Porträtfotografie - Kunst


Porträtfotografie - Kunst
Einleitung
Porträtfotografie zeigt einen Menschen nicht nur äußerlich. Durch Licht, Bildausschnitt, Perspektive, Farbe, Pose und Hintergrund entsteht eine Bildaussage. In diesem aiMOOC lernst Du, mit Smartphone oder Kamera ein respektvolles, bewusst gestaltetes Porträt zu planen, aufzunehmen und zu beurteilen.

Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du ein Porträt planen, Licht und Bildraum bewusst einsetzen, verschiedene Porträtarten unterscheiden, eine kleine Fotoserie gestalten und die Wirkung von Bildern begründet beschreiben. Du beachtest dabei Einwilligung, Persönlichkeitsrecht und schulische Regeln.
Grundlagen der Porträtfotografie
Was ist ein Porträt?
Ein Porträt stellt eine Person oder Gruppe in den Mittelpunkt. Es kann dokumentarisch, inszeniert, sachlich, emotional oder experimentell wirken. Ein gelungenes Porträt erzählt etwas über Stimmung, Rolle, Umgebung oder Beziehung.

Porträtarten
| Porträtart | Kennzeichen |
|---|---|
| Kopfporträt | Gesicht und Ausdruck stehen im Mittelpunkt. |
| Halbfigur | Kopf und Oberkörper zeigen auch Haltung und Gestik. |
| Ganzkörperporträt | Körperhaltung und Raum werden wichtig. |
| Umgebungsporträt | Die Person wird an einem für sie bedeutsamen Ort gezeigt. |
| Selbstporträt | Fotografierende und dargestellte Person sind identisch. |
| Gruppenporträt | Beziehungen zwischen mehreren Personen werden sichtbar. |

Bildausschnitt und Perspektive
Ein enger Bildausschnitt lenkt den Blick auf Mimik und Details. Ein weiter Ausschnitt zeigt mehr Umgebung. Die Normalperspektive wirkt meist ruhig und direkt. Aufsicht kann eine Person kleiner erscheinen lassen, Untersicht größer oder mächtiger. Entscheidend ist, ob die Perspektive zur Bildidee passt.
Bildaufbau
Nutze Linien, Flächen, Kontraste und freien Raum. Bei der Drittelregel liegt das Gesicht nicht zwingend in der Mitte. Achte auf störende Gegenstände hinter dem Kopf und auf bewusst gesetzte Blickrichtungen. Die Augen sind häufig der wichtigste Schärfepunkt.

Licht als Gestaltungsmittel
Weiches und hartes Licht
Große oder nahe Lichtquellen erzeugen meist weichere Schatten. Kleine oder weit entfernte Lichtquellen wirken härter. Für Schulprojekte reicht oft Fensterlicht. Ein weißes Blatt Papier oder heller Karton kann Schatten aufhellen.

Lichtrichtung
Frontallicht zeigt viele Details, kann aber flach wirken. Seitenlicht betont Form und Oberflächen. Gegenlicht kann Konturen oder Silhouetten erzeugen. Verschiebe Person, Kamera oder Lichtquelle und vergleiche die Wirkung.

Rembrandtlicht
Beim Rembrandtlicht entsteht auf der vom Licht abgewandten Gesichtshälfte ein kleines Lichtdreieck unter dem Auge. Die Lichtführung erinnert an Porträts von Rembrandt van Rijn und wirkt oft räumlich und dramatisch.

High Key und Low Key
High-Key-Fotografie arbeitet überwiegend mit hellen Tonwerten und geringen Schatten. Low-Key-Fotografie nutzt viele dunkle Flächen und gezielte Lichtakzente. Beide Stile sind Bildentscheidungen, keine Bewertung der dargestellten Person.


Ausdruck, Pose und Beziehung
Ein Porträt entsteht in Zusammenarbeit. Sprich ruhig, erkläre Deine Idee und gib der porträtierten Person Zeit. Eine natürliche Haltung ist oft überzeugender als eine starre Pose. Hände, Blickrichtung, Abstand und Körperdrehung verändern die Aussage.
Mimik und Blick
Direkter Blick in die Kamera kann Nähe oder Stärke erzeugen. Ein Blick aus dem Bild wirkt nachdenklich oder offen. Auch ein neutrales Gesicht kann ausdrucksstark sein. Deute Gefühle nicht vorschnell, sondern beschreibe zuerst sichtbare Merkmale.
Hintergrund, Farbe und Requisiten
Ein ruhiger Hintergrund lenkt wenig ab. Ein konkreter Ort kann dagegen Informationen über Interessen oder Alltag geben. Farben können harmonisch, kontrastreich, warm oder kühl wirken. Requisiten sollten zur Person und zur Bildidee passen.

Künstlerische Porträtstrategien
Inszenieren
Bei einer Inszenierung werden Ort, Kleidung, Licht, Pose und Gegenstände bewusst geplant. Ein inszeniertes Porträt darf erfunden wirken, sollte aber die porträtierte Person nicht täuschen oder herabsetzen.
Selbstporträt und Identität
Ein Selbstporträt kann zeigen, wie Du Dich siehst, wie andere Dich sehen sollen oder welche Rolle Du untersuchen möchtest. Spiegel, Schatten, Ausschnitte oder Gegenstände können das Gesicht ergänzen oder ersetzen.


Serie statt Einzelbild
Eine Fotoserie verbindet mehrere Bilder durch ein gemeinsames Konzept. Wiederhole zum Beispiel Licht, Ausschnitt oder Hintergrund und verändere nur Mimik, Perspektive oder Requisite. Die Reihenfolge der Bilder beeinflusst die Erzählung.
Technik einfach erklärt
| Einstellung | Wirkung |
|---|---|
| Fokus | Stelle bei klassischen Porträts meist auf das nähere Auge scharf. |
| Belichtung | Vermeide ausgefressene helle Flächen und völlig verlorene Schatten. |
| Brennweite | Gehe bei Weitwinkel nicht zu nah an das Gesicht, da Formen stark verzerrt wirken können. |
| Schärfentiefe | Ein unscharfer Hintergrund kann die Person freistellen. |
| Weißabgleich | Prüfe, ob Hauttöne durch Kunstlicht ungewollt zu gelb oder blau erscheinen. |
Respekt, Einwilligung und Sicherheit
Fotografiere Personen nur mit klarer Zustimmung. Kläre vorab, wofür die Bilder genutzt werden und ob sie gezeigt oder veröffentlicht werden dürfen. In der Schule gelten zusätzlich schulische Datenschutzregeln; bei Minderjährigen können weitere Einwilligungen nötig sein. Lösche Bilder, wenn eine porträtierte Person ihre Zustimmung im vereinbarten Rahmen zurückzieht. Vermeide heimliche, bloßstellende, diskriminierende oder gefährliche Aufnahmen.

Arbeitsprozess
| Phase | Leitfrage |
|---|---|
| Idee | Welche Aussage oder Stimmung soll entstehen? |
| Einwilligung | Wer darf fotografiert werden und wie dürfen die Bilder genutzt werden? |
| Planung | Welcher Ort, Ausschnitt, Hintergrund und Lichtstil passen? |
| Aufnahme | Sind Augen, Haltung, Licht und Bildränder bewusst gestaltet? |
| Auswahl | Welches Bild unterstützt die Idee am stärksten? |
| Bildkritik | Welche Wirkung ist sichtbar und wodurch entsteht sie? |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was steht bei einem Kopfporträt meist im Mittelpunkt? (Gesicht und Ausdruck) (!Der gesamte Raum) (!Nur die Schuhe) (!Die Kameramarke)
Welche Perspektive zeigt eine Person von unten? (Untersicht) (!Aufsicht) (!Normalperspektive) (!Vogelkarte)
Was kennzeichnet ein Umgebungsporträt? (Die Person wird in einem bedeutsamen Umfeld gezeigt) (!Die Person wird immer freigestellt) (!Der Hintergrund ist vollständig schwarz) (!Es dürfen keine Gegenstände zu sehen sein)
Worauf wird bei einem klassischen Porträt häufig fokussiert? (Auf das nähere Auge) (!Auf den entferntesten Hintergrund) (!Auf die untere Bildecke) (!Auf die Lichtquelle)
Welche Wirkung hat Seitenlicht häufig? (Es betont Form und Oberflächen) (!Es entfernt alle Schatten) (!Es macht jedes Bild symmetrisch) (!Es ersetzt die Einwilligung)
Woran erkennt man Rembrandtlicht? (An einem Lichtdreieck auf der Schattenseite des Gesichts) (!An einem vollständig weißen Hintergrund) (!An zwei gleich hellen Gesichtshälften) (!An einer Aufnahme ohne Schatten)
Was beschreibt High Key? (Eine Gestaltung mit überwiegend hellen Tonwerten) (!Eine Gestaltung nur mit rotem Licht) (!Eine Aufnahme ohne Person) (!Eine besonders tiefe Kameraposition)
Was ist vor einer Veröffentlichung eines Schulporträts besonders wichtig? (Eine passende Einwilligung) (!Ein möglichst teures Objektiv) (!Eine sehr hohe Dateigröße) (!Ein unscharfes Gesicht)
Was verbindet die Bilder einer Fotoserie? (Ein gemeinsames Konzept) (!Immer dieselbe porträtierte Person) (!Immer dieselbe Kameramarke) (!Immer genau ein Bildformat)
Welche Aussage beschreibt eine faire Bildkritik? (Sie begründet Wirkung mit sichtbaren Gestaltungsmitteln) (!Sie bewertet nur das Aussehen der Person) (!Sie verspottet misslungene Aufnahmen) (!Sie nennt keine Beobachtungen)
Memory
| Kopfporträt | Gesicht und Ausdruck |
| Umgebungsporträt | Person im bedeutsamen Raum |
| Aufsicht | Blick von oben |
| Untersicht | Blick von unten |
| High Key | Helle Tonwerte |
| Low Key | Dunkle Tonwerte |
| Rembrandtlicht | Lichtdreieck auf der Schattenseite |
| Fotoserie | Mehrere Bilder mit gemeinsamem Konzept |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Porträtgestaltung |
|---|---|
| Kopfporträt | Gesicht und Ausdruck stehen im Mittelpunkt |
| Umgebungsporträt | Ort und Person erzählen gemeinsam |
| Frontallicht | Licht fällt ungefähr aus Richtung der Kamera |
| Seitenlicht | Licht modelliert das Gesicht von einer Seite |
| Gegenlicht | Lichtquelle liegt hinter der Person |
Kreuzworträtsel
| Bildausschnitt | Welcher Begriff bezeichnet die Auswahl dessen, was im Foto sichtbar ist? |
| Rembrandtlicht | Welche Lichtführung erzeugt ein kleines Lichtdreieck auf der Schattenseite? |
| Perspektive | Wie heißt der Blickwinkel der Kamera auf eine Person? |
| Einwilligung | Was sollte vor Aufnahme und Veröffentlichung geklärt werden? |
| Hintergrund | Welcher Bildbereich liegt hinter der porträtierten Person? |
| Schaerfentiefe | Welcher Begriff beschreibt den räumlichen Bereich, der scharf erscheint? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lichtvergleich: Fotografiere mit Einwilligung dieselbe Person einmal am Fenster und einmal weiter vom Fenster entfernt. Vergleiche die Schatten.
- Bildausschnitt: Erstelle drei Porträts derselben Person als Kopfporträt, Halbfigur und Ganzkörperporträt.
- Perspektive: Fotografiere ein neutrales Motiv in Aufsicht, Normalperspektive und Untersicht. Beschreibe die unterschiedliche Wirkung.
- Selbstporträt: Gestalte ein Selbstporträt, in dem ein Gegenstand etwas über ein Interesse von Dir erzählt.
Standard
- Umgebungsporträt: Porträtiere eine Person an einem für sie wichtigen Ort und verfasse eine Bildunterschrift mit höchstens 40 Wörtern.
- High Key und Low Key: Erstelle zwei unterschiedliche Porträts mit hellen beziehungsweise dunklen Tonwerten.
- Mimikstudie: Entwickle eine Serie aus vier Bildern, in der sich nur Blickrichtung und Gesichtsausdruck verändern.
- Bildanalyse: Wähle ein Porträt aus dem Kurs und untersuche Ausschnitt, Perspektive, Licht, Hintergrund und Wirkung.
Schwer
- Porträtserie: Entwickle eine Serie aus fünf Bildern zum Thema Identität, Rolle oder Zugehörigkeit. Formuliere zuvor ein kurzes Konzept.
- Kunstzitat: Übertrage die Lichtstimmung eines historischen Gemäldes in ein fotografisches Porträt, ohne das Werk nur nachzustellen.
- Visuelle Erzählung: Erzähle in drei Porträts eine erkennbare Veränderung. Nutze Bildfolge, Licht und Haltung als Gestaltungsmittel.
- Ausstellungskonzept: Plane eine schulische Porträtausstellung mit Auswahlkriterien, Reihenfolge, Titeln, Einwilligungen und Präsentationsform.


Lernkontrolle
- Wirkungsanalyse: Zwei Porträts derselben Person wirken unterschiedlich. Erkläre, wie Licht, Perspektive und Hintergrund diese Unterschiede erzeugen können.
- Gestaltungsentscheidung: Entwickle für das Thema Vertrauen ein Porträtkonzept und begründe Ausschnitt, Ort, Licht und Blickrichtung.
- Ethischer Fall: Eine Person stimmt der Aufnahme, aber nicht der Veröffentlichung zu. Beschreibe ein korrektes Vorgehen und begründe es.
- Bildredaktion: Wähle aus einer gedachten Serie drei Bilder für eine Ausstellung aus. Formuliere nachvollziehbare Auswahlkriterien.
- Transfer: Übertrage die Merkmale von High Key oder Low Key auf ein Plakatmotiv und erläutere, welche Stimmung dadurch entsteht.
- Kritikgespräch: Formuliere eine wertschätzende Rückmeldung zu einem Porträt, die Beobachtung, Wirkung und Verbesserungsidee trennt.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis sind wichtig:
- Gestaltungskompetenz: Licht, Perspektive, Ausschnitt, Hintergrund und Fokus werden bewusst eingesetzt.
- Konzept: Die Bildidee ist erkennbar und schriftlich knapp begründet.
- Fotoserie: Mehrere Bilder bilden einen nachvollziehbaren Zusammenhang.
- Reflexion: Die eigene Arbeit wird anhand sichtbarer Merkmale beurteilt.
- Bildkritik: Rückmeldungen sind sachlich, wertschätzend und begründet.
- Verantwortung: Einwilligung, Datenschutz, Würde und schulische Regeln werden eingehalten.
OERs zum Thema
Wikimedia Commons bietet frei lizenzierte Beispiele zu Porträtfotografie, Fotografische Beleuchtung, High-Key-Fotografie, Low-Key-Fotografie und Selbstporträt.
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
Schulfach+


aiMOOCs



aiMOOC Projekte


THE MONKEY DANCE





|
LernweltNOAH fragen