Land- und Baumaschinentechnik – Hydrostatische Fahrantriebe einordnen
Land- und Baumaschinentechnik – Hydrostatische Fahrantriebe einordnen
Ausbildung Land- und Baumaschinenmechatronik | 5 Lerneinheiten à 5–8 Minuten | Schwerpunkt: Pumpe, Motor, Regelung.
Einleitung
Dein Ziel: Du kannst den Leistungsweg erklären, Bauteile zuordnen, einfache Modellwerte auswerten und die Grenzen einer Beurteilung benennen.
Sicherheitsgrenze: Der Kurs erlaubt ausschließlich Bild-, Papier- und Simulationsaufgaben. Keine Arbeit an druckführenden Anlagen, kein Starten oder Bewegen von Fahrzeugen, keine Reparatur, Prüfung, Zulassung oder Fahrfreigabe. Sicherheitsrelevante Fahrzeugarbeiten, Hochvolt- und Rückhaltesysteme sowie Fahrfreigaben sind qualifiziertem Fachpersonal vorbehalten. Maßgeblich sind Herstellerangaben und betriebliche Schutzmaßnahmen.
Ausbildungsfall: Ein Kompakt-Radlader auf dem Papier

Bildauftrag: Markiere gedanklich Antriebsmaschine, Fahrantrieb und Räder. Das Foto zeigt ein reales Fahrzeug, nicht den nachfolgend angenommenen technischen Aufbau.
Fiktive Werkstattkarte: „Ein kompakter Radlader soll feinfühlig vor- und rückwärts fahren. In einer Schulungszeichnung siehst Du eine Verstellpumpe, einen Konstantmotor und einen geschlossenen Fahrkreis.“ Du sollst das Modell einordnen, keine reale Störung diagnostizieren.
Lerneinheit 1: Den Fahrkreis erkennen

Bildauftrag: Vergleiche offenen und geschlossenen Ölkreislauf.
Merksatz: Antriebsmaschine → Pumpe → Ölstrom → Hydromotor → Abtrieb. Im geschlossenen Fahrkreis fließt der Hauptstrom vom Motor zur Pumpe zurück. Speisung, Leckölabfuhr und Kühlung bleiben notwendig.
Fachgrafik zum Nachschlagen: Danfoss, Heavy Duty Hydrostatic Transmissions, Seiten 53–57. Herstellerzeichnung nur lesen, nicht als Arbeitsanweisung verwenden.
Basisfrage: Welche zwei Energiewandlungen liegen vor?
Lerneinheit 2: Die Verstellpumpe verstehen

Bildauftrag: Finde Welle, Kolben, Zylindertrommel und Schrägscheibe.

Beobachte: Beim Drehen der Trommel bewegen sich die Kolben hin und her. Verändert sich bei einer Verstellpumpe der Schwenkwinkel, ändert sich das Verdrängungsvolumen je Umdrehung.
Detailfoto: Zerlegte Axialkolbenpumpe: Gehäuse oben, Schrägscheibe links, Kolben mittig, Zylindertrommel rechts. Nur Bildanalyse – keine Demontage.
Prozessmedium: „Axial piston pump. How it works?“ – betrachte den Pumpenaufbau, nicht mögliche Servicehandlungen.
Prozessmedium: „How piston pump works“ (WHYPS, anhand zerlegter Komponenten). Stoppe das Video bei der Erklärung der Schrägscheibe.
Merksatz: Der Pumpenförderstrom hängt unter anderem von Drehzahl und Verdrängungsvolumen ab. Druck entsteht durch die Belastung des Systems; eine Pumpenstellung allein legt keinen festen Betriebsdruck fest.
Lerneinheit 3: Den Hydromotor unterscheiden

Detailansicht: Kolben einer Axialkolbenmaschine; Pumpe und Motor können ähnliche Baugruppen besitzen.

Bauartenvergleich: Radialkolben-Hydromotor. Dieses Foto zeigt nicht den für die Rechenaufgabe angenommenen Konstantmotor.
Merksatz: Der Hydromotor liefert Drehbewegung. Volumenstrom und Schluckvolumen beeinflussen seine Drehzahl; Druckdifferenz und Schluckvolumen beeinflussen sein Drehmoment. Es gibt Konstant- und Verstellmotoren.
Anwendungsfrage: Warum reicht die Angabe „hoher Druck“ nicht aus, um die Fahrgeschwindigkeit zu bestimmen?
Lerneinheit 4: Steuerung und Regelung

Schematische Explosionszeichnung: Schrägscheibe, Kolben und Trommel – keine maßgetreue Reparaturzeichnung.
Signalweg im Lernmodell: Fahrwunsch → Sollwert → Steuergerät/Regler → Verstelleinrichtung → Pumpenschwenkwinkel → Ölstrom → Motordrehzahl.
Steuerung: Stellgröße ohne Rückführung des betrachteten Istwerts. Regelung: Istwert wird gemessen, mit Sollwert verglichen und nachgeführt. Welche Sensorik vorhanden ist, hängt vom Hersteller und Maschinentyp ab.
Herstellerbeispiel: Danfoss Propel: Fahrantriebssteuerung und Regelungsfunktionen.
Lerneinheit 5: Modellwerte sicher auswerten
Nur ideales Papiermodell: Pumpendrehzahl 1.500 U/min, Konstantmotor 60 cm³/U, Wirkungsgrade gedanklich 100 %. Keine Fahrzeug- oder Prüfdaten.
| Lernkarte | Pumpenverdrängung | Berechne Pumpenstrom | Berechne Motordrehzahl |
|---|---|---|---|
| A | 15 cm³/U | ? | ? |
| B | 30 cm³/U | ? | ? |
Rechenhilfe: Q = Vg,P · nP / 1.000 (in L/min); nM = Q · 1.000 / Vg,M (in U/min). Keine Aussagen über reale Fahrgeschwindigkeit oder sicheren Stillstand ableiten.
Basisaufgabe: Ordne Antriebsmaschine, Verstellpumpe, Ölleitung, Hydromotor und Abtrieb entlang des Leistungswegs.
Anwendungsaufgabe: Berechne für A und B den theoretischen Volumenstrom und die Motordrehzahl.
Transferaufgabe: Eine Person will aufgrund dieser Ergebnisse das Fahrzeug zum Fahren freigeben. Begründe, weshalb das unzulässig ist und welche Informationen fehlen.
Sicherheit und Geltungsgrenzen
Keine Maschinenversuche: Keine Lecksuche mit der Hand, keine Leitungen lösen, keine Stellglieder betätigen, keine Druckmessung und keine Fahrprobe. Hochdruck-Ölstrahlen und unkontrollierte Bewegungen können schwer verletzen. Bei Verdacht auf eine Öleinspritzverletzung sofort medizinische Notfallhilfe veranlassen.
Verbindliche Orientierung: DGUV Information 209-070 und DGUV: Hydraulikgefahren. Herstellerunterlagen und Qualifikationsanforderungen gehen stets vor.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Bauteil setzt mechanische in hydraulische Energie um? (Pumpe) (!Hydromotor) (!Abtriebswelle) (!Reifen)
Welches Bauteil wandelt hydraulische Energie in eine Drehbewegung um? (Hydromotor) (!Öltank) (!Filter) (!Schalldämpfer)
Was verändert die Schrägscheibe einer Verstellpumpe? (Den Kolbenhub) (!Die Reifenbreite) (!Die Motorkühlmittelmenge) (!Die Fahrerkabinenhöhe)
Wohin führt der Hauptölrückstrom im geschlossenen Fahrkreis? (Zur Pumpe) (!Stets direkt in den Tank) (!Zum Kraftstofftank) (!Zur Druckluftanlage)
Welche Größe beeinflusst bei festem Schluckvolumen idealisiert die Motordrehzahl? (Volumenstrom) (!Lackfarbe) (!Reifendurchmesser allein) (!Außentemperatur allein)
Welche Größe beeinflusst maßgeblich das Motordrehmoment? (Druckdifferenz) (!Kabinenbeleuchtung) (!Tankfarbe) (!Hupe)
Was kennzeichnet eine Regelung? (Rückmeldung eines Istwerts) (!Fehlende Messung) (!Stets manuelle Bedienung) (!Immer gleiche Stellgröße)
Wozu dient die Speisung eines geschlossenen Fahrkreises? (Zum Ergänzen von Verlustöl) (!Zum Betanken des Motors) (!Zum Aufpumpen der Reifen) (!Zum Kühlen des Fahrersitzes)
Was ergibt das Idealmodell bei Verdoppelung des Pumpenverdrängungsvolumens und gleicher Drehzahl? (Doppelter theoretischer Volumenstrom) (!Halber theoretischer Volumenstrom) (!Immer doppelter Betriebsdruck) (!Immer unveränderte Motordrehzahl)
Was darf der Lernkurs nach einer Modellrechnung erteilen? (Keine Fahrfreigabe) (!Eine Reparaturfreigabe) (!Eine Betriebserlaubnis) (!Eine Freigabe für Druckprüfungen)
Memory
| Verstellpumpe | Variables Verdrängungsvolumen |
| Hydromotor | Drehbewegung am Abtrieb |
| Schrägscheibe | Veränderter Kolbenhub |
| Speisepumpe | Ergänzung von Verlustöl |
| Drehzahlsensor | Gemessener Istwert |
| Druckdifferenz | Einfluss auf Motordrehmoment |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Funktion |
|---|---|
| Verstellpumpe | Veränderbarer Ölstrom |
| Hydromotor | Rotierender Abtrieb |
| Sollwertgeber | Vorgegebener Fahrwunsch |
| Regler | Vergleich von Sollwert und Istwert |
| Rückmeldesensor | Erfassung der tatsächlichen Größe |
| Speisepumpe | Ausgleich von Ölverlusten |
Kreuzworträtsel
| Hydromotor | Welches Bauteil wandelt hydraulische Energie in eine Drehbewegung um? |
| Schrägscheibe | Welches Bauteil bestimmt bei der Schrägscheibenpumpe den Kolbenhub? |
| Volumenstrom | Welche Größe nennt die Ölmenge je Zeit? |
| Speisepumpe | Welche Pumpe ergänzt Verlustöl im geschlossenen Fahrkreis? |
| Sollwert | Wie heißt der vorgegebene Wert einer Regelung? |
| Leckage | Wie heißt unerwünschter Flüssigkeitsaustritt? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Bauteilkarten: Erstelle fünf eigene Bildkarten zu Pumpe, Motor, Leitung, Schrägscheibe und Sensor; nutze ausschließlich freie Vorlagen mit Quellenangabe.
- Energiepfeile: Zeichne die zwei Energiewandlungen als beschriftete Skizze.
- Kreislaufvergleich: Kennzeichne in den beiden Schaltbildern Hauptstrom und Tankanbindung.
- Bildbeschreibung: Erläutere die GIF-Animation mit vier kurzen Fachbegriffen.
Standard
- Rechenkarten: Berechne A und B und dokumentiere Einheiten sowie Idealannahmen.
- Motorvergleich: Erstelle eine Bildtafel zu Konstant- und Verstellmotor; kennzeichne nicht belegte Merkmale als offen.
- Signalweg: Zeichne den Unterschied zwischen Steuerung und Regelung mit einer Rückführlinie.
- Gefahrenplakat: Gestalte ein Plakat zu Hochdrucköl und unbeabsichtigter Bewegung auf Basis der DGUV-Quelle.
Schwer
- Anwendungsvergleich: Vergleiche die Einsatzidee bei Radlader und landwirtschaftlicher Maschine anhand belegter Herstellerquellen.
- Erklärclip: Erstelle einen 90-Sekunden-Clip mit eigenen Zeichnungen zur Pumpe-Motor-Kette; keine reale Maschine betätigen.
- Fallanalyse: Formuliere aus der fiktiven Meldung mehrere Hypothesen, fehlende Informationen und Fragen an qualifiziertes Fachpersonal – ohne Eingriffe vorzuschlagen.
- Grenzen des Modells: Beurteile schriftlich, weshalb eine ideale Drehzahlrechnung weder reale Fahrleistung noch Betriebssicherheit nachweist.


Lernkontrolle
- Wirkungskette: Erkläre, welche idealisierten Folgen eine größere Pumpenverdrängung bei konstanter Eingangsdrehzahl hat und wo die Aussagegrenzen liegen.
- Laständerung: Begründe, warum steigende Last nicht zwangsläufig einen proportional größeren Volumenstrom bedeutet.
- Rückführung: Entwirf für ein rein fiktives Steuerungsmodell einen möglichen Sensor-Istwert-Vergleich und erkläre dessen Nutzen.
- Quellenkritik: Vergleiche einen vereinfachten Commons-Schnitt mit der Danfoss-Herstellerzeichnung: Welche Details fehlen?
- Sicherheitsentscheidung: Widerlege die Aussage „Das Modell zeigt Stillstand, also darf das Fahrzeug gefahren werden“ mit mindestens drei fachlichen Gründen.
- Übertragbarkeit: Erkläre, warum aus dem Motorfoto nicht auf die Bauart des Hydromotors im dargestellten Radlader geschlossen werden darf.
Lernnachweis
- Systemskizze: mechanischer Eingang, Verstellpumpe, Hauptölkreis, Hydromotor und Abtrieb richtig benannt.
- Baugruppen: mindestens vier Bauteile am Pumpenbild erkannt und Funktionen erläutert.
- Regelung: Unterschied von Sollwert, Istwert und Stellgröße verständlich erklärt.
- Modellrechnung: A und B mit Einheiten, Rechenweg und ausdrücklich benannten Annahmen dokumentiert.
- Transfer: Grenzen der Schlussfolgerung und fehlende reale Maschineninformationen begründet.
- Sicherheitskompetenz: klare Abgrenzung zu Fahrzeugprüfung, Reparatur, Zulassung und Fahrfreigabe.
- Medienkompetenz: Bildautoren, freie Lizenzen, Herstellerquellen und Nutzungsgrenzen angegeben.
OERs zum Thema
Wikipedia – Grundlagen:
Fachlich geprüfte Primärquellen zum Nachlesen (verlinkt, nicht nachlizenziert):
- Danfoss: Heavy Duty Hydrostatic Transmissions, Ausgabe 2026, S. 53–57 – Schaltungen und Betriebszustände.
- Yanmar Technical Review: Kanzaki HST – praxisbezogene HST-Schemata.
- Kubota: Hydraulic Systems – Energiefluss und Verstellung.
- DGUV Information 209-070 – sicherheitsfachliche Abgrenzung.
Medienrechte und Nachweise: Die eingebundenen Dateien sind auf Wikimedia Commons dokumentiert; dort stehen die maßgeblichen Lizenzbedingungen. Es wurden keine Herstellerabbildungen kopiert. Die YouTube-Beiträge sind externe Plattform-Einbettungen und keine als OER freigegebenen Unterrichtsdateien.
- Radladerfoto – Chris Woodrich/Crisco 1492, CC BY-SA 4.0.
- Kreislaufschema – Lidingo/Bodalbo, CC BY-SA 3.0.
- Pumpenzeichnung und Animation – MichaelFrey, CC BY-SA 4.0.
- Detailfoto und Explosionsschema – Cdang, CC BY-SA 3.0.
- Kolbenfoto – Vivan755, CC BY-SA 3.0.
- Motorfoto – Gérard Thielleux, laut Commons gemeinfrei.
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