Zum Inhalt springen

Kunst - Gestaltungsentscheidungen nachvollziehbar protokollieren

Aus MOOCsWiki Staging
Die Druckversion wird nicht mehr unterstützt und kann Darstellungsfehler aufweisen. Bitte aktualisiere deine Browser-Lesezeichen und verwende stattdessen die Standard-Druckfunktion des Browsers.
aiMOOC-Siegel aiMOOC

Kunst - Gestaltungsentscheidungen nachvollziehbar protokollieren

QR-Code



Einleitung

In diesem aiMOOC lernst Du, Gestaltungsentscheidungen in Kunst nachvollziehbar zu protokollieren. Das bedeutet: Du hältst so genau fest, was am Ausgangsmaterial vorhanden war, was Du gezielt verändert hast, was danach sichtbar oder messbar anders ist und welche begrenzte Schlussfolgerung daraus zulässig ist. Der Kurs ist für Lernende ab Klasse 5/6 geschrieben. Die Grundlagen funktionieren mit Papier, Stift und einfachen Bildmaterialien; für die Vertiefung lernst Du zusätzlich, warum zwei Bildvarianten keine allgemeine Wirkung auf alle Menschen beweisen.

Ein gutes Gestaltungsprotokoll hilft Dir, Deinen eigenen Arbeitsprozess zu verstehen, Entscheidungen zu erklären und Varianten fair zu vergleichen. Es trennt Beobachtung, Regelanwendung und Bewertung. Eine Bewertung in diesem Kurs ist ein begründetes Urteil zu einem vorher genannten Kriterium. Sie ist keine automatische Schulnote.

Der Kurs benötigt keine externen KI-Dienste und keine privaten Daten. Verwende für eigene Versuche nur ungefährliche, schulübliche Materialien. Wenn Du Bilder oder Videos einsetzt, nutze eigene oder offen lizenzierte Medien und dokumentiere Quelle, Lizenz und Alternativtext.


Lernziele

  1. Gestaltungsentscheidung: Du kannst eine bewusste Veränderung an Farbe, Form, Linie, Größe, Position, Abstand, Kontrast oder Anordnung benennen.
  2. Dokumentation: Du kannst Ausgangsversion, verändertes Merkmal, Beobachtung und begrenztes Fazit vollständig protokollieren.
  3. Bildanalyse: Du kannst sichtbare Merkmale beschreiben, bevor Du deutest oder bewertest.
  4. Vergleich: Du kannst zwei Varianten so vergleichen, dass möglichst nur ein Merkmal gezielt verändert wird.
  5. Aussagegrenze: Du kannst erklären, warum aus zwei Varianten keine allgemeine Wirkung für alle Menschen folgt.
  6. Reflexion: Du kannst ein Urteil an einem Kriterium begründen, ohne daraus automatisch eine Note abzuleiten.


Farbe als mögliches Gestaltungsmerkmal

Ein einfacher Farbkreis mit gleichmäßig angeordneten Farbfeldern rund um einen weißen Mittelpunkt.

Mediennachweis: Wikimedia Commons, Datei „Colorwheel.png“, erstellt am 4. März 2014, Urheber laut Dateiseite: Uploader Mirtlie/eigene Arbeit, Public Domain. Alternativtext: „Ein einfacher Farbkreis mit gleichmäßig angeordneten Farbfeldern rund um einen weißen Mittelpunkt.“ Aussagegrenze: Der Farbkreis ordnet Farben anschaulich; er beweist keine feste emotionale Wirkung einer Farbe.

Der Farbkreis kann Dir helfen, eine Farbänderung genau zu benennen. Wenn Du in einer Variante nur einen Farbton austauschst, ist Farbe das veränderte Merkmal. Aus der Veränderung darfst Du zunächst nur das beschreiben, was Du am Material sicher beobachten kannst. Aussagen wie „Blau wirkt immer ruhig“ oder „Rot macht alle Menschen nervös“ gehen weit über einen einfachen Variantenvergleich hinaus.


Grundlagen


Das Vier-Felder-Protokoll

Das Kernmodell dieses Kurses besteht aus vier Feldern:

Feld Leitfrage Beispiel für eine passende Formulierung
Ausgangsversion Wie sieht die Version vor der Änderung aus? Auf einer weißen Karte liegt mittig eine schwarze Linie.
Verändertes Merkmal Was wurde absichtlich verändert? Nur die Linienbreite wurde verändert.
Beobachtung Was ist sichtbar oder messbar anders? Die Linie bedeckt in der zweiten Version eine größere schwarze Fläche.
Begrenztes Fazit Was darf ich nur für diesen Vergleich sagen? In diesen beiden Versionen nimmt die breitere Linie mehr Fläche ein; daraus folgt keine allgemeine Wirkung auf alle Betrachtenden.

Merksatz: Erst dokumentieren, dann beobachten, dann ein Kriterium anwenden, erst danach bewerten.


Beobachtung, Regelanwendung und Bewertung trennen

Ebene Frage Zulässiges Beispiel Nicht passend
Beobachtung Was kann ich sehen, zählen oder messen? Der Kreis ist in Version B größer als in Version A. Alle Menschen finden den Kreis wichtiger.
Regelanwendung Welche vorher festgelegte Regel oder welcher Fachbegriff passt? Das veränderte Merkmal ist die Größe der Form. Große Formen sind immer besser.
Bewertung Wie beurteile ich die Variante bezogen auf ein genanntes Ziel? Für das Ziel „das Zeichen aus größerer Entfernung erkennen“ ist B in meinem Test geeigneter. B verdient automatisch die bessere Note.

Eine Beobachtung soll möglichst ohne Wertung auskommen. Eine Regelanwendung ordnet die Beobachtung einem Fachbegriff oder einem vorher genannten Kriterium zu. Eine Bewertung braucht eine Begründung. Dieselbe Variante kann für unterschiedliche Ziele unterschiedlich geeignet sein.


Geeignete Gestaltungsmerkmale

  1. Farbe: Farbton, Helligkeit oder Sättigung können gezielt verändert werden.
  2. Linie: Breite, Richtung, Länge oder Verlauf können verändert werden.
  3. Form: Rund, eckig, organisch oder geometrisch kann ein Vergleichsmerkmal sein.
  4. Größe: Eine Form kann bei gleicher Position vergrößert oder verkleinert werden.
  5. Position: Ein Element kann bei gleicher Größe und Farbe an eine andere Stelle gesetzt werden.
  6. Abstand: Der Abstand zwischen zwei Elementen kann verändert werden.
  7. Kontrast: Hell-Dunkel- oder Farbunterschiede können untersucht werden.
  8. Komposition: Die Anordnung von Bildelementen kann beschrieben und verglichen werden.

Für einen gut nachvollziehbaren Vergleich ist es hilfreich, nur ein Merkmal absichtlich zu verändern. Wenn gleichzeitig Farbe, Größe, Position und Schrift geändert werden, lässt sich später kaum sagen, welche Beobachtung zu welcher Änderung gehört.


Kunstwerk als Beobachtungsmaterial

Abstraktes Gemälde mit Kreisen, Linien, Dreiecken und weiteren geometrischen Formen in verschiedenen Farben auf hellem Grund.

Mediennachweis: Wassily Kandinsky, „Composition VIII“, 1923; Reproduktion auf Wikimedia Commons, Public Domain / Public Domain Mark. Alternativtext: „Abstraktes Gemälde mit Kreisen, Linien, Dreiecken und weiteren geometrischen Formen in verschiedenen Farben auf hellem Grund.“ Aussagegrenze: Das Bild eignet sich zum Beschreiben formaler Merkmale. Aus seinem Aufbau allein folgt keine universelle emotionale Wirkung.

Betrachte das Werk zunächst ohne Deutung. Nenne zum Beispiel sichtbare Formen, Linienrichtungen, Größenunterschiede, Farbflächen und Abstände. Erst danach darfst Du eine Deutung oder Bewertung anschließen.


Zweites Kunstwerk: Komposition vergleichen

Abstraktes Gemälde mit schwarzen waagerechten und senkrechten Linien sowie rechteckigen Flächen in Rot, Blau, Gelb und Weiß.

Mediennachweis: Piet Mondrian, „Composition in Red, Blue, and Yellow“, 1937–1942; Reproduktion auf Wikimedia Commons, Public Domain / Public Domain Mark. Alternativtext: „Abstraktes Gemälde mit schwarzen waagerechten und senkrechten Linien sowie rechteckigen Flächen in Rot, Blau, Gelb und Weiß.“ Aussagegrenze: Das Werk eignet sich zum Beobachten von Größe, Farbe, Linie, Fläche und Anordnung. Es liefert keine allgemeine Regel dafür, welche Anordnung alle Menschen bevorzugen.

Nutze das Bild für eine reine Beobachtungsübung: Beschreibe zuerst drei sichtbare Merkmale, ohne Wörter wie „schön“, „spannend“ oder „ruhig“. Formuliere anschließend genau eine Deutung und kennzeichne sie ausdrücklich als Deutung.


Video: Formale Bildanalyse

Mediennachweis: Smarthistory, Beth Harris und Steven Zucker, „How to Perform Formal Analysis of a Painting“, veröffentlicht 18. September 2017. Smarthistory kennzeichnet seine Bildungsinhalte als OER unter CC BY-NC-SA 4.0. Alternativtext/Inhaltsbeschreibung: „Zwei Kunsthistoriker erläutern an einem Gemälde, wie sichtbare Merkmale wie Komposition, Raum, Form, Linie, Farbe, Licht, Tonwert, Textur und Muster schrittweise beschrieben werden.“ Aussagegrenze: Das Video zeigt eine Methode der formalen Analyse; es liefert keine allgemeine Formel dafür, wie alle Menschen auf ein Bild reagieren.


Durchgerechnetes und begründetes Beispiel


Material M1: Eine Linie wird breiter

Du gestaltest zwei weiße Karten. Beide Karten sind gleich groß. Auf jeder Karte liegt an derselben Stelle eine waagerechte schwarze Linie mit einer Länge von 12 cm.

Version A: Linienbreite 2 mm, also 0,2 cm. Version B: Linienbreite 8 mm, also 0,8 cm. Alle anderen Merkmale bleiben gleich.

Für eine einfache Flächenabschätzung behandeln wir die Linie als langes Rechteck.

Rechnung Version A: 12 cm × 0,2 cm = 2,4 cm² schwarze Fläche. Rechnung Version B: 12 cm × 0,8 cm = 9,6 cm² schwarze Fläche. Unterschied: 9,6 cm² − 2,4 cm² = 7,2 cm². Verhältnis: 9,6 ÷ 2,4 = 4. Die schwarze Linienfläche ist in B in dieser vereinfachten Rechnung viermal so groß.


Beispielprotokoll zu M1

Protokollfeld Eintrag
Ausgangsversion Version A: weiße Karte, schwarze waagerechte Linie, 12 cm lang und 2 mm breit.
Verändertes Merkmal Nur die Linienbreite wurde von 2 mm auf 8 mm verändert.
Beobachtung Die Linie bedeckt in B rechnerisch etwa 9,6 cm² statt 2,4 cm². Sie bedeckt damit viermal so viel schwarze Fläche.
Regelanwendung Das geänderte Gestaltungsmittel ist die Linienbreite. Die belegte Fläche steigt bei gleicher Länge proportional zur Breite.
Bewertung Wenn das vorher festgelegte Ziel lautet „mehr schwarze Fläche mit derselben Linienlänge“, erfüllt B dieses Ziel besser.
Begrenztes Fazit In genau diesen beiden Karten bedeckt B mehr schwarze Fläche. Daraus folgt nicht, dass B für alle Menschen schöner, spannender, ruhiger oder besser ist.

Das Beispiel zeigt den Unterschied zwischen einem überprüfbaren Befund und einer allgemeinen Wirkungsbehauptung. Die Flächenwerte kann jede Person nachrechnen. Eine Aussage über Schönheit oder Gefühl braucht dagegen zusätzliche Untersuchungen mit Menschen, klaren Fragen und passenden Stichproben.


Vertiefung: Warum zwei Varianten keine universelle Wirkung beweisen


Zwei Bilder sind noch keine Untersuchung aller Menschen

Wenn Du Version A und Version B vergleichst, untersuchst Du zunächst zwei Gestaltungen. Du kannst sichere Aussagen über Unterschiede im Material machen: Eine Linie ist breiter, eine Form größer, ein Abstand weiter oder eine Farbe anders. Eine Aussage wie „Version B wirkt auf Menschen freundlicher“ betrifft jedoch nicht mehr nur das Bild, sondern die Wahrnehmung vieler Menschen.

Um von einzelnen Beobachtungen auf eine große Gruppe zu schließen, braucht man eine geeignete Untersuchung. Ein öffentlicher Statistikstandard formuliert dazu sinngemäß: Verallgemeinerungen von einer Stichprobe auf eine Grundgesamtheit sind nur dann tragfähig, wenn die Stichprobe diese Grundgesamtheit angemessen repräsentiert. Ein Zwei-Varianten-Vergleich im Kunstunterricht liefert normalerweise keine solche Stichprobe.


Farbpräferenz als Beispiel für Aussagegrenzen

Eine offene Primärstudie von Davis, Robertson, Lew-Levy, Neldner, Kapitany, Nielsen und Hines aus dem Jahr 2021 untersuchte Präferenzen für Rosa und Blau bei insgesamt 232 Kindern im Alter von 4 bis 11 Jahren in mehreren kulturellen Kontexten. Die Ergebnisse unterschieden sich zwischen den untersuchten Gruppen. Das ist ein Beispiel dafür, dass Farbpräferenzen nicht einfach als überall gleich angenommen werden sollten.

Wichtig ist die Aussagegrenze: Die Studie untersuchte bestimmte Farben, bestimmte Kinder, bestimmte Aufgaben und bestimmte kulturelle Kontexte. Sie beweist weder, dass jede Farbwirkung kulturell ist, noch erlaubt sie Aussagen über jedes Kunstwerk oder jeden Menschen. Gerade diese Begrenzung ist ein Vorbild für sauberes Protokollieren.


Ein besserer Satz statt einer Universalbehauptung

Statt: „Rot wirkt aggressiv.“ Schreibe besser: „In meiner Variante B ist die rote Fläche größer als in A. Ich nehme sie in diesem Vergleich zuerst wahr. Das ist meine Beobachtung; daraus folgt keine Wirkung auf alle Menschen.“

Statt: „Große Formen sind wichtiger.“ Schreibe besser: „Die vergrößerte Form bedeckt mehr Bildfläche. Für mein vorher festgelegtes Kriterium ‚schnell auffindbar‘ war sie in meinem Vergleich geeigneter.“


Quellen, Herkunft, Datum und Aussagegrenzen

Quelle Herkunft und Datum Für diesen Kurs genutzt Aussagegrenze
Bildungsplan Bildende Kunst Baden-Württemberg Öffentliche Bildungsplan-Seiten des Landes Baden-Württemberg; Kompetenzseiten für Bildende Kunst, Abruf 04.10.2026. Der überarbeitete Bildungsplan Bildende Kunst V3.0 ist laut Inkrafttretensübersicht vom 21.05.2026 seit 01.08.2026 für neu eintretende Klassen 5, 6 und 7 maßgeblich. Gestaltungs- und Arbeitsprozesse beschreiben, hinterfragen und bewerten; Wahrnehmungen kritisch reflektieren. Curriculare Zielbeschreibung; keine empirische Aussage über universelle Wirkungen von Farben, Formen oder Kompositionen.
Common Core State Standards, Mathematik 7.SP.A.1 Öffentlicher Bildungsstandard; Seite „Grade 7 Statistics & Probability“, Abruf 04.10.2026. Verallgemeinerungen aus Stichproben benötigen eine repräsentative Stichprobe. Statistik-Lehrstandard; nicht speziell für Kunstwahrnehmung entwickelt.
Davis et al. 2021 Primärstudie „Cultural Components of Sex Differences in Color Preference“, Child Development 92(4), 1574–1589, zuerst online 21.01.2021, Open Access CC BY 4.0. Beispiel dafür, dass Farbpräferenzen zwischen untersuchten kulturellen Kontexten variieren können. Untersucht Rosa/Blau-Präferenzen bei 232 Kindern in bestimmten Kontexten; keine allgemeine Theorie aller Farben, Altersgruppen, Kunstwerke oder Wirkungen.
Smarthistory Harris/Zucker, „How to Perform Formal Analysis of a Painting“, 18.09.2017; Smarthistory OER, CC BY-NC-SA 4.0; Abruf 04.10.2026. Sichtbare formale Merkmale vor weitergehender Deutung systematisch beschreiben. Lehrmethode der formalen Analyse; kein Beweis für einheitliche Reaktionen aller Betrachtenden.
Wikimedia Commons „Colorwheel.png“, 04.03.2014, Public Domain; „Wassily Kandinsky Composition VIII.jpg“, Werk 1923, Public Domain/PDM; „Mondrian - Composition in Red, Blue, and Yellow, 1937-42.jpg“, Werk 1937–1942, Public Domain/PDM; Abruf 04.10.2026. Frei zugängliches Anschauungsmaterial mit dokumentierter Lizenz. Medien zeigen Gestaltungsmittel; sie beweisen keine allgemeine psychologische Wirkung.

Öffentliche Nachweise: Bildungsplan Baden-Württemberg: https://bildungsplaene-bw.de/BP2016BW_ALLG_SEK1_BK_IK_5-6_01 Inkrafttreten V3.0: https://www.bildungsplaene-bw.de/32504784 Common Core 7.SP.A.1: https://www.thecorestandards.org/Math/Content/7/SP/A/1/ Davis et al. 2021: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8451877/ Smarthistory-Lizenz: https://smarthistory.org/faq/ Smarthistory-Video-Fachseite: https://smarthistory.org/visual-analysis/ Wikimedia Commons Farbkreis: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Colorwheel.png Wikimedia Commons Kandinsky: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wassily_Kandinsky_Composition_VIII.jpg Wikimedia Commons Mondrian: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mondrian_-_Composition_in_Red,_Blue,_and_Yellow,_1937-42.jpg


Training mit gestuften Hinweisen und Lösungen


Aufgabe A: Das beste Protokoll erkennen

Frage: Welche Formulierung erfüllt das Vier-Felder-Prinzip am besten?

A: „A hatte einen kleinen schwarzen Kreis. In B wurde nur der Durchmesser vergrößert. Der Kreis bedeckt in B mehr Fläche. Daraus folgt nur für diese Varianten, dass die Kreisfläche größer ist.“ B: „B ist schöner, weil große Kreise immer stärker wirken.“ C: „Ich habe Farbe, Größe und Position geändert; deshalb weiß ich genau, dass die Farbe alles verändert hat.“ D: „A und B sind verschieden, also gefällt B allen Menschen besser.“

Hinweis 1: Suche nach genau einem gezielt veränderten Merkmal. Hinweis 2: Achte darauf, ob Beobachtung und allgemeine Wirkung getrennt werden. Lösung: A. Nur dort werden Ausgangsversion, eine gezielte Änderung, eine beobachtbare Folge und ein begrenztes Fazit sauber getrennt.


Aufgabe B: Beobachtung oder Bewertung

Frage: Welche Aussage ist eine Beobachtung?

A: „Die rote Fläche ist in Version B doppelt so breit wie in A.“ B: „Version B ist spannender.“ C: „Rot ist für alle Menschen aufregend.“ D: „B sollte die bessere Note bekommen.“

Hinweis 1: Eine Beobachtung sollte sichtbar, zählbar oder messbar sein. Hinweis 2: Wörter wie „spannender“, „besser“ oder „für alle“ deuten auf Bewertung oder Verallgemeinerung hin. Lösung: A. Die Breite kann am Material überprüft werden.


Aufgabe C: Aussagegrenze prüfen

Frage: Du vergleichst zwei Plakate, bei denen nur die Hintergrundfarbe verschieden ist. Welche Schlussfolgerung ist zulässig?

A: „In diesen beiden Plakaten ist die Hintergrundfarbe das gezielt veränderte Merkmal.“ B: „Die zweite Farbe macht alle Menschen ruhiger.“ C: „Die zweite Farbe ist weltweit die beliebteste.“ D: „Aus zwei Plakaten kann man die Reaktion aller Menschen sicher vorhersagen.“

Hinweis 1: Frage Dich, ob die Aussage nur das Material betrifft oder schon eine große Gruppe von Menschen. Hinweis 2: Ein Variantenvergleich ohne repräsentative Untersuchung erlaubt keine universelle Aussage. Lösung: A. Diese Aussage ist direkt am Vergleich überprüfbar.


Aufgabe D: Regelanwendung und Bewertung trennen

Frage: Welche Formulierung ist eine kriteriumsbezogene Bewertung und keine automatische Note?

A: „Für das vorher festgelegte Ziel ‚aus zwei Metern lesbar‘ ist B in meinem Lesetest geeigneter.“ B: „B ist objektiv das beste Kunstwerk.“ C: „B verdient automatisch eine Eins.“ D: „Jede große Schrift ist immer besser als kleine Schrift.“

Hinweis 1: Suche nach einem ausdrücklich genannten Ziel. Hinweis 2: Eine begründete Bewertung gilt nur im genannten Kontext und ist keine automatische Zensur. Lösung: A. Das Urteil ist an ein vorher genanntes Kriterium gebunden.


Transferwerkstatt


Werkstattmodell: Eine Änderung, ein Protokoll

Erstelle zwei kleine eigene Varianten eines einfachen Bildes. Verwende zum Beispiel ein Quadrat, einen Kreis und eine Linie. In Version B darfst Du nur ein Merkmal verändern. Geeignet sind Größe, Farbe, Abstand, Position oder Linienbreite.

Dokumentiere anschließend:

Schritt Dein Eintrag
Ausgangsversion Beschreibe Version A so genau, dass eine andere Person sie nachbauen könnte.
Verändertes Merkmal Nenne genau eine absichtlich veränderte Eigenschaft.
Beobachtung Beschreibe mindestens einen sichtbaren, zählbaren oder messbaren Unterschied.
Regelanwendung Ordne die Änderung einem Fachbegriff oder vorher festgelegten Kriterium zu.
Bewertung Beurteile die Variante nur in Bezug auf ein genanntes Ziel.
Begrenztes Fazit Formuliere einen Satz, der nicht über das untersuchte Material hinausgeht.


Selbstprüfung

  1. Kontrolliertes Vergleichen: Habe ich wirklich nur ein Merkmal absichtlich verändert?
  2. Nachvollziehbarkeit: Könnte eine andere Person meine Ausgangsversion und Änderung anhand des Protokolls rekonstruieren?
  3. Beobachtung: Habe ich sichtbare oder messbare Unterschiede beschrieben, bevor ich bewertet habe?
  4. Aussagegrenze: Vermeide ich Wörter wie „immer“, „alle Menschen“ oder „beweist“, wenn ich nur zwei Varianten verglichen habe?
  5. Bewertung: Ist mein Urteil an ein klares Kriterium gebunden und ausdrücklich keine automatische Note?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche vier Felder gehören zum Kernprotokoll? (Ausgangsversion, verändertes Merkmal, Beobachtung, begrenztes Fazit) (!Idee, Note, Gefühl, Lob) (!Farbe, Künstler, Preis, Museum) (!Titel, Datum, Unterschrift, Note)




Welche Aussage ist eine reine Beobachtung? (Der Kreis ist in Version B größer als in Version A) (!Version B ist schöner) (!Große Kreise wirken immer stark) (!Version B verdient die bessere Note)




Warum sollte bei einem Vergleich möglichst nur ein Merkmal gezielt verändert werden? (Damit Unterschiede leichter der gezielten Änderung zugeordnet werden können) (!Damit jedes Bild gleich aussieht) (!Damit keine Beobachtung mehr nötig ist) (!Damit automatisch eine Note entsteht)




Was darfst Du aus zwei Bildvarianten sicher ableiten? (Welche dokumentierten Merkmale sich zwischen diesen Varianten unterscheiden) (!Wie alle Menschen auf die Varianten reagieren) (!Welche Variante weltweit beliebter ist) (!Welche Variante objektiv die beste Kunst ist)




Was braucht man für eine verlässliche Verallgemeinerung auf eine große Personengruppe? (Eine geeignete und möglichst repräsentative Untersuchung) (!Nur zwei Bilder) (!Nur die Meinung einer Person) (!Nur einen besonders starken Farbkontrast)




Was kommt beim sauberen Vorgehen vor der Bewertung? (Beobachtung und Regelanwendung) (!Die Schulnote) (!Die Behauptung einer universellen Wirkung) (!Die Vermutung über alle Menschen)




Die Linienbreite steigt bei gleicher Länge von zwei auf acht Millimeter. Um welchen Faktor steigt die angenäherte Linienfläche? (Um den Faktor vier) (!Um den Faktor zwei) (!Um den Faktor sechs) (!Um den Faktor acht)




Was gehört zu einem verantwortungsvollen Medieneinsatz im Kurs? (Quelle, Lizenz und Alternativtext dokumentieren) (!Unbekannte Bilder ohne Herkunft verwenden) (!Nur die Dateigröße nennen) (!Die Lizenz absichtlich weglassen)




Welche Aussage beschreibt eine sinnvolle Aussagegrenze? (Dieses Ergebnis gilt zunächst für den untersuchten Vergleich) (!Dieses Ergebnis gilt automatisch für alle Menschen) (!Dieses Ergebnis beweist jede Wirkung der Farbe) (!Dieses Ergebnis macht weitere Beobachtungen unnötig)




Welche Aussage über Bewertung ist richtig? (Eine kriteriumsbezogene Bewertung ist keine automatische Schulnote) (!Jede Bewertung erzeugt automatisch eine Note) (!Die größte Form erhält immer die beste Note) (!Persönlicher Geschmack ist immer eine allgemeine Regel)





Memory

Ausgangsversion Zustand vor der Änderung
Merkmal gezielt veränderte Eigenschaft
Beobachtung sichtbarer oder messbarer Unterschied
Fazit begrenzte Schlussfolgerung
Stichprobe untersuchte Teilgruppe
Bewertung begründetes Urteil nach Kriterium





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Beobachtung Der schwarze Kreis ist in B größer als in A.
Regelanwendung Die gezielte Änderung betrifft die Größe der Form.
Bewertung Für das Ziel schnelle Erkennbarkeit ist B in meinem Test geeigneter.
Unzulässige Verallgemeinerung Alle Menschen finden B schöner.
Begrenztes Fazit In diesem Vergleich bedeckt B mehr Fläche.




...


Kreuzworträtsel

Variante Wie heißt eine von mehreren bewusst verglichenen Fassungen?
Merkmal Wie heißt eine gezielt veränderte Eigenschaft?
Beobachtung Wie heißt eine sichtbare oder messbare Feststellung?
Fazit Wie heißt die begrenzte Schlussfolgerung am Ende?
Kontrast Wie heißt ein deutlicher Unterschied zwischen Bildelementen?
Komposition Wie heißt die Anordnung von Bildelementen im Bild?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Am Anfang eines Vergleichs dokumentierst Du die

. Danach benennst Du genau das

, das absichtlich verändert wurde. Eine sichtbare oder messbare Feststellung heißt

. Erst danach darfst Du eine fachliche

vornehmen. Ein Urteil soll an ein vorher genanntes

gebunden sein. Eine Schlussfolgerung aus zwei Varianten muss

formuliert werden. Für Aussagen über eine große Personengruppe wäre eine geeignete

nötig. Eine kriteriumsbezogene Beurteilung erzeugt nicht automatisch eine

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Vier-Felder-Protokoll: Zeichne einen Kreis in Version A und verändere in Version B nur seine Größe. Fülle die vier Kernfelder aus.
  2. Linienvergleich: Zeichne zwei gleich lange Linien mit unterschiedlicher Breite. Miss die Breite und formuliere eine reine Beobachtung ohne Wertwort.
  3. Farbvariante: Gestalte zwei identische Rechteck-Kompositionen, bei denen nur ein Farbton ausgetauscht wird. Schreibe ein begrenztes Fazit.
  4. Beobachtungssprache: Sammle fünf Wörter, die messbare oder sichtbare Unterschiede beschreiben, und ersetze fünf pauschale Wirkungswörter durch präzisere Formulierungen.


Standard

  1. Kompositionsvergleich: Erstelle zwei Varianten aus drei geometrischen Formen und verschiebe nur eine Form. Dokumentiere Position, Beobachtung und ein Kriterium.
  2. Lesbarkeit: Gestalte ein kleines Hinweisschild in zwei Varianten, bei denen nur die Schriftgröße verändert wird. Prüfe die Lesbarkeit aus derselben Entfernung und protokolliere die Bedingung.
  3. Bildanalyse: Wähle ein gemeinfreies Kunstwerk aus Wikimedia Commons. Beschreibe zunächst nur sichtbare Merkmale und trenne anschließend Deutung und Bewertung.
  4. Quellencheck: Finde ein frei nutzbares Bild und dokumentiere Dateiname, Urheber, Quelle, Lizenz, Abrufdatum und einen eigenen Alternativtext.


Schwer

  1. Mini-Untersuchung: Entwickle drei Varianten desselben Motivs, verändere jeweils nur ein Merkmal und führe für jede Änderung ein eigenes Protokoll.
  2. Aussagegrenzen: Formuliere zu fünf typischen Kunstsätzen wie „Gelb wirkt fröhlich“ jeweils eine vorsichtigere, überprüfbare Alternative.
  3. Kriterienvergleich: Bewerte dieselben zwei Varianten nacheinander nach zwei verschiedenen Kriterien, zum Beispiel Lesbarkeit und Flächenanteil. Erkläre, warum die Urteile unterschiedlich ausfallen können.
  4. Transferprojekt: Erstelle ein kleines Vorher-Nachher-Portfolio mit zwei Varianten, Messwerten, Quellenangaben und einer Reflexion darüber, was Du nicht aus Deinem Vergleich schließen kannst.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Kontrollierte Veränderung: Du erhältst zwei Beschreibungen eines Plakats. Entscheide, ob nur ein Merkmal verändert wurde. Begründe, welche zusätzlichen Änderungen einen eindeutigen Vergleich stören würden.
  2. Aussagegrenze anwenden: Eine Person sagt nach zwei Farbvarianten: „Blau wirkt auf jeden Menschen beruhigend.“ Formuliere die Aussage so um, dass sie nur das tatsächlich Beobachtete behauptet.
  3. Kriterienwechsel: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie dieselbe Variante nach dem Kriterium „Lesbarkeit“ besser, nach dem Kriterium „geringe Flächennutzung“ aber schlechter bewertet werden kann.
  4. Quellenkritik: Vergleiche eine öffentliche Lehrquelle und eine Primärstudie aus dem Kurs. Erkläre, welche Art von Aussage jede Quelle stützt und welche nicht.
  5. Protokollprüfung: Prüfe ein fremdes Gestaltungsprotokoll auf die Trennung von Beobachtung, Regelanwendung und Bewertung und schlage zwei konkrete Verbesserungen vor.
  6. Transfer: Entwickle für ein neues Bildmaterial eine überprüfbare Veränderung, ein Mess- oder Beobachtungskriterium und ein begrenztes Fazit.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:

  1. Dokumentationskompetenz: Ausgangsversion und verändertes Merkmal sind so beschrieben, dass der Vergleich nachvollziehbar ist.
  2. Beobachtungskompetenz: Aussagen über sichtbare oder messbare Unterschiede sind von Deutungen getrennt.
  3. Fachbegriffe: Begriffe wie Farbe, Linie, Form, Größe, Position, Abstand, Kontrast und Komposition werden passend verwendet.
  4. Aussagegrenze: Schlussfolgerungen gehen nicht weiter als das untersuchte Material oder die tatsächlich erhobenen Daten.
  5. Bewertungskompetenz: Urteile beziehen sich auf ein benanntes Kriterium und werden begründet.
  6. Quellenkompetenz: Öffentliche Quellen und Medien werden mit Herkunft, Datum, Lizenz und Aussagegrenze dokumentiert.
  7. Reflexion: Es wird ausdrücklich erklärt, warum eine Variantenanalyse keine automatische Note und keine universelle Menschenwirkung erzeugt.




OERs zum Thema


Verknüpfte Lernbereiche


Abschlussanwendung: Neues Material überprüfbar protokollieren

Neues Material N: Zwei weiße Karten sind jeweils 12 cm breit und 8 cm hoch. Auf beiden liegt mittig ein schwarzes Quadrat. In Version A hat das Quadrat eine Seitenlänge von 2 cm. In Version B hat es eine Seitenlänge von 4 cm. Farbe, Form, Mittelpunkt und Kartenformat bleiben gleich.

Dein Auftrag: Erstelle ein Vier-Felder-Protokoll und berechne die schwarze Quadratfläche beider Varianten. Formuliere danach genau ein begrenztes Fazit und genau eine Aussage, die nicht zulässig wäre.

Prüfschlüssel: Ausgangsversion A: schwarzes Quadrat mit 2 cm Seitenlänge auf einer 12 cm × 8 cm großen weißen Karte. Verändertes Merkmal: nur die Seitenlänge beziehungsweise Größe des Quadrats. Beobachtung: A hat 2 cm × 2 cm = 4 cm² schwarze Fläche; B hat 4 cm × 4 cm = 16 cm² schwarze Fläche; B bedeckt damit viermal so viel schwarze Fläche. Begrenztes Fazit: „In diesen beiden Karten bedeckt das Quadrat in B viermal so viel Fläche wie in A.“ Nicht zulässig wäre zum Beispiel: „Alle Menschen finden B schöner.“ Damit kannst Du Deine Anwendung konkret nachrechnen und überprüfen.


aiMOOC-Projekte