NWT9 - Ein Experiment planen

NWT9 - Ein Experiment planen
NWT9 - Ein Experiment planen
Einleitung
Ein gutes Experiment beginnt nicht mit dem ersten Messwert, sondern mit einem Plan. In diesem aiMOOC lernst Du, wie Du in Klasse 9 eine naturwissenschaftliche Untersuchung so vorbereitest, dass sie fair, messbar, wiederholbar und sicher ist. Du trainierst besonders die Unterscheidung von unabhängiger Größe, abhängiger Größe und Kontrollbedingungen, planst sinnvolle Messwiederholungen und legst Material, Aufbau, Durchführung, Datenerfassung und Sicherheitsmaßnahmen fest.
Die vier Leitbeispiele sind Wärmeisolierung, elektrische Leitfähigkeit, Reibung und der Sensorvergleich. Dabei arbeitest Du auf drei Niveaus: G für grundlegendes Arbeiten mit Hilfen, M für weitgehend selbstständiges Planen und E für erweitertes Begründen, Optimieren und Bewerten.

Warum Versuchsplanung wichtig ist
Ein Experiment soll eine Frage beantworten. Damit das Ergebnis aussagekräftig ist, musst Du vorher entscheiden, was Du gezielt veränderst, was Du misst und was gleich bleiben muss. Wenn sich gleichzeitig mehrere wichtige Bedingungen ändern, kannst Du später oft nicht mehr erklären, wodurch ein Unterschied entstanden ist.
Eine gute Planung hilft außerdem, Messbereiche passend zu wählen, unnötige Gefahren zu vermeiden, Material vollständig bereitzulegen und Messwerte so zu dokumentieren, dass andere Gruppen den Versuch nachvollziehen können. Dieses Prinzip gehört zur wissenschaftlichen Methode und zur Reproduzierbarkeit naturwissenschaftlicher Ergebnisse.
Lernziele und Differenzierung G/M/E
| Bereich | G – grundlegend | M – mittleres Niveau | E – erweitertes Niveau |
|---|---|---|---|
| Fragestellung und Hypothese | Du formulierst mit Satzbausteinen eine prüfbare Frage und eine begründete Vermutung. | Du formulierst selbstständig eine prüfbare Frage und eine gerichtete Hypothese. | Du begründest, warum Deine Hypothese mit dem gewählten Versuchsdesign tatsächlich prüfbar ist. |
| Größen | Du erkennst unabhängige und abhängige Größe in einem vorgegebenen Versuch. | Du legst unabhängige Größe, abhängige Größe und wichtige Kontrollbedingungen selbst fest. | Du erkennst zusätzliche Störgrößen und priorisierst, welche davon besonders streng kontrolliert werden müssen. |
| Messung | Du führst mindestens drei Wiederholungen nach Anleitung durch. | Du planst Wiederholungen, Messintervalle und eine geeignete Messwerttabelle. | Du begründest Wiederholungszahl, Referenzmessung und eine einfache Abschätzung der Messunsicherheit. |
| Material und Aufbau | Du wählst Material aus einer Materialkarte und ergänzt eine beschriftete Skizze. | Du stellst eine vollständige Materialliste zusammen und entwickelst einen nachvollziehbaren Aufbau. | Du optimierst den Aufbau im Hinblick auf Vergleichbarkeit, Messgenauigkeit und Fehlerquellen. |
| Sicherheit | Du beachtest vorgegebene Sicherheitsregeln. | Du leitest passende Sicherheitsmaßnahmen aus dem Aufbau ab. | Du bewertest Risiken, schlägst sichere Alternativen vor und begründest deren Auswahl. |
Die Niveaustufen beschreiben Anforderungen an die Aufgabe. Sie sind keine festen Etiketten für Lernende: Du kannst je nach Teilkompetenz zwischen G, M und E wechseln.
Von der Beobachtung zur prüfbaren Frage
Eine naturwissenschaftliche Frage muss so formuliert sein, dass Du sie mit beobachtbaren oder messbaren Daten beantworten kannst. Besonders hilfreich ist das Muster: Wie beeinflusst X die Größe Y, wenn die übrigen Bedingungen gleich bleiben?
Beispiele: „Wie beeinflusst das Isoliermaterial den Temperaturverlust von warmem Wasser?“, „Wie beeinflusst das Material eines gleich großen Probestücks die elektrische Messgröße?“, „Wie beeinflusst die Oberfläche die Reibungskraft?“ oder „Wie unterscheiden sich zwei Temperatursensoren bei derselben Temperatur?“
Eine Hypothese ist eine prüfbare Vermutung. Eine gute Hypothese nennt einen erwarteten Zusammenhang und möglichst eine Begründung. Beispiel: „Wenn die Dämmschicht Wärmeübertragung stärker hemmt, dann ist der Temperaturabfall in derselben Zeit kleiner.“
Unabhängige Größe, abhängige Größe und Kontrollbedingungen

Die unabhängige Größe ist die Größe oder Bedingung, die Du gezielt veränderst. Die abhängige Größe ist das Ergebnis, das Du beobachtest oder misst. Kontrollbedingungen sind die Bedingungen, die möglichst gleich bleiben, damit der Vergleich fair ist. Zusätzlich können Störgrößen auftreten, die Du nicht vollständig kontrollieren kannst, deren Einfluss Du aber erkennen und möglichst klein halten solltest.
Beim Wärmeisolierungsversuch könnte das Isoliermaterial die unabhängige Größe sein. Der Temperaturabfall nach zehn Minuten wäre eine mögliche abhängige Größe. Wassermenge, Gefäß, Starttemperatur, Messdauer, Dicke der Isolierschicht und Position des Temperatursensors wären wichtige Kontrollbedingungen.
Das Video behandelt unabhängige und abhängige Variablen allgemein. Übertrage die Begriffe anschließend bewusst auf naturwissenschaftliche Versuche und ergänze immer die Kontrollbedingungen.
Kontrollbedingungen und Kontrollversuch unterscheiden
Kontrollbedingungen sind Bedingungen, die in allen Vergleichsgruppen gleich bleiben. Ein Kontrollversuch oder eine Referenzbedingung ist dagegen eine zusätzliche Vergleichsvariante. Beim Wärmeisolierungsversuch kann ein gleiches Gefäß ohne zusätzliche Isolierung als Referenz dienen. Beim Sensorvergleich kann ein festgelegter Referenzsensor eine Vergleichsbasis liefern.
Ein fairer Vergleich bedeutet nicht, dass im gesamten Versuch nur eine einzige Größe existiert. Es bedeutet, dass Du die für Deine Fragestellung entscheidende unabhängige Größe gezielt veränderst und andere relevante Einflussgrößen möglichst konstant hältst.
Messwiederholungen, Mittelwert und Messunsicherheit
Kein Messwert ist vollkommen exakt. Ablesung, Sensorauflösung, kleine Unterschiede im Aufbau und Umwelteinflüsse können dazu führen, dass Wiederholungen leicht verschiedene Ergebnisse liefern. Deshalb sind Messwiederholungen wichtig. Für viele Schulversuche sind drei Wiederholungen ein sinnvoller Mindeststart; bei stärker streuenden Messungen können fünf oder mehr Wiederholungen sinnvoll sein.
Der Mittelwert einer Messreihe ist:
Mittelwert = Summe aller Messwerte / Anzahl der Messwerte
Die Spannweite ist die Differenz zwischen größtem und kleinstem Messwert. Sie gibt Dir auf einfache Weise einen Eindruck davon, wie stark die Werte streuen.
| Niveau | Umgang mit Wiederholungen und Unsicherheit |
|---|---|
| G | Führe mindestens drei Messungen unter denselben Bedingungen durch und berechne den Mittelwert. |
| M | Vergleiche zusätzlich die Spannweite und prüfe, ob ein einzelner Wert deutlich aus der Reihe fällt. |
| E | Begründe die Anzahl der Wiederholungen, unterscheide zufällige Streuung von möglichen systematischen Abweichungen und diskutiere, ob die Unterschiede zwischen zwei Bedingungen größer sind als die Messstreuung. |
Material, Aufbau und Durchführung planen
Ein vollständiger Versuchsplan enthält nicht nur Material und einzelne Arbeitsschritte. Er bildet eine Kette von der Frage bis zur Auswertung.
| Planungsbaustein | Leitfrage | Qualitätsmerkmal |
|---|---|---|
| Fragestellung | Was genau will ich herausfinden? | mit Messdaten beantwortbar |
| Hypothese | Welchen Zusammenhang erwarte ich und warum? | prüfbar und begründet |
| Unabhängige Größe | Was verändere ich gezielt? | klar festgelegt |
| Abhängige Größe | Was messe oder beobachte ich? | Einheit und Messmethode angegeben |
| Kontrollbedingungen | Was muss gleich bleiben? | wichtige Einflussgrößen berücksichtigt |
| Material | Welche Geräte, Proben und Hilfsmittel brauche ich? | vollständig und verfügbar |
| Aufbau | Wie sind Geräte und Proben angeordnet? | beschriftete Skizze, standsicher |
| Durchführung | In welcher Reihenfolge arbeite ich? | eindeutig, wiederholbar |
| Messwiederholungen | Wie oft messe ich jede Bedingung? | begründete Anzahl |
| Sicherheit | Welche Gefährdungen sind möglich? | Risiken reduziert, Regeln genannt |
| Datenerfassung | Wie notiere ich Messwerte? | Tabelle mit Einheiten |
| Auswertung | Wie vergleiche ich die Daten? | Mittelwert, Diagramm oder geeignete Kenngröße |

Das Foto zeigt, wie wichtig ein übersichtlicher und standsicherer Aufbau im Labor ist. Für die hier vorgeschlagene Wärmeisolierungs-Untersuchung ist eine offene Flamme nicht erforderlich; warmes Wasser reicht aus und ist für einen Schülergruppenversuch meist die sicherere Wahl.
Sicherheit vor der Durchführung

Sicherheit ist Teil der Versuchsplanung und nicht erst eine Regel für die Durchführung. Prüfe vor dem Start Arbeitsfläche, Geräte, Kabel, heiße Gegenstände, Stolperstellen, bewegte Körper und mögliche Gefahrstoffe. Verwende nur schulisch freigegebene Geräte und halte Anweisungen der Lehrkraft ein.



Die Zeichen erinnern an typische Gefährdungsarten. In den vier Kernversuchen dieses aiMOOCs sind keine Gefahrstoffe erforderlich. GHS-Piktogramme sind nur dann relevant, wenn tatsächlich entsprechend gekennzeichnete Stoffe verwendet werden.
| Use-Case | Zentrale Sicherheitsidee |
|---|---|
| Wärmeisolierung | Verwende warmes statt kochendes Wasser, stelle Gefäße standsicher auf und wische verschüttetes Wasser sofort auf. |
| Leitfähigkeit | Verwende ausschließlich eine sichere Kleinspannungsquelle aus dem Schulversuch. Niemals Netzspannung verwenden. Widerstandsmessungen mit dem Multimeter nur am spannungsfreien Probestück durchführen. |
| Reibung | Sichere den Bewegungsweg, vermeide herabfallende Massen und halte Hände aus dem Bewegungsbereich gespannter Schnüre. |
| Sensorvergleich | Verwende nur ungefährliche Temperaturbereiche, schütze elektronische Geräte vor Wasser und tauche nur dafür vorgesehene Fühler ein. |
Materialkarten für die vier Use-Cases
Use-Case 1: Wärmeisolierung planen
Fragestellung: Wie beeinflusst das Isoliermaterial den Temperaturabfall von warmem Wasser innerhalb einer festgelegten Zeit?
Unabhängige Größe: Art des Isoliermaterials.
Abhängige Größe: Temperaturabfall, zum Beispiel ΔT = Starttemperatur − Endtemperatur.
Wichtige Kontrollbedingungen: gleiches Gefäß, gleiche Wassermenge, gleiche Starttemperatur, gleiche Isolierfläche und möglichst gleiche Schichtdicke, gleiche Messdauer, gleicher Deckel, gleiche Sensorposition und möglichst gleiche Raumluftbedingungen.
Material: identische Becher, Thermometer oder Temperaturfühler, Messzylinder, Stoppuhr, warmes Wasser, verschiedene Isoliermaterialien und eine Variante ohne zusätzliche Isolierung als Referenz.
Aufbau: Die Gefäße stehen mit Abstand nebeneinander auf derselben Unterlage. Jedes Gefäß enthält dieselbe Wassermenge. Die Temperaturfühler befinden sich an vergleichbarer Position, ohne direkt an der Gefäßwand anzuliegen.
Durchführung: Fülle alle Gefäße auf dieselbe Wassermenge und möglichst dieselbe Starttemperatur. Starte die Zeitmessung gleichzeitig. Miss nach festen Zeitabständen oder nach einer vorher festgelegten Gesamtzeit. Wiederhole jede Bedingung mindestens dreimal.
Sicherheit: Verwende warmes, nicht kochendes Wasser. Prüfe die Standfestigkeit der Gefäße und halte Elektronik trocken.

Das Bild zeigt die starke Wärmedämmwirkung von Aerogel in einer professionellen Demonstration. Es dient hier nur zur Veranschaulichung von Wärmeisolierung und ist keine Aufforderung, den gezeigten Versuch nachzumachen.
G-Auftrag: Vergleiche zwei Isoliermaterialien und eine Referenz ohne zusätzliche Isolierung. Bestimme für jede Bedingung drei Temperaturabfälle und den Mittelwert.
M-Auftrag: Vergleiche mindestens drei Isoliermaterialien. Begründe fünf Kontrollbedingungen und stelle den Temperaturverlauf in einem Diagramm dar.
E-Auftrag: Plane zusätzlich, wie Du unterschiedliche Materialdicken fair vergleichst. Diskutiere, ob „bestes Material“ ohne Angabe der Dicke überhaupt eine eindeutige Aussage ist.
| Isoliermaterial | ΔT Versuch 1 | ΔT Versuch 2 | ΔT Versuch 3 | Mittelwert | Spannweite |
|---|---|---|---|---|---|
| Material A | |||||
| Material B | |||||
| Referenz ohne Zusatzisolierung |
Use-Case 2: Elektrische Leitfähigkeit planen
Fragestellung: Wie beeinflusst das Material eines geometrisch vergleichbaren Probestücks die elektrische Messgröße?
Unabhängige Größe: Material des Probestücks.
Abhängige Größe: je nach Aufbau Stromstärke bei festgelegter Kleinspannung oder elektrischer Widerstand des spannungsfreien Probestücks.
Wichtige Kontrollbedingungen: gleiche Probenlänge, möglichst gleicher Querschnitt, gleiche Kontaktstellen, gleiche Kontaktkraft, gleiche Temperatur und bei Strommessungen dieselbe Spannung.

Für einen quantitativen Vergleich ist es günstiger, gleich geformte Probestücke zu verwenden. Sonst kann ein größerer Widerstand nicht nur am Material, sondern auch an größerer Länge oder kleinerem Querschnitt liegen.
Material: schulisch freigegebene Kleinspannungsquelle, Leitungen, Krokodilklemmen, Schalter, Anzeigeelement oder Multimeter und Probestücke aus unterschiedlichen festen Materialien.
Aufbau: Das Probestück wird als Teststrecke in denselben Stromkreis eingesetzt. Für jede Probe werden dieselben Anschlussstellen und derselbe Messbereich verwendet. Bei einer Widerstandsmessung ist das Probestück von einer äußeren Spannungsquelle getrennt.
Durchführung: Prüfe zuerst den Aufbau mit einem bekannten Leiter. Setze dann die Probestücke nacheinander ein. Führe für jede Probe mindestens drei Messungen unter möglichst gleichen Kontaktbedingungen durch.
Sicherheit: Arbeite ausschließlich mit sicherer Kleinspannung im Schulversuch. Schließe niemals an Netzspannung an. Vermeide Kurzschlüsse. Ändere den Messbereich oder die Verkabelung nur bei ausgeschalteter Spannungsquelle.
G-Auftrag: Ordne feste Proben bei gleichbleibendem Aufbau qualitativ in gute und schlechte Leiter ein.
M-Auftrag: Miss eine geeignete elektrische Größe quantitativ und vergleiche die Mittelwerte bei gleicher Probengeometrie.
E-Auftrag: Nutze bei gleichförmigen Proben den Zusammenhang R = ρ · L / A qualitativ oder quantitativ. Erkläre, warum ein fairer Materialvergleich Länge L und Querschnittsfläche A berücksichtigen muss.
Use-Case 3: Reibung planen
Fragestellung: Wie beeinflusst die Oberfläche die Reibungskraft beim gleichförmigen Ziehen desselben Körpers?

Unabhängige Größe: Material oder Beschaffenheit der Unterlage.
Abhängige Größe: Zugkraft bei möglichst gleichförmiger Bewegung; sie dient als Maß für die Gleitreibungskraft im gewählten Aufbau.
Wichtige Kontrollbedingungen: derselbe Reibkörper, dieselbe Masse, gleiche Kontaktfläche, gleiche Zugrichtung, möglichst gleiche Geschwindigkeit, gleicher Messweg und gleiche Ablesemethode.
Material: Reibkörper, Federkraftmesser oder Kraftsensor, verschiedene Unterlagen, Maßband, gegebenenfalls Zusatzmassen.
Aufbau: Der Kraftmesser wird horizontal am Reibkörper befestigt. Die Zugrichtung soll möglichst parallel zur Unterlage verlaufen, damit sich die Normalkraft nicht unnötig verändert.
Durchführung: Ziehe den Körper über einen festgelegten Weg mit möglichst gleichmäßiger Geschwindigkeit. Notiere die Kraft im gleichförmigen Abschnitt. Wiederhole jede Oberfläche mindestens fünfmal, wenn die Werte deutlich schwanken.
Sicherheit: Sichere lose Unterlagen, halte den Weg frei und vermeide überdehnte Federkraftmesser oder herabfallende Zusatzmassen.
G-Auftrag: Vergleiche zwei Oberflächen mit demselben Körper und bilde Mittelwerte.
M-Auftrag: Vergleiche mindestens drei Oberflächen und dokumentiere zusätzlich die Spannweite jeder Messreihe.
E-Auftrag: Untersuche, wie eine zweite unabhängige Größe – zum Beispiel die Masse des Körpers – in einer getrennten Messreihe variiert werden kann, ohne den ersten Vergleich unklar zu machen.
Use-Case 4: Sensorvergleich planen
Fragestellung: Wie unterscheiden sich mehrere Temperatursensoren hinsichtlich Messwert, Abweichung von einer Referenz und Reaktionszeit?


Unabhängige Größe: verwendeter Sensor oder Sensortyp.
Abhängige Größen: angezeigte Temperatur, Abweichung von einer festgelegten Referenz und gegebenenfalls Reaktionszeit bis zu einem stabilen Messwert.
Wichtige Kontrollbedingungen: dasselbe Wasserbad, möglichst gleicher Messort, gleiche Eintauchtiefe, gleiche Startbedingungen, identische Zeitpunkte der Ablesung und dieselbe Definition für „stabil“.
Material: mindestens zwei Temperaturfühler, ein vereinbartes Referenzthermometer, drei Wasserbäder mit kaltem, raumtemperiertem und warmem Wasser im ungefährlichen Bereich, Stoppuhr und Halterung.
Aufbau: Die Messfühler werden so positioniert, dass sie dieselbe Umgebungstemperatur erfassen und sich möglichst nicht gegenseitig oder die Gefäßwand berühren.
Durchführung: Vergleiche die Sensoren bei mindestens drei Temperaturen. Wiederhole jede Temperaturbedingung. Notiere neben dem Messwert auch den Zeitpunkt, ab dem sich die Anzeige nur noch wenig verändert.
G-Auftrag: Vergleiche zwei Sensoren bei drei Temperaturen und notiere die Differenz ihrer Anzeigen.
M-Auftrag: Verwende einen Referenzsensor und berechne für jeden Prüfsensor die Abweichung vom Referenzwert.
E-Auftrag: Erstelle eine Kalibrierkurve oder eine Abweichungskurve und diskutiere, ob ein Sensor immer um denselben Betrag abweicht oder ob die Abweichung von der Temperatur abhängt.
Interaktive Planungstools und Simulationen
Digitale Werkzeuge ersetzen den realen Versuch nicht, können aber helfen, Variablen und Kontrollbedingungen vorab zu testen.
PhET – Stromkreise schalten: Gleichstrom:
Nutze die Simulation, um zu prüfen, welche Größen in einem elektrischen Aufbau verändert werden können und welche für einen fairen Vergleich gleich bleiben sollten.
PhET – Widerstand in einem Kabel:
Verändere nacheinander spezifischen Widerstand, Länge und Querschnitt. Formuliere danach eine Regel dafür, warum bei einem Materialvergleich die Probengeometrie kontrolliert werden muss.
Weitere offene Werkzeuge: PhET Kräfte und Bewegung: Grundlagen eignet sich zur Vorplanung eines Reibungsversuchs. phyphox kann Smartphone-Sensoren für viele Experimente nutzbar machen und Messdaten exportieren. Labster Versuchsplanung bietet einen digitalen Zugang zu Grundlagen des experimentellen Designs.
Planungsraster zum Ausfüllen
Kopiere dieses Raster in Dein Heft, Lernportfolio oder digitales Dokument. Fülle es aus, bevor Du Material aufbaust.
| Planungsfeld | Deine Eintragung |
|---|---|
| Fragestellung | |
| Hypothese mit Begründung | |
| Unabhängige Größe | |
| Abhängige Größe mit Einheit | |
| Kontrollbedingungen | |
| mögliche Störgrößen | |
| Material | |
| Aufbauskizze | |
| Sicherheitsmaßnahmen | |
| Messwiederholungen | |
| Messwerttabelle | |
| geplante Auswertung | |
| Kriterium für eine Aussage |
Qualitätscheck vor dem Start
| Prüffrage | G | M | E |
|---|---|---|---|
| Ist klar, was verändert und was gemessen wird? | benennen | mit Einheiten festlegen | Operationalisierung begründen |
| Sind wichtige Bedingungen konstant? | drei nennen | mindestens fünf begründen | Störgrößen priorisieren |
| Sind Wiederholungen geplant? | mindestens drei | Anzahl begründen | Streuung und Messunsicherheit berücksichtigen |
| Ist der Aufbau nachvollziehbar? | Skizze | beschriftete Skizze mit Messstellen | Optimierung gegen Fehlerquellen |
| Ist der Versuch sicher? | Regeln anwenden | Risiken benennen | sichere Alternativen abwägen |
| Ist die Auswertung vorab klar? | Mittelwert | Mittelwert und Diagramm | Vergleich mit Streuung, Referenz oder Modell |
Wenn Du mehrere Kästchen noch nicht sicher beantworten kannst, verbessere den Plan vor der Durchführung. Gute Naturwissenschaft bedeutet auch, einen Plan zu überarbeiten.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist die unabhängige Größe in einem Experiment? (Die Größe, die gezielt verändert wird) (!Die Größe, die nur am Ende gemessen wird) (!Jede Größe, die eine Einheit besitzt) (!Die Größe mit dem größten Zahlenwert)
Welche Größe ist beim Wärmeisolierungsversuch geeignet als abhängige Größe? (Der Temperaturabfall nach einer festgelegten Zeit) (!Der Name des Isoliermaterials) (!Die Farbe des Bechers) (!Die Anzahl der Gruppen im Klassenraum)
Warum werden Kontrollbedingungen möglichst konstant gehalten? (Damit Unterschiede eher auf die untersuchte unabhängige Größe zurückgeführt werden können) (!Damit keine Messwerte notiert werden müssen) (!Damit die abhängige Größe unverändert bleibt) (!Damit nur ein einziger Versuchsdurchgang nötig ist)
Wozu dienen Messwiederholungen besonders? (Sie machen Streuung sichtbar und ermöglichen einen belastbareren Mittelwert) (!Sie ersetzen die Festlegung einer Fragestellung) (!Sie machen Kontrollbedingungen überflüssig) (!Sie garantieren immer exakt gleiche Messwerte)
Welche Sicherheitsregel gilt beim Leitfähigkeitsversuch? (Nur sichere Kleinspannung aus dem Schulversuch verwenden) (!Eine Steckdose liefert besonders gut vergleichbare Messwerte) (!Den Widerstand eines eingeschalteten Netzgeräts direkt messen) (!Feuchte Hände verbessern den Kontakt und sind deshalb sinnvoll)
Welche Bedingung sollte beim Vergleich verschiedener Reibungsoberflächen gleich bleiben? (Die Masse des Reibkörpers) (!Das Material der Unterlage) (!Die zu vergleichende Oberfläche) (!Die unabhängige Größe)
Was verbessert die Vergleichbarkeit zweier Temperatursensoren? (Beide Fühler messen möglichst gleichzeitig am gleichen Ort desselben Wasserbads) (!Jeder Sensor wird in einem anderen Raum getestet) (!Ein Sensor wird tief und der andere nur an der Oberfläche gemessen) (!Für jeden Sensor wird eine andere Ablesezeit verwendet)
Warum sollten Probestücke beim Leitfähigkeitsvergleich möglichst dieselbe Geometrie haben? (Weil Länge und Querschnitt den elektrischen Widerstand beeinflussen) (!Weil nur runde Proben Strom leiten können) (!Weil das Material dann keine Rolle mehr spielt) (!Weil eine Messwiederholung sonst verboten ist)
Welche Funktion kann ein Gefäß ohne Zusatzisolierung im Wärmeversuch haben? (Es kann als Referenzbedingung dienen) (!Es ersetzt alle Messwiederholungen) (!Es ist automatisch die abhängige Größe) (!Es verhindert jeden Wärmeverlust)
Was ist ein Kennzeichen eines fairen Vergleichs? (Eine zentrale unabhängige Größe wird gezielt verändert und wichtige andere Bedingungen bleiben gleich) (!Alle Bedingungen werden gleichzeitig verändert) (!Nur der größte Messwert wird ausgewertet) (!Die Hypothese wird nach dem Ergebnis formuliert)
Memory
| Unabhängige Größe | gezielt verändert |
| Abhängige Größe | gemessenes Ergebnis |
| Kontrollbedingung | möglichst konstant gehalten |
| Messwiederholung | Streuung sichtbar machen |
| Mittelwert | Durchschnitt einer Messreihe |
| Referenzsensor | Vergleichsbasis für Messwerte |
| Reproduzierbarkeit | Versuch nachvollziehbar wiederholen |
| Sicherheitsregel | Risiko gezielt reduzieren |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Fragestellung | formuliert, was untersucht werden soll |
| Hypothese | sagt einen prüfbaren Zusammenhang voraus |
| Unabhängige Größe | wird gezielt verändert |
| Abhängige Größe | wird gemessen oder beobachtet |
| Kontrollbedingung | bleibt für einen fairen Vergleich gleich |
| Messwiederholung | liefert mehrere Werte unter derselben Bedingung |
| Materialliste | nennt benötigte Geräte, Proben und Hilfsmittel |
| Sicherheitsmaßnahme | reduziert ein erkanntes Risiko |
Kreuzworträtsel
| Hypothese | Wie heißt eine prüfbare Vorhersage vor dem Versuch? |
| Variable | Wie heißt eine veränderliche oder messbare Größe? |
| Mittelwert | Wie heißt der Durchschnittswert einer Messreihe? |
| Reibung | Welche Kraftwirkung hemmt die Relativbewegung zweier Oberflächen? |
| Sensor | Wie heißt ein Messfühler, der eine physikalische Größe erfasst? |
| Kontrollbedingung | Wie heißt eine Bedingung, die für einen fairen Vergleich gleich bleiben soll? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Variablen markieren: Wähle einen der vier Use-Cases und markiere unabhängige Größe, abhängige Größe und drei Kontrollbedingungen.
- Materialkarte gestalten: Erstelle für einen Use-Case eine eigene Materialkarte mit Bildern oder Skizzen und kurzen Funktionsbeschreibungen.
- Sicherheitsplakat: Gestalte ein Plakat mit fünf Sicherheitsregeln für Schülerexperimente und ordne jede Regel einem konkreten Risiko zu.
- Aufbauskizze: Zeichne einen beschrifteten Aufbau für Wärmeisolierung, Leitfähigkeit, Reibung oder Sensorvergleich und kennzeichne die Messstelle.
Standard
- Isoliermaterial prüfen: Plane und führe einen fairen Vergleich von mindestens drei Isoliermaterialien mit Referenzbedingung und drei Wiederholungen durch.
- Leitfähigkeit vergleichen: Entwickle einen sicheren Kleinspannungsversuch für feste Proben und begründe, welche geometrischen Bedingungen gleich bleiben müssen.
- Reibungsmessung auswerten: Nimm für drei Oberflächen Messreihen auf, berechne Mittelwert und Spannweite und stelle die Ergebnisse in einem Diagramm dar.
- Sensoren vergleichen: Vergleiche zwei Temperatursensoren bei mindestens drei Temperaturen und dokumentiere Abweichungen und Reaktionszeiten.
Schwer
- Versuch optimieren: Suche in einem vorhandenen Aufbau drei Quellen für Messunsicherheit und entwickle für jede eine konkrete Verbesserung.
- Störgrößenjagd: Erfinde einen absichtlich unfairen Versuchsplan. Tausche ihn mit einer anderen Gruppe und verbessert gegenseitig alle erkannten Störgrößen.
- Kalibrierprojekt: Erstelle für einen Temperatursensor eine einfache Kalibrier- oder Abweichungskurve und diskutiere die Grenzen Deiner Referenz.
- Transfer-Challenge: Entwickle zu einer neuen Frage aus Alltag oder Technik einen vollständigen Versuchsplan mit Hypothese, Größen, Kontrollen, Wiederholungen, Sicherheit und Auswertung.


Lernkontrolle
- Fehlerdiagnose: Eine Gruppe vergleicht zwei Isoliermaterialien, verwendet aber verschieden große Becher und unterschiedliche Wassermengen. Erkläre, warum das Ergebnis schwer interpretierbar ist, und entwirf einen verbesserten Plan.
- Kontrollbedingungen priorisieren: Für einen Reibungsversuch können nicht alle Bedingungen perfekt konstant gehalten werden. Begründe, welche drei Bedingungen Du am strengsten kontrollieren würdest und warum.
- Wiederholungen bewerten: Zwei Gruppen erhalten ähnliche Mittelwerte, aber eine Messreihe streut deutlich stärker. Erkläre, wie sich das auf Dein Vertrauen in die Aussage auswirkt und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
- Sensorvergleich übertragen: Ein Sensor reagiert schnell, zeigt aber konstant etwa einen Grad mehr als die Referenz. Ein anderer reagiert langsam, liegt am Ende aber nahe an der Referenz. Entscheide für eine konkrete Anwendung, welcher Sensor geeigneter ist, und begründe.
- Leitfähigkeitsvergleich prüfen: Zwei Drahtproben bestehen aus verschiedenen Materialien, sind aber unterschiedlich lang. Erkläre, warum der reine Widerstandsvergleich unfair sein kann, und schlage eine bessere Versuchsanordnung vor.
- Sicherheits-Redesign: Ein geplanter Versuch verwendet sehr heißes Wasser und frei liegende elektrische Geräte direkt daneben. Entwickle eine sichere Alternative, die dieselbe Forschungsfrage beantwortet.
- Neue Untersuchung: Übertrage das Prinzip „eine Größe verändern, eine Größe messen, wichtige Bedingungen kontrollieren“ auf eine selbst gewählte technische Frage und begründe jede Planungsentscheidung.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe nennen, sondern einen belastbaren Versuchsplan entwickeln und begründen kannst.
- Fragestellung: Eine messbare und eindeutige Untersuchungsfrage formulieren.
- Hypothese: Eine prüfbare Vermutung mit Begründung angeben.
- Unabhängige Größe: Die gezielt veränderte Größe eindeutig festlegen.
- Abhängige Größe: Die gemessene Größe mit Einheit und Messverfahren angeben.
- Kontrollbedingungen: Relevante konstante Bedingungen erkennen und begründen.
- Messwiederholung: Eine sinnvolle Anzahl an Wiederholungen planen und Mittelwerte korrekt bilden.
- Messunsicherheit: Streuung und mögliche Fehlerquellen erkennen und bei der Aussage berücksichtigen.
- Material: Eine vollständige und realistische Materialliste erstellen.
- Versuchsaufbau: Einen sicheren, beschrifteten und nachvollziehbaren Aufbau darstellen.
- Durchführung: Arbeitsschritte eindeutig, logisch und reproduzierbar beschreiben.
- Sicherheit: Risiken erkennen und geeignete Schutzmaßnahmen begründen.
- Auswertung: Daten mit Tabelle, Mittelwert, Diagramm, Referenz oder einfacher Fehlerbetrachtung passend zur Fragestellung auswerten.
- Reflexion: Grenzen des eigenen Experiments benennen und Verbesserungen vorschlagen.
OERs zum Thema
Weitere frei zugängliche Lernangebote sind Wissenschaftliche Methode, LEIFIphysik, PhET Interactive Simulations, phyphox und PhySX – Physikalische Schulexperimente.
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