Kartierungsfehler und Mediengrenzen in eigenen Skizzen prüfen
Einleitung
Karten, Skizzen und Fotos wirken oft eindeutig. Trotzdem können sie Fehler enthalten oder nur einen begrenzten Ausschnitt zeigen. In diesem Werkstattkurs lernst Du, eine eigene Kartenskizze nicht nur zu zeichnen, sondern systematisch zu prüfen: Stimmen Orientierung, Legende und Maßstab? Ist eine vergrößerte Kopie noch richtig beschriftet? Wie aktuell sind die verwendeten Informationen? Was liegt außerhalb eines Bildausschnitts? Fehlen Wege? Und vor allem: Welche Ergänzungen sind wirklich belegt?
Der Kurs ist für den Einstieg ab Klasse 7 gedacht. Im M-Niveau vertiefst Du Maßstab, Quellenvergleich und Fehlerdiagnose. Im E-Niveau untersuchst Du zusätzlich Datenherkunft, Unsicherheit, Generalisierung und die Grenzen verschiedener Medien. Das Werkstattprodukt ist eine korrigierte Skizze mit Prüfvermerk.
Grundregel der Werkstatt: Du korrigierst nur, was durch eine Belegstelle gestützt ist. Fehlende oder aktuelle Hindernisse werden nicht erfunden. Wenn die Datenlage offen ist, trägst Du „unbekannt“ oder „nicht geprüft“ ein.

Die Kompassrose unterstützt die Orientierung. Die verwendete Wikimedia-Commons-Datei ist laut Dateiseite gemeinfrei; maßgeblich ist stets die aktuelle Dateibeschreibung auf Commons.
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du erklären, warum eine Karte oder Skizze ein Modell und keine vollständige Kopie der Wirklichkeit ist. Du kannst Orientierung, Legende, Maßstab, Kopierfaktor, Aktualität, Ausschnitt und fehlende Wege getrennt prüfen. Du kannst eine Korrektur auf eine konkrete Belegstelle zurückführen, Unsicherheit sichtbar machen und bei fehlender Evidenz auf unbelegte Ergänzungen verzichten. Im M-/E-Niveau kannst Du außerdem begründen, wie sich unterschiedliche Datenquellen und Medien auf die Verlässlichkeit einer Aussage auswirken.
Methodische Orientierung an öffentlichen Quellen
Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie beschreibt digitale topographische Karten als amtliche, rasterbasierte Kartendaten, die unter anderem Siedlungen, Verkehrswege, Gewässer und Höhenlinien darstellen. Das BKG veröffentlicht außerdem Aktualitätsstände und Produktänderungen. Für die Werkstatt folgt daraus: Eine Karte muss nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich geprüft werden.[1][2]
Die BKG-Hilfe zu „Map on Demand“ trennt ausdrücklich Karteninhalt, Ausschnitt und Maßstab. Diese Trennung wird hier als Prüfmethode übernommen: Was wird gezeigt? Welcher Raum wird gezeigt? In welchem Maßstab wird er gezeigt?[3]
Die Kartensammlung des Deutschen Museums umfasst Karten vom 16. bis zum 21. Jahrhundert und dokumentiert unter anderem Veränderungen von Verkehrswegen und Küstenlinien. Historische Karten machen deshalb besonders deutlich, dass Karten immer an einen Entstehungszeitpunkt gebunden sind.[4]

Diese topographische Beispielkarte stammt aus Material des USGS und ist laut Wikimedia-Commons-Dateiseite in den USA gemeinfrei. Sie zeigt, wie viele Informationen durch Symbole, Linien, Farben und Höhenlinien gleichzeitig codiert werden. Für die Werkstatt ist wichtig: Ohne Legende, Maßstab und Kenntnis des Darstellungszwecks können selbst richtige Kartenelemente missverstanden werden.
Das Video „Von der Wirklichkeit zur Karte – Teil 6 – Maßstab“ dient als kurze Wiederholung zum Maßstabsbegriff. Prüfe auch bei Lernvideos immer Kanal, Veröffentlichungsdatum, Inhalt und Zweck; ein Video ersetzt keine eigene Belegprüfung.
Werkstattmaterial: vollständig mitgelieferter Übungsfall
Alle folgenden Rasterpläne, Metadaten, Feldnotizen und der Fotoausschnitt sind fiktive, eigens für diesen Kurs erstellte Unterrichtsmaterialien. Sie beziehen sich auf keinen realen Ort. Dadurch kannst Du die Methode üben, ohne aktuelle reale Hindernisse oder Wege zu erfinden.
Fall „Schulpark West“
Du erhältst eine ältere Skizze, eine vergrößerte Kopie, einen fiktiven Fotoausschnitt sowie kurze Belegnotizen. Deine Aufgabe ist es, die Skizze zu prüfen und nur belegte Korrekturen vorzunehmen.
Material A: Rasterplan R1 – ungeprüfte Ausgangsskizze
Metadaten R1
- Erstellt: 12.09.2023
- Raster: 1 cm × 1 cm auf dem Originalausdruck
- Beschrifteter Maßstab: 1 : 2.000
- Angegebene Orientierung im Zeichnungsrand: „N →“
- Zweck: einfacher Wegeplan für den Schulpark
Rasterplan R1 – Ausgangsskizze
A B C D E F G H
+---+---+---+---+---+---+---+---+
1 | . | . | # | # | # | . | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
2 | . | . | # | . | + | . | P | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
3 | . | . | # | . | + | . | ~ | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
4 | . | . | . | . | + | + | △ | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
5 | . | S | + | + | + | . | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
6 | . | S | . | . | . | . | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
7 | = | = | G | = | = | = | = | = |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
8 | . | . | . | . | . | . | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
Zeichnungsrand: N →
Legende:
S = Schulgebäude
P = Teich
~ = Wasserfläche
# = Hecke
+ = eingezeichneter Weg
= = Straße
G = Südeingang
△ = [nicht erklärt]
Erste Beobachtung: Schon vor dem Vergleich mit anderen Quellen fällt auf, dass das Symbol „△“ in der Zeichnung vorkommt, aber in der Legende nicht erklärt wird. Das ist ein Legendenfehler. Was das Symbol bedeutet, darfst Du aber noch nicht raten.
Material B: Belegblatt B1 – verlässliche Metadaten und Feldnotizen
B1.1 Orientierungsvermerk, 18.09.2026: Die obere Kante des Rasters R1 entspricht Norden. Die rechte Kante entspricht Osten.
B1.2 Maßstabsprüfung: Auf dem Originalausdruck ist eine Rasterzelle 1 cm breit. Eine Rasterzelle entspricht in der dargestellten Umgebung 20 m. Damit ist 1 cm : 20 m = 1 : 2.000.
B1.3 Wegbeobachtung, 18.09.2026: Ein durchgehender Kiesweg wurde von C6 über D6 und E6 bis F6 begangen. Dieser Weg fehlt in R1.
B1.4 Symbolbeobachtung, 18.09.2026: Am Standort G4 steht eine Sitzbank. Im Feldprotokoll wird die Sitzbank mit dem Symbol „△“ markiert.
B1.5 Aktualitätsgrenze: Nach dem 18.09.2026 liegen keine eigenen Beobachtungen vor. Über spätere Baustellen, Sperrungen, umgestürzte Bäume oder andere Hindernisse gibt es in diesem Übungsfall keine Information.
B1.6 Teich: Der Teich an F2/G2–G3 wurde am 18.09.2026 aus größerer Entfernung gesehen. Seine genaue Uferlinie wurde nicht vermessen.
Material C: vergrößerte Kopie R1-200
R1-200 ist eine 200-%-Kopie des vollständigen Originalausdrucks R1. Alle Linien, Symbole und Schriftzüge wurden gleichmäßig auf die doppelte lineare Größe vergrößert. Eine ehemalige 1-cm-Rasterzelle ist auf der Kopie 2 cm breit.
Der aufgedruckte Text „1 : 2.000“ wurde beim Kopieren nur größer dargestellt, aber inhaltlich nicht automatisch angepasst. Da dieselbe reale Strecke von 20 m nun 2 cm auf dem Papier misst, entspricht die Kopie geometrisch einem Maßstab von 1 : 1.000.
Merksatz: Eine reine Vergrößerung erzeugt keine neuen Ortsinformationen. Sie kann Details leichter lesbar machen, aber keine fehlenden Wege, keine aktuelle Sperrung und keine genauere Uferlinie herbeizaubern.
Material D: fiktiver Fotoausschnitt F1
Datenherkunft: vollständig fiktive textbasierte Fotobeschreibung für diesen Kurs. Aufnahmezeitpunkt: 18.09.2026, 10:15 Uhr. Kamerastandort: ungefähr bei C7 am Südeingang. Blickrichtung: ungefähr nach Norden. Mediengrenze: Der Ausschnitt ist perspektivisch, nicht maßstäblich und zeigt nur das Sichtfeld der Kamera.
FOTOAUSSCHNITT F1 – fiktive textbasierte Darstellung
[oberer Bildrand / Norden ungefähr]
Hecke Baumkrone
######## /////////
| |
| Weg nach N |
| || |
| ||----------+----> rechter Bildrand
| || Kiesweg sichtbar
Gebäudeecke || (nur Teilstück im Bild)
[S] ||
||
[Südeingang]
Kamera
Nicht im Bild: Bereich F2 bis H3.
Nicht erkennbar: genaue Längen, exakte Winkel, Zustand außerhalb des Ausschnitts.
Wichtige Grenze: Dass der Teich in F1 nicht sichtbar ist, belegt nicht, dass er fehlt. Der relevante Bereich liegt laut Ausschnittsangabe außerhalb des Bildes.

Ein reales Luftbild kann mehr Fläche zeigen als ein bodennahes Foto, bleibt aber ebenfalls zeitgebunden und ausschnittsabhängig. Die Wikimedia-Commons-Dateiseite nennt als Quelle das japanische Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism und verlangt eine Quellenangabe bei Nutzung. Die Abbildung dient hier nur zum Vergleich unterschiedlicher Medienperspektiven.
Material E: Prüfstatus statt Raten
Nutze für jede Information einen der drei Status:
- bestätigt: durch eine Belegstelle direkt gestützt
- unsicher: teilweise gestützt, aber nicht genau genug
- unbekannt: keine ausreichende Information vorhanden
Beispiel: „Teich vorhanden“ ist durch B1.6 bestätigt. „Genaue Uferlinie“ ist unsicher. „Baustelle am 04.10.2026“ ist unbekannt und darf nicht in die Skizze eingetragen werden.
Werkstattverfahren: sieben Prüfungen
Orientierung prüfen
Suche Nordpfeil, Himmelsrichtungen oder eindeutige Orientierungshinweise. Vergleiche sie mit einer unabhängigen Belegstelle. In R1 zeigt „N →“ nach rechts. B1.1 sagt jedoch, dass die obere Rasterkante Norden ist. Daher muss der Nordpfeil in der korrigierten Skizze nach oben zeigen.
Das Video der Oberschule Kötitz zeigt die Bestimmung der vier Himmelsrichtungen mit einem Kompass. Für die Kartenprüfung gilt zusätzlich: Ein Nordpfeil ist nur dann hilfreich, wenn er richtig zu den Kartendaten passt.
Legende prüfen
Kontrolliere jedes Symbol, das in der Skizze vorkommt. Ein Symbol ohne Erklärung ist mehrdeutig. In R1 ist „△“ zunächst unerklärt. Erst B1.4 belegt die Bedeutung „Sitzbank“. Deshalb lautet die zulässige Korrektur: △ = Sitzbank.
Maßstab prüfen
Der Maßstab 1 : 2.000 bedeutet: 1 Längeneinheit auf der Karte entspricht 2.000 gleichen Längeneinheiten in der Wirklichkeit. Bei Zentimetern gilt also: 1 cm auf der Karte = 2.000 cm = 20 m in der Wirklichkeit. B1.2 bestätigt diesen Zusammenhang für R1.
Für eine Strecke von vier Rasterzellen im Original gilt deshalb: 4 × 20 m = 80 m.
Vergrößerte Kopien prüfen
Wird ein Ausdruck linear auf 200 % vergrößert, werden 1 cm zu 2 cm. Die dargestellte Wirklichkeit bleibt aber gleich. Aus 1 : 2.000 wird geometrisch 1 : 1.000. Der gedruckte Zahlenmaßstab kann deshalb nach dem Kopieren falsch sein.
Eine mitkopierte Maßstabsleiste vergrößert sich dagegen zusammen mit der Karte und bleibt als grafische Beziehung grundsätzlich nutzbar, sofern die Kopie gleichmäßig skaliert wurde. Prüfe trotzdem, ob der Druck verzerrt wurde.
Aktualität prüfen
Jede Karte, jedes Foto und jede Feldnotiz hat einen Zeitpunkt. R1 stammt von 2023, B1 von 2026. Ein aktuellerer Beleg kann eine ältere Skizze korrigieren. „Aktueller“ bedeutet jedoch nicht automatisch „vollständig“. B1.5 setzt eine klare Grenze: Für Ereignisse nach dem 18.09.2026 fehlen Daten.
Amtliche Geodaten zeigen ebenfalls, warum Aktualitätsangaben wichtig sind: Das BKG veröffentlicht eigene Aktualitätsübersichten und Änderungsstände seiner Produkte.[5]
Ausschnitt prüfen
Ein Foto zeigt nur, was im Bild liegt und sichtbar ist. Ein Kartenausschnitt zeigt nur den ausgewählten Raum. Aus „nicht sichtbar“ darf deshalb nicht automatisch „nicht vorhanden“ werden. F1 schließt den Bereich F2 bis H3 ausdrücklich aus; der Teich kann dort liegen, ohne im Foto zu erscheinen.
Fehlende Wege prüfen
Fehlende Wege werden nur ergänzt, wenn es einen Beleg gibt. B1.3 bestätigt den Kiesweg C6–D6–E6–F6. Dieser Weg gehört in die korrigierte Skizze.
Nicht erlaubt wäre dagegen: „Auf Fotos sieht es so aus, als könnte dort noch ein zweiter Weg sein.“ Eine Vermutung ist keine ausreichende Kartierungsgrundlage.
Korrigierte Skizze: Musterprodukt
Die folgende Skizze zeigt nur Korrekturen, die durch die Materialien belegt sind. Der Teich bleibt schematisch, weil seine genaue Uferlinie nicht vermessen wurde. Zusätzliche aktuelle Hindernisse werden nicht erfunden.
Rasterplan R2 – korrigierte Skizze
N
↑
A B C D E F G H
+---+---+---+---+---+---+---+---+
1 | . | . | # | # | # | . | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
2 | . | . | # | . | + | . | P | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
3 | . | . | # | . | + | . | ~ | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
4 | . | . | . | . | + | + | △ | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
5 | . | S | + | + | + | . | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
6 | . | S | + | + | + | + | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
7 | = | = | G | = | = | = | = | = |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
8 | . | . | . | . | . | . | . | . |
+---+---+---+---+---+---+---+---+
Legende:
S = Schulgebäude
P = Teich
~ = Wasserfläche
# = Hecke
+ = Weg
= = Straße
G = Südeingang
△ = Sitzbank
Maßstab des Originalformats: 1 : 2.000
Raster: 1 Zelle = 20 m
Aktualitätsstand der bestätigten Feldbelege: 18.09.2026
Unsicherheit: genaue Uferlinie des Teichs nicht vermessen
Keine Aussage zu Hindernissen nach dem 18.09.2026
Prüfvermerk zum Produkt
PRÜFVERMERK Objekt: Schulpark West – Übungsfall Geprüft am: __________________ Geprüft von: _________________ [ ] Orientierung mit B1.1 abgeglichen [ ] Legende vollständig; △ anhand B1.4 als Sitzbank erklärt [ ] Maßstab des Originals mit B1.2 geprüft [ ] Maßstab einer 200-%-Kopie neu bestimmt [ ] Aktualitätsgrenze B1.5 notiert [ ] Fotoausschnitt F1 nicht als Vollansicht behandelt [ ] Weg C6–D6–E6–F6 anhand B1.3 ergänzt [ ] Keine unbelegten aktuellen Hindernisse erfunden [ ] Unsichere Uferlinie als unsicher gekennzeichnet Kurzurteil: __________________________________________ Offene Punkte: ________________________________________
Vertiefung M und E
M-Niveau: Rechnen, vergleichen, begründen
Im M-Niveau prüfst Du zusätzlich konkrete Strecken und die Folgen von Kopierfaktoren. Beispiel: Drei Zellen entsprechen im Original 60 m. Auf der 200-%-Kopie messen diese drei Zellen 6 cm. 6 cm auf der Kopie entsprechen weiterhin 60 m in der Wirklichkeit, also 1 cm = 10 m und damit 1 : 1.000.
Vergleiche außerdem mindestens zwei Medien. Eine Skizze ist symbolisch und kann Wege übersichtlich darstellen. Ein Foto zeigt eine konkrete Ansicht mit vielen visuellen Details, aber nur aus einer Perspektive und zu einem bestimmten Zeitpunkt.
E-Niveau: Datenherkunft, Generalisierung und Unsicherheit
Im E-Niveau beschreibst Du zu jedem wichtigen Eintrag eine kleine Provenienz: Welche Quelle? Welches Datum? Welche Methode? Welche Unsicherheit? Ein Weg kann zum Beispiel durch Feldbegehung bestätigt sein, während seine genaue Breite unbekannt bleibt.
Kartografische Generalisierung bedeutet, dass Karten Informationen auswählen, vereinfachen, zusammenfassen oder hervorheben müssen. Eine vergrößerte Kopie hebt vorhandene Zeichen optisch hervor, hebt aber die ursprüngliche Generalisierung nicht auf.
Für ein fachlich starkes Prüfprotokoll trennst Du außerdem drei Ebenen:
- Beobachtung: „B1.3 nennt einen begangenen Kiesweg von C6 bis F6.“
- Schlussfolgerung: „Der Weg fehlt in R1 und wird ergänzt.“
- Unsicherheit: „Breite, Belagzustand und spätere Sperrungen sind nicht belegt.“
Drei kurze Auswahlaufgaben mit Hilfen und Lösungen
Auswahlaufgabe 1: Orientierung
Frage: Welche Änderung an R1 ist unmittelbar belegt?
A: Nordpfeil nach oben drehen. B: Eine Baustellensperre bei F6 eintragen. C: Den Teich löschen, weil er im Fotoausschnitt fehlt. D: Die Sitzbank zu einem Kiosk umdeuten.
Hilfestufe 1: Suche eine Belegstelle, die ausdrücklich eine Himmelsrichtung nennt. Hilfestufe 2: B1.1 vergleicht obere und rechte Rasterkante mit Norden und Osten.
Belegstelle: B1.1.
Lösung mit Erklärung: A ist richtig. B1.1 legt fest, dass die obere Rasterkante Norden ist. B, C und D wären unbelegte oder widersprüchliche Ergänzungen.
Auswahlaufgabe 2: vergrößerte Kopie
Frage: Welcher Zahlenmaßstab gilt geometrisch für die gleichmäßig auf 200 % vergrößerte Kopie R1-200?
A: 1 : 1.000 B: 1 : 2.000 C: 1 : 4.000 D: 1 : 500
Hilfestufe 1: Die Papierstrecke wird doppelt so groß, die reale Strecke bleibt gleich. Hilfestufe 2: 2 cm auf der Kopie entsprechen 20 m = 2.000 cm in der Wirklichkeit.
Belegstelle: Material C und B1.2.
Lösung mit Erklärung: A ist richtig. 2 cm : 2.000 cm lässt sich durch 2 teilen und ergibt 1 : 1.000. Der mitkopierte Aufdruck 1 : 2.000 ist deshalb auf der 200-%-Kopie nicht mehr korrekt.
Auswahlaufgabe 3: Mediengrenze
Frage: Der Teich ist in F1 nicht sichtbar. Welche Aussage ist fachlich zulässig?
A: Aus F1 allein lässt sich über die Existenz des Teichs keine sichere Aussage ableiten. B: Der Teich wurde zwischen 2023 und 2026 zugeschüttet. C: Der Teich liegt sicher hinter der Schule. D: Der Teich muss aus der Skizze entfernt werden.
Hilfestufe 1: Prüfe, welcher Bereich laut Fotobeschreibung nicht im Bild liegt. Hilfestufe 2: F1 schließt F2 bis H3 aus; B1.6 bestätigt gleichzeitig einen Teich.
Belegstellen: Material D und B1.6.
Lösung mit Erklärung: A ist richtig. Ein Ausschnitt ist keine Vollansicht. Das Fehlen eines Objekts im Bild ist nur dann aussagekräftig, wenn der relevante Ort sicher im Bild liegen und sichtbar sein müsste.
Freie Urteilssituation: offen entscheiden
Urteilsfrage: Ist R2 für einen Orientierungsspaziergang „gut genug“?
Diese Frage bleibt offen. Es gibt keine einzige Musterentscheidung, weil „gut genug“ vom Zweck abhängt. Nutze stattdessen dieses Urteilsmodell:
- Behauptung: Formuliere Dein Urteil, zum Beispiel „für einen kurzen Orientierungsspaziergang geeignet“ oder „nur eingeschränkt geeignet“.
- Belege: Nenne konkrete Stellen aus R2, B1 und F1.
- Begründung: Erkläre, warum die Belege für den gewählten Zweck wichtig sind.
- Grenzen: Nenne Unsicherheiten und Informationen, die fehlen.
Prüfkriterien: Orientierung korrekt; Legende vollständig; Maßstab zum Zweck passend; Aktualitätsstand sichtbar; Ausschnittgrenzen verstanden; Wege ausreichend belegt; Unsicherheiten gekennzeichnet; keine unbelegten Hindernisse; Datenherkunft nachvollziehbar; Medienrechte beachtet.
Transferfall: Lageplan eines Jugendzentrums
Ein Jugendzentrum erstellt einen neuen Lageplan für Besucherinnen und Besucher. Vorhanden sind eine Grundrissskizze von 2024, ein Foto vom Haupteingang von 2026 und eine mündliche Information „hinten soll jetzt ein neuer Weg sein“. Der Fotoausschnitt zeigt nur den Haupteingang.
Übertrage die Werkstattmethode: Prüfe zuerst Orientierung, Legende, Maßstab und Datum der Grundrissskizze. Markiere den behaupteten neuen Weg noch nicht als Tatsache, solange keine überprüfbare Beobachtung, Messung oder verlässliche aktuelle Quelle vorliegt. Der nicht sichtbare Hinterhof darf aus dem Eingangs-Foto weder als „frei“ noch als „gesperrt“ bewertet werden.
Unsicherheit: „Neuer Weg hinten“ = unbestätigte Information. Datenherkunft: Skizze 2024, Foto 2026, mündliche Aussage ohne Beleg. Mediengrenze: Foto zeigt nur den Haupteingang. Nächster sinnvoller Schritt: aktuelle Begehung oder andere überprüfbare Quelle beschaffen.
Datenherkunft, Belegstellen und Medienrechte
Die Werkstattmaterialien R1, B1, R1-200, F1 und R2 wurden eigens für diesen aiMOOC erstellt und bilden keinen realen Ort ab. Bei einer Veröffentlichung auf moocwiki.org gelten für den Wikitext die dort angegebenen Lizenzbedingungen.
Die eingebundenen Wikimedia-Commons-Medien sind nur unter den Bedingungen ihrer jeweiligen Dateiseiten weiterzuverwenden. „Compass rose german.svg“ ist auf Commons als Public Domain gekennzeichnet. „Topographic map example.png“ wird dort als Material des USGS und als Public Domain in den USA beschrieben. Beim Luftbild „Kakunodate district Aerial photograph.1975.jpg“ verlangt die Dateiseite die dort genannte Quellenangabe an das japanische Ministry of Land, Infrastructure, Transport and Tourism.
Die YouTube-Videos werden eingebettet. Rechte an Video, Ton, Bildern und Kanalinhalten verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern; eine Einbettung ist keine Freigabe zur eigenen Weiterverbreitung oder Bearbeitung.
Öffentliche methodische Quellen:
- BKG: Aktualisierte Digitale Topographische Karten
- BKG: Aktualitätsübersichten
- BKG: Map on Demand – Hilfe
- Deutsches Museum: Kartensammlung
- ↑ Bundesamt für Kartographie und Geodäsie: Digitale Topographische Karten 1:25 000, 1:50 000 und 1:100 000 aktualisiert, 23.04.2026.
- ↑ BKG Geodatenzentrum: Aktualitätsübersichten.
- ↑ Bundesamt für Kartographie und Geodäsie: Map on Demand Open Data – Hilfe, Stand 15.04.2026.
- ↑ Deutsches Museum, Archiv: Kartensammlung.
- ↑ BKG Geodatenzentrum: Digitale Topographische Karte 1:25 000, Produktseite mit Aktualitätsangaben.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Korrektur ist in R1 durch B1.1 belegt? (Der Nordpfeil muss nach oben zeigen) (!Der Teich muss gelöscht werden) (!Eine Baustelle muss ergänzt werden) (!Das Schulgebäude muss gedreht werden)
Was bedeutet der Maßstab 1 zu 2000? (1 cm auf der Karte entspricht 20 m in der Wirklichkeit) (!1 cm auf der Karte entspricht 2 m in der Wirklichkeit) (!2 cm auf der Karte entsprechen 2 m in der Wirklichkeit) (!1 m auf der Karte entspricht 200 m in der Wirklichkeit)
Welcher Maßstab gilt nach einer gleichmäßigen Vergrößerung auf 200 Prozent? (1 zu 1000) (!1 zu 2000) (!1 zu 4000) (!1 zu 5000)
Warum darf der Teich nicht gelöscht werden nur weil er in F1 fehlt? (Der relevante Bereich liegt außerhalb des Fotoausschnitts) (!Fotos zeigen grundsätzlich keine Gewässer) (!Teiche werden in Karten immer ausgelassen) (!Der Maßstab verbietet die Darstellung eines Teichs)
Welcher Weg darf in R2 ergänzt werden? (Der durch B1.3 belegte Weg von C6 bis F6) (!Ein vermuteter Weg von A1 bis H8) (!Ein Weg um den Teich ohne Beleg) (!Ein Weg zur Sitzbank nach eigener Vorstellung)
Was ist bei einer fehlenden aktuellen Hindernisangabe richtig? (Das Hindernis bleibt als unbekannt behandelt) (!Man zeichnet vorsichtshalber eine Sperre ein) (!Man übernimmt eine Vermutung als Tatsache) (!Man löscht alle Wege im betroffenen Bereich)
Was ist die wichtigste Funktion einer Legende? (Sie erklärt die Bedeutung verwendeter Kartenzeichen) (!Sie bestimmt automatisch das Aufnahmedatum) (!Sie ersetzt den Maßstab) (!Sie zeigt immer den gesamten Raum)
Welche Aussage über eine vergrößerte Kopie ist richtig? (Sie macht vorhandene Zeichen größer erzeugt aber keine neuen Ortsinformationen) (!Sie aktualisiert automatisch alle Wege) (!Sie macht jede Skizze genauer als die Wirklichkeit) (!Sie entfernt alle Generalisierungen)
Welche Information gehört in einen Prüfvermerk? (Quellenstand und offene Unsicherheiten) (!Nur die schönste Farbe der Skizze) (!Eine erfundene aktuelle Sperrung) (!Nur der Name der zeichnenden Person)
Welche Aussage beschreibt eine Mediengrenze korrekt? (Ein Foto zeigt nur einen zeitlich und räumlich begrenzten Ausschnitt) (!Ein Foto zeigt immer den vollständigen Ort) (!Eine Karte ist immer aktueller als ein Foto) (!Eine Skizze enthält automatisch alle realen Wege)
Memory
| Orientierung | Nordrichtung prüfen |
| Legende | Kartenzeichen erklären |
| Maßstab | Kartenstrecke zur Realstrecke in Beziehung setzen |
| Aktualität | Zeitpunkt der Information prüfen |
| Ausschnitt | räumliche Sichtgrenze beachten |
| Provenienz | Datenherkunft dokumentieren |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Nordpfeil | Orientierung |
| Symbolerklärung | Legende |
| Kopierfaktor | Maßstab |
| Aufnahmedatum | Aktualität |
| Bildrand | Ausschnitt |
Kreuzworträtsel
| Nordpfeil | Welches Kartenelement zeigt die Nordrichtung? |
| Legende | Was erklärt die Bedeutung von Kartenzeichen? |
| Massstab | Welcher Begriff beschreibt das Verhältnis von Kartenstrecke zu Realstrecke? |
| Ausschnitt | Wie heißt der begrenzte sichtbare Teil eines Bildes oder einer Karte? |
| Aktualitaet | Welcher Begriff beschreibt den zeitlichen Stand einer Information? |
| Quellenkritik | Wie heißt die systematische Prüfung von Herkunft und Aussagekraft einer Quelle? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Nordpfeil prüfen: Zeichne R1 vereinfacht ab und korrigiere ausschließlich die Orientierung mithilfe von B1.1.
- Legende verbessern: Erstelle eine vollständige Legende für R2 und kennzeichne, welche Bedeutung erst durch B1.4 geklärt wird.
- Ausschnitt markieren: Zeichne auf einem leeren Raster einen möglichen Fotoausschnitt ein und erkläre in drei Sätzen, was außerhalb davon nicht beurteilt werden kann.
- Prüfvermerk schreiben: Fülle den Prüfvermerk für R2 aus und nenne mindestens zwei offene Punkte.
Standard
- Maßstab vergleichen: Berechne für Original, 150-Prozent-Kopie und 200-Prozent-Kopie die jeweils geometrisch gültigen Maßstäbe.
- Medienvergleich: Vergleiche R2 und F1 nach Informationsart, Aktualität, Perspektive, Ausschnitt und Genauigkeit.
- Eigene Schulwegskizze: Erstelle eine Skizze eines bekannten Weges mit Legende, Nordpfeil, grobem Maßstab und klarer Kennzeichnung von Unsicherheiten.
- Quellenprotokoll: Lege für fünf Einträge Deiner Skizze jeweils Quelle, Datum, Prüfmethode und Unsicherheitsstatus fest.
Schwer
- Generalisierung untersuchen: Erstelle zwei Skizzen desselben fiktiven Geländes für unterschiedliche Zwecke und begründe, welche Details Du jeweils weglässt.
- Fehlerdiagnose entwerfen: Baue absichtlich fünf unterschiedliche Kartierungsfehler in eine eigene Rasterkarte ein und lasse eine andere Person diese mit Belegen finden.
- Transfer Jugendzentrum: Entwickle für den Transferfall einen Prüfplan, der mündliche Aussagen von überprüften Beobachtungen trennt.
- Offenes Qualitätsurteil: Bewerte R2 für zwei unterschiedliche Zwecke, etwa Orientierungsspaziergang und Vermessungsplanung, und begründe, warum Dein Urteil je nach Zweck unterschiedlich ausfallen kann.


Lernkontrolle
- Zweck und Genauigkeit: Eine Skizze ist für einen Rundgang geeignet, aber nicht für Bauarbeiten. Erkläre, wie derselbe Datensatz zu zwei unterschiedlichen Qualitätsurteilen führen kann.
- Kopierfehler übertragen: Eine Karte im Maßstab 1 zu 5000 wird auf 125 Prozent vergrößert. Entwickle einen Rechenweg für den neuen geometrischen Maßstab und erkläre, warum der alte Aufdruck problematisch ist.
- Foto gegen Karte: Ein aktuelles Foto widerspricht scheinbar einer älteren Karte. Entwickle mindestens drei Prüfungen, bevor Du eine Änderung übernimmst.
- Unsicherheit darstellen: Entwirf eine Darstellungsregel für bestätigte, unsichere und unbekannte Informationen, ohne unbekannte Elemente als Tatsachen erscheinen zu lassen.
- Quellenentscheidung: Zwei Quellen widersprechen sich bei einem Wegverlauf. Lege Prüfkriterien fest, mit denen Du entscheidest, ob und wie der Weg in eine korrigierte Skizze übernommen wird.
- Medienrechte und Datenherkunft: Begründe, warum eine fachlich richtige Skizze trotzdem unzureichend dokumentiert sein kann, wenn Herkunft, Lizenz oder Bearbeitungsstand der Medien fehlen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:
- Du reichst eine korrigierte Skizze mit Nordpfeil, vollständiger Legende, Maßstab bzw. Rasterbezug und klarer Kennzeichnung von Unsicherheiten ein.
- Du fügst einen Prüfvermerk bei, der Orientierung, Legende, Maßstab, Kopierfaktor, Aktualität, Ausschnitt und fehlende Wege behandelt.
- Jede wesentliche Korrektur wird mit einer Belegstelle verknüpft.
- Unbekannte aktuelle Hindernisse werden nicht erfunden.
- Du erläuterst mindestens eine Mediengrenze von Karte, Skizze oder Foto.
- Im M-Niveau zeigst Du einen korrekten Maßstabs- oder Kopierfaktor-Rechenweg.
- Im E-Niveau dokumentierst Du zusätzlich Datenherkunft, Unsicherheitsstatus und eine begründete Zweckbewertung.
- Bei externen Medien nennst Du Quelle und Rechtehinweis beziehungsweise verweist auf die jeweilige Lizenzseite.
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