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Pink Floyd - Another Brick in the Wall (aiMOOC)

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Pink Floyd - Another Brick in the Wall (aiMOOC)




Pink Floyd - Another Brick in the Wall

Another Brick in the Wall (Part 2) von Pink Floyd erschien 1979 auf dem Konzeptalbum The Wall. Der von Roger Waters geschriebene Song verbindet eine Kritik an autoritärer, entwürdigender Schulerfahrung mit einer ungewöhnlich tanzbaren Produktion: Ein gleichmäßiger, von Disco und Funk beeinflusster Puls trifft auf Rockmusik, einen markanten Kinderchor, reduzierte Harmonik, Hammond-Orgel, Synthesizer und ein ausgedehntes Gitarrensolo von David Gilmour. Gerade diese Verbindung aus eingängiger Oberfläche und düsterem Kontext macht den Song für eine musikalische, historische, sprachliche und medienbezogene Analyse besonders ergiebig.

Dieser aiMOOC konzentriert sich vor allem auf Part 2, ordnet ihn aber in die drei Teile von Another Brick in the Wall und in die Dramaturgie von The Wall ein. Du untersuchst Songform, Harmonik, Rhythmik, Gitarren- und Keyboardarbeit, Gesang, Musikproduktion, Textdeutung, Rockgeschichte und Live-Kultur. Die eingebetteten Notenbeispiele sind kurze, neu komponierte Analyseübungen und keine Transkriptionen der geschützten Originalmelodie oder des Gitarrensolos.

Roger Waters bei einem Konzert; frei lizenziertes Foto auf Wikimedia Commons
Roger Waters bei einem Konzert; frei lizenziertes Foto auf Wikimedia Commons


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, wie Form, Groove, Harmonik, Klangfarbe und Produktion zusammenwirken. Du kannst die Bedeutung des Kinderchors im Arrangement analysieren, die Gitarren- und Keyboardarbeit beschreiben, die Textaussage in eigenen Worten erschließen und die Stellung des Songs innerhalb des Konzeptalbums The Wall beurteilen. Außerdem kannst Du zwischen frei lizenzierten Medien, offiziellen Plattform-Embeds und urheberrechtlich geschütztem Material unterscheiden.


Entstehung und Veröffentlichung

Die Arbeiten an The Wall fanden 1979 in mehreren Studios statt, unter anderem in Frankreich, New York und Los Angeles. Laut der offiziellen Pink-Floyd-Chronik begann die Albumproduktion im Januar 1979; die britische Single Another Brick in the Wall, Part 2 erschien am 23. November 1979, das Doppelalbum The Wall am 30. November 1979. Die Album-Credits nennen Bob Ezrin, David Gilmour und Roger Waters als Produzenten sowie James Guthrie als Co-Produzenten und Toningenieur.

Waters' ursprüngliche Demoidee war deutlich schlichter. In später veröffentlichten Interviews beschreiben Gilmour und Ezrin, dass Ezrin eine stärkere Orientierung am damaligen Disco-Groove anregte. Die Produktion wurde dadurch nicht zu einem reinen Disco-Stück, übernahm aber wesentliche Merkmale: den stetigen Viertelpuls, eine sehr kontrollierte Rhythmusgruppe und funkig-synkopierte Gitarrenakzente.

Ein entscheidender Produktionsschritt war der Kinderchor. Toningenieur Nick Griffiths nahm Schülerinnen und Schüler der nahe gelegenen Islington Green School auf. Durch Mehrfachaufnahmen und Schichtung erhielt der Chor im Mix eine deutlich größere Wirkung als eine einzelne Schulklasse im Raum gehabt hätte. Diese Kombination aus Studiotechnik und Dramaturgie macht den Chor zugleich zu Klangfarbe, Perspektivwechsel und symbolischer Stimme.

Das eingebettete Video stammt vom offiziellen Pink-Floyd-Kanal. Es ist kein frei lizenziertes OER-Material, sondern ein offizielles Plattform-Embed. Für eigene Veröffentlichungen außerhalb der vorgesehenen Einbettung gelten weiterhin die Rechte des Rechteinhabers und die Bedingungen von YouTube.


Chart- und Veröffentlichungskontext

In Großbritannien erreichte die Single Platz 1 der Official Singles Chart und blieb dort fünf Wochen. Für Pink Floyd war dies besonders auffällig, weil die Band seit Ende der 1960er Jahre in Großbritannien nur selten Singles veröffentlicht hatte und in den 1970er Jahren vor allem als Album-Band wahrgenommen wurde. Der Song zeigt deshalb exemplarisch, wie ein Teil eines groß angelegten Konzeptalbums zugleich als eigenständig funktionierende Hitsingle wirksam werden konnte.


Kontext im Konzeptalbum The Wall

The Wall erzählt von der fiktiven Rockfigur Pink, die belastende Erfahrungen als einzelne „Steine“ einer inneren Mauer erlebt. Der Tod des Vaters, familiäre Distanz, Schule, Beziehungen, Musikindustrie und Publikum tragen im Verlauf der Handlung zu wachsender Isolation bei.

Another Brick in the Wall erscheint in drei Teilen. Part 1 steht im Zusammenhang mit Verlust und Kindheit, Part 2 mit Schule und autoritärer Erziehung, Part 3 mit einer zunehmend radikalen Abschottung. Die wiederkehrende Mauer-Metapher schafft dadurch musikalische und erzählerische Verbindungspunkte über das ganze Album hinweg.

Unmittelbar vor Part 2 steht The Happiest Days of Our Lives. In der Albumdramaturgie gehen beide Titel ineinander über. Dadurch wirkt Part 2 weniger wie ein isolierter Popsong und stärker wie eine Szene innerhalb einer Rockoper.


Songform

Die Form ist kompakter und repetitiver als bei vielen klassischen Strophe-Refrain-Popsongs. Ein sinnvoller Hörplan lautet:

  1. Einleitung: Übergang aus dem vorausgehenden Albumtrack und Etablierung des Grooves.
  2. Vokalblock: Erwachsene Stimmen tragen den zentralen Text über einem weitgehend stabilen harmonischen Fundament vor.
  3. Kinderchor: Der Text kehrt mit veränderter Klangfarbe und sozialer Perspektive wieder.
  4. Gitarrensolo: Die Stimme tritt zurück; das Solo übernimmt die expressive Hauptfunktion.
  5. Outro: Instrumentale Fortsetzung und Übergang in die Klangwelt des Albums.

Die Wiederholung ist nicht bloß ökonomisch. Sie verändert die Wirkung: Derselbe Gedanke klingt aus dem Mund Erwachsener anders als aus einem Kinderchor. Form wird damit zu Bedeutungsträger.


Hörstrategie zur Form

Höre den Song einmal nur mit Blick auf Übergänge. Markiere, wann sich Klangfarbe, Stimmtyp, Dichte, Harmonie oder Funktion verändern. Beim zweiten Hören achtest Du darauf, welche Teile tatsächlich neues Material bringen und welche Teile Bekanntes neu inszenieren. So erkennst Du, dass Songform nicht nur aus unterschiedlichen Melodien besteht, sondern auch durch Besetzung und Produktion entstehen kann.


Harmonik

Das tonale Zentrum liegt im Bereich von D-Moll. Gleichzeitig erscheint mit G-Dur eine für reines natürliches D-Moll auffällige Dur-Subdominante. Der Ton H beziehungsweise B natural erzeugt eine dorische Färbung. Deshalb lässt sich der Song treffender als Mischung aus D-Moll-Klang, pentatonischem Rockvokabular und dorischen Momenten beschreiben, statt ihn starr nur einer einzigen Tonleiter zuzuordnen.

Wichtig ist die relative harmonische Sparsamkeit. Lange Abschnitte bleiben auf wenigen Akkorden oder einem starken tonalen Zentrum. Dadurch rücken Groove, Text, Klangschichtung und Artikulation in den Vordergrund. Wenn F-Dur und C-Dur hinzukommen, entsteht zusätzliche Bewegung, ohne dass die Harmonik ihre klare, kreisende Wirkung verliert.


Score-Analysebeispiel 1: D-Moll mit dorischer Färbung

Das folgende Beispiel ist neu komponiert und zeigt nur das Prinzip „Molltonika plus Dur-Subdominante“. Es ist keine Transkription des Songs.

Die ABC-Datei konnte nicht in das LilyPond-Format konvertiert werden:

+ /usr/bin/abc2ly -s -o file.ly file.abc
abc2ly from LilyPond 2.24.4
Parsing `file.abc'...
Line ... file.abc: 8: Huh?  Don't understand

Achte auf den Unterschied zwischen G-Dur und einem erwartbaren g-Moll. Der Ton H verändert die Farbe stark, obwohl nur ein einziger Akkordton ausgetauscht wird. Übertrage dieses Prinzip anschließend auf andere Molltonarten.


Rhythmik und Groove

Der Song steht im 4/4-Takt und bewegt sich ungefähr im Bereich um 104 Schläge pro Minute. Der Groove verbindet Rock-Backbeat mit einem gleichmäßigen, disco-inspirierten Viertelpuls. Die Rhythmusgruppe wirkt kontrolliert und gerade; darüber setzen Gitarre, Gesang und einzelne Instrumentalschichten synkopierte Gegenakzente.

Diese Kombination ist entscheidend: Der Untergrund bleibt körperlich stabil und tanzbar, während die Oberstimmen Spannung erzeugen. Dadurch entsteht ein Groove, der gleichzeitig zugänglich und leicht unruhig wirkt.


Score-Analysebeispiel 2: Viertelpuls und Synkope

Auch dieses Beispiel ist vollständig neu erstellt. Die Tonhöhe ist hier nebensächlich; untersucht wird nur der Rhythmus.


X:2
T:Eigenes Rhythmusbeispiel
M:4/4
L:1/8
Q:1/4=104
K:C
C2 C2 C2 C2 | C C z C C2 z2 | C2 z C C C z C |]

Klatsche zunächst nur die vier gleichmäßigen Viertel. Sprich danach die zweite Stimme rhythmisch dazu. So erfährst Du körperlich den Gegensatz von stabilem Puls und synkopierter Oberfläche.


Gitarrenarbeit

David Gilmour mit Stratocaster; CC BY-SA 2.0 auf Wikimedia Commons
David Gilmour mit Stratocaster; CC BY-SA 2.0 auf Wikimedia Commons

David Gilmours Gitarrenarbeit erfüllt mehrere Funktionen. Die Rhythmusgitarre unterstützt den funkig-trockenen Charakter durch kurze, präzise Akzente und bewusst begrenzte Tonlängen. Statt dichter Rock-Akkordwände entsteht Luft zwischen den Anschlägen. Dieser Raum ist für den Groove ebenso wichtig wie die gespielten Töne.

Im Schlussteil übernimmt die Leadgitarre die Hauptrolle. Das Solo arbeitet mit typisch blues- und rockbezogenen Mitteln wie Pentatonik, Bending, Vibrato, langen Zieltönen, Pausen und dynamischem Spannungsaufbau. Entscheidender als hohe Notendichte ist die Gestaltung einzelner Phrasen. Quellen zur Aufnahme nennen für das Solo eine Gibson Les Paul Goldtop von 1955 mit P-90-Tonabnehmern.

Freie CC0-Illustration einer Les-Paul-Bauform; nicht Gilmours konkretes Aufnahmeinstrument
Freie CC0-Illustration einer Les-Paul-Bauform; nicht Gilmours konkretes Aufnahmeinstrument

Die Illustration zeigt nur die grundsätzliche Les-Paul-Bauform. Sie ist keine Abbildung der tatsächlich bei der Aufnahme verwendeten Goldtop.


Score-Analysebeispiel 3: selbst erfundene Pentatonik-Phrase

Das folgende Mini-Solo ist bewusst neu komponiert. Es demonstriert Phrasenbildung mit Tönen der D-Moll-Pentatonik, ohne Gilmours Originalsolo zu zitieren.


X:3
T:Eigenes pentatonisches Phrasenbeispiel
M:4/4
L:1/8
Q:1/4=88
K:Dm
A2 c2 d2 z2 | f3 d c2 A2 | z2 d2 f2 g2 | f4 d4 |]

Probiere anschließend eine eigene Vier-Takt-Phrase. Lass mindestens zwei hörbare Pausen stehen. Frage Dich, ob Ausdruck durch zusätzliche Noten oder durch bewussten Raum überzeugender wird.


Keyboardarbeit

Richard Wrights Beitrag wird im Song leicht überhört, weil Gitarre, Chor und Schlagzeug sehr präsent sind. Zu den Credits gehören Hammond-Orgel und Prophet-5-Synthesizer. Besonders unter dem Gitarrensolo tragen gehaltene beziehungsweise flächige Keyboardklänge zur harmonischen Tiefe bei. Sie konkurrieren nicht mit der Leadgitarre, sondern bilden einen weichen Hintergrund.

Hammond B3 in einem Aufnahmestudio; CC BY-SA 3.0
Hammond B3 in einem Aufnahmestudio; CC BY-SA 3.0

Die Hammond-Klangfarbe verbindet Rock, Soul und Gospeltraditionen. Im Arrangement kann ein solches Instrument Akkorde dauerhaft „tragen“, während Gitarre und Gesang rhythmischer agieren.


Score-Analysebeispiel 4: selbst erfundene Keyboardfläche

Die ABC-Datei konnte nicht in das LilyPond-Format konvertiert werden:

+ /usr/bin/abc2ly -s -o file.ly file.abc
abc2ly from LilyPond 2.24.4
Parsing `file.abc'...
Line ... file.abc: 8: Huh?  Don't understand

Spiele oder höre das Beispiel zuerst als gehaltene Fläche. Verkürze danach jeden Akkord auf einen knappen Anschlag. Beschreibe, wie sich dadurch die wahrgenommene Rolle des Keyboards verändert.


Gesang und Kinderchor

Die Hauptstimmen von Roger Waters und David Gilmour werden in den Credits gemeinsam geführt. Entscheidend ist weniger virtuoser Sologesang als eine fast deklarative, gemeinschaftliche Wirkung. Der anschließende Kinderchor verändert die Perspektive: Der Text wird von denjenigen Stimmen übernommen, um deren Schulerfahrung es inhaltlich geht.

Produktionstechnisch wird der Chor durch mehrfach aufgenommene Spuren größer gemacht. Dadurch entsteht der Eindruck einer Masse. Diese Klangvergrößerung ist zugleich ein gutes Beispiel für die Wirkung von Mehrspuraufnahme: Ein Studio bildet Realität nicht nur ab, sondern konstruiert eine eigene akustische Realität.


Studioproduktion

Mischpult; von der Urheberin oder dem Urheber als gemeinfrei veröffentlicht
Mischpult; von der Urheberin oder dem Urheber als gemeinfrei veröffentlicht

Für die Wirkung des Songs sind mehrere Produktionsentscheidungen zentral:

  1. Mehrspuraufnahme: Instrumente und Stimmen werden getrennt aufgenommen, geschichtet und im Verhältnis zueinander gestaltet.
  2. Editing: Wiederholungen und Formteile können im Studio verlängert und neu zusammengesetzt werden.
  3. Chor-Overdubs: Mehrere Aufnahmen erzeugen die Illusion einer größeren Gruppe.
  4. Klangbalance: Rhythmusgruppe, Gitarren, Keyboard, Stimmen und Effekte erhalten unterschiedliche Tiefen und Lautstärken.
  5. Dynamische Dramaturgie: Der Wechsel von Hauptstimmen, Kinderchor und Gitarrensolo sorgt für einen klaren Spannungsbogen.

Die Produktion ist daher nicht nur „Verpackung“ einer fertigen Komposition. Sie ist selbst Teil der Komposition.


Textdeutung und sinngemäße Übertragung

Der vollständige Songtext wird hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht wiedergegeben. Als kurzes Analysezitat genügt die bekannte Zeile:

„We don't need no education“

Das Zitat umfasst nur wenige Wörter. Für die weitere Inhaltserschließung wird der Text nicht wörtlich übersetzt, sondern sinngemäß zusammengefasst.

Die Sprecherposition richtet sich nicht überzeugend gegen Lernen als solches, sondern gegen eine Form von Schule, die als beschämend, kontrollierend und entindividualisierend erfahren wird. Lehrkräfte erscheinen innerhalb der Albumfigur als Teil jener Erfahrungen, aus denen die symbolische Mauer aufgebaut wird. Der Song kann daher als Kritik an autoritärem Unterricht, Demütigung und Gedankenkontrolle gelesen werden.

Die grammatisch auffällige doppelte Verneinung der zitierten Zeile gehört zur umgangssprachlichen, protesthaften Direktheit. Für eine sinngemäße deutsche Wiedergabe ist nicht eine Wort-für-Wort-Übertragung entscheidend, sondern der kommunikative Kern: Die Sprecherfigur weist eine Schule zurück, die Gehorsam und Anpassung über selbstständiges Denken stellt.

Eine zweite Deutungsebene entsteht durch The Wall: Schule ist hier nicht das einzige Problem. Sie ist ein Stein unter vielen in einer länger werdenden Geschichte von Verletzung und Isolation. Dadurch wäre es zu kurz gegriffen, Part 2 nur als allgemeine Parole gegen Schule zu lesen.


Perspektivwechsel im Kinderchor

Wenn Erwachsene eine Kritik an Schule formulieren, kann sie rückblickend oder abstrakt wirken. Wenn ein Kinderchor denselben Gedanken übernimmt, entsteht stärkere Unmittelbarkeit. Gleichzeitig bleibt die Aufnahme ein von Erwachsenen geschriebenes, arrangiertes und produziertes Kunstwerk. Diese Spannung ist für die Interpretation wichtig: Der Kinderchor klingt nach kollektiver Selbstäußerung und ist zugleich Ergebnis gezielter Studioinszenierung.


Bedeutung für Rockgeschichte und Popkultur

Another Brick in the Wall, Part 2 verbindet mehrere historische Stränge: den Anspruch des Progressive Rock auf größere Albumzusammenhänge, die körperliche Direktheit von Disco und Funk, bluesbezogene Gitarrensprache, Studiotechnik der späten 1970er Jahre und eine eingängige Protestformel. Gerade diese Hybridität half, einen Teil eines komplexen Konzeptalbums in den Massenmarkt der Singlecharts zu tragen.

Der Song zeigt außerdem, wie stark Klang und kulturelle Verwendung auseinandergehen können. Ein tanzbarer Groove muss keinen unbeschwerten Inhalt haben. Umgekehrt kann ein Song, der aus einer individuellen beziehungsweise fiktionalisierten Erfahrung entstanden ist, von späteren Gruppen in neue politische und gesellschaftliche Kontexte übernommen werden.

1980 wurde der Song im Zusammenhang mit Schülerprotesten gegen Ungleichheit im südafrikanischen Apartheid-Bildungssystem aufgegriffen und von staatlichen Stellen verboten. Diese historische Nutzung ist als eigenständige Rezeptionsgeschichte vom ursprünglichen Entstehungskontext zu unterscheiden.[1]


Live-Kultur und Bühnenästhetik

Die ursprünglichen The Wall-Konzerte von 1980 und 1981 verbanden Rockkonzert, Theater, Animation und monumentales Bühnenbild. Nach der offiziellen Pink-Floyd-Chronik wurde während der Show eine Mauer aus rund 450 faltbaren „Ziegeln“ aufgebaut; für die Los-Angeles-Produktion werden etwa 33 Fuß Höhe und 260 Fuß Breite genannt. Die physische Mauer machte die Album-Metapher räumlich sichtbar und veränderte die Beziehung zwischen Band und Publikum.

Roger Waters' The Wall Live 2012; CC BY-SA 2.0
Roger Waters' The Wall Live 2012; CC BY-SA 2.0

Das Foto stammt aus einer späteren The Wall-Inszenierung von Roger Waters und zeigt, wie langlebig die Idee der Mauer als Konzertbild geblieben ist.

Diese offizielle Pink-Floyd-Liveaufnahme stammt aus der späteren Delicate Sound of Thunder-Ära. Vergleiche sie mit der Studioversion: Welche Elemente bleiben identitätsstiftend, welche werden für die Bühne erweitert?


Höranalyse: Leitfragen

  1. Songform: Wo hörst Du deutliche Funktionswechsel, obwohl das harmonische Material teilweise ähnlich bleibt?
  2. Groove: Welche Instrumente halten den Puls stabil, welche erzeugen Synkopen?
  3. Harmonik: Wie wirkt der Wechsel zwischen Mollzentrum und heller dorischer Färbung?
  4. Klangfarbe: Was verändert sich, wenn der Kinderchor einsetzt?
  5. Gitarrensolo: Wie werden Spannung, Pausen, Bending und Vibrato eingesetzt?
  6. Keyboard: Welche Rolle spielt die Orgel im Hintergrund des Solos?
  7. Produktion: Welche Elemente wirken wie echte Raumaufnahme, welche deutlich wie Studio-Schichtung?
  8. Textdeutung: Welche Kritik richtet sich gegen konkrete Unterrichtsformen, und welche gehört zur größeren Mauer-Metapher?


Medien- und Urheberrechtskompetenz

Bei einem bekannten Popsong musst Du zwischen verschiedenen Rechteebenen unterscheiden. Die Komposition, der vollständige Songtext, die Originalaufnahme und große Teile der Film- beziehungsweise Videobilder sind urheberrechtlich geschützt. Deshalb enthält dieser aiMOOC weder den vollständigen Liedtext noch eine vollständige Partitur, Gitarrentabulatur oder Melodietranskription.

Die Score-Beispiele sind neu komponiert und dienen ausschließlich dazu, allgemeine musikalische Prinzipien wie 4/4-Groove, dorische Färbung, Pentatonik und gehaltene Keyboardakkorde zu veranschaulichen. Die Wikimedia-Commons-Bilder wurden nach Dateien mit freien Lizenzen beziehungsweise Public-Domain-Freigabe ausgewählt. Die YouTube-Videos sind offizielle Embeds, aber keine freien Inhalte.


Mediennachweise

  1. RogerWaters.jpg: Foto von Jethro, CC BY-SA 2.5.
  2. David Gilmour and stratocaster.jpg: Jean-Pierre Jeannin, CC BY-SA 2.0.
  3. Hammond B3 Organ at Recording Studios.jpg: JacoTen, CC BY-SA 3.0.
  4. Mixing console.jpg: Rodrigo César, Public Domain.
  5. Gibson Les Paul.svg: CC0.
  6. The Wall Live 2012: Jimmy Baikovicius, CC BY-SA 2.0.
  7. Pink Floyd Official YouTube: Another Brick in the Wall Part Two – offizielles Musikvideo.
  8. Pink Floyd Official YouTube: Liveaufnahme – offizieller Pink-Floyd-Kanal.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Auf welchem Album erschien Another Brick in the Wall Part 2? (The Wall) (!Animals) (!Meddle) (!The Division Bell)




Welches tonale Zentrum prägt den Song überwiegend? (D-Moll) (!E-Dur) (!A-Dur) (!H-Moll)




Welcher Akkord erzeugt im Mollkontext eine wichtige dorische Färbung? (G-Dur) (!g-Moll) (!B-Dur) (!E-Dur)




Welcher Produzent förderte die discoartige Gestaltung des Grooves besonders? (Bob Ezrin) (!George Martin) (!Quincy Jones) (!Brian Eno)




Von welcher Schule stammte der bekannte Kinderchor? (Islington Green School) (!Eton College) (!Harrow School) (!Westminster School)




Wer spielte das markante Gitarrensolo der Studioversion? (David Gilmour) (!Roger Waters) (!Nick Mason) (!Richard Wright)




Welches Tasteninstrument gehört zu Richard Wrights Klangpalette in Part 2? (Hammond-Orgel) (!Cembalo) (!Akkordeon) (!Celesta)




Welche Taktart prägt den Song? (Vier-Viertel-Takt) (!Drei-Viertel-Takt) (!Fünf-Viertel-Takt) (!Sieben-Achtel-Takt)




Welche Funktion hat der Kinderchor im Arrangement besonders? (Perspektivwechsel und Klangvergrößerung) (!Ausschließlich Instrumentalbegleitung) (!Tempoverdopplung) (!Wechsel in eine andere Sprache)




Warum enthält dieser aiMOOC keine vollständige Partitur des Songs? (Weil die Originalkomposition urheberrechtlich geschützt ist) (!Weil Notenschrift nur für Klassik erlaubt ist) (!Weil Rockmusik keine Harmonik besitzt) (!Weil MediaWiki keine Noten darstellen kann)





Memory

D-Moll Tonales Zentrum
Dorische Färbung Dur-Subdominante mit H
Kinderchor Islington Green School
Bob Ezrin Produktion und Arrangement
Vierertakt Stabiler Disco-Funk-Puls
David Gilmour Expressives Gitarrensolo
Richard Wright Hammond und Synthesizer
The Wall Konzeptalbum





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Groove Gleichmäßiger Puls mit synkopierten Oberstimmen
Kinderchor Kollektive Klangfarbe und Perspektivwechsel
Hammond-Orgel Flächiger harmonischer Hintergrund
Pentatonik Typisches Material für bluesbezogene Rockphrasierung
Mehrspuraufnahme Schichtung mehrerer Aufnahmen im Studio





Kreuzworträtsel

Waters Wer schrieb den Song?
Gilmour Wer spielte das bekannte Gitarrensolo?
Ezrin Welcher Produzent förderte den Disco-Einfluss?
Hammond Welcher Orgeltyp prägt die Keyboardfarbe?
Islington Welcher Londoner Ortsname gehört zur Schule des Kinderchors?
Dorianisch Wie heißt die modale Färbung durch die große sechste Stufe?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Another Brick in the Wall Part 2 erschien auf dem Konzeptalbum

.
Das tonale Zentrum des Songs liegt überwiegend in

.
Die Dur-Subdominante erzeugt eine

Färbung.
Der charakteristische Puls steht im

.
Der Kinderchor kam von der

.
Das bekannte Gitarrensolo spielte

.
Richard Wright setzte unter anderem eine

ein.
Durch mehrfach aufgenommene Spuren wirkt der Chor im Mix

.
Die Mauer steht im Album für wachsende emotionale

.
Vollständige Lyrics oder eine vollständige Partitur werden aus Gründen des

nicht wiedergegeben.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die offizielle Aufnahme und notiere fünf Zeitpunkte, an denen sich Klangfarbe oder Funktion deutlich verändern.
  2. Groove: Klatsche einen gleichmäßigen Viererpuls und erfinde darüber eine eigene synkopierte Rhythmusfigur.
  3. Klangfarben: Beschreibe mit mindestens acht Adjektiven die Unterschiede zwischen Erwachsenenstimmen, Kinderchor, Orgel und Leadgitarre.
  4. Medienrecht: Wähle eines der eingebetteten Commons-Bilder aus und erkläre anhand der Dateiseite, welche Nutzung die jeweilige Lizenz erlaubt.


Standard

  1. Songform: Zeichne eine Formgrafik des Songs, ohne Liedtext oder geschützte Melodie zu notieren. Verwende Funktionsbegriffe wie Vokalblock, Chor, Solo und Outro.
  2. Harmonische Analyse: Komponiere vier Takte in einer Molltonart und ersetze die Moll-Subdominante testweise durch eine Dur-Subdominante. Beschreibe die Farbveränderung.
  3. Musikproduktion: Produziere mit einer DAW oder einem Mehrspurrekorder acht Stimmen derselben selbst erfundenen Zeile und vergleiche Einzelspur, Doppelung und große Schichtung.
  4. Textdeutung: Schreibe eine sinngemäße deutsche Inhaltszusammenfassung des Songs, ohne weitere Originalzeilen zu zitieren. Trenne Kritik an Unterrichtsmethoden von der Mauer-Metapher.


Schwer

  1. Studioproduktion: Rekonstruiere mit eigenen Akkorden einen kurzen Disco-Rock-Groove und dokumentiere, wie Kick, Snare, Bass, Gitarre und Keyboard im Mix verteilt sind.
  2. Vergleichende Musikanalyse: Vergleiche die Studioversion mit der offiziellen Liveaufnahme. Untersuche Tempoeindruck, Instrumentierung, Formdehnung, Publikumswirkung und Gitarrengestaltung.
  3. Rockgeschichte: Verfasse einen Essay darüber, warum die Verbindung von Konzeptalbum, Disco-Groove und Hitsingle für das Selbstbild einer Rockband der späten 1970er Jahre bemerkenswert war.
  4. Rezeptionsgeschichte: Recherchiere die Verwendung des Songs in südafrikanischen Schülerprotesten um 1980 mit mindestens zwei seriösen Quellen. Trenne ursprüngliche Songbedeutung, spätere Aneignung und staatliche Reaktion klar voneinander.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Form und Bedeutung: Erkläre, wie der Wechsel von Erwachsenenstimmen zu Kinderchor eine neue Bedeutung erzeugt, obwohl Text und musikalisches Material weitgehend wiederholt werden.
  2. Harmonik und Ausdruck: Analysiere, warum eine Dur-Subdominante in einem Mollzentrum heller oder offener wirken kann und weshalb diese Wirkung zum Groove passt.
  3. Rhythmik und Produktion: Zeige an einem selbst erfundenen Beispiel, wie ein stabiler Viertelpuls und synkopierte Akzente gleichzeitig vorkommen können.
  4. Arrangement: Begründe, warum ein zurückhaltendes Keyboard unter einem Gitarrensolo dramaturgisch wirksamer sein kann als ein zweites dominantes Soloinstrument.
  5. Interpretation: Setze die Schulkritik von Part 2 in Beziehung zur Gesamtmetapher von The Wall. Zeige, warum die Aussage des Songs dadurch komplexer wird.
  6. Medienkompetenz: Entwickle ein rechtssicheres Unterrichtsmaterial zum Song, das ohne vollständige Lyrics, Tabs oder Partitur auskommt, aber dennoch eine fundierte musikalische Analyse ermöglicht.


Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du folgende Zusammenhänge sicher erklären und anwenden können:

  1. Entstehungsgeschichte: Veröffentlichung 1979, Rolle von Roger Waters, Bob Ezrin, David Gilmour, Richard Wright, Nick Mason und dem Kinderchor.
  2. Songform: Wiederholung, Perspektivwechsel, Gitarrensolo und Outro als formbildende Mittel.
  3. Harmonik: D-Moll-Zentrum, dorische Färbung und Wirkung harmonischer Reduktion.
  4. Rhythmik: 4/4-Takt, stabiler Viertelpuls, Backbeat und synkopierte Gitarrenarbeit.
  5. Instrumentierung: Rhythmus- und Leadgitarre, Hammond-Orgel, Synthesizer, Bass, Schlagzeug und Chor.
  6. Studioproduktion: Mehrspuraufnahme, Overdubbing, Editing, Schichtung und Mix.
  7. Textdeutung: Kritik an autoritärer Erziehung im Zusammenhang der Mauer-Metapher.
  8. Rockgeschichte: Verbindung von Progressive Rock, Disco-Funk-Einflüssen, Konzeptalbum und Hitsingle.
  9. Live-Kultur: Übertragung der Mauer-Metapher in Bühnenarchitektur und Konzertdramaturgie.
  10. Urheberrecht: Unterschied zwischen Analysezitat, Paraphrase, selbst erstelltem Score, freier Lizenz und offiziellem Embed.




Quellen

  1. Pink Floyd Official: The Wall – offizielle Albumdaten, Trackliste und Produktionscredits.
  2. Pink Floyd Official Archive: Timeline 1979 – Aufnahme- und Veröffentlichungschronik.
  3. Pink Floyd Official Archive: Timeline 1980 – Daten und Bühnenangaben zu den ersten The Wall-Shows.
  4. Official Charts Company – britische Chartdaten.
  5. Guitar World: Pink Floyd – Goodbye Blue Sky – Interviews mit Waters, Gilmour und Ezrin zur Produktion von The Wall.
  6. MusicBrainz: The Wall – detaillierte Mitwirkenden- und Instrumenten-Credits.
  7. MediaWiki: Erweiterung Score – Dokumentation zur Score-Erweiterung und Audiowiedergabe.
  8. Wikipedia: Another Brick in the Wall – Überblick zu Entstehung, Rezeption und Veröffentlichung.
  9. South African History Online – Kontext zur Verwendung und Zensur des Songs im südafrikanischen Schülerprotest.
  10. Pink Floyd Official YouTube: Another Brick in the Wall Part Two – offizielles Musikvideo.
  11. Pink Floyd Official YouTube: Liveaufnahme – offizielle spätere Livefassung.




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