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Simon & Garfunkel – El Cóndor Pasa

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Simon & Garfunkel – El Cóndor Pasa




Einleitung

El Cóndor Pasa (If I Could) in der Aufnahme von Simon & Garfunkel verbindet eine Melodie aus der peruanischen Zarzuela El cóndor pasa… von Daniel Alomía Robles mit einem englischen Text von Paul Simon und einer Instrumentalgrundlage der südamerikanischen Gruppe Los Incas. Die Aufnahme erschien 1970 auf Bridge over Troubled Water, dem letzten Studioalbum des Duos.[1] Gerade weil hier eine peruanische Theaterkomposition, ein in Frankreich aktives südamerikanisches Ensemble und US-amerikanischer Folk-Pop zusammentreffen, eignet sich das Stück besonders für eine Analyse von Musikgeschichte, Arrangement, Interkulturalität, Urheberrecht und Mediengeschichte.

Simon & Garfunkel 1966. Das Foto des niederländischen Nationaal Archief steht auf Wikimedia Commons unter CC BY-SA 3.0 NL.[2]

Hörbeispiel: offizielle Audio-Veröffentlichung von Simon & Garfunkel auf YouTube. Das Video ist kein frei lizenziertes OER-Medium; es wird hier lediglich vom Rechteinhaber beziehungsweise dessen offiziellem Kanal eingebettet.[3]

Dieser aiMOOC untersucht die konkrete Aufnahme von Simon & Garfunkel und trennt sie sorgfältig von der historischen Vorlage. Du findest deshalb sowohl Informationen zur Entstehung von 1913 als auch eine auf die 1970er Studiofassung bezogene Höranalyse. Vollständige geschützte Liedtexte oder eine vollständige geschützte Transkription der Simon-&-Garfunkel-Fassung werden nicht wiedergegeben. Die wenigen Notenbeispiele in der Extension:Score sind neu erstellte didaktische Modelle und keine Abschrift der Melodie.


Historischer Ursprung


Daniel Alomía Robles und die Zarzuela von 1913

Daniel Alomía Robles, peruanischer Komponist und Musikforscher. Das historische Porträt ist auf Wikimedia Commons als gemeinfrei gekennzeichnet.[4]

Daniel Alomía Robles komponierte 1913 die Musik zur peruanischen Zarzuela El cóndor pasa…; das Libretto stammt von Julio Baudouin, der das Pseudonym Julio de La Paz verwendete. Die Uraufführung fand 1913 in Lima statt. Das peruanische Kulturministerium und die Biblioteca Nacional del Perú ordnen das Werk in den gesellschaftlichen Kontext des frühen 20. Jahrhunderts ein: Die Handlung thematisiert Konflikte zwischen indigenen Minenarbeitern und ausländischen Minenbesitzern im Umfeld von Cerro de Pasco.[5]

Kupfermine in Cerro de Pasco, 1914: ein historisches Bild aus der Library of Congress, das den bergbaulichen Zeitkontext der Zarzuela veranschaulicht.[6]

In der Zarzuela wird der Kondor zu einem Zeichen der erhofften Freiheit. Wichtig ist dabei eine häufig übersehene Unterscheidung: Die später weltbekannte Melodie gehörte ursprünglich zu den instrumentalen Teilen der Bühnenmusik. Der populäre Pasacalle beziehungsweise die mit ihm verbundene Cashua hatte keinen verbindlichen ursprünglichen Liedtext. Paul Simons englischer Text von 1970 ist daher keine Übersetzung eines ursprünglichen spanischen Songtexts, sondern eine neue Textschicht über einer älteren Melodie.[7]

Die Komposition El Cóndor Pasa wurde 2004 in Peru zum Patrimonio Cultural de la Nación erklärt. 2025 wurden darüber hinaus fünfzehn Partituren von Daniel Alomía Robles aus Beständen der Biblioteca Nacional del Perú als nationales Kulturerbe anerkannt; darunter befindet sich auch El cóndor pasa.[8]

Datei:El cóndor pasa.pdf Historische Klavierausgabe aus der Biblioteca Nacional del Perú. Die Commons-Datei ist mit Public Domain Mark gekennzeichnet. Sie dient hier als historische Quelle und ist nicht die geschützte Simon-&-Garfunkel-Transkription.[9]


Los Incas und Paul Simon

Die Gruppe Los Incas spielte seit den 1950er-Jahren südamerikanische Musik in Europa. Paul Simon erinnerte sich später daran, dass er Los Incas 1965 im Théâtre de l'Est Parisien in Paris kennenlernte. Die Gruppe spielte El Cóndor Pasa und blieb auch später mit Simon verbunden; unter dem Namen Urubamba arbeitete sie in den 1970er-Jahren erneut mit ihm zusammen.[10]

Die ursprünglichen LP-Angaben zu Bridge over Troubled Water nennen für El Condor Pasa ausdrücklich „Instrumental Track by Los Incas“ und Paul Simon als Verfasser des englischen Texts.[11] Genau dieser Produktionsweg ist für die Aufnahme zentral: Sie ist nicht einfach eine US-Popband, die einen Anden-Stil nachspielt, sondern eine Schichtung aus einer Los-Incas-Instrumentalspur und der vokalen beziehungsweise produktionstechnischen Arbeit des Simon-&-Garfunkel-Teams.


Mindestens drei belegte Besonderheiten genau dieser Aufnahme

Besonderheit Beleg Bedeutung für die Analyse
1. Los Incas liefern die Instrumentalgrundlage Die Albumangaben nennen ausdrücklich den „Instrumental Track by Los Incas“.[11] Dadurch bleibt das charakteristische Anden-Timbre nicht bloß stilistische Dekoration, sondern stammt direkt aus der Zusammenarbeit mit einem auf südamerikanische Musik spezialisierten Ensemble.
2. Paul Simons englischer Text ist neu und keine Übersetzung Die LP nennt „English Lyric by Paul Simon“; die bekannte historische Melodie war in der Zarzuela instrumental.[11][7] Text und Melodie stammen aus unterschiedlichen historischen Schichten. Für Interpretation und Übersetzung darf man deshalb den Simon-Text nicht mit dem Libretto von 1913 gleichsetzen.
3. Der Kondor wird im englischen Liedtext nicht genannt Der offizielle Audio-Upload enthält den vollständigen englischen Text in der Beschreibung; der Titelbegriff „condor“ taucht im englischen Text selbst nicht auf.[3] Die Verbindung zum Kondor bleibt im Titel und in der kulturellen Herkunft der Melodie erhalten, während Simons Text andere Natur- und Freiheitsbilder entwickelt.
4. Die Aufnahme steht auf dem letzten Studioalbum des Duos Die offizielle Simon-&-Garfunkel-Seite bezeichnet Bridge over Troubled Water als das letzte Studioalbum des Duos.[1] Das Stück gehört damit in die späte Phase der Zusammenarbeit und zeigt zugleich Paul Simons Interesse an musikalischen Traditionen außerhalb des angloamerikanischen Folk-Pop.
5. Die spätere Livefassung von 2003 hat eine deutlich breitere Bandbesetzung Der offizielle Live-Upload nennt unter anderem Gitarre, Cello, Percussion, Schlagzeug, Keyboards, Klavier und Bass.[12] Im Vergleich zur 1970er Studioästhetik wirkt die Livefassung bandorientierter und klanglich dichter; die Melodie wird stärker in ein Konzertensemble eingebettet.


Stil und Genre

Die Simon-&-Garfunkel-Fassung wird häufig als Folk-Rock beziehungsweise Folk-Pop eingeordnet. Diese Etiketten beschreiben aber nur einen Teil des Klangs. Der Track kombiniert drei Ebenen:

  1. Andine Klangfarben: Flöten- und Zupfinstrument-Klang prägen das instrumentale Material.
  2. Folk-Pop: Der englische Text, die intime Gesangsdarbietung und die kompakte Songdauer richten die Aufnahme auf ein internationales Pop-Publikum.
  3. Studio-Hybrid: Durch die Übernahme einer Los-Incas-Instrumentalspur und die Ergänzung von Stimmen entsteht eine frühe Form transkultureller Studioproduktion.

Die Einordnung als „Andenmusik“ sollte nicht pauschal alles erklären. Die ursprüngliche Zarzuela war für Theater und Orchester konzipiert; die weltweit populäre Klangvorstellung mit Quena und Charango wurde durch spätere Arrangements und Ensembles wie Los Incas wesentlich mitgeprägt. Diese Differenz ist wichtig, damit Du nicht die 1970er Aufnahme rückwirkend mit der gesamten peruanischen Musiktradition gleichsetzt.


Melodie und Harmonik

Veröffentlichte Transkriptions- und Analyseangebote führen die Simon-&-Garfunkel-Fassung in e-Moll; eine musikanalytische Datenbank gibt für die Aufnahme außerdem ungefähr 73 Schläge pro Minute und einen 4/4-Takt an.[13][14]

Melodisch entsteht der Eindruck eines gesanglichen, weit tragenden Themas. Die Linien wirken häufig stufenweise und modal gefärbt; in der Instrumentalspur steht besonders die helle, luftige Flötenfarbe im Vordergrund. Harmonisch kreist die Aufnahme um einen Moll-Grundbereich und dessen nahe Durverwandtschaften. Der Wechsel zwischen dunklerem Mollzentrum und offener klingenden Durflächen unterstützt die Spannung zwischen Gebundenheit und Freiheitssehnsucht, die der englische Text sprachlich formuliert.


Kurzes selbst erstelltes Score-Beispiel: Mollzentrum und offene Durfläche

Das folgende Beispiel ist keine Transkription von El Cóndor Pasa. Es ist ein neu erfundenes, vier Takte langes Modell, mit dem Du den Wechsel von e-Moll zu benachbarten Durklängen hören kannst.


\relative c' {
  \key e \minor
  \time 4/4
  \tempo 4 = 74
  <e g b>2 <c e g> |
  <g b d>2 <d fis a> |
  <e g b>1 |
  <e g b>1
}

Beim Hören kannst Du beobachten, wie ein Mollzentrum trotz kurzzeitig hellerer Akkorde stabil bleiben kann. Genau solche Funktionsfragen sind für die Analyse wichtiger als das bloße Aufschreiben einzelner Akkordnamen.


Kurzes selbst erstelltes Score-Beispiel: pentatonisch wirkende Kontur

Auch dieses Motiv ist vollständig neu erfunden und dient nur dazu, eine reduzierte, volksliedhafte Kontur zu untersuchen.


\relative c'' {
  \key e \minor
  \time 4/4
  \tempo 4 = 74
  e4 g a b |
  a4 g e d |
  e2 g |
  e1
}

Frage beim Hören des Originals nicht nur: „Sind diese Töne gleich?“, sondern: Welche Bewegungsart hörst Du? Achte auf Schrittbewegung, Sprünge, Wiederholungen, Zieltöne und die Beziehung zwischen Instrumentalmelodie und Gesangslinie.


Rhythmus und Tempo

Die Aufnahme wirkt ruhig und getragen. Analysedaten verorten sie bei ungefähr 73 Schlägen pro Minute im 4/4-Takt; je nach Zählweise kann derselbe Puls auch doppelt empfunden werden.[14] Der instrumentale Beginn vermittelt einen freieren, atmenden Eindruck, während die gesungenen Abschnitte regelmäßiger auf dem Grundpuls liegen.

Historisch ist wichtig, dass die Zarzuela unterschiedliche Tanz- und Liedtypen enthält, unter anderem Cashua, Pasacalle und Yaraví. Die Simon-&-Garfunkel-Fassung übernimmt jedoch nicht einfach eine Bühnen-Tanznummer unverändert, sondern formt das Material zu einem ruhigen Folk-Pop-Song um. Dadurch wird der rhythmische Charakter geglättet und stärker auf die Stimmen und die eingängige Melodieführung ausgerichtet.


Kurzes selbst erstelltes Score-Beispiel: ruhiger 4/4-Puls


\relative c' {
  \time 4/4
  \tempo 4 = 74
  c8 c c4 c8 c c4 |
  c4 r8 c c4 c |
}

Dieses erfundene Rhythmusmodell zeigt einen gleichmäßigen 4/4-Puls mit kleinen Unterteilungen. Vergleiche es mit der Aufnahme: Wo wirkt der Gesang frei über dem Puls, und wo sitzt er deutlich auf den Zählzeiten?


Gesang

Die offiziellen Metadaten nennen sowohl Paul Simon als auch Art Garfunkel als Sänger.[3] Der typische Duo-Klang entsteht aus der Mischung einer eher direkten, textnahen Stimme mit weicher harmonischer Ergänzung. In der Aufnahme wechseln stärker exponierte Leadmomente und dichter verschmolzene Zweistimmigkeit. Die Stimmen sind nicht opernhaft behandelt, sondern bewusst nah und zurückgenommen aufgenommen. Dadurch bleibt die Aufmerksamkeit auf dem Text und auf dem Kontrast zur instrumentalen Flöten- und Zupfinstrumentfarbe.

Achte beim Hören auf drei Merkmale: die vergleichsweise geringe Lautstärke der Stimmen, die enge klangliche Verschmelzung in harmonisierten Passagen und die Art, wie die Gesangslinie die Instrumentalmelodie nicht einfach verdoppelt, sondern eine eigene textgebundene Ebene bildet.


Instrumentierung

Drei Quenas als Instrumentenbeispiele. Die Datei steht unter CC BY-SA 3.0.[15]

Charango aus Bolivien. Die Datei steht unter CC BY-SA 2.5.[16]

Für die 1970er Aufnahme ist die Los-Incas-Instrumentalspur entscheidend. Ihre Klangwelt ist besonders durch hohe Flötenfarben und helle, perkussive Zupfklänge geprägt. Quena und Charango sind deshalb wichtige Instrumente zum vergleichenden Hören. Die Bilder oben zeigen Instrumententypen aus dem Andenraum; sie sind keine Behauptung, dass exakt diese abgebildeten Einzelinstrumente bei der Aufnahme verwendet wurden.

Die offiziellen Track-Metadaten der Studiofassung führen außerdem Paul Simon an der Gitarre sowie Fred Carter Jr., Larry Knechtel, Joe Osborn und Hal Blaine mit Gitarre, Keyboard, Bass und Schlagzeug auf; Roy Halee ist als Produzent und Toningenieur genannt.[3] Weil Albumcredits manchmal Musiker für eine gesamte Session beziehungsweise Produktion bündeln, ist bei Detailfragen sinnvoll, zwischen eindeutig trackbezogenen Angaben und allgemeinen Albumangaben zu unterscheiden. Sicher belegt ist für diesen Titel jedenfalls die Beteiligung von Los Incas als Instrumentalgrundlage.[11]


Arrangement und Produktion

Das Arrangement funktioniert als Schichtung. Zuerst etabliert die Instrumentalebene die wiedererkennbare Melodie und die Anden-Klangfarbe. Darüber treten die englischen Stimmen. Dadurch entsteht ein spannendes Verhältnis zwischen einem bereits existierenden instrumentalen Arrangement und einem neuen Pop-Song-Text.

Produziert wurde das Album von Paul Simon, Art Garfunkel und Roy Halee.[11] In dieser Aufnahme ist die Produktion weniger durch große Studioeffekte geprägt als durch die klangliche Balance zwischen drei Bereichen: der transparenten Instrumentalspur, der nahen Gesangsebene und dem Wechsel zwischen instrumentalen und vokalen Abschnitten. Das Ergebnis wirkt trotz der kulturell und produktionstechnisch komplexen Entstehung erstaunlich geschlossen.

Offizielles Track-by-Track-Video zur Aufnahme auf der Simon-&-Garfunkel-Webseite beziehungsweise dem verknüpften YouTube-Embed.[17]


Songform

Die Form lässt sich für den Unterricht sinnvoll als Abfolge von Instrumentalrahmen, wiederkehrenden Strophenblöcken und einem kontrastierenden Mittelabschnitt beschreiben. Eine exakte Takt-für-Takt-Transkription ist dafür nicht nötig.

Abschnitt Hörfunktion Worauf Du achten kannst
Instrumentaler Beginn Einführung der charakteristischen Melodie und Klangfarbe Flötenklang, Zupfinstrumente, Aufbau des Mollzentrums
Erster vokaler Block Einführung der sprachlichen Wunschformeln Leadstimme, harmonische Ergänzung, ruhiger Puls
Zweiter vokaler Block Variation der Gegensatzbilder Wiederholung als Formsignal
Kontrastierender Mittelteil stärkere Verdichtung des Freiheits- und Bindungsmotivs längere sprachliche Bögen und veränderte melodische Spannung
Rückkehr Wiederaufnahme der Wunschstruktur formale Vertrautheit trotz neuer Bilder
Ausklang Rückbindung an die instrumentale Klangwelt Verhältnis von Stimme und Instrumentalmelodie

Die Form ist damit zugleich einfach genug für einen Popsong und offen genug, um die lange instrumentale Vorgeschichte der Melodie hörbar zu lassen.


Textthemen, Bildsprache und sinngemäße Übersetzung

Paul Simons englischer Text arbeitet mit Gegensatzpaaren: Beweglichkeit steht gegen Trägheit, aktives Handeln gegen passives Festgelegtsein, Natur gegen gebaute Umwelt und freies Fortgehen gegen Gebundensein. Ein rechtlich zulässiges sehr kurzes Zitat lautet: „I'd rather be a sparrow than a snail“.[3] Mehr vom geschützten Liedtext wird hier bewusst nicht wiedergegeben.

Sinngemäß sagt das lyrische Ich: Es möchte lieber beweglich, selbstbestimmt, naturverbunden und frei sein, als in einer passiven oder festgelegten Rolle zu verharren. Die späteren Bilder führen dieses Thema weiter, ohne den Kondor selbst zu nennen. Der Kondor bleibt also vor allem im Titel und in der Herkunftsgeschichte präsent.

Für die Interpretation ist das interessant: In der Zarzuela steht der Kondor im Zusammenhang mit sozialer Befreiung und dem Konflikt der Minenarbeiter; Paul Simons Text macht daraus keine direkte Nacherzählung. Er verallgemeinert die Idee von Freiheit zu einer persönlichen, bildhaften Meditation. Das ist eine kulturelle Neu-Kontextualisierung, keine Übersetzung.

Andenkondor im Flug bei Arequipa, Peru. Das Foto steht unter CC BY-SA 2.0.[18]


Rezeption und Bedeutung im Werk von Simon & Garfunkel

Die Single erreichte in den USA Platz 18 der Billboard Hot 100; die offizielle Diskografie von Art Garfunkel führt diese Platzierung ebenfalls auf.[19] Noch wichtiger für die Werkgeschichte ist der Albumkontext: Bridge over Troubled Water war das fünfte und letzte Studioalbum von Simon & Garfunkel und wurde zum größten Album-Erfolg des Duos.[1]

El Cóndor Pasa (If I Could) zeigt zudem eine Arbeitsweise, die für Paul Simon später weiterhin bedeutsam blieb: die Zusammenarbeit mit Musikern aus anderen musikalischen Traditionen. Los Incas beziehungsweise Urubamba begleiteten Simon später erneut; Simon produzierte 1974 auch ein Urubamba-Album.[10] Man sollte daraus keine geradlinige „Erfindung der Weltmusik“ ableiten. Belegt ist aber, dass die Zusammenarbeit nach 1970 fortgesetzt wurde und damit mehr war als ein einmaliger Studiogag.


Vergleich von Fassungen


Los Incas 1963 und Simon & Garfunkel 1970

Die Los-Incas-Fassung von 1963 war instrumental. Simon & Garfunkel übernahmen die Instrumentalgrundlage und ergänzten englischen Text und Gesang.[11] Hörbar verändert sich dadurch die Wahrnehmung: Aus einem instrumentalen Arrangement wird ein internationaler Folk-Pop-Song, dessen Bedeutung stark durch Paul Simons neue Freiheitsbilder geprägt wird.

Für eine Quellenanalyse ist besonders wichtig, die Begriffe Original, Arrangement und Cover sauber zu verwenden. Die historische Ursprungsarbeit ist die Zarzuela von Robles und Baudouin. Die Los-Incas-Fassung ist ein späteres Arrangement. Die Simon-&-Garfunkel-Fassung baut wiederum auf dieser Los-Incas-Version auf und ergänzt eine neue Text- und Gesangsebene.


Simon & Garfunkel 1970 und Live 2003

Die offizielle Liveaufnahme aus dem Madison Square Garden 2003 nennt eine große Begleitband mit Gitarren, Cello, Percussion, Schlagzeug, Keyboards, Klavier und Bass.[12] Dadurch ist die Klangfläche voller und stärker konzertorientiert. Die 1970er Fassung wirkt im Vergleich intimer und stärker durch die besondere Los-Incas-Instrumentalbasis definiert.

Beim Vergleich kannst Du drei Ebenen hören: Besetzung, Raumklang und Interaktion. Im Studio können Stimmen und Instrumente sehr kontrolliert geschichtet werden. Live entstehen dagegen unmittelbare Dynamik, Publikumsraum und eine andere Balance zwischen den beteiligten Instrumenten.


Peruanische Orchesterfassung als Kontrast

Eine Aufnahme der Orquesta Sinfónica Nacional del Perú im Museo Nacional de Arqueología, Antropología e Historia del Perú zeigt, wie anders die Komposition in einem sinfonischen Kontext wirken kann.[20] Statt des intimen Folk-Pop-Gesangs stehen orchestrale Farben und die kompositorische Herkunft im Vordergrund. Für den Unterricht eignet sich dieser Vergleich besonders, weil er zeigt, dass „dieselbe Melodie“ je nach Instrumentation, Aufführungspraxis und kulturellem Kontext eine andere Bedeutung annehmen kann.


Freies Hörmedium

Diese instrumental erzeugte Commons-Aufnahme wurde vom Uploader weltweit in die Public Domain entlassen. Sie ist nicht die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme, sondern ein frei nutzbares Vergleichsmedium zur Komposition von Daniel Alomía Robles.[21]

Gerade für OER ist diese Unterscheidung wichtig: Die frei lizenzierte oder gemeinfreie Commons-Datei darf unter ihren Lizenzbedingungen weiterverwendet werden. Die offiziellen YouTube-Aufnahmen von Simon & Garfunkel bleiben dagegen urheberrechtlich geschützte externe Streams und werden im aiMOOC nur eingebettet.


Hörleitfaden

Wenn Du die 1970er Aufnahme noch einmal hörst, kannst Du systematisch vorgehen.

  1. Klangfarbe: Welche Instrumente erkennst Du sicher, welche nur als Klangfamilie?
  2. Melodie: Wo führt die Flöte, wo führt die Stimme?
  3. Harmonik: Wann wirkt der Mollcharakter besonders deutlich, wann öffnet sich der Klang?
  4. Rhythmus: Bleibt der Puls konstant oder gibt es frei wirkende Stellen?
  5. Gesang: Wo hörst Du eine einzelne Stimme, wo eine enge Zweistimmigkeit?
  6. Arrangement: Welche Schichten treten nacheinander hinzu?
  7. Textinterpretation: Wie passen die Freiheitsbilder zur instrumentalen Herkunft der Melodie?
  8. Produktion: Welche Unterschiede hörst Du zwischen Studio 1970 und Live 2003?


Recht, Quellenkritik und OER

Bei diesem Stück ist Quellenkritik besonders wichtig. Die Melodie von Daniel Alomía Robles und die englische Textfassung von Paul Simon haben unterschiedliche Entstehungsgeschichten. Ebenso muss zwischen der Komposition, dem Arrangement von Los Incas, der Simon-&-Garfunkel-Aufnahme und späteren Livefassungen unterschieden werden.

Die in diesem aiMOOC eingebetteten Wikimedia-Commons-Medien sind auf ihren jeweiligen Dateiseiten als gemeinfrei oder unter Creative-Commons-Lizenzen ausgewiesen. Besonders bewusst wird für Simon & Garfunkel das Foto aus dem Nationaal Archief verwendet, weil dessen CC-BY-SA-3.0-NL-Lizenz eindeutig angegeben ist.[2] YouTube-Videos sind dagegen keine OER; sie werden über die jeweilige Plattform eingebettet und dürfen nicht einfach kopiert oder neu veröffentlicht werden.

Die historischen Notenausgaben auf Commons sind etwas anderes als die geschützte Simon-&-Garfunkel-Bearbeitung. Deshalb enthält dieser Kurs keine vollständige moderne Transkription und keine vollständigen Lyrics. Die Score-Beispiele sind neu erfunden und dienen nur der Analyse von Mollzentrum, Kontur und 4/4-Puls.


Nachprüfbare Quellen

  1. 1,0 1,1 1,2 The Official Simon & Garfunkel Site: Bridge Over Troubled Water, abgerufen 2026.
  2. 2,0 2,1 Wikimedia Commons: Simon & Garfunkel 919-3036.jpg
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Simon & Garfunkel: El Condor Pasa (If I Could) – offizielles Audio
  4. Wikimedia Commons: Daniel Alomía Robles, portrait.jpg
  5. Ministerio de Cultura del Perú: Begründung zur kulturellen Bedeutung der Partituren von Daniel Alomía Robles, 2025
  6. Wikimedia Commons: Cerro de Pasco, Peru. March 1914. Copper mine
  7. 7,0 7,1 Wikipedia en español: El cóndor pasa…, mit Hinweisen auf die instrumentalen Nummern der Zarzuela.
  8. Biblioteca Nacional del Perú: Partituras de Daniel Alomía Robles, 2025
  9. Wikimedia Commons: El cóndor pasa.pdf
  10. 10,0 10,1 Los Incas: Urubamba & Paul Simon, mit einem rückblickenden Zitat Paul Simons.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 Transkription der originalen LP-Liner-Notes von Bridge Over Troubled Water
  12. 12,0 12,1 Simon & Garfunkel: El Condor Pasa – Live at Madison Square Garden, 2003
  13. Musicnotes: El Condor Pasa (If I Could), Original Published Key E Minor
  14. 14,0 14,1 Hooktheory: Song Analysis, E minor, ca. 73 BPM, 4/4
  15. Wikimedia Commons: Quena-assemblage.svg
  16. Wikimedia Commons: Charango jt.png
  17. The Official Simon & Garfunkel Site: Track By Track – El Condor Pasa
  18. Wikimedia Commons: Andean Condor in flight.jpg
  19. Art Garfunkel: Discography
  20. Museo Nacional de Arqueología, Antropología e Historia del Perú: El cóndor pasa, Orquesta Sinfónica Nacional del Perú
  21. Wikimedia Commons: Daniel Alomía Robles - El Cóndor Pasa.ogg

Zusätzlich eignen sich folgende Quellen zur Vertiefung:

  1. Offizielle Simon-&-Garfunkel-Seite zu Bridge Over Troubled Water
  2. Offizielles Track-by-Track-Material zu El Condor Pasa
  3. Ministerio de Cultura del Perú zur dramatisierten Aufführung der Zarzuela
  4. Biblioteca Nacional del Perú zu den Partituren von Daniel Alomía Robles
  5. Wikimedia Commons: Kategorie El cóndor pasa


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wer komponierte die Musik der Zarzuela El cóndor pasa von 1913? (Daniel Alomía Robles) (!Paul Simon) (!Art Garfunkel) (!Roy Halee)




Welche Gruppe lieferte die Instrumentalgrundlage der Simon-und-Garfunkel-Aufnahme? (Los Incas) (!The Byrds) (!The Beach Boys) (!The Animals)




Auf welchem Album erschien El Condor Pasa If I Could 1970? (Bridge over Troubled Water) (!Sounds of Silence) (!Bookends) (!Parsley Sage Rosemary and Thyme)




Was trifft auf Paul Simons englischen Text zu? (Er ist eine neue Textfassung und keine Übersetzung eines ursprünglichen Liedtexts) (!Er übersetzt das Zarzuela-Libretto Wort für Wort) (!Er stammt von Daniel Alomía Robles) (!Er wurde bereits 1913 gesungen)




Welche Tonart wird für die Simon-und-Garfunkel-Fassung häufig angegeben? (E Moll) (!C Dur) (!Fis Dur) (!B Dur)




Welche Taktart wird in Analysen der Aufnahme angegeben? (Vier Viertel) (!Drei Viertel) (!Fünf Viertel) (!Sieben Achtel)




Welche Aussage zur Bildsprache des englischen Texts passt am besten? (Sie stellt Freiheit und Selbstbestimmung gegen Gebundenheit) (!Sie erzählt die Handlung der Zarzuela vollständig nach) (!Sie beschreibt ausschließlich eine Liebesbeziehung) (!Sie besteht nur aus geografischen Ortsnamen)




Welche Aussage zum Kondor im englischen Text ist richtig? (Der Kondor steht im Titel wird aber im englischen Liedtext nicht genannt) (!Der Kondor spricht als Ich Erzähler) (!Der Kondor wird in jeder Strophe wiederholt) (!Der Kondor erscheint nur im Refrain als Name)




Welche Fassung besitzt laut offiziellen Credits eine größere Live Band mit Cello Percussion Keyboards und Bass? (Die Livefassung von 2003) (!Die Zarzuela Uraufführung von 1913) (!Die Los Incas Aufnahme von 1963) (!Die Klavierausgabe von 1933)




Welche Medienart in diesem aiMOOC ist als frei wiederverwendbares OER besonders geeignet? (Eine passend lizenzierte Wikimedia Commons Datei) (!Ein beliebiger neu hochgeladener Songmitschnitt) (!Ein kopiertes Albumcover ohne Lizenz) (!Ein vollständiger geschützter Liedtext)





Memory

Daniel Alomía Robles Komponist der Zarzuela von 1913
Los Incas Instrumentalgrundlage der Aufnahme von 1970
Paul Simon Englischer Text
Quena Andines Blasinstrument
Charango Andines Zupfinstrument
Roy Halee Produzent und Toningenieur





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Daniel Alomía Robles Komposition und Zarzuela
Los Incas Instrumentale Grundlage der Popaufnahme
Paul Simon Neuer englischer Text
Quena Blasinstrumentale Klangfarbe
Charango Zupfinstrumentale Klangfarbe




...


Kreuzworträtsel

Robles Wie lautet der Nachname des peruanischen Komponisten?
Quena Welches andine Blasinstrument prägt typische Flötenklänge?
Charango Welches kleine andine Zupfinstrument besitzt einen hellen Klang?
Garfunkel Wie lautet der Nachname von Arts Duopartner?
Milchberg Wie lautet der Nachname des Leiters von Los Incas?
Anden In welchem Gebirge liegt der kulturelle Herkunftsraum der Komposition?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die Musik der Zarzuela El cóndor pasa komponierte 1913

. Die Handlung steht im Zusammenhang mit Bergbaukonflikten in

. Paul Simon lernte die Gruppe Los Incas in

kennen. Die Instrumentalgrundlage der Aufnahme von 1970 stammt von

. Der neue englische Text wurde von

geschrieben. Als tonales Zentrum der Aufnahme wird häufig

angegeben. Ein charakteristisches andines Blasinstrument ist die

. Das Album Bridge over Troubled Water war das letzte Studioalbum von

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die Studioaufnahme zweimal und notiere beim zweiten Hören fünf Klangereignisse mit ungefährer Zeitangabe.
  2. Instrumentenkunde: Erstelle eine beschriftete Skizze von Quena und Charango und beschreibe, wie ihre Klangerzeugung funktioniert.
  3. Bildsprache: Formuliere drei eigene Gegensatzpaare, die wie im Song Freiheit und Gebundenheit ausdrücken, ohne den Liedtext zu kopieren.
  4. Quellencheck: Wähle eine Commons-Datei aus dem aiMOOC und erkläre in eigenen Worten, was ihre Lizenz erlaubt.


Standard

  1. Versionenvergleich: Vergleiche Studio 1970 und Live 2003 anhand von Besetzung, Dynamik, Raumklang und Gesang.
  2. Kontextanalyse: Erstelle eine Zeitleiste von 1913 über Los Incas 1963 bis zu Simon & Garfunkel 1970 und ergänze zu jeder Station eine nachprüfbare Quelle.
  3. Arrangement: Produziere mit frei verfügbaren Klängen ein eigenes 30-sekündiges Arrangement einer selbst erfundenen Mollmelodie mit Flöten- und Zupfinstrumentfarbe.
  4. Sinngemäße Übersetzung: Schreibe eine deutsche Inhaltsparaphrase des englischen Songs, ohne vollständige Liedzeilen zu übernehmen.


Schwer

  1. Kulturtransfer: Verfasse einen Essay darüber, welche Chancen und Probleme entstehen, wenn Musik aus einem kulturellen Kontext in einen internationalen Popsong überführt wird.
  2. Produktionsanalyse: Rekonstruiere als Schaubild den Produktionsweg von der Zarzuela über Los Incas bis zur Simon-&-Garfunkel-Studiofassung und kennzeichne, was Komposition, Arrangement, Text und Aufnahme jeweils bedeuten.
  3. Musikanalyse: Untersuche auf Grundlage eigener Hörbeobachtungen, wie Melodie, Harmonik und Timbre gemeinsam den Eindruck von Weite oder Freiheit erzeugen.
  4. OER-Projekt: Erstelle ein kurzes Lehrvideo mit ausschließlich selbst erstelltem Material und frei lizenzierten Commons-Medien, in dem Du die wichtigsten Unterschiede zwischen der historischen Vorlage und der Popfassung erklärst.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferanalyse: Erkläre an einem anderen Coversong, warum „neuer Text“, „neues Arrangement“ und „neue Aufnahme“ drei verschiedene Bearbeitungsebenen sind.
  2. Hörvergleich: Entwickle Kriterien, mit denen zwei Versionen desselben Stücks verglichen werden können, und wende sie auf Studio 1970 und Live 2003 an.
  3. Kontext und Bedeutung: Begründe, warum die Kenntnis des Bergbaukontexts der Zarzuela die Interpretation des Kondor-Symbols verändert.
  4. Interkulturelle Produktion: Diskutiere, wann die Zusammenarbeit mit Musikern aus einer anderen Tradition als Austausch verstanden werden kann und welche Quellen man dafür prüfen sollte.
  5. Musikalischer Ausdruck: Erkläre, wie Mollzentrum, Flötenklang und ruhiges Tempo gemeinsam eine bestimmte Atmosphäre erzeugen können, ohne sich auf den Liedtext zu stützen.
  6. Urheberrecht und OER: Entwickle für eine Schulpräsentation einen Medienplan, der zeigt, welche Materialien Du frei nachnutzen kannst und welche Du nur verlinken oder einbetten solltest.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du folgende Kompetenzen zeigen kannst:

  1. Du kannst die Zarzuela von 1913, die Los-Incas-Fassung und die Simon-&-Garfunkel-Aufnahme historisch auseinanderhalten.
  2. Du kannst mindestens drei belegte Besonderheiten der 1970er Aufnahme erklären.
  3. Du kannst zentrale Merkmale von Stil, Melodie, Harmonik, Rhythmus, Gesang, Instrumentierung, Arrangement, Produktion und Form beschreiben.
  4. Du kannst den englischen Text sinngemäß erschließen, ohne geschützte Lyrics vollständig zu reproduzieren.
  5. Du kannst Studio- und Livefassungen anhand konkreter Hörkriterien vergleichen.
  6. Du kannst Quellen nach Herkunft, Verlässlichkeit und Lizenzstatus unterscheiden.
  7. Du kannst eigene kurze Analysebeispiele erstellen, ohne die geschützte Melodie oder Partitur vollständig zu kopieren.




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