Stahl als Werkstoff - Schmied


Stahl als Werkstoff - Schmied
Einleitung
Stahl ist der wichtigste Werkstoff in der Schmiede. Er besteht vor allem aus Eisen und Kohlenstoff. Seine Eigenschaften hängen von der Stahlsorte, der Schmiedetemperatur, der Umformung und der Wärmebehandlung ab.
Du lernst hier, Stahl sicher auszuwählen, zu schmieden und zu behandeln. Arbeite in der Werkstatt nur nach Unterweisung und Betriebsanweisung.

Lernziele
Nach diesem Lernkurs kannst Du:
- Stahl als Eisen-Kohlenstoff-Legierung beschreiben.
- wichtige Eigenschaften wie Härte, Festigkeit und Zähigkeit unterscheiden.
- einfache Stahlsorten passend zum Werkstück auswählen.
- typische Fehler beim Erwärmen und Schmieden erkennen.
- Härten, Abschrecken und Anlassen fachlich einordnen.
- Regeln des Arbeitsschutzes anwenden.
Stahl verstehen
Zusammensetzung
Stahl ist eine Legierung. Der wichtigste Legierungsbestandteil ist Kohlenstoff. Weitere Elemente können zum Beispiel Mangan, Chrom, Nickel, Molybdän oder Silizium sein.
Der Kohlenstoffgehalt beeinflusst die erreichbare Härte stark. Mehr Kohlenstoff bedeutet aber nicht automatisch einen besseren Werkstoff. Das Werkstück braucht immer ein passendes Verhältnis aus Härte und Zähigkeit.

Stahl und Gusseisen
Im Eisen-Kohlenstoff-Diagramm liegt die Grenze zwischen Stahl und Gusseisen bei etwa 2,06 Masseprozent Kohlenstoff. Stahl ist im heißen Zustand meist gut umformbar. Gusseisen ist für das Schmieden in der Regel ungeeignet.
Gefüge
Das innere Gefüge bestimmt viele Eigenschaften. Wichtige Fachbegriffe sind:
| Gefügebestandteil | Einfache Bedeutung |
|---|---|
| Ferrit | weich und gut verformbar |
| Perlit | Gemisch aus Ferrit und Zementit |
| Austenit | Gefüge bei hoher Temperatur |
| Martensit | sehr hartes Gefüge nach schnellem Abschrecken |

Eigenschaften für die Schmiede
| Eigenschaft | Bedeutung in der Praxis |
|---|---|
| Härte | Widerstand gegen Eindringen und Verschleiß |
| Festigkeit | Widerstand gegen bleibende Verformung oder Bruch |
| Zähigkeit | Widerstand gegen Riss und schlagartigen Bruch |
| Duktilität | Fähigkeit zur plastischen Verformung |
| Schweißbarkeit | Eignung zum sicheren Schweißen |
| Härtbarkeit | Fähigkeit, durch Wärmebehandlung hart zu werden |
Ein Hammer braucht eine andere Eigenschaftskombination als ein Zierstab. Die Auswahl richtet sich nach der Funktion des Werkstücks.
Stahlauswahl
Grundregel
Nutze nur Stahl mit bekannter Bezeichnung. Prüfe Werkstoffnummer, Lieferzustand und Datenblatt. Unbekannter Schrott kann ungeeignet oder gefährlich beschichtet sein.
Typische Gruppen
| Stahlgruppe | Typischer Einsatz | Wichtiger Hinweis |
|---|---|---|
| Baustahl | Ziergitter, Haken, einfache Bauteile | viele Sorten sind gut schmiedbar und schweißbar |
| Vergütungsstahl | belastete Werkzeuge und Maschinenteile | Wärmebehandlung nach Datenblatt |
| Federstahl | Federn und elastische Bauteile | empfindlich gegen falsche Temperatur |
| Werkzeugstahl | Meißel, Durchschläge und Schneidwerkzeuge | genaue Wärmebehandlung nötig |
Die konkrete Stahlsorte wird nach Zeichnung, Norm, Datenblatt und betrieblicher Vorgabe gewählt.
Schmieden von Stahl
Datei:Smithy- steel forging (2).webm
Schmiedefenster
Das Schmiedefenster ist der zulässige Temperaturbereich zum Umformen. Es ist für jede Stahlsorte verschieden.
- Zu kalt: hohe Umformkraft, Gefahr von Rissen.
- Richtig warm: gute Umformbarkeit.
- Zu heiß: Grobkorn, starke Zunderbildung oder Verbrennen.
Die Glühfarbe ist nur eine grobe Hilfe. Eine sichere Temperaturkontrolle erfolgt nach Betriebsangabe, Datenblatt oder mit einem geeigneten Messgerät.
Grundtechniken
Beim Schmieden wird Stahl durch Druck umgeformt. Typische Grundtechniken sind Strecken, Breiten, Stauchen, Biegen, Tordieren, Lochen und Abschroten.

Fachbegriffe am Werkstück
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Zunder | Oxidschicht auf heißem Stahl |
| Entkohlung | Verlust von Kohlenstoff an der Oberfläche |
| Faserverlauf | Verlauf des durch Umformung gerichteten Werkstoffgefüges |
| Umformgrad | Maß für die Formänderung |
| Grobkorn | zu große Körner mit ungünstigen Eigenschaften |
Zunder wird regelmäßig entfernt. Scharfe Kerben und Falten sind zu vermeiden, weil dort Risse starten können.
Werkzeuge und Arbeitsplatz
Hammer, Amboss, Zange und Feuer müssen zum Werkstück passen. Hammerbahn und Ambossbahn sollen sauber sein. Die Zange muss das Werkstück sicher halten.
Prüfe vor Arbeitsbeginn Werkzeugstiele, Zangen, Esse, Absaugung, Löschmittel und Fluchtweg.
Wärmebehandlung
Normalglühen
Nach starkem Schmieden kann Normalglühen ein gleichmäßiges, feineres Gefüge erzeugen. Temperatur, Haltezeit und Abkühlung richten sich nach der Stahlsorte und dem Querschnitt.
Härten und Anlassen
Beim Härten wird geeigneter Stahl austenitisiert und danach schnell abgekühlt. Dabei kann Martensit entstehen. Der Stahl wird hart, aber auch spröde.
Beim anschließenden Anlassen wird der gehärtete Stahl erneut erwärmt. Dadurch sinkt die Sprödigkeit. Die gewünschte Kombination aus Härte und Zähigkeit entsteht.
Vergüten
Vergüten bedeutet Härten und anschließendes Anlassen bei höherer Temperatur. Ziel ist eine hohe Festigkeit bei brauchbarer Zähigkeit.
Für jede Wärmebehandlung gelten das Werkstoffdatenblatt und der betriebliche Wärmebehandlungsplan.
Werkstoffprüfung
Einfache Prüfungen
| Prüfung | Aussage |
|---|---|
| Sichtprüfung | erkennt Zunder, Risse, Falten und Oberflächenfehler |
| Maßprüfung | prüft Form und Maß |
| Härteprüfung | bestimmt die Härte nach einem genormten Verfahren |
| Funkenprobe | erlaubt nur eine grobe Werkstoffzuordnung |
| Zeugnisprüfung | bestätigt Werkstoffangaben und Charge |


Die Funkenprobe ersetzt keine sichere Werkstoffkennzeichnung und keine chemische Analyse.
Typische Fehler
| Fehler | Mögliche Folge | Vorbeugung |
|---|---|---|
| zu kalt geschmiedet | Risse und hohe Werkzeugbelastung | Schmiedefenster einhalten |
| überhitzt | Grobkorn und Eigenschaftsverlust | Temperatur kontrollieren |
| verbrannt | dauerhafte Gefügeschädigung | Werkstück aussortieren |
| Falte eingeschmiedet | Kerbe und Rissansatz | saubere Übergänge schmieden |
| falsch abgeschreckt | Verzug, Riss oder falsche Härte | Datenblatt und Prozessplan beachten |
Arbeitsschutz
Heißer Stahl kann dunkel aussehen und trotzdem Verbrennungen verursachen. Behandle abgelegte Werkstücke immer als heiß.
- Trage die vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung.
- Nutze Augen- oder Gesichtsschutz, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe und geeignete Schutzkleidung nach Gefährdungsbeurteilung.
- Halte brennbare Stoffe aus dem Funken- und Wärmebereich fern.
- Verwende nur trockene, intakte Werkzeuge und sichere Zangen.
- Beachte beim Abschrecken Spritzer, Dampf, Brandgefahr und die Vorgabe zum Abschreckmedium.
- Arbeite nie ohne Unterweisung an Esse, Lufthammer, Presse oder Schleifmaschine.

Merksatz
Werkstoff kennen – Temperatur führen – sauber umformen – passend wärmebehandeln – sicher prüfen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Woraus besteht Stahl hauptsächlich? (Eisen und Kohlenstoff) (!Kupfer und Zinn) (!Aluminium und Magnesium) (!Blei und Zink)
Was bedeutet Schmieden fachlich? (Druckumformen eines Werkstoffs) (!Spanendes Trennen eines Werkstoffs) (!Gießen eines flüssigen Werkstoffs) (!Kleben zweier Werkstücke)
Welche Eigenschaft beschreibt den Widerstand gegen schlagartigen Bruch? (Zähigkeit) (!Dichte) (!Leitfähigkeit) (!Farbe)
Was bewirkt mehr Kohlenstoff bei geeignetem Stahl meist? (Eine höhere erreichbare Härte) (!Eine geringere Masse) (!Eine blaue Oberfläche) (!Eine vollständige Rostfreiheit)
Welches Gefüge kann beim schnellen Abschrecken entstehen? (Martensit) (!Graphit) (!Messing) (!Bronze)
Warum wird gehärteter Stahl angelassen? (Um Sprödigkeit zu verringern) (!Um ihn vollständig zu schmelzen) (!Um Kohlenstoff zu entfernen) (!Um Zunder aufzutragen)
Was ist das Schmiedefenster? (Der zulässige Temperaturbereich zum Umformen) (!Die Öffnung in der Werkstattwand) (!Die Fläche des Ambossfußes) (!Die Länge eines Hammerstiels)
Was zeigt die Funkenprobe? (Eine grobe Werkstoffzuordnung) (!Die genaue Werkstoffnummer) (!Die exakte Zugfestigkeit) (!Die genaue Schmiedetemperatur)
Welche Quelle ist für die Wärmebehandlung maßgeblich? (Das Werkstoffdatenblatt) (!Die Wandfarbe der Schmiede) (!Das Gewicht des Ambosses) (!Die Form der Zange)
Was gilt für unbekannten Schrott? (Nicht ohne sichere Werkstoffklärung verwenden) (!Immer sofort härten) (!Immer in Wasser abschrecken) (!Ohne Prüfung als Werkzeugstahl nutzen)
Memory
| Austenit | Gefüge bei hoher Temperatur |
| Martensit | Hartes Abschreckgefüge |
| Anlassen | Sprödigkeit verringern |
| Zunder | Oxidschicht auf heißem Stahl |
| Zähigkeit | Widerstand gegen Riss und Bruch |
| Funkenprobe | Grobe Werkstoffzuordnung |
| Amboss | Unterlage beim Schmieden |
| Schmiedefenster | Zulässiger Temperaturbereich |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Ferrit | weich und gut verformbar |
| Perlit | Gemisch aus Ferrit und Zementit |
| Austenit | Gefüge vor dem Abschrecken |
| Martensit | hartes Gefüge nach dem Abschrecken |
| Anlassen | Härte und Zähigkeit abstimmen |
Kreuzworträtsel
| Austenit | Welches Gefüge liegt bei geeigneter hoher Temperatur vor? |
| Martensit | Welches harte Gefüge kann beim Abschrecken entstehen? |
| Anlassen | Wie heißt das Erwärmen nach dem Härten? |
| Zunder | Wie heißt die Oxidschicht auf heißem Stahl? |
| Zähigkeit | Welche Eigenschaft schützt gegen schlagartigen Bruch? |
| Funkenprobe | Welche Werkstattprüfung erlaubt eine grobe Stahlzuordnung? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Eigenschaften von Stahl: Erstelle fünf Karten mit je einem Fachbegriff und einer einfachen Erklärung.
- Werkzeugkontrolle: Fotografiere unter Aufsicht Hammer, Zange und Amboss und markiere mögliche Prüfpunkte.
- Zunder: Zeichne ein heißes Werkstück mit Zunderschicht und beschrifte beide Bereiche.
- Arbeitsschutz: Gestalte ein Warnschild für heiße Werkstücke.
Standard
- Stahlauswahl: Vergleiche Baustahl, Vergütungsstahl, Federstahl und Werkzeugstahl in einer Tabelle.
- Schmiedefenster: Erkläre an einem Beispiel die Folgen von zu kaltem und zu heißem Schmieden.
- Funkenprobe: Beobachte unter Aufsicht zwei bekannte Proben und dokumentiere Unterschiede im Funkenbild.
- Wärmebehandlung: Erstelle ein Ablaufdiagramm aus Austenitisieren, Abschrecken und Anlassen.
Schwer
- Werkstoffdatenblatt: Werte ein betriebliches Datenblatt aus und markiere Schmiede- sowie Wärmebehandlungsangaben.
- Fehleranalyse: Untersuche ein fehlerhaftes Schmiedestück und begründe eine mögliche Fehlerursache.
- Prüfplan: Entwickle einen kurzen Prüfplan für einen geschmiedeten Meißel.
- Werkstattprojekt: Plane mit der Ausbilderin oder dem Ausbilder ein kleines Werkstück mit Werkstoffwahl, Arbeitsfolge, Prüfung und Arbeitsschutz.


Lernkontrolle
- Werkstoffwahl: Wähle für einen Zierhaken und einen Meißel je eine geeignete Stahlgruppe und begründe den Unterschied.
- Temperaturfehler: Ein Werkstück zeigt nach dem Schmieden Risse. Entwickle zwei mögliche Ursachen und passende Gegenmaßnahmen.
- Wärmebehandlung: Erkläre, warum hohe Härte allein für ein Schlagwerkzeug nicht genügt.
- Prüfstrategie: Kombiniere Sichtprüfung, Härteprüfung und Werkstoffnachweis zu einer sinnvollen Reihenfolge.
- Sicheres Abschrecken: Beurteile eine geplante Abschreckarbeit anhand von Werkstoffdatenblatt, Abschreckmedium und Gefährdungsbeurteilung.
- Qualitätssicherung: Erstelle Kriterien, mit denen ein geschmiedetes Werkstück freigegeben oder ausgesondert wird.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis sind wichtig:
- sichere Verwendung der Fachbegriffe
- begründete Auswahl einer Stahlgruppe
- Erklärung des Schmiedefensters
- Zusammenhang von Gefüge, Härte und Zähigkeit
- richtige Reihenfolge beim Härten und Anlassen
- Beurteilung typischer Schmiedefehler
- Anwendung der betrieblichen Arbeitsschutzregeln
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