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NWT9 - Technikfolgen abschätzen

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NWT9 - Technikfolgen abschätzen




NWT9 - Technikfolgen abschätzen


Einleitung

Technik verändert unseren Alltag: Künstliche Intelligenz schreibt Texte, Fahrzeuge übernehmen immer mehr Fahraufgaben, die Genschere CRISPR/Cas kann Erbgut gezielt verändern und ständig neue digitale Geräte werden produziert. Solche Entwicklungen können Probleme lösen, aber auch neue Probleme erzeugen. Manche Folgen sind beabsichtigt, andere entstehen überraschend. Genau hier setzt die Technikfolgenabschätzung an.

Technikfolgenabschätzung bedeutet nicht, die Zukunft sicher vorherzusagen. Sie untersucht wissenschaftlich und möglichst frühzeitig, welche Chancen, Risiken, Nebenfolgen und Handlungsoptionen mit einer Technik verbunden sein können. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag beschreibt als Ziel, Potenziale und Auswirkungen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen umfassend und vorausschauend zu analysieren und gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Chancen und Risiken auszuloten. Auch das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am KIT betont, dass Fortschritt sowohl Verbesserungen als auch unerwartete oder unerwünschte Folgen hervorbringen kann.

Zentrale Quellen: TAB – Aufgaben und Ziele und ITAS – Profil.

Das Bild des Szenario-Trichters macht eine wichtige Idee sichtbar: Je weiter Du in die Zukunft blickst, desto größer wird der Bereich plausibler Entwicklungen. Ein Szenario ist deshalb keine Vorhersage, sondern eine begründete Beschreibung einer möglichen Zukunft.

In diesem aiMOOC arbeitest Du mit vier Technikfeldern:

  1. Künstliche Intelligenz und Rechenzentren
  2. Autonomes Fahren
  3. CRISPR/Cas und Genomeditierung
  4. Elektroschrott, Reparatur und Kreislaufwirtschaft

Du lernst dabei nicht nur Fakten. Du sollst Aussagen prüfen, Quellen vergleichen, Unsicherheiten erkennen, unbeabsichtigte Folgen untersuchen und Entscheidungen unter unvollständigem Wissen begründen.


Differenzierung G/M/E

G – grundlegendes Niveau: Du erkennst Chancen und Risiken, beschreibst direkte Folgen und unterscheidest Fakten von Vermutungen.

M – mittleres Niveau: Du vergleichst mehrere Folgen, bewertest Quellen, untersuchst indirekte Auswirkungen und begründest Entscheidungen mit Kriterien.

E – erweitertes Niveau: Du analysierst Zielkonflikte, Unsicherheiten, Rückkopplungen und Verteilungswirkungen, entwickelst Szenarien und reflektierst, welche Annahmen Deine Entscheidung verändern würden.


Was ist eine Technikfolge?

Eine Technikfolge ist eine Veränderung, die durch Entwicklung, Einführung oder Nutzung einer Technik mitverursacht wird. Dabei solltest Du mehrere Dimensionen unterscheiden.

Perspektive Leitfrage Beispiel
technisch Funktioniert die Technik zuverlässig? Erkennt ein autonomes Fahrzeug Hindernisse bei Regen?
ökologisch Wie verändern sich Energie-, Rohstoff- oder Flächenverbrauch? Wie viel Strom benötigen Rechenzentren?
wirtschaftlich Wer trägt Kosten und wer gewinnt wirtschaftlich? Werden neue Arbeitsplätze geschaffen oder Tätigkeiten automatisiert?
gesellschaftlich Wie verändern sich Alltag, Teilhabe und Machtverhältnisse? Können alle Menschen eine neue Therapie erhalten?
ethisch Welche Werte und Rechte sind betroffen? Darf man vererbbare Veränderungen am menschlichen Genom vornehmen?
rechtlich Welche Regeln und Verantwortlichkeiten sind nötig? Wer haftet nach einem Unfall mit automatisiertem Fahrzeug?


Direkte, indirekte und unbeabsichtigte Folgen

Direkte Folgen entstehen unmittelbar durch den Einsatz einer Technik. Ein energieeffizienterer Chip benötigt beispielsweise weniger Strom pro Rechenoperation.

Indirekte Folgen entstehen über weitere Veränderungen. Wenn KI-Systeme günstiger und leichter nutzbar werden, kann ihre Nutzung stark steigen. Dann kann der gesamte Stromverbrauch trotz effizienterer Chips wachsen.

Unbeabsichtigte Folgen waren nicht das eigentliche Ziel einer technischen Entwicklung. Ein Navigationssystem soll Fahrzeiten verkürzen. Wenn sehr viele Menschen dieselbe Abkürzung vorgeschlagen bekommen, können jedoch neue Staus in Wohngebieten entstehen.

Ein wichtiges Muster ist der Rebound-Effekt: Eine Effizienzsteigerung senkt zunächst den Verbrauch pro Nutzung, kann aber zu häufigerer Nutzung führen. Dadurch wird ein Teil der Einsparung wieder aufgehoben.


Belegt, projiziert oder spekulativ?

Bei Technikfolgen musst Du besonders genau auf die Art einer Aussage achten.

Aussageart Kennzeichen Beispiel
belegt Messung, dokumentierte Beobachtung oder belastbare Studie Im Jahr 2022 entstanden weltweit rund 62 Millionen Tonnen Elektroschrott.
modellbasiert oder projiziert Ergebnis eines Modells mit Annahmen Der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren könnte bis 2030 stark steigen.
plausibles Szenario mögliche Entwicklung, die mit Argumenten begründet wird Autonome Shuttles könnten privaten Autobesitz in Städten teilweise ersetzen.
Spekulation Behauptung ohne ausreichende Belege oder nachvollziehbare Annahmen Im Jahr 2035 werden alle Menschen nur noch von Robotern gefahren.

Merksatz: Eine präzise Zahl kann trotzdem eine Projektion sein. Und eine überzeugend klingende Zukunftsgeschichte ist noch kein Beweis.


Werkzeug: Der Evidenz-Check

Prüfe eine technische Aussage mit fünf Fragen:

  1. Quelle: Wer macht die Aussage?
  2. Daten: Welche Messungen oder Beobachtungen liegen vor?
  3. Methode: Wie wurden Daten erhoben oder modelliert?
  4. Grenzen: Für welche Orte, Zeiten und Personengruppen gilt die Aussage?
  5. Unsicherheit: Was ist bekannt, was nur wahrscheinlich und was offen?


Werkzeug: Folgenmatrix

Eine gute Technikfolgenabschätzung fragt nicht nur „gut oder schlecht?“, sondern ordnet Folgen systematisch.

Folge Chance oder Risiko direkt oder indirekt kurz- oder langfristig Betroffene Beleglage
weniger schmerzhafte Krankheitskrisen nach einer Gentherapie Chance direkt mittel- bis langfristig Patientinnen und Patienten klinische Studiendaten
höherer Strombedarf durch wachsende Rechenzentren Risiko oder Zielkonflikt indirekt mittel- bis langfristig Stromsystem, Gesellschaft Messdaten plus Projektionen
zusätzliche Leerfahrten autonomer Fahrzeuge mögliches Risiko indirekt langfristig Verkehrssystem abhängig vom Nutzungskonzept


Fallstudie 1: Künstliche Intelligenz und Energie

Generative KI läuft nicht „in der Wolke“, sondern auf realen Servern in Rechenzentren. Diese benötigen elektrische Energie für Rechenprozesse, Speicher, Netzwerke und Kühlung.

Die Internationale Energieagentur IEA berichtete für 2024 einen weltweiten Stromverbrauch von Rechenzentren von ungefähr 415 TWh, etwa 1,5 Prozent des globalen Stromverbrauchs. Für 2030 modelliert sie im Basisszenario etwa 945 TWh. Die erste Zahl ist eine Schätzung für ein vergangenes Jahr. Die zweite ist eine Projektion und hängt unter anderem davon ab, wie schnell KI genutzt wird, wie effizient Hardware und Software werden und wie viele Rechenzentren gebaut werden.

Quelle: IEA: Energy and AI – Executive Summary.

Medienauftrag: Das IEA-Video fragt „How much electricity does AI actually use?“. Notiere beim Ansehen getrennt:

  1. eine beobachtete Zahl,
  2. eine Prognose,
  3. eine Unsicherheit.


Chancen von KI

KI kann Muster in großen Datenmengen erkennen, Übersetzungen unterstützen, bei Programmierung helfen, wissenschaftliche Daten auswerten und technische Systeme optimieren. Auch im Energiesystem kann KI zur Prognose von Stromerzeugung oder zur Steuerung komplexer Netze beitragen.


Risiken und mögliche Nebenfolgen

Mehr KI-Nutzung kann den Strombedarf von Rechenzentren erhöhen. Lokal kann ein großes Rechenzentrum Netze, Wasserverbrauch für bestimmte Kühlsysteme oder Flächenplanung beeinflussen. Gleichzeitig werden Chips und Software effizienter.

Eine unbeabsichtigte Folge kann entstehen, wenn effizientere KI die Nutzung so stark verbilligt, dass insgesamt mehr Rechenleistung nachgefragt wird. Das wäre ein Rebound-Effekt.


Claim-Check KI

Aussage A: „Rechenzentren verbrauchten 2024 weltweit ungefähr 415 TWh Strom.“ Einordnung: belegbare, modellgestützte Bestandszahl der IEA.

Aussage B: „Rechenzentren werden 2030 ungefähr 945 TWh verbrauchen.“ Einordnung: Projektion des IEA-Basisszenarios, keine sichere Zukunftszahl.

Aussage C: „KI wird zwangsläufig das Stromnetz zusammenbrechen lassen.“ Einordnung: unbelegte Spekulation ohne konkrete Bedingungen.


Fallstudie 2: Autonomes Fahren

Beim automatisierten Fahren übernehmen Sensoren, Computer und Software Teile der Fahraufgabe. Dabei muss genau unterschieden werden, ob ein System nur unterstützt oder tatsächlich ohne menschliche Fahrerin oder menschlichen Fahrer fährt. Begriffe wie „autonom“ werden in Werbung und Medien manchmal ungenau verwendet.

Ein Hersteller von Robotaxis, Waymo, veröffentlicht laufend Sicherheitsdaten. Nach dem aktuellen Safety-Impact-Dashboard werden in den untersuchten Einsatzgebieten deutlich niedrigere Unfallraten mit Verletzungen gegenüber angepassten menschlichen Vergleichswerten berichtet. Diese Daten sind relevant, aber sie stammen von einem Unternehmen, das selbst ein Interesse am Erfolg der Technik hat. Außerdem gelten die Ergebnisse für bestimmte Städte, Fahrzeuge, Straßenarten und Betriebsbedingungen. Sie beweisen nicht, dass jedes autonome Fahrzeug überall sicherer ist.

Quelle: Waymo Safety Impact.

Quellenkritik-Auftrag: Das Video stammt vom Hersteller selbst. Finde zwei Informationen, die nützlich sein können, und zwei Gründe, warum Du für eine abschließende Bewertung zusätzlich unabhängige Quellen brauchst.


Chancen des automatisierten Fahrens

Mögliche Chancen sind weniger Unfälle durch Ablenkung oder Müdigkeit, mehr Mobilität für Menschen, die selbst nicht fahren können, sowie effizientere Verkehrsabläufe. Ob diese Chancen eintreten, hängt vom technischen System und vom Nutzungskonzept ab.


Risiken und unbeabsichtigte Folgen

Fehlerhafte Objekterkennung, Softwarefehler, schwierige Wettersituationen oder unklare Verantwortung können Risiken erzeugen. Daneben gibt es indirekte Folgen: Wenn Fahrten bequemer werden, könnten Menschen längere Strecken zurücklegen. Robotaxis können außerdem Leerfahrten erzeugen, wenn sie ohne Fahrgäste zur nächsten Person fahren. Dadurch könnte Verkehr trotz effizienterer Fahrzeugsteuerung zunehmen.

Diese zusätzlichen Verkehrsfolgen sind plausibel, aber ihre Größe ist nicht für jede Stadt belegt.


Nachricht versus wissenschaftlicher Beleg

Am 3. Februar 2026 berichtete Reuters über eine Anhörung zur Sicherheit selbstfahrender Fahrzeuge in den USA. Dabei standen sowohl von Waymo angegebene Sicherheitsvorteile als auch laufende Untersuchungen einzelner Vorfälle im Mittelpunkt. Eine Nachricht zeigt also eine aktuelle Debatte, ersetzt aber keine vollständige wissenschaftliche Auswertung.

Reuters: Waymo und Sicherheitsdebatte, 03.02.2026

Am 11. September 2026 berichtete Reuters über das politische Ziel Chinas, selbstfahrende Fahrzeuge bis 2030 in großer Zahl einzusetzen. Wichtig: Ein Ziel ist noch kein eingetretenes Ergebnis.

Reuters: China roadmap, 11.09.2026


Fallstudie 3: CRISPR/Cas und Genomeditierung

Mit CRISPR/Cas können bestimmte DNA-Abschnitte gezielt geschnitten und verändert werden. Die Technik kann in Forschung, Landwirtschaft und Medizin eingesetzt werden.

In der Europäischen Union erhielt Casgevy 2024 eine bedingte Zulassung für bestimmte Patientinnen und Patienten mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie oder schwerer Sichelzellkrankheit. Bei einer von der EMA beschriebenen Studie mit schwerer Sichelzellkrankheit blieben 28 von 29 behandelten Personen mindestens zwölf aufeinanderfolgende Monate ohne schmerzhafte Krisen. Die EMA betont zugleich Unsicherheiten, die geringe Größe der Studien und die langfristige Sicherheitsbeobachtung.

Quelle: EMA: Casgevy.


Chance und Grenze zugleich

Die Chance ist konkret: Für bestimmte schwere Krankheiten kann eine einmalige genetische Veränderung körpereigener Blutstammzellen einen großen gesundheitlichen Nutzen bringen.

Die Grenze ist ebenfalls konkret: Aus kleinen klinischen Studien darf nicht geschlossen werden, dass die Methode für alle Krankheiten sicher oder wirksam ist. Langzeitfolgen müssen weiter beobachtet werden. Die WHO fordert deshalb robuste Aufsicht, internationale Zusammenarbeit und ethische Regeln.

Quelle: WHO: Human genome editing – recommendations.


Somatische Veränderung und Keimbahn

Bei einer somatischen Genomeditierung werden Körperzellen eines behandelten Menschen verändert. Diese Veränderung wird normalerweise nicht an Nachkommen vererbt.

Bei einer Veränderung der Keimbahn könnten genetische Änderungen an spätere Generationen weitergegeben werden. Deshalb sind die ethischen und gesellschaftlichen Folgen besonders weitreichend.

Spekulationswarnung: Aussagen wie „2035 gibt es Designerbabys mit frei wählbarer Intelligenz“ sind keine wissenschaftlich belegte Prognose. Zwischen einer technisch möglichen Veränderung einzelner DNA-Abschnitte und komplexen Merkmalen wie Intelligenz liegen sehr große biologische und gesellschaftliche Unterschiede.


Fallstudie 4: Elektronik, Elektroschrott und Kreislaufwirtschaft

Das Symbol der durchgestrichenen Mülltonne weist darauf hin, dass Elektro- und Elektronikgeräte getrennt gesammelt werden sollen.

Der Global E-waste Monitor 2024 berichtet: Im Jahr 2022 entstanden weltweit etwa 62 Milliarden Kilogramm Elektroschrott. Davon wurden nur 22,3 Prozent als formal gesammelt und umweltgerecht recycelt dokumentiert.

Quelle: ITU/UNITAR: Global E-waste Monitor 2024.


Lebenszyklus statt Einzelprodukt

Wenn Du die Folgen eines Smartphones, Tablets oder Laptops beurteilst, reicht es nicht, nur den Stromverbrauch während der Nutzung zu betrachten. Eine Lebenszyklusanalyse fragt nach Rohstoffgewinnung, Produktion, Transport, Nutzung, Reparatur, Wiederverwendung und Entsorgung.

Unbeabsichtigte Folge: Ein neues Gerät kann energieeffizienter sein als ein altes. Wenn aber sehr häufig funktionierende Geräte ersetzt werden, können Rohstoffbedarf, Produktion und Elektroschrott steigen. Deshalb muss Technikfolgenabschätzung den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen.


Datenlabor: Was sagen Zahlen wirklich?

Aussage Datentyp Was ist gut belegt? Was bleibt offen?
Rechenzentren: etwa 415 TWh Stromverbrauch 2024 IEA-Schätzung für ein vergangenes Jahr Größenordnung und globaler Trend genaue Abgrenzung einzelner KI-Anwendungen
Rechenzentren: etwa 945 TWh im Jahr 2030 IEA-Basisszenario plausible Entwicklung unter definierten Annahmen tatsächliche Nutzung, Effizienz, Energiepolitik
Elektroschrott: 62 Milliarden kg im Jahr 2022 globale Statistik sehr große Abfallmenge informelle und schlecht dokumentierte Ströme
formales Recycling von Elektroschrott: 22,3 Prozent dokumentierter globaler Anteil großer Abstand zwischen Abfallmenge und dokumentiertem Recycling Qualität des Recyclings unterscheidet sich regional
CRISPR-Therapie zeigte bei 28 von 29 untersuchten Personen mindestens zwölf Monate ohne Schmerzkrise klinische Studie, EMA-Zusammenfassung Wirksamkeit in der untersuchten Gruppe Langzeitwirkung, seltene Nebenwirkungen, Übertragbarkeit
autonome Waymo-Fahrzeuge zeigen niedrigere Verletzungsunfallraten als Vergleichswerte Betriebsdaten und Vergleichsmodell positives Sicherheitssignal in untersuchten Gebieten Übertragbarkeit auf andere Systeme, Städte und Bedingungen


Nachrichtenlabor: Schlagzeile, Daten, Unsicherheit

Techniknachrichten sind wichtig, weil sie zeigen, welche Entwicklungen gerade stattfinden. Aber Nachrichten enthalten häufig Ziele, Prognosen, Unternehmensangaben oder einzelne Ereignisse. Deshalb müssen sie geprüft werden.

Nachricht 1 – Energie und KI: Reuters berichtete am 9. September 2026, dass die US-Energiebehörde EIA für 2026 und 2027 Rekordwerte beim Stromverbrauch erwartet und Rechenzentren mit KI-Anwendungen zu den Treibern zählt. Das ist eine amtliche Prognose, keine Messung zukünftiger Werte. Reuters, 09.09.2026

Nachricht 2 – automatisiertes Fahren: Reuters berichtete am 11. September 2026 über Chinas Ziel einer breiten Einführung selbstfahrender Fahrzeuge bis 2030. Das ist ein politisch-technologischer Fahrplan, keine Garantie für Erfolg. Reuters, 11.09.2026

Nachricht 3 – Sicherheitsdebatte: Reuters berichtete am 3. Februar 2026 zugleich über positive Sicherheitsangaben und laufende Untersuchungen zu einzelnen Vorfällen bei autonomen Fahrzeugen. Das zeigt, warum Technikfolgenabschätzung widersprüchliche Hinweise gemeinsam betrachten muss. Reuters, 03.02.2026


Medienkompetenz: Eine Nachricht zerlegen

Prüfe bei jeder Nachricht:

  1. Welche Aussage ist eine beobachtete Tatsache?
  2. Welche Aussage ist eine Prognose oder ein Ziel?
  3. Welche Quelle liefert die Zahl?
  4. Wer hat möglicherweise ein eigenes Interesse?
  5. Welche Information fehlt für eine sichere Bewertung?


Zukunftsszenarien 2035

Die folgenden Szenarien sind keine Vorhersagen. Sie zeigen mögliche Entwicklungspfade, damit Du Folgen systematisch durchdenken kannst.


Szenario A: Gestaltete Innovation

Staaten, Unternehmen und Gesellschaft setzen auf Transparenz, Sicherheitsstandards, Reparierbarkeit und unabhängige Prüfungen. KI-Rechenzentren werden stärker an verfügbare Netze und erneuerbare Energien angepasst. Autonome Fahrzeuge werden zunächst in klar begrenzten Einsatzgebieten zugelassen. Genomeditierung bleibt medizinisch streng kontrolliert. Elektronik wird länger genutzt und leichter repariert.

Mögliche Folge: Innovation verläuft langsamer, aber Risiken können früher erkannt und begrenzt werden.


Szenario B: Beschleunigung zuerst

Neue Systeme werden möglichst schnell eingesetzt. Wettbewerb treibt Investitionen in KI, Robotaxis und Biotechnologie. Gerätezyklen bleiben kurz.

Mögliche Chance: Neue Anwendungen verbreiten sich schnell.

Mögliches Risiko: Infrastruktur, Regulierung und gesellschaftliche Regeln reagieren zu spät auf Nebenfolgen.


Szenario C: Nutzung verändert Technikfolgen

Nicht die Technik selbst, sondern das Verhalten der Menschen entscheidet stark über Folgen. Autonome Shuttles ersetzen in einer Stadt viele Privatfahrten, in einer anderen Stadt erzeugen Robotaxis zusätzliche Leerfahrten. KI unterstützt energiesparende Prozesse, führt aber zugleich zu stark wachsender Rechenleistung. Reparierbare Geräte werden angeboten, aber nur selten repariert.

Kernaussage: Technikfolgen hängen oft vom Zusammenspiel aus Technik, Regeln, Geschäftsmodellen und Verhalten ab.


Interaktive Entscheidungswerkstatt


Entscheidung 1: KI-Assistent an der Schule

Eine Schule möchte einen KI-Assistenten für Hausaufgaben, Übersetzungen und Programmierhilfe einführen.

G-Auftrag: Nenne je zwei Chancen und zwei Risiken.

M-Auftrag: Bewerte die Einführung nach den Kriterien Lerngewinn, Datenschutz, Energiebedarf, Fairness und Kontrollierbarkeit. Entscheide: sofort einführen, Pilotprojekt starten oder vorerst nicht einführen.

E-Auftrag: Formuliere Bedingungen, unter denen Deine Entscheidung kippen würde. Beispiel: Welche neue Evidenz zu Lernwirkung oder Datenschutz wäre entscheidend?


Entscheidung 2: Robotaxi-Pilot in einer Stadt

Eine Stadt erwägt einen zwölfmonatigen Robotaxi-Pilotversuch.

Kriterium mögliche Messgröße offene Frage
Sicherheit Unfälle und Verletzungen pro Fahrleistung Ist der Vergleich mit menschlichem Verkehr fair?
Verkehr zusätzliche oder eingesparte Fahrzeugkilometer Wie viele Leerfahrten entstehen?
Teilhabe Nutzung durch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen Wer kann den Dienst bezahlen?
Klima Energieverbrauch pro Personenkilometer Ersetzt der Dienst Auto-, Bus-, Rad- oder Fußwege?
Akzeptanz Beschwerden und Befragungen Welche Gruppen wurden befragt?

G-Auftrag: Wähle die drei wichtigsten Kriterien.

M-Auftrag: Vergib für jedes Kriterium eine Gewichtung und begründe sie.

E-Auftrag: Entwirf eine Abbruchregel für den Pilotversuch. Sie muss messbar sein und darf nicht nur „wenn es gefährlich wird“ lauten.


Entscheidung 3: CRISPR-Therapie finanzieren

Ein Gesundheitssystem muss entscheiden, wie eine neue, sehr aufwendige Genomtherapie finanziert wird.

G-Auftrag: Erkläre, warum „wirksam“ und „für alle verfügbar“ zwei verschiedene Fragen sind.

M-Auftrag: Vergleiche Nutzen, Risiken, Kosten, Zugangsgerechtigkeit und Langzeitunsicherheit.

E-Auftrag: Entwickle ein gerechtes Verfahren, mit dem knappe Therapieplätze vergeben werden könnten. Begründe Deine Kriterien ethisch.


Entscheidung 4: Tablets ersetzen oder reparieren?

Eine Schule besitzt 600 Tablets. Nach vier Jahren funktionieren 480 noch gut, 80 benötigen neue Akkus und 40 sind nicht mehr reparierbar.

G-Auftrag: Welche Geräte sollten zuerst repariert werden?

M-Auftrag: Entwickle eine Regel, die Kosten, Nutzungsdauer und Elektroschrott berücksichtigt.

E-Auftrag: Prüfe, ob ein neues, energieeffizienteres Tablet trotz Herstellungsaufwand ökologisch sinnvoll sein könnte. Welche Lebenszyklusdaten fehlen Dir?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist das wichtigste Ziel der Technikfolgenabschätzung? (Chancen Risiken und Handlungsoptionen systematisch untersuchen) (!Eine Technik grundsätzlich verbieten) (!Die Zukunft exakt vorhersagen) (!Nur technische Funktionsfehler suchen)




Welche Aussage ist eine Projektion? (Ein Modell schätzt für 2030 einen höheren Stromverbrauch von Rechenzentren) (!Im Jahr 2022 entstanden weltweit 62 Milliarden Kilogramm Elektroschrott) (!Eine Studie beobachtete 28 von 29 behandelten Personen) (!Ein Messgerät erfasste gestern die Raumtemperatur)




Was ist eine unbeabsichtigte Technikfolge? (Eine Folge die nicht das ursprüngliche Ziel der Technik war) (!Eine geplante Hauptfunktion) (!Eine mathematische Einheit) (!Eine Bedienungsanleitung)




Was beschreibt ein Rebound-Effekt? (Effizienz kann durch stärkere Nutzung teilweise aufgehoben werden) (!Jede neue Technik spart automatisch Energie) (!Eine Technik wird vollständig verboten) (!Ein Messwert wird absichtlich gefälscht)




Warum reicht eine Herstellerquelle allein oft nicht für eine Bewertung? (Weil zusätzliche unabhängige Quellen mögliche Interessenkonflikte ausgleichen) (!Weil Hersteller niemals Daten messen können) (!Weil Unternehmensdaten immer falsch sind) (!Weil nur Zeitungsartikel wissenschaftlich sind)




Welche Aussage zu CRISPR ist am besten belegt? (CRISPR kann gezielt DNA Abschnitte verändern) (!CRISPR wird bis 2035 alle Erbkrankheiten beseitigen) (!CRISPR macht Designerbabys sicher planbar) (!CRISPR hat keinerlei Risiken)




Was muss bei automatisiertem Fahren zusätzlich zur Fahrzeugsicherheit untersucht werden? (Auswirkungen auf Verkehrsmenge Teilhabe und Energieverbrauch) (!Nur die Farbe der Fahrzeuge) (!Nur die Höchstgeschwindigkeit) (!Nur die Zahl der Kameras)




Welche Zahl beschreibt den dokumentierten Anteil formal gesammelten und recycelten Elektroschrotts im Jahr 2022? (22 Komma 3 Prozent) (!2 Komma 3 Prozent) (!52 Komma 3 Prozent) (!92 Komma 3 Prozent)




Was ist ein Szenario in der Technikfolgenabschätzung? (Eine begründete Beschreibung einer möglichen Zukunft) (!Eine sichere Vorhersage) (!Eine reine Messung der Vergangenheit) (!Eine technische Bauanleitung)




Welche Frage gehört zu guter Quellenkritik? (Für welchen Zeitraum und welche Bedingungen gelten die Daten) (!Gefällt mir die Aussage) (!Ist die Überschrift besonders kurz) (!Hat die Quelle viele Bilder)





Memory

Technikfolgenabschätzung vorausschauende Analyse von Chancen und Risiken
Rebound-Effekt Effizienzgewinn wird durch Mehrnutzung teilweise aufgehoben
Projektion modellbasierte Aussage über eine mögliche Entwicklung
Evidenz überprüfbare Grundlage für eine Aussage
Szenario begründete mögliche Zukunft
Lebenszyklus Rohstoffgewinnung bis Entsorgung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Aussageart
Messwert beobachtete oder erhobene Größe
Projektion modellbasierte Zukunftsaussage
Szenario konsistente mögliche Zukunft
Spekulation Behauptung ohne ausreichende Beleglage
Nebenfolge nicht als Hauptziel beabsichtigte Wirkung






Kreuzworträtsel

Evidenz Wie heißt eine überprüfbare Grundlage für eine Behauptung?
Rebound Wie heißt der Effekt wenn Effizienz durch Mehrnutzung teilweise aufgehoben wird?
Szenario Wie heißt eine begründete mögliche Zukunft?
Recycling Wie heißt die Wiedergewinnung von Materialien aus Abfällen?
Risiko Wie heißt die Verbindung aus möglichem Schaden und Unsicherheit?
Prognose Wie heißt eine begründete Aussage über eine zukünftige Entwicklung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Technikfolgenabschätzung untersucht Chancen und

technischer Entwicklungen.
Eine Aussage über eine mögliche Zukunft auf Basis eines Modells nennt man

.
Eine begründete mögliche Zukunft wird als

bezeichnet.
Wenn Effizienz zu stärkerer Nutzung führt kann ein

entstehen.
Der Global E-waste Monitor dokumentierte für 2022 weltweit rund 62 Milliarden Kilogramm

.
Bei der Bewertung einer Quelle muss auch ihr möglicher

geprüft werden.
CRISPR kann gezielt Abschnitte der

verändern.
Eine Lebenszyklusanalyse betrachtet ein Produkt von der Rohstoffgewinnung bis zur

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Chancen-Risiken-Karte: Wähle eine Alltagstechnik und gestalte eine Karte mit mindestens drei Chancen, drei Risiken und einer unbeabsichtigten Folge. Niveau G
  2. Faktencheck: Suche zu einer Technik zwei überprüfbare Aussagen und eine Zukunftsbehauptung. Markiere belegt, projiziert oder spekulativ. Niveau G
  3. Medienanalyse: Untersuche ein Bild oder Video aus diesem aiMOOC und beschreibe, welche Information es vermittelt und welche Information fehlt. Niveau G
  4. Elektroschrott-Tagebuch: Erfasse eine Woche lang ausrangierte oder ungenutzte elektronische Geräte in Deinem Umfeld und entwickle drei Ideen zur längeren Nutzung. Niveau G


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche zu KI-Energieverbrauch eine Quelle einer internationalen Organisation mit einem Nachrichtenbericht. Untersuche Sprache, Daten und Unsicherheiten. Niveau M
  2. Robotaxi-Stadtrat: Simuliere mit Rollen aus Stadtverwaltung, Verkehrsunternehmen, Behindertenvertretung, Anwohnerschaft und Betreiber eine Entscheidung über einen Pilotversuch. Niveau M
  3. Lebenszyklus-Poster: Erstelle ein Poster zum Lebenszyklus eines Smartphones oder Tablets und kennzeichne mögliche Technikfolgen in jeder Phase. Niveau M
  4. CRISPR-Debatte: Entwickle Argumente für und gegen den Einsatz von Genomeditierung bei schweren Krankheiten und trenne medizinische von gesellschaftlichen Fragen. Niveau M


Schwer

  1. Szenario 2035: Entwickle drei verschiedene Zukunftsszenarien für eine der vier Technologien. Gib für jedes Szenario mindestens vier Annahmen an. Niveau E
  2. Entscheidungsmatrix: Erstelle eine gewichtete Bewertungsmatrix mit mindestens sechs Kriterien und vergleiche zwei technische Handlungsoptionen. Führe anschließend eine Sensitivitätsanalyse durch. Niveau E
  3. Unbeabsichtigte Folgen: Recherchiere einen historischen Fall, in dem eine Technik eine unerwartete Folge auslöste. Übertrage das Muster auf eine heutige Technologie. Niveau E
  4. Mini-Technikfolgenstudie: Führe Interviews mit mindestens drei Personen aus unterschiedlichen Perspektiven, ergänze zwei wissenschaftliche oder institutionelle Quellen und formuliere eine begründete Handlungsempfehlung mit Unsicherheiten. Niveau E




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferfall Schul-KI: Eine Schule möchte einen KI-Assistenten verpflichtend einführen. Entwickle eine Empfehlung, in der Du mindestens vier Kriterien gewichtest und zwischen belegten Aussagen, Annahmen und offenen Fragen unterscheidest.
  2. Transferfall Mobilität: Eine Stadt meldet nach Einführung autonomer Shuttles weniger Unfälle, aber mehr gefahrene Kilometer. Erkläre, warum beide Beobachtungen gleichzeitig möglich sind und welche zusätzlichen Daten Du brauchst.
  3. Transferfall Medizin: Eine neue Genomtherapie zeigt starke Wirkung in einer kleinen Studie. Begründe, warum daraus weder eine sofortige Ablehnung noch eine uneingeschränkte Freigabe folgt.
  4. Transferfall Elektronik: Ein Hersteller wirbt damit, dass sein neues Tablet 20 Prozent weniger Strom verbraucht. Entwickle mindestens drei Fragen, die Du stellen musst, bevor Du daraus auf eine bessere Umweltbilanz schließt.
  5. Unsicherheitsanalyse: Nimm eine Zukunftsaussage aus einer aktuellen Nachricht und formuliere zwei Bedingungen, unter denen sie wahrscheinlicher, sowie zwei Bedingungen, unter denen sie unwahrscheinlicher wird.
  6. Quellenhierarchie: Ordne Herstellerangabe, Peer-Review-Studie, Behördenbericht, Nachricht und Social-Media-Post nicht pauschal nach „gut“ oder „schlecht“, sondern erkläre, wofür jede Quelle nützlich sein kann und wo ihre Grenzen liegen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:

  1. Technikfolgenabschätzung als systematische Untersuchung von Chancen, Risiken und Handlungsoptionen erklären kannst.
  2. direkte, indirekte und unbeabsichtigte Technikfolgen unterscheiden kannst.
  3. belegte Aussagen, Projektionen, Szenarien und Spekulationen voneinander trennen kannst.
  4. Quellen hinsichtlich Datenbasis, Methode, Interessen und Grenzen bewerten kannst.
  5. an mindestens zwei Technologien Chancen und Risiken mit konkreten Belegen darstellen kannst.
  6. einen Rebound-Effekt oder eine andere Rückkopplung erklären kannst.
  7. eine Entscheidungsmatrix oder vergleichbare Bewertungsmethode anwenden kannst.
  8. Unsicherheiten offen benennen und dennoch eine begründete Handlungsempfehlung formulieren kannst.
  9. erklären kannst, warum Technikfolgen oft von Nutzung, Regulierung und Geschäftsmodellen abhängen.
  10. zwischen einem Zukunftsszenario und einer sicheren Vorhersage unterscheiden kannst.




OERs zum Thema

Weitere frei zugängliche Quellen:

  1. Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag
  2. Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse
  3. IEA – Energy and AI
  4. Global E-waste Monitor 2024
  5. WHO – Human genome editing recommendations
  6. EMA – Casgevy


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