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Michael Jackson - Earth Song

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Michael Jackson - Earth Song




Michael Jackson – Earth Song

Earth Song ist ein 1995 veröffentlichter Song von Michael Jackson aus dem Album HIStory: Past, Present and Future, Book I. Der Titel verbindet eine langsame, dramatisch anwachsende Pop-Ballade mit Elementen aus Gospel, Blues, Rock und orchestraler Klanggestaltung. Inhaltlich richtet sich der Song gegen Krieg, Umweltzerstörung, Tierleid und gesellschaftliche Gleichgültigkeit. Auffällig ist, dass die musikalische Dramaturgie von einer zunächst zurückgenommenen Klangfläche zu einem sehr dichten, chorisch geprägten Finale führt.

Dieser aiMOOC untersucht genau die veröffentlichte Studioaufnahme sowie ihren Entstehungsprozess, ihre Produktion, musikalische Gestaltung, Textthemen, Bildsprache, Rezeption und spätere Aufführungsformen. Vollständige Lyrics oder eine vollständige Partitur werden aus urheberrechtlichen Gründen nicht wiedergegeben. Kurze Zitate dienen ausschließlich der Analyse; die Score-Beispiele sind selbst erstellt und keine Transkriptionen des Songs.

Das Bild der Erde wurde vom NASA-EPIC-Team aufgenommen und ist auf Wikimedia Commons als Public-Domain-Material dokumentiert. Es eignet sich als visueller Einstieg in die zentrale Perspektive des Songs: die Erde nicht nur als Schauplatz menschlicher Geschichte, sondern als verletzlichen gemeinsamen Lebensraum zu betrachten.

Das oben eingebettete Video ist das offizielle Musikvideo auf Michael Jacksons offiziellem YouTube-Kanal. Es ist urheberrechtlich geschützt und deshalb kein frei nachnutzbares OER-Medium; die Einbettung dient hier der Analyse über die von YouTube bereitgestellte Embed-Funktion.


Einleitung

Earth Song entstand über einen ungewöhnlich langen Zeitraum. Nach Angaben der Official Charts Company wurde der Song 1988 während der Bad World Tour zunächst unter dem Arbeitstitel What About Us entwickelt, 1989 erstmals aufgenommen und 1995 fertiggestellt.[1] Die veröffentlichte Aufnahme wurde von Michael Jackson, David Foster und Bill Bottrell produziert. Session-Credits nennen unter anderem Steve Ferrone am Schlagzeug, Guy Pratt am E-Bass, Michael Thompson an der E-Gitarre, David Paich am Klavier und Synthesizer sowie Michael Boddicker an Synthesizern.[2]

Das freie Commons-Foto zeigt Michael Jackson am 2. Juni 1988 bei einem Auftritt in Wien während der Bad World Tour. Es ist kein Bild von der Songaufnahme selbst, veranschaulicht aber genau jene Tourphase, in der die Grundidee von Earth Song entstand. Die Datei steht auf Commons unter CC BY-SA 2.0.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du die Entstehung von Earth Song in die späten 1980er- und mittleren 1990er-Jahre einordnen, mindestens drei aufnahmespezifische Besonderheiten erklären, Stil und Genre differenziert beschreiben, Form und Steigerungsdramaturgie hörend nachvollziehen, zentrale Instrumente und Produktionsmittel erkennen, Textthemen sinngemäß auf Deutsch erschließen, das Musikvideo als eigenständige audiovisuelle Interpretation analysieren, eine Studiofassung mit einer späteren Live- beziehungsweise Probenfassung vergleichen und Quellen hinsichtlich Aussagekraft, Urheberrecht und Medienlizenz bewerten.


Entstehung und zeitgeschichtlicher Kontext


Von 1988 bis 1995

Die lange Entstehungszeit ist für das Verständnis des Songs entscheidend. Official Charts beschreibt, dass Jackson den Song bereits 1988 während der Bad World Tour komponierte, 1989 eine frühe Aufnahme entstand und die endgültige Fassung erst 1995 abgeschlossen wurde.[1] Dadurch gehört Earth Song konzeptionell noch in die späte Bad-Ära, klanglich aber in die großformatige Produktionsästhetik des Albums HIStory.

Die Entstehungszeit fällt in eine Phase, in der Umweltprobleme international stärker als globale politische und gesellschaftliche Themen wahrgenommen wurden. Der Earth Summit der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro brachte 1992 Vertreter aus 179 Staaten zusammen und verband Fragen von Umwelt, Entwicklung, Klima und Biodiversität.[3] Parallel prägten Kriege und ethnische Gewalt in Teilen Europas die Nachrichten. Das Musikvideo von Earth Song greift solche Erfahrungen auf, unter anderem mit Aufnahmen aus Karlovac in Kroatien.

Das freie Commons-Foto zeigt einen zerstörten Panzer in Karlovac 1992. Es ist kein Standbild aus dem Musikvideo, dokumentiert aber den realen Kriegskontext des Ortes, an dem später Szenen für das Video gedreht wurden.


Umweltzerstörung als zeitgenössischer Erfahrungshorizont

Die ökologischen Bilder des Songs waren in den 1990er-Jahren nicht abstrakt. NASA-Auswertungen zeigen, dass im Amazonasgebiet bereits seit Jahrzehnten großflächige Entwaldung per Satellit dokumentiert wurde und in den 1990er- und 2000er-Jahren zeitweise mehr als 20.000 Quadratkilometer brasilianischer Regenwald pro Jahr verloren gingen.[4]

Das NASA-Satellitenbild auf Wikimedia Commons zeigt das typische fischgrätenartige Muster der Entwaldung im Amazonasgebiet.

Der frei lizenzierte beziehungsweise als NASA-Material gemeinfreie Zeitraffer zeigt die Entwaldung in Rondônia von 2000 bis 2010. Er ist kein Bestandteil des Michael-Jackson-Videos, macht aber den realen ökologischen Prozess sichtbar, auf den die Bildwelt von Earth Song verweist.


Mindestens drei belegte Besonderheiten der konkreten Studioaufnahme


Besonderheit 1: Akustisches Schlagzeug setzte sich gegen elektronische Drums durch

Schlagzeuger Steve Ferrone berichtete, dass Michael Jackson zunächst elektronische Drums bevorzugte. Ferrone schlug vor, sowohl eine elektronische als auch eine akustische Version einzuspielen. Nach dem Vergleich entschied sich Jackson für die akustische Schlagzeugfassung, die schließlich auf der Aufnahme verwendet wurde.[5]

Diese Entscheidung ist musikalisch bedeutsam: Das reale Drumset gibt dem späteren Crescendo mehr physische Wucht und unterstützt den Eindruck einer zunehmend „erdigen“, körperlichen Klanglichkeit.

Das Commons-Foto zeigt ein akustisches Drumset als Anschauungsbeispiel. Es ist nicht das bei der Originalsession verwendete Instrument.


Besonderheit 2: Guy Pratts Basspart hat eine konkrete Vorgeschichte

Der Bassist Guy Pratt erklärte in einem Interview, dass Michael Jackson seine Arbeit auf Madonnas Like a Prayer gehört habe und ihn deshalb für Earth Song ins Studio holen ließ. Pratt beschrieb den Basssound von Earth Song zudem als eine weitere Arbeit mit Oktav-Effekt und erwähnte, dass er eine Basslinien-Idee aus Jacksons Bad als Ausgangspunkt aufgriff.[6]

Damit lässt sich eine zweite Besonderheit direkt an die veröffentlichte Aufnahme binden: Der Bass ist nicht bloß funktionale Grundtonstütze, sondern Teil eines bewusst gestalteten, effektbearbeiteten Tiefenfundaments.


Besonderheit 3: Gospelchor und Call-and-Response prägen den Höhepunkt

Die Credits nennen Andraé Crouch, Sandra Crouch und den Andraé Crouch Choir als Hintergrundstimmen.[2] Im letzten großen Steigerungsabschnitt antwortet der Chor auf Jacksons Leadgesang. Dieses Prinzip des Call and Response ist eng mit Gospeltraditionen verbunden und verwandelt die persönliche Klage der Solostimme in einen kollektiven Ruf.

Das frei lizenzierte Commons-Foto zeigt Chor und Orchester als allgemeines Beispiel für die Klangkörper, deren Kombination für die monumentale Schlusswirkung von Earth Song wichtig ist.


Besonderheit 4: Mehrere Produzenten und ein stark geschichteter Studioklang

Michael Jackson, David Foster und Bill Bottrell werden als Produzenten der Aufnahme geführt; Bruce Swedien war als Recording Engineer und Mixer beteiligt.[2] Die Besetzung kombiniert Pop- und Rockinstrumente mit Synthesizern, Klavier, Chor und orchestralen Farben. Das Ergebnis ist kein „Live im Raum“-Sound, sondern ein sorgfältig geschichtetes Studioarrangement.


Besonderheit 5: Langzeitproduktion statt spontaner Singlesession

Die Entstehung von 1988 über frühe Aufnahmen 1989 bis zur Fertigstellung 1995 zeigt, dass Earth Song über Jahre weiterentwickelt wurde.[1] Diese lange Reifung passt zur hörbaren Form: Der Song setzt weniger auf eine kurze Hook-Struktur als auf einen großen dramaturgischen Bogen.


Stil und Genre

Earth Song wird häufig als Pop-Ballade mit Blues- und Gospel-Elementen beschrieben. Diese Zuordnung ist sinnvoll, wenn Du mehrere Ebenen unterscheidest:

Ebene Hörbares Merkmal Stilistische Nähe
Grundcharakter Langsames Tempo, große dynamische Steigerung, emotionale Solostimme Pop-Ballade
Harmonik und Ausdruck Mollfärbung, klagender Charakter, spannungsreiche Steigerungen Blues-nahe Ausdrucksästhetik
Schlussabschnitt Chorische Antworten auf die Solostimme, Wiederholung, gemeinschaftlicher Ruf Gospel
Klangverdichtung E-Gitarre, kräftiges Schlagzeug, massiver Höhepunkt Rock
Flächen und Großform Synthesizer, Klavier, Streicher-/Orchesterfarben symphonisch geprägte Popproduktion

Die Mischung ist ein wichtiger Grund dafür, dass der Song zugleich intim, hymnisch und monumental wirken kann.


Melodie und Harmonik


Melodische Gestaltung

Die Melodik der Strophen ist vergleichsweise textnah und lässt viel Raum für die rhetorischen Fragen. Die Melodie wirkt zunächst kontrolliert und schrittweise, während die Stimme später immer stärker in ausgerufene, gedehnte und improvisatorisch wirkende Gesten übergeht. Der Song baut seine Wirkung also nicht nur durch „mehr Instrumente“, sondern auch durch einen Wandel des Gesangsstils auf.

Besonders prägnant ist der wortlose, klagende Refraincharakter. Er ist für Hörerinnen und Hörer unabhängig von Sprachkenntnissen unmittelbar erfassbar und fungiert als emotionale Verdichtung.


Harmonik

Eine veröffentlichte Piano/Vocal/Guitar-Ausgabe führt Earth Song in Es-Moll und notiert einen langsamen 4/4-Takt.[7] Für die Höranalyse ist wichtiger als einzelne Akkordbezeichnungen, dass die Harmonik lange Mollräume etabliert, Spannung über Wiederholung erzeugt und den Schluss durch harmonische und klangliche Verdichtung größer wirken lässt.

Die folgenden Score-Beispiele sind selbst erstellt. Sie zeigen nur allgemeine Analyseprinzipien wie Mollfärbung, Steigerung und Call-and-Response. Sie sind keine Transkription von Jacksons Melodie oder Partitur.


Score-Beispiel 1: Selbst erstellte Moll-Klangfläche


\relative c' {
  \key ees \minor
  \time 4/4
  \tempo 4 = 70
  ees4\p ges bes ges |
  des4 aes' f des |
  ees4 ges bes ees |
  bes2 ees,2 \bar "|."
}

Dieses Mini-Beispiel zeigt, wie eine langsame Moll-Klangfläche mit großen Intervallsprüngen und offenen Lagen einen ernsten, weiten Charakter erzeugen kann.


Score-Beispiel 2: Selbst erstelltes Crescendo-Modell


\relative c' {
  \key c \minor
  \time 4/4
  c2\p g'2 |
  c,4 d ees f |
  g8\< aes bes c d ees f g\! |
  c1\f \bar "|."
}

Das Beispiel macht hörbar, wie aus längeren Notenwerten und geringer Lautstärke durch kürzere Werte, Aufwärtsbewegung und Crescendo ein dramatischer Höhepunkt entstehen kann. Genau ein solches Prinzip der progressiven Verdichtung ist für die Großform von Earth Song zentral, auch wenn die tatsächlichen Töne hier bewusst frei erfunden sind.


Score-Beispiel 3: Selbst erstelltes Call-and-Response-Modell


\relative c' {
  \key c \minor
  \time 4/4
  <<
    { g'4\mf aes bes2 | r2 g4 f }
    \\
    { r2 ees4 f | g2 ees2 }
  >>
  \bar "|."
}

Hier antwortet eine zweite Stimme auf eine erste. In Earth Song wird ein vergleichbares Prinzip im Finale durch das Wechselspiel von Jacksons Leadstimme und Chor besonders wirksam.


Rhythmus und Tempo

Die veröffentlichte Notenausgabe charakterisiert das Stück als langsam und im 4/4-Takt.[7] In der Aufnahme kann der Puls je nach Zählweise ungefähr als langsamer Grundpuls oder doppelt so schnell empfunden werden. Entscheidend ist die Wirkung: Die Strophen besitzen viel Raum zwischen den Akzenten, während das Finale durch Schlagzeug, Chor, Wiederholungen und dichtere Artikulation deutlich dringlicher erscheint.

Rhythmisch entsteht also kein klassischer Tanz-Groove. Der Puls trägt vielmehr eine Prozession vom Nachdenken zum Aufschrei.


Gesang

Michael Jacksons Gesang verändert sich im Verlauf deutlich:

Abschnitt Gesanglicher Eindruck Funktion
Frühe Strophen weich, kontrolliert, klagend Fragen formulieren und Aufmerksamkeit bündeln
Wortlose Passagen gedehnte Vokale, hoher emotionaler Anteil sprachübergreifende Klage
Übergang zum Finale stärkerer Druck, rauere Klangfarbe, mehr Ad-libs Steigerung der Dringlichkeit
Schluss Rufe, Wiederholungen, Wechsel mit Chor kollektive Anklage und kathartischer Höhepunkt

Der bekannte kurze Ruf „What about us?“ wird im Finale zum wiederkehrenden Impuls. Sinngemäß lässt er sich als Frage danach verstehen, was mit den Menschen, ihren Versprechen, ihrem gemeinsamen Lebensraum und ihrer Verantwortung geschehen ist. Eine vollständige Übersetzung der Lyrics wird hier bewusst nicht wiedergegeben.


Instrumentierung

Die dokumentierten Credits nennen unter anderem Lead- und Backgroundgesang, Synthesizer, Klavier, akustische und elektrische Gitarre, E-Bass, akustisches Schlagzeug und Gospelchor.[2] Diese Kombination ermöglicht einen großen Klangbogen:

Instrument/Klang Funktion in der Aufnahme
Klavier und Synthesizer schaffen zu Beginn Raum, Harmonie und Atmosphäre
Bass stabilisiert die tiefe Ebene und gewinnt im Verlauf an Präsenz
Schlagzeug führt von zurückhaltender Pulsgebung zu körperlicher Wucht
Gitarren verstärken die rockige Kante im Höhepunkt
Chor erweitert die Soloklage zur gemeinschaftlichen Antwort
Orchestrale Klangfarben vergrößern Raum, Pathos und filmische Wirkung


Arrangement und Produktion

Das Arrangement basiert auf einem klaren Prinzip: Steigerung durch Schichtung. Statt ständig neue Themen einzuführen, werden bereits bekannte Gesten in immer größerer Besetzung wiederholt. Die Produktion nutzt Dynamik, Instrumentenzuwachs, dichter werdenden Gesang und Raumwirkung, um eine fast filmische Dramaturgie zu erzeugen.

Ein typischer Hörverlauf lässt sich so beschreiben:

Formbereich Hörmerkmal Dramaturgische Funktion
Intro atmosphärisch, zurückgenommen öffnet einen weiten emotionalen Raum
Strophenblock 1 Solostimme, Fragen, noch begrenzte Dichte Problemwahrnehmung
Wortloser Refrain gedehnte Vokale emotionale Verdichtung
Strophenblock 2 neue Themenfelder, zunehmende Begleitung Ausweitung der Anklage
Übergangsabschnitt stärkere Spannung, größere Register Vorbereitung des Höhepunkts
Extended Climax/Coda Chor, Rufe, Drums, Gitarren, Wiederholungen kollektiver Aufschrei

Diese Form weicht von einem knappen Standardmodell aus Strophe–Refrain–Strophe–Refrain ab. Der lange Schluss ist nicht bloß „Outro“, sondern der eigentliche dramaturgische Zielpunkt.


Zentrale Textthemen und sinngemäße Übersetzung

Der Text arbeitet überwiegend mit Fragen. Statt konkrete politische Programme zu formulieren, konfrontiert die Stimme die Hörenden mit Folgen menschlichen Handelns. Sinngemäß lassen sich die Themen so erschließen:

  1. Umweltzerstörung: Die Erde erscheint als geschädigter Lebensraum, dessen Zustand nicht von menschlicher Geschichte getrennt werden kann.
  2. Krieg: Gewalt gegen Menschen wird mit Gewalt gegen Natur parallelisiert.
  3. Tierethik: Tiere werden als Mitbetroffene menschlicher Ausbeutung sichtbar.
  4. Verantwortung: Wiederholte Fragen verschieben die Perspektive vom anonymen „die anderen“ auf ein gemeinsames „wir“.
  5. Spiritualität: Religiöse und moralische Bilder erweitern die ökologischen Themen um Schuld, Versprechen und Gewissen.
  6. Trauer und Hoffnung: Die Klage dominiert, aber die Musik entwickelt zugleich eine kollektive Energie, die Veränderung zumindest imaginiert.

Eine sinngemäße deutsche Zusammenfassung lautet: Der Sprecher fragt, was aus menschlichen Versprechen, Frieden, Natur und gemeinsamem Lebensraum geworden ist, warum Leid und Zerstörung hingenommen werden und wer Verantwortung übernimmt.


Bildsprache des Musikvideos

Das offizielle Video wurde von Nick Brandt inszeniert und verbindet reale beziehungsweise realitätsnahe Schauplätze mit symbolischer Inszenierung. Als Drehorte beziehungsweise Bildräume werden der Amazonas, Karlovac in Kroatien, Tansania und Warwick im US-Bundesstaat New York genannt. Die Montage zeigt unter anderem Entwaldung, Krieg, Wilderei, Umweltzerstörung und Feuer; gegen Ende wird Zerstörung filmisch rückwärts geführt, sodass eine symbolische Wiederherstellung der Welt erscheint.[8]

Elefanten und Wildtiere stehen im Song und Video für eine Natur, deren Wert nicht auf menschlichen Nutzen reduziert werden soll.

Luftverschmutzung ist im Video Teil einer größeren Bildsprache, in der industrielle Zerstörung, Krieg und Naturverlust als miteinander verbundene Formen menschlicher Verantwortung erscheinen.


Filmische Mittel

Das Video arbeitet mit starken Kontrasten: lebendige Natur gegen Zerstörung, Kinder gegen Krieg, Tiere gegen Wilderei, trockene Erde gegen Erneuerung, einzelne Körper gegen große Landschaften. Besonders wirkungsvoll ist die Umkehrung der Zeit im Finale. Bäume richten sich wieder auf, zerstörte Zustände werden zurückgenommen und die Bildmontage macht eine unmögliche Reparatur sichtbar. Dadurch entsteht eine utopische Gegenbewegung zur vorherigen Katastrophenmontage.

Diese Umkehr ist keine naturwissenschaftliche Aussage, sondern ein filmisches Symbol: Was zerstört wurde, soll nicht als unvermeidlich akzeptiert werden.


Rezeption

In Großbritannien stieg Earth Song im Dezember 1995 auf Platz 1 der Official Singles Chart ein, blieb dort sechs Wochen und war die britische Weihnachts-Nummer-eins des Jahres 1995.[1] Das Musikvideo wurde bei den Grammy Awards 1997 in der Kategorie Best Music Video nominiert; Grammy führt Nick Brandt als Regisseur und Bridget Blake-Wilson als Produzentin.[9]

Die offizielle YouTube-Beschreibung nennt außerdem den Doris Day Music Award der Genesis Awards für den Kurzfilm.[10]


Bedeutung im Werk von Michael Jackson

Michael Jackson hatte bereits zuvor Songs mit sozialer Botschaft veröffentlicht, etwa Man in the Mirror, Heal the World oder gemeinsam mit anderen Künstlern We Are the World. Earth Song verschiebt den Schwerpunkt jedoch stärker auf die Verbindung von menschlichem Leid, Krieg, Tierwohl und ökologischer Zerstörung. Der Song erweitert damit Jacksons sozial engagierte Popästhetik um eine ausdrücklich planetarische Perspektive.

Gleichzeitig ist er ein Beispiel für Jacksons Neigung, Popmusik als multimediales Gesamtformat zu denken: Song, Studioarrangement, Choreografie, Film, Bühnendramaturgie und moralische Botschaft werden aufeinander bezogen.


Originalaufnahme, Live-/Probenfassung und hörbare Unterschiede


Studiofassung

Die offizielle Audiofassung zeigt den kontrolliert aufgebauten Studioklang besonders deutlich: präzise Schichtung, dichtes Chorfinale, große Dynamik und stark bearbeitete Räumlichkeit.


This-Is-It-Probenfassung

Sony Pictures beschreibt Michael Jackson's This Is It als Film aus mehr als hundert Stunden Proben- und Backstage-Material aus den Vorbereitungen für die geplanten Londoner Konzerte 2009.[11]

Der eingebettete Clip ist ein von einem verifizierten Filmclip-Kanal veröffentlichter Ausschnitt, der laut Beschreibung mit Material von Sony Pictures arbeitet. Er ist urheberrechtlich geschützt und wird hier nur als Analysegegenstand eingebettet.


Hörvergleich

Aspekt Studioaufnahme 1995 This-Is-It-Probenkontext 2009
Klangbalance stark kontrollierte Mischung, klar geschichtete Ebenen stärkerer Live-Eindruck, Band und Bühnenraum treten unmittelbarer hervor
Stimme mehrfach produzierte, im Mix präzise platzierte Lead- und Backgroundelemente hörbar stärker als Performance im Moment geprägt
Chorwirkung monumentale Studiostaffelung live-orientierte Bühnenwirkung
Dramaturgie vollständig auf die Tonträgerform hin produziert Teil einer geplanten Show mit visueller Inszenierung
Ad-libs im Master festgelegt wirken freier und probenhafter

Der Vergleich zeigt, dass „derselbe Song“ nicht identisch klingt, wenn sich Produktionsziel und Aufführungssituation ändern. Eine Studioaufnahme kann jedes Detail schichten und mischen; eine Live- oder Probenfassung muss Energie, Timing und Raum in Echtzeit erzeugen.


Medienkompetenz und Urheberrecht

Für diesen aiMOOC werden unterschiedliche Medientypen bewusst getrennt:

Medientyp Status Nutzung im aiMOOC
Wikimedia-Commons-Bilder frei lizenziert oder gemeinfrei; genaue Lizenz auf der jeweiligen Dateiseite direkt als Datei eingebunden
NASA-Material auf Commons häufig Public Domain in den USA, sofern auf der Dateiseite entsprechend gekennzeichnet als Bild oder Video eingebunden
Offizielle YouTube-Musikvideos urheberrechtlich geschützt nur über YouTube-Embed, keine Kopie oder Neuveröffentlichung
Songtext urheberrechtlich geschützt nur sehr kurzes Zitat, sonst Paraphrase
Partitur/Melodie urheberrechtlich geschützt keine vollständige Transkription; nur selbst erstellte Analysebeispiele

Die MediaWiki-Erweiterung Score rendert LilyPond-Notation und kann bei entsprechender Serverkonfiguration auch Audio erzeugen.[12]


Hörleitfaden

Höre die Studioaufnahme mindestens dreimal mit jeweils anderem Fokus. Beim ersten Durchgang achtest Du nur auf die Gesamtwirkung und markierst Stellen, an denen sich die emotionale Intensität deutlich verändert. Beim zweiten Durchgang konzentrierst Du Dich auf Instrumente und Produktion: Wann kommt das Schlagzeug stärker nach vorn, wann wird der Chor zentral, wann verdichtet sich der Bass? Beim dritten Durchgang hörst Du auf die Stimme: Wie verändert sich Jacksons Klangfarbe vom ruhigen Fragen zum ausgerufenen Finale?

Erstelle danach eine eigene Formgrafik mit den Begriffen Intro – Strophe – wortloser Refrain – Strophe – Übergang – Climax/Coda und notiere zu jedem Abschnitt drei hörbare Merkmale.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welchem Jahr wurde Earth Song als Single aus der HIStory-Phase veröffentlicht? (1995) (!1988) (!1991) (!2001)




Welcher Schlagzeuger spielte laut Sessionbericht die akustischen Drums der Aufnahme? (Steve Ferrone) (!Phil Collins) (!Jeff Porcaro) (!Questlove)




Welche Besonderheit berichtete Steve Ferrone über die Schlagzeugproduktion? (Akustische Drums setzten sich im Vergleich gegen elektronische Drums durch) (!Die Aufnahme wurde vollständig ohne Schlagzeug produziert) (!Nur eine Drum-Machine wurde verwendet) (!Das Schlagzeug wurde erst nach der Veröffentlichung ergänzt)




Welcher Bassist ist für Earth Song dokumentiert? (Guy Pratt) (!John Deacon) (!Flea) (!Paul McCartney)




Welche Stiltradition ist im Call-and-Response des Finales besonders deutlich? (Gospel) (!Techno) (!Barock) (!Reggae)




Wer gehört zu den Produzenten der Studioaufnahme? (David Foster) (!Quincy Jones) (!George Martin) (!Brian Eno)




Welche Grundidee prägt das Arrangement besonders? (Steigerung durch zunehmende klangliche Schichtung) (!Konstante Instrumentierung ohne Dynamikwechsel) (!Reine A-cappella-Struktur) (!Durchgehendes Gitarrensolo)




Welche Aussage zum Musikvideo ist richtig? (Es verbindet Umweltzerstörung, Krieg und symbolische Wiederherstellung) (!Es zeigt ausschließlich eine Tanzprobe im Studio) (!Es besteht nur aus Konzertaufnahmen) (!Es ist ein animierter Kurzfilm ohne reale Schauplätze)




Welche Chartleistung ist für Großbritannien belegt? (Sechs Wochen auf Platz eins) (!Eine Woche auf Platz zehn) (!Nie in den Top 40) (!Zwanzig Wochen auf Platz eins)




Warum werden im aiMOOC keine vollständigen Lyrics oder Partituren wiedergegeben? (Weil sie urheberrechtlich geschützt sind) (!Weil der Song keinen Text besitzt) (!Weil die Aufnahme instrumental ist) (!Weil Notenschrift in MediaWiki grundsätzlich unmöglich ist)





Memory

Steve Ferrone Akustisches Schlagzeug
Guy Pratt E-Bass
Andraé Crouch Choir Gospelchor
Bruce Swedien Aufnahme und Mischung
Nick Brandt Regie des Musikvideos
David Foster Mitproduzent und Arrangeur
Karlovac Kriegskontext des Videos
Rondônia Beispiel für Entwaldung im Amazonasraum





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Zurückgenommene Klangfläche Intro
Rhetorische Fragen Strophen
Wortlose Klage Refraincharakter
Chorische Antworten Call and Response
Klangliche Verdichtung Climax
Symbolische Zeitumkehr Musikvideo-Finale





Kreuzworträtsel

Gospel Welche Stiltradition prägt besonders den chorischen Call-and-Response-Höhepunkt?
Ferrone Wie lautet der Nachname des Schlagzeugers Steve?
Pratt Wie lautet der Nachname des Bassisten Guy?
Karlovac Welche kroatische Stadt gehört zu den Schauplätzen des Videos?
Brandt Wie lautet der Nachname des Video-Regisseurs Nick?
Chor Welcher Klangkörper antwortet im Finale auf die Solostimme?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Earth Song wurde

veröffentlicht.
Die Grundidee des Songs reicht bis in das Jahr

zurück.
Zu den Produzenten gehörte neben Michael Jackson auch David

.
Das akustische Schlagzeug der Aufnahme spielte Steve

.
Den E-Bass spielte Guy

.
Im Höhepunkt ist ein deutlicher Einfluss des

zu hören.
Das musikalische Wechselprinzip zwischen Solostimme und Chor heißt

.
Die Gesamtform arbeitet stark mit dynamischer

.
Das Musikvideo wurde von Nick

inszeniert.
Ein Drehort des Videos war die kroatische Stadt

.
Die Texte verbinden menschliches Leid mit ökologischer

.
Vollständige Songtexte werden im aiMOOC aus Gründen des

nicht wiedergegeben.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre die Studioaufnahme und notiere fünf Stellen, an denen sich Lautstärke, Besetzung oder Gesangsausdruck verändern.
  2. Bildanalyse: Wähle eines der freien Commons-Bilder dieses aiMOOCs und beschreibe, wie es ein Thema von Earth Song sichtbar macht.
  3. Textparaphrase: Formuliere die zentrale Botschaft einer Strophe sinngemäß auf Deutsch, ohne den englischen Originaltext abzuschreiben.
  4. Instrumentenkunde: Erstelle eine kleine Grafik zu Klavier, Bass, Schlagzeug, Gitarre und Chor und ordne jedem Klang eine Funktion im Arrangement zu.


Standard

  1. Formanalyse: Erstelle eine Zeitleiste der Aufnahme und markiere Intro, Strophen, wortlose Passagen, Übergang und Schlussclimax.
  2. Produktionsvergleich: Vergleiche Studiofassung und This-Is-It-Probenfassung anhand von mindestens fünf Hörkriterien.
  3. Medienkritik: Untersuche das Musikvideo und erkläre, wie Schnitt, Zeitumkehr, Landschaftsbilder und Nahaufnahmen die Botschaft verstärken.
  4. Score-Komposition: Erfinde mit MediaWiki Score ein eigenes viertaktiges Beispiel für ein Crescendo oder Call-and-Response, ohne Melodien aus Earth Song zu übernehmen.


Schwer

  1. Quellenkritik: Vergleiche Official Charts, MusicBrainz, Musikerinterviews und Wikipedia. Ordne jeder Quelle zu, welche Art von Aussage sie besonders gut belegen kann und wo Grenzen liegen.
  2. Kontextstudie: Recherchiere den Earth Summit 1992, den Kriegskontext von Karlovac und die Entwaldung des Amazonas und erkläre, wie diese historischen Realitäten die Rezeption von Earth Song beeinflussen können.
  3. Audiovisuelle Interpretation: Produziere ein eigenes ein- bis zweiminütiges Video zu einem heutigen Umweltthema mit ausschließlich selbst erstellten oder frei lizenzierten Medien und einer selbst komponierten Klangspur.
  4. Musikpsychologie: Entwickle eine kleine Hörstudie mit mindestens fünf Testpersonen zur Frage, welche musikalischen Mittel den Höhepunkt besonders emotional wirken lassen. Dokumentiere Methode, Ergebnisse und Grenzen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferanalyse: Erkläre, wie dieselbe Botschaft weniger eindringlich wirken würde, wenn Earth Song von Anfang bis Ende mit gleichbleibender Lautstärke und Besetzung produziert wäre.
  2. Arrangement-Transfer: Entwirf für ein anderes gesellschaftlich relevantes Thema eine eigene Form mit Intro, Steigerung und Climax und begründe Deine Entscheidungen.
  3. Quellenbewertung: Beurteile, welche Quelle Du für eine Aussage über Chartposition, welche für Sessionbesetzung und welche für einen persönlichen Studiobericht verwenden würdest.
  4. Medienethik: Erkläre den Unterschied zwischen einem frei lizenzierten Commons-Bild und einem offiziellen, aber urheberrechtlich geschützten YouTube-Musikvideo.
  5. Vergleichendes Hören: Zeige an drei Merkmalen, wie sich Studioästhetik und Proben-/Liveästhetik unterscheiden können.
  6. Kontextualisierung: Diskutiere, warum ein Umweltsong von 1995 heute anders gehört werden kann als zur Zeit seiner Veröffentlichung, ohne die damalige Entstehungssituation aus dem Blick zu verlieren.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu Earth Song solltest Du zeigen, dass Du Fakten nicht nur wiedergeben, sondern miteinander verbinden kannst. Wichtig sind eine nachvollziehbare Formanalyse, mindestens drei belegte Besonderheiten der konkreten Studioaufnahme, eine differenzierte Beschreibung von Gesang, Instrumentierung und Produktion, eine sinngemäße Inhaltserschließung ohne vollständige Lyrics, ein Vergleich von Studio- und Live-/Probenfassung, die Einordnung des Musikvideos in seinen Umwelt- und Kriegskontext, der korrekte Umgang mit Quellen sowie die Unterscheidung zwischen frei lizenzierten Medien und bloß offiziell veröffentlichten, aber weiterhin urheberrechtlich geschützten Medien.




Quellen und nachprüfbare Nachweise

  1. Official Charts: Earth Song – Michael Jackson – Entstehung, Fertigstellung, UK-Chartverlauf.
  2. MusicBrainz: Earth Song – Session- und Produktionscredits.
  3. MusicRadar: Steve Ferrone – Bericht über elektronische versus akustische Drums.
  4. Guitar World: Guy Pratt – Bassaufnahme, Rekrutierung und Oktav-Effekt.
  5. GRAMMY: Best Music Video 1997 – Nominierung von Earth Song.
  6. Michael Jackson Official YouTube: Earth Song – offizielles Musikvideo und Genesis-Award-Hinweis.
  7. Sony Pictures: Michael Jackson's This Is It – Herkunft und Charakter des Probenmaterials.
  8. United Nations: Earth Summit 1992 – zeitgeschichtlicher Umweltkontext.
  9. NASA: Tracking Amazon Deforestation from Above – Entwaldungskontext.
  10. MediaWiki: Extension Score – Syntax und Funktion der Score-Erweiterung.
  11. Wikipedia: Earth Song – Überblick, Videoorte, Diskografie und weiterführende Literatur.


OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel bietet einen schnellen Überblick und weiterführende Belege. Prüfe einzelne Aussagen bei wichtigen Detailfragen zusätzlich anhand der oben genannten Primär- und Fachquellen.

Zusätzlich sind die im aiMOOC eingebetteten Wikimedia-Commons-Dateien über ihre Dateibeschreibungsseiten lizenzrechtlich nachvollziehbar. Besonders geeignet für offene Bildungsressourcen sind die dort als Public Domain oder mit Creative-Commons-Lizenz gekennzeichneten Dateien.



Verknüpfte Lernbereiche


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