KI und menschliche Werte vergleichen

KI und menschliche Werte vergleichen
KI und menschliche Werte vergleichen
Zielgruppe: Schule, Schwerpunkt Klasse 8 Zeitbedarf: etwa 1–2 Unterrichtsstunden Leitfrage: Wie können Menschen KI nutzen, ohne Verantwortung, Grundrechte und eigene Urteilskraft an ein technisches System abzugeben?

KI kann Texte erzeugen, Bilder analysieren, Muster erkennen, Empfehlungen berechnen oder Daten sortieren. Aber eine KI entscheidet nicht automatisch, was für Menschen gut, gerecht oder richtig ist. Ziele, Daten, Regeln und Einsatzbedingungen werden von Menschen und Organisationen festgelegt. Deshalb ist die entscheidende Frage nicht nur: Was kann KI? Ebenso wichtig ist: Was soll KI dürfen, wer kontrolliert sie und wer trägt Verantwortung?
In diesem Lernkurs lernst Du, menschliche Werte mit den Eigenschaften von KI-Systemen zu vergleichen. Du übst, geeignete Werkzeuge auszuwählen, KI und menschliche Arbeit sinnvoll aufzuteilen, Quellen kritisch zu prüfen, Interessenkonflikte zu erkennen und begründete Entscheidungen zu treffen.
Einleitung
Stell Dir vor, Deine Schule möchte 20 Plätze für ein Technikprojekt vergeben. 60 Schülerinnen und Schüler bewerben sich. Um Zeit zu sparen, soll ein KI-System die Bewerbungen vorsortieren. Das System berücksichtigt Motivationstexte, bisherige Technik-Erfahrungen, Anwesenheit und Entfernung zur Schule.
Klingt praktisch. Doch sofort entstehen Fragen: Haben alle Jugendlichen dieselben Chancen auf Vorerfahrungen? Darf die Wohngegend ein Kriterium sein? Kann ein Motivationstext zuverlässig zeigen, wer besonders geeignet ist? Wer prüft Fehler? Können Betroffene widersprechen? Soll eine KI nur unterstützen oder tatsächlich auswählen?
Genau solche Situationen zeigen, warum Künstliche Intelligenz, Ethik, Menschenrechte, Datenschutz, Algorithmen und Medienkompetenz zusammengehören.

Beobachtungsauftrag: Betrachte das Bild nicht als Symbol für „Mensch gegen Maschine“, sondern für Zusammenarbeit. Welche Aufgaben sollte die Technik übernehmen, welche Aufgaben sollten beim Menschen bleiben?
Lernziele
Nach dem Kurs kannst Du erklären, warum KI-Systeme menschliche Werte nicht einfach selbst festlegen sollten. Du kannst zwischen technischer Leistungsfähigkeit und moralischer Verantwortung unterscheiden, mehrere Stakeholder und Zielkonflikte erkennen, einfache Daten zur Fairness auswerten, eine angemessene Mensch-KI-Arbeitsteilung planen und eine Entscheidung so begründen, dass andere Deinen Weg nachvollziehen und kritisieren können.
Ablauf für 1–2 Unterrichtsstunden
| Phase | Richtzeit | Ziel |
|---|---|---|
| Aktivierung und Diagnose | 5–10 Minuten | Erste Urteile sichtbar machen |
| Einführung und Wertevergleich | 15–20 Minuten | Begriffe, Rechte und Mensch-KI-Arbeitsteilung verstehen |
| PISA-nahe Fallentscheidung | 25–35 Minuten | Daten deuten, Stakeholder abwägen, Werkzeugwahl begründen |
| Selbstkontrolle und Reflexion | 10–15 Minuten | Eigene Entscheidung prüfen und verbessern |
| Transfer | 15–20 Minuten | Vorgehen auf eine neue Situation übertragen |
Aktivierung und Diagnose
Entscheide zunächst spontan, ob KI in den folgenden Situationen entscheiden, nur beraten oder gar nicht eingesetzt werden sollte:
| Situation | Deine erste Position | Wichtigster Grund |
|---|---|---|
| Eine App schlägt den schnellsten Schulweg vor. | ||
| Ein System empfiehlt Musik. | ||
| Ein System empfiehlt eine Schulnote. | ||
| Ein System schlägt vor, wer einen Förderplatz bekommt. |
Vergleiche anschließend mit einer anderen Person. Interessant ist nicht, ob Ihr sofort dieselbe Meinung habt. Entscheidend ist, welche Werte und Risiken Ihr als wichtig betrachtet.
Was sind menschliche Werte?
Werte sind Vorstellungen darüber, was Menschen für wichtig und erstrebenswert halten. Dazu gehören beispielsweise Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Sicherheit, Privatsphäre, Verantwortung und Transparenz.
Werte sind nicht immer konfliktfrei. Mehr Sicherheit kann zum Beispiel zusätzliche Datenerfassung nahelegen, während Datenschutz für möglichst wenige Daten spricht. Ein einheitliches Verfahren kann effizient sein, aber besondere Lebenslagen schlecht berücksichtigen. Eine verantwortliche Entscheidung erkennt solche Zielkonflikte und begründet, warum ein Wert in einer konkreten Situation stärker gewichtet wird.

Die Waage steht hier als Denkbild: Eine Werteabwägung ist kein automatisches Rechnen, sondern ein begründetes Abwägen von Gründen, Folgen, Rechten und Interessen.
Werte und Grundrechte unterscheiden
Ein Wert ist eine Orientierung für gutes und verantwortliches Handeln. Ein Grundrecht schützt zentrale Freiheiten und Ansprüche rechtlich. In Deutschland sind beispielsweise die Achtung der Menschenwürde, Freiheit und Gleichbehandlung grundlegend. Auch Datenschutz und der Schutz persönlicher Informationen spielen bei digitalen Systemen eine wichtige Rolle.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte wurde 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen. Sie ist ein historisch wichtiger Bezugspunkt dafür, dass Menschen nicht bloß als Mittel für fremde Ziele behandelt werden sollen, sondern Träger von Rechten sind.
Datei:Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.pdf
Fächerbezug Geschichte und Gemeinschaftskunde: Menschenrechte entstanden nicht aus Technik, sondern aus politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Neue Technik muss sich an Menschenrechten messen lassen – nicht umgekehrt.
Menschenzentrierte KI-Ethik
Internationale Leitlinien zur KI-Ethik betonen unter anderem Menschenwürde, Fairness, Nichtdiskriminierung, Datenschutz, Transparenz, Verantwortlichkeit und menschliche Aufsicht. Die UNESCO empfiehlt ausdrücklich, dass KI-Systeme die letztliche menschliche Verantwortung nicht verdrängen sollen. Der Europarat verbindet KI-Governance mit Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Für Dich als Lernregel bedeutet das: Je stärker eine KI-gestützte Entscheidung Menschen betrifft, desto wichtiger werden menschliche Kontrolle, nachvollziehbare Gründe, Schutzrechte und die Möglichkeit, eine Entscheidung anzufechten oder korrigieren zu lassen.
Medienauftrag: Das UNESCO-Video ist englischsprachig. Notiere beim Ansehen drei Begriffe, die mit Fairness, Teilhabe oder Kontrolle zu tun haben. Prüfe anschließend, ob diese Begriffe auch auf den Schulalltag passen.
Mensch und KI vergleichen
| Frage | Mensch | KI-System |
|---|---|---|
| Wer setzt Ziele? | Menschen können Ziele bewusst diskutieren, verändern und moralisch begründen. | Ein KI-System arbeitet innerhalb von Zielen, Regeln, Daten und Vorgaben, die Menschen festgelegt haben. |
| Wer erlebt Folgen? | Menschen können betroffen sein, Bedürfnisse haben und Folgen körperlich, sozial oder emotional erleben. | Ein KI-System berechnet oder erzeugt Ergebnisse, erlebt die Folgen aber nicht wie ein Mensch. |
| Wer trägt Verantwortung? | Menschen und Organisationen können verantwortlich gemacht werden. | Das technische System selbst trägt keine menschliche oder rechtliche Verantwortung. |
| Wie wird entschieden? | Menschen können Erfahrung, Kontext, Empathie, Regeln und Werte verbinden, aber auch Vorurteile haben. | KI kann große Datenmengen schnell verarbeiten und Muster erkennen, kann jedoch Verzerrungen aus Daten, Modell und Einsatzkontext übernehmen. |
| Wie konstant ist das Verhalten? | Menschen können widersprüchlich oder müde sein. | Ein System kann gleichförmiger arbeiten, wenn Eingaben und Regeln ähnlich sind. |
| Wie gut ist die Begründung? | Menschen können Gründe nennen, aber ihre Begründungen können unvollständig oder nachträglich konstruiert sein. | Manche Systeme sind erklärbarer als andere; besonders komplexe Modelle können schwer nachvollziehbare Ergebnisse liefern. |
| Wer darf stoppen? | Verantwortliche Menschen sollten eingreifen können. | Ein System sollte so eingesetzt werden, dass geeignete menschliche Eingriffe technisch und organisatorisch möglich bleiben. |
Der Vergleich zeigt: Menschen sind nicht automatisch fair und KI ist nicht automatisch unfair. Menschen können voreingenommen sein, und Technik kann Prozesse verbessern. Aber KI macht eine Entscheidung nicht allein dadurch gerecht, dass sie mathematisch berechnet wurde.
Human Agency: Du bleibst handlungsfähig
Human Agency bedeutet, dass Menschen ihre Ziele selbst setzen, Entscheidungen verstehen, Alternativen prüfen, widersprechen, korrigieren und Verantwortung übernehmen können.
Human Agency ist gefährdet, wenn Menschen nur noch auf einen KI-Wert schauen und sagen: „Der Computer wird schon recht haben.“ Eine echte menschliche Kontrolle besteht nicht darin, automatisch auf „Bestätigen“ zu klicken. Die kontrollierende Person braucht Zeit, Informationen, Fachkenntnis und die reale Möglichkeit, das System zu überstimmen.
Vier Fragen für menschliche Kontrolle
| Kontrollfrage | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Kann ein Mensch die Empfehlung verstehen oder sinnvoll prüfen? | Sonst wird Kontrolle zur Formalität. |
| Kann der Mensch die Empfehlung ablehnen oder ändern? | Ohne Eingriffsmöglichkeit gibt es keine echte Aufsicht. |
| Kann eine betroffene Person Fehler melden oder widersprechen? | Entscheidungen müssen korrigierbar sein. |
| Ist klar, wer am Ende verantwortlich ist? | Verantwortung darf nicht zwischen Mensch, Schule und Technik verschwinden. |
Systematische Werkzeugwahl
Nicht jede Aufgabe braucht KI. Verantwortliche Nutzung beginnt damit, das kleinste geeignete Werkzeug zu wählen.
| Aufgabe | Geeignetes Werkzeug | Warum? |
|---|---|---|
| Eine Prozentzahl ausrechnen | Taschenrechner oder Tabellenkalkulation | Das Ergebnis soll deterministisch und überprüfbar sein. |
| Eine aktuelle Regel oder Rechtsgrundlage prüfen | Verlässliche Primärquelle oder offizielle Website | Aktualität und Herkunft sind wichtiger als sprachliche Eleganz. |
| Gründe für und gegen eine Idee sammeln | Menschliches Brainstorming, optional KI als Ideengeber | KI kann Perspektiven ergänzen, aber keine Wertentscheidung abnehmen. |
| Einen langen unpersönlichen Text strukturieren | Textwerkzeug oder KI mit anschließender Prüfung | Automatisierung kann Zeit sparen. |
| Eine Entscheidung treffen, die Menschen stark betrifft | Menschlich geführtes Verfahren | KI darf höchstens begrenzt unterstützen; Verantwortung und Rechte bleiben menschlich. |
| Sensible personenbezogene Informationen verarbeiten | Nur datenschutzgerechte, freigegebene Verfahren oder gar kein externes KI-System | Datenminimierung und Schutz der Betroffenen gehen vor Bequemlichkeit. |
Werkzeugregel: Je höher das Risiko für Menschen, desto weniger darfst Du Dich auf eine ungeprüfte KI-Ausgabe verlassen.
Quellenkritik vor KI-Komfort
Wenn eine KI eine Behauptung liefert, prüfe nicht nur, ob der Satz überzeugend klingt. Prüfe:
| Prüffrage | Beispiel |
|---|---|
| Wer ist die ursprüngliche Quelle? | Behörde, Forschungseinrichtung, Zeitung, Unternehmen oder unbekannte Website? |
| Wie aktuell ist die Information? | Gilt die Regel oder Zahl noch? |
| Gibt es Belege? | Daten, Dokumente oder nachvollziehbare Quellen? |
| Gibt es Gegenpositionen? | Welche Stakeholder könnten dieselbe Lage anders bewerten? |
| Hat die Quelle eigene Interessen? | Möchte jemand verkaufen, überzeugen oder Kritik vermeiden? |
Daten, Bias und Fairness
Bias bedeutet hier eine systematische Verzerrung. Sie kann in Daten, Kriterien, Messmethoden, Modellen oder im Einsatzkontext entstehen.
Ein Beispiel: Wenn ein System „bisherige Teilnahme an Technik-AGs“ stark bewertet, scheint das zunächst sachlich. Wenn aber nicht alle Jugendlichen gleich guten Zugang zu Technik-AGs hatten, kann ein scheinbar neutrales Kriterium bestehende Unterschiede verstärken.
Medienauftrag: Achte darauf, wie im Video zwischen technischem Können und gerechter Gestaltung unterschieden wird.
Vertiefung: Joy Buolamwini zeigt an Gesichtsanalyse, wie ungleiche Datengrundlagen zu ungleichen Ergebnissen beitragen können. Frage danach: Wo könnte etwas Ähnliches im Schulalltag passieren?
Unterschied ist nicht automatisch Ungerechtigkeit
Wenn zwei Gruppen unterschiedliche Ergebnisse erhalten, ist das ein Warnsignal, aber noch kein vollständiger Beweis für Diskriminierung. Du musst prüfen, welche Kriterien verwendet wurden, ob sie sachlich gerechtfertigt sind, wie gut die Daten sind, ob relevante Unterschiede berücksichtigt wurden und ob Menschen unfair benachteiligt werden.
Mathematik hilft also, Auffälligkeiten sichtbar zu machen. Die ethische Bewertung braucht zusätzlich Kontext und Gründe.
Datenschutz und Sicherheit
Personenbezogene Daten können Namen, Fotos, Leistungsdaten, Standortdaten oder andere Informationen über einzelne Menschen umfassen. Besonders bei Jugendlichen sollte gelten: Nur Daten verwenden, die für den Zweck wirklich nötig sind.

Ein verantwortlicher KI-Einsatz fragt deshalb nicht nur: „Können wir diese Daten verwenden?“, sondern auch: „Müssen wir sie überhaupt verwenden?“
Fächerbezug Wirtschaft: Automatisierung kann Arbeit verändern und effizienter machen. Gleichzeitig entstehen Fragen nach Privatsphäre, Qualifikation, Verantwortung und fairer Verteilung von Chancen.
Projektsteuerung für Mensch-KI-Teams
Wenn eine Klasse ein KI-gestütztes Projekt durchführt, hilft eine klare Rollenverteilung.
| Rolle | Aufgabe |
|---|---|
| Auftragsklärung | Ziel, Grenzen und Erfolgskriterien festlegen |
| Quellenprüfung | Fakten, Herkunft und Aktualität kontrollieren |
| Daten- und Fairnessprüfung | Datenqualität, Gruppenunterschiede und mögliche Benachteiligungen prüfen |
| Datenschutz | Datenminimierung und sichere Verarbeitung beachten |
| KI-Bedienung | Geeignete Eingaben formulieren und Ergebnisse dokumentieren |
| Menschliche Entscheidung | Gründe abwägen, Verantwortung übernehmen und Entscheidung vertreten |
Drei Kontrollpunkte im Projekt
| Kontrollpunkt | Erst weitergehen, wenn... |
|---|---|
| Gate 1: Auftrag | klar ist, welches Problem gelöst werden soll und welche Entscheidung nicht an KI delegiert wird. |
| Gate 2: Daten und Werkzeug | Daten, Quellen, Datenschutz und Werkzeugwahl geprüft wurden. |
| Gate 3: Entscheidung | Ergebnis, Gegenargumente, Fairness, Folgen und menschliche Verantwortung geprüft wurden. |

Visualisierung: Ein Entscheidungsbaum erinnert daran, dass eine verantwortliche Entscheidung aus mehreren Prüfschritten besteht und nicht aus einem einzigen KI-Klick.
PISA-nahe Anwendungssituation: Wer bekommt einen Platz im TechnikLab?
Die Schule „Am Stadtpark“ hat 20 Plätze für ein kostenloses TechnikLab. 60 Jugendliche aus Klasse 8 bewerben sich. Ein KI-System soll eine Rangliste erstellen. Die Schulleitung verspricht sich schnellere Bearbeitung. Lehrkräfte hoffen auf passende Teilnehmende. Eltern wünschen faire Chancen. Die Stadt finanziert das Angebot und erwartet einen verantwortlichen Umgang mit öffentlichen Mitteln.
Das System bewertet:
- Motivationstext mit 40 Prozent
- bisherige Technik-Erfahrungen mit 30 Prozent
- Anwesenheit im Unterricht mit 20 Prozent
- Entfernung zur Schule mit 10 Prozent
Nach der ersten Auswertung zeigt sich:
| Gruppe | Bewerbungen | KI-Empfehlungen | Auswahlquote |
|---|---|---|---|
| Mit vorherigem kostenpflichtigem Technikkurs | 12 | 9 | 75 Prozent |
| Ohne vorherigen kostenpflichtigen Technikkurs | 48 | 11 | etwa 23 Prozent |
Zusätzlich berichtet die Schülervertretung, dass manche Familien kostenpflichtige Kurse nicht bezahlen konnten. Einige Jugendliche wohnen weiter entfernt, weil sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommen. Die KI bewertet große Entfernung leicht negativ.
Stakeholder und Zielkonflikte
| Stakeholder | Interesse oder Wert | Möglicher Konflikt |
|---|---|---|
| Bewerbende Jugendliche | faire Chance, nachvollziehbare Entscheidung | Konkurrenz um begrenzte Plätze |
| Lehrkräfte | passende Gruppe, wenig Verwaltungsaufwand | Effizienz gegen Einzelfallgerechtigkeit |
| Eltern | Schutz ihrer Kinder und fairer Zugang | Datenschutz gegen Personalisierung |
| Schulleitung | planbarer und rechtssicherer Prozess | schnelle Entscheidung gegen sorgfältige Prüfung |
| Stadt | wirksamer Einsatz öffentlicher Mittel | messbarer Erfolg gegen Teilhabe |
| Technik-Anbieter | funktionierendes Produkt | Geschäftsinteresse gegen vollständige Transparenz |
Aufgabe 1: Mathematik trifft Ethik
Berechne die Auswahlquote beider Gruppen selbst. Vergleiche die Quoten und bestimme den Unterschied in Prozentpunkten. Erkläre anschließend, warum die Rechnung allein noch nicht beweist, dass das System diskriminiert. Formuliere mindestens zwei zusätzliche Informationen, die Du für ein belastbares Urteil brauchst.
Aufgabe 2: Prüfe die Kriterien
Bewerte jedes der vier Kriterien mit den Fragen:
- Ist das Kriterium wirklich wichtig für den Zweck des TechnikLabs?
- Können alle Jugendlichen das Kriterium ähnlich gut beeinflussen?
- Kann das Kriterium soziale Unterschiede verstärken?
- Gibt es eine weniger eingreifende oder fairere Alternative?
Aufgabe 3: Mensch-KI-Arbeitsteilung planen
Entscheide für jede Tätigkeit, ob sie hauptsächlich von Menschen, von einem technischen Werkzeug oder gemeinsam erledigt werden sollte:
| Tätigkeit | Deine Zuordnung | Begründung |
|---|---|---|
| Bewerbungen sortieren | ||
| Rechenfehler finden | ||
| Benachteiligende Kriterien erkennen | ||
| Grenzfälle besprechen | ||
| Endgültige Plätze vergeben | ||
| Widersprüche bearbeiten |
Aufgabe 4: Triff eine Entscheidung
Die Schulleitung erwägt vier Möglichkeiten:
| Option | Beschreibung |
|---|---|
| A | KI-Rangliste unverändert übernehmen |
| B | KI vollständig abschalten und alle Plätze zufällig vergeben |
| C | Kriterien überarbeiten, Daten minimieren, neu bewerten, Stichproben prüfen und die Endentscheidung durch Menschen treffen lassen |
| D | KI-Rangliste heimlich manuell verändern, damit die Zahlen ausgeglichener aussehen |
Wähle eine Option oder entwickle eine bessere fünfte Option. Deine Begründung muss Effizienz, Fairness, Datenschutz, Transparenz, menschliche Kontrolle und die Interessen mehrerer Stakeholder berücksichtigen.
Der 8-Schritt-Wertecheck
Nutze diesen Ablauf bei schwierigen KI-Entscheidungen:
| Schritt | Leitfrage |
|---|---|
| 1. Problem | Welche konkrete Entscheidung steht an? |
| 2. Fakten | Was wissen wir sicher, was nur vermutlich? |
| 3. Stakeholder | Wer ist beteiligt oder betroffen? |
| 4. Werte und Rechte | Welche Werte oder Rechte könnten berührt sein? |
| 5. Optionen | Welche Handlungsalternativen gibt es? |
| 6. Folgen | Wer profitiert, wer trägt Risiken oder Nachteile? |
| 7. Kontrolle | Wer prüft, stoppt, korrigiert und bearbeitet Beschwerden? |
| 8. Urteil | Welche Option ist insgesamt am besten begründet und warum? |
Fächerübergreifende Bezüge
| Fach | Beitrag zum Thema |
|---|---|
| Informatik | Daten, Algorithmen, Modelle, Bias, Erklärbarkeit und Mensch-Maschine-Schnittstellen |
| Deutsch | Argumentieren, Quellen prüfen, Begriffe präzisieren, Begründungen adressatengerecht formulieren |
| Mathematik | Prozentwerte, Gruppenvergleiche, Dateninterpretation und Grenzen statistischer Aussagen |
| Technik | Anforderungen, Sicherheitsdenken, Testen, Fehlerfolgen und technische Kontrollmöglichkeiten |
| Geschichte | Entwicklung von Menschenrechten und gesellschaftlichen Normen |
| Kunst | KI-Bilder, Urheberschaft, Stil, kreative Eigenleistung und stereotype Darstellungen |
| Ethik | Werte, Verantwortung, Gerechtigkeit, Autonomie und moralische Dilemmata |
| Gemeinschaftskunde | Grundrechte, Demokratie, Beteiligung, Macht und Rechenschaft |
| Wirtschaft | Automatisierung, Effizienz, Arbeitswelt, Geschäftsinteressen und Verteilung von Chancen |
Selbstkontrolle: Ist mein Urteil wirklich nachvollziehbar?
Bewerte Deine eigene Fallentscheidung mit 0, 1 oder 2 Punkten.
| Kriterium | 0 Punkte | 1 Punkt | 2 Punkte |
|---|---|---|---|
| Fakten | Vermutung statt Prüfung | teilweise geprüft | Quellen und Unsicherheiten klar |
| Stakeholder | nur eine Sicht | mehrere genannt | Interessen und Konflikte abgewogen |
| Fairness | ignoriert | erwähnt | mit Daten und Kontext geprüft |
| Datenschutz | ignoriert | allgemein erwähnt | Datenminimierung konkret geplant |
| Human Agency | KI entscheidet faktisch allein | menschliche Prüfung unklar | echte Eingriffs- und Widerspruchsmöglichkeit |
| Begründung | reine Behauptung | einige Gründe | Gründe, Gegenargumente und Folgen nachvollziehbar verbunden |
10–12 Punkte: Deine Entscheidung ist sehr gut strukturiert. 7–9 Punkte: Gute Grundlage, aber mindestens ein Bereich braucht mehr Tiefe. 0–6 Punkte: Überarbeite Deine Entscheidung mit dem 8-Schritt-Wertecheck.
Reflexion
Vervollständige für Dich drei Sätze:
Ich würde KI einsetzen, wenn ...
Ich würde den Einsatz stoppen oder verändern, wenn ...
Verantwortung bleibt beim Menschen, weil ...
Transfer: Neue Situation ohne Musterlösung
Eine Stadt möchte in einem öffentlichen Schwimmbad KI-gestützte Kameras einsetzen. Das System soll gefährliche Situationen im Wasser schneller erkennen. Der Anbieter möchte dieselben Kameradaten zusätzlich verwenden, um Besucherströme zu analysieren und das Personal effizienter einzusetzen.
Die Stakeholder sind Badegäste, Eltern, Rettungspersonal, Stadtverwaltung, Datenschutzbeauftragte und der Technik-Anbieter. Die Werte und Ziele umfassen Sicherheit, Privatsphäre, Effizienz, Transparenz, Gleichbehandlung und menschliche Kontrolle.
Deine Aufgabe: Entscheide, ob und unter welchen Bedingungen das System eingesetzt werden sollte. Nutze den 8-Schritt-Wertecheck. Bestimme außerdem, welche Daten wirklich nötig sind, welche Aufgaben KI übernehmen darf, wann Menschen eingreifen müssen und wie Betroffene über den Einsatz informiert werden sollten.
Transferziel: Du sollst nicht dieselbe Antwort wie beim TechnikLab wiederholen, sondern das Verfahren selbstständig auf eine neue Situation übertragen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Warum reicht eine hohe technische Genauigkeit nicht aus, um eine KI-Entscheidung automatisch gerecht zu machen? (Weil zusätzlich Werte Rechte Folgen und Betroffene berücksichtigt werden müssen) (!Weil genaue Systeme grundsätzlich verboten sind) (!Weil Mathematik bei KI keine Rolle spielt) (!Weil Menschen niemals Fehler machen)
Was beschreibt Human Agency am besten? (Menschen setzen Ziele prüfen Ergebnisse und können KI überstimmen) (!KI trifft Entscheidungen schneller als Menschen) (!Menschen übernehmen jede KI-Ausgabe ungeprüft) (!KI ersetzt Verantwortung durch Berechnung)
Welche Werkzeugwahl ist für eine einfache Prozentrechnung am sinnvollsten? (Ein Taschenrechner oder eine Tabellenkalkulation) (!Ein komplexes generatives KI-System) (!Eine Bildanalyse) (!Eine zufällige Internetseite)
Was ist bei einer stark folgenreichen KI-Empfehlung besonders wichtig? (Echte menschliche Prüfung und Eingriffsmöglichkeit) (!Automatische Bestätigung) (!Möglichst viele personenbezogene Daten) (!Geheime Entscheidungskriterien)
Was bedeutet Datenminimierung? (Nur Daten verwenden die für den Zweck wirklich nötig sind) (!Möglichst viele Daten sammeln) (!Daten ohne Zweck speichern) (!Daten immer veröffentlichen)
Was zeigt ein großer Unterschied zwischen Auswahlquoten zweier Gruppen zunächst? (Ein Warnsignal das genauer untersucht werden sollte) (!Einen sicheren Beweis für Betrug) (!Dass die kleinere Gruppe immer bevorzugt wurde) (!Dass Statistik nutzlos ist)
Wer trägt bei schulischen KI-Entscheidungen letztlich Verantwortung? (Verantwortliche Menschen und Organisationen) (!Das Rechenmodell allein) (!Die Trainingsdaten) (!Der Computerbildschirm)
Welche Frage gehört zur Quellenkritik? (Wer ist die ursprüngliche Quelle und welche Belege gibt es) (!Wie überzeugend klingt der Text) (!Wie lang ist die Antwort) (!Wie modern sieht die Website aus)
Was ist ein Stakeholder? (Eine Person oder Gruppe die beteiligt oder betroffen ist) (!Nur die Person die ein Programm geschrieben hat) (!Nur die Schulleitung) (!Ein technisches Bauteil)
Was macht eine gute Werteabwägung aus? (Sie vergleicht Gründe Folgen Rechte Interessen und Alternativen) (!Sie folgt immer der schnellsten Lösung) (!Sie übernimmt immer die Mehrheitsmeinung) (!Sie vermeidet jede Unsicherheit durch Automatisierung)
Memory
| Human Agency | Eigene Ziele setzen und KI überstimmen können |
| Fairness | Faire Chancen und keine sachlich unbegründete Benachteiligung |
| Transparenz | Nachvollziehbar machen wie und wo KI beteiligt war |
| Datenschutz | Persönliche Daten sparsam und geschützt behandeln |
| Bias | Systematische Verzerrung in Daten Modell oder Anwendung |
| Human Oversight | Menschliche Prüfung mit echter Eingriffsmöglichkeit |
| Stakeholder | Betroffene oder beteiligte Personengruppe |
| Rechenschaft | Entscheidung begründen und Verantwortung zuordnen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Ziel klären | Entscheiden welches Problem wirklich gelöst werden soll |
| Werkzeug wählen | Das kleinste geeignete Verfahren auswählen |
| Daten prüfen | Qualität Fairness und Datenschutz untersuchen |
| KI-Beitrag kontrollieren | Ausgabe auf Fehler Quellen und Verzerrungen prüfen |
| Menschlich entscheiden | Werte abwägen Verantwortung übernehmen und Urteil begründen |
Kreuzworträtsel
| Autonomie | Wie heißt die Fähigkeit selbstbestimmt zu handeln? |
| Fairness | Welcher Wert fragt nach gerechten Chancen? |
| Transparenz | Welches Prinzip fordert nachvollziehbare Verfahren? |
| Datenschutz | Welcher Begriff schützt persönliche Informationen? |
| Verantwortung | Wer muss für Folgen eines Einsatzes einstehen? |
| Stakeholder | Wie heißt eine betroffene oder beteiligte Gruppe? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Werteampel: Erstelle eine Ampel mit mindestens sechs Werten. Grün bedeutet bei einem KI-Einsatz gut geschützt, Gelb bedeutet unklar und Rot bedeutet gefährdet. Begründe jede Farbe.
- Mediencheck: Wähle eines der eingebetteten Videos und notiere eine Behauptung, einen Beleg und eine offene Frage. Prüfe die offene Frage mit einer zweiten Quelle.
- Datenminimalismus: Entwirf für eine schulische Lern-App eine Liste notwendiger und unnötiger Daten. Begründe bei drei Datenarten, warum Du sie weglassen würdest.
- Mini-Argumentation: Schreibe einen kurzen Absatz zur Aussage „KI sollte Menschen beraten, aber bei wichtigen Entscheidungen nicht allein entscheiden“. Formuliere ein Argument und ein Gegenargument.
Standard
- Werkzeugvergleich: Löse dieselbe kleine Aufgabe einmal ohne KI und einmal mit KI-Unterstützung. Vergleiche Zeit, Fehler, Nachvollziehbarkeit und Lerngewinn.
- Fairnessanalyse: Erfinde ein Beispiel mit zwei Gruppen, berechne Auswahlquoten und erkläre, welche zusätzlichen Informationen nötig wären, bevor Du von unfairer Behandlung sprichst.
- Stakeholder-Mapping: Zeichne zu einem KI-Einsatz in Schule oder Freizeit mindestens fünf Stakeholder ein. Verbinde Gruppen, deren Interessen miteinander in Konflikt stehen.
- KI-Audit: Lass Dir optional von einem schulisch erlaubten KI-Werkzeug drei Lösungsvorschläge für ein harmloses Problem geben. Markiere Fakten, Vermutungen, fehlende Perspektiven und Stellen, die menschliche Entscheidung erfordern.
Schwer
- Schulregel für KI: Entwickle in einer Gruppe fünf Regeln für verantwortlichen KI-Einsatz an der Schule. Jede Regel muss ein Ziel, ein Risiko und eine Kontrollmöglichkeit enthalten.
- Fairness-Red-Team: Versuche bewusst, eine geplante KI-Entscheidung zu kritisieren. Suche nach unfairen Kriterien, fehlenden Stakeholdern, Datenschutzproblemen und Situationen, in denen Menschen die KI zu leicht bestätigen könnten.
- Interview zu Verantwortung: Befrage eine Lehrkraft, einen Elternteil, eine Person aus Technik oder Verwaltung dazu, wann KI nur beraten und wann sie entscheiden darf. Vergleiche die Positionen.
- Transferprojekt: Entwickle für eine neue reale oder erfundene Anwendung einen vollständigen 8-Schritt-Wertecheck, visualisiere die Mensch-KI-Arbeitsteilung und verteidige Deine Entscheidung in einer kurzen Diskussion.


Lernkontrolle
- Neue Entscheidungssituation: Eine Schule möchte mit KI vorhersagen, welche Bücher Schülerinnen und Schüler gern lesen würden. Entwickle Regeln, damit Personalisierung nicht zu einem engen „Filter“ wird und die Privatsphäre gewahrt bleibt.
- Gegenargument prüfen: Jemand sagt: „Wenn die Trefferquote 95 Prozent beträgt, brauchen wir keine menschliche Kontrolle mehr.“ Widerlege oder verteidige die Aussage mit mindestens drei unterschiedlichen Gesichtspunkten.
- Wertekonflikt Kunst: Bei einem Kunstwettbewerb sind KI-generierte Bilder erlaubt. Entwirf faire Teilnahmebedingungen, die kreative Eigenleistung, Transparenz und Zugänglichkeit berücksichtigen.
- Wertekonflikt Wirtschaft: Ein Betrieb nutzt KI zur Vorauswahl für Schülerpraktika. Formuliere ein Verfahren, das Effizienz nutzt, aber ungerechtfertigte Benachteiligung und blinde Automatisierung vermeidet.
- Grundrechte und Technik: Beschreibe eine Situation, in der mehr Sicherheit durch KI mit Privatsphäre in Konflikt gerät. Entwickle eine Lösung, die das mildeste geeignete Mittel verwendet.
- Transferurteil: Übertrage den 8-Schritt-Wertecheck auf einen KI-Einsatz, der im Kurs noch nicht vorkam. Begründe Deine endgültige Entscheidung und nenne ein Kriterium, bei dessen Veränderung Du Dein Urteil ändern würdest.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- zwischen technischer Leistung und moralischer Verantwortung unterscheiden kannst.
- mindestens mehrere Stakeholder und ihre Interessen erkennst.
- Daten oder Auswahlquoten korrekt interpretierst, ohne vorschnell Kausalität zu behaupten.
- Fairness, Datenschutz, Transparenz, Sicherheit und menschliche Kontrolle in Beziehung setzen kannst.
- eine begründete Werkzeugwahl triffst und KI nicht automatisch als Standardwerkzeug verwendest.
- eine sinnvolle Mensch-KI-Arbeitsteilung planst.
- Quellen prüfst und Unsicherheiten offen benennst.
- Deine Entscheidung mit Gründen, Gegenargumenten und möglichen Folgen verteidigen kannst.
- den Wertecheck selbstständig auf eine neue Situation überträgst.
OERs zum Thema
Weiterführende frei zugängliche Orientierung:
- UNESCO – Recommendation on the Ethics of Artificial Intelligence
- Europarat – Rahmenübereinkommen zu KI, Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
- Planet Schule – Darf Künstliche Intelligenz alles? KI und Ethik
Medien zur Vertiefung
Vertiefungsfrage: Warum wird Erklärbarkeit besonders wichtig, wenn Entscheidungen große Folgen für Menschen haben?
Datei:Humans define Wikipedia's values and ethics.webm
Vertiefungsfrage: Wer sollte gesellschaftliche Regeln für KI mitbestimmen – Fachleute, Politik, Unternehmen, Betroffene oder alle gemeinsam?
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen