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Schutzgasschweißen verstehen – Einen Schutzgasschweißauftrag vorbereiten

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Schutzgasschweißen verstehen – Einen Schutzgasschweißauftrag vorbereiten

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Schutzgasschweißen verstehen – Einen Schutzgasschweißauftrag vorbereiten


Einleitung

Dieser Lernkurs richtet sich an Auszubildende in metalltechnischen Berufen. Du lernst, einen Schutzgasschweißauftrag fachlich vorzubereiten: Arbeitsunterlagen prüfen, Bauteil und Prozess zuordnen, Gefährdungen erkennen, Schutzmaßnahmen kontrollieren und die Fachfreigabe durch die verantwortliche Fachperson vorbereiten.

Sicherheitsgrenze des Kurses: Dieser aiMOOC vermittelt Vorbereitungskompetenz, aber keine Schweißerqualifikation. Er ersetzt weder Unterweisung noch betriebliche Freigabe, Schweißanweisung, Gefährdungsbeurteilung oder Schweißerprüfung. Praktische Arbeiten, Einrichten, Einschalten und Schweißen dürfen nur im dafür vorgesehenen Ausbildungsbereich, nach betrieblicher Unterweisung und unter Fachaufsicht stattfinden.

Beobachtungsauftrag zum Bild: Markiere gedanklich alles, was auf Lichtbogenstrahlung, Hitze, Spritzer und erforderliche Abschirmung gegenüber anderen Personen hinweist. Entscheide anschließend: Welche Schutzmaßnahmen kannst Du auf einem Foto erkennen – und welche wichtigen Schutzmaßnahmen lassen sich aus einem Foto gerade nicht sicher beurteilen?


Lernziele und kurzer Lernweg

Nach dem Kurs kannst Du

Kompetenz Du kannst …
Auftrag verstehen Zeichnung, Arbeitsauftrag, WPS und Prüfanforderungen auf Zusammengehörigkeit prüfen.
Prozess einordnen MIG, MAG und WIG unterscheiden und Prozessangaben aus Arbeitsunterlagen lesen.
Gefährdungen erkennen Schweißrauch, optische Strahlung, Hitze, elektrischen Strom, Brandgefahr und Gefährdungen durch Druckgas berücksichtigen.
Schutzmaßnahmen prüfen technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen auf Plausibilität kontrollieren.
Freigabe vorbereiten Abweichungen dokumentieren und einen Auftrag erst dann zur Fachfreigabe vorlegen, wenn offene Punkte geklärt sind.

Lerneinheiten: sechs kurze Einheiten von jeweils etwa 5–12 Minuten. Der Kurs endet mit Entscheidungsaufgaben und einer Lernkontrolle. Praktische Schweißzeit ist nicht Bestandteil des Lernkurses.


Ausbildungsfall: Haltewinkel für einen Maschinenrahmen

Du erhältst den Auftrag, die Vorbereitung für einen geschweißten Haltewinkel zu übernehmen. Zwei Bauteile aus Stahl sollen nach Zeichnung als T-Verbindung gefügt werden. Im Betrieb ist dafür eine gültige MAG-Schweißanweisung vorgesehen. Vorliegen sollen: Fertigungszeichnung, Stückliste, Arbeitsplan, WPS, betriebliche Gefährdungsbeurteilung/Betriebsanweisung und Prüfvorgaben.

Dein Auftrag endet vor dem selbstständigen Schweißen. Du prüfst, ob die Unterlagen zusammenpassen, ob Bauteile und Verbrauchsmaterialien eindeutig zugeordnet sind, ob der Ausbildungsarbeitsplatz sicher vorbereitet ist und ob offene Punkte dokumentiert wurden. Die abschließende Freigabe erteilt die im Betrieb benannte fachlich verantwortliche Person.

Status Bedeutung Konsequenz
Grün Unterlagen, Materialzuordnung, Arbeitsplatz und Schutzmaßnahmen sind plausibel und vollständig. Auftrag zur Fachfreigabe vorlegen.
Gelb Eine Angabe ist unklar, widersprüchlich oder nicht nachweisbar. Nicht beginnen; Rückfrage und Klärung dokumentieren.
Rot Sicherheitsrelevante Voraussetzung fehlt oder ein Mangel ist erkennbar. Arbeit stoppen, Bereich sichern und Fachaufsicht informieren.


Lerneinheit 1: Arbeitsunterlagen lesen, bevor etwas eingerichtet wird

Die Vorbereitung beginnt nicht am Gerät, sondern am Auftrag. Entscheidend ist, dass alle Unterlagen dieselbe Ausführung beschreiben.

Bildauftrag: Ordne im Ausbildungsfall die T-Verbindung zu. Prüfe anschließend, ob die Nahtart in Zeichnung und WPS wirklich dieselbe Verbindung beschreibt. Ein ähnliches Bauteil ist kein ausreichender Nachweis.


Die wichtigsten Unterlagen

Unterlage Was Du prüfst
Fertigungszeichnung Bauteilnummer, Werkstoffangabe, Fügestelle, Nahtangabe, Maße und Änderungsstand.
Stückliste/Materialnachweis Ob die bereitgestellten Bauteile eindeutig zum Auftrag gehören.
Arbeitsplan Reihenfolge, Arbeitsplatz, Prüf- und Freigabeschritte.
WPS / Schweißanweisung Ob Prozess, Werkstoffgruppe, Naht, Position, Zusatz, Schutzgas und weitere freigegebene Bedingungen zum Auftrag passen.
Gefährdungsbeurteilung/Betriebsanweisung Welche Schutzmaßnahmen, Absaugung, PSA, Bereichsregeln und Freigaben vorgeschrieben sind.
Prüfvorgabe Welche Merkmale nach dem Schweißen kontrolliert und dokumentiert werden müssen.

Eine WPS ist keine unverbindliche Empfehlung. Die aktuelle DIN EN ISO 15609-1 legt Anforderungen an den Inhalt von Schweißanweisungen für Lichtbogenschweißprozesse fest. Parameter oder Prozessbedingungen werden in diesem Lernkurs nicht eigenmächtig festgelegt oder verändert; maßgeblich sind die freigegebene WPS, betriebliche Vorgaben und die Fachaufsicht.


Arbeitsblatt: Dokumentenabgleich

Prüffrage Ja Nein / Klärung nötig
Stimmen Auftragsnummer und Zeichnungsstand überein? □ □
Ist die Werkstoffzuordnung eindeutig? □ □
Passt die Nahtart zur Zeichnung? □ □
Ist die vorgesehene WPS eindeutig benannt und gültig? □ □
Sind Prüfvorgaben und Freigabeschritt festgelegt? □ □

Entscheidungsregel: Bei einem „Nein“ oder einer ungeklärten Abweichung wird nicht improvisiert. Die Abweichung wird dokumentiert und der Fachaufsicht vorgelegt.


Lerneinheit 2: Schutzgasschweißprozesse verstehen

Schutzgasschweißen gehört zu den Lichtbogenschweißverfahren. Beim MSG-Schweißen brennt der Lichtbogen zwischen Werkstück und abschmelzender Drahtelektrode. Das Schutzgas schirmt Lichtbogen und Schmelzbad gegenüber der Umgebungsluft ab. Beim WIG-Schweißen ist die Wolframelektrode nicht abschmelzend.

Nach DIN EN ISO 4063:2023 werden Schweißprozesse mit Ordnungsnummern bezeichnet. Häufige Beispiele sind 131 für MIG mit Massivdrahtelektrode, 135 für MAG mit Massivdrahtelektrode und 141 für WIG mit Massivdraht- oder Massivstabzusatz. Im Ausbildungsfall ist die Prozessangabe aus der freigegebenen Arbeitsunterlage zu übernehmen, nicht aus Gewohnheit.

Bildauftrag: Finde Brenner, Werkstück, Stromquelle, Drahtvorschub, Drahtvorrat und Schutzgasversorgung. Nenne anschließend zwei Verbindungen im System, deren sichtbarer Mangel vor Arbeitsbeginn eine Rückfrage oder Sperre auslösen würde.

Beobachtung: Die Grafik zeigt Vorschubrichtung, Kontakthülse, Drahtelektrode, Schutzgas, flüssiges Schweißgut, erstarrte Naht und Grundwerkstoff. Leite daraus ab, warum eine falsche Prozess- oder Gaszuordnung nicht „am Ergebnis ausprobiert“ werden darf.

Prozessvideo – Beobachten und entscheiden: Das Fronius-Wissensvideo zeigt verschiedene Lichtbogenarten beim MIG/MAG-Schweißen. Beobachte Unterschiede im Werkstoffübergang. Entscheide danach: Darf eine Auszubildende oder ein Auszubildender die Lichtbogenart allein aufgrund des sichtbaren Lichtbogens frei wählen? Begründetes Feedback: Nein. Sichtbeobachtung unterstützt das Prozessverständnis; die zulässige Prozessvariante und die freigegebenen Bedingungen ergeben sich aus WPS, Auftrag, Gerätedokumentation und Fachaufsicht.


Brenner und Schutzgasversorgung erkennen

Bildauftrag: Benenne Gasdüse und Kontaktspitze. Entscheide: Ist eine beschädigte Gasdüse nur ein Schönheitsfehler? Feedback: Nein. Bauteile am Brenner beeinflussen Schutzgasführung und Prozesssicherheit; beschädigte oder unklare Teile werden nicht eigenmächtig weiterverwendet, sondern der Fachaufsicht gemeldet.

Bildauftrag: Erkläre, warum Gasart, Kennzeichnung, Armatur und Zustand geprüft werden müssen. Druckgasflaschen und Armaturen werden nur entsprechend betrieblicher Unterweisung und Herstellerangaben gehandhabt.

Setup-Video – Beobachtungsauftrag: Das Hersteller-How-to zeigt das Einrichten eines MIG/MAG-Systems. Notiere ausschließlich die Prüfkategorien in der gezeigten Reihenfolge, zum Beispiel Anschlüsse, Drahtsystem, Schutzgas, Bedienoberfläche. Übertrage keine Einstellwerte aus dem Video auf den Ausbildungsfall. Entscheidung: Jede Einstellung muss mit WPS, Gerät, Verbrauchsmaterial und betrieblicher Freigabe zusammenpassen.


Lerneinheit 3: Gefährdungen erkennen und Schutzmaßnahmen priorisieren

Beim Lichtbogenschweißen können unter anderem elektrischer Strom, optische Strahlung einschließlich UV- und IR-Anteilen, thermische Energie, Brand- und Explosionsgefahren, Gefahrstoffe im Schweißrauch, Druckgase und Lärm wirksam werden. Die konkrete Gefährdung hängt von Verfahren, Werkstoff, Oberfläche und Arbeitsumgebung ab.

Schutzgase können in schlecht belüfteten oder engen Räumen Sauerstoff verdrängen. Arbeiten in engen Räumen erfordern eine gesonderte Gefährdungsbeurteilung und besondere betriebliche Maßnahmen und sind nicht Gegenstand praktischer Übungen dieses Lernkurses.

Merksatz: Schutzmaßnahmen werden nicht nach Gefühl ausgewählt. Grundlage sind Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung, TRGS 528, DGUV-Regelwerk und die betriebliche Unterweisung.


Schweißrauch: an der Entstehungsstelle beherrschen

Schweißrauch besteht aus sehr feinen Partikeln und kann zusätzlich gasförmige Gefahrstoffe begleiten. Die TRGS 528 und die DGUV-Informationen stellen die Verringerung der Exposition in den Mittelpunkt. Vorrang haben geeignete technische Maßnahmen, insbesondere wirksame Erfassung möglichst nahe an der Entstehungsstelle. Persönlicher Atemschutz wird nicht pauschal „dazugegeben“, sondern nach Gefährdungsbeurteilung ausgewählt.

Sicherheitsvideo – Beobachten: Das von der britischen Arbeitsschutzbehörde HSE bereitgestellte Video zeigt Maßnahmen gegen gefährlichen Schweißrauch. Beobachte Position von Person, Rauchfahne und Erfassung.

Entscheidungsaufgabe: Eine Absaugung ist vorhanden, die Rauchfahne zieht aber am Erfassungselement vorbei. Ist der Arbeitsplatz deshalb freigabefähig? Feedback: Nein. Das Vorhandensein einer Absaugung genügt nicht; ihre wirksame Erfassung muss für die konkrete Arbeit gewährleistet sein. Bei Zweifel: Arbeit nicht beginnen und Fachaufsicht einschalten.

LEV-Video – Beobachten: Vergleiche die sichtbare Rauchbewegung mit und ohne wirksame lokale Absaugung. Entscheidung: Allgemeine Raumlüftung und Quellenerfassung sind nicht dasselbe. Die vorgeschriebene technische Schutzmaßnahme darf nicht durch eine bequemere, aber ungeprüfte Alternative ersetzt werden.


Strahlung, Hitze, Strom und Brandgefahr

Gefährdung Was vor der Freigabe geklärt sein muss
Optische Strahlung Geeigneter Schweißerschutz für die ausführende Person sowie Abschirmung des Bereichs gegen unbeabsichtigtes Hineinsehen durch andere.
Hitze und Spritzer Geeignete Schutzkleidung, Handschutz und Sicherheitsschuhe nach Gefährdungsbeurteilung; heiße Bauteile eindeutig behandeln/kennzeichnen.
Elektrischer Strom Sichtprüfung auf erkennbare Schäden, trockene sichere Arbeitsbedingungen, intakte Leitungen/Anschlüsse; Defekte nicht selbst reparieren.
Brandgefahr Brennbare Stoffe und verdeckte Brandlasten berücksichtigen; erforderliche Freigaben, Löschmittel und gegebenenfalls Brandwache nach betrieblicher Regelung.
Druckgas Flasche standsicher gesichert, Kennzeichnung eindeutig, Armaturen passend und unbeschädigt; keine eigenmächtigen Veränderungen.

Bildkritik statt Nachahmung: Nutze das Foto nicht als vollständige PSA-Vorgabe. Prüfe vielmehr: Welche Schutzkomponenten sind sichtbar? Welche Anforderungen können nur aus Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und Kennzeichnung der PSA beurteilt werden?


Das STOP-Prinzip auf den Ausbildungsfall anwenden

Stufe Beispiel im Schweißauftrag
Substitution Die verantwortliche Planung prüft, ob ein emissionsärmeres Verfahren oder eine andere Fügetechnik technisch möglich und freigegeben ist.
Technische Maßnahmen Quellenerfassung, geeignete Lüftung, Abschirmungen, sichere Schweißanlage.
Organisatorische Maßnahmen Abgetrennter Ausbildungsbereich, Unterweisung, Zugangsregel, Freigaben, Aufsicht, Brandvorsorge.
Persönliche Maßnahmen Vorgeschriebene PSA und gegebenenfalls festgelegter Atemschutz.

Wichtig: Du änderst das Verfahren im Ausbildungsfall nicht eigenmächtig. Das STOP-Prinzip hilft Dir zu verstehen, warum technische und organisatorische Lösungen Vorrang vor einer rein persönlichen Schutzmaßnahme haben.


Lerneinheit 4: Bauteil, Fügestelle und Arbeitsbereich vorbereitend prüfen

Vor dem Schweißen muss feststehen, dass das richtige Bauteil in der richtigen Ausführung bereitliegt. Oberflächenzustand, Beschichtungen, Verunreinigungen und unbekannte Rückstände können sowohl die Nahtqualität als auch die Gefahrstoffsituation beeinflussen. Unbekannte Beschichtungen werden nicht „einfach weggebrannt“.

Transfer aus der Zeichnung: Die Grafik zeigt Schmelzzone, Wärmeeinflusszone und Grundwerkstoff an einer Stumpfverbindung. Übertrage den Gedanken auf den Haltewinkel: Auch wenn die spätere Naht klein wirkt, betrifft der Prozess Werkstoff, angrenzende Zone und Umgebung. Deshalb müssen Werkstoffidentität, Fügestelle und Oberflächenzustand vorab geklärt sein.


Sicht- und Plausibilitätsprüfung ohne Inbetriebnahme

Prüffeld Leitfrage
Bauteil Stimmen Identität, Abmessungen und Werkstoffkennzeichnung mit Auftrag und Zeichnung überein?
Fügestelle Entspricht die vorbereitete Geometrie der Zeichnung und WPS?
Oberfläche Sind Beschichtung, Öl, Rost oder unbekannte Rückstände vorhanden, die vorab fachlich bewertet werden müssen?
Anlage Sind erkennbare Schäden, lose Teile oder unklare Anschlüsse vorhanden?
Umgebung Ist der Bereich abgegrenzt, frei von unkontrollierten Brandlasten und für Absaugung/Abschirmung geeignet?
Prüfmittel Sind die vorgesehenen Mess- und Prüfmittel verfügbar und geeignet?

Stoppregel: Bei unbekanntem Material, unbekannter Beschichtung, sichtbarem Anlagenschaden oder fehlender Schutzmaßnahme erfolgt keine Inbetriebnahme. Melden, dokumentieren, klären.


Lerneinheit 5: Fachfreigabe vorbereiten

Fachfreigabe bedeutet in diesem Kurs: Die im Betrieb benannte fachlich verantwortliche Person bestätigt, dass der konkrete Auftrag unter den festgelegten Bedingungen durchgeführt werden darf. Du bereitest diese Entscheidung vor; Du erteilst sie nicht selbst, sofern dies nicht ausdrücklich zu Deiner betrieblichen Rolle und Qualifikation gehört.

Bildauftrag: Nutze das Foto als Freigabeübung: Welche Aspekte von Arbeitsbereich, Abschirmung, PSA und Bauteilzugang sind sichtbar? Welche Punkte – etwa Absaugwirkung, Geräteprüfung, WPS, Materialidentität oder Fachaufsicht – können aus dem Bild nicht zuverlässig freigegeben werden?


Freigabepaket

Prüffeld Nachweis für die Vorlage
Auftrag Richtige Zeichnung, richtiger Änderungsstand, eindeutige Bauteilzuordnung.
Verfahren Passende und gültige WPS/Schweißanweisung.
Material und Verbrauchsmittel Eindeutige Zuordnung zu Auftrag und WPS.
Arbeitsplatz Ausbildungsbereich, Abschirmung, wirksame Absaugung/Lüftung, Ordnung und Brandvorsorge.
Anlage Sichtbar ordnungsgemäßer Zustand; erforderliche Prüf-/Wartungskennzeichnungen nach Betriebsregel.
Personal Unterweisung, erforderliche Berechtigung/Qualifikation und Fachaufsicht geklärt.
Abweichungen Keine ungeklärte Abweichung; Rückfragen und Entscheidungen dokumentiert.


Entscheidungsbaum

  1. Sind Auftrag und Unterlagen eindeutig? Wenn nein: Stopp und klären.
  2. Stimmen Bauteil, Material und WPS zusammen? Wenn nein: Stopp und klären.
  3. Sind Arbeitsplatz und Schutzmaßnahmen wirksam vorbereitet? Wenn nein: Stopp und nachbessern lassen.
  4. Sind erkennbare Anlagenschäden ausgeschlossen? Wenn nein: Sperren und melden.
  5. Sind Aufsicht und erforderliche Qualifikation geklärt? Wenn ja: zur Fachfreigabe vorlegen.


Lerneinheit 6: Ausbildungsfall entscheiden

Situation A: Zeichnung und WPS tragen unterschiedliche Änderungsstände, die Auswirkungen sind unklar.

Deine Entscheidung: Gelb/Rot – nicht beginnen. Änderungsstand fachlich klären. Begründetes Feedback: Eine scheinbar kleine Dokumentenabweichung kann Nahtausführung, Werkstoff, Prüfung oder Sicherheitsmaßnahmen betreffen. Ohne geklärte Dokumentenbasis gibt es keine belastbare Freigabe.

Situation B: Alle Unterlagen stimmen, aber die vorgeschriebene Quellenerfassung ist nicht funktionsfähig.

Deine Entscheidung: Rot – nicht beginnen. Begründetes Feedback: Eine dokumentarisch richtige WPS ersetzt keine wirksame Arbeitsschutzmaßnahme. Schweißrauch muss nach Gefährdungsbeurteilung wirksam beherrscht werden.

Situation C: Arbeitsplatz und Unterlagen sind vollständig, am Brennerschlauchpaket ist jedoch eine sichtbare Beschädigung erkennbar.

Deine Entscheidung: Rot – Anlage nicht in Betrieb nehmen, Mangel melden. Begründetes Feedback: Sicherheitsrelevante Defekte werden nicht improvisiert oder von nicht befugten Personen repariert.

Situation D: Alles ist vorbereitet, die zuständige Fachaufsicht ist aber nicht verfügbar.

Deine Entscheidung: Gelb/Rot – keine praktische Durchführung. Begründetes Feedback: Dieser Ausbildungsauftrag ist ausdrücklich an Fachaufsicht und betriebliche Freigabe gebunden.


Gestufte Aufgaben mit Feedback


Basisaufgabe: Unterlagen sortieren

Aufgabe: Du findest auf dem Arbeitstisch eine Zeichnung, eine ältere WPS, eine aktuelle WPS, eine Betriebsanweisung und einen Lieferschein. Entscheide, welche Dokumente Du für den Freigabecheck heranziehst und welches Dokument zunächst als mögliche Altversion ausgesondert werden muss.

Hilfe 1: Prüfe Dokumentart, Gültigkeit, Änderungsstand und Bezug zum Auftrag. Hilfe 2: „Vorhanden“ bedeutet nicht automatisch „gültig“. Begründetes Feedback: Für die Durchführung zählt die eindeutig zugeordnete, freigegebene und aktuelle Dokumentation. Eine ältere WPS darf nicht allein deshalb verwendet werden, weil sie am Arbeitsplatz liegt.


Anwendungsaufgabe: Arbeitsplatz freigabefähig?

Aufgabe: Am Ausbildungsplatz sind Schweißschirm und PSA vorhanden. Die Absaugung läuft, ihr Erfassungselement steht aber weit außerhalb der Rauchfahne. Gleichzeitig liegt brennbares Verpackungsmaterial hinter dem Schweißschirm. Bewerte den Status.

Hilfe 1: Prüfe nicht nur, ob Schutzmittel vorhanden sind, sondern ob sie wirksam positioniert und eingesetzt werden können. Hilfe 2: Denke an Schweißrauch und Brandgefahr getrennt. Begründetes Feedback: Status Rot. Sowohl die unzureichende Raucherfassung als auch die Brandlast müssen vor einer Freigabe beseitigt beziehungsweise fachlich beherrscht werden.


Transferaufgabe: Abweichung professionell kommunizieren

Aufgabe: Formuliere eine kurze Meldung an die Fachaufsicht, wenn Werkstoffkennzeichnung und WPS-Zuordnung nicht eindeutig zusammenpassen.

Hilfe 1: Nenne Auftrag, beobachtete Abweichung, Risiko der Fehlzuordnung und gewünschte Klärung. Hilfe 2: Vermeide Vermutungen über „wahrscheinlich richtig“. Musterfeedback: „Auftrag Haltewinkel: Werkstoffkennzeichnung am Bauteil lässt sich der angegebenen WPS nicht eindeutig zuordnen. Ich habe die Vorbereitung gestoppt und bitte um Werkstoff-/WPS-Abgleich und Freigabe.“ Das ist sachlich, nachvollziehbar und sicherheitsorientiert.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist vor dem Einrichten eines Schutzgasschweißauftrags zuerst zu klären? (Ob Auftrag, Zeichnung und gültige WPS eindeutig zusammenpassen) (!Ob der Lichtbogen optisch ruhig wirkt) (!Ob bereits ein Probestück geschweißt werden kann) (!Ob die Maschine möglichst hohe Leistung liefert)




Wer erteilt im Ausbildungsfall die abschließende Fachfreigabe? (Die im Betrieb benannte fachlich verantwortliche Person) (!Die lernende Person allein) (!Eine beliebige Person in der Werkstatt) (!Der Lieferant des Schutzgases)




Welche Maßnahme hat bei Schweißrauch grundsätzlich Vorrang vor einer rein persönlichen Schutzmaßnahme? (Eine geeignete technische Erfassung möglichst nahe an der Entstehungsstelle) (!Ein geöffnetes Hallentor als einzige Maßnahme) (!Nur eine kürzere Schweißzeit ohne weitere Prüfung) (!Das Wegdrehen des Kopfes)




Was ist bei einer unbekannten Beschichtung auf dem Bauteil richtig? (Arbeit nicht beginnen und die Beschichtung fachlich klären lassen) (!Beschichtung durch den Lichtbogen entfernen) (!Mehr Schutzgas einstellen) (!Nur die Schweißgeschwindigkeit erhöhen)




Welche Gefahr geht unmittelbar vom Lichtbogen aus? (Optische Strahlung) (!Wasserdruck) (!Kältestrahlung) (!Magnetisierung der Zeichnung)




Wie ist mit einer sichtbaren Beschädigung am Schlauchpaket umzugehen? (Nicht in Betrieb nehmen und den Mangel melden) (!Mit Klebeband provisorisch abdichten) (!Nur mit niedrigerer Leistung weiterarbeiten) (!Den Schaden ignorieren, solange Draht gefördert wird)




Was bedeutet ein ungeklärter Unterschied im Änderungsstand von Zeichnung und WPS? (Der Auftrag wird bis zur Klärung nicht begonnen) (!Die neuere Unterlage wird ohne Rückfrage gewählt) (!Die ältere Unterlage gilt automatisch) (!Der Unterschied ist für Schweißarbeiten bedeutungslos)




Welches Dokument beschreibt freigegebene Bedingungen für einen konkreten Schweißprozess? (Die Schweißanweisung beziehungsweise WPS) (!Der Lieferschein) (!Der Urlaubsplan) (!Die Werkzeugausgabe)




Warum müssen andere Personen vor Lichtbogenstrahlung geschützt werden? (Weil auch unbeteiligte Personen durch optische Strahlung gefährdet werden können) (!Weil Schutzgas immer brennbar ist) (!Weil jede Schweißnaht radioaktiv ist) (!Weil Stahl bei Raumtemperatur verdampft)




Welche Aussage zum Lernkurs ist richtig? (Der Kurs ersetzt keine Schweißerqualifikation und keine praktische Fachaufsicht) (!Der Kurs berechtigt zum selbstständigen Schweißen) (!Der Kurs ersetzt jede betriebliche Unterweisung) (!Der Kurs macht eine WPS überflüssig)





Memory

Schweißanweisung Freigegebene Bedingungen für den Schweißprozess
Fertigungszeichnung Geometrie und Nahtangaben des Bauteils
Gefährdungsbeurteilung Grundlage zur Festlegung von Schutzmaßnahmen
Quellenerfassung Technische Maßnahme gegen Schweißrauch
Schweißerschutzschild Abschirmung gegen optische Strahlung
Werkstoffkennzeichnung Grundlage für die Materialzuordnung
Fachfreigabe Entscheidung der verantwortlichen Fachperson
Brandlast Brennbares Material im Gefahrenbereich





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Aufgabe im Vorbereitungsschritt
Fertigungszeichnung Naht und Bauteilgeometrie prüfen
WPS Freigegebenen Schweißprozess zuordnen
Gefährdungsbeurteilung Schutzmaßnahmen ableiten
Quellenerfassung Schweißrauch technisch erfassen
Fachfreigabe Auftrag nach geklärter Vorbereitung freigeben lassen






Kreuzworträtsel

Schweißanweisung Welches Dokument beschreibt freigegebene Bedingungen für den Schweißprozess?
Absaugung Welche technische Maßnahme soll Schweißrauch möglichst an der Entstehungsstelle erfassen?
Fachperson Wer erteilt im Ausbildungsfall die abschließende Freigabe?
Schutzgas Welches Medium schirmt beim Verfahren die Schweißzone von der Umgebungsluft ab?
Schweißhelm Welcher Gesichtsschutz schützt beim Lichtbogenschweißen vor gefährlicher Strahlung?
Brandlast Wie heißt brennbares Material, das im Arbeitsbereich eine Brandgefahr erhöhen kann?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Vor Arbeitsbeginn wird die Fertigungszeichnung mit dem

abgeglichen.
Die freigegebenen Prozessbedingungen stehen in der

.
Eine ungeklärte Dokumentenabweichung führt zunächst zum

.
Schweißrauch soll möglichst nahe an der

erfasst werden.
Der Lichtbogen erzeugt gefährliche optische

.
Brennbares Material im Gefahrenbereich erhöht die

.
Sichtbare Schäden an Leitungen oder Schlauchpaketen werden der

gemeldet.
Die konkrete PSA ergibt sich aus der

.
Eine unbekannte Beschichtung muss vor Arbeitsbeginn fachlich

werden.
Die abschließende Entscheidung über den Ausbildungsauftrag heißt

.
Dieser Lernkurs ersetzt keine praktische

.
Praktische Schweißarbeiten erfolgen nur unter geeigneter

.




Offene Aufgaben

Für alle Aufgaben gilt: Keine eigenständige Inbetriebnahme oder Schweißarbeit. Beobachtungen am realen Ausbildungsplatz nur nach Freigabe und unter Fachaufsicht.


Leicht

  1. Auftragscheck: Erstelle aus einem Musterauftrag eine Ein-Seiten-Checkliste mit den Feldern Zeichnung, WPS, Material, Prüfplan und Freigabe.
  2. Gefahrenkarte: Markiere auf einer Skizze eines Schweißarbeitsplatzes mögliche Quellen für Schweißrauch, Strahlung, Hitze, Strom- und Brandgefahr.
  3. Nahtsuche: Suche in einer bereitgestellten Fertigungszeichnung alle Angaben, die für die Vorbereitung der Fügestelle relevant sind, ohne selbst Schweißparameter festzulegen.
  4. Mediencheck: Prüfe bei zwei im Kurs verwendeten Commons-Bildern Urheber, Lizenz und erlaubte Nachnutzung.


Standard

  1. WPS-Abgleich: Vergleiche eine Übungs-WPS mit einer Fertigungszeichnung und dokumentiere drei Übereinstimmungen sowie mögliche Klärungspunkte.
  2. Freigabeampel: Bewerte fünf vorbereitete Arbeitsplatzfotos mit Grün, Gelb oder Rot und begründe jede Entscheidung mit einer konkreten Schutzanforderung.
  3. Absaugungsbeobachtung: Beobachte gemeinsam mit der Fachaufsicht eine Demonstration der Absaugung ohne selbst zu schweißen und protokolliere, woran eine wirksame Erfassung erkennbar ist.
  4. Übergabegespräch: Simuliere mit einer Partnerperson die Meldung einer sicherheitsrelevanten Abweichung an die Fachaufsicht.


Schwer

  1. Freigabelogik: Entwickle einen Entscheidungsbaum, der Dokumentenfehler, Materialabweichung, Anlagenschaden und fehlende Schutzmaßnahme getrennt behandelt.
  2. Schutzkonzept: Entwirf für den Ausbildungsfall ein Schutzkonzept nach dem STOP-Prinzip und begründe die Rangfolge der Maßnahmen.
  3. Rückverfolgbarkeit: Entwickle ein einfaches Formular, mit dem Bauteil, Zeichnungsstand, WPS, Materialzuordnung und Freigabe nachvollziehbar dokumentiert werden.
  4. Lernvideo: Produziere ein zweiminütiges Erklärvideo „Vor dem Schweißen kommt die Freigabe“, das ausschließlich Vorbereitung, Schutzmaßnahmen und Stopppunkte zeigt und keine Schweißausführung anleitet.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Dokumentenkonflikt: Zeichnung und WPS nennen unterschiedliche Werkstoffgruppen. Erkläre, warum „eine davon wird schon stimmen“ keine akzeptable Entscheidung ist, und beschreibe den sicheren Klärungsweg.
  2. Wirksamkeit statt Vorhandensein: Begründe anhand eines Beispiels, warum eine vorhandene Absaugung noch keinen sicheren Arbeitsplatz beweist.
  3. Veränderte Umgebung: Ein Auftrag, der bisher in einer Schweißkabine ausgeführt wurde, soll an einem anderen Arbeitsplatz vorbereitet werden. Leite ab, welche Schutz- und Freigabepunkte erneut bewertet werden müssen.
  4. Änderungsmanagement: Erkläre, wie eine geänderte Fertigungszeichnung den vorbereiteten Schweißauftrag beeinflussen kann, obwohl das Bauteil äußerlich fast gleich aussieht.
  5. Stoppen und melden: Formuliere eine fachliche Meldung für den Fall, dass Du gleichzeitig einen beschädigten Brenner und fehlende Materialkennzeichnung feststellst.
  6. Verantwortungsgrenze: Unterscheide zwischen „vorbereiten“, „zur Freigabe vorlegen“, „freigeben“ und „schweißen“ und ordne die jeweils notwendige Verantwortung zu.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du

  1. einen Schweißauftrag systematisch aus Arbeitsunterlagen erschließen kannst,
  2. WPS, Zeichnung, Materialzuordnung und Prüfvorgaben miteinander abgleichen kannst,
  3. Schweißrauch, optische Strahlung, Hitze, elektrischen Strom, Brandgefahr und Druckgas als relevante Gefährdungen erkennst,
  4. technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen unterscheiden und priorisieren kannst,
  5. bei Abweichungen eine Stopentscheidung begründen und sachlich kommunizieren kannst,
  6. die Fachfreigabe als getrennten Verantwortungs- und Entscheidungsschritt verstehst,
  7. Deine Kompetenzgrenze kennst: Der Lernnachweis ist keine Schweißerprüfung und keine Schweißerqualifikation.




OERs zum Thema


Fachlich geprüfte Quellen

Die Quellen wurden für diesen Lernkurs am 05.10.2026 auf Aktualität und fachlichen Bezug geprüft.

  1. BAuA: TRGS 528 „Schweißtechnische Arbeiten“: Zentrale deutsche Technische Regel zu Gefahrstoffen bei schweißtechnischen Arbeiten und Schutzmaßnahmen.
  2. DGUV Information 209-010 „Lichtbogenschweißen“: Gefährdungen und Schutzmaßnahmen bei Lichtbogenverfahren.
  3. DGUV Information 209-096 „Schweißrauchminderung im Betrieb“: Systematische Verringerung der Schweißrauchexposition.
  4. DIN EN ISO 4063:2023-07: Aktuelle Prozessbezeichnungen und Ordnungsnummern.
  5. ISO 15609-1:2019: Anforderungen an den Inhalt von Schweißanweisungen für Lichtbogenschweißprozesse; laut ISO 2025 bestätigt und weiterhin aktuell.
  6. DIN EN ISO 9606-1:2017-12: Norm zur Prüfung von Schweißern für das Schmelzschweißen von Stählen; verdeutlicht, dass ein Lernkurs keine Schweißerprüfung ersetzt.
  7. HSE: Welding fume – protect your workers: Ergänzende Arbeitsschutzquelle zur Wirksamkeit von Quellenerfassung und Expositionskontrolle.


Medien und Rechte

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GMAW.welding.af.ncs.jpg William M. Plate Jr., U.S. Air Force Public Domain in den USA
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The Welducator – Arc types in GMAW Fronius Welding, Hersteller-Wissensformat Einbettung über YouTube; nicht automatisch OER
HowTo – Set up TransSteel MIG/MAG Fronius Welding, Hersteller-How-to Einbettung über YouTube; nicht automatisch OER
How to prevent breathing in dangerous fumes during welding HSE/Go Home Healthy, Arbeitsschutz Einbettung über YouTube; Rechte beim jeweiligen Herausgeber
Effective capture using Local Exhaust Ventilation Über die HSE/HSENI-Arbeitsschutzressourcen verlinkte Demonstration Einbettung über YouTube; Rechte beim jeweiligen Herausgeber

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