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Sprachporträt

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Sprachporträt




Einleitung

Ein Sprachporträt ist eine kreative Methode, mit der Du Dein persönliches Sprachrepertoire sichtbar machst. Du ordnest Sprachen, Dialekte oder andere Sprachformen Farben, Symbolen und Bereichen einer Körpersilhouette zu. Dabei geht es nicht darum, wie „gut“ Du eine Sprache beherrschst. Entscheidend ist, welche Rolle eine Sprache in Deinem Leben spielt und welche Erfahrungen, Gefühle oder Situationen Du mit ihr verbindest.

Dieser aiMOOC richtet sich vor allem an Lernende der Sekundarstufe I, etwa Klasse 7–10. Du lernst, ein Sprachporträt zu erstellen, zu erklären und respektvoll mit den Sprachporträts anderer umzugehen.

Ein Sprachporträt kann zeigen, dass Mehrsprachigkeit sehr unterschiedlich aussieht. Dazu können Familiensprachen, Schulsprachen, Fremdsprachen, Dialekte, regionale Varietäten, Gebärdensprachen oder Sprachen gehören, die Du erst noch lernen möchtest.


Was ist ein Sprachporträt?

Im deutschsprachigen Bildungsbereich wurde die Methode des Sprachporträts besonders durch den Sprachwissenschaftler Hans-Jürgen Krumm bekannt. Sie wird eingesetzt, um persönliche Mehrsprachigkeit und Sprachbiografien sichtbar und besprechbar zu machen.

Typisch ist eine menschliche Silhouette. Du wählst für Deine Sprachen Farben und trägst sie dort ein, wo sie für Dich passend erscheinen. Anschließend kannst Du mit einer Legende oder kurzen Erklärung beschreiben, warum Du bestimmte Farben, Formen oder Körperstellen gewählt hast.

Ein Sprachporträt ist deshalb keine objektive Landkarte des Körpers. Die Darstellung ist persönlich und symbolisch. Wenn zwei Menschen dieselbe Sprache sprechen, können ihre Porträts völlig verschieden aussehen.


Sprache als Teil der eigenen Biografie

Sprachen begleiten Menschen in unterschiedlichen Situationen: in der Familie, in der Schule, unter Freunden, beim Reisen, beim Lesen, beim Spielen oder im Internet. Manche Sprachen werden täglich benutzt, andere nur verstanden. Einige sind mit bestimmten Menschen, Orten oder Erinnerungen verbunden.

Ein Sprachporträt macht solche Erfahrungen sichtbar. Es kann Dir helfen, über Deine Identität, Deine Lernwege und Deine sprachlichen Ressourcen nachzudenken.


Mehrsprachigkeit ist vielfältig

Mehrsprachig zu sein bedeutet nicht, mehrere Sprachen gleich gut sprechen und schreiben zu müssen. Sprachliche Fähigkeiten können unterschiedlich verteilt sein. Eine Person kann zum Beispiel eine Sprache gut verstehen, eine andere häufig sprechen und eine weitere hauptsächlich lesen.

Auch Gebärdensprachen gehören zur sprachlichen Vielfalt. Das Fingeralphabet ist dabei nur ein kleiner Teil einer Gebärdensprache; Gebärdensprachen besitzen eigene grammatische Strukturen.


Ein eigenes Sprachporträt erstellen

Für Dein Sprachporträt brauchst Du eine Körpersilhouette oder eine selbst gezeichnete Figur sowie Farben. Es gibt keine vorgeschriebene Lösung.

  1. Sprachrepertoire: Überlege, welche Sprachen, Dialekte oder Sprachformen in Deinem Leben vorkommen.
  2. Farbe: Wähle für jede Sprachform eine Farbe oder ein Muster.
  3. Silhouette: Trage die Farben dort ein, wo sie sich für Dich passend anfühlen.
  4. Legende: Notiere, welche Farbe für welche Sprache oder Sprachform steht.
  5. Reflexion: Erkläre ausgewählte Entscheidungen mit kurzen Sätzen.
  6. Austausch: Stelle Dein Porträt nur so weit vor, wie Du es selbst möchtest.

Farben und Körperstellen besitzen keine feste Bedeutung. Rot muss nicht für Liebe stehen und der Kopf nicht automatisch für Lernen. Die Bedeutung entsteht erst durch Deine eigene Erklärung.


Respekt und Freiwilligkeit

Sprachporträts können persönliche Erinnerungen, Zugehörigkeiten und Gefühle berühren. Deshalb sollte niemand gezwungen werden, private Erfahrungen offenzulegen. Beim Austausch gilt: Nachfragen ist erlaubt, Bewerten oder Verspotten nicht.

Ein Porträt zeigt außerdem nur einen bestimmten Zeitpunkt. Dein Sprachrepertoire kann sich verändern, wenn neue Menschen, Orte, Medien oder Lerngelegenheiten in Dein Leben kommen.


Sprache im öffentlichen Raum

Mehrsprachigkeit begegnet Dir nicht nur im eigenen Leben, sondern auch auf Schildern, in Verkehrsmitteln, Geschäften, Schulen und digitalen Medien.

Solche Beispiele zeigen, dass Sprachen in verschiedenen sozialen Räumen unterschiedliche Funktionen übernehmen können. Ein Sprachporträt richtet den Blick dagegen auf die individuelle Perspektive einer Person.


Was ein Sprachporträt nicht ist

Ein Sprachporträt ist kein Sprachtest. Aus der Größe einer Farbfläche lässt sich nicht zuverlässig ableiten, wie gut jemand eine Sprache spricht. Ebenso darf aus einer bestimmten Körperstelle nicht automatisch auf Gefühle oder Identität geschlossen werden.

Die wichtigste Regel lautet deshalb: Die Person, die das Porträt gestaltet hat, erklärt selbst, was ihre Darstellung bedeutet.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was zeigt ein Sprachporträt vor allem? (Eine persönliche Darstellung des eigenen Sprachrepertoires) (!Eine amtliche Liste aller beherrschten Sprachen) (!Das Ergebnis eines Sprachtests) (!Eine Landkarte aller Sprachen der Welt)




Welche Vorlage wird für ein Sprachporträt häufig verwendet? (Eine Körpersilhouette) (!Eine mathematische Tabelle) (!Eine politische Landkarte) (!Ein Stundenplan)




Wer bestimmt die Bedeutung der Farben in einem Sprachporträt? (Die Person, die das Porträt gestaltet) (!Die Lehrkraft) (!Ein Wörterbuch) (!Eine feste Farbregel)




Was kann außer einer Standardsprache in ein Sprachporträt aufgenommen werden? (Ein Dialekt) (!Nur Schulnoten) (!Nur Ländernamen) (!Nur Grammatikregeln)




Was lässt sich aus der Größe einer Farbfläche sicher ablesen? (Keine genaue Sprachkompetenz) (!Die letzte Zeugnisnote) (!Die Zahl gelernter Vokabeln) (!Die genaue Sprechgeschwindigkeit)




Warum wird eine Legende verwendet? (Sie erklärt die Zuordnung von Farben und Sprachformen) (!Sie bewertet die Sprachkenntnisse) (!Sie ersetzt die Silhouette) (!Sie bestimmt die richtige Körperstelle)




Was ist beim Vorstellen eines Sprachporträts wichtig? (Freiwilligkeit und respektvoller Umgang) (!Jede private Erinnerung muss erzählt werden) (!Alle Porträts müssen gleich aussehen) (!Nur eine Sprache darf genannt werden)




Was kann sich im Laufe des Lebens verändern? (Das persönliche Sprachrepertoire) (!Die Bedeutung aller Farben für alle Menschen) (!Die Existenz von Sprache überhaupt) (!Die Regel, dass jedes Porträt gleich aufgebaut sein muss)




Welche Aussage über Gebärdensprachen ist richtig? (Sie gehören zur sprachlichen Vielfalt) (!Sie bestehen nur aus Fingeralphabeten) (!Sie haben keine Grammatik) (!Sie sind überall auf der Welt identisch)




Wozu eignet sich ein Sprachporträt im Unterricht besonders? (Zur Reflexion über Sprache und Mehrsprachigkeit) (!Zur Messung der Intelligenz) (!Zur Berechnung einer Abschlussnote) (!Zur Bestimmung der Herkunft einer Person)





Memory

Sprachporträt visuelle Darstellung des persönlichen Sprachrepertoires
Silhouette Umriss einer menschlichen Figur
Legende Erklärung der verwendeten Farben und Zeichen
Sprachbiografie persönliche Geschichte mit Sprachen
Dialekt regionale Sprachvarietät
Reflexion bewusstes Nachdenken über eigene Erfahrungen
Mehrsprachigkeit Umgang mit mehr als einer Sprache





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Funktion im Sprachporträt
Farbe persönliche Zuordnung zu einer Sprache oder Sprachform
Silhouette räumliche Darstellung innerhalb einer Figur
Legende Erklärung der verwendeten Zeichen
Kommentar Begründung einer persönlichen Gestaltungsentscheidung
Galeriegespräch respektvoller Austausch über verschiedene Porträts





Kreuzworträtsel

Silhouette Wie heißt der Umriss einer Figur, der häufig als Vorlage dient?
Legende Wie heißt die Erklärung der verwendeten Farben?
Dialekt Welche regionale Sprachform kann ebenfalls im Porträt erscheinen?
Identität Welcher Begriff beschreibt die Vorstellung davon, wer man selbst ist?
Reflexion Wie heißt das bewusste Nachdenken über eigene Erfahrungen?
Repertoire Wie nennt man die Gesamtheit sprachlicher Mittel einer Person?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein Sprachporträt macht das persönliche

sichtbar.
Häufig dient eine menschliche

als Grundlage der Gestaltung.
Die Bedeutung einer Farbe wird von der gestaltenden

selbst bestimmt.
Eine

erklärt, welche Farbe zu welcher Sprachform gehört.
Auch ein

kann Teil eines Sprachporträts sein.
Ein Sprachporträt ist kein objektiver

.
Beim Austausch über persönliche Darstellungen ist

besonders wichtig.
Das eigene Sprachrepertoire kann sich im Laufe der

verändern.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Mehrsprachigkeit: Sammle alle Sprachen und Sprachformen, die Dir in einer normalen Woche begegnen.
  2. Dialekt: Finde drei Beispiele für regionale oder umgangssprachliche Wörter aus Deiner Umgebung.
  3. Sprachporträt: Gestalte ein eigenes Sprachporträt mit mindestens drei Farben oder Mustern.
  4. Reflexion: Schreibe zu zwei Bereichen Deines Porträts jeweils eine kurze Erklärung.


Standard

  1. Sprachbiografie: Erstelle eine Zeitleiste mit wichtigen Stationen Deines bisherigen Sprachenlernens.
  2. Interview: Befrage freiwillig eine Person dazu, welche Sprachen oder Sprachformen in ihrem Alltag eine Rolle spielen.
  3. Sprachvergleich: Vergleiche zwei Sprachen oder Dialekte anhand von Begrüßungen, Lauten oder typischen Wörtern.
  4. Collage: Gestalte eine analoge oder digitale Collage zum Thema „Sprachen in meinem Alltag“.


Schwer

  1. Identität: Verfasse einen Text darüber, wie Sprache Zugehörigkeit ausdrücken kann, ohne Menschen auf eine einzige Sprache festzulegen.
  2. Gebärdensprache: Recherchiere die Deutsche Gebärdensprache und erkläre, warum sie nicht mit dem Fingeralphabet gleichgesetzt werden darf.
  3. Ausstellung: Plane eine freiwillige Ausstellung von Sprachporträts mit Regeln für Respekt, Einwilligung und Datenschutz.
  4. Podcast: Produziere einen kurzen Audio- oder Videobeitrag über sprachliche Vielfalt in Deiner Schule oder Deinem Umfeld.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Interpretation: Vergleiche zwei fiktive Sprachporträts und beschreibe Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ohne aus Farben oder Körperstellen unbelegte Schlüsse zu ziehen.
  2. Sprachkompetenz: Begründe, warum ein Sprachporträt nicht geeignet ist, Sprachkenntnisse in Noten oder Kompetenzstufen zu messen.
  3. Unterricht: Entwickle eine Variante der Methode für eine Lerngruppe, in der nicht alle persönliche Informationen teilen möchten.
  4. Mehrsprachigkeit: Erkläre anhand eines eigenen Beispiels, warum Verstehen, Sprechen, Lesen und Schreiben in verschiedenen Sprachen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.
  5. Identität: Untersuche, wie Sprache mit Erinnerungen, Orten oder sozialen Gruppen verbunden sein kann.
  6. Datenschutz: Formuliere Regeln dafür, unter welchen Bedingungen Sprachporträts fotografiert, ausgestellt oder veröffentlicht werden dürfen.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:

  1. Du kannst erklären, was ein Sprachporträt ist.
  2. Du kannst ein eigenes Sprachporträt gestalten und ausgewählte Entscheidungen begründen.
  3. Du kannst zwischen Sprachrepertoire und gemessener Sprachkompetenz unterscheiden.
  4. Du kannst unterschiedliche Formen von Mehrsprachigkeit benennen.
  5. Du kannst ein fremdes Sprachporträt respektvoll beschreiben, ohne es vorschnell zu deuten.
  6. Du kannst erklären, warum Freiwilligkeit und Datenschutz bei persönlichen Sprachporträts wichtig sind.
  7. Du kannst Zusammenhänge zwischen Sprache, Biografie und Identität reflektieren.




OERs zum Thema

Da es keinen eigenen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel mit dem Titel „Sprachporträt“ gibt, führt der folgende Einstieg zum eng verbundenen Thema Mehrsprachigkeit:

  1. Begabungslotse: Methode Sprachenportrait
  2. TU Darmstadt: Sprachenportrait
  3. Universität Hamburg: Mehrsprachigkeit im Unterricht
  4. Goethe-Institut: Unterrichtsmaterial Mehrsprachigkeit



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