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Peer-Learning - Pädagogik

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Peer-Learning - Pädagogik




Peer-Learning - Pädagogik

Peer-Learning wird besonders wirksam, wenn Lernende nicht nur nebeneinandersitzen, sondern mit klaren Zielen, Rollen und Rückmeldeschleifen gemeinsam Wissen aufbauen.

Studienfach Pädagogik
Niveau Studium, Lehramtsstudium, Erziehungswissenschaft, pädagogische Aus- und Weiterbildung
Schwerpunkte Peer-Learning, Kooperatives Lernen, Peer-Tutoring, Peer Instruction, Peer-Feedback, Peer-Assessment
Leitfrage Wie lassen sich Lernprozesse unter Gleichrangigen so gestalten, dass fachliches Verstehen, Selbstregulation, Teilhabe und Verantwortung gefördert werden?


Einleitung

Peer-Learning bezeichnet Lernprozesse, in denen Menschen mit vergleichbarem Status miteinander, voneinander und füreinander lernen. Der Begriff umfasst unterschiedliche Arrangements: Lernende erklären sich Inhalte, lösen gemeinsam Probleme, geben Rückmeldung, beurteilen Produkte anhand transparenter Kriterien oder übernehmen zeitweise die Rolle einer Tutorin beziehungsweise eines Tutors. Entscheidend ist nicht, dass alle Beteiligten genau gleich viel wissen. Entscheidend ist, dass keine Person dauerhaft die institutionelle Rolle einer professionellen Lehrkraft gegenüber den anderen einnimmt und dass Wissen im Austausch bearbeitet wird.[1]

Peer-Learning ist mehr als gewöhnliche Gruppenarbeit. Unstrukturierte Gruppenarbeit kann dazu führen, dass einzelne Personen dominieren, andere sich zurückziehen oder Aufgaben nur aufgeteilt werden, ohne dass gemeinsames Lernen stattfindet. Didaktisch gestaltetes Peer-Learning verbindet deshalb ein gemeinsames Ziel mit individueller Verantwortlichkeit, wechselseitiger Unterstützung, verständlichen Qualitätskriterien, geeigneten Aufgaben und einer abschließenden Reflexion.

Für die Pädagogik ist Peer-Learning zugleich Gegenstand und Methode. Du untersuchst, wie Lernen sozial vermittelt wird, wie Macht und Verantwortung in Lerngruppen verteilt sind, wie Feedback wirkt und wie pädagogische Fachkräfte Lernumgebungen moderieren. Zugleich kannst Du Peer-Learning im Seminar selbst erproben, beobachten, evaluieren und weiterentwickeln.

Eric Mazur zeigt, wie sich eine vortragszentrierte Lehrveranstaltung durch strukturierte Peer-Interaktion in eine aktive Lernumgebung verwandeln lässt.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du den Begriff Peer-Learning fachlich definieren und von verwandten Lernformen abgrenzen. Du kannst zentrale lerntheoretische Erklärungen auf konkrete Lehr-Lern-Situationen beziehen, Methoden wie Peer-Tutoring, Think-Pair-Share, Gruppenpuzzle, Peer Instruction und Peer-Feedback didaktisch begründet auswählen sowie Chancen und Risiken analysieren. Darüber hinaus kannst Du ein eigenes Peer-Learning-Arrangement planen, Kriterien für faire Rückmeldung entwickeln, inklusive Beteiligungsmöglichkeiten schaffen und die Qualität eines durchgeführten Settings evaluieren.


Begriffliche Grundlagen


Was bedeutet Peer?

Ein Peer ist eine Person, die einer anderen Person in einer für die Situation bedeutsamen Hinsicht ähnlich oder gleichgestellt ist. Diese Gleichrangigkeit kann sich auf Alter, Ausbildungsphase, berufliche Rolle, Erfahrungsstand oder institutionellen Status beziehen. Peers müssen dennoch nicht identisch sein. Unterschiedliche Vorkenntnisse, Perspektiven, Sprachen und Erfahrungen können gerade die Ressource des gemeinsamen Lernens bilden.

Peer-Learning ist ein Oberbegriff. Es schließt sowohl symmetrische Arrangements ein, in denen Lernende vergleichbare Aufgaben und wechselnde Rollen übernehmen, als auch zeitweise asymmetrische Arrangements, in denen eine Person mehr Wissen besitzt oder als Peer-Tutorin beziehungsweise Peer-Tutor vorbereitet wurde.


Abgrenzung verwandter Konzepte

Konzept Kennzeichen Pädagogische Leitfrage
Peer-Learning Oberbegriff für Lernen mit und durch Gleichrangige Wie wird gegenseitiges Lernen zielgerichtet ermöglicht?
Kooperatives Lernen Stark strukturierte Zusammenarbeit mit positiver Interdependenz und individueller Verantwortlichkeit Wie wird verhindert, dass Beiträge unsichtbar oder ungleich verteilt bleiben?
Kollaboratives Lernen Gemeinsame Wissenskonstruktion, häufig mit offeneren Lösungswegen und geteilter Autorenschaft Wie entsteht ein Ergebnis, das keine Person allein hervorgebracht hätte?
Peer-Tutoring Eine lernende Person unterstützt eine andere fachlich oder methodisch Wie werden Tutorinnen und Tutoren vorbereitet, ohne sie zu Ersatzlehrkräften zu machen?
Reziprokes Peer-Tutoring Tutor- und Tutee-Rollen wechseln systematisch Wie profitieren beide Seiten vom Erklären, Fragen und Anwenden?
Peer Instruction Individuelle Entscheidung, Diskussion mit Peers und erneute Entscheidung zu einer konzeptuellen Frage Wie werden Fehlvorstellungen durch begründeten Austausch sichtbar?
Peer-Feedback Lernförderliche Rückmeldung zu einem Produkt oder Prozess Welche Hinweise helfen bei einer konkreten Überarbeitung?
Peer-Assessment Beurteilung anhand von Kriterien; formativ oder summativ einsetzbar Wie werden Transparenz, Urteilskompetenz und Fairness gesichert?
Peergroup Soziale Bezugsgruppe Gleichaltriger oder Gleichgestellter Welche Normen, Zugehörigkeiten und Identitäten beeinflussen Lernen?


Theoretische Grundlagen


Soziokulturelle Lerntheorie und Zone der nächsten Entwicklung

Lew Semjonowitsch Wygotski betonte die soziale und kulturelle Vermittlung höherer psychischer Funktionen.

Aus soziokultureller Perspektive entsteht Lernen nicht allein im Inneren eines Individuums. Denken wird durch Sprache, Werkzeuge, Zeichen und soziale Interaktion vermittelt. In der Zone der nächsten Entwicklung kann eine Person mit Unterstützung Aufgaben bewältigen, die sie allein noch nicht lösen könnte. Ein Peer kann Hinweise geben, Denkwege modellieren, Rückfragen stellen oder vorläufige Hilfen anbieten. Diese Unterstützung wird häufig als Scaffolding bezeichnet. Gute Hilfen sind adaptiv: Sie greifen ein, wenn Unterstützung nötig ist, und werden zurückgenommen, sobald die lernende Person selbstständig handeln kann.

Für Peer-Learning folgt daraus: Die Aufgabe muss anspruchsvoll genug sein, um Austausch notwendig zu machen, aber erreichbar genug, damit die Gruppe Fortschritte erkennen kann. Eine bloße Aufteilung routinemäßiger Teilaufgaben erzeugt kaum gemeinsame Wissenskonstruktion.


Soziale Interdependenz

Die Theorie sozialer Interdependenz erklärt, wie Zielstrukturen das Verhalten in Gruppen prägen. Bei positiver Interdependenz erleben die Beteiligten, dass sie ihr Ziel nur erreichen, wenn auch die anderen erfolgreich sind. Bei negativer Interdependenz erscheint der Erfolg der einen Person als Nachteil für eine andere. Fehlt Interdependenz, arbeiten Personen lediglich parallel.

Kooperatives Lernen verbindet positive Interdependenz mit individueller Verantwortlichkeit, unterstützender Interaktion, sozialen Kompetenzen und gemeinsamer Reflexion. Die Forschung von David W. Johnson und Roger T. Johnson ordnet diese Elemente in eine umfangreiche Tradition sozialpsychologischer und pädagogischer Forschung ein.[2]


Kognitive Elaboration und Lernen durch Erklären

Wer anderen etwas verständlich erklärt, muss Vorwissen aktivieren, Zusammenhänge ordnen, Beispiele auswählen und mögliche Missverständnisse antizipieren. Dieser Prozess der Elaboration kann das eigene Verständnis vertiefen. Deshalb profitieren im Peer-Tutoring nicht nur die unterstützten Personen, sondern häufig auch die erklärenden Peers. Besonders lernwirksam sind Erklärungen, die Begründungen enthalten und auf Rückfragen reagieren. Reines Vorsagen einer Lösung erzeugt dagegen wenig kognitive Aktivität.


Soziokognitiver Konflikt und Konzeptwandel

Wenn Peers unterschiedliche Antworten vertreten, entsteht ein kognitiver Konflikt. Er kann Lernende dazu bringen, eigene Annahmen zu prüfen und alternative Erklärungen abzuwägen. Ein Konflikt wirkt jedoch nicht automatisch produktiv. Er braucht eine sachbezogene Gesprächskultur, genügend Vorwissen und die Möglichkeit, Aussagen mit Gründen oder Belegen zu prüfen. Wird ein Dissens als persönlicher Angriff erlebt oder entscheidet nur Status über die gültige Antwort, kann der Lernprozess blockiert werden.


Motivation, Selbstwirksamkeit und Zugehörigkeit

Peer-Learning kann die psychologischen Bedürfnisse nach sozialer Eingebundenheit, Kompetenz und Autonomie unterstützen. Lernende erleben, dass ihr Beitrag für andere bedeutsam ist, erhalten unmittelbare Rückmeldung und können Entscheidungen mitgestalten. Gleichzeitig können Vergleichsdruck, Angst vor Gesichtsverlust oder frühere Ausgrenzungserfahrungen die Beteiligung hemmen. Gute Planung verbindet daher fachliche Aktivierung mit psychologischer Sicherheit, Wahlmöglichkeiten und klaren Regeln des respektvollen Umgangs.


Wirkmechanismen des Peer-Learnings

Peer-Learning wirkt nicht durch bloße Anwesenheit anderer Personen, sondern durch konkrete Lernhandlungen. Zu den wichtigsten Mechanismen gehören das Abrufen von Wissen, das Formulieren eigener Erklärungen, das Vergleichen von Lösungswegen, das Stellen diagnostischer Fragen, das Begründen von Urteilen, das Erhalten und Verarbeiten von Rückmeldung sowie die Beobachtung alternativer Strategien.

Lernhandlung Möglicher Lernprozess Beobachtbares Qualitätsmerkmal
Erklären Wissensorganisation und Elaboration Zusammenhänge werden begründet statt nur benannt
Rückfragen stellen Diagnose von Verständnislücken Fragen beziehen sich auf Denkwege und nicht nur auf Endergebnisse
Perspektiven vergleichen Dezentrierung und Konzeptwandel Unterschiede werden sachlich geprüft
Feedback geben Aufbau von Kriterien- und Urteilskompetenz Rückmeldung nennt Stärke, Beleg und nächsten Schritt
Feedback nutzen Selbstregulation und Überarbeitung Eine sichtbare Revision folgt aus der Rückmeldung
Rollen wechseln Metakognition und flexible Verantwortungsübernahme Lernende können erklären, zuhören, prüfen und zusammenfassen
Gemeinsam reflektieren Gruppenregulation Die Gruppe benennt wirksame und hinderliche Prozesse


Bedingungen für Wirksamkeit

Ein tragfähiges Arrangement erfüllt mehrere Bedingungen. Die Aufgabe enthält einen echten Denk- oder Entscheidungsbedarf. Das gemeinsame Ziel ist verständlich. Jede Person muss einen überprüfbaren Beitrag leisten. Rollen fördern Beteiligung, ohne Lernende dauerhaft festzulegen. Qualitätskriterien sind vor Beginn geklärt. Die Interaktion erhält ausreichend Zeit. Die Lehrperson beobachtet, diagnostiziert und unterstützt, übernimmt aber nicht vorschnell die Lösung. Am Ende werden sowohl Ergebnis als auch Zusammenarbeit ausgewertet.

Die Visualisierung zeigt, dass auch große Lehrveranstaltungen durch geeignete Fragen, Abstimmungen und Peer-Diskussionen interaktiv gestaltet werden können.


Formen und Methoden


Peer-Tutoring

Beim Peer-Tutoring unterstützt eine lernende Person eine andere beim Verstehen oder Üben. Die Rollen können fest oder wechselnd sein. Altersgleiches Tutoring findet unter Lernenden derselben Alters- oder Ausbildungsstufe statt. Altersgemischtes Tutoring nutzt einen größeren Erfahrungsunterschied. In Hochschulen unterstützen beispielsweise Studierende höherer Semester Studienanfängerinnen und Studienanfänger.

Eine qualifizierte Tutorenschulung umfasst Fachklärung, Gesprächsführung, den Umgang mit Fehlern, hilfreiche Fragen, Grenzen der Rolle sowie Weiterverweisung bei Problemen. Peer-Tutorinnen und Peer-Tutoren sollen Denkprozesse anregen, nicht bloß Lösungen liefern. Sinnvoll ist eine Abfolge aus Diagnosefrage, kurzer Hilfe, eigenständigem Versuch und reflektierendem Rückblick.


Reziprokes Peer-Tutoring

Beim reziproken Peer-Tutoring wechseln die Beteiligten zwischen der Rolle des Erklärens und der Rolle des Lernens. Der Rollenwechsel reduziert starre Hierarchien und macht deutlich, dass jede Person Wissen einbringen und Unterstützung benötigen kann. Besonders geeignet sind Aufgabenserien, Textverständnis, Sprachlernen, mathematische Lösungsstrategien und die Vorbereitung auf Prüfungen.


Peer Instruction

Peer Instruction wurde besonders durch Eric Mazur bekannt. Zunächst beantwortet jede Person eine konzeptuelle Frage allein. Danach diskutieren Lernende mit unterschiedlichen Antworten und begründen ihre Entscheidungen. Anschließend stimmen sie erneut ab. Die Lehrperson nutzt die Antwortverteilung diagnostisch und klärt verbleibende Unsicherheiten.[3]

Eine gute Konzeptfrage prüft keine isolierte Erinnerung, sondern eine typische Fehlvorstellung, eine Anwendung oder die Begründung eines Zusammenhangs. Die erste Einzelentscheidung ist wichtig, damit jede Person einen eigenen Denkstand entwickelt. Die zweite Entscheidung macht Lernveränderungen sichtbar. Nicht die Mehrheitsmeinung, sondern die Qualität der Begründung entscheidet.


Think-Pair-Share

Think-Pair-Share besteht aus drei Phasen. In der Denkphase bearbeitet jede Person eine Frage zunächst allein. In der Austauschphase werden Antworten zu zweit verglichen, begründet und weiterentwickelt. In der Plenumsphase werden ausgewählte Ergebnisse geteilt. Die Einzelphase schützt vor vorschneller Anpassung an dominante Stimmen. Die Paarphase erhöht die Sprechzeit und ermöglicht, Gedanken vor dem Plenum zu erproben.


Gruppenpuzzle

Beim Gruppenpuzzle oder Jigsaw wird ein Thema in komplementäre Teilbereiche gegliedert. In Stammgruppen übernimmt jede Person einen Teilbereich. Anschließend vertiefen sich Lernende in Expertengruppen. Danach kehren sie in ihre Stammgruppe zurück und vermitteln ihr Wissen. Die Methode erzeugt positive Interdependenz, weil das Gesamtverständnis von den Beiträgen aller abhängt.

Die Teilthemen müssen ähnlich anspruchsvoll, fachlich miteinander verbunden und in der verfügbaren Zeit bearbeitbar sein. Eine reine Textzerlegung reicht nicht. Expertinnen und Experten benötigen Leitfragen, Visualisierungsaufträge oder Anwendungsfälle, damit sie ihren Beitrag didaktisch aufbereiten.

Kooperative Aufgaben können mit sehr unterschiedlichen Medien und in verschiedenen Bildungskontexten realisiert werden.


Strukturierte Kontroverse

Die Strukturierte akademische Kontroverse eignet sich für komplexe, kontroverse Fragen. Paare bereiten gegensätzliche Positionen vor, präsentieren sie, wechseln anschließend die Perspektive und entwickeln am Ende eine begründete Synthese. Anders als eine Debatte zielt das Verfahren nicht auf Sieg, sondern auf differenziertes Verstehen. Für pädagogische Themen können etwa Leistungsbewertung, Inklusion, Schulpflicht, digitale Überwachung oder der Einsatz generativer KI bearbeitet werden.


Peer-Feedback und Peer-Assessment

Peer-Feedback ist lernorientierte Rückmeldung zwischen Lernenden. Peer-Assessment schließt eine Beurteilung anhand von Kriterien ein. Formatives Peer-Assessment dient der Verbesserung und sollte Gelegenheit zur Überarbeitung enthalten. Summatives Peer-Assessment beeinflusst Bewertungen oder Noten und verlangt besonders hohe Anforderungen an Transparenz, Kalibrierung, Mehrfachbeurteilung und Einspruchsmöglichkeiten.

Forschung zu Peer-Assessment zeigt, dass Lernende die erforderliche Urteilskompetenz nicht automatisch besitzen. Sie benötigen verständliche Kriterien, Beispiele unterschiedlicher Qualität, gemeinsames Kalibrieren und Übung im Formulieren umsetzbarer Rückmeldungen.[4]

Ein hilfreiches Rückmeldemuster lautet: Wahrnehmung – Beleg – Wirkung – nächster Schritt. Statt „Der Text ist unklar“ könntest Du schreiben: „Im zweiten Abschnitt werden drei Theorien genannt, aber nicht miteinander verglichen. Dadurch bleibt die Begründung Deiner Schlussfolgerung schwer nachvollziehbar. Ergänze ein gemeinsames Kriterium und zeige daran einen Unterschied.“

Digitale Plattformen können Peer-Review-Prozesse strukturieren, ersetzen aber weder Kriterienklärung noch Feedbackkompetenz.


Peer-Beobachtung und kollegiales Lernen

Peer-Learning betrifft nicht nur Schülerinnen, Schüler oder Studierende. Auch pädagogische Fachkräfte lernen durch Kollegiale Hospitation, Intervision, Lesson Study, gemeinsame Fallberatung und professionelle Lerngemeinschaften. Beobachtung wird lernförderlich, wenn das Anliegen vorab geklärt, der Beobachtungsfokus begrenzt, die Rückmeldung beschreibend und vertraulich sowie die weitere Entwicklung selbstbestimmt vereinbart wird.

Ein Modell der Peer-Beobachtung von Lehre verdeutlicht die Verbindung von Beobachtung, Rückmeldung und professioneller Entwicklung.


Didaktische Planung


Ein Planungsmodell in acht Schritten

  1. Lernziel klären: Formuliere, was Lernende nach der Aktivität verstehen, entscheiden, erklären oder gestalten können sollen.
  2. Ausgangslage diagnostizieren: Berücksichtige Vorwissen, Sprachkompetenzen, Gruppenerfahrungen, Barrieren und mögliche Konflikte.
  3. Aufgabe konstruieren: Wähle eine Aufgabe, die Erklären, Vergleichen, Entscheiden oder gemeinsames Problemlösen notwendig macht.
  4. Interdependenz gestalten: Sorge dafür, dass Beiträge aufeinander bezogen sind und das gemeinsame Ziel ohne Kooperation schwer erreichbar ist.
  5. Verantwortlichkeit sichern: Plane individuelle Denkphasen, Rollenwechsel, Zufallsauswahl, Lernprotokolle oder persönliche Transferfragen.
  6. Interaktion unterstützen: Gib Satzanfänge, Fragekarten, Kriterienraster, Beispiele und Zeitmarken, ohne den Denkweg vollständig vorzugeben.
  7. Ergebnis und Prozess sichtbar machen: Sichere Produkte, Begründungen, Revisionen und Beobachtungen zur Zusammenarbeit.
  8. Auswerten und weiterplanen: Nutze Selbst-, Peer- und Lehrpersonenfeedback, um die nächste Lernschleife anzupassen.


Aufgabenqualität

Eine peer-geeignete Aufgabe besitzt mehrere vertretbare Denkwege oder erfordert eine begründete Auswahl. Sie ist fachlich gehaltvoll, aber sprachlich verständlich. Sie ermöglicht einen Beitrag aller Beteiligten und lässt sich nicht durch bloße Arbeitsteilung vollständig lösen. Das Ergebnis ist prüfbar, und die Lernenden können erkennen, welche Qualitätsmerkmale gelten.

Ungünstig: „Teilt das Kapitel in vier Teile und fasst jeweils einen Abschnitt zusammen.“

Günstiger: „Erarbeitet vier theoretische Perspektiven. Entwickelt anschließend gemeinsam ein Fallmodell, in dem jede Perspektive eine andere Erklärung und eine andere pädagogische Handlungsoption begründet. Markiert Widersprüche und formuliert eine Synthese.“


Gruppenbildung und Rollen

Gruppen können zufällig, interessengeleitet, leistungsheterogen, sprachsensibel oder aufgrund bestimmter Perspektiven zusammengestellt werden. Keine Form ist immer überlegen. Entscheidend ist, dass das Verfahren zur Aufgabe passt und nicht stigmatisiert. Leistungsheterogene Gruppen können gegenseitige Unterstützung fördern, dürfen aber nicht dazu führen, dass einzelne Lernende dauerhaft erklären und andere dauerhaft empfangen.

Rollen wie Moderation, Zeitwache, Verständnisprüfung, Dokumentation oder Perspektivwächter können Beteiligung strukturieren. Sie sollen rotieren und als Lernfunktionen verstanden werden. Eine Rolle darf keine Person auf ein vermeintliches Persönlichkeitsmerkmal festlegen.


Raum, Zeit und Material

Raumgestaltung beeinflusst Blickkontakt, Beweglichkeit, Lautstärke und die Möglichkeit, zwischen Einzel-, Paar- und Gruppenphasen zu wechseln.

Peer-Learning benötigt erkennbare Zeitfenster. Zu kurze Austauschphasen erzeugen oberflächliche Zustimmung; zu lange Phasen ohne Zwischenziel können Orientierung verlieren. Sichtbare Arbeitsaufträge, Timer, gemeinsam zugängliche Materialien und ein Signal für Phasenwechsel entlasten die Gruppensteuerung. Im digitalen Raum erfüllen Breakout-Räume, kollaborative Dokumente, Boards und Abstimmungstools ähnliche Funktionen, müssen jedoch barrierearm und datenschutzbewusst eingesetzt werden.


Rollen von Lehrenden und Lernenden


Die Lehrperson als Designerin, Diagnostikerin und Moderatorin

Im Peer-Learning verschwindet die Lehrperson nicht. Ihre Rolle verändert sich. Vor der Aktivität gestaltet sie Ziele, Aufgaben, Gruppen, Kriterien und Unterstützungsangebote. Während der Aktivität beobachtet sie Gesprächsmuster, diagnostiziert Fehlvorstellungen und gibt minimale, gezielte Impulse. Nach der Aktivität sichert sie fachliche Qualität, macht unterschiedliche Lösungswege sichtbar und unterstützt die Reflexion.

Ein hilfreicher Beobachtungsfokus lautet: Wer spricht? Wer fragt? Welche Begründungen werden verwendet? Wie wird mit Dissens umgegangen? Welche Person erhält welche Art von Hilfe? Welche fachlichen Vorstellungen werden sichtbar? Dadurch wird Moderation datenbasiert statt rein intuitiv.


Lernende als Mitverantwortliche

Lernende übernehmen Verantwortung für das eigene Denken und für Bedingungen, unter denen andere lernen können. Dazu gehören aktives Zuhören, verständliches Erklären, das Eingestehen von Unsicherheit, das Prüfen von Gründen, konstruktive Kritik, der Schutz vertraulicher Informationen und die Bereitschaft, Feedback tatsächlich zu verarbeiten. Verantwortung bedeutet nicht, die Lehrkraft zu ersetzen oder therapeutische, diagnostische oder disziplinarische Aufgaben zu übernehmen.


Feedback, Bewertung und Qualitätssicherung


Kriterien transparent machen

Ein Kriterienraster sollte wenige, relevante Merkmale enthalten und diese durch beobachtbare Beschreibungen konkretisieren. Lernende verstehen Kriterien besser, wenn sie Beispielprodukte vergleichen, Grenzfälle diskutieren und selbst Merkmale formulieren. Eine gemeinsame Kalibrierung zeigt, ob Begriffe wie „differenziert“, „begründet“ oder „wissenschaftlich“ ähnlich interpretiert werden.


Feedbackkompetenz entwickeln

Feedbackkompetenz umfasst vier Fähigkeiten: Qualitätsmaßstäbe verstehen, ein Produkt aufmerksam prüfen, Rückmeldung adressatengerecht formulieren und erhaltenes Feedback beurteilen sowie nutzen. Der pädagogische Wert liegt daher nicht nur im Empfangen. Beim Begutachten fremder Arbeiten vergleichen Lernende Kriterien mit konkreten Lösungen und schärfen dadurch den Blick auf das eigene Produkt.


Formativ vor summativ

Für den Einstieg ist formatives Peer-Feedback meist geeigneter als benotetes Peer-Assessment. Fehler können ohne unmittelbare Sanktionsangst bearbeitet werden, und Lernende erleben den Zusammenhang zwischen Rückmeldung und Revision. Soll Peer-Assessment in eine Note einfließen, sollten mehrere Urteile, klare Rubrics, Anonymisierungsentscheidungen, Lehrpersonenmoderation und ein nachvollziehbares Verfahren bei Abweichungen vorgesehen werden.


Inklusion, Macht und Ethik


Beteiligung gerecht gestalten

Sprechzeit allein ist kein ausreichendes Maß für Teilhabe. Manche Beiträge bestehen im präzisen Fragen, Strukturieren, Visualisieren oder schriftlichen Weiterdenken. Inklusive Gestaltung ermöglicht daher verschiedene Ausdrucksformen und kombiniert stille Einzelreflexion, Gespräch, Visualisierung und digitale Beteiligung. Aufgaben und Materialien sollten sprachsensibel, barrierearm und mit assistiven Technologien nutzbar sein.


Statusunterschiede und Dominanz

Auch Gleichrangige verfügen über unterschiedliche soziale Anerkennung, Sprachmacht, Fachkenntnisse und institutionelle Sicherheit. Status kann dazu führen, dass überzeugend vorgetragene, aber fachlich falsche Aussagen übernommen werden. Gegenmaßnahmen sind individuelle Vorentscheidungen, rotierende Rollen, begründungspflichtige Beiträge, strukturierte Redezeiten, anonyme Abstimmungen und die ausdrückliche Trennung von Person und Argument.


Psychologische Sicherheit und Fehlerkultur

Lernen mit Peers macht Unsicherheit sichtbar. Daher braucht die Gruppe die Erfahrung, dass Fragen, vorläufige Ideen und begründeter Widerspruch erwünscht sind. Vertrauliche oder biografisch sensible Themen dürfen nicht erzwungen werden. Lehrende müssen eingreifen, wenn Abwertung, Diskriminierung oder fachlich gefährliche Ratschläge auftreten. Peer-Learning ergänzt professionelle Unterstützung, ersetzt sie jedoch nicht.


Datenschutz und Einwilligung

Bei digitalen Peer-Reviews, Videoaufzeichnungen oder Hospitationen müssen Zweck, Zugriff, Speicherdauer und Löschung geklärt sein. Lernende sollten wissen, wer ihre Texte oder Aufnahmen sieht und wofür sie verwendet werden. Besonders bei personenbezogenen Fallvignetten sind Anonymisierung und Datensparsamkeit erforderlich.


Digitales und hybrides Peer-Learning

Digitale und offene Lernprojekte können lokale Zusammenarbeit mit global zugänglichen Wissensräumen verbinden.

Digitale Umgebungen erweitern Peer-Learning durch zeitversetzte Rückmeldung, gemeinsame Dokumente, Foren, Annotationen und internationale Kooperation. Gleichzeitig fehlen nonverbale Hinweise, technische Zugänge sind ungleich verteilt und schriftliche Missverständnisse können sich verstärken. Gute Online-Arrangements enthalten deshalb klare Reaktionsfristen, kleine Gruppen, verbindliche Produkte, sichtbare Rollen und Möglichkeiten für Rückfragen.

Asynchrones Peer-Feedback profitiert von längerer Denkzeit und dokumentierten Revisionen. Synchrone Formate eignen sich für Aushandlung, spontane Fragen und soziale Beziehung. Eine Kombination kann besonders tragfähig sein: individuelle Vorbereitung, asynchroner Kommentar, synchrones Klärungsgespräch und abschließende Überarbeitung.


Generative KI als Peer oder Werkzeug?

Generative Künstliche Intelligenz kann Fragen simulieren, Gegenargumente formulieren oder Feedbackentwürfe erzeugen. Sie ist jedoch kein Peer im sozialen und pädagogischen Sinn: Sie trägt keine menschliche Verantwortung, besitzt keine eigenen Lernerfahrungen und kann plausible Fehler produzieren. In Peer-Learning-Settings sollte KI daher als zu prüfendes Werkzeug behandelt werden. Lernende dokumentieren Prompts, vergleichen KI-Ausgaben mit Fachliteratur, kennzeichnen Übernahmen und begründen, welche Hinweise sie verwerfen oder weiterentwickeln.

Eine sinnvolle Aufgabe lautet: Zwei Peers erstellen unabhängig Kriterien für ein gutes Feedback. Eine KI erzeugt ein drittes Raster. Die Gruppe prüft alle Vorschläge an Beispielen, identifiziert Leerstellen und entwickelt eine begründete Endfassung. So bleibt die epistemische Verantwortung bei den Lernenden.


Forschungslage und Grenzen

Die Forschung zu Peer-Learning umfasst Peer-Tutoring, kooperatives Lernen, Peer-Assessment und Peer-Teaching in unterschiedlichen Altersgruppen und Fachgebieten. Übersichtsarbeiten berichten häufig fachliche, soziale und metakognitive Potenziale. Besonders hervorgehoben wird, dass auch die erklärenden oder bewertenden Personen lernen können. Zugleich hängt die Wirksamkeit stark von Umsetzungsqualität, Training, Aufgabenstruktur, Dauer und Kontext ab.[5]

Aus empirischer Forschung darf nicht geschlossen werden, jede Gruppenarbeit sei automatisch besser als Einzelarbeit oder direkte Instruktion. Manche Lernziele benötigen zunächst fachliche Modellierung, individuelles Üben oder explizite Erklärung. Peer-Learning ist besonders sinnvoll, wenn Lernende eigenes Denken aktivieren, Erklärungen austauschen, Perspektiven vergleichen und Rückmeldung verarbeiten sollen. Eine professionelle Didaktik kombiniert deshalb individuelle, kooperative und lehrpersonengeleitete Phasen.

Risiken sind unter anderem fachliche Fehlinformation, ungleiche Beteiligung, soziale Faulheit, Dominanz, Beziehungsbelastung, unfaire Bewertung und hohe Koordinationskosten. Diese Risiken sprechen nicht grundsätzlich gegen Peer-Learning, sondern für strukturierte Aufgaben, vorbereitete Lernende, beobachtbare Verantwortlichkeit und fachliche Sicherung.


Beispiel: Peer-Learning in einem Pädagogikseminar


Thema und Lernziel

Das Seminar bearbeitet die Frage: „Wie lässt sich Beteiligung in einer heterogenen Lerngruppe gerecht gestalten?“ Die Studierenden sollen drei pädagogische Perspektiven auf einen Fall anwenden, Zielkonflikte analysieren und einen begründeten Interventionsplan entwickeln.


Ablauf für 90 Minuten

Phase Zeit Aktivität Funktion
Individuelle Fallanalyse 10 Minuten Jede Person markiert Beobachtung, Deutung und offene Frage in unterschiedlichen Spalten Eigenständiges Denken und Diagnose
Think-Pair-Share 15 Minuten Paare vergleichen Deutungen und formulieren eine strittige Kernfrage Perspektivenabgleich
Expertengruppen 20 Minuten Gruppen bearbeiten je eine theoretische Perspektive und entwickeln Prüfkriterien Fachliche Vertiefung
Stammgruppen 20 Minuten Expertinnen und Experten erklären ihre Perspektive; die Gruppe entwirft einen Interventionsplan Positive Interdependenz
Peer-Feedback 15 Minuten Gruppen prüfen einen fremden Plan anhand eines Rasters Urteilskompetenz und Revision
Individueller Transfer 10 Minuten Jede Person begründet eine Änderung am eigenen Denken Individuelle Verantwortlichkeit


Beobachtungs- und Auswertungskriterien

Die Lehrperson prüft, ob Beobachtung und Interpretation getrennt werden, ob theoretische Begriffe korrekt verwendet sind, ob Gegenargumente vorkommen, ob Beiträge aller sichtbar werden und ob Feedback zu einer Revision führt. Die Studierenden reflektieren zusätzlich, welche Gesprächshandlung den größten Erkenntnisgewinn ausgelöst hat.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was kennzeichnet Peer-Learning am treffendsten? (Lernende mit vergleichbarem Status lernen miteinander und voneinander) (!Eine Lehrkraft überträgt Wissen ausschließlich im Vortrag) (!Eine Gruppe teilt nur Material aus) (!Eine Person bewertet alle anderen ohne Kriterien)




Welche Bedingung gehört zum kooperativen Lernen? (Positive Interdependenz und individuelle Verantwortlichkeit) (!Dauerhafte Konkurrenz innerhalb der Gruppe) (!Vollständige Auflösung individueller Beiträge) (!Verzicht auf gemeinsame Ziele)




Welche Reihenfolge beschreibt Peer Instruction? (Einzelentscheidung, Peer-Diskussion, erneute Entscheidung) (!Peer-Diskussion, Benotung, Einzelentscheidung) (!Vortrag, Abschrift, Prüfung) (!Gruppenbildung, Rollenvergabe, Unterrichtsende)




Was bedeutet Scaffolding im Lernprozess? (Vorläufige Unterstützung, die mit wachsender Selbstständigkeit zurückgenommen wird) (!Dauerhafte Übernahme aller schwierigen Schritte) (!Ausschließliche Bewertung durch Peers) (!Beliebige Vereinfachung ohne Lernziel)




Warum kann das Erklären anderen Personen beim eigenen Lernen helfen? (Es verlangt Wissensorganisation, Begründung und Elaboration) (!Es verhindert jede Rückfrage) (!Es ersetzt die Auseinandersetzung mit Inhalten) (!Es macht Vorwissen bedeutungslos)




Welche Aussage beschreibt gutes Peer-Feedback? (Es bezieht sich auf Kriterien und nennt einen umsetzbaren nächsten Schritt) (!Es bewertet vor allem die Persönlichkeit) (!Es bleibt möglichst allgemein) (!Es enthält nur Lob oder Tadel)




Wozu dient die Einzelphase bei Think-Pair-Share? (Sie ermöglicht jeder Person eine eigene gedankliche Position) (!Sie verhindert den späteren Austausch) (!Sie ersetzt die Plenumsphase vollständig) (!Sie legt die Gruppenbewertung fest)




Was ist ein zentrales Risiko unstrukturierten Peer-Learnings? (Dominanz einzelner Personen und unsichtbare Beteiligung) (!Automatisch zu hohe individuelle Verantwortlichkeit) (!Vollständige Übereinstimmung aller Perspektiven) (!Zu viele fachlich geprüfte Begründungen)




Welche Funktion hat eine Kalibrierung beim Peer-Assessment? (Lernende gleichen ihr Verständnis von Kriterien an Beispielen ab) (!Lernende vergeben ohne Kriterien endgültige Noten) (!Die Lehrperson verbietet unterschiedliche Urteile) (!Alle Produkte erhalten dieselbe Bewertung)




Welche Rolle übernimmt die Lehrperson im Peer-Learning? (Sie gestaltet, beobachtet, diagnostiziert und sichert fachliche Qualität) (!Sie zieht sich grundsätzlich vollständig zurück) (!Sie überträgt ihre gesamte Verantwortung auf Lernende) (!Sie bewertet nur die Lautstärke der Gruppe)





Memory

Positive Interdependenz Gemeinsamer Erfolg hängt von den Beiträgen aller ab
Individuelle Verantwortlichkeit Jede Person macht einen eigenen Lernbeitrag sichtbar
Scaffolding Vorläufige und abbaubare Unterstützung
Peer Instruction Zweifache Entscheidung mit begründeter Diskussion dazwischen
Gruppenpuzzle Wechsel zwischen Experten- und Stammgruppe
Kalibrierung Gemeinsames Prüfen und Angleichen von Bewertungsmaßstäben
Feedbackkompetenz Rückmeldung verstehen, geben, beurteilen und nutzen
Psychologische Sicherheit Unsicherheit und Widerspruch dürfen ohne Abwertung geäußert werden





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Think-Pair-Share Erst allein denken, dann zu zweit austauschen und anschließend teilen
Peer-Tutoring Eine lernende Person unterstützt eine andere beim Verstehen oder Üben
Gruppenpuzzle Wissen wird in Experten- und Stammgruppen zusammengeführt
Peer-Feedback Eine Rückmeldung dient der gezielten Überarbeitung eines Produkts
Peer Instruction Eine konzeptuelle Frage wird vor und nach einer Peer-Diskussion beantwortet
Strukturierte Kontroverse Gegensätzliche Positionen werden geprüft und zu einer Synthese geführt
Kollegiale Hospitation Pädagogische Fachkräfte beobachten und reflektieren Unterricht auf Augenhöhe






Kreuzworträtsel

Interdependenz Wie heißt die wechselseitige Abhängigkeit beim gemeinsamen Erreichen eines Lernziels?
Scaffolding Wie heißt eine vorläufige Lernhilfe, die schrittweise zurückgenommen wird?
Reziprozitaet Wie heißt das Prinzip des gegenseitigen Gebens und Nehmens?
Verantwortung Was muss trotz gemeinsamer Arbeit für jede Person sichtbar bleiben?
Feedback Wie heißt eine lernförderliche Rückmeldung zu Produkt oder Prozess?
Moderation Wie heißt die strukturierende Begleitung eines Gruppengesprächs?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Peer-Learning bezeichnet Lernen zwischen Personen mit vergleichbarem

. Kooperatives Lernen benötigt positive

. Zugleich bleibt die individuelle

erhalten. In der Zone der nächsten Entwicklung kann vorläufige Unterstützung als

wirken. Beim Think-Pair-Share beginnt der Prozess mit einer individuellen

. Peer Instruction verbindet eine erste Entscheidung mit einer begründeten

. Beim Gruppenpuzzle treffen sich Lernende zunächst in einer

. Gutes Peer-Feedback bezieht sich auf transparente

. Eine Kalibrierung unterstützt ein gemeinsames Verständnis von

. Die Lehrperson sichert am Ende die fachliche

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffslandkarte: Erstelle eine Concept-Map, die Peer-Learning, kooperatives Lernen, Peer-Tutoring, Peer-Feedback und Peer-Assessment voneinander abgrenzt. Ergänze zu jeder Verbindung einen erklärenden Satz.
  2. Beobachtungsauftrag: Beobachte eine kurze Gruppenarbeitsphase und protokolliere, welche Lernhandlungen vorkommen. Trenne Beobachtung und Interpretation.
  3. Feedbackwerkstatt: Überarbeite fünf pauschale Rückmeldungen so, dass sie sich auf Kriterien, Belege und nächste Schritte beziehen.
  4. Methodenkarte: Gestalte eine anschauliche Methodenkarte zu Think-Pair-Share mit Ziel, Ablauf, Zeitbedarf, Chancen und einem möglichen Risiko.


Standard

  1. Peer-Instruction-Frage: Entwickle zu einem pädagogischen Thema eine konzeptuelle Multiple-Choice-Frage mit typischen Fehlvorstellungen. Begründe jede Antwortoption.
  2. Gruppenpuzzle planen: Entwirf ein Gruppenpuzzle für ein Hochschulseminar. Formuliere Teilthemen, Expertinnenaufträge, Stammgruppenprodukt und individuelle Transfersicherung.
  3. Kriterienraster: Entwickle ein Rubric für ein pädagogisches Fallgutachten. Kalibriere es mit zwei Beispieltexten und dokumentiere strittige Kriterien.
  4. Interviewstudie: Führe zwei kurze Interviews mit Studierenden über hilfreiche und belastende Erfahrungen in Peer-Learning-Situationen. Werte wiederkehrende Themen aus und anonymisiere alle Angaben.


Schwer

  1. Design-Based Research: Entwickle, erprobe und überarbeite ein Peer-Learning-Arrangement in zwei Zyklen. Dokumentiere Designannahmen, Beobachtungsdaten, Änderungen und Grenzen.
  2. Inklusionsanalyse: Untersuche ein reales oder fiktives Gruppenarrangement auf Barrieren, Statusunterschiede, Sprachmacht und psychologische Sicherheit. Entwickle begründete Alternativen.
  3. Forschungsreview: Vergleiche mindestens drei wissenschaftliche Studien zu Peer-Tutoring, Peer-Assessment oder Peer Instruction. Prüfe Forschungsdesign, Stichprobe, Messung, Befunde und Übertragbarkeit.
  4. Videofallanalyse: Produziere mit Einwilligung ein kurzes Video einer simulierten Peer-Learning-Sequenz. Analysiere Gesprächsanteile, Fragen, Erklärungen, Feedback und Wendepunkte anhand eines Kodierleitfadens.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer auf einen pädagogischen Fall: In einer Seminargruppe erklärt stets dieselbe leistungsstarke Person, während zwei andere nur mitschreiben. Analysiere die Zielstruktur und entwickle drei Eingriffe, die Interdependenz und individuelle Verantwortlichkeit gleichzeitig erhöhen.
  2. Methodenentscheidung: Vergleiche Peer Instruction, Gruppenpuzzle und strukturierte Kontroverse für das Lernziel „Studierende beurteilen konkurrierende Erklärungen eines Erziehungsproblems“. Wähle eine Methode und begründe die Entscheidung anhand von Aufgabe, Interaktion und Sicherung.
  3. Fehlerszenario: Eine Gruppe einigt sich schnell auf eine fachlich falsche Erklärung. Entwickle ein Diagnose- und Moderationsvorgehen, das Eigenaktivität erhält und dennoch fachliche Qualität sichert.
  4. Feedbacktransfer: Entwirf einen Prozess, in dem Peer-Feedback nachweislich zu einer Überarbeitung führt. Lege Kriterien, Zeitpunkte, Dokumentation und den Umgang mit widersprüchlichen Rückmeldungen fest.
  5. Gerechtigkeitsprüfung: Beurteile ein benotetes Peer-Assessment hinsichtlich Transparenz, Zuverlässigkeit, Macht, Datenschutz und Einspruchsmöglichkeiten. Formuliere Mindestbedingungen für einen vertretbaren Einsatz.
  6. Theorie-Praxis-Verknüpfung: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie Zone der nächsten Entwicklung, kognitive Elaboration und soziale Interdependenz gleichzeitig wirksam werden können.
  7. Evaluation: Entwickle ein kleines Evaluationsdesign für ein Peer-Tutoring-Programm. Kombiniere mindestens eine Prozess- und eine Ergebnisvariable und begründe, welche Schlussfolgerungen damit möglich oder nicht möglich sind.




Lernnachweis

Ein überzeugender Lernnachweis zeigt nicht nur, dass Du Begriffe kennst, sondern dass Du Peer-Learning fachlich begründet gestalten und kritisch prüfen kannst.

  1. Begriffliche Präzision: Du grenzt Peer-Learning, Kooperation, Kollaboration, Tutoring, Feedback und Assessment nachvollziehbar voneinander ab.
  2. Theoretische Fundierung: Du beziehst mindestens zwei Lerntheorien auf konkrete Gestaltungsentscheidungen.
  3. Didaktisches Design: Du formulierst Lernziel, Aufgabe, Interdependenz, individuelle Verantwortlichkeit, Unterstützungsangebote und Ergebnissicherung.
  4. Inklusion und Ethik: Du berücksichtigst Beteiligungsbarrieren, Status, psychologische Sicherheit, Datenschutz und Grenzen der Peer-Rolle.
  5. Forschungsbezug: Du nutzt geeignete wissenschaftliche Literatur und unterscheidest Befund, Interpretation und eigene Schlussfolgerung.
  6. Evaluation: Du erhebst oder konzipierst Daten zu Lernprozess und Lernergebnis und reflektierst die Aussagekraft.
  7. Reflexion: Du dokumentierst, wie Rückmeldungen zu einer begründeten Überarbeitung Deines Designs geführt haben.

Als Lernprodukt eignet sich ein Portfolio aus einer theoretisch begründeten Planung, erprobten Materialien, Beobachtungsdaten, Peer-Feedback, Revision und einer kritischen Abschlussreflexion.




Literatur und Forschung

  1. Keith J. Topping: Trends in Peer Learning. In: Educational Psychology, 25(6), 2005, S. 631–645.
  2. David W. Johnson und Roger T. Johnson: An Educational Psychology Success Story: Social Interdependence Theory and Cooperative Learning. In: Educational Researcher, 38(5), 2009, S. 365–379.
  3. Marjo van Zundert, Dominique Sluijsmans und Jeroen van Merriënboer: Effective peer assessment processes. In: Learning and Instruction, 20(4), 2010, S. 270–279.
  4. Martin Stigmar: Peer-to-Peer Teaching in Higher Education: A Critical Literature Review. In: Mentoring & Tutoring, 24(2), 2016, S. 124–136.
  5. Eric Mazur: Peer Instruction: A User's Manual. Prentice Hall, 1997.


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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