18 Structural bolts.jpg | tragende Schrauben | CC BY-SA 3.0 |
| Welding Joint Types.png | Schweißstoßarten | CC0 |
| Butt Welding.svg | Stumpfstoß | Public Domain |
| Fillet Weld Notation.png | Kehlnahtsymbolik | CC BY-SA 3.0 |
| Parts of a fillet weld.png | Kehlnahtgeometrie | CC BY-SA 3.0 |
| Training samples.png | Übungsproben mit unterschiedlichen Nahtmerkmalen | CC BY 4.0 |
| Welding imperfections - weld discontinuities..png | Schweißnahtunregelmäßigkeiten | CC BY-SA 4.0 |
| Svetsmatt.jpg | Schweißnahtmessgerät | CC BY-SA 3.0 |
| UT flaw detection - crack.png | Beispiel einer Ultraschallanzeige | CC0 |
| Welding helmet.jpg | Schweißerschutzhelm | CC BY-SA 4.0 |
Rechtehinweis zu den Videos
Die eingebetteten YouTube-Videos verbleiben beim jeweiligen Rechteinhaber und werden über den YouTube-Player eingebunden. Sie werden hier nicht als frei lizenzierte OER-Dateien ausgegeben. Verwendet werden ein Video des Fachkanals Fronius Welding, ein DVS-Expertenvideo sowie ein DGUV-Video. Bei späterer Wiederverwendung des Kurses sollen Verfügbarkeit, Herausgeber und Einbettungsmöglichkeit erneut geprüft werden.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer darf nach einem sicherheitsrelevanten Befund die Tragfähigkeit eines Stahlbauanschlusses fachlich freigeben? (Die dafür zuständige und qualifizierte Fachperson) (!Jede Person mit Werkzeugerfahrung) (!Die Person die den Befund zuerst fotografiert) (!Jede auszubildende Person nach diesem Lernkurs)
Was kennzeichnet einen Schraubanschluss grundsätzlich? (Eine mechanische Verbindung mit Verbindungselementen) (!Eine ausschließlich durch Schmelzen erzeugte Verbindung) (!Eine Klebeverbindung ohne Verbindungselemente) (!Eine Verbindung die immer vorgespannt sein muss)
Welche Norm ist eine zentrale Grundlage für die Bemessung von Stahlbauanschlüssen? (DIN EN 1993-1-8) (!DIN EN ISO 17637) (!DIN EN ISO 9606-1) (!TRGS 528)
Welche Norm behandelt technische Regeln für die Ausführung von Stahltragwerken? (DIN EN 1090-2) (!DIN EN ISO 5817) (!DIN EN 15048-1) (!DIN EN ISO 9606-1)
Welche Normenreihe betrifft hochfeste vorspannbare Schraubengarnituren im Metallbau? (DIN EN 14399) (!DIN EN 15048) (!DIN EN ISO 17637) (!DIN EN ISO 9606)
Welche Normenreihe betrifft nicht vorgespannte tragende Schraubengarnituren? (DIN EN 15048) (!DIN EN 14399) (!DIN EN ISO 5817) (!DIN EN ISO 17637)
Wofür steht DIN EN ISO 17637 im Zusammenhang mit Schweißverbindungen? (Für die Sichtprüfung von Schmelzschweißverbindungen) (!Für die Berechnung der gesamten Hallenstatik) (!Für den Brandschutznachweis eines Gebäudes) (!Für die elektrische Prüfung einer Schweißstromquelle)
Wie gehst Du mit einem unbekannten Anziehdrehmoment an einer tragenden Schraubverbindung um? (Du prüfst die freigegebene projektspezifische Vorgabe und holst die zuständige Fachperson hinzu) (!Du verwendest den höchsten Wert aus einer beliebigen Tabelle) (!Du ziehst nach Gefühl bis kein Drehen mehr möglich ist) (!Du übernimmst den Wert einer ähnlich aussehenden Verbindung)
Welche Gefahr gehört typischerweise zum Lichtbogenschweißen? (Schweißrauch und optische Strahlung) (!Nur Lärm ohne weitere Gefährdungen) (!Nur Stolpergefahr) (!Keine Gefahr wenn ein Helm getragen wird)
Welche Qualifikation erhältst Du allein durch diesen Lernkurs? (Keine Schweißerqualifikation) (!Eine Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606-1) (!Eine Prüfberechtigung für alle Schweißnähte) (!Eine Freigabeberechtigung für Stahltragwerke)
Memory
| DIN EN 1993-1-8 | Bemessung von Stahlbauanschlüssen |
| DIN EN 1090-2 | Ausführung von Stahltragwerken |
| DIN EN 14399 | vorspannbare Schraubengarnituren |
| DIN EN 15048 | nicht vorgespannte Schraubengarnituren |
| DIN EN ISO 17637 | Sichtprüfung von Schweißnähten |
| TRGS 528 | schweißtechnische Arbeiten |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Schraubanschluss | lösbare mechanische Verbindung |
| Schweißanschluss | stoffschlüssige Verbindung |
| Sichtprüfung | dokumentierte Oberflächenbeobachtung |
| Schweißrauchabsaugung | technische Schutzmaßnahme |
| Freigabe | Aufgabe zuständiger Fachleute |
Kreuzworträtsel
| Schraube | Welches Verbindungselement gehört zum mechanischen Anschluss? |
| Schweißnaht | Wie heißt der gefügte Bereich einer Schweißverbindung? |
| Vorspannung | Welcher Zustand wird bei dafür vorgesehenen hochfesten Garnituren gezielt erzeugt? |
| Schweißrauch | Welcher Gefahrstoff kann beim Schweißen entstehen? |
| Sichtprüfung | Welche Prüfung beurteilt zugängliche sichtbare Merkmale einer Schweißverbindung? |
| Instandhaltung | Wie heißt der Oberbegriff für Maßnahmen zum Erhalten oder Wiederherstellen des Sollzustands? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bildvergleich: Vergleiche ein Bild einer Schraubverbindung mit einem Bild einer Schweißverbindung. Erstelle zwei beschriftete Skizzen mit je drei sichtbaren Merkmalen.
- Gefahrenkarte: Gestalte eine Karte zu Schweißrauch, Strahlung, Hitze, Strom und Brandgefahr. Ordne jeder Gefahr die Frage zu, die Du vor einer praktischen Arbeit klären musst.
- Beobachtungsprotokoll: Schreibe für S1 eine neutrale Kurznotiz zur abweichenden Kennzeichnung, ohne eine Mangel- oder Freigabeaussage zu machen.
- Mini-Glossar: Erstelle mit eigenen Zeichnungen sechs Fachbegriffe aus dem Kurs und erkläre jeden in höchstens zwei Sätzen.
Standard
- Prüfcheckliste: Entwickle eine Checkliste, die Beobachtung, Soll-Unterlage, Prüfbedarf und Zuständigkeit voneinander trennt.
- Ablaufkarte: Entwirf für einen fiktiven Schraubanschluss einen Ablauf von Unterlagenprüfung bis Dokumentation, ohne Drehmoment- oder Freigabewerte zu erfinden.
- Videoanalyse: Wähle eines der eingebetteten Fachvideos und erstelle ein Storyboard mit fünf Beobachtungen und fünf offenen Sicherheits- oder Qualitätsfragen.
- Rollenspiel: Simuliere ein Gespräch zwischen Auszubildendem, Facharbeiter, Schweißaufsicht und Tragwerksplaner über S2. Halte fest, wer welche Entscheidung treffen darf.
Schwer
- Entscheidungsbaum: Entwickle einen Entscheidungsbaum für einen auffälligen Anschluss. Er muss die Pfade „dokumentieren“, „Arbeit stoppen“, „Fachprüfung veranlassen“, „Reparatur planen“, „prüfen“ und „freigeben“ enthalten.
- Normen-Mapping: Ordne DIN EN 1993-1-8, DIN EN 1090-2, DIN EN 14399, DIN EN 15048, DIN EN ISO 17637, DIN EN ISO 5817 und DIN EN ISO 9606-1 ihren Funktionen zu und erkläre die Grenzen jeder Zuordnung.
- Fallbericht: Erstelle aus dem Ausbildungsfall einen einseitigen Instandhaltungsbericht mit Befund, Fotoskizze, offenen Fragen, Zuständigkeiten und vorgeschlagenem nächsten Schritt.
- Mikrolernvideo: Produziere ein kurzes Erklärvideo „Beobachten ist nicht Freigeben“. Zeige nur sichere Demonstrationsobjekte oder Zeichnungen; keine praktische Schweißarbeit außerhalb eines geeigneten Ausbildungsbereichs und ohne Fachaufsicht.


Lernkontrolle
- Szenario Schraube: Eine Wartungskraft möchte eine auffällige Schraube vorsorglich nachziehen. Erkläre, welche Informationen vor jeder Maßnahme fehlen und warum ein allgemeiner Drehmomentwert kein ausreichender Nachweis ist.
- Szenario Schweißnaht: Eine Naht sieht gleichmäßig aus, liegt aber an einem sicherheitskritischen Anschluss. Entwickle eine fachlich begründete Prüfkette von der Sichtbeobachtung bis zur Freigabe.
- Szenario Schweißplatz: Vergleiche zwei Schweißplätze, von denen einer nur PSA und der andere zusätzlich festgelegte technische und organisatorische Schutzmaßnahmen besitzt. Begründe, welche Informationen Du für die Entscheidung über den Arbeitsbeginn brauchst.
- Szenario Umbau: Nach einer Maschinenumstellung soll ein neuer Halter an eine vorhandene Stahlstütze angebracht werden. Begründe, welche statischen, montagebezogenen, brandschutztechnischen und maschinensicherheitsbezogenen Fragen vor der Ausführung geklärt werden müssen.
- Szenario Befund: Ein sichtbarer Nahtbefund und eine abweichend markierte Schraubengarnitur treten gleichzeitig auf. Priorisiere Deine nächsten Schritte und begründe, warum Du keine der beiden Verbindungen eigenständig freigibst.
- Verfahrensvergleich: Entscheide für einen rein fiktiven, noch nicht bemessenen Anschluss nicht zwischen „Schrauben“ und „Schweißen“, sondern entwickle Kriterien, die eine planende Fachperson für diese Entscheidung prüfen müsste.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du Schraub- und Schweißanschlüsse fachsprachlich unterscheiden kannst, Beobachtung und Bewertung trennst, passende Unterlagen und Zuständigkeiten benennst, Prüfverfahren sinnvoll einordnest, Gefährdungen beim Schweißen erkennst, technische und organisatorische Schutzmaßnahmen vor persönlicher Improvisation einordnest und bei fehlenden Nachweisen konsequent an zuständige Fachleute eskalierst.
Zum Lernnachweis gehört außerdem, dass Du begründen kannst, warum Tragfähigkeit, Befestigung, Brandschutz und Maschinensicherheit nicht durch Faustformeln oder bloßen Augenschein freigegeben werden und warum dieser Lernkurs weder eine Schweißerqualifikation noch eine Prüf- oder Freigabeberechtigung vermittelt.
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen