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Schmiedekunst der Langobarden - Schmied

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Schmiedekunst der Langobarden - Schmied



Schmiedekunst der Langobarden - Schmied

Das langobardische Herrschaftsgebiet in Italien im 8. Jahrhundert. Die Karte hilft Dir, Fundorte, Werkstattregionen und kulturelle Kontakte räumlich einzuordnen.


Einleitung

Die Schmiedekunst der Langobarden gehört zur Metallkultur des Frühmittelalters. Die Langobarden zogen 568 unter König Alboin aus dem pannonischen Raum nach Italien und errichteten dort ein Reich, dessen nördlicher Teil 774 von den Franken unter Karl dem Großen erobert wurde. Langobardische Herrschaft und Kultur bestanden in Teilen Süditaliens noch länger fort. Die erhaltenen Metallfunde aus Gräbern, Siedlungen und Herrschaftszentren zeigen eine technisch und gestalterisch vielfältige Welt: eiserne Waffen, Werkzeuge und Schildbuckel stehen neben gegossenen Beschlägen, silbernen Fibeln, goldenen Kreuzen und aufwendig verzierten Gürtelgarnituren.[1]

Für die Ausbildung im Schmiedehandwerk ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Nicht jedes langobardenzeitliche Metallobjekt wurde geschmiedet. Eisen und Stahl wurden überwiegend warm umgeformt, feuerverschweißt, gestanzt, gelocht und geschliffen. Viele Gegenstände aus Bronze, Silber oder Gold entstanden dagegen durch Guss, Treibarbeit, Löten, Filigran, Zellenwerk oder Einlegearbeit. Dieser Lernkurs betrachtet deshalb die Schmiedekunst im Zusammenhang mit den übrigen Metallhandwerken.

Das Video stellt das Archäologische Nationalmuseum in Cividale del Friuli vor, einen zentralen Lernort für langobardische Funde. Das Video ist italienischsprachig; achte besonders auf Waffen, Gürtelteile, Fibeln und Grabinventare.


Lernziele für die Ausbildung

Nach diesem aiMOOC kannst Du historische Metallobjekte fachsprachlich beschreiben, geschmiedete und gegossene Bauteile unterscheiden und archäologische Befunde kritisch auswerten. Du kennst die Grundzüge der frühmittelalterlichen Eisenherstellung, kannst die Werkstoffwahl mit der Funktion eines Objekts verknüpfen und beurteilst Rekonstruktionen nach handwerklichen, wissenschaftlichen und sicherheitstechnischen Kriterien.

Kompetenzbereich Ausbildungsbezogenes Lernziel
Werkstoffkunde Du erklärst Unterschiede zwischen Eisen, kohlenstoffhaltigem Stahl, Kupferlegierungen, Silber und Gold.
Schmiedetechnik Du ordnest Ausschmieden, Stauchen, Lochen, Treiben, Nieten und Feuerschweißen passenden Werkstücken zu.
Gestaltung Du analysierst Flechtband, Tierornamentik, Punzenmuster und Materialkontraste.
Qualitätssicherung Du erkennst mögliche Gussfehler, Schweißfehler, Korrosion und moderne Ergänzungen.
Archäometallurgie Du unterscheidest Befund, Rekonstruktion, Vergleich und Forschungshypothese.
Arbeitsschutz Du planst historische Versuche nur mit geeigneter Schutzausrüstung, Lüftung und Gefährdungsbeurteilung.


Historischer und archäologischer Rahmen


Langobarden in Italien

Die langobardische Kultur in Italien entwickelte sich nicht isoliert. Sie verband Traditionen aus dem mittleren Donauraum mit spätantiken römischen Werkstattkenntnissen, byzantinischen Formen, mediterranen Handelskontakten und Einflüssen benachbarter Gruppen. Deshalb ist der Ausdruck langobardisch bei Metallfunden vorsichtig zu verwenden. Ein Gegenstand kann aus einem langobardenzeitlichen Grab stammen, ohne dass sein Hersteller eindeutig als Langobarde bestimmt werden kann. Herkunft, Werkstatt und kulturelle Zuordnung werden aus Fundzusammenhang, Datierung, Materialanalyse, Formvergleich und Verbreitung erschlossen.

Die sogenannte Agilulfplatte zeigt Herrschaft, Bewaffnung und ornamentale Metallgestaltung. Die genaue ursprüngliche Funktion des vergoldeten Metallblechs wird wissenschaftlich diskutiert.

Die langobardische Kunst ist besonders durch Grabbeigaben überliefert. Männergräber können Schwerter, Saxe, Lanzenspitzen, Sporen, Schildbuckel und Gürtelbeschläge enthalten. In Frauengräbern finden sich unter anderem Fibeln, Anhänger, Perlen, Ringe und Gürtelteile. Solche Beigaben informieren über Handwerk, Status und Kleidung, bilden den Alltag jedoch nicht vollständig ab. Organische Werkstoffe wie Holz, Leder, Textil und Horn sind häufig vergangen, obwohl sie für Schwertscheiden, Schilde, Griffe, Blasebälge und Werkstattausrüstung entscheidend waren.


Quellenkritik in der Werkstattgeschichte

Für langobardische Schmiede existieren keine modernen Arbeitsberichte. Rekonstruktionen stützen sich auf mehrere Quellengruppen:

  1. Archäologischer Befund: Werkstücke, Schlacken, Ofenreste, Werkzeuge, Gräber und Siedlungsschichten.
  2. Archäometrie: Röntgenaufnahmen, Metallografie, Härteprüfung, Röntgenfluoreszenz, Rasterelektronenmikroskopie und Elementanalyse.
  3. Typologie: Vergleich von Form, Größe, Verzierung und zeitlicher Verbreitung.
  4. Experimentelle Archäologie: kontrollierte Nachbildungen zur Prüfung einer begründeten Arbeitshypothese.
  5. Historische Schriftquelle: Texte wie die Historia Langobardorum des Paulus Diaconus, die jedoch keine vollständigen Werkstattanleitungen liefern.

Eine fachgerechte Aussage lautet daher eher: „Das untersuchte Objekt zeigt eine feuerverschweißte Konstruktion“ als: „Alle Langobarden schmiedeten ihre Klingen auf diese Weise.“

Grabbeigaben aus Nocera Umbra. Ein Fundensemble zeigt Zusammenhänge zwischen Waffen, Beschlägen, Tracht und sozialer Repräsentation.


Werkstoffe und Produktionskette


Eisen aus dem Rennofen

Im frühen Mittelalter wurde Eisen überwiegend im direkten Rennverfahren gewonnen. Eisenerz wurde mit Holzkohle in einem Rennofen reduziert. Die Temperatur reichte nicht aus, um das gesamte Eisen wie in einem modernen Hochofen flüssig zu erschmelzen. Es entstand eine poröse, schlackenreiche Luppe. Diese musste wiederholt erhitzt, verdichtet und ausgeschmiedet werden. Dabei wurden Hohlräume geschlossen und Schlackenanteile teilweise ausgetrieben.

Archäometallurgische Untersuchungen frühmittelalterlicher Schlacken aus Norditalien zeigen, dass die Eisenproduktion regional organisiert und technisch differenziert war. Aus Schlackenform, chemischer Zusammensetzung und Gefüge lassen sich Hinweise auf Erz, Ofenführung und Prozessbedingungen gewinnen.[2]

Vergleichsmedium zur experimentellen Eisenverhüttung im Rennofen. Der Versuch ist nicht unmittelbar langobardisch, verdeutlicht aber Luppe, Schlacke, Holzkohle, Luftzufuhr und den hohen Arbeitsaufwand.


Vom Luppeneisen zum Werkstück

Die Eigenschaften frühmittelalterlicher Eisenwerkstoffe waren meist uneinheitlicher als die eines heutigen normierten Stahls. Der Kohlenstoffgehalt konnte innerhalb eines Werkstücks stark wechseln. Schmiede kombinierten deshalb unterschiedliche Materialbereiche und nutzten ihre Erfahrung beim Erhitzen, Feuerschweißen, Ausschmieden und Abkühlen.

Arbeitsschritt Fachbegriff und Zweck
Verdichten der Luppe Konsolidieren schließt Poren und verringert Schlackeneinschlüsse.
Wiederholtes Ausschmieden Raffinieren verbessert die Verteilung des Werkstoffs.
Kohlenstoffaufnahme Aufkohlen kann oberflächennahe Bereiche härter machen.
Verbinden mehrerer Teile Feuerschweißen erzeugt bei sauberer Fügefläche und geeigneter Temperatur einen stoffschlüssigen Verbund.
Härtesteigerung Abschrecken kann geeigneten kohlenstoffhaltigen Stahl härten, ist aber nicht bei jedem Fund nachweisbar.
Spannungsabbau und Zähigkeit Anlassen vermindert die Sprödigkeit eines gehärteten Bereichs.

Metallografische Begriffe wie Ferrit, Perlit und Martensit dürfen nur verwendet werden, wenn das untersuchte Gefüge diese Phasen tatsächlich zeigt. Korrosion, Überhitzung, Grabungsbedingungen und Probenentnahme können die Beurteilung erschweren.


Feuer, Luft und Werkzeuge

Eine frühmittelalterliche Schmiede benötigte eine Feuerstelle, Holzkohle, Luftzufuhr und einen geeigneten Arbeitsplatz. Blasebalg, Düse oder Tuyère, Ambossstein oder Eisenamboss, Hammer, Zange, Meißel, Durchschlag, Feile und Schleifstein sind als Grundausstattung plausibel. Die konkrete Form einer Werkstatt muss jedoch aus dem jeweiligen Befund rekonstruiert werden.

Werkzeug Funktion Mögliche Arbeit am langobardenzeitlichen Objekt
Schmiedehammer Strecken, Stauchen, Richten und Verdichten Klinge, Niet, Beschlag oder Werkzeug
Schmiedezange Sicheres Halten des heißen Werkstücks Wiederholtes Erwärmen und Umsetzen
Durchschlag Lochen und Aufweiten Nietloch oder Befestigungsöffnung
Meißel Trennen, Kerben und Verzieren Kontur, Punzenansatz oder Teilung
Gesenk Wiederholbares Formen Buckel, Nietkopf oder standardisierter Beschlag
Schleifstein Glätten, Schärfen und Polieren Schneide, Oberfläche oder Passung


Geschmiedete Waffen und Ausrüstung


Spatha und Schwertkonstruktion

Die Spatha ist ein langes, zweischneidiges Schwert. Langobardenzeitliche Schwerter bestanden nicht zwingend aus einem einzigen homogenen Stahlstück. Bei einzelnen untersuchten Klingen wurden mehrteilige Konstruktionen, feuerverschweißte Stäbe und unterschiedlich kohlenstoffhaltige Bereiche festgestellt. Solche Konstruktionen konnten Materialeigenschaften kombinieren und zugleich sichtbare Muster erzeugen.

Moderne Rekonstruktion einer langobardischen Spatha im Archäologischen Museum Bergamo. Sie ist kein Originalfund und darf nicht ungeprüft als Beleg für jedes historische Detail verwendet werden.

Schweißmusterverbund entsteht, wenn mehrere Eisen- oder Stahlstäbe miteinander feuerverschweißt, teilweise verdrillt und erneut ausgeschmiedet werden. Die Bezeichnung Damaszenerstahl ist in diesem Zusammenhang missverständlich. Historischer Schweißmusterverbund unterscheidet sich vom orientalischen Tiegelstahl und auch von vielen modernen dekorativen Damastpaketen. Nicht jede langobardische Klinge war schweißmusterverbunden.

Vergleichsmedium des British Museum zu angelsächsischen schweißmusterverbundenen Schwertern. Die gezeigten Stücke sind nicht langobardisch, eignen sich aber zum Vergleich frühmittelalterlicher Klingenaufbauten.


Sax und Gebrauchsklinge

Der Sax oder Scramasax ist eine einschneidige Klinge. Größe, Form und Funktion unterscheiden sich je nach Typ und Zeitstellung. Saxe konnten als Waffe, Statuszeichen und Gebrauchsklinge dienen. Eine metallurgische Untersuchung eines Saxes aus dem langobardischen Gräberfeld von Leno bei Brescia nutzte unter anderem Röntgenradiografie und Werkstoffanalyse, um den Klingenaufbau zu erschließen.[3]

Für die Ausbildung ist besonders die Verbindung von Funktion und Geometrie wichtig: Schneidenwinkel, Rückenstärke, Schwerpunkt, Erlgestaltung und Wärmebehandlung beeinflussen Gebrauchseigenschaften. Aus einem korrodierten Grabfund dürfen fehlende Maße jedoch nicht beliebig ergänzt werden.


Schildbuckel, Lanzenspitze und Beschlag

Ein runder Holzschild besaß häufig einen eisernen Schildbuckel. Er schützte die Hand im Bereich des Schildgriffs und konnte Stöße ableiten. Schildbuckel wurden meist aus Eisenblech warm getrieben, am Rand gelocht und mit Nieten am Schild befestigt. Form, Randzone und Befestigung unterscheiden sich nach Zeit und Region.

Langobardischer Schildbuckel. Beachte die getriebene Form, den Rand und die Befestigungszone.

Schildbuckel und Lanzenspitze veranschaulichen unterschiedliche Schmiedeaufgaben: flächiges Treiben beim Buckel und längsgerichtetes Ausschmieden mit Tülle bei der Spitze.

Bei einer Lanzenspitze müssen Blatt, Mittelrippe und Tülle funktional zusammenspielen. Eine Tülle kann aus einem flach ausgeschmiedeten Bereich eingerollt und feuerverschweißt oder überlappend geschlossen werden. Welche Variante vorliegt, wird am Original durch Nahtverlauf, Röntgenbild und Gefüge geprüft.


Gürtel, Schmuck und Metallgestaltung


Guss ist nicht Schmieden

Gürtelgarnituren gehörten zu den auffälligsten langobardenzeitlichen Metallarbeiten. Viele Schnallen und Beschläge bestanden aus Kupferlegierungen und wurden gegossen. Nach dem Guss folgten Entgraten, Feilen, Bohren, Punzen, Gravieren, Polieren und Montieren. Der Schmied arbeitete dabei möglicherweise mit Gießern, Feinmetallhandwerkern, Goldschmieden, Lederhandwerkern und Waffenschmieden zusammen.

Eine Schnalle aus einem Grab des 7. Jahrhunderts in Montichiari wurde mit Rasterelektronenmikroskopie und energiedispersiver Röntgenspektroskopie untersucht. Die Forschenden schlugen Sandguss als Herstellungsverfahren vor und prüften diese Hypothese durch eine experimentelle Reproduktion. Da Sandguss in Europa gewöhnlich deutlich später angesetzt wird, muss dieses Ergebnis als begründete, aber weiter zu prüfende Forschungshypothese behandelt werden.[4]

Silberne Schnalle aus Sutri, spätes 6. bis frühes 7. Jahrhundert. Analysiere Grundform, Dorn, Beschlagplatte, Befestigung und Oberflächenbearbeitung.

Beschlag eines langobardischen Schwertgurts aus Szentendre. Kleine Bauteile konnten hohe gestalterische und soziale Bedeutung besitzen.


Fibeln und Zellenwerk

Fibeln verschlossen Kleidung und dienten zugleich als Schmuck und Statusanzeiger. Bei Bügel-, Scheiben- und S-Fibeln wurden Guss, Blechbearbeitung, Vergoldung, Filigran, Punzen, Niello und Steineinlagen kombiniert. Im Cloisonné oder Zellenwerk bilden feine Metallstege einzelne Zellen, in die Granat, Glas oder andere Einlagen eingesetzt werden. Eine Scheibenfibel aus dem Raum Belluno besitzt Granat-Cloisonné, Perlendraht und Filigran.[5]

Langobardische Bügelfibel. Unterscheide tragende Form, Nadelmechanik, gegossene Bereiche und nachträgliche Verzierung.

Fibeln aus Szentendre zeigen unterschiedliche Formen, Befestigungen und Dekorsysteme.


Filigran, Granulation und Tauschierung

Filigran besteht aus feinen Drähten aus Gold oder Silber, die zu Ornamenten gelegt und auf einen metallischen Untergrund gelötet werden. Granulation verwendet kleine Metallkügelchen. Beide Techniken sind für ausgewählte langobardische Schmuckfunde belegt, dürfen aber nicht pauschal auf alle Objekte übertragen werden.

Tauschierung bezeichnet das mechanische Einlegen eines weicheren Metalls, etwa Silber oder Messing, in einen härteren Grund aus Eisen. Dazu wird die Grundfläche eingeschnitten oder aufgeraut; anschließend werden Draht oder Blech eingehämmert. Tauschierung ist nicht mit Feuerschweißen und nicht mit einer aufgemalten Verzierung gleichzusetzen.

Grabinventar eines langobardischen Goldschmieds aus Brno-Kotlářská. Werkzeuge und Halbfabrikate können Hinweise auf Spezialisierung und Arbeitsteilung geben.


Goldblattkreuze und Treibarbeit

Langobardische Goldblattkreuze bestehen aus dünnem Goldblech. Die Motive wurden häufig von der Rückseite getrieben oder mit Punzen geprägt. Kleine Löcher weisen darauf hin, dass viele Kreuze auf Textilien befestigt waren. Sie sind religiöse und soziale Objekte, aber keine Belege für eine einheitliche Massenproduktion.

Langobardische Goldblattkreuze des 6. und 7. Jahrhunderts. Das dünne Blech verlangt andere Werkzeuge und Kräfte als ein geschmiedetes Eisenwerkstück.


Formensprache und Gestaltung

Typisch für zahlreiche langobardische Metallarbeiten sind Flechtbänder, geometrische Gliederungen, Tierformen, Masken, Kreuze und streng gegliederte Flächen. Die Gestaltung entstand oft aus dem Herstellungsverfahren. Ein gegossener Beschlag erlaubt andere Wiederholungen als eine frei geschmiedete Klinge. Eine Punze erzeugt rhythmische Vertiefungen, Filigrandraht betont Linien und Cloisonné gliedert eine Fläche in farbige Zellen.

Für eine fachliche Gestaltungsanalyse gehst Du in dieser Reihenfolge vor: Zuerst beschreibst Du Material, Form und Funktion ohne Deutung. Danach untersuchst Du Herstellungsmerkmale. Erst anschließend formulierst Du eine vorsichtige Aussage über Stil, Werkstatttradition oder Status.

Goldene Verschlüsse des 7. Jahrhunderts. Vergleiche Symmetrie, Oberflächenrhythmus und konstruktive Befestigung.


Rekonstruktion in Ausbildung und Museum


Vom Fund zur Arbeitshypothese

Eine seriöse Rekonstruktion beginnt nicht am Amboss, sondern mit einer dokumentierten Fragestellung. Maße, Masse, Röntgenaufnahmen, Materialanalysen, Korrosionsschäden und Vergleichsfunde werden getrennt erfasst. Fehlstellen werden sichtbar ergänzt oder als unbekannt markiert. Moderne Werkstoffe und Maschinen sind offenzulegen.

Qualitätsfrage Fachgerechtes Vorgehen
Ist das Original vollständig? Fehlstellen, Korrosion und spätere Reparaturen dokumentieren.
Ist der Werkstoff bekannt? Analysewerte verwenden oder die gewählte Ersatzlegierung ausdrücklich kennzeichnen.
Ist das Verfahren belegt? Befund, Vergleich und experimentelle Annahme getrennt nennen.
Ist die Rekonstruktion reversibel? Museumskopien und Halterungen dürfen Originale nicht schädigen.
Ist das Ergebnis überprüfbar? Arbeitsschritte, Abweichungen und Fehlschläge protokollieren.

Eine moderne Nachbildung darf nicht künstlich gealtert werden, um als Original zu erscheinen. Repliken werden dauerhaft gekennzeichnet. Bei Museumsobjekten sind aggressive Reinigung, Schleifen, Säuren und eigenmächtige Materialproben ausgeschlossen.


Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit

Historische Arbeitsweisen entbinden nicht von heutigen Schutzvorschriften. Kohlenmonoxid, Funkenflug, heiße Schlacke, Metallstaub, Lärm, Quetschstellen und UV- beziehungsweise Wärmestrahlung müssen in einer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Erforderlich sind geeignete Lüftung, Brandschutz, Schutzbrille, Gehörschutz, sichere Kleidung, geeignete Schuhe und unterwiesene Aufsicht.

Bei Blei, Quecksilbervergoldung, unbekannten Korrosionsprodukten oder arsenhaltigen Legierungen sind besondere Fachkenntnisse notwendig. Solche Verfahren werden in Ausbildungsprojekten nicht ohne spezialisierten Arbeitsschutz rekonstruiert. Nachhaltige Projekte dokumentieren Brennstoffverbrauch, Materialherkunft, Ausschuss, Wiederverwertung und Entsorgung.


Fachbegriffe kompakt

Fachbegriff Bedeutung
Rennofen Ofen zur direkten Reduktion von Eisenerz zu einer festen Luppe.
Luppe Poröser Verbund aus Eisen, Schlacke und Hohlräumen nach der Verhüttung.
Feuerschweißen Stoffschlüssiges Verbinden erhitzter Eisen- oder Stahlteile durch Druck beziehungsweise Hammerschläge.
Schweißmusterverbund Mehrteiliger, häufig verdrillter und verschweißter Klingen- oder Stabaufbau.
Spatha Langes zweischneidiges Schwert.
Sax Einschneidige Klingenform des frühen Mittelalters.
Schildbuckel Gewölbtes Metallteil zum Schutz der Hand am Schild.
Tauschierung Eingehämmerte Einlage aus weicherem Metall in einem härteren Grund.
Cloisonné Zellenwerk aus Metallstegen mit Stein- oder Glaseinlagen.
Archäometallurgie Erforschung historischer Metallgewinnung, Werkstoffe und Fertigungstechniken.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welchem Zeitraum bestand das langobardische Königreich in weiten Teilen Italiens? (Von 568 bis 774) (!Von 410 bis 476) (!Von 800 bis 962) (!Von 1096 bis 1291)




Wie heißt das poröse Eisen-Schlacke-Gemisch aus einem Rennofen? (Luppe) (!Zunder) (!Lot) (!Gusseisen)




Welches Verfahren gehört in erster Linie zur Herstellung vieler bronzener Gürtelbeschläge? (Gießen) (!Recken) (!Gesenkbiegen) (!Härtefeilen)




Was ist eine Spatha? (Ein langes zweischneidiges Schwert) (!Eine kurze Sichel) (!Ein goldener Gewandverschluss) (!Ein keramischer Schmelztiegel)




Welches Merkmal kennzeichnet einen Sax? (Eine einschneidige Klinge) (!Eine runde Schildfläche) (!Ein gegossener Goldreif) (!Eine zweizinkige Gabel)




Was beschreibt Schweißmusterverbund am treffendsten? (Mehrere feuerverschweißte Eisen- oder Stahlteile) (!Eine aufgemalte Holzmaserung) (!Eine Bronzelegierung mit Zinn) (!Eine Korrosionsschicht auf Silber)




Welche Aufgabe hat ein Schildbuckel? (Er schützt die Hand am Schildgriff) (!Er hält die Schwertscheide geschlossen) (!Er bildet die Spitze einer Lanze) (!Er dient als Goldschmiedelot)




Was ist Tauschierung? (Eine eingehämmerte Metalleinlage) (!Das Abschrecken in Wasser) (!Das Schmelzen von Eisenerz) (!Das Flechten eines Lederbandes)




Warum beweist ein Metallfund nicht automatisch die Herkunft seines Herstellers? (Weil Fundort, Nutzer und Werkstatt verschieden sein können) (!Weil Metalle keine Bearbeitungsspuren zeigen) (!Weil alle frühmittelalterlichen Formen identisch waren) (!Weil Grabfunde grundsätzlich moderne Kopien sind)




Welche Methode kann die Elementzusammensetzung einer Schnalle untersuchen? (Energiedispersive Röntgenspektroskopie) (!Dendrochronologie) (!Pollenanalyse) (!Sprachvergleich)





Memory

Rennofen Eisengewinnung
Luppe Schlackenhaltiges Rohprodukt
Tuyère Luftdüse
Spatha Zweischneidiges Langschwert
Sax Einschneidige Klinge
Schildbuckel Handschutz
Tauschierung Metalleinlage
Cloisonné Zellenwerk





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Arbeitsschritt
Luppengewinnung Erzreduktion im Rennofen
Konsolidieren Verdichten des schlackenreichen Eisens
Ausschmieden Formen und Strecken des Werkstücks
Feuerschweißen Stoffschlüssiges Verbinden erhitzter Teile
Schleifen Fertigbearbeiten von Oberfläche und Schneide






Kreuzworträtsel

Rennofen In welchem Ofentyp wurde Eisenerz direkt zu einer festen Eisenmasse reduziert?
Luppe Wie heißt das poröse Rohprodukt der frühen Eisenverhüttung?
Spatha Wie heißt das lange zweischneidige Schwert?
Schildbuckel Welches gewölbte Metallteil schützt die Hand am Schild?
Tauschierung Wie heißt die Einlegearbeit mit weicherem Metall in hartem Grund?
Archäometrie Wie heißt die naturwissenschaftliche Untersuchung archäologischer Funde?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Langobarden zogen im Jahr

nach Italien. Das poröse Produkt eines Rennofens heißt

. Beim

werden Hohlräume geschlossen und Schlackenanteile vermindert. Mehrere Eisen- oder Stahlteile können durch

verbunden werden. Das lange zweischneidige Schwert wird

genannt. Eine einschneidige frühmittelalterliche Klinge heißt

. Der gewölbte Handschutz eines Schildes ist der

. Eine eingehämmerte Edelmetalleinlage wird als

bezeichnet. Beim

bilden Metallstege Zellen für Einlagen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen historischer Metalle gehören zur

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Objektbeschreibung: Wähle ein Bild eines Schildbuckels und beschreibe Material, Form, Rand, Befestigung und mögliche Herstellung, ohne die Funktion zuerst zu deuten.
  2. Fachwortkarten: Gestalte zwölf Lernkarten zu Rennofen, Luppe, Feuerschweißen, Sax, Spatha, Schildbuckel, Tauschierung, Cloisonné, Filigran, Granulation, Punze und Archäometallurgie.
  3. Werkzeugzuordnung: Zeichne Hammer, Zange, Durchschlag, Meißel und Schleifstein und ordne jedem Werkzeug zwei mögliche Arbeitsschritte zu.
  4. Medienkritik: Untersuche die gezeigte Spatha-Rekonstruktion und markiere, welche Details belegt, ergänzt oder unsicher sein könnten.


Standard

  1. Prozessposter: Erstelle ein übersichtliches Poster von der Erzaufbereitung über Rennofen, Luppe und Konsolidierung bis zum fertigen Eisenwerkstück.
  2. Fundkatalog: Verfasse einen musealen Katalogeintrag zu einer Fibel oder Gürtelschnalle mit Maßen, Material, Technik, Zustand, Datierung und Unsicherheiten.
  3. Technikvergleich: Vergleiche historischen Schweißmusterverbund mit einem modernen dekorativen Damaststahl und erkläre Unterschiede bei Werkstoff, Ziel und Dokumentation.
  4. Experteninterview: Befrage eine Schmiedin, einen Schmied, eine Restauratorin oder einen Restaurator zu Rekonstruktion, Werkzeugspuren und Grenzen praktischer Versuche.


Schwer

  1. Versuchsplanung: Plane eine ungefährliche experimentelle Rekonstruktion eines einfachen Beschlags ohne Waffenklinge und formuliere Fragestellung, Variablen, Messwerte, Arbeitsschutz und Abbruchkriterien.
  2. Gefügeanalyse: Werte bereitgestellte Mikrofotos eines historischen Eisenwerkstoffs aus und trenne Beobachtung, werkstoffkundliche Deutung und offene Frage.
  3. Provenienzprüfung: Entwickle einen Prüfplan, mit dem ein angeblich langobardisches Metallobjekt auf Dokumentation, Fundgeschichte, Material, Stil und mögliche Fälschungsmerkmale untersucht wird.
  4. Ausstellungskonzept: Produziere ein kurzes Lernvideo oder eine digitale Ausstellung mit dem Titel „Geschmiedet, gegossen oder getrieben?“ und belege jede technische Aussage mit einer Fachquelle.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Werkstoff und Funktion: Erkläre an Spatha, Schildbuckel und Goldblattkreuz, wie Materialdicke, Werkstoff und Herstellungsverfahren mit der Funktion zusammenhängen.
  2. Forschungskritik: Beurteile die Aussage „Alle langobardischen Schwerter waren Damaszenerklingen“ und formuliere eine wissenschaftlich tragfähige Korrektur.
  3. Herstellungsdiagnose: Du siehst an einem Beschlag Gussnaht, Feilspuren, Punzen und gebogene Niete. Rekonstruiere eine plausible Reihenfolge der Herstellung und nenne Alternativen.
  4. Rekonstruktionsethik: Entwickle Regeln für eine Museumsreplik, damit sie wissenschaftlich nachvollziehbar bleibt und nicht mit einem Original verwechselt werden kann.
  5. Arbeitsplanung: Erstelle eine Gefährdungsbeurteilung für einen beaufsichtigten Versuch mit Holzkohleesse, heißem Eisen und Schleifarbeit.
  6. Kulturkontakt: Zeige anhand eines Metallobjekts, warum „langobardisch“ eine zeitliche und kulturelle Einordnung sein kann, aber nicht automatisch die Herkunft des Handwerkers beweist.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind eine korrekte Fachsprache, die Unterscheidung von Schmieden und Gießen, ein nachvollziehbares Prozessverständnis, eine begründete Objektanalyse, Quellenkritik und Arbeitsschutz wichtig. Geeignet ist ein Portfolio mit technischer Zeichnung, Werkstoff- und Fertigungsanalyse, kommentierter Medienauswahl, Rekonstruktionsplan, Reflexion zu Unsicherheiten und einer kurzen Präsentation. Bewertet werden nicht nur Ergebnisse, sondern auch Dokumentation, Begründung, sichere Planung und der verantwortungsvolle Umgang mit Kulturgut.




Fachquellen und Vertiefung

  1. UNESCO: Longobards in Italy. Places of the Power 568–774 A.D.
  2. Wikipedia: Langobarden
  3. Wikipedia: Langobardische Kunst
  4. British Museum: Langobardische Scheibenfibel aus dem Raum Belluno
  5. Archäometallurgische Untersuchung einer langobardischen Bronzeschnalle
  6. Archäometallurgische Untersuchung frühmittelalterlicher Eisenschlacken
  1. UNESCO World Heritage Centre: Longobards in Italy. Places of the Power 568–774 A.D., abgerufen am 1. August 2026.
  2. P. Merico u. a.: Archaeometallurgical Characterization of Two Lombard Iron Smelting Tap Slags, Metals 13, 2023.
  3. Università degli Studi di Brescia: Metallurgical and Technological Characterization of a Lombard Seax from North Italy, 2021.
  4. G. Cornacchia, A. Breda, A. Pacini, R. Roberti, M. Faccoli: Metallurgical and Technological Investigation with Experimental Archaeometallurgical Reproduction of a Lombard Bronze Buckle from North Italy, International Journal of Metalcasting 15, 2021.
  5. British Museum: Gold disc brooch from near Belluno, 6.–7. Jahrhundert.


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  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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