KI und geistige Eigenleistung

KI und geistige Eigenleistung
KI und geistige Eigenleistung
Zielgruppe: Klasse 9, fächerübergreifend mit Bezügen zu Informatik, Deutsch, Mathematik, Technik, Wirtschaft, Geschichte, Ethik, Gemeinschaftskunde und Medienbildung.
Zeitumfang: Der Kernkurs ist für etwa 45 Minuten angelegt. Mit Vertiefung, Anwendungssituation und Reflexion lässt er sich auf etwa 90 Minuten erweitern.
Leitfrage: Wann unterstützt Künstliche Intelligenz Dein Denken – und wann ersetzt sie eine geistige Eigenleistung, die eigentlich von Dir erwartet wird?
Kompetenzziel: Am Ende kannst Du bei einer neuen Aufgabe begründet entscheiden, ob und wie KI eingesetzt werden sollte. Du kannst Deinen eigenen Beitrag, verwendete Quellen, KI-Beiträge, Überarbeitungen und Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren und schulische Regeln, rechtliche Fragen und ethische Verantwortung auseinanderhalten.

Einleitung
Generative KI kann Texte formulieren, Bilder erzeugen, Programmcode vorschlagen, Daten zusammenfassen und Ideen liefern. Das ist nützlich – aber eine überzeugend klingende Ausgabe beweist weder, dass sie richtig ist, noch dass Du den Inhalt verstanden hast. Genau hier beginnt die Frage nach der geistigen Eigenleistung.
In der Schule wird nicht nur ein fertiges Produkt bewertet. Häufig soll sichtbar werden, was Du selbst verstanden, ausgewählt, geprüft, begründet, verändert und entschieden hast. KI kann dabei Werkzeug sein. Wenn sie jedoch zentrale Denkschritte übernimmt und dieser Anteil verborgen bleibt, kann das Lernziel verfehlt werden – selbst wenn der fertige Text sprachlich hervorragend klingt.
Ein sinnvoller Grundsatz lautet deshalb:
KI darf Dir beim Denken helfen. Die Verantwortung für Ziel, Prüfung, Auswahl, Begründung und Abgabe bleibt bei Dir.
Die Kultusministerkonferenz empfiehlt für schulische Bildungsprozesse einen konstruktiv-kritischen Umgang mit KI und betont unter anderem transparente Leistungsbewertung, Kompetenzentwicklung, rechtliche Rahmenbedingungen und Chancengerechtigkeit. Die UNESCO verfolgt bei generativer KI einen menschenzentrierten Ansatz, der menschliche Handlungsfähigkeit, Datenschutz, Fairness und altersangemessene Nutzung in den Mittelpunkt stellt.
Aktivierung und kurze Diagnose
Lies die vier Aussagen. Entscheide zunächst ohne Nachschlagen: stimme zu, unsicher oder stimme nicht zu. Begründe jeweils einen Satz.
| Aussage | Deine erste Einschätzung | Was müsste man prüfen? |
|---|---|---|
| „Wenn ein KI-Text sachlich richtig klingt, kann ich ihn ungeprüft verwenden.“ | ||
| „Wenn KI erlaubt ist, ist jede Nutzung automatisch fair.“ | ||
| „Wenn ich eine KI nenne, habe ich damit auch meine Sachquellen angegeben.“ | ||
| „Eigenleistung bedeutet, dass ich niemals digitale Hilfsmittel benutzen darf.“ |
Diagnosefrage für die Klasse: Welche Aussage ist am schwierigsten zu beurteilen – und warum? Notiert offene Fragen. Am Ende des Kurses prüfst Du, ob sich Deine Einschätzung verändert hat.
Unterrichtsplan für 1–2 Stunden
| Phase | Kernroute | Vertiefung |
|---|---|---|
| Aktivierung | 5 Minuten Diagnose | Diskussion widersprüchlicher Einschätzungen |
| Einführung | 10 Minuten Eigenleistung und KI-System verstehen | Fachübergreifende Beispiele |
| Prüfen | 15 Minuten Quellen- und Systemcheck | Quantitative Fehleranalyse |
| Anwenden | 15 Minuten Fallentscheidung | Risiko- und Fairnessanalyse |
| Reflexion | Kurzfazit | 10–15 Minuten Transfer und Lernnachweis |
Was ist geistige Eigenleistung?
Geistige Eigenleistung ist kein Synonym für „alles allein und ohne Hilfsmittel machen“. Entscheidend ist, welche Denkleistung die konkrete Aufgabe von Dir verlangt. Bei einer Interpretation kann das zum Beispiel das genaue Lesen, Deuten und Begründen sein. Bei einer Programmieraufgabe kann es das Entwickeln eines Lösungswegs, Testen und Erklären des Codes sein. Bei einer Recherche kann es die Auswahl geeigneter Quellen, die Bewertung ihrer Glaubwürdigkeit und das Zusammenführen widersprüchlicher Informationen sein.
Eine Leistung wird besonders nachvollziehbar, wenn Du zeigen kannst:
- Lernziel: Was solltest Du selbst können oder verstehen?
- Eigenanteil: Welche Ideen, Argumente, Rechnungen, Entscheidungen oder Formulierungen stammen von Dir?
- Hilfsmittel: Welche Werkzeuge einschließlich KI hast Du benutzt?
- Quellenkritik: Welche Tatsachenbehauptungen hast Du an verlässlichen Quellen geprüft?
- Überarbeitung: Was hast Du nach der Prüfung verändert und warum?
- Verantwortung: Welche Endentscheidung triffst Du selbst und kannst Du sie erklären?
Merke: Ein KI-System kann einen Vorschlag erzeugen. Es kann Dir aber nicht die schulische Verantwortung dafür abnehmen, was Du als Deine Leistung abgibst.
Ein Systemblick: Was passiert zwischen Eingabe und Ausgabe?
Bei generativer Text-KI läuft stark vereinfacht eine Kette ab:
Eingabe → Verarbeitung durch ein trainiertes Modell → statistisch erzeugte Ausgabe → menschliche Prüfung → Entscheidung → mögliche Folgen
Ein Sprachmodell erzeugt Text anhand gelernter statistischer Muster. Es „weiß“ nicht im menschlichen Sinn, ob eine Behauptung wahr ist. Deshalb kann eine sprachlich plausible Ausgabe falsche, veraltete oder erfundene Informationen enthalten.

Für die Bewertung einer KI-Ausgabe sind deshalb mindestens sechs Ebenen wichtig:
| Ebene | Leitfrage | Typisches Risiko |
|---|---|---|
| Ziel | Passt der KI-Einsatz zum Lernziel? | Das Werkzeug erledigt genau den Denkschritt, den Du üben sollst. |
| Eingabedaten | Welche Informationen gibst Du ein? | Personenbezogene oder vertrauliche Daten werden unnötig weitergegeben. |
| Modell und System | Was kann das System – und was kann es nicht zuverlässig? | Eine flüssige Antwort wird mit Wissen verwechselt. |
| Quellen | Lassen sich Tatsachenbehauptungen unabhängig belegen? | Erfundene, ungeeignete oder einseitige Quellen werden übernommen. |
| Wirkung | Wer kann durch die Ausgabe benachteiligt oder getäuscht werden? | Vorurteile, Manipulation oder unfaire Vorteile. |
| Verantwortung | Wer trifft die letzte Entscheidung? | Verantwortung wird auf „die KI“ abgeschoben. |
Schulische Regeln, Recht und Ethik klar trennen
Diese drei Ebenen hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.
| Ebene | Zentrale Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Schulische Regel | Ist dieses Hilfsmittel bei dieser Aufgabe erlaubt und wie muss es dokumentiert werden? | Eine Lehrkraft erlaubt KI für Ideen, verlangt aber einen selbst formulierten Endtext und ein KI-Protokoll. |
| Recht | Welche gesetzlichen Rechte und Pflichten gelten unabhängig von der konkreten Unterrichtsregel? | Urheberrecht, Datenschutz, Persönlichkeitsrechte oder Nutzungsrechte an Bildern. |
| Ethik | Ist die Handlung fair, ehrlich und verantwortbar, auch wenn sie technisch möglich oder formal erlaubt ist? | Du lässt Dir eine komplette Reflexion schreiben, obwohl die Aufgabe gerade Deine eigene Haltung sichtbar machen soll. |
Wichtig: Eine Handlung kann schulisch erlaubt, aber ethisch fragwürdig sein. Eine Handlung kann ethisch gut gemeint, aber rechtlich problematisch sein. Und eine Handlung kann rechtlich zulässig sein, aber gegen eine Prüfungs- oder Aufgabenregel verstoßen.
Schulische Regeln: Was zählt für eine Leistung?
Es gibt keine einzige KI-Regel, die automatisch für jede Schule, jedes Fach und jede Aufgabe gilt. Maßgeblich sind unter anderem die konkrete Aufgabenstellung, Vorgaben der Lehrkraft, schulische Regelungen, Prüfungsbestimmungen und Regelungen des jeweiligen Bundeslandes.
Vor Beginn einer Aufgabe solltest Du deshalb klären:
- Ist KI erlaubt, eingeschränkt erlaubt oder ausgeschlossen?
- Für welche Arbeitsschritte ist sie erlaubt?
- Muss der Einsatz dokumentiert oder gekennzeichnet werden?
- Welche Quellen müssen zusätzlich angegeben werden?
- Welche Teile sollst Du nachweislich selbst erstellen oder mündlich erklären können?
Nicht automatisch gleichsetzen: Unerlaubte KI-Nutzung bei einer schulischen Leistung ist nicht automatisch eine Urheberrechtsverletzung. Sie kann aber gegen die Regeln der Leistungserbringung verstoßen.
Recht: Urheberrecht, Quellen und Datenschutz
Nach § 2 des deutschen Urheberrechtsgesetzes sind geschützte Werke „persönliche geistige Schöpfungen“. § 7 bestimmt: Urheber ist der Schöpfer des Werkes. Für KI-gestützte Ergebnisse bedeutet das vereinfacht: Entscheidend ist, ob und wo eine hinreichende menschliche schöpferische Leistung vorliegt. Bei stark menschlich geprägter Auswahl, Gestaltung oder Bearbeitung können menschliche Beiträge rechtlich relevant sein. Eine bloß maschinelle Erzeugung ohne entsprechende menschliche Gestaltung ist davon zu unterscheiden.

Quellenangabe und KI-Dokumentation sind zwei verschiedene Dinge. Wenn Du eine KI benutzt, dokumentierst Du damit ein Hilfsmittel. Tatsachenbehauptungen brauchen trotzdem belastbare Sachquellen. Eine KI-Antwort ist nicht deshalb eine verlässliche Quelle, weil sie selbst Quellen nennt.
Beim Datenschutz gilt: Prompts können personenbezogene Daten enthalten. Namen, private Chatverläufe, Gesundheitsdaten, Noten, Fotos oder vertrauliche Dokumente solltest Du nicht einfach in ein externes KI-System eingeben. Ob ein System schulisch eingesetzt werden darf, hängt von der konkreten Datenverarbeitung und den schulischen bzw. datenschutzrechtlichen Vorgaben ab.
Diese Darstellung ist eine schulische Orientierung und keine individuelle Rechtsberatung.
Ethik: Fairness, Ehrlichkeit und Human Agency
Menschliche Handlungsfähigkeit bedeutet, dass Du Ziele setzt, Entscheidungen triffst, Gründe abwägst und Verantwortung behältst. KI soll diese Fähigkeit nicht verdrängen.
Ethisch relevante Fragen sind zum Beispiel:
| Perspektive | Frage |
|---|---|
| Ehrlichkeit | Vermittle ich einen falschen Eindruck darüber, was ich selbst geleistet habe? |
| Fairness | Habe ich einen Vorteil, den andere wegen Geld, Zugang, Sprache oder Technik nicht haben? |
| Lernen | Unterstützt die KI meinen Lernprozess oder überspringt sie ihn? |
| Sicherheit | Gebe ich Daten preis oder verbreite ich ungeprüfte Inhalte? |
| Vielfalt | Übernehme ich mögliche Vorurteile oder einseitige Sichtweisen aus Trainingsdaten? |
| Verantwortung | Kann ich meine Entscheidung auch ohne „Die KI hat gesagt …“ begründen? |
Ein nachvollziehbarer KI-Arbeitsprozess
Eine gute KI-Nutzung hinterlässt eine nachvollziehbare Spur. Nicht jeder Prompt muss archiviert werden. Wichtig sind die Schritte, die Deine Leistung und Deine Entscheidungen erklären.
| Schritt | Dokumentiere | Leitfrage |
|---|---|---|
| 1. Eigener Start | Erste Idee, Skizze, Hypothese oder Lösungsweg | Was dachte ich vor der KI-Nutzung? |
| 2. KI-Beitrag | Zweck der Anfrage und wesentliche Ausgabe | Wofür habe ich KI eingesetzt? |
| 3. Prüfung | Externe Quellen, Tests oder Gegenrechnungen | Was stimmt, was ist unsicher, was ist falsch? |
| 4. Überarbeitung | Konkrete Änderungen | Was habe ich verändert und warum? |
| 5. Entscheidung | Endfassung und begründete Auswahl | Welche Entscheidung ist meine? |
| 6. Reflexion | Nutzen, Grenzen und offene Unsicherheiten | Was würde ich beim nächsten Mal anders machen? |
Mini-Protokoll für eine Abgabe:
| Feld | Eintrag |
|---|---|
| Aufgabe und Lernziel | |
| Mein erster eigener Ansatz | |
| KI-Einsatz und Zweck | |
| Geprüfte Sachquellen | |
| Übernommene, veränderte oder verworfene KI-Vorschläge | |
| Meine begründete Endentscheidung |
Quellenkritik: Von der plausiblen Antwort zur überprüften Aussage

KI-Ausgaben können erfundene Literaturangaben, ungenaue Zahlen oder falsch zusammengefasste Positionen enthalten. Für die Schule ist deshalb nicht nur wichtig, eine Quelle zu finden, sondern ihre Qualität zu bewerten.
Nutze für wichtige Behauptungen den QUELL-Check:
| Buchstabe | Prüffrage |
|---|---|
| Q | Quelle: Wer veröffentlicht die Information? |
| U | Ursprung: Ist es die Originalquelle oder nur eine Weitererzählung? |
| E | Evidenz: Welche Daten, Belege oder Methoden werden genannt? |
| L | Lage: Gibt es Gegenpositionen oder aktuellere Informationen? |
| L | Link zur Behauptung: Belegt die Quelle wirklich genau das, was behauptet wird? |
Datei:Wikimedia UK's Information Literacy work.webm
Mathematische Systembewertung: Fehler sichtbar machen
Du kannst die Zuverlässigkeit einer KI nicht durch einen einzelnen guten oder schlechten Treffer beurteilen. Eine kleine Stichprobe kann aber zeigen, warum systematisches Prüfen sinnvoll ist.
Beispieldatensatz aus einem fiktiven Klassenversuch: Eine KI erzeugt acht überprüfbare Sachbehauptungen. Fünf werden durch unabhängige Quellen gestützt, zwei werden widerlegt und eine lässt sich mit den verwendeten Quellen nicht klären.
Berechne:
Bestätigungsquote = bestätigte Aussagen ÷ geprüfte Aussagen × 100
Problemquote = widerlegte oder ungeklärte Aussagen ÷ geprüfte Aussagen × 100
Diskutiere anschließend: Warum darfst Du aus nur acht Aussagen keine allgemeine „Genauigkeit der KI“ ableiten? Welche Rolle spielen Themengebiet, Prompt, Modellversion, Aktualität und Qualität der Prüfkriterien?
Mathematik-Bezug: Prozentrechnung, Stichprobe, Dateninterpretation, Unsicherheit
Risikoabwägung statt blindem Vertrauen
Für eine Entscheidung reicht die Frage „Kann die KI das?“ nicht aus. Besser ist: Was kann passieren, wie wahrscheinlich ist es und wie groß wäre der Schaden?
| Situation | Möglicher Schaden | Prüfbedarf | Sinnvolle menschliche Kontrolle |
|---|---|---|---|
| Rechtschreibvorschlag für einen eigenen Text | eher begrenzt | mittel | Vorschläge einzeln prüfen |
| Zusammenfassung einer historischen Quelle | Bedeutungsverlust oder Verzerrung | hoch | Originalquelle selbst lesen und KI-Zusammenfassung vergleichen |
| Berechnung mit Daten | falsches Ergebnis wird weiterverwendet | hoch | Rechenweg unabhängig prüfen |
| Bewertung einer Mitschülerin oder eines Mitschülers | unfairer oder verletzender Einfluss | sehr hoch | Entscheidung nicht an KI delegieren |
| Eingabe persönlicher Daten | Datenschutz- und Persönlichkeitsrisiko | sehr hoch | Daten minimieren und nur freigegebene Systeme nutzen |
Prinzip: Je größer der mögliche Schaden, desto stärker muss menschliche Kontrolle sein.
Fächerübergreifende Perspektiven
| Fach | Leitfrage zu KI und Eigenleistung |
|---|---|
| Informatik | Wie entstehen Ausgaben aus Daten, Modellen und Wahrscheinlichkeiten und wo liegen Systemgrenzen? |
| Deutsch | Was ist eigene Argumentation, wenn Formulierungen oder Textstrukturen von KI vorgeschlagen wurden? |
| Mathematik | Wie prüfst Du Zahlen, Prozentwerte, Diagramme und Unsicherheiten? |
| Technik | Wie verändert Automatisierung die Verteilung von Kontrolle zwischen Mensch und System? |
| Wirtschaft | Welche Produktivitätsvorteile entstehen und wer trägt Kosten, Risiken oder Haftung? |
| Geschichte | Wie prüfst Du historische Behauptungen, Quellen und mögliche Anachronismen? |
| Ethik | Welche Nutzung ist fair, ehrlich und mit menschlicher Verantwortung vereinbar? |
| Gemeinschaftskunde | Wie beeinflussen KI-generierte Informationen politische Meinungsbildung, Teilhabe und Öffentlichkeit? |
Realistische Anwendungssituation
Eine 9. Klasse erstellt eine fächerübergreifende Projektseite zum Thema „Automatisierung und Arbeitswelt“. Die Lehrkraft erlaubt KI für Ideensammlung, Gliederungsvorschläge und sprachliches Feedback. Die abschließende Bewertung, Quellenwahl, Argumentation und Reflexion müssen von den Lernenden selbst stammen und dokumentiert werden.
Eine Gruppe lässt sich von einer KI acht Sachbehauptungen vorschlagen. Bei der Prüfung stellen die Jugendlichen fest: Fünf Behauptungen lassen sich mit seriösen Quellen stützen, zwei widersprechen den gefundenen Quellen und eine bleibt ungeklärt. Außerdem hat ein Gruppenmitglied versehentlich den Namen und die persönliche Einschätzung einer Mitschülerin in einen Prompt geschrieben.
Auftrag: Entscheide als Gruppe, welche Teile der KI-Arbeit weiterverwendet werden dürfen. Begründet jede Entscheidung mit mindestens einer der drei Ebenen Schulregel, Recht oder Ethik. Ergänzt eine konkrete Maßnahme zur Quellenprüfung und eine Maßnahme zum Schutz persönlicher Daten.
Transferfrage: Würde Deine Entscheidung anders ausfallen, wenn dieselbe KI-Nutzung nicht in einer Projektarbeit, sondern in einer benoteten Klassenarbeit stattfände? Begründe den Unterschied über das Lernziel und die geltenden Regeln.
Selbstkontrolle vor der Abgabe
Nutze die 3–2–1-Kontrolle:
| Prüfschritt | Deine Notiz |
|---|---|
| 3 überprüfte zentrale Behauptungen | |
| 2 eigene Überarbeitungsentscheidungen | |
| 1 Satz, der Deinen persönlichen Lerngewinn erklärt |
Zusatzfrage: Kannst Du den wichtigsten Gedankengang Deiner Arbeit ohne KI-Hilfe mündlich erklären? Wenn nicht, ist der Lernprozess wahrscheinlich noch nicht abgeschlossen.
Reflexion
Beantworte am Ende erneut die vier Aussagen aus der Diagnose. Markiere eine Position, die sich verändert hat. Erkläre, welches Argument oder welche Prüfung dafür ausschlaggebend war.
Reflexionssatz: „KI war bei dieser Aufgabe sinnvoll für …, aber die geistige Eigenleistung lag vor allem bei …, weil …“
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Du sollst eine historische Quelle interpretieren. KI darf zur sprachlichen Überarbeitung genutzt werden. Welche Vorgehensweise zeigt die stärkste Eigenleistung? (Zuerst selbst interpretieren, dann KI-Vorschläge prüfen und begründet überarbeiten) (!Die vollständige Interpretation von KI schreiben lassen und nur Rechtschreibung ändern) (!Die KI-Ausgabe ohne Originalquelle übernehmen) (!Nur angeben, dass irgendeine KI benutzt wurde)
Eine KI nennt eine Studie als Beleg. Was ist der beste nächste Schritt? (Die Studie unabhängig suchen und prüfen, ob sie die Behauptung tatsächlich stützt) (!Die Studie übernehmen, weil ein Titel genannt wurde) (!Nur den Namen der KI als Quelle angeben) (!Die Behauptung verwenden, solange sie plausibel klingt)
Welche Aussage trennt Schulregel, Recht und Ethik am besten? (Erlaubnis durch die Lehrkraft, gesetzliche Vorgaben und faire Verantwortung sind unterschiedliche Prüfebenen) (!Was erlaubt ist, ist automatisch ethisch richtig) (!Was ethisch gut gemeint ist, ist automatisch rechtlich zulässig) (!Eine schulische Regel ersetzt alle gesetzlichen Vorgaben)
Bei acht geprüften KI-Behauptungen sind zwei falsch und eine ungeklärt. Welche Schlussfolgerung ist angemessen? (Die Stichprobe zeigt Prüfbedarf, beweist aber keine allgemeine Genauigkeit aller KI-Systeme) (!KI ist damit immer zu genau fünf Achteln richtig) (!Alle übrigen KI-Antworten können künftig ungeprüft übernommen werden) (!Aus acht Aussagen lässt sich die Zuverlässigkeit jedes KI-Modells exakt bestimmen)
Welche Nutzung schützt menschliche Handlungsfähigkeit am besten? (Die KI macht Vorschläge, aber Du setzt das Ziel, prüfst und entscheidest) (!Die KI entscheidet, welche Quellen glaubwürdig sind) (!Die KI übernimmt die Schlussfolgerung, weil sie schneller ist) (!Du gibst Verantwortung für Fehler an das System weiter)
Du möchtest Feedback zu einem Text erhalten. Welche Eingabe ist am sichersten? (Eine anonymisierte Textpassage ohne unnötige personenbezogene Daten) (!Ein vollständiger privater Chat mit Namen) (!Eine Liste mit Noten und Gesundheitsangaben von Mitschülern) (!Ein Foto mit sichtbaren persönlichen Kontaktdaten)
Woran erkennst Du besonders gut eine nachvollziehbare Eigenleistung? (An dokumentierten eigenen Entscheidungen, Prüfungen und Überarbeitungen) (!An möglichst vielen KI-Prompts) (!An einem besonders langen Endtext) (!An einer fehlerfreien Formulierung ohne Prozessnachweis)
Eine KI-Antwort klingt sicher, widerspricht aber einer Originalquelle. Was hat Vorrang? (Die kritisch geprüfte Originalquelle und eine begründete Bewertung) (!Die längere Formulierung) (!Die selbstbewusstere Aussage) (!Die schnellere Antwort)
Warum ist eine KI-Nennung nicht dasselbe wie eine Sachquelle? (Eine KI-Nennung dokumentiert ein Hilfsmittel, belegt aber nicht automatisch die Tatsachenbehauptung) (!Jede KI-Antwort ist wissenschaftlich begutachtet) (!Eine KI darf grundsätzlich nie genannt werden) (!Sachquellen sind bei KI-Nutzung überflüssig)
In welcher Situation sollte die menschliche Kontrolle besonders stark sein? (Wenn eine KI-Ausgabe erhebliche Folgen für andere Menschen haben kann) (!Wenn nur ein Satz umformuliert wird) (!Wenn eine Überschrift gekürzt wird) (!Wenn ein eigenes Stichwort sortiert wird)
Memory
| Eigenleistung | Eigene begründete Denk- und Entscheidungsanteile |
| Quellenkritik | Herkunft und Belegkraft einer Information prüfen |
| Transparenz | KI-Beiträge und Arbeitsschritte nachvollziehbar machen |
| Datenschutz | Personenbezogene Informationen schützen |
| Fairness | Vorteile und Nachteile für unterschiedliche Personen berücksichtigen |
| Human Agency | Menschliche Ziele, Kontrolle und Verantwortung bewahren |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Schulregel | Legt fest, welche Hilfsmittel bei einer konkreten Aufgabe zulässig sind |
| Urheberrecht | Regelt Rechte an persönlichen geistigen Schöpfungen und ihrer Nutzung |
| Ethik | Fragt nach Fairness, Ehrlichkeit und verantwortbarem Handeln |
| Quellenprüfung | Kontrolliert, ob eine Behauptung tatsächlich belegt ist |
| Eigenentscheidung | Bezeichnet die begründete Schlussfolgerung, für die der Lernende selbst einsteht |
Kreuzworträtsel
| Eigenleistung | Wie heißt der eigene begründete Denk- und Arbeitsanteil? |
| Quellenkritik | Wie nennt man die Prüfung von Herkunft und Belegkraft einer Information? |
| Transparenz | Welcher Begriff bezeichnet die Nachvollziehbarkeit des KI-Einsatzes? |
| Datenschutz | Wie heißt der Schutz personenbezogener Informationen? |
| Fairness | Welcher Begriff fragt nach gerechter Behandlung und gleichen Chancen? |
| Verantwortung | Was bleibt beim Menschen, auch wenn KI Vorschläge erzeugt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- KI-Tagebuch: Dokumentiere bei einer kleinen Hausaufgabe drei Arbeitsschritte: eigener Start, KI-Hilfe und Deine Überarbeitung. Markiere, was sich durch die KI verändert hat.
- Quellencheck: Nimm eine überprüfbare KI-Behauptung und suche zwei unabhängige Quellen. Entscheide, ob die Behauptung bestätigt, widerlegt oder nicht ausreichend geklärt ist.
- Regelvergleich: Formuliere für eine Beispielaufgabe je einen Satz zu Schulregel, Recht und Ethik. Erkläre, warum die drei Sätze nicht dasselbe aussagen.
- Prompt-Datenschutz: Überarbeite einen fiktiven Prompt so, dass unnötige Namen, private Angaben und sensible Informationen entfernt werden.
Standard
- Textwerkstatt: Schreibe zuerst selbst einen kurzen Argumentationsabschnitt. Bitte anschließend eine KI um Verbesserungsvorschläge. Übernimm höchstens drei Änderungen und begründe jede einzelne.
- Fehlerquote: Prüfe zehn überprüfbare KI-Aussagen zu einem Unterrichtsthema. Ordne sie als bestätigt, widerlegt oder ungeklärt ein und berechne die jeweiligen Prozentanteile. Diskutiere die Grenzen Deiner Stichprobe.
- Historische Quellenkritik: Lass Dir eine kurze Zusammenfassung einer historischen Quelle erzeugen und vergleiche sie mit dem Original. Markiere Auslassungen, Übertreibungen oder Anachronismen.
- Fairness-Audit: Untersuche eine schulische KI-Nutzung danach, wer Vorteile hat, wer ausgeschlossen werden könnte und welche Ausgleichsmaßnahmen sinnvoll wären.
Schwer
- Systemaudit: Entwickle ein Prüfraster für ein KI-System mit den Bereichen Ziel, Daten, Ausgabequalität, Quellen, Fairness, Sicherheit und menschliche Kontrolle. Teste es an zwei unterschiedlichen Aufgaben.
- Wirtschaft und Verantwortung: Analysiere einen betrieblichen Einsatz von generativer KI. Stelle Produktivitätsgewinn, Qualitätsrisiko, Datenschutz, Beschäftigteninteressen und Verantwortung gegenüber und formuliere eine begründete Empfehlung.
- Demokratie und KI: Entwirf ein Szenario, in dem KI-generierte Inhalte eine politische Debatte beeinflusst. Entwickle Regeln, die Meinungsfreiheit, Transparenz, Quellenkritik und Schutz vor Täuschung möglichst gut ausbalancieren.
- Transferfall: Wähle eine neue Situation, zum Beispiel Bewerbung, Programmierprojekt, Referat, Vereinsarbeit oder Schülerzeitung. Entscheide, welche KI-Nutzung verantwortbar ist. Begründe Deine Entscheidung mit Schul- oder Organisationsregeln, Recht, Ethik, Risiko und Eigenleistung.


Lernkontrolle
- Eigenleistung beurteilen: Zwei Lernende geben gleich gute Texte ab. Person A hat eine eigene Rohfassung geschrieben und KI-Vorschläge begründet überarbeitet. Person B hat einen KI-Text nur leicht umformuliert. Entwickle Kriterien, mit denen die unterschiedliche Eigenleistung fair bewertet werden kann.
- Regeltransfer: Eine KI-Nutzung ist bei einer Hausaufgabe erlaubt, bei einer Klassenarbeit aber verboten. Erkläre, warum dieselbe technische Handlung schulisch unterschiedlich bewertet werden kann, ohne dass sich das Urheberrecht dadurch automatisch ändert.
- Quellenkonflikt: Eine KI nennt drei Quellen, von denen eine nicht auffindbar ist und zwei die Behauptung nur teilweise stützen. Entscheide, wie Du mit der Behauptung weiterarbeitest, und begründe Deine Entscheidung.
- Risikoentscheidung: Vergleiche den KI-Einsatz bei einer Überschrift, einer medizinischen Information und einer Bewertung einer Person. Ordne den notwendigen Grad menschlicher Kontrolle und begründe die Unterschiede.
- Daten und Fairness: Ein KI-System liefert für unterschiedliche sprachliche Formulierungen deutlich verschiedene Empfehlungen. Entwickle einen Test, mit dem Du prüfen kannst, ob die Unterschiede zufällig, sachlich begründet oder möglicherweise unfair sind.
- Neue Situation: Deine Klasse soll eine öffentliche Projektwebseite veröffentlichen und darf KI nutzen. Entwickle einen kurzen Handlungsplan, der Eigenleistung, Quellen, Datenschutz, Urheberrecht, Fairness und Kennzeichnung berücksichtigt.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema sollte sichtbar werden:
- Du kannst erklären, was bei der konkreten Aufgabe als geistige Eigenleistung zählt.
- Du kannst KI-Beiträge von eigenen Beiträgen unterscheiden und dokumentieren.
- Du kannst zentrale Sachbehauptungen mit geeigneten Quellen prüfen.
- Du kannst schulische Regeln, rechtliche Fragen und ethische Verantwortung getrennt beurteilen.
- Du kannst personenbezogene und vertrauliche Daten in KI-Kontexten erkennen und schützen.
- Du kannst Fehler, Unsicherheit, Verzerrungen und mögliche gesellschaftliche Folgen eines KI-Systems analysieren.
- Du kannst eine Risikoabwägung durchführen und den notwendigen Grad menschlicher Kontrolle begründen.
- Du kannst eine neue Situation selbstständig bewerten und eine verantwortete Entscheidung vertreten.
Quellen und weiterführende Informationen
- Kultusministerkonferenz: Handlungsempfehlung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen, 2024
- UNESCO: Guidance for generative AI in education and research
- Datenschutzkonferenz: Orientierungshilfe Künstliche Intelligenz und Datenschutz
- Urheberrechtsgesetz § 2: Geschützte Werke
- Urheberrechtsgesetz § 7: Urheber
- Urheberrechtsgesetz § 63: Quellenangabe
- klicksafe: KI and me – Wie künstliche Intelligenz unser Leben prägt, 2026
Hinweis zu den Medien: Die eingebundenen Wikimedia-Commons-Dateien stehen unter den jeweils auf Commons angegebenen freien Lizenzen bzw. gemeinfreien Freigaben. YouTube-Videos werden als externe Medien eingebettet und bleiben bei ihren jeweiligen Anbietern.
OERs zum Thema
Datei:Media and Information literacy.pdf
Verknüpfte Lernbereiche
Fächerübergreifende Anschlussfragen
| Lernbereich | Möglicher Anschluss |
|---|---|
| Informatik | Modelle, Trainingsdaten, Wahrscheinlichkeiten, Halluzinationen, Mensch-Maschine-Interaktion |
| Deutsch | Schreiben, Argumentieren, Überarbeiten, Kennzeichnen von Hilfsmitteln, Quellenarbeit |
| Mathematik | Stichproben, Quoten, Unsicherheit, Diagramme und Datenkritik |
| Technik | Automatisierung, Kontrolle, Fehlertoleranz und Human-in-the-Loop |
| Wirtschaft | Produktivität, Qualifikation, Geschäftsmodelle, Verantwortung und Zugang |
| Geschichte | Originalquellen, Anachronismen, Perspektivität und historische Deutung |
| Ethik | Autonomie, Fairness, Verantwortung, Wahrhaftigkeit und Folgenabschätzung |
| Gemeinschaftskunde | Desinformation, politische Kommunikation, Regulierung und digitale Teilhabe |
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