NWT9 - Hypothesen entwickeln und überprüfen

NWT9 - Hypothesen entwickeln und überprüfen
NWT9 - Hypothesen entwickeln und überprüfen
Einleitung
In den Naturwissenschaften reicht es nicht, einfach etwas zu vermuten. Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet, Beobachtungen in prüfbare Fragen zu verwandeln, begründete Hypothesen zu formulieren, passende Experimente zu planen, Messungen durchzuführen und die gewonnenen Daten auszuwerten. In diesem aiMOOC lernst Du genau diesen Weg kennen.
Eine gute Hypothese sagt nicht nur, was Du erwartest, sondern verbindet mindestens zwei Größen so eindeutig miteinander, dass sich daraus eine überprüfbare Vorhersage ableiten lässt. Besonders hilfreich ist die Struktur:
Wenn die unabhängige Variable gezielt verändert wird, dann verändert sich die abhängige Variable in einer bestimmten Weise, weil eine fachlich begründete Erklärung dafür spricht.
Beispiel: Wenn die Länge eines Pendels vergrößert wird, dann nimmt die Schwingungsdauer zu, weil ein längeres Pendel für eine vollständige Schwingung mehr Zeit benötigt.
Ob diese Hypothese tatsächlich zu den Messdaten passt, weißt Du erst nach der Untersuchung. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer wissenschaftlichen Hypothese und einer bloßen Behauptung: Eine Hypothese muss so formuliert sein, dass Beobachtungen oder Messungen gegen sie sprechen könnten. Ein Versuch dient deshalb nicht dazu, die eigene Lieblingsidee unbedingt zu „beweisen“, sondern dazu, sie möglichst fair zu prüfen.

Das Diagramm zeigt ein Grundprinzip wissenschaftlichen Arbeitens: Beobachtung, Frage, Hypothese, Untersuchung, Auswertung und neue Fragen greifen ineinander. In echter Forschung ist dieser Prozess selten eine starre Reihenfolge. Ergebnisse können dazu führen, dass eine Frage verändert, eine Hypothese präzisiert oder ein Experiment neu geplant wird.
Das Video von CrashCourse zeigt die wissenschaftliche Methode als einen Prozess, der von Fragen, überprüfbaren Aussagen, Evidenz und gemeinsamer Kritik lebt. Für diesen aiMOOC konzentrierst Du Dich besonders auf das Entwickeln und Überprüfen von Hypothesen.
Lernziele und Differenzierung G/M/E
Dieser aiMOOC ist für die Klasse 9 angelegt. Die Aufgaben unterscheiden drei Anforderungsniveaus:
| Niveau | Du kannst ... | Typische Leistung |
|---|---|---|
| G – grundlegendes Niveau | Vermutung, Hypothese, Messung und Ergebnis unterscheiden; unabhängige und abhängige Variable erkennen; vorgegebene Wenn-Dann-Hypothesen prüfen. | Du arbeitest mit klar vorgegebenen Versuchssituationen und formulierst einfache, messbare Vorhersagen. |
| M – mittleres Niveau | eigene begründete Hypothesen formulieren; Kontrollvariablen auswählen; Messreihen auswerten und Ergebnisse auf die Hypothese beziehen. | Du planst einen fairen Test und begründest, warum Deine Untersuchung die Hypothese tatsächlich prüfen kann. |
| E – erweitertes Niveau | Hypothesen operationalisieren; Störvariablen, Messunsicherheit und alternative Erklärungen berücksichtigen; aus Daten differenzierte Schlussfolgerungen ziehen. | Du beurteilst die Aussagekraft eines Versuchs, entwickelst Verbesserungen und formulierst Folge-Hypothesen. |
Vom Beobachten zur Hypothese
Beobachtung und Forschungsfrage
Am Anfang einer Untersuchung steht häufig eine Beobachtung. Du bemerkst zum Beispiel, dass manche Getränke schneller abkühlen als andere, dass eine Pflanze am Fenster anders wächst als eine Pflanze weiter im Raum oder dass ein langes Pendel langsamer zu schwingen scheint als ein kurzes.
Eine Beobachtung ist zunächst eine Beschreibung. Daraus entsteht eine Forschungsfrage. Gute naturwissenschaftliche Forschungsfragen grenzen ein, welche Größen untersucht werden sollen.
Beispiel:
Beobachtung: Ein langes Pendel scheint langsamer hin und her zu schwingen als ein kurzes.
Forschungsfrage: Wie beeinflusst die Pendellänge die Schwingungsdauer?
Die Forschungsfrage benennt bereits zwei zentrale Größen: Pendellänge und Schwingungsdauer.
Vermutung, Hypothese, Messung und Ergebnis unterscheiden
Im naturwissenschaftlichen Arbeiten solltest Du diese Begriffe sauber auseinanderhalten:
| Begriff | Bedeutung im Unterricht | Beispiel zum Pendel | Prüffrage |
|---|---|---|---|
| Vermutung | Eine vorläufige Idee. Sie kann noch ungenau oder nicht direkt überprüfbar sein. | „Lange Pendel sind irgendwie langsamer.“ | Ist die Aussage schon so genau, dass ich einen Versuch planen kann? |
| Hypothese | Eine begründete und überprüfbare Annahme über einen Zusammenhang. | „Wenn die Pendellänge zunimmt, dann nimmt die Schwingungsdauer zu, weil ein längeres Pendel für eine Schwingung mehr Zeit benötigt.“ | Welche Beobachtung könnte dafür oder dagegen sprechen? |
| Messung | Ein geplanter Vorgang, bei dem eine Größe mit einem Messverfahren erfasst wird. | Für zehn Schwingungen wird mit einer Stoppuhr die benötigte Zeit erfasst. | Was wird womit, in welcher Einheit und nach welcher Regel gemessen? |
| Ergebnis | Die zusammengefasste Auswertung der erhobenen Daten. | Die mittlere Zeit für zehn Schwingungen ist bei längeren Pendeln größer als bei kurzen. | Welches Muster zeigen die Daten? |
Wichtig: Ein einzelner Zahlenwert ist zunächst ein Messwert. Ein Ergebnis entsteht im Unterricht häufig erst dann, wenn mehrere Messwerte geordnet, verglichen oder zusammengefasst wurden. In der Messtechnik wird der Begriff „Messergebnis“ noch genauer verwendet und kann auch Angaben zur Messunsicherheit enthalten.

Messungen sind nie völlig unabhängig vom Messverfahren. Eine feinere Skala kann eine genauere Ablesung ermöglichen. Deshalb solltest Du bei jeder Untersuchung angeben, wie gemessen wurde und wie sicher die Messung ist.
Eine gute Hypothese bauen
Ein hilfreicher Hypothesen-Baukasten lautet:
| Baustein | Leitfrage | Beispiel |
|---|---|---|
| Wenn ... | Welche Größe veränderst Du gezielt? | Wenn die Pendellänge von 20 cm auf 80 cm vergrößert wird ... |
| dann ... | Welche messbare Veränderung erwartest Du? | ... dann steigt die Zeit für zehn vollständige Schwingungen ... |
| weil ... | Wie begründest Du die Erwartung fachlich? | ... weil die Schwingungsdauer eines Pendels von seiner Länge abhängt. |
Die Wenn-Dann-Struktur macht den erwarteten Zusammenhang sichtbar. Der Weil-Satz zwingt Dich dazu, Deine Erwartung nicht nur zu behaupten, sondern fachlich zu begründen.
Eine Hypothese sollte möglichst:
- überprüfbar sein: Es muss Beobachtungen oder Messungen geben können, die zur Hypothese passen oder ihr widersprechen.
- präzise sein: Die gemeinten Größen und Bedingungen sollten eindeutig sein.
- Variablen verbinden: Mindestens eine veränderte und eine beobachtete oder gemessene Größe sollten erkennbar sein.
- eine Richtung nennen, wenn das fachlich sinnvoll ist: größer, kleiner, schneller, langsamer, häufiger oder seltener.
- eine Begründung enthalten, die auf Fachwissen, einem Modell oder einer nachvollziehbaren Annahme beruht.
Von der Hypothese zur überprüfbaren Vorhersage
Hypothese und Vorhersage sind eng verbunden, aber nicht identisch.
Hypothese: eine allgemeine, überprüfbare Annahme über einen Zusammenhang.
Vorhersage: eine konkrete Erwartung für einen bestimmten Versuch.
Beispiel:
Hypothese: Wenn die Pendellänge zunimmt, dann nimmt die Schwingungsdauer zu.
Vorhersage: Wenn in unserem Versuch ein 80-cm-Pendel und ein 20-cm-Pendel jeweils zehnmal bei gleicher Auslenkung schwingen, dann benötigt das 80-cm-Pendel für die zehn Schwingungen mehr Zeit.
Eine Vorhersage ist besonders gut prüfbar, wenn Du schon vor dem Versuch festlegst:
- welche Bedingungen verglichen werden,
- welche Messgröße erfasst wird,
- welches Messverfahren verwendet wird,
- welches Ergebnis Du bei Gültigkeit der Hypothese erwartest.
Variablen erkennen und kontrollieren
Unabhängige, abhängige und kontrollierte Variablen
Für einen einfachen fairen Test in der Schule ist es hilfreich, drei Arten von Variablen zu unterscheiden.

| Variablenkarte | Funktion | Merksatz | Beispiel Pendel |
|---|---|---|---|
| Unabhängige Variable | Sie wird gezielt verändert. | Das verändere ich. | Pendellänge |
| Abhängige Variable | Sie wird beobachtet oder gemessen. | Das messe ich. | Zeit für zehn Schwingungen |
| Kontrollvariable | Sie wird möglichst konstant gehalten, damit der Vergleich fair bleibt. | Das halte ich gleich. | gleiche Auslenkung, gleicher Ort, gleiches Messverfahren |
Das Video zeigt an einem Pflanzenbeispiel, wie unabhängige, abhängige und kontrollierte Variablen zusammenwirken. Für schulische Untersuchungen ist die Regel eine Größe gezielt verändern, eine Größe messen, wichtige andere Bedingungen möglichst gleich halten ein sehr nützliches Grundmodell. In komplexer Forschung können allerdings auch mehrere Einflussgrößen gleichzeitig untersucht werden.
Variablenkarten für die Versuchsplanung
Du kannst vor einem Experiment Karten ausfüllen. Dadurch wird sichtbar, ob Deine Hypothese wirklich testbar ist.
| Karte | Eintrag | Kontrollfrage |
|---|---|---|
| UV-Karte | Unabhängige Variable: ____________________ | Kann ich diese Größe gezielt verändern? |
| AV-Karte | Abhängige Variable: ____________________ | Kann ich diese Größe beobachten oder messen? |
| Kontrollkarten | Konstant halten: ____________________ | Könnte diese Größe das Ergebnis sonst ebenfalls beeinflussen? |
| Messkarte | Messgerät, Einheit, Messregel: ____________________ | Würde eine andere Gruppe nach derselben Regel vergleichbare Daten erhalten? |
| Vorhersagekarte | Erwartetes Muster: ____________________ | Weiß ich vor dem Versuch, welches Ergebnis meine Hypothese stützen würde? |
Störvariablen und faire Vergleiche
Eine Störvariable ist eine Größe, die das Ergebnis beeinflussen kann, obwohl sie nicht Teil der eigentlichen Fragestellung ist.
Beispiel Pflanzenversuch: Du willst prüfen, ob die Lichtdauer das Wachstum beeinflusst. Eine Pflanze bekommt aber nicht nur mehr Licht, sondern zusätzlich mehr Wasser. Dann kannst Du am Ende nicht eindeutig entscheiden, ob ein Wachstumsunterschied mit der Lichtdauer, der Wassermenge oder beiden zusammenhängt.

Für einen fairen Vergleich überlegst Du deshalb schon vor dem Versuch: Welche anderen Faktoren könnten meine abhängige Variable verändern? Diese Faktoren versuchst Du zu kontrollieren, zu dokumentieren oder bei der Auswertung mitzudenken.
Drei Versuchssituationen
Versuchssituation 1: Das Pendel

Forschungsfrage: Wie beeinflusst die Pendellänge die Schwingungsdauer?
Begründete Hypothese: Wenn die Pendellänge größer wird, dann steigt die Zeit für eine vollständige Schwingung, weil die Schwingungsdauer eines einfachen Pendels von seiner Länge abhängt.
Überprüfbare Vorhersage: Ein Pendel mit 80 cm Länge benötigt bei kleiner und gleicher Startauslenkung für zehn Schwingungen mehr Zeit als ein Pendel mit 20 cm Länge.
| Planung | Festlegung |
|---|---|
| Unabhängige Variable | Pendellänge |
| Abhängige Variable | Zeit für zehn Schwingungen |
| Kontrollvariablen | Startauslenkung, Ort, Pendelkörper, Messverfahren |
| Wiederholungen | Mehrere Messungen pro Pendellänge |
| Auswertung | Mittelwerte vergleichen und in einem Diagramm darstellen |
G-Auftrag: Markiere in der Hypothese gedanklich die unabhängige und die abhängige Variable.
M-Auftrag: Begründe, warum die Startauslenkung möglichst gleich bleiben sollte.
E-Auftrag: Überlege, wie Reaktionszeit beim Starten und Stoppen der Stoppuhr das Ergebnis beeinflussen kann und wie Du diesen Einfluss verringerst.
Versuchssituation 2: Zucker löst sich in Wasser
Forschungsfrage: Wie beeinflusst die Wassertemperatur die Zeit, die eine festgelegte Zuckermenge zum Lösen benötigt?
Eine prüfbare Hypothese könnte lauten: Wenn die Temperatur des Wassers erhöht wird, dann löst sich die gleiche Zuckermenge unter sonst gleichen Bedingungen in kürzerer Zeit, weil sich Teilchen bei höherer Temperatur im Mittel schneller bewegen.
Für einen fairen Vergleich sollten Wassermenge, Zuckermenge, Gefäß, Zuckerform und Rührregel möglichst gleich bleiben.
G-Auftrag: Nenne die unabhängige und die abhängige Variable.
M-Auftrag: Formuliere eine konkrete Vorhersage für Wasser mit 20 °C und 60 °C.
E-Auftrag: Entscheide, ob „gleich stark rühren“ ausreichend präzise ist. Entwickle eine bessere Operationalisierung.
Versuchssituation 3: Licht und Pflanzenwachstum
Forschungsfrage: Wie beeinflusst die tägliche Beleuchtungsdauer unter festgelegten Bedingungen das Wachstum einer bestimmten Pflanzenart?
Eine mögliche Hypothese lautet: Wenn die tägliche Beleuchtungsdauer innerhalb des untersuchten Bereichs erhöht wird, dann verändert sich die mittlere Pflanzenhöhe nach einer festgelegten Versuchsdauer, weil Licht die Photosynthese und damit Wachstumsprozesse beeinflusst.
Achtung: Die Hypothese soll geprüft werden. Du darfst den Ausgang nicht vorwegnehmen. Bei biologischen Systemen wirken oft mehrere Faktoren zusammen.
Als historisches Beispiel zeigt die folgende NASA-Darstellung Schülerexperimente zu Pflanzenwachstum und Licht unter besonderen Bedingungen der Raumfahrt:

G-Auftrag: Formuliere eine Messregel für die Pflanzenhöhe.
M-Auftrag: Nenne mindestens drei wichtige Kontrollvariablen.
E-Auftrag: Begründe, warum mehrere Pflanzen pro Versuchsbedingung aussagekräftiger sind als nur eine Pflanze.
Messen, Daten darstellen und Ergebnisse prüfen
Messwerte sind noch keine Schlussfolgerung
Angenommen, Du untersuchst ein Pendel. Die folgenden Zahlen sind Beispieldaten und keine vorgegebene Naturkonstante:
| Pendellänge | Zeit für 10 Schwingungen – Messung 1 | Messung 2 | Messung 3 | Mittelwert ungefähr |
|---|---|---|---|---|
| 20 cm | 9,1 s | 9,0 s | 9,2 s | 9,1 s |
| 40 cm | 12,8 s | 12,6 s | 12,7 s | 12,7 s |
| 60 cm | 15,5 s | 15,6 s | 15,4 s | 15,5 s |
| 80 cm | 18,0 s | 17,9 s | 18,1 s | 18,0 s |
Die Zahlen in den einzelnen Messungen sind Messwerte. Das erkennbare Muster – längere Pendel gehen in diesem Beispieldatensatz mit längeren Zeiten einher – ist ein Ergebnis der Auswertung.
Erst anschließend folgt die Schlussfolgerung: Passt dieses Ergebnis zur Hypothese? Gibt es Messunsicherheiten oder alternative Erklärungen? Welche Aussage darfst Du machen und welche wäre zu stark?
Diagramme als Hypothesencheck
Diagramme helfen Dir, Muster zu erkennen. Die unabhängige Variable wird bei einfachen Versuchsdiagrammen häufig auf der waagerechten Achse dargestellt, die abhängige Variable auf der senkrechten Achse.

Ein Diagramm kann zeigen, ob Datenpunkte ungefähr einem erwarteten Trend folgen. Trotzdem solltest Du nicht nur „eine schöne Linie“ suchen. Prüfe auch:
- Gibt es Ausreißer?
- Sind ausreichend viele Messpunkte vorhanden?
- Wurden Messungen wiederholt?
- Ist der beobachtete Unterschied größer als die Streuung der Messwerte?
- Könnten Störvariablen den Trend erklären?
Unterstützt, nicht unterstützt oder noch unklar?
Nach der Auswertung solltest Du vorsichtig formulieren.
Angemessen: „Die Messwerte unterstützen unsere Hypothese unter den untersuchten Bedingungen.“
Angemessen: „Unsere Vorhersage wurde in dieser Messreihe nicht erfüllt.“
Angemessen: „Die Streuung ist so groß, dass wir mit diesem Versuch keine klare Entscheidung treffen können.“
Zu stark: „Die Hypothese ist endgültig bewiesen.“
Ein einzelnes Experiment kann durch gute Daten eine Hypothese stützen oder ihr widersprechen. In der Wissenschaft werden Ergebnisse wiederholt, kritisch geprüft und mit weiteren Untersuchungen verglichen. Eine Hypothese muss grundsätzlich so beschaffen sein, dass mögliche Beobachtungen gegen sie sprechen können. Dieser Gedanke steht in enger Beziehung zur Falsifikation.
Das Video verbindet Variablen und Hypothesen. Achte beim Ansehen besonders darauf, wie aus einer Fragestellung eine experimentell überprüfbare Aussage wird.
Qualitätscheck für Hypothesen
Vor einem Versuch kannst Du Deine Hypothese mit dem HYPOTHESEN-CHECK prüfen:
| Check | Frage | Ja? |
|---|---|---|
| H – Zusammenhang | Verknüpft die Aussage mindestens zwei Größen? | □ |
| Y – Warum | Gibt es eine fachliche Begründung? | □ |
| P – Prüfbarkeit | Kann ein Versuch oder eine Beobachtung dafür oder dagegen sprechen? | □ |
| O – Operationalisierung | Ist klar, wie die Größen verändert oder gemessen werden? | □ |
| T – Testbedingungen | Sind wichtige Kontrollvariablen festgelegt? | □ |
| H – Handfeste Vorhersage | Ist vor dem Versuch klar, welches messbare Muster erwartet wird? | □ |
| E – Ergebnisoffenheit | Darf der Versuch die Hypothese auch nicht unterstützen? | □ |
| S – Saubere Auswertung | Sind Wiederholungen, Diagramm und Vergleich geplant? | □ |
| E – Erklärung prüfen | Werden alternative Erklärungen mitgedacht? | □ |
| N – Neue Frage | Kann aus dem Ergebnis eine Folgefrage entstehen? | □ |
Interaktive Aufgaben
Interaktiver Hypothesencheck: Aussagearten unterscheiden
Ordne gedanklich jede Aussage dem passenden Begriff zu. Anschließend kannst Du Deine Zuordnung mit den Lücken prüfen.
Interaktiver Variablencheck
| Ordne die richtige Variablenart zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Unabhängige Variable | Die Größe wird im Versuch gezielt verändert. |
| Abhängige Variable | Diese Größe wird als Reaktion gemessen. |
| Kontrollvariable | Diese Größe soll zwischen den Versuchsbedingungen möglichst gleich bleiben. |
| Störvariable | Diese Größe kann das Ergebnis zusätzlich beeinflussen. |
| Messgröße | Diese Größe wird mit einer festgelegten Messregel erfasst. |
Hypothesen-Werkstatt G/M/E
G: Ergänze den Satz sinnvoll: „Wenn die Temperatur des Wassers steigt, dann ...“
M: Ergänze zusätzlich eine fachliche Begründung mit „weil ...“ und benenne unabhängige sowie abhängige Variable.
E: Formuliere eine konkrete Vorhersage mit zwei festgelegten Temperaturen, Messmethode, Kontrollvariablen und einem Kriterium dafür, wann die Hypothese durch die Daten nicht unterstützt wäre.
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt am besten eine wissenschaftliche Hypothese? (Eine begründete und überprüfbare Annahme über einen Zusammenhang) (!Eine beliebige Meinung ohne Prüfverfahren) (!Ein einzelner Messwert aus einem Experiment) (!Die endgültige Wahrheit nach einer Beobachtung)
Was ist in einem einfachen fairen Test die unabhängige Variable? (Die Größe die gezielt verändert wird) (!Die Größe die nur am Ende berechnet wird) (!Jede Größe die zufällig schwankt) (!Die Schlussfolgerung aus dem Versuch)
Was ist die abhängige Variable? (Die Größe die beobachtet oder gemessen wird) (!Die Größe die immer konstant bleiben muss) (!Die Begründung der Hypothese) (!Die Überschrift des Versuchsprotokolls)
Welche Formulierung ist am besten überprüfbar? (Wenn die Pendellänge zunimmt dann steigt die Zeit für zehn Schwingungen) (!Lange Pendel sind irgendwie besser) (!Pendel verhalten sich interessant) (!Ich glaube dass Pendel langsam sind)
Warum werden Kontrollvariablen möglichst konstant gehalten? (Damit Unterschiede eher auf die untersuchte unabhängige Variable bezogen werden können) (!Damit keine Messwerte notiert werden müssen) (!Damit die abhängige Variable nicht gemessen werden kann) (!Damit die Hypothese automatisch richtig wird)
Was ist eine überprüfbare Vorhersage? (Eine konkrete Erwartung für das Messergebnis unter festgelegten Bedingungen) (!Eine Erklärung die erst nach dem Versuch erfunden wird) (!Eine Liste aller Geräte im Fachraum) (!Ein Messfehler ohne Bezug zur Hypothese)
Was ist im Unterricht am ehesten ein Messwert? (Ein einzelner erfasster Wert mit Einheit) (!Eine allgemeine Vermutung über die Natur) (!Eine Forschungsfrage ohne Daten) (!Eine endgültige Theorie)
Was solltest Du tun wenn die Messdaten nicht zur Hypothese passen? (Die Daten prüfen und die Hypothese kritisch bewerten) (!Unpassende Werte grundsätzlich löschen) (!Die Messwerte so verändern dass die Hypothese stimmt) (!Die Hypothese ohne weitere Prüfung als bewiesen bezeichnen)
Warum sind Wiederholungsmessungen sinnvoll? (Sie helfen Streuung zu erkennen und die Zuverlässigkeit der Aussage einzuschätzen) (!Sie machen Kontrollvariablen überflüssig) (!Sie garantieren dass die Hypothese richtig ist) (!Sie ersetzen die Forschungsfrage)
Welche Aussage über Experimente ist wissenschaftlich angemessen? (Ein Experiment kann eine Hypothese stützen ihr widersprechen oder noch kein klares Ergebnis liefern) (!Ein Experiment muss immer die erwartete Hypothese bestätigen) (!Eine Hypothese darf niemals widerlegt werden können) (!Eine einzelne Messung beweist eine Hypothese endgültig)
Memory
| Hypothese | begründete überprüfbare Annahme |
| Unabhängige Variable | gezielt veränderte Größe |
| Abhängige Variable | gemessene Reaktionsgröße |
| Kontrollvariable | möglichst konstant gehaltene Größe |
| Vermutung | vorläufige noch nicht zwingend prüfbare Idee |
| Messwert | einzelner erfasster Wert |
| Vorhersage | konkrete Erwartung für einen Versuch |
| Wiederholungsmessung | erneute Messung zur Prüfung der Zuverlässigkeit |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Vermutung | Eine zunächst noch ungenaue Idee |
| Hypothese | Eine begründete überprüfbare Zusammenhangsaussage |
| Messung | Geplante Erfassung einer Größe |
| Ergebnis | Zusammenfassung des Musters in den Daten |
| Vorhersage | Erwarteter konkreter Ausgang unter festgelegten Bedingungen |
| Schlussfolgerung | Bewertung des Ergebnisses im Hinblick auf die Hypothese |
...
Kreuzworträtsel
| Hypothese | Wie heißt eine begründete und überprüfbare Annahme? |
| Variable | Wie heißt eine Größe die in einer Untersuchung verschiedene Werte annehmen kann? |
| Messwert | Wie heißt ein einzelner erfasster Wert? |
| Ergebnis | Wie heißt die zusammengefasste Auswertung einer Untersuchung? |
| Kontrolle | Welcher Begriff steht für das Konstanthalten wichtiger Bedingungen? |
| Vorhersage | Wie heißt eine konkrete Erwartung für einen bestimmten Versuch? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht – G
- Hypothesen-Satzbau: Formuliere zu der Frage „Wie beeinflusst die Wassertemperatur die Lösezeit von Zucker?“ eine Wenn-Dann-Hypothese und ergänze einen Weil-Satz.
- Variablenkarten: Erstelle für einen Pendelversuch drei Karten mit unabhängiger Variable, abhängiger Variable und mindestens zwei Kontrollvariablen.
- Aussagen sortieren: Sammle aus einem naturwissenschaftlichen Schulbuch je ein Beispiel für Vermutung, Hypothese, Messwert und Ergebnis und begründe Deine Zuordnung.
- Messregel entwickeln: Beschreibe so genau wie möglich, wie Du die Höhe einer Pflanze messen würdest, damit eine andere Person möglichst gleich messen kann.
Standard – M
- Pendelversuch planen: Entwickle einen vollständigen Versuchsplan zur Frage nach dem Einfluss der Pendellänge auf die Schwingungsdauer. Formuliere Hypothese, Vorhersage, Variablen und Messplan.
- Diagramm erstellen: Führe eine kleine Messreihe durch oder nutze bereitgestellte Daten. Erstelle ein Diagramm und formuliere ein Ergebnis, ohne die Hypothese vorschnell als bewiesen zu bezeichnen.
- Erklärvideo: Produziere ein ein- bis zweiminütiges Video, in dem Du an einem eigenen Beispiel den Unterschied zwischen Vermutung, Hypothese, Vorhersage, Messung und Ergebnis erklärst.
- Fehlersuche im Experiment: Entwirf absichtlich einen unfairen Versuch mit mindestens zwei Störvariablen. Tausche den Plan mit einer anderen Gruppe und verbessert gegenseitig die Versuchsplanung.
Schwer – E
- Operationalisierung: Wähle eine alltagsnahe Frage wie „Beeinflusst Hintergrundmusik die Bearbeitungsgeschwindigkeit?“ und operationalisiere alle zentralen Begriffe so, dass sie messbar werden.
- Hypothesen-Falsifikation: Formuliere zu einer eigenen Hypothese ein Ergebnis, das klar gegen Deine Vorhersage sprechen würde. Erkläre, warum dieses Kriterium wissenschaftlich wichtig ist.
- Replikation: Wiederhole einen bereits durchgeführten Versuch mit leicht verändertem Messverfahren. Vergleiche die Datensätze und beurteile, ob die Schlussfolgerung stabil bleibt.
- Mini-Forschungsprojekt: Plane, dokumentiere und präsentiere eine Untersuchung mit Hypothese, Variablenkontrolle, Wiederholungsmessungen, Diagramm, Ergebnis, kritischer Bewertung und mindestens einer Folge-Hypothese.


Lernkontrolle
- Versuchsdiagnose: Eine Gruppe untersucht den Einfluss der Lichtdauer auf Pflanzenwachstum, gießt die länger beleuchteten Pflanzen aber doppelt so stark. Erkläre, warum das Ergebnis die Hypothese nicht eindeutig prüft, und entwickle einen verbesserten Versuchsplan.
- Hypothese verbessern: Überarbeite die Aussage „Sport macht den Puls höher“ zu einer begründeten, überprüfbaren Wenn-Dann-Hypothese mit konkreter Vorhersage und geeigneten Kontrollbedingungen.
- Daten kritisch auswerten: Du erhältst eine Messreihe mit einem deutlichen Ausreißer. Entwickle mindestens zwei plausible Ursachen und entscheide, welche Zusatzmessungen nötig wären, bevor der Wert ausgeschlossen werden dürfte.
- Transfer auf den Alltag: Eine Werbung behauptet, ein Getränk steigere die Konzentration. Entwickle eine Forschungsfrage, eine Hypothese und ein mögliches kontrolliertes Untersuchungsdesign, ohne bereits von einer Wirkung auszugehen.
- Ergebnis und Schlussfolgerung: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels den Unterschied zwischen Messwert, Ergebnis und Schlussfolgerung. Zeige, an welcher Stelle eine zu starke Behauptung entstehen kann.
- Alternative Erklärung: Ein Versuch zeigt einen Zusammenhang zwischen zwei Größen. Entwickle mindestens eine alternative Erklärung durch eine mögliche Störvariable und beschreibe, wie Du zwischen den Erklärungen unterscheiden könntest.
- Folgehypothese: Formuliere aus einem unerwarteten Versuchsergebnis eine neue Forschungsfrage und eine neue begründete Hypothese. Erkläre, weshalb wissenschaftliche Untersuchungen dadurch oft zu neuen Fragen führen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fachbegriffe nennen, sondern sie in einer echten Untersuchung anwenden kannst.
- Begriffe sicher unterscheiden: Vermutung, Hypothese, Vorhersage, Messung, Messwert, Ergebnis und Schlussfolgerung werden korrekt verwendet.
- Hypothesen formulieren: Eine Wenn-Dann-Hypothese verknüpft messbare Größen und enthält eine nachvollziehbare Begründung.
- Variablen bestimmen: Unabhängige, abhängige und wichtige kontrollierte Variablen werden richtig erkannt.
- Vorhersage operationalisieren: Du legst fest, welche konkrete Beobachtung oder Messung Du erwartest.
- Versuch fair planen: Störvariablen werden möglichst kontrolliert und das Messverfahren wird nachvollziehbar beschrieben.
- Daten auswerten: Mehrere Messwerte werden geordnet, verglichen und gegebenenfalls als Mittelwert oder Diagramm dargestellt.
- Hypothese prüfen: Die Schlussfolgerung bezieht sich auf die Daten und formuliert angemessen, ob die Hypothese unterstützt, nicht unterstützt oder noch nicht eindeutig beurteilbar ist.
- Messunsicherheit reflektieren: Wiederholungen, Streuung, Messfehler und Grenzen des Versuchs werden berücksichtigt.
- Transfer leisten: Du kannst das Vorgehen auf eine neue naturwissenschaftliche Fragestellung übertragen.
OERs zum Thema
Zum Vertiefen eignen sich insbesondere die Wikipedia-Artikel zu Hypothesen, Experimenten, Messungen und Falsifikation.
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