NWT9 - Präsentation proben und verbessern

NWT9 - Präsentation proben und verbessern
Einleitung
Eine gute Präsentation entsteht selten in einem einzigen Durchgang. Entscheidend ist ein Probenzyklus: Du führst Deine Präsentation vollständig durch, misst die Zeit, beobachtest Dich selbst, holst gezieltes Feedback ein, triffst begründete Verbesserungsentscheidungen und probst erneut. Genau darum geht es in diesem aiMOOC für Klasse 9 im Fach NWT.
Im NWT-Unterricht kommt noch etwas hinzu: Du präsentierst häufig Experimente, Messdaten, Modelle, technische Lösungen oder Projektprodukte. Deshalb müssen nicht nur Stimme und Auftreten überzeugen. Auch fachliche Richtigkeit, verständliche Erklärungen, sinnvolle Visualisierungen und ein sicherer Umgang mit Daten, Einheiten und Fachbegriffen gehören zu einer gelungenen Präsentation.
Du trainierst hier eine Generalprobe unter realistischen Bedingungen. Dabei verbindest Du Zeitmanagement, Rhetorik, Körpersprache, Lampenfieber, Peer-Feedback, Selbstreflexion und – wenn es im Unterricht erlaubt und sinnvoll ist – KI-Feedback. Wichtig ist: Feedback entscheidet nicht automatisch, was Du ändern musst. Du entscheidest selbst und begründest Deine Entscheidung mit Beobachtungen und Kriterien.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du eine Präsentation unter möglichst realistischen Bedingungen proben, ihre Dauer messen, konkrete Stärken und Probleme erkennen und gezielt überarbeiten. Du kannst zwischen Eindruck und Beobachtung unterscheiden, Rückmeldungen anderer prüfen und widersprüchliche Hinweise gegeneinander abwägen.
| Niveau | Was Du am Ende können sollst |
|---|---|
| G | Du führst eine vollständige Probe durch, misst die Zeit, nutzt ein einfaches Kriterienraster und setzt mindestens zwei konkrete Verbesserungen um. |
| M | Du wertest eine Videoaufnahme kriteriengeleitet aus, vergleichst Selbst- und Peer-Feedback und begründest, welche Änderungen besonders wichtig sind. |
| E | Du vergleichst mehrere Feedbackquellen, prüfst widersprüchliche Rückmeldungen anhand von Belegen, testest unterschiedliche Varianten und begründest Deine endgültigen Verbesserungsentscheidungen. |
Präsentationen verbessern: der Probenzyklus
Eine Probe ist besonders wirksam, wenn sie nicht nur dazu dient, den Text noch einmal zu sprechen. Du brauchst einen Kreislauf aus Durchführen – Beobachten – Rückmelden – Entscheiden – Überarbeiten – erneut testen.

Ein sinnvoller Probenzyklus kann so aussehen:
- Generalprobe: Präsentiere vollständig und möglichst ohne Unterbrechung.
- Zeitmessung: Stoppe die Gesamtzeit und wichtige Zwischenzeiten.
- Videoanalyse: Suche konkrete Beobachtungen statt allgemeiner Eindrücke.
- Selbstfeedback: Bewerte Dich mit festgelegten Kriterien.
- Peer-Feedback: Lass mindestens eine andere Person dieselben Kriterien verwenden.
- KI-Feedback: Nutze es nur optional, mit geeigneten Daten und klaren Kriterien.
- Überarbeitung: Wähle wenige, aber wirkungsvolle Änderungen aus.
- Erprobung: Führe eine zweite Probe durch und prüfe, ob sich die gewünschte Wirkung wirklich verbessert hat.
Drei Proben mit unterschiedlichem Schwerpunkt
| Probe | Schwerpunkt | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Probe 1 | Inhalt und Ablauf | Kann ich den roten Faden ohne dauerndes Ablesen erklären? | Erste Liste mit Unsicherheiten und fehlenden Übergängen |
| Probe 2 | Generalprobe mit Zeitmessung und Video | Funktioniert die Präsentation unter realistischen Bedingungen? | Messwerte, Video-Beobachtungen und Kriterienraster |
| Probe 3 | Überarbeitete Fassung | Haben meine Änderungen tatsächlich etwas verbessert? | Vorher-Nachher-Vergleich und begründete Endfassung |
Die Generalprobe
Eine Generalprobe ist ein vollständiger Durchlauf. Verwende dabei möglichst dieselben Medien, Folien, Modelle, Versuchsteile oder Demonstrationen, die Du später einsetzen willst. Stoppe nicht nach jedem kleinen Fehler. Gerade Versprecher, vergessene Übergänge oder technische Probleme zeigen Dir, was Du noch trainieren musst.
Das TED-Ed-Video zeigt verschiedene Wege, eine Präsentation vorzubereiten und so zu proben, dass sie nicht nur auswendig aufgesagt wirkt. Aktiviere bei Bedarf Untertitel.
Rollen bei einer Generalprobe
| Rolle | Aufgabe |
|---|---|
| Präsentierende Person | Präsentiert vollständig und versucht, kleine Fehler selbst aufzufangen. |
| Zeitwächterin oder Zeitwächter | Misst Gesamtzeit und vereinbarte Zwischenzeiten. |
| Beobachterin oder Beobachter | Notiert konkrete Beispiele zu Verständlichkeit, Wirkung und Medieneinsatz. |
| Technik-Check | Prüft Sichtbarkeit, Ton, Folienwechsel, Modell oder Versuchsanordnung. |
Bei kleinen Gruppen können einzelne Personen mehrere Rollen übernehmen.
Generalproben-Regel
Unterbrich die Probe nur bei einem Problem, das die Fortsetzung wirklich unmöglich macht. Ein kleiner Versprecher, eine kurze Pause oder ein falsches Wort sind kein Grund zum Neustart. Die Fähigkeit, nach einer Störung ruhig weiterzumachen, gehört zur Präsentationskompetenz.
Videoaufnahme als Lernwerkzeug
Eine Videoaufnahme kann Dir Beobachtungen zeigen, die Du während des Sprechens kaum wahrnimmst. Verwende Aufnahmen aber nur im vereinbarten schulischen Rahmen. Nimm möglichst nur Personen auf, die der Aufnahme zugestimmt haben, vermeide unnötige private Informationen im Bild und gib die Aufnahme nicht unkontrolliert weiter.
Technischer Kurzcheck vor der Aufnahme
- Kamera: Stelle sie stabil und möglichst auf Augenhöhe auf.
- Ton: Mache vor der Generalprobe eine kurze Testaufnahme.
- Bildausschnitt: Wähle ihn so, dass Haltung und wichtige Gesten erkennbar sind.
- Hintergrund: Vermeide unnötige personenbezogene oder private Informationen.
- Speicherung: Kläre, wo die Aufnahme gespeichert wird und wann sie nicht mehr benötigt wird.
Die Drei-Durchgänge-Methode der Videoanalyse
Durchgang 1 – ohne Ton: Beobachte Haltung, Bewegungen, Blickrichtung, Gesten und den Umgang mit Medien. Frage Dich: Wirke ich zum Publikum orientiert oder hauptsächlich zur Leinwand?
Durchgang 2 – nur auf den Ton achten: Beobachte Lautstärke, Tempo, Pausen, Betonung, Füllwörter und deutliches Sprechen. Frage Dich: Klingen besonders wichtige Aussagen auch besonders wichtig?
Durchgang 3 – vollständig: Prüfe Inhalt, Verständlichkeit, Wirkung und Zusammenspiel der Medien. Notiere Zeitstempel zu auffälligen Stellen, zum Beispiel „02:35 – Fachbegriff wird verwendet, aber nicht erklärt“.
Beobachtung statt Bauchgefühl
Die Aussage „Ich wirke unsicher“ ist zunächst nur ein Eindruck. Eine bessere Beobachtung lautet: „Zwischen Minute 1:10 und 1:40 schaue ich fünfmal zur Folie und fast nicht zum Publikum.“ Solche konkreten Beobachtungen helfen Dir, eine passende Veränderung auszuwählen.
Zeitmanagement trainieren

Eine Präsentation kann fachlich sehr gut sein und trotzdem an der Zeit scheitern. Deshalb gehört die Zeitmessung in jede Generalprobe. Miss nicht nur die Gesamtzeit. Lege Zeitmarken fest, an denen Du erkennen kannst, ob Du zu schnell oder zu langsam bist.
Zeitplan mit Kontrollpunkten
Eine mögliche Startverteilung für eine Präsentation ist: kurzer Einstieg, größter Zeitanteil für den Hauptteil und ein klarer Schluss. Die genaue Verteilung hängt von Deinem Thema ab.
| Abschnitt | Geplante Dauer | Tatsächliche Dauer Probe 1 | Tatsächliche Dauer Probe 2 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Einstieg und Leitfrage | ||||
| Erklärung 1 | ||||
| Erklärung 2 oder Versuch | ||||
| Auswertung oder Ergebnis | ||||
| Schluss |
Wenn Du zu lange brauchst
Kürze zuerst Wiederholungen, Nebendetails und lange Formulierungen. Prüfe, ob jede Folie wirklich zur Leitfrage beiträgt. Bei NWT-Präsentationen solltest Du zentrale Versuchsschritte, wichtige Messdaten und die eigentliche Auswertung nicht einfach streichen. Entscheide stattdessen, welche Details für das Verständnis unverzichtbar sind.
Wenn Du deutlich zu kurz bist
Füge nicht einfach Fülltext hinzu. Prüfe, ob wichtige Erklärschritte fehlen. Häufig helfen ein konkretes Beispiel, eine verständliche Erklärung einer Ursache-Wirkungs-Beziehung, eine kurze Deutung eines Diagramms oder die Begründung einer technischen Entscheidung.
Zeit-Notfallplan
Lege vor der echten Präsentation fest, was Du bei Zeitdruck kürzen kannst. Markiere optionale Beispiele oder Zusatzdetails. So musst Du während des Vortrags nicht spontan entscheiden, welche fachlich wichtigen Teile Du streichst.
Verständlichkeit verbessern
Eine verständliche Präsentation hat eine erkennbare Kernidee. Das Publikum sollte jederzeit wissen, worum es gerade geht und wie der aktuelle Abschnitt zur Leitfrage gehört.
Das TED-Ed-Video zum klaren Kommunizieren betont die Bedeutung einer verbindenden Hauptidee. Übertrage das auf Deine NWT-Präsentation: Formuliere eine Leitfrage oder Kernaussage, zu der Deine Beispiele, Daten und Ergebnisse erkennbar zurückführen.
Der 20-Sekunden-Kerngedanke
Beantworte ohne Folien in höchstens wenigen Sätzen:
Was sollen die Zuhörenden nach meiner Präsentation verstanden haben?
Wenn Du diese Frage nicht klar beantworten kannst, ist der rote Faden wahrscheinlich noch nicht deutlich genug.
Verständlich erklären statt nur Fachbegriffe nennen
Fachbegriffe sind wichtig, aber sie müssen zum Verständnis beitragen. Eine gute Erklärung verbindet Begriff, Bedeutung und Beispiel. Besonders bei Experimenten hilft die Reihenfolge Beobachtung – Auswertung – Erklärung. Bei technischen Lösungen kann die Reihenfolge Problem – Anforderung – Lösung – Begründung – Bewertung sinnvoll sein.
Verständlichkeits-Check
| Frage | Ja | Teilweise | Noch nicht |
|---|---|---|---|
| Ist die Leitfrage früh erkennbar? | |||
| Werden wichtige Fachbegriffe erklärt? | |||
| Sind Übergänge zwischen Abschnitten hörbar? | |||
| Werden Diagramme und Bilder erklärt statt nur gezeigt? | |||
| Ist die Schlussfolgerung aus den Daten nachvollziehbar? | |||
| Passt jede Folie oder jedes Medium zur Kernaussage? |
Stimme, Körpersprache und Blickkontakt

Stimme und Körpersprache unterstützen den Inhalt. Sie sollten aber nicht zu einer künstlichen Show werden. Ziel ist eine Sprechweise, mit der wichtige Aussagen klar hervortreten und das Publikum Deiner Argumentation folgen kann.
Achte beim Anschauen besonders auf die Verbindung zwischen Stimme, Bedeutung und Körpersprache.
Beobachtbare Kriterien
| Bereich | Beobachtbare Frage |
|---|---|
| Lautstärke | Ist die Stimme auch hinten im Raum gut hörbar? |
| Tempo | Gibt es Stellen, an denen Erklärungen zu schnell werden? |
| Pausen | Lässt Du nach wichtigen Aussagen kurze Denkzeit? |
| Betonung | Werden Schlüsselbegriffe hörbar hervorgehoben? |
| Blickkontakt | Blickst Du regelmäßig ins Publikum statt dauerhaft auf Folien oder Notizen? |
| Haltung | Stehst Du stabil und bewegst Dich zielgerichtet? |
| Gestik | Unterstützen Gesten Erklärungen oder lenken sie eher ab? |
Stimme als Werkzeug
Julian Treasure zeigt verschiedene Möglichkeiten, Stimme bewusster einzusetzen. Übernimm nicht einfach jede Technik. Wähle höchstens ein oder zwei Punkte aus, die zu Deiner Präsentation passen, und teste ihre Wirkung in einer neuen Probe.
Mit Nervosität und Lampenfieber umgehen
Lampenfieber bezeichnet Aufregung oder Anspannung vor einem öffentlichen Auftritt. Ein gewisses Maß an Aktivierung vor einer Präsentation ist nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist, dass Du eine Routine entwickelst, mit der Du trotz Nervosität handlungsfähig bleibst.
Deine persönliche Vorstart-Routine
- Vorbereitung: Technik, Material und erste Folie rechtzeitig bereitlegen.
- Atmung: Atme einige Male ruhig und langsam aus, statt hektisch zu sprechen.
- Stand: Stelle beide Füße stabil auf und richte Dich zum Publikum aus.
- Einstieg: Übe besonders die ersten Sätze so gut, dass Du sicher beginnen kannst.
- Fokus: Konzentriere Dich auf Deine Botschaft und nicht darauf, perfekt zu wirken.
- Fehlerstrategie: Plane einen Satz wie „Ich formuliere das noch einmal“, damit ein Versprecher nicht zum Abbruch führt.
Nervositäts-Skala vor und nach der Probe
Bewerte Deine Nervosität vor der Probe und direkt danach von 0 bis 5.
| Zeitpunkt | 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | Kurze Begründung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Vor Probe 1 | |||||||
| Nach Probe 1 | |||||||
| Vor Probe 2 | |||||||
| Nach Probe 2 |
Die Zahl ist kein Leistungsurteil. Interessant ist, welche Bedingungen Dir helfen und welche Situationen Deine Nervosität verstärken.
Kriterienraster für die Generalprobe
Ein Kriterienraster macht Feedback vergleichbarer. Die Niveaus G, M und E zeigen unterschiedlich anspruchsvolle Bearbeitungstiefen.
| Kriterium | G – grundlegend | M – mittleres Niveau | E – erweitertes Niveau |
|---|---|---|---|
| Kernaussage | Das Thema und die Hauptaussage sind erkennbar. | Die Leitfrage verbindet die wichtigsten Abschnitte. | Die Präsentation priorisiert Informationen konsequent nach einer klaren Kernidee. |
| Struktur | Anfang, Hauptteil und Schluss sind erkennbar. | Übergänge erklären, wie die Abschnitte zusammenhängen. | Aufbau und Übergänge unterstützen gezielt Argumentation und Wirkung. |
| Fachliche Richtigkeit | Zentrale Aussagen und Begriffe sind korrekt. | Aussagen werden durch passende Daten, Modelle oder Beispiele erklärt. | Grenzen, Unsicherheiten oder alternative Deutungen werden angemessen berücksichtigt. |
| Verständlichkeit | Wichtige Begriffe werden erklärt. | Schwierige Zusammenhänge werden schrittweise und adressatengerecht erklärt. | Erklärweise wird an möglichen Verständnisproblemen des Publikums ausgerichtet. |
| Visualisierung | Folien, Bilder oder Modelle sind lesbar und passend. | Medien werden aktiv erklärt und mit dem Gesprochenen verknüpft. | Medien reduzieren Komplexität und unterstützen gezielt die Argumentation. |
| Stimme und Sprache | Lautstärke und Aussprache sind überwiegend verständlich. | Tempo, Pausen und Betonung unterstützen wichtige Aussagen. | Stimme wird bewusst variiert, ohne künstlich zu wirken. |
| Körpersprache | Haltung und Blickkontakt ermöglichen Kontakt zum Publikum. | Gestik und Bewegung unterstützen den Vortrag. | Körpersprache wird gezielt an Inhalt, Raum und Publikum angepasst. |
| Zeitmanagement | Die vorgegebene Zeit wird ungefähr eingehalten. | Zwischenzeiten werden kontrolliert und die Gewichtung der Abschnitte passt. | Ein flexibler Kürzungs- und Erweiterungsplan ermöglicht sicheres Reagieren. |
| Umgang mit Fragen | Fragen werden angehört und möglichst beantwortet. | Antworten beziehen sich klar auf die Frage und bleiben fachlich nachvollziehbar. | Unsicherheiten werden transparent benannt und Antworten sinnvoll eingegrenzt oder weitergeführt. |
| Überarbeitung | Mindestens zwei konkrete Verbesserungen werden umgesetzt. | Verbesserungen werden mit Beobachtungen aus Probe und Feedback begründet. | Widersprüchliche Rückmeldungen werden geprüft, priorisiert und durch eine zweite Probe bewertet. |
Selbstreflexion
Selbstfeedback wird stärker, wenn Du nicht nur bewertest, sondern Belege notierst.
Ampel-Check
| Bereich | Grün – funktioniert | Gelb – teilweise | Rot – muss geändert werden | Beleg aus Probe oder Video |
|---|---|---|---|---|
| Roter Faden | ||||
| Zeit | ||||
| Verständlichkeit | ||||
| Stimme | ||||
| Blickkontakt | ||||
| Medieneinsatz |
3-2-1-Reflexion
- 3 Dinge, die bereits gut funktionieren.
- 2 konkrete Stellen, die Du verändern willst.
- 1 Veränderung, die vermutlich die größte Wirkung hat.
Zeitstempel-Reflexion
Notiere zu jeder wichtigen Beobachtung einen Zeitstempel aus der Aufnahme. Beispiel: „03:12 – Diagramm wird gezeigt, aber die Achsen werden nicht erklärt.“ So lässt sich die Rückmeldung später überprüfen.
Peer-Feedback
Peer-Feedback bedeutet, dass Lernende einander anhand vorher vereinbarter Kriterien Rückmeldung geben. Entscheidend ist, dass die Rückmeldung konkret, beobachtbar, respektvoll und veränderbar ist.

Die 5-Finger-Methode kann helfen, verschiedene Rückmeldungen zu strukturieren. Für die Präsentationsprobe ist zusätzlich wichtig, jede Rückmeldung mit einer konkreten Beobachtung zu verbinden.
Beobachtung – Wirkung – Vorschlag
Ein hilfreiches Feedback kann aus drei Teilen bestehen:
Beobachtung: „Beim Diagramm auf Folie 5 hast Du etwa 20 Sekunden zur Leinwand gesprochen.“
Wirkung: „Dadurch war die Erklärung für mich schwerer zu verfolgen.“
Vorschlag: „Zeige kurz auf die relevante Stelle und drehe Dich danach wieder zum Publikum.“
Peer-Feedback-Raster
| Kriterium | Konkrete Beobachtung | Wirkung auf mich als Zuhörer oder Zuhörerin | Vorschlag | Priorität |
|---|---|---|---|---|
| Verständlichkeit | ||||
| Zeit | ||||
| Stimme | ||||
| Blickkontakt | ||||
| Medien | ||||
| Fachliche Erklärung |

Zwei Sterne und ein Prüfauftrag
Statt nur „zwei Sterne und einen Wunsch“ zu nennen, formulierst Du einen Prüfauftrag: Welche Stelle sollte die präsentierende Person in der nächsten Probe gezielt testen? So wird aus Feedback ein überprüfbarer Verbesserungsschritt.
Optionales KI-Feedback
KI kann bei einer Präsentationsüberarbeitung zusätzliche Hinweise liefern, aber sie ersetzt weder Deine eigene Bewertung noch das Feedback von Mitschülerinnen, Mitschülern oder Lehrkräften. Besonders geeignet sind Aufgaben wie die Prüfung eines Transkripts auf unklare Formulierungen, das Erkennen sehr langer Sätze, die Suche nach Wiederholungen oder das Sortieren bereits vorhandener Rückmeldungen.
Gib einer KI keine unnötigen persönlichen Daten. Nutze Video- oder Audiodateien nur dann, wenn dies im schulischen Rahmen ausdrücklich vorgesehen ist. Häufig reicht ein anonymisiertes Transkript oder eine kurze Beschreibung einzelner Stellen.
Beispiel für einen KI-Arbeitsauftrag
Beispielprompt: „Du bist Feedbackpartner für eine NWT-Präsentation in Klasse 9. Nutze ausschließlich diese Kriterien: Kernaussage, Verständlichkeit, Struktur und sprachliche Präzision. Nenne zu jedem Verbesserungsvorschlag zuerst die konkrete Textstelle, dann das Problem und anschließend einen Änderungsvorschlag. Erfinde keine fachlichen Fakten. Markiere Aussagen, bei denen Du Dir fachlich nicht sicher bist. Hier ist mein anonymisiertes Transkript: …“
KI-Feedback prüfen
- Kriterium: Passt der Vorschlag überhaupt zu den vereinbarten Bewertungskriterien?
- Beleg: Kannst Du die behauptete Schwäche im Video oder Transkript tatsächlich finden?
- Fachlichkeit: Ist der Vorschlag fachlich korrekt?
- Wirkung: Würde die Änderung die Präsentation wirklich verständlicher oder überzeugender machen?
- Entscheidung: Übernimm, verändere oder verwerfe den Vorschlag und begründe dies.
Das Feedback-Dreieck
Die stärkste Überarbeitung entsteht nicht dadurch, dass Du möglichst viele Kommentare sammelst. Entscheidend ist der Vergleich verschiedener Perspektiven.
| Beobachtung | Eigene Einschätzung | Peer-Feedback | Optionales KI-Feedback | Gemeinsamer Beleg | Entscheidung |
|---|---|---|---|---|---|
| Beispiel: Einstieg zu lang | Ich fand ihn passend. | Zwei Personen fanden die Leitfrage zu spät. | Transkript zeigt viele einleitende Nebensätze. | Leitfrage erscheint erst nach 55 Sekunden. | Einstieg auf etwa 30 Sekunden kürzen und Leitfrage früher nennen. |
Wenn Feedback widersprüchlich ist
Widersprüchliches Feedback ist kein Problem, sondern eine Prüfaufgabe. Wenn eine Person Dein Tempo zu schnell und eine andere Person passend findet, prüfe die konkrete Stelle im Video. Vielleicht ist nur die Erklärung eines schwierigen Diagramms zu schnell. Formuliere daraus eine präzisere Veränderung: nicht „insgesamt langsamer sprechen“, sondern „bei der Diagrammauswertung mehr Pausen einbauen“.
Verbesserungsentscheidungen begründen
Du musst nicht jeden Vorschlag übernehmen. Eine gute Überarbeitung zeigt, warum Du eine Änderung vornimmst oder bewusst nicht vornimmst.
Entscheidungsprotokoll
| Rückmeldung | Quelle | Beleg | Erwartete Wirkung | Entscheidung | Begründung |
|---|---|---|---|---|---|
| Selbst | übernehmen / verändern / verwerfen | ||||
| Peer | übernehmen / verändern / verwerfen | ||||
| KI optional | übernehmen / verändern / verwerfen | ||||
| übernehmen / verändern / verwerfen |
Für das G-Niveau begründest Du mindestens zwei Verbesserungen. Für das M-Niveau vergleichst Du Selbst- und Peer-Feedback und priorisierst mehrere Änderungen. Für das E-Niveau musst Du zusätzlich mindestens eine widersprüchliche Rückmeldung prüfen und Deine Entscheidung mit konkreten Belegen rechtfertigen.
A-B-Probe: Hat die Änderung wirklich geholfen?
Bei einer A-B-Probe testest Du zwei Varianten derselben Stelle. Beispiel: In Version A erklärst Du ein Diagramm wie bisher. In Version B nennst Du zuerst die Aussage des Diagramms, erklärst dann Achsen und Daten und ziehst anschließend die Schlussfolgerung.
Lass zwei Personen beide Versionen beurteilen oder vergleiche Deine eigene Videoanalyse. So wird Überarbeitung zu einem kleinen Experiment: Welche Veränderung erzeugt die gewünschte Wirkung?
Vorher-Nachher-Vergleich
| Kriterium | Probe 1 | Veränderung | Probe 2 | Wirkung nachweisbar? |
|---|---|---|---|---|
| Zeit | ||||
| Verständlichkeit | ||||
| Stimme | ||||
| Blickkontakt | ||||
| Medieneinsatz |
Letzter Check vor der Präsentation
- Technikcheck: Datei, Adapter, Modell, Versuchsmaterial und Backup prüfen.
- Zeitcheck: Zielzeit und Zeitmarken kennen.
- Einstieg: Erste Sätze und Leitfrage sicher beherrschen.
- Schluss: Ergebnis oder Kernbotschaft klar formulieren.
- Notfallplan: Wissen, was bei Zeitdruck gekürzt werden kann.
- Fragen: Mit typischen Rückfragen rechnen und auch „Das kann ich mit meinen Daten nicht sicher beantworten“ sagen können.
- Ruhe: Vor Beginn kurz stehen, ausatmen, Blickkontakt aufnehmen und erst dann starten.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was kennzeichnet eine Generalprobe am besten? (Ein vollständiger möglichst realistischer Durchlauf der Präsentation) (!Das stille Lesen der Folien kurz vor dem Vortrag) (!Das ständige Neustarten nach jedem Versprecher) (!Das ausschließliche Prüfen der Rechtschreibung)
Was macht eine Videoanalyse besonders hilfreich? (Konkrete Beobachtungen mit Stellen oder Zeitstempeln) (!Nur das allgemeine Gefühl nach der Präsentation) (!Möglichst viele Veränderungen gleichzeitig) (!Das Ignorieren bereits gelungener Stellen)
Wozu dienen Zeitmarken während einer Probe? (Sie zeigen früh ob einzelne Abschnitte zu viel oder zu wenig Zeit benötigen) (!Sie ersetzen die fachliche Vorbereitung) (!Sie legen fest wie viele Wörter jede Folie enthalten muss) (!Sie verhindern jede spontane Reaktion)
Was verbessert die Verständlichkeit einer Präsentation besonders? (Eine klare Leitfrage und nachvollziehbare Übergänge) (!Möglichst viele Fachbegriffe ohne Erklärung) (!Sehr volle Folien mit vollständigen Sätzen) (!Ein gleichbleibend hohes Sprechtempo)
Wie ist konstruktives Peer-Feedback besonders hilfreich? (Es verbindet Beobachtung Wirkung und einen konkreten Vorschlag) (!Es besteht nur aus einer Schulnote) (!Es bewertet hauptsächlich die Persönlichkeit) (!Es nennt möglichst viele allgemeine Wünsche)
Was ist eine sinnvolle Strategie bei Nervosität vor dem Beginn? (Eine eingeübte kurze Vorstart-Routine nutzen) (!Die Generalprobe auslassen) (!Möglichst schnell mit dem Sprechen beginnen) (!Alle Notizen unmittelbar vorher komplett umschreiben)
Wie sollte optionales KI-Feedback verwendet werden? (Als zusätzliche Quelle die anhand von Kriterien und Belegen geprüft wird) (!Als automatische endgültige Bewertungsentscheidung) (!Als Ersatz für jede eigene Reflexion) (!Als sichere Quelle für jede fachliche Aussage)
Was gehört zu einer begründeten Verbesserungsentscheidung? (Ein Beleg und eine Erklärung der erwarteten Wirkung) (!Nur die Aussage dass etwas besser klingt) (!Das Übernehmen jedes Vorschlags) (!Das Verändern möglichst vieler Dinge gleichzeitig)
Was solltest Du tun wenn Rückmeldungen einander widersprechen? (Die konkrete Stelle prüfen und die Rückmeldungen an Belegen vergleichen) (!Immer die strengste Rückmeldung übernehmen) (!Alle widersprüchlichen Hinweise ignorieren) (!Nur die eigene Meinung gelten lassen)
Warum ist eine zweite Probe nach der Überarbeitung wichtig? (Sie zeigt ob die gewählte Veränderung tatsächlich die gewünschte Wirkung hat) (!Sie macht das Kriterienraster überflüssig) (!Sie verhindert jede Nervosität bei der echten Präsentation) (!Sie ersetzt die fachliche Kontrolle des Inhalts)
Memory
| Generalprobe | vollständiger Durchlauf |
| Zeitmarke | Kontrollpunkt im Ablauf |
| Selbstfeedback | eigene kriteriengeleitete Auswertung |
| Peerfeedback | Rückmeldung auf Augenhöhe |
| KI-Feedback | optionale maschinelle Rückmeldung |
| Evidenz | konkrete beobachtbare Grundlage |
| Überarbeitung | gezielte Veränderung |
| Lampenfieber | Aufregung vor einem Auftritt |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Generalprobe | vollständige Simulation |
| Zeitmarke | Ablaufkontrolle |
| Videoanalyse | beobachtbare Evidenz |
| Peer-Feedback | Außenperspektive |
| Selbstreflexion | Innenperspektive |
| Entscheidungsprotokoll | begründete Überarbeitung |
Kreuzworträtsel
| Generalprobe | Wie heißt ein vollständiger Probedurchlauf unter möglichst realistischen Bedingungen? |
| Zeitplan | Welches Hilfsmittel ordnet Abschnitten einer Präsentation geplante Dauer zu? |
| Feedback | Wie heißt eine Rückmeldung zu einer gezeigten Leistung? |
| Stimme | Was soll durch Lautstärke Tempo Pausen und Betonung bewusst eingesetzt werden? |
| Blickkontakt | Wie heißt die sichtbare Orientierung der sprechenden Person zum Publikum? |
| Nervosität | Wie nennt man die innere Anspannung die vor einer Präsentation auftreten kann? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- 60-Sekunden-Einstieg – G: Nimm nur den Einstieg Deiner Präsentation auf. Prüfe, ob Thema, Leitfrage und Nutzen für das Publikum innerhalb kurzer Zeit verständlich werden. Formuliere anschließend eine konkrete Verbesserung.
- Zeitkarte – G: Erstelle für Deine Präsentation eine Zeitkarte mit mindestens vier Abschnitten und einer geplanten Zeitmarke für jeden Abschnitt. Probiere sie in einem Durchlauf aus.
- Kameratest – G: Mache eine kurze Testaufnahme und prüfe Ton, Bildausschnitt, Blickrichtung und Hintergrund. Notiere zwei technische Verbesserungen für die Generalprobe.
- Fünf-Finger-Feedback – G: Gib einer anderen Person mit der 5-Finger-Methode Rückmeldung und ergänze zu mindestens zwei Aussagen eine konkrete Beobachtung aus der Präsentation.
Standard
- Generalprobe mit Kriterienraster – M: Führe eine vollständige Generalprobe mit Zeitmessung und Videoaufnahme durch. Werte anschließend mindestens sechs Kriterien mit konkreten Belegen aus.
- Verständlichkeitsanalyse – M: Wähle eine schwierige Erklärung aus Deiner Präsentation. Lass eine Person nach der Probe in eigenen Worten wiedergeben, was sie verstanden hat. Überarbeite die Stelle danach.
- Feedback-Dreieck – M: Vergleiche Deine Selbsteinschätzung mit Peer-Feedback. Markiere mindestens eine Übereinstimmung und eine Abweichung und leite daraus zwei priorisierte Änderungen ab.
- Vorstart-Routine – M: Entwickle eine persönliche Routine für die letzten zwei Minuten vor dem Beginn. Teste sie vor zwei Proben und vergleiche Deine Nervositäts-Skala.
Schwer
- A-B-Erklärung – E: Entwickle zwei verschiedene Erklärvarianten für dieselbe schwierige Stelle. Teste beide an Zuhörenden und entscheide anhand von Belegen, welche Version Du übernimmst.
- Widersprüchliches Feedback – E: Suche eine Stelle, zu der Du unterschiedliche Rückmeldungen erhalten hast. Prüfe Video, Kriterien und Wirkung und verfasse eine begründete Entscheidung.
- KI-Feedback prüfen – E: Nutze optional ein anonymisiertes Transkript und ein genaues Kriterien-Set für KI-Feedback. Prüfe mindestens drei Vorschläge kritisch und dokumentiere, welche Du übernimmst, veränderst oder verwirfst.
- Überarbeitungsnachweis – E: Vergleiche Probe 1 und Probe 2 systematisch. Zeige an mindestens drei Kriterien, ob Deine Veränderungen eine nachweisbare Verbesserung gebracht haben, und begründe Deine endgültige Fassung.


Lernkontrolle
- Zeitproblem analysieren: Eine Gruppe überschreitet bei einer achtminütigen Präsentation regelmäßig die Zeit, obwohl der Schluss sehr kurz ist. Entwickle einen Prüfplan, mit dem Du herausfindest, an welchen Stellen Zeit verloren geht, und begründe, was zuerst verändert werden sollte.
- Unterschiedliche Rückmeldungen bewerten: Deine Selbsteinschätzung lautet „Tempo passend“, ein Peer sagt „zu schnell“ und eine KI markiert nur zwei sehr komplexe Sätze. Beschreibe, wie Du entscheidest, ob und wo Du das Tempo veränderst.
- Verständlichkeit übertragen: Ein technisch korrektes Diagramm wird vom Publikum falsch verstanden. Entwickle drei Änderungen an Erklärung oder Visualisierung, ohne die Daten selbst zu verändern.
- Nervosität handhaben: Eine Person kann in der Probe gut präsentieren, beginnt vor der Klasse aber sehr schnell zu sprechen. Entwickle eine konkrete Vorstart- und Anfangsstrategie und erkläre, wie ihre Wirkung getestet werden kann.
- Feedback priorisieren: Nach einer Generalprobe liegen zwölf Verbesserungsvorschläge vor. Entwickle Kriterien, mit denen Du entscheidest, welche drei Änderungen zuerst umgesetzt werden.
- Verbesserung nachweisen: Eine zweite Probe fühlt sich besser an, dauert aber länger und enthält weniger Blickkontakt. Erkläre, warum „fühlt sich besser an“ noch kein ausreichender Nachweis ist, und entwirf einen fairen Vorher-Nachher-Vergleich.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass nicht nur das Endprodukt, sondern auch der Überarbeitungsprozess sichtbar wird.
- Ausgangsstand: Dokumentiere die wichtigsten Merkmale Deiner ersten vollständigen Probe.
- Zeitdaten: Halte Gesamtzeit und wichtige Zwischenzeiten fest.
- Kriterienraster: Fülle eine eigene kriteriengeleitete Auswertung aus.
- Peer-Feedback: Dokumentiere konkrete Rückmeldungen mindestens einer anderen Person.
- KI-Feedback: Falls KI genutzt wurde, dokumentiere nur die relevanten Hinweise und Deine kritische Prüfung.
- Entscheidungsprotokoll: Begründe, welche Änderungen Du übernimmst, veränderst oder verwirfst.
- Zweite Probe: Vergleiche die überarbeitete Fassung mit dem Ausgangsstand.
- Reflexion: Erkläre, welche Veränderung die größte Wirkung hatte und woran Du dies erkennst.
OERs zum Thema
Ein frei zugänglicher Überblick zu Präsentation und Rhetorik findet sich im Wikipedia-Artikel zur Präsentorik:
Weitere frei nutzbare Materialien im aiMOOC stammen aus Wikimedia Commons, darunter Medien zu öffentlichem Sprechen, Zeitmessung, Körpersprache, Peer-Review und der 5-Finger-Feedback-Methode.
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