Kollegiale Zusammenarbeit digital unterstützen

Kollegiale Zusammenarbeit digital unterstützen
Kollegiale Zusammenarbeit digital unterstützen
Zielgruppe: Schulleitungen und schulische Steuergruppen
Mini-Beschreibung: Zeige, wie Materialien, Erfahrungen, Unterrichtskonzepte und Lernkurse gemeinsam entwickelt, geprüft, geteilt und weiterverwendet werden können.

Einleitung
Digitale Zusammenarbeit wird dann wirksam, wenn nicht jede Lehrkraft bei null beginnt. Ein gemeinsamer Arbeitsprozess macht aus einzelnen Materialien einen weiterentwickelbaren Wissensbestand der Schule.
Für Schulleitungen stehen deshalb weniger einzelne Tools als klare Regeln im Mittelpunkt: Wo liegt die aktuelle Fassung? Wer darf bearbeiten? Wer prüft? Was darf veröffentlicht werden? Wie werden gute Ergebnisse erneut genutzt?

Zielbild für die Schule
| Leitfrage | Sinnvolle Vereinbarung |
|---|---|
| Wo arbeiten wir? | Ein gemeinsamer, verlässlicher Ablage- und Arbeitsort |
| Wie arbeiten wir? | Gemeinsame Vorlagen, Versionierung und nachvollziehbare Änderungen |
| Wer entscheidet? | Klare Rollen für Erstellung, Review und Freigabe |
| Wie sichern wir Qualität? | Kollegiales Feedback vor schulweiter Nachnutzung |
| Wie wird Wissen erhalten? | Ergebnisse werden auffindbar dokumentiert und regelmäßig aktualisiert |

Ein gemeinsamer Kreislauf
Eine praktikable Zusammenarbeit folgt einem einfachen Kreislauf: Bedarf klären → Vorhandenes finden → gemeinsam bearbeiten → prüfen → freigeben → wiederverwenden → verbessern.

Dabei helfen Wissensmanagement, gemeinsame Dokumente, Wikis, Dateiablagen und Lernplattformen. Entscheidend ist, dass nicht mehrere unklare Parallelversionen entstehen.
Materialien gemeinsam entwickeln
Ein gemeinsamer Materialpool kann Arbeitsblätter, Präsentationen, Aufgabenformate, Bewertungshilfen, Unterrichtsreihen und Fortbildungsbausteine enthalten. Für jedes Element sollten mindestens Titel, Fach oder Lernbereich, Zielgruppe, verantwortliche Person, Bearbeitungsstand und gegebenenfalls Lizenz erkennbar sein.

Schulleitungsimpuls: Definiere einen schulweiten Referenzort. Vereinbare, wann eine Datei Entwurf, geprüft oder freigegeben ist.
Erfahrungen und Unterrichtskonzepte sichern
Nicht nur Dateien sind wertvoll. Auch kurze Erfahrungsnotizen helfen bei der Weiterentwicklung: Was hat funktioniert? Welche Voraussetzungen waren nötig? Was sollte beim nächsten Durchlauf verändert werden?
So wird aus einer Datei ein lernendes Unterrichtskonzept.
OER für Nachnutzung und Weiterentwicklung
Open Educational Resources, OER sind Lern- und Lehrmaterialien mit offenen Lizenzen, die Nachnutzung und – je nach Lizenz – Bearbeitung und Weitergabe ermöglichen. Frei zugänglich bedeutet nicht automatisch frei bearbeitbar.

Bei offenen Materialien sind Lizenzhinweise Teil der Qualitätsarbeit. Creative-Commons-Lizenzen machen Nutzungsbedingungen sichtbar.


Lernkurse gemeinsam bauen
In einer Lernplattform können Kollegien nicht nur Dateien sammeln, sondern komplette Lernwege gemeinsam entwickeln. Wiederverwendbare Kursbausteine können Erklärungen, Aufgaben, Tests, Feedbackelemente und Vertiefungen enthalten.

Moodle ist ein Beispiel für ein Lernmanagementsystem. Für die schulische Strategie ist jedoch nicht eine bestimmte Marke entscheidend, sondern die Möglichkeit, Rollen, Kursvorlagen, Freigaben und Wiederverwendung sinnvoll zu organisieren.
Datenschutz und Zugriffsrechte
Vor der Ablage personenbezogener oder sensibler Informationen muss geklärt sein, wer zugreifen darf, welche Daten tatsächlich benötigt werden und welche schulischen beziehungsweise trägerseitigen Vorgaben gelten.

Faustregel: Unterrichtsmaterial, personenbezogene Daten und interne Leitungsinformationen benötigen nicht automatisch dieselben Zugriffsrechte.
Steuerungsaufgaben der Schulleitung
| Steuerungsfeld | Minimalstandard |
|---|---|
| Zweck | Gemeinsames Ziel der Zusammenarbeit benennen |
| Zeit | Verlässliche Arbeitszeit für gemeinsame Entwicklung einplanen |
| Rollen | Verantwortung für Erstellung, Review und Freigabe festlegen |
| Struktur | Einheitliche Ablage, Benennung und Vorlagen vereinbaren |
| Qualität | Kurzen Review-Prozess vor schulweiter Nutzung festlegen |
| Transfer | Gute Ergebnisse aktiv in Fachschaften und Teams weitergeben |

Beispiel: Start in vier Wochen
| Phase | Fokus | Ergebnis |
|---|---|---|
| Woche 1 | Bestehende Materialien und Ablagen sichten | Gemeinsamer Referenzort |
| Woche 2 | Vorlage, Rollen und Benennung festlegen | Verbindlicher Arbeitsstandard |
| Woche 3 | Einen Unterrichtsbaustein gemeinsam überarbeiten | Erster Pilot |
| Woche 4 | Review und Transfer organisieren | Verbesserter Baustein für die Nachnutzung |
Die Pilotphase sollte klein beginnen. Ein funktionierender Prozess lässt sich später leichter auf weitere Fachschaften, Jahrgänge oder Fortbildungsangebote übertragen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist das zentrale Ziel einer gemeinsamen digitalen Materialentwicklung? (Materialien gemeinsam weiterentwickeln und wiederverwenden) (!Möglichst viele verschiedene Ablageorte schaffen) (!Jede Lehrkraft erstellt grundsätzlich eigene Versionen) (!Materialien nach einmaliger Nutzung löschen)
Wozu dient Versionierung in der Zusammenarbeit? (Änderungen und Bearbeitungsstände nachvollziehbar machen) (!Alle früheren Bearbeitungen unsichtbar machen) (!Nur Dateinamen automatisch verkürzen) (!Den Zugang für Kolleginnen und Kollegen verhindern)
Woran erkennt man OER grundsätzlich? (An einer offenen Lizenz zur Nachnutzung) (!An einem kostenlosen Download allein) (!An einer besonders langen Datei) (!An einem Passwortschutz)
Was verlangt eine CC BY Lizenz zentral? (Die Urheberin oder den Urheber angemessen nennen) (!Jede Bearbeitung verbieten) (!Eine Nutzung nur innerhalb einer Schule) (!Das Material geheim halten)
Was sollte eine Schulleitung für digitale Zusammenarbeit verbindlich klären? (Rollen Arbeitsorte und Qualitätsprozesse) (!Nur die Farbe von Dateisymbolen) (!Nur die Zahl der gespeicherten Dateien) (!Nur den Namen des verwendeten Browsers)
Was ist vor der Ablage sensibler Informationen besonders wichtig? (Zugriffsrechte und Datenschutzvorgaben prüfen) (!Alle Dateien öffentlich freigeben) (!Personenbezogene Daten grundsätzlich kopieren) (!Zugriffsrechte möglichst offen lassen)
Was unterstützt eine verlässliche Qualitätssicherung? (Ein kollegiales Review vor der Freigabe) (!Die erste Version immer sofort veröffentlichen) (!Rückmeldungen grundsätzlich vermeiden) (!Bearbeitungen nur mündlich dokumentieren)
Welchen Vorteil bieten gemeinsam entwickelte Lernkurse? (Bausteine können wiederverwendet und verbessert werden) (!Jeder Kurs muss vollständig neu erstellt werden) (!Erfahrungen können nicht dokumentiert werden) (!Rollen und Rechte werden überflüssig)
Was verhindert am ehesten unklare Parallelversionen? (Ein vereinbarter Referenzort mit klarer Versionierung) (!Viele unabhängige private Kopien) (!Unterschiedliche Dateinamen ohne Regel) (!Ausschließlich mündliche Absprachen)
Was erleichtert neuen Kolleginnen und Kollegen den Einstieg? (Klare Vorlagen und ein kurzes Onboarding) (!Versteckte Ablagestrukturen) (!Unbenannte Dateien) (!Ungeklärte Zuständigkeiten)
Memory
| Gemeinsame Ablage | Zentraler Referenzort |
| Versionierung | Änderungen nachvollziehen |
| Review | Kollegiale Qualitätsprüfung |
| OER | Offene Bildungsmaterialien |
| Lizenzhinweis | Bedingungen der Nachnutzung |
| Kursvorlage | Gemeinsamer Aufbau |
| Rollenmodell | Zuständigkeiten klären |
| Onboarding | Einstieg neuer Mitarbeitender |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Entwerfen | Materialien gemeinsam erstellen |
| Prüfen | Fachliche und didaktische Rückmeldung geben |
| Freigeben | Einen verlässlichen Arbeitsstand markieren |
| Lizenzieren | Rechte der Nachnutzung kennzeichnen |
| Verbessern | Erfahrungen aus der Nutzung einarbeiten |
Kreuzworträtsel
| Versionierung | Was macht Änderungen an Materialien nachvollziehbar? |
| Governance | Wie heißt ein Regelrahmen für Rollen Prozesse und Entscheidungen? |
| Freigabe | Wie heißt der Schritt vor der verbindlichen schulweiten Nutzung? |
| Datenschutz | Was ist bei personenbezogenen Informationen besonders zu beachten? |
| Kursvorlage | Wie heißt ein gemeinsames Muster für den Aufbau digitaler Lernangebote? |
| Nachnutzung | Wie heißt die erneute Verwendung bereits entwickelter Materialien? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Materialinventur: Wähle zehn häufig genutzte Materialien Deiner Schule aus und prüfe, wo die aktuelle Fassung liegt.
- Ablagestruktur: Skizziere auf einer Seite, wo Teams künftig Entwürfe, geprüfte Materialien und freigegebene Fassungen finden.
- Rollenmodell: Formuliere für ein kleines Team die Rollen Erstellung, Review und Freigabe.
- Lizenzcheck: Suche drei bereits verwendete digitale Materialien und dokumentiere, ob ihre Nachnutzung eindeutig erlaubt ist.
Standard
- Kursbaustein: Lass ein Team einen bestehenden Unterrichtsbaustein gemeinsam überarbeiten und mit einer einheitlichen Vorlage dokumentieren.
- Reviewprozess: Entwickle einen kurzen Prüfbogen mit maximal fünf Kriterien für fachliche, didaktische und technische Qualität.
- Pilotteam: Plane eine vierwöchige Erprobung mit einer Fachschaft oder einem Jahrgangsteam und definiere ein sichtbares Ergebnis.
- Onboarding: Erstelle eine einseitige Einführung, mit der neue Kolleginnen und Kollegen den gemeinsamen Arbeitsprozess verstehen.
Schwer
- Governance: Entwickle einen schulweiten Regelrahmen für Ablage, Rechte, Review, Freigabe, Aktualisierung und Archivierung.
- OER-Strategie: Entwirf ein Verfahren, mit dem geeignete schulische Materialien rechtssicher als OER veröffentlicht werden können.
- Transferanalyse: Untersuche, warum gute Unterrichtsideen in Deiner Schule bisher weitergegeben oder nicht weitergegeben werden, und leite Maßnahmen ab.
- Wirksamkeitsreview: Entwickle nach einem Schulhalbjahr eine Evaluation, die nicht die Zahl der Dateien, sondern Nutzung, Weiterentwicklung und Entlastung betrachtet.


Lernkontrolle
- Prozessanalyse: Ein Kollegium speichert Unterrichtsmaterialien in mehreren privaten und gemeinsamen Ordnern. Entwickle einen verbesserten Prozess und begründe jede Veränderung.
- Qualitätssicherung: Vergleiche die Folgen einer sofortigen Veröffentlichung mit einem kurzen Peer-Review und formuliere einen angemessenen schulischen Mittelweg.
- Transfer: Erkläre, wie aus einer einzelnen gelungenen Unterrichtsreihe ein schulweit nachnutzbarer Baustein werden kann.
- Führungshandeln: Entwickle Maßnahmen, mit denen eine Schulleitung Zusammenarbeit ermöglicht, ohne jede Materialentscheidung selbst zu treffen.
- Datenschutzfall: Entscheide für drei fiktive Dateitypen, welche Zugriffsgruppen angemessen wären, und begründe Deine Entscheidung.
- Nachhaltigkeit: Entwickle ein Verfahren, mit dem veraltete Materialien erkannt, überarbeitet oder archiviert werden.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:
- Du kannst einen gemeinsamen digitalen Arbeitsprozess für Materialien und Lernkurse beschreiben.
- Du kannst Rollen für Erstellung, Review, Freigabe und Pflege sinnvoll zuordnen.
- Du kannst erklären, warum Versionierung und ein gemeinsamer Referenzort wichtig sind.
- Du kannst OER und offene Lizenzen in die schulische Nachnutzung einordnen.
- Du kannst Datenschutz, Zugriffsrechte und Qualitätsprüfung als Führungsaufgaben berücksichtigen.
- Du kannst einen realistischen Pilotprozess für Deine Schule entwerfen und reflektieren.
OERs zum Thema

Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen