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Mehrsprachigkeit - Pädagogik 1

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Mehrsprachigkeit - Pädagogik 1




Mehrsprachigkeit - Pädagogik

Studienfach: Pädagogik


Einleitung

Mehrsprachigkeit ist eine grundlegende Bedingung moderner Bildungsgesellschaften. Menschen verwenden je nach Familie, Freundeskreis, Hochschule, Beruf und digitalem Raum unterschiedliche Sprachen, Dialekte, Varietäten, Fachsprachen oder Gebärdensprachen. Für die Pädagogik ist Mehrsprachigkeit daher eng mit Spracherwerb, Sozialisation, Identität, Migration, Inklusion, Bildungsgerechtigkeit und Teilhabe verbunden.

Dieser aiMOOC führt in zentrale Begriffe, Theorien und Handlungsfelder ein. Du lernst, Mehrsprachigkeit nicht als Defizit, sondern als dynamisches sprachliches Repertoire zu verstehen. Du setzt Dich mit Translanguaging, Scaffolding, Sprachdiagnostik, durchgängiger Sprachbildung, sprachsensiblem Unterricht, Herkunftssprachenunterricht, Linguizismus und institutioneller Diskriminierung auseinander.

Leitfrage: Wie können pädagogische Institutionen sprachliche Vielfalt anerkennen und zugleich fachliches Lernen sowie bildungssprachliche Entwicklung fördern?


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. Mehrsprachigkeit als individuelles, gesellschaftliches und institutionelles Phänomen erklären.
  2. Formen des Spracherwerbs unterscheiden.
  3. sprachliche Repertoires ressourcenorientiert analysieren.
  4. Translanguaging und Scaffolding didaktisch einordnen.
  5. sprachsensible Lernangebote planen.
  6. Verfahren der Sprachdiagnostik kritisch beurteilen.
  7. sprachbezogene Diskriminierung erkennen.
  8. pädagogische Maßnahmen für Kita, Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung entwickeln.


Grundlagen der Mehrsprachigkeit


Individuelle, gesellschaftliche und institutionelle Mehrsprachigkeit

Individuelle Mehrsprachigkeit bezeichnet das unterschiedlich entwickelte sprachliche Repertoire einer Person. Mehrsprachige Menschen müssen ihre Sprachen nicht in allen Bereichen gleich gut beherrschen. Eine Person kann etwa in einer Sprache familiäre Gespräche führen, in einer anderen wissenschaftliche Texte lesen und in einer dritten berufliche Fachbegriffe verwenden.

Gesellschaftliche Mehrsprachigkeit beschreibt das Zusammenleben verschiedener Sprachgemeinschaften. Ursachen sind unter anderem Migration, historische Minderheiten, Grenzregionen, Kolonialgeschichte, internationale Mobilität und digitale Kommunikation.

Institutionelle Mehrsprachigkeit betrifft Regeln darüber, welche Sprachen in Schulen, Hochschulen, Behörden oder Betrieben zugelassen, geprüft, gefördert oder ausgeschlossen werden. Solche Regeln beeinflussen, wessen Kompetenzen sichtbar werden und wer Zugang zu Bildung erhält.


Erstsprache, Zweitsprache, Fremdsprache und Herkunftssprache

Begriff Bedeutung
Erstsprache Sprache oder Sprachen, die früh in der Kindheit erworben werden
Zweitsprache Sprache, die später in einer Umgebung mit regelmäßigem Gebrauch erworben wird
Fremdsprache Sprache, die überwiegend in geplanten Lernsettings erworben wird
Herkunftssprache Sprache mit familiärer, biografischer oder gemeinschaftlicher Bedeutung

Diese Begriffe beschreiben Erwerbsbedingungen, aber keine unveränderlichen Eigenschaften. Sprachbiografien verändern sich über die Lebensspanne.


Simultaner und sukzessiver Spracherwerb

Beim simultanen Spracherwerb begegnet ein Kind früh regelmäßig mehreren Sprachen. Beim sukzessiven Spracherwerb kommt eine weitere Sprache später hinzu. Beide Formen können erfolgreich verlaufen. Entscheidend sind Qualität und Menge sprachlicher Interaktion, emotionale Sicherheit, Gelegenheiten zur aktiven Verwendung und gesellschaftliche Anerkennung.

Sprachmischungen sind nicht automatisch Zeichen von Verwirrung. Sie können kommunikative Funktionen erfüllen, Zugehörigkeit ausdrücken oder komplexe Inhalte zugänglich machen.


Sprachliches Repertoire und Plurilingualität


Dynamische Repertoires

Ein sprachliches Repertoire umfasst alle sprachlichen und semiotischen Mittel einer Person: Wörter, grammatische Muster, Gestik, Schrift, Symbole, Bilder, Fachbegriffe und digitale Ausdrucksformen. Diese Mittel werden je nach Situation unterschiedlich kombiniert.

Plurilingualität bezeichnet die Fähigkeit, auf ein zusammenhängendes und bewegliches Repertoire zurückzugreifen. Diese Perspektive ersetzt die Vorstellung vollständig getrennter Sprachsysteme durch einen funktionalen Blick auf Kommunikation und Lernen.


Translanguaging

Translanguaging bezeichnet den flexiblen Einsatz des gesamten sprachlichen Repertoires. Lernende können beispielsweise Informationen in einer Sprache recherchieren, in einer anderen diskutieren und Ergebnisse auf Deutsch präsentieren.

Translanguaging bedeutet nicht, auf sprachliche Lernziele zu verzichten. Pädagogisch wichtig ist die Unterscheidung zwischen Lernweg und Zielprodukt. Während des Lernwegs können mehrere Sprachen das Denken unterstützen. Das Zielprodukt kann Anforderungen einer bestimmten Sprache oder Textsorte erfüllen.

  1. Mehrsprachiges Glossar: Fachbegriffe werden in mehreren Sprachen verglichen.
  2. Sprachmittlung: Inhalte werden adressatengerecht zwischen Sprachen übertragen.
  3. Mehrsprachige Recherche: Quellen aus verschiedenen Sprachräumen werden ausgewertet.
  4. Kooperatives Lernen: Lernende klären Inhalte zunächst in einer selbst gewählten Sprache.


Code-Switching

Code-Switching bezeichnet den Wechsel zwischen Sprachen oder Varietäten innerhalb einer Interaktion. Solche Wechsel können Themen markieren, Nähe herstellen, Humor erzeugen oder fehlende Begriffe überbrücken. Pädagogische Fachkräfte sollten daher zuerst die kommunikative Funktion untersuchen, bevor sie einen Sprachwechsel bewerten.


Sprache, Identität und Macht


Identität und Zugehörigkeit

Sprachen sind mit Erinnerungen, Beziehungen, Familiengeschichten, Literatur, Musik und sozialen Zugehörigkeiten verbunden. Die Abwertung einer Sprache kann deshalb als Abwertung einer Person oder Familie erlebt werden.

Pädagogische Anerkennung zeigt sich darin, ob Namen korrekt ausgesprochen, Familien verständlich informiert und vorhandene Sprachkenntnisse fachlich genutzt werden.


Sprachprestige und Sprachideologien

Sprachprestige bezeichnet die gesellschaftliche Wertschätzung bestimmter Sprachen oder Varietäten. Diese Wertschätzung ist sozial und historisch entstanden. Manche Sprachen gelten als nützlich oder gebildet, während andere als Hindernis dargestellt werden.

Sprachideologien sind Annahmen darüber, welche Sprache als korrekt, modern, integriert oder angemessen gilt. Sie beeinflussen Erwartungen, Bewertungen und Bildungsentscheidungen.


Linguizismus

Linguizismus bezeichnet Benachteiligung aufgrund von Sprache, Akzent, Namen oder zugeschriebener Sprachzugehörigkeit. Beispiele sind geringere fachliche Erwartungen wegen eines Akzents oder unverständliche Elterninformationen ohne Übersetzung.

Institutionelle Diskriminierung kann auch ohne bewusste Absicht entstehen. Deshalb muss geprüft werden, welche Kompetenzen Aufgaben tatsächlich messen und welche sprachlichen Barrieren vermeidbar sind.


Bildungssprache und fachliches Lernen


Alltagssprache, Bildungssprache und Fachsprache

Alltagssprache dient vertrauten Kommunikationssituationen. Bildungssprache umfasst sprachliche Mittel für Erklären, Begründen, Vergleichen, Verallgemeinern und Argumentieren. Fachsprache enthält zusätzlich domänenspezifische Begriffe, Symbole und Textsorten.

Auch einsprachig aufgewachsene Lernende müssen Bildungssprache und Fachsprache gezielt erwerben.


BICS und CALP

Jim Cummins unterscheidet heuristisch zwischen grundlegender interpersonaler Kommunikationsfähigkeit und kognitiv anspruchsvoller schulischer Sprachfähigkeit. Die Abkürzungen lauten BICS und CALP. Die Unterscheidung erklärt, warum flüssige Alltagskommunikation nicht automatisch bedeutet, dass komplexe Fachtexte bereits sicher verstanden werden.

Sie darf jedoch nicht als starres Stufenmodell oder dauerhaftes Etikett verwendet werden.


Durchgängige Sprachbildung

Durchgängige Sprachbildung verbindet sprachliches und fachliches Lernen über Fächer, Jahrgangsstufen und Institutionen hinweg.

  1. Biografische Durchgängigkeit: Sprachbildung wird über Bildungsphasen hinweg abgestimmt.
  2. Horizontale Durchgängigkeit: Schule, Familie und außerschulische Lernorte kooperieren.
  3. Fachliche Durchgängigkeit: alle Fächer berücksichtigen sprachliche Anforderungen.
  4. Mehrsprachige Durchgängigkeit: vorhandene Sprachen werden als Ressource genutzt.


Sprachsensibler Fachunterricht

Sprachsensibler Unterricht plant fachliche und sprachliche Lernziele gemeinsam.

Prinzip Umsetzung
Vorwissen Erfahrungen, Bilder und Erstsprachen aktivieren
Scaffolding Satzanfänge, Wortlisten, Modelle und Visualisierungen anbieten
Kooperatives Lernen sichere Gesprächsgelegenheiten schaffen
Feedback Inhalt und sprachliche Form transparent rückmelden
Mehrsprachige Ressourcen Glossare, Übersetzungen und mehrsprachige Recherche nutzen


Pädagogische Handlungsfelder


Frühpädagogik

In Kindertageseinrichtungen entwickelt sich Sprache in Beziehungen, Spiel, Bewegung und gemeinsamen Routinen. Pädagogische Fachkräfte fördern Sprache, indem sie Äußerungen aufgreifen, erweitern, offene Fragen stellen und dialogisch vorlesen.

Mehrsprachige Familien sollten nicht pauschal aufgefordert werden, zu Hause nur Deutsch zu sprechen. Entscheidend ist reichhaltige und emotional sichere Kommunikation in den Sprachen, die Familien differenziert verwenden können.


Schule

Schulen benötigen ein abgestimmtes Sprachbildungskonzept, qualifizierte Lehrkräfte, faire Diagnoseverfahren und verständliche Elternkommunikation.

  1. Sprachbildungskonzept: gemeinsame Ziele für alle Fächer.
  2. Herkunftssprachenunterricht: systematischer Ausbau familiär bedeutsamer Sprachen.
  3. Bilingualer Unterricht: ausgewählte Fächer werden in einer weiteren Sprache gelernt.
  4. Mehrsprachige Schulbibliothek: Bücher und digitale Medien in verschiedenen Sprachen.
  5. Antidiskriminierung: sprachbezogene Abwertung wird thematisiert.


Herkunftssprachenunterricht

Herkunftssprachenunterricht kann Lesen, Schreiben, Literatur, fachsprachliche Kompetenz und metasprachliches Wissen fördern. Seine Qualität hängt von qualifizierten Lehrkräften, verbindlichen Curricula, ausreichender Unterrichtszeit und institutioneller Anerkennung ab.


Bilinguale Bildungsangebote

Bilingualer Unterricht verwendet zwei Sprachen als Lern- und Arbeitssprachen. Additive Modelle erweitern das Repertoire, ohne vorhandene Sprachen zu verdrängen. Subtraktive Bedingungen entstehen, wenn eine neue dominante Sprache die bisherige Sprache ersetzt oder entwertet.


Hochschule und berufliche Bildung

In der beruflichen Bildung verbinden sich Fachsprache, betriebliche Kommunikation, Sicherheitsvorschriften und Dokumentation. An Hochschulen betrifft Mehrsprachigkeit wissenschaftliches Lesen, Schreiben, Diskutieren und Präsentieren. Schreibzentren, Tutorien und transparente Bewertungskriterien können Teilhabe fördern.


Erwachsenenbildung

In der Erwachsenenbildung bringen Lernende umfangreiche Berufs- und Lebenserfahrungen mit. Sprachbildung sollte an vorhandenes Wissen anknüpfen und durch mehrsprachige Beratung, flexible Lernzeiten sowie Anerkennung informell erworbener Kompetenzen unterstützt werden.


Diagnostik und Förderung


Faire Sprachdiagnostik

Sprachdiagnostik soll Lernstände beschreiben und Förderung begründen. Ein einzelner Test bildet niemals das gesamte Repertoire ab.

  1. Diagnoseziel: Es muss klar sein, welche Fähigkeit untersucht wird.
  2. Sprachbiografie: Erwerbsbeginn und Lerngelegenheiten werden berücksichtigt.
  3. Mehrere Datenquellen: Beobachtungen, Gespräche, Tests und Lernprodukte werden kombiniert.
  4. Förderbezug: Ergebnisse führen zu konkreten Lernangeboten.
  5. Transparenz: Lernende verstehen Zweck und Konsequenzen.


Lernersprache und Fehleranalyse

Lernersprache bezeichnet ein sich entwickelndes sprachliches System. Abweichungen können Hinweise auf Regelbildungen und Strategien geben. Lernförderliches Feedback benennt Stärken, fokussiert wenige Entwicklungspunkte und ermöglicht Überarbeitung.


Scaffolding

Scaffolding bedeutet zeitlich begrenzte Unterstützung beim Bearbeiten anspruchsvoller Aufgaben. Hilfen wie Satzanfänge, Wortfelder, Modelltexte, Visualisierungen und Lautes Denken werden mit wachsender Selbstständigkeit reduziert.


Mehrsprachigkeitsdidaktik


Language Awareness

Language Awareness oder Sprachbewusstheit bezeichnet die bewusste Auseinandersetzung mit Form, Gebrauch und gesellschaftlicher Bewertung von Sprache. Lernende können Satzbau, Wortbildung, Höflichkeit, Metaphern oder Textsorten in mehreren Sprachen vergleichen.


Mehrsprachige Lernumgebung

Eine mehrsprachige Lernumgebung bietet Bücher, Glossare, Untertitel, Audiomaterialien, Wörterbücher und digitale Werkzeuge in verschiedenen Sprachen.

Automatische Übersetzungen können Zugang erleichtern, müssen aber auf fachliche Genauigkeit, Datenschutz und Verzerrungen geprüft werden.


Linguistic Landscape

Eine Linguistic Landscape untersucht sichtbare Sprache im öffentlichen Raum. Lernende dokumentieren Schilder, Werbung oder Aushänge und analysieren, welche Sprachen erscheinen, wer angesprochen wird und welche Sprachen fehlen.


Familie und Bildungspartnerschaft

Familien gestalten ihre Sprachpraxis unterschiedlich. Pädagogische Beratung sollte keine starren Sprachregeln vorgeben, sondern reichhaltige Kommunikation und regelmäßigen Sprachkontakt fördern.

Bildungs- und Erziehungspartnerschaft setzt Verständlichkeit und Respekt voraus. Bei wichtigen Gesprächen ist professionelle Sprachmittlung geeigneter als das Übersetzen durch Kinder. Institutionen können leicht verständliche Sprache, Übersetzungen, Piktogramme und qualifizierte Dolmetschende kombinieren.


Bildungspolitik und Menschenrechte

UNESCO betont muttersprachenbasierte mehrsprachige Bildung als wichtigen Ansatz für Lernzugang und Inklusion. Der Europarat hebt plurilinguale Kompetenz und Sprachmittlung hervor. Die Kultusministerkonferenz beschreibt sprachliche Bildung als Querschnittsaufgabe.


Minderheiten- und Regionalsprachen

Minderheitensprachen und Regionalsprachen wurden historisch häufig durch Schulverbote und gesellschaftlichen Druck zurückgedrängt. Bildungsangebote können zu Erhalt und Revitalisierung beitragen.


Gebärdensprachen

Gebärdensprachen sind eigenständige natürliche Sprachen mit eigener Grammatik. Mehrsprachigkeit kann daher Laut-, Schrift- und Gebärdensprachen verbinden. Inklusive Bildung benötigt barrierefreie Kommunikation, qualifizierte Lehrkräfte und geeignete Dolmetschleistungen.


Forschung und Kontroversen

Pauschale Behauptungen über kognitive Vor- oder Nachteile von Mehrsprachigkeit sind wissenschaftlich problematisch. Studien unterscheiden sich in Gruppen, Methoden und Definitionen. Für pädagogische Entscheidungen sind konkrete Lerngelegenheiten und soziale Bedingungen wichtiger als vereinfachte Zuschreibungen.

Der Begriff monolingualer Habitus bezeichnet die institutionelle Erwartung, Bildung finde selbstverständlich in nur einer legitimen Sprache statt. Eine gemeinsame Unterrichtssprache kann sinnvoll sein, darf aber andere Sprachen als Lernressourcen nicht unnötig ausschließen.


Planung eines Lernangebots

  1. Lernausgangslage analysieren: Welche sprachlichen und fachlichen Ressourcen sind vorhanden?
  2. Fachziel bestimmen: Welcher Inhalt soll verstanden werden?
  3. Sprachhandlung bestimmen: Müssen Lernende erklären, vergleichen oder argumentieren?
  4. Sprachliche Mittel identifizieren: Welche Fachbegriffe und Satzmuster werden benötigt?
  5. Mehrsprachige Ressourcen einplanen: Wo helfen Glossare, Recherche oder Sprachmittlung?
  6. Scaffolding gestalten: Welche vorübergehenden Hilfen sind nötig?
  7. Lernprodukt klären: In welcher Sprache und Form wird das Ergebnis präsentiert?
  8. Evaluation planen: Wie werden Fachlernen, Sprachentwicklung und Teilhabe überprüft?


Professionelle Haltung

Pädagogische Fachkräfte sollten:

  1. sprachliche Vielfalt wahrnehmen, ohne Personen festzulegen.
  2. vorhandene Ressourcen erfragen, statt Kompetenzen zu vermuten.
  3. hohe fachliche Erwartungen mit geeigneten Hilfen verbinden.
  4. Sprachfehler als Teil von Lernprozessen analysieren.
  5. sprachbezogener Beschämung widersprechen.
  6. mit Familien und Dolmetschenden kooperieren.
  7. eigene Sprachideologien und Bewertungsmaßstäbe reflektieren.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt individuelle Mehrsprachigkeit am treffendsten? (Ein unterschiedlich ausgeprägtes sprachliches Repertoire einer Person) (!Eine vollkommen gleiche Beherrschung aller Sprachen) (!Eine amtlich festgelegte Unterrichtssprache) (!Eine Sammlung ausschließlich schriftlicher Fachbegriffe)




Welche Aussage zur Plurilingualität ist richtig? (Sprachliche Ressourcen bilden ein zusammenhängendes und bewegliches Repertoire) (!Jede Sprache wird im Denken vollständig getrennt gespeichert) (!Plurilingualität bezeichnet nur das Nebeneinander von Staaten) (!Plurilingualität setzt muttersprachliche Perfektion voraus)




Was ist ein zentrales Ziel von Translanguaging? (Das gesamte sprachliche Repertoire für Lernen und Verstehen nutzbar zu machen) (!Die Unterrichtssprache dauerhaft zu ersetzen) (!Grammatische Lernziele abzuschaffen) (!Sprachliche Unterschiede zu vermeiden)




Was kennzeichnet Scaffolding? (Vorübergehende Hilfen werden mit wachsender Selbstständigkeit abgebaut) (!Lernende erhalten dauerhaft vereinfachte Aufgaben) (!Nur fehlerfreie Beiträge werden zugelassen) (!Sprachliche Anforderungen werden verschwiegen)




Warum ist sprachsensibler Unterricht Aufgabe aller Fächer? (Weil fachliches Lernen immer auch sprachliche Handlungen erfordert) (!Weil Fachbegriffe nur im Deutschunterricht gelernt werden) (!Weil Sprachförderung fachliche Ziele ersetzt) (!Weil nur Fachlehrkräfte Grammatik prüfen dürfen)




Welche Aussage zu Sprachmischungen ist angemessen? (Sie können regelhaft und kommunikativ funktional sein) (!Sie beweisen grundsätzlich sprachliche Verwirrung) (!Sie treten nur bei kleinen Kindern auf) (!Sie verhindern immer den Spracherwerb)




Was soll faire Sprachdiagnostik leisten? (Lernstände beschreiben und konkrete Förderung begründen) (!Eine Person dauerhaft einer Sprachgruppe zuordnen) (!Nur einen Testwert berücksichtigen) (!Fachwissen und Sprachleistung gleichsetzen)




Was beschreibt additive Mehrsprachigkeit? (Eine weitere Sprache wird erworben und vorhandene Sprachen werden weiterentwickelt) (!Eine neue Sprache verdrängt alle bisherigen Sprachen) (!Nur die dominante Sprache darf verwendet werden) (!Sprachliche Vielfalt wird ausgeschlossen)




Welche Praxis unterstützt gerechte Bildungspartnerschaft? (Wichtige Gespräche werden bei Bedarf professionell sprachlich vermittelt) (!Kinder übersetzen grundsätzlich vertrauliche Gespräche) (!Informationen werden nur in Verwaltungssprache angeboten) (!Familien werden immer einsprachig beraten)




Was bedeutet Ressourcenorientierung? (Vorhandene sprachliche Fähigkeiten werden erkannt und für Lernen genutzt) (!Nur Fehler werden dokumentiert) (!Alle Lernenden müssen dieselben Sprachen verwenden) (!Herkunftssprachen bleiben vollständig privat)





Memory

Mehrsprachigkeit mehrere sprachliche Ressourcen
Erstsprache früh erworbene Sprache
Bildungssprache Sprache für abstraktes Lernen
Translanguaging flexibler Repertoireeinsatz
Scaffolding zeitlich begrenzte Unterstützung
Sprachbewusstheit Reflexion über Sprache





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Bedeutung
Ressourcenorientierung vorhandene sprachliche Fähigkeiten nutzen
Sprachdiagnostik Lernstände mehrperspektivisch erfassen
Sprachmittlung Inhalte adressatengerecht übertragen
Durchgängige Sprachbildung Lernen über Fächer und Stufen verbinden
Linguizismuskritik sprachbezogene Benachteiligung bearbeiten





Kreuzworträtsel

Repertoire Wie heißt die Gesamtheit sprachlicher Mittel einer Person?
Scaffolding Wie heißt eine vorübergehende Lernunterstützung?
Diagnose Wie heißt die Erfassung eines Lernstands?
Teilhabe Wie heißt gleichberechtigte Mitwirkung?
Transfer Wie heißt die Übertragung auf eine neue Situation?
Linguizismus Wie heißt Benachteiligung aufgrund von Sprache?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Mehrsprachigkeit umfasst ein dynamisches sprachliches

. Der flexible Einsatz mehrerer Sprachen heißt

. Vorübergehende Lernhilfen werden als

bezeichnet. Fachliches Lernen erfordert häufig

. Benachteiligung aufgrund von Sprache heißt

. Die Reflexion über Sprachformen und Sprachgebrauch wird als

bezeichnet. Faire Erfassung von Lernständen benötigt eine klare

. Die Weiterentwicklung vorhandener und neuer Sprachen wirkt

. Professionelle Übersetzung unterstützt die

. Sprachbildung in allen Fächern heißt

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Sprachporträt: Gestalte das anonymisierte Sprachporträt einer erfundenen Person.
  2. Mehrsprachiges Glossar: Erstelle zehn pädagogische Fachbegriffe in zwei Sprachen.
  3. Medienanalyse: Analysiere ein Bild oder Video dieses aiMOOCs.
  4. Linguistic Landscape: Dokumentiere sprachliche Vielfalt im öffentlichen Raum.


Standard

  1. Unterrichtsentwurf: Plane eine sprachsensible Unterrichtsphase mit Fach- und Sprachziel.
  2. Interviewprojekt: Führe ein freiwilliges Interview zu einer mehrsprachigen Bildungsbiografie.
  3. Schulprogrammanalyse: Untersuche das Sprachbildungskonzept einer Einrichtung.
  4. Bilderbuchprojekt: Analysiere ein mehrsprachiges Bilderbuch und plane eine Lernaktivität.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Entwickle eine qualitative Studie zu mehrsprachigen Praktiken.
  2. Policy-Analyse: Vergleiche eine UNESCO-Empfehlung mit einem institutionellen Regelwerk.
  3. Diagnostikkritik: Prüfe ein Sprachdiagnoseverfahren auf mögliche Benachteiligung.
  4. Fortbildungskonzept: Konzipiere eine Fortbildung zu Mehrsprachigkeit und Linguizismuskritik.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Fallanalyse Kita: Analysiere, warum ein Kind in einer anderen Sprache antwortet, und entwickle eine förderliche Reaktion.
  2. Fallanalyse Schule: Bewerte ein allgemeines Verbot anderer Sprachen auf dem Schulgelände und formuliere eine Alternative.
  3. Aufgabenüberarbeitung: Überarbeite eine komplexe Fachaufgabe mit Scaffolding und mehrsprachigen Ressourcen.
  4. Bewertungskonzept: Entwickle Kriterien, die Fachinhalt und sprachliche Darstellung angemessen unterscheiden.
  5. Institutioneller Transfer: Entwirf ein Maßnahmenpaket für eine Hochschule, Berufsschule oder Erwachsenenbildungseinrichtung.
  6. Forschungstransfer: Prüfe eine verbreitete Aussage über Mehrsprachigkeit und leite eine differenzierte Empfehlung ab.




Lernnachweis

Für den Lernnachweis sind wichtig:

  1. Begriffsverständnis: zentrale Fachbegriffe korrekt verwenden.
  2. Theorie-Praxis-Transfer: pädagogische Fälle begründet analysieren.
  3. Didaktische Planung: Fachziel, Sprachziel, Scaffolding und Evaluation verbinden.
  4. Kritische Reflexion: Regeln und Diagnoseverfahren auf Machtwirkungen prüfen.
  5. Wissenschaftsorientierung: Aussagen mit geeigneten Quellen belegen.
  6. Professionelle Haltung: Ressourcenorientierung, Datenschutz und Diskriminierungssensibilität berücksichtigen.

Ein geeigneter Lernnachweis ist ein Portfolio aus Fallanalyse, Unterrichtsentwurf, Praxisprodukt und wissenschaftlich begründeter Reflexion.




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